ABI - Fiktionalität und literarische Kommunikation reflektieren

ABI - Fiktionalität und literarische Kommunikation reflektieren
ABI - Fiktionalität und literarische Kommunikation reflektieren
Mini-Beschreibung: Du unterscheidest Autor, Erzähler, lyrisches Ich beziehungsweise lyrische Sprechinstanz und Figur. Du reflektierst, wie Text, Autor, Kontext und Rezeption zusammenwirken, und prüfst Kommunikationsmodelle auf ihren Nutzen für literarische Texte. Zielgruppe ist die Kursstufe im Deutsch-Abitur 2027 in Baden-Württemberg.

Einleitung
Literarische Texte kommunizieren anders als ein Gespräch: Autor und Lesende müssen sich nicht begegnen, Texte können Jahrhunderte überdauern, erfundene Stimmen sprechen lassen und mehrere plausible Deutungen ermöglichen. Deshalb ist die Gleichung Autor = Sprecher = Figur meist unbrauchbar.
Leitfrage: Wer spricht im Text – und auf welcher Ebene?
Einstieg: Drei Ebenen in 30 Sekunden
Eigener Übungstext dieses aiMOOCs: „Ich legte den Brief auf den Tisch. Mara schwieg. Morgen, dachte ich, wird alles anders sein.“
- Markiere die Wörter, die auf eine erzählende Stimme verweisen.
- Unterscheide: Wer hat den Übungstext verfasst? Wer erzählt? Welche Figuren treten auf?
- Formuliere eine Hypothese, warum die Autorperson nicht mit dem erzählenden Ich gleichgesetzt werden darf.
Feedback / Lösung: Verfasst wurde der Übungstext für diesen Kurs. Innerhalb des Textes spricht ein Ich-Erzähler; Mara ist eine Figur. Auch wenn ein Text in der Ich-Form steht, folgt daraus nicht, dass die empirische Autorperson von sich selbst berichtet.
Lernziele
Nach diesem aiMOOC kannst Du
- Fiktionalität und Fiktivität von Faktualität unterscheiden,
- Autor, Erzähler, lyrische Sprechinstanz und Figur textnah auseinanderhalten,
- ein literarisches Kommunikationsmodell auf Erzähltext, Lyrik und Drama anwenden,
- Kontext- und Autorwissen als Deutungshilfe prüfen, ohne es an die Stelle der Textanalyse zu setzen,
- Rezeption als historisch und medial veränderlichen Prozess reflektieren,
- Ergebnisse in den Anforderungsbereichen AFB I, II und III formulieren,
- KI gezielt einsetzen und ihre Vorschläge unabhängig am Text und an Quellen prüfen.
Vorwissen aktivieren
Kurzdiagnose: Erkläre ohne Nachschlagen in je einem Satz: Erzähler, lyrisches Ich, Autor, Figur, Kontext, Rezeption. Vergleiche danach Deine Sätze mit den Begriffsboxen unten.
Ampel: Grün = sicher erklären; Gelb = mit Beispiel; Rot = nacharbeiten. Notiere zwei rote oder gelbe Begriffe als persönliche Lernziele.
Abitur 2027 Baden-Württemberg: Rahmen
Stand dieses aiMOOCs: 24.09.2026. Maßgeblich bleiben der aktuelle Facherlass, der Bildungsplan und die konkrete schulische Lektüreauswahl. Vorgaben späterer Prüfungsjahrgänge müssen neu geprüft werden.
Kultusministerium Baden-Württemberg: Abiturinformationen
Facherlass Abitur 2027, Stand 09.09.2025
| Bereich | Basisfach | Leistungsfach |
|---|---|---|
| Literarische Texte | Mindestens zwei Ganzschriften aus der verbindlichen Auswahl, darunter ein dramatischer und ein epischer Text; die schulische Auswahl entscheidet, womit Du konkret arbeitest. | Verbindlich sind unter anderem Kleists Der zerbrochne Krug und Erpenbecks Heimsuchung; zusätzlich werden weitere Ganzschriften behandelt. Die schulische Planung ist maßgeblich. |
| Anforderungsbereiche | Alle AFB; Schwerpunkt AFB II, AFB I stärker als AFB III. | Alle AFB; Schwerpunkt AFB II, AFB III stärker als AFB I. |
| Abiturbezug | Der Facherlass beschreibt für das Basisfach die mündliche Abiturprüfung mit Stoff aus allen Kurshalbjahren, Ganzschriften und Lyrik. | Schriftliche Prüfung: 315 Minuten einschließlich Auswahlzeit; aus vier Aufgaben wird eine gewählt. |
Wichtig: Dieser aiMOOC trainiert übertragbare Analyse- und Reflexionskompetenzen. Er ersetzt weder den Unterricht noch die jeweils festgelegte Lektüre.
Verbindliche Lektüren: nur als Orientierung
Basisfach-Auswahl 2027 im Facherlass: episch: Juli Zeh, Corpus Delicti; Jenny Erpenbeck, Heimsuchung; Thomas Mann, Mario und der Zauberer. Dramatisch beziehungsweise dramatisch-auditiv: Georg Büchner, Woyzeck; Heinrich von Kleist, Der zerbrochne Krug; Ingeborg Bachmann, Der gute Gott von Manhattan als Hörspiel.
Leistungsfach 2027: Heinrich von Kleist, Der zerbrochne Krug, und Jenny Erpenbeck, Heimsuchung, gehören zu den verbindlichen Werken; weitere Ganzschriften und thematische Kontexte kommen hinzu.
Geschützte Ganzschriften werden hier nicht wiedergegeben. Arbeite mit Deiner legal bereitgestellten Ausgabe und zitiere nur kurz und funktional.
Grundbegriffe
Fiktionalität, Fiktivität, Faktualität
| Begriff | Präzise Kurzdefinition | Prüffrage |
|---|---|---|
| Fiktionalität | Kommunikativer Status eines Textes, der keine unmittelbare Faktentreue für jede Aussage beansprucht und eine fiktionale Welt entwerfen kann. | Welche Geltungsansprüche stellt der Text? |
| Fiktivität | Eigenschaft einzelner Figuren, Orte oder Ereignisse, innerhalb eines Textes erfunden zu sein. | Ist dieses Element als reales Element behauptet oder textintern entworfen? |
| Faktualität | Kommunikationsmodus, in dem Aussagen grundsätzlich als Aussagen über die reale Welt mit Wahrheitsanspruch präsentiert werden. | Welche Aussagen sollen als überprüfbare Tatsachen gelten? |
Merke: Fiktion ist nicht einfach „Lüge“. Eine Lüge täuscht über einen behaupteten Sachverhalt; fiktionale Kommunikation signalisiert einen anderen Geltungsrahmen.
Videoauftrag: Notiere drei Definitionen oder Unterscheidungen aus dem Video. Prüfe jede anschließend an dieser Begriffsbox. Markiere Vereinfachungen oder Abweichungen.
Autor, Erzähler, lyrische Sprechinstanz, Figur
| Instanz | Ebene | Nicht automatisch gleichzusetzen mit |
|---|---|---|
| Empirischer Autor | reale Person der Textproduktion | Erzähler, lyrisches Ich, Figur |
| Erzähler | textinterne Vermittlungsinstanz eines Erzähltexts | Autorperson |
| Lyrische Sprechinstanz | Stimme beziehungsweise Sprechposition im Gedicht | empirische Autorperson |
| Figur | handelndes oder sprechendes Element der dargestellten Welt | Autorperson |
Nuance für die Kursstufe: Auch der Ausdruck „lyrisches Ich“ ist ein Analysebegriff. Ob ein Gedicht fiktional, autobiografisch oder in anderer Weise faktual gerahmt ist, muss am konkreten Text und Kontext geprüft werden. Die Sprechinstanz ist deshalb zunächst textbezogen zu bestimmen.
Erzählen ist Vermitteln
Analyseauftrag: Erstelle nach dem Video eine eigene Mini-Grafik zu Ich-Erzähler, personalem und auktorialem Erzählen. Prüfe danach: Welche Kategorien beschreibt das Video vereinfacht? Welche präziseren Begriffe aus Deinem Unterricht brauchst Du zusätzlich, etwa Erzählform, Perspektive, Fokalisierung oder Distanz?
Kommunikationsmodelle literarischer Texte

Das Shannon-Weaver-Modell macht Sender, Kanal, Signal, Empfänger und mögliche Störung sichtbar. Für Literatur ist es als Basismodell nützlich, aber zu linear: Bedeutung wird nicht einfach wie ein Paket übertragen.

Schramms Modell betont Rückkopplung und Erfahrungshorizonte. Literarische Rezeption ist jedoch oft zeitversetzt: Ein Autor erhält von späteren Lesenden keine unmittelbare Rückmeldung.
Ein erweitertes Modell
| Ebene | Produktion / Stimme | Medium / Zeichen | Rezeption / Adressierung |
|---|---|---|---|
| Außenkommunikation | empirischer Autor und weitere Produktionsinstanzen | veröffentlichtes Werk, Ausgabe, Bühne, Audio, Film | empirische Leser, Hörer, Zuschauer |
| Textinterne Kommunikation | Erzähler oder lyrische Sprechinstanz | sprachliche Gestaltung, Perspektive, Struktur | textinterner Adressat oder angesprochenes Du |
| Dargestellte Welt | Figuren sprechen und handeln | Dialoge, Briefe, Gedanken, Handlungen | andere Figuren |
| Rezeptionsgeschichte | Deutungen werden produziert | Kritik, Unterricht, Forschung, Adaption | spätere Öffentlichkeiten |
Modellgrenze: Kein Kommunikationsschema „liefert“ die Bedeutung eines literarischen Textes. Es hilft, Ebenen zu trennen und Belege zu ordnen.
Jakobson als Ergänzung
Das Kommunikationsmodell Roman Jakobsons unterscheidet Funktionen von Sprache, unter anderem referentielle, expressive, appellative und poetische Funktion. Für Literatur ist die poetische Funktion besonders ergiebig, weil sie die Aufmerksamkeit auf die Gestaltung der Nachricht selbst lenkt. Ein Gedicht kann zugleich mehrere Funktionen aktivieren.
Transferfrage: Was verändert sich an einer Aussage, wenn Klang, Rhythmus, Wiederholung oder Mehrdeutigkeit nicht bloß Verpackung, sondern Teil der Bedeutung sind?
Text – Autor – Kontext – Rezeption

| Zugriff | Chance | Risiko |
|---|---|---|
| Textintern | Wortwahl, Struktur, Perspektive und Motive sind direkt belegbar. | Kontext kann unterschätzt werden. |
| Autorbezogen | Briefe, Poetik oder biografische Daten können Entstehungsbedingungen erhellen. | Biografismus: Text wird vorschnell als Selbstzeugnis gelesen. |
| Kontextbezogen | historische, soziale, poetologische und mediale Bedingungen werden sichtbar. | Kontextwissen ersetzt die Textanalyse. |
| Rezeptionsbezogen | unterschiedliche Lesarten und historische Veränderungen werden erkennbar. | Popularität wird mit Textbedeutung verwechselt. |
Prüfregel: Kontextwissen ist ein Argument nur dann, wenn Du zeigst, wie es eine konkrete Textbeobachtung erklärt, präzisiert oder problematisiert.
Medienlabor
Station A: Autorbild und lyrische Stimme

Die Aufnahme von Wandrers Nachtlied bei LibriVox ist gemeinfrei. Das Gemälde von Tischbein ist als gemeinfreies Kunstwerk auf Wikimedia Commons verfügbar.
Auftrag: Höre die Aufnahme zweimal. Notiere beim ersten Hören Wirkungseindrücke, beim zweiten sprachliche beziehungsweise klangliche Belege. Erkläre anschließend, warum ein Porträt Goethes keine Begründung dafür ist, die Gedichtstimme mit Goethe gleichzusetzen.
Hilfestufe 1: Trenne Produktionsperson, Sprechposition im Gedicht und heutige Sprecherstimme der Aufnahme.
Hilfestufe 2: Formuliere: „Die Aufnahme gestaltet die Sprechinstanz durch ..., während das Porträt ... zeigt; beides beweist nicht ...“
Lösungskern: Autorporträt und Rezitation gehören zur äußeren Medien- und Rezeptionsgeschichte. Die lyrische Sprechinstanz wird aus dem Gedicht erschlossen. Eine Identität mit der empirischen Autorperson ist aus Bild oder Ich-Form nicht ableitbar.
Station B: Autorbild und Erzähler

Die Kafka-Fotografie ist auf Wikimedia Commons als gemeinfrei gekennzeichnet. Die Hörfassung steht dort unter freier Lizenz.
Auftrag: Höre die kurze Kafka-Lesung. Erstelle eine Tabelle mit drei Spalten: Autor – Erzählinstanz – Figuren. Trage nur Informationen ein, die Du aus Quelle oder Text wirklich begründen kannst. Formuliere danach einen Satz über eine Grenze biografischer Deutung.
Lösungskern: Franz Kafka ist die historische Autorperson. Erzählinstanz und Figuren sind textanalytische Kategorien. Ein Foto des Autors liefert keine Aussage über die Perspektive oder Zuverlässigkeit der Erzählinstanz.
Station C: Epoche als Kontext, nicht als Etikett
Auftrag: Wähle zwei im Video genannte Epochenmerkmale. Suche in einem tatsächlich behandelten Text je einen Beleg und einen Gegenbeleg oder eine Abweichung. Entscheide dann, ob die Epochenzuordnung Deine Interpretation präzisiert.
Feedback: Ein Epochenbegriff ist nützlich, wenn er Textmerkmale erklärt. Er ist schwach, wenn er nur als Etikett ohne Textbeleg dient.
Station D: Schreiben als kulturelle Praxis

Bildauftrag: Beschreibe zunächst nur Sichtbares. Deute anschließend, welches Bild von Autorschaft oder Schreiben dargestellt wird. Vergleiche es mit heutiger kollaborativer Textproduktion, Lektorat und KI-Unterstützung. Trenne Beobachtung, Deutung und Bewertung.
Differenzierung: Basisfach und Leistungsfach
| Kompetenz | Basisfach | Leistungsfach |
|---|---|---|
| Instanzen unterscheiden | sicher und textnah: Autor, Erzähler/Sprechinstanz, Figur | zusätzlich Modelle und Grenzfälle reflektieren, etwa unzuverlässiges Erzählen oder implizite Adressierung |
| Kontext nutzen | ausgewähltes Kontextwissen funktional auf Textbeobachtungen beziehen | mehrere Kontexte gegeneinander prüfen und ihren Erklärungswert bewerten |
| Kommunikationsmodell | Ebenen korrekt anwenden und Grenzen benennen | Modelle vergleichen, theoretische Begriffe wie Fokalisierung oder impliziter Leser gezielt nutzen und problematisieren |
| Rezeption | unterschiedliche Deutungen vergleichen | Rezeptionsbedingungen, Medienwechsel und Deutungskonflikte eigenständig bewerten |
Keine G/M/E-Stufen: Die Differenzierung erfolgt hier ausschließlich nach Basisfach und Leistungsfach.
Anforderungsbereiche AFB I, II und III
| AFB | Erwartung | Beispiel zu diesem Thema |
|---|---|---|
| AFB I | wiedergeben, benennen, beschreiben | Erzählerform, Sprechinstanz oder Figurenkonstellation korrekt bestimmen |
| AFB II | analysieren, erklären, verknüpfen | zeigen, wie Perspektive und sprachliche Gestaltung die Leserlenkung prägen |
| AFB III | reflektieren, beurteilen, problematisieren, übertragen | den Nutzen eines Kommunikationsmodells für eine konkrete Deutung abwägen und Grenzen begründen |
Formel für starke Antworten: Beobachtung → Beleg → Analyse → Deutung → Rückbindung an die Aufgabe.
KI-Spirale für literarische Aufgaben
KI ersetzt keine eigene Textarbeit. Nutze sie in dieser Reihenfolge:
- Aufgabe verstehen: Operatoren, Textbasis und Ziel klären.
- Selbst Material erschließen: lesen, markieren, strukturieren, Belege sichern.
- Eigenen Ansatz entwickeln: Deutungshypothese und Gliederung formulieren.
- KI gezielt befragen: zum Beispiel nach Gegenargumenten, Begriffsklärung oder alternativen Modellanwendungen.
- Unabhängig prüfen: Texttreue, Fakten, Logik und Quellen kontrollieren.
- Eigene Lösung verbessern: nur nachvollziehbare Vorschläge übernehmen.
- KI-Hilfe transparent machen: Art und Umfang der Unterstützung dokumentieren.
Datenschutz: Keine unnötigen personenbezogenen Daten oder nicht freigegebenen Materialien in KI-Systeme eingeben.
Urheberrecht: Gemeinfreie, offene oder selbst erstellte Materialien bevorzugen. Geschützte Ganzschriften nicht vollständig hochladen, kopieren oder wiedergeben. Kurze Zitate nur funktional und mit Quelle nutzen.
KI-Prüfauftrag
Gib einer KI nur Deine eigene Deutungshypothese und drei selbst ausgewählte Textbelege. Bitte um zwei mögliche Einwände. Prüfe anschließend jeden Einwand selbst am Text.
Transparenzsatz: „KI wurde zur Gegenprüfung meiner Deutungshypothese und zur Erzeugung von Einwänden genutzt; Textbelege, Quellenprüfung und Endfassung wurden eigenständig geprüft und erstellt.“
Abitur-Check
Typische Fehler
- Autor-Erzähler-Verwechslung: „Der Autor erzählt ...“, obwohl nur die Erzählinstanz belegt ist.
- Biografismus: Lebensdaten ersetzen die Analyse.
- Epochenetikett: Ein Text wird einer Epoche zugeordnet, ohne die Funktion konkreter Merkmale zu zeigen.
- Beleglücke: Deutung wird behauptet, aber nicht am Text nachgewiesen.
- Modellgläubigkeit: Das Kommunikationsmodell wird als fertige Interpretation behandelt.
- Rezeptionsfehler: Eine heutige Wirkung wird als zeitlose Bedeutung ausgegeben.
- KI-Übernahme: Begriffe oder Zitate werden ungeprüft aus einer KI-Antwort übernommen.
Prüfungstipps
- Beginne mit einer präzisen Deutungshypothese, nicht mit Autorbiografie.
- Benenne die Kommunikationsinstanz nur so genau, wie der Text es erlaubt.
- Nutze Kontext selektiv: Jeder Kontextbezug braucht eine erkennbare Funktion für die Textdeutung.
- Bei AFB III: nenne Kriterien, Gegenargumente und Grenzen Deines Urteils.
- Prüfe Zitate wortgetreu an Deiner Ausgabe.
- Plane am Ende Zeit für Aufgabenbezug, Übergänge, Belege und sprachliche Präzision ein.
Interaktive Aufgaben
Quiz: Teste Dein Wissen
Welche Instanz ist bei einem fiktionalen Erzähltext zunächst vom empirischen Autor zu unterscheiden? (Erzähler) (!Verlag) (!Leserschaft) (!Buchhandel)
Was bezeichnet Fiktivität am präzisesten? (Die Erfundenheit eines Elements der dargestellten Welt) (!Die Länge eines literarischen Textes) (!Die historische Wirkung eines Werkes) (!Die Biografie des Autors)
Was ist eine sinnvolle Funktion von Kontextwissen? (Eine textnahe Beobachtung erklären oder präzisieren) (!Die Textanalyse vollständig ersetzen) (!Die Autorabsicht eindeutig beweisen) (!Jede Deutung automatisch bestätigen)
Welche Aussage zum lyrischen Ich ist fachlich angemessen? (Es ist zunächst als textbezogene Sprechposition zu analysieren) (!Es ist immer identisch mit dem Autor) (!Es ist immer eine historische Person) (!Es ist grundsätzlich der reale Leser)
Welche Stärke hat das Shannon-Weaver-Modell für literarische Kommunikation? (Es macht grundlegende Kommunikationskomponenten sichtbar) (!Es liefert automatisch die einzig richtige Interpretation) (!Es erklärt jede historische Rezeption vollständig) (!Es setzt Erzähler und Autor gleich)
Welche Aussage beschreibt Rezeption am besten? (Sie kann sich mit Zeit, Medium und Publikum verändern) (!Sie ist seit der Erstveröffentlichung unveränderlich) (!Sie ist identisch mit der Autorbiografie) (!Sie findet nur beim Schreiben statt)
Was verlangt AFB II typischerweise? (Analysieren und Zusammenhänge erklären) (!Nur Fachbegriffe abschreiben) (!Ohne Belege frei urteilen) (!Ausschließlich persönliche Eindrücke nennen)
Was kennzeichnet AFB III? (Eigenständig reflektieren und begründet beurteilen) (!Nur Textstellen lokalisieren) (!Nur Inhaltsangaben schreiben) (!Nur Begriffe definieren)
Was ist ein sinnvoller KI-Einsatz bei einer Interpretation? (Gegenargumente erzeugen und anschließend selbst am Text prüfen) (!Ungeprüfte Zitate übernehmen) (!Die Ganzschrift vollständig ersetzen lassen) (!Die eigene Lektüre auslassen)
Welche Reihenfolge passt zur KI-Spirale dieses Kurses? (Eigenständig erschließen dann KI gezielt nutzen dann unabhängig prüfen) (!KI antworten lassen dann Text nicht mehr lesen) (!Kontext suchen dann Belege erfinden dann KI zitieren) (!Autorbiografie lesen dann Erzähler mit Autor gleichsetzen)
Quiz-Feedback: 9–10 richtig: Kompetenzcheck auf Leistungsfach-Niveau versuchen. 7–8 richtig: Transferaufgaben bearbeiten. 0–6 richtig: Grundbegriffe und Kommunikationsmodell erneut durcharbeiten.
Memory
| Empirischer Autor | reale Produktionsperson |
| Erzähler | Vermittlungsinstanz im Erzähltext |
| Lyrische Sprechinstanz | Stimme im Gedicht |
| Figur | Element der dargestellten Welt |
| Fiktionalität | kommunikativer Geltungsrahmen |
| Fiktivität | Erfundenheit eines Textelements |
| Kontext | Deutungshorizont |
| Rezeption | Aufnahme und Deutung eines Werkes |
Drag and Drop
| Ordne die richtigen Begriffe zu. | Thema |
|---|---|
| Empirischer Autor | Produktion |
| Erzähler | Vermittlungsinstanz |
| Figur | Handlungsebene |
| Empirischer Leser | Rezeption |
| Kontext | Deutungshorizont |
Feedback: Prüfe besonders, ob Du Produktionsebene, textinterne Vermittlung und dargestellte Welt auseinanderhältst.
Kreuzworträtsel
| Erzähler | Welche Instanz vermittelt einen Erzähltext? |
| Rezeption | Wie heißt die Aufnahme und Deutung eines Werkes? |
| Fiktionalität | Wie heißt der kommunikative Status fiktionaler Texte? |
| Kontext | Welcher Begriff bezeichnet relevante historische oder kulturelle Zusammenhänge? |
| Figur | Wie heißt ein handelndes Element der dargestellten Welt? |
| Autor | Wie heißt die reale Produktionsperson eines Werkes? |
LearningApps
Lückentext
Selbstkontrolle und Kompetenzcheck
Bewerte Dich nach jeder Zeile mit sicher – teilweise – noch offen.
| Ich kann ... | Selbstcheck |
|---|---|
| Autor, Erzähler, lyrische Sprechinstanz und Figur an einem unbekannten Text unterscheiden. | sicher / teilweise / noch offen |
| Fiktionalität, Fiktivität und Faktualität an Beispielen erklären. | sicher / teilweise / noch offen |
| ein Kommunikationsmodell anwenden und seine Grenzen benennen. | sicher / teilweise / noch offen |
| Kontextwissen mit Textbelegen verknüpfen. | sicher / teilweise / noch offen |
| eine Rezeptionsposition mit einer eigenen textnahen Deutung vergleichen. | sicher / teilweise / noch offen |
| KI-Vorschläge unabhängig auf Texttreue, Fakten, Logik und Quellen prüfen. | sicher / teilweise / noch offen |
Kompetenzcheck Basisfach
Aufgabe: Nimm einen im Unterricht behandelten kurzen Abschnitt. Bestimme Kommunikationsinstanzen und zeige an zwei Belegen, wie Perspektive oder Sprechhaltung die Rezeption lenkt. Ergänze einen funktionalen Kontextbezug.
Hilfestufe 1: Wer produziert den Text real? Wer spricht textintern? Wer handelt in der dargestellten Welt?
Hilfestufe 2: Nutze die Folge Beobachtung → Beleg → Analyse → Deutung.
Lösungskriterien: klare Ebenentrennung, zwei genaue Textbelege, keine Autor-Erzähler-Gleichsetzung, Kontextbezug mit erkennbarer Funktion.
Kompetenzcheck Leistungsfach
Aufgabe: Vergleiche Shannon-Weaver und das erweiterte literarische Kommunikationsmodell an einem behandelten Text. Beurteile, welches Modell welche Aspekte sichtbar macht und welche es verdeckt.
Hilfestufe 1: Prüfe Linearität, Rückkopplung, Textinternalität, Mehrdeutigkeit und historische Distanz.
Hilfestufe 2: Formuliere mindestens ein Kriterium für den Modellvergleich und ein Gegenargument zu Deiner ersten Präferenz.
Lösungskriterien: beide Modelle korrekt, textbezogene Anwendung, begründeter Vergleich, explizite Modellgrenzen, eigenständiges Urteil statt Rangliste ohne Kriterien.
Transfer
Transfer 1: Ein Post, zwei Geltungsrahmen
Schreibe denselben Zweizeiler einmal als fiktionalen Romananfang und einmal als faktualen Nachrichtenhinweis. Verändere so wenig Wörter wie möglich. Erkläre, wodurch sich der Geltungsanspruch trotzdem ändert.
Lösungsidee: Nicht nur der Satzinhalt, sondern Rahmung, Textsorte, Quelle und Rezeptionskonvention beeinflussen, ob eine Aussage als fiktional oder faktual verstanden wird.
Transfer 2: Medienwechsel
Vergleiche einen kurzen Prosaausschnitt aus Deiner Lektüre mit einer legal zugänglichen Hör- oder Bühnenfassung. Untersuche, wie Stimme, Tempo, Bild oder Schnitt die wahrgenommene Kommunikationssituation verändern.
Lösungsidee: Mediengestaltung ergänzt interpretierende Entscheidungen. Sie kann Nähe, Distanz, Figurenbild oder Mehrdeutigkeit verändern, ohne dadurch automatisch die Textbedeutung festzulegen.
Transfer 3: Gegenrezeption
Suche zwei kurze, seriöse Rezensionen oder Forschungspositionen zu einem Werk. Rekonstruiere deren zentrale Deutung und prüfe beide an derselben Textstelle.
Lösungsidee: Gute Rezeptionsanalyse nennt Quelle und Kriterien, trennt referierte Position von eigener Deutung und entscheidet anhand des Textes, welche Aspekte tragfähig sind.
Offene Aufgaben
Leicht
- Instanzen-Karte: Gestalte eine eigene Grafik mit Autor, Erzähler oder lyrischer Sprechinstanz, Figur und Leser für einen behandelten Text.
- Mikroerzählung: Schreibe 120 Wörter mit einem Ich-Erzähler und markiere danach alles, was die Erzählinstanz von der Autorperson unterscheidbar macht.
- Audiostimme: Nimm einen selbst geschriebenen Vierzeiler zweimal mit unterschiedlicher Sprechhaltung auf und beschreibe die veränderte Wirkung.
- Bildanalyse Autorschaft: Vergleiche zwei gemeinfreie Darstellungen von Schreibenden und formuliere drei Beobachtungen sowie zwei Deutungshypothesen.
Standard
- Kommunikationsmodell: Übertrage einen behandelten Prosaausschnitt in ein eigenes Kommunikationsdiagramm und begründe jede Verbindung.
- Rezeptionsvergleich: Vergleiche zwei kurze Rezensionen zu derselben Lektüre und prüfe ihre Deutungen an mindestens zwei Textbelegen.
- Medienvergleich: Vergleiche Text und legale Audio- oder Bühnenfassung und untersuche, wie das Medium die Rezeption steuert.
- KI-Gegenlesung: Entwickle zuerst selbst eine Deutungshypothese, lasse KI zwei Einwände formulieren, prüfe diese am Text und dokumentiere transparent, was Du übernommen oder verworfen hast.
Schwer
- Modellkritik: Vergleiche Shannon-Weaver, Schramm und das erweiterte literarische Kommunikationsmodell. Entwickle anschließend ein eigenes Modell für einen konkreten literarischen Text.
- Kontextprüfung: Recherchiere einen historischen oder poetologischen Kontext aus mindestens zwei belastbaren Quellen und zeige, welche Textdeutung dadurch gestützt und welche gerade nicht bewiesen wird.
- Rezeptionsgeschichte: Erstelle eine Zeitleiste mit mindestens vier Rezeptionsmomenten eines Werkes und erkläre Veränderungen von Medium, Publikum und Deutung.
- Multimodales Prüfungsprojekt: Produziere ein fünfminütiges Erklärvideo oder Audioessay zu Fiktionalität und literarischer Kommunikation, mit selbst erstellter Visualisierung, Quellenliste und Reflexion der eigenen KI-Nutzung.


Lernkontrolle
- Ebenenmodell anwenden: Analysiere einen unbekannten literarischen Abschnitt und begründe, welche Aussagen zur Autorperson zulässig sind und welche nicht.
- Fiktionalität reflektieren: Vergleiche einen fiktional gerahmten und einen faktual gerahmten Text zum selben Thema. Erkläre Unterschiede der Geltungsansprüche und Leserwartungen.
- Kommunikationsmodell beurteilen: Wähle ein Kommunikationsmodell und prüfe an einem literarischen Beispiel zwei Stärken und zwei Grenzen.
- Kontext funktionalisieren: Nutze einen historischen Kontext, um eine konkrete Textbeobachtung zu erklären. Zeige anschließend, wo der Kontext als Erklärung nicht ausreicht.
- Rezeption vergleichen: Stelle zwei Deutungen desselben Textes gegenüber und entscheide anhand transparenter Kriterien, welche Einzelargumente textnäher begründet sind.
- KI-Prüfung: Prüfe eine KI-generierte Interpretation systematisch auf Texttreue, Fakten, Logik, Quellen und erfundene Belege. Überarbeite sie anschließend eigenständig.
Lernnachweis
Für einen Lernnachweis zu diesem Thema solltest Du zeigen, dass Du
- Kommunikationsinstanzen korrekt unterscheidest,
- Fiktionalität, Fiktivität und Faktualität begrifflich sauber verwendest,
- Textbelege präzise analysierst,
- Kontextwissen funktional und quellenkritisch einsetzt,
- Rezeption als veränderlichen Prozess reflektierst,
- ein Kommunikationsmodell anwendest und begründet begrenzt,
- AFB I, II und III erkennbar bewältigst,
- Basisfach- beziehungsweise Leistungsfachanforderungen passend erfüllst,
- KI-Unterstützung transparent machst und alle übernommenen Aussagen selbst prüfst.
Reflexion
Beantworte nach Abschluss schriftlich:
- Wo habe ich Autor, Sprecher oder Figur anfangs verwechselt?
- Welche Textbeobachtung hat meine Deutung am stärksten verändert?
- Welcher Kontext war hilfreich – und welcher nur interessant?
- Welche KI-Antwort musste ich korrigieren oder verwerfen?
- Was würde ich in einer Abituraufgabe beim nächsten Mal zuerst prüfen?
Folgekurs-Empfehlung
Wenn Du bei den Grundbegriffen noch unsicher bist, arbeite weiter mit Erzählperspektive, Lyrisches Ich und Textanalyse.
Für das Basisfach empfiehlt sich anschließend ABI - Erzähltechnik und Perspektivierung analysieren.
Für das Leistungsfach empfiehlt sich anschließend ABI - Mehrdeutigkeit, Intertextualität und Rezeption reflektieren oder ABI - Literarische Texte kontextualisieren und vergleichen.
OERs, Quellen und Rechtehinweise
Amtliche Grundlagen:
- Kultusministerium Baden-Württemberg: Abiturinformationen
- Facherlass 2027, Stand 09.09.2025
- Bildungsplan Deutsch Basisfach Kursstufe
- Bildungsplan Deutsch Leistungsfach Kursstufe
Offene Medien: Die eingebundenen Wikimedia-Commons-Dateien enthalten ihre Lizenz- und Herkunftsangaben auf der jeweiligen Dateiseite. Fragonards The Reader, Tischbeins Goethe-Darstellung, Caravaggios Saint Jerome Writing und die Kafka-Fotografie sind dort als gemeinfrei ausgewiesen; das Shannon-Weaver-Diagramm ist CC0, das Schramm-Diagramm CC BY-SA 4.0. Die LibriVox-Goethe-Aufnahme ist gemeinfrei; die Kafka-Lesung ist auf Commons frei lizenziert.
YouTube: Eingebettete Videos sind externe Lernmedien und werden nicht als OER des aiMOOCs ausgegeben. Prüfe Verfügbarkeit, Anbieterangaben und Nutzungsbedingungen.
Geschützte Lektüren: Dieser Kurs nennt Werke zur Orientierung, gibt sie aber nicht vollständig wieder. Nutze schulisch oder privat rechtmäßig bereitgestellte Ausgaben.
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