Impressionismus und Postimpressionismus - Kunst verstehen
Einleitung
Impressionismus und Postimpressionismus - Kunst verstehen
Klasse 7–8 | Kunst
Wie kann ein Bild Sonnenlicht zeigen? Wie sieht ein Bahnhof voller Dampf aus? Im 19. Jahrhundert malten Kunstschaffende neue Motive: Straßen, Freizeit und Momente aus dem Alltag. Sie erprobten helle Farben und neue Pinselstriche.
Dein Ziel: Du erkennst Merkmale des Impressionismus und erklärst, warum der Post-Impressionismus viele verschiedene Wege umfasst.
Impressionismus: den Augenblick sehen
1874 zeigten Kunstschaffende in Paris ihre Bilder unabhängig von der offiziellen Ausstellung. Ihr Stil war nicht bei allen gleich. Viele wollten zeigen, wie Licht und Farbe in einem Moment wirken.
Licht und sichtbare Pinselstriche

Claude Monet: „Impression, Sonnenaufgang“, 1872. Wikimedia Commons, gemeinfrei.
Bei Claude Monet lösen kurze Farbtupfer feste Umrisse auf. Die Sonne und ihre Spiegelung fallen sofort auf.
Schau genau: Wo siehst Du Nebel? Wo ist das Licht am stärksten?

Claude Monet: „Bahnhof Saint-Lazare“, 1877. Wikimedia Commons, gemeinfrei.
Auch Züge und Dampf gehören zum modernen Leben. Monet beobachtet, wie sich Licht im Dampf verändert.
Video aus dem Museum (Englisch): Wie begann der Impressionismus? Du kannst Untertitel einschalten.
National Gallery of Art: „How Impressionism Began“ (2024).
Stadt und Freizeit

Gustave Caillebotte: „Straße in Paris an einem Regentag“, 1877. Wikimedia Commons, gemeinfreies Gemälde, Reproduktion CC0.
Gustave Caillebotte zeigt breite Straßen und Menschen mit Schirmen. Die klare Perspektive unterscheidet sich von Monets lockeren Tupfern. Nicht alle Impressionisten malten gleich.

Pierre-Auguste Renoir: „Bal du moulin de la Galette“, 1876. Wikimedia Commons, gemeinfrei.
Pierre-Auguste Renoir malt Menschen beim Tanzen. Lichtflecken liegen auf Kleidung und Gesichtern. Auch Freizeit wird zum Bildthema.
Menschen im Alltag

Berthe Morisot: „Die Wiege“, 1872. Wikimedia Commons, gemeinfrei.
Berthe Morisot zeigt einen stillen Familienmoment. Frauen waren ebenfalls wichtige Künstlerinnen der Bewegung.

Edgar Degas: „Die Tanzklasse“, 1874. Wikimedia Commons, gemeinfrei.
Edgar Degas zeigt eine Probe, nicht nur eine Aufführung. Seine Bildausschnitte wirken manchmal wie zufällige Beobachtungen.
Postimpressionismus: viele Wege statt eines Stils
Ab den 1880er-Jahren gingen verschiedene Künstler über den Impressionismus hinaus. Dafür wird oft der Sammelbegriff Postimpressionismus verwendet. Es gab keine einzige gemeinsame Fortsetzung. Manche verstärkten Gefühle, andere ordneten Formen oder nutzten Farbpunkte. Die Übergänge waren fließend.
Van Gogh: Farbe und Gefühl

Vincent van Gogh: „Sternennacht“, 1889. Wikimedia Commons, gemeinfrei.
Vincent van Gogh nutzt kräftige Farben und bewegte Linien. Der Himmel wirkt lebendig. Das Bild ist keine genaue Kopie eines Augenblicks.
Museum of Modern Art: „The Starry Night“ (Englisch).
Seurat: Punkte und Wahrnehmung

Georges Seurat: „Ein Sonntagnachmittag auf der Insel La Grande Jatte“, 1884–1886. Wikimedia Commons, gemeinfrei.
Georges Seurat setzt viele kleine Farbpunkte nebeneinander. Aus der Entfernung nehmen wir größere Farbflächen wahr. Diese Technik heißt Pointillismus.
Mini-Versuch: Betrachte das Bild nah und dann weit entfernt. Was verändert sich?
Smarthistory: „Seurat, A Sunday on La Grande Jatte“ (Englisch).
Cézanne: Formen und Aufbau

Paul Cézanne: „Mont Sainte-Victoire“, 1902–1904. Wikimedia Commons, gemeinfrei.
Paul Cézanne untersucht den Aufbau der Landschaft. Farbflächen helfen ihm, Berge, Bäume und Häuser als Formen zu ordnen.
Smarthistory: „Cézanne, Mont Sainte-Victoire“ (Englisch).
Gauguin: vereinfachte Farbflächen

Paul Gauguin: „Vision nach der Predigt“, 1888. Wikimedia Commons, gemeinfrei.
Paul Gauguin setzt große, flache Farbbereiche ein. Das starke Rot bildet keine gewöhnliche Wiese ab. Es gehört zu einer vorgestellten Szene.
Merke: Monet untersucht oft das wechselnde Licht. Van Gogh, Seurat, Cézanne und Gauguin verfolgen unterschiedliche eigene Ziele.
Sehen und Hören ausprobieren
Animation: Die beiden markierten Felder wirken verschieden hell. In Wirklichkeit haben sie denselben Grauton. Unser Sehen hängt auch von der Umgebung ab. Das ist eine optische Täuschung, nicht Seurats Maltechnik.

Animation: Thomas Schoch; spätere Bearbeitungen auf Wikimedia Commons. Quelldatei, CC BY-SA 3.0. Hier unverändert eingebunden.
Hörbeispiel: Höre eine Minute Klaviermusik. Welche Stimmung spürst Du? Ein Klavierstück erklärt kein Gemälde. Hier vergleichst Du nur Eindrücke.
Claude Debussy: „Clair de lune“; Klavieraufnahme Laurens Goedhart (2011). Wikimedia Commons, Aufnahme CC BY 3.0; Komposition gemeinfrei.
Hilfen zum Lernen
Hilfe 1 – Sehen: Nenne zuerst nur Dinge und Farben, die Du erkennst.
Hilfe 2 – Beschreiben: Ergänze: „Die Pinselstriche wirken …, weil …“
Hilfe 3 – Erklären: Frage Dich: „Warum passt diese Malweise zu diesem Motiv?“
Satzstarter: „Im Gegensatz zu … legt … mehr Wert auf …“
Interaktive Aufgaben
Quiz: Teste Dein Wissen
Zu jedem Lernpunkt gibt es eine richtige Antwort.
Worauf lenkt Monet im Bild „Impression, Sonnenaufgang“ den Blick? (Auf Licht und Spiegelungen) (!Auf eine genau gezeichnete Landkarte) (!Auf ein mittelalterliches Turnier) (!Auf ein erfundenes Tier)
Was passt zu vielen impressionistischen Bildern? (Sichtbare kurze Pinselstriche) (!Nur schwarze Umrisse) (!Immer völlig glatte Farbflächen) (!Ausschließlich geometrische Muster)
Was macht Monets Bahnhof zu einem Motiv der modernen Welt? (Die Eisenbahn und der Dampf) (!Eine römische Tempelruine) (!Ein Ritter in Rüstung) (!Ein antikes Schiff)
Was zeigt Renoirs Tanzbild? (Freizeit und geselliges Leben) (!Eine Schlacht) (!Eine Gerichtsverhandlung) (!Eine Unterrichtsstunde im Labor)
Welches Thema zeigt Berthe Morisots „Die Wiege“? (Einen privaten Familienmoment) (!Ein Weltraumabenteuer) (!Eine Bergbesteigung) (!Ein Autorennen)
Warum zeigt Caillebottes Straßenbild eine andere Malweise als Monets Sonnenaufgang? (Die Straßenperspektive ist klar aufgebaut) (!Es enthält überhaupt keine Menschen) (!Es wurde aus Farbpunkten gedruckt) (!Es zeigt eine Fantasiewelt ohne Häuser)
Welche Technik ist besonders mit Georges Seurat verbunden? (Pointillismus mit vielen Farbpunkten) (!Fotografie ohne Farbe) (!Steinbildhauerei) (!Mosaike aus Metallplatten)
Wodurch wirkt van Goghs „Sternennacht“ besonders bewegt? (Durch schwungvolle Linien und kräftige Farben) (!Durch leere weiße Flächen) (!Durch einen exakten Bauplan) (!Durch eine schriftliche Erklärung im Himmel)
Was untersucht Cézanne in seinen Landschaften besonders? (Den Aufbau von Formen) (!Die Wirkung von Bühnenkostümen) (!Die Geschwindigkeit von Autos) (!Die Regeln der Schriftgestaltung)
Warum ist Postimpressionismus ein Sammelbegriff? (Weil Künstler verschiedene eigene Stile entwickelten) (!Weil alle Künstler nur Punkte malten) (!Weil alle Bilder von einer Person stammen) (!Weil nur Nachtbilder dazu gehören)
Memory
| Sonnenaufgang | Claude Monet |
| Tanzlokal | Pierre-Auguste Renoir |
| Wiege | Berthe Morisot |
| Tanzprobe | Edgar Degas |
| Farbpunkte | Georges Seurat |
| Bewegter Sternenhimmel | Vincent van Gogh |
| Geordnete Landschaft | Paul Cézanne |
Drag and Drop
| Ordne die richtigen Begriffe zu. | Typisches Merkmal |
|---|---|
| Claude Monet | Wechselndes Licht |
| Georges Seurat | Kleine Farbpunkte |
| Vincent van Gogh | Ausdrucksstarke Linien |
| Paul Cézanne | Aufbau von Formen |
| Paul Gauguin | Große Farbflächen |
Kreuzworträtsel
| Monet | Wer malte „Impression, Sonnenaufgang“? |
| Renoir | Wer malte die Tanzszene im Moulin de la Galette? |
| Morisot | Wie heißt die Künstlerin des Bildes „Die Wiege“? |
| Degas | Wer malte „Die Tanzklasse“? |
| Seurat | Welcher Maler arbeitete mit vielen Farbpunkten? |
| Gauguin | Wer malte „Vision nach der Predigt“? |
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Lückentext
Offene Aufgaben
Diese Aufgaben haben keine automatische Bewertung. Besprich Deine Ergebnisse mit einer anderen Person oder der Lehrkraft.
Leicht
- Bildbetrachtung: Suche in „Impression, Sonnenaufgang“ drei Farben. Schreibe zu jeder Farbe ein Wort zur Wirkung. Hilfe: hell, dunkel, warm, kühl.
- Licht: Zeichne einen Gegenstand einmal im Schatten und einmal im Sonnenlicht. Hilfe: Beobachte zuerst die hellste Stelle.
- Alltag: Wähle Morisots oder Degas' Bild. Beschreibe in vier kurzen Sätzen, was die Menschen tun. Hilfe: „Ich sehe …“
- Farbe: Gestalte ein kleines Feld aus kurzen Farbtupfern. Hilfe: Nutze zwei bis drei Farben.
Standard
- Freilichtmalerei: Skizziere denselben Ort bei unterschiedlichem Licht. Schreibe zwei Unterschiede auf. Hilfe: Achte auf Schatten.
- Pointillismus: Zeichne mit Punkten eine Frucht. Vergleiche das Bild aus der Nähe und aus der Entfernung. Hilfe: Setze Farben nebeneinander.
- Bildvergleich: Vergleiche Caillebottes Straße mit Monets Bahnhof. Was wirkt geordnet, was flüchtig? Begründe Deine Antwort. Hilfe: Schaue auf Linien und Dampf.
- Musik und Kunst: Höre einen Ausschnitt von Debussy. Suche ein Bild, das für Dich zu seiner Stimmung passt, und begründe Deine Wahl. Hilfe: Verwende drei Gefühlswörter.
Schwer
- Ausstellung: Plane eine Mini-Ausstellung mit vier hier gezeigten Werken. Schreibe zu jedem Werk eine eigene Bildunterschrift. Hilfe: Werk, Stilmerkmal, Wirkung.
- Kunstkritik: Begründe mit drei Bildern, warum Postimpressionismus keine einheitliche Malweise ist. Hilfe: Vergleiche Linien, Punkte und Flächen.
- Interview: Befrage eine Person, was sie in van Goghs und Seurats Bildern empfindet. Vergleiche ihre Antworten mit Deinen. Hilfe: Stelle offene Fragen.
- Bildanalyse: Wähle ein historisches Bild einer Straße und vergleiche es mit Caillebotte. Was sagen beide über ihre Zeit? Gib Deine Bildquelle an. Hilfe: Achte auf Kleidung, Verkehr und Blickwinkel.


Lernkontrolle
Arbeite mit Belegen aus den Bildern. Die Lehrkraft oder eine Lerngruppe gibt Rückmeldung.
- Bildwirkung: Erkläre, warum Monets verschwommener Dampf gut zum Thema Augenblick passt.
- Perspektive: Vergleiche die Raumwirkung bei Caillebotte und Seurat. Welche Unterschiede kannst Du sehen?
- Ausdruck: Begründe, warum van Goghs Sternenhimmel mehr als eine sachliche Beobachtung sein kann.
- Transfer: Du möchtest den Pausenhof malen. Welche Malweise würdest Du für Licht, für Gefühle und für Formen wählen? Begründe jede Wahl.
- Kunstgeschichte: Erkläre an mindestens drei Werken, warum sich aus dem Impressionismus mehrere Wege entwickelten.
Lernnachweis
Für Deinen Lernnachweis sammelst Du:
- Eine eigene Bildbeschreibung mit mindestens drei erkannten Merkmalen.
- Einen begründeten Vergleich zwischen einem impressionistischen und einem postimpressionistischen Werk.
- Ein selbst gestaltetes Bild oder eine Skizze mit Angabe der gewählten Technik.
- Eine kurze Erklärung der Unterschiede zwischen Van Gogh, Seurat und Cézanne.
- Die Quellen Deiner verwendeten Bilder und eine kurze Reflexion: Was hast Du neu entdeckt?
OERs zum Thema
Grundlage: Margaret Samu, „Impressionism: Art and Modernity“, The Metropolitan Museum of Art (2004): Originaltext.
Weitere fachliche Einordnung: National Gallery of Art – Impressionism und Wikipedia – Post-Impressionismus.
Quellen und Medienrechte (geprüft am 15.10.2026): Die zehn eingebundenen Gemälde sind auf den jeweils verlinkten Wikimedia-Commons-Dateiseiten als gemeinfrei gekennzeichnet; die Caillebotte-Reproduktion zusätzlich als CC0. Bei jedem Bild stehen Urheber, Titel, Jahr und Dateilink. Die Animation von Thomas Schoch steht unter CC BY-SA 3.0, die Aufnahme von Laurens Goedhart unter CC BY 3.0. Die Lizenzlinks stehen direkt beim Medium. Es wurden keine Medien neu erstellt oder verändert. YouTube-Videos bleiben Inhalte der jeweiligen Kanäle und sind nicht automatisch frei nachnutzbar. Prüfe vor einer eigenen Weiterveröffentlichung stets die Original-Dateiseite.
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