The Dinner Party - Kunst
The Dinner Party - Kunst
Werk: The Dinner Party · Judy Chicago und zahlreiche Mitwirkende · 1974–1979 · Installation · Feministische Kunst · Nachkriegszeit (1970er-Jahre)
Leitfrage: Wie erinnert eine gedeckte Tafel an Frauen, die in Geschichtsbüchern oft fehlen?
Zielgruppe: Klassen 7–13. G = grundlegendes Niveau, M = mittleres Niveau, E = erweitertes Niveau/Oberstufe.
Zurück: Kunst-Welt, Kunstwerk 094 · Lernpaket: 100 Kunstwerke - Eine Reise durch die Kunst
Einleitung
Eine gedeckte Tafel – aber niemand sitzt daran. Für wen sind die Plätze gedacht? Die große Rauminstallation The Dinner Party erinnert an Frauen und weibliche Figuren, die in vielen Geschichtserzählungen zu wenig vorkamen.

Gesamtansicht der Originalinstallation im Brooklyn Museum, fotografiert 2007 von Donald Woodman; keine Kopie. Rechtefreigabe und Lizenz: siehe Mediennachweise.
Starte mit drei Fragen: Was siehst Du zuerst? Welche Formen wiederholen sich? Wer darf in der Geschichte „am Tisch sitzen“?
Beobachten, wissen, deuten
BEOBACHTUNG (am Bild prüfbar): Drei lange Tischseiten bilden ein Dreieck. Du erkennst weiße Stoffe, farbige Teller, Trinkgefäße und Schrift auf dem Boden. Die dunkle Umgebung und das Licht lenken den Blick auf die Gedecke.
GESICHERTE FAKTEN: Judy Chicago konzipierte die Installation; Hunderte Menschen wirkten mit. Sie entstand 1974–1979. Auf jeder Seite stehen 13 Gedecke, zusammen 39. Auf dem sogenannten Heritage Floor erscheinen 999 weitere Namen. Damit erinnert das Werk an 1.038 historische oder mythische Frauengestalten. Seit 2007 wird es dauerhaft im Brooklyn Museum in New York gezeigt. Quelle: Brooklyn Museum
BEGRÜNDETE DEUTUNG: Ein eigener Platz verleiht einer Person symbolisch Anerkennung. Die wiederholten Gedecke können wie ein feierliches Denkmal wirken. Ob Du das als Einladung, Kritik oder Ehrung verstehst, musst Du mit Bildeindrücken begründen.
Formen, Material, Komposition und Wirkung
Form: Die drei Tischseiten sind je rund 14,6 Meter lang. Die Dreiecksform schafft eine klare Ordnung; im Zentrum bleibt der beschriftete Boden sichtbar.
Material und Technik: Zu sehen sind bemaltes Porzellan, Keramik, Textilien, Stickerei und weitere Handarbeitstechniken. Jeder Tischläufer und Teller ist individuell gestaltet. Auf manchen Tellern lassen sich Blüten- oder Schmetterlingsformen erkennen; die Künstlerin setzte auch Anspielungen auf weibliche Körperformen ein.
Wirkung: Wiederholung, Farbe und Licht lassen die Tafel feierlich erscheinen. Zugleich stellt die aufwendige Handarbeit die Frage, warum Keramik und Textilarbeit lange geringer bewertet wurden als andere Kunstformen.

Autorisierter Bildausschnitt aus Donald Woodmans Foto von 2007. Nur ein Detail, keine zusätzliche Arbeit. Die geringe Dateiauflösung ist Teil der freigegebenen Fassung.
Zwei Medienvergleiche: Technik und Form
Datei:Embroidery (close-up).webm Fremdes Lehrbeispiel zur Sticktechnik von Clément Bucco-Lechat (2012) – ausdrücklich keine Aufnahme aus Chicagos Werkstatt.

Freie Geometrie-Animation von Sparkytheteacher (2026); kein Entwurf oder Nachbau von The Dinner Party. Frage: Was bewirkt die Wiederholung entlang dreier Seiten?
Drei Frauen hinter den Namen

Historische Daguerreotypie von Emily Dickinson (um 1848), kein Teil der Installation. Die Dichterin hat einen Platz am Tisch.
Hörbeispiel: Gedicht von Emily Dickinson, gesprochen 2020 von Neil Carmichael; keine historische Aufnahme Dickinsons.

Historisches Foto von Sojourner Truth (Randall Studio, um 1870), kein Werkdetail. Die ehemalige Versklavte setzte sich für Freiheit und Frauenrechte ein.

Eigenständiges Gemälde der am Tisch geehrten Malerin Artemisia Gentileschi: „Die büßende Maria Magdalena“, um 1640 (Datierung ungefähr), Nationalmuseum Oslo. Kein Teil von The Dinner Party.
Vergleiche: Ein historisches Porträt zeigt eine Person. Ein gemaltes Werk zeigt, was eine Künstlerin geschaffen hat. Chicagos gedeckter Platz erinnert hingegen durch ein Symbol an die jeweilige Persönlichkeit.
Nachkriegszeit und Kontroverse (M/E)
Die Installation entstand während der zweiten Frauenbewegung. Die Frage nach Anerkennung und gleichen Rechten prägte auch die Kunst der Nachkriegszeit. Neben Begeisterung löste das Werk Debatten über körperbezogene Symbole und darüber aus, welche Frauen ausgewählt wurden.
Oberstufen-Vertiefung: Am Platz für Sojourner Truth erscheinen Gesichter statt der bei vielen anderen Tellern verwendeten körperbezogenen Formensprache. Kritikerinnen wie Hortense Spillers bemängelten daran die Darstellung Schwarzer Frauen. Untersuche beide Perspektiven: Würdigung durch einen eigenen Platz – aber auch mögliche Ausgrenzung durch die Bildsprache. Einordnung und Kritik: Smarthistory
Video-Rundgang und Stimmen aus dem Museum
Werkbetrachtung (G/M/E): Smarthistory, Gespräch von Dr. Beth Harris und Dr. Steven Zucker. Geprüfter Mediennachweis des Lernpakets:
Künstlerinnen-Perspektive (M/E): Judy Chicago erläutert das Werk im Video des SFMOMA:
Zusammenarbeit (M/E): Gespräch mit am Projekt Beteiligten, veröffentlicht über die offizielle Videoseite von Judy Chicago / Through the Flower:
Oberstufe (E): Gespräch über die Aktualität des Werks mit Judy Chicago und Diane Gelon, von der offiziellen Künstlerinnen-Seite verlinkt:
Die Videos bleiben bei ihren Herausgebern; eingebunden wird der YouTube-Player. Falls ein Anbieter die Einbettung sperrt, nutze SFMOMA oder Judy Chicagos offizielle Videoseite.
Interaktive Bildbetrachtung
So geht es: Betrachte zuerst die freigegebene Gesamtansicht. Beantworte die Frage für Dich und öffne erst dann die Rückmeldung.

1. Was lässt sich ohne Vorwissen sehen? Nenne drei sichtbare Dinge.
2. Schau auf das freigegebene Detail: Was ist auf einem Ausschnitt besser, was schlechter zu erkennen?

3. Warum könnte die Künstlerin eine Tafel statt einer Reihe von Porträts gewählt haben?
Interaktive Aufgaben
Quiz: Teste Dein Wissen
Welche Grundform hat der Tisch? (Ein Dreieck) (!Ein Kreis) (!Ein Rechteck) (!Ein Fünfeck)
Wie viele Gedecke stehen insgesamt auf dem Tisch? (39) (!13) (!48) (!999)
Wie viele zusätzliche Namen trägt der Heritage Floor? (999) (!39) (!13) (!400)
Welche Technik wird für die Textilien verwendet? (Stickerei) (!Marmorbildhauerei) (!Bronzeguss) (!Radierung)
Welches Material wird bei den gestalteten Tellern eingesetzt? (Porzellan) (!Beton) (!Holzkohle) (!Glasfaser)
In welchem Zeitraum wurde die Installation geschaffen? (1974 bis 1979) (!1914 bis 1919) (!1945 bis 1949) (!2007 bis 2012)
Welche Aussage beschreibt die Urheberschaft richtig? (Judy Chicago arbeitete mit vielen Mitwirkenden) (!Eine unbekannte Person schuf alles allein) (!Nur das Brooklyn Museum gestaltete das Werk) (!Emily Dickinson entwarf die Installation)
Was bezeichnet der Begriff Heritage Floor? (Den Boden mit zusätzlichen Frauennamen) (!Die Decke über dem Museum) (!Den Werkstattboden der Keramikproduktion) (!Den Platz einer einzigen Dichterin)
Welche Aussage ist eine reine Bildbeobachtung? (Die Tafel hat drei Tischseiten) (!Die Tafel macht alle Menschen gleichberechtigt) (!Die Künstlerin wollte unbedingt provozieren) (!Alle dargestellten Personen waren glücklich)
Warum gilt das Werk als feministische Kunst? (Es macht Leistungen von Frauen sichtbar) (!Es zeigt nur eine gewöhnliche Mahlzeit) (!Es lehnt grundsätzlich jede Handarbeit ab) (!Es verzichtet vollständig auf Geschichtsthemen)
Memory
| Dreieck | drei gleich angeordnete Tischseiten |
| Gedeck | symbolischer Ehrenplatz |
| Porzellan | bemaltes Tellermaterial |
| Stickerei | verzierende Textilarbeit |
| Heritage Floor | Boden mit zusätzlichen Namen |
| Installation | Kunstwerk im Raum |
Drag and Drop
| Ordne die richtigen Begriffe zu. | Thema |
|---|---|
| Tischform | Dreieck |
| Heritage Floor | Namen auf Bodenplatten |
| Textilkunst | Stickerei |
| Teller | Porzellan |
| Feministische Kunst | Sichtbarkeit von Frauen |
Kreuzworträtsel
| Dreieck | Welche Form hat die Tafel als Ganzes? |
| Porzellan | Aus welchem Material bestehen die bemalten Teller? |
| Stickerei | Welche Technik schmückt viele Tischläufer? |
| Brooklyn | In welchem New Yorker Stadtbezirk steht die Installation? |
| Chicago | Wie lautet der Nachname der leitenden Künstlerin? |
| Namen | Was ist auf den Bodenplatten zu lesen? |
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Lückentext
Offene Aufgaben
Drei gestufte Projekte, jeweils mit vier kleinen Arbeitsschritten. Arbeite auf Deinem Niveau oder steigere Dich von G über M zu E.
G – Leicht: Ein Platz erzählt (Klassen 7–8)
- Bildbeschreibung: Zeichne die Anordnung der drei Tischseiten als einfache Skizze und beschrifte zwei sichtbare Dinge.
- Farbenlehre: Suche zwei Farben oder Materialien im Werk und erkläre ihre mögliche Wirkung.
- Symbol: Gestalte auf Papier einen eigenen symbolischen Ehrenplatz für eine Frau aus Deiner Umgebung.
- Mündliche Präsentation: Erkläre in einer Minute, warum Du diese Person würdigen möchtest. Zeige klar, was am Kunstwerk beobachtet und was von Dir erfunden ist.
Standard: Wer fehlt in der Geschichte? (Klassen 9–10)
- Quellenkritik: Wähle eine der 39 gewürdigten Personen und finde zwei zuverlässige Belege zu ihrem Wirken.
- Bildvergleich: Vergleiche ihr historisches Bild oder eigenes Werk mit einem fotografierten Gedeck; unterscheide Original, Ausschnitt und Fremdabbildung.
- Erinnerungskultur: Plane in einer Gruppe eine kleine Tafelausstellung zu drei bislang wenig beachteten Frauen; begründe Deine Auswahl.
- Urheberrecht: Dokumentiere für Deine Ausstellung die Fotografierenden, das Entstehungsjahr, Lizenzangaben und erlaubte Nutzungsarten.
E – Schwer: Ein Denkmal kritisch prüfen (Klassen 11–13)
- Kunstinterpretation: Verfasse eine begründete Analyse von Dreiecksform, Symbolik, Materialhierarchie und Raumwirkung.
- Intersektionalität: Untersuche die Kritik an der Darstellung Sojourner Truths anhand von mindestens zwei unterschiedlich positionierten Quellen.
- Geschichtsschreibung: Entwickle eine alternative Auswahlstrategie für eine historische Ehrentafel; lege Kriterien und mögliche Grenzen offen.
- Kunstdebatte: Produziere eine kurze Audio-Debatte oder einen Essay zur Leitfrage und trenne Beleg, Deutung und Widerspruch.


Lernkontrolle
- Transfer: Erläutere, wie ein gedeckter Platz ohne abgebildetes Gesicht Erinnerung schaffen kann. Verwende zwei konkrete Bildelemente.
- Perspektivwechsel: Vergleiche die Sicht der Künstlerin mit der einer Person, die ihre Familie in der Installation vermisst.
- Kunstkritik: Prüfe die Aussage „Alle 1.038 Frauen werden auf die gleiche Weise geehrt“ mit einem begründeten Gegenargument.
- Bildkompetenz: Erkläre, weshalb ein kleiner Fotoausschnitt das gesamte Kunstwerk nicht vollständig dokumentiert.
- Urheberrecht: Entscheide, ob Du ein beliebiges Museumsfoto des Werks auf einer eigenen Webseite wiederverwenden darfst. Begründe anhand von Werkrecht und Fotorecht.
- Gegenwartskunst: Entwickle eine neue Form öffentlichen Erinnerns für Deine Stadt oder Schule und erkläre, was Du von The Dinner Party übernimmst oder bewusst änderst.
Lernnachweis
Für Deinen Lernnachweis solltest Du eine eigene Bildbeobachtung, mindestens drei überprüfbare Werkdaten, eine begründete Deutung, einen kritischen Vergleich und korrekt bezeichnete Medienquellen vorlegen. G: kurze Skizze und Erklärung; M: Vergleich mit Quellen; E: argumentierter Essay oder Ausstellungskonzept mit Gegenposition.
OERs zum Thema
Primärquelle: Brooklyn Museum – The Dinner Party, Werk und Personen · Mitwirkende · Smarthistory – Werkinterpretation · Judy Chicago – offizielles Werkarchiv
Wikipedia zum Werk:
Mediennachweise und Rechteprüfung
Wichtig: The Dinner Party von Judy Chicago ist ein urheberrechtlich geschütztes modernes Kunstwerk. Der Schutz des Werks und der des Fotos sind zu unterscheiden. Ein auf Commons hochgeladenes Foto allein macht das abgebildete Werk nicht automatisch gemeinfrei. Die beiden hier eingesetzten Werkfotos besitzen jedoch dokumentierte Freigaben; nur diese konkreten Dateiversionen werden eingebunden. Nicht freigegebene Museumsdetails werden nur auf den Seiten der Rechteinhaber betrachtet.
- Gesamtansicht: Commons-Datei – Kunstwerk: Judy Chicago; Foto: Donald Woodman; Originalinstallation 2007 fotografiert; CC BY-SA 4.0; Wikimedia-VRT-Freigabe 2017031010008954.
- Detail: Commons-Datei – Kunstwerk: Judy Chicago; Foto und Ausschnitt: Donald Woodman, autorisiert; 2007; CC BY-SA 4.0; VRT 2017032110008086.
- Emily Dickinson: Commons-Datei – historisches Daguerotypie-Original um 1848; Urheber nicht sicher bezeichnet; gemeinfrei; unretuschierte Fassung.
- Sojourner Truth: Commons-Datei – Randall Studio, um 1870; historische Aufnahme, gemeinfrei.
- Artemisia Gentileschi: Commons-Datei – Gemälde um 1640, Nationalmuseum Oslo; altes Werk gemeinfrei, fotografische 2-D-Reproduktion auf Commons als PD-Art eingestuft.
- Gedicht-Audio: Commons-Datei – Text: Emily Dickinson, gemeinfrei; Vortrag/Audio: Neil Carmichael (2020), CC BY-SA 4.0.
- Sticktechnik-Film: Commons-Datei – Clément Bucco-Lechat (2012), CC BY-SA 3.0; fremde Demonstration.
- Dreiecks-Animation: Commons-Datei – Sparkytheteacher (2026), CC BY-SA 4.0; unabhängige Geometrie-Animation.
- YouTube: Smarthistory, SFMOMA und Judy Chicago / Through the Flower – Videos der jeweiligen Herausgeber über deren YouTube-Player eingebettet, keine freie Nachnutzungslizenz für Videomaterial behauptet.
Nutzungshinweis: Beachte die Namensnennung und Weitergabe unter gleichen Bedingungen bei CC BY-SA; bei historischen Werkreproduktionen können nationale Sonderregeln gelten. Gezeigte moderne Testteller auf Museumsseiten sind Entwürfe, nicht automatisch Bestandteile der fertigen Installation.
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