Tischlein deck dich - Leseheft Grundschule - Deutsch
Einleitung
Vertrauen und Täuschung: ein Märchen zum Lesen und Mitdenken. Für Klasse 3 bis 5. Du findest eine abgeschlossene neue Nacherzählung, alte Bilder und viele Aufgaben.
Wichtige Quellenangabe: Die folgende Erzählung ist eine neue Bearbeitung in einfacher Gegenwartssprache. Ihre Grundlage ist die vollständig gelesene, gemeinfreie Grimm-Fassung von 1837 (KHM 36), S. 214–227. Sie ist nicht als wortgleiche Abschrift der MOOCwiki-Buchausgabe zu verstehen. Deren vollständiger Inhalt konnte nicht geprüft werden. Darum beziehen sich alle historischen Seitenbelege ausschließlich auf die Grimm-Ausgabe von 1837.
Vorhandene Seiten statt Dubletten: Buch – Tischlein deck dich – Leseheft für die Grundschule – MOOCwiki und bereits vorhandener Analyse-Kurs. Diese Seiten werden nicht neu angelegt.
Deine Lernziele: Du kannst die Geschichte in die richtige Reihenfolge bringen, die wichtigsten Figuren erklären, Märchenmerkmale erkennen und eine Behauptung mit einer Textstelle belegen.
Zeiten: Die Brüder Grimm veröffentlichten das Märchen im 19. Jahrhundert. Diese Nacherzählung gehört zur Gegenwart. Die historische Version erzählt auch von Schlägen gegen Menschen und Tiere. Heute kritisieren wir solche Gewalt. Die Figuren hätten Streit auch friedlich lösen können.

Historische Illustration von Heinrich Leutemann oder Carl Offterdinger (spätes 19. Jahrhundert), Wikimedia Commons, gemeinfrei.
Das Märchen – die ganze Geschichte in einfacher Sprache
Die Ziege täuscht den Vater
Ein Schneider lebte mit seinen drei Söhnen und einer Ziege. Jeden Tag führte einer der Söhne die Ziege auf die Wiese. Dort fraß sie viele Blätter.
Aber die Ziege sagte nicht die Wahrheit. Draußen behauptete sie, satt zu sein. Zu Hause sagte sie dem Vater, dass sie nichts gefressen habe. Der Vater glaubte ihr und wurde wütend. Er schickte erst den ältesten, dann den mittleren und schließlich auch den jüngsten Sohn fort.
Eines Tages hütete der Vater die Ziege selbst. Da merkte er: Sie log auch ihn an. Er hatte seine Söhne zu Unrecht beschuldigt. Im alten Märchen verjagt er die Ziege nach einer harten Strafe. Wir wissen: Schlagen ist keine gute Lösung. Der Vater blieb traurig zurück.
Textbeleg: Grimm 1837, S. 214–217. Auf der Weide sagt die Ziege „ich bin so satt, ich mag kein Blatt“. Vor dem Vater antwortet sie anders. Das ist die Täuschung.

Otto Ubbelohde (1909), Illustration zum Märchen; Wikimedia Commons, gemeinfrei.
Drei Brüder lernen Berufe
Die Brüder fanden neue Arbeit. Der älteste Sohn lernte, als Schreiner Dinge aus Holz zu bauen. Sein Meister schenkte ihm ein Tischchen. Wenn er ein Zauberwort sagte, stand es voller Essen.
Der mittlere Sohn wurde Müller. Er bekam von seinem Meister einen besonderen Esel. Mit dem Wort Bricklebrit brachte der Esel Goldstücke hervor.
Der jüngste Sohn wurde Drechsler. Er erhielt einen Sack mit einem Zauberknüppel. Der Knüppel konnte Menschen angreifen, wenn jemand den Zauberspruch sagte. In unserer Zeit suchen wir lieber Hilfe ohne Gewalt.
Textbelege: Grimm 1837, S. 217–218 (Tischchen), S. 220–221 (Goldesel), S. 223–224 (Sack).

Historische Illustration von Leutemann oder Offterdinger, Wikimedia Commons, gemeinfrei.
Der Wirt nimmt das Tischchen
Der älteste Bruder reiste zurück zu seinem Vater. Auf dem Weg übernachtete er in einem Gasthaus. Der Wirt beobachtete, wie das Zaubertischchen sich mit Essen deckte. Er wollte es unbedingt haben.
In der Nacht vertauschte er das Zaubertischchen mit einem gewöhnlichen Tisch. Der Bruder merkte es nicht. Zu Hause lud er Gäste ein. Doch auf seinem Tisch erschien kein Essen. Jetzt wusste er, dass ihn jemand betrogen hatte.
Textbeleg: Grimm 1837, S. 218–220. Erst wird das Tischchen nachts vertauscht, dann bleibt es vor den Gästen leer.

Paul Hey, historische Märchen-Ansichtskarte (vor 1952), Wikimedia Commons, gemeinfrei.
Der Wirt stiehlt auch den Goldesel
Der zweite Bruder übernachtete ebenfalls in dem Gasthaus. Der Wirt entdeckte, dass der Esel Goldstücke hervorbringen konnte. Nachts tauschte er den magischen Esel gegen einen gewöhnlichen aus.
Beim Vater wollte der Bruder Gold hervorzaubern. Aber sein Esel tat nichts Besonderes. Auch er war betrogen worden.
Textbeleg: Grimm 1837, S. 220–223. Vergleiche diesen Diebstahl mit dem ersten.

Alexander Zick (1845–1907), historisches Märchenbild, Wikimedia Commons, gemeinfrei.
Der Jüngste holt die Geschenke zurück
Die zwei älteren Brüder hatten dem Jüngsten von dem Wirt erzählt. Nun kam der Jüngste in das Gasthaus. Er sprach von einem besonders wertvollen Sack. Wieder wollte der Wirt stehlen.
Aber der Bruder war vorbereitet. Er befahl dem Zauberknüppel, aus dem Sack zu kommen. Im alten Märchen wird der Wirt geschlagen und gibt Tischchen und Esel zurück. Heute wäre es besser, gestohlene Sachen mit Hilfe anderer Menschen zurückzufordern.
Der jüngste Bruder nahm die beiden Geschenke wieder mit.
Textbeleg: Grimm 1837, S. 223–225. Der Wirt gibt beide Gegenstände zurück.

Otto Ubbelohde (1909), Wikimedia Commons, gemeinfrei.
Das glückliche Familienfest
Endlich sah der Vater seine drei Söhne wieder. Diesmal funktionierten das Zaubertischchen und der Goldesel. Für die Gäste gab es viel Essen und Gold. Der Vater war froh, wieder mit seinen Kindern zusammenzusein.
Textbeleg: Grimm 1837, S. 225–226. Das Fest beendet den Streit in der Familie.

Otto Ubbelohde (1909), Wikimedia Commons, gemeinfrei.
Das Ende der Ziege
Die Ziege versteckte sich in einer Fuchshöhle. Der Fuchs sah ihre Augen im Dunkeln und bekam Angst. Auch ein Bär traute sich nicht hinein. Schließlich flog eine kleine Biene in die Höhle. Sie stach die Ziege, die erschrocken davonlief. Wohin sie ging, wusste niemand.
Textbeleg: Grimm 1837, S. 226–227. Auch die Schlussszene mit Fuchs, Bär und Biene gehört zur vollständigen historischen Handlung.
Das Märchen verstehen
Die wichtigsten Figuren
Der Vater: Er glaubt einer falschen Aussage und merkt seinen Fehler zu spät.
Die Ziege: Sie täuscht Menschen durch zwei unterschiedliche Antworten.
Der älteste Bruder: Er bekommt das Tischchen. Der mittlere Bruder: Er bekommt den Goldesel. Der jüngste Bruder: Er fordert die Geschenke zurück.
Der Wirt: Er nutzt Vertrauen aus und stiehlt die beiden Gaben.
Fuchs, Bär und Biene: Sie treten im Schlussteil mit der Ziege auf.
Lesefrage: Wer handelt unfair? Zeige dazu einen Satz aus der neuen Erzählung oder die angegebene Grimm-Seite.
Märchen-Sprache
Im Märchen sprechen Tiere und magische Dinge funktionieren. Die Zahl drei ist wichtig: drei Brüder und drei Geschenke. Die Geschichte zeigt den Unterschied zwischen ehrlich und unehrlich.
Wörter-Hilfe: Ein Schreiner baut mit Holz. Ein Müller verarbeitet Getreide zu Mehl. Ein Drechsler bearbeitet Holz auf einer drehenden Maschine. Ein Wirt führt ein Gasthaus. Eine Täuschung führt jemanden absichtlich in die Irre.
Gestufte Hilfen
Hilfe 1 – Finden: Suche die Namen Ziege, Wirt und Bruder im Text.
Hilfe 2 – Verstehen: Ergänze: „Der Wirt tauscht das Tischchen aus, weil ...“.
Hilfe 3 – Begründen: Schreibe: „Im Abschnitt ... steht ... . Deshalb meine ich ... .“
Tipp: Lies immer zuerst die heutige Nacherzählung. Nutze die historischen Seitenzahlen, wenn du genauer prüfen möchtest.
Medien zum Hören und Vergleichen
Erste Hörfassung: Wortwuchs liest ein Grimm-Märchen vor. Diese Version ist länger als die neue Leseversion.
Zweite Hörfassung: „Lie liest vor“ erzählt ebenfalls das alte Märchen.
Freies Hörbuch als Zusatz: LibriVox, Track 36 „Tischchen deck dich“, Peter Badurek (22:51 Minuten).
Medienprüfung: Die historischen Bilder sind auf Wikimedia Commons als gemeinfrei bezeichnet und unten einzeln nachgewiesen. Eine passende Commons-Audioaufnahme oder Commons-Animation zum Märchen konnte nicht sicher nachgewiesen werden. Deshalb wird keine entsprechende Datei erfunden. Die externen Hörvideos bleiben Eigentum ihrer Urheber und werden nur eingebettet.
Interaktive Aufgaben
Multiple-Choice-Quiz
Alle Fragen beziehen sich auf die neue Nacherzählung. Die Fundstellen stehen am Ende der jeweiligen Leseabschnitte.
Wer glaubt der Ziege zunächst? (Der Vater) (!Der Wirt) (!Der Fuchs) (!Der Müller)
Wie viele Söhne hat der Schneider? (Drei) (!Vier) (!Zwei) (!Einen)
Welchen Beruf erlernt der älteste Sohn? (Schreiner) (!Müller) (!Drechsler) (!Bäcker)
Was kann das Zaubertischchen? (Von selbst Essen bereitstellen) (!Die Uhr anhalten) (!Tiere verwandeln) (!Fliegen)
Welche Gabe bekommt der mittlere Bruder? (Einen Goldesel) (!Eine Zauberfeder) (!Ein silbernes Buch) (!Eine Krone)
Was macht der Wirt nachts mit dem Tischchen? (Er vertauscht es) (!Er verschenkt es) (!Er zerlegt es) (!Er bemalt es)
Was geschieht auch mit dem Goldesel? (Er wird heimlich ausgetauscht) (!Er fliegt weg) (!Er wird zum Fisch) (!Er bleibt beim Vater)
Was steckt im Sack des jüngsten Bruders? (Ein Zauberknüppel) (!Ein Apfelbaum) (!Ein Schloss) (!Eine goldene Uhr)
Wer fordert die gestohlenen Geschenke zurück? (Der jüngste Bruder) (!Die Ziege) (!Der Fuchs) (!Der Müllermeister)
Wer vertreibt die Ziege aus der Fuchshöhle? (Eine Biene) (!Der Vater) (!Der Goldesel) (!Ein Hase)
Memory: Wer gehört wohin?
| Schneider | Vater der drei jungen Männer |
| Ziege | lügt am Anfang der Geschichte |
| Schreiner | Beruf des ältesten Bruders |
| Wirt | tauscht zwei Zaubergeschenke aus |
| Biene | vertreibt das Tier aus der Höhle |
Drag and Drop: Ordne richtig zu
| Begriff | Bedeutung in der Geschichte |
|---|---|
| Tischchen | magisches Möbel mit Essen |
| Goldesel | Tier, das Goldstücke hervorbringt |
| Zauberknüppel | Gegenstand des jüngsten Bruders |
| Gasthauswirt | Betrüger, der zwei Geschenke stiehlt |
| Vater | erkennt seine falsche Entscheidung |
Kreuzworträtsel
| Ziege | Welches Tier erzählt dem Vater etwas Falsches? |
| Tischchen | Welcher Gegenstand kann Essen herbeizaubern? |
| Goldesel | Welches Tier bringt Gold? |
| Wirt | Wer nimmt die Geschenke heimlich? |
| Brüder | Wie nennt man die drei Söhne untereinander? |
| Biene | Wer vertreibt am Ende die Ziege? |
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Weitere vorhandene Aufgaben zu diesem Märchen suchen:
Lückentext
Offene Aufgaben
Drei Kernaufgaben: Beginne mit der ersten Aufgabe auf jedem Niveau. Die weiteren neun Aufgaben kannst du nach Wahl bearbeiten.
Leicht
- Lesespur – Kernaufgabe: Ordne fünf wichtige Ereignisse von der Ziege bis zum Familienfest.
- Figurenkarte: Wähle eine Figur. Zeichne sie auf Papier und schreibe drei passende Wörter dazu.
- Laut lesen: Lies einen Abschnitt vor und betone ein wichtiges Ereignis.
- Bild erkennen: Such dir ein historisches Bild aus. Finde die passende Szene im Leseheft.
Standard
- Brief des Vaters – Kernaufgabe: Schreibe einen Entschuldigungsbrief aus seiner Sicht. Erkläre seinen Fehler mit einem Textbeleg.
- Nacherzählung: Schreibe sechs eigene Sätze zu Anfang, Täuschung, Rückgabe und Schluss.
- Gespräch: Stellt euch zu zweit Wirt und Bruder vor. Fragt, warum der Wirt die Geschenke genommen hat.
- Bild und Text: Vergleiche eine alte Zeichnung mit der beschriebenen Szene. Was stimmt überein?
Schwer
- Faire Lösung – Kernaufgabe: Erfinde einen gewaltfreien Weg, die gestohlenen Geschenke zurückzuholen. Begründe deinen Vorschlag.
- Textbeweis: Vergleiche die Aussagen der Ziege in Grimm 1837, S. 214–217, und erkläre den Widerspruch.
- Zaubergaben vergleichen: Erkläre, wie Tischchen, Esel und Knüppel die Handlung verändern.
- Ein anderes Ende: Schreibe einen friedlichen Schluss für Ziege, Fuchs, Bär und Biene und vergleiche ihn mit Grimm 1837, S. 226–227.


Lernkontrolle
- Ursache und Folge: Warum gehen die Söhne fort und was hat der Vater übersehen?
- Täuschungen vergleichen: Was haben die Lüge der Ziege und der Diebstahl des Wirts gemeinsam?
- Textbeleg finden: Suche den Satz, der den Tausch des Tischchens zeigt, und nenne den Leseabschnitt.
- Im Alltag helfen: Wie kannst du nachfragen, wenn jemand eine schlechte Geschichte über einen Mitschüler erzählt?
- Begründen: Nenne drei Märchenmerkmale und erkläre sie mit konkreten Beispielen aus der Handlung.
Lernnachweis
Du kennst die Figuren und kannst den Inhalt nacherzählen. Du kannst mindestens zwei Textstellen als Belege nennen, Märchenmerkmale zeigen und im Figurenbrief oder in deiner fairen Konfliktlösung selbst denken und schreiben.
Selbstprüfung: Ich kann den Unterschied zwischen Lüge und Irrtum erklären. Ich kann eine Textstelle finden und angeben. Ich kann über eine friedliche Lösung sprechen.
OER und Wikipedia
Geprüfter Originaltext: Brüder Grimm: Tischchen deck dich, Goldesel, und Knüppel aus dem Sack, Ausgabe 1837, S. 214–227, gemeinfreie historische Vorlage.
Schon vorhandene MOOCwiki-Angebote: Buchausgabe (nicht textlich geprüft); Kurs zur Märchenanalyse. Keine zweite Buchseite.
Bilder von Wikimedia Commons, alle auf ihren Dateiseiten als gemeinfrei ausgewiesen:
- Heinrich Leutemann oder Carl Offterdinger, Bild 1.
- Heinrich Leutemann oder Carl Offterdinger, Bild 2.
- Otto Ubbelohde, 1909, Bild 1.
- Otto Ubbelohde, 1909, Bild 2.
- Otto Ubbelohde, 1909, Bild 3.
- Paul Hey, historische Ansichtskarte.
- Alexander Zick, Illustration.
Hör- und Videorechte: Die oben eingebetteten YouTube-Aufnahmen bleiben Werke ihrer jeweiligen Anbieter. Sie werden lediglich verlinkt beziehungsweise im Originalplayer angezeigt; es werden keine fremden Aufnahmen kopiert. LibriVox bietet ein zusätzliches Hörangebot. Für Wiederverwendungen gelten jeweils die Angaben auf den Originalseiten.
Wikipedia zum Weiterlesen:
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