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Kleine Geschichte - Morgenstern, Christian - Gedichtanalyse

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Kleine Geschichte - Morgenstern, Christian - Gedichtanalyse

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Kleine Geschichte - Morgenstern, Christian - Gedichtanalyse

Deutsch | Klasse 7–8 | Gedicht mit 16 Versen


Einleitung

In „Kleine Geschichte“ erzählt Christian Morgenstern von einer kleinen Fahne. Eine Hälfte ist rot, die andere gelb. Beide Farben möchten zusammenkommen. Erst ein starker Regen verändert alles.

Du liest den historischen Text, verstehst schwierige Wörter und lernst, eine Gedichtanalyse mit Belegen zu schreiben.

Christian Morgenstern (Selbstporträt, 1906). Quelle: Wikimedia Commons; gemeinfrei.


Quelle und Ausgabe

Erstdruck: Christian Morgenstern, Auf vielen Wegen. Gedichte, Berlin: Schuster & Loeffler, 1897, S. 69. Das Gedicht steht dort unter „Gedichte vermischten Inhalts“.

Wichtig: Die vom Nutzer genannte Zeno-Seite ist eine digitale Textausgabe. Zeno nennt als Textgrundlage eine spätere Ausgabe der Sämtlichen Dichtungen (Basel, 1971–1973). Sie ist kein Foto der Buchseite von 1897.

Der Wortlaut unten folgt der CMO-Transkription, die den Erstdruck von 1897 auf S. 69 nachweist. Zwischen digitalen Ausgaben gibt es kleine Unterschiede bei Apostrophen und Satzzeichen. Hier wurden historische Schreibungen nicht still geändert.

Zum Nachsehen: Scan des Buches von 1897 (S. 69).


Quellenfassung: Das Gedicht

Christian Morgenstern: Kleine Geschichte

Litt einst ein Fähnlein große Not,
halb war es gelb, halb war es rot,
und wollte gern zusammen
zu einer lichten Flammen.

Es zog sich, wand sich, wellte sich,
es knitterte, es schnellte sich, -
umsonst! es mocht' nicht glücken
die Naht zu überbrücken.

Da kam ein Wolkenbruch daher
und wusch das Fähnlein kreuz und quer,
daß Rot und Gelb, zerflossen,
voll Inbrunst sich genossen.

Des Fähnleins Herren freilich war
des Vorgangs Freudigkeit nicht klar, -
indes, die sich besaßen,
nun alle Welt vergaßen.

Text: 4 Strophen mit je 4 Versen = 16 Verse. Versangaben im Kurs beziehen sich auf diesen Wortlaut. Gemeinfreier Gedichttext.


Lesefassung: Einfach erklärt

Keine Übersetzung, sondern eine Inhaltsangabe in heutiger Sprache.

Am Anfang (Verse 1–4): Eine kleine Fahne hat zwei Farben. Rot und Gelb möchten zusammen eine helle Flamme bilden.

Der Versuch (Verse 5–8): Die Fahne bewegt und faltet sich. Doch die Naht zwischen den Stoffteilen bleibt ein Hindernis.

Die Wendung (Verse 9–12): Ein heftiger Regen wäscht die Fahne. Die Farben verlaufen und kommen zusammen. Im Gedicht freuen sie sich darüber.

Am Schluss (Verse 13–16): Die Besitzer der Fahne verstehen diese Freude nicht. Für die Farben ist nur noch ihr Zusammensein wichtig.

Zwei Farbfelder auf einer Signalfahne: ein Vergleichsbild, nicht die Fahne aus dem Gedicht. Grafik: Denelson83; Wikimedia Commons, gemeinfrei.


Lernpunkt: Schwierige Wörter

Fähnlein bedeutet kleine Fahne. Naht ist die Stelle, an der Stoffteile zusammengenäht sind. Wolkenbruch heißt sehr starker Regen. Inbrunst bedeutet ein besonders starkes Gefühl. Indes heißt hier „währenddessen“.

Hier siehst Du eine Stoffnaht. Im Gedicht wird sie zum Hindernis. Foto: Stormy, Wikimedia Commons, CC BY-SA 2.0.

Mini-Auftrag: Erkläre mit eigenen Worten: Warum reicht das Bewegen der Fahne nicht aus? Hilfe: Lies Verse 5–8 noch einmal.


Lernpunkt: Was passiert mit den Farben?

In Vers 9 kommt der Wolkenbruch. Vorher scheitern alle Versuche. Nun verändert der Regen die Farben.

Starker Regen als Anschauungsbild, keine historische Gedichtillustration. Foto: Richard N Horne, Wikimedia Commons, CC BY 4.0.

Höre den Regen: Das ist ein Naturgeräusch, keine Gedichtlesung.

Regenaufnahme auf Commons – Aufnahme: Effib, CC BY-SA 3.0.

Rote und gelbe Farbe beim Mischen. Das Bild zeigt Farbe auf einer Palette, nicht die Fahne des Gedichts. Foto: quattrostagioni, Wikimedia Commons, CC BY 2.0.

Animation: Gelbe Farbe breitet sich in Wasser aus. Das ist ein naturwissenschaftlicher Vergleich und keine genaue Darstellung des Geschehens auf Stoff.

Animation: CTho, Wikimedia Commons; laut Dateiseite zur freien Nutzung freigegeben.

Denkfrage: Der Regen kann eine Fahne beschädigen. Warum ist er für die Farben im Gedicht trotzdem eine Hilfe?


Lernpunkt: So ist das Gedicht gebaut

Strophe: Das Gedicht hat vier Abschnitte. Jeder Abschnitt hat vier Verse.

Paarreim: Je zwei benachbarte Verse reimen sich. Beispiele: „Not – rot“ (Verse 1–2) und „zusammen – Flammen“ (Verse 3–4). Das Muster jeder Strophe lautet aabb.

Personifikation: Eine Sache erhält menschliche Gefühle oder Handlungen. Die Fahne „litt“ (Vers 1). Rot und Gelb „genossen“ einander (Vers 12). Farben können das in Wirklichkeit nicht.

Die lyrische Stimme: Das Gedicht wird von außen erzählt. Es gibt kein sprechendes „Ich“. Der Autor ist Christian Morgenstern; die erzählende Stimme im Gedicht darfst Du nicht einfach mit dem Autor gleichsetzen.

Mögliche Deutung: Die beiden Farben können für Menschen stehen, die zusammengehören möchten. Der Schluss stellt ihre Freude dem Unverständnis der Besitzer gegenüber. Das ist eine Interpretation, keine sicher bewiesene Absicht des Autors.


Video: Gedichte untersuchen

Das Video von musstewissen Deutsch zeigt die Schritte einer Gedichtanalyse. Achte auf Inhalt – Form – Sprache – Deutung.

YouTube: „Wie schreibe ich eine Gedichtanalyse?“, musstewissen Deutsch (2017). Nur eingebettet; keine freie Videolizenz behauptet.


Video und Hörbeispiel: Ein anderes Morgenstern-Gedicht

Oliver Steller trägt „Die drei Spatzen“ vor. Es ist nicht „Kleine Geschichte“. Achte nur auf Pausen, Betonung und Tempo. Überlege anschließend, wie Du „Kleine Geschichte“ vorlesen würdest.

YouTube: „Die drei Spatzen, Christian Morgenstern, Oliver Steller“ (2014). Nur eingebettet; keine freie Videolizenz behauptet.

Weiteres Hörbeispiel auf Commons: „Die unmögliche Tatsache“ von Morgenstern. Auch das ist ein anderes Gedicht.

Sprecher: Euripides (2006), Wikimedia Commons, CC BY-SA 3.0.

Hinweis: YouTube-Videos können beim Laden Daten an YouTube übertragen.


Interaktive Aufgaben

Die Fragen prüfen Textstellen und Lernbegriffe. Lies bei Unsicherheit die angegebenen Verse nach.


Quiz: Teste Dein Wissen

Wer hat „Kleine Geschichte“ geschrieben? (Christian Morgenstern) (!Joachim Ringelnatz) (!Heinrich Heine) (!Erich Kästner)




In welchem Jahr erschien „Auf vielen Wegen“ erstmals? (1897) (!1914) (!1921) (!1971)




Welche Farben nennt Vers 2? „halb war es gelb, halb war es rot“ (Gelb und Rot) (!Blau und Grün) (!Schwarz und Weiß) (!Lila und Rosa)




Was wünschen sich die Farben in Vers 3–4? „wollte gern zusammen“ (Sie möchten zusammenkommen) (!Sie möchten verschwinden) (!Sie möchten getrennt bleiben) (!Sie möchten ein Lied singen)




Was gelingt in Vers 5–8 nicht? „die Naht zu überbrücken“ (Die Trennung an der Naht zu überwinden) (!Die Fahne zu verkaufen) (!Den Regen aufzuhalten) (!Eine neue Farbe zu erfinden)




Was kommt in Vers 9? „Da kam ein Wolkenbruch daher“ (Ein starker Regen) (!Ein heißer Wind) (!Ein Schneesturm) (!Ein heller Sonnenstrahl)




Was geschieht in Vers 11–12? „Rot und Gelb, zerflossen“ (Die Farben fließen ineinander) (!Die Farben werden zusammengenäht) (!Die Farben werden übermalt) (!Die Fahne wächst)




Was erfahren wir über die Herren in Vers 13–14? „Freudigkeit nicht klar“ (Sie verstehen die Freude nicht) (!Sie feiern mit den Farben) (!Sie nähen die Fahne neu) (!Sie sprechen mit dem Regen)




Wer erzählt die Geschichte des Fähnleins? (Eine erzählende Stimme von außen) (!Die Fahne als sprechendes Ich) (!Ein Besitzer als sprechendes Ich) (!Ein namentlich genannter Zeuge)




Welches Reimschema zeigen „Not – rot“ und „zusammen – Flammen“? (Paarreim) (!Kreuzreim) (!Umarmender Reim) (!Reimlose Verse)





Memory

Finde die zusammengehörenden Begriffe.

Fähnlein kleine Fahne
Wolkenbruch sehr starker Regen
Naht Verbindung von Stoffteilen
Vers einzelne Gedichtzeile
Strophe Abschnitt eines Gedichts
Personifikation Vermenschlichung von Dingen
Paarreim Reim benachbarter Zeilen





Drag and Drop

Ordne die Begriffe zur Handlung. Denk an den Ablauf des Gedichts.

Ordne die richtigen Begriffe zu. Handlung
Ausgangslage Farbentrennung
Wunsch Zusammengehörigkeit
Hindernis Stoffnaht
Wendung Wolkenbruch
Schluss Unverständnis





Kreuzworträtsel

Trage zu jeder Frage ein Wort ein.

Fähnlein Wie heißt die kleine Fahne im Gedicht?
Naht Was verbindet die Stoffstücke und trennt im Bild die Farben?
Wolkenbruch Welches Wetterereignis löst die Veränderung aus?
Paarreim Wie heißt das Reimschema mit benachbarten Reimpaaren?
Strophe Wie heißt ein Abschnitt aus mehreren Versen?
Personifikation Wie heißt das Stilmittel, das Dingen menschliche Eigenschaften gibt?





LearningApps

Suche nach weiteren Übungen. Die Suchergebnisse stammen von Dritten und beziehen sich nicht zwingend auf genau dieses Gedicht.


Lückentext

Vervollständige den Text.
Der Dichter heißt Christian

.
Das Buch erschien zuerst im Jahr

.
Das Gedicht hat vier

.
Jede Strophe besteht aus vier

.
Die kleine Fahne heißt im Gedicht

.
Eine der beiden Farben ist

.
Die andere Farbe ist

.
Zwischen den Stoffteilen liegt eine

.
Der starke Regen heißt

.
Die Reimpaare bilden einen

.
Die Vermenschlichung einer Sache heißt

.
Die Besitzer verstehen die

der Farben nicht.



Gestufte Hilfen

Hilfe 1 – leicht: Unterstreiche im Gedicht die Wörter „Fähnlein“, „Naht“ und „Wolkenbruch“. Erzähle zu jedem Wort einen Satz.

Hilfe 2 – mittel: Arbeite nach dem Muster Beobachtung – Textstelle – Erklärung. Beispiel: „Die Fahne hat Gefühle, denn sie ,litt‘ (V. 1). Das ist eine Personifikation.“

Hilfe 3 – anspruchsvoll: Beginne mit „Man kann das Gedicht so deuten, dass …“. Stütze Deine Idee mit zwei Versen. Schreibe auch, was eine andere Deutung sein könnte.


Offene Aufgaben

Diese 12 Schreibaufgaben haben keine automatische Bewertung. Du kannst sie allein oder mit einem Partner bearbeiten. Nutze die Hilfen oben.


Leicht

  1. Inhaltsangabe: Schreibe zu jeder Strophe einen einfachen Satz. Hilfe: „Zuerst … Danach …“
  2. Wortschatz: Erkläre „Fähnlein“, „Naht“ und „Inbrunst“ mit eigenen Worten. Hilfe: Nutze die Lesefassung.
  3. Textbeleg: Suche zwei Wörter, die die Bewegung der Fahne zeigen. Schreibe dazu die Verszahlen.
  4. Kreatives Schreiben: Schreibe ein kurzes Gespräch zwischen Rot und Gelb vor dem Regen. Kennzeichne es als erfunden.


Standard

  1. Gedichtvortrag: Plane Deinen Vortrag schriftlich. Markiere zwei Pausen und drei betonte Wörter. Begründe Deine Wahl.
  2. Personifikation: Finde zwei Personifikationen und erkläre jeweils ihre Wirkung mit einem Versbeleg.
  3. Reimschema: Notiere aus zwei Strophen die Reimwortpaare. Erkläre, wie der Klang zur kleinen Geschichte passt.
  4. Perspektivwechsel: Schreibe einen kurzen Tagebucheintrag aus Sicht eines Fahnenbesitzers. Trenne die erfundene Sicht von den Aussagen des Gedichts.


Schwer

  1. Interpretation: Entwickle zwei mögliche Deutungen: eine zur Verbindung der Farben und eine zum Gegensatz zwischen Farben und Besitzern. Belege beide.
  2. Gedichtanalyse: Schreibe einen Analyseabsatz von etwa 100 Wörtern. Nutze die Reihenfolge Aussage – Zitat mit Verszahl – Erklärung.
  3. Textkritik: Vergleiche die Schreibweisen „mocht'“ und „mocht“ in den verlinkten Fassungen. Notiere, welche Quelle Du benutzt und warum man alte Schreibweisen kennzeichnen sollte.
  4. Schreibwerkstatt: Verfasse ein eigenes Gedicht mit acht Versen und zwei Personifikationen. Markiere deutlich, dass es Dein eigener Text ist.




Text bearbeiten Bild einfügen Video einbetten Interaktive Aufgaben erstellen



Lernkontrolle

Bearbeite die Aufgaben mit Begründungen und Textbelegen. Hier gibt es keine automatische Bewertung.

  1. Perspektive: Warum kann dasselbe Regenereignis für die Besitzer schlecht, für die Farben aber gut sein? Begründe mit zwei Versen.
  2. Stilmittel: Erkläre, wie die Personifikation Deine Sicht auf Rot und Gelb verändert. Nutze ein genaues Zitat.
  3. Klang und Wirkung: Untersuche die vielen Bewegungsverben in Vers 5–6. Warum passen sie zur vergeblichen Anstrengung?
  4. Übertragung: Überlege, wofür eine „Naht“ im Zusammenleben von Menschen stehen könnte. Trenne Deine eigene Deutung vom Text.
  5. Deutungsvergleich: Vergleiche zwei Deutungen des Schlusses. Welche ist durch Vers 13–16 besser gestützt und warum?
  6. Quellenkritik: Erkläre, warum die Zeno-Textseite, die Ausgabe von 1897 und eine vereinfachte Inhaltsangabe nicht dieselbe Art von Quelle sind.


Lernnachweis

Für Deinen Lernnachweis sind wichtig:

  1. Du kannst die vier Strophen in eigenen Worten zusammenfassen.
  2. Du kennst 16 Verse, Paarreim und Personifikation und findest passende Beispiele.
  3. Du gibst kurze Zitate mit Verszahlen richtig an.
  4. Du unterscheidest Christian Morgenstern als Autor, die erzählende Stimme und Deine Interpretation.
  5. Du kannst den Erstdruck von 1897 nennen und Quellen- von Lesefassung unterscheiden.
  6. Du gibst eine begründete Deutung und eine eigene Schreibaufgabe ab.




OERs zum Thema

Gedicht und historische Quellen:

  1. Zeno: Kleine Geschichte – Ausgangspunkt; digitale Edition auf Grundlage einer späteren Werkausgabe.
  2. CMO: Kleine Geschichte – Text, Überlieferung und Nachweis: Erstdruck 1897, S. 69.
  3. Wikisource: Christian Morgenstern – bibliografischer Eintrag und Scan-Link zur Ausgabe von 1897.
  4. Christian-Morgenstern-Gesellschaft: Werkausgaben – bestätigt Verlag und Erscheinungsjahr.
  5. Wikimedia Commons: Christian Morgenstern – freie Medien mit Einzellizenzen.

Rechte und Fassungen: Der Gedichttext von Morgenstern († 1914) ist in Deutschland gemeinfrei. Die Lesefassung oben ist eine deutsche Erklärung, keine fremdsprachige Übersetzung. Moderne Übersetzungen können eigene Urheberrechte haben und wurden nicht übernommen. Bei Commons gelten die jeweils verlinkten Dateilizenzen und Namensnennungen. Die eingebetteten YouTube-Videos sind nicht als OER ausgewiesen; ihre Rechte bleiben bei den jeweiligen Berechtigten.

Wikipedia-Hintergrund zum Autor (nicht zum Wortlaut des Gedichts):



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