ABI - Erst- und Zweitspracherwerb untersuchen

ABI - Erst- und Zweitspracherwerb untersuchen
ABI - Erst- und Zweitspracherwerb untersuchen
Mini-Beschreibung: Erarbeite grundlegende Phänomene des Erst- und Zweitspracherwerbs anhand fachlich geeigneter Texte, Diagramme und Audio. Der Kurs richtet sich an das Leistungsfach sowie an ein vertieft arbeitendes Basisfach der Kursstufe. Du untersuchst sprachliche Entwicklung differenziert und vermeidest vereinfachende Defizitperspektiven.
Leitidee: Kurze Erklärungen, aktive Materialarbeit und überprüfbare Belege stehen im Mittelpunkt. Du sollst Texte, Audios, Bilder, Diagramme und Videos nicht nur konsumieren, sondern beschreiben, analysieren, vergleichen, prüfen und selbst gestalten.
Abiturbezug: Deutsch-Abitur 2027, Baden-Württemberg, Kursstufe. Maßgeblich bleiben der jeweils aktuelle Facherlass, der gültige Bildungsplan, die Operatorenliste und die konkrete schulische Kurs- und Lektüreauswahl. Für spätere Prüfungsjahrgänge müssen die Vorgaben neu geprüft werden.
Einleitung
Spracherwerb ist kein bloßes Ansammeln einzelner Wörter. Lernende erschließen Laut- oder Gebärdenmuster, Bedeutungen, grammatische Strukturen, Gesprächsregeln und soziale Funktionen von Sprache. Dabei verlaufen Entwicklungen individuell unterschiedlich. Mehrsprachigkeit ist kein Sonderfall, der automatisch auf Schwierigkeiten hinweist, sondern weltweit eine verbreitete Form sprachlicher Erfahrung.
Für die Analyse ist eine Trennung besonders wichtig:
- Beobachtung: Was ist im Material tatsächlich zu hören, zu sehen oder zu lesen?
- Deutung: Welche sprachwissenschaftliche Erklärung passt zu dieser Beobachtung?
- Beleg: Welche Textstelle, Messung, Grafik oder seriöse Quelle stützt die Deutung?
- Grenze der Aussage: Was lässt sich aus dem Material gerade nicht schließen?
Einstieg: Hören, beobachten, nicht vorschnell deuten
Arbeitsauftrag: Höre und sieh den kurzen Ausschnitt zunächst ohne Fachbegriffe.
- Notiere drei rein beschreibende Beobachtungen zu Rhythmus, Lautfolgen oder Wiederholungen.
- Formuliere danach zwei mögliche Deutungen.
- Markiere bei jeder Deutung, welche zusätzliche Information Du bräuchtest, um sie besser zu prüfen.
Vergleich: Untersuche, welche stimmlichen und rhythmischen Merkmale im Audio auffallen. Vermeide die Aussage, dass eine einzelne Aufnahme einen festen Entwicklungsstand „beweist“.
Merksatz: Eine Audioaufnahme zeigt Sprachverhalten in einer konkreten Situation. Sie erlaubt keine Ferndiagnose und keine sichere Aussage über die gesamte sprachliche Kompetenz einer Person.
Lernziele
Nach dem Kurs kannst Du:
- Erstspracherwerb und Zweitspracherwerb fachlich angemessen unterscheiden.
- zentrale Phänomene wie Lallen, Transfer, Interlanguage, Input und Code-Switching erklären.
- Texte, Diagramme und Audios methodisch getrennt nach Beobachtung, Analyse und Bewertung auswerten.
- Erklärungsmodelle des Spracherwerbs vergleichen, ohne ein einzelnes Modell vorschnell als vollständige Erklärung auszugeben.
- Mehrsprachigkeit ressourcenorientiert und ohne pauschale Defizitzuschreibungen untersuchen.
- Aussagen über Alter, Input, Sprachmischung oder Lernerfolg anhand belastbarer Quellen prüfen.
- Aufgaben aus den Anforderungsbereichen I, II und III bearbeiten.
- KI-Unterstützung gezielt einsetzen, unabhängig kontrollieren und transparent dokumentieren.
Vorwissen aktivieren
Ordne Dir vor der Vertiefung diese Analyseebenen zu:
| Ebene | Leitfrage | Beispiel |
|---|---|---|
| Phonetik und Phonologie | Welche Laute, Lautkontraste oder rhythmischen Muster werden verwendet? | Silbenstruktur, Betonung, Lautunterscheidung |
| Morphologie | Wie werden Wörter verändert oder gebildet? | Plural, Tempus, Kasusmarkierung |
| Syntax | Wie werden Wörter und Satzteile kombiniert? | Wortstellung, Nebensätze, Satzklammer |
| Semantik | Welche Bedeutungen werden ausgedrückt? | Wortbedeutungen, Bedeutungsbeziehungen |
| Pragmatik | Wie wird Sprache situationsbezogen gebraucht? | Bitten, Erzählen, Sprecherwechsel |
Selbstcheck: Wenn Dir zwei oder mehr Ebenen unsicher sind, wiederhole zunächst die entsprechenden Grundbegriffe. Für die Abituranalyse genügt es nicht, ein sprachliches Beispiel nur „auffällig“ zu nennen: Du sollst möglichst bestimmen, auf welcher sprachlichen Ebene es liegt.
Abiturbezug 2027 in Baden-Württemberg
Stand: 24.09.2026.
Im Bildungsplan für das Leistungsfach Deutsch 11/12 ist die Kompetenz enthalten, „Phänomene des Spracherwerbs (Erst-, Zweitsprache)“ zu beschreiben.[1]
Im Basisfach ist unter anderem die Reflexion über die Bedeutung und Funktion von Mehrsprachigkeit ausdrücklich verankert.[2]
Der Facherlass für das Abitur 2027 nennt für das Leistungsfach als verbindliches Themenfeld Sprache insbesondere Sprache in politisch-gesellschaftlichen Verwendungszusammenhängen. Spracherwerb ist deshalb eine wichtige Bildungsplan-Kompetenz, aber nicht als eigenständiges Themenfeld des Facherlasses 2027 auszuweisen.[3]
| Kurs | Schwerpunkt dieses aiMOOCs | Erwartung |
|---|---|---|
| Basisfach mit Vertiefung | Mehrsprachigkeit, Sprachbeobachtung, zentrale Begriffe, nachvollziehbare Materialauswertung | Phänomene sicher beschreiben, Zusammenhänge erklären und sprachliche Vielfalt reflektieren |
| Leistungsfach | zusätzlich theoretische Modelle, Forschungsbefunde, Methodenkritik und differenzierte Urteilsbildung | Modelle vergleichen, Daten kritisch prüfen, Positionen materialgestützt erörtern und Grenzen von Aussagen benennen |
Wichtig: Die konkrete Unterrichtsplanung und die schulische Lektüreauswahl bleiben maßgeblich. Vor einer Prüfung müssen Facherlass, Terminplan, Bildungsplan und schulinterne Vorgaben erneut kontrolliert werden.
Fachlicher Input
Grundbegriffe
| Begriff | Arbeitsdefinition | Prüfende Leitfrage |
|---|---|---|
| Erstsprache / L1 | Eine früh erworbene Sprache. Bei früher Mehrsprachigkeit können mehrere Sprachen von Anfang an erworben werden. | Wird „Erstsprache“ hier zeitlich, funktional oder biografisch verwendet? |
| Zweitsprache / L2 | Eine weitere Sprache, die nach Beginn des Erstspracherwerbs erworben wird und häufig im Alltag der Umgebung gebraucht wird. | In welchem sozialen und sprachlichen Umfeld findet der Erwerb statt? |
| Fremdsprache | Eine weitere Sprache, deren Erwerb häufig stärker durch Unterricht geprägt ist und die in der unmittelbaren Umgebung nicht ständig benötigt wird. | Ist die Unterscheidung zur Zweitsprache im konkreten Fall wirklich eindeutig? |
| Mehrsprachigkeit | Gebrauch oder Erwerb mehrerer Sprachen beziehungsweise sprachlicher Varietäten. | Welche Sprachen werden wann, mit wem und zu welchem Zweck genutzt? |
| Interlanguage | Vorläufiges, systematisches sprachliches System im Zweitspracherwerb, das eigene Regelmäßigkeiten besitzt und sich verändern kann. | Welche Regel scheint die lernende Person momentan zu bilden? |
| Transfer | Einfluss bereits vorhandener sprachlicher Kenntnisse auf die Verarbeitung oder Produktion einer weiteren Sprache. | Unterstützt der Transfer hier oder führt er zu einer nicht zielsprachlichen Form? |
| Code-Switching | Wechsel zwischen Sprachen oder Varietäten innerhalb einer kommunikativen Situation. | Welche kommunikative oder soziale Funktion hat der Wechsel? |
Hinweis: Die Bezeichnungen L1 und L2 sind analytische Kurzformen. Sie sagen nicht automatisch aus, welche Sprache eine Person am besten beherrscht, emotional bevorzugt oder am häufigsten verwendet.
Erstspracherwerb: Entwicklung ohne starres Stufenschema
Sprachentwicklung zeigt häufig wiederkehrende Tendenzen, aber keine Uhr, die bei allen Kindern gleich läuft. Lautwahrnehmung, stimmliche Erprobung, Wortlernen, Grammatik und Gesprächsfähigkeit entwickeln sich teilweise gleichzeitig und beeinflussen einander.

Medienkritik: Das Diagramm kann typische Entwicklungsbereiche übersichtlich darstellen. Es darf jedoch nicht als starre Altersnorm gelesen werden. Prüfe:
- Welche Entwicklungsschritte stellt die Grafik als klar getrennt dar?
- Welche Übergänge könnten in Wirklichkeit überlappen?
- Welche Formen von Mehrsprachigkeit berücksichtigt die Darstellung nicht sichtbar?
- Welche Datenquelle wäre nötig, um Altersangaben empirisch zu prüfen?
Lautliche Erprobung und Lallen
Vor ersten konventionellen Wörtern experimentieren Säuglinge mit Stimme, Rhythmus und Lautfolgen. Wiederholte Silbenfolgen können Teil dieser Entwicklung sein. Aus einer einzelnen Lautfolge folgt jedoch nicht automatisch, dass bereits ein Wort mit stabiler Bedeutung vorliegt.
Audiovergleich:
- Beschreibe zunächst nur hörbare Merkmale.
- Vergleiche Vielfalt, Wiederholung, Rhythmus und erkennbare kommunikative Reaktionen.
- Trenne deutlich zwischen hörbarem Befund und sprachwissenschaftlicher Interpretation.
- Formuliere einen Satz dazu, warum das Alter allein die Aufnahme nicht vollständig erklärt.
Input und soziale Interaktion
Sprachlicher Input bezeichnet das sprachliche Angebot, das Lernende wahrnehmen. Für den Erwerb ist nicht nur die Menge relevant. Auch Verständlichkeit, Interaktion, Aufmerksamkeit, soziale Einbettung und Gelegenheit zum eigenen Sprachgebrauch spielen eine Rolle. Forschung zu bilingualem Spracherwerb zeigt zudem, dass die Erfahrungen in den einzelnen Sprachen unterschiedlich verteilt sein können.[4]
Videoauftrag: Die Bedeutung des sprachlichen Inputs
- Notiere die zentrale Forschungsfrage.
- Halte mindestens zwei beobachtbare oder messbare Größen fest.
- Prüfe, ob im Video zwischen Korrelation und Ursache unterschieden wird.
- Formuliere eine mögliche Einschränkung der Aussagekraft.
Wie Forschung mit Säuglingen arbeitet
Säuglinge können noch keine sprachwissenschaftlichen Testfragen beantworten. Forschung nutzt deshalb indirekte Maße, etwa Blick- oder Kopfdrehreaktionen, Hörpräferenzen und wiederholte Präsentationen von Reizen. Diese Maße liefern Hinweise auf Verarbeitung, aber keine direkte „Gedankenmessung“.
Methodencheck: Headturn-Preference-Verfahren
| Prüffrage | Deine Notiz |
|---|---|
| Was wird kontrolliert präsentiert? | |
| Welche Reaktion wird beobachtet oder gemessen? | |
| Welche Schlussfolgerung ist plausibel? | |
| Welche stärkere Schlussfolgerung wäre durch die Methode nicht gedeckt? |
Sprache ist nicht auf Lautsprache begrenzt

Natürliche Gebärdensprachen besitzen eigene lexikalische und grammatische Strukturen. Spracherwerbsforschung muss daher zwischen der menschlichen Sprachfähigkeit und einer bestimmten Modalität unterscheiden. Wer Sprache nur als gesprochene Lautfolge betrachtet, verengt den Untersuchungsgegenstand unnötig.
Transferfrage: Welche Teile Deiner bisherigen Definition von „Spracherwerb“ funktionieren auch für Gebärdensprachen? Welche Formulierungen müsstest Du ändern?
Erklärungsansätze vergleichen
Kein einzelnes Modell erklärt automatisch jede Beobachtung. Für das Abitur ist ein vergleichendes Modellverständnis wichtiger als ein Schlagwortwissen.
| Ansatz | Betont besonders | Kritische Prüfidee |
|---|---|---|
| nativistisch beziehungsweise biolinguistisch | artspezifische Voraussetzungen und strukturelle Beschränkungen menschlicher Sprache | Welche sprachlichen Muster sollen ohne spezifische Voraussetzungen schwer erklärbar sein? |
| gebrauchsbasierte Ansätze | Häufigkeit, Mustererkennung, Konstruktionen, Analogie und Sprachgebrauch | Erklärt Häufigkeit allein komplexe Generalisierungen? |
| sozial-interaktionistische Ansätze | gemeinsame Aufmerksamkeit, kommunikative Absichten und Interaktion | Wie genau werden aus Interaktionen stabile sprachliche Strukturen? |
| statistisches Lernen | Erkennen von Verteilungen, Wahrscheinlichkeiten und wiederkehrenden Mustern | Welche Anteile sprachlicher Entwicklung lassen sich durch Musterstatistik erklären und welche nicht? |
Prüfungstipp: Schreibe nicht „Theorie X ist richtig“. Präziser ist: „Theorie X erklärt den Befund Y besonders gut, lässt aber Frage Z offen.“
Gehirnmodelle kritisch lesen

Das klassische Schema mit Broca- und Wernicke-Areal ist historisch einflussreich und didaktisch anschaulich. Moderne Sprachverarbeitung lässt sich jedoch nicht auf zwei isolierte Zentren reduzieren. Verwende solche Darstellungen als Modell, nicht als vollständige Landkarte von Sprache im Gehirn.
Diagrammauftrag: Formuliere zwei Aussagen, die die Grafik unterstützt, und zwei Aussagen, die sie nicht beweisen kann.
Zweitspracherwerb als dynamischer Prozess
Beim Zweitspracherwerb wirken bereits vorhandene Sprachen, neue sprachliche Erfahrungen, Interaktion, Unterricht, Motivation, Nutzungskontexte und individuelle Lernwege zusammen.
Interlanguage statt Fehlerliste
Eine Interlanguage ist ein sich entwickelndes sprachliches System mit erkennbaren Regelmäßigkeiten. Eine nicht zielsprachliche Form kann daher Hinweise auf eine momentan gebildete Regel geben.
Beispiel: Wenn eine lernende Person eine Flexionsform wiederholt nach demselben Muster bildet, ist die analytisch interessante Frage nicht nur „Ist das falsch?“, sondern auch „Welche Regel wird hier offenbar verallgemeinert?“
Defizitperspektive vermeiden: Beschreibe zunächst das Muster. Erst danach vergleichst Du es mit der Zielnorm. So wird aus einer bloßen Fehlerzählung eine sprachwissenschaftliche Analyse.
Transfer
Transfer kann vorhandenes Wissen nutzbar machen. Ähnliche Wortstellungs- oder Lautmuster können den Erwerb erleichtern. Andere Unterschiede können vorübergehend zu nicht zielsprachlichen Formen führen.
Wichtig: Eine Form ist nicht schon deshalb „Transfer“, weil sie von der Zielsprache abweicht. Du brauchst einen begründeten Sprachvergleich oder weitere Daten.
Verständlicher Input: wichtig, aber nicht allein ausreichend

Das Modell des verständlichen Inputs hebt hervor, dass Lernende sprachliches Material verarbeiten können müssen, das an ihren aktuellen Kenntnisstand anschließt. Als alleinige Gesamterklärung wäre die Darstellung jedoch zu knapp: Interaktion, Aufmerksamkeit, eigenes Sprechen oder Schreiben, Feedback, soziale Bedingungen und individuelle Faktoren können ebenfalls relevant sein.
Grafikprüfung:
- Was setzt die Grafik als Ausgangspunkt?
- Welche kausale Richtung suggeriert sie?
- Welche Variablen fehlen?
- Formuliere eine vorsichtigere wissenschaftliche Aussage als die vereinfachte Grafikbotschaft.
Mehrsprachige Entwicklung
Mehrsprachiger Input führt nicht grundsätzlich zu „Verwirrung“. Forschung beschreibt vielmehr sprachspezifische Entwicklungsprofile, die von Erfahrung und Nutzung abhängen können. Das bedeutet zugleich nicht, dass alle mehrsprachigen Personen dieselben Erwerbsverläufe zeigen.[5]
Videoauftrag: Mehrsprachige Entwicklung
- Notiere zwei Aussagen der Referentin.
- Ordne jeder Aussage die Art des Belegs zu: Beispiel, Studie, Datensatz oder theoretische Erklärung.
- Prüfe, ob die Aussage auf alle Formen von Mehrsprachigkeit übertragbar ist.
- Formuliere eine offene Forschungsfrage.
Vertiefung Leistungsfach: Untersuche beim Vortrag über Bilingualismus gezielt, welche verbreiteten Annahmen als „Mythen“ diskutiert werden. Notiere nicht nur das Gegenargument, sondern auch die jeweilige empirische Grundlage.
Code-Switching analysieren
Code-Switching ist der Wechsel zwischen Sprachen oder Varietäten. Er kann unter anderem Gesprächspartner markieren, Zugehörigkeit ausdrücken, ein Zitat kennzeichnen, einen Themenwechsel begleiten oder eine sprachliche Ressource besonders passend verfügbar machen.
Keine Pauschaldeutung: Code-Switching ist weder automatisch ein Zeichen besonders hoher Kompetenz noch automatisch ein Mangel. Entscheidend sind Situation, Funktion, Gesprächsverlauf und sprachliche Möglichkeiten.
Alter und Spracherwerb
Alterseffekte werden in der Forschung intensiv untersucht. Ein einfaches Schema „vor Alter X möglich, danach unmöglich“ bildet die Befundlage nicht angemessen ab. Je nach Teilbereich können Aussprache, Grammatik, Wortschatz, Lernumgebung, Dauer und Intensität der Nutzung sowie individuelle Unterschiede verschieden wirken. Übersichtsarbeiten betonen Plastizität und erhebliche Variabilität auch innerhalb ähnlicher Altersgruppen.[6]
Prüfbare Formulierung: „Ein jüngeres Erwerbsalter kann mit bestimmten Vorteilen zusammenhängen; daraus folgt jedoch keine einfache, für alle sprachlichen Teilbereiche und Personen gleiche Altersgrenze.“
Mehrsprachige Lebenswelten als Forschungsnormalität
Spracherwerb findet nicht nur in einsprachigen Haushalten oder Klassenzimmern statt. Eine Untersuchung zu Kindern in Vanuatu zeigt beispielsweise, dass Kinder in stark mehrsprachigen Umgebungen zahlreichen Sprachvarietäten begegnen und auch Interaktionen mit Gleichaltrigen wichtige Anteile ihrer Spracherfahrung ausmachen können.[7]
Transfer: Welche Annahmen eines ausschließlich auf direkte Erwachsenen-Kind-Kommunikation gerichteten Modells werden durch solche Befunde herausgefordert?
Eigene Visualisierung: Faktoren statt Ein-Ursachen-Modell
| Faktor | Mögliche Beobachtung | Vorsicht bei der Deutung |
|---|---|---|
| sprachlicher Input | Häufigkeit oder Vielfalt bestimmter Formen | Menge allein erklärt keinen Lernerfolg |
| Interaktion | Rückfragen, gemeinsamer Fokus, Reaktionen | nicht jede Interaktion hat denselben sprachlichen Nutzen |
| vorhandene Sprachen | Ähnlichkeiten, Transfer, Sprachwechsel | Abweichungen dürfen nicht automatisch Transfer genannt werden |
| Alter und Erfahrung | unterschiedliche Erwerbsverläufe | Alter ist keine vollständige Einzelerklärung |
| Nutzungskontext | Schule, Familie, Peers, Medien | Kompetenzen können je nach Domäne unterschiedlich sichtbar werden |
| individuelle Faktoren | Aufmerksamkeit, Motivation, Lernstrategien | aus Einzelbeobachtungen keine stabilen Persönlichkeitseigenschaften ableiten |
Gestaltungsauftrag: Erstelle aus dieser Tabelle eine eigene Concept-Map. Verwende Pfeile nur dort, wo Du die Beziehung sprachlich erklären kannst. Markiere Vermutungen anders als empirisch belegte Beziehungen.
Lautschrift als Analysewerkzeug
Das Internationale Phonetische Alphabet kann helfen, Aussprachemerkmale genauer zu beschreiben. Im schulischen Kontext genügt häufig eine gezielte Nutzung einzelner Zeichen. Eine vollständige phonetische Transkription ist nur sinnvoll, wenn sie die Fragestellung tatsächlich verbessert.
Mini-Auftrag: Wähle aus einem Audio genau ein hörbares Phänomen aus und beschreibe, welchen zusätzlichen Erkenntnisgewinn eine Lautschrift gegenüber einer normalen Rechtschreibung hätte.
KI-Spirale
Verbindlicher Arbeitsweg:
- Aufgabe verstehen: Operator, Material, Zielprodukt und Prüfungsrahmen klären.
- Material selbst erschließen: Textstellen markieren, Diagramme lesen, Audio protokollieren und Quellen prüfen.
- Eigenen Ansatz entwickeln: These, Gliederung oder Analysehypothese selbst formulieren.
- KI gezielt befragen: Nur konkrete Fragen stellen, zum Beispiel nach Gegenargumenten, unklaren Begriffen oder möglichen Prüfpfaden.
- Unabhängig prüfen: Texttreue, Fakten, Logik und Quellen der KI-Antwort selbst kontrollieren.
- Eigene Lösung verbessern: Nur nachvollziehbar geprüfte Hinweise übernehmen und sprachlich eigenständig ausarbeiten.
- KI-Hilfe transparent machen: Art und Umfang der Unterstützung knapp dokumentieren.
Grundsatz: KI ersetzt keine eigene Textarbeit.
Beispiel für einen guten KI-Einsatz
Eigener Befund: „Die Grafik stellt verständlichen Input als zentrale Bedingung dar, lässt aber Interaktion und Output unberücksichtigt.“
Gezielte KI-Frage: „Welche drei fachlichen Gegenfragen könnte ich an dieses Modell stellen? Nenne keine fertige Bewertung.“
Eigene Prüfung danach: Stimmen die vorgeschlagenen Gegenfragen mit dem Material und seriösen Quellen überein? Ist eine Quelle auffindbar? Wurde eine Theorie zu stark vereinfacht?
Ungeeigneter KI-Einsatz
Eine Aufforderung wie „Schreibe mir die komplette Abituranalyse“ überspringt die eigene Materialerschließung. Dadurch gehen Textnähe, individuelle Argumentation und die Kontrolle über mögliche Halluzinationen verloren.
AFB I, II und III
Die schriftliche Abiturprüfung verlangt Leistungen in allen drei Anforderungsbereichen. Im Leistungsfach liegt nach dem Facherlass der Schwerpunkt im Anforderungsbereich II; Leistungen aus dem Anforderungsbereich III werden stärker gewichtet als reine Reproduktion aus AFB I. Im Basisfach liegt ebenfalls ein Schwerpunkt auf AFB II, die Gewichtung ist jedoch anders akzentuiert.[8]
| Bereich | Erwartung beim Thema Spracherwerb | Typische Leistung |
|---|---|---|
| AFB I | Fachbegriffe, Aussagen und Befunde korrekt wiedergeben | Begriff definieren, Diagramm beschreiben, Forschungsaussage zusammenfassen |
| AFB II | Material untersuchen, erklären, vergleichen und Zusammenhänge herstellen | Audio analysieren, Modelle vergleichen, Daten mit Theorie verknüpfen |
| AFB III | eigenständig urteilen, abwägen, transferieren oder eine Untersuchung konzipieren | Aussagekraft einer Studie bewerten, Defizitperspektive prüfen, Forschungsdesign entwickeln |
Leistungsfach: Erwarte eine engere Verbindung zwischen Materialanalyse, Theorien, Methoden und begründetem Urteil.
Basisfach mit Vertiefung: Arbeite besonders sicher bei Begriffen, Materialbezug, Mehrsprachigkeit und nachvollziehbaren Erklärungszusammenhängen.
Abitur-Check
Prüfe vor einer Klausur, ob Du Folgendes kannst:
- Ich unterscheide Beobachtung, Interpretation und Bewertung.
- Ich kann L1, L2, Fremdsprache, Interlanguage, Transfer und Code-Switching präzise verwenden.
- Ich kann ein Diagramm nicht nur beschreiben, sondern seine Aussagegrenzen erklären.
- Ich kann Audio- oder Videomaterial mit sprachwissenschaftlichen Kategorien auswerten.
- Ich erkenne vereinfachende Defizitperspektiven und kann sie fachlich präziser formulieren.
- Ich kann eine Behauptung über Alter oder Mehrsprachigkeit mit einer belastbaren Quelle prüfen.
- Ich kann im Leistungsfach mindestens zwei Erklärungsansätze vergleichend auf einen Befund anwenden.
- Ich kenne den aktuellen Facherlass und verwechsle Bildungsplan-Kompetenzen nicht mit einem eigenen Prüfungsschwerpunktthema.
- Ich dokumentiere KI-Unterstützung transparent und prüfe ihre Aussagen unabhängig.
Typische Fehler
- Starre Stufenannahme: Altersangaben werden wie feste Grenzwerte behandelt.
- Defizitverkürzung: Jede nicht zielsprachliche Form wird als Mangel beschrieben, ohne ihre Systematik zu untersuchen.
- Monokausale Erklärung: Ein Ergebnis wird nur mit Input, Alter oder Motivation erklärt.
- Code-Switching-Pauschalurteil: Sprachwechsel wird automatisch als Fehler oder automatisch als besondere Kompetenz bewertet.
- Methodenüberschätzung: Aus Blickzeit oder Hörpräferenz werden komplexe Gedanken direkt abgeleitet.
- Quellenblindheit: Diagramme und KI-Aussagen werden ohne Urheber, Datum, Datengrundlage oder Gegenprüfung übernommen.
- Materialferne: Vorwissen ersetzt die genaue Untersuchung des vorgelegten Materials.
- Norm und Beschreibung vermischt: Zielsprachliche Normen werden beschrieben, ohne zunächst das tatsächlich vorliegende Muster zu analysieren.
Prüfungstipps
- Markiere zuerst den Operator und kläre, welcher AFB besonders gefordert ist.
- Sichere mindestens einen konkreten Materialbeleg pro zentraler Teilthese.
- Trenne „Das Material zeigt …“ von „Dies lässt sich erklären durch …“.
- Formuliere Grenzen der Aussagekraft ausdrücklich.
- Nutze Fachbegriffe nur, wenn Du sie am Material zeigen kannst.
- Bei materialgestütztem Schreiben: Ordne Quellen nach Funktion und Belegwert, statt sie nur nacheinander zusammenzufassen.
- Prüfe bei Forschungsdarstellungen Stichprobe, Methode, Messgröße und Reichweite.
- Plane am Ende Zeit für Quellenkontrolle, Logik und sprachliche Präzision ein.
Interaktive Aufgaben
Quiz: Teste Dein Wissen
Was bezeichnet Erstsprache beziehungsweise L1 fachlich am treffendsten? (Eine früh erworbene Sprache wobei mehrere frühe Sprachen möglich sind) (!Immer die Sprache der Mutter) (!Immer die heute stärkste Sprache) (!Immer nur eine einzige Sprache)
Was lässt sich aus frühem Lallen am sichersten ableiten? (Es zeigt lautliche und rhythmische Erprobung ohne dass jede Folge schon ein Wort sein muss) (!Jede wiederholte Silbe ist bereits ein Wort) (!Lallen beweist eine bestimmte spätere Grammatik) (!Lallen erlaubt eine sichere Diagnose der Gesamtentwicklung)
Was ist eine Interlanguage? (Ein sich entwickelndes systematisches sprachliches Zwischensystem) (!Eine zufällige Sammlung sprachlicher Fehler) (!Eine künstlich erfundene Weltsprache) (!Eine vollständige Kopie der Erstsprache)
Was bedeutet Transfer im Zweitspracherwerb? (Der Einfluss vorhandener Sprachkenntnisse auf eine weitere Sprache) (!Das bloße Übersetzen jedes Satzes) (!Das Vergessen der Erstsprache) (!Das Lernen ausschließlich durch Vokabellisten)
Wie sollte Code-Switching zunächst bewertet werden? (Seine Funktion muss im jeweiligen Kommunikationskontext untersucht werden) (!Es ist immer ein Zeichen mangelnder Sprachkompetenz) (!Es ist immer ein Beweis höchster Sprachkompetenz) (!Es ist grundsätzlich bedeutungslos)
Welche Aussage zu verständlichem Input ist fachlich angemessen? (Verständlicher Input ist wichtig erklärt Spracherwerb aber nicht allein) (!Input ist die einzige wirksame Erwerbsbedingung) (!Input spielt beim Spracherwerb keine Rolle) (!Nur unverständlicher Input fördert Spracherwerb)
Welche Aussage zum Einfluss des Alters ist am differenziertesten? (Alter wirkt mit Erfahrung Nutzung und weiteren individuellen Faktoren zusammen) (!Nach einem festen Geburtstag ist weiterer Spracherwerb unmöglich) (!Alter hat in keinem Bereich einen Einfluss) (!Alle Lernenden desselben Alters entwickeln sich gleich)
Welche Aussage zu mehrsprachigem Aufwachsen ist angemessen? (Mehrsprachiger Input führt nicht grundsätzlich zu sprachlicher Verwirrung) (!Mehrsprachigkeit verhindert immer einen großen Wortschatz) (!Kinder müssen ihre Sprachen strikt voneinander fernhalten) (!Mehrsprachige Kinder folgen alle demselben Entwicklungsverlauf)
Was kann ein Blickzeit- oder Kopfdrehverfahren leisten? (Es kann indirekte Hinweise auf Wahrnehmung und Verarbeitung geben) (!Es kann Gedanken vollständig auslesen) (!Es ersetzt jede weitere Forschungsmethode) (!Es beweist automatisch kausale Zusammenhänge)
Wie ist das Thema Spracherwerb für das Deutsch-Abitur 2027 in Baden-Württemberg einzuordnen? (Im Leistungsfach ist es eine Bildungsplan-Kompetenz aber kein eigenständiges Facherlass-Themenfeld 2027) (!Es ist 2027 das einzige verbindliche Themenfeld der schriftlichen Prüfung) (!Es kommt im Bildungsplan des Leistungsfachs überhaupt nicht vor) (!Es ersetzt alle literarischen Prüfungsinhalte)
Memory
| Erstsprache | früh erworbene Sprache |
| Zweitspracherwerb | Erwerb einer weiteren im Alltag relevanten Sprache |
| Interlanguage | systematisches sich entwickelndes Sprachsystem |
| Transfer | Einfluss vorhandener Sprachkenntnisse |
| Input | wahrnehmbares sprachliches Angebot |
Drag and Drop
| Ordne die richtigen Begriffe zu. | Thema |
|---|---|
| Lallen | lautliche Erprobung |
| Interlanguage | vorläufige Regelbildung |
| Transfer | Einfluss vorhandener Sprachen |
| Code-Switching | funktionaler Sprachwechsel |
| Input | sprachliches Angebot |
Kreuzworträtsel
| Lallen | Wie heißt die frühe stimmliche Erprobung mit wiederkehrenden Lautfolgen? |
| Transfer | Wie heißt der Einfluss vorhandener Sprachkenntnisse auf eine weitere Sprache? |
| Interlanguage | Wie heißt das systematische sich entwickelnde Sprachsystem im Zweitspracherwerb? |
| Syntax | Welche sprachliche Ebene untersucht die Verbindung von Wörtern zu Sätzen? |
| Input | Wie heißt das sprachliche Angebot das Lernende wahrnehmen? |
| Pragmatik | Welche Teildisziplin untersucht den situationsbezogenen Sprachgebrauch? |
LearningApps
Lückentext
Medienanalyse mit Feedback
Aufgabe: Untersuche die Grafik „Comprehensible input hypothesis.png“.
- AFB I: Beschreibe Aufbau und zentrale Aussage in höchstens vier Sätzen.
- AFB II: Erkläre zwei Annahmen, die die Grafik über Spracherwerb nahelegt.
- AFB III: Beurteile die Aussagekraft, indem Du mindestens zwei fehlende Faktoren nennst und begründest.
Direktes Feedback:
| Qualitätsmerkmal | Trifft zu | Noch verbessern |
|---|---|---|
| Beschreibung bleibt zunächst wertungsfrei | □ | □ |
| Deutung bezieht sich sichtbar auf Elemente der Grafik | □ | □ |
| Kritik nennt konkrete fehlende Variablen | □ | □ |
| Urteil unterscheidet Modellnutzen und Modellgrenze | □ | □ |
Hilfestufen
Hilfe 1 – Orientierung: Unterstreiche nur das, was im Material sichtbar oder hörbar ist.
Hilfe 2 – Fachsprache: Ordne Beobachtungen mindestens einer Kategorie zu: Lautung, Wortschatz, Grammatik, Pragmatik, Input, Interaktion oder Transfer.
Hilfe 3 – Satzgerüst: „Im Material ist … zu beobachten. Dies lässt sich mit … erklären, weil …. Die Aussage bleibt begrenzt, da … nicht erhoben wurde.“
Lösungen und Lösungshinweise
Quiz: In jeder Frage ist die erste Antwortmöglichkeit richtig.
Drag and Drop:
- Lallen – lautliche Erprobung
- Interlanguage – vorläufige Regelbildung
- Transfer – Einfluss vorhandener Sprachen
- Code-Switching – funktionaler Sprachwechsel
- Input – sprachliches Angebot
Kreuzworträtsel:
- Lallen
- Transfer
- Interlanguage
- Syntax
- Input
- Pragmatik
Lückentext:
- Erstsprache
- Lallen
- Interlanguage
- Transfer
- Input
- Code-Switching
- variabel
- Mehrsprachigkeit
Lösungshinweis zur Medienanalyse: Eine starke Lösung beschreibt zunächst die vereinfachte Input-Logik der Grafik. Danach benennt sie zum Beispiel Interaktion, Output, Aufmerksamkeit, soziale Einbettung oder individuelle Faktoren als nicht dargestellte Einflussgrößen. Das Urteil sollte die Grafik nicht „falsch“ nennen, sondern ihren Nutzen als reduziertes Modell und ihre begrenzte Reichweite unterscheiden.
Selbstkontrolle
Bewerte Dich nach der Materialarbeit mit sicher, teilweise oder noch offen.
| Ich kann … | sicher | teilweise | noch offen |
|---|---|---|---|
| Erst- und Zweitspracherwerb differenziert definieren | □ | □ | □ |
| Beobachtung und Deutung in Audioanalysen trennen | □ | □ | □ |
| Transfer und Interlanguage an Beispielen erkennen | □ | □ | □ |
| Code-Switching ohne pauschale Defizitperspektive analysieren | □ | □ | □ |
| ein Erklärungsmodell auf seinen Nutzen und seine Grenzen prüfen | □ | □ | □ |
| eine Forschungsaussage anhand einer Quelle kontrollieren | □ | □ | □ |
| KI-Aussagen unabhängig überprüfen | □ | □ | □ |
Arbeitsregel: Bei „noch offen“ gehst Du nicht direkt zur Musterlösung zurück. Wähle zuerst ein zweites Material und versuche denselben Begriff erneut anzuwenden.
Transfer
Situation: In einem Unterrichtsgespräch wechselt eine mehrsprachige Schülerin innerhalb eines Beitrags kurz in eine andere Sprache. Eine Person kommentiert: „Sie kann Deutsch offenbar nicht richtig.“
Deine Aufgabe:
- Trenne Beobachtung und Wertung.
- Nenne mindestens drei alternative Erklärungen für den Sprachwechsel.
- Formuliere zwei Fragen, mit denen sich der Kontext besser klären ließe.
- Schreibe eine fachlich präzisere, nicht defizitorientierte Beschreibung.
- Entscheide erst danach, welche zusätzlichen Daten für eine weitergehende Aussage nötig wären.
Datenschutz: Verwende für eigene Untersuchungen erfundene oder vollständig anonymisierte Beispiele. Sammle keine unnötigen personenbezogenen Daten und keine sensiblen Sprachbiografien ohne klaren schulischen Zweck und geeignete Einwilligung.
Kompetenzcheck
| Kompetenz | Basisfach mit Vertiefung | Leistungsfach |
|---|---|---|
| Begriffe | zentrale Fachbegriffe korrekt anwenden | Begriffe zusätzlich theoretisch einordnen und voneinander abgrenzen |
| Materialanalyse | Text, Grafik oder Audio strukturiert untersuchen | mehrere Materialien methodenkritisch miteinander verknüpfen |
| Mehrsprachigkeit | Funktionen und Kontexte reflektieren | Forschungspositionen und empirische Befunde differenziert bewerten |
| Modelle | Grundannahmen erklären | Modelle vergleichen und Reichweite begründet beurteilen |
| Transfer | einen neuen Fall mit Fachbegriffen erklären | konkurrierende Erklärungen gegeneinander abwägen |
| Quellen | seriöse Quelle erkennen und belegen | Datengrundlage, Methode und Geltungsbereich kritisch prüfen |
Kompetenzziel erreicht? Du solltest bei jeder Zeile mindestens ein konkretes Materialbeispiel nennen können, an dem Du die Kompetenz tatsächlich gezeigt hast.
Offene Aufgaben
Leicht
- Hörprotokoll: Erstelle zu einem der eingebundenen Baby-Audios ein 60-Sekunden-Protokoll mit den Spalten Zeit, Beobachtung und vorsichtige Deutung.
- Diagrammanalyse: Markiere in „Language Acquisition Phases.png“ drei sinnvolle Informationen und zwei problematische Vereinfachungen.
- Glossar: Gestalte eine eigene Karte mit acht Begriffen aus dem Kurs und je einem selbst erfundenen Beispiel.
- Quellenprüfung: Wähle eine Aussage dieses aiMOOCs und überprüfe, ob die verlinkte Quelle die Aussage tatsächlich trägt.
Standard
- Input: Vergleiche das TU-Dortmund-Video zum sprachlichen Input mit der Grafik zur Comprehensible-Input-Hypothese. Arbeite eine Gemeinsamkeit und zwei Unterschiede heraus.
- Sprachentwicklung: Erstelle eine eigene Visualisierung typischer Entwicklungsbereiche, die ausdrücklich keine starren Altersgrenzen behauptet.
- Code-Switching: Erfinde einen kurzen anonymen Dialog mit funktionalem Sprachwechsel und kommentiere die mögliche Gesprächsfunktion.
- Interlanguage: Entwickle fünf erfundene Lerneräußerungen, gruppiere sie nach möglichen Regelmustern und erkläre, warum eine reine Fehlerliste weniger aussagekräftig wäre.
Schwer
- Forschungsdesign: Entwirf eine kleine, ethisch unbedenkliche Untersuchung dazu, wie verständlicher Input gemessen werden könnte. Bestimme Variable, Methode, mögliche Störfaktoren und Grenzen.
- Spracherwerb und Alter: Verfasse eine materialgestützte Stellungnahme zur Aussage „Je früher, desto immer besser“. Nutze mindestens zwei seriöse Quellen und differenziere nach sprachlichen Teilbereichen.
- Mehrsprachigkeit: Vergleiche eine wissenschaftliche Quelle mit einer populären Behauptung über mehrsprachige Kinder. Prüfe Belege, Begriffe, Reichweite und mögliche Defizitperspektiven.
- Abiturtraining: Erstelle eine eigene AFB-III-Aufgabe zu einem Diagramm oder Audio dieses Kurses, formuliere einen Erwartungshorizont und lass eine KI nur Gegenfragen erzeugen. Prüfe anschließend jede KI-Frage selbst.


Lernkontrolle
- Methodenkritik: Du erhältst die Aussage „Kinder mit mehr sprachlichem Input lernen immer schneller“. Zerlege sie in überprüfbare Teilbehauptungen und entwirf Daten, mit denen sie geprüft werden könnte.
- Modellvergleich: Erkläre denselben Spracherwerbsbefund einmal mit einem gebrauchsorientierten und einmal mit einem sozial-interaktionistischen Ansatz. Zeige danach, welche Beobachtung beide Erklärungen unterscheiden könnte.
- Defizitperspektive: Überarbeite die Aussage „Die Person mischt Sprachen, weil sie keine richtig kann“ zu einer fachlich neutralen Untersuchungshypothese und nenne nötige Kontextdaten.
- Transferleistung: Übertrage das Konzept Interlanguage auf einen neu erfundenen Fall und begründe, woran Systematik erkennbar wäre.
- Quellenkritik: Vergleiche eine Wikipedia-Zusammenfassung mit einer wissenschaftlichen Open-Access-Quelle. Zeige, welche Aussage sich in welcher Quelle genauer belegen lässt.
- KI-Kompetenz: Lass eine KI drei Behauptungen über Altersfaktoren im Zweitspracherwerb formulieren. Prüfe jede Behauptung unabhängig und dokumentiere Quelle, Korrektur und übernommenen oder verworfenen Teil.
Lernnachweis
Für einen überzeugenden Lernnachweis solltest Du zeigen, dass Du:
- zentrale Begriffe korrekt und am Material anwenden kannst.
- mindestens ein Audio oder Video systematisch analysiert hast.
- mindestens ein Diagramm auf Aussagekraft und Grenzen geprüft hast.
- Erst- und Zweitspracherwerb nicht mit starren oder defizitorientierten Schemata erklärst.
- mindestens zwei Erklärungsansätze vergleichend einsetzen kannst, wenn Du im Leistungsfach arbeitest.
- Mehrsprachigkeit kontextbezogen untersuchst.
- zwischen Beobachtung, Interpretation und Bewertung unterscheidest.
- eine wissenschaftliche Quelle korrekt nutzt.
- AFB I, II und III unterscheiden und passende Leistungen erbringen kannst.
- KI-Unterstützung transparent dokumentierst und alle übernommenen Aussagen unabhängig geprüft hast.
Mögliche Form: Portfolio aus einer Audioanalyse, einer Diagrammkritik, einer Transferaufgabe und einer kurzen Quellenreflexion. Im Lernnachweis selbst werden keine unnötigen personenbezogenen Daten benötigt.
Reflexion
- Welche Deiner Vorstellungen über Spracherwerb hat sich durch die Materialien verändert?
- Bei welcher Aussage war die Trennung zwischen Beobachtung und Interpretation besonders schwierig?
- Wo hast Du eine Defizitperspektive erkannt oder selbst zunächst verwendet?
- Welche Quelle war für Dich am überzeugendsten und warum?
- Welche KI-Unterstützung war nützlich, welche musste korrigiert werden?
- Welche Frage zum Spracherwerb ist für Dich noch offen?
Folgekurs-Empfehlung
Als fachliche Fortsetzung eignet sich ein aiMOOC zu Mehrsprachigkeit, Sprachvariation und sprachlicher Identität. Für das Leistungsfach ist zusätzlich eine Vertiefung zu Sprache in politisch-gesellschaftlichen Verwendungszusammenhängen sinnvoll, weil dieses Themenfeld im Facherlass für das Abitur 2027 ausdrücklich genannt wird.
Quellen und offene Materialien
Offizielle Vorgaben und Fachquellen:
- Bildungsplan Baden-Württemberg – Deutsch 11/12 Leistungsfach
- Bildungsplan Baden-Württemberg – Deutsch 11/12 Basisfach
- Facherlass Abitur 2027, Baden-Württemberg
- Birdsong: Plasticity, Variability and Age in Second Language Acquisition and Bilingualism
- Hoff u. a.: Input and language development in bilingually developing children
- Hoff u. a.: What clinicians need to know about bilingual development
- Max-Planck-Gesellschaft: Language acquisition in multilingual children
Offene beziehungsweise frei zugängliche Medien:
- – Wikimedia Commons
- – Wikimedia Commons
- – Wikimedia Commons
- – Wikimedia Commons
– Wikimedia Commons
– Wikimedia Commons
– Wikimedia Commons
– Wikimedia Commons- Datei:IPA-Tabelle 2020 de.pdf – Wikimedia Commons
Medienhinweis: Für Wikimedia-Commons-Dateien gelten die jeweils auf der Dateiseite genannten Lizenz- und Attributionsbedingungen. Eingebettete YouTube-Videos werden nicht kopiert, sondern lediglich über die jeweilige Plattform eingebunden. Bei eigenen Weiterverwendungen ist die Lizenz jedes Mediums einzeln zu prüfen.
- ↑ Bildungsplan Baden-Württemberg, Deutsch 11/12 Leistungsfach, Sprachgebrauch und Sprachreflexion
- ↑ Bildungsplan Baden-Württemberg, Deutsch 11/12 Basisfach, Sprachgebrauch und Sprachreflexion
- ↑ Facherlass für die Abiturprüfung 2027, Baden-Württemberg, Stand 09.09.2025
- ↑ Erika Hoff u. a.: Input and language development in bilingually developing children
- ↑ Erika Hoff u. a.: What clinicians need to know about bilingual development
- ↑ David Birdsong: Plasticity, Variability and Age in Second Language Acquisition and Bilingualism, Open-Access-Review
- ↑ Max-Planck-Gesellschaft: Language acquisition in multilingual children
- ↑ Facherlass Abitur 2027, Deutsch
OERs zum Thema
Hinweis zur Nutzung: Wikipedia eignet sich als Einstieg und zur Begriffsklärung. Für strittige oder prüfungsrelevante Aussagen solltest Du zusätzlich die angegebenen Fachquellen und offiziellen Vorgaben prüfen.
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