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Weltliteratur verstehen - Metaphysik - Aristoteles

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Weltliteratur verstehen - Metaphysik - Aristoteles

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Weltliteratur verstehen - Metaphysik - Aristoteles

Zielgruppe: Klasse 11–13 | Epoche: Antike | Fach: Deutsch / Philosophie / Ethik

Vorhandene Buchseite: Buch - Metaphysik - Aristoteles

Lernziele: Du verstehst die Grundgedanken der Metaphysik, unterscheidest Originaltext und Übersetzung und prüfst philosophische Aussagen an konkreten Textstellen.


Einleitung

Aristoteles: römische Kopie einer älteren Büste. Foto: Eric Gaba (Sting), CC BY-SA 2.5.

Aristoteles (384–322 v. Chr.) war ein griechischer Philosoph. In der Metaphysik fragt er: Was existiert? Warum existiert es? Was macht ein Ding zu dem, was es ist?

Das Werk besteht aus 14 überlieferten Büchern. Es ist kein Roman. Es gibt keine erfundene Handlung und keine Romanfiguren. Stattdessen findest Du Fragen, Begriffe, Einwände und Argumente.

Höre den Begriff „Metaphysik“:


Antike und frühe Literaturtraditionen

Die Metaphysik gehört zur griechischen Antike. Auch andere Kulturkreise schufen bedeutende Texte: die griechischen Werke Homers, die römischen Schriften Ciceros, die chinesischen Gespräche des Konfuzius und die indischen Upanishaden.

Wichtig: Diese Texte stammen aus unterschiedlichen Zeiten, Sprachen und Traditionen. Vergleiche ihre Fragen, ohne sie als gleichartige Werke zu behandeln.

Platon und Aristoteles in Raffaels Gemälde von 1509. Das Bild zeigt eine spätere Vorstellung der Antike, keine historische Fotografie. Gemeinfrei.

Videostart: Was meint Aristoteles mit Metaphysik?

Quelle: Privatsprache: Philosophie! – Aristoteles und die Metaphysik.


Entstehung, Überlieferung und Übersetzung

Die Texte der Metaphysik gehen auf das 4. Jahrhundert v. Chr. zurück. Die erhaltenen Handschriften sind viel jünger. Abschriften und Drucke haben das Werk über Jahrhunderte weitergegeben.

Griechische Handschrift, Vaticanus graecus 256, entstanden zwischen 1311 und 1321. Gemeinfrei.

Illustrierter Druck der Metaphysik von 1483. Gemeinfrei.

Drei Daten – drei verschiedene Dinge:

  1. Antike: Die philosophischen Texte entstehen im Umfeld des Aristoteles.
  2. Mittelalter und Buchdruck: Der Text wird abgeschrieben und gedruckt.
  3. 1907: Adolf Lasson veröffentlicht seine deutsche Übersetzung.

Besonderheit der Lasson-Ausgabe: Lasson stellt alle 14 Bücher in einer anderen Reihenfolge dar:

II – I – III – IV – VI – VII – VIII – IX – XII – X – XI – XIII – XIV – V

Seine Übersetzung beginnt also mit Buch II. Das ist eine Entscheidung des Übersetzers, nicht die ursprüngliche Entstehungsfolge.

Merke: 1907 ist das Jahr der Übersetzung, nicht das Entstehungsjahr des Werkes. Auch das Erscheinungsjahr eines heutigen Nachdrucks ist kein Entstehungsdatum.

Quelle zur Ausgabe: Bibliografische Angaben zur Lasson-Übersetzung und Buchfolge.


Inhalt und Argumentation


Die ersten Gründe des Seienden

Aristoteles sucht nach den grundlegenden Ursachen der Wirklichkeit. Er fragt nicht nur, dass etwas existiert, sondern warum.

Im Buch IV, Kapitel 1, 1003a21 ff. untersucht er das Seiende als Seiendes. Gemeint ist: Was lässt sich über alles sagen, was überhaupt existiert?

Das ist eine Frage der Ontologie.


Stoff, Form und vier Ursachen

Ein Tisch hilft beim Verstehen:

Stoff oder Materie: das Holz.

Form: die bestimmte Gestalt und Anordnung, die den Tisch ausmachen.

Aristoteles unterscheidet außerdem vier Arten von Ursachen: Stoffursache, Formursache, Wirkursache und Zweckursache.

Vier Ursachen am Beispiel eines Tisches. Grafik: Ian Alexander, CC BY-SA 4.0. Die englischen Begriffe kannst Du mit dem Text vergleichen.

Textstelle: Metaphysik I, 3, 983a24 ff.. Finde die vier Ursachen in Deiner Ausgabe. Vergleiche sie mit dem Bild.

Lernvideo zu den vier Ursachen:

Quelle: PhiloGramm. Das Lied bezieht sich ausdrücklich auf Aristoteles' „Physik“ II. Die vier Ursachen werden auch in der „Metaphysik“ behandelt.


Möglichkeit und Wirklichkeit

Möglichkeit heißt auf Griechisch dynamis. Wirklichkeit wird unter anderem mit energeia bezeichnet.

Ein Samenkorn kann zu einer Pflanze werden. Diese Fähigkeit ist eine Möglichkeit. Wenn die Pflanze tatsächlich wächst, wird eine Möglichkeit verwirklicht.

Animation: Basilikum wächst aus Samen. Naturenow, CC BY-SA 4.0.

Zeitraffer: Mungbohnen keimten über etwa zehn Tage. Wjh31, CC BY-SA 3.0.

Beobachtungsfrage: Was war am Anfang möglich? Was ist am Ende wirklich vorhanden?

Höre zwei philosophische Fachwörter:

Dynamis:

Hylomorphismus – Verbindung von Stoff und Form:

Hinweis: Die Audioaufnahmen zeigen die heutige deutsche Aussprache, nicht die rekonstruierte altgriechische Aussprache.

Textstelle: Metaphysik IX, 6, 1048a25 ff.. Hier erläutert Aristoteles den Unterschied zwischen Möglichkeit und Wirklichkeit.


Aufbau und weitere Grundfragen

Buch VII fragt nach der Substanz: Was ist ein Ding in seinem Wesen?

Buch IX behandelt Möglichkeit und Wirklichkeit.

Buch XII, Kapitel 7 entwickelt Gedanken über einen unbewegten Beweger als Grund von Bewegung.

Videobeitrag zu Stoff und Form:

Quelle: Privatsprache: Philosophie! – Form und Materie.


Originaltext, Übersetzung und Deutung


Eine echte Textstelle untersuchen

Altgriechischer Originaltext – Metaphysik I, 1, 980a21:

Πάντες ἄνθρωποι τοῦ εἰδέναι ὀρέγονται φύσει.

Sinngemäße Erklärung in einfacher Sprache: Alle Menschen möchten von Natur aus etwas wissen.

Diese deutsche Erklärung ist kein wörtliches Zitat aus Lassons Übersetzung.

Arbeitsauftrag: Öffne die vorhandene Buchausgabe. Suche Buch I, Kapitel 1. Vergleiche den genauen deutschen Wortlaut mit dem griechischen Satz.

Achte besonders auf εἰδέναι (wissen), ὀρέγονται (streben nach) und φύσει (von Natur aus).

Quellennachweis: Originaltext und eine deutsche Übersetzung mit Stellenangaben.


So liest Du philosophische Texte

Unterscheide drei Ebenen:

  1. Originaltext: Was steht tatsächlich in der überlieferten griechischen Fassung?
  2. Übersetzung: Mit welchen deutschen Wörtern gibt die Übersetzung den Gedanken wieder?
  3. Interpretation: Was folgerst Du daraus? Welche andere Erklärung wäre möglich?

Tipp: Gib Textbelege nach Buch, Kapitel und Bekkerstelle an. Seitenzahlen können sich je nach Ausgabe unterscheiden.


Interaktive Aufgaben


Quiz: Teste Dein Wissen

Welche Art von Werk ist die Metaphysik? (Eine Sammlung philosophischer Untersuchungen) (!Ein antiker Abenteuerroman) (!Ein Theaterstück mit fünf Akten) (!Eine mittelalterliche Chronik)




Was ist eine zentrale Frage des Werkes? (Was ist das Seiende und warum existiert es) (!Wie gewinnt man einen Krieg) (!Wie schreibt man eine Tragödie) (!Wie gründet man eine römische Stadt)




Was bezeichnet Stoff am Beispiel eines Holztisches? (Das Holz) (!Den Zweck des Essens) (!Die Arbeit der Tischlerin) (!Den Namen des Tisches)




Was bezeichnet die Form eines Tisches? (Seine bestimmte Gestalt und Anordnung) (!Nur den Preis des Holzes) (!Den Ort seiner Herstellung) (!Den Namen seines Besitzers)




Was bedeutet Dynamis im hier behandelten Zusammenhang? (Möglichkeit oder Vermögen) (!Vergangenheit) (!Übersetzung) (!Zufall)




Wofür steht Energeia im behandelten Zusammenhang? (Wirklichkeit oder Verwirklichung) (!Eine erfundene Romanfigur) (!Die Reihenfolge der Bücher) (!Eine griechische Stadt)




Welche Ursache fragt danach wozu etwas dient? (Die Zweckursache) (!Die Stoffursache) (!Die Zeitursache) (!Die Namensursache)




In welcher Sprache entstand die Metaphysik? (Altgriechisch) (!Neuhochdeutsch) (!Englisch) (!Französisch)




Was bedeutet das Jahr 1907 bei Adolf Lasson? (Das Erscheinungsjahr seiner deutschen Übersetzung) (!Das Geburtsjahr des Aristoteles) (!Das Entstehungsjahr des griechischen Originals) (!Das Entstehungsjahr der antiken Philosophie)




Mit welchem überlieferten Buch beginnt Lassons Umordnung? (Buch II) (!Buch XIV) (!Buch V) (!Buch XII)





Memory

Finde die passenden Begriffspaare.

Stoff Das Material eines Gegenstands
Form Die bestimmte Gestalt und Anordnung
Dynamis Fähigkeit oder Möglichkeit
Energeia Wirklichkeit oder Verwirklichung
Wirkursache Das Hervorbringen einer Veränderung
Zweckursache Das Ziel oder Wozu
Bekkerstelle Einheitliche Angabe einer Textposition





Drag and Drop

Ordne die Begriffe passenden Beispielen zu.

Ordne die richtigen Begriffe zu. Beispiel
Stoffursache Das Holz für einen Tisch
Formursache Die Bauform eines Tisches
Wirkursache Die Arbeit der Tischlerin
Zweckursache Der Tisch dient zum Essen
Möglichkeit Aus geeignetem Holz kann ein Tisch entstehen





Kreuzworträtsel

ARISTOTELES Welcher griechische Philosoph verfasste die hier untersuchten Texte?
METAPHYSIK Wie heißt das philosophische Werk über erste Gründe und das Seiende?
MATERIE Welches Wort bezeichnet den Stoff eines Gegenstands?
DYNAMIS Welcher griechische Begriff bezeichnet ein Vermögen oder eine Möglichkeit?
ENERGEIA Welcher griechische Begriff bezeichnet Wirklichkeit oder Verwirklichung?
LASSON Wie lautet der Familienname des deutschen Übersetzers der Ausgabe von 1907?





LearningApps


Lückentext

Vervollständige den Text.
Der Philosoph

lebte in der griechischen Antike.
Sein Werk heißt

.
Die Originalsprache des Werkes ist

.
Ein anderes Wort für Stoff lautet

.
Die bestimmte Gestalt eines Gegenstands heißt

.
Das griechische Wort Dynamis bedeutet

.
Energeia bezeichnet die

.
Adolf Lasson veröffentlichte seine Übersetzung im Jahr

.
Lassons veränderte Reihenfolge beginnt mit Buch

.
Eine feste wissenschaftliche Textstelle lässt sich mit der

angeben.




Offene Aufgaben


Leicht

  1. Ein Ding erklären: Wähle einen Alltagsgegenstand. Zeichne ihn und notiere Stoffursache, Formursache, Wirkursache und Zweckursache. Vergleiche Deine Zeichnung mit der Grafik zum Tisch.


Standard

  1. Original und Übersetzung vergleichen: Untersuche den Satz aus Buch I, Kapitel 1, 980a21. Suche die entsprechende Stelle in der vorhandenen Buchausgabe. Schreibe etwa 150 Wörter darüber, welche Wörter übersetzt werden müssen und was bereits Deine Deutung ist. Übernimm Zitate unverändert.


Schwer

  1. Einen Gedanken prüfen: Wähle ein Beispiel wie Ausbildung, Pflanzenwachstum oder die Herstellung eines Produkts. Erkläre Möglichkeit und Wirklichkeit daran. Prüfe danach, wo Aristoteles' Unterscheidung hilft und wo das Beispiel zu einfach ist. Belege Deine Überlegungen mit Buch IX, Kapitel 6.


Gestufte Hilfen

Hilfe 1 – Einstieg: Frage zuerst: Woraus besteht etwas? Was ist es? Wer oder was bringt es hervor? Wozu dient es?

Hilfe 2 – Textarbeit: Unterstreiche im Original die Wörter εἰδέναι, ὀρέγονται und φύσει. Vergleiche sie einzeln mit der deutschen Übersetzung.

Hilfe 3 – Vertiefung: Unterscheide bei Deinem Beispiel eine bloße Möglichkeit von einer bereits verwirklichten Fähigkeit. Suche anschließend ein Gegenbeispiel.




Text bearbeiten Bild einfügen Video einbetten Interaktive Aufgaben erstellen



Lernkontrolle

  1. Ursachen vergleichen: Erkläre, warum die Aussage „Der Tisch besteht aus Holz“ für Aristoteles noch keine vollständige Erklärung des Tisches ist.
  2. Veränderungen deuten: Vergleiche einen ungekeimten Samen und eine wachsende Pflanze. Welche Bedingungen benötigt die Verwirklichung einer Möglichkeit?
  3. Übersetzungen beurteilen: Zwei deutsche Fassungen verwenden unterschiedliche Wörter für dieselbe griechische Stelle. Erkläre, wie Du prüfst, ob sie den Sinn verändern.
  4. Textgeschichte verstehen: Eine Ausgabe von 1907 beginnt mit Buch II. Erkläre, warum daraus nicht folgt, dass Aristoteles Buch II zuerst geschrieben hat.
  5. Eine These begründen: Prüfe anhand eines eigenen Beispiels die Behauptung, Stoff allein reiche aus, um das Wesen eines Gegenstands zu erklären.




Lernnachweis

Für Deinen Lernnachweis zeigst Du, dass Du:

  1. die Leitfragen der Metaphysik in eigenen Worten erklären kannst;
  2. Stoff, Form, Möglichkeit und Wirklichkeit auf ein Beispiel anwendest;
  3. mindestens zwei Aussagen mit Buch, Kapitel und Bekkerstelle belegst;
  4. Originaltext, Übersetzung und eigene Interpretation sauber trennst;
  5. die griechische Entstehung, die spätere Überlieferung und Lassons Übersetzung von 1907 zeitlich unterscheidest;
  6. ein philosophisches Argument nachvollziehbar prüfst und begründet bewertest.




OERs zum Thema

Die vorhandene Buchausgabe auf MOOCwiki: Buch - Metaphysik - Aristoteles

Griechischer Originaltext mit Stellenangaben: Metaphysik I, 1

Bibliografische Quelle zur historischen Übersetzung: Lasson-Ausgabe und Buchfolge

Wikipedia-Artikel:


Mediennachweise und Nutzungsrechte

Alle unten genannten Commons-Medien wurden als vorhandene Dateien eingebunden. Sie wurden für diesen Kurs nicht selbst erzeugt oder verändert.

Medium Quelle und Namensnennung Lizenz
Aristoteles-Büste Eric Gaba (Sting) CC BY-SA 2.5
Platon und Aristoteles, Gemäldeausschnitt Raffael, Schule von Athen Gemeinfrei
Griechische Handschrift Vaticanus graecus 256 Gemeinfrei
Historischer Buchdruck Metaphysik-Inkunabel von 1483 Gemeinfrei
Vier-Ursachen-Grafik Ian Alexander CC BY-SA 4.0
Basilikum-Animation Naturenow CC BY-SA 4.0
Mungbohnen-Zeitraffer Wjh31 CC BY-SA 3.0
Audio „Metaphysik“ Jeuwre CC BY-SA 4.0
Audio „Dynamis“ Jeuwre CC BY-SA 4.0
Audio „Hylomorphismus“ Jeuwre CC BY-SA 4.0

YouTube-Videos: Privatsprache: Metaphysik, Privatsprache: Form und Materie und PhiloGramm: Vier Ursachen. Die Videos werden nur eingebettet; ihre Rechte bleiben bei den jeweiligen Rechteinhabern. Eine freie Commons-Lizenz wird für sie nicht behauptet.


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