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Streets - Verlaine, Paul-Marie - Gedichtanalyse

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Streets - Verlaine, Paul-Marie - Gedichtanalyse

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Streets - Verlaine, Paul-Marie - Gedichtanalyse

Kurzbeschreibung: „Tanzt mir den Reigen!“ – 29 Verse zwischen Liebeserinnerung und Stadtbild. Dieser aiMOOC führt Dich mit überprüfbaren Verszitaten durch Paul Verlaines Gedicht Streets. Du unterscheidest Quellfassung, Lesefassung, Übersetzung und Interpretation und achtest besonders auf lyrisches Sprechen, Form, Klang und Bildsprache. Niveau: Klasse 9–10, mit Vertiefungen für Klasse 11–13.

Paul Verlaine, fotografiert von Otto Wegener, 1893. Wikimedia Commons, gemeinfrei.


Einleitung

Paul Verlaine veröffentlichte Romances sans paroles erstmals 1874. Streets besteht aus zwei Teilen: Teil I endet mit dem Ortsnamen „Soho“, Teil II mit „Paddington“. Der erste Teil kreist um Erinnerung, Liebe und Verlust. Der zweite Teil zeigt eine städtische Wasserlandschaft. Zusammen entstehen Bewegung, Klang und wechselnde Stimmungen.

Das Gedicht gehört in den Zusammenhang der internationalen Moderne. Verlaine schrieb vor der eigentlichen Programmbildung des französischen Symbolismus. Seine starke Musikalität, Mehrdeutigkeit und Stimmungskunst wurden aber für den späteren Symbolismus wichtig.

Datei:Verlaine - Romances sans paroles, 1891.djvu Digitalisat der Ausgabe von 1891, Librairie Léon Vanier. Wikimedia Commons, gemeinfrei. Die Seiten 46–48 enthalten „Streets“.


Quellfassung, Lesefassung, Übersetzung, Interpretation

Quellfassung bedeutet hier: der französische Text in einer historischen Druckausgabe. Eine überprüfbare Ausgabe ist Romances sans paroles, Léon Vanier, 1891, S. 46–48. Auf Wikisource ist diese Ausgabe transkribiert.

Lesefassung bedeutet hier: ein gut lesbarer, versweise zugänglicher Text zum Arbeiten. Nutze dafür die vorhandene Seite Gedicht - Streets - Verlaine, Paul-Marie. So wird der Gedichttext nicht unnötig als zweiter Lernkurs dupliziert.

Übersetzung ist nicht das Original. Die deutschsprachige historische Übertragung beginnt mit „Tanzt mir den Reigen!“ und ist im TextGrid Repository dokumentiert. Sie hilft beim Verstehen, kann aber Klang, Rhythmus und Bedeutungsnuancen des Französischen verändern.

Interpretation ist eine begründete Deutung. Sie muss sich auf nachprüfbare Wörter, Verse, Formmerkmale und Zusammenhänge stützen. Eine Deutung ist also mehr als eine Inhaltsangabe.


Gesicherte Textbelege für die Analyse

Die folgenden Versangaben beziehen sich auf die 29 Gedichtverse, ohne die Ortsangaben „Soho“ und „Paddington“ mitzuzählen.

  1. V. 1, 5, 9, 13 und 17: „Dansons la gigue !“ – der Refrain kehrt fünfmal wieder.
  2. V. 14: „Je me souviens, je me souviens“ – die Wiederholung macht Erinnerung hörbar.
  3. V. 18: „Ô la rivière dans la rue !“ – der zweite Teil beginnt mit einem überraschenden Stadtbild.
  4. V. 22: „Son onde opaque et pourtant pure“ – „undurchsichtig“ und „rein“ stehen in Spannung.
  5. V. 25: „Que l’eau jaune comme une morte“ – das Wasser wird mit einer Toten verglichen.
  6. V. 29: „Les cottages jaunes et noirs.“ – starke Farbkontraste schließen den Bildraum ab.

In der historischen deutschen Übertragung entsprechen diesen Stellen unter anderem „Tanzt mir den Reigen!“, „Noch denke sehnend ich zurück“, „Sieh den Fluss die Stadt durchgleiten“, „Dunkel, aber dennoch rein“ und „Auf der Hütten Gelb und Braun“. Für genaue Wortanalysen ist jedoch die französische Quellfassung entscheidend.


Lyrisches Sprechen

Teil I spricht in der ersten Person. Das lyrische Ich erinnert sich an eine frühere Beziehung. Die Geliebte wird über Augen, Kuss und gemeinsame Stunden erinnert. Die Aussage „Depuis qu’elle est morte à mon cœur“ bedeutet wörtlich, dass sie „für mein Herz tot“ ist. Das muss nicht heißen, dass die Frau tatsächlich gestorben ist. Möglich ist auch ein emotionales Ende der Beziehung.

Teil II verändert den Blick. Nun steht kein „Ich“ im Vordergrund. Die Wahrnehmung richtet sich auf Straße, Wasser, Nebel, Morgenlicht und Häuser. Das persönliche Erinnern weicht einer fast filmischen Stadtbeobachtung.


Form und Klang

Teil I arbeitet mit einem Refrain. „Dansons la gigue !“ ist nur vier Silben lang. Die übrigen Verse dieses Teils sind in der französischen Fassung überwiegend achtsilbig. Dadurch wechseln kurze Bewegungssignale und längere Erinnerungsverse. Die vier Dreiergruppen reimen jeweils geschlossen. Der Refrain wirkt wie ein Tanzruf und zugleich wie ein Schnitt zwischen Erinnerungsbildern.

Teil II besteht aus zwölf Versen, die sich gut als zwei Sechsergruppen lesen lassen. Die Reimordnung folgt in jeder Gruppe dem Muster AABCCB beziehungsweise DDEFFE. Der Klang ist ruhiger als im ersten Teil. Wörter wie „murmure“, „pure“, „brume“ und „allume“ verbinden die Wahrnehmung durch Klangähnlichkeiten.


Bildsprache

Verlaine verbindet Gefühle und sinnliche Bilder. In V. 3 sind die Augen „Plus clairs que l’étoile des cieux“ – heller als ein Stern des Himmels. Das ist ein Vergleich, der die Geliebte idealisiert.

Im zweiten Teil wird die Stadt fremd und fast unwirklich. V. 18 nennt einen „Fluss in der Straße“. V. 25 vergleicht das gelbe Wasser „comme une morte“ mit einer Toten. Nebel, Gelb und Schwarz erzeugen eine gedämpfte, moderne Großstadtstimmung.

Great Western Hotel bei Paddington Station, Stich aus dem 19. Jahrhundert. Wikimedia Commons; Werk des 19. Jahrhunderts, gemeinfrei.


Deutungsmöglichkeiten

Eine mögliche Deutung verbindet beide Teile über das Thema Erinnerung in Bewegung. Der Refrain fordert zum Tanz auf, während das Ich rückwärts in die Vergangenheit blickt. Im zweiten Teil bewegt sich Wasser durch die Stadt. So stehen Tanz, Erinnerung und Strömung nebeneinander.

Eine zweite Deutung sieht einen Kontrast zwischen innerer Erinnerung und äußerer Stadt. Teil I ist persönlich und emotional. Teil II wirkt beobachtend, kühl und bildhaft. Beide Teile zeigen aber, wie Wahrnehmung nicht stabil bleibt: Liebe wird Erinnerung, Straße wird Fluss, Nebel verändert die Sicht.

Für die Oberstufe lohnt sich außerdem die Frage, wie der englische Titel Streets und die Ortsnamen Soho und Paddington eine internationale, moderne Stadterfahrung markieren.


Medien zum Hören und Vertiefen

Audio: „Il pleure dans mon coeur“ aus demselben Band Romances sans paroles. Lesung: Joane für Audiocite.net, Wikimedia Commons, CC BY-SA 3.0. Das Audio ist nicht „Streets“, hilft aber dabei, Verlaines Klangsprache zu hören.

Audio: „Green“ aus Romances sans paroles. Lesung: Joane für Audiocite.net, Wikimedia Commons, CC BY-SA 3.0.

YouTube: Lesung von Verlaines „Il pleure dans mon coeur“. Nutze sie zum Vergleich von Rhythmus und Klang; sie ist kein Ersatz für die Lektüre von „Streets“.


Gestufte Hilfen

Hilfe 1 – leicht: Markiere zuerst nur Wörter, die Du sicher verstehst. Notiere daneben Gefühl, Bewegung oder Farbe.

Hilfe 2 – standard: Suche einen Vers, der Deine Aussage belegt. Schreibe: „Das sieht man in V. … an der Formulierung …“.

Hilfe 3 – anspruchsvoll: Verbinde mindestens zwei Ebenen, zum Beispiel Klang und Bedeutung oder Form und Stimmung. Frage: Was bewirkt der Refrain, was ein Vergleich, was ein Farbkontrast?


Interaktive Aufgaben


Quiz: Teste Dein Wissen

Was wird in V. 1 mit „Dansons la gigue !“ aufgerufen? (Ein Tanz) (!Ein Gebet) (!Eine Reise) (!Ein Streit)




Welche Formulierung steht nachweisbar in V. 14? (Je me souviens, je me souviens) (!Je marche dans la rue) (!Je regarde la pluie) (!Je chante dans la nuit)




Wie oft erscheint der Refrain „Dansons la gigue !“ in Teil I? (Fünfmal) (!Zweimal) (!Dreimal) (!Siebenmal)




Welches Bild eröffnet Teil II in V. 18? (Ein Fluss in der Straße) (!Ein Zug im Bahnhof) (!Ein Garten im Regen) (!Ein Meer am Hafen)




Welche Spannung enthält V. 22 „Son onde opaque et pourtant pure“? (Das Wasser ist undurchsichtig und zugleich rein) (!Das Wasser ist laut und zugleich still) (!Das Wasser ist heiß und zugleich kalt) (!Das Wasser ist nah und zugleich fern)




Womit wird das gelbe Wasser in V. 25 verglichen? (Mit einer Toten) (!Mit einer Sonne) (!Mit einem Vogel) (!Mit einem Spiegel)




Welche Farben nennt V. 29? (Gelb und Schwarz) (!Rot und Weiß) (!Blau und Grün) (!Grau und Rosa)




Welche Ortsangabe folgt auf Teil I? (Soho) (!Paddington) (!Paris) (!Metz)




Welche Ortsangabe folgt auf Teil II? (Paddington) (!Soho) (!Rouen) (!Brüssel)




Warum ist eine Interpretation mehr als eine Inhaltsangabe? (Sie begründet eine Deutung mit Textbelegen) (!Sie übersetzt jedes Wort wörtlich) (!Sie zählt nur die Verse) (!Sie nennt nur den Autor)





Memory

Refrain wiederkehrender Tanzruf
Soho Ortsangabe nach Teil I
Paddington Ortsangabe nach Teil II
Vergleich Wasser wie eine Tote
Erinnerung Je me souviens
Farbkontrast jaune et noirs





Drag and Drop

Ordne die richtigen Begriffe zu. Analysebereich
Dansons la gigue Refrain
Je me souviens Erinnerung
rivière dans la rue Stadtbild
comme une morte Vergleich
jaunes et noirs Farbkontrast





Kreuzworträtsel

Refrain Wie heißt ein wiederkehrender Vers oder Versblock?
Soho Welcher Ort steht nach dem ersten Gedichtteil?
Paddington Welcher Ort steht nach dem zweiten Gedichtteil?
Vergleich Welche Stilfigur verbindet das Wasser mit einer Toten?
Erinnerung Welches Thema signalisiert „Je me souviens“?
Symbolismus Welche spätere literarische Strömung wurde durch Verlaines Poetik stark mitgeprägt?





LearningApps


Lückentext

Vervollständige den Text.
Das Gedicht Streets gehört zum Band

. Teil I enthält den wiederkehrenden Ruf

. In V. 14 wird durch „Je me souviens“ das Thema

deutlich. Teil II beginnt mit dem Bild eines Flusses in der

. Das Wasser wird in V. 25 mit einer

verglichen. Die Orte am Ende der beiden Teile heißen

und

.



Offene Aufgaben


Leicht

  1. Versbeleg finden: Wähle einen der Verse 14, 18, 22, 25 oder 29. Schreibe in drei Sätzen, was Du darin wahrnimmst, und zitiere nur die tatsächlich vorkommenden Wörter.


Standard

  1. Klang und Stimmung: Vergleiche den Refrain in Teil I mit zwei Versen aus Teil II. Erkläre in etwa 150 Wörtern, wie Rhythmus, Wiederholung und Wortklang unterschiedliche Stimmungen erzeugen.


Schwer

  1. Deutungshypothese: Entwickle eine Deutung zu „Erinnerung in Bewegung“ oder „innere Erinnerung und äußere Stadt“. Nutze mindestens drei überprüfbare Verszitate und gehe auf Form, Klang und Bildsprache ein.




Text bearbeiten Bild einfügen Video einbetten Interaktive Aufgaben erstellen



Lernkontrolle

  1. Perspektivwechsel: Erkläre, wie sich das lyrische Sprechen von Teil I zu Teil II verändert und welche Wirkung dieser Wechsel hat.
  2. Form und Bedeutung: Zeige, wie der Refrain die Spannung zwischen Tanzbewegung und Erinnerung verstärkt.
  3. Bildanalyse: Deute das Bild „Que l’eau jaune comme une morte“ im Zusammenhang mit Nebel und Farben des zweiten Teils.
  4. Übersetzungsvergleich: Vergleiche einen französischen Vers mit der historischen deutschen Übertragung. Benenne mindestens einen Bedeutungs- oder Klangunterschied.
  5. Epochenbezug: Begründe, warum das Gedicht als Beitrag zur internationalen Moderne gelesen werden kann, ohne es ungenau als bloßes Beispiel eines bereits fertigen Symbolismus zu behandeln.


Lernnachweis

Für einen guten Lernnachweis solltest Du zeigen, dass Du Quellfassung, Lesefassung, Übersetzung und Interpretation auseinanderhalten kannst. Wichtig sind korrekte Versangaben, kurze überprüfbare Zitate, eine klare Deutung des lyrischen Sprechens, Kenntnisse zu Refrain, Reim, Rhythmus und Bildsprache sowie ein begründeter Bezug zur internationalen Moderne.


OERs zum Thema

Weitere frei zugängliche Quellen:

  1. Wikisource: Streets, Ausgabe 1891 – französische Quellfassung.
  2. Wikimedia Commons: Digitalisat Romances sans paroles, 1891 – gemeinfrei.
  3. TextGrid Repository: Streets – historische deutsche Übertragung.
  4. Gedicht - Streets - Verlaine, Paul-Marie – vorhandene Textseite im MOOC-Wiki.


Mediennachweis

  1. Profile portrait of Paul Verlaine by Otto Wegener.jpg: Otto Wegener, 1893, Wikimedia Commons, Public Domain / PD-Art.
  2. Verlaine - Romances sans paroles, 1891.djvu: Paul Verlaine, Librairie Léon Vanier, 1891, Wikimedia Commons, Public Domain.
  3. LOWENSTAM, Leopold H., 1842-1898 - THE GREAT WESTERN HOTEL, PADDINGTON.jpg: Leopold H. Lowenstam, Stich zum Great Western Hotel bei Paddington, 19. Jahrhundert, Wikimedia Commons, gemeinfrei.
  4. Il pleure dans mon coeur.ogg: Lesung Joane für Audiocite.net, 2007, Wikimedia Commons, CC BY-SA 3.0.
  5. Green (Paul Verlaine poem).oga: Lesung Joane für Audiocite.net, 2007, Wikimedia Commons, CC BY-SA 3.0.
  6. YouTube-Video „IL PLEURE DANS MON COEUR - PAUL VERLAINE“: Kanal Lorenza Diprossimo; externes Vergleichsmedium. Rechte liegen beim jeweiligen Anbieter; Einbettung dient der Verlinkung, nicht einer freien Nachnutzung.


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