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Buch - Professor Bernhardi - Schnitzler, Arthur

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Originalwerk · Lesefassung

Professor Bernhardi

Schnitzler, Arthur

Ein Arzt verweigert einem Priester den Zutritt zu einer sterbenden Patientin und löst damit einen öffentlichen Konflikt aus. Medizinische Verantwortung, religiöse Deutung und antisemitische Politik geraten aneinander.

DramaKlasse 11–137 Abschnitte
Porträt von Schnitzler, Arthur; Kontextbild zur Autorin oder zum Autor, keine Szene aus dem Buch.
Porträt · Schnitzler, Arthur · Ferdinand Schmutzer · Public domain Bildquelle ↗

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Hinweise für den Unterricht
  • Historische Sprache und zeitgebundene Wertvorstellungen gemeinsam einordnen. Klassenangaben sind redaktionelle Orientierung.
  • Für die begleitete Analyse in der Oberstufe; je nach Werk werden Gewalt, Sexualität, Krankheit oder historische Diskriminierung thematisiert.

Behutsam angepasste Schreibweise nach einer begrenzten Wortliste. Mehrdeutige Formen, erfasste Namen, Sprechernamen, Bühnenanweisungen, Überschriften und Anmerkungen bleiben unverändert. Keine vollständige redaktionelle Überarbeitung nach heutiger Rechtschreibung. Für wortgetreue Quellenzitate die Quellfassung wählen.

Deutsch · Abschnitt 3 von 7

1. Akt

1
Erster Akt
Vorlage S. 337
2
Ein mäßiger Vorraum, der zu einem Krankenzimmer führt. Rechts eine Türe auf den Gang. Im Hintergrund Türe ins Krankenzimmer. Links ein ziemlich breites Fenster. In der Mitte mehr links ein länglicher Tisch, auf dem ein dickes Protokollbuch liegt, außerdem Mappen mit Krankengeschichten, Aktenstücke und allerlei Papiere. Neben der Eingangstüre ein Kleiderrechen. In dem Winkel rechts ein eiserner Ofen. Neben dem Fenster eine breite Etagère, zu oberst ein Ständer mit Eprouvetten; daneben einige Medizinflaschen. In den unteren Fächern Bücher und Zeitschriften. Neben der Mitteltüre beiderseits je ein geschlossener Schrank. An dem Kleiderrechen hängt ein weißer Kittel, ein Mantel, ein Hut. Über der Etagère eine ziemlich alte Photographie, das Professorenkollegium darstellend. Einige Sessel nach Bedarf.
Vorlage S. 337
3
Schwester Ludmilla, etwa 28, leidlich hübsch, blaß, mit großen, manchmal etwas schwimmenden Augen, eben an der Etagère beschäftigt. Aus dem Krankensaal kommt Hochroitzpointner, 25 jähriger junger Mensch, mittelgroß, dick, kleiner Schnurrbart, Schmiß, Zwicker, blaß, das Haar sehr geschniegelt.
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4
HOCHROITZPOINTNER.
Vorlage S. 337
5
Der Professor ist noch immer nicht da? Lang' brauchen die heut' unten. An den Tisch, eine der Mappen aufschlagend. Das ist jetzt die dritte Sektion in acht Tagen. Alles mögliche für eine Abteilung von zwanzig Betten. Und morgen haben wir wieder eine.
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6
SCHWESTER.
Vorlage S. 337
7
Glauben Herr Doktor? Die Sepsis?
Vorlage S. 337
8
HOCHROITZPOINTNER.
Vorlage S. 337
9
Ja. Ist übrigens die Anzeige gemacht?
Vorlage S. 337
10
SCHWESTER.
Vorlage S. 337
11
Natürlich, Herr Doktor.
Vorlage S. 337
12
HOCHROITZPOINTNER.
Vorlage S. 337
13
Nachweisbar ist ja nichts gewesen. Aber es war sicher ein verbotener Eingriff. Ja, Schwester, da draußen in der Welt kommen allerlei Sachen vor. Er bemerkt ein geöffnetes Paket, das auf dem Tisch liegt. Ah, da sind ja die Einladungen zu unserm Ball. Liest. Unter dem Protektorate der Fürstin Stixenstein. Na, werden Sie auch auf unsern Ball kommen, Schwester?
Vorlage S. 337
14
SCHWESTER
Vorlage S. 337
15
lächelnd.
Vorlage S. 337
16
Das wohl nicht, Herr Doktor.
Vorlage S. 337
17
HOCHROITZPOINTNER.
Vorlage S. 337
18
Ist es Ihnen denn verboten zu tanzen?
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19
SCHWESTER.
Vorlage S. 337
20
Nein, Herr Doktor. Wir sind ja kein geistlicher Orden. Uns ist gar nichts verboten.
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21
HOCHROITZPOINTNER
Vorlage S. 337
22
mit pfiffigem Blick auf sie.
Vorlage S. 337
23
So, gar nichts?
Vorlage S. 337
24
SCHWESTER.
Vorlage S. 339
25
Aber es möcht' sich doch nicht schicken. Und außerdem, man hat doch nicht den Kopf drauf in unserm Beruf.
Vorlage S. 339
26
HOCHROITZPOINTNER.
Vorlage S. 339
27
Ja, warum denn? Was sollten denn dann wir sagen, wir Ärzte! Schaun Sie sich zum Beispiel den Doktor Adler an. Der ist gar pathologischer Anatom und ein sehr fideler Herr. Übrigens, ich bin auch nirgends besser aufgelegt als im Seziersaal.
Vorlage S. 339
28
Dr. Oskar Bernhardi von rechts, 25 Jahre, recht elegant, von zuvorkommendem, aber etwas unsicherem Benehmen. Hochroitzpointner, Schwester.
Vorlage S. 339
29
OSKAR.
Vorlage S. 339
30
Guten Morgen.
Vorlage S. 339
31
HOCHROITZPOINTNER UND SCHWESTER.
Vorlage S. 339
32
Guten Morgen, Herr Assistent.
Vorlage S. 339
33
OSKAR.
Vorlage S. 339
34
Der Papa wird gleich da sein.
Vorlage S. 339
35
HOCHROITZPOINTNER.
Vorlage S. 339
36
Also schon aus unten, Herr Assistent? Was ist denn konstatiert worden, wenn man fragen darf?
Vorlage S. 339
37
OSKAR.
Vorlage S. 339
38
Von der Niere ist der Tumor ausgegangen und war ganz scharf umgrenzt.
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39
HOCHROITZPOINTNER.
Vorlage S. 339
40
Also hätt' man eigentlich noch operieren können?
Vorlage S. 339
41
OSKAR.
Vorlage S. 339
42
Ja, können. –
Vorlage S. 339
43
HOCHROITZPOINTNER.
Vorlage S. 339
44
Wenn der Professor Ebenwald auch daran geglaubt hätte –
Vorlage S. 339
45
OSKAR.
Vorlage S. 339
46
– hätten wir die Sektion um acht Tage früher gehabt. Am Tisch. Ah, da sind ja die Drucksorten von unserm Ball. Warum einem die Leute das daherschicken ...?!
Vorlage S. 339
47
HOCHROITZPOINTNER.
Vorlage S. 339
48
Der Ball des Elisabethinums verspricht heuer eines der elegantesten Karnevalsfeste der Saison zu werden. Steht schon in der Zeitung. Herr Assistent haben ja dem Komitee einen Walzer gewidmet, wie man hört. –
Vorlage S. 339
49
OSKAR
Vorlage S. 339
50
abwehrend.
Vorlage S. 339
51
Aber – Zum Krankensaal hin. Was Neues da drin?
Vorlage S. 339
52
HOCHROITZPOINTNER.
Vorlage S. 339
53
Mit der Sepsis geht's zu Ende.
Vorlage S. 339
54
OSKAR.
Vorlage S. 339
55
Na ja ... Bedauernd. Da war nichts zu machen.
Vorlage S. 339
56
HOCHROITZPOINTNER.
Vorlage S. 339
57
Ich hab' ihr eine Kampferinjektion gegeben.
Vorlage S. 339
58
OSKAR.
Vorlage S. 339
59
Ja, die Kunst, das Leben zu verlängern, die verstehen wir aus dem Effeff.
Vorlage S. 339
60
Von rechts Professor Bernhardi, über fünfzig, graumelierter Vollbart, schlichtes, nicht zu langes Haar, im Gehaben mehr vom Weltmann als vom Gelehrten. Doktor Kurt Pflugfelder, sein Assistent, 27, Schnurrbart, Zwicker, lebhaft und zugleich etwas streng im Wesen. Hochroitzpointner, Schwester, Oskar. Begrüßung.
Vorlage S. 339
61
BERNHARDI
Vorlage S. 340
62
noch an der Türe.
Vorlage S. 340
63
Aber –
Vorlage S. 340
64
SCHWESTER
Vorlage S. 340
65
nimmt ihm den Überzieher ab, den er umgehängt trägt, und hängt ihn an einen Haken.
Vorlage S. 340
66
KURT.
Vorlage S. 340
67
Also, ich kann mir nicht helfen, Herr Professor, dem Doktor Adler wäre es ja doch lieber gewesen, wenn die Diagnose des Professor Ebenwald gestimmt hätte.
Vorlage S. 340
68
BERNHARDI
Vorlage S. 340
69
lächelnd.
Vorlage S. 340
70
Aber, lieber Doktor Pflugfelder! Überall wittern Sie Verrat. Wo werden Sie noch hinkommen mit Ihrem Misstrauen?
Vorlage S. 340
71
HOCHROITZPOINTNER.
Vorlage S. 340
72
Guten Morgen, Herr Professor.
Vorlage S. 340
73
BERNHARDI.
Vorlage S. 340
74
Guten Morgen.
Vorlage S. 340
75
HOCHROITZPOINTNER.
Vorlage S. 340
76
Höre eben von Herrn Doktor Oskar, dass wir recht behalten haben.
Vorlage S. 340
77
BERNHARDI.
Vorlage S. 340
78
Ja, Herr Kollege. Aber wir haben doch zugleich unrecht behalten? Oder hospitieren Sie nicht mehr bei Professor Ebenwald?
Vorlage S. 340
79
OSKAR.
Vorlage S. 340
80
Der Doktor Hochroitzpointner hospitiert ja beinahe auf allen Abteilungen.
Vorlage S. 340
81
BERNHARDI.
Vorlage S. 340
82
Da müssen Sie viele Patriotismen auf Lager haben.
Vorlage S. 340
83
HOCHROITZPOINTNER
Vorlage S. 340
84
bekommt schmale Lippen.
Vorlage S. 340
85
BERNHARDI
Vorlage S. 340
86
ihm die Hand leicht auf die Schulter legend, freundlich.
Vorlage S. 340
87
Na, also was gibt's denn Neues?
Vorlage S. 340
88
HOCHROITZPOINTNER.
Vorlage S. 340
89
Der Sepsis geht's recht schlecht.
Vorlage S. 340
90
BERNHARDI.
Vorlage S. 340
91
So lebt also das arme Mädel noch?
Vorlage S. 340
92
KURT.
Vorlage S. 340
93
Die hätten sie sich auch auf der gynäkologischen Abteilung behalten können.
Vorlage S. 340
94
OSKAR.
Vorlage S. 340
95
Sie haben vorgestern grad kein Bett freigehabt.
Vorlage S. 340
96
HOCHROITZPOINTNER.
Vorlage S. 340
97
Was werden wir denn eigentlich als Todesursache angeben?
Vorlage S. 340
98
OSKAR.
Vorlage S. 340
99
Na, Sepsis natürlich.
Vorlage S. 340
100
HOCHROITZPOINTNER.
Vorlage S. 340
101
Und Ursache der Sepsis? Weil's ja doch wahrscheinlich ein verbotener Eingriff war –
Vorlage S. 340
102
BERNHARDI
Vorlage S. 340
103
der unterdessen am Tisch einige Schriftstücke unterzeichnet bat, du ihm die Schwester vorlegte.
Vorlage S. 340
104
Das konnten wir nicht nachweisen. Eine Verletzung war nicht zu konstatieren. Die Anzeige ist erstattet, damit ist für uns die Sache erledigt. Und für die arme Person drin ... war sie's schon früher.
Vorlage S. 340
105
Er steht auf und will ach in den Krankensaal begeben.
Vorlage S. 341
106
Professor Ebenwald kommt, sehr großer; schlanker Mensch, gegen 40, umgehängter Überzieher, kleiner Vollbart, Brille, redet bieder und mit einem zuweilen etwas übertriebenen österreichischen Akzent. Hochroitzpointner, Schwester, Oskar, Prof.
Vorlage S. 341
107
Bernhardi, Kurt.
Vorlage S. 341
108
EBENWALD.
Vorlage S. 341
109
Guten Morgen. Ist vielleicht – Ah, da sind Sie ja, Herr Direktor.
Vorlage S. 341
110
BERNHARDI.
Vorlage S. 341
111
Guten Tag, Herr Kollege.
Vorlage S. 341
112
EBENWALD.
Vorlage S. 341
113
Haben Herr Direktor eine Minute Zeit für mich?
Vorlage S. 341
114
BERNHARDI.
Vorlage S. 341
115
Jetzt?
Vorlage S. 341
116
EBENWALD
Vorlage S. 341
117
näher zu ihm.
Vorlage S. 341
118
Wenn es möglich wäre. Es ist nämlich wegen der Neubesetzung der Abteilung Tugendvetter.
Vorlage S. 341
119
BERNHARDI.
Vorlage S. 341
120
Eilt das gar so? Wenn Herr Kollege mich vielleicht in einer halben Stunde in der Kanzlei –
Vorlage S. 341
121
EBENWALD.
Vorlage S. 341
122
Ja, wenn ich da nicht grad meinen Kurs hätte, Herr Direktor.
Vorlage S. 341
123
BERNHARDI
Vorlage S. 341
124
nach kurzer Überlegung.
Vorlage S. 341
125
Ich bin drin bald fertig. Wenn Sie sich vielleicht hier gedulden wollen, Herr Kollege.
Vorlage S. 341
126
EBENWALD.
Vorlage S. 341
127
Bitte, bitte.
Vorlage S. 341
128
BERNHARDI
Vorlage S. 341
129
zu Oskar.
Vorlage S. 341
130
Hast du dem Doktor Hochroitzpointner das Sektionsprotokoll schon gegeben?
Vorlage S. 341
131
OSKAR.
Vorlage S. 341
132
Ja, richtig Nimmt es aus seiner Tasche. Sie sind vielleicht so gut, Herr Kollege, und tragen es gleich ein.
Vorlage S. 341
133
HOCHROITZPOINTNER.
Vorlage S. 341
134
Bitte.
Vorlage S. 341
135
Bernhardi, Oskar, Kurt, Schwester in den Krankensaal.
Vorlage S. 341
136
Ebenwald, Hochroitzpointner.
Vorlage S. 341
137
HOCHROITZPOINTNER
Vorlage S. 341
138
setzt sich und macht sich bereit zu schreiben.
Vorlage S. 341
139
EBENWALD
Vorlage S. 341
140
ist zum Fenster gegangen, schaut hinunter, wischt sich die Brille.
Vorlage S. 341
141
HOCHROITZPOINTNER
Vorlage S. 341
142
beflissen.
Vorlage S. 341
143
Wollen Herr Professor nicht Platz nehmen.
Vorlage S. 341
144
EBENWALD.
Vorlage S. 341
145
Lassen Sie sich nicht stören, Hochroitzpointner, Na, wie geht's denn immer?
Vorlage S. 341
146
HOCHROITZPOINTNER
Vorlage S. 341
147
sich erhebend.
Vorlage S. 341
148
Danke bestens, Herr Professor. Wie's halt geht, ein paar Wochen vor dem letzten Rigorosum.
Vorlage S. 341
149
EBENWALD.
Vorlage S. 341
150
Na, es wird Ihnen schon nix g'schehn – bei Ihrem Fleiß.
Vorlage S. 341
151
HOCHROITZPOINTNER.
Vorlage S. 342
152
Ja, praktisch fühle ich mich leidlich sicher, aber die graue Theorie, Herr Professor.
Vorlage S. 342
153
EBENWALD.
Vorlage S. 342
154
Ah so. Na, war auch nie meine starke Seite. Näher zu ihm. Wenn es Sie beruhigt, bin seinerzeit aus der Physiologie sogar durchgesaust. Sie sehen, es schad't der Karriere nicht besonders.
Vorlage S. 342
155
HOCHROITZPOINTNER
Vorlage S. 342
156
der sich niedergesetzt hat, lacht erfreut.
Vorlage S. 342
157
EBENWALD
Vorlage S. 342
158
Hochroitzpointner über die Schulter schauend.
Vorlage S. 342
159
Sektionsprotokoll?
Vorlage S. 342
160
HOCHROITZPOINTNER.
Vorlage S. 342
161
Jawohl, Herr Professor.
Vorlage S. 342
162
EBENWALD.
Vorlage S. 342
163
Große Freude in Israel – wie?
Vorlage S. 342
164
HOCHROITZPOINTNER
Vorlage S. 342
165
unsicher.
Vorlage S. 342
166
Wie meinen, Herr Professor?
Vorlage S. 342
167
EBENWALD.
Vorlage S. 342
168
Na, weil die Abteilung Bernhardi triumphiert hat.
Vorlage S. 342
169
HOCHROITZPOINTNER.
Vorlage S. 342
170
Ah, Herr Professor meinen, dass der Tumor abgegrenzt war.
Vorlage S. 342
171
EBENWALD.
Vorlage S. 342
172
Und ist ja tatsächlich von der Niere ausgegangen.
Vorlage S. 342
173
HOCHROITZPOINTNER.
Vorlage S. 342
174
Aber mit absoluter Sicherheit war das doch eigentlich nicht zu konstatieren, Es war doch mehr, wenn ich so sagen darf, ein Raten.
Vorlage S. 342
175
EBENWALD.
Vorlage S. 342
176
Aber Hochroitzpointner, raten –! Wie können Sie nur –! Intuition heißt man das! Diagnostischen Scharfblick!
Vorlage S. 342
177
HOCHROITZPOINTNER.
Vorlage S. 342
178
Und zu operieren wär's doch keinesfalls mehr gewesen.
Vorlage S. 342
179
EBENWALD.
Vorlage S. 342
180
Ausgeschlossen. Das können sich die drüben im Krankenhaus erlauben, solche Experimente, aber wir, in einem verhältnismäßig jungen, sozusagen privaten Institut – Wissen S', lieber Kollega, es gibt so Fälle, wo immer nur die Internisten fürs Operieren sind. Dafür operieren wir ihnen dann immer zuviel. – Aber schreiben S' nur weiter.
Vorlage S. 342
181
HOCHROITZPOINTNER
Vorlage S. 342
182
beginnt zu schreiben.
Vorlage S. 342
183
EBENWALD.
Vorlage S. 342
184
Ja richtig, entschuldigen Sie, dass ich Sie noch einmal störe. Sie hospitieren doch natürlich auch auf der Abteilung Tugendvetter?
Vorlage S. 342
185
HOCHROITZPOINTNER.
Vorlage S. 342
186
Jawohl, Herr Professor.
Vorlage S. 342
187
EBENWALD.
Vorlage S. 342
188
Ich möcht Sie nämlich im Vertrauen fragen. Wie tragt denn eigentlich der Doktor Wenger vor?
Vorlage S. 342
189
HOCHROITZPOINTNER.
Vorlage S. 342
190
Der Doktor Wenger?
Vorlage S. 342
191
EBENWALD.
Vorlage S. 342
192
Na ja, er suppliert doch den Alten öfters, wenn der grad dringend auf die Jagd fahren muss oder zu einem ang'steckten Fürsten geholt wird.
Vorlage S. 342
193
HOCHROITZPOINTNER.
Vorlage S. 343
194
Ja freilich, da tragt dann der Doktor Wenger vor.
Vorlage S. 343
195
EBENWALD.
Vorlage S. 343
196
Also, wie tragt er denn vor?
Vorlage S. 343
197
HOCHROITZPOINTNER
Vorlage S. 343
198
unsicher.
Vorlage S. 343
199
Eigentlich ganz gut.
Vorlage S. 343
200
EBENWALD.
Vorlage S. 343
201
So.
Vorlage S. 343
202
HOCHROITZPOINTNER.
Vorlage S. 343
203
Vielleicht etwas zu – zu gelehrt. Aber recht lebendig. Freilich – aber, ich darf mir vielleicht nicht erlauben, über einen künftigen Chef –
Vorlage S. 343
204
EBENWALD.
Vorlage S. 343
205
Wieso künftiger Chef? Das ist noch gar nicht entschieden. Sind auch andere da. Und im übrigen, das ist doch ein Privatgespräch. Wir könnten grad so gut im Riedhof drüben miteinander sitzen und plaudern. Na, reden Sie nur. Was haben Sie gegen den Doktor Wenger? Volkes Stimme, Gottes Stimme.
Vorlage S. 343
206
HOCHROITZPOINTNER.
Vorlage S. 343
207
Also, gegen seinen Vortrag hab ich eigentlich weniger, aber so seine ganze Art. Wissen, Herr Professor, so ein bisschen präponderant ist er halt in seinem Wesen.
Vorlage S. 343
208
EBENWALD.
Vorlage S. 343
209
Aha. Das, worauf Sie da anspielen, ist wahrscheinlich identisch mit dem, lieber Kollege, was mein Vetter neulich im Parlament so zutreffend den Jargon der Seele genannt hat.
Vorlage S. 343
210
HOCHROITZPOINTNER.
Vorlage S. 343
211
Ah, sehr gut. Jargon der Seele. Couragiert. Den andern hat er aber auch, der Doktor Wenger.
Vorlage S. 343
212
EBENWALD.
Vorlage S. 343
213
Das möcht nix machen. Wir leben schon einmal in einem Reich der Dialekte.
Vorlage S. 343
214
Bernhardi, Oskar, Kurt und Schwester am dem Krankenzimmer.
Vorlage S. 343
215
BERNHARDI.
Vorlage S. 343
216
So, da bin ich, Herr Kollega.
Vorlage S. 343
217
SCHWESTER
Vorlage S. 343
218
legt ihm ein Blatt zum Unterschreiben vor.
Vorlage S. 343
219
BERNHARDI.
Vorlage S. 343
220
Was ist denn? Noch was? Ah so. Also, entschuldigen Sie noch einen Moment, Herr Kollega. Wahrender unterschreibt. Es wirkt doch immer wieder erstaunlich. – Zu Ebenwald. Da haben wir nämlich drin eine Sepsis liegen. Achtzehnjähriges Mädel. Vollkommen bei Bewusstsein. Möcht aufstehen, spazieren gehen, hält sich für ganz gesund. Und der Puls nicht mehr zu zählen. In einer Stunde kann's aus sein.
Vorlage S. 343
221
EBENWALD
Vorlage S. 343
222
fachlich.
Vorlage S. 343
223
Das sehen wir öfters.
Vorlage S. 343
224
HOCHROITZPOINTNER
Vorlage S. 343
225
beflissen.
Vorlage S. 343
226
Soll ich ihr vielleicht noch eine Kampferinjektion geben?
Vorlage S. 343
227
BERNHARDI
Vorlage S. 343
228
ihn ruhig ansehend.
Vorlage S. 343
229
Sie hätten sich die frühere auch schon ersparen können. Ihn beruhigend. Vielleicht übrigens, dass Sie ihr die glücklichste Stunde ihres Leben verschafft haben. Na, ich weiß, auch das war nicht Ihre Absicht.
Vorlage S. 343
230
HOCHROITZPOINTNER
Vorlage S. 344
231
irritiert.
Vorlage S. 344
232
Ja, warum denn, Herr Direktor? Man ist ja am End auch kein Fleischhacker.
Vorlage S. 344
233
BERNHARDI.
Vorlage S. 344
234
Ich erinnere mich nicht, Ihnen einen Vorwurf dieser Art gemacht zu haben.
Vorlage S. 344
235
Blick zwischen Hochroitzpointner und Ebenwald.
Vorlage S. 344
236
BERNHARDI
Vorlage S. 344
237
zur Schwester.
Vorlage S. 344
238
Hat sie Verwandte?
Vorlage S. 344
239
SCHWESTER.
Vorlage S. 344
240
Es ist in den drei Tagen niemand dagewesen.
Vorlage S. 344
241
BERNHARDI.
Vorlage S. 344
242
Auch ihr Liebhaber nicht?
Vorlage S. 344
243
KURT.
Vorlage S. 344
244
Der wird sich hüten.
Vorlage S. 344
245
OSKAR.
Vorlage S. 344
246
Sie hat ihn nicht einmal genannt. Wer weiß, ob sie ihn beim Namen kennt.
Vorlage S. 344
247
BERNHARDI.
Vorlage S. 344
248
Und so was hat dann auch einmal Liebesglück geheißen. Zu Ebenwald. Also, ich stehe zur Verfügung, Herr Kollega.
Vorlage S. 344
249
OSKAR.
Vorlage S. 344
250
Pardon, Papa, kommst du dann noch einmal herauf? Weil sie dich ja so gebeten hat.
Vorlage S. 344
251
BERNHARDI.
Vorlage S. 344
252
Ja, ich schau noch einmal her.
Vorlage S. 344
253
KURT
Vorlage S. 344
254
ist zu der Etagère gegangen, hat sich dort mit zwei Eprouvetten zu schaffen gemacht.
Vorlage S. 344
255
OSKAR
Vorlage S. 344
256
tritt zu ihm hin, sie sprechen miteinander, geben bald darauf wieder ins Krankenzimmer.
Vorlage S. 344
257
SCHWESTER
Vorlage S. 344
258
zu Hochroitzpointner.
Vorlage S. 344
259
Ich geh jetzt hinüber, Seine Hochwürden holen.
Vorlage S. 344
260
HOCHROITZPOINTNER.
Vorlage S. 344
261
Ja gehen S' nur. Wenn S' zu spät kommen, ist's auch kein Malheur.
Vorlage S. 344
262
SCHWESTER
Vorlage S. 344
263
ab.
Vorlage S. 344
264
HOCHROITZPOINTNER
Vorlage S. 344
265
nimmt sich einige Krankengeschichten aus einem Faszikel und begibt sich in das Krankenzimmer.
Vorlage S. 344
266
Ebenwald, Bernhardi.
Vorlage S. 344
267
EBENWALD
Vorlage S. 344
268
der sehr ungeduldig geworden ist.
Vorlage S. 344
269
Also, die Sache ist nämlich die, Herr Direktor. Ich habe von Professor Hell aus Graz einen Brief bekommen, er wäre geneigt, eine Wahl als Nachfolger von Tugendvetter anzunehmen.
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270
BERNHARDI.
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271
Ah, er wäre geneigt.
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272
EBENWALD.
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273
Jawohl, Herr Direktor.
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274
BERNHARDI.
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275
Hat ihn wer gefragt?
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276
EBENWALD.
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277
Ich war so frei – als alter Freund und Studienkollege.
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278
BERNHARDI.
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279
Sie haben aber doch privat an ihn geschrieben?
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280
EBENWALD.
Vorlage S. 344
281
Selbstverständlich, Herr Direktor. Da ja vorläufig kein Beschluß vorliegt. Immerhin hielt ich mich für berechtigt, um so mehr, da mir bekannt ist, dass auch Professor Tugendvetter der Kandidatur von Hell mit einiger Sympathie gegenübersteht.
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282
BERNHARDI
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283
etwas scharf.
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284
Professor Tugendvetter tritt seine neue Stellung am Krankenhaus erst zu Beginn des Sommersemesters an. Unsere Unterhaltung über diesen Gegenstand – und wenn ich mir eine Bemerkung erlauben darf, auch Ihr Briefwechsel, Herr Kollega, mit Professor Hell erscheint mir daher ein wenig verfrüht. Und wir brauchen um so weniger uns in dieser Angelegenheit zu überstürzen, als der bisherige Assistent von Tugendvetter, Doktor Wenger, schon einigemal seine Eignung, die Stelle wenigstens zu supplieren, in vorzüglicher Weise dargetan hat.
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285
EBENWALD.
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286
Ich möchte nicht verfehlen, in diesem Zusammenhange meiner prinzipiellen Abneigung gegen Provisorien Ausdruck zu geben.
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287
Prof. Tugendvetter von rechts, etwa fünfzig, grau, Bartkoteletten, im Gehaben etwas Joviales, absichtlich Humoristisches, dabei Unsicheres und
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288
Beifallhaschendes, sieht im ganzen weniger einem Gelehrten als einem Börsenmann ähnlich. Kommt mit dem Hut auf dem Kopf, den er erst nach einigen Sekunden abnimmt. Ebenwald, Bernhardi.
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289
TUGENDVETTER.
Vorlage S. 345
290
Guten Morgen. Servus, Bernhardi. Grüß Sie Gott, Ebenwald. Ich hab dich schon oben gesucht, Bernhardi.
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291
EBENWALD.
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292
Ich störe vielleicht –
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293
TUGENDVETTER.
Vorlage S. 345
294
Aber gar keine Idee. Keine Geheimnisse.
Vorlage S. 345
295
BERNHARDI.
Vorlage S. 345
296
Also, was gibt's denn? Du hast mich zu sprechen?
Vorlage S. 345
297
TUGENDVETTER.
Vorlage S. 345
298
Die Sache ist nämlich die. Seine Exzellenz, der Unterrichtsminister, hat bei mir angefragt, ob ich in der Lage wäre, die Klinik drüben unverzüglich zu übernehmen.
Vorlage S. 345
299
BERNHARDI.
Vorlage S. 345
300
Unverzüglich?
Vorlage S. 345
301
TUGENDVETTER.
Vorlage S. 345
302
Sobald als möglich.
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303
BERNHARDI.
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304
Es hieß doch, dass Brunnleitner die Klinik bis zu Beginn des Sommersemesters weiterfuhrt.
Vorlage S. 345
305
TUGENDVETTER.
Vorlage S. 345
306
Hat um Urlaub angesucht. Armer Teufel. Sechs Perzent Zucker. Letze Tage von Pompeji. Wie?
Vorlage S. 345
307
Er bat die Gewohnheit, manchen Sätzen, insbesondere Zitaten, ein solches gedankenlos
Vorlage S. 345
308
fragendes Wie anzufügen.
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309
BERNHARDI.
Vorlage S. 345
310
Woher weißt du das? Ist das authentisch?
Vorlage S. 345
311
TUGENDVETTER.
Vorlage S. 345
312
Authentisch? Wenn es mir Flint selber gesagt hat. Ich war nämlich gestern im Ministerium. Sie sollen mir doch einen neuen Pavillon bauen. Ich krieg ihn auch. Er lässt dich übrigens schön grüßen.
Vorlage S. 345
313
BERNHARDI.
Vorlage S. 346
314
Wer lässt mich grüßen?
Vorlage S. 346
315
TUGENDVETTER.
Vorlage S. 346
316
Flint. Wir haben viel über dich gesprochen. Er hält große Stücke auf dich. Er erinnert sich noch mit Vergnügen der Zeit, wo ihr zusammen bei Rappenweiler Assistenten wart. Seine Worte. Ipsissima verba. Was, das ist eine Karriere. Der erste Fall seit Menschengedenken, wenigstens in Österreich, dass ein klinischer Professor Unterrichtsminister wird!
Vorlage S. 346
317
BERNHARDI.
Vorlage S. 346
318
Er war immer ein guter Politiker, dein neuester Freund Flint.
Vorlage S. 346
319
TUGENDVETTER.
Vorlage S. 346
320
Er interessiert sich sehr für unser, für euer, nein, vorläufig noch für unser Institut.
Vorlage S. 346
321
BERNHARDI.
Vorlage S. 346
322
Das ist mir nicht unbekannt. Er hat's doch einmal aus lauter Interesse ruinieren wollen.
Vorlage S. 346
323
TUGENDVETTER.
Vorlage S. 346
324
Das war nicht er. Das war das ganze Kollegium. Es war der Kampf der Alten gegen die Jungen. Und das ist doch alles längst vorbei. Ich versichere dich, Bernhardi, er steht dem Elisabethinum mit der größten Sympathie gegenüber.
Vorlage S. 346
325
BERNHARDI.
Vorlage S. 346
326
Worauf wir ja zur Not heute schon verzichten könnten, Gott sei Dank.
Vorlage S. 346
327
TUGENDVETTER.
Vorlage S. 346
328
Stolz lieb ich den Spanier, wie?
Vorlage S. 346
329
BERNHARDI.
Vorlage S. 346
330
Im übrigen, mich interessiert ja vorläufig nur, wie du dich seiner Anfrage gegenüber verhalten hast.
Vorlage S. 346
331
TUGENDVETTER.
Vorlage S. 346
332
Ich habe mich da gar nicht zu verhalten. Humoristisch. Herr Direktor haben hierüber zu entscheiden. Erst wenn du mir privatim deine Zustimmung zu erkennen gibst, werde ich bei der Direktion mein Gesuch einbringen. Auch was Geschriebenes forderst du, Pedant, wie?
Vorlage S. 346
333
BERNHARDI.
Vorlage S. 346
334
Wir werden dich natürlich nicht einen Tag länger halten, als du bleiben willst. Ich verspreche dir, die Angelegenheit kurzerhand zu erledigen. Glücklicherweise hast du ja einen sehr tüchtigen Assistenten, der bis auf weiteres deine Abteilung in deinem Geiste weiterführen wird.
Vorlage S. 346
335
TUGENDVETTER.
Vorlage S. 346
336
Der kleine Wenger, ja. Tüchtiger Bursch. Ja. Aber lang werdet ihr ihn doch nicht supplieren lassen?
Vorlage S. 346
337
EBENWALD.
Vorlage S. 346
338
Ich habe mir eben auch zu bemerken erlaubt, dass ich Provisorien im allgemeinen für eine ungesunde Sache halte, und war so frei, von einem an mich gelangten Brief des Professor Hell aus Graz Mitteilung zu machen, der bereit wäre –
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339
TUGENDVETTER.
Vorlage S. 347
340
So. Mir hat er auch schon geschrieben.
Vorlage S. 347
341
BERNHARDI.
Vorlage S. 347
342
Na, er scheint ja ein ganz rühriger Herr zu sein.
Vorlage S. 347
343
TUGENDVETTER
Vorlage S. 347
344
mit kurzem Blick auf Ebenwald.
Vorlage S. 347
345
Du, Bernhardi, mit Hell würde euer Institut eine famose Akquisition machen.
Vorlage S. 347
346
BERNHARDi. Da scheint er sich ja in Graz glänzend entwickelt zu haben. Solang er in Wien war, hat man ihn für einen recht unfähigen Patron gehalten.
Vorlage S. 347
347
TUGENDVETTER.
Vorlage S. 347
348
Wer?
Vorlage S. 347
349
BERNHARDI.
Vorlage S. 347
350
Du zum Beispiel. Und wir wissen doch alle, wem er die seinerzeitige Berufung nach Graz verdankt hat. Nur gewissen Einflüssen von oben.
Vorlage S. 347
351
EBENWALD.
Vorlage S. 347
352
Es ist ja schließlich auch keine Schand, wenn einer einen Prinzen gesund gemacht hat.
Vorlage S. 347
353
BERNHARDI.
Vorlage S. 347
354
Ich nehm's ihm auch nicht übel. Aber die ganze Karriere sollte nicht von solch einem Einzelfall abhängen. Und seine wissenschaftlichen Leistungen –
Vorlage S. 347
355
TUGENDVETTER.
Vorlage S. 347
356
Entschuldige, auf dem Gebiet dürfte ich doch besser orientiert sein. Er hat einige vorzügliche Arbeiten veröffentlicht.
Vorlage S. 347
357
BERNHARDI.
Vorlage S. 347
358
Mag sein. Jedenfalls entnehme ich aus dem allen, dass du selbst für deine Nachfolge lieber Hell in Vorschlag brächtest, als deinen Assistenten und Schüler Wenger.
Vorlage S. 347
359
TUGENDVETTER.
Vorlage S. 347
360
Wenger ist zu jung. Ich bin überzeugt, er selber denkt nicht daran.
Vorlage S. 347
361
BERNHARDI.
Vorlage S. 347
362
Da hätte er unrecht. Seine letzte Serumarbeit macht allgemeines Aufsehen.
Vorlage S. 347
363
EBENWALD.
Vorlage S. 347
364
Sensation, Herr Direktor. Das ist nicht dasselbe.
Vorlage S. 347
365
TUGENDVETTER.
Vorlage S. 347
366
Er hat Talent. Gewiss hat er Talent. Aber was die Verlässlichkeit seiner Experimente anbelangt –
Vorlage S. 347
367
EBENWALD
Vorlage S. 347
368
einfach.
Vorlage S. 347
369
Es gibt Leute, die ihn – sagen wir für einen Phantasten halten.
Vorlage S. 347
370
TUGENDVETTER.
Vorlage S. 347
371
Das geht zu weit. Übrigens kann ich niemanden hindern, seine Kandidatur anzumelden. Weder Hell noch Wenger.
Vorlage S. 347
372
BERNHARDI.
Vorlage S. 347
373
Aber, ich mache dich aufmerksam, für einen von beiden wirst du dich entscheiden müssen.
Vorlage S. 347
374
TUGENDVETTER.
Vorlage S. 347
375
Von mir hängt es doch nicht ab? Ich ernenne doch nicht meinen Nachfolger.
Vorlage S. 347
376
BERNHARDI.
Vorlage S. 347
377
Aber du wirst dich an der Abstimmung beteiligen. Das Schicksal deiner einstigen Abteilung und unseres Institutes wird dich hoffentlich noch so weit interessieren.
Vorlage S. 347
378
TUGENDVETTER.
Vorlage S. 348
379
Das will ich glauben. Das war wirklich nicht schlecht. Wir haben es doch gegründet, das Elisabethinum, Zu Ebenwald. Bernhardi, ich und Cyprian. Es ritten drei Reiter zum Tore hinaus, – wie? Wie lang ist es jetzt her?
Vorlage S. 348
380
BERNHARDI.
Vorlage S. 348
381
Fünfzehn Jahre sind es, lieber Tugendvetter.
Vorlage S. 348
382
TUGENDVETTER.
Vorlage S. 348
383
Fünfzehn Jahre, eine schöne Zeit. Beim Himmel, leicht wird es mir nicht werden. Du, Bernhardi, ließe es sich nicht vielleicht machen für den Anfang, dass ich zugleich hier und im allgemeinen Krankenhaus –
Vorlage S. 348
384
BERNHARDI
Vorlage S. 348
385
bestimmt.
Vorlage S. 348
386
Absolut nicht. An dem Tag, wo du drüben deine Stelle antrittst, werde ich selbstverständlich deinen bisherigen Assistenten mit der Supplierung betrauen.
Vorlage S. 348
387
EBENWALD.
Vorlage S. 348
388
Dann werde ich aber bitten, die Beratung über die definitive Neubesetzung in den allernächsten Tagen anzuberaumen.
Vorlage S. 348
389
BERNHARDI.
Vorlage S. 348
390
Weshalb, wenn ich fragen darf? Das sähe ja beinahe aus, als wollten wir Wenger geradezu verhindern, durch ein paar Monate hindurch seine Lehrfähigkeit zu erproben.
Vorlage S. 348
391
EBENWALD.
Vorlage S. 348
Porträt von Schnitzler, Arthur; Kontextbild zur Autorin oder zum Autor, keine Szene aus dem Buch.
Kontextbild zum Werk. Porträt · Schnitzler, Arthur · Ferdinand Schmutzer · Public domain Bildquelle ↗
392
Ich bezweifle, dass das Elisabethinum als Vortragsschule für junge Dozenten gegründet worden ist.
Vorlage S. 348
393
BERNHARDI.
Vorlage S. 348
394
Wollen Sie alles weitere getrost mir überlassen, Herr Kollega Ebenwald. Sie werden ja zugeben, dass bisher in unserm Institut noch nichts überflüssig aufgeschoben, aber auch noch nichts leichtfertig überstürzt worden ist.
Vorlage S. 348
395
EBENWALD.
Vorlage S. 348
396
Die Insinuation, als wäre vielleicht von meiner Seite zu Überstürzung oder gar zu leichtfertiger Überstürzung aufgefordert worden, gestatte ich mir als unzutreffend zurückzuweisen.
Vorlage S. 348
397
BERNHARDI
Vorlage S. 348
398
lächelnd.
Vorlage S. 348
399
Ich nehme es zur Kenntnis.
Vorlage S. 348
400
EBENWALD
Vorlage S. 348
401
auf die Uhr sehend.
Vorlage S. 348
402
Muss auf meine Abteilung. Habe die Ehre, meine Herren.
Vorlage S. 348
403
BERNHARDI.
Vorlage S. 348
404
Ich muss ja auch endlich in die Kanzlei. Lässt Ebenwald den Vortritt. Bitte sehr, Herr Kollega, Ihre Hörer warten schon.
Vorlage S. 348
405
TUGENDVETTER.
Vorlage S. 348
406
Ich sei, gewährt mir die Bitte – wie?
Vorlage S. 348
407
EBENWALD
Vorlage S. 348
408
trifft in der Türe mit dem Dozenten Adler zusammen.
Vorlage S. 348
409
Habe die Ehre. Ab.
Vorlage S. 348
410
Dr. Adler kommt, klein, schwarz, frisch, lebhaft, glühende Augen, Schmiß, etwa dreißig Jahre alt, in weißem Seziermantel. Bernhardi, Tugendvetter.
Vorlage S. 348
411
ADLER.
Vorlage S. 349
412
Habe die Ehre.
Vorlage S. 349
413
BERNHARDI.
Vorlage S. 349
414
Was führt Sie in das Bereich der Lebendigen, Doktor Adler?
Vorlage S. 349
415
ADLER.
Vorlage S. 349
416
Ich wollte wegen Ihres Falles noch in der Krankengeschichte etwas nachsehen, Herr Direktor.
Vorlage S. 349
417
BERNHARDI.
Vorlage S. 349
418
Steht Ihnen alles zur Verfügung.
Vorlage S. 349
419
ADLER.
Vorlage S. 349
420
Schade übrigens, Herr Direktor, dass Sie jetzt nicht unten waren. Ein Fall von der Abteilung Cyprian. Denken Sie, abgesehen von der Tabes, die diagnostiziert war, ein beginnender Tumor im Kleinhirn, der gar keine Erscheinungen gemacht haben soll.
Vorlage S. 349
421
BERNHARDI.
Vorlage S. 349
422
Nein, wenn man denkt, dass manche Leute sozusagen gar nicht dazu kommen, alle ihre Krankheiten zu erleben, man möchte an der Vorsehung irre werden.
Vorlage S. 349
423
OSKAR
Vorlage S. 349
424
am dem Krankensaal zu Tugendvetter.
Vorlage S. 349
425
Habe die Ehre, Herr Professor.
Vorlage S. 349
426
TUGENDVETTER.
Vorlage S. 349
427
Servus, Oskar. Habe schon gehört, Tonkünstler. »Rasche Pulse«. Widmungswalzer.
Vorlage S. 349
428
OSKAR.
Vorlage S. 349
429
Aber ich bitte Sie, Herr Professor –
Vorlage S. 349
430
BERNHARDI.
Vorlage S. 349
431
Was, du hast schon wieder was komponiert, und ich weiß gar nichts davon? Zieht ihn scherzend am Ohr. Na, kommst du mit?
Vorlage S. 349
432
OSKAR.
Vorlage S. 349
433
Ja. Ich geh ins Laboratorium.
Vorlage S. 349
434
TUGENDVETTER.
Vorlage S. 349
435
Väter und Söhne – wie?
Vorlage S. 349
436
Tugendvetter, Bernhardi und Oskar ab. Hochroitzpointner aus dem Krankensaal. Adler, Hochroitzpointner.
Vorlage S. 349
437
HOCHROITZPOINTNER.
Vorlage S. 349
438
Habe die Ehre, Herr Dozent.
Vorlage S. 349
439
ADLER.
Vorlage S. 349
440
Servus, Herr Kollega. Ich möcht Sie bitten, ob ich nicht noch einen Blick in die Krankengeschichte machen könnt.
Vorlage S. 349
441
HOCHROITZPOINTNER.
Vorlage S. 349
442
Bitte sehr, Herr Dozent.
Vorlage S. 349
443
Er nimmt das Blatt aus einer Mappe.
Vorlage S. 349
444
ADLER.
Vorlage S. 349
445
Danke sehr, lieber Doktor Hochroitz – wie? –
Vorlage S. 349
446
HOCHROITZPOINTNER.
Vorlage S. 349
447
Hochroitzpointner.
Vorlage S. 349
448
ADLER
Vorlage S. 349
449
setzt sich an den Tisch.
Vorlage S. 349
450
Einen Namen haben Sie.
Vorlage S. 349
451
HOCHROITZPOINTNER.
Vorlage S. 349
452
Vielleicht nicht schön?
Vorlage S. 349
453
ADLER
Vorlage S. 349
454
über der Krankengeschichte.
Vorlage S. 349
455
Aber prachtvoll. Man denkt gleich an Bergesgipfel, Gletschertouren. Sie sind ja aus Tirol, Herr Doktor, nicht wahr?
Vorlage S. 349
456
HOCHROITZPOINTNER.
Vorlage S. 349
457
Jawohl. Aus Imst.
Vorlage S. 349
458
ADLER.
Vorlage S. 349
459
Ah, aus Imst. Von dort aus hab ich als Student eine wunderschöne Tour gemacht. Auf den Wetterfernkogel.
Vorlage S. 349
460
HOCHROITZPOINTNER.
Vorlage S. 350
461
Da haben s' im vorigen Jahr eine Hütten hinaufgebaut.
Vorlage S. 350
462
ADLER.
Vorlage S. 350
463
Überall bauen sie jetzt schon Hütten Wieder über der Krankengeschichte. Die ganze Zeit kein Albumen?
Vorlage S. 350
464
HOCHROITZPOINTNER.
Vorlage S. 350
465
Absolut nicht. Es ist täglich untersucht worden.
Vorlage S. 350
466
KURT
Vorlage S. 350
467
ist aus dem Krankenzimmer gekommen.
Vorlage S. 350
468
Die letzten Tage ist Albumen aufgetreten. Sogar in beträchtlichen Mengen.
Vorlage S. 350
469
HOCHROITZPOINTNER.
Vorlage S. 350
470
Jawohl, in den letzten drei Tagen allerdings.
Vorlage S. 350
471
ADLER.
Vorlage S. 350
472
Aha, da steht es ja.
Vorlage S. 350
473
HOCHROITZPOINTNER.
Vorlage S. 350
474
Natürlich, es steht ja drin.
Vorlage S. 350
475
ADLER
Vorlage S. 350
476
zu Kurt.
Vorlage S. 350
477
Wie geht's denn dem Herrn Papa? Der lasst sich bei uns unten ja gar nicht sehen. Über der Krankengeschichte. Also bei euch ist er nur acht Tage gelegen?
Vorlage S. 350
478
HOCHROITZPOINTNER.
Vorlage S. 350
479
Ja. Vorher war er beim Professor Ebenwald. Aber da es ein inoperabler Fall war –
Vorlage S. 350
480
ADLER.
Vorlage S. 350
481
Als Diagnostiker ist er wirklich ersten Ranges, euer Chef, da kann man sagen, was man will.
Vorlage S. 350
482
KURT
Vorlage S. 350
483
lächelnd.
Vorlage S. 350
484
Was will man denn sagen?
Vorlage S. 350
485
ADLER.
Vorlage S. 350
486
Wieso?
Vorlage S. 350
487
KURT.
Vorlage S. 350
488
Nun, weil Herr Dozent äußern: Da kann man sagen, was man will.
Vorlage S. 350
489
ADLER
Vorlage S. 350
490
etwas süß.
Vorlage S. 350
491
Was sind S' denn so streng mit mir, Doktor Pflugfelder? Ich hab halt gemeint, dass eure Hauptstärke in der Diagnose liegt, nicht so sehr in der Therapie. Da experimentiert ihr doch verdammt viel herum, meiner unmaßgeblichen Ansicht nach.
Vorlage S. 350
492
KURT.
Vorlage S. 350
493
Ja, Herr Dozent, was sollen wir denn tun auf der Internen? Man muss doch die neuen Mittel versuchen, wenn die alten nicht mehr helfen.
Vorlage S. 350
494
ADLER.
Vorlage S. 350
495
Und morgen ist das Neue schon wieder das Alte. Ihr könnt's ja nichts dafür. Ich hab ja das auch einmal mitgemacht. Aber es ist schon verstimmend manchmal, dass man so im Dunkeln herumtappen muss. Das war ja der Grund, dass ich mich zur pathologischen Anatomie geflüchtet habe. Da ist man sozusagen der Oberkontrollor.
Vorlage S. 350
496
KURT.
Vorlage S. 350
497
Entschuldigen, Herr Dozent, es ist doch noch einer über Ihnen.
Vorlage S. 350
498
ADLER.
Vorlage S. 350
499
Aber der hat keine Zeit, sich um uns zu kümmern. Der ist zu sehr bei einer anderen Fakultät engagiert. Über der Krankengeschichte. Also Röntgen auch? Ja, glaubt's ihr denn wirklich, dass das in solchen Fällen –
Vorlage S. 350
500
KURT.
Vorlage S. 351
501
Wir fühlen uns verpflichtet, alles zu versuchen, Herr Dozent. Besonders, wo nichts mehr zu verlieren ist. Das ist keineswegs Phantasterei oder gar Reklamebedürfnis, wie von manchen Seiten behauptet wird, und man sollte es dem Professor nicht übelnehmen.
Vorlage S. 351
502
ADLER.
Vorlage S. 351
503
Wer nimmt's ihm denn übel? Ich gewiss nicht.
Vorlage S. 351
504
KURT.
Vorlage S. 351
505
Ich weiß, Herr Dozent, Sie nicht. Aber es gibt schon Leute.
Vorlage S. 351
506
ADLER.
Vorlage S. 351
507
Es hat halt jeder seine Widersacher.
Vorlage S. 351
508
KURT.
Vorlage S. 351
509
Und Neider.
Vorlage S. 351
510
ADLER.
Vorlage S. 351
511
Natürlich. Wer was arbeitet und was erreicht. Viel Feind, viel Ehr. Bernhardi kann sich ja wirklich nicht beklagen. Praxis in den höchsten Kreisen und in gewissen ändern, wo's glücklicherweise mehr trägt, – Professor, Direktor des Elisabethinums –
Vorlage S. 351
512
KURT.
Vorlage S. 351
513
Na, wer soll's denn sein, wenn nicht er? Er hat sich für das Institut genug herumgeschlagen.
Vorlage S. 351
514
ADLER.
Vorlage S. 351
515
Gewiss, gewiss. Ich bin der letzte, der seine Verdienste verkleinern möchte. Und dass er so hoch gekommen ist gerade bei den heutigen Strömungen, – ich hab ja ein gewisses Recht, davon zu reden, da ich selbst aus meiner jüdischen Abstammung niemals ein Hehl gemacht habe, wenn ich auch mütterlicherseits aus einer alten Wiener Bürgerfamilie stamme. Habe sogar Gelegenheit gehabt, in meiner Studentenzeit für die andere Hälfte zu bluten.
Vorlage S. 351
516
KURT.
Vorlage S. 351
517
Ist bekannt, Herr Dozent.
Vorlage S. 351
518
ADLER.
Vorlage S. 351
519
Es freut mich eigentlich, Herr Doktor, dass auch Sie unserm Herrn Direktor in gebührender Weise Gerechtigkeit widerfahren lassen.
Vorlage S. 351
520
KURT.
Vorlage S. 351
521
Warum freut Sie das, Herr Dozent?
Vorlage S. 351
522
ADLER.
Vorlage S. 351
523
Sie waren ja deutschnationaler Couleurstudent.
Vorlage S. 351
524
KURT.
Vorlage S. 351
525
Und Antisemit. Jawohl, Herr Dozent. Bin's sogar noch immer, im allgemeinen. Nur bin ich seither auch Antiarier geworden. Ich finde, die Menschen sind im allgemeinen eine recht mangelhafte Gesellschaft, und ich halte mich an die wenigen Ausnahmen da und dort.
Vorlage S. 351
526
Professor Cyprian von rechts. Älterer kleiner Herr mit langen, fast noch blonden Haaren, etwas gedehnte, singende Redeweise, gerät immer unversehens ins Vortraghalten, spricht wie zu einem Auditorium. Adler, Kurt, Hochroitzpointner.
Vorlage S. 351
527
CYPRIAN.
Vorlage S. 352
528
Habe die Ehre, meine Herren. Gegengrüße. Ist der Doktor Adler vielleicht da? Ah ja, da sind Sie. Ich hab Sie unten gesucht. Kann ich mich darauf verlassen, Doktor Adler, dass mir der Schädel von heut nicht wieder verschwindet, wie neulich der von dem Paralytiker?
Vorlage S. 352
529
ADLER.
Vorlage S. 352
530
Der Diener ist beauftragt, Herr Professor –
Vorlage S. 352
531
CYPRIAN.
Vorlage S. 352
532
Der Diener ist nicht zu finden. Wahrscheinlich wieder im Wirtshaus. Sie werden noch erleben, was ich seinerzeit in Prag erlebt habe, wie ich dort bei Heschel gearbeitet habe. Dort war auch so ein Alkoholiker als Diener im pathologischanatomischen Institut angestellt. Der Kerl hat uns allmählich den ganzen Spiritus von den Präparaten weggesoffen.
Vorlage S. 352
533
ADLER.
Vorlage S. 352
534
Der unsere, Herr Professor, zieht vorläufig noch Kümmel vor.
Vorlage S. 352
535
CYPRIAN.
Vorlage S. 352
536
Also, ich möchte heute abend hinunterkommen. Wann sind Sie denn unten?
Vorlage S. 352
537
ADLER.
Vorlage S. 352
538
Ich arbeite jetzt gewöhnlich bis gegen Mitternacht.
Vorlage S. 352
539
CYPRIAN.
Vorlage S. 352
540
So, da komme ich also nach zehn.
Vorlage S. 352
541
Bernhardi und Oskar kommen von rechts.
Vorlage S. 352
542
BERNHARDI.
Vorlage S. 352
543
Guten Tag. Grüß dich Gott, Cyprian. Suchst du vielleicht mich?
Vorlage S. 352
544
CYPRIAN.
Vorlage S. 352
545
Ich habe eigentlich etwas mit Doktor Adler zu sprechen gehabt. Aber es ist mir sehr angenehm, dass ich dich treffe. Ich wollte dich nämlich fragen, wann du etwa Zeit hättest, mit mir ins Unterrichtsministerium zu kommen?
Vorlage S. 352
546
BERNHARDI.
Vorlage S. 352
547
Was gibt's denn?
Vorlage S. 352
548
Sie stehen allein zusammen. Oskar geht gleich in den Krankensaal. Die andern Herren abseits im Gespräch.
Vorlage S. 352
549
CYPRIAN.
Vorlage S. 352
550
Es gibt gar nichts Besonderes. Aber ich glaube, wir sollten das Eisen schmieden, solange es warm ist.
Vorlage S. 352
551
BERNHARDI.
Vorlage S. 352
552
Ich verstehe dich wirklich nicht.
Vorlage S. 352
553
CYPRIAN.
Vorlage S. 352
554
Es ist jetzt der günstigste Moment, für unser Institut was herauszuschlagen. Dass ein Arzt, ein klinischer Professor, sich an leitender Stelle befindet, das ist eine Konstellation, die wir ausnützen müssen.
Vorlage S. 352
555
BERNHARDI.
Vorlage S. 352
556
Ihr seid ja alle merkwürdig hoffnungsvoll in Hinsicht auf Flint.
Vorlage S. 352
557
CYPRIAN.
Vorlage S. 352
558
Mit guten Gründen. Ich habe ihm die Karriere prophezeit, wie wir zusammen im Laboratorium bei Brücke vor bald dreißig Jahren gearbeitet haben. Er ist ein administratives Genie. Ich habe schon ein Memorandum skizziert. Was wir verlangen, ist vor allem eine staatliche Subvention, um nicht länger ausschließlich auf die etwas unwürdigen Privatsammlungen angewiesen zu sein. Ferner –
Vorlage S. 352
559
BERNHARDI.
Vorlage S. 353
560
Ihr seid in einer Weise vergeßlich! Flint ist unser erbitterster Gegner.
Vorlage S. 353
561
CYPRIAN.
Vorlage S. 353
562
Aber ich bitte dich, das ist ja längst vorbei. Er steht dem Elisabethinum heute mit der größten Sympathie gegenüber. Hofrat Winkler hat es mir gestern wieder gesagt. Ganz spontan.
Vorlage S. 353
563
BERNHARDI.
Vorlage S. 353
564
Na. –
Vorlage S. 353
565
OSKAR
Vorlage S. 353
566
aus dem Krankenzimmer, rasch zu Bernhardi.
Vorlage S. 353
567
Du, Papa, ich glaube, wenn du sie noch sprechen willst –
Vorlage S. 353
568
BERNHARDI.
Vorlage S. 353
569
Entschuldige mich, lieber Cyprian. Vielleicht geduldest du dich fünf Minuten.
Vorlage S. 353
570
Ab.
Vorlage S. 353
571
OSKAR
Vorlage S. 353
572
zu Cyprian.
Vorlage S. 353
573
Eine Sterbende, Herr Professor.
Vorlage S. 353
574
Folgt seinem Vater in den Krankensaal.
Vorlage S. 353
575
Hochroitzpointner, Kurt, Adler, Cyprian.
Vorlage S. 353
576
KURT
Vorlage S. 353
577
beiläufig.
Vorlage S. 353
578
Eine Sepsis. Junges Mädel. Abortus.
Vorlage S. 353
579
HOCHROITZPOINTNER
Vorlage S. 353
580
zu Adler.
Vorlage S. 353
581
Für morgen, Herr Dozent.
Vorlage S. 353
582
CYPRIAN
Vorlage S. 353
583
in seiner eintönigen Weise.
Vorlage S. 353
584
Wie ich noch Assistent war bei Skoda, da haben wir einen Primarius im Spital gehabt, nomina sunt odiosa, der hat uns gebeten, uns Assistenten mein ich, wir sollen ihn, wenn irgend möglich, zu jedem Sterbefall herbeirufen. Er wollte eine Psychologie der Sterbestunden schreiben, angeblich. Ich habe damals gleich zu Benutzer gesagt, der mit mir zusammen Assistent war, da stimmt etwas nicht. Es geht ihm nicht um die Psychologie. Also, denken Sie sich, eines Tages ist der Primarius plötzlich verschwunden. War ein verheirateter Mann mit drei Kindern. Zu der Nacht darauf findet man in irgendeiner abgelegenen Straße einen zerlumpten Kerl erstochen auf. Na, Sie erraten ja schon die Pointe, meine Herren. Es stellt sich heraus, dass der Primarius und der erstochene Strolch ein und dieselbe Person sind. Durch viele Jahre hindurch hatte er ein Doppelleben geführt. Bei Tag war er der beschäftigte Arzt, nachts war er Stammgast in allerlei verdächtigen Spelunken, Zuhälter. –
Vorlage S. 353
585
Der Pfarrer kommt, ein junger Mann von 28 Jahren, mit energischen, klugen Zügen. Der Mesner, der an der Türe stehen bleibt. Hochroitzpointner, Kurt, Adler, Cyprian.
Vorlage S. 353
586
ADLER
Vorlage S. 354
587
beflissen.
Vorlage S. 354
588
Habe die Ehre, Hochwürden.
Vorlage S. 354
589
PFARRER.
Vorlage S. 354
590
Guten Tag, meine Herren. Ich komme hoffentlich noch nicht zu spät.
Vorlage S. 354
591
KURT.
Vorlage S. 354
592
Nein, Hochwürden. Der Herr Professor ist gerade bei der Kranken. Er stellt sich vor. Assistent Dr. Pflugfelder.
Vorlage S. 354
593
PFARRER.
Vorlage S. 354
594
Die Hoffnung ist also noch nicht ganz aufgegeben?
Vorlage S. 354
595
OSKAR
Vorlage S. 354
596
kommt aus dem Krankenzimmer.
Vorlage S. 354
597
Guten Tag, Hochwürden.
Vorlage S. 354
598
KURT.
Vorlage S. 354
599
Doch, Hochwürden, es ist ein völlig hoffnungsloser Fall.
Vorlage S. 354
600
OSKAR.
Vorlage S. 354
601
Bitte, wollen Hochwürden –
Vorlage S. 354
602
PFARRER.
Vorlage S. 354
603
Ich will vielleicht so lange warten, bis der Herr Professor die Kranke verlassen hat.
Vorlage S. 354
604
Der Mesner tritt zurück, die Türe schließt sich.
Vorlage S. 354
605
HOCHROITZPOINTNER
Vorlage S. 354
606
rückt dem Pfarrer einen Sessel hin.
Vorlage S. 354
607
PFARRER.
Vorlage S. 354
608
Danke, danke.
Vorlage S. 354
609
Er setzt sich zuerst nicht.
Vorlage S. 354
610
CYPRIAN.
Vorlage S. 354
611
Ja, Hochwürden, wenn wir nur zu den Kranken gingen, wo wir noch helfen können. Manchmal können wir auch nichts Besseres tun als trösten.
Vorlage S. 354
612
KURT.
Vorlage S. 354
613
Und lügen.
Vorlage S. 354
614
PFARRER
Vorlage S. 354
615
setzt sich.
Vorlage S. 354
616
Sie gebrauchen da ein etwas hartes Wort, Herr Doktor.
Vorlage S. 354
617
KURT.
Vorlage S. 354
618
Verzeihung, Hochwürden, das bezog sich natürlich nur auf uns Ärzte. Übrigens ist gerade das manchmal der schwerste und edelste Teil unseres Berufes.
Vorlage S. 354
619
Bernhardi wird an der Türe sichtbar, der Pfarrer erhebt sich.
Vorlage S. 354
620
Hochroitzpointner, Adler, Kurt, Cyprian, Oskar, Pfarrer, Bernhardi. Nach Bernhardi kommt die Schwester aus dem Krankenzimmer.
Vorlage S. 354
621
BERNHARDI
Vorlage S. 354
622
etwas befremdet.
Vorlage S. 354
623
Oh, Hochwürden.
Vorlage S. 354
624
PFARRER.
Vorlage S. 354
625
Wir lösen einander ab, Herr Professor. Er reicht ihm die Hand. Ich finde die Kranke wohl noch bei Bewusstsein?
Vorlage S. 354
626
BERNHARDI.
Vorlage S. 354
627
Ja. Man könnte sogar sagen, bei gesteigertem Bewusstsein. Mehr zu den andern. Es ist absolute Euphorie bei ihr eingetreten. Wie erklärend zum Pfarrer. Sie befindet sich sozusagen wohl.
Vorlage S. 354
628
PFARRER.
Vorlage S. 354
629
Nun, das ist ja sehr schön. Wer weiß! – Erst neulich hatte ich wieder die Freude, einem jungen Mann, der ein paar Wochen vorher schon völlig auf den Tod gefasst von mir die letzte Ölung empfangen hatte, gesund auf der Straße zu begegnen.
Vorlage S. 354
630
ADLER.
Vorlage S. 354
631
Und wer weiß, ob es nicht gerade Hochwürden waren, der ihm die Kraft, den Mut zum Leben wiedergegeben haben.
Vorlage S. 354
632
BERNHARDI
Vorlage S. 355
633
zu Adler.
Vorlage S. 355
634
Hochwürden hat mich ja missverstanden, Herr Doktor. Zum Pfarrer. Ich meinte nämlich, dass die Kranke völlig ahnungslos ist. Sie ist verloren, aber sie glaubt sich genesen.
Vorlage S. 355
635
PFARRER.
Vorlage S. 355
636
Wahrhaftig.
Vorlage S. 355
637
BERNHARDI.
Vorlage S. 355
638
Und es ist fast zu besorgen, dass Ihr Erscheinen, Hochwürden –
Vorlage S. 355
639
PFARRER
Vorlage S. 355
640
ganz mild.
Vorlage S. 355
641
Fürchten Sie nichts für Ihre Kranke, Herr Professor. Ich komme nicht, um ein Todesurteil auszusprechen.
Vorlage S. 355
642
BERNHARDI.
Vorlage S. 355
643
Natürlich, aber trotzdem –
Vorlage S. 355
644
PFARRER.
Vorlage S. 355
645
Man könnte die Kranke vielleicht vorbereiten.
Vorlage S. 355
646
SCHWESTER
Vorlage S. 355
647
von Bernhardi nicht bemerkt, begibt sich auf einen kaum merklichen Augenwink des Pfarrers in das Krankenzimmer.
Vorlage S. 355
648
BERNHARDI.
Vorlage S. 355
649
Das würde ja die Sache nicht bessern. Wie ich schon bemerkte, Hochwürden, die Kranke ist völlig ahnungslos. Und sie erwartet alles andere eher als diesen Besuch. Sie ist vielmehr in dem glücklichen Wahn befangen, dass in der nächsten Stunde jemand, der ihr nahe steht, erscheinen wird, um sie abzuholen, und sie wieder mit sich zu nehmen, – ins Leben und ins Glück. Ich glaube, Hochwürden, es wäre kein gutes, fast möchte ich zu behaupten wagen, kein gottgefälliges Werk, wenn wir sie aus diesem letzten Traum erwecken wollten.
Vorlage S. 355
650
PFARRER
Vorlage S. 355
651
nach kleinem Zögern bestimmter.
Vorlage S. 355
652
Ist eine Möglichkeit vorhanden, Herr Professor, dass mein Erscheinen den Verlauf der Krankheit in ungünstiger Weise –
Vorlage S. 355
653
BERNHARDI
Vorlage S. 355
654
rasch einfallend.
Vorlage S. 355
655
Es wäre nicht unmöglich, dass das Ende beschleunigt wird, vielleicht nur um Minuten, aber immerhin –
Vorlage S. 355
656
PFARRER
Vorlage S. 355
657
lebhafter.
Vorlage S. 355
658
Nochmals: Ist Ihre Kranke noch zu retten? Bedeutet mein Erscheinen in diesem Sinne eine Gefahr? Dann wäre ich natürlich sofort bereit, mich zurückzuziehen.
Vorlage S. 355
659
ADLER
Vorlage S. 355
660
nickt beifällig.
Vorlage S. 355
661
BERNHARDI.
Vorlage S. 355
662
Sie ist rettungslos verloren, darüber kann kein Zweifel sein.
Vorlage S. 355
663
PFARRER.
Vorlage S. 355
664
Dann, Herr Professor, sehe ich durchaus keinen Grund –
Vorlage S. 355
665
BERNHARDI.
Vorlage S. 355
666
Entschuldigen Sie, Hochwürden, ich bin vorläufig hier noch in ärztlicher Funktion anwesend. Und zu meinen Pflichten gehört es, wenn nichts anderes mehr in meinen Kräften steht, meinen Kranken, wenigstens soweit als möglich, ein glückliches Sterben zu verschaffen.
Vorlage S. 355
667
CYPRIAN
Vorlage S. 356
668
zeigt leichte Ungeduld und Mißbilligung.
Vorlage S. 356
669
PFARRER.
Vorlage S. 356
670
Ein glückliches Sterben. – Es ist wahrscheinlich, Herr Professor, dass wir darunter verschiedene Dinge verstehen. Und nach dem, was mir die Schwester mitteilte, bedarf Ihre Kranke der Absolution dringender als manche andere.
Vorlage S. 356
671
BERNHARDI
Vorlage S. 356
672
mit seinem ironischen Lächeln.
Vorlage S. 356
673
Sind wir nicht allzumal Sünder, Hochwürden?
Vorlage S. 356
674
PFARRER.
Vorlage S. 356
675
Das gehört wohl nicht hierher, Herr Professor. Sie können nicht wissen, ob nicht irgendwo in der Tiefe ihrer Seele, die Gott allein sieht, gerade in diesen letzten Augenblicken, die ihr noch vergönnt sind, die Sehnsucht wach ist, durch eine letzte Beichte aller Sünden sich zu entlasten.
Vorlage S. 356
676
BERNHARDI.
Vorlage S. 356
677
Muss ich es nochmals wiederholen, Hochwürden? Die Kranke weiß nicht, dass sie verloren ist. Sie ist heiter, glücklich und – reuelos.
Vorlage S. 356
678
PFARRER.
Vorlage S. 356
679
Eine um so schwerere Schuld nähme ich auf mich, wenn ich von dieser Schwelle wiche, ohne der Sterbenden die Tröstungen unserer heiligen Religion verabreicht zu haben.
Vorlage S. 356
680
BERNHARDI.
Vorlage S. 356
681
Von dieser Schuld, Hochwürden, wird Sie Gott und jeder irdische Richter freisprechen Auf seine Bewegung. Jawohl, Hochwürden. Denn ich als Arzt darf Ihnen nicht gestatten, an das Bett dieser Kranken zu treten.
Vorlage S. 356
682
PFARRER.
Vorlage S. 356
683
Ich wurde hierher berufen. Ich muss also bitten –
Vorlage S. 356
684
BERNHARDI.
Vorlage S. 356
685
Nicht in meinem Auftrag, Hochwürden. Und ich kann nur wiederholen, dass ich Ihnen als Arzt, dem das Wohl seiner Kranken bis zur letzten Stunde anvertraut bleibt, das Überschreiten dieser Schwelle leider verbieten muss.
Vorlage S. 356
686
PFARRER
Vorlage S. 356
687
vortretend.
Vorlage S. 356
688
Sie verbieten es mir?
Vorlage S. 356
689
BERNHARDI
Vorlage S. 356
690
leicht seine Schulter berührend.
Vorlage S. 356
691
Ja, Hochwürden.
Vorlage S. 356
692
SCHWESTER
Vorlage S. 356
693
eilend aus dem Krankenzimmer.
Vorlage S. 356
694
Hochwürden
Vorlage S. 356
695
BERNHARDI.
Vorlage S. 356
696
Sie waren drin?
Vorlage S. 356
697
SCHWESTER.
Vorlage S. 356
698
Es wird zu spät, Hochwürden.
Vorlage S. 356
699
KURT
Vorlage S. 356
700
rasch ins Krankenzimmer.
Vorlage S. 356
701
BERNHARDI
Vorlage S. 356
702
zur Schwester.
Vorlage S. 356
703
Sie haben der Kranken gesagt, dass Seine Hochwürden da sind?
Vorlage S. 356
704
SCHWESTER.
Vorlage S. 356
705
Ja, Herr Direktor.
Vorlage S. 356
706
BERNHARDI.
Vorlage S. 356
707
So. Und – antworten Sie mir ganz ruhig – wie hat sich die Kranke dazu verhalten? Hat sie irgend etwas geäußert? Sprechen Sie. Nun?
Vorlage S. 356
708
SCHWESTER.
Vorlage S. 357
709
Sie hat gesagt –
Vorlage S. 357
710
BERNHARDI.
Vorlage S. 357
711
Nun?
Vorlage S. 357
712
SCHWESTER.
Vorlage S. 357
713
Sie ist halt ein bissel erschrocken.
Vorlage S. 357
714
BERNHARDI
Vorlage S. 357
715
nicht böse.
Vorlage S. 357
716
Nun, so sprechen Sie doch, was hat sie gesagt?
Vorlage S. 357
717
SCHWESTER.
Vorlage S. 357
718
Muss ich denn wirklich sterben?
Vorlage S. 357
719
KURT
Vorlage S. 357
720
aus dem Krankenzimmer.
Vorlage S. 357
721
Es ist vorbei.
Vorlage S. 357
722
Kleine Pause.
Vorlage S. 357
723
BERNHARDI.
Vorlage S. 357
724
Erschrecken Sie nicht, Hochwürden. Ihre Schuld ist es nicht. Sie wollten nur Ihre Pflicht erfüllen. Ich wollte es auch. Dass es mir nicht geglückt ist, tut mir leid genug.
Vorlage S. 357
725
PFARRER.
Vorlage S. 357
726
Nicht Sie, Herr Professor, sind es, der mir Absolution zu erteilen hat. Das arme Geschöpf da drin ist als Sünderin und ohne die Tröstungen der Religion dahingegangen. Und das ist Ihre Schuld.
Vorlage S. 357
727
BERNHARDI.
Vorlage S. 357
728
Ich nehme sie auf mich.
Vorlage S. 357
729
PFARRER.
Vorlage S. 357
730
Es wird sich noch erweisen, Herr Professor, ob Sie das imstande sein werden. Ich empfehle mich, meine Herren.
Vorlage S. 357
731
Er geht.
Vorlage S. 357
732
Die andern bleiben bewegt und in einiger Verlegenheit zurück. Bernhardi sieht sie der Reihe nach an.
Vorlage S. 357
733
BERNHARDI.
Vorlage S. 357
734
Also morgen früh, lieber Doktor Adler, die Sektion.
Vorlage S. 357
735
CYPRIAN
Vorlage S. 357
736
zu Bernhardi, ungehört von den anderen.
Vorlage S. 357
737
Es war nicht richtig.
Vorlage S. 357
738
BERNHARDI.
Vorlage S. 357
739
Wieso nicht richtig?
Vorlage S. 357
740
CYPRIAN.
Vorlage S. 357
741
Und nebstbei wird es ein Einzelfall bleiben. Du wirst an der Sache selbst nichts ändern.
Vorlage S. 357
742
BERNHARDI.
Vorlage S. 357
743
An der Sache? War auch nicht meine Absicht.
Vorlage S. 357
744
ADLER.
Vorlage S. 357
745
Ich hielte es für unaufrichtig, Herr Direktor, wenn ich nicht schon in dieser Stunde loyal ausspräche, dass ich in dieser Angelegenheit – formell nicht auf Ihrer Seite zu stehen vermag.
Vorlage S. 357
746
BERNHARDI.
Vorlage S. 357
747
Und es wäre illoyal, Herr Doktor, wenn ich Ihnen nicht versicherte, dass ich mir das gleich hatte denken können.
Vorlage S. 357
748
Cyprian und Adler ab.
Vorlage S. 357
749
OSKAR
Vorlage S. 357
750
beißt sich in die Lippen.
Vorlage S. 357
751
BERNHARDI.
Vorlage S. 357
752
Na, mein Sohn, dir wird's ja hoffentlich in der Karriere nicht schaden.
Vorlage S. 357
753
OSKAR.
Vorlage S. 357
754
Aber Papa.
Vorlage S. 357
755
BERNHARDI
Vorlage S. 357
756
nimmt ihn beim Kopf, zärtlich.
Vorlage S. 357
757
Na. Ich hab dich nicht beleidigen wollen.
Vorlage S. 357
758
SCHWESTER.
Vorlage S. 357
759
Herr Professor, ich hab geglaubt –
Vorlage S. 357
760
BERNHARDI.
Vorlage S. 358
761
Was haben Sie geglaubt? Na, wozu übrigens, jetzt ist's ja vorüber.
Vorlage S. 358
762
SCHWESTER.
Vorlage S. 358
763
Es ist doch immer, Herr Direktor, und – Auf Hochroitzpointner weisend. der Herr Doktor –
Vorlage S. 358
764
HOCHROITZPOINTNER.
Vorlage S. 358
765
Ja, ich hab's ihr natürlich nicht verboten, Herr Direktor.
Vorlage S. 358
766
BERNHARDI.
Vorlage S. 358
767
Selbstverständlich, Herr Doktor Hochroitzpointner. Sie hospitieren wahrscheinlich auch in der Kirche, was?
Vorlage S. 358
768
HOCHROITZPOINTNER.
Vorlage S. 358
769
Herr Direktor, wir leben in einem christlichen Staat.
Vorlage S. 358
770
BERNHARDI.
Vorlage S. 358
771
Ja. Sieht ihn lange an. Der Herr verzeihe ihnen – – sie wissen verdammt gut, was sie tun.
Vorlage S. 358
772
Ab mit Kurt und Oskar.
Vorlage S. 358
773
Hochroitzpointner, Schwester.
Vorlage S. 358
774
HOCHROITZPOINTNER.
Vorlage S. 358
775
Aber Kinderl, was fallt Ihnen denn ein, sich zu entschuldigen? Sie haben doch nur Ihre Pflicht getan. Aber was haben S' denn Jetzt fangen S' gar an zu weinen – Dass Sie mir nur nicht wieder einen Anfall kriegen.
Vorlage S. 358
776
SCHWESTER
Vorlage S. 358
777
schluchzend.
Vorlage S. 358
778
Aber der Herr Direktor war so bös.
Vorlage S. 358
779
HOCHROITZPOINTNER.
Vorlage S. 358
780
Und wenn er schon bös war, – der Herr Direktor. Na, lang bleibt er's ja nimmer. Das bricht ihm den Kragen!
Vorlage S. 358
781
Vorhang.
Vorlage S. 358

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10er-QuizZitate verstehen · Zusammenhänge erkennen · Lernpunkte sammeln10 Fragen

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Je Frage sind beim ersten Versuch 10 Punkte möglich, danach 5, 3 oder 1. Bereits gelöste Fragen bleiben zum Üben verfügbar.

1. Wie geht dieser Textausschnitt im Kapitel unmittelbar weiter? Ergänze den genauen Wortlaut. »Es ist nämlich wegen …«

Eine Antwort ist richtig.

Textstelle 1 ↗ Textstelle 2 ↗ Textstelle 3 ↗ Textstelle 4 ↗

3. Welche Sprecherangabe gehört im Kapitel zu diesen Worten? »Freilich – aber, ich darf mir vielleicht nicht erlauben, über einen künftigen Chef –«

Eine Antwort ist richtig.

Textstelle 1 ↗ Textstelle 2 ↗

4. Welcher Ausschnitt verweist mit einer Zeitangabe ausdrücklich auf eine frühere Zeit? Achte auf ein ausdrücklich genanntes Signalwort.

Eine Antwort ist richtig.

Textstelle 1 ↗ Textstelle 2 ↗ Textstelle 3 ↗ Textstelle 4 ↗

5. Welche Sprecherangabe gehört im Kapitel zu diesen Worten? »Das Schicksal deiner einstigen Abteilung und unseres Institutes wird dich hoffentlich noch so weit interessieren.«

Eine Antwort ist richtig.

Textstelle 1 ↗ Textstelle 2 ↗

6. In welcher Reihenfolge stehen diese drei Ausschnitte im Kapitel? Gemeint ist ihre Reihenfolge im Text, nicht die Zeit der erzählten Ereignisse. A: »Es stellt sich heraus, dass der Primarius und der erstochene Strolch ein und dieselbe Person sind.« B: »Aber, ich mache dich aufmerksam, für einen von beiden wirst du dich entscheiden müssen.« C: »Und für die arme Person drin ... war sie's schon früher.«

Eine Antwort ist richtig.

Textstelle 1 ↗ Textstelle 2 ↗ Textstelle 3 ↗

7. Wie geht dieser Textausschnitt im Kapitel unmittelbar weiter? Ergänze den genauen Wortlaut. »Ich habe ihm die Karriere prophezeit, wie wir zusammen …«

Eine Antwort ist richtig.

Textstelle 1 ↗ Textstelle 2 ↗ Textstelle 3 ↗ Textstelle 4 ↗

8. Welches Wort steht an der markierten Stelle? Achte auf die Bedeutung im Zusammenhang und prüfe den genauen Wortlaut. »Er wollte eine Psychologie der […] schreiben, angeblich.«

Eine Antwort ist richtig.

Textstelle 1 ↗ Textstelle 2 ↗ Textstelle 3 ↗ Textstelle 4 ↗

10. Wie geht dieser Textausschnitt im Kapitel unmittelbar weiter? Ergänze den genauen Wortlaut. »Sie haben der Kranken gesagt, …«

Eine Antwort ist richtig.

Textstelle 1 ↗ Textstelle 2 ↗ Textstelle 3 ↗ Textstelle 4 ↗
Aufgaben zum TextVerstehen, begründen und mit Textstellen arbeiten · ohne Punkte

1. Ordne diese Textstelle in den Zusammenhang ein: »Oskar, dass wir recht behalten haben«. Was geschieht oder wird hier besprochen? Erkläre in drei bis fünf Sätzen auch, was davor und danach wichtig ist.

Impulse zur Selbstprüfung

Lies die verlinkte Stelle mit ihrer Umgebung. Trenne ausdrücklich Gesagtes von Vermutungen.

  • Situation oder Gedanke verständlich erklärt
  • Mindestens ein passender Textbeleg
  • Eigene Formulierungen statt bloßer Abschrift
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2. Vergleiche die beiden Ausschnitte: »Oskar, dass wir recht behalten haben« und »hoffentlich in der Karriere nicht schaden«. Welche Entwicklung, Gemeinsamkeit oder Spannung erkennst du? Begründe mit beiden Textstellen.

Impulse zur Selbstprüfung

Auch eine gleichbleibende Haltung ist ein mögliches Ergebnis. Erfinde keine Entwicklung, wenn sie sich aus dem Text nicht belegen lässt.

  • Beide Ausschnitte im Zusammenhang gelesen
  • Eine Gemeinsamkeit oder einen Unterschied erläutert
  • Deutung und wörtlichen Beleg unterschieden
Textstelle 1 ↗ Textstelle 2 ↗

3. Untersuche die sprachliche Wirkung dieses Ausschnitts: »dass man so im Dunkeln herumtappen muss«. Wähle ein auffälliges Wort, ein Bild oder eine Formulierung. Erkläre seine Wirkung und begründe eine mögliche andere Lesart.

Impulse zur Selbstprüfung

Es gibt nicht nur eine richtige Interpretation. Prüfe beide Lesarten am Kapitel und benenne, was offen bleibt.

  • Sprachliches Merkmal am Wortlaut benannt
  • Wirkung als begründete Deutung formuliert
  • Alternative Lesart oder Grenze der Deutung erklärt
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Kreativ schreibenDrei Anregungen in drei Niveaustufen · ohne Punkte

Wähle die Anregung, die zu dir passt. Deine eigene Fassung bleibt klar vom Originaltext getrennt.

Niveau 1 · Einstieg

1. Schreibe zu diesem Textausschnitt 5–8 eigene Sätze: »Der Professor ist noch immer nicht da?«. Wähle eine Person, einen Gegenstand oder einen Gedanken daraus. Schreibe aus einer neuen Sicht. Satzanfänge helfen: „Ich bemerke …“, „Ich frage mich …“, „Als Nächstes …“.

Impulse zur Selbstprüfung

Mehrere Lösungen sind möglich. Prüfe deinen Text an den Kriterien oder besprich ihn mit anderen. Diese Aufgabe gibt keine automatisch bewerteten Punkte.

  • Übernimm mindestens zwei passende Einzelheiten aus dem Kapitel.
  • Trenne ein wörtliches Zitat deutlich von deinem eigenen Text.
  • Kennzeichne deine Ergänzungen als erfunden.
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Niveau 2 · Vertiefung

2. Verwandle den folgenden Ausschnitt in einen Brief, Tagebucheintrag oder kurzen Dialog: »Bitte sehr, Herr Kollega, Ihre Hörer warten schon.«. Entscheide, wer sich an wen richtet. Schreibe etwa 120–180 Wörter. Bei einem Sachtext kann ein lernender Mensch einem anderen die Idee erklären.

Impulse zur Selbstprüfung

Mehrere Lösungen sind möglich. Prüfe deinen Text an den Kriterien oder besprich ihn mit anderen. Diese Aufgabe gibt keine automatisch bewerteten Punkte.

  • Die neue Textform und die gewählte Stimme sind erkennbar.
  • Mindestens zwei Aussagen oder Ereignisse bleiben mit dem Kapitel vereinbar.
  • Ergänze einen kurzen Kommentar: Was hast du übernommen, was bewusst erfunden?
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Niveau 3 · Gestaltung

3. Schreibe ausgehend vom Kapitelende eine alternative Fortsetzung oder eine Szene mit einer Gegenposition: »Und wenn er schon bös war, – der Herr Direktor.«. Entwickle etwa 200–300 Wörter. Bei einem Sachtext kannst du ein Streitgespräch über eine These gestalten. Begründe anschließend in 3–5 Sätzen deine Entscheidungen mit zwei kurzen Zitaten aus dem Kapitel.

Impulse zur Selbstprüfung

Mehrere Lösungen sind möglich. Prüfe deinen Text an den Kriterien oder besprich ihn mit anderen. Diese Aufgabe gibt keine automatisch bewerteten Punkte.

  • Die Fortsetzung oder Gegenposition knüpft nachvollziehbar an konkrete Textstellen an.
  • Zwei genaue Zitate begründen die Gestaltung; Schlussfolgerungen werden als eigene Deutung markiert.
  • Der neue Text ist ausdrücklich eine eigene Bearbeitung und wird nicht dem Originalautor zugeschrieben.
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Ausgabe, Herkunft und Rechte

Das deutschsprachige Original ist nach den geprüften Lebensdaten des Autors in Deutschland gemeinfrei. TextGrid und www.editura.de stellen den bearbeiteten Datenbestand unter CC BY 3.0 DE bereit.

Professor Bernhardi

Arthur Schnitzler: Die Dramatischen Werke. Frankfurt a.M.: S. Fischer Verlag, 1962. Schnitzler, Arthur 337- Frankfurt a.M.

Das Werk Professor Bernhardi von Schnitzler, Arthur ist eine Abwandlung des Datenbestandes der Digitalen Bibliothek von TextGrid, www.editura.de und wird unter der Creative Commons Lizenz veröffentlicht.

Quelltext und Ausgabe ↗ · CC BY 3.0 DE; underlying texts public domain per source Lizenz

Originalsprache · Deutsch

Unveränderte deutsche Quellfassung; die andere Spalte bietet eine gesonderte Lesefassung. Beide Ansichten gehören zu demselben Werk.

Das Werk Professor Bernhardi von Schnitzler, Arthur ist eine Abwandlung des Datenbestandes der Digitalen Bibliothek von TextGrid, www.editura.de und wird unter der Creative Commons Lizenz veröffentlicht.

Autorschaft und Ausgabe: Schnitzler, Arthur

Originaltext und Ausgabe ↗ · TextGrid / Editura · Lizenz und Nutzungsbedingungen

Arthur Schnitzler: Die Dramatischen Werke. Frankfurt a.M.: S. Fischer Verlag, 1962. Schnitzler, Arthur 337- Frankfurt a.M.

Die Fassungen folgen den jeweils angegebenen Quellen; ihre Gliederung kann abweichen.

Welche Änderungen enthält die Lesefassung?

Explizite Wortliste statt allgemeiner Such-und-Ersetz-Regeln. Jede Änderung ist mit Kapitel, Absatz, Quellposition und Regel dokumentiert. Erfasste Namen und bekannte mehrdeutige Formen bleiben ausgespart; dies ist keine automatische vollständige Namenserkennung. Grundlage für s/ss/ß: Amtliches Regelwerk 2024, §§ 2, 5 und 25. Die unveränderte Quellfassung bleibt verfügbar.