Kulturlandschaft

Kulturlandschaft
Kulturlandschaft
Zielgruppe: Geographie, Klasse 7–10
Eine Kulturlandschaft ist eine Landschaft, deren Erscheinungsbild deutlich durch menschliche Nutzung geprägt ist. Landwirtschaft, Siedlungen, Verkehrswege, Rohstoffabbau, Tourismus oder Landschaftspflege verändern dabei natürliche Gegebenheiten wie Relief, Böden, Gewässer und Vegetation. Der Begriff ist wertneutral: Eine Kulturlandschaft muss weder besonders schön noch besonders naturnah sein. Auch Städte, Industriegebiete oder Tagebaue sind vom Menschen geprägte Landschaften.

Am Oberen Mittelrhein erkennt man das Zusammenspiel von Flusstal, Siedlungen, Verkehrswegen und Weinbau besonders gut.
Naturlandschaft und Kulturlandschaft
Als Naturlandschaft bezeichnet man Landschaften, die nur wenig oder nicht dauerhaft durch Menschen verändert wurden. In Mitteleuropa sind solche Räume selten. Meist begegnen Dir Kulturlandschaften, in denen natürliche Prozesse und menschliche Nutzung zusammenwirken.
Eine Landschaft wird zur Kulturlandschaft, wenn Menschen sie über längere Zeit nutzen und gestalten. Dabei entstehen typische Strukturen: Felder, Weiden, Weinberge, Hecken, Terrassen, Wege, Dörfer, Städte, Kanäle oder Abbauflächen.

Im Allgäu sind Siedlungen, Straßen, Grünland und landwirtschaftliche Nutzung mit dem Naturraum der Alpen verbunden.
Wodurch Kulturlandschaften geprägt werden
- Landwirtschaft: Ackerbau, Viehhaltung, Weinbau oder Obstbau verändern Vegetation, Böden und Flurformen.
- Siedlung: Dörfer und Städte schaffen Gebäude, Plätze, Versorgungsnetze und versiegelte Flächen.
- Verkehr: Straßen, Bahnlinien, Brücken und Wasserwege verbinden Orte und zerschneiden zugleich Landschaftsräume.
- Bergbau und Industrie: Rohstoffgewinnung und Produktionsanlagen können das Relief stark umformen.
- Tourismus: Wege, Hotels, Skipisten oder Aussichtspunkte verändern Nutzung und Wahrnehmung einer Landschaft.
- Landschaftspflege: Heckenpflege, Beweidung oder die Pflege von Streuobstwiesen kann historisch entstandene Landschaftsbilder erhalten.

Weinbergterrassen zeigen, wie Menschen Hänge für die Nutzung umformen. Mauern, Wege und Rebflächen werden zu sichtbaren Elementen der Kulturlandschaft.
Typische Formen und Beispiele
Agrarlandschaften entstehen vor allem durch Landwirtschaft. Große Ackerflächen wirken anders als kleinräumige Weide-, Hecken- oder Obstlandschaften. Auch Weinbaugebiete und Reisterrassen gehören dazu.

Die Reisterrassen von Banaue auf den Philippinen veranschaulichen, wie menschliche Arbeit Geländeformen an landwirtschaftliche Nutzung anpassen kann.
Historisch gewachsene Kulturlandschaften bewahren Spuren früherer Nutzungsweisen. Dazu gehören etwa traditionelle Weinberge, Heiden, Streuobstwiesen oder alte Flursysteme. Sie können zugleich Lebensräume für viele Tier- und Pflanzenarten sein.

Die Lüneburger Heide ist nicht einfach unberührte Natur. Ihre offenen Heideflächen wurden über lange Zeit durch menschliche Nutzung und Pflege mitgeprägt.
Siedlungs- und Industrielandschaften sind ebenfalls Kulturlandschaften. Hier sind menschliche Eingriffe besonders deutlich sichtbar.

Ein Tagebau verändert Relief, Wasserhaushalt, Böden und Nutzungsmöglichkeiten großräumig. Nach dem Abbau können durch Rekultivierung neue Landschaften entstehen.
Kulturlandschaften verändern sich
Kulturlandschaften sind keine starren Bilder. Sie verändern sich mit Technik, Wirtschaft, Bevölkerungsentwicklung und gesellschaftlichen Entscheidungen. Mechanisierung kann Felder vergrößern. Neue Wohn- und Gewerbegebiete können Freiflächen verkleinern. Verkehrsprojekte verändern Erreichbarkeit und Flächennutzung. Wenn traditionelle Nutzungen aufgegeben werden, können Wiesen verbuschen oder Terrassen zerfallen.
Auch der Klimawandel wirkt auf Kulturlandschaften. Trockenheit, Starkregen, veränderte Vegetationsperioden oder häufigere Hitzebelastung können Landwirtschaft, Wälder, Siedlungen und Tourismus beeinflussen.
In Flusstälern wie der Wachau verbinden sich Naturraum, Siedlung, Verkehr und Weinbau zu einer über lange Zeit entstandenen Kulturlandschaft.
Nutzung, Schutz und Konflikte
Kulturlandschaften erfüllen mehrere Funktionen gleichzeitig. Sie sind Lebens- und Wirtschaftsraum, Verkehrsraum, Erholungsraum und Lebensraum für Arten. Daraus entstehen Nutzungskonflikte. Ein neues Gewerbegebiet schafft Arbeitsplätze, beansprucht aber Fläche. Intensivere Landwirtschaft kann Erträge erhöhen, zugleich aber Hecken, Säume oder artenreiche Wiesen verdrängen. Tourismus kann Einkommen schaffen, aber Verkehr und Flächendruck verstärken.
Nachhaltige Landschaftsentwicklung versucht deshalb, ökologische, wirtschaftliche und soziale Interessen miteinander abzuwägen. Instrumente dafür sind zum Beispiel Raumplanung, Naturschutz, Denkmalschutz, Landschaftspflege und Beteiligungsverfahren.
Das UNESCO-Welterbe schützt auch bedeutende Kulturlandschaften. Das Obere Mittelrheintal wurde 2002 in die Welterbeliste aufgenommen. Seine Gestalt wird sowohl durch die natürlichen Bedingungen des engen Flusstals als auch durch Siedlungen, Verkehrswege und jahrhundertelange Landnutzung geprägt.
Eine Kulturlandschaft untersuchen
Wenn Du eine Landschaft untersuchst, trenne zuerst Beobachtung und Deutung. Beschreibe, was Du wirklich siehst, und erkläre erst danach mögliche Ursachen.
- Landschaftselemente erkennen: Relief, Gewässer, Vegetation, Felder, Gebäude und Verkehrswege benennen.
- Nutzungen zuordnen: Landwirtschaft, Wohnen, Verkehr, Industrie, Freizeit oder Naturschutz unterscheiden.
- Veränderungen untersuchen: alte und neue Karten, Fotos oder Luftbilder vergleichen.
- Interessen vergleichen: fragen, wer die Landschaft wie nutzt und welche Folgen daraus entstehen.
- Bewerten: Maßnahmen danach prüfen, welche ökologischen, sozialen und wirtschaftlichen Wirkungen sie haben.
Quellen und Vertiefung
- Wikipedia: Kulturlandschaft
- Deutsche UNESCO-Kommission: Oberes Mittelrheintal
- Deutsche UNESCO-Kommission: Welterbe
Interaktive Aufgaben
Quiz: Teste Dein Wissen
Was kennzeichnet eine Kulturlandschaft? (Sie ist deutlich durch menschliche Nutzung geprägt) (!Sie besteht ausschließlich aus unberührter Natur) (!Sie darf keine Siedlungen enthalten) (!Sie entsteht nur durch Vulkanismus)
Welche Fläche ist ein typisches Element einer Agrarlandschaft? (Acker) (!Gletscher) (!Packeis) (!Tiefseegraben)
Warum ist der Begriff Kulturlandschaft wertneutral? (Auch Städte und Tagebaue können Kulturlandschaften sein) (!Nur besonders schöne Landschaften heißen so) (!Nur geschützte Landschaften heißen so) (!Nur historische Landschaften heißen so)
Welche Nutzung kann Weinbergterrassen formen? (Weinbau) (!Hochseefischerei) (!Raumfahrt) (!Tiefseebergbau)
Was zeigt Landschaftswandel? (Dass Kulturlandschaften sich im Laufe der Zeit verändern) (!Dass Landschaften immer gleich bleiben) (!Dass nur das Wetter Landschaften verändert) (!Dass menschliche Nutzung keine Wirkung hat)
Welche Aussage zur Lüneburger Heide ist richtig? (Ihre offenen Heideflächen wurden durch Nutzung und Pflege mitgeprägt) (!Sie ist vollständig frei von menschlichem Einfluss) (!Sie entstand ausschließlich durch Stadtwachstum) (!Sie ist eine reine Industrielandschaft)
Was ist ein möglicher Nutzungskonflikt? (Wohnungsbau beansprucht Fläche, die auch anders genutzt werden könnte) (!Ein Fluss fließt bergab) (!Ein Berg wirft einen Schatten) (!Im Winter sind Tage kürzer)
Welche Maßnahme kann eine historische Kulturlandschaft erhalten? (Landschaftspflege) (!Vollständige Versiegelung) (!Abtragen aller Hecken) (!Stilllegen aller Wege ohne Pflege)
Was sollte bei einer Landschaftsanalyse zuerst geschehen? (Sichtbare Landschaftselemente beschreiben) (!Sofort ein Werturteil fällen) (!Nur Vermutungen notieren) (!Alle menschlichen Einflüsse ignorieren)
Welches Ziel verfolgt nachhaltige Landschaftsentwicklung? (Ökologische, soziale und wirtschaftliche Interessen abzuwägen) (!Nur eine einzige Nutzung durchzusetzen) (!Jede Veränderung grundsätzlich zu verhindern) (!Alle Landschaften gleich zu gestalten)
Memory
| Kulturlandschaft | durch menschliche Nutzung geprägte Landschaft |
| Weinbergterrasse | Nutzung eines Hanges für Weinbau |
| Streuobstwiese | Obstbäume mit Grünlandnutzung |
| Tagebau | großräumige Rohstoffgewinnung an der Erdoberfläche |
| Landschaftspflege | Erhalt bestimmter Landschaftsstrukturen durch gezielte Maßnahmen |
| Raumplanung | Abstimmung unterschiedlicher Flächennutzungen |
| Nutzungskonflikt | konkurrierende Ansprüche an denselben Raum |
Drag and Drop
| Ordne die richtigen Begriffe zu. | Thema |
|---|---|
| Weinbau | Weinbergterrasse |
| Obstbau | Streuobstwiese |
| Rohstoffgewinnung | Tagebau |
| Siedlungsentwicklung | Wohngebiet |
| Landschaftspflege | Heidefläche |
...
Kreuzworträtsel
| Terrassen | Wie heißen stufenartig angelegte Flächen an Hängen? |
| Siedlung | Welcher Begriff bezeichnet einen dauerhaft bewohnten Ort? |
| Weinbau | Welche landwirtschaftliche Nutzung prägt viele Hänge am Mittelrhein? |
| Bergbau | Welche Nutzung gewinnt mineralische Rohstoffe aus dem Untergrund oder Tagebau? |
| Heide | Welche offene Landschaftsform wird in der Lüneburger Region durch Pflege erhalten? |
| Raumplanung | Welcher Begriff bezeichnet die räumliche Abstimmung verschiedener Nutzungsansprüche? |
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Lückentext
Offene Aufgaben
Leicht
- Landschaftselemente: Fotografiere oder skizziere eine Landschaft in Deiner Umgebung und markiere fünf natürliche und fünf vom Menschen geprägte Elemente.
- Landnutzung: Erstelle eine kleine Tabelle mit Nutzungen, die Du auf Deinem Schulweg beobachtest.
- Bildvergleich: Suche zwei Fotos derselben Landschaft aus unterschiedlichen Zeiten und beschreibe drei sichtbare Veränderungen.
- Begriffsnetz: Gestalte ein Begriffsnetz mit Kulturlandschaft, Siedlung, Landwirtschaft, Verkehr, Naturraum und Landschaftspflege.
Standard
- Landschaftsanalyse: Untersuche ein Luftbild Deiner Region nach Relief, Vegetation, Siedlung, Verkehr und Landnutzung.
- Streuobstwiese: Recherchiere, warum Streuobstwiesen gleichzeitig Nutzflächen und Lebensräume sein können, und gestalte ein Lernplakat.
- Nutzungskonflikt: Entwickle ein Rollenspiel zu einem geplanten Neubaugebiet mit mindestens vier unterschiedlichen Interessengruppen.
- Exkursion: Plane einen Rundgang durch eine lokale Kulturlandschaft und formuliere sechs Beobachtungsaufträge für Deine Lerngruppe.
Schwer
- Landschaftswandel: Vergleiche historische und aktuelle Karten eines Ortes und erkläre Ursachen sowie Folgen der wichtigsten Veränderungen.
- Raumplanung: Entwirf für eine Beispielregion einen Plan, der Wohnen, Landwirtschaft, Naturschutz, Verkehr und Erholung miteinander verbindet.
- Interview: Befrage eine Person aus Landwirtschaft, Naturschutz, Kommunalplanung oder Tourismus dazu, wie sich die Landschaft in den letzten Jahrzehnten verändert hat.
- Nachhaltigkeit: Produziere ein kurzes Video oder einen Podcast, in dem Du zwei Maßnahmen für eine nachhaltige Entwicklung einer Kulturlandschaft begründet vergleichst.


Lernkontrolle
- Landschaftsanalyse: Erkläre an einem selbst gewählten Beispiel, wie Naturraum und menschliche Nutzung gemeinsam das heutige Landschaftsbild erzeugen.
- Landschaftswandel: Zeige an einer Veränderung, welche Folgen sie für mindestens zwei Nutzungsgruppen und für die Umwelt haben kann.
- Nutzungskonflikt: Entwickle einen Lösungsvorschlag für den Konflikt zwischen neuer Siedlungsfläche und dem Erhalt einer historischen Kulturlandschaft.
- Nachhaltigkeit: Prüfe eine Maßnahme wie Heckenpflanzung, Flächenentsiegelung oder Pflege von Weinbergterrassen nach ökologischen, sozialen und wirtschaftlichen Wirkungen.
- Raumplanung: Begründe, warum Entscheidungen über Verkehrswege, Landwirtschaft und Naturschutz nicht unabhängig voneinander getroffen werden sollten.
- Kulturerbe: Erkläre, warum eine Kulturlandschaft schützenswert sein kann, obwohl sie nicht unberührte Natur ist.
Lernnachweis
Für einen Lernnachweis solltest Du zeigen, dass Du den Begriff Kulturlandschaft sicher verwendest und Landschaften nicht nur beschreibst, sondern Zusammenhänge erklären kannst.
- Begriffe: Kulturlandschaft, Naturlandschaft, Landnutzung, Landschaftswandel und Nutzungskonflikt fachlich richtig erklären.
- Analyse: natürliche und vom Menschen geschaffene Landschaftselemente unterscheiden und ihr Zusammenwirken beschreiben.
- Ursache und Wirkung: erklären, wie Landwirtschaft, Siedlung, Verkehr, Bergbau oder Tourismus Landschaften verändern.
- Vergleich: unterschiedliche Kulturlandschaften anhand geeigneter Merkmale gegenüberstellen.
- Bewertung: bei Nutzungskonflikten mehrere Interessen berücksichtigen und begründete nachhaltige Lösungsansätze entwickeln.
- Transfer: das Gelernte auf eine unbekannte Landschaft oder die eigene Region anwenden.
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