Abendbild - Christen, Ada - Gedichtanalyse
Einleitung
Abendbild - Christen, Ada - Gedichtanalyse – ein aiMOOC für die Klassen 9–10.
Ada Christens Gedicht „Abendbild“ beginnt mit „Grau der Himmel, grau die Erde“. Es hat 16 Verse in vier Strophen. Zuerst wirkt die Landschaft heiß und trostlos. Dann kommen Nebel, kühle Luft, leise Geräusche und Mondlicht. Du lernst, diese Veränderung mit Textstellen zu erklären.

Ada Christen. Porträtfoto von Rudolf Krziwanek, gemeinfrei (Wikimedia Commons).
Das kannst Du nach dem Kurs: Du kannst die vier Strophen zusammenfassen, sprachliche Mittel erkennen, richtig mit Verszahlen zitieren und eine kurze Gedichtanalyse schreiben.
Text und historische Quelle
Die Ausgabe von 1870
Autorin: Ada Christen (gestorben 1901). Werk: Aus der Asche. Neue Gedichte, Abschnitt „Wandernd“. Verlag: Hoffmann & Campe. Ort und Jahr: Hamburg, 1870. Fundstelle: Seite 50.
Datei:De Aus der Asche (Christen).djvu Digitalisat des Buchs von 1870 (Wikimedia Commons, gemeinfrei).
Quellennachweise: Korrekturgelesener Text bei Wikisource · Historischer Scan auf Commons · Vom Auftrag genannte Zeno-Ausgabe.
Wichtig: Die Quellfassung folgt der Schreibweise des Drucks von 1870. Die Lesefassung darunter ist eine eigene, sinngemäße Vereinfachung für den Unterricht. Sie ist kein historischer Text und keine Übersetzung in eine andere Sprache. Für Zitate verwende nur die Quellfassung. Die Verszahlen im Kurs zählen die Zeilen der Quellfassung von 1 bis 16.
Quellfassung: „Abendbild“ (1870)
Grau der Himmel, grau die Erde,
Grau das weite dürre Land,
Sonn’verbrannte nied’re Sträucher,
Schwarzer Sumpf und heißer Sand;
Doch schon weben in der Ferne
Abendnebel, dünn’ und leicht,
Ihre grauen feuchten Schleier
Und die träge Stille weicht.
Denn ein mildes kühles Lüftchen,
Wie der reine Athemzug
Eines schlafumfang’nen Kindes,
Hemmt der Vögel matten Flug.
Aus den Büschen, still sich regend,
Ein geheimes Flüstern bricht,
Leise klagt’s im Sumpf und silbern
Spiegelt sich das Mondenlicht. –
Höre die vorhandene Lesung des Gedichts:
Lesung: Amelitmagelit, 2011, CC BY-SA 3.0. Die Aufnahme stammt nicht aus dem Jahr 1870.
Mini-Auftrag: Lies leise mit. Markiere ein Wort für eine Farbe und eines für ein Geräusch.
Lesefassung: in einfachem Deutsch
Diese 16 Zeilen erklären den Sinn der entsprechenden Originalverse. Sie ersetzen den Wortlaut von 1870 nicht.
Der Himmel und die Erde wirken grau.
Auch das weite Land ist grau und trocken.
Die Sonne hat niedrige Sträucher verbrannt.
Zu sehen sind schwarzer Sumpf und heißer Sand.
Doch in der Ferne verändert sich etwas.
Leichter Abendnebel zieht auf.
Er liegt wie ein grauer, feuchter Schleier.
Die schwere Stille löst sich.
Ein leichter, kühler Wind beginnt.
Er ist so sanft wie der Atem
eines Kindes, das schläft.
Der Wind bremst den müden Flug der Vögel.
In den Büschen bewegt sich etwas.
Man hört ein geheimnisvolles Flüstern.
Aus dem Sumpf klingt ein leises Klagen.
Silbernes Mondlicht spiegelt sich im Wasser.
Wörterhilfe: „dürre“ bedeutet trocken. „Athemzug“ ist die alte Schreibweise von „Atemzug“. „schlafumfang’nen“ heißt sinngemäß vom Schlaf umgeben. „weben“ beschreibt, wie der Nebel einen Schleier zu bilden scheint.
Das Gedicht verstehen
Erste Strophe: Grau und Hitze
Die Verse 1–4 zeigen eine karge Landschaft. Die Wiederholung von „Grau“ (V. 1–2) verstärkt den eintönigen Eindruck. „heißer Sand“ (V. 4) lässt an Hitze denken.

Beispielfoto für einen grauen Himmel: Ryan Mascarenhas, CC BY-SA 4.0. Kein Bild der historischen Gedichtlandschaft.
Frage zum Bild: Passt seine Stimmung zu V. 1–4? Nenne ein Wort aus dem Gedicht.
Zweite und dritte Strophe: Es verändert sich etwas
Das Wort „Doch“ (V. 5) zeigt eine Wendung an. Es kommen „Abendnebel“ (V. 6) und ein „kühles Lüftchen“ (V. 9). Der Wind wird mit dem Atem eines schlafenden Kindes verglichen (V. 10–11). Das wirkt sanft.

Nebel im Venner Moor: Dietmar Rabich, CC BY-SA 4.0. Das Foto ist digital tonwertbearbeitet. Es illustriert nur ein Motiv.
Animation von Wikimedia Commons:
Wolken am Abend im Zeitraffer: Stefan von Halenbach, gemeinfrei. Beobachte, wie Bewegung die Stimmung verändert.
Vierte Strophe: Geräusche und Mondlicht
In V. 13–16 hört man ein „Flüstern“ (V. 14) und ein „klagt’s“ (V. 15). Gleichzeitig erscheint silbernes „Mondenlicht“ (V. 16). Das kann friedlich, aber auch geheimnisvoll wirken. Es gibt mehr als eine begründbare Deutung.

Louis Rémy Mignot, „Moonlight over a Marsh in Ecuador“ (1858), gemeinfrei. Das Gemälde ist ein Vergleichsbild, keine Illustration zu Christens Gedicht.
Hörvergleich – Naturgeräusche, nicht die Gedichtlesung: Waldgeräusche: nille, gemeinfrei. Was hörst Du? Welche Geräusche nennt das Gedicht wirklich?
Form, Sprache und lyrische Stimme
Form: vier Strophen mit je vier Versen. In jeder Strophe reimen sich die Verse 2 und 4 (zum Beispiel „Land“ und „Sand“). Nenne das nicht ohne Prüfung einen durchgängigen Kreuzreim.
Wiederholung: „Grau“ (V. 1–2) fällt besonders auf.
Vergleich: Das Lüftchen wird mit einem kindlichen Atemzug verbunden (V. 9–11).
Bildhafte Sprache: Nebel bekommen „Schleier“ (V. 7). Die „Stille weicht“ (V. 8) klingt wie eine Handlung.
Lyrische Stimme: Eine Stimme beschreibt die Landschaft. Es steht aber nirgends ausdrücklich „ich“. Diese Stimme ist nicht automatisch Ada Christen selbst. Auch ihre Gefühle sind nicht als biografische Tatsachen belegt.
So schreibst Du eine kurze Analyse
Behauptung – Beleg – Wirkung: „Die Landschaft wirkt am Anfang eintönig. Das zeigt die Wiederholung ‚Grau‘ (V. 1–2). Sie verstärkt den tristen Eindruck.“
Zweites Beispiel: „Mit ‚Doch‘ (V. 5) beginnt eine Veränderung. Die kühle Luft (V. 9) bildet einen Gegensatz zur Hitze (V. 4).“
Hilfen in drei Stufen:
- Leicht: Markiere Farben, Wetter und Geräusche.
- Standard: Verbinde jedes wichtige Wort mit einer passenden Verszahl.
- Schwer: Erkläre, wie Sprache und Stimmung zusammenhängen. Prüfe auch andere Deutungen.
Video 1 – Gedichtanalyse schreiben: musstewissen Deutsch (funk).
Video 2 – Lyrisches Ich und Autor unterscheiden: musstewissen Deutsch (funk).
Interaktive Aufgaben
Die Quizfragen prüfen Textwissen. Offene Schreibaufgaben werden nicht automatisch bewertet. Nutze dafür die Quellfassung und Deine Belege.
Quiz: Teste Dein Wissen
Alle Fragen beziehen sich auf die Quellfassung von 1870.
Welche Farbe steht in „Grau der Himmel, grau die Erde“ (V. 1) im Mittelpunkt? (Grau) (!Blau) (!Grün) (!Rot)
Welche zwei Dinge nennt „Schwarzer Sumpf und heißer Sand“ (V. 4)? (Sumpf und Sand) (!Wald und Schnee) (!Meer und Felsen) (!Wiese und Fluss)
Was leitet das Wort „Doch“ (V. 5) ein? (Eine Veränderung der Landschaft) (!Den Beginn eines Gesprächs) (!Die Rückkehr der Mittagshitze) (!Einen Zeitsprung in den Winter)
Was ist „dünn’ und leicht“ (V. 6)? (Der Abendnebel) (!Der heiße Sand) (!Der schwarze Sumpf) (!Das Mondlicht)
Welches Bild gehört zu „Ihre grauen feuchten Schleier“ (V. 7)? (Nebel liegt wie ein Schleier über der Landschaft) (!Ein Kind hält einen Vorhang) (!Die Vögel bauen ein Nest) (!Der Mond steht am Mittagshimmel)
Was „weicht“ laut Vers 8? (Die träge Stille) (!Der heiße Sand) (!Das weite Land) (!Das Mondenlicht)
Womit wird das „kühle Lüftchen“ (V. 9–11) verglichen? (Mit dem Atemzug eines schlafenden Kindes) (!Mit einem Gewitter) (!Mit dem Ruf eines Adlers) (!Mit dem Ticken einer Uhr)
Was wird laut „Hemmt der Vögel matten Flug“ (V. 12) gebremst? (Der Flug der Vögel) (!Das Fließen des Wassers) (!Das Wachsen der Sträucher) (!Das Leuchten des Mondes)
Welches Geräusch steht in „Ein geheimes Flüstern bricht“ (V. 14)? (Ein Flüstern) (!Ein Donnerschlag) (!Ein Glockenschlag) (!Ein lauter Schrei)
Was geschieht bei „Spiegelt sich das Mondenlicht“ (V. 16)? (Mondlicht wird gespiegelt) (!Die Sonne geht auf) (!Ein Feuer beginnt) (!Ein Vogel singt laut)
Memory
Ordne jedem Fachwort seine Bedeutung zu.
| Quellfassung | Wortlaut der historischen Ausgabe |
| Lesefassung | Vereinfachte Erklärung in heutigem Deutsch |
| Strophe | Gruppe zusammengehöriger Gedichtzeilen |
| Vers | Einzelne Zeile eines Gedichts |
| Vergleich | Bildlicher Zusammenhang mit dem Wort wie |
| Anapher | Wiederholung am Anfang mehrerer Zeilen |
| Textbeleg | Kurzes Zitat mit Versangabe |
| Sprecherstimme | Stimme, die das Gedicht vermittelt |
Drag and Drop
Ordne das Textsignal der passenden Funktion zu.
| Textsignal | Passende Funktion |
|---|---|
| Grau | Eintöniger Beginn |
| Doch | Übergang zur Veränderung |
| Abendnebel | Feuchte Schleier |
| Lüftchen | Milde Abkühlung |
| Mondenlicht | Silberne Spiegelung |
Kreuzworträtsel
Alle Antworten stehen im Gedicht. Verwende jeweils ein Wort.
| Abendnebel | Was webt in der Ferne und ist dünn und leicht? |
| Stille | Was weicht laut Vers 8? |
| Lüftchen | Was ist in Vers 9 mild und kühl? |
| Schleier | Welches Wort beschreibt das Aussehen der Nebel in Vers 7? |
| Flüstern | Was hört man in den Büschen? |
| Mondenlicht | Was spiegelt sich am Schluss? |
LearningApps
Suche nach passenden Übungen. Nicht jeder Treffer gehört zu diesem Gedicht.
Lückentext
Ergänze pro Satz genau ein Wort oder eine kurze Wortgruppe.
Offene Aufgaben
Diese Aufgaben haben keine automatische Bewertung. Schreibe in ganzen Sätzen. Verwende bei Analysen die Quellfassung.
Leicht
- Stimmungswörter: Schreibe fünf Wörter aus dem Gedicht ab, die die Stimmung beschreiben. Hilfe: Suche in V. 1–4 und V. 13–16.
- Inhaltsangabe: Fasse jede der vier Strophen in einem eigenen Satz zusammen. Hilfe: Anfang – Nebel – Wind – Mond.
- Kreatives Schreiben: Schreibe vier eigene Zeilen über einen Abend. Hilfe: Nenne eine Farbe, einen Laut und eine Bewegung.
- Schreiben mit Textbelegen: Erkläre in drei Sätzen das Wort „Doch“ (V. 5). Hilfe: Was war vorher anders?
Standard
- Sprachliche Mittel: Suche eine Wiederholung und einen Vergleich. Erkläre die Wirkung in fünf Sätzen. Hilfe: V. 1–2 und V. 9–11.
- Perspektive: Schreibe einen kurzen Brief aus Sicht einer Person, die diese Landschaft sieht. Hilfe: Welche zwei Sinneseindrücke fallen auf? Kennzeichne Deinen Text als erfunden.
- Gedichtanalyse: Verfasse einen Absatz von etwa 100 Wörtern mit zwei Versbelegen. Hilfe: Behauptung – Beleg – Wirkung.
- Bildvergleich: Vergleiche das Bild des Moors mit V. 5–8. Schreibe vier Gemeinsamkeiten oder Unterschiede. Hilfe: Farbe, Licht, Bewegung und Ort.
Schwer
- Interpretation: Schreibe zwei verschiedene Deutungen zu „Leise klagt’s“ (V. 15). Begründe beide mit dem Text. Hilfe: friedlich oder unheimlich?
- Gedichtvergleich: Vergleiche das Gemälde von Mignot mit Christens letzter Strophe in 120 Wörtern. Hilfe: Unterscheide sichtbare Bilddetails von Textbelegen.
- Lyrisches Ich: Erkläre, warum die sprechende Stimme nicht mit Ada Christen gleichgesetzt werden darf. Formuliere ein Gegenbeispiel. Hilfe: Im Text steht kein ausdrückliches „ich“.
- Erörterung: Ist die Landschaft am Ende wirklich freundlich? Schreibe eine begründete Stellungnahme mit mindestens drei Zitaten. Hilfe: Prüfe „Flüstern“, „klagt’s“ und „Mondenlicht“.


Lernkontrolle
Zeige Zusammenhänge statt einzelne Fakten aufzusagen.
- Kontrast: Erkläre, wie „heißer Sand“ (V. 4) und „kühles Lüftchen“ (V. 9) zusammenwirken.
- Wirkung sprachlicher Mittel: Beschreibe, wie sich der Eindruck änderte, wenn „Grau“ in V. 2 nicht wiederholt würde.
- Transfer: Übertrage den Vergleich mit dem Kinderatem auf eine andere Alltagsszene. Erkläre, welche Wirkung dabei entsteht.
- Text und Bild: Beurteile, ob das Moorfoto eher zum Anfang oder zum Ende passt. Stütze Dich auf zwei Verse.
- Mehrdeutigkeit: Begründe zwei unterschiedliche Wirkungen der letzten Strophe und entscheide Dich für die überzeugendere.
- Quellenkritik: Erkläre an einem Beispiel, warum ein Wort aus der Lesefassung nicht als wörtliches Zitat von 1870 gelten darf.
Lernnachweis
Für Deinen Lernnachweis gibst Du einen eigenen kurzen Analysetext ab. Darin sollen diese Leistungen erkennbar sein:
- Du nennst Autorin, Titel, Buch, Erscheinungsjahr und Aufbau richtig.
- Du erklärst die Veränderung von der ersten bis zur letzten Strophe.
- Du untersuchst mindestens zwei Sprachbilder oder sprachliche Mittel.
- Du nutzt mindestens drei kurze Zitate mit korrekten Versangaben.
- Du unterscheidest Deine Deutung vom Wortlaut und die lyrische Stimme von der Autorin.
- Du ergänzt eine begründete eigene Deutung der Schlussverse.
OERs zum Thema
Freie Textquellen: Wikisource: „Abendbild“ · TextGrid: textkritische digitale Textfassung · Historisches Digitalisat bei Wikimedia Commons.
Hintergrund zur Autorin:
Medienrechte und Namensnennung
Die folgenden Medien sind vorhandene Dateien auf Wikimedia Commons. Im aiMOOC wurden keine Bilder, Audios oder Animationen neu hergestellt oder verändert. Die Links führen zu Urheber- und Lizenzangaben.
| Medium und Fundstelle | Urheberin oder Urheber | Rechte |
|---|---|---|
| Buchscan | Ada Christen; Scan: ngiyaw-eBooks | Gemeinfrei |
| Porträt | Rudolf Krziwanek | Gemeinfrei |
| Gedichtlesung | Amelitmagelit | CC BY-SA 3.0 |
| Wolkenfoto | Ryan Mascarenhas | CC BY-SA 4.0 |
| Moorfoto | Dietmar Rabich | CC BY-SA 4.0 |
| Wolken-Zeitraffer | Stefan von Halenbach | Gemeinfrei |
| Moorgemälde | Louis Rémy Mignot | Gemeinfrei |
| Waldton | nille | Gemeinfrei |
YouTube: Die beiden Videos von musstewissen Deutsch (funk) sind nur über YouTube eingebettet. Eine freie Lizenz zur Weiterverbreitung wird nicht behauptet. Gedichtanalyse · Lyrisches Ich.
Lizenzhinweis: Bei CC BY-SA müssen Name, Quelle, Lizenz und gegebenenfalls Änderungen genannt werden. Die Originaldateien wurden hier nicht bearbeitet. Die Gemälde und Fotos veranschaulichen das Gedicht; sie sind keine historischen Darstellungen seines Schauplatzes.
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