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Literatur verstehen - Dein Name - Navid Kermani

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Literatur verstehen - Dein Name - Navid Kermani

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Einleitung

Literatur verstehen – Gegenwartsliteratur, autobiografischer Großroman und Essayistik (Klasse 11–13).

Navid Kermanis Dein Name erschien 2011 bei Carl Hanser in München (gebundene Ausgabe: ISBN 978-3-446-23743-8, nach Verlags- und Autorenangaben 1232 Seiten). Der Text begleitet einen Romanschreiber namens Navid Kermani über mehrere Jahre, verwebt dessen Alltag mit Familiengeschichte, Erinnerungen an Tote, literarischen Lektüren und der Geschichte Irans. Die Bezeichnung Roman steht auf dem Buch; sein tagebuchähnliches Verfahren überschreitet jedoch die gewöhnliche Erwartung einer zielgerichteten Handlung.

Lernziele: Du unterscheidest belegte Angaben von Deutung, erläuterst Erzählinstanz und autofiktionale Verfahren, analysierst die Montage von Alltag, Trauer und Geschichte und formulierst eine begründete Gegenposition zur Gattungsfrage. Du arbeitest mit ausgewählten Passagen aus einer rechtmäßig beschafften Ausgabe, nicht mit einer Ersatznacherzählung.

Wichtige Grenze: Der vollständige Primärtext liegt für diese Kurserstellung nicht vor. Deshalb werden keine vermeintlichen Originalzitate, Seitenangaben, Kapitelbezeichnungen oder ungesicherten Einzelszenen erfunden. Textnahe Aufgaben verweisen auf selbst ausgewählte, in der eigenen Ausgabe überprüfbare Stellen. Die Quellenliste trennt Buchangaben, Rezeption und Unterrichtsdeutung.

Medienanalyse: Porträt des Autors auf der Frankfurter Buchmesse 2012. Fotografie: Lesekreis, Wikimedia Commons, CC0 1.0. Frage: Warum beweist die Ähnlichkeit von Autor und Romanfigur noch keine dokumentarische Identität?

Merkkasten – Drei Ebenen: (1) Fakt: Autor und Romanfigur tragen denselben Namen. (2) Interpretation: Das kann Authentizität nahelegen und zugleich die Konstruktion von Identität vorführen. (3) Gegenposition: Die Namensgleichheit kann auch die Versuchung zur vorschnellen biografischen Gleichsetzung kritisieren.

Unterrichtshinweis: Der Kurs berührt Tod, Verlust, Ehekonflikte, Krieg und politische Geschichte. Für Klasse 11–13 eignen sich freiwillige Distanz zur eigenen Biografie, sensible Gesprächsregeln und ein alternatives rein fiktionales Beispiel. Niemand muss persönliche Verlusterfahrungen offenlegen.


Werk, Autor und Gattungsproblem


Ein Lebens- und Totenbuch

Die offizielle Werkbeschreibung des Autors nennt den Roman ein Lebens- und Totenbuch: Er verbindet private Tätigkeiten, den Alltag eines Schriftstellers, eine schwierige Ehe, die Geschichte eines Großvaters in Isfahan und die Erinnerung an Verstorbene. Auch deutsche Literatur, Musik, Kunst und Religion treten hinzu. Die umfangreiche Stofffülle lässt sich nicht auf einen einzelnen Konflikt oder einen linearen Plot reduzieren. Die Gestaltung eines Zusammenhangs aus Unterschiedlichem ist selbst ein Thema.

Beispiel einer Analyse ohne Primärzitat: Werden ein gewöhnlicher Tagesvorgang und eine Erinnerung an einen Toten unmittelbar aufeinander bezogen, kann eine Lesart ihre Gleichzeitigkeit im Bewusstsein betonen. Ob dieser Übergang humoristisch, erschütternd oder distanzierend wirkt, ist erst an Wortwahl und Satzbau der gewählten Originalstelle zu belegen.


Roman, Tagebuch, Autobiografie, Autofiktion

Roman benennt hier ausdrücklich die publizierte Gattung. Tagebuch bezeichnet eine Schreibform mit Datierungen und zeitnahen Notizen, ist aber nicht zwangsläufig die Dokumentationspflicht des vorliegenden Texts. Autobiografie verspricht einen besonderen Bezug zur eigenen Lebensgeschichte; Autofiktion beschreibt Verfahren, die Selbsterzählung und literarische Erfindung verschränken. Keine dieser Arbeitsbezeichnungen allein erklärt das gesamte Buch.

Die Besprechung des Literarischen Colloquiums Berlin von 2011 diskutiert ausdrücklich Roman, Tagebuch, Mischform und Antiroman. Du kannst die Begriffe deshalb als Prüfhypothesen verwenden: Welche Textbelege sprechen dafür, welche dagegen? Vermeide die Behauptung, jede erzählte Episode sei tatsächlich geschehen.


Autor, Erzähler und Romanschreiber

Der reale Navid Kermani wurde 1967 in Siegen geboren, ist Schriftsteller und Islamwissenschaftler; biografische Angaben findest du unter anderem bei DichterLesen / LCB. Der Romanscheiber im Werk ist hingegen eine literarisch geformte Figur. Der Erzähler kann Nähe herstellen oder von diesem Romanschreiber distanzierend sprechen; wissenschaftliche Darstellungen beschreiben Wechsel zwischen Ich- und Er-Form. Eine Erzählerfigur, die sich selbst beim Schreiben beobachtet, macht den Vorgang der Darstellung zum Thema.

Merkkasten – Analysefrage: Wer erzählt? Über wen wird erzählt? In welcher grammatischen Person? Welches Wissen kann die Stimme haben? Finde in deiner Ausgabe eine Passage mit Selbstbeobachtung und notiere ein sprachliches Signal für Nähe oder Distanz.


Zeit, Aufbau und offenes Erzählen


Schreibzeit und historischer Zeitraum

Sekundärquellen datieren den dargestellten Schreibprozess von Juni 2006 bis Juni 2011. Der Roman erschien 2011. Die tagebuchähnliche zeitliche Verankerung bedeutet nicht, dass die Darstellung aus einer lückenlosen Folge aller Tage besteht. Erinnerungen können weit vor den jeweiligen Schreibzeitpunkt zurückreichen; zeitgeschichtliche Ereignisse gelangen über Berichte, Eindrücke und Reflexionen in den Text.

Arbeitsbeispiel: Zeichne drei Spalten mit erzählte Gegenwart, erinnerte Vergangenheit und Reflexion im Schreibmoment. Trage nur tatsächlich im eigenen Leseausschnitt nachweisbare Bezüge ein. Beobachte, ob das Umschalten den Lesefluss unterbricht oder vertieft.


Keine herkömmliche Kapitelhandlung

Zeitgenössische Kritiken heben das Fehlen einer üblichen Kapiteleinteilung und die langen fortlaufenden Textpassagen hervor. Die offene Form verlangt von Leserinnen und Lesern eine eigene Orientierung in wiederkehrenden Figuren, Motiven und Themen. Sie lässt Raum für Nebensächlichkeiten, Brüche und Abschweifungen.

Deutung: Die Form kann die Unabschließbarkeit menschlichen Lebens abbilden. Gegenposition: Die große Länge kann Orientierung erschweren, manches Gewicht der Darstellung nivellieren und eine Selektion vermissen lassen. Beides ist anhand derselben Passage und eines begründeten Qualitätsmaßstabs diskutierbar.


Montage, Abschweifung und Wiederkehr

Montage meint die Verbindung heterogener Textstücke zu einer neuen Komposition. Im Zusammenhang mit Dein Name können dafür Alltagsprotokoll, Nachruf, kulturgeschichtliche Reflexion und Lektürebeobachtung untersucht werden. Digression ist das Abschweifen von einem zuvor erkennbaren Thema. Wiederkehrende Themen können trotz fehlender linearer Handlung Beziehungen stiften.

Merkkasten – Strukturdiagramm: Trage fünf Motive deiner Lektüre als Knoten in ein Netz ein und verbinde sie ausschließlich dort, wo deine Ausgabe eine überprüfbare Wiederkehr zeigt. Pfeile kennzeichnen einen Textbezug, keine erfundene Kausalität.


Familie, Erinnerung und Geschichtsräume


Familienbeziehungen und Perspektiven

In verlässlichen Werkvorstellungen erscheinen Ehe und Kinder, Angehörige und der aus Isfahan stammende Großvater als wichtige Beziehungsfelder. Die Familiengeschichte wird nicht als vollständige Ahnentafel erzählt; einzelne Lebensgeschichten sind mit den Fragen des Romanschreibers nach Herkunft, Verantwortung und Zugehörigkeit verbunden. Die Angaben zur Großvatergeschichte müssen beim Close Reading gegen die konkrete Ausgabe abgeglichen werden.

Analyseauftrag: Wähle eine Familienszene aus deinem Exemplar und unterscheide beobachtbares Handeln, ausdrücklich erzählte Erinnerung und Vermutung des Romanschreibers. Für eine Gegenposition frage, welche Stimme in der Passage möglicherweise nicht selbst zu Wort kommt.


Totengedenken und Nachruf

Das Buch verwebt nach den Rezensionen Erinnerungen an gestorbene Freunde und Angehörige mit anderen Alltagserfahrungen; manche Nachrufpassagen sind bildlich markiert. Ein Nachruf kann zugleich Erinnerung, Würdigung und subjektive Auswahl sein. Die Frage, wer in einer Geschichte als Person weiterlebt, bildet eine ethische Dimension des Erzählens.

Merkkasten – Erinnerung ist Auswahl: Erinnern bewahrt nicht alle Details. Prüfe, was der Text hervorhebt, welche Lücken sichtbar bleiben und wie der Erzähler sein eigenes Wissen begrenzt. Vergleiche den literarischen Nachruf mit einer historischen biografischen Kurznotiz, ohne aus privaten Erzählungen ungeprüfte Tatsachen abzuleiten.


Isfahan, Köln und verflochtene Räume

Der Roman verbindet Lebensräume in Deutschland mit iranischen Familien- und Geschichtshorizonten. Isfahan ist in den Werkbeschreibungen ein Bezugspunkt der Großvatergeschichte, Köln ein Ort im Leben des Romanschreibers. Diese Räume solltest du nicht schematisch als Gegensatz von zwei angeblich homogenen Kulturen lesen: Die Erzählinstanz führt gerade Überschneidungen, Medien und individuelle Erfahrungen vor.

Kontextabbildung: Naqsch-e Dschahan, Isfahan; Foto Erfan Ghofrani (2019), Wikimedia Commons, CC BY-SA 4.0. Aufgabe: Trenne Aussagen über die reale Stadt von imaginierten Erinnerungsbildern im Roman. Das Bild belegt keine einzelne Romanszene.

Kontextabbildung: Kölner Rheinufer; Foto Raimond Spekking (2007), Wikimedia Commons, CC BY-SA 4.0. Aufgabe: Formuliere, welche Informationen die Topografie liefert und was sich daraus gerade nicht über den Romantext folgern lässt.


Sprache, Selbstreflexion und literarische Gespräche


Zwischen Alltagsprosa und philosophischem Essay

Eine besondere Spannung entsteht zwischen unspektakulären Handlungen und Reflexionen über Religion, Kunst, Tod und die Wahrnehmung von Wirklichkeit. Beschreibe nicht vorschnell einen durchgehend hohen oder niedrigen Stil. Erhebe an einem kurzen, rechtmäßig gelesenen Ausschnitt konkrete Merkmale: Satzlänge, Tempo, Wiederholungen, direkte Rede, Reflexionsverben, Ironie und Bildlichkeit.

Beispiel einer interpretierenden Hypothese: Der Wechsel zwischen präziser Alltagsnotiz und abstrakter Erörterung kann die Untrennbarkeit von Lebenspraxis und Denken inszenieren. Prüfung: Markiere im Original jeweils ein Textsignal; stelle die Möglichkeit gegenüber, dass der Wechsel eher Distanz schafft.


Selbstbezüglichkeit und Poetologie

Metafiktion bezeichnet Literatur, die ihre eigene Herstellung, ihre Erzählregeln oder die Grenze zwischen Text und Welt sichtbar macht. Der Romanschreiber reflektiert das Werk, an dem er arbeitet. Damit wird die Frage Wie lässt sich ein Leben erzählen? nicht nur gestellt, sondern als fortlaufendes Schreibexperiment erfahrbar.

Merkkasten – Drei Ebenen im Kommentar: Erzählsituation beschreiben, Erzähltechnik belegen, mögliche Wirkung begründen. Jede Ebene benötigt eine eigene Formulierung; vermeide Schlussfolgerungen allein aus dem Namen des Autors.


Jean Paul, Hölderlin und literarische Tradition

Der Roman thematisiert nach den Verlags- und Archivbeschreibungen ausdrücklich Lektüren von Jean Paul und Friedrich Hölderlin. Dies sind intertextuelle Bezüge: Der Erzähler tritt in eine Auseinandersetzung mit anderen Texten, ohne deren Verfahren einfach zu wiederholen. Das erlaubt Verbindungen zur deutschen Romantik und zu Schreibweisen der Abschweifung, ohne Dein Name deshalb selbst zu einem historischen Werk der Romantik zu erklären.

Kontextbild: Jean Paul, historische Darstellung aus einer 1905 erschienenen Literaturgeschichte, Wikimedia Commons, gemeinfrei (Public Domain). Frage: Welche Funktion hat ein sichtbarer literarischer Traditionsbezug in einem zeitgenössischen Großroman?

Leseexperiment: Recherchiere in einer Bibliotheksausgabe einen knappen, gemeinfreien Textausschnitt von Jean Paul und lege ihn neben einen selbst gewählten Abschnitt aus Kermani. Vergleiche nur benennbare Verfahren wie Abschweifung oder Erzählerkommentar; behaupte keine wörtliche Übernahme ohne Beleg.


Öffentlichkeit, Rezeption und Deutungskonflikte


Gegenwart, Geschichte und die Grenze des Privaten

Dein Name führt die individuelle Lebensgeschichte mit öffentlichen Ereignissen und den gesellschaftlichen Konflikten seiner Entstehungszeit zusammen. Dabei stehen religiöse und politische Reflexionen neben intimen Beobachtungen. Die Zuordnung Gegenwartsliteratur und Essay ist daher eine didaktische Orientierung: Veröffentlicht wurde ein Roman, in dem essayistische Denkbewegungen eine wichtige Rolle spielen.

Unterscheidung: Eine historische Aussage im Roman ist zunächst eine Aussage innerhalb literarischer Darstellung. Eine Unterrichtsrecherche prüft historische Daten zusätzlich in verlässlichen Sachquellen. Interpretation darf mehrere Lesarten zulassen; die überprüfbare Angabe darf nicht frei erfunden werden.


Kontroverse Rezeption

Rezensionen beschrieben das 2011 veröffentlichte Buch sowohl als eindrucksvolles, formal eigenwilliges Projekt als auch als übermäßig ausgedehnten Text. Der Tagesspiegel betonte die Maßlosigkeit des Vorhabens und problematisierte die umfassende Selbstbespiegelung. Das LCB-Gespräch fragte ausdrücklich, wie ein Werk zwischen Roman, Tagebuch und anderen Formen einzuordnen sei. Das ist keine Abstimmung über literarischen Wert, sondern ein Anlass für überprüfbare Urteile.

Pro-These: Die Überfülle ist die notwendige Form eines Lebens in Beziehungen und Erinnerung. Contra-These: Selbstbezüglichkeit und Länge erschweren Verdichtung und Lektüre. Arbeitsregel: Formuliere erst das Kriterium (etwa Leseführung oder Erfahrungsnähe), dann belege die Beobachtung an deiner Ausgabe.


Medienvergleich: Rede, Porträt und literarische Stimme

Filmaufnahmen eines realen Autors sind keine direkten Belege über seine Romanfigur. Sie eignen sich aber für die Frage, wie eine reale Stimme Verantwortung, Erinnerung und Öffentlichkeit sprachlich verknüpft. Das vom Autor verlinkte YouTube-Video seiner Friedenspreisrede (2015) und der Vortrag über die Zukunft des Erinnerns (2017) werden hier als Kontextmedien angeboten, nicht als Teile von Dein Name. Die YouTube-Inhalte sind urheberrechtlich geschützt; es werden ausschließlich die von der Autorenseite verlinkten Originalplayer eingebunden, keine Mitschnitte erzeugt. Ein direkter Abruf der YouTube-Player war bei der Recherche nicht möglich.

Video: Dankesrede zur Verleihung des Friedenspreises des Deutschen Buchhandels, 18.10.2015. Verlinkt auf der offiziellen Autorenseite; Plattform YouTube, Rechte bei den jeweiligen Rechteinhabern, keine freie Nutzungslizenz behauptet. Aufgabe: Vergleiche Selbstpositionierung und Publikumsansprache mit einer selbst gelesenen Romanpassage.

Video: Vortrag „Auschwitz morgen. Über die Zukunft des Erinnerns“, LMU München, 06.07.2017; nachgewiesen auf der Autorenseite; Rechte bei den jeweiligen Rechteinhabern. Aufgabe: Unterscheide die öffentliche historische Erinnerung aus dem Vortrag von privaten Trauerformen des Romans; setze die Gegenstände nicht gleich.

Weiteres Hörmedium: Originalaufnahme aus dem Literarischen Colloquium Berlin, 25.08.2011 (Lesung und Diskussion; Archivprojekt des LCB mit Deutschlandfunk). Dieses Archiv ist kein frei lizenzierter Buchvolltext. Untersuche die Begriffe Roman, Tagebuch und Antiroman im Gespräch und protokolliere die Argumente.

Merkkasten – Medienkritik: Das Porträt zeigt eine reale Person; die Lesung inszeniert einen Text; die öffentliche Rede hat andere Adressaten und Ziele. Prüfe Medium, Produktionskontext und Quellenstatus getrennt.


Interaktive Aufgaben


Quiz: Wissen und Deuten

Welcher Verlag veröffentlichte die Erstausgabe von Dein Name 2011? (Carl Hanser Verlag) (!Suhrkamp Verlag) (!Insel Verlag) (!Klett Verlag)



Feedback: Die dokumentierte Buchausgabe von 2011 erschien im Carl Hanser Verlag; Auflage und Seitenzahlen können je nach Ausgabe abweichen.

Was beschreibt die Gattungsbezeichnung auf dem Buch am zutreffendsten? (Roman mit tagebuchartigen und essayistischen Verfahren) (!Lückenloses amtliches Tagebuch) (!Ausschließlich dramatischer Dialog) (!Wissenschaftliches Geschichtshandbuch)



Feedback: Der Text ist als Roman publiziert, verarbeitet aber dokumentarisch wirkende und reflexive Schreibformen.

Welche Beobachtung darfst du aus der Namensgleichheit von Autor und Figur allein folgern? (Der Name ist ein Hinweis auf ein autofiktionales Spiel) (!Alle Einzelheiten sind gerichtlich bezeugt) (!Die Erzählinstanz ist frei von Gestaltung) (!Der Roman hat keinen Erzähler)



Feedback: Ein identischer Name garantiert keine unmittelbare Deckung von erzählter Figur, Erzähler und realem Autor.

Welches Thema ist in den Werkvorstellungen zentral? (Erinnerung an lebende und verstorbene Menschen) (!Die Ermittlung eines einzigen Kriminalfalls) (!Eine antike Schlacht als einzige Handlung) (!Der Bau einer erfundenen Raumstation)



Feedback: Familie, Totengedenken, Alltag und Reflexion verbinden sich zu einer offenen Lebensdarstellung.

Wofür eignet sich der Begriff Montage bei der Textanalyse? (Für die Verbindung verschiedener Textformen und Zeitebenen) (!Für die exakte Anzahl der Buchseiten) (!Für die Behauptung einer einzigen Sprechrolle) (!Für eine rein alphabetische Figurenliste)



Feedback: Montage beschreibt eine Komposition aus unterschiedlichen Elementen; sie muss an konkreten Übergängen nachgewiesen werden.

Was bedeutet der Begriff Poetologie im Unterrichtszusammenhang? (Reflexion über Verfahren und Möglichkeiten des literarischen Schreibens) (!Die Liste aller Buchhändler Deutschlands) (!Die gesetzliche Pflicht zur Ichform) (!Das Vorlesen ohne Interpretation)



Feedback: Die Selbstreflexion des Romanschreibers macht den literarischen Herstellungsprozess selbst zum Thema.

Welcher Ort gehört nach Werkbeschreibungen zur Geschichte des Großvaters? (Isfahan) (!Oslo) (!Lissabon) (!Melbourne)



Feedback: Die Familienerzählung verbindet sich unter anderem mit Isfahan; die genaue Textgestaltung prüfst du im eigenen Exemplar.

Wie unterscheidet man eine Interpretation von einer belegten Tatsache? (Man benennt Textbelege und markiert den Deutungsschritt) (!Man verzichtet vollständig auf Begründungen) (!Man setzt die eigene Meinung mit einer Quellenangabe gleich) (!Man erfindet eine passende Seitenzahl)



Feedback: Interpretationen sind argumentativ zu begründen; nachprüfbare Angaben müssen in Quelle oder Text nachgewiesen sein.

Welche Aussage zu einem Autoreninterview trifft zu? (Es bietet Kontext und ersetzt keine Textanalyse) (!Es beweist jede Romanepisode als historisches Ereignis) (!Es ist immer automatisch gemeinfrei) (!Es macht die Lektüre des Romans überflüssig)



Feedback: Äußerungen des Autors sind externe Quellen mit eigener Absicht und Situation.

Welche Position ist als begründete Gegenposition zur offenen Romanform möglich? (Die große Stofffülle kann die Orientierung der Lesenden erschweren) (!Ein großer Roman muss zwingend 20 Kapitel enthalten) (!Nur historische Romane dürfen abschweifen) (!Die fehlende Kapitelzählung beweist einen Druckfehler)



Feedback: Eine Gegenposition muss ihre Kriterien offenlegen und an beobachtbaren Strukturmerkmalen ansetzen.


Memory: Begriffe und Funktionen

Autofiktion Literarisches Spiel mit der eigenen Lebensgeschichte
Digression Abschweifung von einem erkennbaren Thema
Nachruf Würdigung und Erinnerung an Verstorbene
Poetologie Reflexion über das literarische Schreiben
Montage Verbindung unterschiedlicher Textstücke
Erzählinstanz Stimme, die innerhalb eines Textes erzählt




Drag and Drop: Analyseaussagen ordnen

Passender Analysebegriff Passende Beschreibung
Faktenprüfung Angabe anhand einer konkreten Quelle verifizieren
Perspektivanalyse Nähe und Distanz der Erzählstimme beobachten
Motivvergleich Wiederkehrende Bedeutungsfelder in mehreren Stellen prüfen
Medienkritik Absicht und Entstehungskontext eines Mediums bewerten
Gegenargument Eine plausible alternative Lesart mit Textbelegen begründen




Kreuzworträtsel: Literarische Grundbegriffe

Erinnerung Gedankliche Vergegenwärtigung einer Vergangenheit
Nachruf Schriftliche Würdigung eines verstorbenen Menschen
Montage Zusammensetzung verschiedener Darstellungselemente
Autofiktion Literarisches Schreiben zwischen Selbstbezug und Erfindung
Isfahan Iranische Stadt mit Bedeutung für die Familiengeschichte
Roman Auf dem Buchtitel genannte erzählende Gattung




LearningApps: Übungen finden

Suche nach thematisch passenden Übungen; die Suchergebnisse stammen von unterschiedlichen Autorinnen und Autoren und müssen vor der Unterrichtsnutzung geprüft werden.


Lückentext: Begriffe anwenden

Ergänze die Fachbegriffe.
Der Text wird auf der Buchausgabe als

bezeichnet.
Ein literarisch gestalteter Selbstbezug kann als

untersucht werden.
Den Blick auf den eigenen Schreibprozess nennt man

.
Die Verbindung verschiedener Textelemente heißt

.
Ein literarisches Erinnern an Verstorbene kann in einem

sichtbar werden.
Eine vom Handlungsfaden abweichende Passage kann eine

sein.
Die Wahrnehmung und Vermittlung durch die erzählende Stimme untersucht die

.
Eine alternative, begründete Deutung ist eine

.
Bei einer guten Textanalyse benötigst du einen überprüfbaren

.
Die Nutzung der Bilder verlangt die Beachtung ihrer

.



Offene Aufgaben


Leicht

  1. Bibliografische Spurensuche: Ermittle anhand von Autorenseite und Bibliothekskatalog Erscheinungsjahr, Verlag, ISBN und Ausgabe. Produkt: Quellenkarte; Lösungshinweis: Erstausgabe 2011, Carl Hanser, ISBN 978-3-446-23743-8. Bewertung: vier korrekte Angaben und Quellenlinks.
  2. Textsorten bestimmen: Stelle Roman, Tagebuch und Autobiografie in einer Tabelle mit je zwei überprüfbaren Merkmalen gegenüber. Produkt: Glossar; Bewertung: fachsprachliche Präzision und ein benannter Grenzfall.
  3. Erinnerungswörter sammeln: Suche in einer eigenen ausgewählten Passage nach drei Signalwörtern der Erinnerung; gib nur kurze Belegstellen mit echten Fundstellen aus deiner Ausgabe an. Bewertung: Textbezug und plausible Wirkungsaussage.
  4. Bildquellen lesen: Vergleiche das Porträt von Kermani und das Isfahan-Bild auf Bildinhalt, Entstehungszeit und Aussagegrenzen. Produkt: 150 Wörter; Bewertung: getrennte Bildbeobachtung, Quelle und Reflexion.


Standard

  1. Zeitnetz entwickeln: Stelle in einem selbst gewählten Leseausschnitt Erzählzeit, erinnerte Zeit und Schreibreflexion dar. Produkt: Diagramm mit Legende; Bewertung: drei unterscheidbare Ebenen, Belege und Deutung.
  2. Figuren und Beziehungen: Analysiere an zwei selbst recherchierten Textstellen die Darstellung von Nähe, Konflikt oder Fürsorge in einer Familienbeziehung. Produkt: Vergleich; Bewertung: Perspektive, differenzierte Begriffe und angemessene Quellengrenzen.
  3. Poetologische Passage untersuchen: Untersuche an einer Originalstelle, wie der Romanschreiber über das eigene Schreiben spricht. Produkt: kurzer Interpretationsaufsatz; Bewertung: These, sprachliche Beobachtung, Beleg und Schluss.
  4. Audiovergleich: Höre einen passenden Ausschnitt der Archivdiskussion beim LCB und vergleiche zwei dort genannte Gattungsargumente mit deiner Lektüre. Produkt: Argumentationsmatrix; Bewertung: genaue Trennung von Sprecherposition, Textstelle und eigener Wertung.


Schwer

  1. Debatte über den Antiroman: Formuliere These und Gegenposition zur Behauptung, die offene Struktur unterlaufe den klassischen Roman. Produkt: Streitgespräch mit Schlussurteil; Bewertung: je zwei sachliche Argumente und Textbezug.
  2. Erinnerungsethik reflektieren: Entwickle einen Essay zur Frage, was literarisches Totengedenken leisten und was es nicht leisten kann. Nutze nur freiwillig gewählte, nicht persönliche Beispiele. Bewertung: begriffliche Klarheit, Differenzierung und Quellenbewusstsein.
  3. Intertextualität prüfen: Vergleiche eine tatsächlich identifizierte Bezugnahme auf Jean Paul oder Hölderlin mit einem rechtmäßig zugänglichen Originaltext dieser Person. Produkt: 500 Wörter; Bewertung: belastbare Referenzen und Verzicht auf unbelegte Einflussbehauptungen.
  4. Medienkritischer Transfer: Prüfe an der Friedenspreisrede oder am Vortrag über Erinnern, wie sich reale öffentliche Rede und literarische Selbstinszenierung unterscheiden. Produkt: Podcastkonzept ohne geschütztes Fremdmaterial oder schriftliches Dossier; Bewertung: Medium, Adressat, Sprachmittel und ethische Grenzen.




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Lernkontrolle

  1. Strukturanalyse: Erläutere mit einem nachgewiesenen Abschnitt, wie verschiedene Zeitebenen zusammenwirken. Bewertung: Strukturbegriff, zwei Belege, reflektierte Wirkung.
  2. Gattungsgutachten: Formuliere ein begründetes Urteil zur Roman- und Tagebuchfrage mit mindestens einem Gegenargument. Bewertung: klare These, Kategorien, nachvollziehbare Textprüfung.
  3. Figurenurteil: Beschreibe die Distanz zwischen realem Autor, Erzähler und Romanschreiber an einem überprüfbaren Beispiel. Bewertung: drei sauber getrennte Ebenen.
  4. Erinnerungsdeutung: Analysiere, wie der Text Erinnern und Vergessen verhandelt, ohne biografische Faktizität zu behaupten. Bewertung: Textbelege, Begriffssicherheit, ethische Sensibilität.
  5. Rezensionsvergleich: Stelle eine positive und eine kritische Einschätzung der Textfülle gegenüber und formuliere ein eigenes Urteil. Bewertung: korrekt zugeschriebene Positionen und explizites Qualitätskriterium.
  6. Medientransfer: Erkläre an einem Archivmitschnitt, warum Lesung und öffentliche Rede den Romantext nicht ersetzen. Bewertung: Quellengattung, Produktionskontext, begründete Schlussfolgerung.

Bewertungsraster für offene Leistungen (je 20 Punkte): überprüfbare Text- und Quellenbelege 0–6; korrekte Begriffe 0–4; differenzierte Interpretation 0–5; Gegenargument und Reflexion von Grenzen 0–3; Aufbau und Sprache 0–2. Leicht: 10–12 Punkte als solide Grundlage; Standard: 13–16 Punkte; Schwer: 17–20 Punkte bei eigenständiger Deutung. Die Niveaus bezeichnen Anforderungen, nicht Personengruppen.


Lernnachweis

Zum Portfolio gehören eine bibliografische Quellenkarte, ein Zeit- oder Motivdiagramm, eine belegte Textinterpretation, ein begründetes Gattungsurteil und eine medienkritische Reflexion. Notiere bei Zitaten immer die tatsächlich verwendete Buchausgabe und ihre auffindbare Fundstelle. Für die Textinterpretation genügt eine kurze, notwendige Zitierung; vollständige Kapitel, Hörbücher oder umfangreiche Nacherzählungen werden nicht übernommen.

Erwartete Kompetenzen: Quellen von Interpretationen unterscheiden; Autor, Erzähler und Figur nicht gleichsetzen; eine offene Form analytisch erfassen; familiale und historische Erinnerung sensibel behandeln; Argumente mit prüfbaren Belegen entwickeln.


OER und Wikipedia

Primärwerk und rechtmäßiger Lesezugang: Navid Kermani, Dein Name, Carl Hanser Verlag, München 2011, ISBN 978-3-446-23743-8. Verlagsseite; Autorenseite (auch Taschenbuchhinweis: Rowohlt, ISBN 978-3-499-26971-4). Frage in der örtlichen öffentlichen oder wissenschaftlichen Bibliothek nach einer legalen Leih- oder Fernleihmöglichkeit. Kein kostenloser Buchvolltext wurde vorausgesetzt.

Quellen und überprüfbare Positionen:

Wikimedia-Medien und Nutzungsrechte:

Eingebundene Datei Quellen-/Lizenznachweis Urheberschaft Analytischer Einsatz
File:Navid Kermani 1.jpg CC0 1.0 Lesekreis Unterschied Autor und Figur
File:Naqsh-e Jahan Square, Isfahan.jpg CC BY-SA 4.0 Erfan Ghofrani Ortskontext von erzählter Erinnerung trennen
File:Köln - Groß St. Martin und Kölner Dom.jpg CC BY-SA 4.0 Raimond Spekking Topografie und Darstellung
File:Jean Paul.jpg Gemeinfrei Historische Bildquelle; Scan User:Gabor Tradition und Intertextualität

Die Nachweise beziehen sich auf die Originaldateiseiten; Veränderungen der Medien wurden hier nicht vorgenommen. Für fremde Video- und Audioaufnahmen gilt keine pauschale OER-Lizenz.

Weitere Wikimedia-Audioressource: Aussprache des Autorennamens, Aufnahme Jeuwre, CC BY-SA 4.0. Das kurze Namensbeispiel eignet sich ausschließlich zum Vergleich von Schriftbild und Aussprache, nicht als Werklesung. Für die Lektüre selbst ist das erwähnte LCB-Archiv einschlägig.

YouTube-Kontextmedien: Friedenspreisrede 2015 und Vortrag über Erinnern 2017, beide auf der Autorenseite verlinkt. Die Einbettung ist keine Aussage über eine freie Lizenz. Der direkte YouTube-Player konnte bei der Prüfung nicht geöffnet werden.

Wikipedia als freies Kontextmaterial: Navid Kermani – Überblick zu Leben und Werk, nicht anstelle einer Primärtextlektüre.


Verknüpfte Lernbereiche

Eine direkte interne Verknüpfung zu anderen MOOCwiki-Kursen wird hier bewusst nicht behauptet: Ihre Existenz konnte beim Recherchezugriff nicht nachgewiesen werden. Statt erfundener interner Seiten bietet die Tabelle geprüfte öffentliche Kontextressourcen.


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