D10 M - Metrum und Enjambement untersuchen

D10 M - Metrum und Enjambement untersuchen
D10 M - Metrum und Enjambement untersuchen
Mini-Beschreibung: Erkenne ausgewählte metrische und syntaktische Gestaltung und untersuche ihre Wirkung. Du arbeitest mit Audio, rhythmischer Visualisierung und Textvarianten auf M-Niveau in Klasse 10.
Zielgruppe: Deutsch, Klasse 10, Baden-Württemberg, M-Niveau.
Stand: 23.09.2026. Die aktuell abgerufene Bildungsplan-Seite nennt Deutsch vom 23. März 2016 in der Fassung vom 29. Februar 2024 (V2). Für literarische Texte in Klasse 10 gehören unter anderem Metrum, Rhythmus und Enjambement zum Fachvokabular. Auf M-Niveau sollst Du die Wirkung von Gestaltungsmitteln beschreiben und für die eigene Deutung nutzen. Quelle: Bildungsplan Baden-Württemberg, Deutsch Sek I, Klasse 10.
Prüfungshinweis: Dieser Kurs trainiert Kompetenzen und ist nicht an ein bestimmtes Prüfungsjahr gebunden. Prüfungsjahr meint das Jahr einer konkreten Prüfung, zum Beispiel 2027. Schulabschluss meint die Abschlussart, zum Beispiel Realschulabschluss beziehungsweise mittlerer Bildungsabschluss. Verbindliche Vorgaben können sich ändern. Prüfe deshalb für Dein tatsächliches Prüfungsjahr die Hinweise Deiner Schule und des Kultusministeriums Baden-Württemberg.
Einstieg

Freies Bild auf Wikimedia Commons, CC BY-SA 3.0. Nutze das Metronom als Denkbild: Regelmäßigkeit ist noch nicht dasselbe wie tatsächlicher Sprachrhythmus.
30-Sekunden-Experiment: Klopfe vier gleichmäßige Schläge. Sprich dazu: „der WIND | beWEGT | das GRAS | im LICHT“. Danach sprich denselben Satz natürlich. Wo bleibt das Muster hörbar, wo verändert die Stimme den Rhythmus?
Gemeinfreie LibriVox-Aufnahme von Rainer Maria Rilkes „Der Panther“ über Wikimedia Commons.
Hörauftrag: Höre zunächst ohne Text. Markiere gedanklich regelmäßige Betonungen. Höre ein zweites Mal und achte auf Pausen: Macht die Stimme am Versende immer Halt?
Lernziele
Nach dem Kurs kannst Du:
- Metrum und Rhythmus unterscheiden und ausgewählte Versfüße sicher erkennen.
- Jambus, Trochäus, Daktylus und Anapäst mit Hebung und Senkung darstellen.
- Enjambements von Zeilenstil unterscheiden.
- metrische und syntaktische Gestaltung mit kurzen Textbelegen beschreiben.
- mögliche Wirkungen begründen, statt feste „Wirkungsrezepte“ auswendig zu lernen.
- Audio, Textbild und eigene Textvarianten vergleichen.
- KI gezielt nutzen, Ergebnisse aber texttreu, logisch und quellenkritisch selbst prüfen.
Vorwissen
| Das solltest Du kennen | Kurzcheck |
|---|---|
| Vers | Eine Gedichtzeile. |
| Strophe | Eine Gruppe von Versen. |
| Silbe | Sprecheinheit eines Wortes. |
| Betonung | Eine Silbe kann hervorgehoben oder unbetont gesprochen werden. |
| Satzgrenze | Satzzeichen helfen, aber für Enjambements musst Du zusätzlich auf die Syntax achten. |
Vorwissen-Test: Sprich „Gedicht“, „Musik“ und „Paradies“ laut. Welche Silbe klingt jeweils stärker? Natürliche Wortbetonung ist beim Bestimmen des Metrums wichtiger als mechanisches Abzählen.
Input
Metrum und Rhythmus: nicht verwechseln
Metrum ist das zugrunde liegende regelmäßige Betonungsmuster eines Verses. Rhythmus ist die konkrete klangliche Realisierung beim Sprechen. Satzbau, Wortbedeutung, Pausen und Abweichungen können den Rhythmus verändern.
Notation in diesem Kurs: x = unbetonte Silbe, X = betonte Silbe.
| Versfuß | Grundmuster | Merkhilfe |
|---|---|---|
| Jambus | x X | steigend: „ge-DICHT“ |
| Trochäus | X x | fallend: „SON-ne“ |
| Daktylus | X x x | „KÖ-ni-gin“ |
| Anapäst | x x X | „Pa-ra-DIES“ |

Wikimedia-Commons-Diagramm eines jambischen Versfußes, CC BY-SA/GFDL.
M-Methode in vier Schritten:
- Sprich den Vers natürlich.
- Markiere betonte und unbetonte Silben.
- Suche ein wiederkehrendes Grundmuster.
- Prüfe Deine Lösung an einem zweiten Vers; erzwinge keine Regelmäßigkeit, wenn die Sprache dagegen spricht.
Video zum Metrum von „musstewissen Deutsch“, verlinkt auch vom Lerncenter der Stadtbibliothek Offenbach. Kein Sofatutor.
Rhythmische Visualisierung
Eigene Übungszeile:
| Wortgruppe | der WIND | beWEGT | das GRAS | im LICHT |
|---|---|---|---|---|
| Muster | x X | x X | x X | x X |
Deutung: Das gleichmäßige Muster kann einen geordneten oder vorwärts gerichteten Eindruck unterstützen. Aber: Eine Wirkung ist nie allein aus dem Namen des Metrums ableitbar. Du musst sie mit Inhalt, Syntax und Klang verbinden.

Animiertes Metronom auf Wikimedia Commons, GPLv3. Beobachte: Ein äußerer Takt ist starr; gesprochene Sprache bleibt beweglich.
Enjambement: Satz über die Versgrenze
Ein Enjambement liegt vor, wenn eine syntaktische Einheit über das Versende hinaus in den nächsten Vers weiterläuft. Beim Zeilenstil fällt die Versgrenze stärker mit einer syntaktischen Grenze zusammen.
Mögliche Wirkungen eines Enjambements sind ein fließender oder beschleunigter Eindruck, Spannung vor dem nächsten Wort, eine überraschende Bedeutungsverschiebung oder die Hervorhebung eines Wortes an der Versgrenze. Diese Wirkungen sind Hypothesen: Entscheidend ist immer der konkrete Text.
Textvarianten aktiv vergleichen
Variante A – Zeilenstil, eigens für diesen Kurs:
Der Regen fällt.
Die Straße glänzt.
Ein Fahrrad hält.
Der Abend wächst.
Variante B – Enjambement, eigens für diesen Kurs:
Der Regen fällt auf Straßen, die
im Abendlicht noch heller scheinen.
Auftrag: Lies beide Varianten laut. Notiere, wo Du pausierst. Welche Variante bindet die Verse stärker zusammen? Belege Deine Aussage mit Satzbau und Versgrenze.
Gemeinfreier Analyseausschnitt: Rilke
Rainer Maria Rilke, „Der Panther“ (1903), erste Strophe, gemeinfrei:
„Sein Blick ist vom Vorübergehn der Stäbe
so müd geworden, dass er nichts mehr hält.
Ihm ist, als ob es tausend Stäbe gäbe
und hinter tausend Stäben keine Welt.“
Der Grundrhythmus der ersten Strophe ist ein fünfhebiger Jambus. Besonders deutlich ist zugleich das Enjambement von Vers 1 zu Vers 2: Die Aussage wird syntaktisch über die Zeilengrenze weitergeführt. Untersuche, ob das Weiterlaufen der Syntax eher die Bewegung, die Monotonie oder die Wahrnehmung des Panthers unterstützt. Mehr als eine Deutung kann plausibel sein, wenn sie am Text belegt wird.

Paula Modersohn-Beckers Porträt Rainer Maria Rilkes, gemeinfrei.
Audio-Vergleich: Höre die Aufnahme erneut. Markiere Versgrenzen auf Papier. Setze zusätzlich Schrägstriche dort, wo die Stimme tatsächlich pausiert. Vergleiche Versgrenze und Sprechpause.
Zweites Hörbeispiel: Mörike
Gesprochene Wikisource-Aufnahme von Eduard Mörikes „Er ist’s“, freie Lizenz auf Wikimedia Commons.
Hörauftrag: Achte darauf, wie Satzteile über Zeilen hinweg verbunden werden. Formuliere anschließend genau einen Satz nach dem Muster: „Die syntaktische Gestaltung wirkt hier ..., weil ...“.
Drittes Hörbeispiel: Goethe
LibriVox-Aufnahme von Goethes „Wandrers Nachtlied“, gemeinfrei.
Vergleichsauftrag: Höre auf Tempo, Pausen und Betonungen. Erkläre, warum eine Aufnahme das Metrum hörbar machen kann, aber nicht automatisch die einzig richtige Interpretation liefert.
Vom Befund zur Wirkung
Nutze die Formel Befund → Beleg → Wirkungshypothese → Deutung.
| Schritt | Beispiel |
|---|---|
| Befund | Vers 1 geht syntaktisch in Vers 2 weiter. |
| Beleg | Der Prädikatsausdruck wird erst im Folgevers vervollständigt. |
| Wirkungshypothese | Die Versgrenze wird beim Lesen weniger als Abschluss erlebt. |
| Deutung | Das kann die fortgesetzte, kaum unterbrochene Wahrnehmung beziehungsweise Bewegung des Panthers unterstützen. |
Nicht ausreichend: „Das Enjambement macht den Text flüssig.“
Stärker: „Das Enjambement verbindet Vers 1 und 2 syntaktisch; dadurch wird die Versgrenze überspielt, was den Eindruck eines fortgesetzten, kaum unterbrochenen Vorgangs unterstützt.“
KI-Spirale
KI ersetzt keine eigene Textarbeit. Nutze sie erst, nachdem Du den Text selbst erschlossen hast.
- Aufgabe verstehen: Kläre Operator, Textstelle und erwartetes Ergebnis.
- Selbst Material erschließen: Lies, sprich und markiere Metrum, Syntax und Versgrenzen eigenständig.
- Eigenen Ansatz entwickeln: Formuliere eine erste Wirkungshypothese mit Textbeleg.
- KI gezielt befragen: Stelle eine enge Prüffrage, zum Beispiel: „Prüfe meine Markierung des Grundmetrums und nenne nur Stellen, an denen meine Begründung nicht zum Text passt.“
- Unabhängig prüfen: Vergleiche KI-Aussagen mit Text, Wörterbuch/Fachquelle und natürlicher Aussprache.
- Eigene Lösung verbessern: Übernimm nur nachvollziehbare Korrekturen und formuliere selbst.
- KI-Hilfe transparent machen: Notiere kurz, wofür Du KI genutzt hast und was Du selbst geprüft oder geändert hast.
Transparenzsatz: „Ich habe KI zur Gegenprüfung meiner Metrum-Markierung genutzt. Die Textbelege, Wirkungserklärung und Endfassung habe ich selbst geprüft und formuliert.“
Datenschutz: Gib keine unnötigen personenbezogenen Daten, Namen von Mitschülerinnen und Mitschülern oder private Aufnahmen in KI-Systeme ein.
Hilfestufen
| Hilfestufe | Hilfe |
|---|---|
| 1 – Impuls | Sprich den Vers dreimal. Klopfe nur auf deutlich betonte Silben. |
| 2 – Struktur | Markiere x und X. Suche danach Zweier- oder Dreiergruppen. |
| 3 – Satzbau | Unterstreiche Prädikat und zusammengehörige Satzteile. Überschreiten sie die Versgrenze? |
| 4 – Wirkung | Ergänze: „Die Form fällt auf, weil ...; im Zusammenhang mit ... kann das ... bewirken.“ |
Interaktive Aufgaben
Quiz: Teste Dein Wissen
Was beschreibt das Metrum am treffendsten? (Ein regelmäßiges Grundmuster aus betonten und unbetonten Silben) (!Die Anzahl der Strophen eines Gedichts) (!Nur die Geschwindigkeit beim Vorlesen) (!Die Bedeutung aller Reimwörter)
Welches Grundmuster kennzeichnet den Jambus? (unbetont betont) (!betont unbetont) (!betont unbetont unbetont) (!unbetont unbetont betont)
Wann liegt ein Enjambement vor? (Wenn eine syntaktische Einheit über das Versende weiterläuft) (!Wenn zwei Verse denselben Endreim haben) (!Wenn jede Zeile mit einem Punkt endet) (!Wenn ein Gedicht keine Strophen besitzt)
Warum solltest Du einen Vers beim Bestimmen des Metrums laut sprechen? (Weil natürliche Wortbetonung für die Analyse entscheidend ist) (!Weil lautes Lesen jedes Gedicht automatisch jambisch macht) (!Weil Satzzeichen dann unwichtig werden) (!Weil nur die Lautstärke die Hebungen bestimmt)
Was bedeutet fünfhebig bei einem Vers? (Der Vers enthält fünf metrische Hebungen) (!Der Vers hat fünf Wörter) (!Der Vers besteht aus fünf Strophen) (!Der Vers hat genau fünf Satzzeichen)
Welches Metrum prägt die erste Strophe von Rilkes Der Panther? (Fünfhebiger Jambus) (!Vierhebiger Trochäus) (!Dreihebiger Daktylus) (!Freier Vers ohne erkennbares Grundmuster)
Welche Wirkungsaussage ist methodisch am stärksten? (Eine Wirkungshypothese mit konkretem Textbeleg) (!Eine feste Wirkung nur aus dem Namen des Stilmittels) (!Eine Aussage über die Absicht des Autors ohne Textbeleg) (!Eine Liste möglichst vieler Fachbegriffe)
Was unterscheidet Metrum und Rhythmus? (Metrum ist das Grundmuster Rhythmus die konkrete sprachliche Realisierung) (!Metrum gilt nur für Prosa Rhythmus nur für Gedichte) (!Rhythmus ist immer regelmäßig Metrum nie) (!Es gibt keinen Unterschied)
Was solltest Du vor einer KI-Anfrage zur Gedichtanalyse tun? (Den Text selbst erschließen und einen eigenen Ansatz formulieren) (!Die gesamte Analyse ungeprüft von der KI schreiben lassen) (!Nur den Gedichttitel eingeben) (!Auf Textbelege verzichten)
Wie machst Du KI-Hilfe transparent? (Du nennst kurz Zweck der KI-Hilfe und Deine eigene Prüfung) (!Du entfernst alle Hinweise auf die Nutzung) (!Du gibst persönliche Daten zur Kontrolle an) (!Du übernimmst jede KI-Aussage unverändert)
Memory
| Metrum | regelmäßige Betonungsordnung |
| Enjambement | syntaktischer Zeilensprung |
| Jambus | Senkung vor Hebung |
| Trochäus | Hebung vor Senkung |
| Daktylus | Auftakt mit einer Hebung und zwei Senkungen |
| Anapäst | zwei Senkungen vor einer Hebung |
| Textbeleg | konkrete Versstelle zur Stützung einer Deutung |
Drag and Drop
| Ordne die richtigen Begriffe zu. | Thema |
|---|---|
| Metrum | Grundordnung der Betonungen |
| Rhythmus | konkrete klangliche Realisierung beim Sprechen |
| Zeilenstil | syntaktischer Abschluss fällt mit der Versgrenze zusammen |
| Enjambement | Syntax läuft über die Versgrenze weiter |
| Hebung | betonte Silbe |
Kreuzworträtsel
| Jambus | Welcher Versfuß folgt dem Grundmuster unbetont betont? |
| Trochäus | Welcher Versfuß beginnt betont und endet unbetont? |
| Daktylus | Welcher dreisilbige Versfuß beginnt mit einer Hebung? |
| Anapäst | Welcher dreisilbige Versfuß endet mit einer Hebung? |
| Enjambement | Wie heißt der syntaktische Zeilensprung? |
| Rhythmus | Wie heißt die konkrete klangliche Realisierung eines Verses? |
LearningApps
Lückentext
Feedback und Lösungen
Quiz: Die jeweils erste Antwort ist richtig.
Drag and Drop: Vergleiche nach dem Zuordnen besonders Metrum und Rhythmus: Das eine ist das abstrakte Grundmuster, das andere die konkrete Sprechgestaltung.
Textvarianten: Variante B enthält ein Enjambement, weil die Relativkonstruktion „die / im Abendlicht ...“ über die Versgrenze läuft. Eine plausible Wirkung ist stärkere Bindung der Verse und ein weniger abgeschlossener Lesefluss.
Rilke: In der ersten Strophe ist ein fünfhebiger Jambus als Grundmetrum erkennbar. Vers 1 und 2 sind syntaktisch eng verbunden. Eine gute Lösung beschreibt erst den Befund, nennt dann die Textstelle und verbindet beides vorsichtig mit einer Deutung.
Fehlerdiagnose:
| Wenn Deine Lösung ... | Dann prüfe ... |
|---|---|
| nur einen Fachbegriff nennt | ob Du einen konkreten Textbeleg ergänzt hast. |
| eine Wirkung als sicher behauptet | ob Du sie als begründete Hypothese formulierst. |
| das Metrum nur abzählt | ob die natürliche Aussprache zu Deiner Markierung passt. |
| jede Versgrenze als Pause liest | ob der Satz syntaktisch weiterläuft. |
Selbstkontrolle
| Aussage | Ja / noch üben |
|---|---|
| Ich kann Jambus und Trochäus ohne Merkspruch unterscheiden. | □ Ja □ Noch üben |
| Ich kann in einem Vers Hebungen markieren und die Zahl der Hebungen nennen. | □ Ja □ Noch üben |
| Ich erkenne ein Enjambement über die Syntax und nicht nur über Satzzeichen. | □ Ja □ Noch üben |
| Ich verbinde Form, Textbeleg und Wirkung. | □ Ja □ Noch üben |
| Ich kann eine KI-Aussage am Text unabhängig überprüfen. | □ Ja □ Noch üben |
Kompetenzcheck
Mini-Prüfung, 12 Minuten: Nimm die ersten vier Verse von Rilkes „Der Panther“.
- Markiere das Grundmetrum in zwei Versen.
- Bezeichne die Hebungszahl.
- Markiere ein Enjambement.
- Formuliere eine Wirkungshypothese mit kurzem Textbeleg.
- Vergleiche Deine Lesart mit der Audioaufnahme und notiere eine Stelle, an der Sprechpause und Versgrenze nicht einfach identisch sind.
Erfolgskriterium M-Niveau: Deine Analyse ist fachsprachlich korrekt, textnah, begründet und verbindet mindestens zwei Beobachtungen miteinander.
Transfer
Transfertext – eigene offene Mini-Lyrik:
Die Ampel springt auf Grün und wir
verlieren uns im Takt der Schritte.
Dann stockt der Bus. Ein kurzer Blick
zerreißt den Rhythmus in der Mitte.
Auftrag: Untersuche, wie Versgrenze, Syntax und hörbarer Rhythmus zusammenwirken. Gestalte anschließend eine zweite Fassung: Einmal soll der Satzbau die Versgrenzen stärker beachten, einmal bewusst überspringen. Vergleiche die Wirkung.
Geschützte Texte: Wenn Du mit einem urheberrechtlich geschützten Gedicht oder einer Ganzschrift arbeitest, nutze nur rechtmäßig bereitgestellte Ausschnitte oder Deine eigenen Notizen. Veröffentliche den geschützten Gesamttext nicht.
Reflexion
Beantworte kurz:
- Welche Analyseentscheidung fiel Dir zuerst leicht: Metrum oder Enjambement?
- Wo hat lautes Lesen Deine erste Vermutung verändert?
- Welche Wirkungsaussage konntest Du am besten belegen?
- Falls Du KI genutzt hast: Was war hilfreich, was musstest Du korrigieren?
- Was würdest Du bei einem unbekannten Gedicht als Erstes prüfen?
Folgekurs-Empfehlung
Wenn Du Metrum und Enjambement sicher untersuchen kannst, arbeite weiter mit D10 M - Gedichtinterpretation schreiben oder D10 M - Reim, Kadenz und Rhythmus untersuchen. Ziel ist, einzelne Beobachtungen zu einer zusammenhängenden, textnahen Interpretation zu verknüpfen.
Offene Aufgaben
Leicht
- Rhythmus klopfen: Erfinde zwei vierhebige Übungsverse im Jambus und sprich sie zu einem gleichmäßigen Klopfen.
- Versgrenzen hören: Höre die Rilke-Aufnahme und markiere auf einem Ausdruck Stellen, an denen Du eine Pause hörst.
- Textvariante bauen: Verwandle zwei Zeilen im Zeilenstil in eine Fassung mit Enjambement.
- Metrum-Karte: Gestalte eine kleine Lernkarte mit den vier Grundmustern x X, X x, X x x und x x X.
Standard
- Audiovergleich: Nimm zwei eigene Lesungen derselben vier Verse auf: einmal versgrenzenbetont, einmal syntaktisch fließend. Speichere ohne Klarnamen und veröffentliche nichts ohne Zustimmung.
- Wirkung belegen: Schreibe zu einem Enjambement zwei verschiedene plausible Wirkungshypothesen und entscheide anhand des Textes, welche besser gestützt ist.
- Metrum prüfen: Markiere das Metrum eines gemeinfreien Gedichts und kontrolliere Deine Lösung mit einer zweiten Quelle oder einer Audioaufnahme.
- KI-Gegenprüfung: Formuliere zuerst eine eigene Analyse. Bitte danach eine KI nur um Fehlerprüfung. Dokumentiere, welche Rückmeldung Du übernommen oder verworfen hast und warum.
Schwer
- Form und Inhalt verknüpfen: Untersuche in einer Strophe, wie Metrum, Enjambement und Wortwahl gemeinsam eine Deutung stützen.
- Textlabor: Schreibe vier Verse in regelmäßigem Jambus und verändere anschließend nur den Satzbau so, dass zwei Enjambements entstehen. Vergleiche die Wirkung.
- Audioannotation: Erstelle zu einer freien Gedichtaufnahme eine Zeitleiste mit hörbaren Betonungen, Pausen und Versgrenzen und erläutere zwei auffällige Abweichungen.
- Quellenkritische KI-Spirale: Lass Dir von einer KI eine alternative Metrum-Analyse nennen. Prüfe jede strittige Markierung durch natürliche Aussprache, Fachquelle und Textzusammenhang und verfasse eine begründete Endfassung.


Lernkontrolle
- Metrum und Syntax zusammendenken: Erkläre an einem selbst gewählten Verspaar, wie ein regelmäßiges Metrum und ein Enjambement gleichzeitig wirken können.
- Audio beurteilen: Vergleiche zwei Lesarten desselben Gedichts. Welche Lesart macht die Syntax deutlicher, welche das Metrum? Belege Deine Einschätzung.
- Textvariante bewerten: Setze in einem kurzen Gedichtausschnitt alternative Versgrenzen. Beschreibe, wie sich Bedeutungsakzente verändern.
- Fehleranalyse: Eine Person schreibt: „Jambus bedeutet automatisch ruhig.“ Widerlege die Aussage methodisch und formuliere eine bessere Analyse-Regel.
- Transfer auf Prosa: Formatiere zwei Prosasätze als Verse. Untersuche, ob allein durch Zeilenumbrüche neue Enjambements und neue Leseerwartungen entstehen.
- KI-Prüfung: Vergleiche eine KI-Erklärung zum Enjambement mit einem Fachlexikon und einem konkreten Gedicht. Benenne Übereinstimmung, Unterschied und Deine begründete Schlussfolgerung.
Lernnachweis
Für einen Lernnachweis solltest Du zeigen, dass Du:
- ein Grundmetrum korrekt markierst und die Hebungszahl benennst.
- Enjambements syntaktisch begründest.
- mindestens zwei kurze Textbelege funktional in eine Analyse einbaust.
- Wirkungsaussagen als textnahe Hypothesen formulierst.
- Audio oder Textvariante sinnvoll zum Vergleich nutzt.
- Deine Analyse überarbeitest und Korrekturen begründest.
- verwendete Quellen nennst und eventuelle KI-Hilfe transparent dokumentierst.
Der Lernnachweis soll Deine eigene Textarbeit sichtbar machen. Externe Hilfen dürfen unterstützen, aber nicht die eigenständige Analyse ersetzen.
Medien und Quellen
Freie bzw. gemeinfreie Medien dieses Kurses:
- Metronome Nikko.jpg – CC BY-SA 3.0.
- Metronome largo.svg – GPLv3.
- Iamb2.png – CC BY-SA/GFDL.
- Rilke.jpg – gemeinfrei.
- Der Panther, LibriVox – Aufnahme gemeinfrei.
- Er ist’s, Gesprochene Wikisource – freie Lizenz.
- Wandrers Nachtlied, LibriVox – gemeinfrei.
Weiteres Lernvideo:
MOOCit-Video zur Gedichtinterpretation mit Schwerpunkt Methode, Textbeleg und Wirkung. Bei YouTube-Videos liegen Rechte und Nutzungsbedingungen beim jeweiligen Anbieter; Einbettung ist nicht gleichbedeutend mit einer offenen Lizenz.
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