Amide - Chemie


Amide - Chemie
Einleitung
Amide sind wichtige Stoffe der organischen Chemie. In diesem aiMOOC geht es vor allem um Carbonsäureamide. Sie enthalten eine Carbonylgruppe direkt neben einem Stickstoffatom. Die allgemeine Struktur lautet:
Amide kommen in Proteinen, Arzneistoffen und Kunststoffen vor. Die Bindung zwischen Aminosäuren ist eine besondere Amidbindung: die Peptidbindung. Technisch wichtige Polyamide sind zum Beispiel Nylon und Perlon.
Der Begriff „Amid“ kann auch für Metallamide verwendet werden. Hier lernst Du jedoch die organischen Carbonsäureamide kennen.

Lernziele
Nach diesem aiMOOC kannst Du die Amidgruppe erkennen, einfache Amide benennen, ihre Eigenschaften erklären und Bezüge zu Peptiden, Harnstoff, Arzneistoffen und Polyamiden herstellen.
Aufbau der Amidgruppe
Die Amidgruppe besteht aus einer Carbonylgruppe und einem direkt gebundenen Stickstoffatom. Je nach Substitution am Stickstoff unterscheidet man im Schulgebrauch:

Ein einfaches Beispiel ist Ethanamid, auch Acetamid genannt. Seine Formel ist .

Benennung einfacher Amide
Der Name wird meist von der entsprechenden Carbonsäure abgeleitet. Die Endung „-säure“ wird durch „-amid“ ersetzt.
- Methanamid: abgeleitet von Methansäure
- Ethanamid: abgeleitet von Ethansäure
- Propanamid: abgeleitet von Propansäure
Reste am Stickstoff werden mit N- gekennzeichnet. Ein Beispiel ist N-Methylethanamid.
Elektronenstruktur und Mesomerie
Das freie Elektronenpaar des Stickstoffatoms ist mit der Carbonylgruppe gekoppelt. Die Elektronen sind teilweise über mehrere Atome verteilt. Dieses Modell heißt Mesomerie oder Resonanz.

Dadurch erhält die C-N-Bindung einen partiellen Doppelbindungscharakter. Die Amidgruppe ist weitgehend eben, und die Drehung um die C-N-Bindung ist eingeschränkt. Das Elektronenpaar am Stickstoff steht außerdem weniger für die Aufnahme eines Protons zur Verfügung. Deshalb sind Amide deutlich schwächere Basen als Amine.
Eigenschaften
Viele kleine Amide sind polar. Primäre und sekundäre Amide können untereinander Wasserstoffbrücken bilden. Auch das Sauerstoffatom der Carbonylgruppe kann Wasserstoffbrücken aufnehmen. Dadurch besitzen viele Amide vergleichsweise hohe Schmelz- und Siedetemperaturen.
Kurzkettige Amide sind häufig gut in Wasser löslich. Mit wachsendem unpolarem Kohlenwasserstoffrest nimmt die Wasserlöslichkeit meist ab.

Bildung von Amiden
Amide können aus reaktiven Carbonsäurederivaten und Ammoniak oder Aminen entstehen. Im Unterricht wird die Gesamtreaktion oft vereinfacht als Kondensation dargestellt:
In der Praxis reagiert eine nicht aktivierte Carbonsäure mit einem Amin zunächst meist zu einem Salz. Für eine wirksame Amidbildung sind deshalb Aktivierung, geeignete Reagenzien oder besondere Reaktionsbedingungen nötig.
Peptidbindung
Reagiert die Carboxylgruppe einer Aminosäure mit der Aminogruppe einer zweiten Aminosäure, entsteht eine Peptidbindung. Dabei wird formal Wasser abgespalten. Viele verknüpfte Aminosäuren bilden Peptide und Proteine.


Hydrolyse
Bei der Hydrolyse wird eine Amidbindung unter Beteiligung von Wasser gespalten. Unter sauren Bedingungen entstehen eine Carbonsäure und ein protoniertes Amin beziehungsweise Ammoniumion. Unter basischen Bedingungen entstehen ein Carboxylat und ein Amin. In Lebewesen beschleunigen Enzyme viele Hydrolysen.

Amide in Biologie und Alltag
Proteine
Proteine enthalten sehr viele Peptidbindungen. Die eingeschränkte Drehbarkeit der Amidbindung beeinflusst die räumliche Struktur von Proteinen und damit ihre Funktion.
Harnstoff
Harnstoff ist formal das Diamid der Kohlensäure. Er besitzt die Formel . Harnstoff ist ein wichtiges Endprodukt des Stickstoffstoffwechsels vieler Tiere und zugleich ein bedeutender industrieller Rohstoff.

Arzneistoffe
Viele Arzneistoffe enthalten Amidgruppen. Ein bekanntes Beispiel ist Paracetamol. Die Amidgruppe ist nur ein Teil des gesamten Moleküls; die Wirkung hängt von der vollständigen Struktur ab.

Polyamide
Polyamide sind Polymere mit vielen Amidgruppen in der Hauptkette. Nylon kann durch Reaktion einer Dicarbonsäure oder eines reaktiven Dicarbonsäurederivats mit einem Diamin hergestellt werden.


Vergleich: Amid, Amin und Ester
| Stoffklasse | Kennzeichnende Gruppe | Typische Besonderheit |
|---|---|---|
| Amid | Carbonylgruppe direkt neben Stickstoff | Mesomeriestabilisiert und oft stark polar |
| Amin | Stickstoff ohne benachbarte Carbonylgruppe | Meist deutlich basischer als ein Amid |
| Ester | Carbonylgruppe direkt neben Sauerstoff | Häufig durch Veresterung gebildet |
Interaktive Aufgaben
Quiz: Teste Dein Wissen
Welche Struktur kennzeichnet ein Carbonsäureamid? (Eine Carbonylgruppe direkt neben einem Stickstoffatom) (!Eine Hydroxygruppe direkt neben einem Metallatom) (!Eine Kohlenstoff-Kohlenstoff-Dreifachbindung) (!Eine reine Kohlenwasserstoffkette)
Wie heißt CH3CONH2 systematisch? (Ethanamid) (!Methanamin) (!Ethansäureethylester) (!Propanon)
Warum sind Amide schwächere Basen als Amine? (Das freie Elektronenpaar des Stickstoffs ist mesomer delokalisiert) (!Amide enthalten grundsätzlich kein Stickstoffatom) (!Amide bestehen nur aus Ionen) (!Der Amidstickstoff trägt immer eine positive Ladung)
Welche Bindung verknüpft Aminosäuren in Proteinen? (Peptidbindung) (!Ionenbindung) (!Metallbindung) (!Glykosidische Bindung)
Was geschieht bei der Hydrolyse einer Amidbindung? (Die Amidbindung wird unter Beteiligung von Wasser gespalten) (!Zwei Amide werden ohne Nebenprodukt verbunden) (!Ein Stickstoffatom wird in ein Metall umgewandelt) (!Die Carbonylgruppe verschwindet ohne Reaktion)
Was ist ein Lactam? (Ein cyclisches Amid) (!Ein cyclischer Alkohol) (!Ein offenkettiges Alkan) (!Ein Salz einer starken Base)
Was kennzeichnet ein Polyamid? (Viele Amidgruppen befinden sich in den Polymerketten) (!Es besteht ausschließlich aus einzelnen Metallatomen) (!Es enthält keine Stickstoffatome) (!Es ist immer ein kleines gasförmiges Molekül)
Welche zwischenmolekulare Kraft ist bei vielen Amiden besonders wichtig? (Wasserstoffbrückenbindung) (!Kernkraft) (!Magnetische Anziehung zwischen Metallen) (!Ausschließlich London-Kräfte ohne Dipole)
Was entsteht beim Mischen einer nicht aktivierten Carbonsäure mit einem Amin zunächst häufig? (Ein Ammoniumcarboxylat) (!Ein Alkin) (!Ein Edelgas) (!Ein Metalloxid)
Wie lässt sich Harnstoff formal einordnen? (Als Diamid der Kohlensäure) (!Als reiner Kohlenwasserstoff) (!Als Halogenalkan) (!Als Metallamid)
Memory
| Amidgruppe | Carbonylgruppe neben Stickstoff |
| Peptidbindung | Verknüpfung von Aminosäuren |
| Mesomerie | Verteilung von Elektronen über mehrere Atome |
| Lactam | Cyclisches Amid |
| Polyamid | Polymer mit vielen Amidgruppen |
| Hydrolyse | Spaltung unter Beteiligung von Wasser |
| Harnstoff | Diamid der Kohlensäure |
Drag and Drop
| Ordne die richtigen Begriffe zu. | Beschreibung |
|---|---|
| Carbonylgruppe | C-O-Doppelbindung innerhalb der Amidgruppe |
| Amidstickstoff | Stickstoffatom direkt neben der Carbonylgruppe |
| Wasserstoffbrücke | Wichtige Anziehung zwischen vielen Amid-Molekülen |
| Peptidbindung | Amidbindung zwischen Aminosäuren |
| Nylon | Technisch bedeutendes Polyamid |
Kreuzworträtsel
| Ethanamid | Wie heißt das Amid der Ethansäure? |
| Mesomerie | Welches Modell erklärt die Elektronenverteilung in der Amidgruppe? |
| Lactam | Wie heißt ein cyclisches Amid? |
| Harnstoff | Welches Diamid der Kohlensäure entsteht im Stickstoffstoffwechsel? |
| Polyamid | Wie heißt ein Polymer mit vielen Amidgruppen? |
| Hydrolyse | Wie heißt die Spaltung einer Bindung unter Beteiligung von Wasser? |
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Lückentext
Offene Aufgaben
Leicht
- Amidgruppe erkennen: Markiere in fünf vorgegebenen Strukturformeln jeweils die Amidgruppe und erkläre kurz, woran Du sie erkennst.
- Molekülmodell: Baue ein Modell von Ethanamid und fotografiere es aus zwei Perspektiven.
- Stoffklassen vergleichen: Erstelle eine kleine Tabelle zu Amid, Amin und Ester mit Strukturmerkmal und je einem Beispiel.
- Alltagsrecherche: Suche drei Produkte oder Stoffe, die Amide oder Polyamide enthalten, und dokumentiere Deine Quellen.
Standard
- Nomenklatur: Zeichne die Strukturformeln von Methanamid, Propanamid und N-Methylethanamid.
- Mesomerie erklären: Gestalte eine Skizze, die den partiellen Doppelbindungscharakter der C-N-Bindung erklärt.
- Peptidmodell: Verbinde zwei selbst gewählte Aminosäuren zu einem Dipeptid und markiere die Peptidbindung.
- Medienanalyse: Vergleiche zwei Lernvideos zu Amidbindungen. Prüfe Fachsprache, Modelle und Verständlichkeit.
Schwer
- Eigenschaftsprognose: Vergleiche die erwartete Wasserlöslichkeit und Siedetemperatur mehrerer Amide anhand ihrer Struktur.
- Reaktionsplanung: Entwickle ein Reaktionsschema zur Bildung und Hydrolyse eines einfachen Amids und begründe die Bedingungen.
- Polyamidprojekt: Plane eine sichere Unterrichtsdokumentation zur Nylonherstellung. Ein Experiment darf nur als Lehrkraft-Demonstration nach Gefährdungsbeurteilung erfolgen.
- Proteinstruktur: Erkläre in einem Modell oder Video, wie die eingeschränkte Drehbarkeit der Peptidbindung die Proteinstruktur beeinflusst.


Lernkontrolle
- Struktur und Eigenschaft: Erkläre, warum Ethanamid einen höheren Siedepunkt als ein ähnlich großes unpolares Molekül erwarten lässt.
- Amid und Amin: Begründe mithilfe der Elektronenstruktur, warum ein Amin meist basischer ist als ein Amid.
- Reaktionsbewertung: Eine Person behauptet, Carbonsäure und Amin bildeten bei Raumtemperatur sofort vollständig ein Amid. Beurteile diese Aussage.
- Biologischer Transfer: Erkläre, weshalb eine Änderung der Peptidbindungen oder ihrer räumlichen Anordnung die Funktion eines Proteins beeinflussen kann.
- Werkstoffanalyse: Leite aus der Struktur eines Polyamids mögliche Eigenschaften als Faserwerkstoff ab.
- Hydrolysevergleich: Vergleiche saure und basische Amidhydrolyse hinsichtlich der entstehenden Teilchen.
Lernnachweis
Für einen Lernnachweis solltest Du zeigen, dass Du:
- die Amidgruppe in Strukturformeln sicher erkennst,
- einfache Amide korrekt benennst,
- Mesomerie und partiellen Doppelbindungscharakter erklärst,
- Eigenschaften aus der Molekülstruktur ableitest,
- Bildung und Hydrolyse von Amidbindungen beschreibst,
- Peptidbindungen, Harnstoff und Polyamide fachlich einordnest,
- chemische Modelle kritisch und verständlich verwendest.
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