Psychiatrie und Selbstbestimmung - Ethik


Psychiatrie und Selbstbestimmung - Ethik
Psychiatrie und Selbstbestimmung - Ethik

Leitfrage: Wie kann psychiatrische Hilfe schützen, ohne einen Menschen zu entmündigen?
Dieser aiMOOC für den Ethikunterricht untersucht das Spannungsfeld zwischen Selbstbestimmung, Fürsorge, Menschenwürde und Schutz. Du lernst, ethische Konflikte zu erkennen, verschiedene Perspektiven abzuwägen und ein begründetes Urteil zu formulieren.
| Sensibler Inhalt | Psychische Krisen und Zwang können belastende Themen sein. Sprich mit einer vertrauten erwachsenen Person, einer Beratungsstelle oder medizinischem Fachpersonal, wenn Dich das Thema persönlich betrifft. In einer akuten Gefahrensituation ist der Notruf 112 zuständig. |
Einleitung
Psychiatrie ist ein medizinisches Fachgebiet. Es befasst sich mit der Erkennung, Behandlung und Vorbeugung psychischer Erkrankungen. Dabei geht es nicht nur um Medikamente oder Kliniken. Zur Behandlung können auch Gespräche, Psychotherapie, soziale Unterstützung, Bewegung, Tagesstruktur und Hilfe im Alltag gehören.
Selbstbestimmung bedeutet, das eigene Leben nach den eigenen Werten und Zielen zu gestalten. In der Medizin gehört dazu, verständlich informiert zu werden und einer Behandlung zuzustimmen oder sie abzulehnen. Vor einer medizinischen Maßnahme sind grundsätzlich Aufklärung und Einwilligung erforderlich.[1]
Eine psychische Erkrankung bedeutet nicht automatisch, dass ein Mensch nicht selbst entscheiden kann. Entscheidend ist die konkrete Situation und die konkrete Entscheidung.[2]
Lernziele
Nach diesem aiMOOC kannst Du:
- Selbstbestimmung und Einwilligungsfähigkeit unterscheiden.
- den Konflikt zwischen Autonomie, Fürsorge, Schadensvermeidung und Gerechtigkeit erklären.
- erkennen, warum eine Diagnose allein keine Entmündigung rechtfertigt.
- Möglichkeiten unterstützter Entscheidungsfindung beschreiben.
- Zwangsmaßnahmen ethisch kritisch beurteilen.
- einen Fall aus mehreren Perspektiven untersuchen.
- ein nachvollziehbares ethisches Urteil formulieren.
Zentrale Begriffe
| Begriff | Kurze Bedeutung |
|---|---|
| Psychiatrie | Medizinische und psychosoziale Hilfe bei psychischen Erkrankungen und Krisen |
| Autonomie | Fähigkeit und Recht, nach eigenen Gründen und Werten zu entscheiden |
| Selbstbestimmung | Das eigene Leben und die eigene Behandlung mitgestalten |
| Einwilligungsfähigkeit | Eine konkrete medizinische Entscheidung verstehen, abwägen und mitteilen können |
| Informierte Einwilligung | Freiwillige Zustimmung nach verständlicher Aufklärung |
| Fürsorge | Das Wohl eines Menschen fördern und Leiden verringern |
| Paternalismus | Für einen Menschen entscheiden, weil man zu wissen meint, was für ihn gut ist |
| Zwang | Den geäußerten Willen eines Menschen durch Druck oder Maßnahmen überwinden |
| Recovery | Ein möglichst selbstbestimmtes und sinnvolles Leben führen, auch wenn Beschwerden bestehen |
| Unterstützte Entscheidung | Hilfe beim Verstehen und Abwägen, ohne die Entscheidung zu übernehmen |
Vier Prinzipien der Medizinethik

In ethischen Konflikten werden häufig vier Prinzipien miteinander abgewogen:
| Prinzip | Leitfrage |
|---|---|
| Autonomie | Was will die betroffene Person? |
| Nichtschaden | Welche Schäden müssen vermieden werden? |
| Fürsorge | Welche Hilfe fördert Wohl und Lebensqualität? |
| Gerechtigkeit | Werden Rechte, Chancen und Belastungen fair verteilt? |
Die Prinzipien geben nicht automatisch eine Lösung vor. Sie helfen Dir, einen Konflikt geordnet zu untersuchen. Besonders schwierig wird es, wenn der Wunsch einer Person und die Sorge anderer Menschen nicht übereinstimmen.
Selbstbestimmung ist mehr als freie Wahl
Eine Entscheidung ist besonders selbstbestimmt, wenn die Person:
- verständliche Informationen erhält,
- ohne unzulässigen Druck entscheiden kann,
- Vor- und Nachteile abwägen kann,
- eigene Werte und Ziele einbringen kann,
- ihre Entscheidung mitteilen darf,
- Unterstützung bekommt, ohne bevormundet zu werden.
Selbstbestimmung bedeutet daher nicht: Du musst alles allein schaffen. Hilfe kann Autonomie stärken.

Ein Gespräch kann Entscheidungsräume öffnen, wenn Informationen verständlich erklärt und Fragen ernst genommen werden.
Einwilligungsfähigkeit
Einwilligungsfähigkeit bezieht sich auf eine bestimmte Entscheidung zu einem bestimmten Zeitpunkt. Eine Person kann eine einfache Entscheidung verstehen, bei einer sehr komplizierten Entscheidung aber mehr Unterstützung benötigen. Auch starke Angst, akute Verwirrung, Erschöpfung oder eine Krise können das Abwägen zeitweise erschweren.
Wichtig ist:
| Keine automatische Gleichsetzung | Psychische Erkrankung ist nicht dasselbe wie fehlende Einwilligungsfähigkeit. |
| Konkrete Prüfung | Es geht um die konkrete Behandlung und die konkreten Folgen. |
| Verständliche Aufklärung | Sprache, Tempo und Form müssen zur Person passen. |
| Unterstützung zuerst | Erklären, wiederholen, Pausen ermöglichen und Vertrauenspersonen einbeziehen. |
| Respekt vor anderen Werten | Eine ungewöhnliche oder riskante Entscheidung ist nicht automatisch unfähig. |
Die Frage lautet nicht: „Ist diese Person vernünftig wie ich?“ Die Frage lautet: „Kann sie die wesentlichen Informationen verstehen, auf ihre Situation beziehen, abwägen und eine Entscheidung ausdrücken?“
Unterstützte Entscheidungsfindung
Die UN-Behindertenrechtskonvention stärkt gleiche Rechte und die Beteiligung von Menschen mit Behinderungen an Entscheidungen, die sie betreffen.[3] Die Weltgesundheitsorganisation verbindet menschenrechtsorientierte Psychiatrie mit informierter Einwilligung, unterstützter Entscheidungsfindung und der Vermeidung von Zwang.[4]
Unterstützung kann so aussehen:
| Hindernis | Mögliche Unterstützung |
|---|---|
| Fachsprache | Einfache Sprache und Beispiele |
| Zeitdruck | Pause und späteres Gespräch |
| Angst | Ruhige Umgebung und bekannte Begleitperson |
| Viele Möglichkeiten | Optionen einzeln vergleichen |
| Kommunikationsbarriere | Dolmetschen oder alternative Kommunikationsformen |
| Frühere schlechte Erfahrung | Wünsche, Grenzen und Auslöser ausdrücklich besprechen |
Unterstützte Entscheidung bedeutet: Die Person entscheidet mit Hilfe.
Stellvertretende Entscheidung bedeutet: Eine andere Person entscheidet nach rechtlichen Regeln für sie. Ethisch soll dabei der Wille der betroffenen Person so weit wie möglich maßgeblich bleiben.
Psychiatrie im Wandel

Das historische Gemälde zeigt symbolisch die Befreiung aus Ketten. Es ist eine Darstellung seiner Zeit und keine neutrale Dokumentation.
Die Geschichte der Psychiatrie enthält Fortschritte, aber auch Ausgrenzung, Gewalt und Missachtung von Rechten. Menschen wurden in großen Einrichtungen isoliert, gegen ihren Willen festgehalten oder ohne ausreichende Mitsprache behandelt. Historische Bilder müssen deshalb kritisch gelesen werden: Wer stellt wen dar? Wer darf sprechen? Wessen Perspektive fehlt?

Das Netzbett aus einem psychiatriegeschichtlichen Museum erinnert daran, dass Schutz und Kontrolle ineinander übergehen können.

Beschäftigungsangebote konnten Teil von Behandlung sein. Ethisch wichtig sind Freiwilligkeit, Sinn, Mitbestimmung und faire Bedingungen.
Heute stehen Menschenwürde, Patientenrechte, Teilhabe und die Vermeidung von Zwang stärker im Mittelpunkt. Geschichte bleibt wichtig, weil Institutionen Macht besitzen und Fehler nicht vergessen werden dürfen.
Zwang als ethisches Problem
Der Deutsche Ethikrat beschreibt Zwang in professionellen Sorgebeziehungen als Überwindung des Willens einer Person. Jede Zwangsmaßnahme ist ein schwerwiegender Eingriff in Rechte und muss besonders streng begründet werden.[5]
In der Psychiatrie können unter rechtlich eng begrenzten Voraussetzungen beispielsweise eine Unterbringung, Isolierung, Fixierung oder Behandlung gegen den erklärten Willen vorkommen. Die rechtlichen Regeln unterscheiden sich nach Situation und Bundesland. Dieser aiMOOC ersetzt keine Rechtsberatung.
Das Dilemma der wohltätigen Absicht
Eine Maßnahme kann mit Schutz begründet werden und trotzdem Angst, Demütigung oder Vertrauensverlust auslösen. Gute Absicht allein macht Zwang daher nicht richtig.
Ethische Prüffragen sind:
- Besteht eine konkrete und schwere Gefahr?
- Wurde die Einwilligungsfähigkeit sorgfältig beurteilt?
- Wurden freiwillige und weniger eingreifende Hilfen versucht?
- Ist die Maßnahme geeignet und auf das Notwendige begrenzt?
- Wird die Würde der Person geschützt?
- Gibt es Kontrolle, Dokumentation und eine spätere Nachbesprechung?
- Wie kann ein ähnlicher Konflikt künftig ohne Zwang bewältigt werden?
Grundidee: Je stärker ein Eingriff in Freiheit und Körper ist, desto stärker muss seine Begründung sein.
Zwang vermeiden
Zwangsprävention beginnt vor einer Eskalation. Hilfreich können gute Beziehungen, ausreichendes Personal, ruhige Räume, klare Informationen und individuelle Krisenpläne sein.

Mögliche Wege sind:
| Ansatz | Ethische Bedeutung |
|---|---|
| Frühzeitiges Gespräch | Wünsche werden gehört, bevor die Krise größer wird |
| Deeskalation | Konflikte werden ohne Drohung oder Gewalt bearbeitet |
| Krisenplan | Warnzeichen, hilfreiche Maßnahmen und Grenzen werden festgehalten |
| Behandlungsvereinbarung | Betroffene und Klinik planen gemeinsam für mögliche Krisen |
| Peer-Unterstützung | Menschen mit eigener Erfahrung begleiten auf Augenhöhe |
| Nachbesprechung | Belastungen werden anerkannt und zukünftige Alternativen entwickelt |
Vorausplanen für Krisen
Eine Person kann in einer stabilen Phase festhalten, was ihr in einer späteren Krise hilft. Dazu gehören je nach Situation:
- ein persönlicher Krisenplan,
- ein Krisenpass,
- eine psychiatrische Behandlungsvereinbarung,
- eine Vorsorgevollmacht,
- eine Patientenverfügung,
- Namen von Vertrauenspersonen,
- hilfreiche und belastende Erfahrungen mit Behandlungen.
Solche Dokumente sollen den eigenen Willen sichtbarer machen. Sie müssen konkret, aktuell und zugänglich sein. Für ihre rechtliche Wirkung gelten besondere Voraussetzungen.

Vertrauenspersonen können unterstützen. Sie dürfen die Stimme der betroffenen Person jedoch nicht einfach ersetzen.
Kinder und Jugendliche
Für Kinder und Jugendliche gehören Schutz, Beteiligung und wachsende Selbstbestimmung zusammen. Die UN-Kinderrechtskonvention verlangt, dass junge Menschen ihre Meinung zu Angelegenheiten äußern können, die sie betreffen, und dass ihre Sicht entsprechend Alter und Reife berücksichtigt wird.[6]
Bei medizinischen Entscheidungen zählt nicht nur ein Geburtstag. Wichtig sind Verständnis, Reife, Tragweite der Entscheidung und die konkrete Situation. Sorgeberechtigte haben Schutzpflichten. Gleichzeitig sollen Jugendliche verständlich informiert, angehört und beteiligt werden.
In der Schule gilt:
| Hilfreich | Nicht hilfreich |
|---|---|
| Zuhören und ernst nehmen | Diagnosen vermuten |
| Nach gewünschter Hilfe fragen | Geheimhaltung versprechen, die bei akuter Gefahr nicht möglich ist |
| Vertrauenspersonen einbeziehen | Über die betroffene Person hinweg sprechen |
| Grenzen der eigenen Rolle kennen | Therapieentscheidungen als Lehrkraft treffen |
| Bei Gefahr professionelle Hilfe organisieren | Eine Krise allein tragen |
Sprache, Vorurteile und Macht
Sprache beeinflusst, wie Menschen gesehen werden. Eine Person hat eine Diagnose; sie ist nicht ihre Diagnose. Begriffe wie „verrückt“, „gefährlich“ oder „unberechenbar“ können abwerten und Angst erzeugen.
Eine Diagnose allein zeigt weder Gefährlichkeit noch fehlende Entscheidungsfähigkeit. Ethisch verantwortliche Sprache:
- beschreibt Verhalten konkret statt Menschen abzuwerten,
- trennt Person und Erkrankung,
- respektiert die Selbstbezeichnung Betroffener,
- vermeidet Sensationssprache,
- macht Machtverhältnisse sichtbar,
- bezieht Erfahrungen von Betroffenen ein.
Ethische Perspektiven
Ein Konflikt kann mit verschiedenen „ethischen Brillen“ untersucht werden:
| Perspektive | Zentrale Frage |
|---|---|
| Pflichten- und Rechteethik | Welche Rechte und Grenzen müssen immer beachtet werden? |
| Folgenethik | Welche Folgen haben Handeln und Nichthandeln für alle Beteiligten? |
| Fürsorgeethik | Welche Beziehungen, Abhängigkeiten und Verletzlichkeiten sind wichtig? |
| Diskursethik | Können Betroffene gleichberechtigt an der Entscheidung mitwirken? |
| Tugendethik | Welche Haltung zeigt Respekt, Mut, Klugheit und Mitgefühl? |
Eine gute Begründung verbindet häufig mehrere Perspektiven.
Fallbeispiel: Sam in einer Krise
Fiktiver Fall: Sam ist 16 Jahre alt und befindet sich in einer schweren psychischen Krise. Sam lehnt eine stationäre Aufnahme ab und sagt, eine vertraute Beratungsperson und ein ruhiger Ort würden mehr helfen. Die Eltern haben große Angst, dass Sam sich in Gefahr bringt. Eine Ärztin muss entscheiden, welche Hilfe jetzt verantwortbar ist.
Der Fall enthält keine vollständigen medizinischen Informationen. Genau das ist Teil der Aufgabe: Ein vorschnelles Urteil wäre unethisch.
Analyse in sechs Schritten
| Schritt | Frage |
|---|---|
| Situation klären | Welche gesicherten Informationen fehlen? |
| Beteiligte benennen | Wer ist betroffen und wer trägt Verantwortung? |
| Willen ermitteln | Was möchte Sam und wie stabil ist dieser Wunsch? |
| Fähigkeiten unterstützen | Was braucht Sam, um Informationen zu verstehen und abzuwägen? |
| Optionen vergleichen | Welche freiwilligen und weniger eingreifenden Hilfen gibt es? |
| Urteil begründen | Welche Lösung schützt Rechte und verringert Schaden am besten? |
Ein ethisches Urteil sollte Bedingungen nennen. Beispiel: „Eine bestimmte Hilfe ist nur dann vertretbar, wenn …“ Dadurch wird sichtbar, dass Entscheidungen von der konkreten Lage abhängen.
Merksätze
| Diagnose ist nicht Unfähigkeit. | Eine psychische Erkrankung hebt Selbstbestimmung nicht automatisch auf. |
| Hilfe kann Autonomie stärken. | Unterstützung soll Verstehen und Entscheiden ermöglichen. |
| Gute Absicht genügt nicht. | Auch fürsorglich begründeter Zwang verletzt Rechte. |
| Zwang ist kein normaler Behandlungsweg. | Freiwillige und weniger eingreifende Möglichkeiten haben Vorrang. |
| Betroffene sind Beteiligte. | Über Menschen soll nicht ohne ihre Stimme entschieden werden. |
| Begründungen müssen überprüfbar sein. | Macht braucht Grenzen, Kontrolle und Verantwortung. |
Quellenbasis und Vertiefung
- Deutscher Ethikrat: Hilfe durch Zwang?
- Bürgerliches Gesetzbuch: Einwilligung
- Bürgerliches Gesetzbuch: Aufklärungspflichten
- DGPPN: Selbstbestimmung und Zwang
- UN-Behindertenrechtskonvention
- WHO QualityRights
- UN-Kinderrechtskonvention
Einzelnachweise
- ↑ § 630d BGB: Einwilligung und § 630e BGB: Aufklärungspflichten
- ↑ DGPPN: Achtung der Selbstbestimmung und Anwendung von Zwang
- ↑ UN Convention on the Rights of Persons with Disabilities
- ↑ WHO QualityRights
- ↑ Deutscher Ethikrat: Hilfe durch Zwang?
- ↑ UN Convention on the Rights of the Child, Artikel 12
Interaktive Aufgaben
Quiz: Teste Dein Wissen
Was bedeutet informierte Einwilligung? (Freiwillige Zustimmung nach verständlicher Aufklärung) (!Zustimmung durch Schweigen in jeder Situation) (!Entscheidung ausschließlich durch medizinisches Personal) (!Automatische Zustimmung beim Betreten einer Klinik)
Was folgt allein aus einer psychiatrischen Diagnose? (Keine automatische Einschränkung der Selbstbestimmung) (!Immer fehlende Einwilligungsfähigkeit) (!Immer eine Pflicht zur stationären Behandlung) (!Immer eine Gefahr für andere Menschen)
Worauf bezieht sich Einwilligungsfähigkeit? (Auf eine konkrete Entscheidung in einer konkreten Situation) (!Auf den Schulabschluss einer Person) (!Auf die Zustimmung der Familie) (!Auf eine lebenslange unveränderliche Eigenschaft)
Was kennzeichnet unterstützte Entscheidungsfindung? (Die Person entscheidet mit passender Hilfe selbst) (!Eine andere Person übernimmt jede Entscheidung) (!Die schwierigste Information wird verschwiegen) (!Eine Zustimmung wird durch Druck erreicht)
Welches Prinzip fragt nach dem Willen der betroffenen Person? (Autonomie) (!Gehorsam) (!Mehrheitsregel) (!Gewohnheit)
Warum genügt eine gute Absicht nicht zur Rechtfertigung von Zwang? (Weil Zwang Rechte verletzen und Schaden verursachen kann) (!Weil Absichten in der Ethik nie eine Rolle spielen) (!Weil jede Behandlung wirkungslos ist) (!Weil Schutz grundsätzlich verboten ist)
Welche Maßnahme stärkt Selbstbestimmung in einer Krise? (Ein gemeinsam entwickelter Krisenplan) (!Eine Entscheidung ohne Gespräch) (!Eine unverständliche Fachinformation) (!Eine Drohung mit Nachteilen)
Welche Aussage zu Jugendlichen ist richtig? (Ihre Meinung soll entsprechend Verständnis und Reife berücksichtigt werden) (!Ihre Meinung ist bei Behandlung immer bedeutungslos) (!Sie entscheiden in jeder Lage ohne Erwachsene) (!Nur ihr genaues Alter bestimmt die Einwilligungsfähigkeit)
Was ist eine wichtige ethische Forderung bei Macht? (Kontrolle und nachvollziehbare Begründung) (!Geheimhaltung aller Entscheidungen) (!Unbegrenzte Entscheidungsfreiheit der Institution) (!Verzicht auf die Perspektive Betroffener)
Welche Aussage beschreibt Recovery am besten? (Ein möglichst selbstbestimmtes und sinnvolles Leben gestalten) (!Nur vollständig symptomfrei als gesund gelten) (!Jede Unterstützung ablehnen) (!Alle Entscheidungen an Fachpersonen abgeben)
Memory
| Autonomie | Nach eigenen Werten entscheiden |
| Fürsorge | Wohl fördern und Leiden verringern |
| Nichtschaden | Vermeidbare Schäden verhindern |
| Gerechtigkeit | Rechte und Belastungen fair berücksichtigen |
| Einwilligung | Freiwillige Zustimmung nach Aufklärung |
| Krisenplan | Wünsche und Hilfen für schwierige Situationen |
| Recovery | Selbstbestimmtes Leben trotz möglicher Beschwerden |
| Deeskalation | Konflikte ohne Gewalt beruhigen |
Drag and Drop
| Ordne die richtigen Begriffe zu. | Thema |
|---|---|
| Autonomie | Eigene Werte und Wünsche |
| Fürsorge | Hilfe und Wohlergehen |
| Einwilligungsfähigkeit | Konkrete Informationen verstehen und abwägen |
| Unterstützte Entscheidung | Hilfe ohne Übernahme der Entscheidung |
| Paternalismus | Entscheidung für andere zu ihrem vermeintlichen Wohl |
Kreuzworträtsel
| Autonomie | Wie heißt das ethische Prinzip der Selbstbestimmung? |
| Fürsorge | Welcher Begriff bezeichnet das Fördern des Wohls? |
| Einwilligung | Wie heißt die freiwillige Zustimmung nach Aufklärung? |
| Krisenpass | Welches Dokument kann wichtige Wünsche für eine Krise knapp festhalten? |
| Menschenwürde | Welcher Grundwert schützt jede Person unabhängig von Krankheit? |
| Paternalismus | Welche Haltung entscheidet für andere zu ihrem vermeintlichen Wohl? |
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Lückentext
Offene Aufgaben
Leicht
- Begriffskarte Selbstbestimmung: Gestalte eine Karte mit Definition, Beispiel und Gegenbeispiel.
- Respektvolle Sprache: Formuliere fünf abwertende oder pauschale Aussagen in respektvolle Beschreibungen um.
- Vier Prinzipien: Zeichne ein Symbol für Autonomie, Fürsorge, Nichtschaden und Gerechtigkeit.
- Medienanalyse Psychiatrie: Untersuche ein Bild oder eine Filmszene darauf, wer sprechen darf und wessen Perspektive fehlt.
Standard
- Fallanalyse Sam: Bearbeite den Fall mit den sechs Analyseschritten und markiere fehlende Informationen.
- Krisenplan Entwurf: Entwickle einen fiktiven, nicht persönlichen Krisenplan mit hilfreichen Kontakten, Grenzen und Kommunikationswünschen.
- Rollenspiel Behandlungsgespräch: Spielt ein Gespräch zwischen betroffener Person, Vertrauensperson und Ärztin und wertet die Beteiligung aus.
- Ethikpodcast Selbstbestimmung: Produziere eine kurze Audiofolge zur Frage, warum Hilfe und Autonomie kein Gegensatz sein müssen.
Schwer
- Debatte Hilfe durch Zwang: Führt eine strukturierte Debatte mit Betroffenenperspektive, Angehörigenperspektive, Medizinethik und Menschenrechten.
- Historische Quellenkritik Psychiatrie: Vergleiche zwei historische Darstellungen und untersuche Sprache, Macht und fehlende Stimmen.
- Schutzkonzept Schule: Entwickelt Leitlinien dafür, wie eine Schule bei psychischen Krisen zuhören, beteiligen und professionelle Hilfe einbeziehen kann.
- Ethisches Gutachten Psychiatrie: Verfasse zu einem selbst entwickelten Fall ein begründetes Urteil mit Bedingungen, Gegenargument und möglicher Alternative zu Zwang.


Lernkontrolle
- Konfliktanalyse: Erkläre an einem neuen Fall, warum Autonomie und Fürsorge miteinander in Spannung geraten können.
- Perspektivwechsel: Formuliere denselben Konflikt aus Sicht der betroffenen Person, einer Angehörigen und einer behandelnden Fachkraft.
- Unterstützung vor Stellvertretung: Entwickle drei konkrete Hilfen, durch die eine zunächst unverständliche Entscheidung besser selbst getroffen werden könnte.
- Grenzen guter Absichten: Beurteile die Aussage „Wer helfen will, darf im Notfall alles“ mit mindestens drei ethischen Kriterien.
- Macht und Verantwortung: Zeige, welche Kontrollmechanismen eine Institution benötigt, wenn sie Freiheit einschränken kann.
- Begründetes Urteil: Entscheide in einem fiktiven Krisenfall zwischen mehreren Handlungsmöglichkeiten und nenne Bedingungen, unter denen Du Dein Urteil ändern würdest.
Lernnachweis
Für einen Lernnachweis zu diesem Thema ist wichtig:
- Du definierst Selbstbestimmung, Einwilligungsfähigkeit, Fürsorge, Paternalismus und Zwang korrekt.
- Du unterscheidest eine psychiatrische Diagnose von der Fähigkeit zu einer konkreten Entscheidung.
- Du wendest die vier medizinethischen Prinzipien auf einen Fall an.
- Du beziehst die Perspektive der betroffenen Person sichtbar ein.
- Du entwickelst freiwillige und weniger eingreifende Handlungsalternativen.
- Du erkennst Machtverhältnisse, Vorurteile und sprachliche Abwertung.
- Du formulierst ein begründetes Urteil mit Kriterien, Bedingungen und Gegenargumenten.
- Du behandelst persönliche Erfahrungen vertraulich und respektvoll.
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