Deutsch · Abschnitt 1 von 1
Sophokles
9 Ein Priester
Vorlage S. 396 11 Ein Hirt des Laïos
Vorlage S. 396 12 Ein Diener
Vorlage S. 396 13 Chor thebanischer Greise
Vorlage S. 396 14 Vor dem königlichen Palast zu Theben. Um den Altar sitzt das Volk nebst den Priestern mit Ölzweigen in den Händen. Ödipus tritt aus dem Palast.
Vorlage S. 396 16 O Kinder, ihr des alten Kadmos neu Geschlecht,
Vorlage S. 396 17 Zu welcher Zuflucht kamet ihr dahergeschreckt,
Vorlage S. 396 18 Geziert mit Ölgezweigen Hilfeflehender?
Vorlage S. 396 19 Die Stadt erfüllt auch überall Rauchopferduft
Vorlage S. 396 20 Und auch mit Paianstönen rings Wehklagelaut.
Vorlage S. 396 21 Was nicht von Boten auszuforschen würdigend,
Vorlage S. 396 22 Ich, teure Kinder, selber mich hierherbegab,
Vorlage S. 396 23 In allem Volke rühmlich Ödipus genannt.
Vorlage S. 396 24 Du aber, Alter, rede, weil du würdig bist,
Vorlage S. 396 25 Ihr Wort zu führen; wessenhalb erschienet ihr?
Vorlage S. 396 26 Was fürchtend, was begehrend? weil ich sicher euch
Vorlage S. 396 27 In allem beistehn will und wär unfühlend auch,
Vorlage S. 396 28 Ohn innges Mitleid solches Flehn mita anzuschaun.
Vorlage S. 396 29 PRIESTER.
Vorlage S. 396 30 O meiner Landschaft Oberherrscher, Ödipus,
Vorlage S. 396 31 Du siehst, ein jeglich Alter sitzt, herzugedrängt,
Vorlage S. 396 32 Um deinen Altar: jene, die sehr weit annoch
Vorlage S. 396 33 Nicht fliegen mögen, diese schwer von Alter schon,
Vorlage S. 396 34 Die Priester, ich, Zeus' Diener; hier der Jünglinge
Vorlage S. 396 35 Auswahl; und Scharen andrer Zweigumschlungener
Vorlage S. 396 36 Umsitzen Pallas' Doppelhäuser dort und hier
Vorlage S. 396 37 Den ganzen Marktplatz, dort Ismenos' Seherherd.
Vorlage S. 396 38 Es schwankt die Stadt ja, siehst du selbst, schon allzusehr
Vorlage S. 396 39 Im Wogenaufruhr; vorzutauchen strebet sie
Vorlage S. 396 40 Aus Tiefen blutger Wogen schon umsonst das Haupt,
Vorlage S. 396 41 Hinschwindend stets mit jedem Keim der Erdenfrucht,
Vorlage S. 396 42 Hinschwindend auf den Triften, mit der Weiber auch
Vorlage S. 396 43 Fruchtlosem Kreißen; und dazu jagt stürmend noch
Vorlage S. 396 44 Die Stadt verhaßter Seuche feuerheißer Gott,
Vorlage S. 396 45 Der Kadmos' Wohnung leeret und verschwenderisch
Vorlage S. 396 46 Mit Klag und Wehschrein Hades' schwarzes Haus erfüllt.
Vorlage S. 396 47 Drum, zwar den Göttern nimmer gleich dich achtend, stehn
Vorlage S. 396 48 Ich selbst und hier die Kinder deinem Herde nah,
Vorlage S. 396 49 Jedoch der Männer Ersten bei des Lebens Gang
Vorlage S. 397 50 Dich schätzend oder gottgesandten Fügungen,
Vorlage S. 397 51 Der, her zu Kadmos' Stadt gelangt, uns löste bald
Vorlage S. 397 52 Der grimmen Sängrin lange dargereichten Zins;
Vorlage S. 397 53 Und das, von niemand unser je belehrt dazu
Vorlage S. 397 54 Noch vorbereitet; nein, mit Götterhilf allein,
Vorlage S. 397 55 So sagt und glaubt man, hast du uns emporgelenkt.
Vorlage S. 397 56 Auch nun vor allen, Ödipus' gewaltig Haupt,
Vorlage S. 397 57 Umflehen dich nur diese Zufluchtsuchenden,
Vorlage S. 397 58 Uns Hilfe schnell zu finden, sei sie angezeigt
Vorlage S. 397 59 Durch Götterausspruch oder durch der Menschen Rat.
Vorlage S. 397 60 Denn stets Erfahrungsreichen lebt am meisten ja
Vorlage S. 397 61 In günstgem Schicksal, seh ich, auf ihr Ratbeschluß.
Vorlage S. 397 62 Auf, aller Menschen Bester, heb empor die Stadt,
Vorlage S. 397 63 Auf, sorge treulich; denn es preist zwar dieses Land
Vorlage S. 397 64 Dich schon Erretter für den vorgen Heldenmut.
Vorlage S. 397 65 Doch deiner Herrschaft denken einst wir nimmermehr,
Vorlage S. 397 66 Erst aufgerichtet, aber dann zurückgestürzt.
Vorlage S. 397 67 Nein, unzerrüttbar stelle nun die Stadt empor.
Vorlage S. 397 68 Mit guter Schicksalsvögel Zeichen gabst du erst
Vorlage S. 397 69 Uns Heil und Rettung; zeige nun dich wieder so.
Vorlage S. 397 70 Denn willst du herrschen, wie du tust, ob diesem Land,
Vorlage S. 397 71 Ist's schöner wahrlich menschenreich als ausgeleert.
Vorlage S. 397 72 Denn nichts gewißlich wäre Schiff noch feste Burg,
Vorlage S. 397 73 Geleert von Mannschaft, innen öd und unbewohnt.
Vorlage S. 397 75 O arme Kinder, wohlbekannt, nicht unbekannt
Vorlage S. 397 76 Ist euer Flehn mir alles. Wohl erkenn ich, dass
Vorlage S. 397 77 Ihr alle kranket, aber doch, ihr Kranken, ist
Vorlage S. 397 78 Der Euren niemand, welcher gleich mir selber krankt.
Vorlage S. 397 79 Denn euer Unheil trifft ja doch den einzelnen
Vorlage S. 397 80 Allein an sich nur, keinen sonst; und mein Gemüt,
Vorlage S. 397 81 Zugleich beseufzt es diese Stadt und mich und dich.
Vorlage S. 397 82 Drum nicht vom Schlafe weckt ihr mich Entschlummerten;
Vorlage S. 397 83 Vielmehr vernehmet, dass ich viel euch weinte schon
Vorlage S. 397 84 Und viele Pfade schon im Geist umher betrat;
Vorlage S. 397 85 Und ein Errettungsmittel, das ich ausgespäht,
Vorlage S. 397 86 Versucht ich endlich. Denn Menoikeus' edler Sohn,
Vorlage S. 397 87 Mein eigner Schwager, Kreon, ward zum pythischen
Vorlage S. 398 88 Thron Phoibos' abgesendet, dass er forsche, wie
Vorlage S. 398 89 Wort oder Handlung diese Stadt befreien kann;
Vorlage S. 398 90 Auch sorg ich schon um diesen, zähl ich, seit er ging,
Vorlage S. 398 91 Der Zeiten Ablauf. Denn er weilt um vieles schon
Vorlage S. 398 92 Über die Vermutung länger, als sein Weg verlangt.
Vorlage S. 398 93 Doch wenn er ankommt, schnöde wär ich dann gesinnt,
Vorlage S. 398 94 Nicht gleich erfüllend, was der Gott andeuten mag.
Vorlage S. 398 95 PRIESTER.
Vorlage S. 398 96 Zum Glücke sprachst du wahrlich; denn schon winken ja,
Vorlage S. 398 97 Dass Kreon herwärts schreite, dort mir jene zu.
Vorlage S. 398 98 Kreon tritt auf.
Vorlage S. 398 100 O Fürst Apollon, mög er doch mit solchem Heil
Vorlage S. 398 101 Beglückend annahn, wie erfreut sein Auge glänzt!
Vorlage S. 398 102 PRIESTER.
Vorlage S. 398 103 Froh, nach dem Anschein, kommt er. Nicht umwände sonst
Vorlage S. 398 104 Sein Haupt bekränzend voller Lorbeerzweige Frucht.
Vorlage S. 398 106 Bald wissen wir's. Denn schon zu hören naht er uns.
Vorlage S. 398 107 O Herrscher, Blutsfreund, sprich, Menoikeus' edler Sohn,
Vorlage S. 398 108 Welch heilgen Ausspruch Gottes bringst du kommend uns?
Vorlage S. 398 110 Heilvollen. Denn auch Mühbeladnes, mein ich, wenn
Vorlage S. 398 111 Zum Heil es nur sich endet, sei vollkommen gut.
Vorlage S. 398 113 Wie aber lautet's? Denn ich nahm nicht dreisten Mut
Vorlage S. 398 114 Noch banges Ahnen aus dem jetzt gesagten Wort.
Vorlage S. 398 116 Wofern im Beisein dieser du's vernehmen willst,
Vorlage S. 398 117 So sprech ich; oder geh auch dort mit dir hinein.
Vorlage S. 398 119 Vor allen ruf es. Denn ich fühl um diese mehr
Vorlage S. 398 120 Der Leiden als um meines eignen Hauptes Heil.
Vorlage S. 398 122 So sag ich alles, was der Gott mir kundgetan.
Vorlage S. 398 123 Es hieß der König Phoibos unzweideutig uns,
Vorlage S. 398 124 Der Stadt Befleckung, hier im Land ernährt, hinaus-
Vorlage S. 398 125 Zujagen, nicht zu pflegen Unaussühnliches.
Vorlage S. 398 127 Durch welche Säubrung? Welcher Art sei dieses Weh?
Vorlage S. 398 129 Es landverjagend oder auch mit Morde Mord
Vorlage S. 398 130 Abstrafend; Blutschuld sei es, was dies Land bestürmt.
Vorlage S. 398 132 Den Todesunfall welchen Mannes deutet dies?
Vorlage S. 398 134 Es war, o König, dieser Stadt Anführer uns
Vorlage S. 399 135 Einst, ehe du dies Land erhobest, Laios.
Vorlage S. 399 137 Dies hört ich oftmals; denn ich sah nicht jenen mehr.
Vorlage S. 399 139 Ob dessen Tode leget zweifellos der Gott
Vorlage S. 399 140 Uns auf, die Mörder durch das Schwert zu züchtigen.
Vorlage S. 399 142 Wo aber sind sie? Wer vermag hervorzuspähn
Vorlage S. 399 143 Der alten Untat schwerlich unterschiedne Spur?
Vorlage S. 399 145 Im Lande, sprach er. Doch Gesuchtes lässt allein
Vorlage S. 399 146 Sich finden; stets entfliehet Unbeachtetes.
Vorlage S. 399 148 In seiner Wohnung oder auf dem Lande fiel
Vorlage S. 399 149 Oder in der Fremd in Mörderhände Laios?
Vorlage S. 399 151 Den Gott zu fragen, zog er, wie er sprach, und ist
Vorlage S. 399 152 Seit dieser Abfahrt nimmermehr zurückgekehrt.
Vorlage S. 399 154 Kein Abgesandter, kein Genosse seiner Fahrt
Vorlage S. 399 155 Ersah's, von dem man forschend dies erkundigte?
Vorlage S. 399 157 Sie fielen außer einem, der, aus Furcht entflohn,
Vorlage S. 399 158 Vom ganzen Vorgang eins zu sagen wußt allein.
Vorlage S. 399 160 Und was? Zu vielem spüret eins vielleicht den Weg,
Vorlage S. 399 161 Wird unsrer Hoffnung kleiner Halt nur dargereicht.
Vorlage S. 399 163 Zutreffend Raubgesindel, sprach er, mordet' ihn,
Vorlage S. 399 164 Nicht eine Kraft nur, sondern vieler Hände Macht.
Vorlage S. 399 166 Wie hat der Mörder, war er nicht mit Goldeslohn
Vorlage S. 399 167 Hier angestiftet, solches Frevels Höh erreicht?
Vorlage S. 399 169 So war der Argwohn. Nach dem Morde Laios'
Vorlage S. 399 170 In unsren Übeln aber ward kein Rächer ihm.
Vorlage S. 399 172 Welch Übel konnt euch hemmen, als so hingestürzt
Vorlage S. 399 173 Lag euer Herrschtum, solches auszukundigen?
Vorlage S. 399 175 Es trieb der Wundersang der Sphinx, fürs Nächste nur,
Vorlage S. 399 176 Um so Verborgnes unbesorgt, umherzuschaun.
Vorlage S. 399 178 Doch dessen Ursprung decke nun ich selber auf.
Vorlage S. 399 179 Denn würdig hat uns Phoibos, würdig du zugleich
Vorlage S. 399 180 Für jenen Toten diese Sorg herzugeführt,
Vorlage S. 399 181 Dass ihr mit Recht mich schauen als Genossen sollt
Vorlage S. 399 182 Des Landes Leid aussühnen wie des Gottes Zorn.
Vorlage S. 399 183 Denn so, gewißlich nicht entfernten Freunden nur,
Vorlage S. 399 184 Nein, sicher schüttl ich solchen Greul mir selber ab.
Vorlage S. 399 185 Denn wer es war, der jenen Mann erschlug, gewiss
Vorlage S. 399 186 Tut der auch mir wohl übel mit so kühner Faust.
Vorlage S. 399 187 Drum, jenem Beistand gebend, nütz ich mir zugleich.
Vorlage S. 400 188 Doch ohne Zögrung, Kinder, auf von eurem Sitz
Vorlage S. 400 189 Steht nun, die Ölgezweige rings emporgestreckt!
Vorlage S. 400 190 Ein andrer samml uns Kadmos' Volk unzögerlich,
Vorlage S. 400 191 Weil ich das Werk aufnehme. Glücklich weiset uns
Vorlage S. 400 192 Nun aus die Gottheit oder ganz hinabgestürzt!
Vorlage S. 400 193 Kreon ab.
Vorlage S. 400 194 PRIESTER.
Vorlage S. 400 195 Mit mir erhebt euch, Kinder! denn wir kamen ja
Vorlage S. 400 196 Deswegen, was uns jener nun verkündet hat.
Vorlage S. 400 197 Und dieser Kund Aussender, Phoibos, mag zugleich
Vorlage S. 400 198 Als Retter kommen und des Wehs Bewältiger.
Vorlage S. 400 199 Erste Strophe
Vorlage S. 400 201 Lieblich ertönende Rede des Zeus, von der güldenen Pytho
Vorlage S. 400 202 Was trägst du her zur strahlenden
Vorlage S. 400 203 Thebe? Von Zagen erstarr ich im Innersten, schreckengeschüttelt,
Vorlage S. 400 204 Heilbringender, Delier, Paian!
Vorlage S. 400 205 Scheuend in Ahnungen, was du mir heutiges
Vorlage S. 400 206 Oder in kreisendem Jahr zu beendigen
Vorlage S. 400 207 Dräuend verkündigest!
Vorlage S. 400 208 Sag es der güldenen Tochter, der Hoffnung, unsterbliche Phama!
Vorlage S. 400 209 Erste Gegenstrophe
Vorlage S. 400 210 Dich erst ruf ich, des Zeus unvergängliche Tochter, Athene,
Vorlage S. 400 211 Und dich, die Landumwaltende,
Vorlage S. 400 212 Artemis, die auf dem Markt von gerundetem Throne daherstrahlt,
Vorlage S. 400 213 Und Phoibos, den Treffenden, io!
Vorlage S. 400 214 Drei todwehrende Retter, erscheinet mir!
Vorlage S. 400 215 Wenn ihr zuvor, da vergangene Flüche die
Vorlage S. 400 216 Stadt mir bestürmeten,
Vorlage S. 400 217 Glücklich die Flamme der Not mir verjagetet, eilet auch nun her!
Vorlage S. 400 218 Zweite Strophe
Vorlage S. 400 219 Götter, schaut mich in ungezählter Not
Vorlage S. 400 220 Schrecknissen! Erkranket
Vorlage S. 400 221 Liegt mir jegliche Schar; und kein
Vorlage S. 400 222 Speer der Erfindung
Vorlage S. 400 223 Wehrte den Nöten mir! Weder des edelen
Vorlage S. 401 224 Fruchtfeldes Geschlecht gedeiht,
Vorlage S. 401 225 Weder das Wehschrein der Qualgeburt
Vorlage S. 401 226 Zu besiegen vermögen die Weiber.
Vorlage S. 401 227 Und Schar auf Schar, wie
Vorlage S. 401 228 Das beschwingte Gevögel, erblickst du
Vorlage S. 401 229 Rascher denn gierigen Brand zu dem Strande sich
Vorlage S. 401 230 Des Dämmergottes stürzen.
Vorlage S. 401 231 Zweite Gegenstrophe
Vorlage S. 401 232 Deren stirbt mir ein ungezähltes Volk.
Vorlage S. 401 233 Jämmerlich bedecken
Vorlage S. 401 234 Weit das leichenbehäufte Feld
Vorlage S. 401 235 Sprößlinge klaglos.
Vorlage S. 401 236 Aber mit greisenden Müttern die Gattinnen
Vorlage S. 401 237 An heiliger Herde Strand
Vorlage S. 401 238 Jammern das Unheil, dorther und dort
Vorlage S. 401 239 Heilflehend mit stöhnendem Angstruf.
Vorlage S. 401 240 Und hell erstrahlet
Vorlage S. 401 241 In Geseufz und Geheule der Paian!
Vorlage S. 401 242 Dessen, o güldenes Kind des Olympiers,
Vorlage S. 401 243 Holdselge, send Erlösung!
Vorlage S. 401 244 Dritte Strophe
Vorlage S. 401 245 Des erglühten Ares Gewalt,
Vorlage S. 401 246 Der, unbewehrt von Schildeserz,
Vorlage S. 401 247 Mich brennt, mit schrecklichem Kampfgeschrei verfolgend –
Vorlage S. 401 248 In rückgewandtem Laufe, fern der Vaterstadt,
Vorlage S. 401 249 Hinab zum endlosen Bett
Vorlage S. 401 250 Stürm ihn der Amphitrite
Vorlage S. 401 251 Dort oder zu thrakischen, rauhen
Vorlage S. 401 252 Meerumwogten Buchten.
Vorlage S. 401 253 Denn was die Nacht uns übrigließ,
Vorlage S. 401 254 Nimmt der Tag uns immerdar.
Vorlage S. 401 255 Der glutvoller Blitze Kraft beherrscht, o Vater,
Vorlage S. 401 256 In des Donners Flammen, o Zeus, vertilg ihn!
Vorlage S. 401 257 Dritte Gegenstrophe
Vorlage S. 401 258 Und Fürst Lykeios, von dir
Vorlage S. 402 259 Die Pfeile goldbewundner Wehr,
Vorlage S. 402 260 Die unbewältigten, möcht ich schaun versendet,
Vorlage S. 402 261 Dahergespannte Retter! Und den Fackelstrahl
Vorlage S. 402 262 Artemis', womit freudig sie
Vorlage S. 402 263 Lykische Berg hindurchstürmt!
Vorlage S. 402 264 Auch ruf ich den Goldengekrönten,
Vorlage S. 402 265 Welchen sein das Land nennt,
Vorlage S. 402 266 Weindunkler Bakchos, jauchzender,
Vorlage S. 402 267 Dich, der Mänasscharen Fürst,
Vorlage S. 402 268 Zu nahn ungesäumt in flammender Tanne Lichtbrand
Vorlage S. 402 269 Zu dem ehrentblößtesten Gott der Götter!
Vorlage S. 402 271 Du flehst; und was du flehest, das gewönnest du,
Vorlage S. 402 272 Mein Wort befolgend und des Übels pflegend, selbst
Vorlage S. 402 273 Gar bald: Erquickung und der Not Erleichterung –
Vorlage S. 402 274 Was ich, ein Fremdling diesem Ruf, ankündige,
Vorlage S. 402 275 Und fremd der Untat selber; denn nicht fern gewiss
Vorlage S. 402 276 Mocht ich's erspüren, aller Zeichen ganz entblößt.
Vorlage S. 402 277 So, diesen Bürgern der jüngste Bürger zugezählt,
Vorlage S. 402 278 Verkünd ich deutlich allem Kadmosvolke dies:
Vorlage S. 402 279 Wem euer irgend Kunde ward von Laios,
Vorlage S. 402 280 Labdakos' Erzeugtem, welcher Mann ihn mordete,
Vorlage S. 402 281 Denselben mahn ich, alles dies mir darzutun;
Vorlage S. 402 282 Auch wenn er fürchtet und der Mordbeschuldigung
Vorlage S. 402 283 Entschlüpfen möchte; denn er leidet weiter nichts
Vorlage S. 402 284 Unliebes, sondern ziehet unverletzt hinaus.
Vorlage S. 402 285 Wenn aber jemand fremd in fremdem Lande weiß
Vorlage S. 402 286 Des Mannes Mörder, der verschweig ihn nicht; er nimmt
Vorlage S. 402 287 Von mir den Lohn dann nebst der Dankbarkeit der Stadt.
Vorlage S. 402 288 Doch wenn ihr schweiget und, besorgt für seinen Freund,
Vorlage S. 402 289 Dies wer sich abwälzt oder für sich selber auch,
Vorlage S. 402 290 Was dann geschehn soll, dieses hört nun alle mir.
Vorlage S. 402 291 Den Mann verwehr ich, wer er sei, hier irgendwo
Vorlage S. 402 292 Im Lande, dessen Macht und Thron mir ward vertraut,
Vorlage S. 402 293 Euch aufzunehmen oder anzureden je
Vorlage S. 402 294 Noch je des Götterdienstes noch des Opfermahls
Vorlage S. 402 295 Ihm teilzugeben noch der heilgen Reinigung;
Vorlage S. 403 296 Und stoß ihn jeder aus dem Haus als diesen Greul,
Vorlage S. 403 297 Der jetzt uns heimsucht, wie des Gottes pythisches
Vorlage S. 403 298 Orakel unzweideutig heut uns zeigte nur.
Vorlage S. 403 299 So aber werd ich selber diesem Gotte wie
Vorlage S. 403 300 Dem toten Manne treuer Bundesstreiter sein.
Vorlage S. 403 301 Zugleich verfluch ich jenen Täter, sei er nun
Vorlage S. 403 302 Verborgen einsam oder mit Genossen auch;
Vorlage S. 403 303 Durchs Leben plage schnöde Not den Schnöden hin.
Vorlage S. 403 304 Auch fleh ich, hegt ich selber ihn unwissentlich
Vorlage S. 403 305 An meinem Herd, in meiner Hausgenossenschaft,
Vorlage S. 403 306 Doch leid er alles, was ich nun ihm angeflucht.
Vorlage S. 403 307 Euch aber leg ich alles dieses auf zu tun,
Vorlage S. 403 308 Für mich, o Bürger, für den Gott und dieses Land,
Vorlage S. 403 309 Das so mit Mißwachs Götterzorn daniederquält.
Vorlage S. 403 310 Denn nie, betrieb auch dieses Werk nicht Gottesruf,
Vorlage S. 403 311 Ziemt' ungesühnet solche Tat zu lassen euch,
Vorlage S. 403 312 Nachdem der trefflichste Mann und Fürst daniederfiel,
Vorlage S. 403 313 Nein, nachzuforschen; aber jetzt leg ich es auf,
Vorlage S. 403 314 Des nun die Herrschaft, welche jener erst besaß,
Vorlage S. 403 315 Des jenes Bett ist und derselben Frau Genuß;
Vorlage S. 403 316 Auch wär der Kinder gemengte Saat, woferne sie
Vorlage S. 403 317 Nicht jenem missglückt', ebenfalls emporgeblüht;
Vorlage S. 403 318 So aber stürmte seinem Haupt ein böses Los.
Vorlage S. 403 319 Weshalb ich ihm, als wär er eigner Vater mir,
Vorlage S. 403 320 Mit Kampfe beistehn, unversucht nichts lassen will,
Vorlage S. 403 321 Den auszuspüren, welcher solchen Mord beging
Vorlage S. 403 322 Am labdakidischen Sprossen, an Polydoros' und
Vorlage S. 403 323 Des alten Kadmos und des fernen Agenor Sohn.
Vorlage S. 403 324 Und welcher nicht mir folget, diesem sende nie,
Vorlage S. 403 325 So fleh ich an die Götter, Saat die Erd herauf
Vorlage S. 403 326 Noch seine Gattin Kinder, sondern diese Not
Vorlage S. 403 327 Vertilg ihn schmählich oder noch ergrimmtere.
Vorlage S. 403 328 Euch andern Kadmosbürgern aber, welche mir
Vorlage S. 403 329 In diesem beistimmt, bleibe Dikes hehrer Schutz
Vorlage S. 403 330 Und immer huldreich jeder Gott hinzugesellt.
Vorlage S. 403 331 CHOR(FÜHRER).
Vorlage S. 404 332 Wie dieser Fluch mich bindet, Fürst, so red ich dir.
Vorlage S. 404 333 Ich bin der Mörder weder, noch vermag ich ihn
Vorlage S. 404 334 Zu weisen; aber der die Müh uns aufgelegt,
Vorlage S. 404 335 Apollon, sollt uns sagen, wer die Tat beging.
Vorlage S. 404 337 Du redest Wahrheit; aber Zwang antun dem Gott,
Vorlage S. 404 338 Der nicht von selbst will, das vermag kein Sterblicher.
Vorlage S. 404 340 Ein andres möcht ich sagen, das mir gut bedünkt.
Vorlage S. 404 342 Und wär's ein drittes, nicht versäum, es kundzutun.
Vorlage S. 404 344 Dem Fürsten Phoibos kommt der Fürst Teiresias
Vorlage S. 404 345 Zumeist an Einsicht, mein ich, gleich; bei welchem wir
Vorlage S. 404 346 Nachforschend, König, dies gewiss ergründeten.
Vorlage S. 404 348 Und, nicht ein Träger, hab ich dies auch nicht versäumt.
Vorlage S. 404 349 Zwei Boten sandt auf Kreons ratend Wort bereits
Vorlage S. 404 350 Ich hin, und lange wundert schon sein Weilen mich.
Vorlage S. 404 352 Und andre Sagen sind bedeutungsleer und alt.
Vorlage S. 404 354 Doch welche sind sie? Merken muss ich jedes Wort.
Vorlage S. 404 356 Ermordet, hieß es, sei der Mann von Wanderern.
Vorlage S. 404 358 Ich hört es. Aber wer es sah, wird nicht erblickt.
Vorlage S. 404 360 Doch wenn der Furcht er irgend nur teilhaftig ist,
Vorlage S. 404 361 So trotzt er niemals deinem Fluch, vernimmt er ihn.
Vorlage S. 404 363 Wen nicht die Tat geschrecket, zwingt auch Rede nicht.
Vorlage S. 404 365 Jedoch es naht ihm dort der Prüfer. Denn es kommt
Vorlage S. 404 366 Der gottbeseelte Seher hergeleitet, dem
Vorlage S. 404 367 Allein der Menschen eingepflanzt das Wahre ward.
Vorlage S. 404 368 Teiresias tritt auf, von einem Knaben geführt.
Vorlage S. 404 370 Oh, der, Teiresias, alles schaut, Verkündliches,
Vorlage S. 404 371 Sprachloses, Himmelhohes, Erdgegründetes,
Vorlage S. 404 372 Wiewohl die Stadt du nicht erblickst, erkennst du doch,
Vorlage S. 404 373 In welchem Weh sie kranket, der wir dich allein
Vorlage S. 404 374 Zum Schutze, Fürst, und Retter auserkundeten.
Vorlage S. 404 375 Denn Phoibos, wenn dir unsre Diener nichts gesagt,
Vorlage S. 404 376 Gab Gegenbotschaft unsern Boten: dann allein
Vorlage S. 404 377 Werd einst Erlösung aus der Seuch uns hergesandt,
Vorlage S. 404 378 Wenn erst wir Laios' Mörder wohl erforschten und
Vorlage S. 404 379 Erschlügen oder aus dem Land verjageten.
Vorlage S. 404 380 Drum du, versagend weder heilger Vögel Spruch,
Vorlage S. 404 381 Noch wenn du andren Seherpfad betreten hast,
Vorlage S. 404 382 Lös aus die Stadt und dich zugleich, erlöse mich,
Vorlage S. 405 383 Lös auf des Mordes ganze Blutbesudelung.
Vorlage S. 405 384 In dir ja sind wir; und mit aller Hab und Macht
Vorlage S. 405 385 Zu helfen, jedem ist die schönste Mühe das.
Vorlage S. 405 386 TEIRESIAS.
Vorlage S. 405 387 Weh, weh! Entsetzlich ist das Wissen, wo es nicht
Vorlage S. 405 388 Dem Wisser Heil bringt. Wohl erkannt ich das, jedoch
Vorlage S. 405 389 Mir war es nun entschwunden. Nie erschien ich sonst.
Vorlage S. 405 391 Was ist es? Wie so mutberaubt erscheinest du?
Vorlage S. 405 392 TEIRESIAS.
Vorlage S. 405 393 Heimkehren lass mich! Denn am leichtsten trägest du
Vorlage S. 405 394 Das Dein und ich das Meine, wenn du folgen willst.
Vorlage S. 405 396 Nicht rechtlich sprachst du, weder günstig dieser Stadt,
Vorlage S. 405 397 Der eignen Pflegrin, wenn du ihr dein Wort entziehst.
Vorlage S. 405 398 TEIRESIAS.
Vorlage S. 405 399 Dir selbst ja, seh ich, gehet schon dein Reden nicht
Vorlage S. 405 400 Zum Glücke. Mir auch fürcht ich gleiches Ungemach.
Vorlage S. 405 401 CHOR(FÜHRER).
Vorlage S. 405 402 Nicht, bei den Göttern, hehle, was du weißt, dieweil
Vorlage S. 405 403 Zu deinen Füßen alle wir um Hilfe flehn!
Vorlage S. 405 404 TEIRESIAS.
Vorlage S. 405 405 Denn alle schaut ihr nichts. Jedoch ich spreche dies
Vorlage S. 405 406 Nie aus und hülle nimmermehr dein Übel auf.
Vorlage S. 405 408 Wie? Deine Kenntnis sagst du nicht? und wolltest mich
Vorlage S. 405 409 In diese Not ausstoßen und die Stadt zugleich?
Vorlage S. 405 410 TEIRESIAS.
Vorlage S. 405 411 Nur mich zu kränken meid ich wie dich selbst. Wozu
Vorlage S. 405 412 Dies leere Forschen? Nichts erfährst du doch von mir.
Vorlage S. 405 414 Nicht, aller Schlechten Schlechtster! – denn auch Steinesart
Vorlage S. 405 415 Mag dies in Zorn aufregen – nicht entdeckest du's?
Vorlage S. 405 416 Willst unerweichbar bleiben, unerschütterlich?
Vorlage S. 405 417 TEIRESIAS.
Vorlage S. 405 418 Häuf meiner Art nur Tadel. Deine, welche dir
Vorlage S. 405 419 Beiwohnt, verkennst du, aber mich verleumdest du.
Vorlage S. 405 421 Wer sollte nicht erzürnen, wenn er solches Wort
Vorlage S. 405 422 Vernimmt, womit du schnöde jetzt die Stadt entehrst?
Vorlage S. 405 423 TEIRESIAS.
Vorlage S. 405 424 Selbst wird es kommen, deckt es auch mein Schweigen zu.
Vorlage S. 405 426 So musst du sagen, was es ist, das kommen wird.
Vorlage S. 405 427 TEIRESIAS.
Vorlage S. 405 428 Nichts weiter kann ich sagen. Nun, wofern du willst,
Vorlage S. 405 429 Entbrenn in Jähzorn, sei er auch der wildeste.
Vorlage S. 405 431 Auch will ich nichts verhalten, wie mich Zorn erregt,
Vorlage S. 405 432 Soviel ich sehn kann. Wisse drum, mir scheinest du
Vorlage S. 405 433 Des Werkes Mitaussäer, Täter selbst, sofern
Vorlage S. 405 434 Nicht deine Faust half. Aber wärst du sehend nur,
Vorlage S. 405 435 So wär die Tat auch, spräch ich, ganz die deinige.
Vorlage S. 406 436 TEIRESIAS.
Vorlage S. 406 437 Wahrhaftig? Also den du erst verkündiget,
Vorlage S. 406 438 Bei jenem Ausruf bleibe nun; nicht rede seit
Vorlage S. 406 439 Dem heutgen Tag mehr jene, nicht mich selber an
Vorlage S. 406 440 Als dieser Stadt entheiligende Besudelung.
Vorlage S. 406 442 So dreist und schamlos wälzest solch Geschwätze du
Vorlage S. 406 443 Heraus? Gerettet glaubst du einst hieraus zu sein?
Vorlage S. 406 444 TEIRESIAS.
Vorlage S. 406 445 Ich bin's. Der Wahrheit hohe Kraft ja pflegt ich mir.
Vorlage S. 406 447 Von wem belehrt denn? Nimmer doch von deiner Kunst!
Vorlage S. 406 448 TEIRESIAS.
Vorlage S. 406 449 Von dir. Mit Unlust sagt ich dies, von dir gedrängt.
Vorlage S. 406 451 Was aber? Nochmals sag es, lehr es deutlicher!
Vorlage S. 406 452 TEIRESIAS.
Vorlage S. 406 453 Begriffst du nicht mein Reden, oder prüfst du mich?
Vorlage S. 406 455 Nicht dass ich klar es wüsste. Wieder sag es drum.
Vorlage S. 406 456 TEIRESIAS.
Vorlage S. 406 457 Du seist der Königsmörder, den du suchen willst.
Vorlage S. 406 459 Dir nicht zur Freude sagst du Doppellästerung.
Vorlage S. 406 460 TEIRESIAS.
Vorlage S. 406 461 Und soll ich mehr noch sagen, dir zu neuem Zorn?
Vorlage S. 406 463 Soviel dir einkommt; denn vergeblich redest du's.
Vorlage S. 406 464 TEIRESIAS.
Vorlage S. 406 465 Verborgen, sag ich, lebst du mit den Teuersten
Vorlage S. 406 466 In schnödem Umgang und erkennst den Greuel nicht.
Vorlage S. 406 468 Und glaubst du freudig immerdar dies kundzutun?
Vorlage S. 406 469 TEIRESIAS.
Vorlage S. 406 470 Wenn je der Wahrheit irgend Kraft beiwohnt, gewiss.
Vorlage S. 406 472 Ja; nur in dir nicht, dir allein nur nicht, dieweil
Vorlage S. 406 473 Du blind an Ohren und an Geist und Augen bist.
Vorlage S. 406 474 TEIRESIAS.
Vorlage S. 406 475 Wie jammerwürdig schmähst du nun an mir, womit
Vorlage S. 406 476 Dich selber niemand bald zu schmähn vergessen wird!
Vorlage S. 406 478 Dich heget eine finstre Nacht, dass weder mir
Vorlage S. 406 479 Noch andern, welche schaun das Licht, du schaden magst.
Vorlage S. 406 480 TEIRESIAS.
Vorlage S. 406 481 Auch ist von mir zu fallen nicht dein Los, dieweil
Vorlage S. 406 482 Es vermag Apollon, der die Sühne selbst betreibt.
Vorlage S. 406 484 Hat Kreon, hast du selber solches ausgedacht?
Vorlage S. 406 485 TEIRESIAS.
Vorlage S. 406 486 Nicht Kreon droht dir Leides, nur du selbst allein.
Vorlage S. 406 488 O Königtum, und Güter, und der Künste Kunst,
Vorlage S. 406 489 Die hoch zum allersehnten Ziel mich aufgeführt,
Vorlage S. 406 490 Wie schnöde Missgunst berget ihr verräterisch,
Vorlage S. 406 491 Wenn dieser Herrschaft halben, die mir selbst die Stadt
Vorlage S. 406 492 Als Gabe, nicht gefordert, eingehändiget,
Vorlage S. 406 493 Mir Kreon nun, mein treuer, mein uralter Freund,
Vorlage S. 406 494 Heimtückisch nachstellt, mich hinauszuwerfen strebt
Vorlage S. 407 495 Durch dieses Zaubrers, dieses ränkespinnenden,
Vorlage S. 407 496 Trügerischen Gauklers Dienste, der Gewinn allein
Vorlage S. 407 497 Zu sehn geschickt ist, aber blind in seiner Kunst!
Vorlage S. 407 498 Denn rede doch; wo warest du als Seher echt?
Vorlage S. 407 499 Was, als die Hündin dunklen Sang den Bürgern spann,
Vorlage S. 407 500 Was sprachst du damals ihnen kein Erlöserwort?
Vorlage S. 407 501 Doch war das Rätsel nimmer leicht für jeglichen
Vorlage S. 407 502 Mann aufzudecken, sondern heischte Seherkunst,
Vorlage S. 407 503 Die nicht vom Vogelflug gewonnen, nicht gelernt
Vorlage S. 407 504 Von Göttern du bewiesest; sondern ich erschien,
Vorlage S. 407 505 Kundlos und Fremdling, Ödipus, und schweigte sie,
Vorlage S. 407 506 Im Geist es treffend, nicht belehrt durch Vogelflug,
Vorlage S. 407 507 Den du versuchest auszuwerfen, weil sodann
Vorlage S. 407 508 Du Kreons Herrschersitzen nah zu stehn gedenkst.
Vorlage S. 407 509 Voll Reue, denk ich, sühnest so die Bürger du,
Vorlage S. 407 510 Und der dich anstellt; aber säh dein Alter nicht
Vorlage S. 407 511 Ich an, es lehrten Tränen dein Vermessen dich.
Vorlage S. 407 513 Uns, wenn wir dies erwägen, scheint des Greises Wort,
Vorlage S. 407 514 Nicht minder deins auch, Ödipus, im Zorn gesagt.
Vorlage S. 407 515 Nicht des bedarf es, sondern wie am besten wir
Vorlage S. 407 516 Den Götterspruch ausüben, dies zu suchen nur.
Vorlage S. 407 517 TEIRESIAS.
Vorlage S. 407 518 Wiewohl du herrschest, bleibet doch mir gleiches Recht
Vorlage S. 407 519 Zu gleicher Antwort; dessen hab auch ich Gewalt.
Vorlage S. 407 520 Nicht leb ich dir ein Diener, nein, dem Loxias,
Vorlage S. 407 521 Dass nicht als Vorstand Kreon mich vertreten darf.
Vorlage S. 407 522 Vernimm, dieweil du höhntest auch als Blinden mich:
Vorlage S. 407 523 Auch sehend schaust du deines Jammers Größe nicht,
Vorlage S. 407 524 Noch wo du wohnest noch mit wem dein Leben führst.
Vorlage S. 407 525 Denn weißt du, wer dich zeugte? Nein, unwissend bist
Vorlage S. 407 526 Du Feind den Deinen, unten und hier oben auch.
Vorlage S. 407 527 Und rings verfolgend jaget bald mit schnellem Fuß
Vorlage S. 407 528 Dich aus des Vaters wie der Mutter grimmer Fluch,
Vorlage S. 407 529 Und wie du hell siehst heute, schaust du Nacht sodann.
Vorlage S. 407 530 Ja, welche Bucht ist, welche nicht dein Schrein empfängt,
Vorlage S. 407 531 Wo wird Kithairon nicht erfüllt vom Widerhall,
Vorlage S. 407 532 Sobald du wahrnimmst diesen Bund, wozu du rasch
Vorlage S. 407 533 Einliefst in heimischen Leidensport mit froher Fahrt?
Vorlage S. 408 534 Auch andrer Schrecken volle Schar erkennst du nicht,
Vorlage S. 408 535 Die gleiches Unheil deinen Kindern dräun und dir.
Vorlage S. 408 536 Drum sei geschäftig, Kreons Mund und meinen noch
Vorlage S. 408 537 Herabzureißen. Denn es wird entsetzlicher
Vorlage S. 408 538 Als du der Menschen keiner hingepeiniget.
Vorlage S. 408 540 Wie? Trüg ich je von solchem Mann ein solches Wort?
Vorlage S. 408 541 O Tod und Unheil! Fliehst du nicht? Enteilest nicht,
Vorlage S. 408 542 Von meiner Wohnung ungesäumt zurückgewandt?
Vorlage S. 408 543 TEIRESIAS.
Vorlage S. 408 544 Auch wär ich niemals ohne deinen Ruf genaht.
Vorlage S. 408 546 Nicht schnöden Unsinn meint ich anzuhören: denn
Vorlage S. 408 547 Sonst hätt ich schwerlich dich zu mir herbeigeholt.
Vorlage S. 408 548 TEIRESIAS.
Vorlage S. 408 549 So bin ich nichts denn andres als nach deinem Sinn
Vorlage S. 408 550 Ein Tor, jedoch voll Witzes deinen Erzeugern wohl.
Vorlage S. 408 552 Und welchen? Bleibe! Wer der Menschen zeugte mich?
Vorlage S. 408 553 TEIRESIAS.
Vorlage S. 408 554 Der heutge Tag nur zeuget und vernichtet dich.
Vorlage S. 408 556 Wie unerklärbar rätselhaft du alles sagst!
Vorlage S. 408 557 TEIRESIAS.
Vorlage S. 408 558 Und du verstehst nicht, dies am besten einzusehn?
Vorlage S. 408 560 Verhöhne das nur immer, was mich groß gemacht.
Vorlage S. 408 561 TEIRESIAS.
Vorlage S. 408 562 Ja, eben dieses hohe Glück verderbte dich.
Vorlage S. 408 564 Doch gab ich Rettung dieser Stadt, so sei es so.
Vorlage S. 408 565 TEIRESIAS.
Vorlage S. 408 566 So lass mich abgehn. Knabe, komm, geleite mich.
Vorlage S. 408 568 Er mag dich leiten. Hier verwirrst du diese Not
Vorlage S. 408 569 Nur noch; enteilend bist du nicht uns lästig mehr.
Vorlage S. 408 570 TEIRESIAS.
Vorlage S. 408 571 Weshalb ich kam, das sag ich, gehend, ohne Scheu
Vorlage S. 408 572 Vor deinem Antlitz. Meinen Tod vermagst du nicht.
Vorlage S. 408 573 Derselbe Mann denn, sag ich nun, nach welchem du
Vorlage S. 408 574 Mit strenger Drohung, und den Mord des Laios
Vorlage S. 408 575 Ausrufend, spürest, dieser ist an diesem Ort,
Vorlage S. 408 576 Für eingewandert geltend; doch erscheint er bald
Vorlage S. 408 577 Als ingeborner Theber; aber nicht erfreut
Vorlage S. 408 578 Ihn solche Schickung; denn er geht statt sehend blind,
Vorlage S. 408 579 Statt reich ein Bettler, mit dem Stab ins fremde Land
Vorlage S. 408 580 Die Wege tastend, auf die Elendswanderung,
Vorlage S. 408 581 Erscheint den eignen Kindern auch zu gleicher Zeit
Vorlage S. 408 582 Als Vater selbst und Bruder, seiner Gebärerin
Vorlage S. 408 583 Als Sohn zugleich und Ehgemahl, des Vaters auch
Vorlage S. 408 584 Ehbettgenoß und Mörder. Eile nun hinein,
Vorlage S. 409 585 Dem nachzusinnen; und ertappst du lügend mich,
Vorlage S. 409 586 So sage, gänzlich weiche mir die Seherkunst.
Vorlage S. 409 587 Teiresias ab, Ödipus in den Palast.
Vorlage S. 409 588 Erste Strophe
Vorlage S. 409 590 Wen sagst du an, göttlich beseelter
Vorlage S. 409 591 Felsen Delphis, welcher
Vorlage S. 409 592 Abscheu abscheuvollster Befleckung
Vorlage S. 409 593 Tat mit blutgen Händen?
Vorlage S. 409 594 Mag schneller denn stürmischer Roßwettlauf
Vorlage S. 409 595 In die Flucht den Fuß er kräftig entlenken!
Vorlage S. 409 596 Es verfolgt ja gepanzert im Zornangriff
Vorlage S. 409 597 Der Erzeugete Zeus' ihn mit Flammen und Blitz,
Vorlage S. 409 598 Und fürchterlich folgen
Vorlage S. 409 599 Nimmer vermiedne Keren.
Vorlage S. 409 600 Erste Gegenstrophe
Vorlage S. 409 601 Denn unverhofft strahlt' der beschneite
Vorlage S. 409 602 Gipfelfels Parnassos'
Vorlage S. 409 603 Aufruf hell uns her, dem Verborgnen
Vorlage S. 409 604 Alle nachzuspüren;
Vorlage S. 409 605 Und sicherlich irret im Bergwald um,
Vorlage S. 409 606 In Geklüft und Steinhöhlen, dem Stier gleich,
Vorlage S. 409 607 Des Verstoßnen verstoßener Fuß voll Angst,
Vorlage S. 409 608 Dem Geheiß, das der Nabel der Erd austönt,
Vorlage S. 409 609 Fortschlüpfend, so dennoch
Vorlage S. 409 610 Lebend die Welt herumfleugt.
Vorlage S. 409 611 Zweite Strophe
Vorlage S. 409 612 Schrecklich indes, schrecklich empört mich
Vorlage S. 409 613 Der zuvorschauende Greis, we-
Vorlage S. 409 614 Der gewiss, weder verachtbar.
Vorlage S. 409 615 Es verstummt bebend der Mund.
Vorlage S. 409 616 In der Angst Grauen erblickt nichts
Vorlage S. 409 617 Mir der Blick hier und zuvor.
Vorlage S. 409 618 Dem Geschlecht Labdakos', war je
Vorlage S. 409 619 Diesem der Sohn Polybos' feind?
Vorlage S. 409 620 Solches vernahm weder ich nun
Vorlage S. 410 621 Weder zuvor irgend, woran
Vorlage S. 410 622 Ich anitzt, gleich an dem Prüfsteine, belehrt,
Vorlage S. 410 623 Der erschollnen Verkündung
Vorlage S. 410 624 Zu Gebot, Ödipus rasch
Vorlage S. 410 625 Labdakos' Söhnen bestrafte
Vorlage S. 410 626 Für tiefdunkelen Mord.
Vorlage S. 410 627 Zweite Gegenstrophe
Vorlage S. 410 628 Zwar es beschaun Zeus und Apollon
Vorlage S. 410 629 Das Geschick Sterblicher wahrhaft
Vorlage S. 410 630 Im Gemüt; aber ein Mensch, ob
Vorlage S. 410 631 Er erringt Höhres denn ich
Vorlage S. 410 632 Zu erschaun, keiner beweist das.
Vorlage S. 410 633 Es besiegt Künste mit Kunst
Vorlage S. 410 634 Der Verstand Sterblicher wohl; nie
Vorlage S. 410 635 Wollt ich indes, eh ich das Wort
Vorlage S. 410 636 Treffend erkannt, zeihen den Mann,
Vorlage S. 410 637 Welcher ihm abstimmt. Es ersah
Vorlage S. 410 638 Ja die Stadt hier ihm beschwingt nahen das Weib
Vorlage S. 410 639 Und erkannte die Weisheit,
Vorlage S. 410 640 Der Gefahr tröstliche Wehr.
Vorlage S. 410 641 Drum ihn in meinen Gedanken
Vorlage S. 410 642 Die Schuld nimmer berührt.
Vorlage S. 410 643 Kreon tritt auf.
Vorlage S. 410 645 Ihr Männer, Bürger, hörend, dass mir Ödipus,
Vorlage S. 410 646 Der König, aussprach bittrer Wort Anschuldigung,
Vorlage S. 410 647 Erschein ich ungeduldig. Denn wofern er itzt
Vorlage S. 410 648 In dieser Not argwöhnet, dass Verderbliches
Vorlage S. 410 649 Mit Worten oder Taten ich ihm zugefügt,
Vorlage S. 410 650 Nicht langes Leben wünsch ich sehnsuchtsvoll sodann,
Vorlage S. 410 651 Dergleichen Ruf zu tragen. Denn nicht einerlei
Vorlage S. 410 652 Nachteilge Kränkung bringet mir ein solches Wort,
Vorlage S. 410 653 Nein, allzu große, bin ich schlecht in unsrer Stadt,
Vorlage S. 410 654 Schlecht dir und allen Freunden nun berüchtiget.
Vorlage S. 410 655 CHOR(FÜHRER).
Vorlage S. 411 656 Doch ward gewißlich dieser Schimpf durch Zornes Drang
Vorlage S. 411 657 Vielmehr herausgestoßen als mit Vorbedacht.
Vorlage S. 411 659 Woher erschien denn, dass der Seher, angeführt
Vorlage S. 411 660 Von meinem Anschlag, lügenhaften Spruch gesagt?
Vorlage S. 411 662 So klang es freilich. Doch den Grund erkannt ich nicht.
Vorlage S. 411 664 Und freien Blickes und mit freiem Sinne ward
Vorlage S. 411 665 Herausgesprochen diese Klage wider mich?
Vorlage S. 411 667 Ich weiß es nicht. Der Herrscher Tun beschau ich nicht.
Vorlage S. 411 668 Doch selber kommt er aus dem Haus hervorgeeilt.
Vorlage S. 411 669 Ödipus tritt auf.
Vorlage S. 411 671 Du? Wie erscheinst du wieder? Hast du solche Stirn
Vorlage S. 411 672 Schamloser Frechheit, dass zu meiner Schwelle du
Vorlage S. 411 673 Noch kommst, ertappt als dieses Mannes Mörder nun
Vorlage S. 411 674 Und meiner Herrschaft Räuber ganz unzweifelhaft?
Vorlage S. 411 675 Sprich, bei den Göttern, ob du feige Furcht an mir
Vorlage S. 411 676 Sahst oder Wahnsinn, dass du solche Tat erdacht?
Vorlage S. 411 677 Dass ich es nicht entdeckte, wie verborgen mir
Vorlage S. 411 678 Dein Trug daherschlich, noch es merkend züchtigte?
Vorlage S. 411 679 Ist solch Vermessen nicht ein torheitblindes Werk,
Vorlage S. 411 680 Ohn allen Anhang, ohne Volk das Königtum
Vorlage S. 411 681 Zu jagen, welches Volk und Gold allein erzielt?
Vorlage S. 411 683 Was nun zu tun ist, höre! Jetzt nach deinem Wort
Vorlage S. 411 684 Vernimm das meine; dann, belehrt, entscheide selbst.
Vorlage S. 411 686 In Reden bist du mächtig; doch ich lerne schwer
Vorlage S. 411 687 Von dir, dieweil ich feindlich dich und bös befand.
Vorlage S. 411 Kontextbild zum Werk. Historische Bühnenrezeption von „König Ödipus“ — Werkbezogene Bildquelle; keine belegte Zuordnung zu der hier angezeigten einzelnen Textstelle. · Ernst Stern (1876–1954) · Public domain Bildquelle ↗ 689 Dies eben lass mich sagen, wie sich dies verhält.
Vorlage S. 411 691 Dies eben sprich nie, dass du recht gesinnet seist.
Vorlage S. 411 693 Wofern du meinest, trefflich sei der Eigensinn,
Vorlage S. 411 694 Von aller Weisheit ledig, denkst du sehr verkehrt.
Vorlage S. 411 696 Wofern du meinest, bitter mir Verschwägertem
Vorlage S. 411 697 Ganz ungestraft zu schaden, denkst du nimmer klug.
Vorlage S. 411 699 Mit Recht, gesteh ich, sagst du dies fürwahr; jedoch
Vorlage S. 411 700 Welch Leid von mir du leidest, des belehre mich.
Vorlage S. 411 702 War dein der Anschlag oder nicht der deine, dass
Vorlage S. 411 703 Zum hochgepriesnen Seher auch zu senden sei?
Vorlage S. 411 705 Und noch behaupt ich diesen Rat unwandelbar.
Vorlage S. 411 707 Wie lange Zeit denn ist es nun, dass Laios –
Vorlage S. 412 709 Welch Werk verübte? Was du meinst, errat ich nicht.
Vorlage S. 412 711 Verborgen hinsank unter feindlicher Mordgewalt?
Vorlage S. 412 713 Wohl lang und fernher messen wir seitdem die Zeit.
Vorlage S. 412 715 Und war der Seher seiner Kunst teilhaftig schon?
Vorlage S. 412 717 Von gleicher Weisheit, gleicher Würde wert geschätzt.
Vorlage S. 412 719 Gedacht er meiner aber auch zu jener Zeit?
Vorlage S. 412 721 Wohl nicht. Gewißlich nimmer da, wo ich's vernahm.
Vorlage S. 412 723 Und habt ihr Forschung jener Tat nicht angestellt?
Vorlage S. 412 725 Wohl angestellt. Wie anders? Doch wir hörten nichts.
Vorlage S. 412 727 Wie? Sprach denn damals dieses nicht der Weise schon?
Vorlage S. 412 729 Ich weiß es nicht. Gern schweig ich, wo mir Kunde fehlt.
Vorlage S. 412 731 Das Deine weißt du. Sag es, bist du klug gesinnt.
Vorlage S. 412 733 Und welches? Wenn ich's wüsste, nie verhehlt ich es.
Vorlage S. 412 735 Dass jener, wenn er dich zuvor nicht sah, gewiss
Vorlage S. 412 736 Mir nimmer zusprach jenen Sturz des Laios!
Vorlage S. 412 738 Ob dies er aussagt', weißt du selbst; ich aber darf
Vorlage S. 412 739 Nun auch von dir wohl forschen wie du selbst von mir.
Vorlage S. 412 741 So forsche. Niemals deckst du mich als Mörder auf.
Vorlage S. 412 743 Wohl. Hast du meine Schwester nicht zum Ehgemahl?
Vorlage S. 412 745 Nicht wär zu leugnen, was du jetzt erkundigtest.
Vorlage S. 412 747 Nicht gleiche Macht mit jener, gleichen Landbesitz?
Vorlage S. 412 749 Soviel sie wünschet, alles stets gewähr ich ihr.
Vorlage S. 412 751 Bin euch zu gleichen Ehren ich der Dritte nicht?
Vorlage S. 412 753 Ja, hier erscheinst du eben recht als falscher Freund.
Vorlage S. 412 755 Nicht, gäbst du, mir nur ähnlich, selbst dir Rechenschaft.
Vorlage S. 412 756 Betrachte dies zuvörderst: wähnst du, dass ein Mann
Vorlage S. 412 757 In Angst beständig lieber wünscht zu herrschen als
Vorlage S. 412 758 Sorglose Nachtruh bei der gleichen Macht Besitz?
Vorlage S. 412 759 Drum weder mir ist mehr Begehren eingepflanzt,
Vorlage S. 412 760 Zu sein ein König, als dem König gleichzutun,
Vorlage S. 412 761 Noch welchem irgend echtes Wohl genügen mag.
Vorlage S. 412 762 Denn jetzt erhalt ich alles ohne Furcht von dir.
Vorlage S. 412 763 Doch herrscht ich selber, müsst ich viel Gezwungnes tun.
Vorlage S. 412 764 Wie wäre süßer solche Königswürde denn
Vorlage S. 412 765 Als dieses Ansehns ungetrübtes Herrschertum?
Vorlage S. 412 766 Nicht solcher Irrtum hat mich täuschungsvoll bestrickt,
Vorlage S. 412 767 Mir mehr zu wünschen als das Schön und Nützliche.
Vorlage S. 412 768 Jetzt grüßt mich jeder, jetzt umarmt mich jedermann,
Vorlage S. 413 769 Jetzt, wer von dir begehret, ruft nach mir zuerst,
Vorlage S. 413 770 Weil sein Gelingen allezeit bei mir beruht.
Vorlage S. 413 771 Wie griff ich nun nach jenem wohl und ließe dies?
Vorlage S. 413 772 Verständge Denkart würde so verworfen nie.
Vorlage S. 413 773 Auch mich ergriff nie solcher Sinnesart Gelüst,
Vorlage S. 413 774 Noch selbst mit Beistand andrer wagt ich solche Tat.
Vorlage S. 413 775 Und, dies zu prüfen, erst in Pytho forsche selbst,
Vorlage S. 413 776 Ob jenen Ausspruch ungefälscht ich hergebracht.
Vorlage S. 413 777 Zum andern: triffst du, dass ich pflog geheimen Rat
Vorlage S. 413 778 Mit jenem Zeichendeuter – nicht durch einen Spruch
Vorlage S. 413 779 Verdammt, von zweien sterb ich dann, von mir und dir.
Vorlage S. 413 780 Nach dunkler Meinung zeih indes nicht ferner mich;
Vorlage S. 413 781 Denn immer bleibt unbillig, blind den bösen Mann
Vorlage S. 413 782 Für rechtlich halten oder bös den rechtlichen.
Vorlage S. 413 783 Denn wer den edlen Freund verjagt, stößt, mein ich, aus
Vorlage S. 413 784 Sein eignes Leben, das er mehr als alles liebt.
Vorlage S. 413 785 Doch nach der Zeit erkennst du sicher dies, dieweil
Vorlage S. 413 786 Die Zeit den wackern Mann allein erweisen kann;
Vorlage S. 413 787 Den Schlechten aber kennst du leicht durch einen Tag.
Vorlage S. 413 789 Recht sprach er jedem, welcher sich zu fallen wahrt,
Vorlage S. 413 790 O König; fehllos denkt ja nicht des Schnellen Sinn.
Vorlage S. 413 792 Eilt aber schnell mir sein geheimnisvoller Rat
Vorlage S. 413 793 Heran, so fordert schnellen Gegenrat es auch.
Vorlage S. 413 794 Doch harr ich sorglos lange Zeit, vollendet ist
Vorlage S. 413 795 Dann sein Beginnen, meins vergeblich angestrengt.
Vorlage S. 413 797 Was aber willst du? Soll ich aus dem Lande fliehn?
Vorlage S. 413 799 Mitnichten. Tod ist, nicht Verbannung mein Begehr.
Vorlage S. 413 801 Wenn erst du zeigest, welchen Groll du hegen darfst.
Vorlage S. 413 803 Nicht mir zu folgen noch zu weichen, schwatzest du?
Vorlage S. 413 805 Ich seh ja, weise denkst du nicht.
Vorlage S. 413 807 Doch mir genug.
Vorlage S. 413 809 Auch musst du mir nicht minder.
Vorlage S. 413 811 Du verrietest mich.
Vorlage S. 413 813 Und wenn du gänzlich irrest?
Vorlage S. 413 815 Ich gebiete doch.
Vorlage S. 413 817 Nicht, wenn du schlecht gebietest!
Vorlage S. 414 819 Stadt, o Stadt, vernimm!
Vorlage S. 414 821 Auch mir ist Anteil dieser Stadt, nicht dir allein.
Vorlage S. 414 823 Nun schweiget, Herrscher; denn ich seh willkommen uns
Vorlage S. 414 824 Iokasten dort vom Hause schnell hernahn, mit der
Vorlage S. 414 825 Den neuen Streit ihr ungesäumt vermitteln müsst.
Vorlage S. 414 826 Iokaste tritt auf.
Vorlage S. 414 827 IOKASTE.
Vorlage S. 414 828 Was hobet, sinnverworren, ihr, Unglückliche,
Vorlage S. 414 829 Der Zungen Aufruhr und erregt schamlos, indem
Vorlage S. 414 830 So krankt die Landschaft, eignen Grolls Erbitterung?
Vorlage S. 414 831 Gehst du hinein nicht? Kreon, du nicht eilig heim?
Vorlage S. 414 832 Und hebt zu großem Leide nicht das Nichtige!
Vorlage S. 414 834 Blutschwester, bittre Tat an mir sinnt Ödipus,
Vorlage S. 414 835 Dein Ehegatte, welcher zwei Verderben mir
Vorlage S. 414 836 Nun hat, Verbannung oder Tod, zur Wahl gestellt.
Vorlage S. 414 838 So tat ich, weil ich eben ihn, o Frau, ertappt,
Vorlage S. 414 839 Nachstellend böslich meinem Leib mit böser Kunst.
Vorlage S. 414 841 Nie mehr gedeih ich; nein, verflucht, wofern ich tat,
Vorlage S. 414 842 Wes dieser mich verklagte, mög ich untergehn!
Vorlage S. 414 843 IOKASTE.
Vorlage S. 414 844 O bei den Göttern, Ödipus, gib Glauben ihm,
Vorlage S. 414 845 Zumeist verehrend seines Eides Göttlichkeit,
Vorlage S. 414 846 Dann aber mich auch nebst den hier Versammelten!
Vorlage S. 414 847 Erste Strophe
Vorlage S. 414 849 Befolge gern, selbst bedenkend,
Vorlage S. 414 850 Den Rat, edler Fürst!
Vorlage S. 414 852 Worin zu folgen heischest du?
Vorlage S. 414 854 Nicht, welchen stets keiner höhnt',
Vorlage S. 414 855 Aber nun Schwur erhebt,
Vorlage S. 414 856 Entwürdige!
Vorlage S. 414 858 Bedenkst du alles?
Vorlage S. 414 862 Sprich, was forderst du?
Vorlage S. 414 864 Weichend dem Eide, wirf nimmer mit trübem Grund
Vorlage S. 414 865 In die Beschuldigung verunehrt den Freund!
Vorlage S. 414 867 So wisse wahrlich: wenn du dies begehrest, dann
Vorlage S. 414 868 Begehrst du Tod mir oder Flucht in fernes Land.
Vorlage S. 414 869 Zweite Strophe
Vorlage S. 414 871 Nein, beim Anführer Helios
Vorlage S. 415 872 Der Unsterblichen!
Vorlage S. 415 873 Ohn Götter und Freund' in dem Äußersten mög ich
Vorlage S. 415 874 Dahinstürzen, wenn ich je solches sann!
Vorlage S. 415 875 Doch den schmerzvollen Mut
Vorlage S. 415 876 Quälet hart dahinschwindend
Vorlage S. 415 877 Mein Land, und mehr, wofern
Vorlage S. 415 878 Zum alten Unheil neues ihr dazufügt.
Vorlage S. 415 880 So geh er, sei auch völlig nun mein Tod bestimmt,
Vorlage S. 415 881 Und werd ich ehrlos aus dem Land hinausgestürzt.
Vorlage S. 415 882 Dein Mund bezwang, nicht seiner, mitleidregend mich
Vorlage S. 415 883 Zur Milde; dieser, wo er sei, bleibt stets verhaßt.
Vorlage S. 415 885 Ich seh, erbittert gibst du nach, doch drückt es dich,
Vorlage S. 415 886 Sobald der Zorn weicht; solche Sinnesarten tun
Vorlage S. 415 887 Die schwerste Büßung, ganz gerecht, sich selber an.
Vorlage S. 415 889 Nun lass mich endlich! Gehst du nicht?
Vorlage S. 415 891 Unweigerlich,
Vorlage S. 415 892 Unbillig dir gerichtet, doch vor diesen rein.
Vorlage S. 415 894 Erste Gegenstrophe
Vorlage S. 415 896 Was führst du, Frau, ungesäumt nicht
Vorlage S. 415 897 Den Mann dort hinein?
Vorlage S. 415 898 IOKASTE.
Vorlage S. 415 899 Erkunden will ich, was geschah.
Vorlage S. 415 901 Aus raschem Wort kam Verdacht,
Vorlage S. 415 902 Dunkel nur, aber nagt,
Vorlage S. 415 903 Auch ungerecht.
Vorlage S. 415 904 IOKASTE.
Vorlage S. 415 905 Von beiden Männern?
Vorlage S. 415 907 Freilich!
Vorlage S. 415 908 IOKASTE.
Vorlage S. 415 909 Sprich; wie kam der Zwist?
Vorlage S. 415 911 Wahrlich genug, genug, bei der gemeinen Not,
Vorlage S. 415 912 Bleibet er ruhig, wo er selbst endet, stehn!
Vorlage S. 415 914 Was aber denkst du, zwar ein gutgesinnter Mann,
Vorlage S. 415 915 Wenn so verächtlich mein Gemüt du dämpfen willst?
Vorlage S. 415 916 Zweite Gegenstrophe
Vorlage S. 415 918 Nicht einmal, Fürst, allein beschwur
Vorlage S. 416 919 Ich es; wisse, dass
Vorlage S. 416 920 Ich sinnesberaubt, in verständger Beratung
Vorlage S. 416 921 Des Ratschlags entblößet bin, lass ich dich,
Vorlage S. 416 922 Welcher mein teures Land,
Vorlage S. 416 923 Als es Jammer schwer umtrieb,
Vorlage S. 416 924 In günstgen Wind gelenkt!
Vorlage S. 416 925 Auch jetzo werd uns, wenn du kannst, ein Führer!
Vorlage S. 416 926 IOKASTE.
Vorlage S. 416 927 Nun, bei den Göttern, wolle mich auch lehren, Fürst,
Vorlage S. 416 928 Um welche Tat du so gewaltgen Zorn erregst.
Vorlage S. 416 930 Vernimm es, Frau, ich ehre mehr als diese dich:
Vorlage S. 416 931 Um Kreons Anschlag, den er mir mit Truge sann.
Vorlage S. 416 932 IOKASTE.
Vorlage S. 416 933 Sprich, ob du wahrhaft diesen Zwist verfechten kannst.
Vorlage S. 416 935 Ich sei des Laios Mörder, hat er ausgesagt.
Vorlage S. 416 936 IOKASTE.
Vorlage S. 416 937 Aus eigner Kenntnis oder nur auf fremdes Wort?
Vorlage S. 416 939 Uns sendend her den tückevollen Seher, der
Vorlage S. 416 940 Frech seinen Mund ausschüttet ohne Ziel und Scheu.
Vorlage S. 416 941 IOKASTE.
Vorlage S. 416 942 Aus deinem Sinne schlagend, was du sagen willst,
Vorlage S. 416 943 Hör jetzo mich und lerne, dass nie Sterbliches
Vorlage S. 416 944 Der Seherweisheit irgendwo teilhaftig ward.
Vorlage S. 416 945 Und nahes Zeugnis geb ich dir nur kurz davon.
Vorlage S. 416 946 Laios bekam einst solchen Spruch, nicht, mein ich, zwar
Vorlage S. 416 947 Von Phoibos selber, aber von der Dienerschaft,
Vorlage S. 416 948 Dass einst das Los ihn fasse, durch des Sohnes Hand
Vorlage S. 416 949 Zu sterben, welchen er und ich erzeugeten.
Vorlage S. 416 950 Und jenen, wie die Rede kam, erschlug zuletzt
Vorlage S. 416 951 Auf dreigespaltnem Landesweg die Räuberschar;
Vorlage S. 416 952 Der junge Sprößling aber sah der Tage nicht
Vorlage S. 416 953 Drei, als, die Glieder seiner Füß einfesselnd, er
Vorlage S. 416 954 Durch Sklavenhand ihn tief in ödes Gebirge warf;
Vorlage S. 416 955 Und nicht erfüllt' ihm jenes Ziel Apollon da,
Vorlage S. 416 956 Des Vaters Mord zu üben noch dem Laios
Vorlage S. 416 957 Den Greul, womit ihn dieser Sohn geängstiget.
Vorlage S. 416 958 Dergleichen hat nun Seherruf vorherbestimmt,
Vorlage S. 416 959 Der nimmer drum dich kümmre. Welches Ding der Gott
Vorlage S. 416 960 Nur will herausspähn, selbst enthüllt er solches leicht.
Vorlage S. 416 962 Wie, Frau, erfasst so plötzlich bei der Rede mir
Vorlage S. 417 963 Den Geist Verirrung, welcher Angstaufruhr den Mut?
Vorlage S. 417 964 IOKASTE.
Vorlage S. 417 965 Von welchen Schreckenssorgen sprichst du aufgeregt?
Vorlage S. 417 967 Mich dünkt, du sagtest, dass der König Laios
Vorlage S. 417 968 Auf dreigespaltnem Landesweg daniederfiel.
Vorlage S. 417 969 IOKASTE.
Vorlage S. 417 970 So klang die Nachricht und verscholl noch immer nicht.
Vorlage S. 417 972 Wo aber liegt die Gegend, wo dies Leid geschah?
Vorlage S. 417 973 IOKASTE.
Vorlage S. 417 974 Es heißet Phokis jenes Land. Der Scheideweg
Vorlage S. 417 975 Kommt her von Delphi dort zugleich und Daulia.
Vorlage S. 417 977 Und welcher Zeitlauf rann daher seit jener Tat?
Vorlage S. 417 978 IOKASTE.
Vorlage S. 417 979 Nur kurz bevor du selber dich hervorgetan
Vorlage S. 417 980 Zu unsrer Herrschaft, ward der Stadt es angesagt.
Vorlage S. 417 982 Zeus, welchen Ratschluß hast du nun auf mich gefasst?
Vorlage S. 417 983 IOKASTE.
Vorlage S. 417 984 Wie geht dir solches, Ödipus, dem Mute nah?
Vorlage S. 417 986 Nicht frage dieses. Aber sprich, wie Laios
Vorlage S. 417 987 Gestaltet damals war zu sehn, wie hoch bejahrt.
Vorlage S. 417 988 IOKASTE.
Vorlage S. 417 989 Groß war er, weißlich eben ihm umblüht das Haupt;
Vorlage S. 417 990 Von deinem Ansehn war er nicht gar weit entfernt.
Vorlage S. 417 992 O Schrecken, weh! So hab ich heut in schweren Fluch,
Vorlage S. 417 993 Vielleicht im Irrtum, selber mich hinabgestürzt?!
Vorlage S. 417 994 IOKASTE.
Vorlage S. 417 995 Wie dieses? Zagend schau ich, Fürst, dein Angesicht.
Vorlage S. 417 997 Ich wanke schrecklich, ob der Greis nicht sehend sei.
Vorlage S. 417 998 Und klar erscheint es, wenn du eins noch sagen wirst.
Vorlage S. 417 999 IOKASTE.
Vorlage S. 417 1000 Zwar Graun erfasst mich, doch verkünd ich, was du fragst.
Vorlage S. 417 1001 ÖDIPUS.
Vorlage S. 417 1002 Entzog er schwach umgeben, oder folget' ihm
Vorlage S. 417 1003 Zahlreiche Kriegsschar, wie dem Heergebieter ziemt?
Vorlage S. 417 1004 IOKASTE.
Vorlage S. 417 1005 Sie waren fünf zusammen, und darunter ein
Vorlage S. 417 1006 Herold; den König aber trug ein Wagen nur.
Vorlage S. 417 1007 ÖDIPUS.
Vorlage S. 417 1008 Weh, weh! Es zeiget sich alles klar! Wer aber war's,
Vorlage S. 417 1009 Der solche Botschaft, Frau, davon hierhergebracht?
Vorlage S. 417 1010 IOKASTE.
Vorlage S. 417 1011 Ein Diener, welcher ganz allein entronnen kam.
Vorlage S. 417 1012 ÖDIPUS.
Vorlage S. 417 1013 Und wär in unserm Hause jetzt derselbe noch?
Vorlage S. 417 1014 IOKASTE.
Vorlage S. 417 1015 Nicht mehr. Sobald er, rückgekehrt, die Herrschermacht
Vorlage S. 417 1016 In deiner Hand sah und vernichtet Laios,
Vorlage S. 417 1017 So fleht' er, eifrig mir die Hand ergreifend, ihn
Vorlage S. 417 1018 Aufs Land zu senden nach der Herden Weiden hin,
Vorlage S. 417 1019 So weit wie möglich aus der Stadt Gesicht entfernt.
Vorlage S. 417 1020 Und ich entsandt ihn. Denn er war ein Diener, der
Vorlage S. 418 1021 Wohl solcher Wohltat, ja der beßren würdig war.
Vorlage S. 418 1022 ÖDIPUS.
Vorlage S. 418 1023 Wie käme dieser eilig wohl uns nun zurück?
Vorlage S. 418 1024 IOKASTE.
Vorlage S. 418 1025 Wohl mag er; aber wessenhalb begehrst du ihn?
Vorlage S. 418 1026 ÖDIPUS.
Vorlage S. 418 1027 O Frau, ich fürchte, viel zuviel sei jetzo mir
Vorlage S. 418 1028 Gesagt, warum ich jenen Mann will selber sehn.
Vorlage S. 418 1029 IOKASTE.
Vorlage S. 418 1030 So mag er kommen. Doch geziemt auch mir, o Fürst,
Vorlage S. 418 1031 Dies mitzuwissen, welches dich so schwer bedrückt.
Vorlage S. 418 1032 ÖDIPUS.
Vorlage S. 418 1033 Nicht mangle dessen, weil ich ahnungsvoll genaht
Vorlage S. 418 1034 So großem Ausschlag. Wem vertraut ich besser auch
Vorlage S. 418 1035 Als dir, wohin mich mein Geschick getrieben hat?
Vorlage S. 418 1036 Mir war Erzeuger Polybos, der Korintherfürst,
Vorlage S. 418 1037 Merope, die Dorerin, Mutter; und gehalten ward
Vorlage S. 418 1038 Ich stets der höchste Bürger dort, bevor mich traf
Vorlage S. 418 1039 Ein solcher Unfall, der verwundrungswürdig wohl,
Vorlage S. 418 1040 Doch meines Eifers sicher so nicht würdig war.
Vorlage S. 418 1041 Ein Mann, am Festmahl überfüllt von Trunkenheit,
Vorlage S. 418 1042 Rief aus, dem Vater sei ich nicht ein echter Sohn.
Vorlage S. 418 1043 Ich aber, schwer betroffen, mochte jenen Tag
Vorlage S. 418 1044 Es kaum ertragen; doch am nächsten fordert ich
Vorlage S. 418 1045 Auskunft von beiden Eltern; aber aufgebracht
Vorlage S. 418 1046 Erzürnten die dem Schmäher, dem die Red entfiel.
Vorlage S. 418 1047 Und solches war mir zwar erfreuenswert, jedoch
Vorlage S. 418 1048 Nagt' immer dieses; denn es drang zu mächtig ein.
Vorlage S. 418 1049 Drum, beiden Eltern unbemerkt, entwandert ich
Vorlage S. 418 1050 Nach Pytho. Dort entsandte meiner Frage zwar
Vorlage S. 418 1051 Mich ungewürdigt Phoibos, aber andres Leid,
Vorlage S. 418 1052 Graunvolles, unglückselges, hat er aufgedeckt:
Vorlage S. 418 1053 Beiwohnen sollt ich meiner Mutter, zeigen so
Vorlage S. 418 1054 Den Menschen abscheuwerter Art Nachkommenschaft,
Vorlage S. 418 1055 Und meines eignen Vaters Leib ermorden einst.
Vorlage S. 418 1056 Und dies vernommen, floh ich fort unzögerlich,
Vorlage S. 418 1057 Nur nach Gestirnen künftig mein Korintherland
Vorlage S. 418 1058 Ausspähend, niemals solchen unglückselgen Schimpf
Vorlage S. 418 1059 Erfüllt zu schauen dieser Vorverkündigung.
Vorlage S. 418 1060 Und so entwandernd, kam ich einst an jenen Ort,
Vorlage S. 418 1061 Wo jenes Fürsten Todessturz du angesagt.
Vorlage S. 418 1062 Und reine Wahrheit sag ich dir, o Frau: indem
Vorlage S. 419 1063 Ich jenem Kreuzweg reisend zugekommen war,
Vorlage S. 419 1064 Erschien ein Herold und ein Mann, wie eben du
Vorlage S. 419 1065 Erzählst, in solchem Roßgeschirr, gerade mir
Vorlage S. 419 1066 Entgegenkommend; und der Rosselenker trieb,
Vorlage S. 419 1067 Zusamt dem Alten, ungestüm vom Wege mich.
Vorlage S. 419 1068 Drauf jenen Wagenführer, der mich drängte, schlug
Vorlage S. 419 1069 Ich rasch im Jähzorn. Doch der Greis, sobald er mich
Vorlage S. 419 1070 Zum Wagen sieht anschreiten, zielt scharf her und trifft
Vorlage S. 419 1071 Mit dopplem Stachelstabe gleich den Scheitel mir.
Vorlage S. 419 1072 Und nicht mit gleichem büßt' er; sondern ungesäumt
Vorlage S. 419 1073 Vom Stab gerührt aus diesen Händen, ward er schnell
Vorlage S. 419 1074 Aus seinem Fuhrsitz hinter sich hinabgewälzt;
Vorlage S. 419 1075 Und dann erschlag ich alle. Wenn mit Laios
Vorlage S. 419 1076 Nun je Gemeinschaft diesem Unbekannten war,
Vorlage S. 419 1077 Wer aller Menschen wäre fluchbeladener,
Vorlage S. 419 1078 Mehr gottverabscheut wer sodann als dieser hier,
Vorlage S. 419 1079 Den nicht ein Gastfreund ferner, nicht ein Bürger mehr
Vorlage S. 419 1080 In seine Wohnung nehmen, nicht anreden darf,
Vorlage S. 419 1081 Nein, alle von sich stoßen? Und kein anderer,
Vorlage S. 419 1082 Nur ich belegte selber mich mit solchem Fluch.
Vorlage S. 419 1083 Des Toten Ehbett aber wird in meinem Arm,
Vorlage S. 419 1084 Der jenen schlug, besudelt. Bin ich schnöde nicht?
Vorlage S. 419 1085 Nicht ganz und gar unheilig, wenn ich flüchten muss
Vorlage S. 419 1086 Und flüchtig, unstet nimmer darf den Meinen nahn
Vorlage S. 419 1087 Noch wiederschaun mein Vaterland; sonst drohet mir
Vorlage S. 419 1088 Der Mutter Ehbund, sonst ermord ich Polybos,
Vorlage S. 419 1089 Den Verehrten, der mich zeuget' und mich auferzog?
Vorlage S. 419 1090 Wer wildem Schicksalsgrimme nun das alles mir
Vorlage S. 419 1091 Zuschriebe, dächte dieser nicht untadelhaft?
Vorlage S. 419 1092 Niemalen, niemals, aller Götter heilge Macht!
Vorlage S. 419 1093 Erblick ich solchen Schreckenstag. Eh mög ich aus
Vorlage S. 419 1094 Der Menschen Anblick schwinden, eh ich schauen muss,
Vorlage S. 419 1095 Dass wahr heraneilt solchen Wehs Besudelung!
Vorlage S. 419 1097 Wir zwar, o Herrscher, zagen sehr; bevor jedoch
Vorlage S. 419 1098 Du hier den Hirten ausgeforscht, verzweifle nicht.
Vorlage S. 419 1099 ÖDIPUS.
Vorlage S. 420 1100 An dieser Hoffnung halt ich auch mich ganz allein;
Vorlage S. 420 1101 Den herberufnen Hirten nur erwart ich noch.
Vorlage S. 420 1102 IOKASTE.
Vorlage S. 420 1103 Und wenn er ankommt, welchen Mut gewähret er?
Vorlage S. 420 1104 ÖDIPUS.
Vorlage S. 420 1105 Dies will ich sagen. Findet gleich sein Reden sich
Vorlage S. 420 1106 Mit dir, so mag ich dieser Schreckensnot entgehn.
Vorlage S. 420 1107 IOKASTE.
Vorlage S. 420 1108 Und was vernahmst du nun von mir so Mächtiges?
Vorlage S. 420 1109 ÖDIPUS.
Vorlage S. 420 1110 Gemeldet, sagst du, hab er, dass den König dort
Vorlage S. 420 1111 Erschlug ein Raubgesindel. Wenn er jetzt noch
Vorlage S. 420 1112 Von solcher Anzahl redet, dann war ich es nicht;
Vorlage S. 420 1113 Denn nimmer wird ja vielen einer gleich gezählt.
Vorlage S. 420 1114 Doch wenn er einen einzgen Mann ansagt, sodann
Vorlage S. 420 1115 Fällt diese Mordtat offenbar auf mich herab.
Vorlage S. 420 1116 IOKASTE.
Vorlage S. 420 1117 Nun, dass die Rede so erschien, sei ganz gewiss,
Vorlage S. 420 1118 Und nicht verwerfen darf er dies veränderlich.
Vorlage S. 420 1119 Denn alle Bürger hörten's an, nicht ich allein.
Vorlage S. 420 1120 Doch spricht er abgewendet auch um weniges,
Vorlage S. 420 1121 Deshalb, o König, sagt er nicht des Laios
Vorlage S. 420 1122 Tod recht genau zutreffend, wie es Loxias
Vorlage S. 420 1123 Kundmachte: sterben müß er einst durch meinen Sohn.
Vorlage S. 420 1124 Nun aber konnt ihn jener Unglückselige
Vorlage S. 420 1125 Nie morden, sondern kam zuvor ja selber um;
Vorlage S. 420 1126 Dass weder hierher künftig Schicksalskunde mir
Vorlage S. 420 1127 Noch wieder dorthin meinen Blick abwenden mag.
Vorlage S. 420 1128 ÖDIPUS.
Vorlage S. 420 1129 Du redest weislich. Aber doch den Bauer nun
Vorlage S. 420 1130 Send aus daherzurufen; dies versäume nicht.
Vorlage S. 420 1131 IOKASTE.
Vorlage S. 420 1132 Ich sende schleunig. Aber komm ins Haus hinein!
Vorlage S. 420 1133 Denn nimmer etwas tu ich, das nicht dir geliebt.
Vorlage S. 420 1134 Beide ab.
Vorlage S. 420 1135 Erste Strophe
Vorlage S. 420 1137 Mich leite solch Los beständig,
Vorlage S. 420 1138 Reiner Wort hochheilge Scheu zu halten stets
Vorlage S. 420 1139 Und aller Handlung – der Gesetze vorstehn,
Vorlage S. 420 1140 Schreitend in Lufthöhn, in des Äthers
Vorlage S. 420 1141 Himmlischem Bezirk nur erzeugt vom Vater
Vorlage S. 420 1142 Olympos' allein, die nicht Menschen
Vorlage S. 420 1143 In Vergänglichkeit gebaren, weder
Vorlage S. 420 1144 Schläfert sie jemalen die Zukunft ein:
Vorlage S. 420 1145 Es erfüllt Gott kräftig sie,
Vorlage S. 421 1146 Nimmerdar alternd.
Vorlage S. 421 1147 Erste Gegenstrophe
Vorlage S. 421 1148 Hochmut gebiert frechen Herrscher.
Vorlage S. 421 1149 Ward von hochmutblinder Tat er überfüllt,
Vorlage S. 421 1150 Von ungehörig nimmerdar beglückter,
Vorlage S. 421 1151 Steilester Höhn drohenden Hang dann
Vorlage S. 421 1152 Steiget er empor und entstürzt in Elend,
Vorlage S. 421 1153 Wo nimmer des Fußes Tritt aushilft.
Vorlage S. 421 1154 Den Erretterkampf der Stadt jedoch nun
Vorlage S. 421 1155 Trümmere niemals mir die Gottheit hin!
Vorlage S. 421 1156 Es verlaß niemals mich
Vorlage S. 421 1157 Göttlich Obwalten!
Vorlage S. 421 1158 Zweite Strophe
Vorlage S. 421 1159 Aber welcher mit frechen Händen
Vorlage S. 421 1160 Oder Worten übertritt,
Vorlage S. 421 1161 Nicht Dike befürchtend, weder
Vorlage S. 421 1162 Göttersitz in Ehren hält,
Vorlage S. 421 1163 Schreckvolles Verderben treff ihn
Vorlage S. 421 1164 Für verruchte Lüsternheit.
Vorlage S. 421 1165 Wofern er unrecht Truggewinn gewinnet
Vorlage S. 421 1166 Und nicht das Abscheuvolle flieht,
Vorlage S. 421 1167 Was unverletzlich aber, frech betastet –
Vorlage S. 421 1168 Der Menschen wer mag sodann
Vorlage S. 421 1169 Abwehren seinem Mut
Vorlage S. 421 1170 Der Seele Zornpfeil? Denn wofern
Vorlage S. 421 1171 Dergleichen Handlung ehrenwert,
Vorlage S. 421 1172 Was feir ich Gesänge?
Vorlage S. 421 1173 Zweite Gegenstrophe
Vorlage S. 421 1174 Nimmermehr zu dem unberührten
Vorlage S. 421 1175 Erdennabel wall ich fromm,
Vorlage S. 421 1176 Nie mehr zum Abaiertempel,
Vorlage S. 421 1177 Nimmer nach Olympia,
Vorlage S. 421 1178 Wenn solches sich augenscheinlich
Vorlage S. 421 1179 Nicht dem Menschenstamm enthüllt.
Vorlage S. 422 1180 Doch dir, Gewaltger, wenn man recht dich anruft:
Vorlage S. 422 1181 Allherrscher Zeus! sei's nicht bedeckt
Vorlage S. 422 1182 Noch deiner stets endlosen, heilgen Herrschaft!
Vorlage S. 422 1183 Denn schwindend wird Laios'
Vorlage S. 422 1184 Uraltes Götterwort
Vorlage S. 422 1185 Hinweggeworfen; nimmer strahlt
Vorlage S. 422 1186 Nunmehr Apollons Ehrenglanz;
Vorlage S. 422 1187 Hinsinket die Gottheit!
Vorlage S. 422 1188 Iokaste tritt auf.
Vorlage S. 422 1189 IOKASTE.
Vorlage S. 422 1190 Des Landes Herrscher, meinem Sinn gemutete
Vorlage S. 422 1191 Zu Göttertempeln hinzugehn, in meiner Hand
Vorlage S. 422 1192 Hier Kränz und Gaben dieser Opferspezerein.
Vorlage S. 422 1193 Zu hoch ja treibet Ödipus den Mut empor
Vorlage S. 422 1194 Mit tausendfältgen Sorgen und ermisset nicht,
Vorlage S. 422 1195 Wie sonst, verständig Neues nach Vergangenem.
Vorlage S. 422 1196 Bloß steht er jeder Rede, wenn sie Schrecken bringt.
Vorlage S. 422 1197 Weil guter Zuspruch also nichts mir fruchten will,
Vorlage S. 422 1198 So bring ich, Fürst Lykeios, dir, dem nächsten Gott,
Vorlage S. 422 1199 Erbarmenflehend diese Weihverehrungen,
Vorlage S. 422 1200 Auf dass du heilig lösest dies verworrne Leid,
Vorlage S. 422 1201 Weil alle zagen, durch Besinnungslosigkeit
Vorlage S. 422 1202 Gelähmt erblickend unsres Schiffes Steuermann.
Vorlage S. 422 1203 Ein Bote tritt auf.
Vorlage S. 422 1205 Erführ ich etwa, Freunde, wohl, von euch belehrt,
Vorlage S. 422 1206 Wo hier die Wohnung eures Königs Ödipus?
Vorlage S. 422 1207 Doch lieber, wenn ihr könntet, weist ihn selber nach.
Vorlage S. 422 1209 Sein Dach ist dieses; selbst, o Fremdling, er darin,
Vorlage S. 422 1210 Und seiner Kinder Mutter ist hier diese Frau.
Vorlage S. 422 1212 Beglücket sei sie und Beglückten immerdar
Vorlage S. 422 1213 Gesellet, ist sie jenes Manns vollkommnes Weib.
Vorlage S. 422 1214 IOKASTE.
Vorlage S. 422 1215 Nicht minder, Freund, du selber; würdig bist du des
Vorlage S. 422 1216 Des guten Zuspruchs wegen. Doch enthülle, was
Vorlage S. 422 1217 Du kommst begehrend oder was verkündigend.
Vorlage S. 422 1219 Glückreiche Botschaft deinem Haus und Gatten, Frau.
Vorlage S. 423 1220 IOKASTE.
Vorlage S. 423 1221 Wie lautet diese? Wer der Menschen sandte dich?
Vorlage S. 423 1223 Das Land Korinthos. Freuen wird dich sicher, was
Vorlage S. 423 1224 Ich melden will – wie anders? –, doch betrüben auch.
Vorlage S. 423 1225 IOKASTE.
Vorlage S. 423 1226 Was ist es? Welche Doppelkraft besitzt es denn?
Vorlage S. 423 1228 Zum König will ihn jenes Volk des isthmischen
Vorlage S. 423 1229 Gebietes nun einsetzen. Dort erscholl es so.
Vorlage S. 423 1230 IOKASTE.
Vorlage S. 423 1231 Wie? Führet nicht der greise Polybos mehr die Macht?
Vorlage S. 423 1233 Wohl nicht, dieweil ihn fest im Grabe der Tod verschließt.
Vorlage S. 423 1234 IOKASTE.
Vorlage S. 423 1235 Wie sagst du? Polybos starb dahin?
Vorlage S. 423 1237 Wofern ich nicht
Vorlage S. 423 1238 Wahrhaftig dies verkünde, sei ich todeswert.
Vorlage S. 423 1239 IOKASTE.
Vorlage S. 423 1240 Oh, gehst du, Mädchen, eilig nicht hinein, dem Herrn
Vorlage S. 423 1241 Dies anzumelden? – Hohe Göttersprüche, wo
Vorlage S. 423 1242 Seid ihr? Es floh ja diesen bebend Ödipus,
Vorlage S. 423 1243 Ihn nicht zu töten, lange Zeit; und jetzo fiel
Vorlage S. 423 1244 Durch eignes Schicksal jener, nicht von seiner Hand.
Vorlage S. 423 1245 Ödipus tritt auf.
Vorlage S. 423 1246 ÖDIPUS.
Vorlage S. 423 1247 O meiner liebsten Gattin, sprich, Iokastes Haupt,
Vorlage S. 423 1248 Was hast du schnell mich aus dem Haus herbeigeholt?
Vorlage S. 423 1249 IOKASTE.
Vorlage S. 423 1250 Von diesem Mann dort höre; dann betrachte selbst,
Vorlage S. 423 1251 Wo bleibt der Gottheit hehre Vorverkündigung.
Vorlage S. 423 1252 ÖDIPUS.
Vorlage S. 423 1253 Wer aber ist denn dieser? Was verkündet er?
Vorlage S. 423 1254 IOKASTE.
Vorlage S. 423 1255 Ihn schickt Korinthos, meldend, dass dein Vater dort,
Vorlage S. 423 1256 Polybos, dahin ist, durch den Tod hinweggerafft.
Vorlage S. 423 1257 ÖDIPUS.
Vorlage S. 423 1258 Wie sagst du, Fremdling? Künde selbst mir dieses an.
Vorlage S. 423 1260 Wofern ich deutlich dieses erst anmelden soll,
Vorlage S. 423 1261 So wisse: jener schritt den letzten Todesgang.
Vorlage S. 423 1262 ÖDIPUS.
Vorlage S. 423 1263 Und wie? Von Arglist oder Krankheitslos getilgt?
Vorlage S. 423 1265 Ein kleiner Anstoß schläfert ein den alten Leib.
Vorlage S. 423 1266 ÖDIPUS.
Vorlage S. 423 1267 So scheint es, Krankheit nahm den armen Greis dahin.
Vorlage S. 423 1269 Nachdem er langer Zeiten Maß doch angefüllt.
Vorlage S. 423 1270 ÖDIPUS.
Vorlage S. 423 1271 Weh, weh! Wozu denn, Gattin, dient Erkundigung
Vorlage S. 423 1272 Bei Pythos Seherherde, bei dem Vogelschwarm,
Vorlage S. 423 1273 Der hoch dahertönt, deren Weisheitsrat gedroht,
Vorlage S. 423 1274 Den Vater sollt ich morden einst, der nun verhüllt
Vorlage S. 423 1275 Von tiefem Erdreich liegt? Und ich war ruhig hier,
Vorlage S. 423 1276 Kein Schwert berührend; hat ihn nicht nach mir verzehrt
Vorlage S. 424 1277 Sein Sehnen, freilich fand er dann durch mich den Tod.
Vorlage S. 424 1278 Doch jede mir erschollne Gottverkündigung
Vorlage S. 424 1279 Folgt' hin zum Hades jenem Greis, nichtswert und leer.
Vorlage S. 424 1280 IOKASTE.
Vorlage S. 424 1281 Und hab ich dieses lange nicht vorhergesagt?
Vorlage S. 424 1282 ÖDIPUS.
Vorlage S. 424 1283 Ich weiß es. Mich nur hatte Furcht zu sehr verführt.
Vorlage S. 424 1284 IOKASTE.
Vorlage S. 424 1285 Wirf also künftig solches nicht in deinen Mut.
Vorlage S. 424 1286 ÖDIPUS.
Vorlage S. 424 1287 Und muss ich dennoch nicht das Bett der Mutter scheun?
Vorlage S. 424 1288 IOKASTE.
Vorlage S. 424 1289 Was soll der Mensch denn fürchten, dem nur blindes Los
Vorlage S. 424 1290 Obherrscht und Vorschau nimmer hell gegeben ist?
Vorlage S. 424 1291 Am besten lebst du, wie du kannst, sorglos dahin.
Vorlage S. 424 1292 Drum fürchte nicht mehr deiner Mutter Ehebett.
Vorlage S. 424 1293 Mit ihren Müttern schliefen viel der Menschen ja
Vorlage S. 424 1294 Bereits in Täuschungsträumen; doch wer solcherlei
Vorlage S. 424 1295 Für nichts beachtet, trägt allein das Leben leicht.
Vorlage S. 424 1296 ÖDIPUS.
Vorlage S. 424 1297 Gut wäre freilich alles dies, o Frau, gesagt,
Vorlage S. 424 1298 Wenn nicht die Mutter lebte. Da sie lebet, muss
Vorlage S. 424 1299 Ich, sprachst du noch so richtig, doch notwendig fliehn.
Vorlage S. 424 1300 IOKASTE.
Vorlage S. 424 1301 Wohl ist ein helles Auge dir des Vaters Grab.
Vorlage S. 424 1302 ÖDIPUS.
Vorlage S. 424 1303 Ein helles wahrlich. Doch es schreckt die Lebende.
Vorlage S. 424 1305 Von welcher Frau denn fürchtet ihr so Schreckliches?
Vorlage S. 424 1306 ÖDIPUS.
Vorlage S. 424 1307 O Greis, von Merope, die des Polybos Gattin war.
Vorlage S. 424 1309 Was aber bringt euch solche Furcht herbei von ihr?
Vorlage S. 424 1310 ÖDIPUS.
Vorlage S. 424 1311 Ein gottgesandter grauser Schicksalsspruch, o Freund.
Vorlage S. 424 1313 Geheimer? Oder ständ er mir zu wissen frei?
Vorlage S. 424 1314 ÖDIPUS.
Vorlage S. 424 1315 Vollkommen. Einstmals sagte dies mir Loxias:
Vorlage S. 424 1316 Der Mutter Ehbett müß ich noch besteigen und
Vorlage S. 424 1317 Ausgießen meines Vaters Blut mit meiner Hand,
Vorlage S. 424 1318 Weshalb ich aus Korinthos lange Zeit bereits
Vorlage S. 424 1319 In fernes Land ging; zwar beglückt, doch bleibet stets
Vorlage S. 424 1320 Kein süßrer Anblick, als der Eltern Auge schaun.
Vorlage S. 424 1322 Und, dieses scheuend, bist du dort hinweggeflohn?
Vorlage S. 424 1323 ÖDIPUS.
Vorlage S. 424 1324 Um je des Vaters Mörder nicht zu werden, Greis.
Vorlage S. 424 1326 Und brachte solchem Zagen ich, o Herrscher, denn,
Vorlage S. 424 1327 In treuer Absicht kommend, nicht Beruhigung?
Vorlage S. 424 1328 ÖDIPUS.
Vorlage S. 424 1329 Auch sollst du wahrlich würdgen Lohn empfahn dafür.
Vorlage S. 424 1331 Auch kam ich drum vorzüglich, dass du, rückgekehrt
Vorlage S. 425 1332 Zu deiner Heimat, Gutes mir gewähretest.
Vorlage S. 425 1333 ÖDIPUS.
Vorlage S. 425 1334 Doch nicht betret ich meiner Eltern Aufenthalt.
Vorlage S. 425 1336 Sohn, deutlich zeigst du deines Tuns unwissend dich.
Vorlage S. 425 1337 ÖDIPUS.
Vorlage S. 425 1338 Wie dieses, Alter? Bei den Göttern, sag es mir!
Vorlage S. 425 1340 Wofern die Heimat ihrethalb du meiden willst.
Vorlage S. 425 1341 ÖDIPUS.
Vorlage S. 425 1342 Ich bebe, wahrhaft geh' Apollons Wort hinaus.
Vorlage S. 425 1344 Dass deiner Eltern Greuel noch dich treffen wird?
Vorlage S. 425 1345 ÖDIPUS.
Vorlage S. 425 1346 Dies eben, Alter, dieses schreckt mich immerdar.
Vorlage S. 425 1348 Nun, weißt du endlich, dass du nie mit Recht gebebt?
Vorlage S. 425 1349 ÖDIPUS.
Vorlage S. 425 1350 Wieso, wofern ich meiner Eltern Sohn entsproß?
Vorlage S. 425 1352 Weil nimmer Polybos deinem Blut verbunden war.
Vorlage S. 425 1353 ÖDIPUS.
Vorlage S. 425 1354 Wie sagst du? Polybos hätte denn mich nicht erzeugt?
Vorlage S. 425 1356 Wahrhaftig gleich mir selber, doch mitnichten mehr.
Vorlage S. 425 1357 ÖDIPUS.
Vorlage S. 425 1358 Nicht mehr der Vater als der unbekannte Mann?
Vorlage S. 425 1360 Ja; denn es zeugte weder der noch jener dich.
Vorlage S. 425 1361 ÖDIPUS.
Vorlage S. 425 1362 Weswegen aber hat er stets mich Sohn genannt?
Vorlage S. 425 1364 Dieweil er, wisse, dich von mir als Gabe nahm.
Vorlage S. 425 1365 ÖDIPUS.
Vorlage S. 425 1366 Von fremder Hand denn hat er mich so sehr geliebt?
Vorlage S. 425 1368 Ihn trieb zu solchem lange Kinderlosigkeit.
Vorlage S. 425 1369 ÖDIPUS.
Vorlage S. 425 1370 Und warest du mein Käufer oder Erzeuger selbst?
Vorlage S. 425 1372 Ich fand dich einst in Kithairons tiefer Waldesschlucht.
Vorlage S. 425 1373 ÖDIPUS.
Vorlage S. 425 Kontextbild zum Werk. Historische Darstellung von Sophokles — Spätere künstlerische Darstellung; kein gesichertes Bildnis aus dem Leben. · Zde · CC BY-SA 4.0 Bildquelle ↗ 1374 Weswegen kamst du wandernd denn an jenen Ort?
Vorlage S. 425 1376 Daselbst des Bergwalds Herden war ich vorgesetzt.
Vorlage S. 425 1377 ÖDIPUS.
Vorlage S. 425 1378 Ein Hirte warst du, welcher arm umschweifend dient'?
Vorlage S. 425 1380 Dein Retter dennoch war ich, Sohn, zu jener Zeit.
Vorlage S. 425 1381 ÖDIPUS.
Vorlage S. 425 1382 Von welchen Übeln trafst du denn mich dort bedrängt?
Vorlage S. 425 1384 Die Fußgelenke mögen des dir Zeugen sein.
Vorlage S. 425 1385 ÖDIPUS.
Vorlage S. 425 1386 Weh! Was erwähnst du jetzo mir das alte Leid?
Vorlage S. 425 1388 Der Füße ganz durchbohrte Fersen löst ich dir.
Vorlage S. 425 1389 ÖDIPUS.
Vorlage S. 425 1390 Schmachvoll Erkennungszeichen ward mir beigetan!
Vorlage S. 425 1392 So dass der Unfall dir annoch den Namen gibt.
Vorlage S. 425 1393 ÖDIPUS.
Vorlage S. 425 1394 Vom Vater oder der Mutter? Bei den Göttern, sprich!
Vorlage S. 425 1396 Ich weiß es nicht. Mehr wüßt es, wer dich reichte mir.
Vorlage S. 425 1397 ÖDIPUS.
Vorlage S. 425 1398 Von andern nahmst du, fandest nicht mich selber auf?
Vorlage S. 425 1400 Nein. Denn es gab dich mir ein andrer Hirte dort.
Vorlage S. 425 1401 ÖDIPUS.
Vorlage S. 425 1402 Und wer? Entdeckst du etwa den mit Worten uns?
Vorlage S. 425 1404 Ein Diener Laios' ward er, weiß ich wohl, genannt.
Vorlage S. 426 1405 ÖDIPUS.
Vorlage S. 426 1406 Wie? Jenes Königs, welcher einst dies Land beherrscht?
Vorlage S. 426 1408 Desselben. Dieses Mannes Hirt war jener dort.
Vorlage S. 426 1409 ÖDIPUS.
Vorlage S. 426 1410 Und ist er noch am Leben, ihn allhier zu sehn?
Vorlage S. 426 1412 Am besten müsst ihr's wissen, Ingeborene.
Vorlage S. 426 1413 ÖDIPUS.
Vorlage S. 426 1414 Ist euer jemand, welche stehn ringsum gedrängt,
Vorlage S. 426 1415 Der weiß den Hirten, dessen jetzt der Mann gedacht,
Vorlage S. 426 1416 Und auf den Feldern oder auch ihn hier gesehn?
Vorlage S. 426 1417 Der meld es. Denn dies aufzuhüllen drängt die Zeit.
Vorlage S. 426 1419 Kein andrer, mein ich, wär es als vom Felde der,
Vorlage S. 426 1420 Auf dessen Anblick lange schon du harrst, jedoch
Vorlage S. 426 1421 Iokaste sagt es sicher dir am besten an.
Vorlage S. 426 1422 ÖDIPUS.
Vorlage S. 426 1423 Frau, meinst du, jener, welchem wir nur jetzt Gebot,
Vorlage S. 426 1424 Herbeizukommen, sandten, sei, den dieser sagt?
Vorlage S. 426 1425 IOKASTE.
Vorlage S. 426 1426 Wen sagte dieser? Nicht beachte dies. Und was
Vorlage S. 426 1427 Ich unbedacht gesprochen, des entschlage dich.
Vorlage S. 426 1428 ÖDIPUS.
Vorlage S. 426 1429 Fern sei ja solches, dass ich nicht, solch Zeichen nun
Vorlage S. 426 1430 Empfangend, gänzlich mein Geschlecht enthüllen soll.
Vorlage S. 426 1431 IOKASTE.
Vorlage S. 426 1432 Nicht, bei den Göttern, wenn das eigne Leben dir
Vorlage S. 426 1433 Anliegt, erkund es. Gnüge mein erkrankter Mut.
Vorlage S. 426 1434 ÖDIPUS.
Vorlage S. 426 1435 Nichts fürchte. Zeig ich nach der dritten Mutter mich
Vorlage S. 426 1436 Dreifacher Knecht auch, nimmer schienest du gering.
Vorlage S. 426 1437 IOKASTE.
Vorlage S. 426 1438 Ich flehe dennoch, folge mir! Tu solches nicht!
Vorlage S. 426 1439 ÖDIPUS.
Vorlage S. 426 1440 Wohl nimmer folgt ich, dieses hell nicht einzusehn.
Vorlage S. 426 1441 IOKASTE.
Vorlage S. 426 1442 Doch, treu gesonnen, rat ich nur das Beste dir.
Vorlage S. 426 1443 ÖDIPUS.
Vorlage S. 426 1444 Dies Beste quält mich eben längst belästigend.
Vorlage S. 426 1445 IOKASTE.
Vorlage S. 426 1446 Ach, Armer, dass du nimmer wüsstest, wer du bist!
Vorlage S. 426 1447 ÖDIPUS.
Vorlage S. 426 1448 Führt keiner endlich jenen Hirtenmann daher?
Vorlage S. 426 1449 Ihr aber lasst nur ihres hohen Stammes Lust.
Vorlage S. 426 1450 IOKASTE.
Vorlage S. 426 1451 O weh, o weh, Unselger! Dies nur bleibet dir
Vorlage S. 426 1452 Mein einzger Zuruf, nimmermehr ein andrer noch.
Vorlage S. 426 1454 CHOR(FÜHRER).
Vorlage S. 426 1455 Warum enteilet, Ödipus, davongejagt
Vorlage S. 426 1456 Von grimmen Ängsten, diese Frau? Schon sorg ich nun,
Vorlage S. 426 1457 Es brech aus Schweigen noch ein Unheilschlag heraus!
Vorlage S. 426 1458 ÖDIPUS.
Vorlage S. 426 1459 Was immer will auch, brech heraus. Sehn will ich doch,
Vorlage S. 426 1460 Und wär's gering nur, mein Geschlecht uneingehüllt.
Vorlage S. 426 1461 Doch sie gewißlich, als ein hochmutvolles Weib,
Vorlage S. 427 1462 Befürchtet schamvoll meines Stamms Unwürdigkeit.
Vorlage S. 427 1463 Ich aber, Tyches Sprossen selbst mich haltend, die
Vorlage S. 427 1464 Mir reichlich austeilt, werde drum nicht schandenwert.
Vorlage S. 427 1465 Denn diese war mir Mutter, und es haben mich
Vorlage S. 427 1466 Verwandte Monden groß und klein hervorgestellt.
Vorlage S. 427 1467 Von solcher Abkunft, werd ich so entartet nie
Vorlage S. 427 1468 Befunden, dass ich meinen Stamm nicht forschete.
Vorlage S. 427 1469 Strophe
Vorlage S. 427 1471 Wohnet in mir Seherahnung
Vorlage S. 427 1472 Und Verstand in meinem Sinn,
Vorlage S. 427 1473 Nimmer entbehren, Kithairon,
Vorlage S. 427 1474 Beim Olympos, sollst du dann,
Vorlage S. 427 1475 Wenn morgen Vollmond emporglänzt,
Vorlage S. 427 1476 Froh zu empfangen als Landsmann Ödipus'
Vorlage S. 427 1477 Meinen Preis, als Amm und Mutter,
Vorlage S. 427 1478 Und der Festreihn Lust zu teilen,
Vorlage S. 427 1479 Welcher du meinen Gebie-
Vorlage S. 427 1480 Tern Freundeshuld gereicht hast.
Vorlage S. 427 1481 Heilbringender Phoibos, sei
Vorlage S. 427 1482 Auch dir genehm solches!
Vorlage S. 427 1483 Gegenstrophe
Vorlage S. 427 1484 Teueres Kind, wer gebar dich?
Vorlage S. 427 1485 Wer, die endlos lebt? Gewiss
Vorlage S. 427 1486 War der Gebirgebesteiger
Vorlage S. 427 1487 Pan der Jungfrau oder ihr
Vorlage S. 427 1488 Loxias einst froh vereint. Den
Vorlage S. 427 1489 Freun ja verwilderter Höhn Bergwaldungen.
Vorlage S. 427 1490 Oder war's Kyllenes Herrscher?
Vorlage S. 427 1491 Oder Bakchos, welcher hauset
Vorlage S. 427 1492 Oben im Gipfelgebirg,
Vorlage S. 427 1493 Gewann dich rasch von einer
Vorlage S. 427 1494 Aus Helikons Nymphenschwarm,
Vorlage S. 427 1495 Dem oft er froh mitspielt.
Vorlage S. 427 1496 ÖDIPUS.
Vorlage S. 428 1497 Vermut auch ich wohl, der ihn nie antraf, o Greis,
Vorlage S. 428 1498 Dies recht, so glaub ich jenen Hirten dort zu sehn,
Vorlage S. 428 1499 Den lange schon wir suchen, weil der Jahre Last
Vorlage S. 428 1500 Wohl übereinstimmt und mit dir zusammentrifft.
Vorlage S. 428 1501 Sonst aber kenn ich, als von meiner Dienerschaft,
Vorlage S. 428 1502 Auch seine Führer. Besser doch entscheidet hier
Vorlage S. 428 1503 Dein Wissen, wenn du schon zuvor den Mann geschaut.
Vorlage S. 428 1505 Schon kenn ich ihn. Er ist es. Denn dem Laios,
Vorlage S. 428 1506 Wenn je ein andrer, war er stets ein treuer Hirt.
Vorlage S. 428 1507 Der Hirt wird herzugeführt.
Vorlage S. 428 1508 ÖDIPUS.
Vorlage S. 428 1509 Zuerst, korinthischer Fremder, dich befrag ich, ob
Vorlage S. 428 1510 Du diesen ansagst.
Vorlage S. 428 1512 Diesen, den du nahe siehst.
Vorlage S. 428 1513 ÖDIPUS.
Vorlage S. 428 1514 Du Alter dorten, blicke grad hierher und sprich,
Vorlage S. 428 1515 Wonach ich frage. Warst du einst des Laios?
Vorlage S. 428 1517 Knecht war ich, heimgeboren, nicht erhandelt ihm.
Vorlage S. 428 1518 ÖDIPUS.
Vorlage S. 428 1519 Und welchem Werk obliegend, welcher Lebensart?
Vorlage S. 428 1521 Den Herden folgt ich meine meiste Lebenszeit.
Vorlage S. 428 1522 ÖDIPUS.
Vorlage S. 428 1523 Doch welcher Gegend allermeist hinzugesellt?
Vorlage S. 428 1525 Dem Berg Kithairon nebst dem Grenzumkreise dort.
Vorlage S. 428 1526 ÖDIPUS.
Vorlage S. 428 1527 Und diesen Mann hier, kennst du den vielleicht von da?
Vorlage S. 428 1529 Von welcher Tat her? Welchen Mann erfragest du?
Vorlage S. 428 1530 ÖDIPUS.
Vorlage S. 428 1531 Den hier du siehest. – Oder trafst ihn irgendwo?
Vorlage S. 428 1533 Nicht, dass ich schnell es sagte nach Erinnerung.
Vorlage S. 428 1535 Kein Wunder auch, o Herrscher. Doch des Dunklen will
Vorlage S. 428 1536 Ich klar ihn bald erinnern. Denn er weiß gewiss,
Vorlage S. 428 1537 Wie durch Kithairons Weidbezirk vor langer Zeit,
Vorlage S. 428 1538 Er selbst mit zwei Viehherden, ich mit einer nur,
Vorlage S. 428 1539 Vom Lenze bis Arkture stets gesellet wir
Vorlage S. 428 1540 Drei ganze Monatsfristen einst hindurchgebracht.
Vorlage S. 428 1541 Zum Winter endlich trieb zu meinen Ställen ich
Vorlage S. 428 1542 Die meinen, dieser nach den Höfen Laios'.
Vorlage S. 428 1543 Nun, sag ich wirklich oder nicht Geschehenes?
Vorlage S. 428 1545 Du sagst die Wahrheit, freilich her aus langer Zeit.
Vorlage S. 428 1547 Auf, rede nun. Gedenkst du, dass ein Knäbelein
Vorlage S. 428 1548 Du mir als Zögling aufzuziehn gegeben hast?
Vorlage S. 428 1550 Was ist? Zu welchem Ziele fragst du diesem nach?
Vorlage S. 429 1552 Der ist es, Freund, derselbe, der da Knabe war.
Vorlage S. 429 1554 Nicht still? Verlorner! schweigst du nicht den Augenblick?
Vorlage S. 429 1555 ÖDIPUS.
Vorlage S. 429 1556 Ha, diesen, Alter, strafe nicht, da deinem Wort
Vorlage S. 429 1557 Mehr Strafe zukommt, wahrlich, als dem seinigen.
Vorlage S. 429 1559 Doch was, der Herren Bester, was begeh ich denn?
Vorlage S. 429 1560 ÖDIPUS.
Vorlage S. 429 1561 Das Kind, dem dieser nachgeforscht, verschweigest du.
Vorlage S. 429 1563 Er redet unverständig auch und leer bemüht.
Vorlage S. 429 1564 ÖDIPUS.
Vorlage S. 429 1565 Du sagst es nicht in Güte, doch mit Tränen einst!
Vorlage S. 429 1567 Nicht, bei den Göttern, züchtge noch mich alten Mann!
Vorlage S. 429 1568 ÖDIPUS.
Vorlage S. 429 1569 Dreht auf den Rücken keiner ihm die Hände gleich?
Vorlage S. 429 1571 Weshalb? O weh mir! Welche Kund erstrebest du?
Vorlage S. 429 1572 ÖDIPUS.
Vorlage S. 429 1573 Den Knaben gabst du diesem hin, wonach er fragt?
Vorlage S. 429 1575 Ich gab ihn. Hätte doch der Tod mich eh entrafft!
Vorlage S. 429 1576 ÖDIPUS.
Vorlage S. 429 1577 Dahin gelangst du, sagst du es nicht rein heraus.
Vorlage S. 429 1579 Und sag ich alles, sterb ich noch unseliger.
Vorlage S. 429 1580 ÖDIPUS.
Vorlage S. 429 1581 Der Alte, scheint es, jaget nach Verzögerung.
Vorlage S. 429 1583 Nein, sicher nicht. Schon sagt ich, diesem gab ich ihn.
Vorlage S. 429 1584 ÖDIPUS.
Vorlage S. 429 1585 Woher? Und war's dein eignes oder Fremder Kind?
Vorlage S. 429 1587 Mein eignes nicht. Mir war's von andern anvertraut.
Vorlage S. 429 1588 ÖDIPUS.
Vorlage S. 429 1589 Von welchem unsrer Bürger und aus welchem Haus?
Vorlage S. 429 1591 Nicht, bei den Göttern, nicht, o Herr, erforsche mehr!
Vorlage S. 429 1592 ÖDIPUS.
Vorlage S. 429 1593 Verloren bist du, frag ich dies zum andernmal!
Vorlage S. 429 1595 Nun wohl; entsprossen war es hier bei Laios.
Vorlage S. 429 1596 ÖDIPUS.
Vorlage S. 429 1597 Von Sklaven oder jenes echtgeborner Sohn?
Vorlage S. 429 1599 O weh! Zu sagen nah ich schon dem Schrecklichen!
Vorlage S. 429 1600 ÖDIPUS.
Vorlage S. 429 1601 Und ich zu hören. Werde doch es angehört.
Vorlage S. 429 1603 Sein eignes ward das Kind geheißen; drinnen sie,
Vorlage S. 429 1604 Die Gattin, sagt' am besten dir das alles an.
Vorlage S. 429 1605 ÖDIPUS.
Vorlage S. 429 1606 Es gab ihn also diese dir?
Vorlage S. 429 1608 Gewiss, o Fürst.
Vorlage S. 429 1609 ÖDIPUS.
Vorlage S. 429 1610 Mit welchem Auftrag?
Vorlage S. 429 1612 Dass ich ihn vernichtete.
Vorlage S. 429 1613 ÖDIPUS.
Vorlage S. 429 1614 Den eignen Säugling?
Vorlage S. 429 1616 Aufgeschreckt durch Götterspruch.
Vorlage S. 429 1617 ÖDIPUS.
Vorlage S. 429 1618 Der war?
Vorlage S. 429 1620 Die Eltern mord er einst, so lautet' es.
Vorlage S. 429 1621 ÖDIPUS.
Vorlage S. 430 1622 Wie aber gabst du diesem Greis ihn doch dahin?
Vorlage S. 430 1624 Mitleidbewegt, o Herrscher, ihn in fremdes Land,
Vorlage S. 430 1625 Woher er selbst war, hinzutragen; aber der
Vorlage S. 430 1626 Erhielt ihn nun zum Jammer. Denn wenn du es bist,
Vorlage S. 430 1627 Den dieser aussagt, bist du unheilvoll gezeugt.
Vorlage S. 430 1628 ÖDIPUS.
Vorlage S. 430 1629 O weh, o weh! Das alles kommt ja klar heraus!
Vorlage S. 430 1630 O Licht, zum letzten Male schau ich heute dich!
Vorlage S. 430 1631 Der, wem er nimmer sollt, entsproß; umging, mit wem
Vorlage S. 430 1632 Er nimmer sollte; wen er nicht gedurft, erschlug!
Vorlage S. 430 1633 Eilt in das Haus.
Vorlage S. 430 1634 Erste Strophe
Vorlage S. 430 1636 O Menschengeschlechter, weh!
Vorlage S. 430 1637 Wie muss ganz ich dem Nichts allein
Vorlage S. 430 1638 Gleich im Leben euch zählen!
Vorlage S. 430 1639 Denn welcher der Menschen, wer
Vorlage S. 430 1640 Trägt mehr Gütergenuß davon,
Vorlage S. 430 1641 Als soviel ihn der Schein erhebt,
Vorlage S. 430 1642 Bis vom Schein er hinabsinkt?
Vorlage S. 430 1643 Ja, dein warnend Geschick belehrt,
Vorlage S. 430 1644 Ja, dein zorniges, deines, ach,
Vorlage S. 430 1645 Allunglücklichster Ödipus,
Vorlage S. 430 1646 Nichts selig zu preisen!
Vorlage S. 430 1647 Erste Gegenstrophe
Vorlage S. 430 1648 Der überbewundernswert
Vorlage S. 430 1649 Traf sein Ziel und gewaltig ward
Vorlage S. 430 1650 Höchst glückreicher Besegnung,
Vorlage S. 430 1651 O Zeus, und dahingetilgt
Vorlage S. 430 1652 Dies scharfklauige Weib und ihr
Vorlage S. 430 1653 Schicksallied, dem Verderben als
Vorlage S. 430 1654 Schutzturm ragend der Landschaft:
Vorlage S. 430 1655 Weshalb König du wurdest mir
Vorlage S. 430 1656 Genannt, welcher, mit höchstem Preis
Vorlage S. 430 1657 Verehrt, Thebes gewaltger Stadt
Vorlage S. 430 1658 Obherrschend gebotest.
Vorlage S. 430 1659 Zweite Strophe
Vorlage S. 430 1660 Wer aber lebt jammervoller nun zu schaun!
Vorlage S. 431 1661 Wer mehr in Qual, in grimmvolleren Greul
Vorlage S. 431 1662 Vom Wechsellos hinabgestürzt!
Vorlage S. 431 1663 O weh, rühmlich Haupt Ödipus',
Vorlage S. 431 1664 Dem derselbe Port einst genügend war,
Vorlage S. 431 1665 Dich aufzunehmen als Kind und Kindeserzeuger auch!
Vorlage S. 431 1666 Wie denn vermocht es, wie das Saatfeld
Vorlage S. 431 1667 Des Erzeugers, Armer, ach!
Vorlage S. 431 1668 Trug es dich stillschweigend
Vorlage S. 431 1669 Lange Zeit schon?
Vorlage S. 431 1670 Zweite Gegenstrophe
Vorlage S. 431 1671 Dich zog die allsichtge Zeit mit Zwange vor,
Vorlage S. 431 1672 Die Ehe zeiht, die graunvolle, sie längst,
Vorlage S. 431 1673 Die selbst erzeuget, zeugende.
Vorlage S. 431 1674 O weh, Leidenskind Laios'!
Vorlage S. 431 1675 Hätt ich, hätt ich dich nimmerdar geschaut!
Vorlage S. 431 1676 Denn laut ertönet in ungemessenem Jammer mein
Vorlage S. 431 1677 Schreiender Mund! Und mir in Wahrheit
Vorlage S. 431 1678 Zu eratmen halfest du,
Vorlage S. 431 1679 Gabest dem Aug endlich
Vorlage S. 431 1680 Schlaferquickung.
Vorlage S. 431 1681 Ein Diener kommt aus dem Palast.
Vorlage S. 431 1682 DIENER.
Vorlage S. 431 1683 Oh, dieser Landschaft allezeit Verehrteste,
Vorlage S. 431 1684 Was sollt ihr hören, was sogleich anblicken, was
Vorlage S. 431 1685 Für Leid erheben, hegt ihr noch aufrichtig für
Vorlage S. 431 1686 Der Labdakiden Herrscherhaus Bekümmernis!
Vorlage S. 431 1687 Denn weder, mein ich, Istros weder Phasis wäscht
Vorlage S. 431 1688 Jemals mit Sühnung dieses Haus, das solcherlei
Vorlage S. 431 1689 Verbirgt. Jedoch zum Lichte kommt dies Leid sogleich,
Vorlage S. 431 1690 Freiwillig, nicht gezwungen; und der Qualen sind
Vorlage S. 431 1691 Am meisten schmerzhaft alle selbst bereiteten!
Vorlage S. 431 1692 CHOR(FÜHRER).
Vorlage S. 431 1693 Nichts fehlt den erst bereits erfahrnen wahrlich schon
Vorlage S. 431 1694 Zu schweren Seufzern. Welche fügst du jenen bei?
Vorlage S. 431 1695 DIENER.
Vorlage S. 431 1696 Vernimm der Worte schnellstes auszusprechen und
Vorlage S. 431 1697 Zu hören, dass Iokastes göttlich Haupt erblich.
Vorlage S. 431 1699 O Jammerwerte! Doch vermittels welcher Schuld?
Vorlage S. 432 1700 DIENER.
Vorlage S. 432 1701 Zu eignen Händen. Doch der Unheilstat entgeht
Vorlage S. 432 1702 Dir nun das Trauervollste; denn es fehlt die Schau.
Vorlage S. 432 1703 Indes soviel nur mein Gedächtnis fassen mag,
Vorlage S. 432 1704 Vernimm die Schrecken jener Unglückseligen.
Vorlage S. 432 1705 Sobald von Wahnsinn übermannt die Halle sie
Vorlage S. 432 1706 Durcheilet, flog sie wild hinan zum Ehebett,
Vorlage S. 432 1707 Das Haar mit zwiefach starker Hand zugleich erfasst;
Vorlage S. 432 1708 Und hingelangt, stieß jene Tür sie zu und rief,
Vorlage S. 432 1709 Verschlossen drinnen, viel den toten Laios,
Vorlage S. 432 1710 Des alten Liebumfanges eingedenk, wovon
Vorlage S. 432 1711 Er sterben sollte, lassen die Gebärerin
Vorlage S. 432 1712 Zur Greuelzeugung seinem Sohn hinzugelegt;
Vorlage S. 432 1713 Und schrie das Ehbett, wo zugleich unselig sie
Vorlage S. 432 1714 Den Mann vom Manne, durch das Kind das Kind gewann!
Vorlage S. 432 1715 Nicht weiß ich aber, wie sie weiter unterging;
Vorlage S. 432 1716 Denn eingestürzt kam schreiend Ödipus, worauf
Vorlage S. 432 1717 Nun ferner niemand jener Schreckenslos ersah.
Vorlage S. 432 1718 Nur sahn wir diesen in Ängsten wild herumgejagt.
Vorlage S. 432 1719 Denn bittend irrt' er, ihm ein Schwert zu reichen, um,
Vorlage S. 432 1720 Rief nach dem Unweib, wo es ihm zu treffen sei,
Vorlage S. 432 1721 Das Doppelsaatfeld seiner und der Kinder auch!
Vorlage S. 432 1722 Und wie er umtobt', zeigt' ein Gott ihm dieses an,
Vorlage S. 432 1723 Der Männer niemand wahrlich, der ihm nahe war.
Vorlage S. 432 1724 Denn gräßlich heulend kam er, wie dahingeführt,
Vorlage S. 432 1725 Das Doppeltor anspringend; aus den Pfosten riss
Vorlage S. 432 1726 Er aus die hohlen Schlösser, und er brach hinein,
Vorlage S. 432 1727 Wo plötzlich schwebend jene Frau war anzuschaun,
Vorlage S. 432 1728 In hohes Stranggeflechte festgeknüpft. Jedoch
Vorlage S. 432 1729 Bei solchem Anblick ließ er, schwer aufbrüllend, tief
Vorlage S. 432 1730 Herab das aufgezogne Seil. Und als darauf
Vorlage S. 432 1731 Die Arme dalag, folgten Schrecken anzusehn.
Vorlage S. 432 1732 Denn aus der Frau Gewändern goldgetriebene
Vorlage S. 432 1733 Brustspangen reißend, ihre Schmuckbefestigung,
Vorlage S. 432 1734 Erhob er die und traf der Augenkreise Paar
Vorlage S. 432 1735 Mit solchem Laut: Nie sollten ihn sie wieder schaun,
Vorlage S. 432 1736 Noch was er duldet' oder was er Böses tat,
Vorlage S. 432 1737 Dass, wen sie niemals sollten, nun in Finsternis
Vorlage S. 433 1738 Sie schauten, wen er wollte, nicht erkenneten.
Vorlage S. 433 1739 Mit solchem Fluchen, hoch die Wimpern hebend, schlug
Vorlage S. 433 1740 Er mehr als einmal, und es färbten die blutigen
Vorlage S. 433 1741 Augäpfel rot die Wangen und entsandten nicht
Vorlage S. 433 1742 Des Mordes Nass nur tropfenweis, vielmehr zugleich
Vorlage S. 433 1743 Kam dunklen Blutstroms Hagelschauer herabgestürzt.
Vorlage S. 433 1744 So brach von zweien, nicht von einem aus das Leid;
Vorlage S. 433 1745 Dem Mann und seinem Weibe war gemein das Leid.
Vorlage S. 433 1746 Der altvergangne Segen auch war erst gewiss
Vorlage S. 433 1747 Ein Segen wahrhaft, aber nun an diesem Tag
Vorlage S. 433 1748 Gestöhn, Verfluchung, Schanden, Untergang; des Leids,
Vorlage S. 433 1749 Soviel nur irgend es Namen gibt, fehlt keins daran.
Vorlage S. 433 1751 Ist nun Erholung diesem unglückselgen Leid?
Vorlage S. 433 1752 DIENER.
Vorlage S. 433 1753 Er schreit, das Tor zu öffnen, darzustellen ihn
Vorlage S. 433 1754 Zur Schau, den Vatermörder dem Kadmeervolk,
Vorlage S. 433 1755 Der Mutter ... Scheußliches rufend, Unaussprechliches!
Vorlage S. 433 1756 Dieweil er selbst vom Lande fort sich stößt und nicht
Vorlage S. 433 1757 Daheim verharrt, in eignen Flüchen schwer verflucht.
Vorlage S. 433 1758 Doch Stütze mangelt und der Weg Anleiter ihm
Vorlage S. 433 1759 Annoch; zu groß zu tragen ist des Übels Last.
Vorlage S. 433 1760 Auch dir enthüllt er's. Denn des Tores Schlösser tun
Vorlage S. 433 1761 Sich auf bereits, und ohne Zögern schauest du
Vorlage S. 433 1762 Ein Jammerschauspiel, Feinden selbst mitleidenswert.
Vorlage S. 433 1763 Ödipus wird herausgeführt.
Vorlage S. 433 1764 CHOR(FÜHRER).
Vorlage S. 433 1765 O schrecklich! Den Menschen ein Graunanblick!
Vorlage S. 433 1766 O schrecklicher war nichts andres, soviel
Vorlage S. 433 1767 Ich zuvor antraf! Ach, Unheilssohn,
Vorlage S. 433 1768 Wie fasste dich Wut? und der Himmlischen wer
Vorlage S. 433 1769 Häuft' stürmend hinan mehr Zorn als Zorn
Vorlage S. 433 1770 Auf dein schwerwaltendes Schicksal?
Vorlage S. 433 1771 Weh! Unheil! Weh! Nicht wag ich es, dich
Vorlage S. 433 1772 Zu beschaun, und begehrte so vieles Gespräch,
Vorlage S. 433 1773 Viel zu erkundigen, viel selbst dich zu schaun!
Vorlage S. 433 1774 Solch furchtbar Schaudern erregst du!
Vorlage S. 433 1775 ÖDIPUS.
Vorlage S. 434 1776 Ach, ach, ach, ach!
Vorlage S. 434 1777 Weh, weh! Unseliger ich! Es betritt
Vorlage S. 434 1778 Welch Land mein Fuß?
Vorlage S. 434 1779 Wo fliegt weit aus mir die Stimme dahin?
Vorlage S. 434 1780 Ach, Götter, wohin nun stürmt ihr?
Vorlage S. 434 1782 Zu Greueln, nicht zu hören und nicht anzuschaun.
Vorlage S. 434 1783 Erste Strophe
Vorlage S. 434 1784 ÖDIPUS.
Vorlage S. 434 1785 O Nachtgewölk, jämmerlich verhüllendes,
Vorlage S. 434 1786 Du scheußlich belagerndes,
Vorlage S. 434 1787 Nimmer bezwungen, irr
Vorlage S. 434 1788 Dahinstürmend! Weh mir!
Vorlage S. 434 1789 O wehe nochmals! Wie zugleich durchbohrte mich
Vorlage S. 434 1790 Der Biss der Stacheln und der Not Erinnerung!
Vorlage S. 434 1791 CHOR(FÜHRER).
Vorlage S. 434 1792 Kein Wunder wahrlich, dass in solchen Leiden auch
Vorlage S. 434 1793 Du doppelt trauerst und gedoppelt Schmerzen trägst.
Vorlage S. 434 1794 Erste Gegenstrophe
Vorlage S. 434 1795 ÖDIPUS.
Vorlage S. 434 1796 O teurer Freund, einziger, geduldiger,
Vorlage S. 434 1797 Du pflegest allein ihn noch,
Vorlage S. 434 1798 Nimmer verlassend, den
Vorlage S. 434 1799 Gesichtlosen Mann. Weh!
Vorlage S. 434 1800 Denn nicht verborgen bist du mir; wohl hab ich dich,
Vorlage S. 434 1801 Wenngleich verdunkelt, durch der Stimme Laut erkannt.
Vorlage S. 434 1803 O Schreckenstäter, auszurotten dein Gesicht,
Vorlage S. 434 1804 Wie trugst du dieses? Welcher Gott empörte dich?
Vorlage S. 434 1805 Zweite Strophe
Vorlage S. 434 1806 ÖDIPUS.
Vorlage S. 434 1807 Es war Phoibos, Freund', es war dies Phoibos nur,
Vorlage S. 434 1808 Welcher es bereitete,
Vorlage S. 434 1809 Das entsetzliche Jammerleid.
Vorlage S. 434 1810 Sie aber schlug mit Händen
Vorlage S. 434 1811 Ich allein, ich Unselger!
Vorlage S. 434 1812 Welches verblieb zu schaun,
Vorlage S. 434 1813 Dem, wenn er schaute, Süßes nicht mehr war zu sehn!
Vorlage S. 434 1815 So war es, wie du selbst gesagt.
Vorlage S. 434 1816 ÖDIPUS.
Vorlage S. 434 1817 Was blieb zu schaun künftig, was
Vorlage S. 434 1818 Lieblich, welche Red annoch
Vorlage S. 434 1819 Mir anzuhören, Freunde, freudenvoll?
Vorlage S. 435 1820 Führet verjaget hin
Vorlage S. 435 1821 Ohne Verzögern rasch,
Vorlage S. 435 1822 Führet, o Freunde, mich,
Vorlage S. 435 1823 Eure Besudelung,
Vorlage S. 435 1824 Mich, den verfluchtesten, den
Vorlage S. 435 1825 Unter dem Erdgeschlecht
Vorlage S. 435 1826 Götterverhaßten Mann!
Vorlage S. 435 1828 Ach, wie an Schicksal so an Sinn Zerrütteter,
Vorlage S. 435 1829 Wie wünscht ich, niemals hättest du dich selbst erkannt!
Vorlage S. 435 1830 Zweite Gegenstrophe
Vorlage S. 435 1831 ÖDIPUS.
Vorlage S. 435 1832 Verflucht, welcher dort im Bergwald meinem Fuß
Vorlage S. 435 1833 Lösete die bittere,
Vorlage S. 435 1834 Die bedrückende Fessel und
Vorlage S. 435 1835 Mich selbst vom Mord errettet',
Vorlage S. 435 1836 Nimmer mir zu Dank, wahrlich!
Vorlage S. 435 1837 Ward ich vertilget dort,
Vorlage S. 435 1838 Nicht wär ich mir nun noch den Meinen solche Qual!
Vorlage S. 435 1840 Auch mir erwünscht wär dies geschehn.
Vorlage S. 435 1841 ÖDIPUS.
Vorlage S. 435 1842 Den Vater schlug dann ich nicht,
Vorlage S. 435 1843 Weder hieß ich Ehgemahl
Vorlage S. 435 1844 Derselben Gattin, der ich selbst entsproß.
Vorlage S. 435 1845 Jetzo bejammernswert
Vorlage S. 435 1846 Und der Befleckten Sohn;
Vorlage S. 435 1847 Selber Erzeuger, wo
Vorlage S. 435 1848 Selbst ich entsprossen, weh!
Vorlage S. 435 1849 Wäre gewaltigeres
Vorlage S. 435 1850 Wehe denn Weh erzeugt,
Vorlage S. 435 1851 Loset' es Ödipus!
Vorlage S. 435 1853 Ich zweifle, sag ich, dass du wohl den Schluss gefasst;
Vorlage S. 435 1854 Denn besser wär es, ganz dahin, als blind gelebt.
Vorlage S. 435 1855 ÖDIPUS.
Vorlage S. 435 1856 Dass nicht am besten dieses so vollendet sei,
Vorlage S. 435 1857 Das lehre nimmer weder gib mir neuen Rat.
Vorlage S. 435 1858 Mit welchen Augen hätt ich denn, hinabgelangt
Vorlage S. 435 1859 Zum Hades, jemals meinen Vater angeblickt
Vorlage S. 436 1860 Und wie die Leidensmutter, welchen beiden ich
Vorlage S. 436 1861 Mehr als des Stranges werte Tat hab ausgeübt?
Vorlage S. 436 1862 Und wäre solches irgend auch begehrenswert:
Vorlage S. 436 1863 Der so gesäten Kinder Saat noch anzuschaun?
Vorlage S. 436 1864 Niemals gewißlich! Meinen Augen nimmermehr!
Vorlage S. 436 1865 Noch diese Stadt, die Türme, noch der Himmlischen
Vorlage S. 436 1866 Geweihte Bilder, deren ich Unseligster
Vorlage S. 436 1867 Von allen, welche Thebe trug, mich selbst allein
Vorlage S. 436 1868 Mit schönstem Recht beraubte, selbst verkündigend,
Vorlage S. 436 1869 Den Frevler nimmer zu dulden, den unheilig selbst
Vorlage S. 436 1870 Angab die Gottheit, und erzeugt von Laios.
Vorlage S. 436 1871 Da solchen Schmachfleck meiner selbst ich aufgedeckt,
Vorlage S. 436 1872 Vermöcht ich graden Blickes euch noch anzuschaun?
Vorlage S. 436 1873 Mitnichten! Sondern könnten Hemmungsdämme noch
Vorlage S. 436 1874 Des Lautes Strom abwehren, nicht verschonet ich,
Vorlage S. 436 1875 Ganz abzuschließen meinen unheilvollen Leib,
Vorlage S. 436 1876 Ganz blind zu sein und nichts zu hören mehr! Es ist,
Vorlage S. 436 1877 Fern seinem Unheil sinnberaubt zu leben, süß.
Vorlage S. 436 1878 O was, Kithairon, hast du mich empfangen, was
Vorlage S. 436 1879 Nicht gleich getötet, dass ich nie dem Menschenstamm
Vorlage S. 436 1880 Der eignen Abkunft Wurzel selbst erspürete?
Vorlage S. 436 1881 Polybos und du, Korinthos, und ihr alten, mir
Vorlage S. 436 1882 Vermeinten Vatergemächer, ach, was habt ihr mich
Vorlage S. 436 1883 So schön, des Unheilsgiftes Hüll, heraufgenährt,
Vorlage S. 436 1884 Der nun von Schlechten selber schlecht sich dargetan.
Vorlage S. 436 1885 O jener Kreuzweg, tiefverborgner Waldesort,
Vorlage S. 436 1886 Gebüsch und dreigespaltner Weg in enger Schlucht,
Vorlage S. 436 1887 Die einst, von meiner Hand verspritzt, mein eignes Blut
Vorlage S. 436 1888 Des Erzeugers tranket, mögt ihr mein gedenken noch?
Vorlage S. 436 1889 Welch Werk ich euch verübte, was hierhergelangt,
Vorlage S. 436 1890 Ich wiederum begangen? Ehen, Ehen, ach!
Vorlage S. 436 1891 Erst habt ihr mich gezeuget, und empfangen dann
Vorlage S. 436 1892 Des Erzeugten Samen wieder, und hervorgesproßt
Vorlage S. 436 1893 Erzeuger, Brüder, Kinder, allverwandtes Blut,
Vorlage S. 436 1894 Und Bräute, Mutter, Ehefraun und alles, was
Vorlage S. 436 1895 Nur je der Greuelwerke mag bei Menschen sein.
Vorlage S. 436 1896 Doch was zu tun nicht ziemet, ziemt auch Worten nicht.
Vorlage S. 437 1897 Drum ohne Zögern, bei den Göttern, fern hinaus
Vorlage S. 437 1898 Entrücket, oder mordet, oder stürzet mich
Vorlage S. 437 1899 In Meeresfluten, wo ihr nie mich wiederschaut.
Vorlage S. 437 1900 Auf, würdigt anzurühren mich Verstoßenen.
Vorlage S. 437 1901 O folget gern; nichts fürchtet. Denn mein Leid vermag
Vorlage S. 437 1902 Der Menschen niemand außer mir mit auszustehn.
Vorlage S. 437 1904 Und deinem Flehen kommt bereits willkommen dort
Vorlage S. 437 1905 Zu Rat und Handlung Kreon selbst daher, indem
Vorlage S. 437 1906 Nur dieser einzig unsres Landes Hort verblieb.
Vorlage S. 437 1907 ÖDIPUS.
Vorlage S. 437 1908 O weh! Mit welchen Worten red ich diesen an?
Vorlage S. 437 1909 Und welch Vertraun kommt jetzo mir noch zu? dieweil
Vorlage S. 437 1910 Vor diesem gänzlich ungerecht ich erst bestand.
Vorlage S. 437 1911 Kreon kommt.
Vorlage S. 437 1913 Nicht als Verspotter, Ödipus, herzugeeilt
Vorlage S. 437 1914 Erschein ich, noch zum Hohne deines Missgeschicks.
Vorlage S. 437 1915 Zu den Dienern.
Vorlage S. 437 1916 Wenn aber, scheulos, nicht der Sterblichkeit Geschlecht
Vorlage S. 437 1917 Ihr achtet, weicht doch jenes allernährenden
Vorlage S. 437 1918 Helios erhabnem Flammenstrahl, nicht solchen Fluch
Vorlage S. 437 1919 Uneingehüllet aufzutun, den Erde nicht
Vorlage S. 437 1920 Noch heilger Regen noch das Licht aufnehmen mag!
Vorlage S. 437 1921 Nein, ohne Zögern werd er dort hineingeführt.
Vorlage S. 437 1922 Zumeist vermag ja sein Geschlecht noch anzusehn
Vorlage S. 437 1923 Und anzuhören unentweiht verwandtes Weh.
Vorlage S. 437 1924 ÖDIPUS.
Vorlage S. 437 1925 Oh, bei den Göttern, weil du mir die Furcht getilgt,
Vorlage S. 437 1926 So edel nahend diesem Allerschnödesten,
Vorlage S. 437 1927 Gewähre dies mir, welches dich, nicht mich betrifft!
Vorlage S. 437 1929 Und welch Verlangen treibet dich zu solchem Flehn?
Vorlage S. 437 1930 ÖDIPUS.
Vorlage S. 437 1931 Aus dieser Landschaft wirf mich ungesäumt, entfernt
Vorlage S. 437 1932 Von aller Menschen Stimmen und Genossenschaft.
Vorlage S. 437 1934 Schon, wiß es, hätt ich dies getan, wofern ich nicht
Vorlage S. 437 1935 Vom Gott erkunden wollte, was sein Wille sei.
Vorlage S. 437 1936 ÖDIPUS.
Vorlage S. 437 1937 Er hat ja deutlich seinen Urteilsspruch enthüllt:
Vorlage S. 437 1938 Des vatermordenden Frevlers raschen Untergang.
Vorlage S. 437 1940 So scholl es freilich. Aber da sich alles so
Vorlage S. 438 1941 Gewendet, frag ich, was zu tun, ihn wiederum.
Vorlage S. 438 1942 ÖDIPUS.
Vorlage S. 438 1943 Um mich Verlornen fragst du denn von neuem an?
Vorlage S. 438 1945 Du selber stiftest Glauben wohl dem Götterwort.
Vorlage S. 438 1946 ÖDIPUS.
Vorlage S. 438 1947 Nun aber bitt ich dieses dich inbrünstiglich:
Vorlage S. 438 1948 Ihr dort im Hause gib ein Grab, wie selber du
Vorlage S. 438 1949 Willst, weil du schicklich dein Geschlecht bestatten musst.
Vorlage S. 438 1950 Doch mein Geburtsort wolle nicht mich würdigen,
Vorlage S. 438 1951 Dass ich in Zukunft lebend sein Bewohner sei.
Vorlage S. 438 1952 Nein, lass mich wohnen im Waldgebirg, wo mein genannt
Vorlage S. 438 1953 Nun sei Kithairon, welchen schon die Mutter wie
Vorlage S. 438 1954 Der Vater meinem Leben echt zum Grabe gab,
Vorlage S. 438 1955 Dass diesen nun ich sterbe, die mich töteten.
Vorlage S. 438 1956 Doch sicher weiß ich dieses: Krankheit konnte nicht
Vorlage S. 438 1957 Noch andres je mich tilgen; denn schon sterbend ward
Vorlage S. 438 1958 Ich nie gerettet außer zur Entsetzensnot.
Vorlage S. 438 1959 Doch unser Schicksal gehe frei, wohin es will.
Vorlage S. 438 1960 Der Kinder aber für die Söhne, Kreon, sei
Vorlage S. 438 1961 Nur immer sorglos; Männer sind sie, welche nie,
Vorlage S. 438 1962 Wohin sie kommen, trifft des Leibes Dürftigkeit.
Vorlage S. 438 1963 Doch meine Jungfraun, meine leidbehäuften nur,
Vorlage S. 438 1964 Weil diesen niemals aufgestellt der Speisen Tisch
Vorlage S. 438 1965 War ohne mich, den Vater, sondern wessen ich
Vorlage S. 438 1966 Anrührte, diesen wurde des ihr Teil gereicht –
Vorlage S. 438 1967 Die schütze treulich; aber gib sie meiner Hand
Vorlage S. 438 1968 Noch anzurühren, bei der Not Betrauerung!
Vorlage S. 438 1969 O geh, Fürst!
Vorlage S. 438 1970 Geh, Mann von edlem Stamme! Tastend glaub ich sie
Vorlage S. 438 1971 Dann noch zu haben, wie ich sonst sie angeschaut.
Vorlage S. 438 1972 Was sag ich?
Vorlage S. 438 1973 Vernähm ich, Götter, Tränen meiner Töchterlein
Vorlage S. 438 1974 Herniederströmen? Bringet selbst mitleiderweicht
Vorlage S. 438 1975 Mir Kreon meiner Erzeugten Allerteuerste?
Vorlage S. 438 1976 In Wahrheit?
Vorlage S. 438 1977 Kreon bringt die Töchter.
Vorlage S. 438 1979 Ja, wahrlich! Selber hab ich dies für dich getan,
Vorlage S. 438 1980 Gar wohl die Sehnsucht kennend, die du längst gefühlt.
Vorlage S. 438 1981 ÖDIPUS.
Vorlage S. 439 1982 Sei immer glückreich, und allein für diesen Gang
Vorlage S. 439 1983 Sei du der Gottheit besser stets denn ich bewahrt!
Vorlage S. 439 1984 Wo, teure Kinder, seid ihr? Kommt und tretet her,
Vorlage S. 439 1985 Zu meinen Bruderhänden hier herangenaht,
Vorlage S. 439 1986 Die nun dem Vater, welcher euch gepflanzet, so
Vorlage S. 439 1987 Zu schaun bereitet seiner Augen vorgen Glanz;
Vorlage S. 439 1988 Der, nichts, o Kinder, schauend und unwissentlich,
Vorlage S. 439 1989 Euch Vater wurde, wo ich selbst war ausgesät.
Vorlage S. 439 1990 Und euch bewein ich – denn zu schaun vermag ich nicht –,
Vorlage S. 439 1991 Bedenkend, welcher bittre Rest der Lebenszeit
Vorlage S. 439 1992 Euch nun verhängt ist bei den Menschen auszustehn.
Vorlage S. 439 1993 Zu welchem Umgang lassen nun die Bürger euch,
Vorlage S. 439 1994 Zu welcher Festschau, dass davon ihr tränenvoll
Vorlage S. 439 1995 Nicht wieder heimkehrt, selber statt des Schaugeprängs?
Vorlage S. 439 1996 Ja, wenn des Ehebundes Ziel ihr nahe seht,
Vorlage S. 439 1997 Wer käme dann wohl? Wer erfrecht' sich, Töchterlein,
Vorlage S. 439 1998 Zu nehmen solche Greuel, die an meinem Stamm
Vorlage S. 439 1999 Und eurem haften, schreckenvoll verderbliche?
Vorlage S. 439 2000 Denn welches fehlt der Übel? Euer Vater schlug
Vorlage S. 439 2001 Tot seinen Vater. Seine Mutter befruchtet' er,
Vorlage S. 439 2002 Von der er selbst war aufgesproßt; von eben der
Vorlage S. 439 2003 Gewann er euch dann, die auch ihn hervorgebracht.
Vorlage S. 439 2004 So wird man euch verhöhnen. Dann wer freiet' euch?
Vorlage S. 439 2005 Nein, wahrlich, niemand, Kinder; sondern euch verzehrt
Vorlage S. 439 2006 Das Alter fruchtlos, ehelos, unzweifelhaft.
Vorlage S. 439 2007 O Sohn Menoikeus', weil allein als Vater du
Vorlage S. 439 2008 Für die zurückbleibst – wir ja, die sie zeugeten,
Vorlage S. 439 2009 Sind nun dahin, wir beide –: nicht verlasse sie,
Vorlage S. 439 2010 Einst bettelnd, mannlos, dir verwandt, umherzugehn,
Vorlage S. 439 2011 Nicht meinem Unheil mache je das ihre gleich!
Vorlage S. 439 2012 Nein, fühle Mitleid, wenn du schaust die Mägdelein
Vorlage S. 439 2013 Entblößt von allem, außer was du reichen magst!
Vorlage S. 439 2014 Mit deinem Handschlag, Edler, sprich mir solches zu.
Vorlage S. 439 2015 Euch, Kinder, gäb ich, wäre Sinn euch schon gewährt,
Vorlage S. 439 2016 Noch viel Ermahnung; nun erfleh ich dieses euch:
Vorlage S. 439 2017 Stets, wo es frommt, zu leben und ein besser Los
Vorlage S. 439 2018 Als Eures Bluts Erzeuger immerdar zu schaun.
Vorlage S. 439 2020 Ende! Wie dich Schmerz dahinreißt! Aber wandl ins Haus hinein.
Vorlage S. 440 2021 ÖDIPUS.
Vorlage S. 440 2022 Schon gehorch ich, wenn auch ungern.
Vorlage S. 440 2024 Alles gut zu seiner Zeit.
Vorlage S. 440 2025 ÖDIPUS.
Vorlage S. 440 2026 Weißt du, wann ich gehe?
Vorlage S. 440 2028 Sag es; dann, belehret, weiß ich es.
Vorlage S. 440 2029 ÖDIPUS.
Vorlage S. 440 2030 Wenn ich fern zum Land hinaus soll.
Vorlage S. 440 2032 Gottes Wahl erflehest du.
Vorlage S. 440 2033 ÖDIPUS.
Vorlage S. 440 2034 Doch verhaßt den Göttern komm ich.
Vorlage S. 440 2036 Drum erreichst du diesen Wunsch.
Vorlage S. 440 2037 ÖDIPUS.
Vorlage S. 440 2038 Meinst du dies?
Vorlage S. 440 2040 Ohn echte Meinung sprech ich nie
Vorlage S. 440 2041 grundloses Wort.
Vorlage S. 440 2042 ÖDIPUS.
Vorlage S. 440 2043 Nun hinein entführe schnell mich.
Vorlage S. 440 2045 Wandle; doch die Kinder lass.
Vorlage S. 440 2046 ÖDIPUS.
Vorlage S. 440 2047 Nimmermehr auch diese nimm mir!
Vorlage S. 440 2049 Alles woll erlangen nicht;
Vorlage S. 440 2050 Was du schon erlangtest, hat ja nicht das Leben dir beglückt.
Vorlage S. 440 2051 Beide ins Haus.
Vorlage S. 440 2053 O Bewohner unsrer Thebe, schauet an, der Ödipus,
Vorlage S. 440 2054 Der erforscht' so tiefe Rätsel und verehrt vor allen war,
Vorlage S. 440 2055 Dessen Los der Bürger niemand ohne Sehnsucht angeschaut,
Vorlage S. 440 2056 Nun in welch graunvolles Schicksals Wogen der hinabgeriet!
Vorlage S. 440 2057 Drum der Erdenmenschen keinen, harrend weislich immerdar,
Vorlage S. 440 2058 Erst den letzten Tag zu schauen, preise ganz beglückt, bevor
Vorlage S. 440 2059 Durch das Lebensziel er durchging, ohne dass ihm Leid geschah!)
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