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Buch - Das Sinngedicht - Keller, Gottfried

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Originalwerk · Lesefassung

Das Sinngedicht

Keller, Gottfried · 1819–1890

Das Sinngedicht von Keller, Gottfried. Volltext der angegebenen Ausgabe mit textbezogenen Leseaufgaben.

NovellenzyklusKlasse 9–10 · 11–1314 Abschnitte
Historische Buchausgabe als Quellenvergleich. Die verwendete Textfassung ist separat angegeben.
Historische Ausgabe · Das Sinngedicht · Gottfried Keller · Public domain Bildquelle ↗
Hinweise für den Unterricht
  • Historische Sprache und Wertvorstellungen im Unterricht einordnen.

Behutsam angepasste Schreibweise nach einer begrenzten Wortliste. Mehrdeutige Formen, erfasste Namen, Sprechernamen, Bühnenanweisungen, Überschriften und Anmerkungen bleiben unverändert. Keine vollständige redaktionelle Überarbeitung nach heutiger Rechtschreibung. Für wortgetreue Quellenzitate die Quellfassung wählen.

Abschnitt 2 von 14

1. Kapitel

1
Erstes Kapitel
Vorlage S. 387
2
Ein Naturforscher entdeckt ein Verfahren und reitet über Land, dasselbe zu prüfen
Vorlage S. 387
3
Vor etwa fünfundzwanzig Jahren, als die Naturwissenschaften eben wieder auf einem höchsten Gipfel standen, obgleich das Gesetz der natürlichen Zuchtwahl noch nicht bekannt war, öffnete Herr Reinhart eines Tages seine Fensterläden und ließ den Morgenglanz, der hinter den Bergen hervorkam, in sein Arbeitsgemach, und mit dem Frühgolde wehte eine frische Sommermorgenluft daher und bewegte kräftig die schweren Vorhänge und die schattigen Haare des Mannes.
Vorlage S. 387
4
Der junge Tagesschein erleuchtete die Studierstube eine Doktor Faustus, aber durchaus ins Moderne, Bequeme und Zierliche übersetzt. Statt der malerischen Esse, der ungeheuerlichen Kolben und Kessel gab es da nur feine Spirituslampen und leichte Glasröhren, Porzellanschalen und Fläschchen mit geschliffenem Verschlusse, angefüllt mit Trockenem und Flüssigem aller Art, mit Säuren, Salzen und Kristallen. Die Tische waren bedeckt mit geognostischen Karten, Mineralien und hölzernen Feldspatmodellen; Schichten gelehrter Jahrbücher in allen Sprachen belasteten Stühle und Diwans, und auf den Spiegeltischchen glänzten physikalische Instrumente in blankem Messing. Kein ausgestopftes Monstrum hing an räucherigem Gewölbe, sondern bescheiden hockte ein lebendiger Frosch in einem Glase und harrte seines Stündleins, und selbst das übliche Menschengerippe in der dunklen Ecke fehlte, wogegen eine Reihe von Menschen- und Tierschädeln so weiß und appetitlich aussah, dass sie eher den Nippsachen eines Stutzers glichen als dem unheimlichen Hokuspokus eines alten Laboranten. Statt bestaubter Herbarien sah man einige feine Bogen mit Zeichnungen von Pflanzengeweben, statt schweinslederner Folianten englische Prachtwerke in gepresster Leinwand.
Vorlage S. 387
5
Wo man ein Buch oder Heft aufschlug, erblickte man nur den lateinischen Gelehrtendruck, Zahlensäulen und Logarithmen. Kein einziges Buch handelte von menschlichen oder moralischen Dingen oder, wie man vor hundert Jahren gesagt haben würde, von Sachen des Herzens und des schönen Geschmackes.
Vorlage S. 387
6
So wollte also Reinhart sich wieder an eine stille, subtile Arbeit begeben, die er schon seit Wochen betrieb. In der Mitte des Zimmers stand ein sinnreicher Apparat, allwo ein Sonnenstrahl eingefangen und durch einen Kristallkörper geleitet wurde, um sein Verhalten in demselben zu zeigen und womöglich das innerste Geheimnis solcher durchsichtigen Bauwerke zu beleuchten. Schon viele Tage stand Reinhart vor der Maschine, guckte durch eine Röhre, den Rechenstift in der Hand, und schrieb Zahlen auf Zahlen.
Vorlage S. 387
Porträt von Keller, Gottfried; Kontextbild zur Autorin oder zum Autor, keine Szene aus dem Buch.
Kontextbild zum Werk. Porträt · Keller, Gottfried · Johannes Ganz (1821-1886) · Public domain Bildquelle ↗
7
Als die Sonne einige Spannen hoch gestiegen, verschloss er wieder die Fenster vor der schönen Welt mit allem, was draußen lebte und webte, und ließ nur einen einzigen Lichtstrahl in den verdunkelten Raum, durch ein kleines Löchlein, das er in den Laden gebohrt hatte. Als dieser Strahl sorgfältig auf die Tortur gespannt war, wollte Reinhart ungesäumt sein Tagewerk beginnen, nahm Papier und Bleistift zur Hand und guckte hinein, um da fortzufahren, wo er gestern stehengeblieben.
Vorlage S. 387
8
Da fühlte er einen leise stechenden Schmerz im Auge; er rieb es mit der Fingerspitze und schaute mit dem andern durch das Rohr, und auch dieses schmerzte; denn er hatte allbereits angefangen, durch das anhaltende Treiben sich die Augen zu verderben, namentlich aber durch den unaufhörlichen Wechsel zwischen dem erleuchteten Kristall und der Dunkelheit, wenn er in dieser seine Zahlen schrieb.
Vorlage S. 387
9
Das merkte er jetzt und fuhr bedenklich zurück; wenn die Augen krank wurden, so war es aus mit allen sinnlichen Forschungen, und Reinhart sah sich dann auf beschauliches Nachdenken über das zurückgeführt, was er bislang gesehen. Er setzte sich betroffen in einen weichen Lehnstuhl, und da es nun gar so dunkel, still und einsam war, beschlichen ihn seltsame Gedanken.
Vorlage S. 387
10
Nachdem er in munterer Bewegung den größten Teil seiner Jugend zugebracht und dabei mit Aufmerksamkeit unter den Menschen genug gesehen hatte, um von der Gesetzmäßigkeit und dem Zusammenhange der moralischen Welt überzeugt zu werden, und wie überall nicht ein Wort fällt, welches nicht Ursache und Wirkung zugleich wäre, wenn auch so gering wie das Säuseln des Grashalmes auf einer Wiese, war die Erkundung des Stofflichen und Sinnlichen ihm sein all und eines geworden.
Vorlage S. 388
11
Nun hatte er seit Jahren das Menschenleben fast vergessen und dass er einst auch gelacht und gezürnt, töricht und klug, froh und traurig gewesen. Jetzt lachte er nur, wenn unter seinen chemischen Stoffen allerlei Komödien und unerwartete Entwicklungen spielten; jetzt wurde er nur verdrießlich, wenn er einen Rechnungsfehler machte, falsch beobachtete oder ein Glas zerbrach; jetzt fühlte er sich nur klug und froh, wenn er bei seiner Arbeit das große Schauspiel mitgenoß, welches den unendlichen Reichtum der Erscheinungen unaufhaltsam auf eine einfachste Einheit zurückzuführen scheint, wo es heißt, im Anfang war die Kraft, oder so was.
Vorlage S. 388
Carl Spitzweg – Der Bücherwurm, um 1850. Motivvergleich zu Lesen und Wissen; keine Darstellung einer Figur dieses Buches.
Kontextbild zum Werk. Der Bücherwurm · Carl Spitzweg · Public domain Bildquelle ↗
12
Die moralischen Dinge, pflegte er zu sagen, flattern ohnehin gegenwärtig wie ein entfärbter und heruntergekommener Schmetterling in der Luft; aber der Faden, an dem sie flattern, ist gut angebunden, und sie werden uns nicht entwischen, wenn sie auch immerfort die größte Lust bezeigen, sich unsichtbar zu machen.
Vorlage S. 388
13
Jetzt aber war es ihm, wie gesagt, unbehaglich zu Mut geworden; in der Besorgnis um seine Augen stellte er sich alle die guten Dinge vor, welche man mittels derselben sehen könne, und unvermerkt mischte sich darunter die menschliche Gestalt, und zwar nicht in ihren zerlegten Bestandteilen, sondern als Ganzes, wie sie schön und lieblich anzusehen ist und wohllautende Worte hören lässt. Es war ihm, als ob er sogleich viele gute Worte hören und darauf antworten möchte, und es gelüstete ihn plötzlich, auf das durchsichtige Meer des Lebens hinauszufahren, das Schifflein im reizenden Versuche der Freiheit da- oder dorthin zu steuern, wo liebliche Dinge lockten. Aber es fiel ihm nicht der geringste Anhalt, nicht das kleinste Verhältnis ein zur Übung menschlicher Sitte; er hatte sich vereinsamt und festgerannt, es blieb still und dunkel um ihn her, es ward ihm schwül und unleidlich, und er sprang auf und warf die Fensterläden wieder weit auseinander, damit es hell würde. Dann eilte er in eine Bodenkammer hinauf, wo er in Schränken eine verwahrloste Menge von Büchern stehen hatte, die von den halbvergessenen menschlichen Dingen handelten. Er zog einen Band hervor, blies den Staub davon, klopfte ihn tüchtig aus und sagte: »Komm, tapferer Lessing! es führt dich zwar jede Wäscherin im Munde, aber ohne eine Ahnung von deinem eigentlichen Wesen zu haben, das nichts andres ist als die ewige Jugend und Geschicklichkeit zu allen Dingen, der unbedingte gute Wille ohne Falsch und im Feuer vergoldet!«
Vorlage S. 388
14
Es war ein Band der Lachmannschen Lessingausgabe, und zwar der, in welchem die Sinngedichte des Friedrich von Logau stehen, und wie Reinhart ihn aufschlug, fiel ihm dieser Spruch in die Augen:
Vorlage S. 389
15
Wie willst du weiße Lilien zu roten Rosen machen?
Vorlage S. 389
16
Küß eine weiße Galathee: sie wird errötend lachen.
Vorlage S. 389
Historische Buchausgabe als Quellenvergleich. Die verwendete Textfassung ist separat angegeben.
Kontextbild zum Werk. Historische Ausgabe · Das Sinngedicht · Gottfried Keller · Public domain Bildquelle ↗
17
Sogleich warf er das Buch weg und rief: »Dank dir, Vortrefflicher, der mir durch den Mund des noch ältern Toten einen so schönen Rat gibt! Oh, ich wusste wohl, dass man dich nur anzufragen braucht, um gleich etwas Gescheites zu hören!«
Vorlage S. 389
18
Und das Buch wieder aufnehmend, die Stelle nochmals laut lesend, rief Reinhart: »Welch ein köstliches Experiment! Wie einfach, wie tief, klar und richtig, so hübsch abgewogen und gemessen! Gerade so muss es sein: errötend lachen! Küß eine weiße Galathee, sie wird errötend lachen!«
Vorlage S. 389
19
Das wiederholte er beständig vor sich her, während er Reisekleider hervorsuchte und seinen alten Diener herbeirief, dass er ihm schleunig helfe, den Mantelsack zu packen, und das erste beste Mietpferd bestelle auf mehrere Tage. Er anbefahl dem Alten die Obhut seiner Wohnung und ritt eine Stunde später zum Tore hinaus, entschlossen, nicht zurückzukehren, bis ihm der lockende Versuch gelungen.
Vorlage S. 390
20
Er hatte die artige Vorschrift auf einen Papierstreifen geschrieben, wie ein Rezept, und in die Brieftasche gelegt.
Vorlage S. 390

Nach dem Lesen

Dein Blick auf das Kapitel

10er-QuizZitate verstehen · Zusammenhänge erkennen · Lernpunkte sammeln10 Fragen

Eine Antwort ist jeweils richtig. Lies den Textbeleg aufmerksam. Bei einer falschen Antwort kannst du es erneut versuchen.

Angemeldet zählen richtige Antworten für deinen Lernstand. Als Gast übst du ohne Kontopunkte.

Je Frage sind beim ersten Versuch 10 Punkte möglich, danach 5, 3 oder 1. Bereits gelöste Fragen bleiben zum Üben verfügbar.

1. Wie geht dieser Textausschnitt im Kapitel unmittelbar weiter? Ergänze den genauen Wortlaut. »Die Tische waren bedeckt mit …«

Eine Antwort ist richtig.

Textstelle 1 ↗ Textstelle 2 ↗ Textstelle 3 ↗

2. Welches Wort steht an der markierten Stelle? Achte auf die Bedeutung im Zusammenhang und prüfe den genauen Wortlaut. »Statt bestaubter Herbarien sah man einige feine Bogen mit Zeichnungen von Pflanzengeweben, statt […] Folianten englische Prachtwerke in gepresster Leinwand.«

Eine Antwort ist richtig.

Textstelle 1 ↗ Textstelle 2 ↗ Textstelle 3 ↗ Textstelle 4 ↗

3. Welchen Zusammenhang kennzeichnet das Wort »obgleich« in diesem Textausschnitt? »Vor etwa fünfundzwanzig Jahren, als die Naturwissenschaften eben wieder auf einem höchsten Gipfel standen, obgleich das Gesetz der natürlichen Zuchtwahl noch nicht bekannt war, öffnete Herr Reinhart eines Tages seine Fensterläden und ließ den Morgenglanz, der hinter den Bergen hervorkam, in sein Arbeitsgemach, und mit«

Eine Antwort ist richtig.

Textstelle nachlesen ↗

4. Welcher Ausschnitt verweist mit einer Zeitangabe ausdrücklich auf eine frühere Zeit? Achte auf ein ausdrücklich genanntes Signalwort.

Eine Antwort ist richtig.

Textstelle 1 ↗ Textstelle 2 ↗ Textstelle 3 ↗ Textstelle 4 ↗

5. Welchen Zusammenhang kennzeichnet das Wort »Nachdem« in diesem Textausschnitt? »Nachdem er in munterer Bewegung den größten Teil seiner Jugend zugebracht und dabei mit Aufmerksamkeit unter den Menschen genug gesehen hatte, um von der Gesetzmäßigkeit und dem Zusammenhange der moralischen Welt überzeugt zu werden, und wie überall nicht ein Wort fällt, welches nicht Ursache und«

Eine Antwort ist richtig.

Textstelle nachlesen ↗

6. In welcher Reihenfolge stehen diese drei Ausschnitte im Kapitel? Gemeint ist ihre Reihenfolge im Text, nicht die Zeit der erzählten Ereignisse. A: »war die Erkundung des Stofflichen und Sinnlichen ihm sein all und eines geworden« B: »wogegen eine Reihe von Menschen- und Tierschädeln so weiß und appetitlich aussah, dass sie eher den Nippsachen eines Stutzers glichen als dem unheimlichen Hokuspokus eines alten Laboranten« C: »Oh, ich wusste wohl, dass man dich nur anzufragen braucht, um gleich etwas Gescheites zu hören!««

Eine Antwort ist richtig.

Textstelle 1 ↗ Textstelle 2 ↗ Textstelle 3 ↗

7. Wie geht dieser Textausschnitt im Kapitel unmittelbar weiter? Ergänze den genauen Wortlaut. »Er zog einen Band hervor, blies den Staub davon, klopfte ihn tüchtig …«

Eine Antwort ist richtig.

Textstelle 1 ↗ Textstelle 2 ↗

9. Welches Wort steht an der markierten Stelle? Achte auf die Bedeutung im Zusammenhang und prüfe den genauen Wortlaut. »Und das Buch wieder […], die Stelle nochmals laut lesend, rief Reinhart: »Welch ein köstliches Experiment!«

Eine Antwort ist richtig.

Textstelle 1 ↗ Textstelle 2 ↗ Textstelle 3 ↗ Textstelle 4 ↗

10. Wie geht dieser Textausschnitt im Kapitel unmittelbar weiter? Ergänze den genauen Wortlaut. »Küß eine weiße Galathee, …«

Eine Antwort ist richtig.

Textstelle 1 ↗ Textstelle 2 ↗ Textstelle 3 ↗ Textstelle 4 ↗
Aufgaben zum TextVerstehen, begründen und mit Textstellen arbeiten · ohne Punkte

1. Lies den Abschnittsbeginn: »Vor etwa fünfundzwanzig Jahren, als die Naturwissenschaften eben wieder auf einem höchsten Gipfel standen, obgleich das Gesetz der natürlichen Zuchtwahl noch nicht bekannt war, öffnete Herr Reinhart eines […]« Welche Informationen sind hier bereits sicher, und welche Frage bleibt für dich offen?

Impulse zur Selbstprüfung

Vergleiche deine Antwort mit dem verlinkten Absatz der Lesefassung. Mehrere begründete Antworten sind möglich; die Aufgabe wird nicht automatisch als richtig oder falsch bewertet.

  • Nenne zwei Informationen, die sich tatsächlich aus dieser Passage ableiten lassen.
  • Trenne eine eigene Frage oder Vermutung klar vom Textbefund.
Textstelle nachlesen ↗

2. Fasse diese Textstelle in eigenen Worten zusammen: »Da fühlte er einen leise stechenden Schmerz im Auge; er rieb es mit der Fingerspitze und schaute mit dem andern durch das Rohr, und auch dieses schmerzte; denn er hatte allbereits angefangen, durch das […]« Was ist für ihr Verständnis besonders wichtig?

Impulse zur Selbstprüfung

Vergleiche deine Antwort mit dem verlinkten Absatz der Lesefassung. Mehrere begründete Antworten sind möglich; die Aufgabe wird nicht automatisch als richtig oder falsch bewertet.

  • Gib die zentrale Aussage oder Situation wieder, ohne etwas hinzuzuerfinden.
  • Nenne eine Einzelheit aus der Passage, auf die sich deine Zusammenfassung stützt.
Textstelle nachlesen ↗

3. Prüfe, ob es in dieser Passage um Geld oder Besitz geht. Wenn ja, begründe dies am Text. Wenn nicht, erläutere stattdessen die konkrete Aussage oder Handlung. Unterscheide wörtliche und übertragene Bedeutungen. Ausgangspunkt: »[…] bei seiner Arbeit das große Schauspiel mitgenoß, welches den unendlichen Reichtum der Erscheinungen unaufhaltsam auf eine einfachste Einheit zurückzuführen scheint, wo es heißt, im Anfang war die Kraft, oder so was.«

Impulse zur Selbstprüfung

Vergleiche deine Antwort mit dem verlinkten Absatz der Lesefassung. Mehrere begründete Antworten sind möglich; die Aufgabe wird nicht automatisch als richtig oder falsch bewertet.

  • Beziehe dich auf die konkrete verlinkte Passage und ihren unmittelbaren Zusammenhang.
  • Belege deine Aussage mit einem passenden kurzen Zitat.
  • Kennzeichne eine weitergehende Interpretation als Deutung, nicht als ausdrücklich genannte Tatsache.
Textstelle nachlesen ↗

4. Prüfe, ob es in dieser Passage um Tod oder das Ende des Lebens geht. Wenn ja, begründe dies am Text. Wenn nicht, erläutere stattdessen die konkrete Aussage oder Handlung. Unterscheide wörtliche und übertragene Bedeutungen. Ausgangspunkt: »Sogleich warf er das Buch weg und rief: »Dank dir, Vortrefflicher, der mir durch den Mund des noch ältern Toten einen so schönen Rat gibt! Oh, ich wusste wohl, dass man dich nur anzufragen braucht, um gleich etwas Gescheites zu hören!««

Impulse zur Selbstprüfung

Vergleiche deine Antwort mit dem verlinkten Absatz der Lesefassung. Mehrere begründete Antworten sind möglich; die Aufgabe wird nicht automatisch als richtig oder falsch bewertet.

  • Beziehe dich auf die konkrete verlinkte Passage und ihren unmittelbaren Zusammenhang.
  • Belege deine Aussage mit einem passenden kurzen Zitat.
  • Kennzeichne eine weitergehende Interpretation als Deutung, nicht als ausdrücklich genannte Tatsache.
Textstelle nachlesen ↗

5. Prüfe, ob es in dieser Passage um die Umgebung oder die Natur geht. Wenn ja, begründe dies am Text. Wenn nicht, erläutere stattdessen die konkrete Aussage oder Handlung. Unterscheide wörtliche und übertragene Bedeutungen. Ausgangspunkt: »Als die Sonne einige Spannen hoch gestiegen, verschloss er wieder die Fenster vor der schönen Welt mit allem, was draußen lebte und webte, und ließ nur einen einzigen Lichtstrahl in den verdunkelten Raum, durch ein kleines Löchlein, das er […]«

Impulse zur Selbstprüfung

Vergleiche deine Antwort mit dem verlinkten Absatz der Lesefassung. Mehrere begründete Antworten sind möglich; die Aufgabe wird nicht automatisch als richtig oder falsch bewertet.

  • Beziehe dich auf die konkrete verlinkte Passage und ihren unmittelbaren Zusammenhang.
  • Belege deine Aussage mit einem passenden kurzen Zitat.
  • Kennzeichne eine weitergehende Interpretation als Deutung, nicht als ausdrücklich genannte Tatsache.
Textstelle nachlesen ↗

6. Prüfe, ob es in dieser Passage um Regeln oder Erwartungen geht. Wenn ja, begründe dies am Text. Wenn nicht, erläutere stattdessen die konkrete Aussage oder Handlung. Unterscheide wörtliche und übertragene Bedeutungen. Ausgangspunkt: »[…] wie tief, klar und richtig, so hübsch abgewogen und gemessen! Gerade so muss es sein: errötend lachen! Küß eine weiße Galathee, sie wird errötend lachen!««

Impulse zur Selbstprüfung

Vergleiche deine Antwort mit dem verlinkten Absatz der Lesefassung. Mehrere begründete Antworten sind möglich; die Aufgabe wird nicht automatisch als richtig oder falsch bewertet.

  • Beziehe dich auf die konkrete verlinkte Passage und ihren unmittelbaren Zusammenhang.
  • Belege deine Aussage mit einem passenden kurzen Zitat.
  • Kennzeichne eine weitergehende Interpretation als Deutung, nicht als ausdrücklich genannte Tatsache.
Textstelle nachlesen ↗

7. Vergleiche diese beiden Stellen: »Da fühlte er einen leise stechenden Schmerz im Auge; er rieb es mit der Fingerspitze und schaute mit dem andern durch das Rohr, […]« und »Es war ein Band der Lachmannschen Lessingausgabe, und zwar der, in welchem die Sinngedichte des Friedrich von Logau stehen, und […]«. Welche Gemeinsamkeit oder welchen Unterschied kannst du am Wortlaut zeigen?

Impulse zur Selbstprüfung

Vergleiche deine Antwort mit dem verlinkten Absatz der Lesefassung. Mehrere begründete Antworten sind möglich; die Aufgabe wird nicht automatisch als richtig oder falsch bewertet.

  • Nenne eine nachvollziehbare Gemeinsamkeit oder einen Unterschied.
  • Belege beide Seiten des Vergleichs; unterstelle keine Entwicklung, die der Text nicht zeigt.
Textstelle 1 ↗ Textstelle 2 ↗

8. Am Abschnittsende steht: »Er hatte die artige Vorschrift auf einen Papierstreifen geschrieben, wie ein Rezept, und in die Brieftasche gelegt.« Was ist hier geklärt, und was bleibt offen?

Impulse zur Selbstprüfung

Vergleiche deine Antwort mit dem verlinkten Absatz der Lesefassung. Mehrere begründete Antworten sind möglich; die Aufgabe wird nicht automatisch als richtig oder falsch bewertet.

  • Beziehe dich auf den Schluss dieses Abschnitts, nicht auf dein Vorwissen über das ganze Werk.
  • Falls die Stelle nichts eindeutig klärt, begründe auch das mit dem Text.
Textstelle nachlesen ↗

9. Prüfe deinen ersten Leseeindruck an Anfang und Ende: »Vor etwa fünfundzwanzig Jahren, als die Naturwissenschaften eben wieder auf einem höchsten Gipfel standen, […]« / »Er hatte die artige Vorschrift auf einen Papierstreifen geschrieben, wie ein Rezept, und in die Brieftasche […]«. Würdest du deine erste Einschätzung jetzt verändern? Begründe.

Impulse zur Selbstprüfung

Vergleiche deine Antwort mit dem verlinkten Absatz der Lesefassung. Mehrere begründete Antworten sind möglich; die Aufgabe wird nicht automatisch als richtig oder falsch bewertet.

  • Nenne deine ursprüngliche Einschätzung oder Leseerwartung.
  • Verwende mindestens einen Textbeleg für deine jetzige Einschätzung.
  • Sowohl eine veränderte als auch eine bestätigte Einschätzung ist möglich.
Textstelle 1 ↗ Textstelle 2 ↗
Kreativ schreibenDrei Anregungen in drei Niveaustufen · ohne Punkte

Wähle die Anregung, die zu dir passt. Deine eigene Fassung bleibt klar vom Originaltext getrennt.

Niveau 1 · Einstieg

1. Schreibe zu diesem Textausschnitt 5–8 eigene Sätze: »Vor etwa fünfundzwanzig Jahren, als die Naturwissenschaften eben wieder auf einem höchsten Gipfel standen, obgleich das Gesetz der natürlichen Zuchtwahl noch nicht bekannt war, öffnete Herr Reinhart eines Tages seine Fensterläden und ließ den Morgenglanz, der hinter den Bergen hervorkam, in sein Arbeitsgemach, und mit«. Wähle eine Person, einen Gegenstand oder einen Gedanken daraus. Schreibe aus einer neuen Sicht. Satzanfänge helfen: „Ich bemerke …“, „Ich frage mich …“, „Als Nächstes …“.

Impulse zur Selbstprüfung

Mehrere Lösungen sind möglich. Prüfe deinen Text an den Kriterien oder besprich ihn mit anderen. Diese Aufgabe gibt keine automatisch bewerteten Punkte.

  • Übernimm mindestens zwei passende Einzelheiten aus dem Kapitel.
  • Trenne ein wörtliches Zitat deutlich von deinem eigenen Text.
  • Kennzeichne deine Ergänzungen als erfunden.
Textstelle nachlesen ↗

Niveau 2 · Vertiefung

2. Verwandle den folgenden Ausschnitt in einen Brief, Tagebucheintrag oder kurzen Dialog: »Jetzt lachte er nur, wenn unter seinen chemischen Stoffen allerlei Komödien und unerwartete Entwicklungen spielten; jetzt wurde er nur verdrießlich, wenn er einen Rechnungsfehler machte, falsch beobachtete oder ein Glas zerbrach; jetzt fühlte er sich nur klug und froh, wenn er bei seiner Arbeit das«. Entscheide, wer sich an wen richtet. Schreibe etwa 120–180 Wörter. Bei einem Sachtext kann ein lernender Mensch einem anderen die Idee erklären.

Impulse zur Selbstprüfung

Mehrere Lösungen sind möglich. Prüfe deinen Text an den Kriterien oder besprich ihn mit anderen. Diese Aufgabe gibt keine automatisch bewerteten Punkte.

  • Die neue Textform und die gewählte Stimme sind erkennbar.
  • Mindestens zwei Aussagen oder Ereignisse bleiben mit dem Kapitel vereinbar.
  • Ergänze einen kurzen Kommentar: Was hast du übernommen, was bewusst erfunden?
Textstelle nachlesen ↗

Niveau 3 · Gestaltung

3. Schreibe ausgehend vom Kapitelende eine alternative Fortsetzung oder eine Szene mit einer Gegenposition: »Er hatte die artige Vorschrift auf einen Papierstreifen geschrieben, wie ein Rezept, und in die Brieftasche gelegt.«. Entwickle etwa 200–300 Wörter. Bei einem Sachtext kannst du ein Streitgespräch über eine These gestalten. Begründe anschließend in 3–5 Sätzen deine Entscheidungen mit zwei kurzen Zitaten aus dem Kapitel.

Impulse zur Selbstprüfung

Mehrere Lösungen sind möglich. Prüfe deinen Text an den Kriterien oder besprich ihn mit anderen. Diese Aufgabe gibt keine automatisch bewerteten Punkte.

  • Die Fortsetzung oder Gegenposition knüpft nachvollziehbar an konkrete Textstellen an.
  • Zwei genaue Zitate begründen die Gestaltung; Schlussfolgerungen werden als eigene Deutung markiert.
  • Der neue Text ist ausdrücklich eine eigene Bearbeitung und wird nicht dem Originalautor zugeschrieben.
Textstelle nachlesen ↗

Ausgabe, Herkunft und Rechte

Originalautor vor 1956 verstorben. TextGrid kennzeichnet die zugrunde liegenden reinen Texte als gemeinfrei; Struktur und Metadaten unter CC BY 3.0 DE mit Namensnennung TextGrid und www.editura.de. Das Werk Das Sinngedicht von Keller, Gottfried ist eine Abwandlung des Datenbestandes der Digitalen Bibliothek von TextGrid, www.editura.de, und wird unter der Creative Commons Lizenz Namensnennung 3.0 Deutschland veröffentlicht. Der zugrunde liegende literarische Reintext ist gemeinfrei. TextGrid wurde vom BMBF gefördert (Förderkennzeichen 01UG1203A).

Die Extraktion erfasst alle Textpositionen der gelieferten Quelldatei; dies ersetzt keinen vollständigen Vergleich mit dem historischen Druck. Offene Kapitelaufgaben dienen der Selbstprüfung und sind keine automatisch bewertete Interpretation.

Das Sinngedicht

Gottfried Keller: Sämtliche Werke in acht Bänden, Berlin: Aufbau, 1958–1961. Keller, Gottfried 387- Berlin

Das Werk Das Sinngedicht von Keller, Gottfried ist eine Abwandlung des Datenbestandes der Digitalen Bibliothek von TextGrid, www.editura.de und wird unter der Creative Commons Lizenz veröffentlicht.

Quelltext und Ausgabe ↗ · CC BY 3.0 DE; reine Originaltexte gemeinfrei Lizenz

Welche Änderungen enthält die Lesefassung?

Explizite Wortliste statt allgemeiner Such-und-Ersetz-Regeln. Jede Änderung ist mit Kapitel, Absatz, Quellposition und Regel dokumentiert. Erfasste Namen und bekannte mehrdeutige Formen bleiben ausgespart; dies ist keine automatische vollständige Namenserkennung. Grundlage für s/ss/ß: Amtliches Regelwerk 2024, §§ 2, 5 und 25. Die unveränderte Quellfassung bleibt verfügbar.