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Gedicht - Der Unerwartete - Baudelaire, Charles

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Deutsche Übersetzung · Lesefassung

Der Unerwartete

Baudelaire, Charles

An seines Vaters Bett, der ächzt in Todesqual, · 52 Verse. Mit Quell- und Lesefassung, zitiergestütztem Lesequiz und offenen Schreibaufgaben.

GedichtKlasse 9–10 · 11–131 Abschnitte
Historische Darstellung von Baudelaire, Charles; Kontextbild zur Autorschaft.
Porträt · Baudelaire, Charles · Gustave Courbet · Public domain Bildquelle ↗

Deutsche Übersetzung: Wolf von Kalckreuth

Hinweise für den Unterricht
  • Historische Sprache und Wertvorstellungen im Unterricht kritisch einordnen. Die Stufenzuordnung ist eine Orientierung; Auswahl und Begleitung richten sich nach der Lerngruppe.

Behutsam angepasste Schreibweise nach einer begrenzten Wortliste. Mehrdeutige Formen, erfasste Namen, Sprechernamen, Bühnenanweisungen, Überschriften und Anmerkungen bleiben unverändert. Keine vollständige redaktionelle Überarbeitung nach heutiger Rechtschreibung. Für wortgetreue Quellenzitate die Quellfassung wählen.

Abschnitt 1 von 1

Der Unerwartete

1
Der Unerwartete.
Vorlage S. 72
2
An seines Vaters Bett, der ächzt in Todesqual,
Vorlage S. 72
3
Spricht sinnend Harpagon vor diesen spitzen Zügen:
Vorlage S. 72
4
Im Speicher haben in genügend großer Zahl
Vorlage S. 72
5
Wir alte Bretter doch liegen?
Vorlage S. 72
6
Und Celimene gurrt: Mein Herz ist gut und weich,
Vorlage S. 72
7
Und Schönheit gab mir Gott, die mir gar lieb und teuer.
Vorlage S. 72
8
Ihr Herz! Ein hartes Herz, verrauchtem Schinken gleich,
Vorlage S. 72
9
Verdorrt in dem ewigen Feuer.
Vorlage S. 72
10
Ein stumpfer Schreiber, der für einen Geist sich hält,
Vorlage S. 72
11
Sagt zu dem Armen, den er stieß in Wind und Wetter:
Vorlage S. 72
12
Sag an, wo siehst du ihn, den Schöpfer deiner Welt,
Vorlage S. 72
13
Deinen gütigen Herrn und Erretter?
Vorlage S. 72
14
Wohl mehr als alle Welt kenn einen Wüstling ich,
Vorlage S. 72
15
Der, gähnend Tag und Nacht, mit kläglichen Gebärden
Vorlage S. 72
16
Gelobt, der schwache Narr: Ach glaubt mir, sicherlich
Vorlage S. 72
17
Will ich morgen tugendhaft werden.
Vorlage S. 72
18
»Nun ist der Frevler reif« tickt unheilvoll die Uhr,
Vorlage S. 72
19
Umsonst, dass warnend ichs dem kranken Fleische sagte,
Vorlage S. 72
20
Der Mensch ist taub und blind, so schwach sind Mauern nur,
Vorlage S. 72
21
Die ein Wurm bewohnt' und zernagte.
Vorlage S. 72
22
Und jäh ist Einer da, der stets geleugnet ward,
Vorlage S. 73
23
Und spricht mit stolzem Hohn: »Glaubt nicht, dass ich vergesse,
Vorlage S. 73
24
Wie um die Hostie ihr euch freudig oft geschart,
Vorlage S. 73
25
Zur Feier der schwarzen Messe!
Vorlage S. 73
26
Ein jeglicher von euch gab mir sein Herz zum Thron,
Vorlage S. 73
27
Verruchte, ihr seid mein, durch Küsse tiefabscheulich.
Vorlage S. 73
28
Lernt Satan kennen nun an seinem Siegerhohn,
Vorlage S. 73
29
Wie die Welt gigantisch und greulich!
Vorlage S. 73
30
Bestürztes Heuchlerpack! Wer ist, der glauben kann,
Vorlage S. 73
31
Dass man den Herren höhnt und fängt in einem Netze,
Vorlage S. 73
32
Und dass der Mensch zugleich zwei Preise je gewann,
Vorlage S. 73
33
Den Himmel und irdische Schätze?
Vorlage S. 73
34
Es ziemt sich, dass das Wild bezahlt den Jäger macht,
Vorlage S. 73
35
Der auf dem Anstand lang gelauert auf die Beute,
Vorlage S. 73
36
Nun trage ich euch fort durch sonnenleere Nacht,
Vorlage S. 73
37
Meiner traurigen Lust Geleite,
Vorlage S. 73
38
Durch Erde und Gefels, durch mitternächtges Graun,
Vorlage S. 73
39
Durch einen Aschenhauf zerfallener Gebeine
Vorlage S. 73
40
In mein gewaltig Schloß, aus einem Block gehaun,
Vorlage S. 73
41
Und nicht aus sänftlichem Steine.
Vorlage S. 73
42
Denn ewge Sünde schuf den Bau, und er enthält
Vorlage S. 74
43
Mein Leiden und den Gram, der meinem Stolz verbündet!«
Vorlage S. 74
44
Indes drommetet hoch ob der erstarrten Welt
Vorlage S. 74
45
Ein Engel, der Sieg verkündet,
Vorlage S. 74
46
Von allen, deren Brust des Herren Geißel preist
Vorlage S. 74
47
Und ausruft: Meinen Schmerz schickt, Vater, deine Gnade!
Vorlage S. 74
48
Kein eitel Spielzeug ist in deiner Hand mein Geist,
Vorlage S. 74
49
Unerforschlich sind deine Pfade.
Vorlage S. 74
50
Wie die Trompete süß und feierlich erklingt,
Vorlage S. 74
51
Zur Himmelsernte der geweihten Dämmerungen,
Vorlage S. 74
52
Dass mit Verzückung sie ein jedes Herz durchdringt,
Vorlage S. 74
53
Dessen Loblied sie gesungen.
Vorlage S. 74

Nach dem Lesen

Dein Blick auf das Kapitel

10er-QuizZitate verstehen · Zusammenhänge erkennen · Lernpunkte sammeln10 Fragen

Eine Antwort ist jeweils richtig. Lies den Textbeleg aufmerksam. Bei einer falschen Antwort kannst du es erneut versuchen.

Angemeldet zählen richtige Antworten für deinen Lernstand. Als Gast übst du ohne Kontopunkte.

Je Frage sind beim ersten Versuch 10 Punkte möglich, danach 5, 3 oder 1. Bereits gelöste Fragen bleiben zum Üben verfügbar.

5. Wie geht dieser Textausschnitt im Kapitel unmittelbar weiter? Ergänze den genauen Wortlaut. »Ein jeglicher von euch gab …«

Eine Antwort ist richtig.

Textstelle 1 ↗ Textstelle 2 ↗ Textstelle 3 ↗ Textstelle 4 ↗

6. In welcher Reihenfolge stehen diese drei Ausschnitte im Kapitel? Gemeint ist ihre Reihenfolge im Text, nicht die Zeit der erzählten Ereignisse. A: »Der auf dem Anstand lang gelauert auf die Beute,« B: »Spricht sinnend Harpagon vor diesen spitzen Zügen:« C: »Umsonst, dass warnend ichs dem kranken Fleische sagte,«

Eine Antwort ist richtig.

Textstelle 1 ↗ Textstelle 2 ↗ Textstelle 3 ↗

7. Wie geht dieser Textausschnitt im Kapitel unmittelbar weiter? Ergänze den genauen Wortlaut. »Der auf dem Anstand lang gelauert auf die Beute, Nun trage ich …«

Eine Antwort ist richtig.

Textstelle 1 ↗ Textstelle 2 ↗ Textstelle 3 ↗ Textstelle 4 ↗ Textstelle 5 ↗ Textstelle 6 ↗ Textstelle 7 ↗ Textstelle 8 ↗

9. Welches Wort steht an der markierten Stelle? Achte auf die Bedeutung im Zusammenhang und prüfe den genauen Wortlaut. »Und […] gab mir Gott, die mir gar lieb und teuer.«

Eine Antwort ist richtig.

Textstelle 1 ↗ Textstelle 2 ↗ Textstelle 3 ↗ Textstelle 4 ↗
Aufgaben zum TextVerstehen, begründen und mit Textstellen arbeiten · ohne Punkte

1. Beschreibe die Sprechsituation. Was erfährst du über Stimme, angesprochene Person und Umgebung? Belege zwei Beobachtungen mit kurzen Zitaten.

Impulse zur Selbstprüfung

Unterscheide die lyrische Stimme von der biografischen Person. Wo der Text keine eindeutige Angabe macht, formuliere eine begründete Vermutung.

Textstelle nachlesen ↗

2. Untersuche zwei sprachliche Bilder, Wiederholungen oder Klangwirkungen. Welche Wirkung ist an den jeweiligen Stellen plausibel?

Impulse zur Selbstprüfung

Nenne jeweils Vers oder Absatz und Wortlaut; Deutungen können sich unterscheiden, müssen aber zum Text passen.

Textstelle nachlesen ↗

3. Formuliere eine Deutungshypothese und eine mögliche Gegenlesart. Welche Stelle stützt oder begrenzt deine Deutung?

Impulse zur Selbstprüfung

Trenne Textbeobachtung und Interpretation. Eine begründete Gegenlesart ist kein automatisch falsches Ergebnis.

Textstelle nachlesen ↗
Kreativ schreibenDrei Anregungen in drei Niveaustufen · ohne Punkte

Wähle die Anregung, die zu dir passt. Deine eigene Fassung bleibt klar vom Originaltext getrennt.

Niveau 1 · Einstieg

1. Wähle zwei Wörter aus dem Gedicht. Schreibe damit vier eigene Verse. Du kannst mit „Ich sehe …“ oder „Ich höre …“ beginnen. Reime sind freiwillig.

Impulse zur Selbstprüfung

Mehrere Lösungen sind möglich. Kennzeichne den neuen Text als eigene Bearbeitung; belege deine Entscheidungen mit dem Gedicht.

  • Zwei Wörter aus der Vorlage werden aufgegriffen.
  • Eigene Verse und übernommene Zitate sind unterscheidbar.
Textstelle nachlesen ↗

Niveau 2 · Vertiefung

2. Schreibe eine eigene Strophe aus einer anderen Perspektive. Übernimm ein sprachliches Bild und verändere es bewusst. Erkläre anschließend kurz, was sich an der Wirkung ändert.

Impulse zur Selbstprüfung

Mehrere Lösungen sind möglich. Kennzeichne den neuen Text als eigene Bearbeitung; belege deine Entscheidungen mit dem Gedicht.

  • Die neue Perspektive ist erkennbar.
  • Ein genauer Textbeleg begründet die Gestaltung.
Textstelle nachlesen ↗

Niveau 3 · Gestaltung

3. Entwirf ein Antwortgedicht mit einer Gegenposition oder einer heutigen Situation. Begründe zwei sprachliche Entscheidungen mit kurzen Zitaten aus der Vorlage. Unterscheide eigene Deutung und belegbare Beobachtung.

Impulse zur Selbstprüfung

Mehrere Lösungen sind möglich. Kennzeichne den neuen Text als eigene Bearbeitung; belege deine Entscheidungen mit dem Gedicht.

  • Die Antwort setzt sich mit konkreten Stellen auseinander.
  • Zwei korrekt gekennzeichnete Zitate stützen die Begründung.
Textstelle nachlesen ↗

Ausgabe, Herkunft und Rechte

Autorenschaft und Übersetzung nach dokumentierten Lebensdaten in Deutschland gemeinfrei. Quellenedition mit Namensnennung übernommen.

Der Unerwartete

Baudelaire, Charles: Blumen des Bösen. Übers. v. Wolf v. Kalckreuth, Leipzig: Insel-Verlag, 1907. Baudelaire, Charles 72- Leipzig

TextGrid, www.editura.de; Digitale Bibliothek. Die historischen Texte und Übersetzungen bleiben unverändert in der Quellfassung.

Quelltext und Ausgabe ↗ · Originaltext gemeinfrei in Deutschland; annotierte TextGrid-Ausgabe CC BY 3.0 DE Lizenz

Welche Änderungen enthält die Lesefassung?

Explizite Wortliste statt allgemeiner Such-und-Ersetz-Regeln. Jede Änderung ist mit Kapitel, Absatz, Quellposition und Regel dokumentiert. Erfasste Namen und bekannte mehrdeutige Formen bleiben ausgespart; dies ist keine automatische vollständige Namenserkennung. Grundlage für s/ss/ß: Amtliches Regelwerk 2024, §§ 2, 5 und 25. Die unveränderte Quellfassung bleibt verfügbar.