Literatur verstehen - Was bleibt - Christa Wolf
Einleitung
Was passiert mit einem Menschen, der weiß, dass er beobachtet wird? Christa Wolfs Erzählung Was bleibt macht die Erfahrung politischer Überwachung am Alltag und an den Gedanken einer Schriftstellerin sichtbar. Du untersuchst die Spannung zwischen äußeren Vorgängen, Angst, Selbstbefragung und dem Wunsch, die eigene Erfahrung in Sprache zu fassen.
Zielgruppe: Klassen 9–13. Fach: Deutsch, Literatur und Zeitgeschichte. Kompetenzen: literarische Ich-Erzählung analysieren, historische Quellen von Fiktion unterscheiden, Perspektiven zur DDR-Literatur und zum Literaturstreit von 1990 begründet vergleichen.
Lektüregrenze: Der vollständige Primärtext liegt für diesen Kurs nicht vor. Alle Inhaltsangaben bleiben bewusst knapp; keine erfundenen Textzitate, Seitenzahlen oder detaillierten Szenen. Für eine genaue Sprach- und Beleganalyse brauchst du eine rechtmäßig erworbene oder ausgeliehene Ausgabe, etwa Was bleibt beim Suhrkamp Verlag. Nutze für Seitenbelege stets die tatsächlich verwendete Ausgabe und notiere Verlag, Jahr und Seiten.
Merke: Eine historisch belegte Entstehungsgeschichte ist nicht dasselbe wie die Aussage der Erzählerin; eine plausible Deutung braucht Beobachtungen am Text.

Bildanalyse: Das Archivporträt zeigt die reale Autorin 1963, nicht die fiktive Erzählerin. Untersuche, weshalb eine Autorinnenfotografie autobiografische Erwartungen wecken kann. Quelle: Wikimedia Commons / Bundesarchiv; Fotografin: Irene Eckleben; Lizenz: CC BY-SA 3.0 DE. Das Foto belegt keine Einzelheiten der Erzählung.
Werk, Entstehung und Lektürehorizont
Werkdaten und Gattung
Was bleibt ist eine Erzählung von Christa Wolf (1929–2011). Der Text wurde 1979 geschrieben, im November 1989 bearbeitet und 1990 veröffentlicht. Der dokumentierte Zeitabstand zwischen Entstehung und Veröffentlichung ist zentral: Eine Geschichte über den Druck des DDR-Sicherheitsapparats erschien in einer Phase, in der dessen Macht gerade zusammenbrach. Die Zuordnung zur DDR-Literatur beschreibt hier wichtige Entstehungsbedingungen; der Text ist zugleich Teil der Debatten über Erinnerung und Verantwortung nach 1989.
Eine Erzählung kann ein begrenztes Ereignis oder eine kurze Zeitspanne konzentriert darstellen. Anders als ein historischer Forschungsbericht organisiert Was bleibt Erfahrungen in einer subjektiven Perspektive. Nicht jedes erzählte Detail darf ungeprüft als historisches Protokoll verstanden werden.
Merke: Unterscheide die Ebenen Erzählzeit/erzählte Zeit, Entstehungszeit 1979, Überarbeitung 1989 und Erscheinungsjahr 1990. Das ist für Interpretation und Rezeptionsgeschichte unerlässlich.
Überprüfbare Grundlage und Editionskritik
Die Christa-Wolf-Gesellschaft dokumentiert unterschiedliche Verlagsangaben zu Was bleibt; der Suhrkamp-Verlag bietet eine gegenwärtig rechtmäßig zugängliche Ausgabe. Die Bundeszentrale für politische Bildung ordnet Entstehung und Diskussion historisch ein. Im literaturkritischen Rückblick auf die Edition wird darauf hingewiesen, dass der Vergleich mit der Fassung von 1979 die pauschale Behauptung einer grundlegenden nachträglichen Umschreibung problematisiert (literaturkritik.de).
Arbeitsbeispiel: Formuliere „Der Text erschien 1990“ als überprüfbaren Fakt. Formuliere „Die späte Veröffentlichung schwächt seine Glaubwürdigkeit“ als zu begründendes Urteil. Eine quellenkritische Position kann zugleich anerkennen, dass Veröffentlichung und Entstehung unterschiedliche politische Bedingungen hatten.
Quellenhinweis: Als bibliografische Ausgangsangaben wurden DNB-Titeldatensatz und DNB-Personennormdatensatz vorgegeben. Ein Abruf dieser beiden Katalogseiten gelang im Recherchezugang nicht; Details daraus werden daher nicht als überprüft ausgegeben.
Autorin, Figur und mögliche autobiografische Bezüge
Die Ich-Erzählerin ist eine ostberliner Schriftstellerin, die die Beobachtung ihrer Person bemerkt. Das ähnelt der historischen Situation Christa Wolfs, die staatlicher Überwachung ausgesetzt war. Die Gemeinsamkeit rechtfertigt die Frage nach autobiografischen Bezügen, nicht die Gleichsetzung von Autorin und Figur. Die literarische Stimme ist gestaltet, auswählend und deutend.
Merke: „Autobiografisch lesbar“ heißt nicht „in jeder Hinsicht identisch mit dem Leben der Autorin“. Prüfe Hinweise in Primärtext und biografischen Quellen getrennt.
Handlung, Figurengefüge und Konflikte
Ein Tag unter Beobachtung
Im Mittelpunkt steht ein Tag im Leben einer Schriftstellerin in Ostberlin. Männer der Staatssicherheit beobachten sie; ihr Blick auf den Alltag ist dadurch grundlegend verändert. Die Wahrnehmung erstreckt sich vom häuslichen Bereich über Wege und Kommunikation bis zu einer öffentlichen Lesung. Wichtiger als spektakuläre Aktionen ist, wie die Gegenwart von Beobachtern Gedanken, Reaktionen und Entscheidungen beeinflusst.
Kurze Orientierung: Beobachtung wird wahrgenommen → alltägliche Tätigkeiten verlieren Selbstverständlichkeit → die Erzählerin prüft Gedanken und Handlungsspielräume → eine öffentliche Lesung macht das Verhältnis von Sprache, Publikum und Macht besonders anschaulich. Diese Übersicht ist keine kapitelgenaue Ersatznacherzählung.
Lektüreauftrag: Erstelle mit deiner Ausgabe eine Tabelle: äußerer Vorgang | innere Reaktion | Textbeleg | alternative Erklärung. Notiere keine Seitenzahlen aus fremden Ausgaben.
Figur, Beobachter und Beziehungen
Die Ich-Erzählerin bildet das Wahrnehmungszentrum. Die Beobachter verkörpern eine institutionelle Macht, deren Absichten die Betroffene nicht jederzeit sicher kennen kann. Menschen aus dem privaten oder öffentlichen Umfeld sind für die Analyse vor allem insofern wichtig, als die Erzählerin unter Beobachtung ihre Beziehungen neu wahrnimmt. Untersuche im Buch, wen sie als Gesprächspartner oder Schutz erlebt und wo Unsicherheit bleibt, statt Nebenfiguren oder genaue Dialoge zu erfinden.
Die Grundkonstellation ist asymmetrisch: Eine Seite darf Informationen sammeln; die andere weiß weder den Umfang der Erfassung noch die möglichen Konsequenzen. Diese Ungleichheit verändert Machtverhältnisse, ohne dass jede Einzelheit der Erzählung eine direkte Drohung enthalten müsste.
Merke: Figurenanalyse umfasst Handlungen, Gefühle, Redeweisen, Wissensstände, Beziehungen und Erzählfilter. Trenne beobachtbares Verhalten von unterstellten Motiven.
Außenkonflikt und Innenkonflikt
Äußerer Konflikt: Die Schriftstellerin steht einem staatlichen Überwachungsapparat gegenüber. Innerer Konflikt: Sie sucht nach Selbstachtung, sprachlicher Wahrhaftigkeit und Handlungsfähigkeit, während Angst und Selbstzensur wirksam werden können.
Beispiel einer vorsichtigen Interpretation: Wenn eine Erzählerin überlegt, ob sie gefahrlos sprechen kann, ist die Entscheidung nicht nur privat. Die politische Situation greift in den inneren Dialog ein. Der konkrete Beleg muss am gelesenen Text geprüft werden.
Deutungsfrage: Ist Anpassung unter Druck immer Zustimmung? Begründe, weshalb Zwang, Verantwortung und individuelle Handlungsspielräume getrennt erörtert werden sollten.
Erzählperspektive, Sprache und zentrale Motive
Ich-Perspektive und begrenztes Wissen
Der Text vermittelt das Geschehen durch die Ich-Perspektive. Diese Nähe kann Angst und Unsicherheit nachvollziehbar machen, bietet aber keinen neutralen Gesamtüberblick. Was die Erzählerin erkennt, befürchtet oder vermutet, muss nicht deckungsgleich mit dem Wissen einer allwissenden Instanz sein.
Analyseschritt: Kennzeichne in einem selbst ausgewählten kurzen Abschnitt Verben der Wahrnehmung, des Erinnerns und des Vermutens. Frage: Was weiß die Figur sicher? Was erschließt sie? Was bleibt offen? Vermeide die vorschnelle Diagnose „unzuverlässig“ allein deshalb, weil ihr Wissen begrenzt ist.
Merke: Subjektivität ist ein Gestaltungsmittel, nicht automatisch ein Wahrheitsmangel.
Selbstbefragung und Sprache der Angst
Selbstbefragung meint eine erzählerische Bewegung, in der die sprechende Person die eigenen Motive, Reaktionen und Worte prüft. In Was bleibt lässt sich so die Spannung zwischen äußerem Überwachungsdruck und innerer sprachlicher Kontrolle untersuchen.
Textarbeitsraster: Markiere in deiner Ausgabe wiederkehrende Fragen, Unterbrechungen oder gedankliche Gegenbewegungen, falls du sie nachweisen kannst. Beschreibe deren Funktion, statt Stilmittel ohne Beleg zu behaupten. Frage, wie Gedankenführung, Satzrhythmus und sprachliche Vorsicht die Wahrnehmung des Tages gestalten.
Merke: Eine gute Stilbeobachtung besteht aus sprachlichem Befund → Wirkung → Deutung → begründeter Grenze der Deutung.
Motive: Blick, Fenster, Nähe und Distanz
Der Blick aus der Wohnung auf das Beobachtetwerden gehört zur gesicherten Ausgangslage der Erzählung. Fenster und Blickrichtungen lassen sich als Grenzen zwischen privatem Innenraum und kontrollierter Öffentlichkeit lesen. Die Beobachtung wirkt doppelt: Die Erzählerin sieht die Beobachter, weiß sich aber zugleich von ihnen betrachtet.
Beispiel: Ein Fenster kann Schutz und Ausgeliefertsein zugleich symbolisieren. Dies ist eine Interpretationsmöglichkeit; belege im Werk, wie der jeweilige Raum tatsächlich beschrieben wird.
Weiterführend: Untersuche Motive wie Schweigen, Sprechen, Zeit und Erinnerung nur dort, wo die gelesene Ausgabe dafür Textspuren bietet.

Bild-/Textvergleich: Das dokumentarische Foto zeigt eine Lesung Christa Wolfs 1989. Es bildet nicht automatisch die fiktive Lesung der Erzählung ab. Vergleiche öffentliche Autorschaft und erzählte Bedrohung, ohne beides gleichzusetzen. Quelle: Wikimedia Commons / Bundesarchiv; Fotografin: Waltraud Grubitzsch (geb. Raphael); CC BY-SA 3.0 DE.
DDR-Geschichte und der Alltag von Überwachung
Staatssicherheit als historischer Rahmen
Das Ministerium für Staatssicherheit, kurz MfS oder Stasi, gehörte zu den zentralen Machtinstrumenten der SED-Diktatur. Informationen über Menschen wurden durch Beobachtung und ein Netz von Mitarbeitenden gesammelt. Was in der Literatur als individuelle Angst erscheint, kann mit Archivalien historisch kontextualisiert werden. Nicht jedes überlieferte Aktenstück ist jedoch vollständig oder wahrheitsgetreu; Behördenakten enthalten Perspektiven und Interessen der jeweiligen Verfasser.
Historischer Vergleich: Erforsche anhand des Unterrichtsangebots des Bundesarchivs zwei belegte Methoden der Staatssicherheit. Trenne diese allgemeinen Methoden von den Vorgängen, die im Primärtext tatsächlich belegt sind.

Quellenauftrag: Dieses jüngere Foto zeigt das Archivumfeld mit überlieferten MfS-Akten; es ist keine Szene aus der Erzählung. Erkläre den Unterschied zwischen dem Bestehen einer Akte und der Wahrheit jeder darin enthaltenen Behauptung. Quelle: Wikimedia Commons; Urheber: Maximilian Schönherr; CC BY-SA 4.0.
Privatraum, Selbstzensur und Handlungsfreiheit
Wenn Menschen mit Überwachung rechnen, können alltägliche Handlungen – ein Telefongespräch, ein Besuch, ein Satz im öffentlichen Raum – eine zusätzliche Bedeutung bekommen. Die Möglichkeit von Sanktionen muss nicht ständig ausgesprochen werden, um Verhalten zu beeinflussen. Beschreibe im Lektüreprotokoll, ob die Erzählerin eine Gefahr konkret beobachtet oder sich eine Konsequenz vorstellt.
Merke: Selbstzensur ist die Anpassung eigener Äußerungen aus Furcht vor negativen Folgen. Als Analysebegriff darf sie nicht jede Zurückhaltung pauschal erklären.

Kontextaufgabe: Das Foto dokumentiert eine öffentliche Rede Christa Wolfs 1990, also eine andere politische Situation als die 1979 entstandene Erzählung. Formuliere zwei Hypothesen zum Wandel öffentlicher Rede und prüfe sie anhand von Quellen. Quelle: Wikimedia Commons / Bundesarchiv; Fotograf: Thomas Lehmann; CC BY-SA 3.0 DE.
Zeitgeschichte als Kontrastfolie
Das Veröffentlichungsjahr 1990 ist vom Umbruch 1989/90 nicht zu trennen. Die DDR existierte während der öffentlichen Debatte um das Werk zunächst noch; die deutsche Einheit erfolgte am 3. Oktober 1990. Ein Foto des Grenzübergangs aus dem November 1989 kann den Umbruch visualisieren, aber nicht direkt die Handlungszeit der Erzählung illustrieren.

Zeitachsen-Aufgabe: Ordne Entstehung 1979, Maueröffnung 1989, Überarbeitung 1989, Veröffentlichung 1990 und deutsche Einheit 1990; erkläre, weshalb diese Folge für die Urteile über das Werk bedeutsam wurde. Quelle: Wikimedia Commons / Bundesarchiv; Fotograf: Robert Roeske; CC BY-SA 3.0 DE.
Medienimpuls: Stasi-Akten: Wie geht es mit der DDR-Aufarbeitung weiter? (tagesschau, 13.03.2019). Untersuche, welche Rolle Archivzugang für historische Urteile spielt. Journalistische Vermittlung ist eine Sekundärquelle, keine Szene des Werkes.
Literaturstreit, Erinnerung und begründete Urteile
Was 1990 strittig war
Die Veröffentlichung 1990 löste den sogenannten deutsch-deutschen Literaturstreit mit aus. Kritische Stimmen stellten die Frage, weshalb ein bereits 1979 entstandener Text über politische Verfolgung erst nach dem Machtverlust der SED erschien; sie diskutierten auch Wolfs Stellung im DDR-Kulturbetrieb. Andere Stimmen betonten die literarische Eigenständigkeit, die tatsächliche Erfahrung von Überwachung und die historischen Risiken früherer Veröffentlichung.
Fakt: Eine breite und teils polemische Debatte fand 1990 statt. Interpretation A: Der Veröffentlichungszeitpunkt erfordert eine besonders kritische Betrachtung von Selbstinszenierung. Begründete Gegenposition B: Weder der Zeitpunkt noch die öffentliche Rolle der Autorin ersetzen die konkrete Analyse des literarischen Textes; die Entstehung 1979 ist ernst zu nehmen. Beide Bewertungen müssen mit Quellen und Textbeobachtungen begründet werden.
Vertiefung: Vergleiche Thomas Anz zum Literaturstreit mit einer editionsbezogenen Rückschau. Frage dabei, ob ein Urteil auf moralischen, historischen oder ästhetischen Kriterien beruht.

Bildanalyse: Historische Aufnahme einer öffentlichen Diskussion 1990. Erkläre, warum ein Veranstaltungsfoto keine vollständige Dokumentation der vorgetragenen Argumente ist. Quelle: Wikimedia Commons / Bundesarchiv; Fotograf: Peer Grimm; CC BY-SA 3.0 DE.
Erinnerung, literarische Wahrheit und Gegenperspektiven
Erinnerungsprosa ist nicht mit dem Erinnerungsprotokoll gleichzusetzen: Sprache stellt Bezüge her, wählt aus und ermöglicht Selbstdeutung. Ein Text kann gesellschaftliche Erfahrungen erkennbar machen, ohne dass er die vollständige historische Wahrheit über eine Institution oder Person liefern müsste.
Diskussionsbeispiel: These: „Gerade die subjektive Perspektive bietet historischen Erkenntniswert.“ Ein Einwand lautet: „Subjektive Perspektiven können Wahrnehmung und Verantwortung selektiv darstellen.“ Eine tragfähige Antwort unterscheidet den Wert erlebter Erfahrung von dem Anspruch auf vollständige Rekonstruktion.
Merke: Historische Einordnung, ästhetische Qualität und moralische Bewertung sind miteinander verbunden, aber nicht austauschbar.
Universitäre Rezeption und Medienkritik
Die universitäre Vorlesung Literatur und Erinnerungskultur: Christa Wolf und der deutsche Literaturstreit von Andrea Geier (28.04.2020) behandelt Autorinnenbild, Erinnerungskultur und den Streit. Nutze sie als überprüfbare interpretierende Sekundärquelle, nicht als Beweis für jedes Detail der Erzählung.
Medienvergleich: Fasse eine These aus dem Vortrag zusammen, notiere ihre Zeitposition im Video und beurteile anhand einer schriftlichen Quelle, ob die These gestützt, eingeschränkt oder bestritten wird. Diskutiere die Perspektive der Vortragenden, statt ihre Einschätzung als einzig mögliche Deutung zu übernehmen.
Unterrichtsschutz: Thematisiert werden Angst, psychische Belastung, Überwachung und autoritäre Macht. In Klasse 9 zunächst Kontext und sichere Distanz zu eigenen Erfahrungen wahren; keine persönlichen Überwachungserfahrungen abfragen. In den Jahrgängen 11–13 historische und ästhetische Kontroversen stärker differenzieren. Kritik an staatlicher Verfolgung ist von Pauschalurteilen über alle Menschen in der DDR zu unterscheiden.
Interaktive Aufgaben
Quiz: Text und Kontext prüfen
Hinweis: Die erste Antwort ist jeweils richtig. Nach jeder Frage erläutert eine kurze Rückmeldung den Zusammenhang.
Welche Gattung bezeichnet die Buchausgabe von Was bleibt? (Erzählung) (!Drama) (!Gedichtsammlung) (!Reiseführer)
Rückmeldung: Die Bezeichnung Erzählung wird vom Verlag verwendet. Ihre konzentrierte Ich-Perspektive unterstützt die Darstellung einer begrenzten Alltagserfahrung.
Wann wurde Was bleibt erstmals veröffentlicht? (1990) (!1963) (!1976) (!2007)
Rückmeldung: 1990 ist das Erscheinungsjahr, während die Entstehung in das Jahr 1979 zurückreicht.
In welchem Jahr entstand der Text zunächst? (1979) (!1949) (!1995) (!2011)
Rückmeldung: Die Differenz zwischen Entstehung 1979 und Veröffentlichung 1990 spielte im Literaturstreit eine wichtige Rolle.
Wer steht im Zentrum des Erzählens? (Eine Ich-Erzählerin aus dem Schriftstellermilieu) (!Ein allwissender Historiker) (!Ein Stasi-Minister als Ich-Erzähler) (!Ein anonymes Nachrichtenkollektiv)
Rückmeldung: Die subjektive Wahrnehmung einer Schriftstellerin steht im Zentrum; sie darf nicht unbesehen mit der realen Autorin gleichgesetzt werden.
Welche Institution prägt die beobachtete Bedrohung? (Das Ministerium für Staatssicherheit) (!Die Europäische Kommission) (!Der Deutsche Bundestag) (!Der Internationale Gerichtshof)
Rückmeldung: Die Staatssicherheit der DDR bildet den historischen Hintergrund der erzählten Überwachung.
Was bezeichnet Selbstzensur in diesem Zusammenhang? (Vorsichtige Anpassung eigener Äußerungen aus Angst vor Folgen) (!Eine amtliche Rechtschreibkontrolle) (!Die Kontrolle aller öffentlichen Bibliotheken) (!Eine neutrale Zusammenfassung fremder Texte)
Rückmeldung: Überwachungsdruck kann Sprechen und Denken beeinflussen, auch ohne offene Sanktion in jeder einzelnen Situation.
Was ist bei einer Ich-Erzählung besonders zu beachten? (Die Perspektive hat einen begrenzten Wissenshorizont) (!Alle Figuren wissen automatisch dasselbe) (!Jede Aussage wird von einem Archiv bestätigt) (!Die Erzählstimme ist zwingend identisch mit der Autorin)
Rückmeldung: Die Figur vermittelt Erfahrung aus ihrer Position; Interpretationen müssen Beobachtung, Vermutung und Wissen trennen.
Worum ging es im Literaturstreit um Was bleibt unter anderem? (Um den Veröffentlichungszeitpunkt und die politische Rolle der Autorin) (!Um die Übersetzung eines antiken Epos) (!Um das Verbot aller deutschsprachigen Erzählungen) (!Um die Einführung des Fernsehens)
Rückmeldung: Die Debatte verknüpfte Fragen der Ästhetik mit historischer und moralischer Bewertung.
Welche Aussage ist eine Deutung und keine gesicherte Werkangabe? (Das Fenster kann die Grenze von Privatheit und Öffentlichkeit symbolisieren) (!Christa Wolf ist die Autorin) (!Der Text wurde 1990 veröffentlicht) (!Der Text wird als Erzählung eingeordnet)
Rückmeldung: Die symbolische Bedeutung des Fensters ist interpretierbar und muss an sprachlichen Textstellen gezeigt werden.
Welche Vorgehensweise ist bei einer Analyse besonders überzeugend? (Textbeobachtung mit Beleg und begründeter Deutung verbinden) (!Vermutete Zitate ohne Fundstelle anführen) (!Fiktion und Biografie ohne Prüfung gleichsetzen) (!Eine Rezension als alleinige Wahrheit behandeln)
Rückmeldung: Eine nachvollziehbare Analyse unterscheidet Befund, Kontext, Schlussfolgerung und alternative Lesarten.
Memory: Fachbegriffe zuordnen
| Ich-Perspektive | Erzählen aus dem begrenzten Blick einer beteiligten Figur |
| Selbstzensur | Zurückhaltung der eigenen Worte aus Angst vor Konsequenzen |
| Rezeption | Aufnahme und Bewertung eines Werkes durch ein Publikum |
| Überwachung | Systematische Beobachtung und Erfassung von Menschen |
| Interpretation | Am Text begründete Erklärung von Bedeutung |
| Erzählzeit | Dauer des Erzählens oder Lesens einer Geschichte |
Auswertung: Erkläre zu zwei Paaren jeweils ein selbst gefundenes Beispiel aus deiner Ausgabe.
Drag and Drop: Aussage und Begründung
| Passende Deutungsoperation | Beschreibung |
|---|---|
| Historisch einordnen | Entstehung und Veröffentlichungsjahr unterscheiden |
| Perspektive prüfen | Wahrgenommenes und Vermutetes auseinanderhalten |
| Textbeleg sichern | Eine Aussage anhand der benutzten Ausgabe nachweisen |
| Gegenposition entwickeln | Eine alternative Interpretation mit Gründen vertreten |
| Quelle bewerten | Herkunft und Aussagegrenzen eines Dokuments prüfen |
Auswertung: Verfasse zu jedem Begriff eine kurze Anwendungsregel für die nächste Textanalyse.
Kreuzworträtsel: Literatur und Zeitgeschichte
| Erzählerin | Welche Figurenstimme berichtet den geschilderten Tag? |
| Staatssicherheit | Wie heißt die DDR-Institution im ausgeschriebenen Wortteil ihres Namens? |
| Erinnerung | Welcher Begriff beschreibt das rückblickende Vergegenwärtigen? |
| Perspektive | Wie heißt der Blickwinkel des Erzählens? |
| Rezeption | Wie heißt die öffentliche Aufnahme eines literarischen Werkes? |
| Selbstzensur | Wie heißt die aus Furcht entstehende Einschränkung eigenen Sprechens? |
Auswertung: Verwende drei Lösungswörter in einem sachlich korrekten Satz über Was bleibt.
LearningApps: selbstständig üben
Auftrag: Prüfe bei gefundenen Lernbausteinen fachliche Aussagen am Werk und an den unten verlinkten Quellen. Die Suche garantiert nicht, dass alle angezeigten Anwendungen geprüft oder fachlich passend sind.
Lückentext: Begriffe anwenden
Offene Aufgaben
Bewertungsgrundlage: Jede Bearbeitung nennt Material, Untersuchungsfrage, Beobachtungen und ein kurzes Fazit. Bei textnahen Aufgaben sind überprüfbare Belege aus der eigenen Buchausgabe nötig. Die folgenden zwölf Aufgaben bestehen aus je vier Aufgaben pro Niveau.
Leicht
- Werksteckbrief: Notiere Autorin, Gattung, Entstehungsjahr, Veröffentlichungsjahr und eine gesicherte Konfliktbeschreibung. Lösungshinweis: zwei voneinander unabhängige Angabenquellen vergleichen. Kriterien: fünf korrekte Eckdaten, saubere Quellen.
- Perspektivenkarte: Erstelle eine Skizze aus Erzählerin, Beobachtern und Öffentlichkeit; kennzeichne gesicherte und vermutete Beziehungen. Lösungshinweis: Wissensasymmetrie beachten. Kriterien: Genauigkeit, Legende, Belege.
- Zeitstrahl: Ordne 1979, 1989 und 1990 mit Ereignissen aus Werkentstehung und Politik. Lösungshinweis: Entstehen, Überarbeiten, Erscheinen auseinanderhalten. Kriterien: zeitliche Richtigkeit und Erläuterung.
- Foto prüfen: Wähle eines der Commons-Bilder; benenne Urheber, Datum, Motiv, Lizenz und zwei Aussagegrenzen. Lösungshinweis: Dateiseite statt bloß Bildunterschrift lesen. Kriterien: Quellenkritik und präzise Bildbeschreibung.
Standard
- Nahlektüre: Untersuche einen kurzen selbst gewählten Abschnitt aus der Ausgabe auf Wahrnehmung und Vermutung. Lösungshinweis: sprachliche Signale markieren. Kriterien: korrekte Fundstelle, Befund-Wirkung-Deutung.
- Raum und Angst: Erkläre anhand zweier belegter Textstellen die Bedeutung eines privaten und eines öffentlichen Raums. Lösungshinweis: auch Gegenbeispiele prüfen. Kriterien: Belege, Differenzierung, klare Argumentation.
- Medienvergleich: Vergleiche ein Archivbild mit einer gesicherten Szene aus der Erzählung, ohne Dokument und Fiktion gleichzusetzen. Lösungshinweis: Produktionszeitpunkte notieren. Kriterien: Quellenangaben, Aussagegrenzen, Vergleich.
- Streitgespräch: Verfasse zwei kurze argumentative Positionen zur Veröffentlichung 1990 und ein begründetes eigenes Urteil. Lösungshinweis: historische Risiken und Werkästhetik unterscheiden. Kriterien: faire Gegenposition und Quellen.
Schwer
- Erzähltheoretischer Essay: Prüfe, wie die Ich-Perspektive zugleich Erkenntnis ermöglicht und begrenzt. Lösungshinweis: Wahrnehmungsfilter und Erzählerwissen differenzieren. Kriterien: Fachbegriffe, Textbelege, reflektierte Gegenlesart.
- Rezeptionsanalyse: Stelle zwei Positionen des Literaturstreits gegenüber und untersuche ihre historischen und ästhetischen Maßstäbe. Lösungshinweis: Anz und Editionskritik heranziehen. Kriterien: Quellenkontext, Argumentvergleich, eigenständiges Urteil.
- Quellenwerkstatt: Erstelle eine kommentierte digitale Ausstellung aus drei rechtlich verwendbaren Quellen zum Thema Beobachtung und Erinnerung. Lösungshinweis: pro Exponat Quelle, Urheber, Rechte, Entstehung und Aussagegrenze angeben. Kriterien: Richtigkeit, mediale Gestaltung, Urheberrecht, kritische Einordnung.
- Transferdebatte: Entwickle einen differenzierten Vergleich historischer staatlicher Überwachung mit gegenwärtigen Datensammlungen, ohne beide Systeme gleichzusetzen. Lösungshinweis: Machtverhältnisse, Rechtslage und Freiwilligkeit getrennt prüfen. Kriterien: historische Präzision, ethische Abwägung, belegte Argumente.


Lernkontrolle
- Analytischer Dreischritt: Zeige an einem Primärtextbeleg, wie eine äußere Beobachtung innere Selbstbefragung auslösen kann; erkläre die begrenzte Reichweite des Belegs.
- Erzählwissen: Entwickle zwei unterschiedliche Lesarten einer unklaren Wahrnehmung der Erzählerin und begründe, welche Interpretation stärker gestützt ist.
- Entstehung und Wirkung: Erkläre, warum die Unterscheidung von 1979, 1989 und 1990 für die Bewertung des Werkes unerlässlich ist.
- Archiv gegen Literatur: Vergleiche Aussagekraft und Grenzen eines Archivfotos oder Aktenstücks mit einer literarischen Ich-Perspektive.
- Urteilskompetenz: Erörtere, ob Kritik am Veröffentlichungszeitpunkt automatisch ein Urteil über die literarische Qualität rechtfertigt.
- Sprache und Freiheit: Leite aus nachgewiesenen sprachlichen Formen ab, wie Angst das Sprechen verändern kann, und diskutiere ein Gegenbeispiel.
Bewertungsvorschlag je Aufgabe: 0–4 Punkte für fachliche Richtigkeit und Belege, 0–3 für Analyse/Argumentationslogik, 0–2 für Einordnung von Gegenpositionen und Grenzen, 0–1 für verständliche und korrekte Darstellung. Maximal 10 Punkte; in Klasse 9 können die Kategorien vereinfacht, in Klasse 11–13 stärker gewichtet werden.
Lernnachweis
Wissen: Du kannst Werk, Gattung, Entstehungs- und Rezeptionskontext korrekt erläutern.
Analyse: Du weist an konkreten Belegen nach, wie Erzählsituation, mögliche Motive und innere Selbstbefragung zusammenwirken; du vermeidest unbelegte Stil- und Szenenbehauptungen.
Quellenkompetenz: Du unterscheidest literarische Konstruktion von historischem Dokument, nennst Entstehung und Lizenz von Medien und zitierst die tatsächlich benutzte Buchausgabe.
Produkt: Gib ein Analyseportfolio mit Zeitachse, einer kommentierten Textstelle, Bildkritik, zwei Rezeptionspositionen und einem eigenen begründeten Urteil ab. Bewertung: 30 % Textbelege, 25 % Deutungsqualität, 20 % Kontext/Quellenkritik, 15 % Gegenpositionen, 10 % Darstellung.
Transfer: Du kannst einen Vergleich zu gesellschaftlicher Überwachung ziehen, ohne historische Unterschiede zu verwischen oder persönliche Erfahrungen anderer Lernender einzufordern.
OER und Wikipedia
Rechtmäßige Lektüre und bibliografische Ausgangspunkte:
- Suhrkamp: Was bleibt – Ausgabe und Verlagsbeschreibung. Die Schullektüre kann auch über Bibliotheken beschafft werden.
- Christa-Wolf-Gesellschaft: Werke und editionsbezogene Angaben.
- DNB: vorgegebener Titeldatensatz und DNB: vorgegebener Normdatensatz; die Kataloginhalte waren beim Abruf nicht zugänglich.
Werk, Literaturgeschichte und Streit:
- bpb: Lebensmuster – Wege zu Christa Wolf.
- Thomas Anz: Der Fall Christa Wolf und der Literaturstreit.
- literaturkritik.de: Editionskritische Rückschau.
- Bundesarchiv: Materialien zur DDR-Staatssicherheit.
- Wikipedia: Was bleibt als Einstieg, nicht als alleiniger wissenschaftlicher Beleg.
Videos und Medienrechte: YouTube-Videos werden lediglich auf ihren Originalplattformen eingebettet; die Einbettung bedeutet keine freie Nachnutzung. Verwende für Präsentationen nur Rechte, die der jeweilige Anbieter ausdrücklich einräumt.
| Eingebundene Datei oder Video | Nachweis und Inhalt | Urheber / Anbieter | Lizenz oder rechtlicher Hinweis |
|---|---|---|---|
| File:Bundesarchiv Bild 183-B0509-0010-006, Christa Wolf.jpg | Commons-Datei, Porträt 1963 | Bundesarchiv / Irene Eckleben | CC BY-SA 3.0 DE |
| File:Bundesarchiv Bild 183-1989-0313-302, Leipzig, Lesung Christa Wolf.jpg | Commons-Datei, Lesung 1989 | Bundesarchiv / Waltraud Grubitzsch (geb. Raphael) | CC BY-SA 3.0 DE |
| File:Archivalien im Depot der Stasiunterlagenbehörde 7 – 360° Foto.jpg | Commons-Datei, Archivraum | Maximilian Schönherr | CC BY-SA 4.0 |
| File:Bundesarchiv Bild 183-1990-1105-013, Berlin, Bürgerforum, Rede Christa Wolf.jpg | Commons-Datei, Bürgerforum | Bundesarchiv / Thomas Lehmann | CC BY-SA 3.0 DE |
| File:Bundesarchiv Bild 183-1989-1118-017, Berlin, Grenzübergang Bornholmer Straße.jpg | Commons-Datei, Grenzübergang | Bundesarchiv / Robert Roeske | CC BY-SA 3.0 DE |
| File:Bundesarchiv Bild 183-1990-0610-018, Berlin, AdK, Diskussion, Emmerich, Christa Wolf, Becker.jpg | Commons-Datei, Diskussion | Bundesarchiv / Peer Grimm | CC BY-SA 3.0 DE |
| https://www.youtube.com/watch?v=dqYUkt1l6uk | tagesschau: Stasi-Akten, 2019 | tagesschau / ARD | YouTube-Nutzungsbedingungen; keine freie Weiternutzung zugesichert |
| https://www.youtube.com/watch?v=2TNWByCWDcI | Vorlesung zu Christa Wolf und Literaturstreit, 2020 | Andrea Geier | YouTube-Nutzungsbedingungen; keine freie Weiternutzung zugesichert |
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