Stuckprofile herstellen - Ausbaufacharbeiter - LF 10
Einleitung
Du lernst, einen Auftrag für ein echtes Stuckprofil im Schwerpunkt Stuckateurarbeiten fachgerecht zu untersuchen, zu entwerfen, seine Herstellung zu planen, das Profil in der Ausbildungswerkstatt unter Aufsicht zu fertigen und es passend anzusetzen. Du prüfst Maße, Gestaltung, Sicherheit, Materialeinsatz und Ergebnis. Die Abfolge orientiert sich am KMK-Lernfeld 10 im zweiten Ausbildungsjahr mit 40 Unterrichtsstunden: analysieren, informieren, planen, herstellen, kontrollieren und reflektieren. Der Kurs ist eine Lernhilfe, keine amtliche Prüfungszulassung und ersetzt weder betrieblichen Ausbildungsplan noch Landeslehrplan, die zuständige Kammer oder die Unterweisung durch Fachkräfte. Übe gefährliche Arbeiten nur unter befugter Aufsicht; alternativ dienen Kartonprofil, Pappschablone und digitales Raummodell als gefahrarme Simulation.
Auftrag analysieren, Bestand schützen und Untergrund prüfen
Auftrag und Gestaltungsanforderungen
Ein Stuckprofil ist eine plastisch ausgeformte, über eine Strecke gleichbleibende Kontur, etwa an einem Wand-Decken-Übergang als Gesims. Anders als ein flächiger Putz besitzt das Profil einen bestimmten Querschnitt. Der Auftrag nennt Ort, Maße, Stil, Profilform, gewünschte Oberfläche, Termin und erwartete Funktion. Stelle Fragen: Innenraum oder wetterbelastete Fassade? Gerade Strecke, Innenecke oder Außenecke? Neues Bauteil oder Ergänzung im Denkmal? Welche Anstriche, Leitungen oder angrenzenden Bauteile müssen erhalten bleiben? Was ist vertraglich vereinbart? Dokumentiere eine anonymisierte Skizze, einen Maßbogen und Materialvorgaben. Verwende niemals echte Kundennamen, Bewohnerfotos oder Betriebsinterna im Lernportfolio.
Ein Stuckateur unterscheidet erhabene Formglieder wie Wulst oder Stab von vertieften Formen wie Hohlkehlen; symmetrische Querschnitte spiegeln sich an einer Achse, asymmetrische nicht. Form und Licht entscheiden über Schattenwirkung. Ein schlichtes Gesims verlangt andere Kanten und Fugen als ein reich dekoriertes historisches Ornament. Dekorelemente wie Rosetten oder Eierstäbe können ergänzen, aber die Grundaufgabe bleibt das technisch richtige Stuckprofil.

Bild: historische Stuckleisten in Schloss Benrath; beachte das wiederkehrende Profil und den Schattenwurf. Foto: Velopilger, CC BY-SA 4.0; Quellennachweis im OER-Abschnitt.
Untergrundbeurteilung und Denkmalschutz
Prüfe Sichtbefund, Staub- und Schmutzauflagen, alte Beschichtungen, Risse, Hohlstellen, Feuchtigkeit, Tragfähigkeit, Ebenheit und passende Saugfähigkeit. Ein sauberes, ausreichend festes und nach Herstellervorgabe vorbereitetes Bauteil ist Voraussetzung; eine ungeeignete oder nasse Fläche wird nicht einfach mit mehr Kleber „gerettet“. Beobachtete Hohlstellen kennzeichnen und fachlich beurteilen lassen. Eine Haftprobe oder Untergrundprüfung ist nur nach betrieblicher Freigabe und mit geeignetem Verfahren durchzuführen. Schütze Fußböden, Fenster, Nachbarflächen und historische Substanz durch geeignete Abdeckungen und reversible Maßnahmen.
An einem Denkmal ist nicht automatisch das gesamte beschädigte Profil zu entfernen. Erst Aufmaß und fotografische Dokumentation ohne Personendaten, dann Schadensursache, Bestandsmaterial und Erhaltungsziel mit Fachverantwortlichen sowie zuständiger Denkmalschutzstelle klären. Arbeiten dürfen gegebenenfalls eine denkmalrechtliche Erlaubnis erfordern. Originalsubstanz zu bewahren ist vorrangig; unerlaubtes Abschlagen ist keine Übungsaufgabe.

Historische Dokumentation eines Gesimses: Für eine Rekonstruktion helfen Ansichten, Bestandfotos und Profilabnahmen. Landesarchiv Baden-Württemberg, CC BY 4.0.
Profilgeometrie, Zeichnungen und Zuschnitt
Querschnitte fachsprachlich lesen
Ein Querschnitt zeigt die Form senkrecht zur Profilachse, die Ansicht den Verlauf an Wand oder Decke, ein Detail beispielsweise den Anschluss an eine Ecke. Zeichne einen Profilquerschnitt im Maßstab 1:1 mit Höhen- und Tiefenmaßen, Radien, Hohlkehle, Wulst, Absatz und sichtbaren Kanten. Kennzeichne Wand- und Deckenseite, die Zugrichtung, die Auflageflächen der Zugschablone und die Einbaulage. Bei einem asymmetrischen Profil musst du die Spiegelung an zwei gegenüberliegenden Wänden bewusst prüfen: Eine falsch gewendete Schablone führt zu einer anderen Lichtkante.
Für gerade Profile dienen Führung und Schablone als Formgeber. Ein Längszug bewegt die Kontur entlang einer geraden Führung; ein Rundzug verwendet einen Drehpunkt und angepasste Führung für Bogen- oder Kreisprofile. Gegossene Ornamente entstehen dagegen in Negativformen. Nenne Gemeinsamkeiten der Formtreue und Unterschiede zwischen Ziehen und Gießen; nicht jede Gussform ist eine geeignete Zugschablone.
Gehrungen, Stoßstellen und Maßketten
Zwei Profile in einer rechtwinkligen Innenecke können bei passender Profilgeometrie an einer Gehrung von jeweils 45° zusammentreffen. Der Winkel ist bei nicht rechtwinkligen Ecken nicht pauschal 45°: Teile den tatsächlichen eingeschlossenen Winkel geometrisch passend, prüfe die Gehrung durch eine Musteranpassung und beachte Vorder- und Rückseite. Bei stark profilierten Altbauten kann ein angepasstes Anarbeiten statt einer einfachen Gehrung nötig sein. Lange Strecken erfordern Stoßfugen; verlege sie nachvollziehbar, vermeide unnötig kurze Endstücke und berücksichtige das Schnittmaß bis zur Profilaußenkante. Eine Maßkette kann aus mehreren Teilstücken bestehen: Länge der Wand = Summe der sichtbaren Teilstücke zuzüglich bzw. abzüglich der konstruktiv bedingten Schnittkorrekturen. Zeichne den Plan, bevor du sägst.
Typische Fehler: Profil in umgekehrter Richtung angelegt, Schablonenkontur ungenau übertragen, Eckwinkel ohne Messung angenommen, nur Wandlängen statt Schnitt- und Verschnittbedarf gerechnet. Gute Kontrolle: Ein Pappmuster im Originalmaß an beiden Ecken anhalten, Stoßverlauf und Sichtkanten im Streiflicht betrachten.
Werkstoffe, Schablonen und Arbeitsschutz
Innenstuck, Fassadenstuck und Abbindeprozesse
Für trockene Innenräume kommen je nach Auftrag und Zulassung Gipsbinder, Stuckgips oder geeignete Gipsmörtelsysteme infrage. Wasser startet das Abbinden; Verarbeitungszeit ist nicht mit Trocknungszeit gleichzusetzen. Zu viel Wasser, verschmutzte Gefäße, nachträgliches Wasser zum bereits abbindenden Gips oder ein nicht passender Untergrund verschlechtern die Ausführung. Für Außenstuck werden wettergeeignete, zum Bestand und Untergrund passende mineralische Systeme verwendet, zum Beispiel geeignete Kalk- oder Kalkzementmörtel. Reiner Innen-Stuckgips ist nicht pauschal für bewitterte Fassaden geeignet. Keine frei erfundenen Rezepturen: Bindemittel, Mischungsverhältnis, Temperaturen, Schichtaufbau, Armierung, Kleber, Stand- und Erhärtungszeiten ausschließlich nach aktuellem technischen Merkblatt, Sicherheitsdatenblatt und freigegebener Konstruktion auswählen.
Die Produktnorm DIN EN 13279-1:2008-11 beschreibt Gipsbinder und Gips-Trockenmörtel; die konkrete Anwendbarkeit hängt vom Produkt ab. DIN EN 13815:2006-12 betrifft Formteile aus faserverstärktem Gips, sofern solche Formteile verwendet werden. DIN-Normen sind keine frei verwendbaren Rezeptbücher und werden hier nicht wörtlich wiedergegeben. Bei Gips und Putz auch die einschlägigen Ausführungsregeln und Herstellerangaben in ihrer aktuellen Fassung prüfen.
Zugschablone konstruieren
Auf eine maßstabsgerechte Zeichnung folgen Materialauswahl, Papp- oder digitale Probe, Übertragung auf eine geeignete Platte, gegebenenfalls unter Aufsicht das Herstellen einer Metall-Schneidkante, ihre feste Montage an einem stabilen Schlitten sowie eine gerade, sichere Führung. Im Schablonenbau heißen die Bestandteile häufig Profilblech, Schablonenkörper, Schlitten und Führung. Runde und sehr große Formen können zusätzliche Stütz- oder Drehvorrichtungen verlangen. Scharfkantiges Blech schneiden, bohren oder schleifen nur nach Gefährdungsbeurteilung, Unterweisung und unter befugter Aufsicht; beim gefahrlosen Modell genügen Karton, Lineal und Schneidersimulation.

Vergleichsbild: Herstellung einer Mutterform für ein Abformverfahren, nicht der Nachweis einer Stuck-Zugschablone. Die Abbildung hilft dir, Negativform und geführte Zugkontur zu unterscheiden. RECKLI GmbH / Reckli, CC BY-SA 3.0.
Sicheres, gesundes und nachhaltiges Arbeiten
Erstelle vor der praktischen Ausführung eine Gefährdungsbeurteilung mit der Fachkraft: Werkzeuge, scharfe Kanten, Haut- und Augenkontakt, Staub beim Abwiegen oder Bearbeiten, Stolperstellen, ergonomisches Heben, Arbeiten über Kopf sowie standsichere Arbeitsbühnen. Mineralischer Mischstaub kann gesundheitsschädlich sein; Quarzrisiken hängen vom Baustoff ab. Vermindere Staub an der Quelle: staubarme Verarbeitung, wirksame Absaugung bzw. geeigneter Entstauber, keine trockene Kehrarbeit oder Druckluftreinigung. Erforderliche Handschuhe, Augen- und Atemschutz werden produktspezifisch und anhand der Gefährdungsbeurteilung festgelegt. Beachte DGUV Vorschrift 38 und DGUV Regel 101-602; die Ausgabe der Branchenregel von 2018 verweist teils noch auf eine ältere Fassung der Bauarbeiten-Vorschrift, die dort durch den geltenden Stand zu ersetzen ist. Bei quarzhaltigem Staub zusätzlich TRGS 559 und aktuelle BG-BAU-Hinweise prüfen.
Dosierte Kleinchargen, wiederverwendbare Schablonen und sorgfältige Schnittplanung senken Abfall und Kosten. Gipsreste nicht in den Abfluss spülen; Abfall nach Baustellenkonzept und örtlichen Regeln trennen. Originalmaterial bei Denkmalaufträgen vorrangig erhalten. Erstelle den Materialplan digital, speichere keine geschützten Betriebsdaten in öffentlichen KI-Diensten und nutze ausschließlich anonymisierte Beispielfotos.
Stuckprofil ziehen, zuschneiden und ansetzen
Werkstattfertigung in sinnvoller Reihenfolge
Erst Arbeitsfreigabe und sichere Einrichtung der Werkbank; danach Bezugslinien, Führung und Schablone auf Maßhaltigkeit prüfen. Unterweisung und Sicherheitsdatenblatt liegen bereit. Lege Schutz für angrenzende Flächen aus und mische nur so viel geeigneten Mörtel an, wie innerhalb der produktabhängigen Verarbeitungszeit beherrscht wird. Bringe Material für die Grundform auf, ziehe die Schablone wiederholt gleichmäßig entlang der Führung und ergänze nur erforderliches Material. Das Profil wird durch den Konturschnitt reproduzierbar. Nach vorgeschriebener Erhärtung und Freigabe entformen, den Zug ausreichend lagern und Kanten behutsam mit passenden Werkzeugen nacharbeiten. Unterschiedliche Roh- und Feinzüge hängen von System und Technik ab; Zwischenzeiten nicht schätzen.
Bei Gussformteilen ist statt Schablonenzug eine geeignete Form, Trennmittel- und Entformungsprüfung erforderlich. Große oder armierte Profile dürfen nicht unbesehen wie kleine Probestäbe behandelt werden; ihr Befestigungssystem muss statisch und baupraktisch geplant sein.
Ansetzen, Ecken und Oberflächen
Untergrundfreigabe, Anriss und Trockenprobe stehen vor dem Ansetzen. Lege Teilstückfolge und Gehrungen gemäß Einbaurichtung fest. Zuschneiden erfolgt mit geeignetem, sicheren Verfahren unter Aufsicht; Staubabsaugung beachten. Verwende das zum Profil und Untergrund passende vom Hersteller empfohlene Befestigungsmittel. Große, schwere oder über Kopf angeordnete Elemente benötigen ggf. zusätzliche gesicherte Befestigungen, die fachlich vorgegeben werden. Richte Profile flucht- und höhengerecht aus, sichere sie bis zum Erreichen ausreichender Festigkeit, schließe Stoß- und Eckfugen systemgerecht und putze Übergänge ein. Sichtflächen nicht mit starkem Wasserauftrag kaschieren; korrigiere Ursache und Kontur. Kein Einbau über Kopf als Alleinübung.
Ein deutsches Lehrvideo zeigt Zugtechnik und weitere Stuckarbeiten: SWR Handwerkskunst: Wie man mit Stuck arbeitet (SWR, 30.06.2024; reines Anschauen, keine Übernahme der Filmrechte). Ergänzend bietet STUCK-DEKOR Hardt eine Video-Montageanleitung zu Stuckleisten. Prüfe bei beiden: Was wird zu Beginn ausgerichtet, welche Verbindungen sind erkennbar und welche Sicherheitsschritte werden im Film nicht erläutert? Videos ersetzen keine betrieblichen Produktvorgaben.
Durchgerechneter Praxisauftrag, Abnahme und Reflexion
Fiktiver Auftrag und dokumentierter Arbeitsplan
Auftrag: In einem rechteckigen, trockenen Schulungsraum von 5,20 m Länge und 4,10 m Breite soll ein schlichtes, innenliegendes Stuck-Hohlkehlgesims als durchlaufender Deckenabschluss entstehen. Angenommener Querschnitt: 80 mm Ausladung zur Decke und 50 mm Höhe an der Wand. Werkstatt-Zugstäbe: nominal 2,00 m. Vier Innenecken. Der raumseitige Untergrund ist nach erfolgreicher fachlicher Prüfung tragfähig, trocken und geeignet; die tatsächliche Befestigung wird aus Herstellerangaben abgeleitet. Keine denkmalgeschützte Substanz und keine Leitungen im Montagebereich. Für die Übung gilt eine projektspezifische Qualitätsvereinbarung: Höhe/Flucht höchstens 2 mm Abweichung auf 1 m Prüflänge, an sichtbaren Stößen höchstens 1 mm Absatz; dies sind nur vereinbarte Übungswerte, keine DIN-Toleranzen.
Arbeitsplan: A Auftrag, Bestand und Gefährdungen erfassen; B Profilansicht und Querschnitt 1:1 zeichnen, Schnittrichtung markieren; C Karton-Musterschablone prüfen und Zugschablone unter Aufsicht fertigen; D Aufmaß, Gehrungen, Zuschnitt und Gipsbedarf kalkulieren; E Probezug und Mischrezept nach technischem Datenblatt prüfen; F Stäbe in kontrollierten Chargen herstellen und trocknen lassen; G Trockenpassprobe, zugeschnittene Stäbe ansetzen und Fugen bearbeiten; H Messprotokoll, Fotos des anonymisierten Musterstücks, Mängelbericht und Verbesserungsvorschlag anfertigen. Arbeiten auf Leitern, mit Maschinen oder über Kopf ausschließlich durch befugte Fachkräfte beziehungsweise angeleitet und gesichert.
Längen, Stückzahlen und Gipsbedarf nachvollziehbar berechnen
Umfang: U = 2 × (5,20 m + 4,10 m) = 18,60 m. Die Deckenrandlinie läuft um den gesamten Raum; die Türöffnung unterbricht das Gesims nicht. Planungsreserve: beispielhaft 8 % für Gehrungen und Verschnitt: 18,60 m × 1,08 = 20,088 m, gerundet 20,09 m. Stabzahl: bei 2,00 m je Stab mindestens aufgerundet 20,088 / 2 = 10,044, also 11 Stäbe bzw. 22,00 m Herstelllänge. Die reale Differenz 22,00 − 18,60 = 3,40 m umfasst Zuschnitt-/Lagerreserve, nicht ausschließlich Sägemehl. Prüfe die Verteilung in einem Schnittplan; vermeide 10-cm-Füllstücke an Ecken. Die vier Gehrungspaare in den Innenecken werden mit Originalmaß-Muster und tatsächlichem Winkel geprüft.
Material-Kalkulation auf ausdrücklich fiktiver Basis: Angenommen, der Probezug dieses konkreten Profils benötigt durchschnittlich 2,40 kg trockenen Stuckgips je Meter fertiger Stablänge. Für 11 volle 2,00-m-Stäbe ergibt das 22,00 m × 2,40 kg/m = 52,80 kg trockenes Material. Bei nur als Rechenannahme angesetzten 0,65 l Anmachwasser je kg ergibt sich 52,80 kg × 0,65 l/kg = 34,32 l Wasser insgesamt, verteilt auf kurze zulässige Mischchargen. Zwei fiktive 30-kg-Gebinde ergeben 60 kg; verbleibende 7,20 kg Pulver können nur trocken und nach Herstellerangaben aufbewahrt werden. Der echte Verbrauch ist mit Probezug, Profilquerschnitt, tatsächlichem Werkstoff und aktuellen Datenblättern neu zu bestimmen; Wasser darf nicht nach Pauschalformel dosiert werden. Kalkuliere außerdem Kleber, Armierung bzw. zusätzliche Befestigung nur entsprechend zugelassenem System und Arbeitsplan.
Digitale Gegenprobe: Tabellenkalkulation mit Feldern Länge=5,2, Breite=4,1, Reserve=0,08, Stablänge=2 und MasseJeMeter=2,4. Formeln: Umfang = 2*(Länge+Breite); BedarfMitReserve = Umfang*(1+Reserve); Stäbe = AUFRUNDEN(BedarfMitReserve/Stablänge;0); Gips = Stäbe*Stablänge*MasseJeMeter. Dokumentiere Einheit und Rundungsregel. Testfrage: Würde die gleiche Reserve bei 1,50-m-Stäben zu derselben Stückzahl führen? Begründe, statt nur Formeln zu kopieren.
Prüfbares Ergebnis, Fehlerdiagnose und Bewertung
Lernprodukt ist mindestens ein maßhaltiges 1:1-Kartonmodell und eine ausgearbeitete Dokumentation; mit Werkstattfreigabe zusätzlich ein mindestens 1,00 m langes Profil-Probestück und eine fachlich begleitete Eckprobe. Prüfe Querschnitt 80 × 50 mm am vorgesehenen Maßbezug, Profilkontur an mehreren Stellen, gerade Flucht, gleichmäßige Schattenkante, saubere Stoß-/Gehrungsübergänge und unbeschädigte Umgebung. Halte Istwerte, Sollwerte, Messmethode, Befund und freigegebene Nacharbeit in einer Tabelle fest. Typische Ursachen: welliges Profil durch unruhige Führung, Poren durch unsachgemäßes Anmischen, ausgefranste Kanten durch zu frühe Bearbeitung, Fugenabsatz durch falsche Ausrichtung und Abplatzung durch fehlerhafte Untergrundvorbereitung. Beschreibe zu jedem Fehler eine sichere Korrektur und die vorbeugende Prozessänderung.

Schadensbeispiel am Fassadengesims: Nicht einfach überdecken, sondern Ursache und Standsicherheit fachlich prüfen lassen. Foto: Kai Kemmann, CC BY-SA 4.0.
Bewertungsraster für den Ausbildungsauftrag, insgesamt 100 Punkte:
| Kriterium | Höchstpunkte | Nachweis |
|---|---|---|
| Auftragsanalyse und Untergrund-/Bestandsschutz | 10 | dokumentierte Prüffragen, Schutzkonzept und fachliche Freigaben |
| Profilentwurf und Schablonenplan | 15 | nachvollziehbare Maßzeichnung 1:1, Einbaulage und Probeschablone |
| Längen-, Material- und Schnittplan | 15 | richtige Einheiten, rechnerische Schritte, sinnvoller Verschnitt |
| Sicherer Arbeitsablauf und Werkstattorganisation | 20 | Gefährdungen, Schutzmaßnahmen, fachlich begleitete Ausführung oder sichere Simulation |
| Maßhaltigkeit, Oberfläche und Anschluss | 15 | protokollierte Kontur-, Fugen- und Fluchtprüfung |
| Qualitätskontrolle und Fehlerbehandlung | 15 | Soll-Ist-Vergleich, Mangelursache und sachgerechte Abhilfe |
| Dokumentation, Nachhaltigkeit und Reflexion | 10 | anonymisiertes Portfolio, Ressourcenauswertung, Verbesserungen |
| Summe | 100 | formative Ausbildungsbewertung, keine amtliche Prüfungsnote |
Bewerte je Kriterium beispielsweise mit voller Punktzahl bei vollständig prüfbarem Nachweis, hälftiger Punktzahl bei erheblichen Lücken und null Punkten bei fehlendem Nachweis; Sicherheitsverstöße führen unabhängig von Punkten zum sofortigen Stoppen praktischer Arbeiten. Erkläre in einer Rückmeldung was gelungen ist, was noch fehlt und wie der nächste Versuch sicher verbessert werden kann. Die 100 Punkte sind ein schulinternes didaktisches Raster, keine behauptete Kammer-Prüfungsordnung.
Interaktive Aufgaben
Quiz: Prüfe dein Fachwissen
Welche Angabe ist für die Wahl des geeigneten Stuckmörtels zuerst entscheidend? (Innenraum oder bewitterte Fassade) (!Die Farbe des Mörtelkübels) (!Die Schuhgröße der ausführenden Person) (!Die Uhrzeit der Abnahme)
Was zeigt eine Profilzeichnung im Maßstab eins zu eins? (Die tatsächliche Querschnittsform mit den Maßangaben) (!Den Terminplan eines Betriebs) (!Nur die geplante Deckenfarbe) (!Die Gesamtanzahl der Fenster)
Welche Hauptfunktion hat die Zugschablone? (Sie gibt beim gleichmäßigen Ziehen die Querschnittskontur vor) (!Sie ersetzt die Tragfähigkeitsprüfung des Untergrunds) (!Sie trocknet den Gips vollständig aus) (!Sie misst automatisch die Luftfeuchtigkeit)
Welche Maßnahme passt zu einem schadhaftem Gesims an einem Denkmal? (Bestand sichern und Maßnahmen mit den Zuständigen abstimmen) (!Den gesamten Originalstuck ungeprüft abschlagen) (!Die Schäden mit beliebiger Farbe verdecken) (!Nur die Materialpreise vergleichen)
Wie groß ist der Umfang eines Raums mit fünf Komma zwei und vier Komma eins Metern Seitenlänge? (Achtzehn Komma sechs Meter) (!Neun Komma drei Meter) (!Zwanzig Komma fünf Meter) (!Zweiundzwanzig Komma vier Meter)
Wie viele ganze Stäbe mit zwei Metern Länge benötigt die Beispielrechnung bei einer Planlänge von zwanzig Komma null acht acht Metern? (Elf Stäbe) (!Neun Stäbe) (!Zehn Stäbe) (!Zwölf und ein halber Stab)
Welche Aussage zur Wassermenge beim Anmischen ist fachlich korrekt? (Das aktuelle Datenblatt und die erprobte Charge bestimmen die Dosierung) (!Eine feste Wassermenge passt zu jedem Gipsprodukt) (!Bereits abbindender Gips wird durch beliebiges Nachgießen wieder geeignet) (!Viel Wasser erhöht stets die Endfestigkeit)
Was ist bei einem nicht exakt rechtwinkligen Eckanschluss wichtig? (Den tatsächlichen Winkel messen und den Zuschnitt anpassen) (!Immer genau fünfundvierzig Grad pro Stück verwenden) (!Die Profile nur stumpf gegeneinander schieben) (!Die Ecklage ohne Probe verdecken)
Wie wird Staub bei der Bearbeitung von Stuckprofilen vorrangig vermindert? (Staubarm arbeiten und wirksam an der Quelle absaugen) (!Trockenen Staub mit Druckluft abblasen) (!Die Schutzmaßnahmen durch schnelles Arbeiten ersetzen) (!Den Baustellenstaub mit einem Besen verteilen)
Welche Prüfung gehört zur Abnahme eines Stuckprofils? (Maßhaltigkeit und Optik anhand dokumentierter Kriterien vergleichen) (!Nur das Gewicht des Werkzeugkoffers notieren) (!Alle Stoßfugen verdecken und ungeprüft lassen) (!Ausschließlich den Kaufpreis des Gipses angeben)
Memory
Ordne die sechs Fachbegriffe ihrer fachlichen Erklärung zu. Wiederhole die Paare, die du noch nicht sicher unterscheiden kannst.
| Profilschablone | Formgeber für den gleichbleibenden Querschnitt beim Ziehen |
| Hohlkehle | Konkav ausgeformte Vertiefung im Stuckquerschnitt |
| Gehrung | Winkelgerechter Zuschnitt zweier zusammentreffender Profile |
| Aufmaß | Dokumentierte Ermittlung von Längen und örtlichen Abmessungen |
| Probezug | Teststück zur Prüfung von Kontur, Verfahren und Verbrauch |
| Sichtkante | Optisch wahrnehmbare Konturlinie an der Oberfläche |
Drag-and-drop
Verbinde jeden Arbeitsschritt mit seiner passenden Funktion.
| Passenden Fachschritt zuordnen | Beschriebener Zweck |
|---|---|
| Bestandsaufnahme | Schäden, Maße und Untergrund dokumentieren |
| Profilentwurf | Querschnitt und Eckdetails maßstäblich festlegen |
| Schablonenprobe | Führung und Kontur vor dem Mörtelauftrag testen |
| Trockenpassung | Schnittstücke vor dem Befestigen aneinander halten |
| Soll-Ist-Kontrolle | Messergebnisse mit vereinbarten Qualitätszielen vergleichen |
Kreuzworträtsel
Finde sechs Fachwörter. Die Hinweise verraten keine fertige Quizlösung.
| Gesims | Wie heißt das meist waagerechte Formglied am oberen Wandabschluss? |
| Hohlkehle | Wie heißt ein nach innen gerundetes Profilglied? |
| Schablone | Welches Hilfsmittel führt die genaue Kontur beim Ziehen? |
| Gehrung | Welcher Winkelzuschnitt verbindet Profile an einer Ecke? |
| Aufmaß | Wie nennt man das dokumentierte Ermitteln der örtlichen Maße? |
| Stuckgips | Welcher innen übliche Gipswerkstoff dient zur Fertigung plastischer Stuckformen? |
LearningApps
Nutze die thematische Aufgabensuche für zusätzliche, kritisch zu prüfende Übungen; die Suchergebnisse gehören nicht automatisch zum geprüften Kurs.
Lückentext
Ergänze die Aussagen mit den passenden Fachbegriffen. Jede Lücke prüft genau einen Zusammenhang.
Offene Aufgaben
Leicht
- Profil entdecken: Skizziere zwei unterschiedliche Stuckquerschnitte und markiere Erhebung, Vertiefung und Schattenkante; erläutere die Gestaltung in drei Sätzen.
- Aufmaßblatt: Miss an einem sicheren Modellraum vier Seiten, rechne den Umfang und dokumentiere jeweils Zahl, Einheit und Messmethode.
- Kartonmodell: Entwirf eine ungefährliche 1:1-Pappschablone für eine Hohlkehle und prüfe mit einer zweiten Person die Symmetrie oder Asymmetrie.
- Gefahren erkennen: Beschrifte ein anonymes Werkstattbild oder eine Skizze mit vier möglichen Gefährdungen und vier geeigneten Schutzmaßnahmen.
Standard
- Profilblatt: Fertige für das Beispielgesims Querschnitt, Wandansicht und Eckdetail an; dokumentiere Maße und Zugrichtung.
- Kalkulation: Rechne den Praxisfall mit 1,50-m-Stäben neu und vergleiche Stückzahl, Verschnitt und sichere Transportfähigkeit.
- Mörtelvergleich: Vergleiche anhand zweier aktueller Herstellerdatenblätter einen innen geeigneten und einen außen geeigneten Stuckmörtel in einer Tabelle; erfinde keine Mischwerte.
- Prüfprotokoll: Kontrolliere ein Papp- oder freigegebenes Gips-Muster auf Kontur, sichtbare Kante, Stoß und Soll-Ist-Abweichung; leite eine konkrete Verbesserung ab.
Schwer
- Historischer Bestand: Entwickle für ein fiktives beschädigtes Denkmalgesims ein Untersuchungskonzept mit Dokumentation, Sicherung, denkmalrechtlicher Klärung und materialschonenden Alternativen.
- Fertigungsprojekt: Plane mit Betreuung eine Werkstattfertigung eines 1-m-Probestücks samt Schablone, Chargenplanung, Schutzkonzept, Qualitätsmessung und Reflexion; ohne Freigabe ausschließlich als Karton- oder CAD-Simulation.
- Digitale Optimierung: Entwickle eine Tabellenkalkulation für Stablängen, Gehrungsverlust, Materialbedarf und Abfallmenge; variiere Reserve und dokumentiere die Grenzen deines Modells.
- Fachgespräch: Simuliere eine Baustellenabnahme mit fiktiver Auftraggeberrolle: Begründe Materialwahl, Maßabweichung, Fugennacharbeit, Nachhaltigkeit und einen wirtschaftlichen Verbesserungsvorschlag.


Lernkontrolle
- Anforderungsklärung: Beurteile, welche zusätzlichen Angaben du vor dem Ersatz eines historischen Außengesimses brauchst, und begründe die Reihenfolge.
- Schablonenprüfung: Erläutere an deinem 1:1-Entwurf drei mögliche Geometriefehler und wie du sie vor der echten Fertigung erkennst.
- Umfang und Mengen: Prüfe alle Rechenschritte des 5,20-m-mal-4,10-m-Raums auf Einheiten, Reserve, Stückzahl und Verpackungsrundung.
- Sicherheitsentscheidung: Entscheide bei staubendem Zuschnitt und über Kopf montiertem Großprofil, welche Schritte du ohne Freigabe unterlassen musst und welche sichere Simulation möglich ist.
- Schadensdiagnose: Bewerte einen angenommenen Riss an einem alten Stuckgesims und unterscheide Sicherung, Untersuchung und unzulässiges vorschnelles Entfernen.
- Abnahmegespräch: Leite aus drei exemplarischen Messabweichungen fachlich begründete Korrekturen und ein protokolliertes Ergebnis ab.
Lernnachweis
Lege ein anonymisiertes Projektportfolio mit Auftragsskizze, Bestandsanalyse, Material- und Gefährdungsbeurteilung, 1:1-Profilzeichnung, Schablonenkarton, Schnittplan, nachrechenbarer Tabellenkalkulation, aktuellem Herstellerdatenblatt, Arbeitsplan und einer eigenständigen Reflexion vor. Die Mindest-Praxisleistung ist ein gefahrenarmes 1,00-m-Kartonprofil einschließlich Eckmuster; eine echte Gipsprobe nur nach Werkstattfreigabe unter befugter Aufsicht. Dokumentiere ein Messprotokoll mit mindestens drei Querschnittsstichproben, einer Fluchtmessung, einem Foto der anonymen Probe und einer Fehleranalyse. Gib eine begründete Entscheidung ab, ob das Ergebnis die vereinbarten Ausbildungsmerkmale erfüllt, und benutze das 100-Punkte-Raster aus Kapitel 5. Die Rückmeldung soll jeweils einen nachprüfbaren Erfolg und einen nächsten Verbesserungsschritt benennen. Dieses Lernprodukt ist kein amtlicher Gesellen- oder Abschlussprüfungsnachweis.
OER und Wikipedia
Die folgenden Quellen sind überprüfte Einstiegspunkte; amtliche Regeln und Herstellerinformationen sind keine pauschal frei lizenzierten Medien. Normtexte werden nicht kopiert.
Rahmen und Technik:
- KMK-Rahmenlehrplan für Berufe im Ausbau, Seite 33, Lernfeld 10, Beschluss vom 29.09.2023, Zeitrichtwert 40 Stunden.
- BIBB-Berufsprofil Ausbaufacharbeiter/-in, Schwerpunkt Stuckateurarbeiten und Verweis auf geltende Ausbildungsordnung.
- Ausbauberufeausbildungsverordnung, Fassung vom 03.06.2024 mit Änderung 17.12.2024, in Kraft seit 01.08.2026; insbesondere Anlage 2 für den Schwerpunkt.
- DIN EN 13279-1:2008-11, aktueller Produktnorm-Eintrag für Gipsbinder und Gips-Trockenmörtel, keine freie Normtextkopie.
- Herstellerbeispiel Knauf Stuckgips, Datenblätter und produktspezifische Verarbeitungszeit, kein universelles Mischrezept.
- BG BAU: Gesundheitsgefahren durch Staub; DGUV Regel 101-602 – Branche Ausbau mit ausdrücklichem Hinweis auf den seit 2020 neu gefassten Bezug zur DGUV Vorschrift 38; BAuA, aktuelle TRGS-Übersicht, insbesondere TRGS 559.
- Deutsche Stiftung Denkmalschutz: Substanzerhalt zur fachlich abgestimmten Reparatur.
Deutschsprachige Anschauungsvideos: SWR Handwerkskunst – Wie man mit Stuck arbeitet (SWR, 2024, zugangsbeschränkte Filmrechte, keine OER-Lizenz nachgewiesen); Video-Montageanleitung für Echtstuck (STUCK-DEKOR Hardt, herstellerbezogene Information, Filmrechte vorbehalten). Für diese Videos wurde kein verlässlich frei lizenzierter Download nachgewiesen; deshalb verlinkt der Kurs sie nur.
Wikimedia-Commons-Dateien mit geprüfter Herkunft und Lizenz:
| Originaldatei | Quellseite | Urheber | Nachgewiesene Lizenz |
|---|---|---|---|
| 20170528 Stucco molding by Giuseppe Albuccio.jpg | Commons: Schloss Benrath | Velopilger | CC BY-SA 4.0 |
| Karlsruhe Haus von Haber Kaiserstraße 147 Saal in der ersten Etage - Stuckgesims Untersicht - LABW - Generallandesarchiv Karlsruhe 498-1 Nr. 6800.jpeg | Commons: historisches Stuckgesims | Landesarchiv Baden-Württemberg / Generallandesarchiv Karlsruhe | CC BY 4.0 |
| Anfertigung einer Mutterform (Modell).jpg | Commons: Negativform-Modell | RECKLI GmbH / Reckli | CC BY-SA 3.0 |
| Gebrochener Steinputz an Gesims der Fassade des Café Slavia, Národní 1, 110 00 Staré Město, Prague, Czechia 01.jpg | Commons: Gesimsschaden | Kai Kemmann | CC BY-SA 4.0 |
Lizenzhinweis: Bildautoren, Links und Lizenzhinweise bei jeder Weiterverwendung beibehalten; bei Veränderungen die jeweiligen Weitergabebedingungen beachten. Die Mutterformaufnahme ist ausdrücklich nur ein Verfahrensvergleich und zeigt keine Stuck-Zugtechnik.
Enzyklopädischer Einstieg: Stuck, Stuckateur und Schablone; Artikel stehen unter ihren jeweils angegebenen Wikipedia-Lizenzen.
Verknüpfte Lernbereiche
Fachliche Bezüge: Mathematik (Umfang, Verschnitt, Einheiten), Geometrie (Profilquerschnitt, Radien, Winkel), Werkstoffkunde (Abbinden, Außenbewitterung, Verbund), Kunstgeschichte (Stile, Formglieder), Arbeits- und Gesundheitsschutz (Staub und Absturz), Deutsch (Fachgespräch und Dokumentation), Informatik (CAD und Tabellenkalkulation), Wirtschaft (Materialeffizienz). Andere Ausbau-Fachrichtungen werden hier lediglich vergleichend angesprochen; der Pflichtschwerpunkt bleibt Stuckateurarbeiten.
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