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Der Sturm auf die Bastille - Geschichte

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Der Sturm auf die Bastille - Geschichte



Der Sturm auf die Bastille - Geschichte


Einleitung

Der Sturm auf die Bastille am 14. Juli 1789 gehört zu den bekanntesten Ereignissen der Französischen Revolution. In Paris nahmen bewaffnete Einwohner, unterstützt von übergelaufenen Soldaten der Gardes françaises, die königliche Festung und das Staatsgefängnis Bastille ein. Militärisch war die Anlage zu diesem Zeitpunkt nur begrenzt bedeutend. Politisch und symbolisch wirkte ihr Fall jedoch weit über Paris hinaus: Die Bastille stand für die willkürliche Herrschaft des Ancien Régime, für königliche Haftbefehle und für die Macht einer Monarchie, die sich nicht gegenüber einer Verfassung verantworten musste.

In diesem aiMOOC untersuchst Du nicht nur, was am 14. Juli 1789 geschah. Du fragst auch, warum die Lage eskalierte, wer handelte, wie zeitgenössische Bilder das Ereignis deuteten und weshalb aus einem lokalen Kampf ein global bekanntes Symbol der politischen Freiheit wurde. Dabei lernst Du, zwischen Ereignis, späterer Erinnerung und revolutionärem Mythos zu unterscheiden.

Der Kurs ist für die gymnasiale Oberstufe, die Ausbildung und das Studienfach Geschichte geeignet. Er verbindet Ereignisgeschichte, Strukturgeschichte, Quellenkritik, Bildanalyse, Erinnerungskultur und geschichtswissenschaftliche Urteilsbildung.


Kursprofil und Lernziele

Bereich Schwerpunkt
Studienfach Geschichte, besonders Geschichte der Neuzeit, Revolutionsgeschichte und Europäische Geschichte
Niveau Sekundarstufe II, berufliche Bildung und einführendes Hochschulstudium
Leitfrage Wie wurde aus der Einnahme einer Festung ein Symbol für den Zusammenbruch königlicher Autorität?
Methoden Quellenkritik, Bildinterpretation, Multiperspektivität, Chronologie, Kausalitätsanalyse und historisches Urteil
Kompetenzen Ereignisse rekonstruieren, Ursachen gewichten, Darstellungen prüfen, Mythen dekonstruieren und Erinnerungskultur analysieren

Nach der Bearbeitung kannst Du:

  1. Ursachen des Sturms auf die Bastille auf struktureller, politischer und situativer Ebene unterscheiden.
  2. Den Ablauf vom Zusammentritt der Generalstände bis zum 14. Juli 1789 chronologisch einordnen.
  3. Interessen und Handlungsspielräume verschiedener Akteure beurteilen.
  4. Zeitgenössische Bildquellen auf Perspektive, Inszenierung und Aussageabsicht untersuchen.
  5. Die unmittelbaren und langfristigen Folgen des Ereignisses erläutern.
  6. Den Unterschied zwischen historischer Rekonstruktion, revolutionärer Propaganda und nationaler Erinnerung erklären.
  7. Ein begründetes Sachurteil und Werturteil formulieren.


Historischer Hintergrund


Das Ancien Régime und die Ständegesellschaft

Frankreich war vor 1789 eine Ständegesellschaft. Der erste Stand umfasste den Klerus, der zweite den Adel, der dritte Stand alle übrigen Gruppen: wohlhabende Kaufleute, Juristen, Handwerker, Stadtarme und die große Mehrheit der bäuerlichen Bevölkerung. Die Stände unterschieden sich durch Rechte, soziale Stellung und Abgabenlast. Privilegierte Gruppen waren von wichtigen direkten Steuern teilweise oder weitgehend befreit, während der dritte Stand einen großen Teil der staatlichen und feudalen Lasten trug.

Der Begriff Absolutismus beschreibt den Anspruch der Monarchie auf eine starke, zentralisierte Herrschaft. In der politischen Praxis war die Macht des Königs jedoch durch regionale Rechte, Gerichte, Privilegien und die Finanznot des Staates begrenzt. Gerade diese Mischung aus hohem Herrschaftsanspruch und geringer Reformfähigkeit verschärfte die Krise.


Staatsverschuldung, Steuerkrise und Versorgungskrise

Der französische Staat war hoch verschuldet. Kriege, der kostspielige Hof, eine ineffiziente Steuererhebung und die Unterstützung der nordamerikanischen Kolonien im Amerikanischen Unabhängigkeitskrieg hatten die Finanzlage verschärft. Reformversuche scheiterten wiederholt am Widerstand privilegierter Gruppen und politischer Institutionen.

Zur Finanzkrise kam eine schwere Versorgungskrise. Schlechte Ernten in den späten 1780er Jahren ließen die Brotpreise steigen. Da viele Haushalte einen großen Teil ihres Einkommens für Brot ausgaben, bedrohte die Teuerung unmittelbar ihre Existenz. Wirtschaftliche Not führte nicht automatisch zur Revolution, doch sie machte politische Konflikte explosiver.


Aufklärung und neue politische Sprache

Denker der Aufklärung kritisierten überkommene Privilegien, religiöse Intoleranz und unkontrollierte Herrschaft. Begriffe wie Volkssouveränität, Gewaltenteilung, Naturrecht, Freiheit und Gleichheit boten eine neue Sprache, mit der politische Forderungen formuliert werden konnten. Die Revolution entstand nicht einfach aus philosophischen Ideen. Doch diese Ideen halfen Akteuren, die Krise als Kampf um eine neue politische Ordnung zu verstehen.


Von den Generalständen zur revolutionären Krise


Einberufung der Generalstände

König Ludwig XVI. berief für den 5. Mai 1789 die Generalstände nach Versailles ein. Sie waren seit 1614 nicht mehr zusammengetreten. Jede gesellschaftliche Gruppe sollte Beschwerden und Reformwünsche in sogenannten Cahiers de Doléances festhalten. Streit entstand vor allem über das Abstimmungsverfahren: Sollten die drei Stände jeweils eine Stimme haben oder sollten alle Abgeordneten nach Köpfen abstimmen? Eine Abstimmung nach Ständen hätte Klerus und Adel trotz ihrer zahlenmäßigen Minderheit begünstigt.


Nationalversammlung und Ballhausschwur

Am 17. Juni 1789 erklärten sich die Abgeordneten des dritten Standes mit Unterstützern aus anderen Ständen zur Nationalversammlung. Sie beanspruchten, die Nation zu vertreten. Am 20. Juni schworen sie im Ballhausschwur, nicht auseinanderzugehen, bevor Frankreich eine Verfassung erhalten habe. Aus einer Finanzkrise war damit ein offener Konflikt über die Quelle politischer Souveränität geworden.

Am 27. Juni forderte der König die verbliebenen Abgeordneten der privilegierten Stände auf, sich der Versammlung anzuschließen. Gleichzeitig wurden Truppen um Paris und Versailles zusammengezogen. Viele Pariser deuteten dies als Vorbereitung eines gewaltsamen Vorgehens gegen die Nationalversammlung.


Die Entlassung Neckers und die Mobilisierung in Paris

Der populäre Finanzminister Jacques Necker wurde am 11. Juli 1789 entlassen. Als sich die Nachricht am 12. Juli in Paris verbreitete, rief der Journalist und Anwalt Camille Desmoulins im Palais-Royal zum Widerstand auf. Demonstrationen, Gerüchte und Zusammenstöße verstärkten die Angst vor einer königlichen Gegenrevolution.

Am 13. Juli organisierten Pariser Wahlmänner ein städtisches Komitee. Bürger bewaffneten sich und bildeten eine Miliz, aus der bald die Nationalgarde hervorging. Zugleich kam es zu Plünderungen von Waffenlagern und zur Suche nach Gewehren, Pulver und Munition. Die Stadt befand sich in einem Machtvakuum: Die königliche Verwaltung verlor Kontrolle, während neue revolutionäre Institutionen noch nicht gefestigt waren.


Die Bastille als Bauwerk und Herrschaftssymbol


Von der Stadtfestung zum Staatsgefängnis

Die Bastille war im späten 14. Jahrhundert als befestigtes Stadttor im Osten von Paris entstanden. Mit acht massiven Türmen, hohen Mauern, Wassergräben und Zugbrücken wirkte sie wie eine uneinnehmbare Festung. Später diente sie als königliches Gefängnis.

Besonders berüchtigt waren die Lettres de cachet, königliche Haftbefehle, mit denen Personen ohne reguläres Gerichtsverfahren festgesetzt werden konnten. Die Haftbedingungen waren nicht für alle Gefangenen gleich und die tatsächliche Zahl der Insassen war im 18. Jahrhundert meist gering. Dennoch stand die Bastille in der politischen Öffentlichkeit für geheime Inhaftierung und unkontrollierte königliche Macht.


Militärische und symbolische Bedeutung im Juli 1789

Am 14. Juli war die Bastille weder das wichtigste Gefängnis noch die stärkste militärische Stellung Frankreichs. Sie war jedoch ein befestigtes Pulvermagazin mitten in einer aufgewühlten Hauptstadt. In der Festung lagerten große Mengen Schießpulver, die zu den zuvor erbeuteten Gewehren benötigt wurden.

Die Besatzung bestand aus 82 älteren oder dienstbeschränkten Soldaten der Invalidenkompanie und 32 Schweizer Soldaten des Regiments Salis-Samade. Kommandant war Bernard-René Jordan de Launay. Die sichtbaren Kanonen und die Festungsarchitektur machten die Bastille für die Menschen vor Ort zugleich zu einer realen Gefahr und zu einem verdichteten Zeichen des königlichen Zwangs.


Der 14. Juli 1789: Rekonstruktion des Ereignisses


Waffen im Hôtel des Invalides

Am Morgen des 14. Juli zogen große Menschenmengen zum Hôtel des Invalides. Dort erbeuteten sie zehntausende Gewehre und einige Geschütze. Es fehlte jedoch an Schießpulver. Die Suche richtete sich deshalb auf die Bastille.

Diese Reihenfolge ist wichtig: Das unmittelbare Ziel vieler Beteiligter war zunächst nicht die Befreiung politischer Gefangener, sondern die militärische Sicherung von Waffen und Munition. Erst die Verbindung von materieller Notwendigkeit, Gerüchten, politischer Angst und der Symbolkraft der Festung machte die Situation revolutionär.


Verhandlungen vor der Festung

Abordnungen aus Paris verlangten die Herausgabe des Pulvers, den Abzug der Kanonen und teilweise die Übergabe der Festung. De Launay verhandelte, zögerte aber. Die Situation war unübersichtlich: Vor der Bastille drängten Menschen, während Abgesandte im Inneren und außerhalb unterschiedliche Forderungen übermittelten.

Als Menschen in den äußeren Hof gelangten und Zugbrücken fielen, begann ein Feuergefecht. Wer den ersten Schuss abgab, ist in den Quellen nicht zweifelsfrei festzustellen. Historische Rekonstruktion muss deshalb Unsicherheit sichtbar machen, statt eine dramatische, aber unbelegte Eindeutigkeit zu behaupten.


Kampf, Eingreifen der Gardes françaises und Kapitulation

Die Verteidiger konnten aus erhöhter und geschützter Position feuern. Unter den Angreifern gab es hohe Verluste. Der Kampf änderte sich, als übergelaufene Soldaten der Gardes françaises mit militärischer Erfahrung und Geschützen eintrafen. Damit drohte der Festung eine ernsthafte Beschießung.

Am späten Nachmittag kapitulierte de Launay. Er hoffte auf freien Abzug für die Besatzung. Die Menge drang in die Bastille ein. Zeitgenössische Berichte und spätere Darstellungen weichen in Einzelheiten voneinander ab, doch der zentrale Befund ist eindeutig: Eine königliche Festung war von bewaffneten Bürgern und übergelaufenen Soldaten eingenommen worden.


Gewalt nach der Übergabe

De Launay wurde auf dem Weg zum Pariser Rathaus getötet und anschließend enthauptet. Auch der Pariser Stadtvorsteher Jacques de Flesselles wurde getötet. Mehrere Angehörige der Besatzung starben nach der Kapitulation.

Die Gewalt war nicht bloß ein Randereignis. Sie zeigt, dass revolutionäre Selbstermächtigung, Angst, Vergeltung und öffentliche Inszenierung eng miteinander verbunden waren. Das Herumtragen abgeschlagener Köpfe auf Piken sollte Macht sichtbar umkehren: Vertreter der alten Ordnung wurden zum Zeichen ihrer Niederlage gemacht. Eine historische Analyse darf diese Gewalt weder verharmlosen noch isoliert vom vorausgegangenen Schusswechsel und der politischen Krise betrachten.


Tote und Verwundete

Die Zahlen schwanken je nach Quelle und Zählweise. Häufig werden etwa 90 bis 100 getötete Angreifer genannt; weitere starben später an ihren Verletzungen. Zahlreiche Menschen wurden verwundet. Auf Seiten der Besatzung fiel während des Kampfes wahrscheinlich nur ein Verteidiger, doch mehrere wurden nach der Übergabe getötet.

Die ungleichen Verluste erklären sich durch die starke Verteidigungsposition der Festung. Sie unterstreichen zugleich, dass die verbreitete Vorstellung eines fast mühelosen Volkssturms irreführend ist.


Die sieben Gefangenen und ein verbreiteter Mythos

In der Bastille wurden am 14. Juli sieben Gefangene angetroffen: vier wegen Urkunden- oder Geldfälschung Inhaftierte, zwei psychisch erkrankte Männer und ein Adliger, der auf Betreiben seiner Familie festgesetzt worden war. Die geringe Zahl überrascht, weil spätere Bilder und Erzählungen die Bastille häufig als überfülltes Zentrum des Schreckens darstellten.

Der Schriftsteller Marquis de Sade war am Tag des Sturms nicht mehr dort. Er war bereits am 4. Juli in die Anstalt von Charenton verlegt worden. Die gegenteilige Behauptung ist ein Beispiel dafür, wie berühmte Namen nachträglich mit einem symbolisch aufgeladenen Ereignis verbunden werden.

Die Bedeutung des 14. Juli lässt sich deshalb nicht an der Zahl der Befreiten messen. Entscheidend war, dass Bürger eine Festung des Königs eroberten und damit zeigten, dass königliche Gewalt nicht mehr unangefochten war.


Akteure und Perspektiven


Die Pariser Bevölkerung

Die Angreifer bildeten keine einheitliche soziale Gruppe. Unter ihnen waren Handwerker, Ladenbesitzer, Lohnarbeiter, Angehörige der städtischen Mittelschichten und andere Bewohner der Pariser Viertel. Manche handelten aus politischer Überzeugung, andere aus Angst vor Truppen, aus Sorge um Brot und Sicherheit oder aus dem Wunsch, die Stadt zu bewaffnen.

Die Bezeichnung „Volk“ kann diese Vielfalt verdecken. Geschichtswissenschaftlich ist deshalb zu fragen, welche Gruppen konkret beteiligt waren, wer Entscheidungen traf und wer später im Namen des Volkes sprach.


Übergelaufene Soldaten

Die Gardes françaises waren reguläre Soldaten, die in Paris stationiert waren. Teile von ihnen verweigerten königliche Befehle und unterstützten die Aufständischen. Ihre militärische Erfahrung und ihre Geschütze waren für die Einnahme der Bastille entscheidend.

Der Sturm war somit weder ausschließlich eine spontane Massenaktion noch ein rein militärischer Putsch. Er entstand aus dem Zusammenwirken ziviler Mobilisierung, kommunaler Organisation und militärischer Desertion.


De Launay und die Besatzung

Kommandant de Launay stand vor einem Dilemma. Er sollte eine königliche Festung halten, verfügte aber über eine kleine Besatzung und konnte nicht sicher auf Entsatz hoffen. Eine sofortige Übergabe hätte als Pflichtverletzung gegolten; langes Widerstehen erhöhte die Zahl der Toten und die Gefahr der Rache.

Diese Perspektive entschuldigt keine Handlung automatisch. Sie hilft jedoch, historische Akteure nicht bloß als Figuren eines vorbestimmten Dramas zu behandeln. Gute Geschichtsanalyse fragt nach Informationen, Zwängen, Erwartungen und Alternativen, die den Beteiligten im Moment ihres Handelns zur Verfügung standen.


Frauen, Öffentlichkeit und unsichtbare Beteiligung

Frauen waren Teil der Pariser Öffentlichkeit, der Versorgungskrise, der politischen Kommunikation und der revolutionären Mobilisierung. In vielen kanonischen Darstellungen des Bastillesturms erscheinen sie jedoch nur am Rand. Das liegt teils an der Zusammensetzung der bewaffneten Kampfgruppen, teils an einer Bildtradition, die politische Handlungsmacht männlich codierte.

Eine geschlechtergeschichtliche Perspektive fragt deshalb nicht nur: „Welche Frauen kämpften an der Bastille?“, sondern auch: Wer beschaffte Informationen, organisierte Versorgung, prägte Gerüchte, beobachtete, berichtete und erinnerte? Wen machten spätere Darstellungen sichtbar oder unsichtbar?


Unmittelbare Folgen


Zusammenbruch königlicher Autorität in Paris

Die Einnahme der Bastille zeigte, dass der König die Hauptstadt nicht mehr zuverlässig kontrollierte. In Paris setzte sich eine neue Stadtregierung durch. Jean-Sylvain Bailly wurde Bürgermeister, La Fayette übernahm den Oberbefehl über die Nationalgarde.

Ludwig XVI. zog Truppen aus der Umgebung von Paris zurück und rief Necker zurück. Am 17. Juli besuchte er Paris und nahm die blau-rot-weiße Kokarde entgegen. Dieses Ritual zeigte öffentlich, dass die Monarchie die neue Machtlage anerkennen musste.


Revolution in den Städten und die Grande Peur

Die Nachricht vom Bastillesturm verbreitete sich schnell. In vielen Städten entstanden neue Gemeinderegierungen und Bürgerwehren. Auf dem Land verstärkten Gerüchte über Räuber, Adelsverschwörungen und bevorstehende Gewalt die Große Furcht.

Bäuerliche Gruppen griffen Herrenhäuser an und vernichteten Dokumente über feudale Abgaben. Unter diesem Druck beschloss die Nationalversammlung in der Nacht vom 4. auf den 5. August die Abschaffung zentraler feudaler Privilegien. Am 26. August folgte die Erklärung der Menschen- und Bürgerrechte.

Der Bastillesturm verursachte diese Entwicklungen nicht allein. Er wirkte aber als Signal, dass die alte Ordnung verwundbar war und kollektives Handeln politische Veränderungen erzwingen konnte.


Emigration und Polarisierung

Einige Angehörige des Hochadels verließen Frankreich. Diese frühe Emigration verstärkte die Furcht vor einer von außen unterstützten Gegenrevolution. Gleichzeitig radikalisierte sich die politische Sprache: Für die einen war der 14. Juli eine Befreiung, für andere der Beginn von Anarchie und Gewalt.


Abriss, Reliquien und revolutionäre Vermarktung

Schon kurz nach der Einnahme begann der Abriss der Bastille. Der Bauunternehmer Pierre-François Palloy organisierte die Arbeiten und inszenierte sich als „Patriot Palloy“. Steine, Schlüssel, Ketten, Modelle und Medaillen wurden zu revolutionären Erinnerungsstücken.

Der Abriss hatte mehrere Bedeutungen:

  1. Raumgeschichte: Eine Festung der Monarchie verschwand aus dem Pariser Stadtbild.
  2. Politische Symbolik: Die Zerstörung materialisierte den Bruch mit dem Despotismus.
  3. Erinnerungskultur: Bruchstücke wurden zu Reliquien einer neuen politischen Ordnung.
  4. Mediengeschichte: Druckgrafiken, Berichte und Souvenirs verbreiteten ein einprägsames Narrativ.
  5. Wirtschaftsgeschichte: Revolutionäre Erinnerung wurde zugleich produziert, verkauft und verteilt.


Vom Ereignis zum Mythos


Warum die Bastille zum Symbol wurde

Ein historisches Symbol verdichtet komplexe Zusammenhänge in einem Bild oder Namen. Die Bastille eignete sich dafür besonders:

  1. Sie war architektonisch imposant und sofort erkennbar.
  2. Sie war mit königlicher Willkür und geheimer Haft verbunden.
  3. Ihre Einnahme ließ sich als Sieg des Volkes über den Despotismus erzählen.
  4. Ihr Abriss machte den politischen Bruch sichtbar.
  5. Bilder, Flugblätter und Gedenkobjekte verbreiteten das Ereignis schnell.

Die symbolische Bedeutung war also nicht bloß eine spätere Erfindung. Sie entstand bereits während des Ereignisses und wurde in den folgenden Tagen gezielt verstärkt.


Die berühmte Frage des Königs

Dem König wird für den 15. Juli die Frage zugeschrieben, ob es sich um eine Revolte handle. Der Herzog von La Rochefoucauld-Liancourt soll geantwortet haben: „Nein, Sire, es ist eine Revolution.“ Der Satz bringt die historische Bedeutung prägnant auf den Punkt, ist aber als zugespitzte Überlieferung quellenkritisch zu behandeln.

Für die Analyse ist weniger entscheidend, ob jedes Wort exakt so fiel. Wichtig ist, warum der Satz überliefert und immer wieder zitiert wurde: Er verwandelt einen einzelnen Tag in den Augenblick, in dem selbst die Monarchie den Systembruch erkennt.


Das Bild vom geeinten Volk

Viele Darstellungen zeigen ein geschlossen handelndes Volk. Tatsächlich gab es unterschiedliche Ziele, soziale Interessen und Grade der Beteiligung. Auch nicht alle Pariser unterstützten die Gewalt. Das Bild der Einheit war politisch wirkungsvoll, aber historisch vereinfachend.


Bilder als historische Quellen

Darstellungen des Bastillesturms sind keine neutralen Fotografien. Sie wählen Standpunkt, Figuren, Licht, Bewegung und dramatische Höhepunkte. Manche entstanden unmittelbar 1789, andere Jahre oder Jahrzehnte später. Selbst zeitnahe Bilder können Erinnerung ordnen, Helden schaffen und Gewalt legitimieren.


Leitfragen zur Bildanalyse

  1. Bildbeschreibung: Was ist im Vordergrund, Mittelgrund und Hintergrund sichtbar?
  2. Komposition: Wohin lenken Linien, Licht, Rauch und Bewegungsrichtungen den Blick?
  3. Akteure: Wer handelt, wer leidet, wer bleibt anonym und wer wird hervorgehoben?
  4. Perspektive: Befindet sich der Betrachter auf Seiten der Angreifer, der Festung oder außerhalb des Geschehens?
  5. Zeitbezug: Wann entstand das Bild im Verhältnis zum Ereignis?
  6. Intention: Soll das Bild informieren, feiern, anklagen, dramatisieren oder legitimieren?
  7. Quellenwert: Welche Aussagen über das Ereignis sind möglich und welche nicht?
  8. Vergleich: Welche Unterschiede treten im Vergleich mit schriftlichen Berichten oder anderen Bildern auf?


Houël, Cholat, Lallemand und Thévenin im Vergleich

Jean-Pierre Houël zeigt die Bastille in einer weiten, übersichtlichen Komposition. Claude Cholat, selbst als Weinhändler in Paris tätig und am Ereignis beteiligt, schuf eine topografisch detaillierte Darstellung. Jean-Baptiste Lallemand und Charles Thévenin ordneten den Kampf jeweils anders zu einer heroischen Geschichtsszene.

Ein Vergleich macht sichtbar, dass „das Bild des Bastillesturms“ aus mehreren konkurrierenden visuellen Erzählungen besteht. Quellenkritik fragt daher nicht nur, welches Bild richtig ist, sondern welche Auswahl jedes Bild trifft und welche Deutung dadurch entsteht.


Erinnerungskultur und Nationalfeiertag


Das Föderationsfest von 1790

Am 14. Juli 1790 fand auf dem Pariser Marsfeld das Föderationsfest statt. Es sollte die Einheit der Nation feiern. Vertreter aus den Regionen, Nationalgardisten, die Nationalversammlung und der König nahmen teil. Das Fest bezog sich auf den Jahrestag des Bastillesturms, inszenierte aber weniger den gewaltsamen Umsturz als die Hoffnung auf eine geeinte, konstitutionelle Nation.


Der 14. Juli als französischer Nationalfeiertag

Seit 1880 ist der 14. Juli der französische Nationalfeiertag. Das zugrunde liegende Gesetz nennt lediglich das Datum. Dadurch konnte der Feiertag zugleich auf den revolutionären Bastillesturm von 1789 und auf das versöhnlichere Föderationsfest von 1790 bezogen werden.

Erinnerungspolitisch ist diese Doppelbedeutung produktiv: Der Staat kann Freiheit, nationale Einheit und republikanische Tradition feiern, ohne den Feiertag ausschließlich auf revolutionäre Gewalt zu gründen.


Globale Wirkung des Symbols

„Bastille“ wurde über Frankreich hinaus zu einer Metapher für unterdrückende Institutionen und deren Sturz. Revolutionäre Bewegungen, republikanische Traditionen und politische Proteste griffen das Bild auf. Dabei entfernte sich die Symbolsprache häufig von den konkreten Ereignissen des 14. Juli 1789.

Eine transfergeschichtliche Untersuchung kann fragen, wo der Bastillesturm in Schulbüchern, politischen Reden, Filmen, Computerspielen oder Protestbildern erscheint und welche Bedeutung er dort erhält.


Historische Deutungen und Kontroversen


War der 14. Juli der Beginn der Französischen Revolution?

Die Antwort hängt davon ab, was mit „Beginn“ gemeint ist. Mögliche Datierungen sind:

  1. 5. Mai 1789: Eröffnung der Generalstände.
  2. 17. Juni 1789: Erklärung zur Nationalversammlung.
  3. 20. Juni 1789: Ballhausschwur.
  4. 14. Juli 1789: bewaffnete Einnahme der Bastille.
  5. 4. August 1789: Angriff auf die ständisch-feudale Ordnung.
  6. 26. August 1789: Erklärung der Menschen- und Bürgerrechte.

Der Bastillesturm ist besonders geeignet, den Revolutionsbeginn symbolisch zu markieren. Wissenschaftlich sollte jedoch ein Prozess untersucht werden, in dem institutionelle, soziale und gewaltsame Umbrüche aufeinander wirkten.


Spontaner Volksaufstand oder organisierte Aktion?

Das Ereignis enthielt beides. Hunger, Gerüchte und die Dynamik der Menge förderten spontane Entscheidungen. Zugleich gab es Abordnungen, städtische Komitees, bewaffnete Milizen und militärisch erfahrene Soldaten. Die Alternative „spontan oder organisiert“ ist daher zu einfach.


Befreiung oder Gewaltakt?

Der Sturm beseitigte ein Symbol willkürlicher Herrschaft und stärkte die verfassunggebende Revolution. Gleichzeitig starben zahlreiche Menschen; Gefangene wurden nach der Kapitulation getötet. Historische Urteilsbildung muss beide Dimensionen zusammenhalten.

Ein Sachurteil bewertet das Ereignis nach seinen Bedingungen, Folgen und zeitgenössischen Normen. Ein Werturteil bezieht zusätzlich begründete gegenwärtige Maßstäbe ein, etwa Menschenrechte und das Verbot willkürlicher Gewalt. Beides darf nicht in bloße Heldenverehrung oder pauschale Verurteilung abgleiten.


Methodenwerkstatt für das Geschichtsstudium


Ereignis, Struktur und Handlung verbinden

Eine überzeugende Erklärung verbindet drei Ebenen:

  1. Strukturen: Ständegesellschaft, Staatsverschuldung, Steuerordnung und Versorgungskrise.
  2. Prozesse: Politisierung seit der Einberufung der Generalstände und Aufbau neuer Institutionen.
  3. Ereignisse: Entlassung Neckers, Mobilisierung, Waffenbeschaffung, Kampf und Kapitulation.
  4. Akteure: Entscheidungen von Bürgern, Soldaten, Wahlmännern, de Launay, dem König und der Nationalversammlung.

Monokausale Erklärungen greifen zu kurz. Brotpreise allein erklären keine Verfassungspolitik; Aufklärungsideen allein erklären keine bewaffnete Eskalation; königliche Fehler allein erklären nicht die soziale Mobilisierung.


Quellenkritik in sechs Schritten

  1. Quellengattung: Handelt es sich um Brief, Zeitungsbericht, Protokoll, Memoiren, Bild, Karte oder Objekt?
  2. Urheberschaft: Wer schuf die Quelle und in welcher sozialen oder politischen Position?
  3. Entstehungssituation: Wann, wo und unter welchem Handlungsdruck entstand sie?
  4. Adressat: Für wen war sie bestimmt?
  5. Intention: Was sollte berichtet, gerechtfertigt, mobilisiert oder erinnert werden?
  6. Aussagegrenze: Was kann die Quelle belegen, was nur nahelegen und was gar nicht beantworten?


Umgang mit Zahlen und Unsicherheit

Opferzahlen, Teilnehmerzahlen und genaue Zeitangaben variieren. Gründe sind unvollständige Listen, spätere Todesfälle, politische Interessen und unterschiedliche Definitionen. Wissenschaftlich korrekt ist es, Spannbreiten zu nennen und die Unsicherheit zu erklären.

Formulierungen wie „häufig werden etwa 90 bis 100 getötete Angreifer genannt“ sind oft belastbarer als eine scheinbar exakte Zahl ohne Quellenkritik.


Multiperspektivität ohne Beliebigkeit

Mehrere Perspektiven bedeuten nicht, dass alle Behauptungen gleich gut belegt sind. Die Sicht eines Angreifers, eines Verteidigers, eines Pariser Wahlmanns oder eines späteren Künstlers kann jeweils wichtig sein. Ihre Aussagen müssen dennoch auf Entstehungskontext, Plausibilität und Übereinstimmung mit anderen Quellen geprüft werden.


Zeitleiste

Datum Ereignis Historische Bedeutung
5. Mai 1789 Eröffnung der Generalstände Die Finanzkrise wird zum Konflikt über politische Repräsentation.
17. Juni 1789 Der dritte Stand erklärt sich zur Nationalversammlung Souveränität wird von der ständischen Ordnung auf die Nation bezogen.
20. Juni 1789 Ballhausschwur Die Abgeordneten verpflichten sich auf eine Verfassung.
27. Juni 1789 Vereinigung der Stände in der Versammlung Der König gibt institutionell nach, hält aber Truppen bereit.
11. Juli 1789 Entlassung Neckers In Paris wächst die Furcht vor einer Gegenrevolution.
12. Juli 1789 Rede Desmoulins’ im Palais-Royal Politische Mobilisierung und Unruhen nehmen zu.
13. Juli 1789 Bildung eines Pariser Komitees und einer Bürgermiliz Neue kommunale Machtstrukturen entstehen.
14. Juli 1789 Waffenraub im Invalidendom und Einnahme der Bastille Die königliche Autorität in Paris bricht sichtbar zusammen.
17. Juli 1789 Besuch Ludwigs XVI. in Paris Der König erkennt die neue Machtlage symbolisch an.
4./5. August 1789 Augustbeschlüsse Feudale und ständische Privilegien werden grundsätzlich angegriffen.
26. August 1789 Erklärung der Menschen- und Bürgerrechte Universale Freiheits- und Gleichheitsrechte werden formuliert.
14. Juli 1790 Föderationsfest Die Nation inszeniert Einheit unter einer konstitutionellen Ordnung.
6. Juli 1880 Gesetz über den 14. Juli als Nationalfeiertag Der Erinnerungstag wird Teil republikanischer Staatskultur.


Zusammenfassung

Der Sturm auf die Bastille war das Ergebnis einer tiefen Staats- und Gesellschaftskrise, einer akuten Versorgungskrise, eines Konflikts um politische Repräsentation und einer kurzfristigen Eskalation in Paris. Die Angreifer suchten vor allem Pulver für zuvor erbeutete Waffen. Die Festung wurde nach Verhandlungen und einem verlustreichen Kampf eingenommen, nachdem Gardes françaises mit Geschützen eingegriffen hatten.

Die Bastille enthielt nur sieben Gefangene und hatte begrenzte militärische Bedeutung. Dennoch wurde ihr Fall zum revolutionären Schlüsselsymbol, weil eine königliche Festung kapituliert hatte und der Herrschaftsanspruch des Ancien Régime sichtbar gebrochen war. Bilder, Berichte, der Abriss der Festung und die Verteilung von Erinnerungsobjekten machten den 14. Juli zu einem politischen Mythos.

Für das Studienfach Geschichte ist das Ereignis besonders ergiebig, weil es die Verbindung von Struktur, Handlung, Gewalt, Medien, Erinnerung und Deutung zeigt. Der 14. Juli ist nicht nur ein Datum, sondern ein Beispiel dafür, wie Gesellschaften historischen Sinn erzeugen.


Interaktive Aufgaben


Quiz: Teste Dein Wissen

Welches unmittelbare Ziel verfolgten viele Angreifer an der Bastille? (Schießpulver für zuvor erbeutete Gewehre zu erhalten) (!Den König in der Bastille gefangen zu nehmen) (!Die Nationalversammlung aufzulösen) (!Den französischen Nationalfeiertag einzuführen)




Welches Ereignis fand am 20. Juni 1789 statt? (Der Ballhausschwur) (!Die Hinrichtung Ludwigs XVI.) (!Das Föderationsfest) (!Die Einführung des Direktoriums)




Welche Nachricht verschärfte die Unruhe in Paris am 12. Juli 1789? (Die Entlassung Jacques Neckers) (!Die Krönung Napoleons) (!Die Flucht des Königs nach Varennes) (!Die Auflösung des Heiligen Römischen Reiches)




Wie viele Gefangene befanden sich am 14. Juli 1789 in der Bastille? (Sieben) (!Siebzig) (!Siebenhundert) (!Mehr als tausend)




Welche Gruppe verstärkte die Angreifer mit militärischer Erfahrung und Geschützen? (Übergelaufene Gardes françaises) (!Preußische Kürassiere) (!Britische Marinesoldaten) (!Die päpstliche Schweizergarde)




Wer war am 14. Juli 1789 Kommandant der Bastille? (Bernard-René Jordan de Launay) (!Maximilien Robespierre) (!Georges Danton) (!Napoleon Bonaparte)




Wofür stand die Bastille in der revolutionären Öffentlichkeit besonders? (Für willkürliche königliche Herrschaft) (!Für allgemeines Wahlrecht) (!Für freie Presse) (!Für die Abschaffung der Sklaverei)




Welche unmittelbare politische Folge hatte der Bastillesturm in Paris? (Neue Stadtregierung und Nationalgarde gewannen Macht) (!Die Monarchie wurde noch am selben Tag abgeschafft) (!Frankreich trat aus allen Kriegen aus) (!Die Generalstände wurden erstmals einberufen)




Welches Fest fand am 14. Juli 1790 statt? (Das Föderationsfest) (!Das Fest des höchsten Wesens) (!Die Kaiserkrönung) (!Der Wiener Kongress)




Welche Aussage beschreibt die historische Bedeutung des Bastillesturms am besten? (Seine symbolische und politische Wirkung war größer als seine militärische Bedeutung) (!Er beendete die Französische Revolution) (!Er führte sofort zur Herrschaft Napoleons) (!Er war ausschließlich eine Gefangenenbefreiung)





Memory

Bastille Symbol königlicher Willkür
Jacques Necker entlassener Finanzminister
Camille Desmoulins Mobilisierung im Palais-Royal
Hôtel des Invalides Herkunft der erbeuteten Gewehre
De Launay Kommandant der Festung
Gardes françaises militärische Unterstützung der Angreifer
Pierre-François Palloy Organisator des Abrisses
Föderationsfest Einheitsfeier von 1790





Drag and Drop

Ordne die richtigen Begriffe zu. Historische Zuordnung
Generalstände Beginn der institutionellen Krise im Mai 1789
Nationalversammlung Anspruch des dritten Standes auf Vertretung der Nation
Ballhausschwur Verpflichtung auf die Ausarbeitung einer Verfassung
Hôtel des Invalides Beschaffung von Gewehren am Morgen des 14. Juli
Bastille Ziel der Suche nach Schießpulver
Föderationsfest Feier nationaler Einheit am ersten Jahrestag






Kreuzworträtsel

Bastille Welche Pariser Festung wurde am 14. Juli 1789 eingenommen?
Necker Welcher Finanzminister wurde kurz vor dem Aufstand entlassen?
Launay Wie lautete der Familienname des Festungskommandanten?
Freiheit Welcher politische Leitwert wurde mit dem Fall der Festung verbunden?
Palloy Wer organisierte den Abriss und vermarktete Erinnerungsstücke?
Versailles In welchem Ort traten die Generalstände zusammen?





LearningApps


Lückentext

Vervollständige den Text.

Die französische Gesellschaft vor 1789 wird als

bezeichnet. Die staatliche Finanzkrise führte zur Einberufung der

. Am 17. Juni erklärte sich der dritte Stand zur

. Drei Tage später folgte der

. Die Entlassung des Finanzministers

verschärfte die Unruhe in Paris. Im Hôtel des Invalides erbeuteten die Aufständischen vor allem

. In der Bastille suchten sie das benötigte

. Der Kommandant der Festung hieß de

. Militärische Unterstützung erhielten die Angreifer durch die

. In der Bastille befanden sich nur

Gefangene. Den Abriss der Festung organisierte der Unternehmer

. Am ersten Jahrestag wurde das

gefeiert.




Offene Aufgaben


Leicht

  1. Zeitleiste: Gestalte eine visuelle Zeitleiste vom 5. Mai bis zum 26. August 1789 und kennzeichne institutionelle, soziale und gewaltsame Wendepunkte mit unterschiedlichen Symbolen.
  2. Bildbeschreibung: Beschreibe eine Darstellung des Bastillesturms präzise, ohne sie zunächst zu deuten. Unterscheide Vordergrund, Mittelgrund und Hintergrund.
  3. Begriffskarte: Erstelle eine Concept-Map mit den Begriffen Ancien Régime, Finanzkrise, Brotpreis, Nationalversammlung, Truppen, Gerücht, Waffen und Bastille.
  4. Perspektivwechsel: Verfasse einen kurzen Tagebucheintrag aus Sicht eines Pariser Handwerkers am Abend des 14. Juli 1789 und markiere, welche Aussagen historisch belegt und welche erfunden sind.


Standard

  1. Quellenvergleich: Vergleiche zwei Bilddarstellungen des Bastillesturms hinsichtlich Perspektive, Akteursdarstellung, Gewalt und politischer Aussage.
  2. Podcast: Produziere eine fünfminütige Audiofolge mit der Leitfrage, warum sieben Gefangene für die Bedeutung des Ereignisses nicht entscheidend waren.
  3. Stadtplananalyse: Rekonstruiere mithilfe historischer und moderner Karten den Weg vom Hôtel des Invalides zur Bastille und erkläre die räumliche Logik der Waffen- und Pulversuche.
  4. Mythencheck: Untersuche drei verbreitete Aussagen zum Bastillesturm, darunter die Rolle des Marquis de Sade, und bewerte sie anhand nachvollziehbarer Quellen.


Schwer

  1. Forschungsessay: Erörtere auf 1500 bis 2000 Wörtern, ob der 14. Juli als Beginn der Französischen Revolution gelten sollte. Entwickle Kriterien und diskutiere alternative Datierungen.
  2. Quellenedition: Stelle ein kleines Dossier aus mindestens vier Quellengattungen zusammen, kommentiere Entstehungskontext und Aussagegrenzen und formuliere eine gemeinsame Forschungsfrage.
  3. Erinnerungskultur: Analysiere die Doppelbedeutung des französischen Nationalfeiertags zwischen Bastillesturm 1789 und Föderationsfest 1790. Beziehe eine heutige Feier oder Rede ein.
  4. Digitales Ausstellungsprojekt: Konzipiere eine virtuelle Ausstellung mit mindestens sechs Stationen zu Bauwerk, Krise, Kampf, Gefangenen, Abriss und Mythos. Begründe Auswahl, Reihenfolge und Vermittlungsform.




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Lernkontrolle

  1. Kausalitätsanalyse: Erkläre in einem Wirkungsgefüge, wie langfristige Strukturen und kurzfristige Auslöser zusammenwirkten. Begründe, welche Verbindung für die Eskalation besonders wichtig war.
  2. Kontrafaktische Analyse: Prüfe die These: „Ohne Neckers Entlassung hätte es keinen Bastillesturm gegeben.“ Unterscheide notwendige, begünstigende und auslösende Bedingungen.
  3. Akteursurteil: Beurteile de Launays Handlungsspielraum zwischen Verteidigung, Verhandlung und Kapitulation. Formuliere mindestens zwei realistische Alternativen und ihre Risiken.
  4. Darstellungskritik: Wähle ein Gemälde des Bastillesturms und zeige, wie Komposition und Figurenanordnung eine politische Deutung erzeugen.
  5. Mythos und Ereignis: Erkläre, warum die geringe Zahl der Gefangenen die symbolische Bedeutung des Ereignisses nicht widerlegt.
  6. Gewaltbewertung: Entwickle ein Sachurteil und ein Werturteil zur Gewalt am 14. Juli. Trenne beide Urteilsformen sprachlich und begründe Deine Maßstäbe.
  7. Periodisierung: Vergleiche den 14. Juli mit zwei anderen möglichen Anfangsdaten der Revolution und entscheide, welche Datierung für eine politische, soziale oder symbolgeschichtliche Fragestellung jeweils sinnvoll ist.
  8. Transfer: Untersuche ein anderes historisches Bauwerk, das zum Symbol eines politischen Systems wurde, und vergleiche Symbolbildung, Sturz oder Umnutzung mit der Bastille.




Lernnachweis

Für einen qualifizierten Lernnachweis reichst Du ein Portfolio ein. Es enthält keine bloße Faktensammlung, sondern zeigt historische Methodenkompetenz.

Bestandteil Mindestanforderung Bewertungsschwerpunkt
Chronologische Rekonstruktion Eine begründete Zeitleiste mit mindestens acht Stationen Auswahl, zeitliche Genauigkeit und Zusammenhang
Quellenanalyse Analyse einer schriftlichen und einer bildlichen Quelle Quellenkritik, Kontext, Intention und Aussagegrenze
Kausalitätsmodell Verknüpfung von mindestens drei langfristigen und drei kurzfristigen Faktoren Gewichtung statt bloßer Aufzählung
Historisches Urteil Beantwortung der Leitfrage in einem argumentativen Essay Sachurteil, Werturteil, Gegenargumente und Belege
Reflexion Kurze Darstellung, wie sich das eigene Verständnis während des Kurses verändert hat Metakognition und methodische Klarheit

Wichtig sind:

  1. Fachwissen: sichere Einordnung in die Frühphase der Französischen Revolution.
  2. Methodenkompetenz: korrekter Umgang mit Quellen, Darstellungen, Zahlen und Unsicherheit.
  3. Urteilskompetenz: begründete, differenzierte und überprüfbare Argumentation.
  4. Narrative Kompetenz: verständliche Verbindung von Struktur, Ereignis, Akteur und Folge.
  5. Medienkompetenz: reflektierte Nutzung und Kennzeichnung von Bildern, Videos und digitalen Werkzeugen.
  6. Wissenschaftspropädeutik: nachvollziehbare Belege, Literaturangaben und Trennung von Befund und Interpretation.




Quellen und weiterführende Literatur

  1. Sturm auf die Bastille: Überblick, Chronologie und Forschungszugänge.
  2. Französische Revolution: Einordnung in den Gesamtverlauf.
  3. William Doyle: Forschung zur Französischen Revolution und zum Zusammenbruch des Ancien Régime.
  4. Simon Schama: Deutung von politischer Kultur und Gewalt in der Revolution.
  5. Georges Lefebvre: Sozialgeschichtliche Perspektiven auf das Jahr 1789.
  6. Lynn Hunt: Politische Kultur, Symbole und Öffentlichkeit.
  7. Rolf Reichardt: Revolutionskultur und Bildpublizistik.
  8. Musée Carnavalet: Sammlungen und Bildquellen zur Geschichte von Paris.
  9. Wikimedia Commons: Freie Bildmedien zur Bastille und zum 14. Juli 1789.


OERs zum Thema

  1. Bundeszentrale für politische Bildung: Sturm auf die Bastille
  2. Wikimedia Commons: Freie Medien zum Bastillesturm
  3. Musée Carnavalet: Die Bastille während des Abrisses


Verknüpfte Lernbereiche


Fachübergreifende Verbindungen

  1. Politikwissenschaft: Volkssouveränität, Verfassung, Legitimität und politische Gewalt.
  2. Soziologie: Kollektives Handeln, Gruppenbildung, Gerüchte und soziale Ungleichheit.
  3. Kunstgeschichte: Historienmalerei, Bildkomposition und visuelle Propaganda.
  4. Medienwissenschaft: Flugblätter, Druckgrafik, Nachrichtenverbreitung und Mythenbildung.
  5. Geographie: Stadtraum, politische Topografie und räumliche Kontrolle.
  6. Ethik: Freiheit, Widerstand, Gewalt und Verantwortung.
  7. Französisch: Arbeit mit französischen Begriffen, Quellen und Erinnerungskultur.


aiMOOC-Projekte





Schulfach+

Prüfungsliteratur 2026
Bundesland Bücher Kurzbeschreibung
Baden-Württemberg

Abitur

  1. Der zerbrochne Krug - Heinrich von Kleist
  2. Heimsuchung - Jenny Erpenbeck

Mittlere Reife

  1. Der Markisenmann - Jan Weiler oder Als die Welt uns gehörte - Liz Kessler
  2. Ein Schatten wie ein Leopard - Myron Levoy oder Pampa Blues - Rolf Lappert

Abitur Dorfrichter-Komödie über Wahrheit/Schuld; Roman über einen Ort und deutsche Geschichte. Mittlere Reife Wahllektüren (Roadtrip-Vater-Sohn / Jugendroman im NS-Kontext / Coming-of-age / Provinzroman).

Bayern

Abitur

  1. Der zerbrochne Krug - Heinrich von Kleist
  2. Heimsuchung - Jenny Erpenbeck

Abitur Lustspiel über Machtmissbrauch und Recht; Roman als Zeitschnitt deutscher Geschichte an einem Haus/Grundstück.

Berlin/Brandenburg

Abitur

  1. Der zerbrochne Krug - Heinrich von Kleist
  2. Woyzeck - Georg Büchner
  3. Der Biberpelz - Gerhart Hauptmann
  4. Heimsuchung - Jenny Erpenbeck

Abitur Gerichtskomödie; soziales Drama um Ausbeutung/Armut; Komödie/Satire um Diebstahl und Obrigkeit; Roman über Erinnerungsräume und Umbrüche.

Bremen

Abitur

  1. Nach Mitternacht - Irmgard Keun
  2. Mario und der Zauberer - Thomas Mann
  3. Emilia Galotti - Gotthold Ephraim Lessing oder Miss Sara Sampson - Gotthold Ephraim Lessing

Abitur Roman in der NS-Zeit (Alltag, Anpassung, Angst); Novelle über Verführung/Massenpsychologie; bürgerliche Trauerspiele (Moral, Macht, Stand).

Hamburg

Abitur

  1. Der zerbrochne Krug - Heinrich von Kleist
  2. Das kunstseidene Mädchen - Irmgard Keun

Abitur Justiz-/Machtkritik als Komödie; Großstadtroman der Weimarer Zeit (Rollenbilder, Aufstiegsträume, soziale Realität).

Hessen

Abitur

  1. Der zerbrochne Krug - Heinrich von Kleist
  2. Woyzeck - Georg Büchner
  3. Heimsuchung - Jenny Erpenbeck
  4. Der Prozess - Franz Kafka

Abitur Gerichtskomödie; Fragmentdrama über Gewalt/Entmenschlichung; Erinnerungsroman über deutsche Brüche; moderner Roman über Schuld, Macht und Bürokratie.

Niedersachsen

Abitur

  1. Der zerbrochene Krug - Heinrich von Kleist
  2. Das kunstseidene Mädchen - Irmgard Keun
  3. Die Marquise von O. - Heinrich von Kleist
  4. Über das Marionettentheater - Heinrich von Kleist

Abitur Schwerpunkt auf Drama/Roman sowie Kleist-Prosatext und Essay (Ehre, Gewalt, Unschuld; Ästhetik/„Anmut“).

Nordrhein-Westfalen

Abitur

  1. Der zerbrochne Krug - Heinrich von Kleist
  2. Heimsuchung - Jenny Erpenbeck

Abitur Komödie über Wahrheit und Autorität; Roman als literarische „Geschichtsschichtung“ an einem Ort.

Saarland

Abitur

  1. Heimsuchung - Jenny Erpenbeck
  2. Furor - Lutz Hübner und Sarah Nemitz
  3. Bahnwärter Thiel - Gerhart Hauptmann

Abitur Erinnerungsroman an einem Ort; zeitgenössisches Drama über Eskalation/Populismus; naturalistische Novelle (Pflicht/Überforderung/Abgrund).

Sachsen (berufliches Gymnasium)

Abitur

  1. Der zerbrochne Krug - Heinrich von Kleist
  2. Woyzeck - Georg Büchner
  3. Irrungen, Wirrungen - Theodor Fontane
  4. Der gute Mensch von Sezuan - Bertolt Brecht
  5. Heimsuchung - Jenny Erpenbeck
  6. Der Trafikant - Robert Seethaler

Abitur Mischung aus Klassiker-Drama, sozialem Drama, realistischem Roman, epischem Theater und Gegenwarts-/Erinnerungsroman; zusätzlich Coming-of-age im historischen Kontext.

Sachsen-Anhalt

Abitur

  1. (keine fest benannte landesweite Pflichtlektüre veröffentlicht; Themenfelder)

Abitur Schwerpunktsetzung über Themenfelder (u. a. Literatur um 1900; Sprache in politisch-gesellschaftlichen Kontexten), ohne feste Einzeltitel.

Schleswig-Holstein

Abitur

  1. Der zerbrochne Krug - Heinrich von Kleist
  2. Heimsuchung - Jenny Erpenbeck

Abitur Recht/Gerechtigkeit und historische Tiefenschichten eines Ortes – umgesetzt über Drama und Gegenwartsroman.

Thüringen

Abitur

  1. (keine fest benannte landesweite Pflichtlektüre veröffentlicht; Orientierung am gemeinsamen Aufgabenpool)

Abitur In der Praxis häufig Orientierung am gemeinsamen Aufgabenpool; landesweite Einzeltitel je nach Vorgabe/Handreichung nicht einheitlich ausgewiesen.

Mecklenburg-Vorpommern

Abitur

  1. (Quelle aktuell technisch nicht abrufbar; Beteiligung am gemeinsamen Aufgabenpool bekannt)

Abitur Land beteiligt sich am länderübergreifenden Aufgabenpool; konkrete, veröffentlichte Einzeltitel konnten hier nicht ausgelesen werden.

Rheinland-Pfalz

Abitur

  1. (keine landesweit einheitliche Pflichtlektüre; schulische Auswahl)

Abitur Keine landesweite Einheitsliste; Auswahl kann schul-/kursbezogen erfolgen.




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THE MONKEY DANCE




The Monkey DanceaiMOOCs

  1. Trust Me It's True: #Verschwörungstheorie #FakeNews
  2. Gregor Samsa Is You: #Kafka #Verwandlung
  3. Who Owns Who: #Musk #Geld
  4. Lump: #Trump #Manipulation
  5. Filth Like You: #Konsum #Heuchelei
  6. Your Poverty Pisses Me Off: #SozialeUngerechtigkeit #Musk
  7. Hello I'm Pump: #Trump #Kapitalismus
  8. Monkey Dance Party: #Lebensfreude
  9. God Hates You Too: #Religionsfanatiker
  10. You You You: #Klimawandel #Klimaleugner
  11. Monkey Free: #Konformität #Macht #Kontrolle
  12. Pure Blood: #Rassismus
  13. Monkey World: #Chaos #Illusion #Manipulation
  14. Uh Uh Uh Poor You: #Kafka #BerichtAkademie #Doppelmoral
  15. The Monkey Dance Song: #Gesellschaftskritik
  16. Will You Be Mine: #Love
  17. Arbeitsheft
  18. And Thanks for Your Meat: #AntiFactoryFarming #AnimalRights #MeatIndustry


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