Wiesen-Storchschnabel

Wiesen-Storchschnabel
Wiesen-Storchschnabel
Einleitung
Der Wiesen-Storchschnabel (Geranium pratense) ist eine ausdauernde krautige Pflanze aus der Familie der Storchschnabelgewächse. Seine blauvioletten Blüten, tief geteilten Blätter und die auffällig geschnäbelte Frucht machen ihn zu einer gut erkennbaren Wiesenpflanze. Du findest ihn vor allem auf frischen, nährstoffreichen Wiesen, an Wegrändern, Böschungen und Säumen.
Dieser aiMOOC richtet sich besonders an Lernende der Klassen 6 bis 8. Du lernst, wie Du den Wiesen-Storchschnabel erkennst, wie seine Bestäubung funktioniert und warum seine Frucht wie ein kleines Katapult arbeitet.

Steckbrief
Wissenschaftlicher Name: Geranium pratense L.
Familie: Storchschnabelgewächse (Geraniaceae)
Gattung: Storchschnäbel (Geranium)
Lebensform: ausdauernde, sommergrüne krautige Pflanze
Wuchshöhe: meist etwa 20 bis 80 Zentimeter
Blütezeit: vor allem Juni bis August
Blütenfarbe: meist hell blauviolett bis lilablau
Lebensraum: frische bis wechselfrische, meist nährstoffreiche Wiesen sowie Säume, Wegränder und Dämme
Blätter und Wuchs
Die Laubblätter stehen gegenständig am Stängel. Ihre Spreite ist tief handförmig geteilt; häufig sind sieben Hauptabschnitte erkennbar, die selbst wieder tief eingeschnitten und gesägt sind. Stängel und Blattstiele tragen nach unten gerichtete Haare. Besonders im oberen Bereich können zusätzlich Drüsenhaare vorkommen.
Unterirdisch besitzt die Pflanze ein kräftiges Rhizom. Als mehrjährige Pflanze kann sie dadurch mehrere Vegetationsperioden überdauern.
Blüten erkennen
Die Blüten stehen meist zu zweit. Jede Blüte ist radiärsymmetrisch und besitzt fünf Kelchblätter sowie fünf auffällige Kronblätter. Die Kronblätter sind meist lilablau bis hell blauviolett und ungefähr 15 bis 22 Millimeter lang. Im Zentrum befinden sich zehn Staubblätter.

Die Blütezeit liegt in Mitteleuropa überwiegend zwischen Juni und August. Die offenen Blüten machen Nektar und Pollen für verschiedene Insekten erreichbar.
Bestäubung
Die Blüten des Wiesen-Storchschnabels sind vormännlich. Das bedeutet: Zuerst geben die Staubbeutel Pollen ab, später werden die Narben empfängnisbereit. Diese zeitliche Trennung erschwert die Selbstbestäubung und begünstigt die Übertragung von Pollen zwischen verschiedenen Blüten.
Zu den Blütenbesuchern gehören besonders Bienen und Schwebfliegen, außerdem können auch Schmetterlinge auftreten. Die Insekten erhalten Nahrung, während sie gleichzeitig Pollen übertragen.

Frucht und Samenverbreitung
Nach der Blüte entsteht die typische lang geschnäbelte Frucht. Ihre Form erinnert an den Schnabel eines Storches und erklärt den deutschen Namen Storchschnabel. Auch der wissenschaftliche Gattungsname Geranium verweist auf einen langen Vogelschnabel: Er geht auf das griechische Wort für Kranich zurück.

Bei der Reife trocknet die Frucht aus. Teile der Frucht lösen sich plötzlich von der Mittelsäule und schnellen nach oben. Dabei werden die Samen fortgeschleudert. Diese Form der Samenverbreitung wird als Schleuder- oder Katapultmechanismus bezeichnet.
Lebensraum und Verbreitung
Der Wiesen-Storchschnabel wächst bevorzugt auf frischen, nährstoffreichen und häufig basen- oder kalkreichen Böden. Typische Standorte sind artenreiche oder nährstoffreiche Wiesen, Wegränder, Böschungen, Dämme und Säume.

Die Art besitzt ein großes natürliches Verbreitungsgebiet in Europa und Asien. Nach Daten von Plants of the World Online reicht das natürliche Areal von Europa weit nach Asien bis in Regionen am Amur und zum Himalaya.
Bedeutung im Ökosystem
Der Wiesen-Storchschnabel ist Teil der Blütenökologie einer Wiese. Seine Blüten werden von verschiedenen Insekten besucht. Gleichzeitig zeigt sein Vorkommen häufig Standorte mit guter Nährstoffversorgung und eher frischen Bodenbedingungen an.
Für die Artenkenntnis ist er besonders interessant, weil sich an einer einzigen Pflanze mehrere ökologische Zusammenhänge beobachten lassen: Blütenbestäubung, Anpassung der Frucht, Samenverbreitung und die Bindung an bestimmte Standortbedingungen.

Bestimmen und Vergleichen
Beim Bestimmen helfen Dir vor allem die Kombination aus tief handförmig geteilten Blättern, blauvioletten fünfzähligen Blüten und der später entstehenden schnabelförmigen Frucht. Ähnliche Arten sind etwa der Wald-Storchschnabel und der Sumpf-Storchschnabel. Deshalb solltest Du nie nur ein einzelnes Merkmal betrachten.
Eine gute Bestimmung verbindet mehrere Beobachtungen: Blattform, Behaarung, Blütenfarbe, Stellung der Blütenstiele und Fruchtform.
Quellen und Vertiefung
- FloraWeb: Geranium pratense – Merkmale, Blühmonate und Standort
- Wikipedia: Wiesen-Storchschnabel – Überblick zu Merkmalen, Ökologie und Verbreitung
- Plants of the World Online – Taxonomie und großräumige Verbreitung
- Biological Flora of Britain and Ireland – vertiefende wissenschaftliche Informationen zur Ökologie
Interaktive Aufgaben
Quiz: Teste Dein Wissen
Wie lautet der wissenschaftliche Name des Wiesen-Storchschnabels? (Geranium pratense) (!Geranium sylvaticum) (!Geranium robertianum) (!Pelargonium zonale)
Zu welcher Pflanzenfamilie gehört der Wiesen-Storchschnabel? (Storchschnabelgewächse) (!Korbblütler) (!Rosengewächse) (!Lippenblütler)
Welche Wuchshöhe ist für den Wiesen-Storchschnabel typisch? (Etwa 20 bis 80 Zentimeter) (!Etwa 2 bis 5 Zentimeter) (!Etwa 2 bis 4 Meter) (!Mehr als 10 Meter)
Wie sind die Blätter des Wiesen-Storchschnabels typischerweise gestaltet? (Tief handförmig geteilt) (!Ungeteilt und nadelförmig) (!Rund und fleischig) (!Schuppenförmig und ohne Blattstiel)
Wie viele Kronblätter besitzt eine typische Blüte? (Fünf) (!Zwei) (!Acht) (!Zwölf)
Wann liegt die hauptsächliche Blütezeit? (Juni bis August) (!November bis Januar) (!Februar bis März) (!September bis Dezember)
Welcher Standort passt besonders gut zum Wiesen-Storchschnabel? (Frische nährstoffreiche Wiese) (!Salziger Meeresstrand) (!Trockene Sanddüne ohne Humus) (!Dunkler Höhlenraum)
Welche Tiere besuchen die Blüten besonders häufig? (Bienen und Schwebfliegen) (!Maulwürfe und Regenwürmer) (!Eidechsen und Frösche) (!Fische und Krebse)
Woher stammt der deutsche Name Storchschnabel? (Von der Form der lang geschnäbelten Frucht) (!Von der Form der Wurzel) (!Von der Farbe des Stängels) (!Von der Größe der Samen)
Wie werden die Samen unter anderem verbreitet? (Durch einen Schleudermechanismus der Frucht) (!Durch Schwimmen im Meer) (!Durch unterirdische Luftströmungen) (!Durch magnetische Anziehung)
Memory
| Geranium pratense | wissenschaftlicher Artname |
| handförmig geteilt | typische Blattform |
| Juni bis August | hauptsächliche Blütezeit |
| Bienen | häufige Blütenbesucher |
| Frischwiese | typischer Lebensraum |
| Schleudermechanismus | Samenverbreitung |
Drag and Drop
| Ordne die richtigen Begriffe zu. | Bedeutung |
|---|---|
| Handförmig geteiltes Blatt | Erkennungsmerkmal |
| Blauviolette fünfzählige Blüte | Blütenmerkmal |
| Schnabelförmige Frucht | Namensgeber |
| Nektar | Nahrung für Blütenbesucher |
| Aufspringende reife Frucht | Samenverbreitung |
Kreuzworträtsel
| Geranium | Wie heißt die wissenschaftliche Gattung des Wiesen-Storchschnabels? |
| Rhizom | Wie heißt ein unterirdisches Sprossorgan, das die Pflanze besitzt? |
| Nektar | Welche zuckerhaltige Flüssigkeit finden Blütenbesucher? |
| Hummel | Welcher kräftige Blütenbesucher aus der Gruppe der Bienen kann die Blüten besuchen? |
| Frischwiese | Welcher Wiesentyp ist ein typischer Lebensraum? |
| Katapult | Welches Prinzip beschreibt das Herausschleudern der Samen? |
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Lückentext
Offene Aufgaben
Leicht
- Pflanzenzeichnung: Zeichne ein Blatt und eine Blüte des Wiesen-Storchschnabels und beschrifte mindestens vier erkennbare Merkmale.
- Fotobeobachtung: Suche auf frei verfügbaren Fotos drei Merkmale, an denen Du den Wiesen-Storchschnabel erkennen kannst.
- Begriffskarte: Erstelle eine kleine Begriffskarte mit den Wörtern Blüte, Frucht, Samen, Wiese und Bestäubung.
- Blütenvergleich: Vergleiche ein Foto des Wiesen-Storchschnabels mit einer anderen Wiesenblume und notiere Gemeinsamkeiten und Unterschiede.
Standard
- Wiesenbeobachtung: Suche den Wiesen-Storchschnabel auf einer Wiese oder an einem Wegrand und dokumentiere Standort, Licht und Bodenfeuchte, ohne Pflanzen auszureißen.
- Bestäuberbeobachtung: Beobachte blühende Pflanzen zehn Minuten lang und notiere, welche Insekten die Blüten besuchen.
- Fruchtmodell: Baue aus Papier oder anderen einfachen Materialien ein Modell, das den Schleudermechanismus der Frucht erklärt.
- Standortvergleich: Vergleiche zwei Grünlandflächen und begründe, auf welcher Fläche Du den Wiesen-Storchschnabel eher erwarten würdest.
Schwer
- Bestimmungsschlüssel: Entwickle einen kleinen Bestimmungsschlüssel, der Wiesen-Storchschnabel und Wald-Storchschnabel anhand mehrerer Merkmale unterscheidet.
- Mahd und Artenvielfalt: Recherchiere, wie unterschiedliche Mahdzeitpunkte Blütenangebot und Samenbildung von Wiesenpflanzen beeinflussen können, und beziehe den Wiesen-Storchschnabel ein.
- Biodiversitätsprojekt: Entwirf für das Schulgelände eine kleine Fläche, auf der heimische Wiesenpflanzen und ihre Bestäuber beobachtet werden können. Begründe Deine Auswahl.
- Erklärvideo: Produziere ein zwei- bis dreiminütiges Video, das Blüte, Bestäubung und Samenverbreitung des Wiesen-Storchschnabels miteinander verknüpft.


Lernkontrolle
- Bestäubungsbiologie: Erkläre, weshalb die Vormännlichkeit der Blüten die Fremdbestäubung fördern kann.
- Standortanalyse: Auf einer Fläche wachsen viele Wiesen-Storchschnäbel. Welche vorsichtigen Aussagen könntest Du über Licht, Bodenfeuchte und Nährstoffangebot treffen? Begründe und nenne Grenzen Deiner Aussage.
- Samenverbreitung: Erkläre, wie Bau und Reife der Frucht zusammenwirken, damit Samen von der Mutterpflanze weg gelangen.
- Artenbestimmung: Du findest eine Pflanze mit blauvioletter Blüte, aber ungeteilten Blättern. Begründe, warum ein einzelnes passendes Merkmal für die Bestimmung als Wiesen-Storchschnabel nicht ausreicht.
- Wiesenmanagement: Vergleiche eine häufig kurz gemähte Rasenfläche mit einer seltener gemähten Wiese. Entwickle eine begründete Vermutung dazu, wo der Wiesen-Storchschnabel eher zur Blüte und Samenreife kommen kann.
- Nahrungsnetz: Ordne den Wiesen-Storchschnabel in ein einfaches Nahrungs- und Bestäubungsnetz ein und erkläre mindestens zwei Beziehungen zu anderen Organismen.
Lernnachweis
Für einen Lernnachweis zu diesem Thema solltest Du zeigen können, dass Du:
- den Wiesen-Storchschnabel anhand mehrerer Merkmale beschreiben und von ähnlichen Pflanzen abgrenzen kannst,
- den wissenschaftlichen Namen Geranium pratense und die Familie der Storchschnabelgewächse kennst,
- Blütezeit und typische Lebensräume korrekt einordnen kannst,
- den Zusammenhang zwischen Blütenbau, Insektenbesuch und Bestäubung erklärst,
- die schnabelförmige Frucht mit dem Namen der Pflanze und der Samenverbreitung verknüpfst,
- Beobachtungen aus einer Wiese vorsichtig auswertest und ökologische Zusammenhänge begründest.
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