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Buch - Almansor - Heine, Heinrich

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Originalwerk · Lesefassung

Almansor

Heine, Heinrich · 1821

Im Spanien nach der christlichen Eroberung Granadas begegnen sich Liebe, religiöser Zwang und Vertreibung. Almansors Beziehung zu Zuleima wird zum Konflikt zwischen persönlicher Bindung und gewaltsam durchgesetzter Glaubensordnung.

DramaKlasse 11–1310 Abschnitte
Historisches Bildnis von Heinrich Heine
Historisches Bildnis von Heinrich Heine — Bildnis zur Autorschaft; keine Szene aus dem Buch. · Moritz Daniel Oppenheim · Public domain Bildquelle ↗
Hinweise für den Unterricht
  • Historische Sprache und zeitgebundene Wertvorstellungen gemeinsam einordnen. Klassenangaben sind redaktionelle Orientierung.
  • Für die begleitete Analyse in der Oberstufe; je nach Werk werden Gewalt, Sexualität, Krankheit oder historische Diskriminierung thematisiert.

Behutsam angepasste Schreibweise nach einer begrenzten Wortliste. Mehrdeutige Formen, erfasste Namen, Sprechernamen, Bühnenanweisungen, Überschriften und Anmerkungen bleiben unverändert. Keine vollständige redaktionelle Überarbeitung nach heutiger Rechtschreibung. Für wortgetreue Quellenzitate die Quellfassung wählen.

Deutsch · Abschnitt 3 von 10

Das Innere eines alten, verödeten Maurenschlosses

1
Das Innere eines alten, verödeten Maurenschlosses
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2
Durch die Seitenfenster fallen Strahlen der untergehenden Sonne. Almansor allein.
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3
ALMANSOR.
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4
Es ist der alte, liebe Boden noch,
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5
Der wohlbekannte, buntgestickte Teppich,
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6
Worauf der Väter heil'ger Fuß gewandelt!
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7
Jetzt nagen Würmer an den seidnen Blumen,
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8
Als wären sie des Spaniers Bundgenossen.
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9
Es sind die alten, treuen Säulen noch,
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10
Des stolzen Hauses stolze Marmorstützen,
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11
Woran ich oft mich angelehnt als Knabe.
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Oh, hätten unsre Gomeles und Ganzuls,
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13
Abencerragen und hochmüt'ge Zegris
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14
So treu, wie diese Säulen hier, getragen
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Den Königsthron im leuchtenden Alhambra!
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Es sind die alten, guten Mauern noch,
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Die glattgetäfelten, die hübsch bemalten,
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Die stets dem müden Wandrer Obdach gaben!
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Gastlich geblieben sind die guten Mauern,
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Doch ihre Gäste sind nur Eul' und Uhu.
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Er geht ans Fenster.
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Still bleibt's! Nur du, o Sonne, hörtest mich;
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Mitleidig schickst du mir die letzten Strahlen,
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Und streust mir Licht auf meinen dunkeln Pfad!
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Du, güt'ge Sonne, hör mein dankbar Wort:
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Entflieh auch du nach Mauritaniens Küste
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Und nach Arabiens ewig heitrer Flur; –
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Oh, fürchte Don Fernand und seine Räte,
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Die Haß geschworen allem schönen Lichte;
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Oh, fürchte Doña Isabell, die Stolze,
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Die im Gefunkel ihrer Diamanten
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Allein zu glänzen glaubt, wenn Nacht ringsum;
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Oh, flieh auch du den schlimmen span'schen Boden,
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Wo schon gesunken deine Schwestersonne,
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Die goldgetürmte leuchtende Granada!
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Geht vom Fenster.
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37
Beklommen ist mein Herz, als habe sich
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38
Der untergehnden Sonne Flammenball
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39
Auf diese arme, schwache Brust gewälzt.
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Wie morsche, glühnde Asche ist mein Leib,
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41
Und unter meinen Füßen wankt der Boden.
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42
So heimisch ist mir hier, und doch so ängstlich!
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43
Das Lüftchen, das mir lind die Wange kühlt,
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44
Haucht Grüße mir aus längstverschollner Zeit.
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In jener Schatten wechselnder Bewegung
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Seh ich die Märchen meiner Kinderjahre;
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Sie regen sich, und nicken mir, und lächeln
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Mit klugen Mienen, und verwundern sich,
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Dass jetzt der alte Freund so bang, so fremd tut.
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50
Dort schwankt hervor die liebe, tote Mutter,
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Und schaut wehmütiglich besorgt, und weint,
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52
Und winkt, und winkt mit ihrer weißen Hand.
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Und auch den Vater seh ich dorten sitzen,
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Auf grünem Sammetpolster, leise schlummernd.
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Er steht sinnend. Es ist ganz dunkel geworden. Man sieht im Hintergrunde eine Gestalt, mit einer Fackel in der Hand, vorüberschreiten.
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Welch Nebelbild kam dort vorbeigeflirrt?
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57
War's nur ein Blendwerk, das mich toll umgaukelt?
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58
War's nicht der alte Hassan, der dort ging?
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59
Vielleicht liegt Hassans toter Leib im Grab,
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Und nur sein Geist noch wandelt hier als Wächter
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Der Burg, die er im Leben treu gehütet?
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Es rauscht und rollet dumpf, und immer näher,
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Als stiegen meine Väter aus den Gräbern,
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Um mir zum Gruß die Knochenhand zu reichen,
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Zum Willkommkuß die weißen, kalten Lippen –
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Sie kommen schon – Eu'r Grüßen könnt mich töten –
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Mehrere Mauren stürzen hervor mit blanken Säbeln.
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ERSTER MAURE.
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Das könnte wohl geschehn!
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ALMANSOR
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zieht sein Schwert aus der Scheide.
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So komm hervor,
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Du wunderreiches, blankes Amulett,
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Und schütze mich vor solchen schlimmen Geistern!
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ZWEITER MAURE.
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Wie kömmst du, Fremdling, hier in unsre Burg?
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ALMANSOR.
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78
Ich geb die Frag' zurück, die Burg ist mein,
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Und dieser Anwalt –
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Zeigt sein Schwert. –
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soll mein gutes Recht
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Auf eure Haut mit roten Zügen schreiben.
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ERSTER MAURE.
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84
Ei! ei! wenn unser Anwalt Einspruch tut,
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Ist seine Zunge nicht von Holz; fürwahr,
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Metallvoll klirret seine Eisenstimme. –
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Sie fechten.
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ERSTER MAURE.
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Ei! ei! dein Anwalt kommt ja recht in Hitze,
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Und seine Rede sprühet Feuerfunken.
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91
ALMANSOR.
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Schweig nur, in deinem Blut soll er sie löschen.
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DRITTER MAURE.
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Der Spaß geht bald zu End', ergib dich uns.
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95
Hassan, in der linken Hand eine Fackel, in der rechten einen Säbel, stürzt wild herbei.
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HASSAN.
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97
Ho! ho! habt ihr den Alten ganz vergessen?
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Blutrache, wisst ihr ja, ist mein Gewerbe,
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Und mir gehört der dort, ich muss ihn töten.
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100
Er sicht mit dem schon ermatteten Almansor; wie er ihn eben niederhauen will, erblickt er das Gesicht desselben beim Scheine der Fackel, und erschüttert stürzt er zu Almansors Füßen.
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101
Allah! Es ist Almansor ben Abdullah!
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102
ALMANSOR.
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103
Das bin ich noch, und du bist Hassan noch;
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104
Steh auf, du treuer Diener meines Hauses.
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105
Ein nächtig Blendwerk hat uns hier verwirrt,
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106
Und bald wär mir die Vaterburg zum Grab,
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107
Die alte Wiege mir zum Sarg geworden.
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108
ERSTER MAURE.
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109
Du schienest Spanier durch Barett und Mantel,
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Und unser Säbel nur bewillkommt Spanier.
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111
HASSAN
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112
steht langsam auf und spricht mit strengem Tone.
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113
Almansor ben Abdullah! steh mir Rede:
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114
Wie kömmt dein Leib in diese span'sche Tracht ?
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115
Wer hat das edle Berberroß behängt
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116
Mit dieser gleißend farb'gen Schlangenhaut?
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117
Wirf ab die gift'ge Hülle, Sohn Abdullahs,
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118
Tritt auf das Haupt der Schlange, edles Roß!
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119
ALMANSOR
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120
lächelnd.
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121
Du bist der alte Eifrer Hassan noch,
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122
Und klebst noch fest an Farben und an Formen.
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123
Die Schlangenhaut, die schützet wider Schlangen;
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124
So wie die Wolfsfellhülle schützt das Lamm,
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125
Das wehrlos fromm die Waldungen durchstreift.
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126
Trotz Hut und Mantel bin ich doch ein Moslem,
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127
Denn in der Brust hier trag ich meinen Turban.
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128
HASSAN.
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129
Gelobt sei Allah! Allah sei gelobt!
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130
Legt euch zur Ruhe, Brüder, ich will wachen;
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131
Verjüngt hat plötzlich sich der alte Hassan.
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132
Die Mauren gehn ab.
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133
ALMANSOR.
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134
Wer sind die Männer, die du Brüder nanntest?
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135
HASSAN.
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136
Es sind die Reste jener treuen Diener,
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Die Allah noch in diesem Land besitzt.
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Ach! ihre Zahl ist g'ring, und täglich schmilzt sie;
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139
Derweil die Zahl der Schelme täglich anschwillt.
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140
ALMANSOR.
Vorlage S. 484
141
Wie tief bist du gesunken! O Granada!
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142
HASSAN.
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143
Wohl sinken muss die Stadt, wo Doppelfeinde,
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144
Wo drinnen Zwietracht, draußen Arglist wüten.
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145
Oh! Fluch der Nacht, wo diese Weiberarglist
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146
Mit Männerhabsucht süß gebuhlt. Oh! Fluch
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147
Der Nacht, wo das Verderben von Granada
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148
In solcher Glutumarmung ward beraten;
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149
Oh! Fluch der Nacht, wo einst ins Brautbett stieg
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150
Don Ferdinand zu Doña Isabella!
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151
Wo solches Paar der Zwietracht Funken schürt,
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Da flackert bald in Flammen auf das Haus.
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153
Nicht durch den Speer des kräftigen Leoners,
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Nicht durch des stolzen Aragoniers Lanze,
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Nicht nur das Schwert kastil'scher Ritterschaft –
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Nur durch Granada selber fiel Granada!
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Wenn der Erzeuger meuchelt seine Kinder,
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Die wehrlos eignen Kinder in der Wiege,
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159
Und wenn der Sohn die frevelhafte Rechte
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Entgegenballt dem heil'gen Haupt des Vaters,
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161
Und wenn der Bruder, auf des Bruders Leiche,
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Des Thrones blut'ge Stufen frech erklimmt,
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Und wenn des Reiches pflichtvergeßne Großen
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Ehrlos der Fahne ihres Erbfeinds folgen:
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Dann fliehn mit schamverhüllten Angesichtern
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166
Die Engel, die der Hauptstadt Tore hüten,
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167
Und siegreich ziehen ein der Feinde Scharen.
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168
ALMANSOR.
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169
Ich denke noch des unheilschwangern Tags;
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170
Ich stand am Tor des Schlosses unten, plötzlich
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Sprengt rasch einher, auf schwarzem Roß, ein Reiter.
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Wild, und verstörten Blicks, und atemlos
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Fragt' er nach Vater. Schnell die Trepp' hinauf –
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Und in des Vaters offne Arme sank er.
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Da sah ich erst, es war der gute Aly –
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176
HASSAN
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bitter.
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Der gute Aly!
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ALMANSOR.
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»Aly, sprich, was bringst du?«
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Sprach schnell mein Vater. – Oh, da stürzten Bäche
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Blutdunkler Tränen über Alys Wangen,
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Und schluchzend sprach er: »In Granada haben
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Don Ferdinand und Isabell den Einzug
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185
Gehalten, unterm Schalle der Drommeten,
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186
Und König Boabdil hat ihnen kniend
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Die Schlüssel überreicht auf goldnem Becken,
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188
Und auf Alhambras Turm steht aufgepflanzt
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Kastiliens Fahne und Mendozas Kreuz.«
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190
HASSAN
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191
hält sich die Augen zu.
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Oh! eine Gnade nur verlang ich, Allah!
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193
Lösch aus in meinem Hirn dies Bild des Greuels!
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ALMANSOR.
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Noch schwebt mir's vor, wie dieser Botschaft Blitz
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In jedem Mund die Zunge kalt gelähmt.
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Bleich, stumm und stieren Blickes stand mein Vater,
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Die Arme hingen lang und schlaff herab,
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Die Knie schlotterten, und wie er hinsank,
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Erhub sich Weiberjammer und Geheul.
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201
HASSAN.
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202
Lösch aus in meinem Hirn dies Bild des Greuels!
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ALMANSOR.
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204
Da schloss mich an sein Herz der gute Aly;
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Hielt mir besorgt die nassen Augen zu,
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Um mir des Jammers Anblick zu verbergen,
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Und zog mich fort, und hub mich auf sein Roß –
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208
HASSAN
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bitter lächelnd.
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210
Und trug dich fort nach seinem hübschen Schloß,
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Wo dich empfing die liebliche Zuleima,
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Und dir die Träne aus dem Aug' gelächelt,
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Vielleicht geküsst –
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214
ALMANSOR.
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Du boshaft saurer Hassan!
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216
Vergiss nicht, dass ich noch ein Knabe war.
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217
Auch irrst du dich, Zuleimas Augenstrahlen
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Vermochten's nicht, mein nasses Aug' zu trocknen.
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219
Ich stahl mich heimlich fort aus Alys Schloß,
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220
Und war in wen'gen Stunden hier zurück.
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221
Hier auf dem Boden wälzte sich mein Vater,
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222
Sein Kleid zerrissen, Asche auf dem Haupt,
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223
Und wildzerrauft des Bartes weiße Locken.
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Historisches Bildnis von Heinrich Heine
Kontextbild zum Werk. Historisches Bildnis von Heinrich Heine — Bildnis zur Autorschaft; keine Szene aus dem Buch. · Moritz Daniel Oppenheim · Public domain Bildquelle ↗
224
Hier neben ihm lag weinend meine Mutter,
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225
Mitsamt den Dienerinnen schwarz verschleiert.
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Und wenn es still ward, und nur eine Stimme
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227
Aufseufzend rief das Wort »Granada!«, so
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228
Ergoß sich doppelt laut die alte Klage.
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229
HASSAN
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230
weinend.
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231
Versieget nie, ihr ew'gen Tränenquellen!
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232
ALMANSOR.
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233
Sieh nicht so kläglich aus, du alter Hassan!
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234
Weit besser kleidet dich der Löwentrotz,
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235
Mit dem du, harnischglänzend, waffenklirrend,
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236
Zu uns Erstaunten tratest in den Saal.
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237
Ich seh dich noch, wie du zum Vater sprachest:
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»Ich kann nicht länger dienen dir, Abdullah,
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239
Dieweil mein Gott jetzt seines Knechts bedarf.«
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240
Und festen Gangs verließest du das Schloß,
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241
Und seit der Zeit sah ich dich niemals wieder.
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242
HASSAN.
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243
Zu jenen Kämpfern hatt ich mich gesellt,
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244
Die ins Gebürge, auf die kalten Höhn,
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245
Mit ihren heißen Herzen sich geflüchtet.
Vorlage S. 487
246
So wie der Schnee dort oben nimmer schwindet,
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247
So schwand auch nie die Glut in unsrer Brust;
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248
Wie jene Berge nie und nimmer wanken,
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249
So wankte nimmer unsre Glaubenstreue;
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250
Und wie von jenen Bergen Felsenblöcke
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251
Öfters herunterrollen, allzerschmetternd,
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252
So stürzten wir von jenen Höhen oft,
Vorlage S. 487
253
Zermalmend, auf das Christenvolk im Tal;
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254
Und wenn sie sterbend röchelten, die Buben,
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255
Wenn ferne wimmerten die Trauerglocken,
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256
Und Angstgesänge dumpf dazwischenschollen,
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257
Dann klang's in unsre Ohren süß wie Wollust.
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258
Doch hat solch blutigen Besuch erwidert
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259
Unlängst Graf Aquilar mit seinen Rittern.
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260
Der hat zum letzten Tanz uns aufgespielt;
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261
Und beim Geschmetter gellender Trompeten,
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262
Bei der Kanonen dumpfem Paukenschalle,
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263
Beim Kehrausfiedeln kastilian'scher Klingen,
Vorlage S. 487
264
Und bei der Kugeln lustig hellem Pfeifen,
Vorlage S. 487
265
Flog jählings mancher Maure in den Himmel,
Vorlage S. 488
266
Und wen'ge nur entrannen wir dem Tanzplatz.
Vorlage S. 488
267
Doch sprich, Almansor, wie erging es Euch?
Vorlage S. 488
268
Mit jenen Freunden floh ich jüngst hierher,
Vorlage S. 488
269
Und fand nur öde Säle, und betrübt
Vorlage S. 488
270
Sahn auf mich nieder diese kahlen Wände,
Vorlage S. 488
271
Und traur'ge Ahnung gab das traur'ge Schloß.
Vorlage S. 488
272
ALMANSOR.
Vorlage S. 488
273
Verlange nicht ein Klagelied, lass schlummern
Vorlage S. 488
274
Die lieben Toten und Almansors Schmerzen.
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275
Du sahst ja damals, wie auf schwarzem Roß
Vorlage S. 488
276
Der gute Aly hergebracht das Unglück.
Vorlage S. 488
277
Nie kommt das Unglück ohne sein Gefolge!
Vorlage S. 488
278
Tagtäglich kamen aus Granada schlimmre
Vorlage S. 488
279
Botschaften her; und wie der Wandrer schnell
Vorlage S. 488
280
Sich mit dem Antlitz auf den Boden wirft,
Vorlage S. 488
281
Wenn ihm entgegenweht der glühnde Samum,
Vorlage S. 488
282
So stürzten wir oft weinend hin zur Erde,
Vorlage S. 488
283
Dass uns der Kunden gift'ger Hauch nicht töte.
Vorlage S. 488
284
Bald hörten wir vom Abfall unsrer Priester,
Vorlage S. 488
285
Der Morabiten und der Alfaquis; –
Vorlage S. 488
286
HASSAN.
Vorlage S. 488
287
Gibt's irgendwo 'nen Glauben zu verschachern,
Vorlage S. 488
288
So sind zuerst die Pfaffen bei der Hand.
Vorlage S. 488
289
ALMANSOR.
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290
Bald hörten wir, dass auch der große Zegri,
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291
In feiger Todesangst, das Kreuz umklammert;
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292
Dass vieles Volk dem Beispiel Großer folgte,
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293
Und Tausende ihr Haupt zur Taufe beugten; –
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294
HASSAN.
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295
Der neue Himmel lockt viel alte Sünder.
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296
ALMANSOR.
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297
Wir hörten, dass der furchtbare Ximenes,
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298
Inmitten auf dem Markte, zu Granada –
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299
Mir starrt die Zung' im Munde – den Koran
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300
In eines Scheiterhaufens Flamme warf!
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301
HASSAN.
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302
Das war ein Vorspiel nur, dort, wo man Bücher
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303
Verbrennt, verbrennt man auch am Ende Menschen.
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304
ALMANSOR.
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305
Am Ende kam die allerschlimmste Botschaft: –
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306
Stockt.
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307
Dass auch der gute Aly Christ geworden. –
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308
Pause.
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309
Da quoll kein Tropfen aus des Vaters Augen,
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310
Kein Klagelaut entstahl sich seinem Mund,
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311
Kein Haar entraufte er dem greisen Haupte; –
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312
Nur seine Antlitzmuskeln zuckten krampfhaft,
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313
Und wildverzerrt, und schneidend brach hervor
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314
Aus seiner Brust ein gellendes Gelächter.
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315
Und wie ich mich mit leisem Weinen nahte,
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316
Ergriff's wie Wahnsinnwut den armen Vater.
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317
Er zog den Dolch und nannt mich »Schlangenbrut«
Vorlage S. 489
318
Und wollt mir schon die Brust durchstoßen – plötzlich
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319
Zog sich's wie sanftrer Schmerz um seine Lippen.
Vorlage S. 489
320
»Du, Knabe, sollst die Schuld nicht büßen«, sprach er,
Vorlage S. 489
321
Und wankte fort nach seiner stillen Kammer.
Vorlage S. 489
322
Dort saß er schweigend, ohne Speis' und Trank,
Vorlage S. 489
323
Drei Tage lang. Doch wie er da hervorkam,
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324
Schien er wie umgewandelt. Ruhig war er,
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325
Befahl den Knechten: all sein Hab und Gut
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326
Auf Maultier' und auf Wagen aufzuladen;
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327
Befahl den Weibern: uns mit Wein und Brot
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328
Für eine lange Reise zu versorgen.
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329
Als das geschehn, nahm er in seine Arme,
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330
Und trug es selbst, das allerbeste Kleinod,
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331
Die Rolle der Gesetze Mahomets,
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332
Dieselben alten, heil'gen Pergamente,
Vorlage S. 489
333
Die einst die Väter mitgebracht nach Spanien.
Vorlage S. 489
334
Und so verließen wir der Heimat Fluren,
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335
Und zogen fort, halb zaudernd und halb eilig,
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336
Als wenn es unsichtbar, mit weichen Armen
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337
Und schmelzend lieber Stimm', uns rückwärts zöge,
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338
Und dennoch Wolfsgeheul uns vorwärts triebe.
Vorlage S. 490
339
Als wär's ein Mutterkuß beim letzten Scheiden,
Vorlage S. 490
340
So sogen wir begierig ein den Duft
Vorlage S. 490
341
Der span'schen Myrten- und Zitronenwälder;
Vorlage S. 490
342
Derweil die Bäume klagend uns umrauschten,
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343
Wehmütig süß die Lüfte uns umspielten,
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344
Und traur'ge Vöglein, wie zum Lebewohl,
Vorlage S. 490
345
Uns stumme Wandrer stumm umflatterten.
Vorlage S. 490
346
HASSAN.
Vorlage S. 490
347
Ihr hieltet fest in Euren treuen Händen
Vorlage S. 490
348
Den besten Wanderstab, der Väter Glauben.
Vorlage S. 490
349
ALMANSOR.
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350
Wo Tariks Fuß zuerst dies Land betrat,
Vorlage S. 490
351
Setzten wir schleunig über nach Marokko,
Vorlage S. 490
352
Wohin die Besten unsres Volkes flohn.
Vorlage S. 490
353
Doch als wir landeten, erblich die Mutter,
Vorlage S. 490
354
Und legte still ins Grab ihr müdes Haupt.
Vorlage S. 490
355
HASSAN.
Vorlage S. 490
356
Von rauher Hand versetzt in fremden Boden,
Vorlage S. 490
357
Hat welken müssen solche zarte Lilie.
Vorlage S. 490
358
ALMANSOR.
Vorlage S. 490
359
In Trauerkleidern reisten wir von dannen,
Vorlage S. 490
360
Und schlossen uns an jene Karawanen,
Vorlage S. 490
361
Die nach dem heil'gen Mekka gläubig wallen.
Vorlage S. 490
362
In Jemen, in dem Land der Stammesbrüder,
Vorlage S. 490
363
Schloß auch Abdullah die verweinten Augen,
Vorlage S. 490
364
Und schlummerte hinüber nach der Heimat,
Vorlage S. 490
365
Wo kein Ximenes, keine Isabella.
Vorlage S. 490
366
HASSAN.
Vorlage S. 491
367
Und gibt es in Arabien keine Örter,
Vorlage S. 491
368
Wo man den toten Vater kann beweinen?
Vorlage S. 491
369
ALMANSOR.
Vorlage S. 491
370
Oh, kenntest du die Qual des Ruhelosen,
Vorlage S. 491
371
Den unsichtbare Flammengeißeln treiben!
Vorlage S. 491
372
Noch einmal wollt ich küssen Spaniens Boden –
Vorlage S. 491
373
HASSAN.
Vorlage S. 491
374
Und bei Gelegenheit Zuleimas Lippen.
Vorlage S. 491
375
ALMANSOR
Vorlage S. 491
376
ernst.
Vorlage S. 491
377
Des Vaters Diener ist nicht Herr des Sohnes;
Vorlage S. 491
378
Drum, bittrer Hassan, lass dein bittres Deuteln.
Vorlage S. 491
379
Ja, ich bekenn es, nach Zuleima schmacht ich,
Vorlage S. 491
380
Wie nach dem Morgentau der Sand der Wüste.
Vorlage S. 491
381
Noch diese Nacht geh ich nach Alys Schloß.
Vorlage S. 491
382
HASSAN.
Vorlage S. 491
383
Geh nicht nach Alys Schloß! Pestörtern gleich
Vorlage S. 491
384
Flieh jenes Haus, wo neuer Glaube keimt.
Vorlage S. 491
385
Dort zieht man dir, mit süßen Zangentönen,
Vorlage S. 491
386
Aus tiefer Brust hervor das alte Herz,
Vorlage S. 491
387
Und legt dir eine Schlang' dafür hinein.
Vorlage S. 491
388
Dort gießt man dir Bleitropfen, hell und heiß,
Vorlage S. 491
389
Aufs arme Haupt, dass nimmermehr dein Hirn
Vorlage S. 491
390
Gesunden kann vom wilden Wahnsinnschmerz.
Vorlage S. 491
391
Dorten vertauscht man dir den alten Namen,
Vorlage S. 491
392
Und gibt dir einen neu'n; damit dein Engel,
Vorlage S. 491
393
Wenn er dich warnend ruft beim alten Namen,
Vorlage S. 491
394
Vergeblich rufe. Oh, betörtes Kind,
Vorlage S. 491
395
Geh nicht nach Alys Schloß; – du bist verloren,
Vorlage S. 491
396
Wenn man in dir Almansorn wiedersieht!
Vorlage S. 491
397
ALMANSOR.
Vorlage S. 491
398
Besorge nichts; denn niemand kennt mich mehr.
Vorlage S. 491
399
Mein Antlitz trägt des Grames tiefe Furchen,
Vorlage S. 491
400
Getrübt von salz'gen Tränen ist mein Aug',
Vorlage S. 491
401
Nachtwandlerartig ist mein schwanker Gang,
Vorlage S. 492
402
Gebrochen, wie mein Herz, ist meine Stimme –
Vorlage S. 492
403
Wer sucht in mir den blühenden Almansor?
Vorlage S. 492
404
Ja, Hassan, ja, ich liebe Alys Tochter!
Vorlage S. 492
405
Nur einmal noch will ich sie schaun, die Holde!
Vorlage S. 492
406
Und hab ich mich noch einmal süß berauscht
Vorlage S. 492
407
Im Anblick ihrer lieblichen Gestalt,
Vorlage S. 492
408
In ihre Augen meine Seel' getaucht,
Vorlage S. 492
409
Und schwelgend eingehaucht den süßen Odem: –
Vorlage S. 492
410
Dann geh ich wieder nach Arabiens Wüste,
Vorlage S. 492
411
Und setze mich auf jenen steilen Felsen,
Vorlage S. 492
412
Wo Mödschnun saß und Leilas Namen seufzte! –
Vorlage S. 492
413
Drum sei nur ohne Sorge, alter Hassan,
Vorlage S. 492
414
Im span'schen Mantel geh ich, unbemerkt
Vorlage S. 492
415
Und unerkannt, im ganzen Schloß herum,
Vorlage S. 492
416
Und meine Bundgenossin ist die Nacht.
Vorlage S. 492
417
HASSAN.
Vorlage S. 492
418
Trau nicht der Nacht, sie birgt im schwarzen Mantel
Vorlage S. 492
419
Viel arge Fratzenbilder, Molch' und Schlangen,
Vorlage S. 492
420
Und wirft sie heimlich hin vor deine Füße.
Vorlage S. 492
421
Trau ihrem bleichen Buhlen nicht, der droben
Vorlage S. 492
422
Liebäugelnd aus den Wolken niederblinzelt,
Vorlage S. 492
423
Und hämisch bald, mit schrägen, fahlen Lichtern,
Vorlage S. 492
424
Die Schreckgestalten deines Wegs beflimmert.
Vorlage S. 492
425
Trau nimmer ihrer Bastardbrut dort oben,
Vorlage S. 492
426
Den goldnen Kindlein, die so munter funkeln,
Vorlage S. 492
427
Und freundlich tun, und liebeschmeichelnd nicken,
Vorlage S. 492
428
Und dennoch, wie mit tausend glühnden Fingern,
Vorlage S. 492
429
Am Ende spöttisch auf dich niederdeuten.
Vorlage S. 492
430
Geh nicht nach Alys Schloß! Am Eingang sitzen
Vorlage S. 492
431
Drei dunkle Fraun und harren deiner Rückkehr,
Vorlage S. 492
432
Um würgend dich mit Inbrunst zu umarmen,
Vorlage S. 492
433
Im Liebeskuß dein Herzblut auszusaugen!
Vorlage S. 492
434
ALMANSOR.
Vorlage S. 493
435
Wirf hemmend dich in eines Mühlrads Speichen,
Vorlage S. 493
436
Dräng mit der Brust zurück des Stromes Flut,
Vorlage S. 493
437
Halt mit den Armen auf des Bergquells Sturz –
Vorlage S. 493
438
Doch halte mich nicht ab von Alys Schloß.
Vorlage S. 493
439
Dort zieht's mich hin mit tausend Demantfäden,
Vorlage S. 493
440
Die sich verwebt in meines Hirnes Adern
Vorlage S. 493
441
Und in den Fasern meines Herzens; – Hassan,
Vorlage S. 493
442
Schlaf wohl! mein altes Schwert ist mein Begleiter.
Vorlage S. 493
443
HASSAN.
Vorlage S. 493
444
Und deine Leuchte sei dein alter Glaube.
Vorlage S. 493

Nach dem Lesen

Dein Blick auf das Kapitel

10er-QuizZitate verstehen · Zusammenhänge erkennen · Lernpunkte sammeln10 Fragen

Eine Antwort ist jeweils richtig. Lies den Textbeleg aufmerksam. Bei einer falschen Antwort kannst du es erneut versuchen.

Angemeldet zählen richtige Antworten für deinen Lernstand. Als Gast übst du ohne Kontopunkte.

Je Frage sind beim ersten Versuch 10 Punkte möglich, danach 5, 3 oder 1. Bereits gelöste Fragen bleiben zum Üben verfügbar.

1. Wie geht dieser Textausschnitt im Kapitel unmittelbar weiter? Ergänze den genauen Wortlaut. »Oh, fürchte Doña Isabell, die Stolze, Die im …«

Eine Antwort ist richtig.

Textstelle 1 ↗ Textstelle 2 ↗ Textstelle 3 ↗ Textstelle 4 ↗ Textstelle 5 ↗ Textstelle 6 ↗ Textstelle 7 ↗ Textstelle 8 ↗ Textstelle 9 ↗

2. Welches Wort steht an der markierten Stelle? Achte auf die Bedeutung im Zusammenhang und prüfe den genauen Wortlaut. »Als stiegen meine Väter aus den Gräbern, Um mir zum Gruß die […] zu reichen, Zum Willkommkuß die weißen, kalten Lippen – Sie kommen schon – Eu'r Grüßen könnt mich töten –«

Eine Antwort ist richtig.

Textstelle 1 ↗ Textstelle 2 ↗ Textstelle 3 ↗ Textstelle 4 ↗ Textstelle 5 ↗ Textstelle 6 ↗ Textstelle 7 ↗

3. Was bedeutet »nimmermehr« in diesem Ausschnitt? »Dort gießt man dir Bleitropfen, hell und heiß, Aufs arme Haupt, dass nimmermehr dein Hirn«

Eine Antwort ist richtig.

Textstelle 1 ↗ Textstelle 2 ↗

4. Welcher Ausschnitt enthält eine ausdrückliche Verneinung oder einen Ausschluss? Achte auf ein ausdrücklich genanntes Signalwort.

Eine Antwort ist richtig.

Textstelle 1 ↗ Textstelle 2 ↗ Textstelle 3 ↗ Textstelle 4 ↗ Textstelle 5 ↗ Textstelle 6 ↗ Textstelle 7 ↗

5. Welche Sprecherangabe gehört im Kapitel zu diesen Worten? »Und trug dich fort nach seinem hübschen Schloß,«

Eine Antwort ist richtig.

Textstelle 1 ↗ Textstelle 2 ↗

6. In welcher Reihenfolge stehen diese drei Ausschnitte im Kapitel? Gemeint ist ihre Reihenfolge im Text, nicht die Zeit der erzählten Ereignisse. A: »Ei! ei! dein Anwalt kommt ja recht in Hitze, Und seine Rede sprühet Feuerfunken.« B: »Oh, kenntest du die Qual des Ruhelosen, Den unsichtbare Flammengeißeln treiben!« C: »Und festen Gangs verließest du das Schloß, Und seit der Zeit sah ich dich niemals wieder.«

Eine Antwort ist richtig.

Textstelle 1 ↗ Textstelle 2 ↗ Textstelle 3 ↗ Textstelle 4 ↗ Textstelle 5 ↗ Textstelle 6 ↗

9. Welche Sprecherangabe gehört im Kapitel zu diesen Worten? »Oh, kenntest du die Qual des Ruhelosen, Den unsichtbare Flammengeißeln treiben!«

Eine Antwort ist richtig.

Textstelle 1 ↗ Textstelle 2 ↗ Textstelle 3 ↗

10. Wie geht dieser Textausschnitt im Kapitel unmittelbar weiter? Ergänze den genauen Wortlaut. »Trau nicht der Nacht, …«

Eine Antwort ist richtig.

Textstelle 1 ↗ Textstelle 2 ↗ Textstelle 3 ↗ Textstelle 4 ↗ Textstelle 5 ↗ Textstelle 6 ↗ Textstelle 7 ↗
Aufgaben zum TextVerstehen, begründen und mit Textstellen arbeiten · ohne Punkte

1. Ordne diese Textstelle in den Zusammenhang ein: »treu, wie diese Säulen hier, getragen«. Was geschieht oder wird hier besprochen? Erkläre in drei bis fünf Sätzen auch, was davor und danach wichtig ist.

Impulse zur Selbstprüfung

Lies die verlinkte Stelle mit ihrer Umgebung. Trenne ausdrücklich Gesagtes von Vermutungen.

  • Situation oder Gedanke verständlich erklärt
  • Mindestens ein passender Textbeleg
  • Eigene Formulierungen statt bloßer Abschrift
Textstelle nachlesen ↗

2. Vergleiche die beiden Ausschnitte: »treu, wie diese Säulen hier, getragen« und »Wenn man in dir Almansorn wiedersieht«. Welche Entwicklung, Gemeinsamkeit oder Spannung erkennst du? Begründe mit beiden Textstellen.

Impulse zur Selbstprüfung

Auch eine gleichbleibende Haltung ist ein mögliches Ergebnis. Erfinde keine Entwicklung, wenn sie sich aus dem Text nicht belegen lässt.

  • Beide Ausschnitte im Zusammenhang gelesen
  • Eine Gemeinsamkeit oder einen Unterschied erläutert
  • Deutung und wörtlichen Beleg unterschieden
Textstelle 1 ↗ Textstelle 2 ↗

3. Untersuche die sprachliche Wirkung dieses Ausschnitts: »Und trug dich fort nach seinem hübschen Schloß,«. Wähle ein auffälliges Wort, ein Bild oder eine Formulierung. Erkläre seine Wirkung und begründe eine mögliche andere Lesart.

Impulse zur Selbstprüfung

Es gibt nicht nur eine richtige Interpretation. Prüfe beide Lesarten am Kapitel und benenne, was offen bleibt.

  • Sprachliches Merkmal am Wortlaut benannt
  • Wirkung als begründete Deutung formuliert
  • Alternative Lesart oder Grenze der Deutung erklärt
Textstelle nachlesen ↗
Kreativ schreibenDrei Anregungen in drei Niveaustufen · ohne Punkte

Wähle die Anregung, die zu dir passt. Deine eigene Fassung bleibt klar vom Originaltext getrennt.

Niveau 1 · Einstieg

1. Schreibe zu diesem Textausschnitt 5–8 eigene Sätze: »Es ist der alte, liebe Boden noch, Der wohlbekannte, buntgestickte Teppich, Worauf der Väter heil'ger Fuß gewandelt!«. Wähle eine Person, einen Gegenstand oder einen Gedanken daraus. Schreibe aus einer neuen Sicht. Satzanfänge helfen: „Ich bemerke …“, „Ich frage mich …“, „Als Nächstes …“.

Impulse zur Selbstprüfung

Mehrere Lösungen sind möglich. Prüfe deinen Text an den Kriterien oder besprich ihn mit anderen. Diese Aufgabe gibt keine automatisch bewerteten Punkte.

  • Übernimm mindestens zwei passende Einzelheiten aus dem Kapitel.
  • Trenne ein wörtliches Zitat deutlich von deinem eigenen Text.
  • Kennzeichne deine Ergänzungen als erfunden.
Textstelle 1 ↗ Textstelle 2 ↗ Textstelle 3 ↗

Niveau 2 · Vertiefung

2. Verwandle den folgenden Ausschnitt in einen Brief, Tagebucheintrag oder kurzen Dialog: »Zu uns Erstaunten tratest in den Saal.«. Entscheide, wer sich an wen richtet. Schreibe etwa 120–180 Wörter. Bei einem Sachtext kann ein lernender Mensch einem anderen die Idee erklären.

Impulse zur Selbstprüfung

Mehrere Lösungen sind möglich. Prüfe deinen Text an den Kriterien oder besprich ihn mit anderen. Diese Aufgabe gibt keine automatisch bewerteten Punkte.

  • Die neue Textform und die gewählte Stimme sind erkennbar.
  • Mindestens zwei Aussagen oder Ereignisse bleiben mit dem Kapitel vereinbar.
  • Ergänze einen kurzen Kommentar: Was hast du übernommen, was bewusst erfunden?
Textstelle nachlesen ↗

Niveau 3 · Gestaltung

3. Schreibe ausgehend vom Kapitelende eine alternative Fortsetzung oder eine Szene mit einer Gegenposition: »Und deine Leuchte sei dein alter Glaube.«. Entwickle etwa 200–300 Wörter. Bei einem Sachtext kannst du ein Streitgespräch über eine These gestalten. Begründe anschließend in 3–5 Sätzen deine Entscheidungen mit zwei kurzen Zitaten aus dem Kapitel.

Impulse zur Selbstprüfung

Mehrere Lösungen sind möglich. Prüfe deinen Text an den Kriterien oder besprich ihn mit anderen. Diese Aufgabe gibt keine automatisch bewerteten Punkte.

  • Die Fortsetzung oder Gegenposition knüpft nachvollziehbar an konkrete Textstellen an.
  • Zwei genaue Zitate begründen die Gestaltung; Schlussfolgerungen werden als eigene Deutung markiert.
  • Der neue Text ist ausdrücklich eine eigene Bearbeitung und wird nicht dem Originalautor zugeschrieben.
Textstelle nachlesen ↗

Ausgabe, Herkunft und Rechte

Das deutschsprachige Original ist nach den geprüften Lebensdaten des Autors in Deutschland gemeinfrei. TextGrid und www.editura.de stellen den bearbeiteten Datenbestand unter CC BY 3.0 DE bereit.

Almansor

Heinrich Heine: Werke und Briefe in zehn Bänden. Herausgegeben von Hans Kaufmann, 2. Auflage, Berlin und Weimar: Aufbau, 1972. Heine, Heinrich 480- 1972 Berlin und Weimar

Das Werk Almansor von Heine, Heinrich ist eine Abwandlung des Datenbestandes der Digitalen Bibliothek von TextGrid, www.editura.de und wird unter der Creative Commons Lizenz veröffentlicht.

Quelltext und Ausgabe ↗ · CC BY 3.0 DE; underlying texts public domain per source Lizenz

Originalsprache · Deutsch

Unveränderte deutsche Quellfassung; die andere Spalte bietet eine gesonderte Lesefassung. Beide Ansichten gehören zu demselben Werk.

Das Werk Almansor von Heine, Heinrich ist eine Abwandlung des Datenbestandes der Digitalen Bibliothek von TextGrid, www.editura.de und wird unter der Creative Commons Lizenz veröffentlicht.

Autorschaft und Ausgabe: Heine, Heinrich

Originaltext und Ausgabe ↗ · TextGrid / Editura · Lizenz und Nutzungsbedingungen

Heinrich Heine: Werke und Briefe in zehn Bänden. Herausgegeben von Hans Kaufmann, 2. Auflage, Berlin und Weimar: Aufbau, 1972. Heine, Heinrich 480- 1972 Berlin und Weimar

Die Fassungen folgen den jeweils angegebenen Quellen; ihre Gliederung kann abweichen.

Welche Änderungen enthält die Lesefassung?

Explizite Wortliste statt allgemeiner Such-und-Ersetz-Regeln. Jede Änderung ist mit Kapitel, Absatz, Quellposition und Regel dokumentiert. Erfasste Namen und bekannte mehrdeutige Formen bleiben ausgespart; dies ist keine automatische vollständige Namenserkennung. Grundlage für s/ss/ß: Amtliches Regelwerk 2024, §§ 2, 5 und 25. Die unveränderte Quellfassung bleibt verfügbar.