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Marlon Roudette - New Age

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Marlon Roudette - New Age




Einleitung

New Age ist ein Popsong von Marlon Roudette und wurde 2011 zu seiner ersten großen Solo-Single nach dem Ende des Duos Mattafix. Der Titel gehört zum Debütalbum Matter Fixed und wurde zugleich eng mit dem deutschen Kinofilm What a Man verbunden. Für die deutschsprachigen Märkte war der Song ein besonders sichtbarer Neustart: Er erreichte Platz 1 in Deutschland, Österreich und der Schweiz; in Großbritannien kam er dagegen nur bis Platz 90. Damit eignet sich New Age besonders gut, um nicht nur Popmusik, sondern auch Songwriting, Musikproduktion, Filmmusik, Musikmarkt und die unterschiedliche Rezeption eines Songs in verschiedenen Ländern zu untersuchen.[1][2][3]

Marlon Roudette, Aufnahme vom 20. Januar 2012. Foto: Pitroipa10; Wikimedia Commons, CC BY-SA 3.0 / GFDL.[4]

Das offizielle Musikvideo ist eine zentrale Primärquelle für die Höranalyse. Es wird hier nur eingebettet; der geschützte Song wird nicht neu hochgeladen oder vervielfältigt.

Urheberrechtlicher Rahmen dieses aiMOOCs: Es werden weder der vollständige Liedtext noch eine vollständige Partitur oder eine längere Melodietranskription wiedergegeben. Ein einzelnes kurzes Textzitat dient ausschließlich der Analyse. Die Score-Beispiele sind neu erstellte didaktische Modelle und keine Transkriptionen der geschützten Melodie. Wikimedia-Commons-Medien werden mit ihrer freien Lizenz genannt; YouTube-Videos werden nur über den jeweiligen veröffentlichten Player eingebettet.


Basisdaten und Quellenlage

Merkmal Nachprüfbare Angabe
Interpret Marlon Roudette
Titel New Age
Album Matter Fixed
Jahr 2011
Songwriter Marlon Roudette und Guy Chambers
Produzenten der Aufnahme Guy Chambers und Mattafix
Recording Engineer Sleeper Sounds
Mixing / zusätzliche Produktion Grippa Laybourne
Genre Pop; in zeitgenössischen Beschreibungen auch als melancholische Midtempo-Ballade charakterisiert
Metrum / Tempo 4/4; Analysequellen liegen ungefähr bei 92–95 BPM
Tonales Material Veröffentlichte Analyse- und Notenquellen verwenden unterschiedliche Zentren derselben nah verwandten Tonvorräte: u. a. B-Dur als veröffentlichte Tonart sowie g-Moll beziehungsweise C-Dorisch als Abschnittsdeutung
Filmbezug offizieller Song zu What a Man

Die Produktionscredits stammen aus den von Apple Music angezeigten Aufnahmeinformationen; dort werden Guy Chambers und Mattafix als Produzenten, Sleeper Sounds als Recording Engineer sowie Grippa Laybourne als Mixing Engineer und zusätzlicher Produzent geführt.[5] Musicnotes nennt für eine veröffentlichte Piano/Vocal/Guitar-Ausgabe B-Dur und ungefähr 92 Viertel pro Minute; Hooktheory analysiert die Aufnahme mit rund 95 BPM im 4/4-Takt und hört im Intro beziehungsweise in der Strophe g-Moll, im Refrain C-Dorisch.[6][7]

Wichtig: Solche Tonartangaben sind keine widerspruchsfreien „Messwerte“. In Popmusik kann sich das wahrgenommene tonale Zentrum zwischen Abschnitten verschieben. B-Dur, g-Moll und C-Dorisch teilen große Teile ihres Tonmaterials. Gerade diese Mehrdeutigkeit ist eine musikalisch interessante Besonderheit von New Age.


Entstehung und zeitgeschichtlicher Kontext

Nach dem Ende von Mattafix begann Roudette, ein Soloalbum zu entwickeln. Universal Music beschrieb New Age damals als einen entscheidenden Durchbruch in der Arbeit an Matter Fixed: Roudette habe zunächst noch keinen klaren Sound für das Soloalbum gehabt und sei mit Gitarre und eigener Geschichte auf die Suche nach einer neuen musikalischen Identität gegangen.[8]

Für die Entstehung des Songs ist die Zusammenarbeit mit Guy Chambers besonders wichtig. Chambers erinnerte sich später, New Age sei gleich in ihrer ersten gemeinsamen Songwriting-Session entstanden. Das ist eine gut belegte Besonderheit der Entstehung dieses konkreten Songs.[9] Roudette berichtete außerdem, Chambers habe bereits Jahre zuvor ein Mattafix-Konzert gesehen, Kontakt gehalten und ihn in der Phase ohne Plattenvertrag zum Soloweg ermutigt.[10]

Der Filmbezug entstand nicht dadurch, dass der Song von Anfang an als Auftragskomposition für What a Man geplant worden wäre. Roudette schilderte 2011, dass Matthias Schweighöfer nach einem Titelsong gesucht habe und New Age auswählte, nachdem er das Stück gehört hatte. Roudette sah anschließend die Filmszene, in der das Stück verwendet werden sollte, und nahm die bildhafte Wirkung seines Songs als Bestätigung wahr.[11]

Der Kinostart von What a Man lag Ende August 2011, und Universal bewarb New Age ausdrücklich als offiziellen Song zum Film. Kurz darauf stieg die Single in Deutschland auf Platz 1. In der deutschen Jahres-Airplay-Liste 2011 lag New Age auf Rang 13; das zeigt, dass die Wirkung nicht nur auf Verkäufe beziehungsweise Downloads beschränkt war, sondern auch starke Radio-Präsenz hatte.[12][13]

Zeitgeschichtlich steht der Song in einem Chartumfeld, in dem 2011 gleichzeitig elektronische Dance-Pop-Titel und stärker songorientierte Popproduktionen erfolgreich waren. In einer deutschen Chartwoche im September standen neben New Age beispielsweise Titel von Maroon 5, David Guetta, Alexandra Stan und Tim Bendzko weit oben.[1] New Age verbindet in diesem Umfeld einen klaren Pop-Refrain mit einer vergleichsweise zurückgenommenen, melancholischen Grundfarbe.


Mindestens drei belegte Besonderheiten genau dieser Aufnahme


Besonderheit 1: Auffällige Produktions-Credits

Die Aufnahme ist kein schlichtes „Singer-Songwriter-Dokument“. Apple Music weist eine arbeitsteilige Studioproduktion aus: Guy Chambers und Mattafix als Produzenten, Sleeper Sounds als Recording Engineer sowie Grippa Laybourne für Mixing und zusätzliche Produktion.[5] Damit lässt sich die Aufnahme als Ergebnis mehrerer Produktionsstufen untersuchen: Songwriting und Performance, Aufnahme, zusätzliche Produktionsentscheidungen und Mix.

Beispiel eines Studiomischpults als frei lizenziertes Anschauungsmedium; es handelt sich nicht um das Studio oder Mischpult von New Age. Foto: cliff1066, CC BY 2.0.[14]


Besonderheit 2: Tonale Mehrdeutigkeit bei weitgehend gemeinsamem Tonvorrat

Eine veröffentlichte Piano/Vocal/Guitar-Ausgabe führt B-Dur als Tonart; Hooktheory hört dagegen im Intro und in der Strophe g-Moll und im Refrain C-Dorisch.[6][7] Das ist nicht bloß ein Quellenkonflikt: B-Dur, g-Moll und C-Dorisch sind eng verwandt und können weitgehend dasselbe Tonmaterial verwenden. Entscheidend ist, welcher Ton oder Akkord als Zentrum erlebt wird. Der Wechsel der empfundenen Zentren kann die Textidee von Ablösung und Neubeginn musikalisch unterstützen, ohne dass dafür eine spektakuläre Modulation nötig wäre.

Das folgende Score-Beispiel zeigt nur den gemeinsamen Tonvorrat und ist frei erfunden. Es notiert keine Passage aus New Age:


\relative c' {
  \time 4/4
  \key bes \major
  bes4 c d ees | f g a bes |
  g4 f ees d | c2 bes2
}


Besonderheit 3: Midtempo-Puls im 4/4-Takt

Hooktheory gibt ungefähr 95 BPM und 4/4 an; eine veröffentlichte Piano/Vocal/Guitar-Ausgabe notiert ungefähr 92 BPM.[7][6] Die Abweichung ist klein und kann aus Editions- oder Messunterschieden entstehen. Für die Hörpraxis ist entscheidend: Die Aufnahme wirkt als Midtempo-Pop und nicht als schneller Dance-Track. Dadurch bleibt Raum für Textverständlichkeit, längere Vokalphrasen und eine schrittweise Verdichtung des Arrangements.

Das folgende rhythmische Modell ist selbst erstellt. Es übernimmt nur die allgemeine Taktart und ein ungefähr passendes Tempo, nicht den Rhythmus der Originalmelodie:


\relative c' {
  \time 4/4
  \tempo 4 = 95
  c8 c r8 c8~ c4 r8 c8 | ees4 r4 d8 c r4 |
  c4 c8 c r4 c8 c | d4 ees c2
}


Besonderheit 4: Mehrere veröffentlichte Schnittlängen

Discografische Einträge zeigen, dass unter demselben Songtitel unterschiedliche Fassungen beziehungsweise Edits kursieren. hitparade.ch listet unter anderem eine digitale Single mit 3:31, eine Albumfassung auf Matter Fixed mit 3:33 und eine What a Man-Fassung mit 3:15; die Universal-Videoseite nennt für das reguläre Video etwa 3:10 und für die What-A-Man-Version etwa 3:11.[2][15] Für eine präzise Analyse musst Du deshalb immer angeben, welche Fassung Du hörst.


Besonderheit 5: Zwei unterschiedliche Musikvideo-Konzeptionen

Regisseurin und Fotografin Katja Kuhl erklärte 2011, es seien zwei Video-Versionen produziert worden: eine mit Szenen aus What a Man und eine ohne Filmszenen, die stattdessen unter anderem eine animierte Fotosequenz und Material aus Roudettes privatem Archiv verwendet.[16] Diese Doppelstrategie ist für die Medienanalyse interessant: Ein Song kann zugleich als eigenständige Künstlererzählung und als Teil eines Film-Marketingverbunds inszeniert werden.


Stil und Genre

New Age lässt sich sicher als Pop einordnen. Zeitgenössische Rezensionen beschrieben den Titel als melancholisch-verträumten Midtempo-Popsong beziehungsweise als weiche Ballade mit luftiger Klavierlinie.[17] Im Vergleich zu Mattafix rückt der Song die Stimme und eine klare, eingängige Songform stärker in den Vordergrund; ausgeprägte Rap- oder Hip-Hop-Passagen, wie man sie aus Teilen des Mattafix-Repertoires kennt, prägen diese Single nicht.

Der Stil wirkt deshalb zugleich modern produziert und traditionell songorientiert. Das ist für die Wirkung wichtig: Die Studioproduktion schafft Breite und Atmosphäre, während Melodie, Text und Refrain so klar bleiben, dass das Stück auch in akustisch reduzierten Fassungen funktioniert.


Melodie und Harmonik

Die Melodie bewegt sich nach Hooktheory in einem relativ kompakten Ambitus: Für Intro/Strophe wird ungefähr F4 bis D5, für den Refrain ungefähr F4 bis Es5 angegeben.[7] Ein kompakter Tonraum erleichtert Wiedererkennbarkeit und Mitsingbarkeit, ohne dass die Stimme auf extreme Höhen angewiesen ist.

Harmonisch ist besonders die bereits beschriebene Mehrdeutigkeit interessant. Eine B-Dur-Lesart betont die Dur-Umgebung; eine g-Moll-Lesart rückt die relative Molltonika ins Zentrum; C-Dorisch verschiebt den Fokus noch einmal, ohne den gesamten Tonvorrat austauschen zu müssen. Dadurch entsteht ein gutes Unterrichtsbeispiel für den Unterschied zwischen Tonvorrat und tonalem Zentrum.

Das folgende Beispiel ist eine selbst geschaffene Miniatur zur Unterscheidung von Dur, Moll und dorischer Färbung. Es ist nicht die Akkordfolge von New Age:


\relative c' {
  \time 4/4
  bes4 d f d | g, bes d bes |
  c ees g a | c,2 bes2
}


Rhythmus

Der 4/4-Takt und das Tempo um etwa 95 BPM erzeugen einen gleichmäßigen, gut erfassbaren Puls.[7] Rhythmisch lebt der Song weniger von virtuosen Patternwechseln als vom Verhältnis zwischen stabilem Grundpuls und vokaler Phrasierung. Beim Hören solltest Du besonders darauf achten, ob die Stimme exakt „auf“ dem Beat liegt oder einzelne Silben leicht davor beziehungsweise dahinter platziert werden. Solche Mikroverschiebungen können Intimität erzeugen, ohne den Grundpuls aufzulösen.

Eine Tanzmusik-Datenbank ordnet die Aufnahme mit etwa 96 Schlägen pro Minute ebenfalls in diesen Tempobereich ein.[18] Für die Analyse genügt deshalb die Formulierung „ungefähr 95 BPM“ besser als eine scheinbar auf eine einzige Zahl festgelegte Messung.


Gesang

Roudettes Leadgesang steht deutlich im Zentrum. In der Studiofassung ist die Stimme nah und verständlich gemischt; die emotionale Entwicklung entsteht weniger durch vokale Virtuosität als durch kontrollierte Intensivierung, Wiederholung und die zunehmende Verdichtung des Arrangements. Die relativ kompakte Melodielage unterstützt den Eindruck einer direkten, erzählerischen Ansprache.

Für eine fachliche Höranalyse kannst Du drei Ebenen unterscheiden: Klangfarbe der Stimme, Phrasierung im Verhältnis zum Beat und Dynamik zwischen Strophe, Refrain und späteren Formteilen. Vermeide dabei unbelegbare psychologische Aussagen über den Sänger; beschreibe stattdessen, was tatsächlich hörbar ist.


Instrumentierung und Klangbild

Eine zeitgenössische Rezension hebt eine luftige Klaviermelodie und eine insgesamt weichere, klarere Instrumentierung hervor; ein weiterer zeitgenössischer Kommentar beschreibt deutlich hörbares Klavier, ein eher natürlich wirkendes Schlagzeug und nur zurückhaltende Synthesizerflächen.[17][19] Solche Rezensionen sind Hörbeschreibungen, keine offiziellen Stems oder Session-Protokolle. Im Unterricht solltest Du deshalb prüfen, ob Du die genannten Elemente selbst hörst.

Frei lizenziertes Symbolbild zur Gesangsaufnahme; nicht das Aufnahmestudio von New Age. Foto: Shixart1985, CC BY 2.0.[20]


Arrangement, Produktion und Songform

Eine sinnvolle vereinfachte Hörgliederung lautet: Einleitung – Strophe – Refrain – zweite Strophe – Refrain – kontrastierender Mittelteil/Bridge – Schlussrefrain beziehungsweise Outro. Diese Gliederung folgt den Wiederholungen von Text und musikalischem Material; je nach untersuchter Fassung können Intro- und Outro-Längen variieren.

Das Arrangement arbeitet mit dem Grundprinzip Verdichtung: relativ transparent beginnende Abschnitte lassen der Stimme Platz; wiederkehrende Refrains wirken durch zusätzliche Layer und stärkere rhythmische Präsenz breiter. Die Produktion bleibt dabei vokalzentriert. Die Credits von Chambers, Mattafix, Sleeper Sounds und Laybourne zeigen, dass der hörbare Endzustand Ergebnis von Komposition, Aufnahme, zusätzlicher Produktion und Mixing ist.[5]

Für eine genaue Analyse notierst Du bei jedem Abschnitt:

  1. Welche Instrumente beziehungsweise Klangschichten hörbar neu einsetzen oder verschwinden.
  2. Wie sich Lautstärke, Stereobreite und Dichte verändern.
  3. Wie viele Takte oder Sekunden der Abschnitt in Deiner Fassung dauert.
  4. Ob der Übergang durch Fill, Pause, Harmonie, Textwiederholung oder Klangwechsel markiert wird.


Textthemen, Bildsprache und sinngemäße Übersetzung

Der englische Text kreist um Trennung, Verletzung, Loslassen und einen Neubeginn. Zentral ist nicht die Verherrlichung von Schmerz, sondern die Bewegung weg von einer alten Situation hin zu einer neuen Selbstdefinition. Roudette beschrieb den Song selbst als positiv und auf das Weitergehen gerichtet.[10]

Ein rechtlich bewusst kurzes Originalzitat lautet: „with every day it gets better“.[21] Sinngemäß: Mit jedem Tag wird es besser. Mehr vom geschützten Songtext wird hier nicht wiedergegeben.

Die Bildsprache des Liedes lässt sich ohne weitere wörtliche Zitate erschließen: Ein neuer Raum beziehungsweise neue Farben stehen sinngemäß für Veränderung; Feuer und beschädigte Flügel verdichten die Erfahrung einer intensiven, zugleich schmerzhaften Beziehung; das Löschen alter Gewohnheiten steht für bewusste Neuorientierung. Der Titel New Age meint in diesem Zusammenhang keine historische „Epoche“, sondern eine persönlich empfundene neue Lebensphase.


Musikvideo und visuelle Erzählung

Das Musikvideo verbindet Performancebilder und montierte Erinnerungsästhetik. Katja Kuhl berichtet, dass für die Version ohne Filmszenen unter anderem animierte Fotosequenzen, Stoptrick-Material und Bilder aus Roudettes privatem Archiv verwendet wurden; die andere Version bezog Ausschnitte aus What a Man ein.[16] Dadurch entsteht ein interessanter Kontrast zwischen privater Erinnerung und fiktionaler Filmhandlung.

Für die Analyse kannst Du prüfen, ob Bildschnitt und musikalische Formgrenzen zusammenfallen. Achte außerdem darauf, ob der Song durch die Filmversion stärker als „Beziehungssong“ gelesen wird, obwohl sein Text allgemeiner als Geschichte von Loslassen und Neubeginn verstanden werden kann.


Rezeption und Bedeutung im Werk von Marlon Roudette

In Deutschland stieg New Age direkt auf Platz 1; Universal meldete dies am 30. August 2011.[12] Die deutsche Chartseite zeigt den Titel auch Mitte September weiterhin auf Platz 1.[1] In der Schweiz erreichte das Lied ebenfalls Platz 1 und blieb dort laut hitparade.ch insgesamt 36 Wochen in den Singles-Charts; in Österreich stand es ebenfalls an der Spitze.[2] Die österreichische Jahreshitparade 2011 führte New Age auf Rang 26.[22]

Die britische Rezeption war deutlich schwächer: Die Official Charts Company weist als höchste Position Platz 90 und zwei Wochen in den Top 100 aus.[3] Dieser Kontrast ist wichtig, weil Roudette zwar in London geboren wurde, sein Solodurchbruch mit New Age aber vor allem in Kontinentaleuropa stattfand. Erst When the Beat Drops Out erreichte später in Großbritannien die Top 10.[23]

Im Werk Roudettes markiert New Age daher einen Übergang: vom Mattafix-Mitglied zum Solo-Künstler, von bandbezogener Identität zu einer stärker autobiografisch präsentierten Solo-Popästhetik. Gleichzeitig blieb Zusammenarbeit zentral, wie die Arbeit mit Guy Chambers und den weiteren Produzenten zeigt.


Vergleich von Studio-, Live- und Coverfassungen

Für einen sinnvollen Vergleich werden hier drei legal eingebettete Veröffentlichungen gegenübergestellt. Die Videos selbst bleiben auf YouTube; der aiMOOC vervielfältigt den Ton nicht.


Studiofassung: offizielles Musikvideo

Die Studiofassung zeigt die ausgearbeitete Popproduktion: stabile rhythmische Basis, deutlich produzierter Leadgesang, klaviergeprägte Klangfarbe und zusätzliche Hintergrundschichten. Sie ist die Referenz für Mix, Arrangement und Klangdramaturgie.


Live-Clip: Berlin

Der 2011 veröffentlichte Clip dokumentiert Roudette bei einer Live-Performance in Berlin am Alexanderplatz und in der U-Bahn.[24] Im Vergleich zur Studioaufnahme rückt die konkrete Aufführungssituation stärker in den Vordergrund. Achte auf Raumklang, Atmung, Phrasierung und darauf, welche Studiolayer hörbar fehlen oder durch Begleitung ersetzt werden. Prüfe kritisch, ob Teile eines Backing Tracks eingesetzt werden; „live“ bedeutet nicht automatisch „vollständig akustisch“.


Akustische Coverfassung: Michael Schulte

Michael Schulte veröffentlichte 2011 auf seinem offiziellen Künstlerkanal eine als „acoustic cover“ bezeichnete Fassung.[25] Die Reduktion macht besonders deutlich, welche Elemente des Songs auch ohne die vollständige Studioproduktion tragen: Melodiekontur, Harmonie, Form und Textdramaturgie. Vergleiche außerdem Stimmfarbe, Artikulation, Tempoempfinden und Dynamik. Beurteile nicht pauschal, welche Version „besser“ ist, sondern welche gestalterischen Entscheidungen welche Wirkung erzeugen.


Medien- und Urheberrechtskompetenz

Wikimedia-Commons-Dateien sind hier wegen ihrer klar ausgewiesenen freien Lizenzen besonders geeignet. Das Porträt von Roudette ist unter CC BY-SA 3.0 beziehungsweise GFDL verfügbar; die verwendeten Studio-Symbolbilder tragen freie Creative-Commons-Lizenzen.[4][14][20]

YouTube-Einbettungen sind dagegen nicht automatisch OER. Sie dürfen im Unterricht über den veröffentlichten Player genutzt werden, solange die jeweilige Plattform und Rechteinhaber die Einbettung bereitstellen; daraus folgt keine freie Lizenz zum Herunterladen, Neuhochladen oder Ausschneiden. Für eigene Lernprodukte solltest Du daher nur selbst erstelltes Material, gemeinfreie Inhalte oder eindeutig frei lizenzierte Medien weiterveröffentlichen.


Kurze selbst erstellte Analysebeispiele mit Extension:Score

Alle folgenden Beispiele sind neu komponierte Miniaturen. Sie sollen Analysebegriffe hörbar machen und bilden keine Melodie, Begleitfigur oder vollständige Akkordfolge von New Age ab.


Beispiel A: Stabiler 4/4-Puls im Midtempo


\relative c' {
  \time 4/4
  \tempo 4 = 94
  c4 r8 c8 d4 r8 d8 | ees4 d8 c r4 c4 |
}

Frage: Welche Wirkung hätte derselbe Rhythmus bei 70 BPM oder 140 BPM?


Beispiel B: Dur und relative Mollfärbung


\relative c' {
  \key bes \major
  \time 4/4
  bes4 d f d | g, bes d bes | ees g f d | c2 bes
}

Frage: Hörst Du den Anfang eher als B-Dur oder lässt sich durch Betonung von g auch eine Mollwirkung erzeugen?


Beispiel C: Dorische Farbe


\relative c' {
  \key c \dorian
  \time 4/4
  c4 d ees f | g a bes c | bes a g f | ees d c2
}

Frage: Welche Rolle spielt der Ton a für die dorische Färbung im Vergleich zu c-Moll?


Hörleitfaden

Nutze für eine vollständige Höranalyse mindestens zwei Durchgänge. Im ersten Durchgang konzentrierst Du Dich auf Form, Refrainwiederkehr und Gesamtwirkung. Im zweiten Durchgang protokollierst Du konkrete Klangereignisse: Instrumenteinsätze, Texturen, Lautstärkeverlauf, Vocal-Layer, Übergänge und mögliche Bearbeitungen.

Ein hilfreiches Hörprotokoll kann so aussehen:

Höraspekt Beobachtung Beleg in der Aufnahme
Form Abschnitt benennen Zeitmarke notieren
Instrumentierung neu einsetzendes oder wegfallendes Element Zeitmarke notieren
Gesang Klangfarbe, Phrasierung, Dynamik konkrete Stelle beschreiben
Harmonik Zentrum beziehungsweise Spannungswirkung Akkord- oder Tonmaterial funktional beschreiben
Produktion Hall, Stereobreite, Layer, Mixänderung hörbaren Unterschied benennen


Interaktive Aufgaben


Quiz: Teste Dein Wissen

Mit wem schrieb Marlon Roudette New Age? (Guy Chambers) (!Max Martin) (!David Guetta) (!Mark Ronson)




Welche Rolle spielte New Age in Roudettes Solokarriere? (Es war seine erste große Solo-Single nach Mattafix) (!Es war seine letzte Single mit Mattafix) (!Es war nur ein Instrumentalstück) (!Es erschien erstmals 2020)




Mit welchem Film war New Age 2011 eng verbunden? (What a Man) (!Good Bye Lenin) (!Lola rennt) (!Das Leben der Anderen)




Wer wird bei Apple Music als Produzent von New Age geführt? (Guy Chambers und Mattafix) (!George Martin und Quincy Jones) (!Rick Rubin und Nile Rodgers) (!Brian Eno und Pharrell Williams)




Wer wird als Mixing Engineer und zusätzlicher Produzent genannt? (Grippa Laybourne) (!Hans Zimmer) (!Finneas O'Connell) (!Trevor Horn)




In welcher Taktart wird New Age in der Analyse beschrieben? (4/4-Takt) (!3/4-Takt) (!5/4-Takt) (!7/8-Takt)




Welcher Tempobereich passt zur Aufnahme? (Ungefähr 95 BPM) (!Ungefähr 45 BPM) (!Ungefähr 150 BPM) (!Ungefähr 220 BPM)




Welche Aussage zur Tonalität ist fachlich am sinnvollsten? (Mehrere nahe verwandte Zentren können je nach Abschnitt wahrgenommen werden) (!Der Song ist vollständig atonal) (!Jeder Abschnitt steht sicher in einer völlig anderen Tonleiter) (!Tonalität spielt in der Aufnahme keine Rolle)




Welche Chartposition erreichte New Age in Deutschland? (Platz 1) (!Platz 27) (!Platz 54) (!Platz 99)




Warum stehen im aiMOOC nur kurze Textzitate und selbst erstellte Score-Beispiele? (Um Urheberrechte zu beachten und trotzdem analysieren zu können) (!Weil der Song keinen Text besitzt) (!Weil Notenschrift im Internet verboten ist) (!Weil Popmusik nicht analysiert werden kann)





Memory

Guy Chambers Songwriting und Produktion
Grippa Laybourne Mixing und zusätzliche Produktion
What a Man Filmbezug
4/4-Takt Metrum
rund 95 BPM Midtempo
B-Dur veröffentlichte Tonartangabe einer Notenausgabe
C-Dorisch mögliche Refrain-Deutung





Drag and Drop

Ordne die richtigen Begriffe zu. Thema
Songwriting Marlon Roudette und Guy Chambers
Produktion Guy Chambers und Mattafix
Mixing Grippa Laybourne
Filmkontext What a Man
Chartspitze Deutschland Österreich Schweiz






Kreuzworträtsel

Chambers Welcher Nachname gehört zu Marlons Co-Songwriter Guy?
Mattafix Wie hieß Roudettes früheres Duo?
Soundtrack Wie nennt man die Musikzusammenstellung zu einem Film?
Dorian Wie heißt der Modus der Refrain-Deutung bei Hooktheory?
Roudette Wie lautet Marlons Nachname?
Produktion Welcher Oberbegriff umfasst die klangliche Ausgestaltung einer Studioaufnahme?





LearningApps


Lückentext

Vervollständige den Text.
New Age erschien im Jahr

. Der Song wurde von Marlon Roudette und Guy

geschrieben. Die Aufnahme gehört zum Album

. Im deutschen Kinofilmkontext wurde sie mit

verbunden. Die Analyse beschreibt einen

. Das Tempo liegt ungefähr bei

. Eine veröffentlichte Notenausgabe nennt

als Tonart. Hooktheory deutet den Refrain unter anderem als

. In Deutschland erreichte die Single

. Vollständige Lyrics werden in diesem aiMOOC aus Gründen des

nicht wiedergegeben.




Offene Aufgaben


Leicht

  1. Hörprotokoll: Höre die offizielle Studiofassung und notiere fünf Zeitmarken, an denen sich Instrumentierung, Dynamik oder Klangdichte deutlich verändern.
  2. Songform: Erstelle ein farbiges Formschema mit Strophe, Refrain, Bridge und Outro. Verwende keine Liedtextzeilen, sondern Funktionsbezeichnungen.
  3. Bildsprache: Gestalte eine Collage zum Thema Neubeginn ausschließlich mit selbst aufgenommenen oder frei lizenzierten Bildern und begründe drei Motive.
  4. Tempo: Klopfe den Grundpuls mit und vergleiche 95 BPM mit 70 und 130 BPM. Beschreibe die veränderte Wirkung.


Standard

  1. Tonalität: Erkläre anhand eines eigenen Klavier- oder Keyboardbeispiels, wie derselbe Tonvorrat je nach Schwerpunkt als Dur, Moll oder modal wirken kann.
  2. Musikproduktion: Erstelle eine Grafik, die Songwriting, Recording, zusätzliche Produktion und Mixing voneinander trennt und die bei New Age belegten Credits einordnet.
  3. Versionenvergleich: Vergleiche Studiofassung, Berliner Live-Clip und akustisches Cover in einer Tabelle nach Tempoempfinden, Klangdichte, Gesang, Begleitung und Dynamik.
  4. Musikvideoanalyse: Untersuche, wie die Bildmontage das Thema Erinnerung oder Neubeginn verstärkt. Arbeite mit Screenshots nur dann, wenn deren Verwendung im schulischen Kontext rechtlich geklärt ist; alternativ beschreibe die Einstellungen mit eigenen Worten.


Schwer

  1. Rezeption: Untersuche, warum ein Song in Deutschland, Österreich und der Schweiz sehr erfolgreich sein kann, in Großbritannien aber deutlich niedriger chartet. Trenne belegte Daten von Deinen Hypothesen.
  2. Arrangement: Produziere in einer DAW ein eigenes 30-sekündiges Midtempo-Popstück bei ungefähr 95 BPM, das mit Verdichtung arbeitet, ohne Melodie, Text oder Akkordfolge von New Age zu übernehmen.
  3. Filmmusik: Wähle eine selbst gedrehte stumme Filmszene und unterlege sie mit zwei selbst komponierten Miniaturen. Analysiere, wie unterschiedliche Harmonik die Interpretation der Szene verändert.
  4. Quellenkritik: Vergleiche mindestens vier Quellen zu Tempo, Tonart, Veröffentlichungsdatum oder Spieldauer. Erkläre, warum seriöse Quellen voneinander abweichen können und welche Angabe Du für welchen Zweck verwendest.




Text bearbeiten Bild einfügen Video einbetten Interaktive Aufgaben erstellen



Lernkontrolle

  1. Analyse und Beleg: Formuliere eine These dazu, wie Produktion und Arrangement das Thema „Neubeginn“ unterstützen. Belege sie mit drei konkret beschreibbaren Hörereignissen statt mit allgemeinen Werturteilen.
  2. Tonalität und Wahrnehmung: Erkläre, warum B-Dur, g-Moll und C-Dorisch in verschiedenen Analysen desselben Songs auftauchen können, ohne dass zwingend eine Quelle „falsch“ sein muss.
  3. Versionen und Medien: Vergleiche zwei Fassungen von New Age und erkläre, welche musikalischen Parameter sich verändern und welche strukturellen Merkmale stabil bleiben.
  4. Chartdaten und Kontext: Deute den Gegensatz zwischen Platz 1 in mehreren deutschsprachigen Ländern und Platz 90 in Großbritannien. Formuliere mindestens zwei mögliche Erklärungsansätze und kennzeichne sie ausdrücklich als Hypothesen.
  5. Urheberrecht und Analyse: Entwirf ein Konzept für eine Präsentation über einen aktuellen Popsong, die musikalisch aussagekräftig ist, aber weder vollständige Lyrics noch eine vollständige geschützte Partitur vervielfältigt.
  6. Transfer: Übertrage die Methode dieses aiMOOCs auf einen anderen Song: Entstehung, Form, Harmonik, Rhythmus, Klang, Textthema, Rezeption und Quellenlage müssen jeweils durch einen überprüfbaren Beleg oder eine klar gekennzeichnete eigene Höranalyse gestützt werden.




Lernnachweis

Für einen fundierten Lernnachweis zu New Age solltest Du zeigen, dass Du:

  1. die Entstehung des Songs und den Übergang von Mattafix zu Roudettes Solokarriere zeitlich einordnen kannst,
  2. die Zusammenarbeit mit Guy Chambers und die belegten Produktionscredits korrekt benennen kannst,
  3. 4/4-Takt, Midtempo und die tonale Mehrdeutigkeit fachsprachlich erklären kannst,
  4. Melodie, Harmonik, Rhythmus, Gesang, Instrumentierung, Arrangement und Produktion voneinander unterscheiden kannst,
  5. die vereinfachte Songform anhand eigener Zeitmarken belegen kannst,
  6. die zentralen Textthemen sinngemäß erschließen kannst, ohne den vollständigen Liedtext zu reproduzieren,
  7. Studio-, Live- und Coverfassung anhand hörbarer Kriterien vergleichen kannst,
  8. Chartdaten als Rezeptionsdaten interpretierst, ohne aus ihnen automatisch künstlerische Qualität abzuleiten,
  9. freie Medien von lediglich eingebetteten urheberrechtlich geschützten Medien unterscheiden kannst,
  10. Quellenangaben kritisch prüfst und eigene Hörurteile als solche kennzeichnest.




Nachprüfbare Quellen


OERs zum Thema

Der Wikipedia-Artikel bietet einen schnellen Überblick zu Veröffentlichung, Beteiligten, Hintergrund und Charts. Wie bei jeder Enzyklopädie solltest Du für Detailfragen zusätzlich die dort verlinkten Primär- und Fachquellen prüfen.

Zusätzlich frei lizenzierte Medien:

  1. Marlon Roudette.jpg – Wikimedia Commons, CC BY-SA 3.0 / GFDL.
  2. RCAStudioB Console.jpg – Wikimedia Commons, CC BY 2.0; als Symbolbild für Studiotechnik.
  3. Recording-studio microphone – Wikimedia Commons, CC BY 2.0; als Symbolbild für Gesangsaufnahme.


Verknüpfte Lernbereiche


aiMOOC-Projekte