Literatur verstehen - Im Krebsgang - Günter Grass
Einleitung
Worum geht es? Günter Grass veröffentlichte 2002 die Novelle Im Krebsgang. Der literarische Text verknüpft den Untergang des Schiffes Wilhelm Gustloff am 30. Januar 1945 mit einer erfundenen Familiengeschichte und dem rechtsextremen Missbrauch von Vergangenheit im Internet. Der Titel benennt zugleich die Erzählbewegung: Geschichte wird nicht geradlinig, sondern mit Rückgriffen, Umwegen und Perspektivwechseln erschlossen.
Lernziele (Klasse 10–13): Du unterscheidest historische Tatsachen von literarischer Gestaltung, analysierst Erzähler und Figurenbeziehungen, vergleichst familiäre und öffentliche Erinnerung, prüfst Quellen und entwickelst ein begründetes Urteil über politische Instrumentalisierung. Dazu nutzt du den vollständigen, legal beschafften Primärtext deiner Ausgabe. Der Wortlaut der Novelle liegt diesem Kurs nicht vor; deshalb gibt es hier keine vorgetäuschten Seitenangaben und keine unüberprüften Werkzitate. Die Inhaltsangaben sind bewusst knapp und ersetzen die Lektüre nicht.
Sensibler Inhalt: Krieg, Flucht, Massensterben, Antisemitismus, rechtsextreme Propaganda, Hassrede und tödliche Gewalt kommen vor. Wir untersuchen menschenfeindliche Aussagen kritisch, verbreiten keine Propaganda und vermeiden drastische Darstellungen. Bei belastenden Erinnerungen kann die Lehrkraft gleichwertige text- und quellenkritische Alternativen anbieten. Niemand muss private Flucht- oder Familienerfahrungen offenlegen.
Ausgangsfrage: Wie lässt sich das Leid deutscher Zivilpersonen im Zweiten Weltkrieg erinnern, ohne die nationalsozialistische Verfolgungs- und Kriegspolitik auszublenden oder das Leid für politische Feindbilder zu missbrauchen?
Merkkasten – Drei Ebenen:
| Ebene | Beispiel | Leitfrage |
|---|---|---|
| Historisches Geschehen | Untergang der Wilhelm Gustloff 1945 | Welche Quelle belegt welche Aussage? |
| Literarische Darstellung | Pauls erzählte Familiengeschichte | Wer berichtet, aus welcher Perspektive und mit welcher Absicht? |
| Gegenwärtige Deutung | Inszenierungen des Ereignisses in digitalen Räumen | Welche Auswahl, Emotionalisierung oder politische Vereinnahmung liegt vor? |
Werk und historischer Horizont
Bibliografie, Gattung und Lektürestrategie
Belegt: Im Krebsgang. Eine Novelle erschien 2002 bei Steidl. Der Verlag führt eine Ausgabe mit der ISBN 978-3-88243-800-0; andere Ausgaben können andere Seitenzählungen haben. Grass erhielt 1999 den Nobelpreis für Literatur. Der Text wird häufig im Zusammenhang mit deutschsprachiger Gegenwartsliteratur, Nachkriegsliteratur und Erinnerungskultur gelesen. Die Einordnung ist ein Analyseangebot, keine Behauptung, das im Jahr 2002 erschienene Werk gehöre allein einer abgeschlossenen Literaturepoche an.
Gattungsfrage: Die Verlagsbezeichnung Novelle ist eine überprüfbare bibliografische Angabe. Ob Verdichtung, zugespitzter Konflikt, markantes historisches Ereignis und Rahmen- beziehungsweise Vermittlungssituation tatsächlich novellentypisch wirken, überprüfst du selbst anhand deiner Lektüre. Ein Gattungslabel ersetzt nicht die Formanalyse.
Leseprotokoll: Notiere pro Lektüreeinheit (a) berichtetes Ereignis, (b) Sprecher und Wissensquelle, (c) Zeitstufe, (d) gesicherte Textstelle aus deiner konkreten Ausgabe. Trenne Randnotizen „Textbeobachtung“, „Deutung“ und „offene Frage“.
Merke: Eine Lektüreanalyse ist überprüfbar, wenn ihre Beobachtungen auf dem gelesenen Text beruhen. Die hier angebotenen Deutungen sind prüfbare Hypothesen und keine wörtlichen Aussagen des Romans.
Flucht über die Ostsee und der Untergang
Historische Orientierung: Im Januar 1945 flohen zahlreiche Menschen vor den Kämpfen in Ostpreußen und anderen östlichen Gebieten. Die Wilhelm Gustloff war ursprünglich ein Passagierschiff des nationalsozialistischen Freizeitprogramms „Kraft durch Freude“, wurde im Krieg zeitweise als Lazarettschiff und später auch als Wohnschiff verwendet und beförderte bei ihrer letzten Fahrt Menschen unterschiedlicher Gruppen, darunter Zivilpersonen und Angehörige des Militärs. Das sowjetische U-Boot S-13 versenkte sie am 30. Januar 1945 in der Ostsee. Die Zahl der an Bord befindlichen Menschen und Todesopfer ist quellenabhängig und nur näherungsweise zu bestimmen; häufig wird von ungefähr 9.000 oder mehr Toten ausgegangen. Eine exakte Zahl ohne Quellenlage wäre unseriös.
Wichtige Kontextgrenze: Dass Zivilpersonen im Krieg schweres Leid erfuhren, ist historische Tatsache. Ebenso ist Tatsache, dass der Krieg durch den nationalsozialistischen Angriffskrieg und seine Verbrechen geprägt war. Eine differenzierte Betrachtung kann beides benennen, ohne Opfergruppen gegeneinander aufzurechnen.

Kartenanalyse: Gegenwärtige Ostsee-Übersicht von NordNordWest. Die Karte markiert weder die Route noch die Untergangsstelle von 1945. Orientiere dich an Ostseeküste, Danziger Bucht und südlicher Ostsee. Zeichne eine vermutete Route nicht als historisch gesicherte Fahrtstrecke ein. Quelle/Lizenz: Wikimedia Commons, NordNordWest, CC BY-SA 3.0 DE.

Quellenbild: Hafen von Pillau, 26. Januar 1945; Aufnahme H. Budahn/Bundesarchiv. Zu sehen sind Flüchtende und Militärangehörige; nicht der belegte Einschiffungsvorgang der Wilhelm Gustloff. Bestimme Bildausschnitt, zeitgenössischen Aufnahmezweck und fehlende Perspektiven. Quelle/Lizenz: Bundesarchiv via Wikimedia Commons, CC BY-SA 3.0 DE.
Schiffsbild, Propaganda und Quellenkritik
Ein historisches Bild beweist, dass ein Motiv zu einem bestimmten Zeitpunkt fotografiert wurde, aber nicht die Wahrheit jeder ursprünglichen Bildunterschrift. Staatliche Bildarchive weisen darauf hin, dass überlieferte Propagandatexte fehlerhaft, tendenziös oder politisch extrem sein können. Frage: Wer hat das Bild geschaffen? Wann? Welchen Zweck erfüllte es damals? Warum wird es heute gezeigt?

Quellenbild: Die Wilhelm Gustloff als Lazarettschiff 1940, Fotograf Augst/Bundesarchiv. Kein Foto des Untergangs 1945. Analysiere, wie Schiffsnamen, Aufnahme und Bildunterschrift die Deutung beeinflussen können. Wikimedia Commons, Bundesarchiv Bild 183-L05762, CC BY-SA 3.0 DE.
Datei:Wilhelm Gustloff Hamburg 2 1938-1.webm Archivfilm: 25 Sekunden Amateurfilm, Hamburg, 15. Juli 1938; Aufnahme Herbert Göner, über Wikimedia Commons bereitgestellt durch Physics31415, dort ausgewiesene Lizenz CC BY-SA 4.0. Vergleiche die friedliche Hafenansicht von 1938 mit den Kriegsfunktionen des Schiffes: Weshalb ist diese Aufnahme weder Beleg für die Situation an Bord 1945 noch ein wertneutraler Ersatz für Berichte über die Katastrophe? Datei und Rechteinformationen.
Merkkasten – Quellenprüfung: Quelle, Urheber, Entstehungszeit, Zweck, Auswahl und Lizenz gehören zusammen. Eine Bildlizenz erlaubt bestimmte Nachnutzungen; sie garantiert weder historische Genauigkeit noch Neutralität.
Figuren und familiäre Konflikte
Paul Pokriefke und sein Erzählen
Handlungsorientierung, bewusst knapp: Der fiktive Journalist Paul Pokriefke beschäftigt sich mit dem Schicksal des Schiffes und der Geschichte seiner Familie. Seine eigene Geburt hängt in der Erzählung eng mit der Katastrophe zusammen. Die Mutter drängt auf die Wiederaufnahme dieser Vergangenheit, während die jüngere Generation andere Formen des Erinnerns entwickelt. Paul ist kein allwissender, neutraler Chronist; wie er sammelt, ordnet, zögert und kommentiert, gehört zur Aussage der Novelle.
Analysefokus: Trenne Paul als Figur von Paul als Erzähler. Markiere in deiner Ausgabe Stellen, in denen er etwas selbst erlebt, von anderen gehört, aus Dokumenten erschließt oder nur vermutet. Untersuche, ob sein journalistischer Anspruch mit seiner persönlichen Beteiligung in Spannung gerät.
Deutung: Pauls wechselnde Distanz lässt sich als Schwierigkeit verstehen, vererbte Geschichte verantwortlich zu erzählen. Gegenlesart: Seine Distanz könnte auch als Vermeidung persönlicher Verantwortung gedeutet werden. Entscheidend sind konkrete Textbeobachtungen aus deiner Ausgabe.
Tulla und die Weitergabe von Erinnerung
Figurenfunktion: Pauls Mutter Tulla trägt ihre Erinnerungen an Flucht und Untergang beharrlich in die Gegenwart. Ihr Erzählen beansprucht Aufmerksamkeit und beeinflusst Familienbeziehungen. Dass eine Figur erinnert, macht jede Einzelheit ihrer Darstellung noch nicht automatisch zu objektiv verbürgter Geschichtsschreibung.
Beziehungsanalyse: Erstelle ein Diagramm mit Pfeilen zwischen Tulla, Paul und Konrad. Beschrifte die Pfeile nicht mit psychologischen Diagnosen, sondern mit am Text belegbaren Handlungen: „erzählt“, „weicht aus“, „hört zu“, „interpretiert“, „übernimmt“.
Merkkasten – Erinnerung: Autobiografische Erinnerung ist eine wichtige historische Quelle, aber immer perspektivgebunden. Sie verdient Respekt und kritische Prüfung zugleich; widersprechende Quellen erlauben Nachfragen, ohne Betroffene abzuwerten.
Konrad und die generationelle Zuspitzung
Figurenfunktion: Pauls Sohn Konrad, häufig „Konny“ genannt, wendet sich dem Ereignis der Wilhelm Gustloff anders zu als seine Eltern und Großmutter. Im digitalen Raum verbinden sich historische Themen mit ideologischen Feindbildern. Ein Konflikt um Geschichtsdeutung und Identität mündet in tödliche Gewalt.
Deutungsvorschlag: Die drei Generationen können als unterschiedliche, miteinander verflochtene Modi gelesen werden: Erleben und Erinnern, distanzierendes Weitererzählen, identitäre Aneignung. Das ist keine automatische moralische Gleichsetzung und keine pauschale Aussage über reale Altersgruppen. Frage, welche Entscheidungen der Einzelnen die Entwicklung prägen.
Unterrichtshinweis: Untersuche extremistisches Denken anhand von Mechanismen wie Vereinfachung, Feindbildbildung, Ausblendung von Fakten und Selbstinszenierung. Reproduziere keine Propagandaslogans, Symbole oder verlinkten Hassinhalte als Übung.
Erzähltechnik, Zeit und Sprache
Warum „im Krebsgang“?
Der bildliche Krebsgang bezeichnet eine Bewegung, die nicht schlicht nach vorn führt. Der Erzähler nähert sich der Vergangenheit rückwärts, seitwärts und in Sprüngen. Verschiedene Jahrzehnte werden verschränkt: die Zeit vor und während des Zweiten Weltkriegs, Pauls Familiengeschichte sowie die spätere Internetgegenwart der Handlung. So kann der Text Zusammenhänge sichtbar machen, die ein geradliniger Bericht verdecken würde.
Praktisches Beispiel (kein Werkzitat): Eine erfundene lineare Zeitleiste würde Ereignis A, dann B, dann C erzählen. Eine rückblickende Erzählung kann erst C zeigen, dann A erklären und danach B aus neuer Perspektive deuten. Die Leserinnen und Leser müssen Ursache, Wissen und spätere Bewertung voneinander trennen.
Aufgabe beim Lesen: Nutze drei Farben für Ereigniszeit, Erzählgegenwart und Rückblick. Prüfe, an welcher Stelle deine zunächst gebildete Deutung durch spätere Information verändert wird.
Perspektive, Selbstbefragung und der „Alte“
Der erzählende Paul reflektiert das eigene Schreiben; zudem tritt der „Alte“ als eine Figur beziehungsweise Instanz auf, die den Erzählprozess rahmt oder anstößt. Eine Ähnlichkeit mit dem Autor erlaubt eine autobiografisch-metafiktionale Interpretation, beweist aber keine einfache Identität von „Altem“, Erzähler und dem realen Günter Grass.
Fakt, Deutung, Gegenposition: Fakt innerhalb der fiktionalen Welt ist, dass das Erzählen selbst Thema wird. Eine mögliche Deutung sieht darin literarische Selbstkritik angesichts blinder Flecken des Erinnerns. Eine Gegenposition kann fragen, ob diese Konstruktion Verantwortung vom Erzähler auf eine übergeordnete Figur verschiebt. Belege die Position an Formulierungen aus deiner rechtmäßig vorliegenden Ausgabe.
Merke: Autor, Erzähler und Figur sind analytisch getrennte Größen, auch wenn sie sich in einem Werk spiegeln.
Sprachliche Verfahren und Novellenform
Achte auf Wechsel zwischen journalistisch wirkenden Angaben, persönlichen Einschüben, Rückfragen und wertenden Kommentaren. Die Mischung von Dokumentarischem und Fiktionalem erzeugt einen Eindruck von Recherche, ohne die Novelle in eine wissenschaftliche Monografie zu verwandeln.
Analyseraster: Untersuche in einem selbst gewählten kurzen Abschnitt (a) Satzlänge und Rhythmus, (b) sprachliche Distanz oder Betroffenheit, (c) Unsicherheitssignale, (d) Übergänge zwischen Bericht, Erinnerung und Kommentar. Als Befund gelten nur tatsächlich vorliegende Formulierungen; Beispiele hier im Kurs sind keine angeblichen Textzitate.
Gattungsurteil: Formuliere zwei begründete Sätze dazu, ob der zugespitzte Generationenkonflikt die Bezeichnung „Novelle“ unterstützt und was an der komplexen Zeitführung eher gegen eine einfache Gattungsdefinition spricht.
Erinnerungskultur und politische Instrumentalisierung
Opfergeschichte und historische Verantwortung
Die Novelle berührt eine schwierige Frage der Erinnerungskultur: Wie können unterschiedliche Leiden anerkannt werden, ohne historische Ursachen zu nivellieren? Das Leid von Geflüchteten lässt sich sachlich erforschen und empathisch wahrnehmen; daraus folgt nicht, nationalsozialistische Verbrechen zu verharmlosen oder die Verantwortung für Krieg und Verfolgung umzuschreiben.
Vergleichende Urteilsbildung:
- Beobachtung: Überlebendenberichte können wichtige Einzelheiten liefern.
- Interpretation: Wiederholte Familienerzählungen prägen Zugehörigkeit und Schweigen.
- Gegenposition: Die These, über deutsche Kriegsopfer habe man nach 1945 überhaupt nie gesprochen, ist historisch zu pauschal. Veröffentlichungen, Gedenkpraktiken und politische Debatten müssen zeitlich und regional geprüft werden.
Merkkasten – Kein Nullsummenspiel: Anerkennung eines Leids setzt nicht voraus, andere Opfergeschichten herabzusetzen. Historische Verantwortung verlangt differenzierte Kontexte, belegbare Aussagen und begriffliche Genauigkeit.
Geschichte im Internet: Von Recherche zur Radikalisierung
Im Roman wird das Internet zum Ort konkurrierender Geschichtserzählungen und politischer Selbstinszenierung. Die literarischen Online-Konflikte stammen aus einer spezifischen frühen Netzphase, nicht aus heutigen Plattformalgorithmen. Für die Gegenwart lässt sich gleichwohl fragen, wie Echokammern, pseudohistorische Behauptungen und emotionalisierende Bilder wirken.
Quellenkritisches Beispiel (frei erfunden): „Niemand durfte damals über dieses Ereignis sprechen“ ist eine überprüfbare Totalbehauptung, keine Quelle. Eine seriöse Untersuchung würde Publikationen, Gedenktage, Schulbücher und Gegenbeispiele aus verschiedenen Jahrzehnten heranziehen.
Transfer: Entwirf eine verantwortliche Moderationsregel für eine schulische historische Online-Diskussion: Belege verlangen, Opfer achten, rassistische Schuldzuweisungen unterbinden, Unsicherheit markieren und Korrekturen dokumentieren.
Geschichtsfiguren und erfundene Rollen
Der reale NS-Funktionär Wilhelm Gustloff wurde 1936 von David Frankfurter erschossen; das Schiff wurde später nach Gustloff benannt. Dieses historische Ereignis und seine propagandistische Verarbeitung durch Nationalsozialisten bilden einen wesentlichen Kontext. Figuren und Konflikte der fiktionalen Handlung dürfen nicht mit historischen Personen verwechselt werden. Das literarische Online-Rollenspiel um gegensätzliche Geschichtsbilder zeigt, wie Namen und Symbole aus Vergangenheit als politische Identitätsangebote verwendet werden.
Arbeitsschritt: Lege zwei Spalten an: „durch externe Quellen belegte historische Person oder Tat“ und „literarische Figur beziehungsweise Handlung“. Kennzeichne Mischungen und Unsicherheiten. Argumentiere, warum aus einer historischen Tatsache keine Rechtfertigung antisemitischer, rechtsextremer oder gewaltsamer Deutungen folgt.
Rezeption, Quellen und Medienvergleich
Wie wurde das Werk aufgenommen?
Im Krebsgang löste Debatten über die öffentliche Erinnerung an deutsche Flucht- und Vertreibungserfahrungen, über Verantwortung und über die Literaturform aus. Literaturkritik reagierte nicht einheitlich: Manche Stimmen sahen in der Novelle eine wichtige Erweiterung der Erinnerungsperspektive, andere kritisierten vereinfachte Behauptungen eines angeblichen Tabus oder einzelne narrative Entscheidungen. Solche Wertungen sind Positionen der Rezeption, keine unanfechtbaren Werkfakten.
Forschungszugang: Das Günter Grass-Haus dokumentiert wissenschaftliche Literatur zu Im Krebsgang und damit verschiedene Deutungskontexte. Vergleiche zwei begründete Rezensionen anhand von These, Textbeleg, Wertungskriterium und möglicher Auslassung. Widersprich einem Urteil nur mit nachvollziehbaren Argumenten.

Autorenfoto: Günter Grass bei einer Veranstaltung 2006; dieses Foto ist keine Aufnahme zur Erstveröffentlichung 2002. Stelle die Frage, welche Rolle öffentliche Autorenbilder im Umgang mit literarischen Werken spielen. Wikimedia Commons, Blaues Sofa, CC BY 2.0.
Zeitzeugenfilm und historische Perspektive
Video: „1945: Flucht und Vertreibung“, zeitzeugen-portal (2011; Zeitzeugen- und Bildungsangebot; im Video genannte Rechte unter anderem beim ZDF). Das Video wird nur über YouTube eingebettet, nicht als frei lizenzierte Datei neu verbreitet. Video und Kanal. Prüfe, wer spricht, welche Orte und Gruppen gezeigt werden, wie NS-Kriegsursachen einbezogen werden und was eine audiovisuelle Quelle nicht zeigen kann. Das Video ist keine Verfilmung der Novelle.
Vergleichsfrage: Wie unterscheiden sich die Beweisansprüche einer zeitgeschichtlichen Dokumentation und einer literarischen Ich-Erzählung? Formuliere eine Stärke und eine Grenze beider Formen.
Digitale Gedächtnisarbeit und Medienherkunft
Datei:Wikipedia Edit 2015.webm Animations-/Montagefilm: „Wikipedia Edit 2015“ von Victor Grigas/Wikimedia Foundation, CC BY-SA 3.0. Der Film zeigt exemplarisch, wie Wikipedia-Mitarbeitende 2015 Wissen und Erinnerung digital gestalten; er ist kein Dokumentarfilm über die Wilhelm Gustloff. Nutze ihn als Medienvergleich: Wer entscheidet, welche Ereignisse sichtbar bleiben, und wer kontrolliert Änderungen? Wikimedia Commons, Urheber und Lizenz.
Audioquellenprüfung: Die kurze Datei spricht den Namen „Günter Grass“ aus. Sie ist eine Aufnahme von Jeuwre (2020, CC BY-SA 4.0), keine Originalstimme des Autors. Analysiere, wie leicht ein korrekt betitelter Tonfund ohne Quellenprüfung fälschlich als Interview ausgegeben werden könnte. Wikimedia Commons, Urheber und Lizenz.
Merkkasten – Medienvergleich: Beschreibe vor jeder Interpretation zunächst Materialart, Entstehung, Urheber, Ziel, Lizenz und Grenzen. Ein Autorinnen- oder Autorenporträt, ein historisches Bild und eine Hördatei haben unterschiedliche Beweiskraft.
Interaktive Aufgaben
Multiple-Choice-Quiz
Welche Gattungsbezeichnung trägt die Veröffentlichung von Grass? (Novelle) (!Drama) (!Gedichtsammlung) (!Wissenschaftliche Monografie)
Feedback: Der Untertitel des Verlags lautet „Eine Novelle“. Welche Formmerkmale dafür sprechen, muss darüber hinaus am gelesenen Werk analysiert werden.
Welches reale Ereignis ist ein historischer Bezugspunkt der Handlung? (Der Untergang der Wilhelm Gustloff im Januar 1945) (!Die Berliner Luftbrücke 1948) (!Der Mauerfall im November 1989) (!Die Gründung der Europäischen Gemeinschaft 1957)
Feedback: Die Versenkung des Schiffes am 30. Januar 1945 verbindet die historische Ebene mit den Familiengeschichten. Andere Ereignisse eignen sich höchstens für spätere Kontextvergleiche.
Welche Aussage zur Erzählweise trifft die Zeitstruktur am besten? (Die Geschichte wird in zeitlichen Sprüngen und Rückblicken erschlossen) (!Alle Ereignisse erscheinen in strenger Tagesfolge) (!Der Text besteht nur aus Theaterdialogen) (!Es gibt keine erzählte Vergangenheit)
Feedback: Der Titel „Krebsgang“ steht unter anderem für eine nichtlineare Annäherung an Geschichte; die Reihenfolge des Erzählens ist nicht die Reihenfolge aller Ereignisse.
Wer ist in der fiktiven Familiengeschichte Pauls Mutter? (Tulla) (!Gabi) (!Marinesko) (!Frankfurter)
Feedback: Tulla ist Pauls Mutter. Sie trägt die Erinnerung an Flucht und Schiffskatastrophe besonders nachdrücklich in die Familie.
Welche Figur repräsentiert die jüngere Generation des Familienkonflikts? (Konrad) (!Der historische David Frankfurter) (!Der historische Alexander Marinesko) (!Der Fotograf Augst)
Feedback: Konrad ist Pauls Sohn. An ihm untersucht die Novelle, wie eine junge Generation historisches Material ideologisch umdeuten kann.
Was ist beim Vergleich einer literarischen Szene mit einem Archivfoto nötig? (Entstehungszeit und Aussagegrenzen beider Quellen prüfen) (!Die literarische Szene stets als wörtliche Zeugenaussage behandeln) (!Das älteste Bild immer für neutral halten) (!Die Bildunterschrift ungeprüft als Beweis übernehmen)
Feedback: Bild und Fiktion haben verschiedene Entstehungsbedingungen. Ein Archivfoto zeigt nur einen Ausschnitt; eine literarische Szene ist gestaltet und muss vom historischen Beleg unterschieden werden.
Welche Aussage zur Zahl der Todesopfer ist wissenschaftlich verantwortlich? (Schätzungen nennen und Unsicherheiten der Quellen ausweisen) (!Ohne Quellen eine genaue Zahl behaupten) (!Jede abweichende Schätzung für Fälschung erklären) (!Die Opferzahlen grundsätzlich ignorieren)
Feedback: Unterschiedliche Datenlagen und Berechnungsmethoden erfordern vorsichtige, belegte Angaben. Die Tragweite der Katastrophe wird dadurch nicht bestritten.
Welcher Umgang mit Erinnerung wird im Kurs vertreten? (Ziviles Leid anerkennen und die Ursachen des NS-Krieges mitbedenken) (!Unterschiedliche Opfergruppen gegeneinander aufrechnen) (!Nationalsozialistische Kriegspolitik für nebensächlich halten) (!Zeitzeugen grundsätzlich für unfehlbar erklären)
Feedback: Empathie und historische Kontextualisierung schließen einander nicht aus. Einseitige Entlastungs- oder Schuldnarrative sollen gerade kritisch geprüft werden.
Was ist der Unterschied zwischen Erzähler und Autor? (Der Erzähler ist eine textinterne Erzählinstanz und nicht automatisch der reale Autor) (!Jede Ich-Erzählung ist ein amtliches Autobiografieprotokoll) (!Der Autor ist immer eine Figur mit demselben Namen) (!Erzähler können nie zweifeln)
Feedback: Paul und weitere Erzählebenen sind literarisch gestaltet. Selbst Parallelen zum Leben von Grass heben die analytische Trennung nicht auf.
Was kennzeichnet einen verantwortlichen Medienvergleich? (Urheber Absicht Entstehungszeit Lizenz und Beweiskraft beachten) (!Nur auf emotionale Wirkung achten) (!Aus jedem Film denselben Schluss ziehen) (!Historische Unsicherheiten ausblenden)
Feedback: Medienkritik fragt nach Herkunft und Aussagegrenzen. Das gilt für Schiffsaufnahmen, Zeitzeugeninterviews, Karten, digitale Animation und Audiodateien gleichermaßen.
Memory: Begriffe verbinden
Ordne jedem Begriff die passende Erklärung zu. Die Paare unterstützen die Unterscheidung von Ereignis, Erzähltechnik und Deutung.
| Ereigniszeit | Zeitpunkt des berichteten Geschehens innerhalb der erzählten Welt |
| Erzählzeit | Zeitliche Position und Abfolge des Erzählens |
| Quellenkritik | Prüfung von Herkunft Zweck Perspektive und Grenzen eines Belegs |
| Erinnerungskultur | Gesellschaftliche Formen des Deutens Gedenkens und Weitergebens |
| Instrumentalisierung | Einsatz einer Vergangenheitserzählung für fremde politische Ziele |
| Erzählinstanz | Im Werk konstruierte Stimme des Berichtens |
Drag-and-drop: Deutung richtig zuordnen
Verbinde die fünf Fachbegriffe mit ihren Beschreibungen. Beachte, dass Begriffe keine moralische Bewertung der historischen Personen ersetzen.
| Gesuchter Begriff | Beschreibung |
|---|---|
| Familiengedächtnis | Überlieferung der Vergangenheit zwischen Angehörigen verschiedener Generationen |
| Metafiktion | Der Text reflektiert die Entstehung seines eigenen Erzählens |
| Quellenvergleich | Unabhängige Belege werden auf Übereinstimmung und Abweichung untersucht |
| Rückblende | Von der erzählten Gegenwart aus wird ein früheres Ereignis dargestellt |
| Feindbild | Eine Gruppe wird ideologisch vereinfacht und zur Zielscheibe von Schuldzuweisungen |
Kreuzworträtsel
Trage jeweils das gesuchte Einzelwort ein. Die Begriffe stammen aus dem Lektüre- und Methodenteil.
| Novelle | Wie heißt die vom Verlag gewählte literarische Gattung? |
| Tulla | Wie heißt Pauls Mutter? |
| Konrad | Wie heißt Pauls Sohn? |
| Ostsee | In welchem Meer sank das Schiff? |
| Rückblende | Wie heißt das erzählerische Zurückspringen in frühere Zeiten? |
| Propaganda | Wie nennt man interessengeleitete politische Beeinflussung durch Botschaften? |
LearningApps
Suche nach weiteren extern erstellten Übungen und prüfe vor der Verwendung, ob sie sachlich korrekt und für diese Altersstufe geeignet sind. Der Suchlink ist kein von diesem Kurs eigens publiziertes Lernspiel.
Lückentext
Setze die jeweils passende Fachbezeichnung ein. In jedem Satz fehlt nur ein Ausdruck.
Offene Aufgaben
Arbeitsregel für alle Aufgaben: Verwende nur deine rechtmäßig beschaffte Textausgabe, öffentlich verfügbare seriöse Quellen und selbst verfasste Texte. Trage für einen Textbeleg Ausgabe und selbst überprüfte Seiten- oder Abschnittsstelle ein. Keine geschützten Passagen abschreiben und keine Personen ohne Einwilligung aufnehmen. Jede Aufgabe besitzt einen Nachweis und Bewertungskriterien.
Leicht
- Lese- und Figurenkarte: Erstelle ein Schema zu Tulla, Paul und Konrad mit sechs belegbaren Beziehungen. Nachweis: Grafik mit knappen Textstellenangaben aus deiner Ausgabe. Kriterien: Figurenzuordnung korrekt; Beobachtung von Vermutung getrennt; Angaben überprüfbar.
- Doppelte Zeitleiste: Unterscheide fünf historische Referenzdaten von fünf Ereignissen der fiktionalen Familiengeschichte. Nachweis: zwei farblich getrennte Zeilen und mindestens zwei Quellen. Kriterien: Chronologie, Kennzeichnung fiktionaler Vorgänge, transparente Lücken.
- Bildquellenkarte: Beschreibe die Bundesarchivaufnahme der Wilhelm Gustloff von 1940 mit Urheber, Zeitpunkt, Kontext und Aussagegrenze. Nachweis: Quellenkarte mit Commons-Link. Kriterien: keine falsche Untergangszuordnung; Nachvollziehbarkeit; sorgfältige Bildbeschreibung.
- Begriffsheft: Erkläre Erinnerungskultur, Erzählinstanz, Rückblende und Propaganda in jeweils eigenen Worten mit einem passenden Lektürebezug. Nachweis: vier Kurztexte. Kriterien: fachliche Genauigkeit, eigenständige Sprache, klarer Bezug.
Standard
- Perspektivenvergleich: Vergleiche Tullas Erinnern mit Pauls Erzählen an zwei selbst ausgewählten Stellen. Nachweis: 500–700 Wörter mit Ausgabe- und Fundstellen. Kriterien: differenzierte Perspektivbestimmung, zwei überprüfbare Belege, schlüssige Deutung.
- Medienanalyse: Stelle das Bundesarchivfoto von 1940 der Filmaufnahme von 1938 gegenüber. Nachweis: annotierte Bild- und Filmbeobachtungen und 300 Wörter Reflexion. Kriterien: Entstehungskontext, Quellenlücken, Bildwirkung und Rechteangaben.
- Rezensionen abwägen: Untersuche eine positive und eine kritische fachliche Besprechung der Novelle. Nachweis: Vergleichstabelle aus Aussage, Argument, Beleg, blinden Flecken und eigenem Urteil. Kriterien: faire Wiedergabe, mindestens zwei nachprüfbare Fundstellen, begründete Gegenposition.
- Digitale Geschichtserzählung: Entwickle ohne extremistische Originalsymbole ein fiktives Beispiel für eine irreführende historische Online-Behauptung und verbessere es durch Recherche. Nachweis: Vorher-Nachher-Text mit Quellen. Kriterien: Problem erkannt, Quellenqualität, respektvolle Korrektur.
Schwer
- Interpretationsaufsatz: Prüfe, wie die nichtlineare Zeitstruktur Verantwortung und Erinnerung verknüpft. Nachweis: argumentativer Aufsatz mit These, mindestens drei belegten Textbeobachtungen, Gegenlesart und Schluss. Kriterien: klare Argumentationslogik, begründete Einwände, keine erfundenen Zitate.
- Forschungsprojekt: Untersuche anhand von drei datierten historischen Quellen, ob die pauschale Aussage von einem vollständigen Schweigen über die Wilhelm Gustloff nach 1945 haltbar ist. Nachweis: kommentierte Quellenbibliografie und differenziertes Urteil. Kriterien: zeitliche Reichweite, Quellengüte, Trennung von öffentlicher Aufmerksamkeit und Nichterinnern.
- Gedenkkonzept: Entwirf ein sensibles, quellenbasiertes Lernangebot zum Schiffsuntergang in Form einer Ausstellungstafel oder Audioguide-Konzeption ohne das Erstellen fremder Originalmedien. Nachweis: Konzept mit Bildunterschriften, zwei Perspektiven, Kontext der NS-Verbrechen und Materialrechten. Kriterien: historische Verantwortung, Perspektivenvielfalt, Schutz Betroffener, transparente Urheberschaft.
- Streitgespräch: Schreibe ein dialogisches Essay zweier gut begründeter Interpretationspositionen zu Grass’ Umgang mit deutscher Opfererinnerung. Nachweis: Dialog plus metakritischer Kommentar und Literaturverweise. Kriterien: Stärke beider Argumente, faire Gegenrede, Textnähe, reflektiertes eigenes Urteil.


Bewertungsraster der offenen Aufgaben: Sach- und Texttreue (0–4 Punkte), präzise Belege und Mediennachweise (0–4), begründete Analyse samt Gegenposition (0–4), eigenständige und respektvolle Darstellung (0–4), Reflexion der Quellen- und Darstellungsgrenzen (0–4). Maximal 20 Punkte pro Aufgabe. Die Lehrkraft kann alters- und aufgabengerecht gewichten; bei „Leicht“ zählt sichere Differenzierung stärker als theoretische Terminologie.
Lernkontrolle
Bearbeite mindestens fünf Transferaufgaben. Jede Antwort benötigt eine These, Belege und einen prüfbaren Schluss.
- Ebenen trennen: Erläutere anhand von zwei konkreten Beispielen, wie sich historischer Fakt, erzählte Fiktion und heutige Deutung unterscheiden. Lösungshinweis: Dokumentenquelle gegen Erzählerwahrnehmung stellen; keine historischen Personen mit fiktionalen Figuren gleichsetzen.
- Generationenurteil: Inwiefern verstärken oder unterbrechen Tulla, Paul und Konrad einander im Umgang mit Vergangenheit? Lösungshinweis: mindestens eine Beziehung mit Textbeleg und eine einschränkende Gegenbeobachtung.
- Zeitanalyse: Erkläre eine Rückblende und ihren Effekt auf das Wissen der Lesenden. Lösungshinweis: Ereigniszeit und Darstellungszeit sauber markieren und den Erkenntnisgewinn benennen.
- Historisches Urteil: Begründe, wie Empathie mit deutschen Kriegstoten und die Anerkennung deutscher NS-Verantwortung zusammengehen können. Lösungshinweis: keine Opferkonkurrenz; Perspektive, Verantwortung und Ursachen differenzieren.
- Quellenprüfung: Weshalb beweist das Schiffsfoto von 1940 nicht die Situation an Bord 1945? Lösungshinweis: Datierung, Fotozweck, historische Zustandsänderung und Bildausschnitt angeben.
- Digitaler Transfer: Nenne drei Methoden, mit denen sich eine geschichtspolitische Netzbehauptung überprüfen lässt. Lösungshinweis: unabhängige Quellen, Datierung und Kontext, Gegenbelege beziehungsweise Fachliteratur.
- Rezeptionsvergleich: Vergleiche zwei gegensätzliche Urteile über die Novelle und entscheide, welches durch konkrete Argumente besser gestützt ist. Lösungshinweis: Zitierfähigkeit der Sekundärtexte, Relevanz ihrer Textbelege und faire Gegenposition.
Bewertungskriterien (je fünf Punktefelder): 20 % richtige Werk- und Geschichtsangaben, 20 % präziser Textbezug, 20 % Quellennachweise, 20 % differenzierte Argumentation, 20 % begründetes Urteil samt Grenzen. Bei Gewalt- und Extremismusbezügen gehört respektvolle Sprache zur fachlichen Leistung.
Lernnachweis
Nach erfolgreicher Arbeit kannst du (1) bibliografische Angaben des Werkes verlässlich nennen; (2) historische Dokumente und literarische Figuren unterscheiden; (3) das Zusammenwirken der drei fiktiven Generationen erläutern; (4) mindestens drei Merkmale von Erzählinstanz, Rückblende und selbstreflexivem Erzählen an deiner Ausgabe nachweisen; (5) mindestens zwei Positionen der Forschung oder Kritik fair gegenüberstellen; (6) Mechanismen politischer Mythenbildung fachlich erklären; (7) die Rechte und Grenzen verwendeter Bilder, Filme und Audiodateien dokumentieren; und (8) ein sachliches, eigenständiges Schlussurteil formulieren.
Portfolio-Vorschlag: Figurenkarte, annotierte Zeitleiste, eine Bildquellenkarte, ein belegter Textanalyseabschnitt, eine Medienvergleichstabelle, eine Gegenposition und eine kurze Reflexion darüber, was du ohne Primärtext oder ohne Originalquellen nicht wissen kannst. Kennzeichne alle Eigenleistungen und die selbst überprüften Fundstellen der jeweils benutzten Ausgabe.
Mündliche Prüfung: Stelle in drei Minuten eine begründete These über die Verantwortung des Erzählens vor. Beantworte anschließend einen begründeten Einwand und erkläre die Grenzen eines von dir genutzten historischen Mediums.
OER und Wikipedia
Primärwerk und rechtmäßige Lektüre: Günter Grass: Im Krebsgang. Eine Novelle. Steidl, erstmals 2002. Verlagsangaben und Ausgabeninformation. Eine entleihbare Ausgabe suchst du in Schul-, Stadt- oder Universitätsbibliotheken; es wird kein kostenloser Volltext behauptet oder verlinkt. Die vorliegende Kursausarbeitung stützt sich auf überprüfbare Werkangaben und Sekundärmaterial, nicht auf einen bereitgestellten vollständigen Primärtext. Bei der Lektüre muss jede wörtliche Belegstelle mit deiner konkreten Ausgabe abgeglichen werden.
Bibliografische Ausgangspunkte: Deutsche Nationalbibliothek – angegebener Katalogdatensatz und GND – angegebener Normdatensatz. Die beiden DNB-Ziele konnten während der Recherche technisch nicht vollständig eingesehen werden; exakte Editionsangaben werden daher nicht als dort überprüft ausgegeben.
Werkforschung und Geschichte:
- Günter Grass-Haus: Fachbibliografie zu Im Krebsgang (2002) – erschließt Bücher und Forschungsaufsätze.
- Günter Grass-Haus: Manuskripte und Textgenese – Werkstatt- und Literaturkontext.
- Haus der Geschichte / LeMO: Günter Grass – biografische Orientierung.
- Deutsches Historisches Museum: Flucht, Vertreibung und Wilhelm Gustloff – historischer Kontext.
- Deutschlandfunk: Historischer Rückblick auf die Versenkung – Zahlen und Einordnung als überprüfungsbedürftige Angaben.
- Deutschlandfunk: zeitnahe Buchkritik – Position zur Veröffentlichung.
- literaturkritik.de: kritische Rezeptionsperspektive – Argumente und Bewertungen als Position kennzeichnen.
- Günter Grass-Haus: digitales Gesprächs-/Videomaterial zum Werk – Quelle und Entstehung vor Einsatz erneut prüfen.
Wikipedia als Einstieg, nicht als Endbeleg:
Deutscher Überblick: Im Krebsgang – überprüfe die dort angegebenen Einzelnachweise. Ein englischer Artikel ist unter Crabwalk vorhanden.
Mediennachweise (jede Datei beim Einsatz erneut auf Lizenzstand und Eignung prüfen):
| Datei/Video | Quellenachweis | Urheberschaft | Rechte und Besonderheit |
|---|---|---|---|
| File:Baltic Sea adm location map.svg | Commons | NordNordWest | CC BY-SA 3.0 DE; heutige Karte |
| File:Bundesarchiv Bild 146-1989-033-35, Pillau, Hafen, Marinesoldaten, Flüchtlinge.jpg | Commons | H. Budahn, Bundesarchiv | CC BY-SA 3.0 DE; Pillau 1945, nicht Gustloff an Bord |
| File:Bundesarchiv Bild 183-L05762, Lazarettschiff "Wilhelm Gustloff".jpg | Commons | Augst, Bundesarchiv | CC BY-SA 3.0 DE; Aufnahme von 1940 |
| File:Wilhelm Gustloff Hamburg 2 1938-1.webm | Commons | Aufnahme Herbert Göner, Datei von Physics31415 bereitgestellt | CC BY-SA 4.0 laut Commons; Hamburg 1938 |
| File:Günter Grass auf dem Blauen Sofa.jpg | Commons | Blaues Sofa | CC BY 2.0; Foto von 2006 |
| File:Wikipedia Edit 2015.webm | Commons | Victor Grigas / Wikimedia Foundation | CC BY-SA 3.0; allgemeines digitales Erinnern |
| File:De-Günter Grass.ogg | Commons | Jeuwre | CC BY-SA 4.0; Namens-Aussprache, keine Autorenstimme |
| https://www.youtube.com/watch?v=whaxGxIMueI | zeitzeugen-portal: „1945: Flucht und Vertreibung“ | Kanal zeitzeugen-portal, laut Video einschlägige Materialrechte unter anderem ZDF | YouTube-Nutzungsbedingungen; eingebettetes Fremdvideo, keine offene Nachnutzungslizenz behauptet |
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Verknüpfte Lernbereiche
Fachliche Verbindungen: Deutsch (Erzählanalyse, Novellenfrage, Argumentieren), Geschichte (Zweiter Weltkrieg, Flucht, Erinnerung), Gemeinschaftskunde/Ethik (Menschenwürde, politische Propaganda), Medienbildung (Quellenprüfung, digitale Geschichtspolitik). Für interdisziplinäre Nachweise gelten die Prüfungsregeln des jeweiligen Faches.
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