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Buch - Wartalun - Bonsels, Waldemar

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Originalwerk · Lesefassung

Wartalun

Bonsels, Waldemar

Das Leben auf einem Schloss und die Beziehungen seiner Bewohner bilden den Schauplatz einer Geschichte über Begehren, Herkunft und gesellschaftliche Bindungen. Begegnungen und Konflikte lösen die Sicherheit der abgeschlossenen Welt zunehmend auf.

RomanKlasse 9–10 · 11–1317 Abschnitte
Historisches Bildnis von Waldemar Bonsels
Historisches Bildnis von Waldemar Bonsels — Bildnis zur Autorschaft; keine Szene aus dem Buch. · Grete Kolliner · Public domain Bildquelle ↗

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Hinweise für den Unterricht
  • Historische Sprache, gesellschaftliche Ausgrenzung, Gewalt und zeitgebundene Wertvorstellungen im Unterricht gemeinsam einordnen.

Behutsam angepasste Schreibweise nach einer begrenzten Wortliste. Mehrdeutige Formen, erfasste Namen, Sprechernamen, Bühnenanweisungen, Überschriften und Anmerkungen bleiben unverändert. Keine vollständige redaktionelle Überarbeitung nach heutiger Rechtschreibung. Für wortgetreue Quellenzitate die Quellfassung wählen.

Deutsch · Abschnitt 1 von 17

Erstes Kapitel

1
Erstes Kapitel
2
Afra lag in der Mittagssonne im Korn. Über ihr bewegte sich im tiefblauen Himmel eine große rote Mohnblüte, nur ein klein wenig und so feierlich, wie es zu der Ruhe stimmte, die weit umher herrschte. Hin und wieder schaukelte ein Schmetterling vorüber, trunken von der Wärme und vom Licht, und sein Schatten huschte über das helle Kleid des jungen Mädchens. Neben ihr lag ein breitrandiger gelber Sommerhut mit blauen hängenden Bändern auf den Ähren, drückte sie sacht ein wenig nieder und spendete der ruhenden Stirn und den grauen Augen unter sich Schatten.
3
Afra verscheuchte die Träume, die mit dem warmen Licht und der willkommenen Müdigkeit des Sommermittags kamen, sie dachte in bitterer Betrübnis daran, dass der Schloßherr von Wartalun gestorben und mit ihm eine Zeit gesicherter Lebensarbeit und geordneter Verhältnisse für sie und für ihren Vater vergangen war. Es war alles ungewiss geworden. Es machte missmutig, nicht zu wissen, was sich tun ließ, nicht zu wissen, welche Vorteile für ihren Vater und für sie aus den Veränderungen erwachsen würden, und die neue Herrschaft nicht zu kennen, die erwartet wurde.
4
Sie betrachtete die rote Mohnblüte, die im warmen Sommerwind schaukelte, hob langsam ihre braune Hand zu ihr empor, knickte gedankenlos den grünen Stiel mit seinen winzigen hellen Härchen und entblätterte über ihren ernsten Augen die Blume. Es sank mit lichten Purpurflügeln auf ihr Kleid und blieb wie Blut und Feuer in der zornigen Sonne liegen.
5
Eine Lerche stieg auf. Afra wandte den Blick, um den Vogel am Himmel zu finden, da sah sie zwischen den Ähren fern die grauen Schloßtürme von Wartalun aus den Eichen ragen, der eine trug einen Hahn, der andere das seltsam verschnörkelte Doppelkreuz, das auch im Wappen des Geschlechts zu finden war.
6
War Wartalun nicht ihr Eigentum gewesen, solange sie zurückdenken konnte? Nun erst, wo vieles sich ändern sollte, lernte sie erkennen, dass sie alles allein der Güte des Verstorbenen verdankt hatte und dass dieser Reichtum ihrer Kindheit sein tägliches Geschenk gewesen war. Der Gedanke quälte sie tief, das Bewusstsein, dass es Mächte gab, die ihr diese Schätze rauben konnten, ohne sie zu fragen, ohne sie zu beachten, als wäre nicht mehr, was sie wünschte und was ihr gefiel, auch ihr Eigentum.
7
Sie trug Verlangen danach, den neuen Herrn zu sehen, jetzt gleich, in diesem Augenblick, in dem sie litt. Dass sein Kommen erst mit dem Abend erwartet wurde, ließ sie ihn beinahe hassen, ihn, der sich ihr nicht zeigen wollte, mit dem sie abzurechnen hatte. Der Gedanke, dass der Verstorbene ihr einen Teil seines Besitzes hätte hinterlassen können, war ihr zuwider. Vielleicht das Forsthaus mit dem Buchenhain oder Wendalen mit seinen Moorgräben ... ihr Vater hatte ihr bestätigt: er hat niemand so geliebt wie dich.
8
Sie dachte ohne Trauer an die letzten Monate. An den scheidenden Winter und den kommenden Frühling mit seinen Stürmen, seinem zögernden Einzug in das ebene Land, das er über Feldern, Gärten und Rasenplätzen wie mit den schimmernden Wogen eines leuchtenden Meeres überzogen hatte. Das war die letzte Schönheit gewesen, die der alte Mann von der Terrasse des Schlosses aus gesehen hatte, wo sie, an seinen Tragstuhl gelehnt, über seinen Schlaf wachte, ohne zu wissen, dass es sein letzter war. Der Wind vom Garten war warm und feucht gewesen und von Blütenduft schwer. Aber eindringlicher als diese Stunde waren ihr die Winterabende im Gedächtnis geblieben, an denen sie ihm zur eintönigen Melodie des Kaminfeuers hatte vorlesen müssen. Dann hob er zuweilen die Hand als Zeichen, dass sie warten sollte, sah ihr in die Augen und fragte sie:
9
»Hast du verstanden, was du eben ausgesprochen hast?«
10
Sie nickte nachdenklich, weil sie fühlte, dass er dies wünschte.
11
Einmal, während sie las, hörte sie, dass er schluchzte, und hielt inne. Ihre erstaunten Blicke schienen ihn zu enttäuschen. Seine Bewegung quälte sie, und vorsichtig senkte sie den Blick, um zu erfahren, was er von ihr erwartete. Da begann er ihr von den mattgoldenen Tauben zu erzählen, die in den großen Wandteppich gewoben waren, gegen einen verblaßten blauen Himmel, in den die Zinnen einer alten Stadt ragten, aus deren Toren Reiter auszogen. Die Decken ihrer Pferde waren aus erloschenem Silber, und ihre Rüstungen glänzten nicht mehr. Wollte er, dass sie die Tränen vergaß, die sie bei ihm gesehen hatte? Sie vermutete es und fragte ihn, weshalb er geweint hätte. Da antwortete er ihr in einem Tonfall, den sie noch kaum bei ihm kannte:
12
»Weil ich deine Stimme gehört habe, als du last, und weil ich die Bewegungen deiner Lippen sah und den Schein des Feuers in deinem hellen Haar. Und weil ich die holde Mühe deiner Hand sah, als du die Seite des Buchs umwendetest. Ich sah auch deine Schultern, deine Knie und die Füße am Saum deines Kleides. Du hast mir schon als ganz kleines Mädchen, kaum dass du gehen konntest, am Morgen frische Blumen aus dem Garten gebracht, die dein Vater dir für mich gab ... jeden Tag bin ich dir begegnet wie dem Licht der Sonne, dem niemand entgeht, der atmet, aber ich bin niemals deinem Herzen begegnet. Meine Tränen, nach deren Sinn du mich gefragt hast, wirst du spät verstehen lernen, aber jede Liebe, die dir in deinem Leben begegnet, wird sie aufheben und bewahren und zu Gott bringen, zu dem ich gehe.«
13
Sie hatte sich damals eine Weile besonnen, was er meinen könnte, und sich gefragt, ob sie ihm Anlass gegeben habe, mit ihr unzufrieden zu sein. Aber im Grunde fühlte sie deutlich, dass ihr etwas zugute gekommen war und dass der unerfüllte Wunsch, den er ausgesprochen hatte, nicht zu jenen gehörte, die sie erfüllen konnte. —
14
Auf dem Feldweg knatterte ein Leiterwagen heran, und sie hörte ein Pferd schnauben. Das rief sie aus ihren Erinnerungen in den hellen Tag zurück. Sie nahm ihren Hut vom Korn und drückte ihn neben sich in die Halme, damit der Fuhrmann sie nicht erspähen sollte, aber er saß zu hoch auf seinem Heufuder, reckte den Hals nach ihr, lachte, als er sie erkannte, und hielt die Pferde an.
15
Es war Martin. Er wusste, wie alle Dienstboten, dass Afra nicht hochmütig war.
16
»Du hast es gut«, sagte er, als er vor ihr stand und die Kornähren mit der Hand zur Seite bog. »Ist es erlaubt, einzutreten?«
17
Sie nickte, sah ihn an und blieb liegen.
18
Er ließ sich dicht neben ihr nieder, nahm den Strohhut von der heißen Stirn und lächelte.
19
»Einen Gruß könntest du schon sagen ...«
20
»Gott ...« machte sie lässig, und dann fügte sie mit forschenden Augen hinzu:
21
»Heute abend ...?«
Historisches Bildnis von Waldemar Bonsels
Kontextbild zum Werk. Historisches Bildnis von Waldemar Bonsels — Bildnis zur Autorschaft; keine Szene aus dem Buch. · Grete Kolliner · Public domain Bildquelle ↗
22
»Das ist wahr«, sagte er mit einer Miene, als empfinge er eine betrübliche Nachricht, »heute abend kommen sie.«
23
Alle auf dem Gut dachten daran. Afra hörte mit an, wie Martin sich den neuen Herrn vorstellte.
24
Plötzlich unterbrach sie ihn:
25
»Du bist ein Narr«, rief sie. »Ihr seid alle Narren.«
26
»Weißt du es besser?«
27
»Ihr alle seht den neuen Herrn in euren Gedanken so, wie ihr ihn euch zu eurem Vorteil wünscht. Der Vater meint, dass er eine Vorliebe für neue Treibhäuser habe und Spalierobst bevorzugen würde, der Verwalter faselt von großem Geschick, einen Kornjuden zu überlisten, und der Förster weiß, dass er Schmetterlinge im Flug mit der Kugel treffen kann.«
28
»Wie du sprichst ...« sagte der Bursche. »Man könnte glauben, dass es so im Katechismus steht.«
29
»Man sagt immer zu viel«, meinte Afra nachdenklich, »aber wenn man sich langweilt ... man sollte sich nie langweilen.«
30
Martin zog Kirschen aus der Rocktasche und bot ihr die roten Kugeln dar, die an dünnen Stielen zwischen seinen Fingern hingen, aber sie kehrte seine Hand um, öffnete sie und suchte langsam drei Früchte heraus. Dann schob sie seine Hand zurück.
31
»Ich will ihn sehen«, sagte sie langsam, »das ist es, was ich von ihm weiß. Und noch eins: er wird mich sehen.« Sie ließ langsam die Blicke über den jungen Burschen gleiten, beinahe ohne den Kopf zu wenden, lächelte einsam und verschwieg, was sie noch hatte sagen wollen. Man durfte nicht sprechen. Es war gut, für sich zu behalten, was man wusste. Irgend etwas im Schatten seiner Augen und um seinen unbewachten Mund verlockte sie, sich in seiner unwissenden Anteilnahme gehen zu lassen. Aber dann dachte sie: er tut auch ohnehin, was ich will.
32
Martin empfand an Afras Seite etwas wie Wohlbehagen und Mißstimmung zugleich. Es mochte daher kommen, dass er zu Lebzeiten des Grafen gewohnt gewesen war, in Afra seine Herrin zu sehen, und dass sie nun zu seinesgleichen herabgesunken war. Wenigstens für einige Zeit, für diese Tage der Ungewissheit und des bangen Harrens. Auch ihm ging es wie den meisten der anderen, er war begierig, zu erfahren, was nun aus Afra werden würde. Er umkleidete sie in seinen Gedanken mit dem märchenhaften Zauberglanz von Macht und Reichtum, den die Liebe des alten Mannes um sie gewoben hatte. Es konnte wohl sein, dass alles, was seine Augen sahen, das Schloß, die Wälder, der Ackergrund, auf dem er lag, und sein eigenes Geschick in die Hände gegeben waren, die er neben sich sah, wie sie das blaue Band des Huts durch die Finger zogen. Und er wusste auch, dass er diese Hand dort dicht neben der seinen ergreifen konnte, ohne dass Afra ihn daran hindern würde. War es denn wirklich so? Es glühte in ihm empor, sein Entschluss, es zu tun, quälte ihn eigensinnig, sein Wunsch, dies Einfache zu tun, dies Unmögliche ...
33
Da tat er es, beinahe nur, um sich aus seiner unverstandenen Qual zu befreien. Was würde geschehen?
34
»Nicht einmal mein Pferd ist sicher mein eigen«, sagte Afra, »ich habe genommen, welches ich wollte. Würdest du um eines bitten, wenn alle dir erreichbar wären?«
35
»Es ist wahr«, sagte er und zog seine Hand von der ihren, »du konntest tun, was du wolltest. Der neue Herr ...«
36
»Sprich nicht von ihm«, warf Afra ein. Sie erhob sich, so dass sie im Korn saß, ordnete an ihrem Haar, das im Sonnenschein heller leuchtete als die goldenen Ähren. Martin stand mit verdrossenem Gesicht auf.
37
»Fährst du mit?« fragte er.
38
Sie stieg aufs Rad des Wagens und dann auf seine Schulter, mit raschem weichem Fuß, dessen Druck er erst zu verspüren glaubte, als sie bereits hoch im Heu saß und nur ein Zipfel ihres weißen Kleids zu ihm hinunterlachte.
39
»Geh du nebenher!« klang es aus dem Blau über ihm, und so schritt er neben dem Wagen dahin und rief den Pferden laute Worte zu.
40
Afra lag hoch und so, dass niemand sie sah. Sie stützte das Kinn in beide Hände, so dass ihre Ellbogen sich ins Heu gruben, und blinzelte in den Sonnenschein hinaus. Der ferne Wald zur Linken unter der Sonne lag in einem feinen blauen Schleier, der sich von den Wiesen her zu ihm zu heben schien. Sie schaute zu ihm hinüber, als sei er ihr Ziel, während der Wagen sie langsam, eingehüllt in den Duft welken Grases und vergangener Blumen, auf Wartalun zuschaukelte.

Nach dem Lesen

Dein Blick auf das Kapitel

10er-QuizZitate verstehen · Zusammenhänge erkennen · Lernpunkte sammeln10 Fragen

Eine Antwort ist jeweils richtig. Lies den Textbeleg aufmerksam. Bei einer falschen Antwort kannst du es erneut versuchen.

Angemeldet zählen richtige Antworten für deinen Lernstand. Als Gast übst du ohne Kontopunkte.

Je Frage sind beim ersten Versuch 10 Punkte möglich, danach 5, 3 oder 1. Bereits gelöste Fragen bleiben zum Üben verfügbar.

1. Wie geht dieser Textausschnitt im Kapitel unmittelbar weiter? Ergänze den genauen Wortlaut. »Es sank mit lichten Purpurflügeln auf ihr Kleid und …«

Eine Antwort ist richtig.

Textstelle 1 ↗ Textstelle 2 ↗ Textstelle 3 ↗ Textstelle 4 ↗

2. Welches Wort steht an der markierten Stelle? Achte auf die Bedeutung im Zusammenhang und prüfe den genauen Wortlaut. »Dass sein Kommen erst mit dem Abend erwartet wurde, ließ sie ihn beinahe hassen, ihn, der sich ihr nicht zeigen wollte, mit dem sie […] hatte.«

Eine Antwort ist richtig.

Textstelle 1 ↗ Textstelle 2 ↗ Textstelle 3 ↗

3. Welchen Zusammenhang kennzeichnet das Wort »weil« in diesem Textausschnitt? »Sie nickte nachdenklich, weil sie fühlte, dass er dies wünschte.«

Eine Antwort ist richtig.

Textstelle nachlesen ↗

4. Welcher Ausschnitt verweist mit einer Zeitangabe ausdrücklich auf eine frühere Zeit? Achte auf ein ausdrücklich genanntes Signalwort.

Eine Antwort ist richtig.

Textstelle 1 ↗ Textstelle 2 ↗ Textstelle 3 ↗ Textstelle 4 ↗

5. Welcher Ausschnitt kennzeichnet eine Aussage ausdrücklich als Möglichkeit oder Vermutung? Achte auf die Formulierung; entscheide nicht, ob die Aussage tatsächlich wahr ist.

Eine Antwort ist richtig.

Textstelle 1 ↗ Textstelle 2 ↗ Textstelle 3 ↗

6. In welcher Reihenfolge stehen diese drei Ausschnitte im Kapitel? Gemeint ist ihre Reihenfolge im Text, nicht die Zeit der erzählten Ereignisse. A: »Aber dann dachte sie: er tut auch ohnehin, was ich will.« B: »War Wartalun nicht ihr Eigentum gewesen, solange sie zurückdenken konnte?« C: »»Weil ich deine Stimme gehört habe, als du last, und weil ich die Bewegungen deiner Lippen sah und den Schein des Feuers in deinem hellen Haar.«

Eine Antwort ist richtig.

Textstelle 1 ↗ Textstelle 2 ↗ Textstelle 3 ↗

7. Wie geht dieser Textausschnitt im Kapitel unmittelbar weiter? Ergänze den genauen Wortlaut. »Martin zog Kirschen aus der Rocktasche und bot ihr die roten Kugeln …«

Eine Antwort ist richtig.

Textstelle 1 ↗ Textstelle 2 ↗ Textstelle 3 ↗ Textstelle 4 ↗

9. Welchen Zusammenhang kennzeichnet das Wort »weil« in diesem Textausschnitt? »Und weil ich die holde Mühe deiner Hand sah, als du die Seite des Buchs umwendetest.«

Eine Antwort ist richtig.

Textstelle nachlesen ↗

10. Wie geht dieser Textausschnitt im Kapitel unmittelbar weiter? Ergänze den genauen Wortlaut. »Sie stieg aufs Rad des Wagens und dann auf seine Schulter, mit …«

Eine Antwort ist richtig.

Textstelle 1 ↗ Textstelle 2 ↗ Textstelle 3 ↗ Textstelle 4 ↗
Aufgaben zum TextVerstehen, begründen und mit Textstellen arbeiten · ohne Punkte

1. Ordne diese Textstelle in den Zusammenhang ein: »ein klein wenig und so feierlich, wie es zu der Ruhe stimmte«. Was geschieht oder wird hier besprochen? Erkläre in drei bis fünf Sätzen auch, was davor und danach wichtig ist.

Impulse zur Selbstprüfung

Lies die verlinkte Stelle mit ihrer Umgebung. Trenne ausdrücklich Gesagtes von Vermutungen.

  • Situation oder Gedanke verständlich erklärt
  • Mindestens ein passender Textbeleg
  • Eigene Formulierungen statt bloßer Abschrift
Textstelle nachlesen ↗

2. Vergleiche die beiden Ausschnitte: »ein klein wenig und so feierlich, wie es zu der Ruhe stimmte« und »Sie schaute zu ihm hinüber, als sei er ihr Ziel, während der Wagen sie langsam, eingehüllt in den Duft welken Grases und vergangener Blumen, auf Wartalun zuschaukelte.«. Welche Entwicklung, Gemeinsamkeit oder Spannung erkennst du? Begründe mit beiden Textstellen.

Impulse zur Selbstprüfung

Auch eine gleichbleibende Haltung ist ein mögliches Ergebnis. Erfinde keine Entwicklung, wenn sie sich aus dem Text nicht belegen lässt.

  • Beide Ausschnitte im Zusammenhang gelesen
  • Eine Gemeinsamkeit oder einen Unterschied erläutert
  • Deutung und wörtlichen Beleg unterschieden
Textstelle 1 ↗ Textstelle 2 ↗

3. Untersuche die sprachliche Wirkung dieses Ausschnitts: »Und weil ich die holde Mühe deiner Hand sah, als du die Seite des Buchs umwendetest.«. Wähle ein auffälliges Wort, ein Bild oder eine Formulierung. Erkläre seine Wirkung und begründe eine mögliche andere Lesart.

Impulse zur Selbstprüfung

Es gibt nicht nur eine richtige Interpretation. Prüfe beide Lesarten am Kapitel und benenne, was offen bleibt.

  • Sprachliches Merkmal am Wortlaut benannt
  • Wirkung als begründete Deutung formuliert
  • Alternative Lesart oder Grenze der Deutung erklärt
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Kreativ schreibenDrei Anregungen in drei Niveaustufen · ohne Punkte

Wähle die Anregung, die zu dir passt. Deine eigene Fassung bleibt klar vom Originaltext getrennt.

Niveau 1 · Einstieg

1. Schreibe zu diesem Textausschnitt 5–8 eigene Sätze: »Afra lag in der Mittagssonne im Korn.«. Wähle eine Person, einen Gegenstand oder einen Gedanken daraus. Schreibe aus einer neuen Sicht. Satzanfänge helfen: „Ich bemerke …“, „Ich frage mich …“, „Als Nächstes …“.

Impulse zur Selbstprüfung

Mehrere Lösungen sind möglich. Prüfe deinen Text an den Kriterien oder besprich ihn mit anderen. Diese Aufgabe gibt keine automatisch bewerteten Punkte.

  • Übernimm mindestens zwei passende Einzelheiten aus dem Kapitel.
  • Trenne ein wörtliches Zitat deutlich von deinem eigenen Text.
  • Kennzeichne deine Ergänzungen als erfunden.
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Niveau 2 · Vertiefung

2. Verwandle den folgenden Ausschnitt in einen Brief, Tagebucheintrag oder kurzen Dialog: »Sie nahm ihren Hut vom Korn und drückte ihn neben sich in die Halme, damit der Fuhrmann sie nicht erspähen sollte, aber er saß zu hoch auf seinem Heufuder, reckte den Hals nach ihr, lachte, als er sie erkannte, und hielt die Pferde an.«. Entscheide, wer sich an wen richtet. Schreibe etwa 120–180 Wörter. Bei einem Sachtext kann ein lernender Mensch einem anderen die Idee erklären.

Impulse zur Selbstprüfung

Mehrere Lösungen sind möglich. Prüfe deinen Text an den Kriterien oder besprich ihn mit anderen. Diese Aufgabe gibt keine automatisch bewerteten Punkte.

  • Die neue Textform und die gewählte Stimme sind erkennbar.
  • Mindestens zwei Aussagen oder Ereignisse bleiben mit dem Kapitel vereinbar.
  • Ergänze einen kurzen Kommentar: Was hast du übernommen, was bewusst erfunden?
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Niveau 3 · Gestaltung

3. Schreibe ausgehend vom Kapitelende eine alternative Fortsetzung oder eine Szene mit einer Gegenposition: »Sie schaute zu ihm hinüber, als sei er ihr Ziel, während der Wagen sie langsam, eingehüllt in den Duft welken Grases und vergangener Blumen, auf Wartalun zuschaukelte.«. Entwickle etwa 200–300 Wörter. Bei einem Sachtext kannst du ein Streitgespräch über eine These gestalten. Begründe anschließend in 3–5 Sätzen deine Entscheidungen mit zwei kurzen Zitaten aus dem Kapitel.

Impulse zur Selbstprüfung

Mehrere Lösungen sind möglich. Prüfe deinen Text an den Kriterien oder besprich ihn mit anderen. Diese Aufgabe gibt keine automatisch bewerteten Punkte.

  • Die Fortsetzung oder Gegenposition knüpft nachvollziehbar an konkrete Textstellen an.
  • Zwei genaue Zitate begründen die Gestaltung; Schlussfolgerungen werden als eigene Deutung markiert.
  • Der neue Text ist ausdrücklich eine eigene Bearbeitung und wird nicht dem Originalautor zugeschrieben.
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Ausgabe, Herkunft und Rechte

Deutschsprachiger Originaltext. Der urheberrechtliche Zeitraum des namentlich belegten Autors ist nach dokumentierten GND-Lebensdaten für Deutschland abgelaufen. Abbildungen und moderne Begleittexte der Ausgangsausgabe werden nicht übernommen.

Wartalun: Der Niedergang eines Geschlechts

Bonsels, Waldemar: Wartalun: Der Niedergang eines Geschlechts, Project Gutenberg eBook 38650.

Quelltext und Ausgabe ↗ · Original German author text is public domain in Germany by documented author lifetime. Project Gutenberg US status is not the DE rights basis. Lizenz

Originalsprache · Deutsch

Unveränderte deutsche Quellfassung; die andere Spalte bietet eine gesonderte Lesefassung. Beide Ansichten gehören zu demselben Werk.

Bonsels, Waldemar: Wartalun: Der Niedergang eines Geschlechts, Project Gutenberg eBook 38650.

Autorschaft und Ausgabe: Bonsels, Waldemar

Originaltext und Ausgabe ↗ · Project Gutenberg · Lizenz und Nutzungsbedingungen

Die Fassungen folgen den jeweils angegebenen Quellen; ihre Gliederung kann abweichen.

Welche Änderungen enthält die Lesefassung?

Explizite Wortliste statt allgemeiner Such-und-Ersetz-Regeln. Jede Änderung ist mit Kapitel, Absatz, Quellposition und Regel dokumentiert. Erfasste Namen und bekannte mehrdeutige Formen bleiben ausgespart; dies ist keine automatische vollständige Namenserkennung. Grundlage für s/ss/ß: Amtliches Regelwerk 2024, §§ 2, 5 und 25. Die unveränderte Quellfassung bleibt verfügbar.