Lale Andersen - Lili Marleen

Lale Andersen - Lili Marleen
Lale Andersen – Lili Marleen
„Lili Marleen“ ist eines der international bekanntesten deutschsprachigen Lieder des 20. Jahrhunderts. Die heute historisch besonders bedeutsame Aufnahme entstand 1939 mit Lale Andersen als Sängerin, einem kleinen Ensemble unter Leitung von Bruno Seidler-Winkler und einem Männerchor. Der Text geht auf ein Gedicht von Hans Leip aus dem Ersten Weltkrieg zurück; die berühmt gewordene Vertonung stammt von Norbert Schultze. Im Zweiten Weltkrieg erhielt die Aufnahme durch den im deutsch besetzten Belgrad betriebenen Soldatensender Belgrad eine enorme Reichweite. Sie wurde von Menschen auf unterschiedlichen Seiten der Front gehört und später in sehr verschiedene politische, propagandistische und kulturelle Zusammenhänge einbezogen.[1][2]
Dieser aiMOOC verbindet Musikanalyse, Geschichte, Medienbildung, Quellenkritik und Urheberrecht. Du untersuchst dabei nicht nur das Lied als Komposition, sondern vor allem die konkrete 1939er Aufnahme von Lale Andersen.

Etikett einer Electrola-Ausgabe der Aufnahme. Wikimedia Commons, Datei „Lilli Marlene 1939.jpg“, Mediatus, CC BY-SA 3.0. Die Commons-Dateibeschreibung nennt Electrola EG 6993 / ORA 4198-2 und die Aufnahme im Berliner Electrola-Studio.[3]
Lernziele
Nach der Arbeit mit diesem aiMOOC kannst Du
- Entstehung und historischen Kontext des Liedes einordnen.
- hörbare Merkmale der Aufnahme von 1939 fachsprachlich beschreiben.
- Melodie, Harmonik, Rhythmus, Gesang, Instrumentierung, Arrangement, Produktion und Songform unterscheiden.
- mindestens drei belegte Besonderheiten der konkreten Andersen-Aufnahme nachweisen.
- Bildsprache und Themen des Textes erschließen, ohne den geschützten Liedtext vollständig zu reproduzieren.
- unterschiedliche Aufnahmen vergleichend hören und Unterschiede begründet formulieren.
- historische Medien als Quellen kritisch untersuchen.
- freie, gemeinfreie und lediglich eingebettete Medien urheberrechtlich unterscheiden.
Entstehungsgeschichte
Vom Gedicht zum Lied
Hans Leip schrieb 1915, noch während des Ersten Weltkriegs, ein Gedicht über Abschied, Erinnerung und die Vorstellung einer geliebten Person an einem vertrauten Ort. Eine erweiterte Fassung erschien 1937 in seinem Gedichtband Die kleine Hafenorgel. Norbert Schultze vertonte den Text in den späten 1930er Jahren; die Stiftung Haus der Geschichte datiert seine Vertonung auf 1938.[2]
Lale Andersen kannte bereits eine andere Vertonung des Textes von Rudolf Zink. Für die Schallplatte setzte sich jedoch Schultzes eingängigere Fassung durch. Das Songlexikon beschreibt diese Entwicklung als entscheidenden Schritt vom Kabarett- und Vortragslied zum späteren Weltkriegsschlager.[1]

Lale Andersen im Berliner „Kabarett der Komiker“, November 1938. Foto: Willy Pragher. Landesarchiv Baden-Württemberg, Staatsarchiv Freiburg, CC BY 4.0.
Die konkrete Aufnahme von 1939
Für die historisch maßgebliche Electrola-Aufnahme nennt das Lale-Andersen-Archiv folgende diskografische Daten:[4]
| Merkmal | Befund |
|---|---|
| Titel auf der frühen Platte | Lied eines jungen Wachtpostens (Lili Marleen) |
| Sängerin | Lale Andersen |
| Musik | Norbert Schultze |
| Text | Hans Leip |
| Ensemble | kleines Ensemble |
| Leitung / Arrangement | Bruno Seidler-Winkler |
| Chor | Männerchor beziehungsweise Chor |
| Aufnahmeort | Berlin |
| Archiviertes Aufnahmedatum | 2. August 1939 |
| Matrize | 0RA 4198-2 |
| Bestellnummer | Electrola EG 6993 |
| Tonträger | 10-Zoll-Schellackplatte |
| Dauer laut Songlexikon | etwa 3:07 Minuten |
Bei der Datierung lohnt sich wissenschaftliche Sorgfalt: Das Lale-Andersen-Archiv führt den 2. August 1939 als Aufnahmedatum. Andere Darstellungen trennen eine nächtliche Sitzung um den Monatswechsel und die anschließende technische Fertigstellung beziehungsweise Abmischung. Für die Identifikation des historischen Tonträgers sind daher Matrize, Bestellnummer und Archivdatensatz besonders wichtig.[4][5]
Zunächst kein großer Verkaufserfolg
Nach Angaben des Komponisten, die auch das Songlexikon anführt, wurden zunächst nur ungefähr 700 Exemplare verkauft. Der Welterfolg entstand also nicht unmittelbar durch den Plattenmarkt, sondern erst durch die spätere Radiorezeption.[1]
Zeitgeschichtlicher Kontext
Krieg, Rundfunk und Soldatensender Belgrad
1941 gelangte die Schallplatte zum deutschen Soldatensender im besetzten Belgrad. Das Lied wurde dort regelmäßig ausgestrahlt und spätestens ab August 1941 eng mit einer abendlichen Grußsendung verbunden. Der Sender richtete sich an deutsche Soldaten über große Entfernungen hinweg; seine Reichweite führte zugleich dazu, dass auch alliierte Soldaten die Sendungen empfangen konnten. Die Stiftung Haus der Geschichte betont, dass das Lied in den folgenden Kriegsjahren auf verschiedenen Seiten der Front gesungen und für sehr unterschiedliche Zwecke verwendet wurde.[2][1]
Damit wurde aus einem privaten Abschieds- und Erinnerungsmotiv ein Massenmedium des Krieges. Diese Wirkung darf nicht mit einer eindeutigen politischen Botschaft des Liedes gleichgesetzt werden: Die historische Bedeutung liegt gerade darin, dass dasselbe Lied zugleich als Unterhaltung, Erinnerung an Zuhause, Propagandamaterial und Projektionsfläche für persönliche Gefühle funktionieren konnte.
Radio als „Brücke“ und als Propagandamedium
Der Sender verband persönliche Grüße mit militärisch kontrolliertem Rundfunk. Dadurch entstand ein Spannungsfeld: individuelle Sehnsucht und private Erinnerung standen innerhalb eines von Besatzung, Krieg und staatlicher Propaganda bestimmten Mediums. Genau dieses Spannungsfeld ist für eine quellenkritische Betrachtung wichtig.[1]
Das Haus der Geschichte dokumentiert außerdem Übersetzungen, Umdichtungen und propagandistische Bearbeitungen durch unterschiedliche Kriegsparteien. Das Lied war damit nicht einfach „deutsch“ oder „alliiert“, sondern wurde von verschiedenen Akteuren mit neuen Bedeutungen versehen.[2]
Historisches Propagandamaterial als Quelle

Propagandapostkarte der deutschen Feldpost, Paris 1942, mit Lili-Marleen-Motiv. Wikimedia Commons; dort als gemeinfrei gekennzeichnet. Das Bild wird hier als historische Quelle gezeigt, nicht als Zustimmung zu seiner propagandistischen Aussage.
Bei solchen Bildern solltest Du immer fragen: Wer hat das Medium hergestellt? Für wen? In welchem politischen Kontext? Welche Gefühle oder Deutungen sollten erzeugt werden?
Drei besonders wichtige, für die 1939er Aufnahme belegte Besonderheiten
Das Songlexikon beschreibt mehrere Merkmale, die nicht nur zur Komposition allgemein, sondern ausdrücklich zum Arrangement der Lale-Andersen-Aufnahme gehören.[1]
- Zapfenstreich-Trompetensignal: Die Aufnahme beginnt und endet mit einem Trompetensignal aus dem preußischen Zapfenstreich. Dadurch wird die private Abschiedsszene akustisch in einen militärischen Rahmen gestellt.
- Männerchor als Nachhall: Im Refrain antwortet ein soldatisch wirkender Männerchor auf die Solostimme. Dieser Nachhall verändert sogar die formale Länge des Abschnitts und gehört zu den markantesten Merkmalen des Seidler-Winkler-Arrangements.
- Akkordeon als Klangfarbe: Das Arrangement verwendet ein auffälliges Akkordeon, dessen Klang nach der Analyse von Peter Wicke an eine leiernde Drehorgel erinnern kann. Dadurch verbindet sich volkstümliche Einfachheit mit melancholischer Distanz.
- Punktierter Marschimpuls und Trommelschlag: Punktierte Rhythmen verleihen der ansonsten elegischen Melodie eine militärische Kontur; im Refrain unterstützt ein Trommelschlag auf der ersten Zählzeit diesen Effekt.
Gerade die Verbindung dieser Elemente erzeugt die zentrale Ambivalenz der Aufnahme: Melancholie und militärischer Klangrahmen erscheinen gleichzeitig.
Hörbeispiel: Lale Andersen
Das folgende YouTube-Video stammt aus einem automatisch erzeugten Künstler-/Distributor-Feed. Es ist keine freie Lizenz. Für den Unterricht ist hier nur das eingebettete Abspielen vorgesehen; lade die Aufnahme nicht herunter und veröffentliche sie nicht neu.
Hörauftrag: Konzentriere Dich zunächst nur auf Beginn und Ende. Welche Signale rahmen die Aufnahme? Höre danach auf den Gegensatz zwischen Solostimme und Männerchor sowie auf die Rolle von Akkordeon und Schlagwerk.
Musikalische Analyse
Stil und Genre
„Lili Marleen“ liegt zwischen Schlager, Soldatenlied, Chanson und strophischem Vortragslied. Das Entscheidende ist nicht ein „reiner“ Genretyp, sondern die Mischung: eine sentimental-elegische Liedmelodie wird durch Marschrhythmus, Männerchor und militärisches Signal in einen Soldatenkontext gesetzt. Das Songlexikon bezeichnet gerade diesen Kontrast als wesentlich für die Wirkung der Aufnahme.[1]
Melodie
Die Melodie bewegt sich über weite Strecken in einem relativ kleinen Tonraum. Das unterstützt Sanglichkeit und Wiedererkennbarkeit. Im kurzen Refrain hebt sich jedoch eine Stelle deutlich in ein höheres Register. Das Songlexikon beschreibt dort eine markante melodische Spannung auf der siebten Stufe, die harmonisch durch die Dominante aufgefangen wird. Dieser kurze „Widerhaken“ trägt zum hohen Wiedererkennungswert bei.[1]
Da die Komposition noch urheberrechtlich geschützt ist, wird die originale Melodie hier nicht vollständig notiert.
Harmonik
Die harmonische Sprache ist tonal und funktional gut nachvollziehbar. Besonders wichtig ist das Verhältnis von Grundtonbereich und Dominante: Die melodische Spannung des Refrains wird nicht isoliert stehen gelassen, sondern harmonisch eingebettet. Für die Analyse genügt es, die Funktionen Tonika, Subdominante und Dominante zu erkennen, ohne die geschützte Originalpartitur zu reproduzieren.
Rhythmus und Metrum
Der Grundcharakter ist regelmäßig und marschverwandt, aber nicht als lauter Militärmarsch gesetzt. Punktierungen geben vielen Bewegungen eine straffere Kontur. Gleichzeitig bleibt das Tempo ruhig genug, damit der Text verständlich und der melancholische Charakter erhalten bleibt. Im Refrain wird die erste Zählzeit durch Schlagwerk besonders markiert.[1]
Gesang
Lale Andersens Stimme steht als weibliche Solostimme einem Männerchor gegenüber. Allein dieser Besetzungskontrast verändert die Bedeutung: Die militärische Umgebung ist hörbar, aber die zentrale Stimme gehört nicht zu einem marschierenden Männerkollektiv. Das Songlexikon hebt hervor, dass dadurch das Soldatische zugleich eingeführt und wieder relativiert wird.[1]
Für Deine Höranalyse kannst Du zusätzlich untersuchen, wie verständlich die Wörter artikuliert werden, wie stark oder zurückhaltend Vibrato eingesetzt wird und wie eng die Stimme rhythmisch an der Begleitung bleibt.
Instrumentierung
Belegt sind ein kleines Ensemble unter Bruno Seidler-Winkler, Männerchor, Akkordeon, Schlagwerk beziehungsweise Trommeleffekte und das Trompetensignal des Zapfenstreichs.[1][4]
Die Besetzung ist damit deutlich kleiner als ein sinfonisches Orchester. Gerade diese kompakte Klanglichkeit passt zur kurzen Schellackplattenproduktion und lässt die Stimme im Vordergrund.
Arrangement
Das Arrangement von Bruno Seidler-Winkler ist für die Wirkung entscheidend. Es fügt der Komposition mehrere konkrete Klangzeichen hinzu:
- militärische Rahmung durch das Trompetensignal,
- wiederholende Männerchor-Antworten,
- Akkordeonfarbe,
- punktierten Marschimpuls,
- Schlagwerkakzente im Refrain.
Das Arrangement macht aus einem Liebes- und Abschiedslied eine musikalisch doppeldeutige Szene zwischen Intimität und militärischer Ordnung.
Produktion und Tonträger
Die Fassung erschien als 10-Zoll-Schellackplatte Electrola EG 6993; die Matrize der Aufnahme ist 0RA 4198-2.[4] Historische Schellacktransfers können Oberflächenrauschen, eingeschränkte Dynamik und einen engeren Frequenzbereich aufweisen. Bei modernen digitalen Wiederveröffentlichungen können diese Merkmale durch Restaurierung verändert sein. Für wissenschaftliche Hörvergleiche solltest Du deshalb möglichst die konkrete Ausgabe oder Transferquelle dokumentieren.
Songform
Das Songlexikon beschreibt fünf Strophen in einer strophischen Grundform. Auffällig ist, dass die Strophe nicht dem oft erwartbaren 16-Takt-Schema entspricht, sondern auf zwölf Takte verkürzt ist. Der Refrain besteht aus zwei eng verwandten Zweitaktphrasen. In der Andersen-Aufnahme werden diese durch den Männerchor nachhallartig erweitert. Dadurch kann der Abschnitt formal über die eigentliche Strophenlänge hinausreichen.[1]
Diese kleine formale Unregelmäßigkeit ist wichtig: Wiederholung sorgt für Eingängigkeit, die chorische Überlagerung verhindert aber völlige Gleichförmigkeit.
MediaWiki Extension:Score – kurze selbst erstellte Analysemodelle
Die folgenden Notenbeispiele sind didaktische Eigenbeispiele. Sie sind nicht aus der Melodie von „Lili Marleen“ übernommen und bilden keine geschützte Passage nach.
Eigenbeispiel 1: punktierter Marschimpuls

Die Punktierung im ersten Takt zeigt, wie eine ansonsten einfache Linie rhythmisch „straffer“ wirken kann.
Eigenbeispiel 2: einfache Funktionsharmonik

Dieses frei erfundene Modell zeigt die Folge Tonika – Subdominante – Dominante – Tonika. Es dient nur dazu, funktionale Harmonik hörbar zu machen.
Eigenbeispiel 3: Solostimme und Echo

Dieses Eigenbeispiel veranschaulicht das Prinzip Vordergrundstimme – verzögerte Antwort. Genau dieses Prinzip kannst Du beim Männerchor der Andersen-Aufnahme heraushören, ohne dafür die Originalmelodie abzuschreiben.
Text, Themen und Bildsprache
Inhaltserschließung ohne vollständigen Liedtext
Der Liedtext ist urheberrechtlich geschützt. Deshalb wird er hier nicht vollständig wiedergegeben. Ein kurzes, für die Analyse notwendiges Zitat lautet: „wie einst Lili Marleen“.
Inhaltlich erinnert sich eine soldatische Sprecherfigur an eine Begegnung mit einer geliebten Person an einer Laterne vor einem militärischen Ort. Die wichtigsten Themen sind Abschied, Erinnerung, Sehnsucht, Trennung, Zeit, Tod beziehungsweise Verlustangst und die Hoffnung auf Wiederbegegnung.
Die Laterne als Bild
Die Laterne ist mehr als ein Schauplatz. Sie wird zum Fixpunkt der Erinnerung. Während Krieg, Entfernung und Zeit alles verändern, bleibt der vorgestellte Ort stabil. Dadurch entsteht ein starkes Erinnerungsbild: ein einzelner Lichtpunkt gegen Dunkelheit, Ungewissheit und räumliche Trennung.
Nähe und Distanz
Der Text bewegt sich zwischen konkreter Nähe und großer Distanz. Eine intime Erinnerung wird aus einer Situation heraus erzählt, in der die geliebte Person nicht erreichbar ist. Diese Spannung trägt dazu bei, dass Menschen mit sehr unterschiedlichen Biografien eigene Erfahrungen in das Lied hineinlesen konnten.
Bildquelle: Erinnerungskultur
Erinnerungslaterne in Bremerhaven. Wikimedia Commons, Peter Raap, CC BY-SA 3.0 DE.
Aufgabe zur Bildanalyse: Welche Elemente der Liedbildsprache werden in einem realen Erinnerungsort materialisiert? Welche Bedeutung entsteht dadurch für Menschen, die den Krieg selbst nicht erlebt haben?
Rezeption und historische Wirkung
Vom Ladenhüter zum internationalen Lied
Die 1939er Platte war zunächst kein großer Erfolg. Erst die regelmäßigen Sendungen aus Belgrad machten die Aufnahme ab 1941 weithin bekannt. Das Haus der Geschichte beschreibt das Lied als eines der populärsten Lieder des Zweiten Weltkriegs, das sowohl von deutschen als auch von alliierten Soldaten rezipiert wurde.[2]
Propaganda, Parodie und Umdeutung
Die große Bekanntheit führte zu vielen Übersetzungen, Parodien und politischen Umdichtungen. Auch britische und andere alliierte Akteure griffen das Lied auf. Damit wurde dieselbe Melodie in gegensätzliche kommunikative Strategien eingebunden.[1][2]
Eine wichtige Konsequenz für historische Arbeit lautet: Popularität ist nicht dasselbe wie Zustimmung zu einer bestimmten politischen Botschaft. Ein Lied kann von verschiedenen Gruppen aus völlig verschiedenen Gründen verwendet werden.
Bedeutung im Werk Lale Andersens
„Lili Marleen“ wurde zum Signaturlied Lale Andersens und prägte ihre öffentliche Wahrnehmung dauerhaft. Der NDR beschreibt, wie stark das Lied ihre Biografie und spätere Bekanntheit bestimmte.[6]

Lale Andersen 1962. Foto: Barbara Niggl Radloff, Münchner Stadtmuseum, CC BY-SA 4.0.
Vergleich: Lale Andersen 1939 und Marlene Dietrich 1945
Eine fachlich sinnvolle Vergleichsfassung ist die 1945 in New York aufgenommene englischsprachige Version von Marlene Dietrich. Diskografische Quellen nennen Charles Magnante und sein Orchester als Begleitung; für die Aufnahme ist eine andere Produktions- und Besetzungssituation dokumentiert als bei Andersen.[7]
| Aspekt | Lale Andersen 1939 | Marlene Dietrich 1945 |
|---|---|---|
| Sprache | Deutsch | Englisch |
| Produktionsort | Berlin | New York |
| Begleitung | kleines Ensemble unter Bruno Seidler-Winkler | Charles Magnante und Orchester |
| Männerchor | für die Andersen-Aufnahme ausdrücklich belegt | in den üblichen Personalangaben der 1945er Decca-Aufnahme nicht als entsprechendes Element ausgewiesen |
| Militärische Rahmung | Zapfenstreichsignal am Beginn und Ende ausdrücklich belegt | andere Aufnahmegestaltung; daher gezielt auf Unterschiede im Hörvergleich achten |
| Wirkung | intime Solostimme steht einem soldatisch markierten Arrangement gegenüber | internationale Cover- und Nachkriegsperspektive mit anderer Stimme, Sprache und Orchesterfarbe |
Hörauftrag: Notiere bei beiden Fassungen je drei Beobachtungen zu Stimme, Begleitung und formaler Gestaltung. Trenne dabei strikt zwischen hörbarer Beobachtung und historischer Interpretation.
Sinngemäße Erschließung der englischen Fassung
Die englischsprachige Fassung übernimmt sinngemäß die Grundsituation von Erinnerung, Trennung und der erhofften Wiederbegegnung. Für eine genaue Textanalyse solltest Du eine lizenzierte Ausgabe heranziehen. In diesem aiMOOC wird keine vollständige Übersetzung des geschützten Liedtexts wiedergegeben.
Frei zugänglicher historischer Film
Ein besonders spannendes Dokument ist der britische Film The True Story of Lili Marlene von 1944. Wikimedia Commons kennzeichnet die Crown-Film-Unit-Produktion als gemeinfrei. Sie ist zugleich kein neutraler Blick von außen, sondern selbst Teil der britischen Kriegsmedienproduktion. Nutze sie deshalb quellenkritisch.[8]
Datei:The True Story of Lili Marlene (1944).webm
Alternativ ist derselbe historische Film über YouTube erreichbar:
Quellenkritischer Auftrag: Welche Bilder, Sprechertexte und Montagen sollen beim Publikum eine bestimmte Deutung des Liedes erzeugen? Welche Informationen würdest Du mit einer zweiten Quelle überprüfen?
Weiteres Archivmaterial
Der SWR veröffentlichte 2025 ein wiederentdecktes Interview mit Lale Andersen aus dem Jahr 1942. Es ist besonders interessant, weil Andersen darin zeitnah zur damaligen Popularität des Liedes über dessen Entstehung spricht.[9]
Für historische Forschung ist eine solche Quelle wertvoll, aber nicht automatisch objektiv: Auch eine Zeitzeugin erzählt aus einer bestimmten Situation, mit bestimmten Interessen und Erinnerungsperspektiven.
Urheberrecht und rechtssichere Mediennutzung
Die Komposition von Norbert Schultze und der Liedtext von Hans Leip werden hier nicht vollständig reproduziert. Für diesen aiMOOC gelten deshalb folgende Prinzipien:
- Liedtext nur in sehr kurzen, analytisch notwendigen Zitaten.
- keine vollständige Melodie oder Partitur.
- Score-Beispiele ausschließlich als selbst erstellte didaktische Modelle.
- Wikimedia-Commons-Medien nur mit der dort ausgewiesenen freien Lizenz oder Gemeinfreiheit.
- YouTube-Aufnahmen nur eingebettet; eine Einbettung bedeutet nicht, dass die Audiodatei frei kopiert oder neu veröffentlicht werden darf.
- bei historischen Propagandamedien zusätzlich Kontext und Quellenkritik angeben.
Quellen und Nachprüfbarkeit
- Peter Wicke: „Lili Marleen (Lale Andersen)“, Songlexikon, Universität Freiburg – besonders wichtig für Form, Arrangement, Männerchor, Akkordeon, Rhythmus und Rezeption.
- Stiftung Haus der Geschichte: „Lili Marleen – Ein Schlager macht Geschichte“ – besonders wichtig für internationale Rezeption und Zeitgeschichte.
- Lale-Andersen-Archiv: Electrola EG 6993 / Matrize 0RA 4198-2 – besonders wichtig für die konkrete Aufnahme.
- WDR ZeitZeichen: Studioaufnahme „Lili Marleen“ – historische Einordnung und Rundfunkgeschichte.
- NDR: Lale Andersen und „Lili Marleen“ – Biografie und Wirkung auf Andersens Karriere.
- Deutsches Historisches Museum / LeMO: Plakat zum Lied „Lili Marleen“ – Erinnerung, Bildkultur und zeitgeschichtlicher Kontext.
- Wikimedia Commons: Kategorie Lili Marlene – freie und gemeinfreie Medien.
- Wikimedia Commons: Kategorie Lale Andersen – frei lizenzierte Bilder.
- ARD Archivradio / SWR Kultur: Interview von 1942 – Primärquellennähe.
- MusicBrainz: Marlene Dietrich – Aufnahmeangaben – Vergleichsfassung.
- ↑ 1,00 1,01 1,02 1,03 1,04 1,05 1,06 1,07 1,08 1,09 1,10 1,11 1,12 Peter Wicke: Lili Marleen (Lale Andersen), Songlexikon. Encyclopedia of Songs, Zentrum für Populäre Kultur und Musik der Universität Freiburg.
- ↑ 2,0 2,1 2,2 2,3 2,4 2,5 Stiftung Haus der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland: Lili Marleen – Ein Schlager macht Geschichte.
- ↑ Wikimedia Commons: File:Lilli Marlene 1939.jpg, CC BY-SA 3.0.
- ↑ 4,0 4,1 4,2 4,3 Lale-Andersen-Archiv: EG 6993 – Lied eines jungen Wachtpostens (Lili Marleen), Datensatz zur Matrize 0RA 4198-2.
- ↑ WDR ZeitZeichen: 02.08.1939: Studioaufnahme des Liedes „Lili Marleen“.
- ↑ NDR: Wie „Lili Marleen“ das Leben von Lale Andersen veränderte.
- ↑ MusicBrainz: Marlene Dietrich – Lili Marlene, Aufnahme 7. September 1945 sowie Songlexikon, Abschnitt Covers.
- ↑ Wikimedia Commons: The True Story of Lili Marlene (1944), Crown Film Unit, auf Commons als Public Domain gekennzeichnet.
- ↑ SWR Kultur / ARD Archivradio: So entstand „Lili Marleen“ – Interview mit Lale Andersen von 1942.
Interaktive Aufgaben
Quiz: Teste Dein Wissen
Wer schrieb den Text, aus dem „Lili Marleen“ hervorging? (Hans Leip) (!Norbert Schultze) (!Bruno Seidler-Winkler) (!Charles Magnante)
Wer komponierte die berühmt gewordene Melodie? (Norbert Schultze) (!Hans Leip) (!Lale Andersen) (!Marlene Dietrich)
Wer leitete das kleine Ensemble der Aufnahme von 1939? (Bruno Seidler-Winkler) (!Charles Magnante) (!Rudolf Zink) (!Hans Leip)
Welche Bestellnummer gehört zur historischen Electrola-Aufnahme? (EG 6993) (!EG 1937) (!HMV 1945) (!ORA 7000)
Welches Element rahmt die Andersen-Aufnahme am Beginn und Ende militärisch? (Ein Trompetensignal aus dem Zapfenstreich) (!Ein langes Klaviersolo) (!Ein Gitarrenriff) (!Ein Streichquartett)
Welche Funktion hat der Männerchor in der 1939er Aufnahme besonders deutlich? (Er wirkt als Nachhall auf Refrainphrasen) (!Er singt das gesamte Lied ohne Solostimme) (!Er ersetzt alle Instrumente) (!Er improvisiert eine Jazzkadenz)
Welches Instrument hebt das Songlexikon als ungewöhnliche Klangfarbe der Begleitung hervor? (Akkordeon) (!Sitar) (!Cembalo) (!E-Gitarre)
Welche Institution war ab 1941 entscheidend für die weite Verbreitung der Aufnahme? (Soldatensender Belgrad) (!Radio Luxemburg der Nachkriegszeit) (!MTV) (!BBC Radio One)
Welches Thema gehört zentral zur Bild- und Gefühlswelt des Liedes? (Trennung und Sehnsucht) (!Sportlicher Wettbewerb) (!Naturwissenschaftliche Forschung) (!Komische Tiergeschichten)
Welche Nutzung ist in diesem aiMOOC urheberrechtlich bewusst vermieden? (Die vollständige Wiedergabe von Liedtext und Melodie) (!Die Analyse historischer Quellen) (!Die Nennung von Komponist und Texter) (!Die Verwendung frei lizenzierter Commons-Bilder)
Memory
| Hans Leip | Textgrundlage |
| Norbert Schultze | Komposition |
| Lale Andersen | Solostimme |
| Bruno Seidler-Winkler | Arrangement |
| Soldatensender Belgrad | Rundfunkverbreitung |
| EG 6993 | Schallplattennummer |
| Akkordeon | besondere Klangfarbe |
Drag and Drop
| Ordne die richtigen Begriffe zu. | Thema |
|---|---|
| Zapfenstreich | militärisches Rahmensignal |
| Männerchor | Nachhall im Refrain |
| Akkordeon | volkstümlich leiernde Klangfarbe |
| Punktierung | marschartiger Bewegungsimpuls |
| Laterne | zentrales Erinnerungsbild |
Kreuzworträtsel
| Andersen | Welche Sängerin nahm die berühmte Fassung 1939 auf? |
| Schultze | Wie lautet der Nachname des Komponisten? |
| Belgrad | Welche Stadt gab dem wichtigen Soldatensender seinen Namen? |
| Laterne | Welcher Gegenstand bildet das zentrale Erinnerungsbild? |
| Akkordeon | Welches Instrument hebt das Songlexikon in der Begleitung hervor? |
| Schellack | Aus welchem Materialtyp bestanden typische Platten dieser Ausgabe? |
LearningApps
Lückentext
Offene Aufgaben
Leicht
- Hörprotokoll: Höre die Andersen-Aufnahme zweimal und notiere zehn rein hörbare Beobachtungen, ohne sie zunächst zu deuten.
- Bildanalyse: Untersuche das Commons-Bild des Plattenetiketts. Welche Informationen über Titel, Interpretin, Leitung und Tonträger kannst Du direkt ablesen?
- Zeitleiste: Erstelle eine Zeitleiste von 1915 bis 1945 mit mindestens sechs Stationen der Entstehungs- und Rezeptionsgeschichte.
- Klangwörter: Finde zu Stimme, Akkordeon, Chor, Trompete und Schlagwerk jeweils drei passende Klangadjektive und begründe Deine Auswahl.
Standard
- Vergleichende Höranalyse: Vergleiche die Andersen-Fassung mit der Dietrich-Aufnahme. Ordne Deine Beobachtungen den Kategorien Stimme, Instrumentierung, Rhythmus, Sprache und Wirkung zu.
- Quellenkritik: Vergleiche Songlexikon, Haus der Geschichte und Lale-Andersen-Archiv. Welche Aussagen sind identisch, welche unterschiedlich detailliert?
- Score-Projekt: Komponiere mit der Score-Extension vier eigene Takte, die Melancholie und Marschimpuls verbinden, ohne die Originalmelodie zu imitieren.
- Medienlizenz: Erstelle für fünf im aiMOOC verwendete Medien eine Tabelle mit Urheber, Lizenz, Quelle und erlaubter Nutzung.
Schwer
- Rundfunkgeschichte: Untersuche, warum Radio im Zweiten Weltkrieg gleichzeitig Unterhaltungs-, Informations- und Propagandamedium sein konnte. Belege Deine Analyse mit mindestens drei Quellen.
- Rezeptionsgeschichte: Entwickle eine Präsentation darüber, wie ein Lied von unterschiedlichen politischen Akteuren umgedeutet werden kann, ohne dass sich seine Grundmelodie ändert.
- Arrangementanalyse: Rekonstruiere aus Hörbeobachtung und Quellen eine grafische Partitur der Andersen-Aufnahme, die nur Instrumenteinsätze, Dynamik und Form zeigt, aber keine geschützte Melodie notiert.
- Forschungsprojekt: Untersuche an mindestens drei Coverfassungen, welche musikalischen Parameter verändert werden und welche Elemente für die Wiedererkennbarkeit erhalten bleiben.


Lernkontrolle
- Ambivalenz analysieren: Erkläre, wie die 1939er Aufnahme gleichzeitig melancholisch und militärisch klingen kann. Beziehe mindestens vier konkrete Klangmerkmale ein.
- Medienwirkung übertragen: Übertrage das Beispiel des Soldatensenders auf ein heutiges Medium. Welche Mechanismen von Reichweite, Wiederholung und emotionaler Bindung lassen sich vergleichen, und wo endet der Vergleich?
- Quelle und Deutung: Begründe, warum ein britischer Propagandafilm von 1944 zugleich wertvolle historische Quelle und parteiischer Deutungsversuch ist.
- Coververgleich: Entwickle Kriterien, mit denen Du zwei Versionen desselben Liedes fair vergleichen kannst, ohne bloß Deinen persönlichen Geschmack zu bewerten.
- Form und Wirkung: Erkläre, weshalb ein kurzer, wiederholter Refrain mit chorischem Nachhall besonders erinnerbar sein kann.
- Urheberrechtlicher Transfer: Plane eine Unterrichtsseite zu einem anderen geschützten Lied. Entscheide, welche Materialien Du zitieren, verlinken, einbetten oder selbst neu erstellen würdest.
Lernnachweis
Für einen Lernnachweis zu diesem Thema solltest Du zeigen können, dass Du
- die Entstehung von Text, Vertonung und Aufnahme zeitlich unterscheiden kannst.
- die konkrete Aufnahme über Lale Andersen, Electrola EG 6993 und Matrize 0RA 4198-2 identifizieren kannst.
- mindestens drei belegte Besonderheiten der 1939er Aufnahme fachsprachlich erklärst.
- Melodie, Harmonik, Rhythmus, Gesang, Instrumentierung, Arrangement, Produktion und Form getrennt analysierst.
- Textthemen und Bildsprache ohne vollständige Liedtextwiedergabe erschließt.
- die Rolle des Soldatensenders Belgrad historisch einordnest.
- zwischen persönlicher Rezeption, Massenunterhaltung und propagandistischer Nutzung unterscheidest.
- zwei Aufnahmen anhand nachvollziehbarer Kriterien vergleichst.
- historische Bilder und Filme quellenkritisch einordnest.
- Medienlizenzen und urheberrechtliche Grenzen bei der Erstellung eigener Lernmaterialien beachtest.
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