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Weltliteratur verstehen - Iphigenie in Aulis - Euripides

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Weltliteratur verstehen - Iphigenie in Aulis - Euripides

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Weltliteratur verstehen - Iphigenie in Aulis - Euripides


Einleitung

Iphigenie in Aulis ist eine Tragödie von Euripides. Das Stück entstand am Ende des 5. Jahrhunderts v. Chr. und wurde nach dem Tod des Dichters im Jahr 405 v. Chr. aufgeführt. Es gehört zur antiken griechischen Literatur.

Die Handlung spielt kurz vor dem Trojanischen Krieg. Die griechische Flotte wartet in Aulis auf Wind. Der Seher Kalchas erklärt, die Göttin Artemis verlange die Opferung von Iphigenie, der Tochter Agamemnons. Agamemnon gerät dadurch in einen schweren Konflikt zwischen Familie, Macht, Krieg und religiöser Pflicht.

Wichtig: Das Werk ist antik. Die deutsche Übersetzung von Friedrich Schiller entstand erst im 18. Jahrhundert. Das Entstehungsdatum des griechischen Dramas und das Erscheinungsdatum einer späteren Übersetzung dürfen deshalb nicht verwechselt werden.

Die vorhandene MOOCwiki-Buchausgabe wird nicht neu angelegt, sondern hier verwendet:

Buch - Iphigenie in Aulis - Euripides


Kurzbeschreibung des Buches

Das griechische Heer will nach Troja segeln. Doch in Aulis herrscht Windstille. Agamemnon erfährt, dass seine Tochter Iphigenie geopfert werden soll. Er lockt sie mit dem falschen Versprechen einer Hochzeit mit Achilles ins Lager. Klytämnestra, Iphigenies Mutter, entdeckt die Täuschung. Achilles bietet Hilfe an. Iphigenie wehrt sich zunächst gegen den Tod, entscheidet sich später aber dafür, ihr Leben für die Griechen hinzugeben. Gerade dieser Wandel macht die Tragödie besonders schwierig und deutungsoffen.

Das Stück fragt: Wie frei ist eine Entscheidung, wenn eine ganze Gesellschaft Druck ausübt? Darf ein politisches Ziel über das Leben eines einzelnen Menschen gestellt werden? Welche Macht haben Familie, Religion, Krieg und öffentliche Meinung?


Volltext der historischen deutschen Übersetzung

Für den vollständigen historischen deutschen Text verwende die bereits vorhandene Buchseite:

Volltext: Iphigenie in Aulis in historischer deutscher Übersetzung

Zusätzlich ist die Schiller-Übersetzung auf Wikisource quellenkritisch zugänglich:

Iphigenie in Aulis – Teil 1, Wikisource

Iphigenie in Aulis – Teil 2, Wikisource

Die Ausgabe erschien in Schillers Zeitschrift Thalia im 18. Jahrhundert. Sie ist eine historische Übersetzung eines viel älteren griechischen Dramas.


Originalsprache, Übersetzung und Textüberlieferung

Das Werk wurde in Altgriechisch verfasst. Der griechische Titel lautet Ἰφιγένεια ἐν Αὐλίδι.

Ein Beginn des griechischen Textes lautet:

Ἀγαμέμνων: Ὦ πρέσβυ, δόμων τῶνδε πάροιθεν στεῖχε.

In Schillers historischer deutscher Übersetzung beginnt die Szene mit:

„Hervor aus diesem Zelte, Greis!“

Du siehst: Eine Übersetzung gibt den Sinn des Originals in einer anderen Sprache wieder. Sie ist nicht mit dem Original identisch. Wortwahl, Satzbau, Rhythmus und Ton können sich verändern.

Beim Vergleich musst Du deshalb drei Ebenen unterscheiden:

  1. Originaltext: der antike griechische Text.
  2. Übersetzung: eine spätere deutsche Fassung, hier die historische Übersetzung Friedrich Schillers.
  3. Interpretation: eine Erklärung oder Deutung durch Leserinnen und Leser.

Eine Interpretation darf sich auf Textstellen stützen, ist aber selbst kein Teil des antiken Originals.

Der überlieferte Text ist außerdem Ergebnis einer langen Handschriftentradition. Einzelne Stellen, besonders Teile des Anfangs und des Schlusses, werden in der Forschung textkritisch diskutiert. Das bedeutet: Wir lesen keinen Autographen des Euripides, sondern einen Text, der über viele Jahrhunderte abgeschrieben, herausgegeben und geprüft wurde.


Konkrete Textstelle: Agamemnons Konflikt

Agamemnon berichtet in Schillers Übersetzung über den Orakelspruch:

„auf Artemis Altar der Schützerinn / von Aulis, meine Iphigenia, mein Kind, / als Opfer bluten müsse“

Kurz darauf sagt er:

„Nimmermehr / will ich zur Schlachtbank meine Tochter führen.“

Diese Textstellen zeigen Agamemnons Konflikt deutlich. Er weiß, dass die Forderung grausam ist. Gleichzeitig steht er als Heerführer unter politischem und militärischem Druck.

Deutung: Agamemnon ist weder nur Täter noch nur Opfer der Umstände. Das Stück zeigt, wie Macht Verantwortung nicht kleiner, sondern größer macht.


Figuren

  1. Iphigenie: Tochter Agamemnons und Klytämnestras. Sie steht im Mittelpunkt des Konflikts.
  2. Agamemnon: Vater Iphigenies und Heerführer der Griechen. Er schwankt zwischen Vaterrolle und politischer Pflicht.
  3. Klytämnestra: Mutter Iphigenies. Sie verteidigt ihre Tochter und stellt Agamemnons Handeln infrage.
  4. Achilles: berühmter griechischer Held. Sein Name wird für die vorgetäuschte Hochzeit benutzt. Er will Iphigenie später schützen.
  5. Menelaos: Bruder Agamemnons. Er ist eng mit dem geplanten Trojanischen Krieg verbunden.
  6. Kalchas: Seher, dessen Orakelspruch das Opfer fordert.
  7. Chor: Gruppe von Frauen, die Ereignisse beobachtet, kommentiert und in einen größeren Zusammenhang stellt.


Aufbau der Tragödie

Die Handlung entwickelt sich über mehrere Konfliktstufen. Zuerst steht die Windstille. Dann wird das Opfer bekannt. Danach folgen Täuschung, Enthüllung und Streit. Schließlich verändert Iphigenie ihre Haltung.

Der Chor unterbricht und kommentiert die Handlung. Das ist typisch für die antike griechische Tragödie. Chor und Figuren sprechen nicht wie Menschen in einem heutigen Alltagsgespräch. Die Sprache ist dichterisch und für die Aufführung im Theater gestaltet.


Sprache und Wirkung

Die Sprache enthält starke Gegensätze: Familie und Krieg, Liebe und Gewalt, freier Entschluss und Zwang, Ruhm und Tod.

Agamemnon spricht zugleich als Vater und als Herrscher. Klytämnestra spricht aus Sicht der Mutter. Achilles argumentiert mit Ehre und Schutz. Iphigenies Sprache verändert sich im Verlauf des Dramas.

Achte beim Lesen auf Fragen wie:

  1. Wer spricht?
  2. Zu wem wird gesprochen?
  3. Welche Interessen hat die Figur?
  4. Welche Wörter zeigen Angst, Macht, Pflicht oder Ehre?
  5. Verändert sich die Haltung einer Figur?


Historischer Kontext: griechische Tragödie

Die griechische Tragödie gehörte zur öffentlichen Theaterkultur der Polis. Aufführungen waren religiös, politisch und gesellschaftlich bedeutsam. Mythen waren dem Publikum meist bekannt. Neu war nicht unbedingt die Grundgeschichte, sondern die Gestaltung des Konflikts.

Euripides konnte bekannte Figuren so darstellen, dass ihre Entscheidungen unsicher, widersprüchlich oder überraschend wirken.

Medienhinweis: Die Aufnahme zeigt eine moderne Aufführung von Iphigenie in Aulis im antiken Theater von Syrakus. Sie ist keine historische Aufnahme aus der Antike, sondern eine heutige Inszenierung eines antiken Stoffes.


Antike und frühe Literaturtraditionen im Vergleich

Weltliteratur entsteht nicht nur in Griechenland. Schon in frühen Kulturen wurden Geschichten, Gedichte, religiöse Texte und Epen mündlich und schriftlich weitergegeben.

Griechische Tradition: Werke wie Homers Ilias und die Tragödien von Aischylos, Sophokles und Euripides verbinden Mythos, Krieg, Familie, Götter und Politik.

Römische Tradition: Autoren wie Vergil greifen griechische Stoffe auf und formen sie für römische Zusammenhänge neu. Die Aeneis verbindet den Untergang Trojas mit einer römischen Ursprungserzählung.

Chinesische Tradition: Das Buch der Lieder oder Shijing sammelt frühe chinesische Gedichte. Auch hier ist wichtig, zwischen Entstehung einzelner Texte, späterer Sammlung und späteren Handschriften zu unterscheiden.

Indische Tradition: Das Mahabharata ist ein sehr umfangreiches Sanskrit-Epos. Es wurde über lange Zeit überliefert und weiterentwickelt. Auch hier ist die Geschichte des Textes nicht mit dem Alter einer erhaltenen Handschrift identisch.

Der Vergleich zeigt: Alte Literatur hat oft eine lange Überlieferungsgeschichte. Ein Manuskript aus dem 18. oder 19. Jahrhundert kann einen sehr viel älteren Text enthalten. Genauso kann eine deutsche Übersetzung aus dem 18. Jahrhundert ein antikes Werk wiedergeben.


Medien: Bild, Audio und Aufführung

Aussprache des Namens Iphigenie:

Antikes Motiv und spätere Darstellung:

Mosaikdarstellung des Iphigenie-Stoffs:


YouTube: Lesen und diskutieren

Das Center for Hellenic Studies verbindet Lesung und Diskussion ausgewählter Szenen:

Ein wissenschaftliches Webinar beschäftigt sich mit Lesen, Übersetzen und Kommentieren des Stücks:


Medienquellen, Lizenzen und Namensnennung

  1. : Foto von Walter Sedriks, Wikimedia Commons, CC BY 2.0.
  2. : Foto von Dosseman, Wikimedia Commons, CC BY-SA 4.0.
  3. : Foto von Dosseman, Wikimedia Commons, CC BY-SA 4.0.
  4. : Foto von BeakheadIntrados, Wikimedia Commons, CC BY-SA 4.0.
  5. : Werk von Édouard Vuillard, gemeinfrei; Reproduktion über Wikimedia Commons.
  6. : Davide Mauro, Wikimedia Commons, CC BY-SA 4.0.
  7. : digitalisierte Handschriftenseite, Wikimedia Commons; die Dateiseite nennt die konkreten Rechteangaben.
  8. : Wikimedia Commons; Aussprachedatei. Lizenz und Urheberangabe stehen auf der Dateibeschreibungsseite.
  9. Die YouTube-Videos werden nicht als freie Dateien übernommen, sondern nur eingebettet. Rechte und Nutzungsbedingungen verbleiben bei den jeweiligen Anbietern.


Interaktive Aufgaben


Quiz: Teste Dein Wissen

Wer schrieb Iphigenie in Aulis? (Euripides) (!Vergil) (!Homer) (!Sophokles)




In welcher Sprache wurde das Drama ursprünglich verfasst? (Altgriechisch) (!Latein) (!Deutsch) (!Sanskrit)




Wo wartet die griechische Flotte? (In Aulis) (!In Rom) (!In Sparta) (!In Delphi)




Wer ist Iphigenies Vater? (Agamemnon) (!Achilles) (!Kalchas) (!Menelaos)




Mit welchem Vorwand wird Iphigenie nach Aulis gelockt? (Mit einer Hochzeit mit Achilles) (!Mit einem Orakelbesuch) (!Mit einer Reise nach Troja) (!Mit einer Siegesfeier)




Welche Göttin steht mit der verlangten Opferung in Verbindung? (Artemis) (!Athene) (!Aphrodite) (!Hera)




Was ist die Schiller-Fassung? (Eine historische deutsche Übersetzung) (!Der altgriechische Originaltext) (!Eine römische Bearbeitung) (!Eine moderne Verfilmung)




Was gehört zur Funktion des Chors in der griechischen Tragödie? (Er kommentiert die Handlung) (!Er übersetzt den Text ins Deutsche) (!Er entscheidet allein über das Opfer) (!Er ersetzt alle Hauptfiguren)




Warum darf das Datum einer Übersetzung nicht als Entstehungsdatum des Werks gelten? (Weil Übersetzung und Original zu verschiedenen Zeiten entstanden) (!Weil Übersetzungen keine Autoren haben) (!Weil antike Texte immer undatiert sind) (!Weil nur Handschriften ein Datum besitzen)




Was ist eine Interpretation? (Eine begründete Deutung des Textes) (!Der antike Originalwortlaut) (!Eine Abschrift des Manuskripts) (!Der Name des Übersetzers)





Memory

Iphigenie Tochter Agamemnons
Agamemnon Heerführer und Vater
Klytämnestra Mutter Iphigenies
Achilles soll scheinbar der Bräutigam sein
Artemis Göttin im Zentrum des Orakelspruchs
Chor kommentierende Gruppe





Drag and Drop

Ordne die richtigen Begriffe zu. Thema
Altgriechischer Text Originalsprache
Schiller-Übersetzung Historische deutsche Fassung
Chor Kommentar zur Handlung
Aulis Ort des griechischen Lagers
Artemis Göttin des Orakelspruchs





Kreuzworträtsel

Euripides Wer schrieb die Tragödie?
Aulis Wo wartet das griechische Heer?
Artemis Welche Göttin verlangt nach dem Orakelspruch ein Opfer?
Achilles Welcher Held wird als angeblicher Bräutigam genannt?
Iphigenie Wie heißt Agamemnons Tochter?
Schiller Wer schuf die historische deutsche Übersetzung?





LearningApps


Lückentext

Vervollständige den Text.
Das Drama wurde von

geschrieben. Die griechische Flotte wartet in

. Agamemnon soll seine Tochter

opfern. Die Göttin im Zentrum des Orakelspruchs ist

. Die historische deutsche Fassung stammt von Friedrich

. Der Originaltext ist in

verfasst. Eine Übersetzung ist nicht mit dem

identisch. Eine begründete Deutung nennt man

.




Gestufte Hilfen

Hilfe 1 – leicht: Suche zuerst die sprechende Figur und markiere Wörter zu Gefühl, Pflicht, Krieg oder Familie.

Hilfe 2 – mittel: Frage Dich, welches Ziel die Figur verfolgt und welcher andere Wunsch diesem Ziel widerspricht.

Hilfe 3 – anspruchsvoll: Vergleiche Original, Übersetzung und Deutung. Prüfe, welche Aussage wirklich im Text steht und welche erst durch Interpretation entsteht.


Offene Aufgaben


Leicht

  1. Figurenprofil Iphigenie: Erstelle ein kurzes Figurenprofil. Verwende drei sichere Informationen aus dem Text und ein passendes wörtliches Zitat.


Standard

  1. Übersetzungsvergleich: Vergleiche eine kurze griechische Stelle mit Schillers historischer Übersetzung. Beschreibe zwei Unterschiede in Wortwahl, Satzbau oder Wirkung. Du musst kein Altgriechisch können; nutze Wörterbuch und vorhandene Übersetzungshilfen.


Schwer

  1. Debatte Opfer und Verantwortung: Entwickle eine kurze Podiumsdiskussion zwischen Iphigenie, Agamemnon, Klytämnestra und Achilles. Jede Position muss sich auf mindestens eine konkrete Textstelle stützen.




Text bearbeiten Bild einfügen Video einbetten Interaktive Aufgaben erstellen



Lernkontrolle

  1. Macht und Verantwortung: Erkläre, warum Agamemnons politische Macht seinen persönlichen Konflikt verschärft. Belege Deine Antwort mit einer Textstelle.
  2. Freiheit oder Zwang: Untersuche Iphigenies spätere Entscheidung. Welche Argumente sprechen für freiwillige Zustimmung, welche für sozialen Druck?
  3. Übersetzung und Original: Zeige an einer kurzen Stelle, warum eine Übersetzung nicht mit dem Originaltext gleichgesetzt werden darf.
  4. Überlieferung: Erkläre an einem Beispiel aus Griechenland, Rom, China oder Indien den Unterschied zwischen Entstehungszeit eines Textes und Alter einer erhaltenen Handschrift.
  5. Antike und Gegenwart: Übertrage den Grundkonflikt des Dramas auf eine heutige Situation, in der das Wohl einer Gruppe gegen die Rechte eines einzelnen Menschen abgewogen wird. Zeige auch Grenzen des Vergleichs.




Lernnachweis

Für einen Lernnachweis solltest Du zeigen können, dass Du:

  1. den Inhalt des Dramas knapp und richtig zusammenfassen kannst,
  2. die wichtigsten Figuren und ihre Konflikte erklären kannst,
  3. Originaltext, historische Übersetzung und Interpretation unterscheidest,
  4. mindestens zwei konkrete Textstellen korrekt verwendest,
  5. Entstehung, Aufführung und spätere Übersetzung zeitlich auseinanderhältst,
  6. Grundmerkmale der griechischen Tragödie kennst,
  7. die Überlieferung antiker und früher Texte kritisch beschreiben kannst,
  8. einen Vergleich mit einer römischen, chinesischen oder indischen Literaturtradition begründet durchführst,
  9. Medienquellen und Lizenzen prüfen kannst.




OERs zum Thema

Wikisource: historische deutsche Übersetzung, Teil 1

Wikisource: historische deutsche Übersetzung, Teil 2

Wikisource: altgriechischer Text

Wikimedia Commons: Medien zu Iphigenia in Aulis


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