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Weltliteratur verstehen - König Ödipus - Sophokles

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Weltliteratur verstehen - König Ödipus - Sophokles

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Weltliteratur verstehen - König Ödipus - Sophokles

aiMOOC | Deutsch | Weltliteratur | Klasse 9–10 und 11–13

Thema: König Ödipus von Sophokles

Epoche: Antike – griechische Literatur

Lernziele: Du verstehst die Handlung, untersuchst Figuren und Sprache, erkennst die Wirkung einer Tragödie und unterscheidest Original, Überlieferung, Übersetzung und Interpretation.

Hinweis: Das Drama enthält Tod, familiäre Gewalt, Suizid und Selbstverletzung. Belastende Szenen können im Unterricht zusammenfassend behandelt werden.


Einleitung

Ödipus, die Sphinx und Hermes auf einer antiken griechischen Vase, um 440 v. Chr. Das Bild ist älter als viele spätere Darstellungen der Sage.

Stell Dir vor: Du suchst einen Mörder. Am Ende erfährst Du, dass Du selbst der Täter bist.

Genau das erlebt Ödipus, König der Stadt Theben. Er will sein Volk vor einer Seuche retten. Dafür muss er herausfinden, wer den früheren König Laios getötet hat.

Schritt für Schritt entdeckt Ödipus die Wahrheit über seine Herkunft und sein Leben.

Die Tragödie stellt eine schwierige Frage: Wie frei ist der Mensch, wenn er sein Schicksal nicht kennt?


Das Buch in Kürze

Autor: Sophokles, griechischer Tragödiendichter.

Entstehung: Wahrscheinlich um 429–425 v. Chr.; das genaue Aufführungsjahr ist nicht sicher.

Originalsprache: Altgriechisch.

Gattung: Drama / Tragödie.

Handlungsort: Vor dem Königspalast in Theben.

Zentrale Themen: Wahrheit, Schuld, Schicksal, Verantwortung und Selbsterkenntnis.

Ödipus hat, ohne es zu wissen, seinen Vater getötet und seine Mutter geheiratet. Als König versucht er, den Mörder des früheren Herrschers zu finden.

Seine Untersuchung führt ihn zu sich selbst. Nach der Enthüllung stirbt Iokaste durch Suizid. Ödipus blendet sich und verliert seine Stellung als Herrscher.

Das Drama zeigt vor allem die Entdeckung dieser Vergangenheit. Es erzählt die Vorgeschichte nicht einfach von Anfang bis Ende.


Volltext und historische Ausgabe

Vorhandene MOOCwiki-Buchseite:

Buch - König Ödipus - Sophokles – zur Buchausgabe und zum vollständigen Text

Wichtig: Diese Buchseite bleibt die zentrale Textquelle. Der Kurs legt keine weitere Buchausgabe an.

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Deutsche Übersetzung · Lesefassung

König Ödipus

Sophokles

König Ödipus von Sophokles. Volltext der angegebenen historischen deutschen Übersetzung.

DramaKlasse 9–10 · 11–131 Abschnitte
Historische Bühnenrezeption von „König Ödipus“
Historische Bühnenrezeption von „König Ödipus“ — Werkbezogene Bildquelle; keine belegte Zuordnung zu der hier angezeigten einzelnen Textstelle. · Ernst Stern (1876–1954) · Public domain Bildquelle ↗

Deutsche Übersetzung: Karl Wilhelm Ferdinand Solger

Hinweise für den Unterricht
  • Historische Sprache und zeitgebundene Wertvorstellungen gemeinsam einordnen. Klassenangaben sind redaktionelle Orientierung.

Behutsam angepasste Schreibweise nach einer begrenzten Wortliste. Mehrdeutige Formen, erfasste Namen, Sprechernamen, Bühnenanweisungen, Überschriften und Anmerkungen bleiben unverändert. Keine vollständige redaktionelle Überarbeitung nach heutiger Rechtschreibung. Für wortgetreue Quellenzitate die Quellfassung wählen.

Deutsch · Abschnitt 1 von 1

Sophokles

1
Sophokles
2
König Ödipus
3
(Oidipus tyrannos)
4
Personen.
Vorlage S. 396
5
Ödipus
Vorlage S. 396
6
Iokaste
Vorlage S. 396
7
Kreon
Vorlage S. 396
8
Teiresias
Vorlage S. 396
9
Ein Priester
Vorlage S. 396
10
Ein Bote
Vorlage S. 396
11
Ein Hirt des Laïos
Vorlage S. 396
12
Ein Diener
Vorlage S. 396
13
Chor thebanischer Greise
Vorlage S. 396
14
Vor dem königlichen Palast zu Theben. Um den Altar sitzt das Volk nebst den Priestern mit Ölzweigen in den Händen. Ödipus tritt aus dem Palast.
Vorlage S. 396
15
ÖDIPUS.
Vorlage S. 396
16
O Kinder, ihr des alten Kadmos neu Geschlecht,
Vorlage S. 396
17
Zu welcher Zuflucht kamet ihr dahergeschreckt,
Vorlage S. 396
18
Geziert mit Ölgezweigen Hilfeflehender?
Vorlage S. 396
19
Die Stadt erfüllt auch überall Rauchopferduft
Vorlage S. 396
20
Und auch mit Paianstönen rings Wehklagelaut.
Vorlage S. 396
21
Was nicht von Boten auszuforschen würdigend,
Vorlage S. 396
22
Ich, teure Kinder, selber mich hierherbegab,
Vorlage S. 396
23
In allem Volke rühmlich Ödipus genannt.
Vorlage S. 396
24
Du aber, Alter, rede, weil du würdig bist,
Vorlage S. 396
25
Ihr Wort zu führen; wessenhalb erschienet ihr?
Vorlage S. 396
26
Was fürchtend, was begehrend? weil ich sicher euch
Vorlage S. 396
27
In allem beistehn will und wär unfühlend auch,
Vorlage S. 396
28
Ohn innges Mitleid solches Flehn mita anzuschaun.
Vorlage S. 396
29
PRIESTER.
Vorlage S. 396
30
O meiner Landschaft Oberherrscher, Ödipus,
Vorlage S. 396
31
Du siehst, ein jeglich Alter sitzt, herzugedrängt,
Vorlage S. 396
32
Um deinen Altar: jene, die sehr weit annoch
Vorlage S. 396
33
Nicht fliegen mögen, diese schwer von Alter schon,
Vorlage S. 396
34
Die Priester, ich, Zeus' Diener; hier der Jünglinge
Vorlage S. 396
35
Auswahl; und Scharen andrer Zweigumschlungener
Vorlage S. 396
36
Umsitzen Pallas' Doppelhäuser dort und hier
Vorlage S. 396
37
Den ganzen Marktplatz, dort Ismenos' Seherherd.
Vorlage S. 396
38
Es schwankt die Stadt ja, siehst du selbst, schon allzusehr
Vorlage S. 396
39
Im Wogenaufruhr; vorzutauchen strebet sie
Vorlage S. 396
40
Aus Tiefen blutger Wogen schon umsonst das Haupt,
Vorlage S. 396
41
Hinschwindend stets mit jedem Keim der Erdenfrucht,
Vorlage S. 396
42
Hinschwindend auf den Triften, mit der Weiber auch
Vorlage S. 396
43
Fruchtlosem Kreißen; und dazu jagt stürmend noch
Vorlage S. 396
44
Die Stadt verhaßter Seuche feuerheißer Gott,
Vorlage S. 396
45
Der Kadmos' Wohnung leeret und verschwenderisch
Vorlage S. 396
46
Mit Klag und Wehschrein Hades' schwarzes Haus erfüllt.
Vorlage S. 396
47
Drum, zwar den Göttern nimmer gleich dich achtend, stehn
Vorlage S. 396
48
Ich selbst und hier die Kinder deinem Herde nah,
Vorlage S. 396
49
Jedoch der Männer Ersten bei des Lebens Gang
Vorlage S. 397
50
Dich schätzend oder gottgesandten Fügungen,
Vorlage S. 397
51
Der, her zu Kadmos' Stadt gelangt, uns löste bald
Vorlage S. 397
52
Der grimmen Sängrin lange dargereichten Zins;
Vorlage S. 397
53
Und das, von niemand unser je belehrt dazu
Vorlage S. 397
54
Noch vorbereitet; nein, mit Götterhilf allein,
Vorlage S. 397
55
So sagt und glaubt man, hast du uns emporgelenkt.
Vorlage S. 397
56
Auch nun vor allen, Ödipus' gewaltig Haupt,
Vorlage S. 397
57
Umflehen dich nur diese Zufluchtsuchenden,
Vorlage S. 397
58
Uns Hilfe schnell zu finden, sei sie angezeigt
Vorlage S. 397
59
Durch Götterausspruch oder durch der Menschen Rat.
Vorlage S. 397
60
Denn stets Erfahrungsreichen lebt am meisten ja
Vorlage S. 397
61
In günstgem Schicksal, seh ich, auf ihr Ratbeschluß.
Vorlage S. 397
62
Auf, aller Menschen Bester, heb empor die Stadt,
Vorlage S. 397
63
Auf, sorge treulich; denn es preist zwar dieses Land
Vorlage S. 397
64
Dich schon Erretter für den vorgen Heldenmut.
Vorlage S. 397
65
Doch deiner Herrschaft denken einst wir nimmermehr,
Vorlage S. 397
66
Erst aufgerichtet, aber dann zurückgestürzt.
Vorlage S. 397
67
Nein, unzerrüttbar stelle nun die Stadt empor.
Vorlage S. 397
68
Mit guter Schicksalsvögel Zeichen gabst du erst
Vorlage S. 397
69
Uns Heil und Rettung; zeige nun dich wieder so.
Vorlage S. 397
70
Denn willst du herrschen, wie du tust, ob diesem Land,
Vorlage S. 397
71
Ist's schöner wahrlich menschenreich als ausgeleert.
Vorlage S. 397
72
Denn nichts gewißlich wäre Schiff noch feste Burg,
Vorlage S. 397
73
Geleert von Mannschaft, innen öd und unbewohnt.
Vorlage S. 397
74
ÖDIPUS.
Vorlage S. 397
75
O arme Kinder, wohlbekannt, nicht unbekannt
Vorlage S. 397
76
Ist euer Flehn mir alles. Wohl erkenn ich, dass
Vorlage S. 397
77
Ihr alle kranket, aber doch, ihr Kranken, ist
Vorlage S. 397
78
Der Euren niemand, welcher gleich mir selber krankt.
Vorlage S. 397
79
Denn euer Unheil trifft ja doch den einzelnen
Vorlage S. 397
80
Allein an sich nur, keinen sonst; und mein Gemüt,
Vorlage S. 397
81
Zugleich beseufzt es diese Stadt und mich und dich.
Vorlage S. 397
82
Drum nicht vom Schlafe weckt ihr mich Entschlummerten;
Vorlage S. 397
83
Vielmehr vernehmet, dass ich viel euch weinte schon
Vorlage S. 397
84
Und viele Pfade schon im Geist umher betrat;
Vorlage S. 397
85
Und ein Errettungsmittel, das ich ausgespäht,
Vorlage S. 397
86
Versucht ich endlich. Denn Menoikeus' edler Sohn,
Vorlage S. 397
87
Mein eigner Schwager, Kreon, ward zum pythischen
Vorlage S. 398
88
Thron Phoibos' abgesendet, dass er forsche, wie
Vorlage S. 398
89
Wort oder Handlung diese Stadt befreien kann;
Vorlage S. 398
90
Auch sorg ich schon um diesen, zähl ich, seit er ging,
Vorlage S. 398
91
Der Zeiten Ablauf. Denn er weilt um vieles schon
Vorlage S. 398
92
Über die Vermutung länger, als sein Weg verlangt.
Vorlage S. 398
93
Doch wenn er ankommt, schnöde wär ich dann gesinnt,
Vorlage S. 398
94
Nicht gleich erfüllend, was der Gott andeuten mag.
Vorlage S. 398
95
PRIESTER.
Vorlage S. 398
96
Zum Glücke sprachst du wahrlich; denn schon winken ja,
Vorlage S. 398
97
Dass Kreon herwärts schreite, dort mir jene zu.
Vorlage S. 398
98
Kreon tritt auf.
Vorlage S. 398
99
ÖDIPUS.
Vorlage S. 398
100
O Fürst Apollon, mög er doch mit solchem Heil
Vorlage S. 398
101
Beglückend annahn, wie erfreut sein Auge glänzt!
Vorlage S. 398
102
PRIESTER.
Vorlage S. 398
103
Froh, nach dem Anschein, kommt er. Nicht umwände sonst
Vorlage S. 398
104
Sein Haupt bekränzend voller Lorbeerzweige Frucht.
Vorlage S. 398
105
ÖDIPUS.
Vorlage S. 398
106
Bald wissen wir's. Denn schon zu hören naht er uns.
Vorlage S. 398
107
O Herrscher, Blutsfreund, sprich, Menoikeus' edler Sohn,
Vorlage S. 398
108
Welch heilgen Ausspruch Gottes bringst du kommend uns?
Vorlage S. 398
109
KREON.
Vorlage S. 398
110
Heilvollen. Denn auch Mühbeladnes, mein ich, wenn
Vorlage S. 398
111
Zum Heil es nur sich endet, sei vollkommen gut.
Vorlage S. 398
112
ÖDIPUS.
Vorlage S. 398
113
Wie aber lautet's? Denn ich nahm nicht dreisten Mut
Vorlage S. 398
114
Noch banges Ahnen aus dem jetzt gesagten Wort.
Vorlage S. 398
115
KREON.
Vorlage S. 398
116
Wofern im Beisein dieser du's vernehmen willst,
Vorlage S. 398
117
So sprech ich; oder geh auch dort mit dir hinein.
Vorlage S. 398
118
ÖDIPUS.
Vorlage S. 398
119
Vor allen ruf es. Denn ich fühl um diese mehr
Vorlage S. 398
120
Der Leiden als um meines eignen Hauptes Heil.
Vorlage S. 398
121
KREON.
Vorlage S. 398
122
So sag ich alles, was der Gott mir kundgetan.
Vorlage S. 398
123
Es hieß der König Phoibos unzweideutig uns,
Vorlage S. 398
124
Der Stadt Befleckung, hier im Land ernährt, hinaus-
Vorlage S. 398
125
Zujagen, nicht zu pflegen Unaussühnliches.
Vorlage S. 398
126
ÖDIPUS.
Vorlage S. 398
127
Durch welche Säubrung? Welcher Art sei dieses Weh?
Vorlage S. 398
128
KREON.
Vorlage S. 398
129
Es landverjagend oder auch mit Morde Mord
Vorlage S. 398
130
Abstrafend; Blutschuld sei es, was dies Land bestürmt.
Vorlage S. 398
131
ÖDIPUS.
Vorlage S. 398
132
Den Todesunfall welchen Mannes deutet dies?
Vorlage S. 398
133
KREON.
Vorlage S. 399
134
Es war, o König, dieser Stadt Anführer uns
Vorlage S. 399
135
Einst, ehe du dies Land erhobest, Laios.
Vorlage S. 399
136
ÖDIPUS.
Vorlage S. 399
137
Dies hört ich oftmals; denn ich sah nicht jenen mehr.
Vorlage S. 399
138
KREON.
Vorlage S. 399
139
Ob dessen Tode leget zweifellos der Gott
Vorlage S. 399
140
Uns auf, die Mörder durch das Schwert zu züchtigen.
Vorlage S. 399
141
ÖDIPUS.
Vorlage S. 399
142
Wo aber sind sie? Wer vermag hervorzuspähn
Vorlage S. 399
143
Der alten Untat schwerlich unterschiedne Spur?
Vorlage S. 399
144
KREON.
Vorlage S. 399
145
Im Lande, sprach er. Doch Gesuchtes lässt allein
Vorlage S. 399
146
Sich finden; stets entfliehet Unbeachtetes.
Vorlage S. 399
147
ÖDIPUS.
Vorlage S. 399
148
In seiner Wohnung oder auf dem Lande fiel
Vorlage S. 399
149
Oder in der Fremd in Mörderhände Laios?
Vorlage S. 399
150
KREON.
Vorlage S. 399
151
Den Gott zu fragen, zog er, wie er sprach, und ist
Vorlage S. 399
152
Seit dieser Abfahrt nimmermehr zurückgekehrt.
Vorlage S. 399
153
ÖDIPUS.
Vorlage S. 399
154
Kein Abgesandter, kein Genosse seiner Fahrt
Vorlage S. 399
155
Ersah's, von dem man forschend dies erkundigte?
Vorlage S. 399
156
KREON.
Vorlage S. 399
157
Sie fielen außer einem, der, aus Furcht entflohn,
Vorlage S. 399
158
Vom ganzen Vorgang eins zu sagen wußt allein.
Vorlage S. 399
159
ÖDIPUS.
Vorlage S. 399
160
Und was? Zu vielem spüret eins vielleicht den Weg,
Vorlage S. 399
161
Wird unsrer Hoffnung kleiner Halt nur dargereicht.
Vorlage S. 399
162
KREON.
Vorlage S. 399
163
Zutreffend Raubgesindel, sprach er, mordet' ihn,
Vorlage S. 399
164
Nicht eine Kraft nur, sondern vieler Hände Macht.
Vorlage S. 399
165
ÖDIPUS.
Vorlage S. 399
166
Wie hat der Mörder, war er nicht mit Goldeslohn
Vorlage S. 399
167
Hier angestiftet, solches Frevels Höh erreicht?
Vorlage S. 399
168
KREON.
Vorlage S. 399
169
So war der Argwohn. Nach dem Morde Laios'
Vorlage S. 399
170
In unsren Übeln aber ward kein Rächer ihm.
Vorlage S. 399
171
ÖDIPUS.
Vorlage S. 399
172
Welch Übel konnt euch hemmen, als so hingestürzt
Vorlage S. 399
173
Lag euer Herrschtum, solches auszukundigen?
Vorlage S. 399
174
KREON.
Vorlage S. 399
175
Es trieb der Wundersang der Sphinx, fürs Nächste nur,
Vorlage S. 399
176
Um so Verborgnes unbesorgt, umherzuschaun.
Vorlage S. 399
177
ÖDIPUS.
Vorlage S. 399
178
Doch dessen Ursprung decke nun ich selber auf.
Vorlage S. 399
179
Denn würdig hat uns Phoibos, würdig du zugleich
Vorlage S. 399
180
Für jenen Toten diese Sorg herzugeführt,
Vorlage S. 399
181
Dass ihr mit Recht mich schauen als Genossen sollt
Vorlage S. 399
182
Des Landes Leid aussühnen wie des Gottes Zorn.
Vorlage S. 399
183
Denn so, gewißlich nicht entfernten Freunden nur,
Vorlage S. 399
184
Nein, sicher schüttl ich solchen Greul mir selber ab.
Vorlage S. 399
185
Denn wer es war, der jenen Mann erschlug, gewiss
Vorlage S. 399
186
Tut der auch mir wohl übel mit so kühner Faust.
Vorlage S. 399
187
Drum, jenem Beistand gebend, nütz ich mir zugleich.
Vorlage S. 400
188
Doch ohne Zögrung, Kinder, auf von eurem Sitz
Vorlage S. 400
189
Steht nun, die Ölgezweige rings emporgestreckt!
Vorlage S. 400
190
Ein andrer samml uns Kadmos' Volk unzögerlich,
Vorlage S. 400
191
Weil ich das Werk aufnehme. Glücklich weiset uns
Vorlage S. 400
192
Nun aus die Gottheit oder ganz hinabgestürzt!
Vorlage S. 400
193
Kreon ab.
Vorlage S. 400
194
PRIESTER.
Vorlage S. 400
195
Mit mir erhebt euch, Kinder! denn wir kamen ja
Vorlage S. 400
196
Deswegen, was uns jener nun verkündet hat.
Vorlage S. 400
197
Und dieser Kund Aussender, Phoibos, mag zugleich
Vorlage S. 400
198
Als Retter kommen und des Wehs Bewältiger.
Vorlage S. 400
199
Erste Strophe
Vorlage S. 400
200
CHOR.
Vorlage S. 400
201
Lieblich ertönende Rede des Zeus, von der güldenen Pytho
Vorlage S. 400
202
Was trägst du her zur strahlenden
Vorlage S. 400
203
Thebe? Von Zagen erstarr ich im Innersten, schreckengeschüttelt,
Vorlage S. 400
204
Heilbringender, Delier, Paian!
Vorlage S. 400
205
Scheuend in Ahnungen, was du mir heutiges
Vorlage S. 400
206
Oder in kreisendem Jahr zu beendigen
Vorlage S. 400
207
Dräuend verkündigest!
Vorlage S. 400
208
Sag es der güldenen Tochter, der Hoffnung, unsterbliche Phama!
Vorlage S. 400
209
Erste Gegenstrophe
Vorlage S. 400
210
Dich erst ruf ich, des Zeus unvergängliche Tochter, Athene,
Vorlage S. 400
211
Und dich, die Landumwaltende,
Vorlage S. 400
212
Artemis, die auf dem Markt von gerundetem Throne daherstrahlt,
Vorlage S. 400
213
Und Phoibos, den Treffenden, io!
Vorlage S. 400
214
Drei todwehrende Retter, erscheinet mir!
Vorlage S. 400
215
Wenn ihr zuvor, da vergangene Flüche die
Vorlage S. 400
216
Stadt mir bestürmeten,
Vorlage S. 400
217
Glücklich die Flamme der Not mir verjagetet, eilet auch nun her!
Vorlage S. 400
218
Zweite Strophe
Vorlage S. 400
219
Götter, schaut mich in ungezählter Not
Vorlage S. 400
220
Schrecknissen! Erkranket
Vorlage S. 400
221
Liegt mir jegliche Schar; und kein
Vorlage S. 400
222
Speer der Erfindung
Vorlage S. 400
223
Wehrte den Nöten mir! Weder des edelen
Vorlage S. 401
224
Fruchtfeldes Geschlecht gedeiht,
Vorlage S. 401
225
Weder das Wehschrein der Qualgeburt
Vorlage S. 401
226
Zu besiegen vermögen die Weiber.
Vorlage S. 401
227
Und Schar auf Schar, wie
Vorlage S. 401
228
Das beschwingte Gevögel, erblickst du
Vorlage S. 401
229
Rascher denn gierigen Brand zu dem Strande sich
Vorlage S. 401
230
Des Dämmergottes stürzen.
Vorlage S. 401
231
Zweite Gegenstrophe
Vorlage S. 401
232
Deren stirbt mir ein ungezähltes Volk.
Vorlage S. 401
233
Jämmerlich bedecken
Vorlage S. 401
234
Weit das leichenbehäufte Feld
Vorlage S. 401
235
Sprößlinge klaglos.
Vorlage S. 401
236
Aber mit greisenden Müttern die Gattinnen
Vorlage S. 401
237
An heiliger Herde Strand
Vorlage S. 401
238
Jammern das Unheil, dorther und dort
Vorlage S. 401
239
Heilflehend mit stöhnendem Angstruf.
Vorlage S. 401
240
Und hell erstrahlet
Vorlage S. 401
241
In Geseufz und Geheule der Paian!
Vorlage S. 401
242
Dessen, o güldenes Kind des Olympiers,
Vorlage S. 401
243
Holdselge, send Erlösung!
Vorlage S. 401
244
Dritte Strophe
Vorlage S. 401
245
Des erglühten Ares Gewalt,
Vorlage S. 401
246
Der, unbewehrt von Schildeserz,
Vorlage S. 401
247
Mich brennt, mit schrecklichem Kampfgeschrei verfolgend –
Vorlage S. 401
248
In rückgewandtem Laufe, fern der Vaterstadt,
Vorlage S. 401
249
Hinab zum endlosen Bett
Vorlage S. 401
250
Stürm ihn der Amphitrite
Vorlage S. 401
251
Dort oder zu thrakischen, rauhen
Vorlage S. 401
252
Meerumwogten Buchten.
Vorlage S. 401
253
Denn was die Nacht uns übrigließ,
Vorlage S. 401
254
Nimmt der Tag uns immerdar.
Vorlage S. 401
255
Der glutvoller Blitze Kraft beherrscht, o Vater,
Vorlage S. 401
256
In des Donners Flammen, o Zeus, vertilg ihn!
Vorlage S. 401
257
Dritte Gegenstrophe
Vorlage S. 401
258
Und Fürst Lykeios, von dir
Vorlage S. 402
259
Die Pfeile goldbewundner Wehr,
Vorlage S. 402
260
Die unbewältigten, möcht ich schaun versendet,
Vorlage S. 402
261
Dahergespannte Retter! Und den Fackelstrahl
Vorlage S. 402
262
Artemis', womit freudig sie
Vorlage S. 402
263
Lykische Berg hindurchstürmt!
Vorlage S. 402
264
Auch ruf ich den Goldengekrönten,
Vorlage S. 402
265
Welchen sein das Land nennt,
Vorlage S. 402
266
Weindunkler Bakchos, jauchzender,
Vorlage S. 402
267
Dich, der Mänasscharen Fürst,
Vorlage S. 402
268
Zu nahn ungesäumt in flammender Tanne Lichtbrand
Vorlage S. 402
269
Zu dem ehrentblößtesten Gott der Götter!
Vorlage S. 402
270
ÖDIPUS.
Vorlage S. 402
271
Du flehst; und was du flehest, das gewönnest du,
Vorlage S. 402
272
Mein Wort befolgend und des Übels pflegend, selbst
Vorlage S. 402
273
Gar bald: Erquickung und der Not Erleichterung –
Vorlage S. 402
274
Was ich, ein Fremdling diesem Ruf, ankündige,
Vorlage S. 402
275
Und fremd der Untat selber; denn nicht fern gewiss
Vorlage S. 402
276
Mocht ich's erspüren, aller Zeichen ganz entblößt.
Vorlage S. 402
277
So, diesen Bürgern der jüngste Bürger zugezählt,
Vorlage S. 402
278
Verkünd ich deutlich allem Kadmosvolke dies:
Vorlage S. 402
279
Wem euer irgend Kunde ward von Laios,
Vorlage S. 402
280
Labdakos' Erzeugtem, welcher Mann ihn mordete,
Vorlage S. 402
281
Denselben mahn ich, alles dies mir darzutun;
Vorlage S. 402
282
Auch wenn er fürchtet und der Mordbeschuldigung
Vorlage S. 402
283
Entschlüpfen möchte; denn er leidet weiter nichts
Vorlage S. 402
284
Unliebes, sondern ziehet unverletzt hinaus.
Vorlage S. 402
285
Wenn aber jemand fremd in fremdem Lande weiß
Vorlage S. 402
286
Des Mannes Mörder, der verschweig ihn nicht; er nimmt
Vorlage S. 402
287
Von mir den Lohn dann nebst der Dankbarkeit der Stadt.
Vorlage S. 402
288
Doch wenn ihr schweiget und, besorgt für seinen Freund,
Vorlage S. 402
289
Dies wer sich abwälzt oder für sich selber auch,
Vorlage S. 402
290
Was dann geschehn soll, dieses hört nun alle mir.
Vorlage S. 402
291
Den Mann verwehr ich, wer er sei, hier irgendwo
Vorlage S. 402
292
Im Lande, dessen Macht und Thron mir ward vertraut,
Vorlage S. 402
293
Euch aufzunehmen oder anzureden je
Vorlage S. 402
294
Noch je des Götterdienstes noch des Opfermahls
Vorlage S. 402
295
Ihm teilzugeben noch der heilgen Reinigung;
Vorlage S. 403
296
Und stoß ihn jeder aus dem Haus als diesen Greul,
Vorlage S. 403
297
Der jetzt uns heimsucht, wie des Gottes pythisches
Vorlage S. 403
298
Orakel unzweideutig heut uns zeigte nur.
Vorlage S. 403
299
So aber werd ich selber diesem Gotte wie
Vorlage S. 403
300
Dem toten Manne treuer Bundesstreiter sein.
Vorlage S. 403
301
Zugleich verfluch ich jenen Täter, sei er nun
Vorlage S. 403
302
Verborgen einsam oder mit Genossen auch;
Vorlage S. 403
303
Durchs Leben plage schnöde Not den Schnöden hin.
Vorlage S. 403
304
Auch fleh ich, hegt ich selber ihn unwissentlich
Vorlage S. 403
305
An meinem Herd, in meiner Hausgenossenschaft,
Vorlage S. 403
306
Doch leid er alles, was ich nun ihm angeflucht.
Vorlage S. 403
307
Euch aber leg ich alles dieses auf zu tun,
Vorlage S. 403
308
Für mich, o Bürger, für den Gott und dieses Land,
Vorlage S. 403
309
Das so mit Mißwachs Götterzorn daniederquält.
Vorlage S. 403
310
Denn nie, betrieb auch dieses Werk nicht Gottesruf,
Vorlage S. 403
311
Ziemt' ungesühnet solche Tat zu lassen euch,
Vorlage S. 403
312
Nachdem der trefflichste Mann und Fürst daniederfiel,
Vorlage S. 403
313
Nein, nachzuforschen; aber jetzt leg ich es auf,
Vorlage S. 403
314
Des nun die Herrschaft, welche jener erst besaß,
Vorlage S. 403
315
Des jenes Bett ist und derselben Frau Genuß;
Vorlage S. 403
316
Auch wär der Kinder gemengte Saat, woferne sie
Vorlage S. 403
317
Nicht jenem missglückt', ebenfalls emporgeblüht;
Vorlage S. 403
318
So aber stürmte seinem Haupt ein böses Los.
Vorlage S. 403
319
Weshalb ich ihm, als wär er eigner Vater mir,
Vorlage S. 403
320
Mit Kampfe beistehn, unversucht nichts lassen will,
Vorlage S. 403
321
Den auszuspüren, welcher solchen Mord beging
Vorlage S. 403
322
Am labdakidischen Sprossen, an Polydoros' und
Vorlage S. 403
323
Des alten Kadmos und des fernen Agenor Sohn.
Vorlage S. 403
324
Und welcher nicht mir folget, diesem sende nie,
Vorlage S. 403
325
So fleh ich an die Götter, Saat die Erd herauf
Vorlage S. 403
326
Noch seine Gattin Kinder, sondern diese Not
Vorlage S. 403
327
Vertilg ihn schmählich oder noch ergrimmtere.
Vorlage S. 403
328
Euch andern Kadmosbürgern aber, welche mir
Vorlage S. 403
329
In diesem beistimmt, bleibe Dikes hehrer Schutz
Vorlage S. 403
330
Und immer huldreich jeder Gott hinzugesellt.
Vorlage S. 403
331
CHOR(FÜHRER).
Vorlage S. 404
332
Wie dieser Fluch mich bindet, Fürst, so red ich dir.
Vorlage S. 404
333
Ich bin der Mörder weder, noch vermag ich ihn
Vorlage S. 404
334
Zu weisen; aber der die Müh uns aufgelegt,
Vorlage S. 404
335
Apollon, sollt uns sagen, wer die Tat beging.
Vorlage S. 404
336
ÖDIPUS.
Vorlage S. 404
337
Du redest Wahrheit; aber Zwang antun dem Gott,
Vorlage S. 404
338
Der nicht von selbst will, das vermag kein Sterblicher.
Vorlage S. 404
339
CHOR.
Vorlage S. 404
340
Ein andres möcht ich sagen, das mir gut bedünkt.
Vorlage S. 404
341
ÖDIPUS.
Vorlage S. 404
342
Und wär's ein drittes, nicht versäum, es kundzutun.
Vorlage S. 404
343
CHOR.
Vorlage S. 404
344
Dem Fürsten Phoibos kommt der Fürst Teiresias
Vorlage S. 404
345
Zumeist an Einsicht, mein ich, gleich; bei welchem wir
Vorlage S. 404
346
Nachforschend, König, dies gewiss ergründeten.
Vorlage S. 404
347
ÖDIPUS.
Vorlage S. 404
348
Und, nicht ein Träger, hab ich dies auch nicht versäumt.
Vorlage S. 404
349
Zwei Boten sandt auf Kreons ratend Wort bereits
Vorlage S. 404
350
Ich hin, und lange wundert schon sein Weilen mich.
Vorlage S. 404
351
CHOR.
Vorlage S. 404
352
Und andre Sagen sind bedeutungsleer und alt.
Vorlage S. 404
353
ÖDIPUS.
Vorlage S. 404
354
Doch welche sind sie? Merken muss ich jedes Wort.
Vorlage S. 404
355
CHOR.
Vorlage S. 404
356
Ermordet, hieß es, sei der Mann von Wanderern.
Vorlage S. 404
357
ÖDIPUS.
Vorlage S. 404
358
Ich hört es. Aber wer es sah, wird nicht erblickt.
Vorlage S. 404
359
CHOR.
Vorlage S. 404
360
Doch wenn der Furcht er irgend nur teilhaftig ist,
Vorlage S. 404
361
So trotzt er niemals deinem Fluch, vernimmt er ihn.
Vorlage S. 404
362
ÖDIPUS.
Vorlage S. 404
363
Wen nicht die Tat geschrecket, zwingt auch Rede nicht.
Vorlage S. 404
364
CHOR.
Vorlage S. 404
365
Jedoch es naht ihm dort der Prüfer. Denn es kommt
Vorlage S. 404
366
Der gottbeseelte Seher hergeleitet, dem
Vorlage S. 404
367
Allein der Menschen eingepflanzt das Wahre ward.
Vorlage S. 404
368
Teiresias tritt auf, von einem Knaben geführt.
Vorlage S. 404
369
ÖDIPUS.
Vorlage S. 404
370
Oh, der, Teiresias, alles schaut, Verkündliches,
Vorlage S. 404
371
Sprachloses, Himmelhohes, Erdgegründetes,
Vorlage S. 404
372
Wiewohl die Stadt du nicht erblickst, erkennst du doch,
Vorlage S. 404
373
In welchem Weh sie kranket, der wir dich allein
Vorlage S. 404
374
Zum Schutze, Fürst, und Retter auserkundeten.
Vorlage S. 404
375
Denn Phoibos, wenn dir unsre Diener nichts gesagt,
Vorlage S. 404
376
Gab Gegenbotschaft unsern Boten: dann allein
Vorlage S. 404
377
Werd einst Erlösung aus der Seuch uns hergesandt,
Vorlage S. 404
378
Wenn erst wir Laios' Mörder wohl erforschten und
Vorlage S. 404
379
Erschlügen oder aus dem Land verjageten.
Vorlage S. 404
380
Drum du, versagend weder heilger Vögel Spruch,
Vorlage S. 404
381
Noch wenn du andren Seherpfad betreten hast,
Vorlage S. 404
382
Lös aus die Stadt und dich zugleich, erlöse mich,
Vorlage S. 405
383
Lös auf des Mordes ganze Blutbesudelung.
Vorlage S. 405
384
In dir ja sind wir; und mit aller Hab und Macht
Vorlage S. 405
385
Zu helfen, jedem ist die schönste Mühe das.
Vorlage S. 405
386
TEIRESIAS.
Vorlage S. 405
387
Weh, weh! Entsetzlich ist das Wissen, wo es nicht
Vorlage S. 405
388
Dem Wisser Heil bringt. Wohl erkannt ich das, jedoch
Vorlage S. 405
389
Mir war es nun entschwunden. Nie erschien ich sonst.
Vorlage S. 405
390
ÖDIPUS.
Vorlage S. 405
391
Was ist es? Wie so mutberaubt erscheinest du?
Vorlage S. 405
392
TEIRESIAS.
Vorlage S. 405
393
Heimkehren lass mich! Denn am leichtsten trägest du
Vorlage S. 405
394
Das Dein und ich das Meine, wenn du folgen willst.
Vorlage S. 405
395
ÖDIPUS.
Vorlage S. 405
396
Nicht rechtlich sprachst du, weder günstig dieser Stadt,
Vorlage S. 405
397
Der eignen Pflegrin, wenn du ihr dein Wort entziehst.
Vorlage S. 405
398
TEIRESIAS.
Vorlage S. 405
399
Dir selbst ja, seh ich, gehet schon dein Reden nicht
Vorlage S. 405
400
Zum Glücke. Mir auch fürcht ich gleiches Ungemach.
Vorlage S. 405
401
CHOR(FÜHRER).
Vorlage S. 405
402
Nicht, bei den Göttern, hehle, was du weißt, dieweil
Vorlage S. 405
403
Zu deinen Füßen alle wir um Hilfe flehn!
Vorlage S. 405
404
TEIRESIAS.
Vorlage S. 405
405
Denn alle schaut ihr nichts. Jedoch ich spreche dies
Vorlage S. 405
406
Nie aus und hülle nimmermehr dein Übel auf.
Vorlage S. 405
407
ÖDIPUS.
Vorlage S. 405
408
Wie? Deine Kenntnis sagst du nicht? und wolltest mich
Vorlage S. 405
409
In diese Not ausstoßen und die Stadt zugleich?
Vorlage S. 405
410
TEIRESIAS.
Vorlage S. 405
411
Nur mich zu kränken meid ich wie dich selbst. Wozu
Vorlage S. 405
412
Dies leere Forschen? Nichts erfährst du doch von mir.
Vorlage S. 405
413
ÖDIPUS.
Vorlage S. 405
414
Nicht, aller Schlechten Schlechtster! – denn auch Steinesart
Vorlage S. 405
415
Mag dies in Zorn aufregen – nicht entdeckest du's?
Vorlage S. 405
416
Willst unerweichbar bleiben, unerschütterlich?
Vorlage S. 405
417
TEIRESIAS.
Vorlage S. 405
418
Häuf meiner Art nur Tadel. Deine, welche dir
Vorlage S. 405
419
Beiwohnt, verkennst du, aber mich verleumdest du.
Vorlage S. 405
420
ÖDIPUS.
Vorlage S. 405
421
Wer sollte nicht erzürnen, wenn er solches Wort
Vorlage S. 405
422
Vernimmt, womit du schnöde jetzt die Stadt entehrst?
Vorlage S. 405
423
TEIRESIAS.
Vorlage S. 405
424
Selbst wird es kommen, deckt es auch mein Schweigen zu.
Vorlage S. 405
425
ÖDIPUS.
Vorlage S. 405
426
So musst du sagen, was es ist, das kommen wird.
Vorlage S. 405
427
TEIRESIAS.
Vorlage S. 405
428
Nichts weiter kann ich sagen. Nun, wofern du willst,
Vorlage S. 405
429
Entbrenn in Jähzorn, sei er auch der wildeste.
Vorlage S. 405
430
ÖDIPUS.
Vorlage S. 405
431
Auch will ich nichts verhalten, wie mich Zorn erregt,
Vorlage S. 405
432
Soviel ich sehn kann. Wisse drum, mir scheinest du
Vorlage S. 405
433
Des Werkes Mitaussäer, Täter selbst, sofern
Vorlage S. 405
434
Nicht deine Faust half. Aber wärst du sehend nur,
Vorlage S. 405
435
So wär die Tat auch, spräch ich, ganz die deinige.
Vorlage S. 406
436
TEIRESIAS.
Vorlage S. 406
437
Wahrhaftig? Also den du erst verkündiget,
Vorlage S. 406
438
Bei jenem Ausruf bleibe nun; nicht rede seit
Vorlage S. 406
439
Dem heutgen Tag mehr jene, nicht mich selber an
Vorlage S. 406
440
Als dieser Stadt entheiligende Besudelung.
Vorlage S. 406
441
ÖDIPUS.
Vorlage S. 406
442
So dreist und schamlos wälzest solch Geschwätze du
Vorlage S. 406
443
Heraus? Gerettet glaubst du einst hieraus zu sein?
Vorlage S. 406
444
TEIRESIAS.
Vorlage S. 406
445
Ich bin's. Der Wahrheit hohe Kraft ja pflegt ich mir.
Vorlage S. 406
446
ÖDIPUS.
Vorlage S. 406
447
Von wem belehrt denn? Nimmer doch von deiner Kunst!
Vorlage S. 406
448
TEIRESIAS.
Vorlage S. 406
449
Von dir. Mit Unlust sagt ich dies, von dir gedrängt.
Vorlage S. 406
450
ÖDIPUS.
Vorlage S. 406
451
Was aber? Nochmals sag es, lehr es deutlicher!
Vorlage S. 406
452
TEIRESIAS.
Vorlage S. 406
453
Begriffst du nicht mein Reden, oder prüfst du mich?
Vorlage S. 406
454
ÖDIPUS.
Vorlage S. 406
455
Nicht dass ich klar es wüsste. Wieder sag es drum.
Vorlage S. 406
456
TEIRESIAS.
Vorlage S. 406
457
Du seist der Königsmörder, den du suchen willst.
Vorlage S. 406
458
ÖDIPUS.
Vorlage S. 406
459
Dir nicht zur Freude sagst du Doppellästerung.
Vorlage S. 406
460
TEIRESIAS.
Vorlage S. 406
461
Und soll ich mehr noch sagen, dir zu neuem Zorn?
Vorlage S. 406
462
ÖDIPUS.
Vorlage S. 406
463
Soviel dir einkommt; denn vergeblich redest du's.
Vorlage S. 406
464
TEIRESIAS.
Vorlage S. 406
465
Verborgen, sag ich, lebst du mit den Teuersten
Vorlage S. 406
466
In schnödem Umgang und erkennst den Greuel nicht.
Vorlage S. 406
467
ÖDIPUS.
Vorlage S. 406
468
Und glaubst du freudig immerdar dies kundzutun?
Vorlage S. 406
469
TEIRESIAS.
Vorlage S. 406
470
Wenn je der Wahrheit irgend Kraft beiwohnt, gewiss.
Vorlage S. 406
471
ÖDIPUS.
Vorlage S. 406
472
Ja; nur in dir nicht, dir allein nur nicht, dieweil
Vorlage S. 406
473
Du blind an Ohren und an Geist und Augen bist.
Vorlage S. 406
474
TEIRESIAS.
Vorlage S. 406
475
Wie jammerwürdig schmähst du nun an mir, womit
Vorlage S. 406
476
Dich selber niemand bald zu schmähn vergessen wird!
Vorlage S. 406
477
ÖDIPUS.
Vorlage S. 406
478
Dich heget eine finstre Nacht, dass weder mir
Vorlage S. 406
479
Noch andern, welche schaun das Licht, du schaden magst.
Vorlage S. 406
480
TEIRESIAS.
Vorlage S. 406
481
Auch ist von mir zu fallen nicht dein Los, dieweil
Vorlage S. 406
482
Es vermag Apollon, der die Sühne selbst betreibt.
Vorlage S. 406
483
ÖDIPUS.
Vorlage S. 406
484
Hat Kreon, hast du selber solches ausgedacht?
Vorlage S. 406
485
TEIRESIAS.
Vorlage S. 406
486
Nicht Kreon droht dir Leides, nur du selbst allein.
Vorlage S. 406
487
ÖDIPUS.
Vorlage S. 406
488
O Königtum, und Güter, und der Künste Kunst,
Vorlage S. 406
489
Die hoch zum allersehnten Ziel mich aufgeführt,
Vorlage S. 406
490
Wie schnöde Missgunst berget ihr verräterisch,
Vorlage S. 406
491
Wenn dieser Herrschaft halben, die mir selbst die Stadt
Vorlage S. 406
492
Als Gabe, nicht gefordert, eingehändiget,
Vorlage S. 406
493
Mir Kreon nun, mein treuer, mein uralter Freund,
Vorlage S. 406
494
Heimtückisch nachstellt, mich hinauszuwerfen strebt
Vorlage S. 407
495
Durch dieses Zaubrers, dieses ränkespinnenden,
Vorlage S. 407
496
Trügerischen Gauklers Dienste, der Gewinn allein
Vorlage S. 407
497
Zu sehn geschickt ist, aber blind in seiner Kunst!
Vorlage S. 407
498
Denn rede doch; wo warest du als Seher echt?
Vorlage S. 407
499
Was, als die Hündin dunklen Sang den Bürgern spann,
Vorlage S. 407
500
Was sprachst du damals ihnen kein Erlöserwort?
Vorlage S. 407
501
Doch war das Rätsel nimmer leicht für jeglichen
Vorlage S. 407
502
Mann aufzudecken, sondern heischte Seherkunst,
Vorlage S. 407
503
Die nicht vom Vogelflug gewonnen, nicht gelernt
Vorlage S. 407
504
Von Göttern du bewiesest; sondern ich erschien,
Vorlage S. 407
505
Kundlos und Fremdling, Ödipus, und schweigte sie,
Vorlage S. 407
506
Im Geist es treffend, nicht belehrt durch Vogelflug,
Vorlage S. 407
507
Den du versuchest auszuwerfen, weil sodann
Vorlage S. 407
508
Du Kreons Herrschersitzen nah zu stehn gedenkst.
Vorlage S. 407
509
Voll Reue, denk ich, sühnest so die Bürger du,
Vorlage S. 407
510
Und der dich anstellt; aber säh dein Alter nicht
Vorlage S. 407
511
Ich an, es lehrten Tränen dein Vermessen dich.
Vorlage S. 407
512
CHOR.
Vorlage S. 407
513
Uns, wenn wir dies erwägen, scheint des Greises Wort,
Vorlage S. 407
514
Nicht minder deins auch, Ödipus, im Zorn gesagt.
Vorlage S. 407
515
Nicht des bedarf es, sondern wie am besten wir
Vorlage S. 407
516
Den Götterspruch ausüben, dies zu suchen nur.
Vorlage S. 407
517
TEIRESIAS.
Vorlage S. 407
518
Wiewohl du herrschest, bleibet doch mir gleiches Recht
Vorlage S. 407
519
Zu gleicher Antwort; dessen hab auch ich Gewalt.
Vorlage S. 407
520
Nicht leb ich dir ein Diener, nein, dem Loxias,
Vorlage S. 407
521
Dass nicht als Vorstand Kreon mich vertreten darf.
Vorlage S. 407
522
Vernimm, dieweil du höhntest auch als Blinden mich:
Vorlage S. 407
523
Auch sehend schaust du deines Jammers Größe nicht,
Vorlage S. 407
524
Noch wo du wohnest noch mit wem dein Leben führst.
Vorlage S. 407
525
Denn weißt du, wer dich zeugte? Nein, unwissend bist
Vorlage S. 407
526
Du Feind den Deinen, unten und hier oben auch.
Vorlage S. 407
527
Und rings verfolgend jaget bald mit schnellem Fuß
Vorlage S. 407
528
Dich aus des Vaters wie der Mutter grimmer Fluch,
Vorlage S. 407
529
Und wie du hell siehst heute, schaust du Nacht sodann.
Vorlage S. 407
530
Ja, welche Bucht ist, welche nicht dein Schrein empfängt,
Vorlage S. 407
531
Wo wird Kithairon nicht erfüllt vom Widerhall,
Vorlage S. 407
532
Sobald du wahrnimmst diesen Bund, wozu du rasch
Vorlage S. 407
533
Einliefst in heimischen Leidensport mit froher Fahrt?
Vorlage S. 408
534
Auch andrer Schrecken volle Schar erkennst du nicht,
Vorlage S. 408
535
Die gleiches Unheil deinen Kindern dräun und dir.
Vorlage S. 408
536
Drum sei geschäftig, Kreons Mund und meinen noch
Vorlage S. 408
537
Herabzureißen. Denn es wird entsetzlicher
Vorlage S. 408
538
Als du der Menschen keiner hingepeiniget.
Vorlage S. 408
539
ÖDIPUS.
Vorlage S. 408
540
Wie? Trüg ich je von solchem Mann ein solches Wort?
Vorlage S. 408
541
O Tod und Unheil! Fliehst du nicht? Enteilest nicht,
Vorlage S. 408
542
Von meiner Wohnung ungesäumt zurückgewandt?
Vorlage S. 408
543
TEIRESIAS.
Vorlage S. 408
544
Auch wär ich niemals ohne deinen Ruf genaht.
Vorlage S. 408
545
ÖDIPUS.
Vorlage S. 408
546
Nicht schnöden Unsinn meint ich anzuhören: denn
Vorlage S. 408
547
Sonst hätt ich schwerlich dich zu mir herbeigeholt.
Vorlage S. 408
548
TEIRESIAS.
Vorlage S. 408
549
So bin ich nichts denn andres als nach deinem Sinn
Vorlage S. 408
550
Ein Tor, jedoch voll Witzes deinen Erzeugern wohl.
Vorlage S. 408
551
ÖDIPUS.
Vorlage S. 408
552
Und welchen? Bleibe! Wer der Menschen zeugte mich?
Vorlage S. 408
553
TEIRESIAS.
Vorlage S. 408
554
Der heutge Tag nur zeuget und vernichtet dich.
Vorlage S. 408
555
ÖDIPUS.
Vorlage S. 408
556
Wie unerklärbar rätselhaft du alles sagst!
Vorlage S. 408
557
TEIRESIAS.
Vorlage S. 408
558
Und du verstehst nicht, dies am besten einzusehn?
Vorlage S. 408
559
ÖDIPUS.
Vorlage S. 408
560
Verhöhne das nur immer, was mich groß gemacht.
Vorlage S. 408
561
TEIRESIAS.
Vorlage S. 408
562
Ja, eben dieses hohe Glück verderbte dich.
Vorlage S. 408
563
ÖDIPUS.
Vorlage S. 408
564
Doch gab ich Rettung dieser Stadt, so sei es so.
Vorlage S. 408
565
TEIRESIAS.
Vorlage S. 408
566
So lass mich abgehn. Knabe, komm, geleite mich.
Vorlage S. 408
567
ÖDIPUS.
Vorlage S. 408
568
Er mag dich leiten. Hier verwirrst du diese Not
Vorlage S. 408
569
Nur noch; enteilend bist du nicht uns lästig mehr.
Vorlage S. 408
570
TEIRESIAS.
Vorlage S. 408
571
Weshalb ich kam, das sag ich, gehend, ohne Scheu
Vorlage S. 408
572
Vor deinem Antlitz. Meinen Tod vermagst du nicht.
Vorlage S. 408
573
Derselbe Mann denn, sag ich nun, nach welchem du
Vorlage S. 408
574
Mit strenger Drohung, und den Mord des Laios
Vorlage S. 408
575
Ausrufend, spürest, dieser ist an diesem Ort,
Vorlage S. 408
576
Für eingewandert geltend; doch erscheint er bald
Vorlage S. 408
577
Als ingeborner Theber; aber nicht erfreut
Vorlage S. 408
578
Ihn solche Schickung; denn er geht statt sehend blind,
Vorlage S. 408
579
Statt reich ein Bettler, mit dem Stab ins fremde Land
Vorlage S. 408
580
Die Wege tastend, auf die Elendswanderung,
Vorlage S. 408
581
Erscheint den eignen Kindern auch zu gleicher Zeit
Vorlage S. 408
582
Als Vater selbst und Bruder, seiner Gebärerin
Vorlage S. 408
583
Als Sohn zugleich und Ehgemahl, des Vaters auch
Vorlage S. 408
584
Ehbettgenoß und Mörder. Eile nun hinein,
Vorlage S. 409
585
Dem nachzusinnen; und ertappst du lügend mich,
Vorlage S. 409
586
So sage, gänzlich weiche mir die Seherkunst.
Vorlage S. 409
587
Teiresias ab, Ödipus in den Palast.
Vorlage S. 409
588
Erste Strophe
Vorlage S. 409
589
CHOR.
Vorlage S. 409
590
Wen sagst du an, göttlich beseelter
Vorlage S. 409
591
Felsen Delphis, welcher
Vorlage S. 409
592
Abscheu abscheuvollster Befleckung
Vorlage S. 409
593
Tat mit blutgen Händen?
Vorlage S. 409
594
Mag schneller denn stürmischer Roßwettlauf
Vorlage S. 409
595
In die Flucht den Fuß er kräftig entlenken!
Vorlage S. 409
596
Es verfolgt ja gepanzert im Zornangriff
Vorlage S. 409
597
Der Erzeugete Zeus' ihn mit Flammen und Blitz,
Vorlage S. 409
598
Und fürchterlich folgen
Vorlage S. 409
599
Nimmer vermiedne Keren.
Vorlage S. 409
600
Erste Gegenstrophe
Vorlage S. 409
601
Denn unverhofft strahlt' der beschneite
Vorlage S. 409
602
Gipfelfels Parnassos'
Vorlage S. 409
603
Aufruf hell uns her, dem Verborgnen
Vorlage S. 409
604
Alle nachzuspüren;
Vorlage S. 409
605
Und sicherlich irret im Bergwald um,
Vorlage S. 409
606
In Geklüft und Steinhöhlen, dem Stier gleich,
Vorlage S. 409
607
Des Verstoßnen verstoßener Fuß voll Angst,
Vorlage S. 409
608
Dem Geheiß, das der Nabel der Erd austönt,
Vorlage S. 409
609
Fortschlüpfend, so dennoch
Vorlage S. 409
610
Lebend die Welt herumfleugt.
Vorlage S. 409
611
Zweite Strophe
Vorlage S. 409
612
Schrecklich indes, schrecklich empört mich
Vorlage S. 409
613
Der zuvorschauende Greis, we-
Vorlage S. 409
614
Der gewiss, weder verachtbar.
Vorlage S. 409
615
Es verstummt bebend der Mund.
Vorlage S. 409
616
In der Angst Grauen erblickt nichts
Vorlage S. 409
617
Mir der Blick hier und zuvor.
Vorlage S. 409
618
Dem Geschlecht Labdakos', war je
Vorlage S. 409
619
Diesem der Sohn Polybos' feind?
Vorlage S. 409
620
Solches vernahm weder ich nun
Vorlage S. 410
621
Weder zuvor irgend, woran
Vorlage S. 410
622
Ich anitzt, gleich an dem Prüfsteine, belehrt,
Vorlage S. 410
623
Der erschollnen Verkündung
Vorlage S. 410
624
Zu Gebot, Ödipus rasch
Vorlage S. 410
625
Labdakos' Söhnen bestrafte
Vorlage S. 410
626
Für tiefdunkelen Mord.
Vorlage S. 410
627
Zweite Gegenstrophe
Vorlage S. 410
628
Zwar es beschaun Zeus und Apollon
Vorlage S. 410
629
Das Geschick Sterblicher wahrhaft
Vorlage S. 410
630
Im Gemüt; aber ein Mensch, ob
Vorlage S. 410
631
Er erringt Höhres denn ich
Vorlage S. 410
632
Zu erschaun, keiner beweist das.
Vorlage S. 410
633
Es besiegt Künste mit Kunst
Vorlage S. 410
634
Der Verstand Sterblicher wohl; nie
Vorlage S. 410
635
Wollt ich indes, eh ich das Wort
Vorlage S. 410
636
Treffend erkannt, zeihen den Mann,
Vorlage S. 410
637
Welcher ihm abstimmt. Es ersah
Vorlage S. 410
638
Ja die Stadt hier ihm beschwingt nahen das Weib
Vorlage S. 410
639
Und erkannte die Weisheit,
Vorlage S. 410
640
Der Gefahr tröstliche Wehr.
Vorlage S. 410
641
Drum ihn in meinen Gedanken
Vorlage S. 410
642
Die Schuld nimmer berührt.
Vorlage S. 410
643
Kreon tritt auf.
Vorlage S. 410
644
KREON.
Vorlage S. 410
645
Ihr Männer, Bürger, hörend, dass mir Ödipus,
Vorlage S. 410
646
Der König, aussprach bittrer Wort Anschuldigung,
Vorlage S. 410
647
Erschein ich ungeduldig. Denn wofern er itzt
Vorlage S. 410
648
In dieser Not argwöhnet, dass Verderbliches
Vorlage S. 410
649
Mit Worten oder Taten ich ihm zugefügt,
Vorlage S. 410
650
Nicht langes Leben wünsch ich sehnsuchtsvoll sodann,
Vorlage S. 410
651
Dergleichen Ruf zu tragen. Denn nicht einerlei
Vorlage S. 410
652
Nachteilge Kränkung bringet mir ein solches Wort,
Vorlage S. 410
653
Nein, allzu große, bin ich schlecht in unsrer Stadt,
Vorlage S. 410
654
Schlecht dir und allen Freunden nun berüchtiget.
Vorlage S. 410
655
CHOR(FÜHRER).
Vorlage S. 411
656
Doch ward gewißlich dieser Schimpf durch Zornes Drang
Vorlage S. 411
657
Vielmehr herausgestoßen als mit Vorbedacht.
Vorlage S. 411
658
KREON.
Vorlage S. 411
659
Woher erschien denn, dass der Seher, angeführt
Vorlage S. 411
660
Von meinem Anschlag, lügenhaften Spruch gesagt?
Vorlage S. 411
661
CHOR.
Vorlage S. 411
662
So klang es freilich. Doch den Grund erkannt ich nicht.
Vorlage S. 411
663
KREON.
Vorlage S. 411
664
Und freien Blickes und mit freiem Sinne ward
Vorlage S. 411
665
Herausgesprochen diese Klage wider mich?
Vorlage S. 411
666
CHOR.
Vorlage S. 411
667
Ich weiß es nicht. Der Herrscher Tun beschau ich nicht.
Vorlage S. 411
668
Doch selber kommt er aus dem Haus hervorgeeilt.
Vorlage S. 411
669
Ödipus tritt auf.
Vorlage S. 411
670
ÖDIPUS.
Vorlage S. 411
671
Du? Wie erscheinst du wieder? Hast du solche Stirn
Vorlage S. 411
672
Schamloser Frechheit, dass zu meiner Schwelle du
Vorlage S. 411
673
Noch kommst, ertappt als dieses Mannes Mörder nun
Vorlage S. 411
674
Und meiner Herrschaft Räuber ganz unzweifelhaft?
Vorlage S. 411
675
Sprich, bei den Göttern, ob du feige Furcht an mir
Vorlage S. 411
676
Sahst oder Wahnsinn, dass du solche Tat erdacht?
Vorlage S. 411
677
Dass ich es nicht entdeckte, wie verborgen mir
Vorlage S. 411
678
Dein Trug daherschlich, noch es merkend züchtigte?
Vorlage S. 411
679
Ist solch Vermessen nicht ein torheitblindes Werk,
Vorlage S. 411
680
Ohn allen Anhang, ohne Volk das Königtum
Vorlage S. 411
681
Zu jagen, welches Volk und Gold allein erzielt?
Vorlage S. 411
682
KREON.
Vorlage S. 411
683
Was nun zu tun ist, höre! Jetzt nach deinem Wort
Vorlage S. 411
684
Vernimm das meine; dann, belehrt, entscheide selbst.
Vorlage S. 411
685
ÖDIPUS.
Vorlage S. 411
686
In Reden bist du mächtig; doch ich lerne schwer
Vorlage S. 411
687
Von dir, dieweil ich feindlich dich und bös befand.
Vorlage S. 411
Historische Bühnenrezeption von „König Ödipus“
Kontextbild zum Werk. Historische Bühnenrezeption von „König Ödipus“ — Werkbezogene Bildquelle; keine belegte Zuordnung zu der hier angezeigten einzelnen Textstelle. · Ernst Stern (1876–1954) · Public domain Bildquelle ↗
688
KREON.
Vorlage S. 411
689
Dies eben lass mich sagen, wie sich dies verhält.
Vorlage S. 411
690
ÖDIPUS.
Vorlage S. 411
691
Dies eben sprich nie, dass du recht gesinnet seist.
Vorlage S. 411
692
KREON.
Vorlage S. 411
693
Wofern du meinest, trefflich sei der Eigensinn,
Vorlage S. 411
694
Von aller Weisheit ledig, denkst du sehr verkehrt.
Vorlage S. 411
695
ÖDIPUS.
Vorlage S. 411
696
Wofern du meinest, bitter mir Verschwägertem
Vorlage S. 411
697
Ganz ungestraft zu schaden, denkst du nimmer klug.
Vorlage S. 411
698
KREON.
Vorlage S. 411
699
Mit Recht, gesteh ich, sagst du dies fürwahr; jedoch
Vorlage S. 411
700
Welch Leid von mir du leidest, des belehre mich.
Vorlage S. 411
701
ÖDIPUS.
Vorlage S. 411
702
War dein der Anschlag oder nicht der deine, dass
Vorlage S. 411
703
Zum hochgepriesnen Seher auch zu senden sei?
Vorlage S. 411
704
KREON.
Vorlage S. 411
705
Und noch behaupt ich diesen Rat unwandelbar.
Vorlage S. 411
706
ÖDIPUS.
Vorlage S. 412
707
Wie lange Zeit denn ist es nun, dass Laios –
Vorlage S. 412
708
KREON.
Vorlage S. 412
709
Welch Werk verübte? Was du meinst, errat ich nicht.
Vorlage S. 412
710
ÖDIPUS.
Vorlage S. 412
711
Verborgen hinsank unter feindlicher Mordgewalt?
Vorlage S. 412
712
KREON.
Vorlage S. 412
713
Wohl lang und fernher messen wir seitdem die Zeit.
Vorlage S. 412
714
ÖDIPUS.
Vorlage S. 412
715
Und war der Seher seiner Kunst teilhaftig schon?
Vorlage S. 412
716
KREON.
Vorlage S. 412
717
Von gleicher Weisheit, gleicher Würde wert geschätzt.
Vorlage S. 412
718
ÖDIPUS.
Vorlage S. 412
719
Gedacht er meiner aber auch zu jener Zeit?
Vorlage S. 412
720
KREON.
Vorlage S. 412
721
Wohl nicht. Gewißlich nimmer da, wo ich's vernahm.
Vorlage S. 412
722
ÖDIPUS.
Vorlage S. 412
723
Und habt ihr Forschung jener Tat nicht angestellt?
Vorlage S. 412
724
KREON.
Vorlage S. 412
725
Wohl angestellt. Wie anders? Doch wir hörten nichts.
Vorlage S. 412
726
ÖDIPUS.
Vorlage S. 412
727
Wie? Sprach denn damals dieses nicht der Weise schon?
Vorlage S. 412
728
KREON.
Vorlage S. 412
729
Ich weiß es nicht. Gern schweig ich, wo mir Kunde fehlt.
Vorlage S. 412
730
ÖDIPUS.
Vorlage S. 412
731
Das Deine weißt du. Sag es, bist du klug gesinnt.
Vorlage S. 412
732
KREON.
Vorlage S. 412
733
Und welches? Wenn ich's wüsste, nie verhehlt ich es.
Vorlage S. 412
734
ÖDIPUS.
Vorlage S. 412
735
Dass jener, wenn er dich zuvor nicht sah, gewiss
Vorlage S. 412
736
Mir nimmer zusprach jenen Sturz des Laios!
Vorlage S. 412
737
KREON.
Vorlage S. 412
738
Ob dies er aussagt', weißt du selbst; ich aber darf
Vorlage S. 412
739
Nun auch von dir wohl forschen wie du selbst von mir.
Vorlage S. 412
740
ÖDIPUS.
Vorlage S. 412
741
So forsche. Niemals deckst du mich als Mörder auf.
Vorlage S. 412
742
KREON.
Vorlage S. 412
743
Wohl. Hast du meine Schwester nicht zum Ehgemahl?
Vorlage S. 412
744
ÖDIPUS.
Vorlage S. 412
745
Nicht wär zu leugnen, was du jetzt erkundigtest.
Vorlage S. 412
746
KREON.
Vorlage S. 412
747
Nicht gleiche Macht mit jener, gleichen Landbesitz?
Vorlage S. 412
748
ÖDIPUS.
Vorlage S. 412
749
Soviel sie wünschet, alles stets gewähr ich ihr.
Vorlage S. 412
750
KREON.
Vorlage S. 412
751
Bin euch zu gleichen Ehren ich der Dritte nicht?
Vorlage S. 412
752
ÖDIPUS.
Vorlage S. 412
753
Ja, hier erscheinst du eben recht als falscher Freund.
Vorlage S. 412
754
KREON.
Vorlage S. 412
755
Nicht, gäbst du, mir nur ähnlich, selbst dir Rechenschaft.
Vorlage S. 412
756
Betrachte dies zuvörderst: wähnst du, dass ein Mann
Vorlage S. 412
757
In Angst beständig lieber wünscht zu herrschen als
Vorlage S. 412
758
Sorglose Nachtruh bei der gleichen Macht Besitz?
Vorlage S. 412
759
Drum weder mir ist mehr Begehren eingepflanzt,
Vorlage S. 412
760
Zu sein ein König, als dem König gleichzutun,
Vorlage S. 412
761
Noch welchem irgend echtes Wohl genügen mag.
Vorlage S. 412
762
Denn jetzt erhalt ich alles ohne Furcht von dir.
Vorlage S. 412
763
Doch herrscht ich selber, müsst ich viel Gezwungnes tun.
Vorlage S. 412
764
Wie wäre süßer solche Königswürde denn
Vorlage S. 412
765
Als dieses Ansehns ungetrübtes Herrschertum?
Vorlage S. 412
766
Nicht solcher Irrtum hat mich täuschungsvoll bestrickt,
Vorlage S. 412
767
Mir mehr zu wünschen als das Schön und Nützliche.
Vorlage S. 412
768
Jetzt grüßt mich jeder, jetzt umarmt mich jedermann,
Vorlage S. 413
769
Jetzt, wer von dir begehret, ruft nach mir zuerst,
Vorlage S. 413
770
Weil sein Gelingen allezeit bei mir beruht.
Vorlage S. 413
771
Wie griff ich nun nach jenem wohl und ließe dies?
Vorlage S. 413
772
Verständge Denkart würde so verworfen nie.
Vorlage S. 413
773
Auch mich ergriff nie solcher Sinnesart Gelüst,
Vorlage S. 413
774
Noch selbst mit Beistand andrer wagt ich solche Tat.
Vorlage S. 413
775
Und, dies zu prüfen, erst in Pytho forsche selbst,
Vorlage S. 413
776
Ob jenen Ausspruch ungefälscht ich hergebracht.
Vorlage S. 413
777
Zum andern: triffst du, dass ich pflog geheimen Rat
Vorlage S. 413
778
Mit jenem Zeichendeuter – nicht durch einen Spruch
Vorlage S. 413
779
Verdammt, von zweien sterb ich dann, von mir und dir.
Vorlage S. 413
780
Nach dunkler Meinung zeih indes nicht ferner mich;
Vorlage S. 413
781
Denn immer bleibt unbillig, blind den bösen Mann
Vorlage S. 413
782
Für rechtlich halten oder bös den rechtlichen.
Vorlage S. 413
783
Denn wer den edlen Freund verjagt, stößt, mein ich, aus
Vorlage S. 413
784
Sein eignes Leben, das er mehr als alles liebt.
Vorlage S. 413
785
Doch nach der Zeit erkennst du sicher dies, dieweil
Vorlage S. 413
786
Die Zeit den wackern Mann allein erweisen kann;
Vorlage S. 413
787
Den Schlechten aber kennst du leicht durch einen Tag.
Vorlage S. 413
788
CHOR.
Vorlage S. 413
789
Recht sprach er jedem, welcher sich zu fallen wahrt,
Vorlage S. 413
790
O König; fehllos denkt ja nicht des Schnellen Sinn.
Vorlage S. 413
791
ÖDIPUS.
Vorlage S. 413
792
Eilt aber schnell mir sein geheimnisvoller Rat
Vorlage S. 413
793
Heran, so fordert schnellen Gegenrat es auch.
Vorlage S. 413
794
Doch harr ich sorglos lange Zeit, vollendet ist
Vorlage S. 413
795
Dann sein Beginnen, meins vergeblich angestrengt.
Vorlage S. 413
796
KREON.
Vorlage S. 413
797
Was aber willst du? Soll ich aus dem Lande fliehn?
Vorlage S. 413
798
ÖDIPUS.
Vorlage S. 413
799
Mitnichten. Tod ist, nicht Verbannung mein Begehr.
Vorlage S. 413
800
KREON.
Vorlage S. 413
801
Wenn erst du zeigest, welchen Groll du hegen darfst.
Vorlage S. 413
802
ÖDIPUS.
Vorlage S. 413
803
Nicht mir zu folgen noch zu weichen, schwatzest du?
Vorlage S. 413
804
KREON.
Vorlage S. 413
805
Ich seh ja, weise denkst du nicht.
Vorlage S. 413
806
ÖDIPUS.
Vorlage S. 413
807
Doch mir genug.
Vorlage S. 413
808
KREON.
Vorlage S. 413
809
Auch musst du mir nicht minder.
Vorlage S. 413
810
ÖDIPUS.
Vorlage S. 413
811
Du verrietest mich.
Vorlage S. 413
812
KREON.
Vorlage S. 413
813
Und wenn du gänzlich irrest?
Vorlage S. 413
814
ÖDIPUS.
Vorlage S. 413
815
Ich gebiete doch.
Vorlage S. 413
816
KREON.
Vorlage S. 414
817
Nicht, wenn du schlecht gebietest!
Vorlage S. 414
818
ÖDIPUS.
Vorlage S. 414
819
Stadt, o Stadt, vernimm!
Vorlage S. 414
820
KREON.
Vorlage S. 414
821
Auch mir ist Anteil dieser Stadt, nicht dir allein.
Vorlage S. 414
822
CHOR.
Vorlage S. 414
823
Nun schweiget, Herrscher; denn ich seh willkommen uns
Vorlage S. 414
824
Iokasten dort vom Hause schnell hernahn, mit der
Vorlage S. 414
825
Den neuen Streit ihr ungesäumt vermitteln müsst.
Vorlage S. 414
826
Iokaste tritt auf.
Vorlage S. 414
827
IOKASTE.
Vorlage S. 414
828
Was hobet, sinnverworren, ihr, Unglückliche,
Vorlage S. 414
829
Der Zungen Aufruhr und erregt schamlos, indem
Vorlage S. 414
830
So krankt die Landschaft, eignen Grolls Erbitterung?
Vorlage S. 414
831
Gehst du hinein nicht? Kreon, du nicht eilig heim?
Vorlage S. 414
832
Und hebt zu großem Leide nicht das Nichtige!
Vorlage S. 414
833
KREON.
Vorlage S. 414
834
Blutschwester, bittre Tat an mir sinnt Ödipus,
Vorlage S. 414
835
Dein Ehegatte, welcher zwei Verderben mir
Vorlage S. 414
836
Nun hat, Verbannung oder Tod, zur Wahl gestellt.
Vorlage S. 414
837
ÖDIPUS.
Vorlage S. 414
838
So tat ich, weil ich eben ihn, o Frau, ertappt,
Vorlage S. 414
839
Nachstellend böslich meinem Leib mit böser Kunst.
Vorlage S. 414
840
KREON.
Vorlage S. 414
841
Nie mehr gedeih ich; nein, verflucht, wofern ich tat,
Vorlage S. 414
842
Wes dieser mich verklagte, mög ich untergehn!
Vorlage S. 414
843
IOKASTE.
Vorlage S. 414
844
O bei den Göttern, Ödipus, gib Glauben ihm,
Vorlage S. 414
845
Zumeist verehrend seines Eides Göttlichkeit,
Vorlage S. 414
846
Dann aber mich auch nebst den hier Versammelten!
Vorlage S. 414
847
Erste Strophe
Vorlage S. 414
848
CHOR.
Vorlage S. 414
849
Befolge gern, selbst bedenkend,
Vorlage S. 414
850
Den Rat, edler Fürst!
Vorlage S. 414
851
ÖDIPUS.
Vorlage S. 414
852
Worin zu folgen heischest du?
Vorlage S. 414
853
CHOR.
Vorlage S. 414
854
Nicht, welchen stets keiner höhnt',
Vorlage S. 414
855
Aber nun Schwur erhebt,
Vorlage S. 414
856
Entwürdige!
Vorlage S. 414
857
ÖDIPUS.
Vorlage S. 414
858
Bedenkst du alles?
Vorlage S. 414
859
CHOR.
Vorlage S. 414
860
Alles.
Vorlage S. 414
861
ÖDIPUS.
Vorlage S. 414
862
Sprich, was forderst du?
Vorlage S. 414
863
CHOR.
Vorlage S. 414
864
Weichend dem Eide, wirf nimmer mit trübem Grund
Vorlage S. 414
865
In die Beschuldigung verunehrt den Freund!
Vorlage S. 414
866
ÖDIPUS.
Vorlage S. 414
867
So wisse wahrlich: wenn du dies begehrest, dann
Vorlage S. 414
868
Begehrst du Tod mir oder Flucht in fernes Land.
Vorlage S. 414
869
Zweite Strophe
Vorlage S. 414
870
CHOR.
Vorlage S. 415
871
Nein, beim Anführer Helios
Vorlage S. 415
872
Der Unsterblichen!
Vorlage S. 415
873
Ohn Götter und Freund' in dem Äußersten mög ich
Vorlage S. 415
874
Dahinstürzen, wenn ich je solches sann!
Vorlage S. 415
875
Doch den schmerzvollen Mut
Vorlage S. 415
876
Quälet hart dahinschwindend
Vorlage S. 415
877
Mein Land, und mehr, wofern
Vorlage S. 415
878
Zum alten Unheil neues ihr dazufügt.
Vorlage S. 415
879
ÖDIPUS.
Vorlage S. 415
880
So geh er, sei auch völlig nun mein Tod bestimmt,
Vorlage S. 415
881
Und werd ich ehrlos aus dem Land hinausgestürzt.
Vorlage S. 415
882
Dein Mund bezwang, nicht seiner, mitleidregend mich
Vorlage S. 415
883
Zur Milde; dieser, wo er sei, bleibt stets verhaßt.
Vorlage S. 415
884
KREON.
Vorlage S. 415
885
Ich seh, erbittert gibst du nach, doch drückt es dich,
Vorlage S. 415
886
Sobald der Zorn weicht; solche Sinnesarten tun
Vorlage S. 415
887
Die schwerste Büßung, ganz gerecht, sich selber an.
Vorlage S. 415
888
ÖDIPUS.
Vorlage S. 415
889
Nun lass mich endlich! Gehst du nicht?
Vorlage S. 415
890
KREON.
Vorlage S. 415
891
Unweigerlich,
Vorlage S. 415
892
Unbillig dir gerichtet, doch vor diesen rein.
Vorlage S. 415
893
Ab.
Vorlage S. 415
894
Erste Gegenstrophe
Vorlage S. 415
895
CHOR.
Vorlage S. 415
896
Was führst du, Frau, ungesäumt nicht
Vorlage S. 415
897
Den Mann dort hinein?
Vorlage S. 415
898
IOKASTE.
Vorlage S. 415
899
Erkunden will ich, was geschah.
Vorlage S. 415
900
CHOR.
Vorlage S. 415
901
Aus raschem Wort kam Verdacht,
Vorlage S. 415
902
Dunkel nur, aber nagt,
Vorlage S. 415
903
Auch ungerecht.
Vorlage S. 415
904
IOKASTE.
Vorlage S. 415
905
Von beiden Männern?
Vorlage S. 415
906
CHOR.
Vorlage S. 415
907
Freilich!
Vorlage S. 415
908
IOKASTE.
Vorlage S. 415
909
Sprich; wie kam der Zwist?
Vorlage S. 415
910
CHOR.
Vorlage S. 415
911
Wahrlich genug, genug, bei der gemeinen Not,
Vorlage S. 415
912
Bleibet er ruhig, wo er selbst endet, stehn!
Vorlage S. 415
913
ÖDIPUS.
Vorlage S. 415
914
Was aber denkst du, zwar ein gutgesinnter Mann,
Vorlage S. 415
915
Wenn so verächtlich mein Gemüt du dämpfen willst?
Vorlage S. 415
916
Zweite Gegenstrophe
Vorlage S. 415
917
CHOR.
Vorlage S. 416
918
Nicht einmal, Fürst, allein beschwur
Vorlage S. 416
919
Ich es; wisse, dass
Vorlage S. 416
920
Ich sinnesberaubt, in verständger Beratung
Vorlage S. 416
921
Des Ratschlags entblößet bin, lass ich dich,
Vorlage S. 416
922
Welcher mein teures Land,
Vorlage S. 416
923
Als es Jammer schwer umtrieb,
Vorlage S. 416
924
In günstgen Wind gelenkt!
Vorlage S. 416
925
Auch jetzo werd uns, wenn du kannst, ein Führer!
Vorlage S. 416
926
IOKASTE.
Vorlage S. 416
927
Nun, bei den Göttern, wolle mich auch lehren, Fürst,
Vorlage S. 416
928
Um welche Tat du so gewaltgen Zorn erregst.
Vorlage S. 416
929
ÖDIPUS.
Vorlage S. 416
930
Vernimm es, Frau, ich ehre mehr als diese dich:
Vorlage S. 416
931
Um Kreons Anschlag, den er mir mit Truge sann.
Vorlage S. 416
932
IOKASTE.
Vorlage S. 416
933
Sprich, ob du wahrhaft diesen Zwist verfechten kannst.
Vorlage S. 416
934
ÖDIPUS.
Vorlage S. 416
935
Ich sei des Laios Mörder, hat er ausgesagt.
Vorlage S. 416
936
IOKASTE.
Vorlage S. 416
937
Aus eigner Kenntnis oder nur auf fremdes Wort?
Vorlage S. 416
938
ÖDIPUS.
Vorlage S. 416
939
Uns sendend her den tückevollen Seher, der
Vorlage S. 416
940
Frech seinen Mund ausschüttet ohne Ziel und Scheu.
Vorlage S. 416
941
IOKASTE.
Vorlage S. 416
942
Aus deinem Sinne schlagend, was du sagen willst,
Vorlage S. 416
943
Hör jetzo mich und lerne, dass nie Sterbliches
Vorlage S. 416
944
Der Seherweisheit irgendwo teilhaftig ward.
Vorlage S. 416
945
Und nahes Zeugnis geb ich dir nur kurz davon.
Vorlage S. 416
946
Laios bekam einst solchen Spruch, nicht, mein ich, zwar
Vorlage S. 416
947
Von Phoibos selber, aber von der Dienerschaft,
Vorlage S. 416
948
Dass einst das Los ihn fasse, durch des Sohnes Hand
Vorlage S. 416
949
Zu sterben, welchen er und ich erzeugeten.
Vorlage S. 416
950
Und jenen, wie die Rede kam, erschlug zuletzt
Vorlage S. 416
951
Auf dreigespaltnem Landesweg die Räuberschar;
Vorlage S. 416
952
Der junge Sprößling aber sah der Tage nicht
Vorlage S. 416
953
Drei, als, die Glieder seiner Füß einfesselnd, er
Vorlage S. 416
954
Durch Sklavenhand ihn tief in ödes Gebirge warf;
Vorlage S. 416
955
Und nicht erfüllt' ihm jenes Ziel Apollon da,
Vorlage S. 416
956
Des Vaters Mord zu üben noch dem Laios
Vorlage S. 416
957
Den Greul, womit ihn dieser Sohn geängstiget.
Vorlage S. 416
958
Dergleichen hat nun Seherruf vorherbestimmt,
Vorlage S. 416
959
Der nimmer drum dich kümmre. Welches Ding der Gott
Vorlage S. 416
960
Nur will herausspähn, selbst enthüllt er solches leicht.
Vorlage S. 416
961
ÖDIPUS.
Vorlage S. 417
962
Wie, Frau, erfasst so plötzlich bei der Rede mir
Vorlage S. 417
963
Den Geist Verirrung, welcher Angstaufruhr den Mut?
Vorlage S. 417
964
IOKASTE.
Vorlage S. 417
965
Von welchen Schreckenssorgen sprichst du aufgeregt?
Vorlage S. 417
966
ÖDIPUS.
Vorlage S. 417
967
Mich dünkt, du sagtest, dass der König Laios
Vorlage S. 417
968
Auf dreigespaltnem Landesweg daniederfiel.
Vorlage S. 417
969
IOKASTE.
Vorlage S. 417
970
So klang die Nachricht und verscholl noch immer nicht.
Vorlage S. 417
971
ÖDIPUS.
Vorlage S. 417
972
Wo aber liegt die Gegend, wo dies Leid geschah?
Vorlage S. 417
973
IOKASTE.
Vorlage S. 417
974
Es heißet Phokis jenes Land. Der Scheideweg
Vorlage S. 417
975
Kommt her von Delphi dort zugleich und Daulia.
Vorlage S. 417
976
ÖDIPUS.
Vorlage S. 417
977
Und welcher Zeitlauf rann daher seit jener Tat?
Vorlage S. 417
978
IOKASTE.
Vorlage S. 417
979
Nur kurz bevor du selber dich hervorgetan
Vorlage S. 417
980
Zu unsrer Herrschaft, ward der Stadt es angesagt.
Vorlage S. 417
981
ÖDIPUS.
Vorlage S. 417
982
Zeus, welchen Ratschluß hast du nun auf mich gefasst?
Vorlage S. 417
983
IOKASTE.
Vorlage S. 417
984
Wie geht dir solches, Ödipus, dem Mute nah?
Vorlage S. 417
985
ÖDIPUS.
Vorlage S. 417
986
Nicht frage dieses. Aber sprich, wie Laios
Vorlage S. 417
987
Gestaltet damals war zu sehn, wie hoch bejahrt.
Vorlage S. 417
988
IOKASTE.
Vorlage S. 417
989
Groß war er, weißlich eben ihm umblüht das Haupt;
Vorlage S. 417
990
Von deinem Ansehn war er nicht gar weit entfernt.
Vorlage S. 417
991
ÖDIPUS.
Vorlage S. 417
992
O Schrecken, weh! So hab ich heut in schweren Fluch,
Vorlage S. 417
993
Vielleicht im Irrtum, selber mich hinabgestürzt?!
Vorlage S. 417
994
IOKASTE.
Vorlage S. 417
995
Wie dieses? Zagend schau ich, Fürst, dein Angesicht.
Vorlage S. 417
996
ÖDIPUS.
Vorlage S. 417
997
Ich wanke schrecklich, ob der Greis nicht sehend sei.
Vorlage S. 417
998
Und klar erscheint es, wenn du eins noch sagen wirst.
Vorlage S. 417
999
IOKASTE.
Vorlage S. 417
1000
Zwar Graun erfasst mich, doch verkünd ich, was du fragst.
Vorlage S. 417
1001
ÖDIPUS.
Vorlage S. 417
1002
Entzog er schwach umgeben, oder folget' ihm
Vorlage S. 417
1003
Zahlreiche Kriegsschar, wie dem Heergebieter ziemt?
Vorlage S. 417
1004
IOKASTE.
Vorlage S. 417
1005
Sie waren fünf zusammen, und darunter ein
Vorlage S. 417
1006
Herold; den König aber trug ein Wagen nur.
Vorlage S. 417
1007
ÖDIPUS.
Vorlage S. 417
1008
Weh, weh! Es zeiget sich alles klar! Wer aber war's,
Vorlage S. 417
1009
Der solche Botschaft, Frau, davon hierhergebracht?
Vorlage S. 417
1010
IOKASTE.
Vorlage S. 417
1011
Ein Diener, welcher ganz allein entronnen kam.
Vorlage S. 417
1012
ÖDIPUS.
Vorlage S. 417
1013
Und wär in unserm Hause jetzt derselbe noch?
Vorlage S. 417
1014
IOKASTE.
Vorlage S. 417
1015
Nicht mehr. Sobald er, rückgekehrt, die Herrschermacht
Vorlage S. 417
1016
In deiner Hand sah und vernichtet Laios,
Vorlage S. 417
1017
So fleht' er, eifrig mir die Hand ergreifend, ihn
Vorlage S. 417
1018
Aufs Land zu senden nach der Herden Weiden hin,
Vorlage S. 417
1019
So weit wie möglich aus der Stadt Gesicht entfernt.
Vorlage S. 417
1020
Und ich entsandt ihn. Denn er war ein Diener, der
Vorlage S. 418
1021
Wohl solcher Wohltat, ja der beßren würdig war.
Vorlage S. 418
1022
ÖDIPUS.
Vorlage S. 418
1023
Wie käme dieser eilig wohl uns nun zurück?
Vorlage S. 418
1024
IOKASTE.
Vorlage S. 418
1025
Wohl mag er; aber wessenhalb begehrst du ihn?
Vorlage S. 418
1026
ÖDIPUS.
Vorlage S. 418
1027
O Frau, ich fürchte, viel zuviel sei jetzo mir
Vorlage S. 418
1028
Gesagt, warum ich jenen Mann will selber sehn.
Vorlage S. 418
1029
IOKASTE.
Vorlage S. 418
1030
So mag er kommen. Doch geziemt auch mir, o Fürst,
Vorlage S. 418
1031
Dies mitzuwissen, welches dich so schwer bedrückt.
Vorlage S. 418
1032
ÖDIPUS.
Vorlage S. 418
1033
Nicht mangle dessen, weil ich ahnungsvoll genaht
Vorlage S. 418
1034
So großem Ausschlag. Wem vertraut ich besser auch
Vorlage S. 418
1035
Als dir, wohin mich mein Geschick getrieben hat?
Vorlage S. 418
1036
Mir war Erzeuger Polybos, der Korintherfürst,
Vorlage S. 418
1037
Merope, die Dorerin, Mutter; und gehalten ward
Vorlage S. 418
1038
Ich stets der höchste Bürger dort, bevor mich traf
Vorlage S. 418
1039
Ein solcher Unfall, der verwundrungswürdig wohl,
Vorlage S. 418
1040
Doch meines Eifers sicher so nicht würdig war.
Vorlage S. 418
1041
Ein Mann, am Festmahl überfüllt von Trunkenheit,
Vorlage S. 418
1042
Rief aus, dem Vater sei ich nicht ein echter Sohn.
Vorlage S. 418
1043
Ich aber, schwer betroffen, mochte jenen Tag
Vorlage S. 418
1044
Es kaum ertragen; doch am nächsten fordert ich
Vorlage S. 418
1045
Auskunft von beiden Eltern; aber aufgebracht
Vorlage S. 418
1046
Erzürnten die dem Schmäher, dem die Red entfiel.
Vorlage S. 418
1047
Und solches war mir zwar erfreuenswert, jedoch
Vorlage S. 418
1048
Nagt' immer dieses; denn es drang zu mächtig ein.
Vorlage S. 418
1049
Drum, beiden Eltern unbemerkt, entwandert ich
Vorlage S. 418
1050
Nach Pytho. Dort entsandte meiner Frage zwar
Vorlage S. 418
1051
Mich ungewürdigt Phoibos, aber andres Leid,
Vorlage S. 418
1052
Graunvolles, unglückselges, hat er aufgedeckt:
Vorlage S. 418
1053
Beiwohnen sollt ich meiner Mutter, zeigen so
Vorlage S. 418
1054
Den Menschen abscheuwerter Art Nachkommenschaft,
Vorlage S. 418
1055
Und meines eignen Vaters Leib ermorden einst.
Vorlage S. 418
1056
Und dies vernommen, floh ich fort unzögerlich,
Vorlage S. 418
1057
Nur nach Gestirnen künftig mein Korintherland
Vorlage S. 418
1058
Ausspähend, niemals solchen unglückselgen Schimpf
Vorlage S. 418
1059
Erfüllt zu schauen dieser Vorverkündigung.
Vorlage S. 418
1060
Und so entwandernd, kam ich einst an jenen Ort,
Vorlage S. 418
1061
Wo jenes Fürsten Todessturz du angesagt.
Vorlage S. 418
1062
Und reine Wahrheit sag ich dir, o Frau: indem
Vorlage S. 419
1063
Ich jenem Kreuzweg reisend zugekommen war,
Vorlage S. 419
1064
Erschien ein Herold und ein Mann, wie eben du
Vorlage S. 419
1065
Erzählst, in solchem Roßgeschirr, gerade mir
Vorlage S. 419
1066
Entgegenkommend; und der Rosselenker trieb,
Vorlage S. 419
1067
Zusamt dem Alten, ungestüm vom Wege mich.
Vorlage S. 419
1068
Drauf jenen Wagenführer, der mich drängte, schlug
Vorlage S. 419
1069
Ich rasch im Jähzorn. Doch der Greis, sobald er mich
Vorlage S. 419
1070
Zum Wagen sieht anschreiten, zielt scharf her und trifft
Vorlage S. 419
1071
Mit dopplem Stachelstabe gleich den Scheitel mir.
Vorlage S. 419
1072
Und nicht mit gleichem büßt' er; sondern ungesäumt
Vorlage S. 419
1073
Vom Stab gerührt aus diesen Händen, ward er schnell
Vorlage S. 419
1074
Aus seinem Fuhrsitz hinter sich hinabgewälzt;
Vorlage S. 419
1075
Und dann erschlag ich alle. Wenn mit Laios
Vorlage S. 419
1076
Nun je Gemeinschaft diesem Unbekannten war,
Vorlage S. 419
1077
Wer aller Menschen wäre fluchbeladener,
Vorlage S. 419
1078
Mehr gottverabscheut wer sodann als dieser hier,
Vorlage S. 419
1079
Den nicht ein Gastfreund ferner, nicht ein Bürger mehr
Vorlage S. 419
1080
In seine Wohnung nehmen, nicht anreden darf,
Vorlage S. 419
1081
Nein, alle von sich stoßen? Und kein anderer,
Vorlage S. 419
1082
Nur ich belegte selber mich mit solchem Fluch.
Vorlage S. 419
1083
Des Toten Ehbett aber wird in meinem Arm,
Vorlage S. 419
1084
Der jenen schlug, besudelt. Bin ich schnöde nicht?
Vorlage S. 419
1085
Nicht ganz und gar unheilig, wenn ich flüchten muss
Vorlage S. 419
1086
Und flüchtig, unstet nimmer darf den Meinen nahn
Vorlage S. 419
1087
Noch wiederschaun mein Vaterland; sonst drohet mir
Vorlage S. 419
1088
Der Mutter Ehbund, sonst ermord ich Polybos,
Vorlage S. 419
1089
Den Verehrten, der mich zeuget' und mich auferzog?
Vorlage S. 419
1090
Wer wildem Schicksalsgrimme nun das alles mir
Vorlage S. 419
1091
Zuschriebe, dächte dieser nicht untadelhaft?
Vorlage S. 419
1092
Niemalen, niemals, aller Götter heilge Macht!
Vorlage S. 419
1093
Erblick ich solchen Schreckenstag. Eh mög ich aus
Vorlage S. 419
1094
Der Menschen Anblick schwinden, eh ich schauen muss,
Vorlage S. 419
1095
Dass wahr heraneilt solchen Wehs Besudelung!
Vorlage S. 419
1096
CHOR.
Vorlage S. 419
1097
Wir zwar, o Herrscher, zagen sehr; bevor jedoch
Vorlage S. 419
1098
Du hier den Hirten ausgeforscht, verzweifle nicht.
Vorlage S. 419
1099
ÖDIPUS.
Vorlage S. 420
1100
An dieser Hoffnung halt ich auch mich ganz allein;
Vorlage S. 420
1101
Den herberufnen Hirten nur erwart ich noch.
Vorlage S. 420
1102
IOKASTE.
Vorlage S. 420
1103
Und wenn er ankommt, welchen Mut gewähret er?
Vorlage S. 420
1104
ÖDIPUS.
Vorlage S. 420
1105
Dies will ich sagen. Findet gleich sein Reden sich
Vorlage S. 420
1106
Mit dir, so mag ich dieser Schreckensnot entgehn.
Vorlage S. 420
1107
IOKASTE.
Vorlage S. 420
1108
Und was vernahmst du nun von mir so Mächtiges?
Vorlage S. 420
1109
ÖDIPUS.
Vorlage S. 420
1110
Gemeldet, sagst du, hab er, dass den König dort
Vorlage S. 420
1111
Erschlug ein Raubgesindel. Wenn er jetzt noch
Vorlage S. 420
1112
Von solcher Anzahl redet, dann war ich es nicht;
Vorlage S. 420
1113
Denn nimmer wird ja vielen einer gleich gezählt.
Vorlage S. 420
1114
Doch wenn er einen einzgen Mann ansagt, sodann
Vorlage S. 420
1115
Fällt diese Mordtat offenbar auf mich herab.
Vorlage S. 420
1116
IOKASTE.
Vorlage S. 420
1117
Nun, dass die Rede so erschien, sei ganz gewiss,
Vorlage S. 420
1118
Und nicht verwerfen darf er dies veränderlich.
Vorlage S. 420
1119
Denn alle Bürger hörten's an, nicht ich allein.
Vorlage S. 420
1120
Doch spricht er abgewendet auch um weniges,
Vorlage S. 420
1121
Deshalb, o König, sagt er nicht des Laios
Vorlage S. 420
1122
Tod recht genau zutreffend, wie es Loxias
Vorlage S. 420
1123
Kundmachte: sterben müß er einst durch meinen Sohn.
Vorlage S. 420
1124
Nun aber konnt ihn jener Unglückselige
Vorlage S. 420
1125
Nie morden, sondern kam zuvor ja selber um;
Vorlage S. 420
1126
Dass weder hierher künftig Schicksalskunde mir
Vorlage S. 420
1127
Noch wieder dorthin meinen Blick abwenden mag.
Vorlage S. 420
1128
ÖDIPUS.
Vorlage S. 420
1129
Du redest weislich. Aber doch den Bauer nun
Vorlage S. 420
1130
Send aus daherzurufen; dies versäume nicht.
Vorlage S. 420
1131
IOKASTE.
Vorlage S. 420
1132
Ich sende schleunig. Aber komm ins Haus hinein!
Vorlage S. 420
1133
Denn nimmer etwas tu ich, das nicht dir geliebt.
Vorlage S. 420
1134
Beide ab.
Vorlage S. 420
1135
Erste Strophe
Vorlage S. 420
1136
CHOR.
Vorlage S. 420
1137
Mich leite solch Los beständig,
Vorlage S. 420
1138
Reiner Wort hochheilge Scheu zu halten stets
Vorlage S. 420
1139
Und aller Handlung – der Gesetze vorstehn,
Vorlage S. 420
1140
Schreitend in Lufthöhn, in des Äthers
Vorlage S. 420
1141
Himmlischem Bezirk nur erzeugt vom Vater
Vorlage S. 420
1142
Olympos' allein, die nicht Menschen
Vorlage S. 420
1143
In Vergänglichkeit gebaren, weder
Vorlage S. 420
1144
Schläfert sie jemalen die Zukunft ein:
Vorlage S. 420
1145
Es erfüllt Gott kräftig sie,
Vorlage S. 421
1146
Nimmerdar alternd.
Vorlage S. 421
1147
Erste Gegenstrophe
Vorlage S. 421
1148
Hochmut gebiert frechen Herrscher.
Vorlage S. 421
1149
Ward von hochmutblinder Tat er überfüllt,
Vorlage S. 421
1150
Von ungehörig nimmerdar beglückter,
Vorlage S. 421
1151
Steilester Höhn drohenden Hang dann
Vorlage S. 421
1152
Steiget er empor und entstürzt in Elend,
Vorlage S. 421
1153
Wo nimmer des Fußes Tritt aushilft.
Vorlage S. 421
1154
Den Erretterkampf der Stadt jedoch nun
Vorlage S. 421
1155
Trümmere niemals mir die Gottheit hin!
Vorlage S. 421
1156
Es verlaß niemals mich
Vorlage S. 421
1157
Göttlich Obwalten!
Vorlage S. 421
1158
Zweite Strophe
Vorlage S. 421
1159
Aber welcher mit frechen Händen
Vorlage S. 421
1160
Oder Worten übertritt,
Vorlage S. 421
1161
Nicht Dike befürchtend, weder
Vorlage S. 421
1162
Göttersitz in Ehren hält,
Vorlage S. 421
1163
Schreckvolles Verderben treff ihn
Vorlage S. 421
1164
Für verruchte Lüsternheit.
Vorlage S. 421
1165
Wofern er unrecht Truggewinn gewinnet
Vorlage S. 421
1166
Und nicht das Abscheuvolle flieht,
Vorlage S. 421
1167
Was unverletzlich aber, frech betastet –
Vorlage S. 421
1168
Der Menschen wer mag sodann
Vorlage S. 421
1169
Abwehren seinem Mut
Vorlage S. 421
1170
Der Seele Zornpfeil? Denn wofern
Vorlage S. 421
1171
Dergleichen Handlung ehrenwert,
Vorlage S. 421
1172
Was feir ich Gesänge?
Vorlage S. 421
1173
Zweite Gegenstrophe
Vorlage S. 421
1174
Nimmermehr zu dem unberührten
Vorlage S. 421
1175
Erdennabel wall ich fromm,
Vorlage S. 421
1176
Nie mehr zum Abaiertempel,
Vorlage S. 421
1177
Nimmer nach Olympia,
Vorlage S. 421
1178
Wenn solches sich augenscheinlich
Vorlage S. 421
1179
Nicht dem Menschenstamm enthüllt.
Vorlage S. 422
1180
Doch dir, Gewaltger, wenn man recht dich anruft:
Vorlage S. 422
1181
Allherrscher Zeus! sei's nicht bedeckt
Vorlage S. 422
1182
Noch deiner stets endlosen, heilgen Herrschaft!
Vorlage S. 422
1183
Denn schwindend wird Laios'
Vorlage S. 422
1184
Uraltes Götterwort
Vorlage S. 422
1185
Hinweggeworfen; nimmer strahlt
Vorlage S. 422
1186
Nunmehr Apollons Ehrenglanz;
Vorlage S. 422
1187
Hinsinket die Gottheit!
Vorlage S. 422
1188
Iokaste tritt auf.
Vorlage S. 422
1189
IOKASTE.
Vorlage S. 422
1190
Des Landes Herrscher, meinem Sinn gemutete
Vorlage S. 422
1191
Zu Göttertempeln hinzugehn, in meiner Hand
Vorlage S. 422
1192
Hier Kränz und Gaben dieser Opferspezerein.
Vorlage S. 422
1193
Zu hoch ja treibet Ödipus den Mut empor
Vorlage S. 422
1194
Mit tausendfältgen Sorgen und ermisset nicht,
Vorlage S. 422
1195
Wie sonst, verständig Neues nach Vergangenem.
Vorlage S. 422
1196
Bloß steht er jeder Rede, wenn sie Schrecken bringt.
Vorlage S. 422
1197
Weil guter Zuspruch also nichts mir fruchten will,
Vorlage S. 422
1198
So bring ich, Fürst Lykeios, dir, dem nächsten Gott,
Vorlage S. 422
1199
Erbarmenflehend diese Weihverehrungen,
Vorlage S. 422
1200
Auf dass du heilig lösest dies verworrne Leid,
Vorlage S. 422
1201
Weil alle zagen, durch Besinnungslosigkeit
Vorlage S. 422
1202
Gelähmt erblickend unsres Schiffes Steuermann.
Vorlage S. 422
1203
Ein Bote tritt auf.
Vorlage S. 422
1204
BOTE.
Vorlage S. 422
1205
Erführ ich etwa, Freunde, wohl, von euch belehrt,
Vorlage S. 422
1206
Wo hier die Wohnung eures Königs Ödipus?
Vorlage S. 422
1207
Doch lieber, wenn ihr könntet, weist ihn selber nach.
Vorlage S. 422
1208
CHOR.
Vorlage S. 422
1209
Sein Dach ist dieses; selbst, o Fremdling, er darin,
Vorlage S. 422
1210
Und seiner Kinder Mutter ist hier diese Frau.
Vorlage S. 422
1211
BOTE.
Vorlage S. 422
1212
Beglücket sei sie und Beglückten immerdar
Vorlage S. 422
1213
Gesellet, ist sie jenes Manns vollkommnes Weib.
Vorlage S. 422
1214
IOKASTE.
Vorlage S. 422
1215
Nicht minder, Freund, du selber; würdig bist du des
Vorlage S. 422
1216
Des guten Zuspruchs wegen. Doch enthülle, was
Vorlage S. 422
1217
Du kommst begehrend oder was verkündigend.
Vorlage S. 422
1218
BOTE.
Vorlage S. 423
1219
Glückreiche Botschaft deinem Haus und Gatten, Frau.
Vorlage S. 423
1220
IOKASTE.
Vorlage S. 423
1221
Wie lautet diese? Wer der Menschen sandte dich?
Vorlage S. 423
1222
BOTE.
Vorlage S. 423
1223
Das Land Korinthos. Freuen wird dich sicher, was
Vorlage S. 423
1224
Ich melden will – wie anders? –, doch betrüben auch.
Vorlage S. 423
1225
IOKASTE.
Vorlage S. 423
1226
Was ist es? Welche Doppelkraft besitzt es denn?
Vorlage S. 423
1227
BOTE.
Vorlage S. 423
1228
Zum König will ihn jenes Volk des isthmischen
Vorlage S. 423
1229
Gebietes nun einsetzen. Dort erscholl es so.
Vorlage S. 423
1230
IOKASTE.
Vorlage S. 423
1231
Wie? Führet nicht der greise Polybos mehr die Macht?
Vorlage S. 423
1232
BOTE.
Vorlage S. 423
1233
Wohl nicht, dieweil ihn fest im Grabe der Tod verschließt.
Vorlage S. 423
1234
IOKASTE.
Vorlage S. 423
1235
Wie sagst du? Polybos starb dahin?
Vorlage S. 423
1236
BOTE.
Vorlage S. 423
1237
Wofern ich nicht
Vorlage S. 423
1238
Wahrhaftig dies verkünde, sei ich todeswert.
Vorlage S. 423
1239
IOKASTE.
Vorlage S. 423
1240
Oh, gehst du, Mädchen, eilig nicht hinein, dem Herrn
Vorlage S. 423
1241
Dies anzumelden? – Hohe Göttersprüche, wo
Vorlage S. 423
1242
Seid ihr? Es floh ja diesen bebend Ödipus,
Vorlage S. 423
1243
Ihn nicht zu töten, lange Zeit; und jetzo fiel
Vorlage S. 423
1244
Durch eignes Schicksal jener, nicht von seiner Hand.
Vorlage S. 423
1245
Ödipus tritt auf.
Vorlage S. 423
1246
ÖDIPUS.
Vorlage S. 423
1247
O meiner liebsten Gattin, sprich, Iokastes Haupt,
Vorlage S. 423
1248
Was hast du schnell mich aus dem Haus herbeigeholt?
Vorlage S. 423
1249
IOKASTE.
Vorlage S. 423
1250
Von diesem Mann dort höre; dann betrachte selbst,
Vorlage S. 423
1251
Wo bleibt der Gottheit hehre Vorverkündigung.
Vorlage S. 423
1252
ÖDIPUS.
Vorlage S. 423
1253
Wer aber ist denn dieser? Was verkündet er?
Vorlage S. 423
1254
IOKASTE.
Vorlage S. 423
1255
Ihn schickt Korinthos, meldend, dass dein Vater dort,
Vorlage S. 423
1256
Polybos, dahin ist, durch den Tod hinweggerafft.
Vorlage S. 423
1257
ÖDIPUS.
Vorlage S. 423
1258
Wie sagst du, Fremdling? Künde selbst mir dieses an.
Vorlage S. 423
1259
BOTE.
Vorlage S. 423
1260
Wofern ich deutlich dieses erst anmelden soll,
Vorlage S. 423
1261
So wisse: jener schritt den letzten Todesgang.
Vorlage S. 423
1262
ÖDIPUS.
Vorlage S. 423
1263
Und wie? Von Arglist oder Krankheitslos getilgt?
Vorlage S. 423
1264
BOTE.
Vorlage S. 423
1265
Ein kleiner Anstoß schläfert ein den alten Leib.
Vorlage S. 423
1266
ÖDIPUS.
Vorlage S. 423
1267
So scheint es, Krankheit nahm den armen Greis dahin.
Vorlage S. 423
1268
BOTE.
Vorlage S. 423
1269
Nachdem er langer Zeiten Maß doch angefüllt.
Vorlage S. 423
1270
ÖDIPUS.
Vorlage S. 423
1271
Weh, weh! Wozu denn, Gattin, dient Erkundigung
Vorlage S. 423
1272
Bei Pythos Seherherde, bei dem Vogelschwarm,
Vorlage S. 423
1273
Der hoch dahertönt, deren Weisheitsrat gedroht,
Vorlage S. 423
1274
Den Vater sollt ich morden einst, der nun verhüllt
Vorlage S. 423
1275
Von tiefem Erdreich liegt? Und ich war ruhig hier,
Vorlage S. 423
1276
Kein Schwert berührend; hat ihn nicht nach mir verzehrt
Vorlage S. 424
1277
Sein Sehnen, freilich fand er dann durch mich den Tod.
Vorlage S. 424
1278
Doch jede mir erschollne Gottverkündigung
Vorlage S. 424
1279
Folgt' hin zum Hades jenem Greis, nichtswert und leer.
Vorlage S. 424
1280
IOKASTE.
Vorlage S. 424
1281
Und hab ich dieses lange nicht vorhergesagt?
Vorlage S. 424
1282
ÖDIPUS.
Vorlage S. 424
1283
Ich weiß es. Mich nur hatte Furcht zu sehr verführt.
Vorlage S. 424
1284
IOKASTE.
Vorlage S. 424
1285
Wirf also künftig solches nicht in deinen Mut.
Vorlage S. 424
1286
ÖDIPUS.
Vorlage S. 424
1287
Und muss ich dennoch nicht das Bett der Mutter scheun?
Vorlage S. 424
1288
IOKASTE.
Vorlage S. 424
1289
Was soll der Mensch denn fürchten, dem nur blindes Los
Vorlage S. 424
1290
Obherrscht und Vorschau nimmer hell gegeben ist?
Vorlage S. 424
1291
Am besten lebst du, wie du kannst, sorglos dahin.
Vorlage S. 424
1292
Drum fürchte nicht mehr deiner Mutter Ehebett.
Vorlage S. 424
1293
Mit ihren Müttern schliefen viel der Menschen ja
Vorlage S. 424
1294
Bereits in Täuschungsträumen; doch wer solcherlei
Vorlage S. 424
1295
Für nichts beachtet, trägt allein das Leben leicht.
Vorlage S. 424
1296
ÖDIPUS.
Vorlage S. 424
1297
Gut wäre freilich alles dies, o Frau, gesagt,
Vorlage S. 424
1298
Wenn nicht die Mutter lebte. Da sie lebet, muss
Vorlage S. 424
1299
Ich, sprachst du noch so richtig, doch notwendig fliehn.
Vorlage S. 424
1300
IOKASTE.
Vorlage S. 424
1301
Wohl ist ein helles Auge dir des Vaters Grab.
Vorlage S. 424
1302
ÖDIPUS.
Vorlage S. 424
1303
Ein helles wahrlich. Doch es schreckt die Lebende.
Vorlage S. 424
1304
BOTE.
Vorlage S. 424
1305
Von welcher Frau denn fürchtet ihr so Schreckliches?
Vorlage S. 424
1306
ÖDIPUS.
Vorlage S. 424
1307
O Greis, von Merope, die des Polybos Gattin war.
Vorlage S. 424
1308
BOTE.
Vorlage S. 424
1309
Was aber bringt euch solche Furcht herbei von ihr?
Vorlage S. 424
1310
ÖDIPUS.
Vorlage S. 424
1311
Ein gottgesandter grauser Schicksalsspruch, o Freund.
Vorlage S. 424
1312
BOTE.
Vorlage S. 424
1313
Geheimer? Oder ständ er mir zu wissen frei?
Vorlage S. 424
1314
ÖDIPUS.
Vorlage S. 424
1315
Vollkommen. Einstmals sagte dies mir Loxias:
Vorlage S. 424
1316
Der Mutter Ehbett müß ich noch besteigen und
Vorlage S. 424
1317
Ausgießen meines Vaters Blut mit meiner Hand,
Vorlage S. 424
1318
Weshalb ich aus Korinthos lange Zeit bereits
Vorlage S. 424
1319
In fernes Land ging; zwar beglückt, doch bleibet stets
Vorlage S. 424
1320
Kein süßrer Anblick, als der Eltern Auge schaun.
Vorlage S. 424
1321
BOTE.
Vorlage S. 424
1322
Und, dieses scheuend, bist du dort hinweggeflohn?
Vorlage S. 424
1323
ÖDIPUS.
Vorlage S. 424
1324
Um je des Vaters Mörder nicht zu werden, Greis.
Vorlage S. 424
1325
BOTE.
Vorlage S. 424
1326
Und brachte solchem Zagen ich, o Herrscher, denn,
Vorlage S. 424
1327
In treuer Absicht kommend, nicht Beruhigung?
Vorlage S. 424
1328
ÖDIPUS.
Vorlage S. 424
1329
Auch sollst du wahrlich würdgen Lohn empfahn dafür.
Vorlage S. 424
1330
BOTE.
Vorlage S. 425
1331
Auch kam ich drum vorzüglich, dass du, rückgekehrt
Vorlage S. 425
1332
Zu deiner Heimat, Gutes mir gewähretest.
Vorlage S. 425
1333
ÖDIPUS.
Vorlage S. 425
1334
Doch nicht betret ich meiner Eltern Aufenthalt.
Vorlage S. 425
1335
BOTE.
Vorlage S. 425
1336
Sohn, deutlich zeigst du deines Tuns unwissend dich.
Vorlage S. 425
1337
ÖDIPUS.
Vorlage S. 425
1338
Wie dieses, Alter? Bei den Göttern, sag es mir!
Vorlage S. 425
1339
BOTE.
Vorlage S. 425
1340
Wofern die Heimat ihrethalb du meiden willst.
Vorlage S. 425
1341
ÖDIPUS.
Vorlage S. 425
1342
Ich bebe, wahrhaft geh' Apollons Wort hinaus.
Vorlage S. 425
1343
BOTE.
Vorlage S. 425
1344
Dass deiner Eltern Greuel noch dich treffen wird?
Vorlage S. 425
1345
ÖDIPUS.
Vorlage S. 425
1346
Dies eben, Alter, dieses schreckt mich immerdar.
Vorlage S. 425
1347
BOTE.
Vorlage S. 425
1348
Nun, weißt du endlich, dass du nie mit Recht gebebt?
Vorlage S. 425
1349
ÖDIPUS.
Vorlage S. 425
1350
Wieso, wofern ich meiner Eltern Sohn entsproß?
Vorlage S. 425
1351
BOTE.
Vorlage S. 425
1352
Weil nimmer Polybos deinem Blut verbunden war.
Vorlage S. 425
1353
ÖDIPUS.
Vorlage S. 425
1354
Wie sagst du? Polybos hätte denn mich nicht erzeugt?
Vorlage S. 425
1355
BOTE.
Vorlage S. 425
1356
Wahrhaftig gleich mir selber, doch mitnichten mehr.
Vorlage S. 425
1357
ÖDIPUS.
Vorlage S. 425
1358
Nicht mehr der Vater als der unbekannte Mann?
Vorlage S. 425
1359
BOTE.
Vorlage S. 425
1360
Ja; denn es zeugte weder der noch jener dich.
Vorlage S. 425
1361
ÖDIPUS.
Vorlage S. 425
1362
Weswegen aber hat er stets mich Sohn genannt?
Vorlage S. 425
1363
BOTE.
Vorlage S. 425
1364
Dieweil er, wisse, dich von mir als Gabe nahm.
Vorlage S. 425
1365
ÖDIPUS.
Vorlage S. 425
1366
Von fremder Hand denn hat er mich so sehr geliebt?
Vorlage S. 425
1367
BOTE.
Vorlage S. 425
1368
Ihn trieb zu solchem lange Kinderlosigkeit.
Vorlage S. 425
1369
ÖDIPUS.
Vorlage S. 425
1370
Und warest du mein Käufer oder Erzeuger selbst?
Vorlage S. 425
1371
BOTE.
Vorlage S. 425
1372
Ich fand dich einst in Kithairons tiefer Waldesschlucht.
Vorlage S. 425
1373
ÖDIPUS.
Vorlage S. 425
Historische Darstellung von Sophokles
Kontextbild zum Werk. Historische Darstellung von Sophokles — Spätere künstlerische Darstellung; kein gesichertes Bildnis aus dem Leben. · Zde · CC BY-SA 4.0 Bildquelle ↗
1374
Weswegen kamst du wandernd denn an jenen Ort?
Vorlage S. 425
1375
BOTE.
Vorlage S. 425
1376
Daselbst des Bergwalds Herden war ich vorgesetzt.
Vorlage S. 425
1377
ÖDIPUS.
Vorlage S. 425
1378
Ein Hirte warst du, welcher arm umschweifend dient'?
Vorlage S. 425
1379
BOTE.
Vorlage S. 425
1380
Dein Retter dennoch war ich, Sohn, zu jener Zeit.
Vorlage S. 425
1381
ÖDIPUS.
Vorlage S. 425
1382
Von welchen Übeln trafst du denn mich dort bedrängt?
Vorlage S. 425
1383
BOTE.
Vorlage S. 425
1384
Die Fußgelenke mögen des dir Zeugen sein.
Vorlage S. 425
1385
ÖDIPUS.
Vorlage S. 425
1386
Weh! Was erwähnst du jetzo mir das alte Leid?
Vorlage S. 425
1387
BOTE.
Vorlage S. 425
1388
Der Füße ganz durchbohrte Fersen löst ich dir.
Vorlage S. 425
1389
ÖDIPUS.
Vorlage S. 425
1390
Schmachvoll Erkennungszeichen ward mir beigetan!
Vorlage S. 425
1391
BOTE.
Vorlage S. 425
1392
So dass der Unfall dir annoch den Namen gibt.
Vorlage S. 425
1393
ÖDIPUS.
Vorlage S. 425
1394
Vom Vater oder der Mutter? Bei den Göttern, sprich!
Vorlage S. 425
1395
BOTE.
Vorlage S. 425
1396
Ich weiß es nicht. Mehr wüßt es, wer dich reichte mir.
Vorlage S. 425
1397
ÖDIPUS.
Vorlage S. 425
1398
Von andern nahmst du, fandest nicht mich selber auf?
Vorlage S. 425
1399
BOTE.
Vorlage S. 425
1400
Nein. Denn es gab dich mir ein andrer Hirte dort.
Vorlage S. 425
1401
ÖDIPUS.
Vorlage S. 425
1402
Und wer? Entdeckst du etwa den mit Worten uns?
Vorlage S. 425
1403
BOTE.
Vorlage S. 426
1404
Ein Diener Laios' ward er, weiß ich wohl, genannt.
Vorlage S. 426
1405
ÖDIPUS.
Vorlage S. 426
1406
Wie? Jenes Königs, welcher einst dies Land beherrscht?
Vorlage S. 426
1407
BOTE.
Vorlage S. 426
1408
Desselben. Dieses Mannes Hirt war jener dort.
Vorlage S. 426
1409
ÖDIPUS.
Vorlage S. 426
1410
Und ist er noch am Leben, ihn allhier zu sehn?
Vorlage S. 426
1411
BOTE.
Vorlage S. 426
1412
Am besten müsst ihr's wissen, Ingeborene.
Vorlage S. 426
1413
ÖDIPUS.
Vorlage S. 426
1414
Ist euer jemand, welche stehn ringsum gedrängt,
Vorlage S. 426
1415
Der weiß den Hirten, dessen jetzt der Mann gedacht,
Vorlage S. 426
1416
Und auf den Feldern oder auch ihn hier gesehn?
Vorlage S. 426
1417
Der meld es. Denn dies aufzuhüllen drängt die Zeit.
Vorlage S. 426
1418
CHOR.
Vorlage S. 426
1419
Kein andrer, mein ich, wär es als vom Felde der,
Vorlage S. 426
1420
Auf dessen Anblick lange schon du harrst, jedoch
Vorlage S. 426
1421
Iokaste sagt es sicher dir am besten an.
Vorlage S. 426
1422
ÖDIPUS.
Vorlage S. 426
1423
Frau, meinst du, jener, welchem wir nur jetzt Gebot,
Vorlage S. 426
1424
Herbeizukommen, sandten, sei, den dieser sagt?
Vorlage S. 426
1425
IOKASTE.
Vorlage S. 426
1426
Wen sagte dieser? Nicht beachte dies. Und was
Vorlage S. 426
1427
Ich unbedacht gesprochen, des entschlage dich.
Vorlage S. 426
1428
ÖDIPUS.
Vorlage S. 426
1429
Fern sei ja solches, dass ich nicht, solch Zeichen nun
Vorlage S. 426
1430
Empfangend, gänzlich mein Geschlecht enthüllen soll.
Vorlage S. 426
1431
IOKASTE.
Vorlage S. 426
1432
Nicht, bei den Göttern, wenn das eigne Leben dir
Vorlage S. 426
1433
Anliegt, erkund es. Gnüge mein erkrankter Mut.
Vorlage S. 426
1434
ÖDIPUS.
Vorlage S. 426
1435
Nichts fürchte. Zeig ich nach der dritten Mutter mich
Vorlage S. 426
1436
Dreifacher Knecht auch, nimmer schienest du gering.
Vorlage S. 426
1437
IOKASTE.
Vorlage S. 426
1438
Ich flehe dennoch, folge mir! Tu solches nicht!
Vorlage S. 426
1439
ÖDIPUS.
Vorlage S. 426
1440
Wohl nimmer folgt ich, dieses hell nicht einzusehn.
Vorlage S. 426
1441
IOKASTE.
Vorlage S. 426
1442
Doch, treu gesonnen, rat ich nur das Beste dir.
Vorlage S. 426
1443
ÖDIPUS.
Vorlage S. 426
1444
Dies Beste quält mich eben längst belästigend.
Vorlage S. 426
1445
IOKASTE.
Vorlage S. 426
1446
Ach, Armer, dass du nimmer wüsstest, wer du bist!
Vorlage S. 426
1447
ÖDIPUS.
Vorlage S. 426
1448
Führt keiner endlich jenen Hirtenmann daher?
Vorlage S. 426
1449
Ihr aber lasst nur ihres hohen Stammes Lust.
Vorlage S. 426
1450
IOKASTE.
Vorlage S. 426
1451
O weh, o weh, Unselger! Dies nur bleibet dir
Vorlage S. 426
1452
Mein einzger Zuruf, nimmermehr ein andrer noch.
Vorlage S. 426
1453
Ab.
Vorlage S. 426
1454
CHOR(FÜHRER).
Vorlage S. 426
1455
Warum enteilet, Ödipus, davongejagt
Vorlage S. 426
1456
Von grimmen Ängsten, diese Frau? Schon sorg ich nun,
Vorlage S. 426
1457
Es brech aus Schweigen noch ein Unheilschlag heraus!
Vorlage S. 426
1458
ÖDIPUS.
Vorlage S. 426
1459
Was immer will auch, brech heraus. Sehn will ich doch,
Vorlage S. 426
1460
Und wär's gering nur, mein Geschlecht uneingehüllt.
Vorlage S. 426
1461
Doch sie gewißlich, als ein hochmutvolles Weib,
Vorlage S. 427
1462
Befürchtet schamvoll meines Stamms Unwürdigkeit.
Vorlage S. 427
1463
Ich aber, Tyches Sprossen selbst mich haltend, die
Vorlage S. 427
1464
Mir reichlich austeilt, werde drum nicht schandenwert.
Vorlage S. 427
1465
Denn diese war mir Mutter, und es haben mich
Vorlage S. 427
1466
Verwandte Monden groß und klein hervorgestellt.
Vorlage S. 427
1467
Von solcher Abkunft, werd ich so entartet nie
Vorlage S. 427
1468
Befunden, dass ich meinen Stamm nicht forschete.
Vorlage S. 427
1469
Strophe
Vorlage S. 427
1470
CHOR.
Vorlage S. 427
1471
Wohnet in mir Seherahnung
Vorlage S. 427
1472
Und Verstand in meinem Sinn,
Vorlage S. 427
1473
Nimmer entbehren, Kithairon,
Vorlage S. 427
1474
Beim Olympos, sollst du dann,
Vorlage S. 427
1475
Wenn morgen Vollmond emporglänzt,
Vorlage S. 427
1476
Froh zu empfangen als Landsmann Ödipus'
Vorlage S. 427
1477
Meinen Preis, als Amm und Mutter,
Vorlage S. 427
1478
Und der Festreihn Lust zu teilen,
Vorlage S. 427
1479
Welcher du meinen Gebie-
Vorlage S. 427
1480
Tern Freundeshuld gereicht hast.
Vorlage S. 427
1481
Heilbringender Phoibos, sei
Vorlage S. 427
1482
Auch dir genehm solches!
Vorlage S. 427
1483
Gegenstrophe
Vorlage S. 427
1484
Teueres Kind, wer gebar dich?
Vorlage S. 427
1485
Wer, die endlos lebt? Gewiss
Vorlage S. 427
1486
War der Gebirgebesteiger
Vorlage S. 427
1487
Pan der Jungfrau oder ihr
Vorlage S. 427
1488
Loxias einst froh vereint. Den
Vorlage S. 427
1489
Freun ja verwilderter Höhn Bergwaldungen.
Vorlage S. 427
1490
Oder war's Kyllenes Herrscher?
Vorlage S. 427
1491
Oder Bakchos, welcher hauset
Vorlage S. 427
1492
Oben im Gipfelgebirg,
Vorlage S. 427
1493
Gewann dich rasch von einer
Vorlage S. 427
1494
Aus Helikons Nymphenschwarm,
Vorlage S. 427
1495
Dem oft er froh mitspielt.
Vorlage S. 427
1496
ÖDIPUS.
Vorlage S. 428
1497
Vermut auch ich wohl, der ihn nie antraf, o Greis,
Vorlage S. 428
1498
Dies recht, so glaub ich jenen Hirten dort zu sehn,
Vorlage S. 428
1499
Den lange schon wir suchen, weil der Jahre Last
Vorlage S. 428
1500
Wohl übereinstimmt und mit dir zusammentrifft.
Vorlage S. 428
1501
Sonst aber kenn ich, als von meiner Dienerschaft,
Vorlage S. 428
1502
Auch seine Führer. Besser doch entscheidet hier
Vorlage S. 428
1503
Dein Wissen, wenn du schon zuvor den Mann geschaut.
Vorlage S. 428
1504
CHOR.
Vorlage S. 428
1505
Schon kenn ich ihn. Er ist es. Denn dem Laios,
Vorlage S. 428
1506
Wenn je ein andrer, war er stets ein treuer Hirt.
Vorlage S. 428
1507
Der Hirt wird herzugeführt.
Vorlage S. 428
1508
ÖDIPUS.
Vorlage S. 428
1509
Zuerst, korinthischer Fremder, dich befrag ich, ob
Vorlage S. 428
1510
Du diesen ansagst.
Vorlage S. 428
1511
BOTE.
Vorlage S. 428
1512
Diesen, den du nahe siehst.
Vorlage S. 428
1513
ÖDIPUS.
Vorlage S. 428
1514
Du Alter dorten, blicke grad hierher und sprich,
Vorlage S. 428
1515
Wonach ich frage. Warst du einst des Laios?
Vorlage S. 428
1516
HIRT.
Vorlage S. 428
1517
Knecht war ich, heimgeboren, nicht erhandelt ihm.
Vorlage S. 428
1518
ÖDIPUS.
Vorlage S. 428
1519
Und welchem Werk obliegend, welcher Lebensart?
Vorlage S. 428
1520
HIRT.
Vorlage S. 428
1521
Den Herden folgt ich meine meiste Lebenszeit.
Vorlage S. 428
1522
ÖDIPUS.
Vorlage S. 428
1523
Doch welcher Gegend allermeist hinzugesellt?
Vorlage S. 428
1524
HIRT.
Vorlage S. 428
1525
Dem Berg Kithairon nebst dem Grenzumkreise dort.
Vorlage S. 428
1526
ÖDIPUS.
Vorlage S. 428
1527
Und diesen Mann hier, kennst du den vielleicht von da?
Vorlage S. 428
1528
HIRT.
Vorlage S. 428
1529
Von welcher Tat her? Welchen Mann erfragest du?
Vorlage S. 428
1530
ÖDIPUS.
Vorlage S. 428
1531
Den hier du siehest. – Oder trafst ihn irgendwo?
Vorlage S. 428
1532
HIRT.
Vorlage S. 428
1533
Nicht, dass ich schnell es sagte nach Erinnerung.
Vorlage S. 428
1534
BOTE.
Vorlage S. 428
1535
Kein Wunder auch, o Herrscher. Doch des Dunklen will
Vorlage S. 428
1536
Ich klar ihn bald erinnern. Denn er weiß gewiss,
Vorlage S. 428
1537
Wie durch Kithairons Weidbezirk vor langer Zeit,
Vorlage S. 428
1538
Er selbst mit zwei Viehherden, ich mit einer nur,
Vorlage S. 428
1539
Vom Lenze bis Arkture stets gesellet wir
Vorlage S. 428
1540
Drei ganze Monatsfristen einst hindurchgebracht.
Vorlage S. 428
1541
Zum Winter endlich trieb zu meinen Ställen ich
Vorlage S. 428
1542
Die meinen, dieser nach den Höfen Laios'.
Vorlage S. 428
1543
Nun, sag ich wirklich oder nicht Geschehenes?
Vorlage S. 428
1544
HIRT.
Vorlage S. 428
1545
Du sagst die Wahrheit, freilich her aus langer Zeit.
Vorlage S. 428
1546
BOTE.
Vorlage S. 428
1547
Auf, rede nun. Gedenkst du, dass ein Knäbelein
Vorlage S. 428
1548
Du mir als Zögling aufzuziehn gegeben hast?
Vorlage S. 428
1549
HIRT.
Vorlage S. 429
1550
Was ist? Zu welchem Ziele fragst du diesem nach?
Vorlage S. 429
1551
BOTE.
Vorlage S. 429
1552
Der ist es, Freund, derselbe, der da Knabe war.
Vorlage S. 429
1553
HIRT.
Vorlage S. 429
1554
Nicht still? Verlorner! schweigst du nicht den Augenblick?
Vorlage S. 429
1555
ÖDIPUS.
Vorlage S. 429
1556
Ha, diesen, Alter, strafe nicht, da deinem Wort
Vorlage S. 429
1557
Mehr Strafe zukommt, wahrlich, als dem seinigen.
Vorlage S. 429
1558
HIRT.
Vorlage S. 429
1559
Doch was, der Herren Bester, was begeh ich denn?
Vorlage S. 429
1560
ÖDIPUS.
Vorlage S. 429
1561
Das Kind, dem dieser nachgeforscht, verschweigest du.
Vorlage S. 429
1562
HIRT.
Vorlage S. 429
1563
Er redet unverständig auch und leer bemüht.
Vorlage S. 429
1564
ÖDIPUS.
Vorlage S. 429
1565
Du sagst es nicht in Güte, doch mit Tränen einst!
Vorlage S. 429
1566
HIRT.
Vorlage S. 429
1567
Nicht, bei den Göttern, züchtge noch mich alten Mann!
Vorlage S. 429
1568
ÖDIPUS.
Vorlage S. 429
1569
Dreht auf den Rücken keiner ihm die Hände gleich?
Vorlage S. 429
1570
HIRT.
Vorlage S. 429
1571
Weshalb? O weh mir! Welche Kund erstrebest du?
Vorlage S. 429
1572
ÖDIPUS.
Vorlage S. 429
1573
Den Knaben gabst du diesem hin, wonach er fragt?
Vorlage S. 429
1574
HIRT.
Vorlage S. 429
1575
Ich gab ihn. Hätte doch der Tod mich eh entrafft!
Vorlage S. 429
1576
ÖDIPUS.
Vorlage S. 429
1577
Dahin gelangst du, sagst du es nicht rein heraus.
Vorlage S. 429
1578
HIRT.
Vorlage S. 429
1579
Und sag ich alles, sterb ich noch unseliger.
Vorlage S. 429
1580
ÖDIPUS.
Vorlage S. 429
1581
Der Alte, scheint es, jaget nach Verzögerung.
Vorlage S. 429
1582
HIRT.
Vorlage S. 429
1583
Nein, sicher nicht. Schon sagt ich, diesem gab ich ihn.
Vorlage S. 429
1584
ÖDIPUS.
Vorlage S. 429
1585
Woher? Und war's dein eignes oder Fremder Kind?
Vorlage S. 429
1586
HIRT.
Vorlage S. 429
1587
Mein eignes nicht. Mir war's von andern anvertraut.
Vorlage S. 429
1588
ÖDIPUS.
Vorlage S. 429
1589
Von welchem unsrer Bürger und aus welchem Haus?
Vorlage S. 429
1590
HIRT.
Vorlage S. 429
1591
Nicht, bei den Göttern, nicht, o Herr, erforsche mehr!
Vorlage S. 429
1592
ÖDIPUS.
Vorlage S. 429
1593
Verloren bist du, frag ich dies zum andernmal!
Vorlage S. 429
1594
HIRT.
Vorlage S. 429
1595
Nun wohl; entsprossen war es hier bei Laios.
Vorlage S. 429
1596
ÖDIPUS.
Vorlage S. 429
1597
Von Sklaven oder jenes echtgeborner Sohn?
Vorlage S. 429
1598
HIRT.
Vorlage S. 429
1599
O weh! Zu sagen nah ich schon dem Schrecklichen!
Vorlage S. 429
1600
ÖDIPUS.
Vorlage S. 429
1601
Und ich zu hören. Werde doch es angehört.
Vorlage S. 429
1602
HIRT.
Vorlage S. 429
1603
Sein eignes ward das Kind geheißen; drinnen sie,
Vorlage S. 429
1604
Die Gattin, sagt' am besten dir das alles an.
Vorlage S. 429
1605
ÖDIPUS.
Vorlage S. 429
1606
Es gab ihn also diese dir?
Vorlage S. 429
1607
HIRT.
Vorlage S. 429
1608
Gewiss, o Fürst.
Vorlage S. 429
1609
ÖDIPUS.
Vorlage S. 429
1610
Mit welchem Auftrag?
Vorlage S. 429
1611
HIRT.
Vorlage S. 429
1612
Dass ich ihn vernichtete.
Vorlage S. 429
1613
ÖDIPUS.
Vorlage S. 429
1614
Den eignen Säugling?
Vorlage S. 429
1615
HIRT.
Vorlage S. 429
1616
Aufgeschreckt durch Götterspruch.
Vorlage S. 429
1617
ÖDIPUS.
Vorlage S. 429
1618
Der war?
Vorlage S. 429
1619
HIRT.
Vorlage S. 429
1620
Die Eltern mord er einst, so lautet' es.
Vorlage S. 429
1621
ÖDIPUS.
Vorlage S. 430
1622
Wie aber gabst du diesem Greis ihn doch dahin?
Vorlage S. 430
1623
HIRT.
Vorlage S. 430
1624
Mitleidbewegt, o Herrscher, ihn in fremdes Land,
Vorlage S. 430
1625
Woher er selbst war, hinzutragen; aber der
Vorlage S. 430
1626
Erhielt ihn nun zum Jammer. Denn wenn du es bist,
Vorlage S. 430
1627
Den dieser aussagt, bist du unheilvoll gezeugt.
Vorlage S. 430
1628
ÖDIPUS.
Vorlage S. 430
1629
O weh, o weh! Das alles kommt ja klar heraus!
Vorlage S. 430
1630
O Licht, zum letzten Male schau ich heute dich!
Vorlage S. 430
1631
Der, wem er nimmer sollt, entsproß; umging, mit wem
Vorlage S. 430
1632
Er nimmer sollte; wen er nicht gedurft, erschlug!
Vorlage S. 430
1633
Eilt in das Haus.
Vorlage S. 430
1634
Erste Strophe
Vorlage S. 430
1635
CHOR.
Vorlage S. 430
1636
O Menschengeschlechter, weh!
Vorlage S. 430
1637
Wie muss ganz ich dem Nichts allein
Vorlage S. 430
1638
Gleich im Leben euch zählen!
Vorlage S. 430
1639
Denn welcher der Menschen, wer
Vorlage S. 430
1640
Trägt mehr Gütergenuß davon,
Vorlage S. 430
1641
Als soviel ihn der Schein erhebt,
Vorlage S. 430
1642
Bis vom Schein er hinabsinkt?
Vorlage S. 430
1643
Ja, dein warnend Geschick belehrt,
Vorlage S. 430
1644
Ja, dein zorniges, deines, ach,
Vorlage S. 430
1645
Allunglücklichster Ödipus,
Vorlage S. 430
1646
Nichts selig zu preisen!
Vorlage S. 430
1647
Erste Gegenstrophe
Vorlage S. 430
1648
Der überbewundernswert
Vorlage S. 430
1649
Traf sein Ziel und gewaltig ward
Vorlage S. 430
1650
Höchst glückreicher Besegnung,
Vorlage S. 430
1651
O Zeus, und dahingetilgt
Vorlage S. 430
1652
Dies scharfklauige Weib und ihr
Vorlage S. 430
1653
Schicksallied, dem Verderben als
Vorlage S. 430
1654
Schutzturm ragend der Landschaft:
Vorlage S. 430
1655
Weshalb König du wurdest mir
Vorlage S. 430
1656
Genannt, welcher, mit höchstem Preis
Vorlage S. 430
1657
Verehrt, Thebes gewaltger Stadt
Vorlage S. 430
1658
Obherrschend gebotest.
Vorlage S. 430
1659
Zweite Strophe
Vorlage S. 430
1660
Wer aber lebt jammervoller nun zu schaun!
Vorlage S. 431
1661
Wer mehr in Qual, in grimmvolleren Greul
Vorlage S. 431
1662
Vom Wechsellos hinabgestürzt!
Vorlage S. 431
1663
O weh, rühmlich Haupt Ödipus',
Vorlage S. 431
1664
Dem derselbe Port einst genügend war,
Vorlage S. 431
1665
Dich aufzunehmen als Kind und Kindeserzeuger auch!
Vorlage S. 431
1666
Wie denn vermocht es, wie das Saatfeld
Vorlage S. 431
1667
Des Erzeugers, Armer, ach!
Vorlage S. 431
1668
Trug es dich stillschweigend
Vorlage S. 431
1669
Lange Zeit schon?
Vorlage S. 431
1670
Zweite Gegenstrophe
Vorlage S. 431
1671
Dich zog die allsichtge Zeit mit Zwange vor,
Vorlage S. 431
1672
Die Ehe zeiht, die graunvolle, sie längst,
Vorlage S. 431
1673
Die selbst erzeuget, zeugende.
Vorlage S. 431
1674
O weh, Leidenskind Laios'!
Vorlage S. 431
1675
Hätt ich, hätt ich dich nimmerdar geschaut!
Vorlage S. 431
1676
Denn laut ertönet in ungemessenem Jammer mein
Vorlage S. 431
1677
Schreiender Mund! Und mir in Wahrheit
Vorlage S. 431
1678
Zu eratmen halfest du,
Vorlage S. 431
1679
Gabest dem Aug endlich
Vorlage S. 431
1680
Schlaferquickung.
Vorlage S. 431
1681
Ein Diener kommt aus dem Palast.
Vorlage S. 431
1682
DIENER.
Vorlage S. 431
1683
Oh, dieser Landschaft allezeit Verehrteste,
Vorlage S. 431
1684
Was sollt ihr hören, was sogleich anblicken, was
Vorlage S. 431
1685
Für Leid erheben, hegt ihr noch aufrichtig für
Vorlage S. 431
1686
Der Labdakiden Herrscherhaus Bekümmernis!
Vorlage S. 431
1687
Denn weder, mein ich, Istros weder Phasis wäscht
Vorlage S. 431
1688
Jemals mit Sühnung dieses Haus, das solcherlei
Vorlage S. 431
1689
Verbirgt. Jedoch zum Lichte kommt dies Leid sogleich,
Vorlage S. 431
1690
Freiwillig, nicht gezwungen; und der Qualen sind
Vorlage S. 431
1691
Am meisten schmerzhaft alle selbst bereiteten!
Vorlage S. 431
1692
CHOR(FÜHRER).
Vorlage S. 431
1693
Nichts fehlt den erst bereits erfahrnen wahrlich schon
Vorlage S. 431
1694
Zu schweren Seufzern. Welche fügst du jenen bei?
Vorlage S. 431
1695
DIENER.
Vorlage S. 431
1696
Vernimm der Worte schnellstes auszusprechen und
Vorlage S. 431
1697
Zu hören, dass Iokastes göttlich Haupt erblich.
Vorlage S. 431
1698
CHOR.
Vorlage S. 432
1699
O Jammerwerte! Doch vermittels welcher Schuld?
Vorlage S. 432
1700
DIENER.
Vorlage S. 432
1701
Zu eignen Händen. Doch der Unheilstat entgeht
Vorlage S. 432
1702
Dir nun das Trauervollste; denn es fehlt die Schau.
Vorlage S. 432
1703
Indes soviel nur mein Gedächtnis fassen mag,
Vorlage S. 432
1704
Vernimm die Schrecken jener Unglückseligen.
Vorlage S. 432
1705
Sobald von Wahnsinn übermannt die Halle sie
Vorlage S. 432
1706
Durcheilet, flog sie wild hinan zum Ehebett,
Vorlage S. 432
1707
Das Haar mit zwiefach starker Hand zugleich erfasst;
Vorlage S. 432
1708
Und hingelangt, stieß jene Tür sie zu und rief,
Vorlage S. 432
1709
Verschlossen drinnen, viel den toten Laios,
Vorlage S. 432
1710
Des alten Liebumfanges eingedenk, wovon
Vorlage S. 432
1711
Er sterben sollte, lassen die Gebärerin
Vorlage S. 432
1712
Zur Greuelzeugung seinem Sohn hinzugelegt;
Vorlage S. 432
1713
Und schrie das Ehbett, wo zugleich unselig sie
Vorlage S. 432
1714
Den Mann vom Manne, durch das Kind das Kind gewann!
Vorlage S. 432
1715
Nicht weiß ich aber, wie sie weiter unterging;
Vorlage S. 432
1716
Denn eingestürzt kam schreiend Ödipus, worauf
Vorlage S. 432
1717
Nun ferner niemand jener Schreckenslos ersah.
Vorlage S. 432
1718
Nur sahn wir diesen in Ängsten wild herumgejagt.
Vorlage S. 432
1719
Denn bittend irrt' er, ihm ein Schwert zu reichen, um,
Vorlage S. 432
1720
Rief nach dem Unweib, wo es ihm zu treffen sei,
Vorlage S. 432
1721
Das Doppelsaatfeld seiner und der Kinder auch!
Vorlage S. 432
1722
Und wie er umtobt', zeigt' ein Gott ihm dieses an,
Vorlage S. 432
1723
Der Männer niemand wahrlich, der ihm nahe war.
Vorlage S. 432
1724
Denn gräßlich heulend kam er, wie dahingeführt,
Vorlage S. 432
1725
Das Doppeltor anspringend; aus den Pfosten riss
Vorlage S. 432
1726
Er aus die hohlen Schlösser, und er brach hinein,
Vorlage S. 432
1727
Wo plötzlich schwebend jene Frau war anzuschaun,
Vorlage S. 432
1728
In hohes Stranggeflechte festgeknüpft. Jedoch
Vorlage S. 432
1729
Bei solchem Anblick ließ er, schwer aufbrüllend, tief
Vorlage S. 432
1730
Herab das aufgezogne Seil. Und als darauf
Vorlage S. 432
1731
Die Arme dalag, folgten Schrecken anzusehn.
Vorlage S. 432
1732
Denn aus der Frau Gewändern goldgetriebene
Vorlage S. 432
1733
Brustspangen reißend, ihre Schmuckbefestigung,
Vorlage S. 432
1734
Erhob er die und traf der Augenkreise Paar
Vorlage S. 432
1735
Mit solchem Laut: Nie sollten ihn sie wieder schaun,
Vorlage S. 432
1736
Noch was er duldet' oder was er Böses tat,
Vorlage S. 432
1737
Dass, wen sie niemals sollten, nun in Finsternis
Vorlage S. 433
1738
Sie schauten, wen er wollte, nicht erkenneten.
Vorlage S. 433
1739
Mit solchem Fluchen, hoch die Wimpern hebend, schlug
Vorlage S. 433
1740
Er mehr als einmal, und es färbten die blutigen
Vorlage S. 433
1741
Augäpfel rot die Wangen und entsandten nicht
Vorlage S. 433
1742
Des Mordes Nass nur tropfenweis, vielmehr zugleich
Vorlage S. 433
1743
Kam dunklen Blutstroms Hagelschauer herabgestürzt.
Vorlage S. 433
1744
So brach von zweien, nicht von einem aus das Leid;
Vorlage S. 433
1745
Dem Mann und seinem Weibe war gemein das Leid.
Vorlage S. 433
1746
Der altvergangne Segen auch war erst gewiss
Vorlage S. 433
1747
Ein Segen wahrhaft, aber nun an diesem Tag
Vorlage S. 433
1748
Gestöhn, Verfluchung, Schanden, Untergang; des Leids,
Vorlage S. 433
1749
Soviel nur irgend es Namen gibt, fehlt keins daran.
Vorlage S. 433
1750
CHOR.
Vorlage S. 433
1751
Ist nun Erholung diesem unglückselgen Leid?
Vorlage S. 433
1752
DIENER.
Vorlage S. 433
1753
Er schreit, das Tor zu öffnen, darzustellen ihn
Vorlage S. 433
1754
Zur Schau, den Vatermörder dem Kadmeervolk,
Vorlage S. 433
1755
Der Mutter ... Scheußliches rufend, Unaussprechliches!
Vorlage S. 433
1756
Dieweil er selbst vom Lande fort sich stößt und nicht
Vorlage S. 433
1757
Daheim verharrt, in eignen Flüchen schwer verflucht.
Vorlage S. 433
1758
Doch Stütze mangelt und der Weg Anleiter ihm
Vorlage S. 433
1759
Annoch; zu groß zu tragen ist des Übels Last.
Vorlage S. 433
1760
Auch dir enthüllt er's. Denn des Tores Schlösser tun
Vorlage S. 433
1761
Sich auf bereits, und ohne Zögern schauest du
Vorlage S. 433
1762
Ein Jammerschauspiel, Feinden selbst mitleidenswert.
Vorlage S. 433
1763
Ödipus wird herausgeführt.
Vorlage S. 433
1764
CHOR(FÜHRER).
Vorlage S. 433
1765
O schrecklich! Den Menschen ein Graunanblick!
Vorlage S. 433
1766
O schrecklicher war nichts andres, soviel
Vorlage S. 433
1767
Ich zuvor antraf! Ach, Unheilssohn,
Vorlage S. 433
1768
Wie fasste dich Wut? und der Himmlischen wer
Vorlage S. 433
1769
Häuft' stürmend hinan mehr Zorn als Zorn
Vorlage S. 433
1770
Auf dein schwerwaltendes Schicksal?
Vorlage S. 433
1771
Weh! Unheil! Weh! Nicht wag ich es, dich
Vorlage S. 433
1772
Zu beschaun, und begehrte so vieles Gespräch,
Vorlage S. 433
1773
Viel zu erkundigen, viel selbst dich zu schaun!
Vorlage S. 433
1774
Solch furchtbar Schaudern erregst du!
Vorlage S. 433
1775
ÖDIPUS.
Vorlage S. 434
1776
Ach, ach, ach, ach!
Vorlage S. 434
1777
Weh, weh! Unseliger ich! Es betritt
Vorlage S. 434
1778
Welch Land mein Fuß?
Vorlage S. 434
1779
Wo fliegt weit aus mir die Stimme dahin?
Vorlage S. 434
1780
Ach, Götter, wohin nun stürmt ihr?
Vorlage S. 434
1781
CHOR.
Vorlage S. 434
1782
Zu Greueln, nicht zu hören und nicht anzuschaun.
Vorlage S. 434
1783
Erste Strophe
Vorlage S. 434
1784
ÖDIPUS.
Vorlage S. 434
1785
O Nachtgewölk, jämmerlich verhüllendes,
Vorlage S. 434
1786
Du scheußlich belagerndes,
Vorlage S. 434
1787
Nimmer bezwungen, irr
Vorlage S. 434
1788
Dahinstürmend! Weh mir!
Vorlage S. 434
1789
O wehe nochmals! Wie zugleich durchbohrte mich
Vorlage S. 434
1790
Der Biss der Stacheln und der Not Erinnerung!
Vorlage S. 434
1791
CHOR(FÜHRER).
Vorlage S. 434
1792
Kein Wunder wahrlich, dass in solchen Leiden auch
Vorlage S. 434
1793
Du doppelt trauerst und gedoppelt Schmerzen trägst.
Vorlage S. 434
1794
Erste Gegenstrophe
Vorlage S. 434
1795
ÖDIPUS.
Vorlage S. 434
1796
O teurer Freund, einziger, geduldiger,
Vorlage S. 434
1797
Du pflegest allein ihn noch,
Vorlage S. 434
1798
Nimmer verlassend, den
Vorlage S. 434
1799
Gesichtlosen Mann. Weh!
Vorlage S. 434
1800
Denn nicht verborgen bist du mir; wohl hab ich dich,
Vorlage S. 434
1801
Wenngleich verdunkelt, durch der Stimme Laut erkannt.
Vorlage S. 434
1802
CHOR.
Vorlage S. 434
1803
O Schreckenstäter, auszurotten dein Gesicht,
Vorlage S. 434
1804
Wie trugst du dieses? Welcher Gott empörte dich?
Vorlage S. 434
1805
Zweite Strophe
Vorlage S. 434
1806
ÖDIPUS.
Vorlage S. 434
1807
Es war Phoibos, Freund', es war dies Phoibos nur,
Vorlage S. 434
1808
Welcher es bereitete,
Vorlage S. 434
1809
Das entsetzliche Jammerleid.
Vorlage S. 434
1810
Sie aber schlug mit Händen
Vorlage S. 434
1811
Ich allein, ich Unselger!
Vorlage S. 434
1812
Welches verblieb zu schaun,
Vorlage S. 434
1813
Dem, wenn er schaute, Süßes nicht mehr war zu sehn!
Vorlage S. 434
1814
CHOR.
Vorlage S. 434
1815
So war es, wie du selbst gesagt.
Vorlage S. 434
1816
ÖDIPUS.
Vorlage S. 434
1817
Was blieb zu schaun künftig, was
Vorlage S. 434
1818
Lieblich, welche Red annoch
Vorlage S. 434
1819
Mir anzuhören, Freunde, freudenvoll?
Vorlage S. 435
1820
Führet verjaget hin
Vorlage S. 435
1821
Ohne Verzögern rasch,
Vorlage S. 435
1822
Führet, o Freunde, mich,
Vorlage S. 435
1823
Eure Besudelung,
Vorlage S. 435
1824
Mich, den verfluchtesten, den
Vorlage S. 435
1825
Unter dem Erdgeschlecht
Vorlage S. 435
1826
Götterverhaßten Mann!
Vorlage S. 435
1827
CHOR.
Vorlage S. 435
1828
Ach, wie an Schicksal so an Sinn Zerrütteter,
Vorlage S. 435
1829
Wie wünscht ich, niemals hättest du dich selbst erkannt!
Vorlage S. 435
1830
Zweite Gegenstrophe
Vorlage S. 435
1831
ÖDIPUS.
Vorlage S. 435
1832
Verflucht, welcher dort im Bergwald meinem Fuß
Vorlage S. 435
1833
Lösete die bittere,
Vorlage S. 435
1834
Die bedrückende Fessel und
Vorlage S. 435
1835
Mich selbst vom Mord errettet',
Vorlage S. 435
1836
Nimmer mir zu Dank, wahrlich!
Vorlage S. 435
1837
Ward ich vertilget dort,
Vorlage S. 435
1838
Nicht wär ich mir nun noch den Meinen solche Qual!
Vorlage S. 435
1839
CHOR.
Vorlage S. 435
1840
Auch mir erwünscht wär dies geschehn.
Vorlage S. 435
1841
ÖDIPUS.
Vorlage S. 435
1842
Den Vater schlug dann ich nicht,
Vorlage S. 435
1843
Weder hieß ich Ehgemahl
Vorlage S. 435
1844
Derselben Gattin, der ich selbst entsproß.
Vorlage S. 435
1845
Jetzo bejammernswert
Vorlage S. 435
1846
Und der Befleckten Sohn;
Vorlage S. 435
1847
Selber Erzeuger, wo
Vorlage S. 435
1848
Selbst ich entsprossen, weh!
Vorlage S. 435
1849
Wäre gewaltigeres
Vorlage S. 435
1850
Wehe denn Weh erzeugt,
Vorlage S. 435
1851
Loset' es Ödipus!
Vorlage S. 435
1852
CHOR.
Vorlage S. 435
1853
Ich zweifle, sag ich, dass du wohl den Schluss gefasst;
Vorlage S. 435
1854
Denn besser wär es, ganz dahin, als blind gelebt.
Vorlage S. 435
1855
ÖDIPUS.
Vorlage S. 435
1856
Dass nicht am besten dieses so vollendet sei,
Vorlage S. 435
1857
Das lehre nimmer weder gib mir neuen Rat.
Vorlage S. 435
1858
Mit welchen Augen hätt ich denn, hinabgelangt
Vorlage S. 435
1859
Zum Hades, jemals meinen Vater angeblickt
Vorlage S. 436
1860
Und wie die Leidensmutter, welchen beiden ich
Vorlage S. 436
1861
Mehr als des Stranges werte Tat hab ausgeübt?
Vorlage S. 436
1862
Und wäre solches irgend auch begehrenswert:
Vorlage S. 436
1863
Der so gesäten Kinder Saat noch anzuschaun?
Vorlage S. 436
1864
Niemals gewißlich! Meinen Augen nimmermehr!
Vorlage S. 436
1865
Noch diese Stadt, die Türme, noch der Himmlischen
Vorlage S. 436
1866
Geweihte Bilder, deren ich Unseligster
Vorlage S. 436
1867
Von allen, welche Thebe trug, mich selbst allein
Vorlage S. 436
1868
Mit schönstem Recht beraubte, selbst verkündigend,
Vorlage S. 436
1869
Den Frevler nimmer zu dulden, den unheilig selbst
Vorlage S. 436
1870
Angab die Gottheit, und erzeugt von Laios.
Vorlage S. 436
1871
Da solchen Schmachfleck meiner selbst ich aufgedeckt,
Vorlage S. 436
1872
Vermöcht ich graden Blickes euch noch anzuschaun?
Vorlage S. 436
1873
Mitnichten! Sondern könnten Hemmungsdämme noch
Vorlage S. 436
1874
Des Lautes Strom abwehren, nicht verschonet ich,
Vorlage S. 436
1875
Ganz abzuschließen meinen unheilvollen Leib,
Vorlage S. 436
1876
Ganz blind zu sein und nichts zu hören mehr! Es ist,
Vorlage S. 436
1877
Fern seinem Unheil sinnberaubt zu leben, süß.
Vorlage S. 436
1878
O was, Kithairon, hast du mich empfangen, was
Vorlage S. 436
1879
Nicht gleich getötet, dass ich nie dem Menschenstamm
Vorlage S. 436
1880
Der eignen Abkunft Wurzel selbst erspürete?
Vorlage S. 436
1881
Polybos und du, Korinthos, und ihr alten, mir
Vorlage S. 436
1882
Vermeinten Vatergemächer, ach, was habt ihr mich
Vorlage S. 436
1883
So schön, des Unheilsgiftes Hüll, heraufgenährt,
Vorlage S. 436
1884
Der nun von Schlechten selber schlecht sich dargetan.
Vorlage S. 436
1885
O jener Kreuzweg, tiefverborgner Waldesort,
Vorlage S. 436
1886
Gebüsch und dreigespaltner Weg in enger Schlucht,
Vorlage S. 436
1887
Die einst, von meiner Hand verspritzt, mein eignes Blut
Vorlage S. 436
1888
Des Erzeugers tranket, mögt ihr mein gedenken noch?
Vorlage S. 436
1889
Welch Werk ich euch verübte, was hierhergelangt,
Vorlage S. 436
1890
Ich wiederum begangen? Ehen, Ehen, ach!
Vorlage S. 436
1891
Erst habt ihr mich gezeuget, und empfangen dann
Vorlage S. 436
1892
Des Erzeugten Samen wieder, und hervorgesproßt
Vorlage S. 436
1893
Erzeuger, Brüder, Kinder, allverwandtes Blut,
Vorlage S. 436
1894
Und Bräute, Mutter, Ehefraun und alles, was
Vorlage S. 436
1895
Nur je der Greuelwerke mag bei Menschen sein.
Vorlage S. 436
1896
Doch was zu tun nicht ziemet, ziemt auch Worten nicht.
Vorlage S. 437
1897
Drum ohne Zögern, bei den Göttern, fern hinaus
Vorlage S. 437
1898
Entrücket, oder mordet, oder stürzet mich
Vorlage S. 437
1899
In Meeresfluten, wo ihr nie mich wiederschaut.
Vorlage S. 437
1900
Auf, würdigt anzurühren mich Verstoßenen.
Vorlage S. 437
1901
O folget gern; nichts fürchtet. Denn mein Leid vermag
Vorlage S. 437
1902
Der Menschen niemand außer mir mit auszustehn.
Vorlage S. 437
1903
CHOR.
Vorlage S. 437
1904
Und deinem Flehen kommt bereits willkommen dort
Vorlage S. 437
1905
Zu Rat und Handlung Kreon selbst daher, indem
Vorlage S. 437
1906
Nur dieser einzig unsres Landes Hort verblieb.
Vorlage S. 437
1907
ÖDIPUS.
Vorlage S. 437
1908
O weh! Mit welchen Worten red ich diesen an?
Vorlage S. 437
1909
Und welch Vertraun kommt jetzo mir noch zu? dieweil
Vorlage S. 437
1910
Vor diesem gänzlich ungerecht ich erst bestand.
Vorlage S. 437
1911
Kreon kommt.
Vorlage S. 437
1912
KREON.
Vorlage S. 437
1913
Nicht als Verspotter, Ödipus, herzugeeilt
Vorlage S. 437
1914
Erschein ich, noch zum Hohne deines Missgeschicks.
Vorlage S. 437
1915
Zu den Dienern.
Vorlage S. 437
1916
Wenn aber, scheulos, nicht der Sterblichkeit Geschlecht
Vorlage S. 437
1917
Ihr achtet, weicht doch jenes allernährenden
Vorlage S. 437
1918
Helios erhabnem Flammenstrahl, nicht solchen Fluch
Vorlage S. 437
1919
Uneingehüllet aufzutun, den Erde nicht
Vorlage S. 437
1920
Noch heilger Regen noch das Licht aufnehmen mag!
Vorlage S. 437
1921
Nein, ohne Zögern werd er dort hineingeführt.
Vorlage S. 437
1922
Zumeist vermag ja sein Geschlecht noch anzusehn
Vorlage S. 437
1923
Und anzuhören unentweiht verwandtes Weh.
Vorlage S. 437
1924
ÖDIPUS.
Vorlage S. 437
1925
Oh, bei den Göttern, weil du mir die Furcht getilgt,
Vorlage S. 437
1926
So edel nahend diesem Allerschnödesten,
Vorlage S. 437
1927
Gewähre dies mir, welches dich, nicht mich betrifft!
Vorlage S. 437
1928
KREON.
Vorlage S. 437
1929
Und welch Verlangen treibet dich zu solchem Flehn?
Vorlage S. 437
1930
ÖDIPUS.
Vorlage S. 437
1931
Aus dieser Landschaft wirf mich ungesäumt, entfernt
Vorlage S. 437
1932
Von aller Menschen Stimmen und Genossenschaft.
Vorlage S. 437
1933
KREON.
Vorlage S. 437
1934
Schon, wiß es, hätt ich dies getan, wofern ich nicht
Vorlage S. 437
1935
Vom Gott erkunden wollte, was sein Wille sei.
Vorlage S. 437
1936
ÖDIPUS.
Vorlage S. 437
1937
Er hat ja deutlich seinen Urteilsspruch enthüllt:
Vorlage S. 437
1938
Des vatermordenden Frevlers raschen Untergang.
Vorlage S. 437
1939
KREON.
Vorlage S. 438
1940
So scholl es freilich. Aber da sich alles so
Vorlage S. 438
1941
Gewendet, frag ich, was zu tun, ihn wiederum.
Vorlage S. 438
1942
ÖDIPUS.
Vorlage S. 438
1943
Um mich Verlornen fragst du denn von neuem an?
Vorlage S. 438
1944
KREON.
Vorlage S. 438
1945
Du selber stiftest Glauben wohl dem Götterwort.
Vorlage S. 438
1946
ÖDIPUS.
Vorlage S. 438
1947
Nun aber bitt ich dieses dich inbrünstiglich:
Vorlage S. 438
1948
Ihr dort im Hause gib ein Grab, wie selber du
Vorlage S. 438
1949
Willst, weil du schicklich dein Geschlecht bestatten musst.
Vorlage S. 438
1950
Doch mein Geburtsort wolle nicht mich würdigen,
Vorlage S. 438
1951
Dass ich in Zukunft lebend sein Bewohner sei.
Vorlage S. 438
1952
Nein, lass mich wohnen im Waldgebirg, wo mein genannt
Vorlage S. 438
1953
Nun sei Kithairon, welchen schon die Mutter wie
Vorlage S. 438
1954
Der Vater meinem Leben echt zum Grabe gab,
Vorlage S. 438
1955
Dass diesen nun ich sterbe, die mich töteten.
Vorlage S. 438
1956
Doch sicher weiß ich dieses: Krankheit konnte nicht
Vorlage S. 438
1957
Noch andres je mich tilgen; denn schon sterbend ward
Vorlage S. 438
1958
Ich nie gerettet außer zur Entsetzensnot.
Vorlage S. 438
1959
Doch unser Schicksal gehe frei, wohin es will.
Vorlage S. 438
1960
Der Kinder aber für die Söhne, Kreon, sei
Vorlage S. 438
1961
Nur immer sorglos; Männer sind sie, welche nie,
Vorlage S. 438
1962
Wohin sie kommen, trifft des Leibes Dürftigkeit.
Vorlage S. 438
1963
Doch meine Jungfraun, meine leidbehäuften nur,
Vorlage S. 438
1964
Weil diesen niemals aufgestellt der Speisen Tisch
Vorlage S. 438
1965
War ohne mich, den Vater, sondern wessen ich
Vorlage S. 438
1966
Anrührte, diesen wurde des ihr Teil gereicht –
Vorlage S. 438
1967
Die schütze treulich; aber gib sie meiner Hand
Vorlage S. 438
1968
Noch anzurühren, bei der Not Betrauerung!
Vorlage S. 438
1969
O geh, Fürst!
Vorlage S. 438
1970
Geh, Mann von edlem Stamme! Tastend glaub ich sie
Vorlage S. 438
1971
Dann noch zu haben, wie ich sonst sie angeschaut.
Vorlage S. 438
1972
Was sag ich?
Vorlage S. 438
1973
Vernähm ich, Götter, Tränen meiner Töchterlein
Vorlage S. 438
1974
Herniederströmen? Bringet selbst mitleiderweicht
Vorlage S. 438
1975
Mir Kreon meiner Erzeugten Allerteuerste?
Vorlage S. 438
1976
In Wahrheit?
Vorlage S. 438
1977
Kreon bringt die Töchter.
Vorlage S. 438
1978
KREON.
Vorlage S. 438
1979
Ja, wahrlich! Selber hab ich dies für dich getan,
Vorlage S. 438
1980
Gar wohl die Sehnsucht kennend, die du längst gefühlt.
Vorlage S. 438
1981
ÖDIPUS.
Vorlage S. 439
1982
Sei immer glückreich, und allein für diesen Gang
Vorlage S. 439
1983
Sei du der Gottheit besser stets denn ich bewahrt!
Vorlage S. 439
1984
Wo, teure Kinder, seid ihr? Kommt und tretet her,
Vorlage S. 439
1985
Zu meinen Bruderhänden hier herangenaht,
Vorlage S. 439
1986
Die nun dem Vater, welcher euch gepflanzet, so
Vorlage S. 439
1987
Zu schaun bereitet seiner Augen vorgen Glanz;
Vorlage S. 439
1988
Der, nichts, o Kinder, schauend und unwissentlich,
Vorlage S. 439
1989
Euch Vater wurde, wo ich selbst war ausgesät.
Vorlage S. 439
1990
Und euch bewein ich – denn zu schaun vermag ich nicht –,
Vorlage S. 439
1991
Bedenkend, welcher bittre Rest der Lebenszeit
Vorlage S. 439
1992
Euch nun verhängt ist bei den Menschen auszustehn.
Vorlage S. 439
1993
Zu welchem Umgang lassen nun die Bürger euch,
Vorlage S. 439
1994
Zu welcher Festschau, dass davon ihr tränenvoll
Vorlage S. 439
1995
Nicht wieder heimkehrt, selber statt des Schaugeprängs?
Vorlage S. 439
1996
Ja, wenn des Ehebundes Ziel ihr nahe seht,
Vorlage S. 439
1997
Wer käme dann wohl? Wer erfrecht' sich, Töchterlein,
Vorlage S. 439
1998
Zu nehmen solche Greuel, die an meinem Stamm
Vorlage S. 439
1999
Und eurem haften, schreckenvoll verderbliche?
Vorlage S. 439
2000
Denn welches fehlt der Übel? Euer Vater schlug
Vorlage S. 439
2001
Tot seinen Vater. Seine Mutter befruchtet' er,
Vorlage S. 439
2002
Von der er selbst war aufgesproßt; von eben der
Vorlage S. 439
2003
Gewann er euch dann, die auch ihn hervorgebracht.
Vorlage S. 439
2004
So wird man euch verhöhnen. Dann wer freiet' euch?
Vorlage S. 439
2005
Nein, wahrlich, niemand, Kinder; sondern euch verzehrt
Vorlage S. 439
2006
Das Alter fruchtlos, ehelos, unzweifelhaft.
Vorlage S. 439
2007
O Sohn Menoikeus', weil allein als Vater du
Vorlage S. 439
2008
Für die zurückbleibst – wir ja, die sie zeugeten,
Vorlage S. 439
2009
Sind nun dahin, wir beide –: nicht verlasse sie,
Vorlage S. 439
2010
Einst bettelnd, mannlos, dir verwandt, umherzugehn,
Vorlage S. 439
2011
Nicht meinem Unheil mache je das ihre gleich!
Vorlage S. 439
2012
Nein, fühle Mitleid, wenn du schaust die Mägdelein
Vorlage S. 439
2013
Entblößt von allem, außer was du reichen magst!
Vorlage S. 439
2014
Mit deinem Handschlag, Edler, sprich mir solches zu.
Vorlage S. 439
2015
Euch, Kinder, gäb ich, wäre Sinn euch schon gewährt,
Vorlage S. 439
2016
Noch viel Ermahnung; nun erfleh ich dieses euch:
Vorlage S. 439
2017
Stets, wo es frommt, zu leben und ein besser Los
Vorlage S. 439
2018
Als Eures Bluts Erzeuger immerdar zu schaun.
Vorlage S. 439
2019
KREON.
Vorlage S. 440
2020
Ende! Wie dich Schmerz dahinreißt! Aber wandl ins Haus hinein.
Vorlage S. 440
2021
ÖDIPUS.
Vorlage S. 440
2022
Schon gehorch ich, wenn auch ungern.
Vorlage S. 440
2023
KREON.
Vorlage S. 440
2024
Alles gut zu seiner Zeit.
Vorlage S. 440
2025
ÖDIPUS.
Vorlage S. 440
2026
Weißt du, wann ich gehe?
Vorlage S. 440
2027
KREON.
Vorlage S. 440
2028
Sag es; dann, belehret, weiß ich es.
Vorlage S. 440
2029
ÖDIPUS.
Vorlage S. 440
2030
Wenn ich fern zum Land hinaus soll.
Vorlage S. 440
2031
KREON.
Vorlage S. 440
2032
Gottes Wahl erflehest du.
Vorlage S. 440
2033
ÖDIPUS.
Vorlage S. 440
2034
Doch verhaßt den Göttern komm ich.
Vorlage S. 440
2035
KREON.
Vorlage S. 440
2036
Drum erreichst du diesen Wunsch.
Vorlage S. 440
2037
ÖDIPUS.
Vorlage S. 440
2038
Meinst du dies?
Vorlage S. 440
2039
KREON.
Vorlage S. 440
2040
Ohn echte Meinung sprech ich nie
Vorlage S. 440
2041
grundloses Wort.
Vorlage S. 440
2042
ÖDIPUS.
Vorlage S. 440
2043
Nun hinein entführe schnell mich.
Vorlage S. 440
2044
KREON.
Vorlage S. 440
2045
Wandle; doch die Kinder lass.
Vorlage S. 440
2046
ÖDIPUS.
Vorlage S. 440
2047
Nimmermehr auch diese nimm mir!
Vorlage S. 440
2048
KREON.
Vorlage S. 440
2049
Alles woll erlangen nicht;
Vorlage S. 440
2050
Was du schon erlangtest, hat ja nicht das Leben dir beglückt.
Vorlage S. 440
2051
Beide ins Haus.
Vorlage S. 440
2052
(CHOR.
Vorlage S. 440
2053
O Bewohner unsrer Thebe, schauet an, der Ödipus,
Vorlage S. 440
2054
Der erforscht' so tiefe Rätsel und verehrt vor allen war,
Vorlage S. 440
2055
Dessen Los der Bürger niemand ohne Sehnsucht angeschaut,
Vorlage S. 440
2056
Nun in welch graunvolles Schicksals Wogen der hinabgeriet!
Vorlage S. 440
2057
Drum der Erdenmenschen keinen, harrend weislich immerdar,
Vorlage S. 440
2058
Erst den letzten Tag zu schauen, preise ganz beglückt, bevor
Vorlage S. 440
2059
Durch das Lebensziel er durchging, ohne dass ihm Leid geschah!)
Vorlage S. 440

Nach dem Lesen

Dein Blick auf das Kapitel

10er-QuizZitate verstehen · Zusammenhänge erkennen · Lernpunkte sammeln10 Fragen

Eine Antwort ist jeweils richtig. Lies den Textbeleg aufmerksam. Bei einer falschen Antwort kannst du es erneut versuchen.

Angemeldet zählen richtige Antworten für deinen Lernstand. Als Gast übst du ohne Kontopunkte.

Je Frage sind beim ersten Versuch 10 Punkte möglich, danach 5, 3 oder 1. Bereits gelöste Fragen bleiben zum Üben verfügbar.

3. Welchen Zusammenhang kennzeichnet das Wort »Deshalb« in diesem Textausschnitt? »Deshalb, o König, sagt er nicht des Laios«

Eine Antwort ist richtig.

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4. Welcher Ausschnitt enthält eine ausdrückliche Verneinung oder einen Ausschluss? Achte auf ein ausdrücklich genanntes Signalwort.

Eine Antwort ist richtig.

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6. In welcher Reihenfolge stehen diese drei Ausschnitte im Kapitel? Gemeint ist ihre Reihenfolge im Text, nicht die Zeit der erzählten Ereignisse. A: »Verloren bist du, frag ich dies zum andernmal!« B: »Und jenen, wie die Rede kam, erschlug zuletzt Auf dreigespaltnem Landesweg die Räuberschar;« C: »Nun aus die Gottheit oder ganz hinabgestürzt!«

Eine Antwort ist richtig.

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9. Welche Sprecherangabe gehört im Kapitel zu diesen Worten? »Noch was er duldet' oder was er Böses tat,«

Eine Antwort ist richtig.

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Aufgaben zum TextVerstehen, begründen und mit Textstellen arbeiten · ohne Punkte

1. Ordne diese Textstelle in den Zusammenhang ein: »Fruchtlosem Kreißen; und dazu jagt stürmend noch«. Was geschieht oder wird hier besprochen? Erkläre in drei bis fünf Sätzen auch, was davor und danach wichtig ist.

Impulse zur Selbstprüfung

Lies die verlinkte Stelle mit ihrer Umgebung. Trenne ausdrücklich Gesagtes von Vermutungen.

  • Situation oder Gedanke verständlich erklärt
  • Mindestens ein passender Textbeleg
  • Eigene Formulierungen statt bloßer Abschrift
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2. Vergleiche die beiden Ausschnitte: »Fruchtlosem Kreißen; und dazu jagt stürmend noch« und »zu haben, wie ich sonst sie angeschaut«. Welche Entwicklung, Gemeinsamkeit oder Spannung erkennst du? Begründe mit beiden Textstellen.

Impulse zur Selbstprüfung

Auch eine gleichbleibende Haltung ist ein mögliches Ergebnis. Erfinde keine Entwicklung, wenn sie sich aus dem Text nicht belegen lässt.

  • Beide Ausschnitte im Zusammenhang gelesen
  • Eine Gemeinsamkeit oder einen Unterschied erläutert
  • Deutung und wörtlichen Beleg unterschieden
Textstelle 1 ↗ Textstelle 2 ↗

3. Untersuche die sprachliche Wirkung dieses Ausschnitts: »Dahinstürzen, wenn ich je solches sann«. Wähle ein auffälliges Wort, ein Bild oder eine Formulierung. Erkläre seine Wirkung und begründe eine mögliche andere Lesart.

Impulse zur Selbstprüfung

Es gibt nicht nur eine richtige Interpretation. Prüfe beide Lesarten am Kapitel und benenne, was offen bleibt.

  • Sprachliches Merkmal am Wortlaut benannt
  • Wirkung als begründete Deutung formuliert
  • Alternative Lesart oder Grenze der Deutung erklärt
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Kreativ schreibenDrei Anregungen in drei Niveaustufen · ohne Punkte

Wähle die Anregung, die zu dir passt. Deine eigene Fassung bleibt klar vom Originaltext getrennt.

Niveau 1 · Einstieg

1. Schreibe zu diesem Textausschnitt 5–8 eigene Sätze: »O Kinder, ihr des alten Kadmos neu Geschlecht,«. Wähle eine Person, einen Gegenstand oder einen Gedanken daraus. Schreibe aus einer neuen Sicht. Satzanfänge helfen: „Ich bemerke …“, „Ich frage mich …“, „Als Nächstes …“.

Impulse zur Selbstprüfung

Mehrere Lösungen sind möglich. Prüfe deinen Text an den Kriterien oder besprich ihn mit anderen. Diese Aufgabe gibt keine automatisch bewerteten Punkte.

  • Übernimm mindestens zwei passende Einzelheiten aus dem Kapitel.
  • Trenne ein wörtliches Zitat deutlich von deinem eigenen Text.
  • Kennzeichne deine Ergänzungen als erfunden.
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Niveau 2 · Vertiefung

2. Verwandle den folgenden Ausschnitt in einen Brief, Tagebucheintrag oder kurzen Dialog: »Von deinem Ansehn war er nicht gar weit entfernt.«. Entscheide, wer sich an wen richtet. Schreibe etwa 120–180 Wörter. Bei einem Sachtext kann ein lernender Mensch einem anderen die Idee erklären.

Impulse zur Selbstprüfung

Mehrere Lösungen sind möglich. Prüfe deinen Text an den Kriterien oder besprich ihn mit anderen. Diese Aufgabe gibt keine automatisch bewerteten Punkte.

  • Die neue Textform und die gewählte Stimme sind erkennbar.
  • Mindestens zwei Aussagen oder Ereignisse bleiben mit dem Kapitel vereinbar.
  • Ergänze einen kurzen Kommentar: Was hast du übernommen, was bewusst erfunden?
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Niveau 3 · Gestaltung

3. Schreibe ausgehend vom Kapitelende eine alternative Fortsetzung oder eine Szene mit einer Gegenposition: »Durch das Lebensziel er durchging, ohne dass ihm Leid geschah!)«. Entwickle etwa 200–300 Wörter. Bei einem Sachtext kannst du ein Streitgespräch über eine These gestalten. Begründe anschließend in 3–5 Sätzen deine Entscheidungen mit zwei kurzen Zitaten aus dem Kapitel.

Impulse zur Selbstprüfung

Mehrere Lösungen sind möglich. Prüfe deinen Text an den Kriterien oder besprich ihn mit anderen. Diese Aufgabe gibt keine automatisch bewerteten Punkte.

  • Die Fortsetzung oder Gegenposition knüpft nachvollziehbar an konkrete Textstellen an.
  • Zwei genaue Zitate begründen die Gestaltung; Schlussfolgerungen werden als eigene Deutung markiert.
  • Der neue Text ist ausdrücklich eine eigene Bearbeitung und wird nicht dem Originalautor zugeschrieben.
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Ausgabe, Herkunft und Rechte

Autor und namentlich belegte Übersetzung sind nach den geprüften Lebensdaten in Deutschland gemeinfrei. TextGrid und www.editura.de stellen Struktur und Metadaten unter CC BY 3.0 DE bereit.

König Ödipus

Griechische Tragiker: Aischylos, Sophokles, Euripides. Hg. v. Wolf Hartmut Friedrich, übers. v. J. G. Droysen (Aischylos), K. W. F. Solger (Sophokles), J. A. Hartung (Euripides), München: Winkler, 1958. Sophokles 396- München

Das Werk König Ödipus von Sophokles ist eine Abwandlung des Datenbestandes der Digitalen Bibliothek von TextGrid, www.editura.de und wird unter der Creative Commons Lizenz veröffentlicht.

Quelltext und Ausgabe ↗ · CC BY 3.0 DE; underlying texts public domain per source Lizenz

Originalsprache · Altgriechisch

Vollständiger überlieferter Originaltext der angegebenen Perseus-Edition. Antike Überlieferungslücken und kritische Ergänzungen gehören zur Quellausgabe und sind kenntlich: ⟨Ergänzung⟩, ⟦vom Herausgeber getilgter Text⟧, […] Überlieferungslücke. Anmerkungen der Quellausgabe sind beschriftet. Wortlaut bleibt erhalten; TEI-Markup wird in Lesetext überführt. Keine Gleichsetzung mit einem erhaltenen Autorenmanuskript oder mit der Textgrundlage der deutschen Übersetzung.

Sophokles; source-edition editors listed separately; Perseus Digital Library, Tufts University. CC BY-SA 4.0.

Autorschaft und Ausgabe: Sophokles · Francis Storr · Perseus Digital Library, Tufts University

Originaltext und Ausgabe ↗ · Perseus Digital Library, Tufts University · Lizenz und Nutzungsbedingungen

Sophocles Sophocles Oedipus the king. Oedipus at Colonus. Antigone Francis Storr London New York William Heinemann Ltd. The Macmillan Company 1912 1 The Loeb classical library Internet Archive

Die Fassungen folgen den jeweils angegebenen Quellen; ihre Gliederung kann abweichen.

Welche Änderungen enthält die Lesefassung?

Explizite Wortliste statt allgemeiner Such-und-Ersetz-Regeln. Jede Änderung ist mit Kapitel, Absatz, Quellposition und Regel dokumentiert. Erfasste Namen und bekannte mehrdeutige Formen bleiben ausgespart; dies ist keine automatische vollständige Namenserkennung. Grundlage für s/ss/ß: Amtliches Regelwerk 2024, §§ 2, 5 und 25. Die unveränderte Quellfassung bleibt verfügbar.

Falls der eingebundene Text nicht vollständig angezeigt wird: Öffne die verlinkte Buchseite direkt. Prüfe dort die genaue Übersetzung, die Ausgabenangaben und die Vollständigkeit des Textes.

Die konkrete historische Übersetzung der verlinkten Buchseite konnte bei der Vorbereitung dieses Kurses nicht unabhängig ausgelesen werden. Daher wird ihr keine ungeprüfte Übersetzerangabe und kein ungeprüftes Erscheinungsjahr zugeordnet.


Originaltext und Übersetzung unterscheiden

Das antike Drama entstand im 5. Jahrhundert v. Chr. Eine deutsche Übersetzung aus dem 19. Jahrhundert ist viel jünger.

Daraus folgt:

  1. Entstehung: Sophokles verfasst das Drama in altgriechischer Sprache.
  2. Überlieferung: Abschriften erhalten den Text über viele Jahrhunderte. Dabei können Textvarianten entstehen.
  3. Edition: Forschende vergleichen Handschriften und veröffentlichen bearbeitete griechische Textausgaben.
  4. Übersetzung: Ein Übersetzer überträgt den griechischen Text in eine andere Sprache.
  5. Interpretation: Leserinnen und Leser erklären, welche Bedeutung sie im Text erkennen.

Auch ein heute gedruckter griechischer Text ist eine Edition. Er ist nicht die erhaltene Originalhandschrift des Sophokles.


Eine belegte Textstelle vergleichen

Altgriechisch, Vers 1:

Ὦ τέκνα, Κάδμου τοῦ πάλαι νέα τροφή,

Quelle: Griechischer Text, Vers 1.

Historische deutsche Vergleichsfassung, Vers 1:

O Kinder, ihr, des alten Kadmos neuer Stamm,

Quelle: J. J. C. Donner, online bearbeitet von E. Gottwein, Vers 1.

Was kannst Du erkennen?

Ödipus spricht die Menschen wie seine Kinder an. Das zeigt seine Rolle als Herrscher und Beschützer. Diese Aussage über seine Rolle ist eine Interpretation. Die beiden zitierten Verszeilen sind Textbelege.

Die hier benutzte Donner-Fassung ist eine gesondert nachgewiesene Vergleichsübersetzung. Sie darf nicht ohne Prüfung mit der historischen Ausgabe der MOOCwiki-Buchseite gleichgesetzt werden.

Zum Vergleich: Griechischer und deutscher Text nebeneinander.


Antike und frühe Literaturtraditionen

Römische Büste des griechischen Dichters Sophokles.

Die Antike umfasst unterschiedliche Kulturen mit reichen Literaturtraditionen. Texte wurden erzählt, gesungen, aufgeführt, abgeschrieben und später gedruckt.

Nicht alle Texte der Antike entstanden zur gleichen Zeit oder in derselben Sprache.


Vier Literaturtraditionen im Vergleich

Griechenland: Homers Ilias und Odyssee sind Epen. Sophokles schrieb Tragödien für das Theater. Seine Werke entstanden in altgriechischer Sprache.

Rom: Vergil schrieb die Aeneis im 1. Jahrhundert v. Chr. auf Latein. Wie griechische Epen erzählt sie von Helden, Göttern und menschlichen Entscheidungen.

Mittelalterliche Handschrift mit Texten Vergils. Die Handschrift entstand viele Jahrhunderte nach dem Dichter.

China: Die Gespräche des Konfuzius (Lunyu) wurden über längere Zeit aus überlieferten Aussagen zusammengestellt. Sie behandeln unter anderem richtiges Handeln und die Verantwortung des Menschen. Die ursprüngliche Sprachtradition ist das klassische Chinesisch.

Überlieferung der Gespräche des Konfuzius. Ein erhaltenes Schriftstück ist nicht automatisch so alt wie der Textinhalt.

Indien: Das Mahabharata ist ein umfangreiches Epos mit einer langen Entstehungs- und Überlieferungsgeschichte. Es behandelt Konflikte um Familie, Herrschaft und Pflicht. Seine klassische Textsprache ist Sanskrit.

Eine deutlich spätere Handschrift des Mahabharata. Ihr Alter ist nicht das Entstehungsdatum der gesamten Erzähltradition.

Merke: Ähnliche Themen bedeuten nicht, dass alle Texte voneinander abgeschrieben wurden. Vergleiche ihre kulturellen und historischen Zusammenhänge.


Inhalt und Figuren


Die Handlung in fünf Schritten

  1. Theben leidet unter einer Seuche. Ödipus verspricht Hilfe.
  2. Ein Orakel fordert, den Mörder des früheren Königs Laios zu bestrafen.
  3. Der Seher Teiresias bringt Ödipus mit der Tat in Verbindung. Ödipus weist den Verdacht zurück.
  4. Ein Bote und ein Hirte helfen, die tatsächliche Herkunft des Königs aufzuklären.
  5. Die Wahrheit wird bekannt. Iokaste stirbt und Ödipus blendet sich.

Achtung: Die bekannte Begegnung mit der Sphinx liegt vor der Bühnenhandlung des Dramas. Sie gehört zur Vorgeschichte.


Die wichtigsten Figuren

Ödipus: König von Theben. Er will die Wahrheit wissen, erkennt aber seine eigene Rolle lange nicht.

Iokaste: Königin von Theben. Sie ist zugleich Ödipus' Mutter und Ehefrau, ohne dass beide dies bei ihrer Heirat wissen.

Kreon: Bruder Iokastes. Er überbringt den Orakelspruch und gerät in Streit mit Ödipus.

Teiresias: Blinder Seher. Er weiß mehr über die Vergangenheit als der sehende König.

Bote und Hirte: Ihre Aussagen machen die Aufklärung möglich.

Chor: Er spricht über Angst, Hoffnung, Götter und menschliches Handeln.


Die Sphinx in Kunst und Mythos

Jean-Auguste-Dominique Ingres: Ödipus und die Sphinx, Gemälde von 1808.

Dieses Bild entstand über 2.000 Jahre nach dem antiken Drama.

Bildaufgabe: Beschreibe die Körperhaltung von Ödipus. Wirkt er selbstsicher oder ängstlich? Begründe Deine Beobachtung.

Video: Bodo Wartke – „Ödipus vs. Sphinx“ (2026), Szene einer modernen Theaterbearbeitung.

Beobachtungsauftrag: Welche Rolle spielt Humor? Vergleiche die Szene mit der antiken Sagenhandlung. Das Video ist nicht der Originaltext des Sophokles.


Sprache, Aufbau und Wirkung


Ein Drama wie eine Untersuchung

König Ödipus gilt als Beispiel eines analytischen Dramas.

Die entscheidenden Taten sind bereits geschehen. Auf der Bühne werden ihre Ursachen und Folgen Schritt für Schritt enthüllt.

Zentrale Textstellen für Deine Untersuchung:

  1. Prolog, Verse 1–150: Die Not der Stadt und der Auftrag zur Untersuchung. Wie stellt sich Ödipus als Herrscher dar?
  2. Gespräch mit Teiresias, ab etwa Vers 300: Der Seher weiß die Wahrheit. Warum glaubt Ödipus ihm nicht?
  3. Boten- und Hirtenszenen, etwa Verse 924–1185: Die Herkunft des Königs wird geklärt. Wie verändert sich sein Wissen?
  4. Schluss, ab etwa Vers 1220: Die Folgen der Enthüllung. Wie bewertet der Chor das menschliche Glück?

Die Angaben beziehen sich auf die traditionelle griechische Verszählung. Seitenzahlen können in Übersetzungen abweichen.


Ironie und Erkenntnis

Tragische Ironie: Eine Figur versteht etwas anders als das Publikum. Viele Zuschauer kannten den Ödipus-Mythos bereits.

Sehen und Blindheit: Ödipus kann sehen, erkennt jedoch lange die Wahrheit nicht. Teiresias ist körperlich blind, weiß aber Entscheidendes.

Schicksal und Verantwortung: Ödipus wollte einem Orakelspruch entgehen. Trotzdem erfüllt er ihn, ohne die Zusammenhänge zu kennen.

Leitfrage: Ist Ödipus schuldig, wenn er seine Herkunft nicht kennt? Unterscheide dabei seine Taten, sein Wissen und seine Verantwortung.


Das griechische Theater

Antikes Theater in Epidauros. Es zeigt die räumliche Grundform eines griechischen Freilufttheaters.

Darstellung des Aufbaus eines antiken griechischen Theaters.

Antike Theatermaske. Masken waren ein wichtiges Element griechischer Theatertraditionen.

In der griechischen Tragödie treten einzelne Schauspieler auf. Daneben kommentiert der Chor die Handlung mit Gesang und Bewegung.

Die Theateraufführungen waren Teil öffentlicher religiöser Feste, besonders zu Ehren des Gottes Dionysos.


Ein moderner Blick auf das Orakel

Video: Bodo Wartke – „Ödipus beim Orakel“ (2026), Szene aus einer modernen Theaterfassung von Antigone.

Aufgabe: Wie verändert Humor die Wirkung des Orakels? Nutze den Film als Vergleich, nicht als Beleg für den Wortlaut von Sophokles' König Ödipus.


Hören und andere Werke vergleichen

Hörbeispiel aus Wikimedia Commons:

Hörbeispiel auf Wikimedia Commons öffnen

Wichtig: Die Aufnahme gehört zu Ödipus auf Kolonos, nicht zu König Ödipus. Sie ist eine englische Lesung nach der Übersetzung von Richard Claverhouse Jebb, aufgenommen von LibriVox.

Höraufgabe: Achte auf Betonung, Pausen und die Wirkung des gesprochenen Dramas. Vergleiche diese Gestaltung mit einer vorgelesenen Passage aus König Ödipus.


Interaktive Aufgaben


Quiz: Teste Dein Wissen

Wer schrieb König Ödipus? (Sophokles) (!Homer) (!Vergil) (!Konfuzius)




In welcher Sprache entstand das Drama? (Altgriechisch) (!Latein) (!Sanskrit) (!Deutsch)




In welcher Stadt spielt die Handlung? (Theben) (!Rom) (!Korinth) (!Troja)




Was soll Ödipus aufklären? (Den Mord an Laios) (!Den Raub eines Schatzes) (!Den Untergang Trojas) (!Die Entstehung Roms)




Welche Rolle hat Teiresias? (Er ist ein Seher) (!Er ist ein römischer Dichter) (!Er ist ein König von Indien) (!Er ist ein Soldat aus Troja)




Wer ist Iokaste? (Ödipus Mutter und Ehefrau) (!Ödipus Tochter) (!Eine Göttin) (!Die Schwester des Laios)




Was ist eine zentrale Aufgabe des Chors? (Die Handlung kommentieren) (!Bücher abschreiben) (!Die Bühne zeichnen) (!Den Autor ersetzen)




Was bedeutet tragische Ironie? (Das Publikum versteht mehr als eine Figur) (!Alle Figuren lachen über einen Witz) (!Das Drama hat kein trauriges Ende) (!Eine Figur spricht nur in Reimen)




Was ist bei einer historischen deutschen Übersetzung zu beachten? (Sie entstand später als der griechische Text) (!Sie wurde von Sophokles auf Deutsch verfasst) (!Sie ist immer eine wortgetreue Abschrift) (!Sie ersetzt alle griechischen Textzeugen)




Welches Werk gehört zur indischen Literaturtradition? (Mahabharata) (!Aeneis) (!König Ödipus) (!Odyssee)





Memory

Finde die fünf passenden Paare.

Ödipus Sucht den Mörder des Laios
Iokaste Mutter und Ehefrau des Königs
Teiresias Blinder Seher
Kreon Bruder der Königin
Chor Kommentiert das Geschehen





Drag and Drop

Ordne die Handlungselemente zu.

Ordne die richtigen Begriffe zu. Funktion in der Handlung
Seuche Ausgangslage in Theben
Orakel Auftrag zur Aufklärung
Seher Früher Hinweis auf die Wahrheit
Hirte Enthüllung der Herkunft
Selbstblendung Folge der Erkenntnis





Kreuzworträtsel

Sophokles Welcher Dichter verfasste König Ödipus?
Theben In welcher Stadt herrscht Ödipus?
Kreon Wie heißt Iokastes Bruder?
Teiresias Wie heißt der blinde Seher?
Sphinx Welches Fabelwesen stellte Ödipus ein Rätsel?
Chor Welche Gruppe kommentiert das Geschehen?





Lückentext

Vervollständige den Text.
Sophokles lebte im antiken

.
Sein Drama König Ödipus wurde ursprünglich auf

geschrieben.
Die Handlung spielt in der Stadt

.
Ödipus untersucht den Tod des früheren Königs

.
Der blinde Seher heißt

.
Die Mutter und Ehefrau des Königs ist

.
Die handelnden Figuren werden durch den

begleitet.
Die schrittweise Enthüllung der Vergangenheit ist typisch für ein

Drama.
Das altindische Epos Mahabharata ist in der Texttradition des

überliefert.
Eine deutsche Übertragung ist eine

des antiken Textes.




LearningApps

Hinweis: Die Suche führt zu externen Lernmaterialien. Prüfe deren Inhalt auf Übereinstimmung mit der verwendeten Buchausgabe.


Offene Aufgaben


Leicht – Figuren verstehen

  1. Figurenkarte: Wähle Ödipus, Iokaste oder Teiresias. Beschreibe in fünf kurzen Sätzen, welche Rolle die Figur spielt. Nenne eine passende Szene als Beleg.

Gestufte Hilfen:

Hilfe 1: Frage Dich: Was weiß die Figur? Was will sie?

Hilfe 2: Suche die Figur in den Abschnitten über Handlung und Personen.

Hilfe 3: Satzanfang: „Die Figur möchte … Im Gespräch mit … wird deutlich, dass …“


Standard – Eine Textstelle untersuchen

  1. Textanalyse: Lies den Prolog und das Gespräch zwischen Ödipus und Teiresias. Vergleiche das Verhalten des Königs in beiden Szenen. Schreibe etwa 150 Wörter und verwende zwei genau nachgewiesene Textstellen.

Gestufte Hilfen:

Hilfe 1: Achte auf Fragen, Vorwürfe und die Selbstbeschreibung des Königs.

Hilfe 2: Vergleiche Ödipus als Helfer im Prolog mit Ödipus als Gesprächspartner des Sehers.

Hilfe 3: Gliedere Deinen Text in Beobachtung, Textbeleg und Deutung. Unterscheide dabei das Gesagte von Deiner Erklärung.


Schwer – Weltliteratur vergleichen

  1. Vergleichsprojekt: Vergleiche die Verantwortung des Menschen in König Ödipus mit einem passend ausgewählten Textausschnitt aus der Aeneis, den Gesprächen des Konfuzius oder dem Mahabharata. Schreibe etwa 300 Wörter. Berücksichtige die kulturellen Unterschiede und belege Deine Aussagen.

Gestufte Hilfen:

Hilfe 1: Wähle als Vergleichsfrage: Welche Verantwortung trägt ein Mensch gegenüber anderen?

Hilfe 2: Untersuche, wer handelt, welche Pflicht besteht und welche Folgen eine Entscheidung hat.

Hilfe 3: Erstelle eine Vergleichstabelle mit den Begriffen Text, Kultur, Situation, Entscheidung, Folge und Deutung. Notiere Ausgabe und Textstelle für beide Werke.




Text bearbeiten Bild einfügen Video einbetten Interaktive Aufgaben erstellen



Lernkontrolle

Bearbeite die folgenden Aufgaben schriftlich oder im Unterrichtsgespräch.

  1. Wahrheit und Macht: Erkläre anhand zweier Szenen, weshalb Ödipus die Wahrheit gleichzeitig sucht und zurückweist.
  2. Wissen und Schuld: Unterscheide, was Ödipus getan hat, was er wusste und welche Verantwortung ihm zugeschrieben werden kann.
  3. Sprache und Deutung: Vergleiche den belegten griechischen Eröffnungsvers mit Donners deutscher Fassung. Erkläre, warum Übersetzungen immer Entscheidungen enthalten.
  4. Überlieferung: Begründe, warum ein mittelalterliches Manuskript oder eine historische Übersetzung nicht mit dem ursprünglichen Entstehungsdatum eines Werkes gleichgesetzt werden darf.
  5. Transfer: Entwickle eine heutige Situation, in der eine verantwortliche Person durch ihre eigene Untersuchung unangenehme Wahrheiten über sich entdeckt. Erkläre Gemeinsamkeiten und Unterschiede zur antiken Tragödie.


Lernnachweis

Für Deinen Lernnachweis solltest Du folgende Fähigkeiten zeigen:

  1. Du kannst den Inhalt von König Ödipus sachlich zusammenfassen.
  2. Du erklärst die Beziehungen zwischen den wichtigsten Figuren.
  3. Du beschreibst den Aufbau des analytischen Dramas.
  4. Du erkennst tragische Ironie und das Motiv von Sehen und Blindheit.
  5. Du unterscheidest Originaltext, Edition, Überlieferung, Übersetzung und Interpretation.
  6. Du zitierst Textstellen genau und nennst die benutzte Ausgabe.
  7. Du vergleichst literarische Themen, ohne verschiedene Kulturen gleichzusetzen.
  8. Du formulierst eigene Deutungen und begründest sie mit Belegen.


OERs zum Thema

Enzyklopädischer Überblick:

Weitere wissenschaftliche und frei zugängliche Grundlagen:

  1. Perseus Digital Library – griechischer Text von König Ödipus.
  2. Griechische Wikisource – Οἰδίπους Τύραννος.
  3. Gottwein – Griechisch und Deutsch im Vergleich.
  4. Wikimedia Commons – Medien zu König Ödipus.
  5. MOOCwiki – bereits vorhandene Buchausgabe.


Mediennachweise und Lizenzen

Die folgenden Angaben beziehen sich auf die überprüften Dateibeschreibungen in Wikimedia Commons. Bei Weiterverwendung sind die jeweils angegebenen Lizenzbedingungen und Namensnennungen zu beachten.

Medium Urheber / Herkunft Lizenz
Attische Vasenmalerei, Foto: Jastrow Gemeinfrei
Foto: Yair Haklai CC BY-SA 4.0
Jean-Auguste-Dominique Ingres Gemeinfrei
Foto: Olecorre CC BY-SA 3.0
Leftezi CC BY 3.0
Foto: Osama S. M. Amin / Neuroforever CC BY-SA 4.0
Burgerbibliothek Bern Gemeinfrei
Historische Handschrift Gemeinfrei
Bibliothèque nationale de France Gemeinfrei
LibriVox, englische Lesung nach Richard C. Jebb Gemeinfrei / Public-Domain-Freigabe

Lizenztexte:

CC BY 3.0

CC BY-SA 3.0

CC BY-SA 4.0

YouTube-Medien: Die beiden verlinkten Szenen stammen von Bodo Wartke. Es handelt sich um moderne künstlerische Bearbeitungen. Die Wiedergabe als eingebettetes Video bedeutet keine Freigabe zur Weiterveröffentlichung der Filme unter einer offenen Lizenz.

Hinweis zu Animationen: Bei der Recherche wurde keine hinreichend passende und überprüfbare Wikimedia-Commons-Animation zur Handlung gefunden. Daher wird keine thematisch unpassende Animation als Darstellung des Ödipus-Mythos ausgegeben.


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