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Das antike Griechenland - Geschichte

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Das antike Griechenland - Geschichte



Das antike Griechenland - Geschichte

Studienfach Geschichte – Schwerpunkt Alte Geschichte
Niveau Studium, fortgeschrittene Sekundarstufe II und historisch Interessierte
Zeitraum Von der Ägäischen Bronzezeit über Archaik, Klassik und Hellenismus bis zur römischen Vorherrschaft
Kompetenzen Chronologie, Quellenkritik, Raumorientierung, Strukturgeschichte, Vergleich, historische Urteilsbildung und Transfer


Einleitung

Das antike Griechenland war kein einheitlicher Nationalstaat, sondern eine vielgestaltige Welt aus Poleis, Landschaften, Inseln, Siedlungen und Netzwerken rund um Ägäis, Mittelmeer und Schwarzes Meer. Gemeinsame Sprache, Kulte, Mythen und Feste verbanden viele griechischsprachige Gemeinschaften. Politisch blieben sie jedoch meist selbstständig und standen miteinander in Konkurrenz. Deshalb solltest Du Begriffe wie „die Griechen“ immer kritisch prüfen: Wer genau ist gemeint, in welcher Zeit, in welcher Region und aus welcher Quelle?

Traditionell gliedert die Geschichtswissenschaft die griechische Antike in die Archaik etwa vom 8. bis frühen 5. Jahrhundert v. Chr., die Klassik des 5. und 4. Jahrhunderts v. Chr. sowie den Hellenismus seit den Eroberungen Alexanders des Großen. Diese Ordnung ist hilfreich, aber nicht naturgegeben. Entwicklungen verliefen regional verschieden, und ältere Strukturen bestanden neben neuen fort.

In diesem aiMOOC untersuchst Du politische Ordnungen, soziale Ungleichheit, Wirtschaft, Krieg, Religion, Kultur und Wissensproduktion. Zugleich lernst Du, wie Historikerinnen und Historiker aus literarischen Texten, Inschriften, Münzen, Papyri, Bauwerken, Keramik und archäologischen Befunden begründete Aussagen über vergangene Gesellschaften gewinnen.


Leitfragen des Kurses

  1. Raum und Vernetzung: Wie prägten Küsten, Inseln, Gebirge, Seewege und Fernkontakte die griechische Geschichte?
  2. Polis: Warum wurde die Polis zur charakteristischen politischen Organisationsform, und wie unterschiedlich konnte sie gestaltet sein?
  3. Macht und Teilhabe: Wer durfte politisch handeln, wer war ausgeschlossen und auf wessen Arbeit beruhte die Bürgergemeinschaft?
  4. Krieg und Staat: Wie beeinflussten militärische Organisation, Bündnisse und Imperien die inneren Ordnungen?
  5. Quelle und Darstellung: Was verraten antike Zeugnisse, welche Perspektiven verschweigen sie und wie werden sie überprüft?
  6. Rezeption: Wie wurden Griechenlandbilder in späteren Epochen konstruiert, idealisiert oder politisch benutzt?


Lernziele

Nach der Bearbeitung kannst Du zentrale Epochen und Wendepunkte räumlich und zeitlich einordnen. Du kannst Athen und Sparta vergleichen, ohne sie zu vereinfachen, und die Attische Demokratie hinsichtlich Partizipation und Ausschluss beurteilen. Du analysierst antike Quellen nach Urheberschaft, Entstehungssituation, Adressaten, Gattung, Intention und Überlieferung. Außerdem kannst Du erklären, wie Kolonisation, Handel, Krieg, Religion, Sklaverei und Geschlechterordnung miteinander verbunden waren und warum der Hellenismus nicht bloß als „Niedergang der Polis“ verstanden werden sollte.


Historisches Arbeiten: Quellen und Methoden

Unser Wissen über das antike Griechenland entsteht aus fragmentarischen und ungleich verteilten Quellen. Athen ist wegen seiner reichen literarischen, epigraphischen und archäologischen Überlieferung besonders sichtbar. Daraus folgt ein methodisches Problem: Die Geschichte Athens darf nicht automatisch zur Geschichte ganz Griechenlands erklärt werden.


Quellengattungen

  1. Literarische Quelle: Epen, Dramen, Reden, philosophische Werke und Geschichtsschreibung bieten Deutungen ihrer Verfasser. Herodot, Thukydides und Xenophon berichten nicht neutral, sondern wählen, ordnen und erklären.
  2. Inschrift: Gesetze, Verträge, Weihungen, Grabtexte und Abgabenlisten geben Einblick in Institutionen und Praktiken. Ihr Erhalt ist zufällig, ihr ursprünglicher Aufstellungsort aber oft bedeutungstragend.
  3. Archäologie: Siedlungen, Gräber, Heiligtümer, Keramik und Umweltbefunde erschließen Lebensbereiche, die literarische Eliten kaum beschreiben.
  4. Numismatik: Münzen dokumentieren Herrschaftsansprüche, Bildprogramme, Wirtschaftsbeziehungen und politische Reichweiten.
  5. Papyrologie: Papyri bewahren Verwaltungs-, Wirtschafts- und Alltagstexte, besonders aus dem trockenen Klima Ägyptens.
  6. Bildquelle: Vasenbilder, Reliefs und Skulpturen zeigen keine fotografische Wirklichkeit. Sie folgen Konventionen, Funktionen und Erwartungen ihrer Auftraggeber und Betrachter.


Historische Quellenkritik

Eine wissenschaftliche Analyse beginnt nicht mit der Frage, ob eine Quelle „wahr“ oder „falsch“ ist. Frage zunächst: Wer erzeugte das Zeugnis? Wann und wo entstand es? Für wen war es bestimmt? Welche Handlung sollte es ermöglichen? Welche Gattungskonventionen prägen es? Wie wurde es überliefert? Erst danach vergleichst Du es mit unabhängigen Zeugnissen.

Bei Thukydides etwa musst Du unterscheiden zwischen beobachteten Ereignissen, rekonstruierten Reden und seiner Erklärung des Peloponnesischen Krieges. Bei einer Inschrift fragst Du zusätzlich nach Material, Schriftform, Fundort, Ergänzungen beschädigter Stellen und moderner Edition. Bei archäologischen Funden sind Schichtzusammenhang, Datierung und Grabungsgeschichte entscheidend.


Periodisierung und Chronologie

Zeitraum Übliche Bezeichnung Zentrale Prozesse
ca. 1600–1200 v. Chr. Mykenische Kultur Palastzentren, Linear B, Fernkontakte und Zusammenbruch der Palastsysteme
ca. 1200–800 v. Chr. Frühe Eisenzeit und sogenannte „Dunkle Jahrhunderte“ Regionaler Wandel, neue Siedlungsmuster, Eisenverarbeitung und Verdichtung von Netzwerken
ca. 800–500 v. Chr. Archaik Polisbildung, Alphabet, Kolonisation, soziale Konflikte, Gesetzgebung und Tyrannis
ca. 500–336/323 v. Chr. Griechische Klassik Perserkriege, attische Demokratie, Seebund, Peloponnesischer Krieg und makedonischer Aufstieg
336/323–30 v. Chr. Hellenismus Alexanderzug, Diadochenreiche, neue Monarchien, urbane Zentren und kulturelle Verflechtung

Die Grenzdaten sind Konventionen. Für politische Ereignisse, Kunstgeschichte, Literatur und Sozialgeschichte können andere Einschnitte sinnvoll sein. Gute Periodisierung benennt daher immer ihr Erkenntnisinteresse.


Räume der griechischen Welt

Die griechische Geschichte spielte sich nicht nur im heutigen Griechenland ab. Griechischsprachige Gemeinschaften lebten auf den Inseln der Ägäis, an der Westküste Kleinasiens, in Süditalien und Sizilien, an den Küsten des Schwarzen Meeres, in Nordafrika und später in weiten Teilen der hellenistischen Reiche. Das Meer trennte nicht nur, sondern verband Häfen, Märkte und Heiligtümer.

Gebirge und kleinräumige Landschaften begünstigten regionale Identitäten, erklären die politische Zersplitterung aber nicht allein. Politische Selbstständigkeit war auch Ergebnis sozialer Organisation, Konkurrenz und bewusster Abgrenzung. Überregionale Heiligtümer wie Delphi und Olympia sowie Feste und Mythen schufen zugleich panhellenische Bezüge.


Von der Bronzezeit zur Poliswelt


Mykenische Paläste und Linear B

Zwischen etwa 1600 und 1200 v. Chr. entstanden auf dem griechischen Festland Zentren wie Mykene, Tiryns, Pylos und Theben. Ihre Paläste organisierten Abgaben, Handwerk, Vorräte und militärische Ressourcen. Tontafeln in Linear B dokumentieren eine frühe Form des Griechischen, wurden aber meist nur zufällig durch Brände gehärtet und erhalten. Sie sind Verwaltungsdokumente, keine Chroniken.

Um 1200 v. Chr. brachen viele Palastzentren zusammen. Die Ursachen werden nicht auf einen einzigen Faktor reduziert. Diskutiert werden innere Konflikte, Veränderungen von Handelsnetzen, Erdbeben, Klimastress, Migrationen und kriegerische Zerstörungen. Entscheidend ist die Kombination regional unterschiedlicher Prozesse.


Frühe Eisenzeit und neue Netzwerke

Die Zeit nach dem Palastzusammenbruch war keine völlig geschichtslose „dunkle“ Epoche. Der Begriff bezeichnet vor allem eine geringere Dichte schriftlicher Quellen. Archäologische Befunde zeigen regionale Kontinuitäten, Wanderungen, neue Bestattungsformen, Eisenverarbeitung und seit dem 10. und 9. Jahrhundert v. Chr. wieder wachsende Fernkontakte.

Im 8. Jahrhundert verdichteten sich Siedlungen und Kultgemeinschaften. Das aus dem phönizischen Schriftsystem entwickelte griechische Alphabet ermöglichte neue Formen von Aufzeichnung. Die Epen Ilias und Odyssee wurden Teil einer mündlich geprägten, später schriftlich fixierten Traditionswelt. Sie spiegeln nicht einfach eine einzige historische Epoche, sondern verbinden Erinnerungen, Erzählmuster und gesellschaftliche Erfahrungen verschiedener Zeiten.


Die Archaik: Polis, Kolonisation und soziale Konflikte


Die Polis als Bürgergemeinschaft

Eine Polis bestand nicht nur aus einer Stadt. Sie umfasste Bürgerverband, Siedlungszentrum, Umland, Kulte, Gesetze und politische Institutionen. Größe und Verfassung variierten stark. Gemeinsam war vielen Poleis der Anspruch auf politische Selbstständigkeit und eine Ordnung, in der definierte Gruppen von Bürgern über gemeinsame Angelegenheiten entschieden.

Die Polis war zugleich eine exklusive Ordnung. Vollbürger waren meist freie erwachsene Männer mit lokaler Abstammung. Frauen, Zugewanderte, Versklavte und viele Arme hatten je nach Ort unterschiedliche Rechte, waren aber von zentralen politischen Funktionen ausgeschlossen. Bürgerfreiheit und Unfreiheit existierten nebeneinander.


Griechische Kolonisation

Vom 8. bis 6. Jahrhundert v. Chr. gründeten griechische Gruppen zahlreiche Apoikien an den Küsten des Mittelmeers und Schwarzen Meeres. Diese Siedlungen waren in der Regel politisch selbstständig und keine Kolonien im neuzeitlichen imperialen Sinn. Gründungen konnten durch Landknappheit, innere Konflikte, Handelsinteressen, strategische Chancen oder die Suche nach Ressourcen angestoßen werden.

Die Expansion war kein leerer Raumgewinn. Sie brachte Griechen mit Phöniziern, Etruskern, Skythen und vielen lokalen Gesellschaften in Kontakt. Kooperation, Austausch, Konkurrenz, Gewalt und kulturelle Vermischung gehörten zusammen. Der moderne Begriff „Kolonisation“ muss deshalb quellenkritisch und vergleichend verwendet werden.


Gesetzgebung, Tyrannis und soziale Ordnung

Wachsende Ungleichheit und Konflikte um Land, Schulden und politische Teilhabe prägten viele Poleis. Schriftlich fixierte Gesetze konnten Verfahren öffentlich machen, schufen aber nicht automatisch Gleichheit. In Athen verbanden sich die Reformen Solons mit Schuldenerleichterungen, politischer Neuordnung und der Begrenzung aristokratischer Willkür.

Tyrannis bezeichnet in der Archaik die Alleinherrschaft eines Mannes außerhalb der herkömmlichen legitimen Ordnung. Tyrannen konnten Eliten entmachten, Bauprogramme fördern und neue Gruppen einbinden, blieben aber auf Gewalt, Gefolgschaft und symbolische Herrschaft angewiesen. Der antike Begriff ist nicht deckungsgleich mit der modernen Bedeutung von „Tyrannei“.


Sparta als besonderer Polisverband

Sparta beherrschte große Teile Lakoniens und Messeniens. Seine Bürgergemeinschaft, die Spartiaten, stützte sich auf die Arbeit der unterworfenen Heloten. Doppelkönigtum, Gerusia, Ephoren und Bürgerassemblee bildeten eine gemischte Ordnung. Die militärische Erziehung der männlichen Bürger war wichtig, doch das verbreitete Bild eines vollständig kasernenartigen Staates ist durch spätere Idealisierungen und gegnerische Darstellungen geprägt.

Spartanische Frauen verfügten im Vergleich zu vielen anderen griechischen Poleis über größere wirtschaftliche Handlungsspielräume und konnten Land besitzen. Politische Vollrechte besaßen sie dennoch nicht. Der Vergleich mit Athen zeigt, dass „Freiheit“ in der Antike immer gruppenspezifisch untersucht werden muss.


Die klassische Zeit


Die Perserkriege

Im frühen 5. Jahrhundert v. Chr. standen griechische Poleis dem Achämenidenreich gegenüber. Der Ionische Aufstand, die Feldzüge unter Dareios I. und Xerxes I. sowie die Schlachten von Marathon, Thermopylen, Salamis und Plataiai wurden später zu zentralen Erinnerungsorten.

Die Deutung als einfacher Kampf „Europas gegen Asien“ ist anachronistisch. Griechen kämpften auf beiden Seiten, das Perserreich war politisch und kulturell vielfältig, und griechische Autoren konstruierten den Gegensatz zwischen Freiheit und Despotie aus ihrer jeweiligen Perspektive. Historisch relevant sind sowohl militärische Entscheidungen als auch die nachträgliche Erinnerungspolitik.


Aufstieg Athens und Attischer Seebund

Nach den Perserkriegen entstand der Attische Seebund. Viele Mitglieder leisteten Schiffe oder Abgaben. Athen nutzte die Bündnisressourcen zunehmend zur Sicherung seiner Hegemonie, unterdrückte Austrittsversuche und verlagerte die Bundeskasse von Delos nach Athen. Schutzgemeinschaft und Imperium waren daher zwei Seiten derselben Ordnung.

Die Flotte eröffnete ärmeren athenischen Bürgern als Ruderern eine militärische und politische Rolle. Daraus folgt kein einfacher Automatismus von Seemacht zu Demokratie, doch Flotte, Abgabenreich und demokratische Institutionen beeinflussten einander. Die Bauprogramme auf der Akropolis waren religiöse Monumente, politische Selbstdarstellung und Ausdruck imperialer Ressourcen.


Die attische Demokratie

Die Attische Demokratie entwickelte sich schrittweise. Reformen des Kleisthenes ordneten Bürger nach neuen territorialen Einheiten. Die Ekklesia entschied über zentrale Fragen, der Rat der 500 bereitete Beschlüsse vor, zahlreiche Ämter wurden ausgelost, und große Geschworenengerichte kontrollierten politische und rechtliche Verfahren.

Demokratie bedeutete direkte Beteiligung der männlichen Vollbürger, nicht allgemeines Wahlrecht. Frauen, Metöken und Versklavte blieben ausgeschlossen. Schätzungen zur Bevölkerungsverteilung sind unsicher und zeitabhängig. Deshalb ist die attische Demokratie zugleich als bemerkenswerte Partizipationsordnung und als exklusive Bürgerherrschaft zu analysieren.

Das Scherbengericht erlaubte die zeitweilige Verbannung eines Bürgers ohne strafrechtliche Verurteilung. Ein eingeritztes Ostrakon belegt eine konkrete politische Praxis, verrät aber allein noch nicht Motivation, Ablauf oder politische Netzwerke.


Parthenon und politische Repräsentation

Der Parthenon wurde im 5. Jahrhundert v. Chr. auf der Athener Akropolis errichtet und war der Göttin Athene gewidmet. Architektur, Skulpturenprogramm, Kult und städtische Selbstdarstellung griffen ineinander. Das Bauwerk darf weder nur als „Kunstwerk“ noch nur als „Propaganda“ gelesen werden. Seine Bedeutungen veränderten sich durch spätere Nutzungen als Kirche, Moschee, Pulverlager, Ruine und Symbol moderner Nationalkultur.


Der Peloponnesische Krieg

Der Peloponnesische Krieg von 431 bis 404 v. Chr. verband den Konflikt zwischen Athen und Sparta mit lokalen Rivalitäten, Bündnispolitik, Bürgerkriegen und persischer Intervention. Die athenische Seemacht stand der spartanischen Landmacht gegenüber, doch diese Gegenüberstellung erklärt den langen Kriegsverlauf nur teilweise.

Die Sizilienexpedition Athens endete katastrophal. Schließlich ermöglichten persische Gelder den Aufbau einer spartanischen Flotte. Athen kapitulierte 404 v. Chr. Der Krieg destabilisierte zahlreiche Poleis und verschärfte innere Konflikte zwischen demokratischen und oligarchischen Gruppen.

Thukydides analysierte Macht, Furcht, Interessen, Kriegserfahrungen und politische Sprache. Seine Darstellung ist eine zentrale Quelle, aber keine vollständige Dokumentation. Sie endet vor Kriegsabschluss und muss mit Xenophon, Inschriften und archäologischen Befunden verglichen werden.


Das 4. Jahrhundert und der Aufstieg Makedoniens

Nach 404 v. Chr. folgten spartanische, thebanische und erneut athenische Hegemonialversuche. Neue Bündnisse und Bundesstaaten zeigen, dass die Polis nicht einfach verfiel. Viele Poleis blieben politisch aktiv, mussten aber mit größeren Machtverbänden umgehen.

Philipp II. von Makedonien reformierte Heer, Diplomatie und Ressourcenbasis seines Königreichs. Nach seinem Sieg bei Chaironeia 338 v. Chr. dominierte Makedonien die griechische Staatenwelt. Der Korinthische Bund verband formale Autonomie mit makedonischer Führung.


Alexander und der Hellenismus


Der Alexanderzug

Alexander der Große übernahm 336 v. Chr. die makedonische Herrschaft. Sein Feldzug zerstörte das Achämenidenreich und führte bis nach Ägypten, Zentralasien und in den Nordwesten des indischen Subkontinents. Seine Erfolge beruhten auf makedonischer Militärorganisation, Bündnissen, der Nutzung lokaler Eliten und den Ressourcen eroberter Gebiete.

Alexander präsentierte sich je nach Kontext als makedonischer König, Führer der Griechen, Pharao und Nachfolger persischer Großkönige. Diese Rollen erzeugten Spannungen in seinem Gefolge. Nach seinem Tod 323 v. Chr. zerfiel das Reich in langwierigen Kämpfen seiner Nachfolger.


Die hellenistischen Reiche

Aus den Diadochenkriegen gingen große Monarchien hervor, besonders das Ptolemäerreich, das Seleukidenreich und das Reich der Antigoniden. Herrschaft beruhte auf dynastischer Legitimation, Militär, Städten, Steuerwesen, Höfen und der Zusammenarbeit mit lokalen Eliten.

Griechische Sprache und städtische Institutionen verbreiteten sich, ohne lokale Kulturen einfach zu verdrängen. In Städten wie Alexandria, Antiochia und Pergamon entstanden neue Wissens-, Handels- und Herrschaftszentren. Der Begriff „Hellenisierung“ darf daher nicht als einseitiger Kulturtransfer verstanden werden. Austausch, Übersetzung, Anpassung, Widerstand und Mischformen prägten die Epoche.


Rom und das Ende politischer Selbstständigkeit

Seit dem 3. und 2. Jahrhundert v. Chr. griff die Römische Republik zunehmend in die östliche Mittelmeerwelt ein. Der Sieg über Makedonien und die Zerstörung Korinths 146 v. Chr. markieren wichtige Einschnitte, aber keine sofortige kulturelle Auflösung der griechischen Welt. Poleis, Bünde, Heiligtümer und Bildungszentren bestanden unter römischer Herrschaft fort.

Mit der Eingliederung des ptolemäischen Ägypten 30 v. Chr. endete das letzte große hellenistische Königreich. Griechische Sprache, Literatur, Philosophie und städtische Kultur blieben jedoch im Römischen Reich wirksam. Politische Unterordnung und kulturelle Fortdauer müssen getrennt untersucht werden.


Gesellschaft, Wirtschaft und Alltag


Oikos, Familie und Geschlecht

Der Oikos bezeichnete Haushalt, Familie, Besitz und Arbeitszusammenhang. Er war Grundlage wirtschaftlicher Produktion und sozialer Reproduktion. Haushalte unterschieden sich stark nach Vermögen, Region und Rechtsstatus.

Frauen waren nicht einfach aus dem öffentlichen Leben verschwunden. Sie wirkten in Haushalten, Kulten, Bestattungsritualen, Werkstätten und Besitzbeziehungen. Ihre rechtliche und politische Stellung war jedoch meist eingeschränkt und von männlicher Vormundschaft geprägt. Quellen stammen überwiegend von Männern und erschweren den Zugang zu weiblichen Erfahrungen.


Landwirtschaft, Handwerk und Handel

Die meisten Menschen lebten von Landwirtschaft. Getreide, Oliven und Wein waren wichtig, doch Anbauformen unterschieden sich nach Boden, Klima und Besitzstruktur. Städte waren auf Umland und überregionale Versorgung angewiesen. Athen importierte große Mengen Getreide und sicherte Handelswege politisch und militärisch.

Keramik, Metallverarbeitung, Textilproduktion, Bauhandwerk und Schiffbau verbanden lokale Märkte mit Fernhandel. Münzprägung erleichterte Zahlungen und transportierte politische Symbole. Dennoch blieben Naturalabgaben, Tausch und unterschiedliche Münzstandards bestehen.


Sklaverei und Abhängigkeit

Sklaverei war in vielen griechischen Gesellschaften strukturell bedeutsam. Versklavte arbeiteten in Haushalten, Landwirtschaft, Werkstätten, Bergwerken und öffentlichen Diensten. Ihre Herkunft, Tätigkeiten und Lebensbedingungen waren sehr verschieden.

Die Quellen machen versklavte Menschen häufig nur als Besitz, Kostenfaktor oder juristische Kategorie sichtbar. Historische Analyse muss diese Entmenschlichung der Quellen benennen und nach Handlungsspielräumen, Widerstand und sozialen Beziehungen fragen. Auch die spartanischen Heloten waren unfrei, unterschieden sich rechtlich und sozial aber von privat besessenen Sklaven in Athen.


Bürger, Metöken und soziale Ungleichheit

Bürgerrechte waren abgestuft und lokal definiert. Metöken in Athen waren freie ansässige Nichtbürger, die Steuern und militärische Pflichten tragen konnten, aber keinen regulären Zugang zu politischer Entscheidung und Landbesitz hatten. Eliten verfügten über Land, Netzwerke, Bildung und Zeit für Politik. Zahlungen für politische Teilnahme konnten ärmeren Bürgern Mitwirkung erleichtern, beseitigten wirtschaftliche Unterschiede jedoch nicht.


Religion, Fest und Identität

Die Griechische Religion war keine einheitliche Buchreligion. Kulte waren an Orte, Gemeinschaften, Rituale und Götter mit unterschiedlichen Zuständigkeiten gebunden. Opfer, Prozessionen, Gelübde, Orakel und Feste strukturierten private und öffentliche Lebensbereiche.

Mythen boten keine verbindliche Dogmatik. Sie wurden in Epos, Drama, Bildkunst und lokaler Tradition immer neu erzählt. Religion war mit Politik verbunden, aber nicht bloß ein Herrschaftsinstrument. Bürgergemeinschaften begegneten ihren Göttern in ritualisierten Austauschbeziehungen.

Panhellenische Heiligtümer schufen Begegnungsräume für konkurrierende Gemeinschaften. In Olympia verbanden sportliche Wettkämpfe Kult, Prestige und politische Repräsentation. Teilnehmen und zuschauen durften nicht alle unter gleichen Bedingungen; die antiken Spiele waren weder modern noch unpolitisch.


Krieg und Gewalt


Hopliten und Phalanx

Der Hoplit war ein schwer bewaffneter Fußsoldat. In der Phalanx kämpften Reihen mit großen Schilden und Stoßlanzen eng zusammen. Die Ausrüstung war teuer und wurde häufig vom Kämpfer selbst gestellt. Veränderungen der Kampfform dürfen nicht monokausal als Ursache politischer Gleichheit erklärt werden. Militär, Besitz, Status und politische Ansprüche standen in komplexen Beziehungen.


Flotten, Belagerungen und Söldner

Seekrieg erforderte Schiffe, Häfen, Holz, Geld, Logistik und viele Ruderer. Die Triere war ein hoch spezialisiertes Kriegsschiff. Im 4. Jahrhundert v. Chr. gewannen Söldner und professionelle Kommandeure an Bedeutung. Hellenistische Herrscher setzten große Heere, Belagerungsmaschinen und Flotten ein, konnten Territorien aber nur durch Verwaltung und lokale Kooperation dauerhaft kontrollieren.

Krieg traf nicht nur Soldaten. Belagerungen, Versklavung, Vertreibung, Erntezerstörung und Bürgerkrieg belasteten ganze Gesellschaften. Eine moderne Militärgeschichte untersucht daher auch Ressourcen, Zivilbevölkerung, Erinnerung und soziale Folgen.


Kultur, Wissen und Geschichtsschreibung


Theater und politische Öffentlichkeit

Tragödie und Komödie wurden im Rahmen religiöser Feste aufgeführt. Werke von Aischylos, Sophokles, Euripides und Aristophanes verhandelten Schuld, Krieg, Familie, Geschlechterrollen, Götter und politische Konflikte. Sie sind keine stenografischen Protokolle athenischer Meinungen, sondern Kunstwerke mit Gattungskonventionen und Aufführungssituationen.


Philosophie und Wissenschaft

Von den vorsokratischen Denkern bis zu Sokrates, Platon und Aristoteles entstanden unterschiedliche Formen rationaler Begründung. Philosophie war dennoch nicht von Religion, Politik oder sozialem Kontext getrennt. Schulen wie Akademie, Peripatos, Stoa und Epikureismus waren zugleich Lehrgemeinschaften und Lebensformen.

Wissen wurde in Medizin, Mathematik, Astronomie, Geografie und Naturbeobachtung systematisiert. Die Leistungen waren Teil eines größeren Mittelmeer- und Vorderasienraums. Ein ausschließlich europäisches „griechisches Wunder“ unterschätzt Austausch und Vorwissen aus Ägypten, Mesopotamien und dem östlichen Mittelmeer.


Griechische Geschichtsschreibung

Herodot verband Erkundung, Erzählung und Ursachenfrage in seiner Darstellung der Perserkriege. Thukydides konzentrierte sich auf den Peloponnesischen Krieg und reflektierte Beweis, Wahrscheinlichkeit und politische Motivation. Xenophon führte die Kriegserzählung fort und schrieb über Führung, Wirtschaft und persische Verhältnisse.

Diese Autoren begründeten keine einheitliche moderne Wissenschaft. Ihre Werke stehen zwischen Literatur, politischer Analyse, Erinnerung und moralischer Deutung. Historikerinnen und Historiker nutzen sie, indem sie Textkomposition, Begriffe, Schweigen und Widersprüche untersuchen.


Fallvergleich: Athen und Sparta

Vergleichsbereich Athen Sparta
Politische Ordnung Direkte Bürgerdemokratie mit Volksversammlung, Rat, Gerichten und Losverfahren Gemischte Ordnung mit Doppelkönigtum, Gerusia, Ephoren und Bürgerassemblee
Träger der Vollbürgerrechte Freie erwachsene Männer athenischer Abstammung nach jeweils geltenden Bürgerrechtsregeln Spartiaten mit Vollbürgerstatus, gemeinsamer Erziehung und Teilnahme an Speisegemeinschaften
Ökonomische Grundlage Landwirtschaft, Handwerk, Handel, Tribute, Metöken und Sklavenarbeit Landbesitz und Abgaben beziehungsweise Arbeit der Heloten
Militärisches Profil Bedeutende Flotte und Hoplitenheer Starkes Landheer, später zeitweise auch Flotte
Quellenproblem Überreiche, aber sozial selektive Überlieferung Viele Fremddarstellungen und spätere Idealisierungen

Der Vergleich zeigt Gemeinsamkeiten und Unterschiede, darf aber keine starren Gegensätze produzieren. Beide Poleis veränderten sich, waren in Bündnisse eingebunden und beruhten auf Ausschluss. Das berühmte Gegensatzpaar „demokratisches Athen gegen militaristisches Sparta“ ist eine Ausgangsfrage, kein fertiges Ergebnis.


Deutung, Erinnerung und Rezeption

Das antike Griechenland wurde in römischer, byzantinischer, islamischer, frühneuzeitlicher und moderner Gelehrsamkeit immer neu gelesen. Seit dem 18. und 19. Jahrhundert machten europäische Bildungsbewegungen Griechenland zum Ursprung einer vermeintlich einheitlichen „westlichen Zivilisation“. Solche Erzählungen förderten Altertumswissenschaft und Denkmalschutz, blendeten aber oft die Verflechtung mit Afrika und Asien, soziale Ausschlüsse und historische Brüche aus.

Moderne Begriffe wie Demokratie, Bürger, Kolonie, Staat, Rasse oder Nation dürfen nicht ungeprüft in die Antike übertragen werden. Historische Begriffsarbeit fragt nach antiken Bedeutungen, modernen Übersetzungen und politischen Interessen der Rezeption.


Historische Urteilsbildung

Ein begründetes historisches Urteil trennt Sachurteil und Werturteil. Das Sachurteil rekonstruiert Bedingungen, Handlungsmöglichkeiten und Folgen aus den Quellen. Das Werturteil macht heutige Maßstäbe transparent, ohne vergangene Akteure schlicht nach gegenwärtigen Erwartungen zu sortieren.

Zur attischen Demokratie könntest Du sachlich feststellen, dass sie intensive politische Beteiligung männlicher Bürger ermöglichte und zugleich Frauen, Metöken und Versklavte ausschloss. Ein Werturteil diskutiert anschließend, welche Bedeutung dieses Spannungsverhältnis für moderne Demokratieerzählungen hat.


Interaktive Aufgaben


Quiz: Teste Dein Wissen

Welche Epochenfolge wird für das antike Griechenland traditionell verwendet? (Archaik Klassik Hellenismus) (!Bronzezeit Mittelalter Neuzeit) (!Republik Kaiserzeit Spätantike) (!Renaissance Barock Aufklärung)




Welche Quelle dokumentiert häufig öffentlich verkündete Gesetze und Verträge? (Inschrift) (!Tragödie) (!Epos) (!Mündliche Sage)




Was bezeichnete die Polis in erster Linie? (Eine politisch organisierte Bürgergemeinschaft mit Territorium) (!Ein ausschließlich religiöses Fest) (!Ein einheitliches griechisches Großreich) (!Eine persische Verwaltungseinheit)




Was war eine Apoikia der archaischen Zeit gewöhnlich? (Eine politisch selbstständige griechische Siedlung) (!Eine Provinz unter direkter Kontrolle Athens) (!Ein römisches Militärlager) (!Ein ausschließlich saisonaler Handelsmarkt)




Wer besaß in der attischen Demokratie reguläre politische Vollrechte? (Freie erwachsene männliche Bürger) (!Alle erwachsenen Einwohner Attikas) (!Frauen und Männer mit Grundbesitz) (!Alle freien Bewohner des Seebunds)




Welche Institution bereitete in Athen viele Beschlüsse der Volksversammlung vor? (Rat der 500) (!Gerusia) (!Doppelkönigtum) (!Delphisches Orakel)




Welche Entwicklung kennzeichnete den Attischen Seebund? (Er wurde zunehmend zum athenisch beherrschten Machtverband) (!Er löste alle Poleis in einem Nationalstaat auf) (!Er wurde von Sparta als Flottenbund geführt) (!Er entstand erst nach Alexanders Tod)




Welche Polis ging 404 v. Chr. als Siegerin aus dem Peloponnesischen Krieg hervor? (Sparta) (!Athen) (!Korinth) (!Theben)




Was folgte politisch auf den Tod Alexanders des Großen? (Kämpfe seiner Nachfolger und die Bildung hellenistischer Reiche) (!Die sofortige Wiederherstellung des Perserreichs) (!Die Gründung der attischen Demokratie) (!Das Ende griechischer Sprache im östlichen Mittelmeer)




Was gehört zur historischen Quellenkritik? (Entstehungssituation Adressaten und Überlieferung prüfen) (!Nur das Alter eines Gegenstands bestimmen) (!Jede antike Aussage wörtlich übernehmen) (!Moderne Werturteile an die Stelle der Analyse setzen)





Memory

Polis Politische Bürgergemeinschaft mit Territorium
Oikos Haushalt Familie und Besitzverband
Ekklesia Athenische Volksversammlung
Ostrakon Beschriftete Tonscherbe
Hoplit Schwer bewaffneter Fußsoldat
Apoikia Selbstständige griechische Siedlungsgründung
Symposion Gemeinschaftliches Trinkgelage mit sozialen Regeln
Phalanx Geschlossene Kampfformation





Drag and Drop

Ordne die richtigen Begriffe zu. Kennzeichen
Mykenische Palastzeit Linear-B-Tafeln und zentral organisierte Palastwirtschaft
Archaik Polisbildung Kolonisation und soziale Reformen
Klassik Perserkriege attische Demokratie und Peloponnesischer Krieg
Alexanderzeit Eroberung des Achämenidenreichs
Hellenismus Diadochenreiche und neue monarchische Zentren






Kreuzworträtsel

Polis Wie heißt die typische politische Bürgergemeinschaft der griechischen Antike?
Ostrakon Wie heißt eine beschriftete Tonscherbe beim Scherbengericht?
Phalanx Wie heißt die geschlossene Formation schwer bewaffneter Fußsoldaten?
Akropolis Wie heißt die befestigte Oberstadt vieler griechischer Siedlungen?
Hellenismus Wie heißt die Epoche nach den Eroberungen Alexanders?
Thukydides Welcher Historiker schrieb über den Peloponnesischen Krieg?





LearningApps


Lückentext

Vervollständige den Text.

Das antike Griechenland bestand aus zahlreichen politisch selbstständigen

. Die früheste entzifferte griechische Schrift heißt

. Eine archaische Siedlungsgründung wurde als

bezeichnet. In Athen entschied die

über zentrale politische Fragen. Der Rat der

bereitete viele Beschlüsse vor. Der Attische Seebund entwickelte sich zunehmend zu einem von

beherrschten Machtverband. Im Peloponnesischen Krieg siegte schließlich

. Alexander eroberte das Reich der

. Nach seinem Tod entstanden die Reiche der

. Historische Aussagen müssen durch systematische

geprüft werden.




Offene Aufgaben


Leicht

  1. Zeitleiste: Gestalte eine bebilderte Zeitleiste mit mindestens acht Stationen von der mykenischen Palastzeit bis zur römischen Vorherrschaft. Begründe zwei von Dir gewählte Epochengrenzen.
  2. Kartenarbeit: Markiere auf einer Karte Athen, Sparta, Delphi, Olympia, Mykene, Milet, Syrakus und Alexandria. Erkläre zu jedem Ort seine historische Bedeutung in einem Satz.
  3. Fachbegriffe: Erstelle ein Lexikon mit zehn Begriffen wie Polis, Oikos, Hoplit, Metöke und Hellenismus. Ergänze zu jedem Begriff ein Gegenbeispiel oder eine Abgrenzung.
  4. Vasenbild: Wähle ein griechisches Vasenbild aus Wikimedia Commons. Beschreibe zuerst nur sichtbare Details und formuliere anschließend drei begründete Deutungshypothesen.


Standard

  1. Herodot und Thukydides: Vergleiche zwei kurze Textausschnitte zu Krieg und Ursachen. Untersuche Autor, Gattung, Perspektive, Absicht und Grenzen der Aussagekraft.
  2. Vergleichspodcast: Produziere einen Podcast von fünf bis acht Minuten, der Athen und Sparta in Politik, Wirtschaft und sozialer Ordnung vergleicht und zwei verbreitete Klischees korrigiert.
  3. Demokratie-Dossier: Erstelle ein Dossier zur Frage, ob Athen als Demokratie bezeichnet werden kann. Berücksichtige Institutionen, Beteiligung, Ausschlüsse und den Zusammenhang mit dem Seereich.
  4. Objektbiografie: Verfolge die Biografie eines antiken Objekts vom Herstellungs- und Nutzungskontext über Auffindung und Sammlungsgeschichte bis zur heutigen Präsentation.


Schwer

  1. Forschungsdebatte: Analysiere, welche Probleme der moderne Begriff Kolonisation für archaische Apoikien erzeugt. Entwickle einen differenzierten Begriffsvorschlag und prüfe ihn an zwei Fallbeispielen.
  2. Perspektivwechsel: Rekonstruiere aus unterschiedlichen Quellengattungen Lebens- und Arbeitsbedingungen versklavter Menschen. Kennzeichne ausdrücklich, wo die Quellen keine sichere Aussage erlauben.
  3. Hellenismusprojekt: Untersuche eine hellenistische Stadt als Kontaktzone. Zeige an Sprache, Religion, Verwaltung, Architektur oder materieller Kultur Prozesse von Austausch, Anpassung und Konflikt.
  4. Ausstellungskritik: Analysiere, wie ein Museum, Schulbuch oder Film das antike Griechenland als Ursprung Europas darstellt. Entwickle ein alternatives Ausstellungskonzept, das Verflechtungen und Ausschlüsse sichtbar macht.




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Lernkontrolle

  1. Quellenkonflikt: Eine literarische Quelle preist die Einigkeit der Griechen in den Perserkriegen, während eine Inschrift griechische Unterstützer Persiens nennt. Entwickle ein Verfahren, mit dem Du beide Zeugnisse gemeinsam auswertest, ohne eines vorschnell zu verwerfen.
  2. Demokratie und Imperium: Erkläre, wie demokratische Beteiligung in Athen mit der Herrschaft über Bündner verbunden war. Formuliere ein Sachurteil und ein davon getrenntes Werturteil.
  3. Raum und Politik: Prüfe die These, Griechenlands Gebirgslandschaft habe zwangsläufig zur Poliswelt geführt. Beziehe geografische Bedingungen, soziale Organisation und überregionale Netzwerke ein.
  4. Militär und Gesellschaft: Beurteile die Behauptung, die Hoplitenphalanx habe die Demokratie verursacht. Entwickle mindestens zwei alternative Erklärungsmodelle und benenne notwendige Belege.
  5. Athen und Sparta: Entwirf eine Vergleichsmatrix, die nicht nur Unterschiede, sondern auch gemeinsame Strukturen von Ausschluss, Arbeit und Krieg sichtbar macht.
  6. Hellenismus: Widerlege oder differenziere die Aussage, nach Alexander sei die griechische Polis bedeutungslos geworden. Nutze politische, soziale und kulturelle Argumente.
  7. Rezeption der Antike: Analysiere einen modernen Gebrauch des Begriffs „Wiege der Demokratie“. Zeige, welche historischen Einsichten er ermöglicht und welche Aspekte er verdeckt.




Lernnachweis

Für einen überzeugenden Lernnachweis sind folgende Leistungen wichtig:

  1. Chronologie: Du ordnest zentrale Entwicklungen sicher ein und behandelst Epochengrenzen als begründete Konventionen.
  2. Raumkompetenz: Du verortest wichtige Landschaften, Poleis, Siedlungsräume und Verkehrsnetze.
  3. Quellenkritik: Du unterscheidest Quellengattungen und prüfst Entstehung, Perspektive, Funktion, Überlieferung und Aussagegrenzen.
  4. Fachbegriffe: Du verwendest Begriffe wie Polis, Apoikia, Oikos, Metöke, Hegemonie und Hellenismus präzise.
  5. Zusammenhangswissen: Du verbindest Politik mit Wirtschaft, Militär, Religion, Geschlecht, Abhängigkeit und Umwelt.
  6. Vergleich: Du vergleichst Athen, Sparta und hellenistische Ordnungen anhand transparenter Kriterien.
  7. Urteilsbildung: Du trennst Rekonstruktion, Sachurteil und Werturteil und begründest Deine Maßstäbe.
  8. Wissenschaftliche Redlichkeit: Du kennzeichnest Unsicherheiten, Gegenargumente, moderne Ergänzungen und verwendete Quellen.
  9. Darstellung: Du formulierst eine klare These, strukturierst Argumente und belegst sie mit geeigneten historischen Zeugnissen.

Als Lernprodukt eignet sich eine schriftliche Quellenanalyse, ein Forschungsessay, ein kommentiertes digitales Portfolio, eine Ausstellungskonzeption oder eine mündliche Prüfung mit Karten- und Objektanalyse.




OERs zum Thema


Freie Quellen und Vertiefung

  1. Wikimedia Commons: Suche nach Karten, Bauwerken, Inschriften, Münzen und Objekten und prüfe jeweils Beschreibung, Datierung und Lizenz.
  2. Wikisource: Recherchiere gemeinfreie Übersetzungen antiker Autoren und vergleiche unterschiedliche Ausgaben.
  3. Herodot: Nutze die Historien als Quelle für Perserkriege, Ethnografie und historische Erklärung.
  4. Thukydides: Untersuche seine Darstellung von Macht, Sprache und Bürgerkrieg.
  5. Aristoteles: Prüfe politische Begriffe und Verfassungsanalysen im historischen Kontext.
  6. Epigraphik: Arbeite mit Inschriften als materiellen, räumlich inszenierten und editorisch erschlossenen Quellen.


Verknüpfte Lernbereiche


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Schulfach+

Prüfungsliteratur 2026
Bundesland Bücher Kurzbeschreibung
Baden-Württemberg

Abitur

  1. Der zerbrochne Krug - Heinrich von Kleist
  2. Heimsuchung - Jenny Erpenbeck

Mittlere Reife

  1. Der Markisenmann - Jan Weiler oder Als die Welt uns gehörte - Liz Kessler
  2. Ein Schatten wie ein Leopard - Myron Levoy oder Pampa Blues - Rolf Lappert

Abitur Dorfrichter-Komödie über Wahrheit/Schuld; Roman über einen Ort und deutsche Geschichte. Mittlere Reife Wahllektüren (Roadtrip-Vater-Sohn / Jugendroman im NS-Kontext / Coming-of-age / Provinzroman).

Bayern

Abitur

  1. Der zerbrochne Krug - Heinrich von Kleist
  2. Heimsuchung - Jenny Erpenbeck

Abitur Lustspiel über Machtmissbrauch und Recht; Roman als Zeitschnitt deutscher Geschichte an einem Haus/Grundstück.

Berlin/Brandenburg

Abitur

  1. Der zerbrochne Krug - Heinrich von Kleist
  2. Woyzeck - Georg Büchner
  3. Der Biberpelz - Gerhart Hauptmann
  4. Heimsuchung - Jenny Erpenbeck

Abitur Gerichtskomödie; soziales Drama um Ausbeutung/Armut; Komödie/Satire um Diebstahl und Obrigkeit; Roman über Erinnerungsräume und Umbrüche.

Bremen

Abitur

  1. Nach Mitternacht - Irmgard Keun
  2. Mario und der Zauberer - Thomas Mann
  3. Emilia Galotti - Gotthold Ephraim Lessing oder Miss Sara Sampson - Gotthold Ephraim Lessing

Abitur Roman in der NS-Zeit (Alltag, Anpassung, Angst); Novelle über Verführung/Massenpsychologie; bürgerliche Trauerspiele (Moral, Macht, Stand).

Hamburg

Abitur

  1. Der zerbrochne Krug - Heinrich von Kleist
  2. Das kunstseidene Mädchen - Irmgard Keun

Abitur Justiz-/Machtkritik als Komödie; Großstadtroman der Weimarer Zeit (Rollenbilder, Aufstiegsträume, soziale Realität).

Hessen

Abitur

  1. Der zerbrochne Krug - Heinrich von Kleist
  2. Woyzeck - Georg Büchner
  3. Heimsuchung - Jenny Erpenbeck
  4. Der Prozess - Franz Kafka

Abitur Gerichtskomödie; Fragmentdrama über Gewalt/Entmenschlichung; Erinnerungsroman über deutsche Brüche; moderner Roman über Schuld, Macht und Bürokratie.

Niedersachsen

Abitur

  1. Der zerbrochene Krug - Heinrich von Kleist
  2. Das kunstseidene Mädchen - Irmgard Keun
  3. Die Marquise von O. - Heinrich von Kleist
  4. Über das Marionettentheater - Heinrich von Kleist

Abitur Schwerpunkt auf Drama/Roman sowie Kleist-Prosatext und Essay (Ehre, Gewalt, Unschuld; Ästhetik/„Anmut“).

Nordrhein-Westfalen

Abitur

  1. Der zerbrochne Krug - Heinrich von Kleist
  2. Heimsuchung - Jenny Erpenbeck

Abitur Komödie über Wahrheit und Autorität; Roman als literarische „Geschichtsschichtung“ an einem Ort.

Saarland

Abitur

  1. Heimsuchung - Jenny Erpenbeck
  2. Furor - Lutz Hübner und Sarah Nemitz
  3. Bahnwärter Thiel - Gerhart Hauptmann

Abitur Erinnerungsroman an einem Ort; zeitgenössisches Drama über Eskalation/Populismus; naturalistische Novelle (Pflicht/Überforderung/Abgrund).

Sachsen (berufliches Gymnasium)

Abitur

  1. Der zerbrochne Krug - Heinrich von Kleist
  2. Woyzeck - Georg Büchner
  3. Irrungen, Wirrungen - Theodor Fontane
  4. Der gute Mensch von Sezuan - Bertolt Brecht
  5. Heimsuchung - Jenny Erpenbeck
  6. Der Trafikant - Robert Seethaler

Abitur Mischung aus Klassiker-Drama, sozialem Drama, realistischem Roman, epischem Theater und Gegenwarts-/Erinnerungsroman; zusätzlich Coming-of-age im historischen Kontext.

Sachsen-Anhalt

Abitur

  1. (keine fest benannte landesweite Pflichtlektüre veröffentlicht; Themenfelder)

Abitur Schwerpunktsetzung über Themenfelder (u. a. Literatur um 1900; Sprache in politisch-gesellschaftlichen Kontexten), ohne feste Einzeltitel.

Schleswig-Holstein

Abitur

  1. Der zerbrochne Krug - Heinrich von Kleist
  2. Heimsuchung - Jenny Erpenbeck

Abitur Recht/Gerechtigkeit und historische Tiefenschichten eines Ortes – umgesetzt über Drama und Gegenwartsroman.

Thüringen

Abitur

  1. (keine fest benannte landesweite Pflichtlektüre veröffentlicht; Orientierung am gemeinsamen Aufgabenpool)

Abitur In der Praxis häufig Orientierung am gemeinsamen Aufgabenpool; landesweite Einzeltitel je nach Vorgabe/Handreichung nicht einheitlich ausgewiesen.

Mecklenburg-Vorpommern

Abitur

  1. (Quelle aktuell technisch nicht abrufbar; Beteiligung am gemeinsamen Aufgabenpool bekannt)

Abitur Land beteiligt sich am länderübergreifenden Aufgabenpool; konkrete, veröffentlichte Einzeltitel konnten hier nicht ausgelesen werden.

Rheinland-Pfalz

Abitur

  1. (keine landesweit einheitliche Pflichtlektüre; schulische Auswahl)

Abitur Keine landesweite Einheitsliste; Auswahl kann schul-/kursbezogen erfolgen.




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THE MONKEY DANCE




The Monkey DanceaiMOOCs

  1. Trust Me It's True: #Verschwörungstheorie #FakeNews
  2. Gregor Samsa Is You: #Kafka #Verwandlung
  3. Who Owns Who: #Musk #Geld
  4. Lump: #Trump #Manipulation
  5. Filth Like You: #Konsum #Heuchelei
  6. Your Poverty Pisses Me Off: #SozialeUngerechtigkeit #Musk
  7. Hello I'm Pump: #Trump #Kapitalismus
  8. Monkey Dance Party: #Lebensfreude
  9. God Hates You Too: #Religionsfanatiker
  10. You You You: #Klimawandel #Klimaleugner
  11. Monkey Free: #Konformität #Macht #Kontrolle
  12. Pure Blood: #Rassismus
  13. Monkey World: #Chaos #Illusion #Manipulation
  14. Uh Uh Uh Poor You: #Kafka #BerichtAkademie #Doppelmoral
  15. The Monkey Dance Song: #Gesellschaftskritik
  16. Will You Be Mine: #Love
  17. Arbeitsheft
  18. And Thanks for Your Meat: #AntiFactoryFarming #AnimalRights #MeatIndustry


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