Deutsch · Abschnitt 1 von 1
Hesiodos
4 Hesiods Theogonie.
Vorlage S. 100 5 Lasst beim Beginne des Sangs helikonische Musen uns feiern,
Vorlage S. 100 6 Sie, die den Helikonberg zum göttlichen Wohnsitz erkoren,
Vorlage S. 100 7 Wo sie an dunkelfarbigem Quell mit zierlichem Fusse
Vorlage S. 100 8 Tanzen um den Altar des mächtig waltenden Vaters.
Vorlage S. 100 9 Wann sie den lieblichen Leib in Permessos' Fluten gebadet
Vorlage S. 100 10 Oder im Rossequell und Olmeios' göttlichen Wellen,
Vorlage S. 100 11 Schlingen sie herrlichen Reigen hoch oben auf Helikons Höhen,
Vorlage S. 100 12 Anmutsvollen, und rühren den Fuss zu lieblichen Tänzen.
Vorlage S. 100 13 Daher ziehen sie aus und in undurchdringlichem Nebel
Vorlage S. 100 14 Schreiten sie nachts einher, mit herrlicher Stimme zu singen,
Vorlage S. 100 15 Preisen den ägishaltenden Zeus und die herrschende Here,
Vorlage S. 100 16 Welche in Argos regiert, mit goldenem Schuhe gezieret,
Vorlage S. 100 17 Auch des ägishaltenden Zeus glanzäugige Tochter,
Vorlage S. 100 18 Phoibos Apollon sodann und Artemis, mächtig des Bogens,
Vorlage S. 100 19 Und, der die Erde umfasst, den Erderschüttrer Poseidon,
Vorlage S. 100 20 Themis, die ehrbare Göttin, mit dunkelem Aug' Aphrodite,
Vorlage S. 100 21 Hebe sodann im goldenen Schmuck und die schöne Dione,
Vorlage S. 100 22 Eos und Helios' Macht und mit glänzendem Lichte Selene,
Vorlage S. 100 23 Leto sodann und Iapetos auch und den listigen Kronos,
Vorlage S. 100 24 Gaia, Okeanos auch, den starken, das nächtliche Dunkel,
Vorlage S. 100 25 Und das heil'ge Geschlecht der anderen ewigen Götter.
Vorlage S. 100 26 Diese lehreten einst Hesiodos herrliche Lieder,
Vorlage S. 100 27 Da er am Helikonberge, dem göttlichen, Lämmer geweidet.
Vorlage S. 100 28 Also begannen mit Worten des Tadels die göttlichen Musen,
Vorlage S. 100 29 Die den Olympos bewohnen, des Ägishaltenden Töchter:
Vorlage S. 100 30 »Ländliche Hirten, ihr Wichte, die einzig dem Bauche ergeben,
Vorlage S. 100 31 Viel Erdichtetes sagen wir wohl, das Wirklichem gleichet,
Vorlage S. 100 32 Aber wir künden euch auch, so wir wollen, lautere Wahrheit.«
Vorlage S. 100 33 Also sprachen beredt die Töchter des mächtigen Vaters.
Vorlage S. 100 34 Und sie reichten ein Scepter mir dar, vom grünenden Lorbeer
Vorlage S. 100 35 Herrlichen Zweig abschneidend, und hauchten mir göttliche Stimme
Vorlage S. 100 36 Ein, dass ich sänge von dem, was war und sein wird in Zukunft.
Vorlage S. 100 37 Und sie hiessen die Götter mich preisen, die ewiglich leben,
Vorlage S. 100 38 Aber sie selber am Anfang und Ende immer besingen.
Vorlage S. 100 39 Doch was rede ich kühn von Eiche und Felsen begeistert?
Vorlage S. 100 40 Lass mit den Musen uns also beginnen, die herrliche Lieder
Vorlage S. 100 41 Singen und Zeus', des erhabenen, Sinn im Olympos erfreuen,
Vorlage S. 100 42 Kündend von dem, was da ist und da war und was fernerhin sein wird,
Vorlage S. 100 43 Alle zu einem Gesänge vereint: ohn' Ende entströmet
Vorlage S. 100 44 Lieblicher Klang ihrem Munde: da lacht des Donnerers Wohnung,
Vorlage S. 100 45 Zeus', des gewaltigen Herrn, wenn der Göttinnen Lilienstimme
Vorlage S. 100 46 Weithin ertönt, und es hallet das Haupt des beschneiten Olympos
Vorlage S. 100 47 Und der Unsterblichen Häuser: doch sie mit unsterblicher Stimme
Vorlage S. 100 48 Preisen der Götter ehrbar Geschlecht zuerst im Gesange,
Vorlage S. 100 49 Welche die Erde erzeugt und der weit sich dehnende Himmel,
Vorlage S. 101 50 Und die von diesen entsprossen, die Götter, die Geber des Guten,
Vorlage S. 101 51 Aber sodann den Zeus, den Vater der Götter und Menschen,
Vorlage S. 101 52 [Feiern die Göttinnen, wann den Gesang sie beginnen und enden:]
Vorlage S. 101 53 Denn dér ist der gewaltigste Gott und der höchste Gebieter.
Vorlage S. 101 54 Weiter der Menschen Geschlecht und der allgewalt'gen Giganten
Vorlage S. 101 55 Preisend, ergötzen die Musen den Zeus im olympischen Hause,
Vorlage S. 101 56 Sie, die olympischen Töchter des ägishaltenden Gottes,
Vorlage S. 101 57 Die in Pieriens Land, dem Kroniden in Liebe vereinigt,
Vorlage S. 101 58 Ihm Mnemósyne gab, die Eleuthers Höhen beherrschet,
Vorlage S. 101 59 Dass sie Erlösung brächten vom Leid und im Elende Lindrung.
Vorlage S. 101 60 Denn neun Nächte gesellte sich ihr der Berater Kronion
Vorlage S. 101 61 Von den Unsterblichen fern, ihr heiliges Lager besteigend.
Vorlage S. 101 62 Als dann ein Jahr vorüber erst war und die Stunden sich wandten,
Vorlage S. 101 63 Monate schwanden und viele der Tage zu Ende gegangen,
Vorlage S. 101 64 Hat sie geborn neun Töchter voll Eintracht, denen zu singen
Vorlage S. 101 65 Innig die Triebe des Herzens befehlen, das Kummer nicht kennet,
Vorlage S. 101 66 Hart am obersten Gipfel des schneeumhüllten Olympos,
Vorlage S. 101 67 Wo sie glänzender Reigen sich freuen und herrlicher Häuser.
Vorlage S. 101 68 Bei ihnen haben die Huldgöttinnen und Himeros Wohnung,
Vorlage S. 101 69 Festlich vereint. Und sie öffnen den Mund zu lieblichem Klange,
Vorlage S. 101 70 Singen von Leben und Weise der Götter und melden von aller
Vorlage S. 101 71 Ehrbarem Wandel und öffnen den Mund zu reizendem Klange.
Vorlage S. 101 72 Und zum Olympos empor, der herrlichen Stimme sich freuend,
Vorlage S. 102 73 Schritten sie unter ambrosischem Sang, und von ihrem Liede
Vorlage S. 102 74 Hallte die dunkele Erde, und liebliche Tritte vernahm man,
Vorlage S. 102 75 Da zu des Vaters Hause sie zogen: der herrschet im Himmel,
Vorlage S. 102 76 Wo er dem Donner befiehlt und flammendem Blitze gebietet,
Vorlage S. 102 77 Seit er den Vater Kronos besiegt: wohl hat er es alles
Vorlage S. 102 78 Gleich an die Götter verteilt und Ehren allen beschieden.
Vorlage S. 102 79 Also sangen die Musen, olympischer Häuser Bewohner,
Vorlage S. 102 80 Alle die neun dem mächtigen Zeus entsprossene Töchter,
Vorlage S. 102 81 Kleio und auch Eutérpe, Thaleia, Melpomene weiter,
Vorlage S. 102 82 Erato, auch Terpsichore dann, Polyhymnia weiter,
Vorlage S. 102 83 Dann Uránia, endlich Kalliope, allen ein Muster:
Vorlage S. 102 84 Denn es gesellt sich die Muse verehrungswürdigen Herrschern.
Vorlage S. 102 85 Wen die Töchter des Zeus, des erhabenen, ehren, und wen sie
Vorlage S. 102 86 Huldvoll bei der Geburt anschaun von den edelen Herrschern,
Vorlage S. 102 87 Netzen sie gern mit dem Thau viellieblicher Rede die Zunge:
Vorlage S. 102 88 Schmeichelnd rinnt ihm vom Munde das Wort, und es schauen die Völker
Vorlage S. 102 89 Alle mit Staunen auf ihn, wenn des Rechtes er waltet, mit gradem
Vorlage S. 102 90 Spruche entscheidend: und ér, in sicherer Rede sich äussernd,
Vorlage S. 102 91 Hat auch gewaltigen Streit alsbald verständig geschlichtet.
Vorlage S. 102 92 Darum heissen die Herrscher verständig, weil sie den Leuten,
Vorlage S. 102 93 Sind sie verletzt, auf dem Markt vollgiltige Busse erwirken
Vorlage S. 102 94 Mühelos, mit manch' freundlichem Worte zum Guten hin redend.
Vorlage S. 102 95 Schreitet er durch die Versammlung, so ehrt man mit schmeichelnder Ehrfurcht
Vorlage S. 102 96 Ihn, als wär' er ein Gott: hoch raget er prächtig vor allen.
Vorlage S. 102 97 Solch eine herrliche Gabe verleihen die Musen den Menschen.
Vorlage S. 102 98 Denn durch der Musen Geschenk und den Fernhintreffer Apollon
Vorlage S. 103 99 Werden zu Lautenspielern die Menschen und Sängern auf Erden.
Vorlage S. 103 100 Könige stammen von Zeus: glückselig ist, haben die Musen
Vorlage S. 103 101 Jemanden lieb, und es fliesst ihm die Rede wie Honig vom Munde.
Vorlage S. 103 102 Denn so jemand im Herzen auch neuen Kummer erduldet
Vorlage S. 103 103 Und im Gemüte sich härmt und der Sänger, der Diener der Musen,
Vorlage S. 103 104 Meldet im Lied von den Taten der Menschen, den Helden der Vorzeit,
Vorlage S. 103 105 Und von den seligen Göttern, des weiten Olympos Bewohnern,
Vorlage S. 103 106 Eilig vergisst er das Leid, nicht denket er ferner des Kummers:
Vorlage S. 103 107 Also haben ihn flugs der Göttinnen Gaben gewandelt.
Vorlage S. 103 108 Seid mir gegrüsst, Zeus' Töchter, gewähret mir liebliche Lieder.
Vorlage S. 103 109 Feiert der Götter heilig Geschlecht, die ewiglich leben,
Vorlage S. 103 110 Die von der Erde entsprossen und bunt gestirnetem Himmel,
Vorlage S. 103 111 Und die das Dunkel der Nacht und die salzigen Wogen ernährten,
Vorlage S. 103 112 Sagt uns, Musen, wie Götter und Erde zu Anfang geworden,
Vorlage S. 103 113 Ströme und unermessliches Meer mit den brausenden Wogen,
Vorlage S. 103 114 Droben die leuchtenden Sterne, der weit sich dehnende Himmel,
Vorlage S. 103 115 Und die vón ihnen stammen, die Götter, die Geber des Guten,
Vorlage S. 103 116 Wie sie das Weltall geteilt und allen Ehren gegeben,
Vorlage S. 103 117 Und verkündet uns, wie sie zuerst den Olympos gewannen.
Vorlage S. 103 118 Meldet mir dieses, o Musen, olympischer Häuser Bewohner,
Vorlage S. 103 119 Gleich vom Beginn, und sagt, was zuerst von allem geworden.
Vorlage S. 103 120 Allererst ist das Chaos entstanden, es folgte nach diesem
Vorlage S. 104 121 Gaia mit breiter Brust, der Unsterblichen ewiger Wohnsitz,
Vorlage S. 104 122 Aller, welche das Haupt des beschneiten Olympos bewohnen,
Vorlage S. 104 123 Und die des Tartaros Dunkel umgiebt tief unter der Erde.
Vorlage S. 104 124 Eros ferner, der schönste von allen unsterblichen Göttern,
Vorlage S. 104 125 Welcher die Glieder uns löst und allen, Göttern und Menschen,
Vorlage S. 104 126 Bändigt das Herz in der Brust und verständige Sinne bethöret.
Vorlage S. 104 127 Chaos ist Erebos dann und das nächtliche Dunkel entsprossen:
Vorlage S. 104 128 Aber der Nacht entstammen das Licht und die Helle des Tages
Vorlage S. 104 129 Die sie beide geboren, mit Erebos liebend vereinet.
Vorlage S. 104 130 Gaia gebar nun zuerst den bunt gestirneten Himmel,
Vorlage S. 104 131 Welcher ihr gleich ist, auf dass er sie überall rings umhülle,
Vorlage S. 104 132 Ihn, der seligen Götter in Ewigkeit dauernden Wohnsitz, –
Vorlage S. 104 133 Zeugte die hohen Gebirge, der Göttinnen liebliche Plätze,
Vorlage S. 104 134 Welche die Schluchten der Berge bewohnen und Nymphen genannt sind.
Vorlage S. 104 135 Ferner gebar sie das Meer, das öde, mit brausenden Wogen,
Vorlage S. 104 136 Pontos genannt, nicht pflag sie der Liebe: und weiterhin gab sie,
Vorlage S. 104 137 Uranos' Lager genaht, Okeanos' Tiefen das Dasein,
Vorlage S. 104 138 Koios und Kreios sodann, Hyperion, Iapetos ferner,
Vorlage S. 104 139 Theia weiter und Rheia, Mnemósyne ferner und Themis,
Vorlage S. 104 140 Phoibe im goldenen Schmuck und Tethys voll lieblicher Anmut.
Vorlage S. 104 141 Nach ihnen endlich, als jüngster, ward Kronos geboren voll Arglist,
Vorlage S. 104 142 [Weitaus der schrecklichste Sohn: ihn hasste der blühende Vater.]
Vorlage S. 104 143 [[Auch die Kyklopen gebar sie, die Übermut hegen im Herzen,
Vorlage S. 105 144 Brontes und Steropes auch und Arges' trotzige Seele,
Vorlage S. 105 145 Welche dem Zeus den Donner verliehn und die Blitze geschmiedet.
Vorlage S. 105 146 Sonst wohl waren sie ganz den Unsterblichen ähnlich zu schauen,
Vorlage S. 105 147 Aber ein einziges Auge war grad' auf der Stirne geschaffen.
Vorlage S. 105 148 [Darum waren Kyklopen sie zubenannt, weil auf der Stirne
Vorlage S. 105 149 Ihnen ein einziges Auge allein, ein rundes geschaffen.]
Vorlage S. 105 150 Stärke und Kraft und mancherlei Kunst erhöht' ihre Arbeit.]]
Vorlage S. 105 151 Aber noch andere Söhne sind Himmel und Erde entsprossen,
Vorlage S. 105 152 Drei durch Grösse und Stärke erhaben, dem Munde kaum nennbar,
Vorlage S. 105 153 Kottos, Briareos auch und Gyes, verwegene Kinder.
Vorlage S. 105 154 Hundert Arme regten sich ihnen herab von den Schultern,
Vorlage S. 105 155 Schier unnahbar, es waren auch jeglichem über den Schultern
Vorlage S. 105 156 Fünfzig Köpfe gewachsen auf übergewaltigem Leibe.
Vorlage S. 105 157 Stark und entsetzlich war ihre Kraft bei gewaltigem Aussehn.
Vorlage S. 105 158 Alle, welche von Himmel und Erde entsprossen, der Söhne
Vorlage S. 105 159 Schrecklichste, waren verhasst von Anfang dem eigenen Vater.
Vorlage S. 105 160 Jene, sobald nur einer geboren ward, wusst' er sofort auch
Vorlage S. 105 161 Alle zu bergen – und keinen hervor zum Lichte der Sonne
Vorlage S. 105 162 Liess er – im Schosse der Erde: es hatte am schmählichen Werke
Vorlage S. 105 163 Uranos Freude: doch drinnen erseufzte die riesige Erde,
Vorlage S. 105 164 Elend bedrängt: und listige Kunst ersann sie voll Klugheit.
Vorlage S. 105 165 Denn von schimmerndem Stahl alsbald eine Waffe bereitend
Vorlage S. 105 166 Schuf sie die mächtige Sichel und wies sie den teueren Kindern.
Vorlage S. 105 167 Also sprach sie ermunternd, im lieben Gemüte beängstigt:
Vorlage S. 106 168 »Kinder von mir und dem frevelnden Vater, wenn ihr gehorchen
Vorlage S. 106 169 Wolltet, dann rächten wir wohl am Vater, der euch gezeugt hat,
Vorlage S. 106 170 Kränkung und Schmach: denn zuvor hat er schreckliche Werke ersonnen.«
Vorlage S. 106 171 Sprach's, doch Furcht hielt alle zurück, und keiner von ihnen
Vorlage S. 106 172 Sprach ein Wort: da fasste sich Mut der verschlagene Kronos,
Vorlage S. 106 173 Und er erwiderte drauf mit Worten der sorglichen Mutter:
Vorlage S. 106 174 »Mutter, ich will es versuchen, das Werk, und will es vollenden:
Vorlage S. 106 175 Denn ich kümmre mich nicht um den Vater unsagbaren Namens,
Vorlage S. 106 176 Der uns gezeugt: denn zuvor hat er schreckliche Werke ersonnen.«
Vorlage S. 106 177 Sprach's: hoch freute sich drob die riesige Erde im Herzen.
Vorlage S. 106 178 Heimlich barg sie im Hinterhalt ihn: scharfzahnige Sichel
Vorlage S. 106 179 Gab sie ihm dann in die Hand und lehrte ihm jegliche Arglist.
Vorlage S. 106 180 Nacht herführend erschien drauf Uranos: voll von Verlangen
Vorlage S. 106 181 Hielt er die Erde umfasst, nach allen Teilen sich dehnend.
Vorlage S. 106 182 Aus dem Versteck sprang drauf sein Sohn, mit der linken ihn fassend:
Vorlage S. 106 183 Doch mit der rechten ergriff er die Sichel, die riesige, lange,
Vorlage S. 106 184 Scharf und gezahnt, und mähte die Scham des eigenen Vaters
Vorlage S. 106 185 Eilig ihm ab. Dann warf er sie hinter sich, dass sie nach rückwärts
Vorlage S. 106 186 Flog. Doch war sie der Hand mit nichten vergeblich entflogen:
Vorlage S. 106 187 Alle die blutigen Tropfen, die nieder zu Boden gefallen,
Vorlage S. 106 188 Hatte die Erde empfangen, und als dann die Monate schwanden,
Vorlage S. 107 189 Gab sie den mächt'gen Giganten und starken Erinyen Leben.
Vorlage S. 107 190 Jene glänzten in Waffen, mit weithinschattenden Lanzen
Vorlage S. 107 191 Strahlend: auch stammen die Nymphen daher, die melische heissen.
Vorlage S. 107 192 Aber die Scham, sobald er einmal mit dem Stahle sie abschnitt
Vorlage S. 107 193 Und vom Strande des Meers in die rauschenden Fluten hineinwarf,
Vorlage S. 107 194 Ward gar lange getragen vom Wasser, und ringsum erhob sich
Vorlage S. 107 195 Weisslicher Schaum vom unsterblichen Glied: doch drinnen ein Mägdlein
Vorlage S. 107 196 Aufwuchs: erstlich naht es Kytheres göttlichem Eiland:
Vorlage S. 107 197 Aber von dort aus kam es zum ringsumflossenen Kypros,
Vorlage S. 107 198 Und es wuchs, als die Göttin ans Land stieg, ehrbar und herrlich,
Vorlage S. 107 199 Unter den zierlichen Füssen das Gras rings: doch Aphrodite
Vorlage S. 107 200 [Schaumgeborene Göttin und prächtig geschmückte Kytheris]
Vorlage S. 107 201 Heissen sie Götter und Menschen, dieweil sie drinnen im Schaume
Vorlage S. 107 202 Aufwuchs, doch Kythereia, dieweil sie Kythere genaht war.
Vorlage S. 107 203 [Kyprosgeborne, dieweil sie auf Kypros' Eiland geboren,
Vorlage S. 107 204 Und schamliebende heisst sie, dieweil aus der Scham sie entstanden.]
Vorlage S. 107 205 Dieser gesellte sich Eros, und Himeros folgt' ihr, der schöne,
Vorlage S. 107 206 Da sie, eben geboren, zum Kreise der Götter sich wandte.
Vorlage S. 107 207 Also ward sie von Anfang geehrt, und dás ist der Anteil,
Vorlage S. 107 208 Den sie erlost bei Menschen zugleich und unsterblichen Göttern,
Vorlage S. 107 209 Dass jungfräulichem Kosen sie hold sei, Scherzen und Täuschung,
Vorlage S. 108 210 Schmeichelnder Lust und süssem Ergötzen und herziger Liebe.
Vorlage S. 108 211 Jene, die anderen, aber benannte Titanen der Vater,
Vorlage S. 108 212 Uranos, der sie erzeugte, der mächtige, scheltend die Kinder,
Vorlage S. 108 213 Da sie mit frevelndem Sinne die Hand zu entsetzlichem Werke
Vorlage S. 108 214 Damals erhoben: doch rächen, so sagt' er, werd' es die Zukunft.
Vorlage S. 108 215 Ferner gebar die Nacht das verhasste Geschick und Verhängnis
Vorlage S. 108 216 Samt dem Tode, gebar den Schlaf und die Scharen der Träume –
Vorlage S. 108 217 Keinem im Lager gesellet, die Nacht, die göttliche, dunkle –
Vorlage S. 108 218 Weiterhin Momos, den Tadler, und leidvolle Trübsal gebar sie,
Vorlage S. 108 219 [Zeugte die Hesperiden, die jenseit Okeanos' Tiefen
Vorlage S. 108 220 Prächtige goldene Äpfel bewachen und fruchtbare Bäume.
Vorlage S. 108 221 Auch die Moiren gebar sie und grausam strafenden Keren,
Vorlage S. 108 222 Klotho und Lachesis, ferner auch Atropos, welche den Menschen
Vorlage S. 108 223 Gutes und Böses als Gabe verleihn, sowie sie geboren,
Vorlage S. 108 224 Sie, die der Menschen und Götter Verschuldungen rastlos verfolgen:
Vorlage S. 108 225 Niemals lassen vom grimmigen Zorn die Göttinnen eher,
Vorlage S. 108 226 Als sie entsetzliche Rache dém auferlegt, welcher gefehlt hat.]
Vorlage S. 108 227 Zeugte dann Nemesis auch, zum Leid für die sterblichen Menschen,
Vorlage S. 108 228 Sie, die verderbliche: Täuschung gebar sie ferner und Liebe,
Vorlage S. 108 229 Auch das verderbliche Alter und Eris mit trotziger Seele.
Vorlage S. 108 230 Eris gebar, die verhasste, sodann uns qualvolle Arbeit,
Vorlage S. 109 231 Schuf auch Vergesslichkeit, Hunger und thränenbegleitete Schmerzen,
Vorlage S. 109 232 Kampfesgewühl und Mord und Schlacht und Männervernichtung,
Vorlage S. 109 233 Lügenhaftes Gerede und Gegenrede und Streitsucht,
Vorlage S. 109 234 Willkürherrschaft und Thorheit, die nahe einander verwandt sind,
Vorlage S. 109 235 Ferner den Eid, der vor allem am meisten den irdischen Menschen
Vorlage S. 109 236 Leid zufügt, so jemand bedacht einen Meineid schwöret.
Vorlage S. 109 237 Nereus, wahr und untrüglich, hat Pontos – die Salzflut – gezeuget
Vorlage S. 109 238 Als seinen ältesten Sohn: man heisset Nereus den Alten,
Vorlage S. 109 239 Weil er unfehlbar und lieb ist, und weil er dessen, was recht ist,
Vorlage S. 109 240 Nimmer vergisst, und weil er gerecht ist und lieber Gesinnung beflissen.
Vorlage S. 109 241 Auch den Thaumas hat er gezeugt und den männlichen Phorkys,
Vorlage S. 109 242 Liebend der Erde genaht, und Keto mit prangenden Wangen
Vorlage S. 109 243 Und Eurýbie, welche von Stahl ein Herz in der Brust trägt.
Vorlage S. 109 244 Nereus sind göttliche Kinder entstammt voll lieblicher Anmut,
Vorlage S. 109 245 Ihm und der lockigen Doris, Okeanos' Tochter, des Stromes,
Vorlage S. 109 246 Welcher die Welt umkreist: sie wohnen im rauschenden Meere.
Vorlage S. 109 247 Proto und auch Eukránte und Sao und Ámphitrite,
Vorlage S. 109 248 Und Eudore und Thetis, Galéne ferner und Glauke,
Vorlage S. 109 249 Speio, die schnelle, Kymóthoe auch und Thalía voll Liebreiz,
Vorlage S. 109 250 Erato dann und Euneike, die schöne, Pasithee ferner,
Vorlage S. 109 251 Melite weiter voll Reiz, Eulímene auch und Agaue,
Vorlage S. 110 252 Doto, dann auch Euroto, Pherusa, Dynámene weiter,
Vorlage S. 110 253 Und Nesaía und auch Aktaía und Protomedeía.
Vorlage S. 110 254 Doris und Pánope auch, Galateía mit herrlichem Antlitz,
Vorlage S. 110 255 Dann auch Hippothoes Reiz und Hippónoe, rosiges Armes,
Vorlage S. 110 256 Dann Kymódoke, welche im luftigen Meere die Wogen
Vorlage S. 110 257 Und scharfwehender Winde Gebraus mit Kymatolege
Vorlage S. 110 258 Mühelos stillt, Amphitrite gesellt mit zierlichem Fusse,
Vorlage S. 110 259 Kymo, Eíone, auch Halimede mit prächtigem Stirnschmuck,
Vorlage S. 110 260 Jene mit lieblichen Lächeln, Glaukónome, Pontoporeia,
Vorlage S. 110 261 Ferner Leiágore, dann Euágore, Laomedeia,
Vorlage S. 110 262 Und Poulýnoe auch und Autónoe, Lysianassa
Vorlage S. 110 263 Und Euárne von lieblichem Wuchs und untadligem Aussehn,
Vorlage S. 110 264 Psámathe ferner von schöner Gestalt und die hehre Menippe,
Vorlage S. 110 265 Neso, sodann Eupómpe, Themisto und Prónoe weiter,
Vorlage S. 110 266 Und Nemertes, begabt mit dem Sinn des unsterblichen Vaters.
Vorlage S. 110 267 Diese sind allegesamt dem untadligen Nereus entsprossen,
Vorlage S. 110 268 Fünfzig liebliche Töchter, untadlige Werke verstehend.
Vorlage S. 110 269 Thaumas führte Elektren, des tiefen Okeanosstromes
Vorlage S. 110 270 Tochter, nach Haus, und diese gebar die hurtige Iris
Vorlage S. 110 271 Und die gelockten Harpyien, Okypete samt der Aello,
Vorlage S. 110 272 Welche der Winde Wehn und den Vögeln mit hurtigen Schwingen
Vorlage S. 110 273 Folgen in eiligem Fluge, die Flügel schüttelnd im Luftraum.
Vorlage S. 110 274 Keto gebar für Phorkys darauf schönwangige Töchter,
Vorlage S. 110 275 Grau schon seit der Geburt: drum sind sie Graien geheissen
Vorlage S. 110 276 Von den unsterblichen Göttern zugleich und den Söhnen der Erde,
Vorlage S. 110 277 Herrlich gekleidet Pephredo, im Krokosgewande Enyo,
Vorlage S. 111 278 Auch die Gorgonen, die jenseit des schönen Okeanos wohnen
Vorlage S. 111 279 Fern, bei der Nacht, wo dem Sänge der Hesperiden sie lauschen,
Vorlage S. 111 280 Stheino, Euryale auch, und Medusa, die Schlimmes erlitten.
Vorlage S. 111 281 Sterblich war die eine, unsterblich und nimmermehr alternd
Vorlage S. 111 282 Waren die andern: es nahte der Schwarzumlockte der einen
Vorlage S. 111 283 Einst auf üppiger Au' in den Tagen des blumigen Lenzes.
Vorlage S. 111 284 Als ihr Perseus das Haupt mit dem Schwerte vom Rumpfe geschnitten, –
Vorlage S. 111 285 Pegasos ist ihr, das Ross, und Chrysaor, der grosse, entsprungen:
Vorlage S. 111 286 Weil's an Okeanos' Quellen geboren, so ward ihm der Name
Vorlage S. 111 287 Pegasos, – aber ein goldenes Schwert hielt jener in Händen.
Vorlage S. 111 288 Dieser, im Fluge die Erde verlassend, die Mutter der Schafe,
Vorlage S. 111 289 Kam zum Kreise der Götter: er wohnt in des Donnerers Hause,
Vorlage S. 111 290 Blitze und Donner zu bringen von nun an Zeus dem Berater.
Vorlage S. 111 291 Aber Chrysaor zeugte Geryones, welcher drei Köpfe
Vorlage S. 111 292 Hat, mit Okeanos' Tochter Kallirrhoe liebend vereinigt'.
Vorlage S. 111 293 Diesen beraubte sodann des Herakles Stärke der Rüstung
Vorlage S. 111 294 Auf Erytheias Eiland, den Herrn schleppfüssiger Rinder,
Vorlage S. 111 295 An dém Tage, an dem breitstirnige Rinder er forttrieb
Vorlage S. 111 296 Hin zum heil'gen Tirynth, Okeanos' Furt überschreitend,
Vorlage S. 111 297 Da er den Orthos zugleich mit dem Hirten Eurytion tot schlug
Vorlage S. 111 298 Dort im finstern Gehöft jenseit des Okeanosstromes.
Vorlage S. 111 299 [[Weiter gebar sie ein Ungetüm noch, unabwendbar: es war nicht
Vorlage S. 111 300 Einem der Sterblichen ähnlich noch auch der unsterblichen Götter –,
Vorlage S. 112 301 Drin in bergender Grotte, die göttliche, starke Echidna,
Vorlage S. 112 302 Halb schwarzäugiges Mädchen mit herrlich prangenden Wangen,
Vorlage S. 112 303 Halb eine riesige Schlange von furchtbarem, drohendem Aussehn.
Vorlage S. 112 304 Schillernd war sie, gefrässig und lag in den Tiefen der Erde.
Vorlage S. 112 305 Und dort unten erhielt sie ein Loch in hohlem Gesteine
Vorlage S. 112 306 Fern von unsterblichen Göttern und sterblich geborenen Menschen.
Vorlage S. 112 307 [Dort ist der Ort, wo die Götter ihr herrliche Wohnung gewährten.]
Vorlage S. 112 308 Aber es lag in der Arimer Land die böse Echidna
Vorlage S. 112 309 Unter der Erde, unsterblich und ewiger Jugend teilhaftig.
Vorlage S. 112 310 Und – so gehet die Sage – ihr nahte voll Liebe Typhaon,
Vorlage S. 112 311 Jener gewaltige, furchtbare Frevler schwarzäugigem Mägdlein.
Vorlage S. 112 312 Da sie empfing, ist sie Mutter geworden hartherziger Kinder.
Vorlage S. 112 313 Erstlich gebar sie den Hund dem riesigen Géryon, Orthos:
Vorlage S. 112 314 Nach ihm zu zweit den Kerberos auch, unnahbar, unsagbar,
Vorlage S. 112 315 Der so voll Gier ist, den Hund des Hades mit eherner Stimme;
Vorlage S. 112 316 Fünfzig Köpfe hat er, Gewaltthat pflegt er und Frechheit.
Vorlage S. 112 317 Aber zum dritten gebar sie die Unheil sinnende Hydra,
Vorlage S. 112 318 Sie, die Lerna umlauert, die Hera mit schneeigen Armen
Vorlage S. 112 319 Gross zog, weil sie auf Herakles' Kraft ohn' Ende ergrimmt war.
Vorlage S. 112 320 Diese erlegte der Sohn des Zeus mit grausamem Erze,
Vorlage S. 112 321 Der dem Amphitryon ward, samt des Ares Freund Iolaos
Vorlage S. 112 322 Herakles: aber Athene, die Beute führende, riet ihm.
Vorlage S. 112 323 Weiter gebar sie Chimaira, die stürmisches Feuer hervorblies:
Vorlage S. 112 324 Schrecklich war sie und gross, schnellfüssig, von mächtiger Stärke.
Vorlage S. 113 325 Dreifach erhob sie das Haupt: vom grimmigen Leuen das eine,
Vorlage S. 113 326 Eins von der Ziege und eins von der Schlange, dem mächtigen Drachen.
Vorlage S. 113 327 [Vorn war der Löwe und hinten der Drache, in mitten die Ziege,
Vorlage S. 113 328 Schreckliches Feuers lodernde Kraft entsprühte dem Rachen.]
Vorlage S. 113 329 Pegasos hat sie ereilt und der wackere Bellerophontes.
Vorlage S. 113 330 Doch die verderbliche Fix, Kadmeas Bewohnern zum Unheil,
Vorlage S. 113 331 Zeugte sie, Orthos in Liebe gesellt und dem Löwen Nemeas,
Vorlage S. 113 332 Ihn den Hera, des Zeus ruhmvolle Gemahlin, ernährte
Vorlage S. 113 333 Und auf die Fluren Nemeas versetzte, den Menschen zur Trübsal.
Vorlage S. 113 334 Als er dort wohnte, ergriff er mit Tücke der Menschen Geschlechter,
Vorlage S. 113 335 Dort auf den Bergen Nemeas, dem Treton und Apesas, herrschend;
Vorlage S. 113 336 Endlich bezwang ihn jedoch des Herakles mächtige Stärke.
Vorlage S. 113 337 Aber zuletzt gab Keto, dem Phorkys in Liebe vereinigt,
Vorlage S. 113 338 Jener gewaltigen Schlange das Leben, die lagernd im Dunkel
Vorlage S. 113 339 Dort am Ende der Erde die goldenen Äpfel behütet.
Vorlage S. 113 340 Dieses Geschlecht ist also von Keto und Phorkys entsprossen.]]
Vorlage S. 113 341 Tethys, Okeanos' Gattin, erzeugte die wirbelnden Ströme,
Vorlage S. 113 342 [Neilos, Alpheios sodann, und Eridanos' wirbelnde Tiefen,
Vorlage S. 113 343 Strymon, Maiandros und Istros, den Strom mit den herrlichen Fluten,
Vorlage S. 113 344 Phasis und Rhesos, auch Acheloos mit silbernem Strudel,
Vorlage S. 114 345 Nessos und Rhodios weiter, Heptaporos und Haliakmon,
Vorlage S. 114 346 Ferner Grenikos, Aisepos, Simoeis' göttliche Fluten,
Vorlage S. 114 347 Auch den Peneios und Hermos, den schönen Kaikos, und weiter
Vorlage S. 114 348 Auch den Sangariosstrom, den Parthenios ferner und Ladon,
Vorlage S. 114 349 Dann auch zuletzt den Euenos, Ardeskos und hehren Skamandros.]
Vorlage S. 114 350 Auch der Töchter heilig Geschlecht erzeugte sie, welche
Vorlage S. 114 351 Männer auf Erden erziehn mit Apollon, dem göttlichen Herrscher,
Vorlage S. 114 352 Und mit den Strömen: von Zeus ist ihnen das Amt übergeben.
Vorlage S. 114 353 Peitho war's und Admete, Ianthe dann und Elektre,
Vorlage S. 114 354 Doris ferner und Prymno, Uranie göttlicher Bildung,
Vorlage S. 114 355 Hippo und Klymene auch, Rhodeia, Kallirrhoe weiter,
Vorlage S. 114 356 Zeuxo und Klytie dann, Idyia, Pasithee ferner,
Vorlage S. 114 357 Dann Plexaúre und auch Galaxaúre, die schöne Dione,
Vorlage S. 114 358 Thoe, Melóbosis auch und von edler Gestalt Polydore,
Vorlage S. 114 359 Und von lieblichem Wuchs Kerkéis und Pluto, voll Hoheit,
Vorlage S. 114 360 Dann Ianeira und weiter Perseis, Akaste und Xanthe,
Vorlage S. 114 361 Auch Petraie voll Reiz und Menestho zugleich mit Europe,
Vorlage S. 114 362 Metis, Eurýnome, ferner Telesto im Safrangewande,
Vorlage S. 114 363 Asie dann und Chryseis, die liebliche Nymphe Kalypso,
Vorlage S. 114 364 Auch Eudore und Tyche, Okýrrhoe, Amphiro, endlich
Vorlage S. 114 365 Styx, die allen den andern bei weitem an Würde vorangeht.
Vorlage S. 114 366 Dies sind die ältesten Töchter, die Tethys Okeanos schenkte,
Vorlage S. 114 367 Aber noch gross ist die Zahl der andern, die nachmals geboren.
Vorlage S. 114 368 Sind doch dreimal tausend der schlanken Okeanostöchter
Vorlage S. 114 369 Weithin über die Erde zerstreut und die Tiefen des Meeres:
Vorlage S. 114 370 Überall schalten sie emsig, der Göttinnen herrliche Kinder.
Vorlage S. 114 371 Doch auch ebensoviel mit Gebraus hinfliessende Ströme
Vorlage S. 115 372 Giebt es, Okeanos' Söhne, die Tethys, die hehre, erzeugt hat:
Vorlage S. 115 373 Aller Namen zu nennen ist schwer dem sterblichen Manne,
Vorlage S. 115 374 Aber die kennen sie wohl, die nahe bei jeglichem wohnen.
Vorlage S. 115 375 Helios' leuchtende Macht und Selenes liebliche Helle,
Vorlage S. 115 376 Denen sich Eos gesellt, die allen Sterblichen scheinet
Vorlage S. 115 377 Und den Unsterblichen auch, die den weiten Himmel bewohnen,
Vorlage S. 115 378 Stammen von Theia, der Hyperíon in Liebe sich nahte.
Vorlage S. 115 379 Krios gebar Eurybie dann, die herrliche Göttin,
Vorlage S. 115 380 Liebend dem Gatten vereint, den grossen Astraios und Pallas
Vorlage S. 115 381 Samt dem Perses, der alle an klugem Verstand überraget.
Vorlage S. 115 382 Doch dem Astraios gebar nun Eos die trotzigen Winde,
Vorlage S. 115 383 Zephyros' heitere Kraft und des Boreas stürmisches Wehen,
Vorlage S. 115 384 Dazu den Notos: in Liebe vereinte der Gott sich der Göttin.
Vorlage S. 115 385 Danach erzeugte den Morgenstern uns die Göttin der Frühe
Vorlage S. 115 386 Samt den anderen Sternen voll Glanz, die den Himmel umkränzen.
Vorlage S. 115 387 Styx, des Okeanos Tochter, dem Pallas in Liebe vereinet,
Vorlage S. 115 388 Schenkte dem Zelos daheim und der reizenden Nike das Leben.
Vorlage S. 115 389 Weiter gebar sie Kraft und Gewalt, zwei herrliche Kinder.
Vorlage S. 115 390 Stets ist ihnen bei Zeus so Sitz wie Wohnung bereitet,
Vorlage S. 115 391 Niemals wandelt die Strasse der Gott, es folgen denn jene,
Vorlage S. 115 392 Und sie sitzen immer bei Zeus, dem erhabenen Donn'rer.
Vorlage S. 115 393 Also hat Styx es geraten, Okeanos' ewige Tochter,
Vorlage S. 115 394 An dem Tage, als Zeus, der olympische Schwinger der Blitze,
Vorlage S. 115 395 Alle unsterblichen Götter zum hohen Olympos hinaufrief:
Vorlage S. 115 396 Wer von den Göttern mit ihm die Titanen bekämpfe, – so sagt er –
Vorlage S. 115 397 Nimmer werd' er die Ehren ihm rauben, und jeglicher solle
Vorlage S. 116 398 Gleicher Würde sich freun wie zuvor bei den ewigen Göttern.
Vorlage S. 116 399 Doch wer der Ehren und Würde nach Kronos' Willen entbehre,
Vorlage S. 116 400 Sollte nun Ehren und Würden empfangen só, wie es recht ist.
Vorlage S. 116 401 Siehe, da kam denn zuerst die göttliche Styx zum Olympos
Vorlage S. 116 402 Samt ihren Kindern, dem Rate des liebenden Gatten gehorsam:
Vorlage S. 116 403 Darum ehrte sie Zeus und gab ihr die prächtigsten Gaben:
Vorlage S. 116 404 Denn er setzte sie selbst zu gewaltigem Eide den Göttern,
Vorlage S. 116 405 Und ihre Söhne sollten bei ihm in Ewigkeit wohnen.
Vorlage S. 116 406 Doch auch den anderen hat er vollendet das, was er versprochen,
Vorlage S. 116 407 Allen zusammen: und mächtig regiert und gebietet er selber.
Vorlage S. 116 408 Phoibe wiederum kam zu Koios' lieblichem Lager:
Vorlage S. 116 409 Schwanger geworden alsdann in des Gottes Umarmung die Göttin,
Vorlage S. 116 410 Schenkte sie Leto im dunklen Gewande das Leben, der sanften,
Vorlage S. 116 411 Welche den Sterblichen lieb ist und auch den unsterblichen Göttern:
Vorlage S. 116 412 Sanft von Anbeginn an, des Olympos mildeste Gottheit.
Vorlage S. 116 413 Und sie gebar Asterie drauf, die gepries'ne: es führte
Vorlage S. 116 414 Perses sie einst in das stattliche Haus als liebe Gemahlin.
Vorlage S. 116 415 Schwanger geworden gebar sie nun Hekate, [welche vor allen
Vorlage S. 116 416 Zeus der Kronide geehrt, und er gab ihr herrliche Gaben,
Vorlage S. 116 417 Dass sie Anteil habe am Land und am brausenden Meere,
Vorlage S. 116 418 Auch am sternigen Himmel so Anteil wie Ehre erlange:
Vorlage S. 116 419 Ist doch die Göttin am meisten geehrt von den ewigen Göttern.
Vorlage S. 116 420 Denn auch jetzt noch, wenn einer vielleicht der irdischen Menschen,
Vorlage S. 117 421 Herrliche Opfer bringend, nach Brauch die Unsterblichen sühnet,
Vorlage S. 117 422 Rufet er Hekate an, und reichliche Ehre begleitet
Vorlage S. 117 423 Den gar wohl, des Gebete die Göttin in Gnaden vernommen.
Vorlage S. 117 424 Und sie verleihet ihm Segen: ihr steht ja die Macht zu Gebote:
Vorlage S. 117 425 Denn von den Göttern fürwahr, die von Uranos stammen und Gaia,
Vorlage S. 117 426 Und die Ehre gewannen, gewähren sie alle ihr Anteil
Vorlage S. 117 427 Und auf Erden Gewalt, im Meere zugleich und im Himmel.
Vorlage S. 117 428 Und der Kronide that ihr nicht Zwang an, noch nahm er ihr wieder,
Vorlage S. 117 429 Was sie gewann zur Zeit der Titanen, der früheren Götter,
Vorlage S. 117 430 Sondern es bleibt die Verteilung auch jetzt, wie sie anfangs
Vorlage S. 117 431 Nicht, weil sie einzige Tochter, hat mindere Ehre die Göttin,
Vorlage S. 117 432 Sondern viel höhere gar, da Zeus sie selber geehret.
Vorlage S. 117 433 Wem sie geneigt, dem steht sie zur Seite und nützt sie gewaltig,
Vorlage S. 117 434 Und er sitzt im Gericht in der Könige würdigem Kreise,
Vorlage S. 117 435 Und auf dem Markte hervor vor dem Volk ragt, wem sie geneigt ist.
Vorlage S. 117 436 Und wann Helden zum Kriege, dem männermordenden, rüsten,
Vorlage S. 117 437 Stehet die Göttin ihnen zur Seite, und wem sie geneigt ist,
Vorlage S. 117 438 Gnädiglich bringt sie ihm Sieg, und Ruhm verleiht sie hinfort ihm.
Vorlage S. 117 439 Wacker hilft sie auch dann, wann im Wettkampf Männer sich mühen:
Vorlage S. 117 440 Ihnen auch stehet die Göttin zur Seite und nützt sie gewaltig:
Vorlage S. 117 441 Und wer gesiegt durch Stärke und Kraft, – den herrlichen Kampfpreis
Vorlage S. 118 442 Fröhlich und mühelos trägt er ihn heim, den Ältern zum Ruhme.
Vorlage S. 118 443 [Wacker steht sie auch Reitern zur Seite, sowie sie geneigt ist.]
Vorlage S. 118 444 Jenen auch, welche des Meers unwirtliche Fläche befahren
Vorlage S. 118 445 Und zur Hekate flehn und dem weithintosenden Meergott,
Vorlage S. 118 446 Mühelos spendet auch ihnen die Göttin reichliche Beute,
Vorlage S. 118 447 Und, selbst zeigt sie sich schon, – sie entreisst sie, wenn sie geneigt ist.
Vorlage S. 118 448 Wacker ist sie, im Hofe mit Hermes zu mehren den Viehstand:
Vorlage S. 118 449 Rinderherden zugleich und der Ziegen schweifende Scharen,
Vorlage S. 118 450 Wolliger Schafe Geschlechter sodann, lässt, wenn sie geneigt ist,
Vorlage S. 118 451 Sie aus wenigen zahlreich werden und mindert die Menge.
Vorlage S. 118 452 So, ist sie gleich als einziges Kind von der Mutter geboren,
Vorlage S. 118 453 Steht sie bei allen Unsterblichen doch in Ehren und Ansehn.
Vorlage S. 118 454 Und sie verleihet der Jugend Gedeihn nach dem Rat des Kroniden,
Vorlage S. 118 455 Allen, so nach ihr geschaut das Licht der leuchtenden Sonne.
Vorlage S. 118 456 Also pflegt sie von Anfang die Jugend: dies ihre Ehren.]
Vorlage S. 118 457 Rheia, von Kronos bewältigt, gebar hochherrliche Kinder,
Vorlage S. 118 458 Histie und Demeter und Here mit goldenem Schuhe
Vorlage S. 118 459 Samt dem mächtigen Hades, der unerbittliches Sinnes
Vorlage S. 118 460 Unter der Erde regiert, und dem weithintosenden Meergott,
Vorlage S. 118 461 Weiter auch Zeus den Berater, den Vater der Götter und Menschen,
Vorlage S. 118 462 Der mit des Donners Gewalt die geräumige Erde erschüttert.
Vorlage S. 119 463 Diese verschlang nun Kronos, der starke, sowie ihm ein jeder
Vorlage S. 119 464 Aus der Mutter heiligem Schoss auf die Kniee gesetzt ward,
Vorlage S. 119 465 Also denkend, dass nie von den hehren Himmelsbewohnern
Vorlage S. 119 466 Jemand das Herrscheramt führe als er in der Ewigen Kreise.
Vorlage S. 119 467 Denn von des sternigen Himmels Beherrscher und Gaia vernahm er,
Vorlage S. 119 468 Dass ihm das Schicksal bestimme, dem eigenen Sohn zu erliegen,
Vorlage S. 119 469 Wär' er auch noch so gewaltig, – nach Zeus des erhabenen Ratschluss.
Vorlage S. 119 470 Drum nicht vergebliche Wacht hielt Kronos: im Hinterhalt lauernd
Vorlage S. 119 471 Schlang er die eigenen Kinder hinab zum Jammer für Rheia.
Vorlage S. 119 472 Aber als sie dann Zeus, den Vater der Götter und Menschen,
Vorlage S. 119 473 Sollte gebären, da bat sie flehend die liebenden Ältern,
Vorlage S. 119 474 Die sie gezeugt, den Herrscher des sternigen Himmels und Gaia,
Vorlage S. 119 475 Rat zu pflegen, wie sie den teueren Sohn im Verborgnen
Vorlage S. 119 476 Könne gebären, auf dass sie räche so Vater wie Kinder,
Vorlage S. 119 477 Die der verschlagene Kronos, der mächtige, immer hinabschlang.
Vorlage S. 119 478 Willig gehorchten die Ältern und folgten der teueren Tochter.
Vorlage S. 119 479 Und sie thaten ihr kund, so wie es vom Schicksal bestimmt war,
Vorlage S. 119 480 Dass es mit Kronos, dem Herrscher, und Zeus, dem gewalt'gen, geschehe.
Vorlage S. 119 481 Und sie sandten nach Lyktos sie fort im gesegneten Kreta,
Vorlage S. 119 482 Zu der Stunde, da jene den jüngsten der Söhne gebären
Vorlage S. 119 483 Sollte, den mächtigen Zeus: den nahm die riesige Erde
Vorlage S. 119 484 Von ihr, dass sie ihn nähre und pflege auf Kretas Gefilden.
Vorlage S. 119 485 Dahin kam sie im Dunkel der flüchtigen Nacht, und sie brachte
Vorlage S. 120 486 Erst ihn nach Dikte: da barg sie den Gott, den sie trug mit den Händen,
Vorlage S. 120 487 Tief in felsiger Grotte, im Dunkel der göttlichen Erde,
Vorlage S. 120 488 Dort im ägäischen Berg, den dicht die Waldung beschattet.
Vorlage S. 120 489 Doch einen mächtigen Stein, den klug sie in Windeln gewickelt,
Vorlage S. 120 490 Gab sie des Uranos' Sohne, der Götter früherem Herrscher.
Vorlage S. 120 491 Dieser ergriff nun den Stein mit der Hand und senkt' in den Leib ihn,
Vorlage S. 120 492 Toll, wie er war: und nimmer erkannte er, dass statt des Steines
Vorlage S. 120 493 Unüberwunden und unverletzt der Sohn ihm zurückblieb,
Vorlage S. 120 494 Der durch der Hände Gewalt ihm die Würde des Herrschers entreissen
Vorlage S. 120 495 Sollte, auf dass er nun selber den ewigen Göttern gebiete.
Vorlage S. 120 496 [[Aber es mehrte sich bald die Kraft, und die prächtigen Glieder
Vorlage S. 120 497 Jenes erhabenen Herrschers, und als sich die Jahre vollendet,
Vorlage S. 120 498 Brachte, durch Gaias klugen Verstand überlistet, die Söhne
Vorlage S. 120 499 Kronos wieder ans Licht, der verschlagene, mächtige Herrscher,
Vorlage S. 120 500 Welchen List und Gewalt des eigenen Sohnes besiegte.
Vorlage S. 120 501 Erstlich spie er den Stein nun aus, den zuletzt er hinabschlang:
Vorlage S. 120 502 Und es setzte ihn Zeus auf der weit sich dehnenden Erde
Vorlage S. 120 503 Nieder im göttlichen Pytho, am felsigen Hang des Parnessos,
Vorlage S. 120 504 Dass er ein Zeichen dort sei und ein Wunder den späteren Menschen.
Vorlage S. 120 505 Und er befreite die Brüder des Vaters von quälenden Banden,
Vorlage S. 121 506 Uranos' Söhne, die einst ihr Vater in Thorheit gefesselt:
Vorlage S. 121 507 Diese vergalten den Dank für die Wohlthat, die sie genossen,
Vorlage S. 121 508 Beichten den Donner ihm dar und des Blitzes leuchtendes Feuer:
Vorlage S. 121 509 Beides hatte zuvor die riesige Erde verborgen.
Vorlage S. 121 510 Darauf bauend beherrscht er die Menschen und ewigen Götter.]]
Vorlage S. 121 511 Aber Iapetos führte Okeanos' reizende Tochter
Vorlage S. 121 512 Klymene heim und bestieg mit ihr ein gemeinsames Lager.
Vorlage S. 121 513 Diese gebar ihm ein Kind von standhaftem Sinne, den Atlas,
Vorlage S. 121 514 Und den stolzen Menoitios drauf und den list'gen Prometheus,
Vorlage S. 121 Kontextbild zum Werk. Hesiod – historisches Vorstellungsbild — Vorstellungsbild von Max Karl Baldamus, 1833; kein zeitgenössisches Porträt. · Max Karl Baldamus · Public domain Bildquelle ↗ 515 Welcher so klug ist an Rat, und den Thoren dazu, Epimetheus,
Vorlage S. 121 516 Der den betriebsamen Menschen von Anfang zum Übel geboren.
Vorlage S. 121 517 Er war's, welcher das Weib, das Zeus erschaffen, die Jungfrau,
Vorlage S. 121 518 Aufnahm. Aber den Frevler Menoitios sandte der Donn'rer
Vorlage S. 121 519 Schnell zu des Erebos Dunkel, mit flammendem Blitze ihn treffend
Vorlage S. 121 520 Ob des frevelnden Sinns und der übergewaltigen Stärke.
Vorlage S. 121 521 Atlas hält aus Zwang den weit sich dehnenden Himmel
Vorlage S. 121 522 Dort an den Grenzen der Erde, beim Sange der Hesperiden,
Vorlage S. 121 523 Stehet und trägt mit dem Haupt und den unermüdlichen Händen.
Vorlage S. 121 524 Das ist das Los, das Zeus der Berater dem Atlas beschieden.
Vorlage S. 121 525 Aber mit quälenden Fesseln und unzerreissbaren Banden
Vorlage S. 121 526 Fesselte Zeus an die Säule den Arglistsinner Prometheus.
Vorlage S. 121 527 Darauf sandt' er den Adler heran mit den mächtigen Flügeln,
Vorlage S. 122 528 Der an unsterblicher Leber ihm frass: doch immer des Nachts wuchs
Vorlage S. 122 529 So viel, als bis zum Ende des Tages der Vogel verzehrte.
Vorlage S. 122 530 Herakles tötete ihn, der Sohn der schlanken Alkmene,
Vorlage S. 122 531 Jener gewaltige Held, und er wehrte Iapetos' Sohne
Vorlage S. 122 532 Ab das schlimme Verderben und nahm ihm die Leiden der Seele.
Vorlage S. 122 533 Also wollte es Zeus, der Beherrscher des hohen Olympos,
Vorlage S. 122 534 Dass noch grösser als früher der Ruhm des Herakles werde,
Vorlage S. 122 535 Den einst Theben gebar, auf vielernährender Erde.
Vorlage S. 122 536 Diesen also, den rühmlichen Sohn, gedacht' er zu ehren:
Vorlage S. 122 537 Darum liess er vom Zorn, so gewaltig er früher ergrimmt war,
Vorlage S. 122 538 Weil er mit Kronos' Sohne, dem starken, stritt in der Klugheit.
Vorlage S. 122 539 Denn als einst sich verglichen die Götter und sterblichen Menschen
Vorlage S. 122 540 Zu Mekone, da teilt' mit Bedacht er den mächtigen Farren,
Vorlage S. 122 541 Und dann setzt' er ihn vor, Zeus' Sinn zu täuschen vermeinend.
Vorlage S. 122 542 Denn für jene legt' er das Fleisch und in fetter Umhüllung
Vorlage S. 122 543 Eingeweid' auf die Haut, mit dem Magen des Stieres es deckend,
Vorlage S. 122 544 Aber er legte für Zeus des Stieres glänzende Knochen
Vorlage S. 122 545 Hin mit listiger Kunst, mit weissem Fette sie deckend.
Vorlage S. 122 546 Und drauf redet' ihn an der Vater der Götter und Menschen:
Vorlage S. 122 547 »Sohn des Iapetos, der über sämtliche Herrscher erhaben,
Vorlage S. 122 548 Freund, wie hast du für einen bedacht die Teile zerleget«!
Vorlage S. 122 549 Spottend sprach es der Gott, des Rat in Ewigkeit währet.
Vorlage S. 122 550 Und es entgegnete ihm der Arglistsinner Prometheus
Vorlage S. 122 551 Leise lächelnd, doch listiger Kunst mit nichten vergessend:
Vorlage S. 122 552 »Zeus, ruhmvoller Gebieter, und höchster der ewigen Götter,
Vorlage S. 122 553 Wähle von beiden dén Teil, den das Herz dir zu wählen gebietet.«
Vorlage S. 122 554 Sprach es mit List: doch Zeus, des Rat in Ewigkeit währet,
Vorlage S. 123 555 Merkte die List und erkannte sie wohl und sahe im Herzen
Vorlage S. 123 556 Unheil voraus für die Menschen, wie bald es sich sollte vollenden.
Vorlage S. 123 557 Und das glänzende Fett mit beiden Händen ergriff er.
Vorlage S. 123 558 Zorn erfüllte sein Herz, tief drang ihm der Groll in die Seele,
Vorlage S. 123 559 Als er listig versteckt des Stieres Knochen erblickte.
Vorlage S. 123 560 (Seit der Zeit verbrennen den Göttern der Menschen Geschlechter
Vorlage S. 123 561 Schimmernde Knochen auf Erden auf weithin duftendem Altar.)
Vorlage S. 123 562 Aber von Zorn übermannt sprach Zeus der Wolkenversammler:
Vorlage S. 123 563 »Sohn des Iapetos, du, der allen an Rat überlegen,
Vorlage S. 123 564 Freund, so hast du der listigen Kunst auch jetzt nicht vergessen!«
Vorlage S. 123 565 So sprach Zeus im Zorne, des Rat in Ewigkeit währet.
Vorlage S. 123 566 Darum, dieweil er auch ferner der Arglist immer gedachte,
Vorlage S. 123 567 Wollt' er den sterblichen Menschen die Kraft des lodernden Feuers
Vorlage S. 123 568 Nimmer verleihen, den armen, die irdische Fluren bewohnen.
Vorlage S. 123 569 Doch es betrog ihn darum des Iapetos wackerer Sprössling,
Vorlage S. 123 570 Welcher die leuchtende Helle des lodernden Feuers entwandte
Vorlage S. 123 571 Klug in der Höhlung des Rohrs: tief kränkt' es im Innern das Herz ihm,
Vorlage S. 123 572 Zeus, dem Donn'rer: es machte erzürnt das liebe Gemüt ihm,
Vorlage S. 123 573 Als er die leuchtende Helle des Feuers auf Erden erblickte.
Vorlage S. 123 574 Und für das Feuer bereitet' er bald den Menschen ein Übel.
Vorlage S. 124 575 Denn es schuf aus Erde der Gott, der rühmliche, starke,
Vorlage S. 124 576 Züchtiger Jungfrau gleich ein Gebilde: so wollt' es Kronion.
Vorlage S. 124 577 Gürtel verlieh ihr Athene, die strahlenäugige Göttin,
Vorlage S. 124 578 Auch ein leuchtend Gewand, und herab vom Haupte das Kopftuch
Vorlage S. 124 579 Kunstvoll gewebt liess sie wallen: ein Wunder war es zu schauen.
Vorlage S. 124 580 [Und frischblühende Kränze, von Wiesenblumen gewunden,
Vorlage S. 124 581 Liebliche, legte ums Haupt der Jungfrau Pallas Athene.]
Vorlage S. 124 582 Oben aufs Haupt ihr setzte der Gott den goldenen Stirnschmuck,
Vorlage S. 124 583 Welchen er selber gefertigt, der hochberühmte Hephaistos,
Vorlage S. 124 584 Fein mit kunstvoller Hand, dem göttlichen Vater zu Liebe.
Vorlage S. 124 585 Drauf war mánch ein Kunstwerk geschaffen, ein Wunder zu schauen,
Vorlage S. 124 586 Tiere, wie sie in Menge das Meer und die Feste ernähret:
Vorlage S. 124 587 Davon bildet' er viele hinein, voll leuchtender Anmut,
Vorlage S. 124 588 Wunderbare: fast glichen sie lebenden, stimmebegabten.
Vorlage S. 124 589 Aber nachdem statt Gutem er glänzendes Übel geschaffen,
Vorlage S. 124 590 Führt' er sie nun zu den anderen hin, zu Göttern und Menschen,
Vorlage S. 124 591 Prangend im Schmucke Athenes, der Tochter des mächtigen Vaters.
Vorlage S. 124 592 Staunen erfasste die Götter zugleich und die sterblichen Menschen,
Vorlage S. 124 593 Als sie die heillose List, der kein Sterblicher beikommt, gesehen.
Vorlage S. 124 594 [Denn von der ist das zarte Geschlecht der Weiber entsprossen.]
Vorlage S. 125 595 Daher stammt des Verderbens Geschlecht, die Scharen der Weiber,
Vorlage S. 125 596 Die zu gewaltigem Leid für die sterblichen Männer geschaffen:
Vorlage S. 125 597 Überfluss teilen sie gern, sie fliehen verderbliche Armut.
Vorlage S. 125 598 Wie im gewölbeten Korbe die Arbeitsbienen der Drohnen
Vorlage S. 125 599 Zucht aufziehen, die unnütz Tun so trefflich verstehen: –
Vorlage S. 125 600 Jene von frühem Morgen, bis spät die Sonne sich neiget,
Vorlage S. 125 601 Mühen sich immer mit Fleiss, weisszelliges Wachs zu bereiten,
Vorlage S. 125 602 Aber die Drohnen, drin im gewölbeten Stocke verbleibend,
Vorlage S. 125 603 Sammeln im eigenen Magen, was anderer Mühe erworben, –
Vorlage S. 125 604 Also hat Zeus der Donn'rer den sterblichen Männern zum Unheil
Vorlage S. 125 605 Weiber geschaffen, die unnütz Tun so trefflich verstehen.
Vorlage S. 125 606 Aber er gab uns Menschen auch Gutes mit Bösem vereinet:
Vorlage S. 125 607 Denn wer aus Scheu vor der Ehe und leidigem Treiben der Weiber
Vorlage S. 125 608 Nimmer der Ehe geneigt, geht traurigem Alter entgegen:
Vorlage S. 125 609 Denn er ermangelt der Pflege alsdann: wohl hat er zum Leben
Vorlage S. 125 610 Reichlich: doch wann er geschieden, so teilen sich Fremde sein Erbe:
Vorlage S. 125 611 Ist einem Manne jedoch vom Schicksal die Ehe beschieden
Vorlage S. 125 612 Und er erlangt ein tugendsam Weib mit verständigem Sinne,
Vorlage S. 125 613 Dem ist in gleicher Weise mit Gutem Böses vereinet
Vorlage S. 125 614 Allzeit im Leben: bekommt er indes missratene Söhne,
Vorlage S. 125 615 Lebt er dahin und hat in der Brust unendlichen Kummer
Vorlage S. 125 616 Tief für Herz und Gemüt, unheilbarem Elend verfallen.
Vorlage S. 125 617 Also kann niemand von uns Zeus' Willen berücken noch täuschen:
Vorlage S. 126 618 Denn auch Iapetos' Sohn, Prometheus, der gütige Helfer,
Vorlage S. 126 619 Konnte dem grimmigen Zorne des Zeus nicht entgehen: es hält ihn,
Vorlage S. 126 620 War er auch noch so klug, mit Zwang die mächtige Fessel.
Vorlage S. 126 621 Als der Vater zuerst Obriareos, Kottos und Gyes
Vorlage S. 126 622 Gram ward im Herzen, da schlug er sie fest in mächtige Bande,
Vorlage S. 126 623 Zürnend ob ihrer gewaltigen Kraft und ihrer Erscheinung,
Vorlage S. 126 624 Auch ihrer Grösse: er barg sie unter der wegsamen Erde.
Vorlage S. 126 625 Und nun wohnten von Leiden beschwert sie unter der Erde,
Vorlage S. 126 626 Sassen am äussersten Rand, an den Grenzen der mächtigen Erde,
Vorlage S. 126 627 Lange von Kummer verzehrt und gedrückt im Herzen von Trübsal.
Vorlage S. 126 628 Aber des Kronos Sohn und die andern unsterblichen Götter,
Vorlage S. 126 629 Welche von Kronos' Umarmung die lockige Rheia geboren,
Vorlage S. 126 630 Führten sie wieder ans Licht, dem Rate der Gaia gehorsam:
Vorlage S. 126 631 Denn in ausführlicher Rede erzählte sie, wie sie gedenke,
Vorlage S. 126 632 Sieg und glänzenden Ruhm mit ihnen vereint zu gewinnen.
Vorlage S. 126 633 Lang' schon bekämpften einander, erduldend peinvolle Mühe,
Vorlage S. 126 634 Hier die titanischen Götter und dort die Kronos entstammen,
Vorlage S. 126 635 Grad' anstürmend zum Streit in wilden, gewaltigen Schlachtreihn:
Vorlage S. 126 636 Diese vom Othrysberge, dem hohen, die hehren Titanen,
Vorlage S. 126 637 Jene herab vom Olympos, die Götter, die Geber des Guten,
Vorlage S. 126 638 Welche die lockige Rheia gebar, zu Kronos gelagert:
Vorlage S. 126 639 Diese bekämpften einander, erduldend peinvolle Mühe,
Vorlage S. 126 640 Damals in stetigem Kampf: ob zehen der Jahre entschwanden,
Vorlage S. 126 641 Dennoch hatte der quälende Streit nicht Ende noch Lösung
Vorlage S. 127 642 Beiden Teilen: es blieb in der Schwebe des Krieges Entscheidung.
Vorlage S. 127 643 Aber als sie auch jenen nun kräftige Nahrung geboten,
Vorlage S. 127 644 Nektar, Ambrosia auch, wie die Götter selber geniessen,
Vorlage S. 127 645 Und der männliche Mut ihnen allen im Busen gewachsen,
Vorlage S. 127 646 [Als sie nun Nektar genossen alsdann und Ambrosias Labung,]
Vorlage S. 127 647 Sprach zu ihnen gewendet der Vater der Götter und Menschen:
Vorlage S. 127 648 »Höret mir zu, der Gaia und Uranos' herrliche Kinder,
Vorlage S. 127 649 Dass ich Euch sage, wie mir das Herz es im Busen gebietet.
Vorlage S. 127 650 Denn schon lang' ist's her, dass, gegen einander geordnet,
Vorlage S. 127 651 Wegen des Sieges Entscheidung von Tage zu Tage wir kämpfen –
Vorlage S. 127 652 Hier die titanischen Götter und dort die wir Kronos entstammen.
Vorlage S. 127 653 Auf, lasst eure gewaltige Kraft und unnahbaren Hände
Vorlage S. 127 654 Sehen in trauriger Schlacht, den Titanen mutig begegnend:
Vorlage S. 127 655 Denket der Liebe und Güte, und dass ihr nach mancherlei Trübsal
Vorlage S. 127 656 Wieder zum Lichte gekommen, erlöst von schmerzlicher Fessel,
Vorlage S. 127 657 Her vom nebligen Dunkel, da wir es also beschlossen.«
Vorlage S. 127 658 Sprach's: es erwiderte drauf der untadlige Kottos und sagte:
Vorlage S. 127 659 »Bester, du hast nichts Neues erwähnt: wir wissen ja selber,
Vorlage S. 127 660 Dass du vor allen an Rat und klugen Gedanken hervorragst
Vorlage S. 127 661 Und Unsterblichen wurdest ein Helfer in schaurigem Unheil:
Vorlage S. 127 662 Dass wir wieder hervor aus unerfreulichem Kerker,
Vorlage S. 127 663 Her vom nebligen Dunkel, weil du es also beschlossen,
Vorlage S. 127 664 Kamen, o Sohn des Kronos, ist wider Verhoffen geschehen.
Vorlage S. 127 665 Drum mit beharrlichem Sinn und klug ersonnenem Ratschluss
Vorlage S. 128 666 Wollen wir euere Herrschaft nun retten in schrecklicher Feldschlacht,
Vorlage S. 128 667 Mit den Titanen im Streit, in gewaltigem Kampfesgetümmel.«
Vorlage S. 128 668 Sprach's und es lobten ihn drob die Götter, die Geber des Guten,
Vorlage S. 128 669 Als sie die Rede vernommen: es sehnte nach Krieg sich das Herz ihm
Vorlage S. 128 670 Mehr denn zuvor, und alle erweckten die grässliche Feldschlacht,
Vorlage S. 128 671 Weibliche Götter nicht minder als männliche, selbiges Tages,
Vorlage S. 128 672 Hier die titanischen Götter und dort die Kronos entstammen,
Vorlage S. 128 673 Und die Zeus aus der Erde, empor aus des Erebos Dunkel,
Vorlage S. 128 674 Sandte zum Licht, die starken, mit übergewaltigen Kräften.
Vorlage S. 128 675 Hundert der Arme regten sich ihnen herab von den Schultern
Vorlage S. 128 676 Allen zugleich, und es waren auch jeglichem hoch von den Schultern
Vorlage S. 128 677 Fünfzig Köpfe gewachsen auf ungeheuerem Leibe.
Vorlage S. 128 678 Diese traten zu trauriger Schlacht den Titanen entgegen,
Vorlage S. 128 679 Ragender Felsen gewaltige Wucht mit den Händen erhebend.
Vorlage S. 128 680 Drüben stellten indes die Titanen mächtige Schlachtreihn
Vorlage S. 128 681 Auf mit Mut: und Taten gewaltiger Fäuste zur Wirkung
Vorlage S. 128 682 Brachten sie beide: es brauste die unermessliche Meerflut.
Vorlage S. 128 683 Furchtbar dröhnte die Erde, der breite Himmel ertönte
Vorlage S. 128 684 Heftig bewegt, und von Grund aus bebte der weite Olympos
Vorlage S. 128 685 Unter dem Stosse der Götter: der Füsse schwere Erschütt'rung
Vorlage S. 128 686 Drang bis zum Dunkel des Tartaros hin und das jähe Getöse
Vorlage S. 128 687 Von der riesigen Schlacht und der Würfe gewaltigem Dröhnen.
Vorlage S. 128 688 Also wider einander entsandten sie herbe Geschosse.
Vorlage S. 128 689 Hoch bis zum sternigen Himmel hinauf erschallte die Stimme
Vorlage S. 128 690 Beider im Kampf: und sie trafen zusammen mit mächtigem Schlachtruf.
Vorlage S. 128 691 Schon hielt Zeus auch die eigene Kraft nicht zurücke: mit Kampflust
Vorlage S. 128 692 Füllte sich bald ihm der Sinn, und was ihm im Innern an Kraft war
Vorlage S. 129 693 Zeigte er jetzt: und er stieg vom Himmel herab und Olympos,
Vorlage S. 129 694 Endlos blitzend: und wo er auch wandelte, krachten die Donner,
Vorlage S. 129 695 Flogen, dem Donner vereint, unaufhörlich die Blitze zur Erde
Vorlage S. 129 696 Schnell von der wuchtigen Hand, ungeheueren Brand hinwälzend.
Vorlage S. 129 697 Blitz kam auf Blitz: und es prasselte rings die nährende Erde
Vorlage S. 129 698 Weithin vom Feuer verzehrt: laut krachte die mächtige Waldung.
Vorlage S. 129 699 Glühende Lohe versengte das Land und Okeanos' Fluten
Vorlage S. 129 700 Samt dem unendlichen Meer: die Titanen, die Söhne der Erde,
Vorlage S. 129 701 Hüllte der feurige Dampf ganz ein: bis zum göttlichen Äther
Vorlage S. 129 702 Lohte die Flamme empor: von der Blitze leuchtendem Glänze
Vorlage S. 129 703 Wurden die Augen der Starken, so kräftig sie waren, geblendet.
Vorlage S. 129 704 Endlos erfüllte die Hitze die Luft: es dünkte dem Auge
Vorlage S. 129 705 Schon, dass es sähe, dem Ohr, dass es selbst solch Krachen vernähme,
Vorlage S. 129 706 Wie wenn die Erde und drüber der weit sich dehnende Himmel
Vorlage S. 129 707 Nahten einander: denn also entstünde das grösste Getöse,
Vorlage S. 129 708 Würde die Erde getroffen und stürzte von oben der Himmel:
Vorlage S. 129 709 Solches Getöse entstand, als die Götter zum Streite sich wandten.
Vorlage S. 129 710 [Hoch auf trieben die Winde den Staub und bewirkten Erschütt'rung,
Vorlage S. 129 711 Wirbelten Donner und Wetter empor und treffende Blitze,
Vorlage S. 130 712 Zeus', des gewaltigen, Pfeile: sie brachten Brausen und Sausen
Vorlage S. 130 713 Zwischen der Kämpfenden Reihn: unermessliches Krachen erhob sich
Vorlage S. 130 714 Von dem entsetzlichen Streit: schon nahte des Krieges Entscheidung.]
Vorlage S. 130 715 Und schon wankte die Schlacht: doch lange einander genahet
Vorlage S. 130 716 Hatten sie standhaft im Kampf der tobenden Feldschlacht gestanden,
Vorlage S. 130 717 Und in den vordersten Reihen erweckten die Hitze des Kampfes
Vorlage S. 130 718 Kottos, Briareos auch und Gyes, im Krieg unersättlich.
Vorlage S. 130 719 Und von wuchtiger Hand dreihundert mächtige Blöcke
Vorlage S. 130 720 Flogen, Fels an Fels, durch die Luft: die Titanen umhüllte
Vorlage S. 130 721 Dunkele Nacht: und unter die weit sich dehnende Erde
Vorlage S. 130 722 Sandten sie jene und schlugen sie dort in schreckliche Fesseln,
Vorlage S. 130 723 Jener Gewaltigen Trotz durch stärkere Fäuste besiegend,
Vorlage S. 130 724 So weit unter der Erde, als Erde und Himmel getrennt sind.
Vorlage S. 130 725 Gleich weit ist's von der Erde hinab zu des Tartaros Dunkel.
Vorlage S. 130 726 – Würde ein eherner Ambos vom Himmel zur Erde geworfen,
Vorlage S. 130 727 Flog' neun Tag' er und Nächte, am zehnten erst käm' er zur Erde:
Vorlage S. 130 728 Und wenn ein eherner Ambos von hier zum Tartaros fiele,
Vorlage S. 130 729 Flög' neun Tag' er und Nächte, am zehnten erst käm' er hinunter. –
Vorlage S. 130 730 Eherner Zaun ist um ihn gezogen und rings um den Gipfel
Vorlage S. 130 731 Dreifaches Dunkel gelagert, und drüber gewachsen erscheinen
Vorlage S. 130 732 Dort die Wurzeln der Erde, dazu des rauschenden Meeres.
Vorlage S. 130 733 Dort sind in finsterer Nacht die titanischen Götter verborgen
Vorlage S. 130 734 Nach dem Beschlusse des Zeus, des gewaltigen Wolkenversammlers.
Vorlage S. 130 735 Dumpfigen Ort sie bewohnen, tief unter der riesigen Erde.
Vorlage S. 131 736 Keiner vermag von hier zu entrinnen: es fügte Poseidon
Vorlage S. 131 737 Eherne Pforten daran und nach beiden Seiten hin Mauern.
Vorlage S. 131 738 Gyes und Kottos und auch Obriareos, der so gewaltig
Vorlage S. 131 739 Streitet, halten die Wacht, Zeus' Willen in Treuen ergeben.
Vorlage S. 131 740 [Dort von der schwarzen Erde und Tartaros' nebligem Reiche,
Vorlage S. 131 741 Auch vom tosenden Meer und dem sternenbesäeten Himmel –
Vorlage S. 131 742 Von dem allen sind dort nach einander Quellen und Enden.
Vorlage S. 131 743 Hässlich und dumpf ist's da, und es schaudern die Ewigen selber.
Vorlage S. 131 744 Auch ein gewaltiger Schlund ist dort: bis zum Ende des Jahres,
Vorlage S. 131 745 Käme, was einmal den Eingang fand, nicht wieder zu Boden:
Vorlage S. 131 746 Hierhin und dorthin trüg' es der Sturm, dem Sturme es bietend,
Vorlage S. 131 747 Schrecklich daher: ob des Wunders erfasst die unsterblichen Götter
Vorlage S. 131 748 Selber ein Schrecken: es liegt, von schwarzem Gewölke verhüllet,
Vorlage S. 131 749 Dort der finsteren Nacht Entsetzen erregende Wohnung.]
Vorlage S. 131 750 [Vorn steht Iapetos' Sohn, der den weit sich dehnenden Himmel
Vorlage S. 131 751 Trägt mit dem Haupt und den Armen, die niemals müde noch matt sind,
Vorlage S. 131 752 Ohne zu wanken. Die Nacht und der Tag, die verschiedene Wege
Vorlage S. 131 753 Wandeln, reden einander dort an, die eherne Schwelle
Vorlage S. 131 754 Wechselnd: die Nacht tritt ein, und der Tag geht hinaus aus dem Hause.
Vorlage S. 131 755 Nimmer sind beide zugleich von des Hauses Gehege umschlossen:
Vorlage S. 132 756 Stets hat eins, sei's Tag oder Nacht, die Wohnung verlassen,
Vorlage S. 132 757 Droben auf Erden zu wandeln, und drinnen wartet das andre,
Vorlage S. 132 758 Bis sich die Stunde genaht, dass es selber die Wanderung antritt.
Vorlage S. 132 759 Strahlendes Licht bringt der Tag den sterblichen Söhnen der Erde,
Vorlage S. 132 760 Aber den Bruder des Todes, den Schlaf, hat die andre im Arme,
Vorlage S. 132 761 Sie, die verderbliche Nacht, die neblige Wolken umhüllen.
Vorlage S. 132 762 Allda wohnen der finsteren Nacht unsterbliche Söhne,
Vorlage S. 132 763 Schlaf und Tod, die gewalt'gen: der leuchtende Helios schaut sie
Vorlage S. 132 764 Nimmer mit glänzendem Strahl, nicht wenn er zum Himmel heraufkommt,
Vorlage S. 132 765 Noch auch wann er die Bahn abwärts vom Himmel hinabsteigt.
Vorlage S. 132 766 Ruhig wandelt der eine von ihnen über die Erde
Vorlage S. 132 767 Samt dem unendlichen Meer, stets freundlich gegen die Menschen,
Vorlage S. 132 768 Aber ein eisernes Herz, unbeugsam starre Gesinnung
Vorlage S. 132 769 Wohnet dem anderen inne: und welchen er einmal gefasst hat,
Vorlage S. 132 770 Den hält er fest, und es hassen ihn selbst die ewigen Götter.]
Vorlage S. 132 771 [Dort ist von Klagen durchhallt das Haus des irdischen Herrschers,
Vorlage S. 132 772 Hades, des starken, dazu der schrecklichen Persephoneia.
Vorlage S. 132 773 Vorn hält ein furchtbarer Hund stets Wache, die Pforte zu hüten,
Vorlage S. 132 774 Unbarmherziges Sinns und von tückischen Künsten: die kommen,
Vorlage S. 132 775 Denen schmeichelt er allen zugleich mit dem Schwanz und den Ohren:
Vorlage S. 132 776 Aber wieder hinaus darf niemand: er lauert im Eingang,
Vorlage S. 132 777 Den zu verzehren, der fort aus den Thoren zu eilen sich anschickt
Vorlage S. 133 778 Hades', des starken, dazu der schrecklichen Persephoneia.]
Vorlage S. 133 779 [Auch eine schreckliche Göttin ist dort, bei den Göttern verrufen,
Vorlage S. 133 780 Styx, des kreisenden Stroms Okeanos älteste Tochter.
Vorlage S. 133 781 Fern von den ewigen Göttern bewohnt sie die herrliche Wohnung:
Vorlage S. 133 782 Mächtige Felsen erheben sich drüber: und silberne Säulen
Vorlage S. 133 783 Stützen sie rings, und es ragt bis zum Himmel empor das Gebäude.
Vorlage S. 133 784 Selten nur eilet, um Botschaft zu bringen, die hurtige Iris,
Vorlage S. 133 785 Thaumas' Tochter, dahin, auf dem breiten Rücken des Meeres.
Vorlage S. 133 786 Wann sich Zwietracht und Streit bei den ewigen Göttern erhoben,
Vorlage S. 133 787 Und wann unter der Schar der Olympier einer getäuscht hat,
Vorlage S. 133 788 Schickt Zeus Iris, auf dass sie der Götter gewaltigen Eidschwur
Vorlage S. 133 789 Hole in goldenem Krug, das gepriesene eisige Wasser,
Vorlage S. 133 790 Welches von jähem Gestein aus der Höhe zu Boden hinabfällt.
Vorlage S. 133 791 Aus dem heiligen Strome, ein Teil des Okeanos, fliesst sie
Vorlage S. 133 792 Mächtig durch dunkele Nacht tief unter der wegsamen Erde.
Vorlage S. 133 793 Nur ein Zehntel des Wassers ward Styx bei der Teilung beschieden,
Vorlage S. 133 794 Doch um die Erde, dazu um den breiten Rücken des Meeres
Vorlage S. 133 795 Fliessen in silbernen Wirbeln neun andre zum Meer hinstürzend:
Vorlage S. 133 796 Ein Teil sprudelt vom Felsen herab den Göttern zur Trübsal.
Vorlage S. 133 797 Wer nun gespendet davon und doch einen Meineid geschworen
Vorlage S. 133 798 Unter den ewigen Göttern auf schneeumglänztem Olympos,
Vorlage S. 133 799 Der liegt atemberaubt, bis des Jahres Lauf sich vollendet:
Vorlage S. 133 800 Nimmer kostet Ambrosia der, noch labet ihn Nektar,
Vorlage S. 134 801 Sondern atemlos liegt er, dazu der Sprache verlustig
Vorlage S. 134 802 Dann auf dem Lager, verharrend in todesähnlichem Starrkrampf.
Vorlage S. 134 803 Ist er von Krankheit befreit, wann ein grosses Jahr sich vollendet,
Vorlage S. 134 804 Wartet noch schwerere Not des Genesenen, eine zur andern.
Vorlage S. 134 805 Denn er bleibt neun Jahre verbannt aus der Ewigen Kreise:
Vorlage S. 134 806 Nimmer erscheint er zum Rat noch der Götter fröhlichem Mahle
Vorlage S. 134 807 Volle neun Jahre hindurch: im zehnten erst zeigt er sich wieder
Vorlage S. 134 808 Dort in der Ewigen Schar, bei des weiten Olympos Bewohnern.
Vorlage S. 134 809 Also setzten die Götter der Styx uraltes Gewässer,
Vorlage S. 134 810 Das nie schwindet, zum Schwur, – das im steinigen Bette dahinströmt]
Vorlage S. 134 811 [Dort von der finsteren Erde und Tartaros' nebligem Reiche,
Vorlage S. 134 812 Auch vom wogenden Meer und dem sternenbesäeten Himmel –
Vorlage S. 134 813 Von dem allen sind dort nach einander Quellen und Enden:
Vorlage S. 134 814 Hässlich und dumpf ist's da, es schaudern die Ewigen selber,
Vorlage S. 134 815 Glänzend strahlet die Pforte, von Erz ist die Schwelle gefüget,
Vorlage S. 134 816 Unerschütterlich fest, von tiefen Wurzeln gehalten,
Vorlage S. 134 817 Und von selber geworden: getrennt von den Seligen wohnt vorn
Vorlage S. 134 818 Nun der Titanen Geschlecht, jenseits des finsteren Chaos.
Vorlage S. 134 819 Aber den rühmlichen Helfern des Zeus, des gewaltigen Donn'rers,
Vorlage S. 134 820 Ist an Okeanos' Grund tief unten die Wohnung beschieden,
Vorlage S. 134 821 Kottos und Gyes: Briareos nahm sich, den wackeren Kämpfer,
Vorlage S. 134 822 Er, der die Erde erschüttert, Poseidon selber, zum Eidam:
Vorlage S. 134 823 Kymopoleia vermählte er ihm, die eigene Tochter.]
Vorlage S. 134 824 [[Aber als Zeus der Titanen Geschlecht aus dem Himmel hinauswies,
Vorlage S. 135 825 Zeugte die riesige Erde Typhoeus, den jüngsten der Söhne,
Vorlage S. 135 826 Tartaros liebend vereint, Aphroditen, der gold'nen, gehorsam.
Vorlage S. 135 827 Kräftig waren die Arme des Gottes, zu Taten geschaffen,
Vorlage S. 135 828 Nimmer ermüdeten ihm die Füsse: den Schultern entwuchsen
Vorlage S. 135 829 Hundert Köpfe: es leckten mit dunkelen Zungen die Drachen
Vorlage S. 135 830 Furchtbar umher, und unter den Brauen, herab von den Augen,
Vorlage S. 135 831 Liessen gewaltige Köpfe die feurige Lohe entsprühen.
Vorlage S. 135 832 [Feuer brannte, wohin er auch blickte, von jeglichem Haupte:]
Vorlage S. 135 833 Jegliches schreckliche Haupt war begabt mit schallender Stimme
Vorlage S. 135 834 Mannigfaltiges Klanges, erstaunliches: bald wie der Götter
Vorlage S. 135 835 Sprache erklang's und bald wie des weithin brüllenden Stieres
Vorlage S. 135 836 Dumpfhin hallender Ton, des stolzen Führers der Herde,
Vorlage S. 135 837 Bald wie die Stimme des Löwen, dem ungebändigt der Mut ist,
Vorlage S. 135 838 Schallt' es und bald wie der Hunde Gekläff, ein Wunder zu hören:
Vorlage S. 135 839 Bald auch pfiff's: laut hallte darunter das weite Gebirge.
Vorlage S. 135 840 Und nun wär' an dem Tage ein schrecklich Unheil vollendet,
Vorlage S. 135 841 Und es hätte der Unhold den Göttern und Menschen geboten,
Vorlage S. 135 842 Hätte nicht scharf es gewahret der Vater der Menschen und Götter.
Vorlage S. 135 843 Schwer und gewaltig erscholl sein Donner, es dröhnte die Erde
Vorlage S. 135 844 Schauerlich rings und darüber der weit sich dehnende Himmel,
Vorlage S. 135 845 Unten das Meer und Okeanos' Flut und des Tartaros Abgrund.
Vorlage S. 135 846 Unter den Tritten des Gottes erbebte der grosse Olympos,
Vorlage S. 136 847 Als sich der Herrscher erhob, und es stöhnte dazu die Erde.
Vorlage S. 136 848 Glut ergriff das dunkele Meer von doppelter Lohe,
Vorlage S. 136 849 Von der Blitze Geleucht und dem sprühenden Feuer des Unholds,
Vorlage S. 136 850 [Von den Gewitterstürmen zugleich und dem leuchtenden Blitze.]
Vorlage S. 136 851 Überall glühte die Erde vom Feuer, das Meer und der Himmel,
Vorlage S. 136 852 Ringsum die Küsten, soweit sie sich dehnen, tobten die Wogen
Vorlage S. 136 853 Unter der Himmlischen Stoss, und unendlich war die Erschütt'rung.
Vorlage S. 136 854 Hades erzitterte drob, der unten den Toten gebietet,
Vorlage S. 136 855 Und die Titanen in Tartaros' Schlund, die Kronos umgeben,
Vorlage S. 136 856 Vom unsäglichen Lärm und dem schrecklich wütenden Kampfe.
Vorlage S. 136 857 Als nun Zeus erst gesammelt die Kraft und die Waffen ergriffen,
Vorlage S. 136 858 Donner und Wetter zugleich und den Strahl des treffenden Blitzes,
Vorlage S. 136 859 Stürmt' er heran vom Olymp und schlug ihn zu Boden, und ringsum
Vorlage S. 136 860 Sengt' er die schrecklichen Köpfe ihm ab, dem gewaltigen Unhold.
Vorlage S. 136 861 Aber nachdem er gebändiget ihn und mit Schlägen gegeisselt,
Vorlage S. 136 862 Sank er gelähmt zu Boden: es stöhnte die riesige Erde.
Vorlage S. 136 863 Flammen entfuhren dem Leibe des blitzerschlag'nen Gebieters,
Vorlage S. 136 864 Dort in den Schluchten des Ätna, den zackige Felsen umgeben,
Vorlage S. 136 865 Als Zeus' Blitz ihn traf: weit dampfte die riesige Erde
Vorlage S. 136 866 Von dem unendlichen Rauch, und sie schmolz wohl so, wie das Zinn schmilzt,
Vorlage S. 136 867 Das der Jünglinge Kunst im wohldurchlöcherten Tiegel
Vorlage S. 136 868 Glühend macht, oder wie Eisen, das härteste aller Metalle,
Vorlage S. 136 869 Wenn es in waldigen Schluchten, von loderndem Feuer gebändigt,
Vorlage S. 137 870 Unter der Hand des Hephaistos schmilzt auf göttlicher Erde.
Vorlage S. 137 871 Also schmolz auch die Erde beim Glanze des brennenden Feuers.
Vorlage S. 137 872 Zornig warf ihn der Gott nun hinab in des Tartaros Tiefe.
Vorlage S. 137 873 Doch von Typhoeus stammt die Kraft feucht wehender Winde,
Vorlage S. 137 874 Aber der heitere Zephyros nicht und der Südwind und Nordwind:
Vorlage S. 137 875 Die sind göttliches Stamms und Erquickung den sterblichen Menschen:
Vorlage S. 137 876 Aber die anderen wehen gar unstet über das Meer hin.
Vorlage S. 137 877 Stürzen sich diese einmal auf die dunkelfarbige Salzflut,
Vorlage S. 137 878 Toben sie, wüten mit Macht, den sterblichen Menschen zum Unheil.
Vorlage S. 137 879 Und bald wehen sie so, bald anders, zerstreuen die Schiffe,
Vorlage S. 137 880 Raffen die Schiffer dahin: da giebt's nicht Hülfe noch Rettung
Vorlage S. 137 881 Männern, die jener Gewalt auf tobendem Meere begegnen.
Vorlage S. 137 882 Diese machen die Fluren der erdgeborenen Menschen
Vorlage S. 137 883 Jäh zu nichte, soweit sich das Land mit Blumen bekränzet,
Vorlage S. 137 884 Füllen die Erde mit Staub und stiften schlimme Verwirrung.]]
Vorlage S. 137 885 Aber als nun die Mühen des Kampfes die Götter vollendet
Vorlage S. 137 886 Und mit Gewalt zwischen sich entschieden únd den Titanen
Vorlage S. 137 887 Wegen der Ehren, das Reich und die Herrschaft hiessen sie führen
Vorlage S. 137 888 Zeus, den olympischen Donn'rer, dem Rate der Gaia gehorsam,
Vorlage S. 137 889 Unter den Göttern: doch Zeus hat wohl ihnen Ehren beschieden.
Vorlage S. 137 890 Zeus, der König der Götter, erkor sich zur ersten Gemahlin
Vorlage S. 137 891 Metis, die hoch an Rat über Götter und Menschen hervorragt.
Vorlage S. 138 892 [Aber als sie Athene, die strahlenäugige Göttin,
Vorlage S. 138 893 Eben sollte gebären, bethörte mit schmeichelnden Worten
Vorlage S. 138 894 Zeus ihr listig den Sinn und versenkte hinab in den Leib sie:
Vorlage S. 138 895 Denn des gestirneten Himmels Gebieter und Gaia gehorcht' er.
Vorlage S. 138 896 Also rieten sie ihm, dass nicht die Würde des Herrschers
Vorlage S. 138 897 Unter den ewigen Göttern statt Zeus ein andrer erlange.
Vorlage S. 138 898 Metis war es bestimmt, zu gebären verständige Kinder,
Vorlage S. 138 899 Erst die Tritongeborne, die Göttin mit strahlenden Augen,
Vorlage S. 138 900 Welche dem Vater an Mut und klugem Sinne sich gleichstellt:
Vorlage S. 138 901 Weiter sollte sie dann dem Herrscher der Menschen und Götter
Vorlage S. 138 902 Einen gewaltigen Sohn voll Kraft und Stärke gebären:
Vorlage S. 138 903 Doch es verschlang zuvor der Gott in den eigenen Leib sie,
Vorlage S. 139 904 Dass die Göttin Gutes und Schlimmes mít ihm beriete.]
Vorlage S. 139 905 Zweite Gemahlin ward ihm die blühende Themis, der Horen
Vorlage S. 139 906 Mutter, die Dike gebar, Eunómie auch und Eirenes
Vorlage S. 139 907 Holde Gestalt, die der Sterblichen Werk so wunderbar fördern,
Vorlage S. 139 908 Auch die Moiren, die Zeus der Berater so herrlich geehrt hat,
Vorlage S. 139 909 Klotho und Lachesis auch und Atropos, welche den Menschen
Vorlage S. 139 910 Glück und Unglück verleihen, so lange sie leben auf Erden.
Vorlage S. 139 911 Die drei Chariten schenkt' ihm Eurynome, reizende Kinder,
Vorlage S. 139 912 Sie des Okeanos Tochter, die Mädchen holdseliger Schönheit,
Vorlage S. 139 913 Euphrosýne, Aglaie auch und Thalíe voll Liebreiz.
Vorlage S. 139 914 [Liebreiz leuchtete fern von den Wimpern der reizenden Mägdlein,
Vorlage S. 139 915 Welcher die Glieder löst: hold blickten sie unter den Brauen.]
Vorlage S. 139 916 Dann kam Zeus zu dem Lager der nahrungreichen Demeter:
Vorlage S. 139 917 Diese gebar Persephone drauf mit den glänzenden Armen.
Vorlage S. 139 918 Hades raubte der Mutter das Kind: Zeus wollte es also.
Vorlage S. 139 919 Weiter gewann er Mnemósyne lieb mit dem herrlichen Haupthaar:
Vorlage S. 139 920 Diese gebar ihm die Musen, die neun, mit dem goldenen Kopfschmuck,
Vorlage S. 139 921 Welchen fröhliche Feste gefallen und Sang und Ergötzung.
Vorlage S. 139 922 Leto gebar den Apollon und Artemis, die ihre Pfeile
Vorlage S. 139 923 Sendet, die lieblichsten Kinder von allen Bewohnern des Himmels,
Vorlage S. 139 924 Ihm in Liebe vereint, dem ägishaltenden Vater.
Vorlage S. 139 925 Ganz zuletzt erkor er sich Here zur blühenden Gattin:
Vorlage S. 140 926 Diese gebar ihm Hebe und Ares und Eileithyia,
Vorlage S. 140 927 Innig in Liebe vereint dem Herrscher der Götter und Menschen.
Vorlage S. 140 928 Selbst, aus eigenem Haupte erzeugt' er die furchtbare Göttin
Vorlage S. 140 929 Pallas, die Kämpfer versammelt zum Straus, die nimmer besiegt wird:
Vorlage S. 140 930 Mächtig herrscht sie, und Krieg und Streit und Getümmel erfreut sie.
Vorlage S. 140 931 Nicht in Liebe vereint gab Here dem hehren Hephaistos
Vorlage S. 140 932 Leben und Dasein, im Hader und Zank mit dem eigenen Gatten, –
Vorlage S. 140 933 Ihm, der durch Künste geschmückt vor allen Bewohnern des Himmels.
Vorlage S. 140 934 [Von Amphitrite sodann und dem weithin tosenden Meergott
Vorlage S. 140 935 Stammte der mächtige Triton, der starke, welcher des Meeres
Vorlage S. 140 936 Gründe beherrscht: bei liebender Mutter und herrschendem Vater
Vorlage S. 140 937 Wohnt er in goldenem Hause, der furchtbare: aber dem Ares
Vorlage S. 140 938 Schenkte, dem Schilddurchbrecher, Kytheris Deimos und Phobos,
Vorlage S. 140 939 Furchtbare Kinder: – sie drängen der Männer geschlossene Reihen
Vorlage S. 140 940 Nun in schaurigem Kampfe mit Ares, dem Städteverwüster: –
Vorlage S. 140 941 Zeugte Harmonie auch, die der mutige Kadmos gefreit hat.]
Vorlage S. 140 942 Maie, des Atlas Tochter, gebar den herrlichen Hermes,
Vorlage S. 140 943 Ihn, der Unsterblichen Boten, Zeus' heiligem Lager genahet.
Vorlage S. 140 944 Semele drauf, die Tochter des Kadmos, gebar ihm in Liebe
Vorlage S. 140 945 Einen herrlichen Sohn, Dionysos, den Bringer der Freude,
Vorlage S. 140 946 Sterblich sie selbst den unsterblichen Gott: jetzt beide unsterblich!
Vorlage S. 140 947 Herakles mächtiger Kraft hat Alkmene das Dasein gegeben,
Vorlage S. 141 948 Zeus, dem Wolkenversammler, in Liebe und Lager vereinet.
Vorlage S. 141 949 [Und Aglaie hat sich Hephaistos, der rühmliche, starke,
Vorlage S. 141 950 Sie der Gratien jüngste, erwählt zur blühenden Gattin.
Vorlage S. 141 951 Doch Dionys mit dem goldenen Haar Ariadne, die blonde,
Vorlage S. 141 952 Minos' Tochter, erwählte er sich zur blühenden Gattin:
Vorlage S. 141 953 Aber Unsterblichkeit schenkte ihr Zeus und ewige Jugend.]
Vorlage S. 141 954 Hebe hat dann der gewaltige Sohn der schlanken Alkmene,
Vorlage S. 141 955 Herakles' Kraft, nach unsäglichen Kämpfen voll Leiden und Seufzen,
Vorlage S. 141 956 Sie, die Tochter des Zeus und der goldbeschuheten Here,
Vorlage S. 141 957 Sich zur ehrbaren Gattin gewählt auf beschneitem Olympos.
Vorlage S. 141 958 Selig preist man den Helden, der nun nach gewaltiger Arbeit
Vorlage S. 141 959 Leidlos unter Unsterblichen lebt und nimmermehr altert.
Vorlage S. 141 960 [Und Okeanos' Tochter Perseis gebar den Aietes
Vorlage S. 141 961 Ihm dem Herrscher der Sonne, der nimmer ermüdet, und Kirken.
Vorlage S. 141 962 Doch Aietes, der Sohn des leuchtenden Sonnenbeherrschers,
Vorlage S. 141 963 Freite Okeanos' Tochter, des Stroms, der die Welt umkreiset,
Vorlage S. 141 964 Wie es die Götter gewollt, – Idyia mit prangenden Wangen.
Vorlage S. 141 965 Sie war's, die ihm die schlanke Medea gebar, da der Göttin
Vorlage S. 141 966 Liebend der Gott sich genaht: so wollt' es die goldene Kypris.]
Vorlage S. 141 967 [Lebt, ihr Götter, nun wohl, der olympischen Häuser Bewohner,
Vorlage S. 141 968 Inseln und Länder und auch die salzigen Fluten dazwischen
Vorlage S. 141 969 Feiert der Göttinnen Stamm alljetzt, süss redende Musen,
Vorlage S. 141 970 Die den Olympos bewohnen, des Ägishaltenden Töchter,
Vorlage S. 141 971 Jener Unsterblichen, welche dereinst, mit sterblichen Männern
Vorlage S. 141 972 Liebend im Lager vereint, gottähnliche Kinder gebaren.
Vorlage S. 141 973 Plutos hat einst Demeter geboren, die herrliche Göttin:
Vorlage S. 142 974 Held Iasios war sie gesellt in Liebesverlangen
Vorlage S. 142 975 Dort auf dreimal gepflügetem Feld, im gesegneten Kreta, –
Vorlage S. 142 976 Plutos den wackern, der über das Land und über das Meer hin
Vorlage S. 142 977 Allen sich naht: und wem er sich naht und zu wem er gekommen,
Vorlage S. 142 978 Den macht er reich und bietet ihm dar unermessliche Fülle.
Vorlage S. 142 979 Doch Harmonie schenkte, die Tochter der Kypris, dem Kadmos
Vorlage S. 142 980 Ino und Semele drauf und Agaue mit prangenden Wangen,
Vorlage S. 142 981 Samt Autónoe, die Aristaios, der lockige, freite:
Vorlage S. 142 982 Auch Polydoros gebar sie im wohlummauerten Theben.]
Vorlage S. 142 983 [Doch des Okeanos Tochter, – Chrysaor, dem trotzigen Helden,
Vorlage S. 142 984 Liebend vereint nach dem Willen der goldenen Aphrodite, –
Vorlage S. 142 985 Ward Kallirrhoe Mutter des stärksten der sterblichen Menschen,
Vorlage S. 142 986 Des Geryones: einst hat diesen schleppfüssiger Rinder
Vorlage S. 142 987 Wegen des Herakles Kraft im Land Erytheia getötet.]
Vorlage S. 142 988 Eos gebar dem Tithonos den erzgerüsteten Memnon,
Vorlage S. 142 989 Der Äthiopen gebot, und Emathion auch, den Gebieter.
Vorlage S. 142 990 Kephalos hat sie sodann mit herrlichem Sohne beschenket,
Vorlage S. 142 991 Phaethon war es, der starke, Unsterblichen ähnlich, doch sterblich.
Vorlage S. 142 992 Noch in der zarten Jugend vielherrlicher Blüte – als Kind noch
Vorlage S. 142 993 Lallte er froh – da entraffte ihn schon Aphrodite, die holde,
Vorlage S. 142 994 Zog ihn zu sich und wählte den Knaben zum Diener im Innern
Vorlage S. 142 995 Heiliger Tempel, wo jetzt ihn die Sterblichen göttlich verehren.
Vorlage S. 142 996 Doch Aietes' Tochter, des gotternähreten Königs,
Vorlage S. 143 997 Führte des Aison Sohn nach dem Rate der ewigen Götter
Vorlage S. 143 998 Fort aus des Vaters Gebiet: mühselige Kämpfe vollbracht' er,
Vorlage S. 143 999 Die ihm der mächtige König befahl im Gefühle der Stärke:
Vorlage S. 143 1000 Pelias hiess er und war von trotzigem Sinne, ein Frevler.
Vorlage S. 143 1001 Danach kehrt' er zurück nach Iolkos nach mancherlei Leiden,
Vorlage S. 143 1002 Führte auf eilendem Schiffe nach Hause das liebliche Mägdlein
Vorlage S. 143 1003 Aisons Sohn und erwählte sie sich zur blühenden Gattin.
Vorlage S. 143 1004 Und in Liebe vereint mit Ieson, dem Hirten der Völker,
Vorlage S. 143 1005 Ward sie Medeios' Mutter, den Cheiron im Waldgebirg aufzog,
Vorlage S. 143 1006 Philyres Sohn, so ward Zeus' Sinn, des erhab'nen, vollendet.
Vorlage S. 143 1007 Aber von Nereus' Töchtern, des weisen Meeresbeherrschers,
Vorlage S. 143 1008 Hat dann Psamathe Phokos geboren, die herrliche Göttin,
Vorlage S. 143 1009 Aiakos liebend gesellt, der goldenen Kypris gehorsam.
Vorlage S. 143 1010 Peleus ergeben gebar die silberfüssige Thetis
Vorlage S. 143 1011 Dann den Achill, den männerdurchbrechenden, löwenbeherzten.
Vorlage S. 143 1012 Den Aineias gebar Kythereia mit prächtigem Stirnschmuck,
Vorlage S. 143 1013 Held Anchises genahet in holdem Liebesverlangen,
Vorlage S. 143 1014 Hoch auf dem waldigen Gipfel zerklüftetes Idagebirges.
Vorlage S. 143 1015 Kirke, des Helios Tochter, des hochhinwandelnden Herrschers,
Vorlage S. 143 1016 Ward, mit dem Dulder Odysseus in Liebe und Lager vereinet,
Vorlage S. 143 1017 Agrios' Mutter, dazu des untadligen, starken Latinos,
Vorlage S. 143 1018 [Zeugte Telegonos auch, nach dem Willen der goldenen Kypris.]
Vorlage S. 143 1019 Diese herrschten dereinst auf entlegenen heiligen Inseln
Vorlage S. 144 1020 Über die weithinberühmten Tyrsener in ihrer Gesamtheit.
Vorlage S. 144 1021 Den Nausithoos hat, dem Odysseus in Liebe vereinet,
Vorlage S. 144 1022 Und den Nausinoos auch die Nymphe Kalypso geboren.
Vorlage S. 144 1023 Dies sind die Göttinnen, welche dereinst, mit sterblichen Männern
Vorlage S. 144 1024 Liebend im Lager vereint, gottähnliche Kinder geboren.
Vorlage S. 144 1025 Feiert der Weiber Geschlecht alljetzt, süss redende Musen,
Vorlage S. 144 1026 Die den Olympos bewohnen, des Ägishaltenden Töchter.
Vorlage S. 144