D9 E - Tempusfunktionen, Aktiv und Passiv

D9 E - Tempusfunktionen, Aktiv und Passiv
D9 E - Tempusfunktionen, Aktiv und Passiv
Einleitung
In diesem aiMOOC untersuchst Du nicht nur, wie Zeitformen und Passivformen gebildet werden, sondern vor allem, warum Schreibende eine bestimmte Form wählen und welche Aussagewirkung dadurch entsteht. Das ist für das E-Niveau besonders wichtig: Eine grammatische Form ist nicht bloß „richtig“ oder „falsch“, sondern kann Informationen gewichten, zeitliche Beziehungen ordnen, Nähe oder Distanz erzeugen und handelnde Personen hervorheben oder in den Hintergrund treten lassen.
Im Mittelpunkt stehen die sechs traditionellen Tempora des Deutschen – Präsens, Präteritum, Perfekt, Plusquamperfekt, Futur I und Futur II – sowie Aktiv, Vorgangspassiv und Zustandspassiv. Du lernst, Tempusformen in unterschiedlichen Textsorten zu analysieren, Aktiv- und Passivkonstruktionen miteinander zu vergleichen und ihre Wirkung begründet zu beschreiben.

Eine Sanduhr zeigt Zeit als linearen Ablauf. Sprache funktioniert differenzierter: Ein Tempus kann sich auf Gegenwart, Vergangenheit oder Zukunft beziehen, doch die grammatische Zeitform und die gemeinte Zeitstufe sind nicht immer identisch. Genau diese Unterscheidung ist für eine anspruchsvolle Sprachanalyse entscheidend.
Lernziele
Nach diesem aiMOOC kannst Du
- Tempusformen sicher bestimmen und ihre grundlegende Bildung erläutern.
- zwischen grammatischem Tempus und zeitlicher Bedeutung unterscheiden.
- verschiedene Funktionen des Präsens, Präteritums, Perfekts, Plusquamperfekts, Futurs I und Futurs II analysieren.
- die Wirkung von Tempuswechseln in erzählenden, informierenden, argumentierenden und berichtenden Texten erklären.
- Aktiv, Vorgangspassiv und Zustandspassiv unterscheiden.
- untersuchen, wie Aktiv und Passiv Verantwortung, Handelnde, Vorgänge und Ergebnisse sprachlich gewichten.
- grammatische Beobachtungen mit Textwirkung und Kommunikationsabsicht verbinden.
Tempus: grammatische Form und zeitliche Bedeutung
Das Tempus ist eine grammatische Kategorie des Verbs. In der traditionellen Schulgrammatik werden im Deutschen sechs Tempusformen unterschieden. Dabei ist wichtig: Tempusform und Zeitstufe sind nicht dasselbe. Ein Präsens kann beispielsweise Zukünftiges ausdrücken, und das Futur I kann eine Vermutung über die Gegenwart formulieren.
Vergleiche:
Morgen schreiben wir die Klassenarbeit.
Die Verbform schreiben steht im Präsens. Durch die Zeitangabe morgen ist trotzdem eindeutig, dass das Ereignis in der Zukunft liegt.
Lena wird jetzt wahrscheinlich zu Hause sein.
Die Form wird ... sein ist Futur I. Inhaltlich geht es aber nicht um die Zukunft, sondern um eine Vermutung über die Gegenwart.
Für die Textanalyse reicht es deshalb nicht, lediglich die Verbform zu benennen. Du solltest immer fragen:
- Welche Tempusform liegt vor?
- Auf welche Zeitstufe verweist sie im Kontext?
- Welche Funktion erfüllt sie?
- Welche Wirkung entsteht durch diese Wahl?
Überblick über die sechs Tempora
| Tempus | Beispiel | Häufige Funktion | Typische Aussagewirkung |
|---|---|---|---|
| Präsens | Die Klasse diskutiert den Vorschlag. | Gegenwart, Allgemeingültigkeit, Zukunft, Vergegenwärtigung | unmittelbar, aktuell, allgemein gültig oder planmäßig |
| Präteritum | Die Klasse diskutierte den Vorschlag. | vergangenes Erzählen und Berichten | erzählerisch, distanzierend, rückblickend |
| Perfekt | Die Klasse hat den Vorschlag diskutiert. | vergangenes Geschehen, besonders in gesprochener Sprache | abgeschlossen wirkend, häufig gegenwartsnah |
| Plusquamperfekt | Die Klasse hatte den Vorschlag diskutiert. | Vorzeitigkeit zu einem vergangenen Bezugspunkt | ordnet Ereignisse auf mehreren Vergangenheitsebenen |
| Futur I | Die Klasse wird den Vorschlag diskutieren. | Zukunft, Prognose, Absicht, Vermutung | vorausblickend, ankündigend oder unsicher |
| Futur II | Die Klasse wird den Vorschlag diskutiert haben. | Abgeschlossenheit vor einem zukünftigen Bezugspunkt oder Vermutung über Vergangenes | rückblickend aus einer Zukunftsperspektive oder vermutend |
Das Video gibt Dir einen Überblick über die sechs traditionellen Zeitformen. Für das E-Niveau gehst Du anschließend einen Schritt weiter: Entscheidend ist nicht nur die Formenbildung, sondern ihre Funktion im jeweiligen Textzusammenhang.
Funktionen des Präsens
Das Präsens ist besonders vielseitig. Es bezeichnet keineswegs nur das, was genau im Sprechmoment geschieht.
Aktuelles Präsens
Beispiel – Livebericht:
„Die Läuferin biegt auf die Zielgerade ein. Das Publikum steht auf. Sie beschleunigt noch einmal und gewinnt das Rennen.“
Hier fallen Sprechzeit und dargestelltes Geschehen nahezu zusammen. Die Wirkung ist unmittelbar und gegenwartsnah. Sportreportagen, Live-Ticker und Kommentare nutzen diese Funktion häufig.
Allgemeingültiges Präsens
Beispiel – Sachtext:
„Wasser gefriert unter Normaldruck bei null Grad Celsius. Beim Gefrieren bildet sich Eis.“
Das Präsens stellt die Aussagen als allgemein gültig dar. Diese Funktion ist typisch für Definitionen, Lehrtexte, wissenschaftsnahe Darstellungen und Regeln.
Futurisches Präsens
Beispiel – Schulorganisation:
„Am Freitag endet der Unterricht bereits um 11.15 Uhr. Danach fährt der Bus nach dem Sonderfahrplan.“
Obwohl die Verben im Präsens stehen, wird Zukünftiges ausgedrückt. Die genaue Zeitangabe macht das Futur I überflüssig. Die Wirkung ist oft sicher, geplant und festgelegt.
Vergleiche:
„Am Freitag endet der Unterricht um 11.15 Uhr.“
„Am Freitag wird der Unterricht um 11.15 Uhr enden.“
Die Präsensform kann einen feststehenden Plan knapp und verbindlich präsentieren. Das Futur I markiert den Zukunftsbezug deutlicher und kann dadurch ankündigender wirken.
Historisches Präsens
Beispiel – historische Darstellung:
„Im Herbst 1989 wächst der Protest in der DDR. Immer mehr Menschen demonstrieren. Am 9. November fällt schließlich die Berliner Mauer.“
Die Ereignisse liegen in der Vergangenheit, werden aber im Präsens dargestellt. Das historische Präsens kann vergangene Vorgänge vergegenwärtigen und lebendiger erscheinen lassen.
Vergleiche:
„Am 9. November 1989 fiel die Berliner Mauer.“
„Am 9. November 1989 fällt die Berliner Mauer.“
Die erste Variante wirkt stärker rückblickend. Die zweite zieht das Ereignis sprachlich näher an die Lesenden heran.
Funktionen des Präteritums
Das Präteritum ist ein zentrales Erzähltempus der geschriebenen Standardsprache.
Erzählen in der Vergangenheit
Beispiel – Erzähltext:
„Mara öffnete vorsichtig die Kellertür. Ein kalter Luftzug strich über ihr Gesicht. Hinter den Kisten raschelte etwas.“
Das Präteritum etabliert eine vergangene Erzählebene. Es wirkt in schriftlichen Erzählungen meist unauffällig und ermöglicht eine fortlaufende Darstellung von Ereignissen.
Berichtende Distanz
Beispiel – Bericht:
„Der Ausschuss beriet am Dienstag über den Antrag. Nach zweistündiger Diskussion lehnte die Mehrheit den Vorschlag ab.“
Das Präteritum signalisiert einen rückblickenden Bericht. Es kann sachliche Distanz erzeugen, weil die dargestellten Vorgänge zeitlich abgeschlossen erscheinen.
Wichtig: Präteritum und Perfekt unterscheiden sich im Deutschen nicht einfach nach dem Muster „unabgeschlossen“ gegen „abgeschlossen“. Häufig entscheiden Textsorte, Region, Sprachsituation und Stil über die Wahl.
Funktionen des Perfekts
Das Perfekt wird mit einer Form von haben oder sein und dem Partizip II gebildet.
Beispiele:
„Ich habe den Artikel gelesen.“
„Wir sind nach Hause gegangen.“
Vergangenheit in gesprochener Sprache
Beispiel – Gespräch:
„Was ist gestern passiert?“
„Wir haben zuerst auf den Bus gewartet. Dann ist er ausgefallen, und wir sind zu Fuß gegangen.“
In vielen Bereichen des gesprochenen Deutschen ist das Perfekt die übliche Form, um Vergangenes zu erzählen. Die Äußerung kann dadurch gesprächsnah und gegenwartsbezogen wirken.
Ergebnis mit Bedeutung für die Gegenwart
Beispiel:
„Ich habe meinen Schlüssel verloren.“
Der Vorgang des Verlierens liegt in der Vergangenheit. Im passenden Kontext ist jedoch besonders wichtig, dass der Schlüssel jetzt nicht verfügbar ist. Die Form kann deshalb einen Gegenwartsbezug nahelegen.
Der Gegenwartsbezug entsteht allerdings nicht automatisch bei jedem Perfekt. Entscheidend bleibt der Kontext.
Funktionen des Plusquamperfekts
Das Plusquamperfekt bezeichnet typischerweise einen Vorgang, der vor einem bereits vergangenen Bezugspunkt liegt.
Beispiel – Erzählung mit Rückgriff:
„Als Jonas am Bahnhof ankam, war der Zug bereits abgefahren. Er hatte den Wecker am Morgen überhört.“
Die Ereignisfolge lautet:
- Jonas überhörte zuerst den Wecker.
- Danach fuhr der Zug ab.
- Später kam Jonas am Bahnhof an.
Das Plusquamperfekt macht die Vorvergangenheit sprachlich sichtbar. Es hilft besonders in komplexen Erzählungen, zeitliche Ebenen zu ordnen.
Aussagewirkung des Plusquamperfekts
Vergleiche:
„Nora öffnete die Datei. Zuvor speicherte sie eine Sicherungskopie.“
„Nora öffnete die Datei. Zuvor hatte sie eine Sicherungskopie gespeichert.“
Beide Varianten können verständlich sein. Das Plusquamperfekt markiert die Vorzeitigkeit jedoch grammatisch besonders deutlich. In komplexeren Texten erhöht das die zeitliche Orientierung.
Funktionen des Futurs I
Das Futur I wird mit einer Form von werden und dem Infinitiv gebildet.
„Ich werde morgen früher kommen.“
Es kann Zukunft ausdrücken, ist dafür aber nicht zwingend erforderlich.
Prognose und Ankündigung
Beispiel – Wetterbericht:
„Am Abend wird der Wind deutlich zunehmen. In höheren Lagen wird es schneien.“
Das Futur I unterstreicht den Charakter einer Vorhersage.
Beispiel – Ankündigung:
„Im folgenden Kapitel werde ich die Ergebnisse genauer erläutern.“
Hier strukturiert das Futur I einen Text und kündigt den nächsten Schritt an.
Vermutung über die Gegenwart
Beispiel:
„Noah wird gerade im Training sein.“
Gemeint ist ungefähr: „Vermutlich ist Noah gerade im Training.“
Das Futur I kann also eine epistemische Funktion haben: Es kennzeichnet, dass der Sprecher eine Annahme formuliert und keine sichere Tatsache behauptet.
Funktionen des Futurs II
Das Futur II wird mit einer Form von werden, dem Partizip II und haben oder sein gebildet.
„Bis Freitag wird die Klasse das Projekt abgeschlossen haben.“
Abgeschlossenheit vor einem zukünftigen Zeitpunkt
Beispiel – Projektplanung:
„Wenn die Präsentation am Freitag beginnt, werden alle Gruppen ihre Folien hochgeladen haben.“
Der Abschluss des Hochladens liegt aus Sicht des Satzes vor dem zukünftigen Beginn der Präsentation.
Vermutung über Vergangenes
Beispiel:
„Mira wird die Nachricht inzwischen gelesen haben.“
Gemeint ist ungefähr: „Ich nehme an, dass Mira die Nachricht bereits gelesen hat.“
Das Futur II kann daher nicht nur eine Zukunftsrelation ausdrücken, sondern auch eine Vermutung über ein bereits abgeschlossenes Geschehen.
Tempuswahl und Aussagewirkung in Textsorten
Die Wirkung eines Tempus lässt sich nur im Zusammenhang mit der Textsorte und der Kommunikationsabsicht beurteilen.
Textbeispiel 1: Nachricht
Variante A:
„Am Dienstagmorgen sperrte die Feuerwehr die Straße. Ein beschädigter Baum blockierte beide Fahrspuren. Gegen 10 Uhr gab die Polizei die Strecke wieder frei.“
Das Präteritum erzeugt einen typischen rückblickenden Bericht.
Variante B:
„Am Dienstagmorgen ist die Straße gesperrt worden. Ein beschädigter Baum hat beide Fahrspuren blockiert. Gegen 10 Uhr hat die Polizei die Strecke wieder freigegeben.“
Die Perfektformen wirken stärker wie ein mündlicher oder gesprächsnaher Rückblick. In einer formellen Nachricht kann deshalb die erste Fassung stilistisch erwartbarer sein.
Textbeispiel 2: Live-Ticker
„Noch fünf Minuten. Die Heimmannschaft drängt nach vorn. Der Ball landet im Strafraum, die Torhüterin wehrt ab, doch der Nachschuss sitzt.“
Das Präsens erzeugt den Eindruck, das Geschehen entwickle sich direkt vor den Lesenden.
Textbeispiel 3: Rückblende in einer Erzählung
„Lea blieb vor der verschlossenen Tür stehen. Erst jetzt erinnerte sie sich: Sie hatte den Schlüssel am Morgen auf den Küchentisch gelegt.“
Präteritum bildet die Haupterzählung, Plusquamperfekt markiert den Rückgriff auf ein früheres Ereignis.
Textbeispiel 4: Zukunftsplanung
„Am kommenden Montag beginnt die Projektwoche. Bis Mittwoch werden die Gruppen ihre Recherche abgeschlossen haben. Am Donnerstag präsentieren sie die Ergebnisse.“
Hier stehen futurisches Präsens und Futur II nebeneinander. Das Präsens lässt fest geplante Termine verbindlich wirken; das Futur II markiert, dass eine Handlung bis zu einem zukünftigen Zeitpunkt abgeschlossen sein soll.
Tempuswechsel als Gestaltungsmittel
Ein Wechsel der Zeitform kann sinnvoll sein, wenn sich auch die zeitliche Perspektive oder Darstellungsfunktion ändert.
Beispiel:
„Der Wanderer ging seit Stunden durch den Wald. Plötzlich hört er hinter sich ein Knacken. Er dreht sich um – und niemand ist zu sehen.“
Der Wechsel vom Präteritum ins Präsens kann die entscheidende Szene vergegenwärtigen. In literarischen oder journalistischen Texten kann ein solcher Wechsel Spannung und Unmittelbarkeit steigern.
Ein unbegründeter Tempuswechsel kann dagegen störend wirken:
„Gestern ging ich zum Bahnhof und kaufe dort eine Fahrkarte.“
Ohne besondere Funktion kollidieren die Zeitformen. Bei einer Analyse musst Du deshalb unterscheiden: Ist der Wechsel ein Fehler oder ein bewusstes Gestaltungsmittel?
Aktiv und Passiv: Perspektive auf ein Geschehen
Aktiv und Passiv verändern nicht unbedingt das bezeichnete Ereignis, aber sie verändern dessen sprachliche Perspektivierung.
Vergleiche:
„Die Redaktion kürzte den Artikel.“
„Der Artikel wurde von der Redaktion gekürzt.“
„Der Artikel wurde gekürzt.“
In allen drei Sätzen kann dasselbe Kürzen gemeint sein. Doch die Gewichtung verändert sich.

Beim Aktiv steht die handelnde oder verursachende Instanz häufig in der Subjektposition. Dadurch lässt sich Verantwortung sprachlich deutlich zuordnen.

Passivkonstruktionen verändern die Perspektive: Das von der Handlung betroffene Element kann ins Zentrum rücken, während das Agens entfallen oder nur als zusätzliche Angabe erscheinen kann.
Aktiv
Das Aktiv ist im Deutschen die unmarkierte Grundform.
Beispiel:
„Die Technikerin überprüft den Server.“
Subjekt: die Technikerin
Prädikat: überprüft
Akkusativobjekt: den Server
Die Technikerin erscheint als handelnde Person im Vordergrund.
Aussagewirkung:
Das Aktiv eignet sich besonders, wenn wichtig ist, wer etwas tut, entscheidet, verursacht oder verantwortet.
Authentisches Textmuster: Verantwortung im Aktiv
Schulmitteilung:
„Die Schulleitung verschiebt den Elternabend auf Donnerstag.“
Die handelnde Institution wird ausdrücklich genannt. Die Entscheidung erscheint klar zugeordnet.
Vergleiche:
„Der Elternabend wird auf Donnerstag verschoben.“
Die Entscheidung selbst steht nun im Vordergrund; wer sie getroffen hat, bleibt ungenannt.
Diese Veränderung muss nicht automatisch Manipulation bedeuten. Passiv kann aus vielen sachlichen Gründen verwendet werden. In kritischen Textanalysen solltest Du jedoch prüfen, ob eine handelnde Instanz relevant wäre und warum sie möglicherweise nicht genannt wird.
Vorgangspassiv
Das Vorgangspassiv beschreibt vor allem einen Vorgang, eine Handlung oder eine Veränderung. Es wird mit einer Form von werden und dem Partizip II gebildet.
Aktiv:
„Die Werkstatt repariert das Fahrrad.“
Vorgangspassiv:
„Das Fahrrad wird repariert.“
Vorgangspassiv mit Agensangabe:
„Das Fahrrad wird von der Werkstatt repariert.“
Das Akkusativobjekt des Aktivsatzes wird beim persönlichen Vorgangspassiv typischerweise zum Subjekt. Die handelnde Instanz kann mit einer Präpositionalgruppe ergänzt werden, muss aber nicht genannt werden.
Aussagewirkung des Vorgangspassivs
Das Vorgangspassiv ist besonders geeignet, wenn
- der Vorgang wichtiger ist als die handelnde Person.
- die handelnde Person unbekannt ist.
- die handelnde Person aus dem Kontext bereits klar ist.
- ein sachlicher oder verfahrensorientierter Stil angestrebt wird.
- die Verantwortung nicht ausdrücklich in den Vordergrund gestellt werden soll.
Die letzte Möglichkeit ist für die Textanalyse besonders interessant. Formuliere aber vorsichtig: Ein Passivsatz kann Verantwortung sprachlich in den Hintergrund treten lassen; aus der Form allein kannst Du keine Absicht beweisen.
Textbeispiel: Versuchsanleitung
„Zuerst wird das Wasser auf 80 Grad erhitzt. Anschließend wird die Lösung vorsichtig umgerührt. Danach werden drei Tropfen Indikator hinzugegeben.“
Hier ist nicht wichtig, wer die einzelnen Handlungen ausführt. Entscheidend ist die Reihenfolge des Verfahrens. Das Vorgangspassiv wirkt sachlich, prozessorientiert und personenfern.
Textbeispiel: Verwaltungssprache
„Der Antrag wird geprüft. Fehlende Unterlagen werden nachgefordert. Nach Abschluss der Prüfung wird eine Entscheidung mitgeteilt.“
Das Verfahren steht im Mittelpunkt. Die zuständigen Personen oder Stellen werden nicht jedes Mal genannt.
Vorgangspassiv in verschiedenen Tempora
| Tempus | Vorgangspassiv von „prüfen“ | Funktion im Beispiel |
|---|---|---|
| Präsens | Der Antrag wird geprüft. | laufender oder allgemein beschriebener Vorgang |
| Präteritum | Der Antrag wurde geprüft. | vergangener Vorgang |
| Perfekt | Der Antrag ist geprüft worden. | vergangener Vorgang mit Perfektform |
| Plusquamperfekt | Der Antrag war geprüft worden. | Vorgang vor einem anderen vergangenen Zeitpunkt |
| Futur I | Der Antrag wird geprüft werden. | zukünftiger oder angekündigter Vorgang |
| Futur II | Der Antrag wird geprüft worden sein. | bis zu einem Bezugspunkt abgeschlossener Vorgang; selten |
Achte beim Perfekt des Vorgangspassivs besonders auf worden: „Der Antrag ist geprüft worden.“ Die Form geworden gehört dagegen zum Vollverb „werden“ im Sinn von „sich entwickeln“, etwa: „Er ist müde geworden.“
Das Video stellt Vorgangs- und Zustandspassiv gegenüber. Nutze es vor allem, um auf den Bedeutungsunterschied Vorgang versus Resultatzustand zu achten.
Zustandspassiv
Das Zustandspassiv wird typischerweise mit einer Form von sein und dem Partizip II gebildet.
Vorgangspassiv:
„Die Tür wird geöffnet.“
Der Vorgang des Öffnens steht im Mittelpunkt.
Zustandspassiv:
„Die Tür ist geöffnet.“
Der resultierende Zustand steht im Mittelpunkt: Die Tür befindet sich nach einem Öffnungsvorgang im geöffneten Zustand.
Aussagewirkung des Zustandspassivs
Das Zustandspassiv richtet den Blick auf das Ergebnis einer vorausgegangenen Handlung.
Beispiel – Veranstaltungsbericht:
„Der Saal ist vorbereitet. Die Stühle sind aufgestellt. Die Technik ist angeschlossen.“
Nicht das Vorbereiten, Aufstellen oder Anschließen wird erzählt. Entscheidend ist: Alles befindet sich jetzt im benötigten Zustand.
Zustandspassiv in verschiedenen Tempora
| Tempus | Beispiel | Aussage |
|---|---|---|
| Präsens | Die Tür ist geöffnet. | gegenwärtiger Zustand |
| Präteritum | Die Tür war geöffnet. | vergangener Zustand |
| Perfekt | Die Tür ist geöffnet gewesen. | zurückblickend dargestellter Zustand |
| Plusquamperfekt | Die Tür war geöffnet gewesen. | Zustand vor einem vergangenen Bezugspunkt; selten |
| Futur I | Die Tür wird geöffnet sein. | erwarteter zukünftiger Zustand |
| Futur II | Die Tür wird geöffnet gewesen sein. | sehr seltene komplexe Zeitrelation |
Nicht jede Verbindung von sein + Partizip II ist automatisch ein Zustandspassiv. Vergleiche:
„Mira ist gegangen.“
Das ist Perfekt Aktiv des Verbs „gehen“ und kein Zustandspassiv.
„Die Tür ist geöffnet.“
Hier kann ein Resultatzustand bezeichnet werden. Im schulgrammatischen Kontext wird dies als Zustandspassiv analysiert.
Aktiv, Vorgangspassiv und Zustandspassiv im direkten Vergleich
| Form | Beispiel | Fokus | Typische Wirkung |
|---|---|---|---|
| Aktiv | Die Hausmeisterin schließt die Tür. | handelnde Person und Handlung | verantwortlich, direkt, handlungsorientiert |
| Vorgangspassiv | Die Tür wird geschlossen. | Handlung oder Veränderung | prozessorientiert, Agens kann zurücktreten |
| Zustandspassiv | Die Tür ist geschlossen. | Ergebniszustand | resultatorientiert, statisch |
Minimalpaar 1: Wer handelt?
„Die Redaktion löschte den Kommentar.“
„Der Kommentar wurde gelöscht.“
Im Aktiv wird die Redaktion klar als Handelnde benannt. Im Passiv kann sie entfallen. Dadurch verschiebt sich die Aufmerksamkeit vom Verantwortlichen auf das Ereignis.
Minimalpaar 2: Vorgang oder Ergebnis?
„Die Bühne wird aufgebaut.“
„Die Bühne ist aufgebaut.“
Im ersten Satz findet der Aufbau statt. Im zweiten Satz ist er abgeschlossen; der resultierende Zustand wird beschrieben.
Minimalpaar 3: Prozessbeschreibung
„Die Schülerinnen und Schüler messen die Temperatur.“
„Die Temperatur wird gemessen.“
Die Aktivform eignet sich, wenn die handelnde Gruppe wichtig ist. Die Passivform eignet sich, wenn die Messung als Arbeitsschritt eines Verfahrens dargestellt werden soll.
Minimalpaar 4: Verantwortung in öffentlichen Aussagen
„Das Unternehmen speicherte Kundendaten unverschlüsselt.“
„Kundendaten wurden unverschlüsselt gespeichert.“
Beide Sätze können denselben Sachverhalt beschreiben. Im Aktiv wird der Verursacher deutlich genannt. Im Passiv rückt das problematische Ergebnis stärker in den Fokus, während die verantwortliche Instanz fehlen kann. In einer kritischen Analyse solltest Du untersuchen, welche Variante im jeweiligen Kommunikationszusammenhang informativer oder angemessener ist.
Das unpersönliche Vorgangspassiv
Nicht jedes Passiv benötigt ein persönliches Subjekt.
Beispiel:
„Heute wird getanzt.“
„Im Unterricht wird viel diskutiert.“
Hier gibt es kein Akkusativobjekt, das zum Subjekt werden könnte. Trotzdem kann ein Vorgangspassiv gebildet werden. Solche Formen eignen sich, wenn die Tätigkeit selbst und nicht die ausführenden Personen im Mittelpunkt stehen.
Mit Platzhalter kann auch formuliert werden:
„Es wird heute getanzt.“
Steht ein anderes Satzglied an erster Stelle, entfällt das Platzhalter-es:
„Heute wird getanzt.“
Agensangaben mit „von“ und „durch“
Eine im Passiv nicht als Subjekt genannte handelnde oder verursachende Instanz kann ergänzt werden.
Beispiel:
„Die Straße wurde von der Polizei gesperrt.“
Die Polizei ist die handelnde Institution.
Beispiel:
„Die Straße wurde durch einen Erdrutsch blockiert.“
Der Erdrutsch ist eher Ursache oder auslösendes Geschehen als bewusst handelnde Person.
Diese Unterscheidung ist eine nützliche Orientierung, aber der tatsächliche Sprachgebrauch hängt vom jeweiligen Verb und Kontext ab.
Textanalyse auf E-Niveau
Eine überzeugende Analyse verbindet immer Form, Funktion und Wirkung.
Schwach wäre:
„Der Satz steht im Passiv.“
Stärker ist:
„Der Autor verwendet ein Vorgangspassiv. Dadurch rückt die Durchführung der Maßnahme in den Vordergrund, während die verantwortliche Person ungenannt bleibt.“
Noch stärker ist:
„Der Autor verwendet das Vorgangspassiv ‚Die Daten wurden gelöscht‘. Dadurch wird der Löschvorgang hervorgehoben, während die handelnde Instanz sprachlich zurücktritt. Im Kontext einer Stellungnahme ist das bedeutsam, weil die Frage nach Verantwortung für die Löschung offenbleibt.“
Analyseschema
| Schritt | Leitfrage | Formulierungsbeispiel |
|---|---|---|
| Bestimmen | Welche grammatische Form liegt vor? | „Die Verbform steht im Plusquamperfekt.“ |
| Belegen | Welche Textstelle zeigt das? | „Dies zeigt die Form ‚hatte gespeichert‘.“ |
| Funktion erklären | Welche zeitliche oder perspektivische Funktion erfüllt die Form? | „Das Plusquamperfekt markiert Vorzeitigkeit.“ |
| Wirkung deuten | Welche Wirkung entsteht im Text? | „Die Ereignisfolge wird eindeutig geordnet.“ |
| Kontext einbeziehen | Warum passt die Form zur Textsorte und Absicht? | „In der Rückblende verhindert die Form zeitliche Unklarheit.“ |
Formulierungshilfen für die Analyse
- Tempusfunktion: „Das Präsens bezeichnet hier nicht die unmittelbare Gegenwart, sondern …“
- Zeitverhältnis: „Durch das Plusquamperfekt wird deutlich, dass … bereits vor … geschehen war.“
- Aussagewirkung: „Der Tempuswechsel bewirkt, dass die Szene …“
- Aktiv: „Die Aktivkonstruktion rückt … als handelnde Instanz in den Vordergrund.“
- Vorgangspassiv: „Das Vorgangspassiv konzentriert die Aussage auf …“
- Zustandspassiv: „Das Zustandspassiv hebt den nach Abschluss des Vorgangs bestehenden Zustand hervor.“
- Verantwortung: „Da das Agens nicht genannt wird, bleibt offen, wer …“
- Textsorte: „Diese Form passt zur Textsorte, weil …“
Umfangreiche Textbeispiele mit Analyse
Beispiel A: Unfallmeldung
Text:
„Am frühen Morgen stieß auf der Bundesstraße ein Lieferwagen mit einem Pkw zusammen. Die Fahrbahn wurde für etwa zwei Stunden gesperrt. Gegen 8 Uhr war die Unfallstelle vollständig geräumt. Seit 8.15 Uhr fließt der Verkehr wieder.“
Analyse:
„stieß“ steht im Präteritum und berichtet rückblickend über das zentrale Ereignis. „wurde gesperrt“ ist Vorgangspassiv im Präteritum; die Sperrung selbst ist wichtiger als die Person, die sie veranlasste. „war geräumt“ beschreibt als Zustandspassiv den erreichten Ergebniszustand. „fließt“ steht im Präsens und aktualisiert die Lage zum Berichtszeitpunkt.
Die verschiedenen Formen erfüllen also unterschiedliche Informationsfunktionen innerhalb eines kurzen Textes.
Beispiel B: Protokoll einer Sitzung
Text:
„Die Klassensprecherin eröffnete die Sitzung um 13.05 Uhr. Zunächst wurde über die Gestaltung des Pausenhofs diskutiert. Die Klasse hatte vor der Sitzung bereits Vorschläge gesammelt. Am Ende beschloss die Gruppe, zwei Entwürfe einzureichen.“
Analyse:
Das Präteritum bildet die zeitliche Grundebene des Protokolls. Das Vorgangspassiv „wurde diskutiert“ fokussiert den Tagesordnungspunkt statt einzelner Sprecher. Das Plusquamperfekt „hatte gesammelt“ markiert einen Vorgang, der vor der protokollierten Sitzung lag.
Beispiel C: Wissenschaftsnaher Sachtext
Text:
„Bei der Fotosynthese wandeln Pflanzen Lichtenergie in chemische Energie um. Dabei wird Kohlenstoffdioxid aufgenommen. Sauerstoff wird freigesetzt.“
Analyse:
Das allgemeingültige Präsens stellt den Prozess als grundsätzlich gültig dar. Die Passivformen lenken die Aufmerksamkeit auf Vorgänge und Stoffe. Wer oder was den Vorgang auf molekularer Ebene jeweils verursacht, muss nicht in jedem Satz als handelndes Subjekt formuliert werden.
Beispiel D: Zukunftsprognose
Text:
„Bis zum Jahr 2030 werden viele Kommunen ihre Wärmenetze weiter ausgebaut haben. Gleichzeitig steigt der Bedarf an Fachkräften. Neue Ausbildungsangebote werden deshalb vermutlich an Bedeutung gewinnen.“
Analyse:
Das Futur II markiert eine erwartete Abgeschlossenheit zu einem zukünftigen Bezugspunkt. Das Präsens „steigt“ kann eine erwartete Entwicklung als relativ unmittelbar oder sicher darstellen. Das Futur I mit „vermutlich“ macht den Prognosecharakter deutlich.
Beispiel E: Krisenkommunikation
Text:
„Bei der Verarbeitung der Daten sind Fehler aufgetreten. Mehrere Datensätze wurden gelöscht. Die betroffenen Systeme sind inzwischen gesichert.“
Analyse:
„sind aufgetreten“ ist Perfekt Aktiv, obwohl eine Form von „sein“ vorkommt. „wurden gelöscht“ ist Vorgangspassiv; die Verantwortlichen werden nicht genannt. „sind gesichert“ kann als Zustandspassiv gelesen werden und beschreibt den erreichten Zustand. Gerade in öffentlicher Kommunikation lohnt sich die Frage, welche Akteure ausdrücklich benannt werden und welche nicht.
Beispiel F: Spannendes Erzählen mit Tempuswechsel
Text:
„Seit einer Stunde wartete Amir vor dem Gebäude. Niemand hatte auf seine Nachrichten geantwortet. Plötzlich geht im dritten Stock ein Licht an. Ein Schatten erscheint am Fenster.“
Analyse:
Präteritum und Plusquamperfekt ordnen zunächst die Vergangenheit. Der Wechsel ins Präsens vergegenwärtigt den Wendepunkt. Die Szene kann dadurch dynamischer und unmittelbarer wirken.
Häufige Fehler und Denkfallen
Denkfalle 1: Präsens bedeutet immer Gegenwart
Falsch. Präsens kann Gegenwart, Allgemeingültigkeit, Zukunft oder die Vergegenwärtigung von Vergangenem ausdrücken.
Denkfalle 2: Futur I bedeutet immer Zukunft
Falsch. Futur I kann auch eine Vermutung über die Gegenwart ausdrücken:
„Sie wird jetzt im Zug sein.“
Denkfalle 3: Perfekt ist immer „abgeschlossener“ als Präteritum
So einfach ist es im Deutschen nicht. Der Unterschied hängt stark von Sprachsituation, Textsorte und regionalem Sprachgebrauch ab.
Denkfalle 4: Jeder Satz mit „sein + Partizip II“ ist Zustandspassiv
Falsch.
„Er ist gegangen.“
ist Perfekt Aktiv.
„Die Tür ist geöffnet.“
bezeichnet im schulgrammatischen Sinn einen Resultatzustand und kann als Zustandspassiv analysiert werden.
Denkfalle 5: Passiv ist grundsätzlich schlechter Stil
Falsch. Passiv ist sinnvoll, wenn der Vorgang oder das Ergebnis wichtiger ist als die handelnde Person. Problematisch kann es werden, wenn ein Text dadurch unnötig unklar oder schwer verständlich wird.
Denkfalle 6: Passiv verschweigt immer absichtlich Verantwortung
Auch das ist falsch. Ein Passivsatz kann Handelnde in den Hintergrund treten lassen, doch die Absicht lässt sich nur aus dem Kontext begründet erschließen.
Interaktive Aufgaben
Quiz: Teste Dein Wissen
Welche Aussage über Tempus und Zeitstufe ist korrekt? (Eine Präsensform kann sich auch auf zukünftige Ereignisse beziehen) (!Jede Präsensform bezeichnet ausschließlich die Gegenwart) (!Jede Futurform bezeichnet ausschließlich die Zukunft) (!Tempus und Zeitstufe sind immer identisch)
Welche Funktion hat das Präsens in dem Satz Morgen beginnt die Projektwoche? (Futurisches Präsens) (!Historisches Präsens) (!Allgemeingültiges Präsens) (!Präteritales Präsens)
Welche Wirkung kann historisches Präsens haben? (Vergangene Ereignisse werden vergegenwärtigt) (!Zukünftige Ereignisse werden als unsicher dargestellt) (!Ein Zustand wird als abgeschlossen markiert) (!Die handelnde Person wird automatisch verschwiegen)
Welche Funktion erfüllt das Plusquamperfekt typischerweise? (Es markiert Vorzeitigkeit gegenüber einem vergangenen Bezugspunkt) (!Es bezeichnet ausschließlich zukünftige Pläne) (!Es ersetzt grundsätzlich das Präsens) (!Es kennzeichnet immer eine Vermutung)
Welche Bedeutung kann Futur I in Er wird jetzt zu Hause sein haben? (Eine Vermutung über die Gegenwart) (!Eine sichere Aussage über die Vergangenheit) (!Einen abgeschlossenen Zustand im Passiv) (!Eine Vorvergangenheit)
Welche Bedeutung kann der Satz Sie wird die Nachricht gelesen haben ausdrücken? (Eine Vermutung über ein abgeschlossenes Geschehen) (!Nur eine aktuell ablaufende Handlung) (!Nur einen Befehl) (!Ein Zustandspassiv im Präsens)
Welche Aussage beschreibt eine typische Wirkung des Aktivs? (Die handelnde Instanz kann deutlich hervorgehoben werden) (!Die handelnde Instanz muss immer ungenannt bleiben) (!Ein Resultatzustand steht automatisch im Mittelpunkt) (!Jede Handlung wird als Vermutung dargestellt)
Wie wird das Vorgangspassiv grundsätzlich gebildet? (Mit werden und Partizip II) (!Mit sein und Infinitiv) (!Mit haben und Infinitiv) (!Mit werden und Präsensstamm ohne Partizip)
Was steht beim Zustandspassiv typischerweise im Vordergrund? (Der aus einer Handlung resultierende Zustand) (!Die handelnde Person als Subjekt) (!Eine noch nicht begonnene Handlung) (!Eine Vermutung über die Gegenwart)
Welche Form liegt in Der Antrag ist geprüft worden vor? (Vorgangspassiv im Perfekt) (!Zustandspassiv im Präsens) (!Aktiv im Plusquamperfekt) (!Futur II Aktiv)
Memory
| Historisches Präsens | Vergegenwärtigung vergangener Ereignisse |
| Plusquamperfekt | Vorzeitigkeit gegenüber einer Vergangenheitsebene |
| Futurisches Präsens | Zukunft durch Kontext oder Zeitangabe |
| Futur II | Abgeschlossenheit zu einem zukünftigen Bezugspunkt |
| Aktiv | Handelnde Instanz leicht hervorhebbar |
| Vorgangspassiv | Geschehen oder Veränderung im Vordergrund |
| Zustandspassiv | Resultat einer vorausgegangenen Handlung im Vordergrund |
| Perfekt | Vergangenheitsdarstellung häufig in gesprochener Sprache |
Drag and Drop
| Ordne die richtigen Begriffe zu. | Thema |
|---|---|
| Gegenwartsnahe Live-Darstellung | Aktuelles Präsens |
| Rückgriff vor eine vergangene Erzählebene | Plusquamperfekt |
| Handlung ohne notwendige Agensnennung | Vorgangspassiv |
| Erreichter Ergebniszustand | Zustandspassiv |
| Vermutung über ein bereits abgeschlossenes Geschehen | Futur II |
Kreuzworträtsel
| Präsens | Welches Tempus kann Gegenwart, Zukunft und Allgemeingültigkeit ausdrücken? |
| Präteritum | Welches Tempus ist ein typisches Erzähltempus der geschriebenen Sprache? |
| Plusquamperfekt | Welches Tempus markiert Vorzeitigkeit gegenüber einer Vergangenheitsebene? |
| Aktiv | Welche Form rückt die handelnde Instanz häufig besonders deutlich in den Vordergrund? |
| Vorgangspassiv | Welche Passivform stellt eine Handlung oder Veränderung in den Mittelpunkt? |
| Zustandspassiv | Welche Passivform beschreibt besonders den resultierenden Zustand? |
LearningApps
Lückentext
Offene Aufgaben
Leicht
- Tempus-Sammlung: Suche in einer Zeitung, einem seriösen Nachrichtenportal oder einer Schulhomepage sechs Sätze mit unterschiedlichen Tempusformen. Markiere die Verbformen und notiere jeweils die gemeinte Zeitstufe.
- Präsens-Vergleich: Formuliere je einen Satz mit aktuellem, allgemeingültigem, futurischem und historischem Präsens. Erkläre in einem Satz, woran man die jeweilige Funktion erkennt.
- Aktiv-Passiv-Umformung: Formuliere fünf Aktivsätze aus dem Schulalltag und wandle sie ins Vorgangspassiv um. Vergleiche, welche Informationen stärker oder schwächer hervortreten.
- Vorgang oder Zustand: Fotografiere oder zeichne drei Alltagssituationen und schreibe zu jeder Situation einen Satz im Vorgangspassiv und einen passenden Satz im Zustandspassiv.
Standard
- Nachrichtentext untersuchen: Wähle einen kurzen Nachrichtentext und analysiere die Tempusformen. Erkläre, weshalb sie zur Textsorte passen oder an welcher Stelle ein Tempuswechsel eine besondere Wirkung erzeugt.
- Verantwortung sprachlich gestalten: Schreibe dieselbe Konfliktsituation einmal überwiegend im Aktiv und einmal überwiegend im Passiv. Vergleiche anschließend, wie sich die Wahrnehmung von Verantwortung verändert.
- Erzählung mit Rückblende: Schreibe eine kurze Erzählung im Präteritum und baue eine Rückblende im Plusquamperfekt sowie eine spannungssteigernde Passage im historischen Präsens ein. Kommentiere Deine Tempusentscheidungen.
- Erklärvideo Grammatik: Produziere ein zwei- bis dreiminütiges Erklärvideo, in dem Du an einem eigenen Beispiel Aktiv, Vorgangspassiv und Zustandspassiv gegenüberstellst und die jeweilige Aussagewirkung erklärst.
Schwer
- Krisenkommunikation analysieren: Vergleiche zwei selbst recherchierte öffentliche Stellungnahmen zu einem Problem oder Fehler. Untersuche, wie Aktiv und Passiv Verantwortung sichtbar machen oder zurücktreten lassen. Belege Deine Aussagen sprachlich.
- Tempuswirkung experimentell prüfen: Verfasse einen kurzen Bericht in zwei Versionen mit unterschiedlicher Tempusgestaltung. Lass Mitschülerinnen und Mitschüler die Wirkung beschreiben und werte die Rückmeldungen aus.
- Sprachkritische Reportage: Erstelle eine Reportage über einen schulischen Vorgang. Nutze bewusst Tempuswechsel, Aktiv und Passiv. Füge anschließend einen Analysekommentar hinzu, in dem Du mindestens sechs sprachliche Entscheidungen begründest.
- Grammatik-Forschungsprojekt: Untersuche in mindestens drei Textsorten, wie häufig und mit welcher Funktion Aktiv, Vorgangspassiv und Zustandspassiv auftreten. Entwickle Kategorien, dokumentiere Beispiele und präsentiere Deine Ergebnisse in einer Tabelle oder Infografik.


Lernkontrolle
- Tempus und Perspektive: Ein historischer Bericht wird vollständig vom Präteritum ins historische Präsens umgeschrieben. Analysiere, wie sich Nähe, Dynamik und Leserwirkung verändern, und bewerte, welche Fassung für welchen Zweck geeigneter ist.
- Mehrere Vergangenheitsebenen: Ordne in einer kurzen Erzählung mindestens drei Ereignisse zeitlich und entscheide begründet, an welcher Stelle Plusquamperfekt nötig oder besonders sinnvoll ist.
- Aktiv oder Passiv: Du verfasst eine Sicherheitsanweisung, einen Unfallbericht und eine persönliche Entschuldigung. Entscheide für jede Textsorte, wo Aktiv oder Passiv sinnvoller ist, und begründe Deine Wahl anhand der Kommunikationsabsicht.
- Verantwortung im Text: Analysiere den Unterschied zwischen „Die Projektleitung übersah den Fehler“ und „Der Fehler wurde übersehen“. Erkläre, welche Information in der zweiten Form zurücktritt und wann diese Perspektive sachlich angemessen oder problematisch sein kann.
- Vorgang und Resultat: Entwickle zu drei Situationen jeweils ein Satzpaar aus Vorgangspassiv und Zustandspassiv. Erkläre präzise, wie sich die zeitliche Perspektive und der Fokus ändern.
- Komplexe Textanalyse: Untersuche einen kurzen selbst gewählten Sach- oder Nachrichtentext auf Tempusformen und Genus Verbi. Formuliere ein zusammenhängendes Analyseergebnis, das mindestens vier Belege mit ihrer jeweiligen Aussagewirkung verknüpft.
Lernnachweis
Für einen Lernnachweis zu diesem Thema ist wichtig, dass Du nicht nur Formen erkennst, sondern grammatische Entscheidungen funktional erklären kannst.
- Tempus bestimmen: Du kannst Präsens, Präteritum, Perfekt, Plusquamperfekt, Futur I und Futur II sicher erkennen.
- Tempusfunktion erklären: Du unterscheidest grammatische Form und tatsächlich gemeinte Zeitstufe.
- Zeitrelationen analysieren: Du kannst Vorzeitigkeit, Gleichzeitigkeit und Nachzeitigkeit im Kontext erklären.
- Tempuswirkung deuten: Du begründest die Wirkung von Präsens, Vergangenheitstempora und Futurformen in verschiedenen Textsorten.
- Aktiv analysieren: Du erkennst, welche handelnde Instanz hervorgehoben wird.
- Vorgangspassiv analysieren: Du erklärst, weshalb ein Vorgang oder eine Veränderung im Vordergrund steht.
- Zustandspassiv analysieren: Du beschreibst den Fokus auf einen resultierenden Zustand.
- Verantwortung untersuchen: Du kannst beurteilen, welche Wirkung die Nennung oder Auslassung eines Agens haben kann.
- Form und Wirkung verbinden: Du belegst Deine Analyse mit konkreten Textstellen und formulierst nachvollziehbare Deutungen.
- Transfer leisten: Du kannst grammatische Formen selbst bewusst einsetzen und ihre Wirkung reflektieren.
OERs zum Thema
Wikipedia: Tempus
Wikipedia: Aktiv und Passiv im Deutschen
Wikipedia: Zustandspassiv
Weitere freie Medien

Der Syntaxbaum zeigt beispielhaft die Struktur eines deutschen Satzes. Für die Analyse von Aktiv und Passiv ist hilfreich, nicht nur auf Verbformen, sondern auch auf Satzglieder und ihre Funktionen zu achten.
Historische Grammatiken auf Wikimedia Commons zeigen, dass die Beschreibung deutscher Grammatik eine lange Tradition hat. Moderne schulische Grammatik verbindet Formenlehre zunehmend mit Sprachgebrauch, Textfunktion und Wirkung.
Dieses Video vertieft die sechs Tempora und thematisiert besonders Unterschiede im Gebrauch. Vergleiche die dort genannten Regeln kritisch mit den Textbeispielen dieses aiMOOCs und achte auf Textsorte und Sprachsituation.
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