Praxisvertiefung Schmuckdiamantschleifen - Edelsteinschleifer - Spezialisierung
Einleitung
Du bist im dritten Ausbildungsjahr der Fachrichtung Schmuckdiamantschleifen und kennst die Grundlagen aus den fachlichen Lernfeldkursen bereits. Jetzt führst du sie in einem vollständigen, begründeten Kundenauftrag zusammen: Du beurteilst ein Werkstück, entscheidest dich für einen geeigneten Schliff, planst eine sichere Fertigung, prüfst das Ergebnis, kalkulierst Zeit und Material und erstellst eine nachvollziehbare Übergabedokumentation. Ein fiktiver Modellauftrag macht Entscheidungen und Fehlerfolgen überprüfbar. Ziel ist nicht eine neue Einführung in alle Schleifverfahren, sondern der Transfer in die betriebliche Spezialisierung.
Du arbeitest hier zunächst mit Zeichnungen, Messdatensätzen, vergrößerten Fotos und einem ungefährlichen Facettenmodell. Echte Diamanten, rotierende Schleif- oder Poliereinrichtungen, Laser, Gefahrstoffe und Reinigungschemikalien dürfen Auszubildende ausschließlich nach betrieblicher Gefährdungsbeurteilung, Einweisung und unter befugter Aufsicht bearbeiten. Virtuelle Varianten oder ein ruhendes Kunststoffmodell ersetzen gefährliche Übungen. Der Kurs ist ergänzendes Lernmaterial, kein amtlicher Ersatz des Ausbildungsplans oder Nachweis einer Prüfungszulassung.
Ausbildungsauftrag, Fachrichtungsgrenze und Verantwortlichkeit
Rechtsrahmen und zeitliche Einordnung
Die Edelsteinschleiferausbildungsverordnung vom 17. Mai 2018 gilt seit dem 1. August 2018 für die dreijährige Ausbildung (36 Monate). Vier Fachrichtungen sind vorgesehen. Für Schmuckdiamantschleifen unterscheidet Abschnitt E des Ausbildungsrahmenplans zwei spezifische Positionen: Schleifen und Polieren von Schmuckdiamanten mit 36 Wochen und Um- und Nacharbeiten mit 16 Wochen. Diese zeitlichen Richtwerte liegen in der Spalte 19. bis 36. Monat; sie gelten also nicht ausschließlich für das dritte Jahr und werden nicht als zusätzliche Kursstunden verstanden. Fachrichtungsübergreifende Planung, Qualitätskontrolle sowie Sicherheit und Umweltschutz kommen hinzu. Der betriebliche Ausbildungsplan, die zuständige Industrie- und Handelskammer oder Handwerkskammer und der am Lernort gültige Landeslehrplan bestimmen die konkrete Umsetzung. BIBB-Berufsprofil
Zum Fachrichtungsinhalt gehören das Grundformen unter Beachtung des Schleifkompasses, das Schleifen gesägter und geschlossener Diamanten zu Brillanten, ausgewählte Fantasieformen wie Baguette und Carrée sowie das Umarbeiten und Nachpolieren beschädigter Schmuckdiamanten. Das Industriediamantschleifen dient dagegen dem technischen Werkzeugeinsatz; sein Einbau in Halterungen oder Funktionsprüfungen von Diamantwerkzeugen sind keine zusätzlichen Pflichtinhalte dieses Transferkurses. Die Abschluss- oder Gesellenprüfung im Bereich Schmuckdiamanten schleifen verlangt nach § 27 der Verordnung vier Prüfungsstücke, praxisübliche Dokumentation und ein Fachgespräch zum geschlossenen Brillanten; für den Prüfungsbereich gelten insgesamt 16 Stunden und höchstens 10 Minuten Fachgespräch. Diese Rechtsangabe ordnet die Kompetenzen ein, unser Lernprojekt simuliert nicht diese Prüfung.
Auftrag klären statt einfach losarbeiten
Ein brauchbarer Auftrag nennt eine anonyme Werkstückkennung, Herkunfts- und Materialangaben soweit nachgewiesen, Ausgangsgewicht in Karat (ct), vorhandene Vorschäden und Einschlüsse, gewünschte Form, Nutzung im Schmuckstück, vereinbarte Qualitätsmerkmale, Grenzen der Gewichtsabnahme, Zeitrahmen, Abnahmeberechtigung und Dokumentationsregeln. Karat bezeichnet die Masse; 1 ct entspricht 0,2 g. Rundiste ist der Übergang zwischen Oberteil und Unterteil; die Tafel ist die große obere Facette, das Pavillon-Unterteil führt zur Spitze oder kleinen Kalette. Ein Schleifkompass beschreibt die kristallrichtungsabhängige Bearbeitbarkeit. Ohne ausreichenden Befund wird weder ein Zielgewicht garantiert noch eine risikoreiche Nacharbeit freigegeben.
Entscheidungskette: Auftrag und Nachweis prüfen → Zustand aufnehmen → zwei machbare Varianten skizzieren → Ertrag, Risiko und Bearbeitungszeit vergleichen → Freigabe einholen → simulieren oder beaufsichtigt fertigen → messen → dokumentieren → übergeben. Bei unklarer Identität, unzulässigen Kundendaten, sichtbarem Rissrisiko oder fehlender Maschinenfreigabe: Stopp und Rücksprache.

Medienhinweis: Rohdiamant als Anschauung eines Ausgangsbefunds; die Form dieses Museumsstücks ist keine Vorlage für den Modellauftrag. Foto: DGPC/ADF Luísa Oliveira, CC0; Quellen- und Lizenznachweis im OER-Abschnitt.
Steinbefund, Schleifentscheidung und Gestaltungsziel
Befund protokollieren und Varianten entwickeln
Prüfe anhand von freigegebenen Aufnahmen und kalibrierten Messmitteln Außenform, Größe, Masse, Oberflächenzustand, frühere Schliffflächen, mögliche Spaltrichtungen, Einschlüsse und lokale Ausbrüche. Inklusion bedeutet Einschluss; ein oberflächennaher Einschluss kann beim Nachschliff anders relevant sein als ein stabil eingeschlossener Defekt. Markiere Befunde auf einer Skizze aus Draufsicht und Seitenansicht mit Befund-ID und Beobachtungsbedingungen. Ein optischer Eindruck allein ist noch kein Zertifikat über Echtheit oder Gradierung. Unklare Steine gehen zur fachkundigen Identifikation.
Vergleiche mindestens zwei Alternativen: A erhält mehr Gewicht, sofern sichtbare Risiken sicher beherrschbar bleiben; B reduziert problematische Bereiche, benötigt aber mehr Materialabtrag und Bearbeitungszeit. Für einen üblichen runden Brillanten sind Proportion, Symmetrie und Politur miteinander verbundene Qualitätsmerkmale. Ein Standard-Rundbrillant hat typischerweise 57 oder 58 Facetten; die kleine Kalette ist die optionale 58. Facette. Die Lichtwirkung umfasst Brillanz (Helligkeit), Feuer (spektrale Farbzerlegung) und Szintillation (Licht-Dunkel-Wechsel beim Bewegen). Diese Begriffe helfen bei der Bewertung, ersetzen aber keine Messtechnik oder durch den Auftrag festgelegte Spezifikation. Die GIA unterscheidet überdies die separate Beurteilung von Politur und Symmetrie; Fantasieformen werden dort nicht wie Standard-Rundbrillanten mit einem allgemeinen Cut Grade bewertet. GIA: Diamond Cut

Grafik: Ober- und Unterteil eines runden Brillantschliffs; englische Facettenbezeichnungen werden beim Arbeiten ins Deutsche übertragen. Vektorfassung Danuthaiduc nach Jasper Paulsen, CC BY-SA 3.0/GFDL.
Formvarianten nur dort vergleichen, wo es dem Auftrag dient
Beim Achtkant lernst du die bewusste Reduktion des Facettenplans; ein Brillant benötigt eine detailliertere Facettenanordnung. Beim Baguette dominieren rechteckige Umrisse und abgestufte Facetten, beim Carrée eine quadratische Kontur. Eine Fantasieform ist nicht automatisch hochwertiger: Farbe, Einschlüsse, geplante Fassung, Haltbarkeit und wirtschaftlicher Materialertrag entscheiden mit. Die Werkstatt prüft ihre Zeichnungs- und Toleranzvorgaben; historische Idealwinkel werden nicht ungeprüft zu verbindlichen Grenzwerten gemacht. Lege deinen Entwurf als maßstäbliche Zeichnung mit benannten Symmetrieachsen, Prüfpunkten und begründetem Gewichtsziel ab.

Formvergleich: Beispiele für unterschiedliche Fantasieschliffe; nicht jedes gezeigte Modell ist Baguette oder Carrée. Paul Noillimrev, CC BY-SA 3.0.
Sichere Durchführung, Prozesssteuerung und digitale Werkstatt
Arbeitsplan mit Freigabepunkten
Vor jedem praktischen Schritt müssen Werkstückzuordnung, Werkzeugzustand, Schutzvorrichtungen, betriebliche Unterweisung, sichere Werkstückspannung, geeignete Absaugung oder benannte Staubminderung, elektrische Sicherheit, Ergonomie, Beleuchtung und Arbeitsfreigabe dokumentiert sein. Schleifstaub, bewegte Maschinenteile, wegfliegender Abrieb, Lärm und gegebenenfalls Aerosole zählen zu relevanten Gefährdungen. Die DGUV-Gefährdungsübersicht und DGUV Information 209-002 „Schleifen“, Ausgabe 06/2023 liefern allgemeine Hinweise; sie ersetzen keine konkrete betriebliche Gefährdungsbeurteilung für eine spezialisierte Diamantschleifmaschine. Drehzahl, Werkzeugwahl, Schleifrichtung, Andruck, Schmierung, Reinigung und persönliche Schutzausrüstung richten sich nach aktueller Herstelleranleitung und betrieblich freigegebenem Verfahren. Keine Einstellung wird aus einem Internetfoto übernommen.
Für den sicheren Lernweg setzt du zunächst auf eine nicht rotierende Werkstattskizze, eine Tabellenkalkulation und ein 3D- oder Papiermodell. Markiere Facettenlagen mit Farbstiften, simuliere den Materialabtrag digital und prüfe die Schnittstellen. Erst nach ausdrücklicher Freigabe durch eine befugte Fachkraft darf die reale Fertigung beobachtet oder unter Aufsicht durchgeführt werden. Kein unbeaufsichtigtes Einschalten, kein Entnehmen von Schutzhauben und kein improvisiertes Reparieren einer Klemmung!
Rückverfolgbarkeit und Digitalisierung
Eine digitale Arbeitskarte hält fest: synthetische Auftrags-ID, Datum, Bearbeitungsstand, Zeichnungsstand, Messverfahren, Kalibrierhinweis, Soll- und Ist-Werte, Befundfotos, Abweichungsgrund, Freigabe und anonymes Prüferkürzel. Lege Versionsstände fest (z. B. V1 Befund, V2 Freigabe, V3 Abnahme); sichere Rohdateien und Änderungsverlauf, damit ein Wert nicht nachträglich unbemerkt „korrigiert“ wird. Personenbezogene Kunden-, Betriebs- oder Schülerdaten gehören nicht in diesen Kurs; nutze ausschließlich konstruierte Beispieldaten, datensparsame Freigabewege und die Speicherregeln des Betriebs.
Der Materialverbrauch lässt sich aus Anfangs- und Endmasse bestimmen. Ausbeute in Prozent = Endgewicht / Ausgangsgewicht × 100. Die Differenz ist der Masseverlust durch Bearbeitung und gegebenenfalls Aussortierung, keine automatisch wiederverwertbare Rohstoffmenge. Nacharbeit, unnötige Maschinenlaufzeit und Fehlfertigung verursachen ökologische und wirtschaftliche Belastung. Erfasse Energiezeit, Hilfsstoffe und fachgerecht getrennte Abfallströme dort, wo der Betrieb dies vorgibt.

Historische Aufnahme von 1932: Diamantbearbeitung bei Van Moppes in Amsterdam. Willem van de Poll/Nationaal Archief, CC0. Die sichtbare Technik ist kein heutiger Sicherheitsstandard und keine Anleitung.
Prüfen, Fehlerdiagnose und qualitätsgesicherte Übergabe
Prüfraster: vom Maß bis zur Nacharbeit
Definiere vor Arbeitsbeginn Akzeptanzkriterien, die sich durch Prüfmethoden belegen lassen. Kontrolliere Werkstückidentität und Masse, Umriss und Proportionen, Facettenlage, Kantenverlauf und Symmetrie, die Politur unter vereinbarter Vergrößerung und Beleuchtung sowie sichtbare Schäden. Dokumentiere die jeweilige Methode, den Sollwert, Istwert, zulässige Abweichung und das Prüfdatum. Eine zehnfache Lupenansicht kann für die Lernkontrolle vereinbart werden; sie ist hier kein allgemeingültiger Ersatz für eine professionelle Diamantgraduierung. Bei Messunsicherheit zählt die dokumentierte Unsicherheit zur Entscheidung. Eine „glänzende“ Oberfläche allein belegt weder gute Winkel noch ausreichende Haltbarkeit.
Fehlerdiagnose mit Ursache, Prüfung und Reaktion:
| Befund am Modell oder freigegebenen Werkstück | Mögliche Ursache | Prüfschritt | Fachgerechte Reaktion |
|---|---|---|---|
| Asymmetrische Facettenkanten | Ausrichtung oder Indexierung abweichend | Gegenüberliegende Facetten bildlich vergleichen | Auftrag stoppen, Aufspannung durch Fachkraft prüfen, Nacharbeit neu kalkulieren |
| Sichtbare Polierspuren | Ungeeigneter oder verschmutzter Polierprozess | Oberfläche in definierter Beleuchtung dokumentieren | Zustand von Scheibe und Hilfsstoffen fachkundig prüfen lassen |
| Abweichendes Endgewicht | Zu großer Abtrag oder Eingabefehler | Tara, Einheit und zwei Messwerte kontrollieren | Neu wiegen und materialbezogene Freigabe klären |
| Kantenausbruch oder neuer Riss | Stoß, ungünstige Lage oder Vorschädigung | Vorher-Nachher-Fotos und Schadenskarte vergleichen | Keine improvisierte Nacharbeit; Risiko und Kundenfreigabe erneut prüfen |
| Lückenhafte Protokolle | Fehlender Prüfschritt oder Versionskonflikt | Checkliste gegen Arbeitskarte abgleichen | Bearbeitungsstand nachweisbar ergänzen; nichts rückdatieren |
Abnahmeentscheidung: freigeben, sperren oder mit Änderung neu planen
Drei klare Zustände verhindern Schönfärberei: freigegeben nur bei erfüllter Spezifikation; gesperrt bei Sicherheits- oder Qualitätsabweichung; Änderungsauftrag bei technisch möglicher, aber noch nicht genehmigter Nacharbeit. Eine Reparatur kann Symmetrie verbessern, aber Gewicht und Wert mindern. Zeichne solche Zielkonflikte explizit auf. Prüfe vor der Übergabe, ob Auftragsumfang, Fotos, Ausbeute, Kontrollmessungen, kalkulierte Zeiten, Ausschuss und Verantwortlichkeit ohne echte personenbezogene Angaben nachvollziehbar sind.

Werkstattfotografie: Polierarbeitsplatz als Beobachtungsanlass für Schutz- und Prüffragen; keine Freigabe des sichtbaren Arbeitsverfahrens. Andere Andre, gemeinfrei.
Deutschsprachiger Berufseinblick (ca. 15 Minuten): BR alpha, „Ich mach’s!: Edelsteinschleifer/in“. Der Film wird im berufenavi der Bundesagentur für Arbeit mit dieser YouTube-Adresse ausgewiesen. Er zeigt Berufsorientierung und ersetzt keine aktuelle Maschinenunterweisung; der direkte YouTube-Abruf konnte bei der Recherche nicht separat getestet werden.
Durchgearbeiteter Modellauftrag: Brillantschliff und Qualitätsentscheid
Fiktiver Auftrag mit konkurrierenden Varianten
Kennung: TRAIN-DIA-07. Ein bereits getrennter Schmuckdiamant liegt in der simulierten Annahme mit 0,84 ct und dokumentiertem oberflächennahem Risiko an einer Seite vor. Gewünscht sind ein runder Brillant und nachvollziehbare Symmetrie, Politur ohne auffällige Bearbeitungsspuren in der vereinbarten Lupe sowie die Nutzung in einer Ringfassung. Die beigefügten synthetischen Messdaten stammen aus einer Lernsimulation, nicht aus einem echten Kundenauftrag. Ein nominelles Ziel von mindestens 0,40 ct ist Verhandlungsziel, kein garantiertes Resultat. Bei bestätigtem risskritischem Befund ist die Fertigung unabhängig vom Zielgewicht zu stoppen.
Variante A: geplantes Endgewicht 0,44 ct, hohe Masserückgewinnung, aber ungeklärtes Randrisiko. Variante B: geplantes Endgewicht 0,40 ct, vorsichtigerer Randabtrag und zusätzlicher Prüfaufwand. Nach vergrößerter Fotoauswertung bestätigt die betreuende Fachkraft in der Simulation das Randrisiko; der fiktive Kunde genehmigt dokumentiert Variante B. Dadurch wird das ursprünglich größere Zielgewicht bewusst zugunsten einer sichereren und sauber nachprüfbaren Geometrie verworfen.
Arbeitsplan mit Prüfpunkten
| Schritt | Zeitansatz | Arbeitsergebnis oder Sicherheits-/Qualitätsnachweis |
|---|---|---|
| Eingangsbefund und Identitätsprüfung | 20 Minuten | Befundkarte, Ausgangsgewicht 0,84 ct, Skizze, Freigabebedarf |
| Facettenmodell, Variantenvergleich und Fertigungsfreigabe | 25 Minuten | Zwei Entwürfe, Risikobewertung und Entscheidung B |
| Simulierte Bearbeitung und protokollierte Zwischenkontrollen | 65 Minuten | Digitaler Facettenplan, Abweichungslog und Materialmodell |
| Endkontrolle im Modell und Plausibilitätsprüfung | 20 Minuten | Messliste, Fotomontage, Endgewicht aus Datensatz |
| Nachkalkulation und anonymisierte Übergabe | 20 Minuten | Vollständige Arbeitskarte, Kosten- und Umweltvermerk |
Gesamtzeit: 20 + 25 + 65 + 20 + 20 = 150 Minuten = 2,50 Stunden. Jede Zeile hat einen Prüfnachweis; ein Realauftrag bräuchte zusätzlich die genehmigten Maschinenparameter, tatsächliche Fertigungszeiten und die Bestätigung der Aufsicht.
Rechenschritte, Prüfprotokoll und Wirtschaftlichkeit
Die Simulation liefert 0,42 ct als gemeldetes Endgewicht nach einem erneuten Befund; dieser Istwert liegt über dem genehmigten Mindestziel 0,40 ct. Materialverlust = 0,84 ct − 0,42 ct = 0,42 ct, also 0,084 g. Ausbeute = 0,42 / 0,84 × 100 = 50 %. Die anfängliche Planvariante A hatte 0,44 / 0,84 × 100 = etwa 52,4 % versprochen, war wegen des Risikos aber nicht akzeptiert. Vergleiche daher nicht nur Prozentzahlen, sondern auch Schadenswahrscheinlichkeit, Prozesszeit und zugesicherte Qualität.
Die Lehrwerkstatt rechnet mit frei erfundenen Verrechnungssätzen': 2,50 h × 48 €/h = 120 € Arbeitskosten; Hilfs- und Prüfmateriel 18 €, projektbezogener Zuschlag 12 €; Bearbeitungskostensumme = 150 €. Werden im Modell ein fiktiver Rohsteinwert von 540 € und ein fiktiver Erlös von 950 € angesetzt, ergibt sich 950 € − 540 € − 150 € = 260 €. Dies ist ein vereinfachter Deckungsbeitrag, ausdrücklich kein Gewinn, keine Marktpreisempfehlung und keine Wertzusage: Steuern, Logistik, Finanzierung, Zertifizierung und weitere betriebliche Kosten sind nicht enthalten. Bei 30 Minuten erforderlicher Nacharbeit steigen die verrechneten Arbeitskosten um 0,5 × 48 € = 24 €; ohne neuerlichen Abnahmetest darf nicht freigegeben werden.
Konkretes prüfbares Modell-Arbeitsergebnis TRAIN-DIA-07: Ein vollständig beschrifteter Brillant-Facettenplan mit markiertem ursprünglichem Randrisiko, zehn digital abgeglichene Kontrollbilder, eine Endmassenkarte 0,42 ct mit Plausibilitätscheck, eine protokollierte Variante-B-Freigabe sowie die Rechnung mit 50 % Ausbeute und 150 € Bearbeitungskosten. Die Simulation weist bei beidseitigem Vergleich gleiche Facettenindizes und keine auffälligen Polierspuren im synthetischen Prüfbild aus. Das ist ein befundgebundenes Modellurteil, keine reale Diamantzertifizierung.
Bewertungsraster für den Lernauftrag
| Kriterium | Maximalpunkte | Nachweis für volle Punktzahl |
|---|---|---|
| Auftragsanalyse und fachliche Eingrenzung | 15 | Vollständiger Befund, richtige Fachrichtung und Auftrag klar abgegrenzt |
| Variantenplan und Sicherheitsfreigaben | 15 | Zwei sinnvolle Varianten, Risiko und Freigabepunkte begründet |
| Facettenmodell und fachliche Durchführung | 20 | Konsistente Geometrie, dokumentierte Zwischenkontrollen |
| Qualitätsprüfung und Fehlerdiagnose | 20 | Definierte Soll-Ist-Prüfung, Abweichungsreaktion und Abnahmeentscheid |
| Rechenwege und wirtschaftlicher Vergleich | 15 | Masse, Ausbeute, Minuten, Kosten und Unsicherheiten richtig |
| Nachhaltigkeit, Datenschutz und Dokumentation | 15 | Schonung, Abfallweg, nur synthetische Daten, versionssichere Übergabe |
| Gesamt | 100 | Eine Sicherheitsverletzung im Realbetrieb führt unabhängig von Punkten zum Abbruch der praktischen Übung |
Selbstkontrolle: Rechne die Ausbeute nach, markiere fehlende Belege in der Arbeitskarte, begründe deine Freigabe und erläutere der betreuenden Fachkraft, warum ein höherer Materialertrag allein kein gutes Ergebnis beweist. Formuliere abschließend eine Übertragungsregel für einen zweiten, beschädigten Diamanten: Erst Risiko und Abnahmebedingungen klären, dann einen begrenzten Nacharbeitsauftrag kalkulieren.
Interaktive Aufgaben
Multiple-Choice-Quiz
In welchem Zeitraum liegen die 36 und 16 Wochen der fachrichtungsspezifischen Ausbildungsrahmenplan-Positionen für Schmuckdiamantschleifen? (Im 19. bis 36. Monat der Ausbildung) (!Ausschließlich im letzten Ausbildungsmonat) (!Nur im ersten Ausbildungsjahr) (!Als zusätzliche Zeit nach dem Ausbildungsabschluss)
Welche Tätigkeit gehört eindeutig zum Schwerpunkt Schmuckdiamantschleifen? (Umarbeiten und Nachpolieren eines Schmuckdiamanten) (!Einlöten von Diamanten in Schneidwerkzeuge) (!Funktionsprüfung eines Bohrwerkzeugs mit Diamanteinsatz) (!Anfertigen einer erhabenen Edelsteingravur)
Welche Maßnahme ist bei ungeklärtem Randriss vor einer realen Nacharbeit fachgerecht? (Bearbeitung stoppen und Freigabe nach erneuter Risikoprüfung einholen) (!Ohne Befundprüfung stärker andrücken) (!Die Schleifscheibe schneller einstellen) (!Den Riss im Protokoll auslassen)
Was ist die Rundiste eines Brillanten? (Der Übergangsbereich zwischen Oberteil und Unterteil) (!Die große obere Hauptfacette) (!Die kleine Spitze am tiefsten Punkt) (!Eine Vergrößerungslupe für die Endprüfung)
Was ergibt bei 0,84 ct Ausgangsmasse und 0,42 ct Endmasse eine korrekte Ausbeuterechnung? (50 Prozent) (!25 Prozent) (!42 Prozent) (!84 Prozent)
Welche Aussage zur Qualität eines runden Brillanten ist sinnvoll? (Politur und Symmetrie sind getrennt beobachtbare Qualitätsaspekte) (!Alle Lichtwirkungen lassen sich allein aus der Masse bestimmen) (!Eine glatte Fläche beweist automatisch perfekte Symmetrie) (!Fantasieformen haben immer dieselbe Graduierung wie Rundbrillanten)
Wozu dient der Versionsstand auf der digitalen Arbeitskarte? (Er macht Änderungen am Befund und an Freigaben nachvollziehbar) (!Er ersetzt eine sicherheitstechnische Einweisung) (!Er garantiert den Verkaufspreis) (!Er verhindert jeden möglichen Materialverlust)
Welche Konsequenz hat eine notwendige Nacharbeit von 30 Minuten bei 48 Euro je Stunde im Modell? (24 Euro zusätzliche Arbeitskosten) (!12 Euro zusätzliche Arbeitskosten) (!48 Euro zusätzliche Arbeitskosten) (!96 Euro zusätzliche Arbeitskosten)
Welche Entscheidung passt zu einer nicht erfüllten Qualitätsvorgabe? (Sperren und eine dokumentierte Nacharbeitsfreigabe prüfen) (!Ohne Kontrolle als fertig kennzeichnen) (!Messwerte im Protokoll stillschweigend ändern) (!Das fehlerhafte Werkstück anonym ohne Kennung ausgeben)
Welche Quelle ist für konkrete Drehzahl- und Werkzeuggrenzen am betrieblichen Gerät maßgeblich? (Aktuelle Herstelleranleitung und betriebliche Freigabe) (!Ein historisches Foto einer Schleiferei) (!Eine frei gewählte Einstellung aus einem Lernspiel) (!Allein die theoretische Masse des Diamanten)
Memory
| Rundiste | Grenzbereich zwischen Oberteil und Unterteil |
| Tafel | Große obere Facette |
| Inklusion | Im Stein eingeschlossener Fremdkörper oder Strukturmerkmal |
| Ausbeute | Anteil des Endgewichts am Ausgangsgewicht |
| Arbeitskarte | Versionsgesicherte Dokumentation eines Auftrags |
| Szintillation | Licht-Dunkel-Wechsel beim Bewegen eines geschliffenen Steins |
Drag-and-drop
| Ordne Fachbegriff und zutreffende Beschreibung zu. | Beschreibung |
|---|---|
| Vorbefund | Ausgangszustand mit Befundkarte sichern |
| Freigabepunkt | Fortsetzung der Arbeit erst nach dokumentierter Zustimmung |
| Zwischenkontrolle | Bearbeitungsstand gegen festgelegte Geometrie prüfen |
| Fehlerdiagnose | Abweichung, mögliche Ursache und Prüfschritt verknüpfen |
| Endabnahme | Dokumentierte Entscheidung über die Erfüllung aller Anforderungen |
Kreuzworträtsel
| Facette | Wie heißt eine einzelne plan geschliffene Teilfläche? |
| Rundiste | Wie heißt der umlaufende Bereich zwischen Oberteil und Unterteil? |
| Politur | Welcher Fachbegriff bezeichnet die Feinbearbeitung der Oberfläche? |
| Brillant | Wie heißt ein Diamant in der entsprechend definierten runden Schliffform? |
| Karat | Welche Masseneinheit wird für Diamanten verwendet? |
| Symmetrie | Welcher Begriff bezeichnet die Gleichmäßigkeit von Form und Facettenlage? |
LearningApps
Nutze die folgende thematische LearningApps-Suche, um eine passende Zuordnungsübung zur Facetten- und Qualitätskontrolle zu wählen. Suchtreffer sind Angebote Dritter und ersetzen die Fachprüfung nicht.
Lückentext
Offene Aufgaben
Leicht
- Befundskizze: Zeichne auf Papier einen fiktiven Rohstein, markiere drei beobachtbare Merkmale und schreibe eine passende anonyme Werkstückkennung dazu.
- Facettenbezeichnungen: Beschrifte an einer geprüften Grafik Tafel, Rundiste, Oberteil und Unterteil und erläutere deren Lage in eigenen Worten.
- Sicherheitskarte: Erstelle eine kleine Stoppliste mit fünf Gründen, aus denen du eine echte Maschine ohne Freigabe nicht bedienst.
- Massenrechnung: Rechne 0,84 ct und 0,42 ct in Gramm um und stelle den Masseverlust dar.
Standard
- Arbeitsablauf: Formuliere für TRAIN-DIA-07 einen Zeitplan mit mindestens vier Prüfpunkten und eindeutigem Abnahmekriterium.
- Prüfprotokoll: Entwickle eine Tabelle mit Sollwert, Istwert, Methode und Entscheidung für fünf Qualitätsmerkmale eines Brillantmodells.
- Ursachenbaum: Visualisiere, wie fehlerhafte Aufspannung, falsche Daten oder Materialschäden zu einer asymmetrischen Facette führen können.
- Materialvergleich: Vergleiche zwei modellierte Schliffvarianten hinsichtlich Ausbeute, Nacharbeit, Zeit und Abfall.
Schwer
- Variantenentscheid: Begründe anhand einer Schadensskizze und einer selbst festgelegten Prüfanweisung, wann du Brillant statt Baguette empfehlen würdest.
- Wirtschaftlichkeitsmodell: Kalkuliere mit eigenen als fiktiv gekennzeichneten Sätzen einen zweiten Auftrag samt Sensitivität für 30 Minuten Zusatzzeit und begründe den Deckungsbegriff.
- Digitale Übergabe: Fertige einen anonymisierten, versionssicheren Prüfbericht mit Fotoprotokoll, Materialbilanz, Genehmigung und Nacharbeitsentscheidung an.
- Fachgespräch: Halte ein achtminütiges simuliertes Kundengespräch mit einer Fachkraft, verteidige deinen Variantenentscheid und reflektiere Datenschutz und Sicherheit.


Lernkontrolle
- Lernkontrolle A: Vergleiche die Aufnahmebedingungen von zwei synthetischen Schadensfotos und begründe, welche weiteren Daten vor einer Freigabe fehlen.
- Lernkontrolle B: Erkläre an einer Zeichnung, warum sich eine Facettenlage nicht allein nach maximalem Gewicht auswählen lässt.
- Lernkontrolle C: Leite für einen hypothetischen Politurfehler einen Prüfablauf, einen sicheren Stopp und einen dokumentierten Änderungsauftrag ab.
- Lernkontrolle D: Prüfe unabhängig die Beispielrechnung 0,84 ct auf 0,42 ct und rechne die Folgen von 0,39 ct tatsächlichem Endgewicht aus.
- Lernkontrolle E: Trenne die Vorgaben des Ausbildungsrahmenplans von den unternehmensbezogenen Freigaben und begründe, wer am Lernort welche Verantwortung trägt.
- Lernkontrolle F: Vergleiche zwei Dokumentations- und Materialentscheidungen hinsichtlich Energiebedarf, Nacharbeit, Abfalltrennung und Datenminimierung.
Lernnachweis
Du legst ein Portfolio mit sechs überprüfbaren Bestandteilen vor: (1) Befundkarte mit rein erfundenen Angaben und zwei Variantenskizzen, (2) Gefährdungs- und Freigabecheck mit Modellalternative, (3) vollständigen Zeit- und Prüfplan, (4) Facettenmodell und Soll-Ist-Fotos, (5) nachgerechnete Ausbeute und Kosten samt Änderungsrechnung, (6) qualitätsgesicherte Übergabe mit begründeter Freigabe oder Sperrung. Als Kompetenznachweis zählt insbesondere die nachvollziehbare Begründung bei konkurrierenden Qualitäts-, Material- und Sicherheitszielen. Die betreuende Fachkraft nutzt das 100-Punkte-Raster aus Kapitel 5 und dokumentiert eine individuelle fachliche Rückmeldung. Eine allein bestandene Onlineübung ersetzt keine praktische Befähigung.
OER und Wikipedia
Geprüfte öffentliche Fach- und Rechtsquellen (Zugriff und Einordnung für diesen Kurs, Stand Oktober 2026):
- BIBB: Berufsprofil Edelsteinschleifer/-in, Fachrichtungen und Ausbildungsdauer
- EdSchleifAusbV, §§ 2, 4, 26–30 und Inkrafttreten sowie Anlage, Abschnitt E: 36 und 16 Wochen im 19.–36. Monat
- DGUV Information 209-002: Schleifen, Ausgabe Juni 2023 und DGUV-Fachbereich: typische Gefährdungen
- GIA: Diamond Cut, Proportion, Politur, Symmetrie und optische Wirkung (englisch; fachliche Ergänzung, keine deutsche Rechtsnorm)
- Wikipedia: Brillant und Wikipedia: Schliff von Schmucksteinen als offen zugängliche Vertiefung; Aussagen anhand der Fachquellen gegenprüfen.
- Bundesagentur für Arbeit: berufenavi Edelsteinschleifer/in mit Verweis auf den BR-alpha-Berufsfilm.
Bildnachweise, Urheber und Lizenzen (Commons-Dateinamen und Dateiseiten geprüft; historische Medien sind nicht als aktuelle Arbeitsanweisung zu verstehen):
| Eingebundene Datei | Geprüfte Commons-Dateiseite | Urheber | Lizenz |
|---|---|---|---|
| File:Rough Diamond.jpg | Rohdiamant | DGPC/ADF Luísa Oliveira | CC0 1.0 |
| File:Diamond facets.svg | Brillant-Facettendiagramm | Danuthaiduc nach Jasper Paulsen | CC BY-SA 3.0, alternativ GFDL |
| File:Fancy cut diamonds.jpg | Fantasieformen | Paul Noillimrev | CC BY-SA 3.0 |
| File:Slijpen van de diamant bij Van Moppes in Amsterdam, Bestanddeelnr 252-0343.jpg | Historische Diamantbearbeitung | Willem van de Poll, Nationaal Archief | CC0 1.0 |
| File:Diamond Polisher.jpg | Polierarbeitsplatz | Andere Andre | Gemeinfrei gemäß Commons |
Videonachweis: BR alpha: Ich mach’s – Edelsteinschleifer/in, als deutschsprachiges Berufsvideo in berufenavi nachgewiesen; Urheber/Sender BR alpha. Keine offene Nachnutzungslizenz belegt; eingebettet wird lediglich der externe Player. Die direkte YouTube-Wiedergabe ließ sich bei dieser Recherche nicht überprüfen. Weitere fachlich einschlägige, verlässlich belegte und direkt einbettbare deutschsprachige Videos wurden nicht gefunden; deshalb keine erfundenen Ergänzungen. Das audiovisuelle Material dient der Berufsorientierung, nicht der heutigen Maschinenfreigabe.
Weiterlesen in der deutschsprachigen Wikipedia:
Verknüpfte Lernbereiche
Projektanschlüsse: Digitale Facettenkarte als Erklärgrafik erstellen; eine simulierte Nacharbeit dokumentieren; ein Qualitätssicherungs-Minihandbuch mit prüfbaren Kriterien verfassen; nachhaltige Alternativen hinsichtlich Fehlerrisiko und Ertrag vergleichen. Diese Projekte sind betriebliche Transferübungen, keine zusätzlichen amtlichen Fachrichtungen.
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