Abreise - Mörike, Eduard - Gedichtanalyse
Abreise - Mörike, Eduard - Gedichtanalyse
Einleitung
Thema: Eine Postkutsche fährt ab. Kurz zuvor regnet es. Ein Mädchen bleibt weinend zurück.
Autor: Eduard Mörike (1804–1875)
Textgrundlage: Abreise aus den Gedichten (Ausgabe 1867).
Umfang: 29 Verse.
Zielgruppe: Klasse 7–8.
Lernziele: Du kannst den Inhalt erklären, Textstellen mit Versnummern nennen und eine eigene Deutung begründen.

Eduard Mörike. Bild: Bonaventura Weiss, 1851. Gemeinfrei.
Mörike schrieb Gedichte über Natur, Menschen und Gefühle. In Abreise beobachtet eine sprechende Stimme eine kurze Alltagsszene.
Wichtig: Eduard Mörike ist der Autor. Die Stimme im Gedicht ist nicht automatisch Mörike selbst.
Quellfassung: Der historische Text
Die Quellfassung ist der überlieferte Gedichttext. Lies die 29 Verse in der angegebenen Ausgabe.
Primärquelle: Eduard Mörike: Abreise – Gedichte, Ausgabe 1867, Zeno.org
Digitale Textfassung: TextGrid Repository: Abreise
Falls das Textfenster nicht angezeigt wird, öffne den Link darüber.
Zur Ausgabe: Die Jahreszahl 1867 bezeichnet unsere Textausgabe. Laut TextGrid entstand das Gedicht 1846 und wurde 1846 erstmals gedruckt. TextGrid zeigt eine spätere digitale Übertragung. Alte Schreibweisen können in verschiedenen Ausgaben abweichen.
Arbeitsauftrag: Öffne die Quellfassung. Nummeriere die Verse von 1 bis 29. Verwende diese Nummern bei allen Aufgaben.
Fünf kurze Textbelege
Beleg A, Vers 1: „Fertig schon zur Abfahrt steht der Wagen“
Beleg B, Vers 5: „ein rascher Sommerregen“
Beleg C, Vers 16: „einen trocknen Fleck“
Beleg D, Vers 23: „Hält ihr Tüchlein vors Gesicht und weinet“
Beleg E, Vers 29: „Wildfang“
Diese Belege helfen dir bei den Quizfragen. Lies immer auch die Verse davor und danach.
Lesefassung: Einfach erklärt
Hinweis: Diese Lesefassung ist eine vereinfachte Nacherzählung in heutigem Deutsch. Sie ist keine wortgetreue Abschrift, keine historische Quellfassung und keine Übersetzung in eine andere Sprache.
Teil 1: Warten – Verse 1 bis 4
Eine Kutsche soll losfahren. Das Signal zur Abfahrt ertönt. Ein Reisender fehlt noch. Andere Menschen werden ungeduldig.
Merke: Die Reise beginnt mit Warten und Eile.
Teil 2: Sommerregen – Verse 5 bis 11
Ein kurzer Regen fällt. Er macht die heiße Luft angenehmer. Es riecht frisch. An den Häusern öffnen sich Fenster mit Blumen.
Merke: Der Regen verändert den Platz.

Animation eines Regens. Sie zeigt eine moderne Umgebung und ist kein historisches Bild der Gedichtszene.
Hörbeispiel: Regen. Nicht aus Mörikes Zeit.
Höraufgabe: Höre zehn Sekunden zu. Welche drei Wörter beschreiben das Geräusch? Vergleiche sie mit der Stimmung in den Versen 5 bis 11.
Teil 3: Abfahrt – Verse 12 bis 18
Der fehlende junge Mann erscheint. Er steigt ein. Die Kutsche fährt fort. Auf den nassen Steinen bleibt eine trockene Stelle. Dort hatte die Kutsche gestanden.
Merke: Die Kutsche ist fort. Ihre Spur bleibt sichtbar.

Postkutsche auf einem Gemälde von Ignaz Raffalt aus den 1840er-Jahren. Das Bild zeigt nicht Mörikes konkrete Szene.

Nasses Straßenpflaster in Marburg, fotografiert 2017. Modernes Vergleichsbild.
Denkfrage: Warum ist die trockene Stelle auffällig? Woher weißt du, dass der übrige Boden nass ist?
Teil 4: Abschied – Verse 19 bis 29
Ein Mädchen schaut aus einem Haus auf den Platz. Es weint. Die Stimme im Gedicht vermutet, dass sein Kummer bald vorbei sein wird. Am Ende klingt die Stimme fast spöttisch.
Merke: Die Tränen sind im Text erkennbar. Wie lange die Trauer dauert, ist nur eine Vermutung der Stimme.

Mädchen am Fenster: Druckgrafik von Anders Zorn, entstanden deutlich nach Mörikes Gedicht. Nur ein Vergleichsbild, keine Darstellung der Gedichtfigur.
Die Welt der Postkutsche
Eine Postkutsche wurde von Pferden gezogen. Sie konnte Menschen und Post befördern. Das Posthorn diente unter anderem als Signal.

Historisches Kutschengemälde von John Charles Maggs. Kein Bild der tatsächlichen Abreise im Gedicht.
Video: Der Kutschen-Check – CHECKER WELT
Video: Posthorn-Klänge der Tecklenburger Postkutsche – hans siepert
Weiteres Hörbeispiel: Ein modernes Schweizer Postauto-Horn. Vergleiche den Klang mit dem Posthorn im Video.
Achtung: Die beiden Tonbeispiele und die Videos sind moderne Aufnahmen. Sie stammen nicht aus dem Jahr 1867.
Das Gedicht verstehen
Inhalt und Aufbau
Das Gedicht erzählt eine kleine Geschichte in 29 Versen. In der verwendeten Textfassung stehen die Verse als ein zusammenhängender Gedichttext. Ein regelmäßiger Endreim ist nicht zu erkennen.
Der Ablauf ist klar: Warten, Regen, Abfahrt, Tränen.
Am Anfang bewegt sich vieles. Am Ende bleibt das Mädchen zurück. Dieser Gegensatz ist wichtig.
Bilder und sprachliche Mittel
Sinneseindrücke: Regen, frische Luft und Blumenduft lassen dich den Platz fast selbst erleben.
Gegensatz: Der Platz ist nass. Nur unter der vorher stehenden Kutsche blieb der Boden trocken.
Spur: Die trockene Fläche zeigt, dass jemand weggefahren ist. Sie kann auch als Zeichen des Abschieds verstanden werden.
Tempo: Kurze Ausrufe und Aufforderungen machen die Abfahrt lebendig.
Tonfall: Am Schluss spricht die Stimme sehr sicher über die Gefühle des Mädchens. Ob diese Vermutung stimmt, verrät das Gedicht nicht.
Wer spricht? Wer fühlt?
Autor: Eduard Mörike hat das Gedicht geschrieben.
Sprechende Stimme: Sie beobachtet die Szene, fordert zum Hinsehen auf und kommentiert das Mädchen.
Figuren: Ein junger Mann fährt mit. Ein Mädchen bleibt zurück und weint.
Interpretation: Vielleicht verbindet die beiden eine Liebesgeschichte. Das steht aber nicht ausdrücklich im Text. Es bleibt eine mögliche Deutung.
Kritische Frage: Die Stimme behauptet am Ende sinngemäß, Mädchen würden schnell wieder fröhlich. Ist das eine faire Aussage über Menschen? Begründe deine Meinung.
So schreibst du eine kurze Gedichtanalyse
Schritt 1 – Beschreiben: Was passiert? Nenne den passenden Vers.
Schritt 2 – Belegen: Zeige eine kurze Textstelle.
Schritt 3 – Deuten: Welche Wirkung oder Bedeutung könnte die Stelle haben?
Beispiel: In Vers 16 wird eine trockene Stelle beschrieben. Sie zeigt, wo die Kutsche gestanden hat. Ich deute die Stelle auch als Erinnerung an die Abreise.
Satzstarter: „In Vers ... steht ... . Das zeigt ... . Vielleicht bedeutet es ... .“
Video: Lyrische Stimme und lyrisches Ich – musstewissen Deutsch
Video: Eine Gedichtanalyse schreiben – musstewissen Deutsch
Gestufte Hilfen
Hilfe 1 – Leicht: Suche die angegebene Versnummer in der Quellfassung.
Hilfe 2 – Mittel: Unterstreiche die Wörter zu Geräuschen, Wetter und Gefühlen.
Hilfe 3 – Stark: Schreibe zwei Sätze: „Ich beobachte ... . Daraus schließe ich ... .“
Zusatzhilfe: „Letzung“ meint hier eine Erfrischung. „Pflaster“ bedeutet Straßensteine. „Wildfang“ ist eine Bezeichnung für einen lebhaften Menschen.
Interaktive Aufgaben
Quiz: Teste Dein Wissen
Hinweis: Jede Frage hat genau eine richtige Antwort. Bei Fragen zu Textbelegen findest du die Versnummer im Abschnitt „Fünf kurze Textbelege“.
1. Was ist in Beleg A bereits zur Abfahrt bereit? (Der Wagen) (!Das Mädchen) (!Das Haus) (!Der Regen)
2. Welches Wetter nennt Beleg B? (Einen kurzen Sommerregen) (!Einen Schneesturm) (!Dichten Nebel) (!Einen Hagelschauer)
3. Was passiert in den Versen 12 und 13? (Der junge Mann steigt ein und der Wagen fährt los) (!Der Wagen wird repariert) (!Alle Reisenden steigen aus) (!Das Mädchen fährt allein ab)
4. Warum ist die Stelle aus Beleg C trocken? (Weil die Kutsche sie vor dem Regen geschützt hat) (!Weil dort kein Straßenpflaster liegt) (!Weil ein Feuer dort brennt) (!Weil es überhaupt nicht geregnet hat)
5. Welches Gefühl zeigt Beleg D deutlich? (Traurigkeit) (!Langeweile) (!Zorn) (!Stolz)
6. Wer ist der Autor des Gedichts? (Eduard Mörike) (!Anders Zorn) (!Ignaz Raffalt) (!John Charles Maggs)
7. Was bedeutet die Angabe 1867 bei unserer Quellfassung? (Sie bezeichnet die verwendete Gedichtausgabe) (!Sie nennt das Geburtsjahr des Autors) (!Sie nennt das Jahr der ersten Kutschenfahrt) (!Sie nennt das Aufnahmejahr des Hörbeispiels)
8. Welche Aussage über die Figuren ist sicher? (Ein Mädchen weint am Fenster) (!Das Mädchen ist mit dem jungen Mann verlobt) (!Die beiden sind Geschwister) (!Das Mädchen steigt später in die Kutsche)
9. Was ist eine Interpretation? (Eine Deutung mit einem Textbeleg) (!Eine frei erfundene Tatsache) (!Nur das Abschreiben des Titels) (!Nur das Zählen der Buchstaben)
10. Was ist an der Aussage am Gedichtende besonders wichtig? (Die sprechende Stimme vermutet einen schnellen Stimmungswechsel) (!Mörike beweist eine feste Regel über alle Mädchen) (!Das Mädchen sagt selbst wie lange es traurig bleibt) (!Die Kutsche kommt nachweislich sofort zurück)
Memory
Finde die sechs zusammengehörenden Paare.
| Postkutsche | Wagen für Reisen und Post |
| Posthorn | Signal zur Abfahrt |
| Pflaster | Steine auf der Straße |
| Textbeleg | passende Stelle im Gedicht |
| Interpretation | begründete Deutung |
| Vers | einzelne Gedichtzeile |
Drag and Drop
Ordne die Begriffe den passenden Stationen der Handlung zu.
| Ordne die richtigen Begriffe zu. | Thema |
|---|---|
| Ungeduld | Warten auf den Reisenden |
| Erfrischung | Kurzer Regenschauer |
| Aufbruch | Wagen fährt fort |
| Abdruck | Trockene Stelle am Boden |
| Kummer | Mädchen am Fenster |
Kreuzworträtsel
| Posthorn | Welches Instrument gibt das Signal vor der Abfahrt? |
| Regen | Welches Wetter verändert den Platz? |
| Wagen | Welches Fahrzeug fährt ab? |
| Pflaster | Auf welchem Straßenbelag bleibt die trockene Stelle? |
| Fenster | Wo beobachtet das Mädchen die Abreise? |
| Tuch | Was hält das Mädchen vor sein Gesicht? |
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Hier kannst du nach weiteren Übungen zum Thema suchen. Die Suchseite ist keine bereits geprüfte Einzelübung.
Lückentext
Offene Aufgaben
Wichtig: Diese Aufgaben haben keine automatische Bewertung. Es gibt mehrere mögliche gute Lösungen. Wichtig sind klare Gedanken und passende Textbelege.
Leicht
- Vier-Satz-Geschichte: Erzähle den Ablauf der Verse 1 bis 29 in vier kurzen Sätzen.
- Wörterbuchkarte: Erkläre drei ältere Wörter aus der Quellfassung. Schreibe zu jedem ein heutiges Wort.
- Bildergeschichte: Zeichne vier Bilder zu Warten, Regen, Abfahrt und Abschied. Notiere je eine Versnummer.
- Gefühlskarte: Sammle Wörter für die Gefühle des Mädchens. Trenne Beobachtung und Vermutung.
Standard
- Tagebucheintrag: Schreibe einen kurzen Eintrag aus Sicht des Mädchens. Kennzeichne deinen Text als erfundene Ergänzung.
- Abschiedsgespräch: Erfinde ein Gespräch zwischen dem Mädchen und dem Reisenden vor der Abfahrt.
- Analyseabsatz: Erkläre die trockene Stelle mit einem Textbeleg und einer eigenen Deutung.
- Bildvergleich: Vergleiche ein Commons-Kutschenbild mit den Versen 1 bis 13. Nenne zwei Gemeinsamkeiten und einen Unterschied.
Schwer
- Gegenrede: Schreibe eine Antwort des Mädchens auf den Kommentar der sprechenden Stimme am Ende.
- Ausgabenvergleich: Vergleiche Zeno und TextGrid. Suche Schreibunterschiede und erkläre, warum die Ausgabe wichtig ist.
- Zwei Deutungen: Ist das Ende eher freundlich oder spöttisch? Formuliere beide Möglichkeiten mit Belegen.
- Neues Ende: Schreibe sechs eigene Verse, in denen die Gefühle des Mädchens anders weitergehen. Kennzeichne sie deutlich als deine Fortsetzung.


Lernkontrolle
Die folgenden Aufgaben prüfen dein Verstehen und deine Fähigkeit, einen Text auf andere Situationen zu übertragen. Sie werden nicht automatisch bewertet.
- Spur und Erinnerung: Erkläre, weshalb eine Stelle auf dem Boden zum Zeichen für einen Abschied werden kann. Finde ein Beispiel aus deinem Alltag.
- Sichtweisen: Vergleiche die Sicht der sprechenden Stimme mit der möglichen Sicht des Mädchens. Was kann die Stimme nicht sicher wissen?
- Regen und Tränen: Untersuche, ob der schnell trocknende Boden mit dem erwarteten Ende der Trauer verglichen werden kann. Begründe deine Deutung.
- Historische Medien: Erkläre, weshalb eine moderne Posthornaufnahme und ein Kutschenbild aus anderer Zeit keine Beweise für die genaue Gedichtszene sind.
- Fair urteilen: Beurteile die pauschale Aussage über Mädchen am Ende des Gedichts. Trenne historische Darstellung und deine heutige Meinung.
- Eigener Analyseabsatz: Wähle einen Vers aus. Formuliere Beobachtung, Beleg und Deutung in drei bis fünf Sätzen.
Lernnachweis
Für deinen Lernnachweis solltest du Folgendes zeigen können:
- Den Inhalt in vier Stationen erklären.
- Die Quellfassung der Ausgabe 1867 richtig benennen.
- Die 29 Verse zählen und wichtige Versnummern finden.
- Autor, sprechende Stimme und Figuren unterscheiden.
- Zwei Textbelege passend einsetzen.
- Eine Deutung als Vermutung kenntlich machen.
- Den Zusammenhang zwischen Regen, trockener Stelle und Abschied erklären.
- Einen eigenen kurzen Analyseabsatz schreiben.
- Offen gebliebene Fragen erkennen und eine andere Deutung respektieren.
OERs zum Thema
Offene Textquelle: TextGrid: Abreise. Der literarische Originaltext ist gemeinfrei. Die TextGrid-Aufbereitung und Metadaten stehen unter CC BY 3.0 DE.
Historische Ausgabe: Zeno: Gedichte, Ausgabe 1867.
Hintergrundwissen: Eduard Mörike, Postkutsche, Posthorn, Lyrik und Gedichtinterpretation.
Wikipedia zum Autor: Dies ist ein Hintergrundartikel, nicht die Quellfassung des Gedichts.
Quellen und Medienrechte
Textnachweise:
- Eduard Mörike: Abreise, Ausgabe 1867. Ausgangsquelle.
- TextGrid Repository: Abreise. Digitale Textfassung; TextGrid und editura.de, CC BY 3.0 DE für die digitale Aufbereitung; Gedichttext gemeinfrei.
- TextGrid: Editionsangaben. Hinweis auf Entstehung und Erstdruck 1846.
Bilder und Animation:
- Porträt Mörikes – Bonaventura Weiss, gemeinfrei.
- Ruhende Postkutsche – Ignaz Raffalt, gemeinfrei.
- The Mail Coach – John Charles Maggs, gemeinfrei.
- Regenanimation – 15jan1993, vom Urheber der Gemeinfreiheit gewidmet.
- Nasses Pflaster – LudwigSebastianMicheler, CC BY-SA 4.0.
- Mädchen am Fenster – Anders Zorn, gemeinfrei.
Audio:
- Regenaufnahme – ジダネ, gemeinfrei.
- Postauto-Dreiklanghorn – Mateus2019, CC BY 2.0 DE.
Videos:
- Der Kutschen-Check – CHECKER WELT.
- Posthorn-Klänge der Tecklenburger Postkutsche – hans siepert.
- Lyrisches Ich – musstewissen Deutsch.
- Wie schreibe ich eine Gedichtanalyse? – musstewissen Deutsch.
Rechtlicher Hinweis: Die Commons-Dateien werden hier unverändert eingebunden. Urheber, Quellen und Lizenzen sind angegeben. Die YouTube-Videos sind verlinkte Fremdinhalte und nicht automatisch frei lizenziert. Bilder, Animation und Tonbeispiele stellen nicht die wirkliche Abreise aus Mörikes Gedicht dar.
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