Deutsch · Abschnitt 1 von 1
Aischylos
2 Der gefesselte Prometheus
5 Kratos und Bia (Kraft und Gewalt), Riesengestalten
Vorlage S. 234 6 Hephaistos
Vorlage S. 234 7 Prometheus
Vorlage S. 234 8 Chor der Okeaniden
Vorlage S. 234 10 Io, Inachos' Tochter
Vorlage S. 234 13 Wir stehn am fernsten Saum der Welt, dem skythischen
Vorlage S. 234 14 Gelände jetzt, in unbetretner Einsamkeit.
Vorlage S. 234 15 Hephaistos, du wirst eingedenk jetzt sein des Amts,
Vorlage S. 234 16 Das dir der Vater übertrug, den Frevler hier
Vorlage S. 234 17 In diamantner Fesseln unlösbarem Netz
Vorlage S. 234 18 Hoch anzuschmieden auf den gipfelsteilen Fels.
Vorlage S. 234 19 Denn deines Kleinods, wunderkünstlichen Feuers, stahl
Vorlage S. 234 20 Er einen Funken, gab ihn preis den Sterblichen.
Vorlage S. 234 21 Den Frevel soll er büßen jetzt den Ewigen,
Vorlage S. 234 22 Auf dass er lerne, sich Kronions Herrentum
Vorlage S. 234 23 Zu fügen, seiner Menschengunst Einhalt zu tun.
Vorlage S. 234 24 HEPHAISTOS.
Vorlage S. 234 25 Gewalt und Kraft, euch beiden hat jetzt Zeus' Gebot
Vorlage S. 234 26 Sein Ziel und Ende, weitres bleibt euch nichts zu tun.
Vorlage S. 234 27 Ich aber selbst, ich zittre, den verwandten Gott
Vorlage S. 234 28 Mit Gewalt zu schmieden an ein unwirtbar Geklüft;
Vorlage S. 234 29 Und dennoch zwingt Notwendigkeit mich, so zu tun;
Vorlage S. 234 30 Des Vater Wort mißachten ist die schwerste Schuld.
Vorlage S. 234 31 Hochsinnger Sohn der rateskundgen Themis, dich
Vorlage S. 234 32 Gezwungnen muss gezwungen ich in Ketten jetzt
Vorlage S. 234 33 Unlösbar schmieden an den menschenöden Fels,
Vorlage S. 234 34 Wo nie Gestalt, nie Stimme eines Menschen dir
Vorlage S. 234 35 Sich naht, vom glühnden Strahl der Sonne dir versengt
Vorlage S. 234 36 Der Glieder blühnde Kraft dahinwelkt, bis ersehnt
Vorlage S. 234 37 Dir dann den Tag einhüllt die buntgewandge Nacht,
Vorlage S. 234 38 Dann fort den Frühreif wieder schmilzt der Sonne Blick.
Vorlage S. 234 39 So stets von jedem Elend, jeder Gegenwart
Vorlage S. 234 40 Wirst du gequält; da ist niemand, der helfen kann.
Vorlage S. 234 41 Den Dank gewinnt dir deine Menschenfreundlichkeit,
Vorlage S. 234 42 Da, Gott du, unbekümmert um der Götter Zorn,
Vorlage S. 234 43 Den Menschen Ehre gönntest mehr, als du gesollt.
Vorlage S. 234 44 Drum wirst du Hüter dieses öden Felsens sein,
Vorlage S. 234 45 Schlaflos, emporgefesselt, ungebeugt das Knie,
Vorlage S. 234 46 Wirst viele Jammerklage, vieles Weh und Ach
Vorlage S. 234 47 Vergebens schrein; denn unerbittlich zürnet Zeus;
Vorlage S. 234 48 's ist hart ein jeder, der in neuer Macht sich sieht.
Vorlage S. 234 50 Auf, auf! Was säumst du und bedauerst ihn umsonst?
Vorlage S. 235 51 Wie, hassest du nicht diesen gottverhaßten Gott,
Vorlage S. 235 52 Der doch den Menschen frevelnd dein Kleinod verriet?
Vorlage S. 235 53 HEPHAISTOS.
Vorlage S. 235 54 Verwandter Ursprung, lange Freundschaft binden stark.
Vorlage S. 235 56 Ich glaub's; doch unfolgsam des Vaters Worten sein,
Vorlage S. 235 57 Wie ist es möglich? Scheust du es nicht um vieles mehr?
Vorlage S. 235 58 HEPHAISTOS.
Vorlage S. 235 59 Stets ohn Erbarmen bist du und voll wildem Trotz!
Vorlage S. 235 61 Es hilft ja doch nichts, Tränen ihm zu weinen; drum
Vorlage S. 235 62 Müh dich umsonst nicht mit so ganz Vergeblichem!
Vorlage S. 235 63 HEPHAISTOS.
Vorlage S. 235 64 O dieser Hände hundertfach verhaßt Gewerb!
Vorlage S. 235 66 Warum verhaßt dir? Denn mit einem Wort: des Grams,
Vorlage S. 235 67 Der jetzt dich drückt, trägt deine Kunst dir keine Schuld.
Vorlage S. 235 68 HEPHAISTOS.
Vorlage S. 235 69 Und doch, o hätte jeder andre sie erlost!
Vorlage S. 235 71 Es ward den Göttern alles, nur nicht Herr zu sein;
Vorlage S. 235 72 Denn frei und Selbstherr nennst du niemand außer Zeus.
Vorlage S. 235 73 HEPHAISTOS.
Vorlage S. 235 74 Ich seh's; entgegen dem zu sprechen hab ich nichts!
Vorlage S. 235 76 Und eilst dich doch nicht, gleich mit Fesseln ihn zu umfahn,
Vorlage S. 235 77 Damit dich säumig nicht der Vater möge sehn?
Vorlage S. 235 78 HEPHAISTOS.
Vorlage S. 235 79 Nun, mir zu Händen sind die Ketten ja schon zu sehn!
Vorlage S. 235 81 Um die Hände leg sie, schmiede sie ihm aus aller Kraft
Vorlage S. 235 82 Mit deinem Hammer, nagle fest sie an den Fels!
Vorlage S. 235 83 HEPHAISTOS.
Vorlage S. 235 84 Schon fasst es; nicht ist meiner Arbeit Werk umsonst!
Vorlage S. 235 86 Schlag's mehr, noch mehr ein! Keil es fest! Lass nirgend nach!
Vorlage S. 235 87 Der weiß sich Rat zu finden, wo's unmöglich scheint.
Vorlage S. 235 88 HEPHAISTOS.
Vorlage S. 235 89 's ist unerlösbar jetzt geschlossen dieser Arm.
Vorlage S. 235 91 So schmiede sicher auch den andern an, damit
Vorlage S. 235 92 Er lernt, vor Zeus sei seine Schlauheit eitel Nichts.
Vorlage S. 235 93 HEPHAISTOS.
Vorlage S. 235 94 Der einzig tadelt, keiner sonst mich noch mit Recht.
Vorlage S. 235 96 Des diamantnen Keiles schonungslosen Zahn,
Vorlage S. 235 97 Hier durch die Brust hin treib ihm den mit aller Kraft!
Vorlage S. 235 98 HEPHAISTOS.
Vorlage S. 235 99 Weh dir, Prometheus! Ach, ich seufz um deinen Schmerz!
Vorlage S. 235 101 Du zögerst nochmals, seufzest um den Feind des Zeus?
Vorlage S. 235 102 Dass nur du selbst nicht um dich selbst einst jammern musst!
Vorlage S. 235 103 HEPHAISTOS.
Vorlage S. 235 104 Du siehst ein Schauspiel, nicht mit Augen anzuschaun!
Vorlage S. 235 106 Des wohlverdienten Lohns beschieden seh ich ihn.
Vorlage S. 235 107 Auf! Um die Seiten leg ihm an den Eisengurt!
Vorlage S. 235 108 HEPHAISTOS.
Vorlage S. 236 109 Ich muss es tun; befiehl es nicht zum Überdruß!
Vorlage S. 236 111 Jawohl befehlen, an dich treiben obendrein!
Vorlage S. 236 112 Steig nieder, gürte jetzt den Schenkel eisern ein!
Vorlage S. 236 113 HEPHAISTOS.
Vorlage S. 236 114 Und schon geschehn ist's also sonder viele Müh!
Vorlage S. 236 116 Jetzt schlage tüchtig ihm der Kette Stift in den Fuß,
Vorlage S. 236 117 Denn deiner Arbeit Richter ist, du weißt es, streng!
Vorlage S. 236 118 HEPHAISTOS.
Vorlage S. 236 119 Dein Mund, er lärmt, wie's würdig deines Riesenleibs!
Vorlage S. 236 121 Sei du ein Weichling, aber meinen Eigensinn
Vorlage S. 236 122 Und meines Zornes Härte mach mir nicht zur Schuld!
Vorlage S. 236 123 HEPHAISTOS.
Vorlage S. 236 124 So lass uns gehn; fest liegt um ihn das Eisennetz.
Vorlage S. 236 126 Hier trotz und frevle, hier entwend den Göttern ihr
Vorlage S. 236 127 Kleinod und bring es deinen Tagesmenschen! Wie
Vorlage S. 236 128 Vermögen sie dir auszuschöpfen deine Qual?
Vorlage S. 236 129 Falsch heißt Prometheus du der Vorbedächtige
Vorlage S. 236 130 Den Göttern; selbst bedurftest du des Vorbedachts,
Vorlage S. 236 131 Mit welcher Wendung du dich entwändest diesem Netz.
Vorlage S. 236 132 Kratos, Bia und Hephaistos ab.
Vorlage S. 236 133 PROMETHEUS
Vorlage S. 236 134 an der Höhe des Felsens angeschmiedet.
Vorlage S. 236 135 O heilger Äther! Schnellbeschwingter Windeshauch!
Vorlage S. 236 136 Ihr Stromesquellen! Du im Wellenspiel der See
Vorlage S. 236 137 Unzählges Lachen! Erde, Allgebärerin!
Vorlage S. 236 138 Du allesschauend Sonnenaug, euch ruf ich an!
Vorlage S. 236 139 Seht her, was ich von Göttern dulden muss, ein Gott.
Vorlage S. 236 140 Seht her auf mich, wie in Schmach, wie in Qual,
Vorlage S. 236 141 Wie erniedriget ich Jahrtausende hier
Vorlage S. 236 142 Abhärmen mich soll. Und das hat mir
Vorlage S. 236 143 Der Unsterblichen neuer Gebieter erdacht,
Vorlage S. 236 144 Mir Ketten und Schmach.
Vorlage S. 236 145 Weh! weh! Um das Jetzt, um der Zukunft Qual
Vorlage S. 236 146 Wehklag ich umsonst! Wann wird jemals
Vorlage S. 236 147 Mir der Mühsal Ende sich zeigen!
Vorlage S. 236 148 Und doch, was sag ich? Klar im voraus weiß ich ja
Vorlage S. 236 149 All meine Zukunft; nimmer unerwartet naht
Vorlage S. 236 150 Mir jede Trübsal; mein Verhängnis muss ich dann,
Vorlage S. 236 151 So leicht ich kann, ertragen, im Bewusstsein, dass
Vorlage S. 236 152 Die Gewalt des Schicksals ewig unbezwinglich ist.
Vorlage S. 236 153 Und doch, verschweigen mein Geschick, verschweigen nicht,
Vorlage S. 237 154 Unmöglich ist mir beides. Weil den Menschen ich
Vorlage S. 237 155 Heil brachte, darum trag ich qualvoll dieses Joch.
Vorlage S. 237 156 Im Ferulstabe glimmend, stahl ich ja des Lichts
Vorlage S. 237 157 Verstohlnen Urquell, der ein Lehrer aller Kunst
Vorlage S. 237 158 Den Menschen wurde, alles Lebens großer Hort.
Vorlage S. 237 159 Und diese Strafen büß ich jetzt für meine Schuld,
Vorlage S. 237 160 In Ketten angeschmiedet hoch in freier Luft!
Vorlage S. 237 161 Horch! wehe!
Vorlage S. 237 162 Weh! welch Geräusch, welcher Duft weht mir zu, fremd, gestaltlos?
Vorlage S. 237 163 Von den Ewigen, von den Sterblichen, oder beiden?
Vorlage S. 237 164 Naheten gar sich zu dem fernen Geklüft
Vorlage S. 237 165 Neugierge meines Leides? Oder wozu sonst?
Vorlage S. 237 166 So seht gefesselt mich, den unglückselgen Gott,
Vorlage S. 237 167 Mich, Zeus' Abscheu, mich verfeindeten Feind
Vorlage S. 237 168 Der unsterblichen Götter zumal, soviel
Vorlage S. 237 169 Eingehn in des Zeus goldleuchtenden Saal,
Vorlage S. 237 170 Weil zuviel Lieb ich den Menschen gehegt!
Vorlage S. 237 171 Weh mir! Aufs neu tönt her das Geschwirr
Vorlage S. 237 172 Wie von Vögeln der Wildnis; es flüstert die Luft
Vorlage S. 237 173 Von der Fittiche leis hinschwebendem Schlag!
Vorlage S. 237 174 Was naht, mir naht es zum Grausen!
Vorlage S. 237 175 Auf geflügeltem Wagen schweben die Okeaniden vor dem Felsen des Prometheus auf und ab und singen im abwechselnden Chorlied.
Vorlage S. 237 176 Erste Strophe
Vorlage S. 237 178 Du fürchte nichts; freundlichen Sinns ist unsre Schar wechselgeschwinden Flügelschlags diesem Geländ
Vorlage S. 237 179 Eilig genaht; sobald ich
Vorlage S. 237 180 Des Vaters Herz endlich erweicht, trugen mich her die geschwinden Lüfte.
Vorlage S. 237 181 Des Hammers weithallender Schlag durchdrang der Meergrotte Gemach, er scheuchte mir
Vorlage S. 237 182 Scheuen die blöde Scham fort;
Vorlage S. 237 183 Schuhlos in geflügeltem Wagen kam ich.
Vorlage S. 238 184 PROMETHEUS.
Vorlage S. 238 185 Weh! weh!
Vorlage S. 238 186 Ihr, Tethys' Kinder, der kindreichen,
Vorlage S. 238 187 Ihr Töchter des rings um die Welt sein Meer
Vorlage S. 238 188 Schlaflos hinströmenden Okeanos,
Vorlage S. 238 189 Seht, Mädchen, mich an, o schauet empor,
Vorlage S. 238 190 Wie gefesselt ich hier, wie mit Ketten beschwert
Vorlage S. 238 191 Ich am Felsengestad, am zerrißnen Geklüft
Vorlage S. 238 192 Unbeneidete Wacht muss dulden.
Vorlage S. 238 193 Erste Gegenstrophe
Vorlage S. 238 195 Prometheus, ich seh's! In Entsetzen trübt der vorbrechenden Träne Nebel dichtfallend den Blick,
Vorlage S. 238 196 Dass ich dich also sehn muss
Vorlage S. 238 197 Qualvoll dahinwelken am Fels unter der Last diamantener Banden;
Vorlage S. 238 198 Ach, neue Herrn sind im Olymp am Ruder jetzt, neuem Gesetz gemäß regiert
Vorlage S. 238 199 Ohne Gesetze Zeus jetzt;
Vorlage S. 238 200 Das früher Gewaltige, jetzt vertilgt er's.
Vorlage S. 238 201 PROMETHEUS.
Vorlage S. 238 202 Hätt unter die Erd in des Hades Reich,
Vorlage S. 238 203 In des totenbehausenden Tartaros Nacht
Vorlage S. 238 204 Er hinab mich gestürzt, unlösbar hart
Vorlage S. 238 205 Mich in Ketten zu fahn, dass nimmer ein Gott
Vorlage S. 238 206 Noch ein anderer je mein lachte zum Spott!
Vorlage S. 238 207 Doch ein Spielzeug jetzt hier den Lüften erduld
Vorlage S. 238 208 Ich den Feinden ergötzliches Elend.
Vorlage S. 238 209 Zweite Strophe
Vorlage S. 238 211 Oh, wer der Götter hegte solch verhärtet Herz, sich des zu erfreun!
Vorlage S. 238 212 Wer fühlte nicht mit deinem Leid
Vorlage S. 238 213 Mitleid? Nur Zeus nicht, der in Erbittrung fort und fort,
Vorlage S. 238 214 In nimmer gebeugtem Übermut
Vorlage S. 238 215 Uranos' göttlich Geschlecht knechtet!
Vorlage S. 238 216 Nimmer ruht der, es ermüd ihm das Herze denn, oder entrissen ihm
Vorlage S. 238 217 Würde mit List die verhaßte Gewalt einst.
Vorlage S. 238 218 PROMETHEUS.
Vorlage S. 239 219 Mein, mein noch einst, ob in gliedmarternden
Vorlage S. 239 220 Erzbanden zur Schmach ich verdammt jetzt bin,
Vorlage S. 239 221 Mein einst hat not der Unsterblichen Herr,
Vorlage S. 239 222 Dass den neuen Verrat ich enthülle, der ihm
Vorlage S. 239 223 Sein Zepter und Reich zu entreißen sich naht!
Vorlage S. 239 224 Dann nicht von dem honigsüßen Geschwätz
Vorlage S. 239 225 Der Beredsamkeit ihm erweicht, nicht bang
Vorlage S. 239 226 Vor dem wildesten Dräun soll je mein Mund,
Vorlage S. 239 227 Was ich weiß, ihm enthülln, er befreite mir denn
Vorlage S. 239 228 Von den Ketten den Leib und bequemte sich, so
Vorlage S. 239 229 Unwürdige Schmach mir zu büßen!
Vorlage S. 239 230 Zweite Gegenstrophe
Vorlage S. 239 232 Du bist zu hart und fügest selbst in diesen bittren Qualen dich nicht,
Vorlage S. 239 233 Gönnst gar dem Mund zu dreistes Wort.
Vorlage S. 239 234 Doch meinen Busen zerreißt mir schneidende Angst,
Vorlage S. 239 235 Denn ich fürchte sehr um dein Geschick;
Vorlage S. 239 236 Deiner unsäglichen Qual Ende,
Vorlage S. 239 237 Wann erscheint's, wo du den Hafen erreichst? Denn es hegt ein verschlossenes,
Vorlage S. 239 238 Streng unerbittliches Herz Kronion.
Vorlage S. 239 239 PROMETHEUS.
Vorlage S. 239 240 Wohl weiß ich, wie hart, wie in Willkür Zeus
Vorlage S. 239 241 Sein Recht ausübt; und doch wird sehr
Vorlage S. 239 242 Sanftmütig dereinst
Vorlage S. 239 243 Er erscheinen, wenn so er gebrochen sich fühlt;
Vorlage S. 239 244 Dann tilgend den unnachgiebigen Zorn,
Vorlage S. 239 245 Wird wieder zum Bund und zur Freundschaft er
Vorlage S. 239 246 Dem Bereiten bereiter sich zeigen.
Vorlage S. 239 247 CHORFÜHRERIN.
Vorlage S. 239 248 So offenbar uns alles und erzähl es uns,
Vorlage S. 239 249 Um welcher Ursach willen Zeus denn dich ergriff,
Vorlage S. 239 250 Dass also schmachvoll und erbittert er dich straft;
Vorlage S. 239 251 Belehr mich dessen, wenn's dich nicht zu sagen schmerzt.
Vorlage S. 239 252 PROMETHEUS.
Vorlage S. 239 253 Ja, wahrlich schmerzvoll ist's, davon zu sprechen, mir,
Vorlage S. 239 254 Schmerzvoll zu schweigen, bittrer Kummer überall.
Vorlage S. 239 255 Sobald der himmlischen Mächte Haß entzündet war
Vorlage S. 239 256 Und helle Zwietracht wechseleifernd sich erhob,
Vorlage S. 239 257 Die einen Kronos stürzen wollten seines Throns,
Vorlage S. 240 258 Dass Zeus hinfort Herr wäre, wieder andere
Vorlage S. 240 259 Sich mühn, dass Zeus der Götter Herrschaft nicht erlangt',
Vorlage S. 240 260 Da riet ich wohl das Beste; doch besänftigen
Vorlage S. 240 261 Die Titanen, Gaias Kinder und des Uranos,
Vorlage S. 240 262 Das konnt ich nicht; sie, meinen friedlich klugen Rat
Vorlage S. 240 263 Mit Spott verwerfend in des Mutes wildem Trotz,
Vorlage S. 240 264 Gedachten mühlos sich zu behaupten durch Gewalt.
Vorlage S. 240 265 Doch hatte mehrfach meine Mutter Themis Gê,
Vorlage S. 240 266 In vielen Namen stets dieselbe Urgestalt,
Vorlage S. 240 267 Den Pfad der Zukunft mir vorherverkündiget:
Vorlage S. 240 268 Nicht durch Gewalt sei, nicht in stolzer Übermacht,
Vorlage S. 240 269 Es sei in List nur sicher der jetzt Gewaltgen Reich.
Vorlage S. 240 270 Und als ich ihnen diesen Ausspruch deutete,
Vorlage S. 240 271 Kaum drauf zu hören hielten sie der Mühe wert.
Vorlage S. 240 272 Von allen Wegen, die ich damals vor mir sah,
Vorlage S. 240 273 Schien mir der beste, dass ich nebst der Mutter mich
Vorlage S. 240 274 Mit Zeus verband, freiwillig dem Freiwilligen.
Vorlage S. 240 275 So schließt nach meinem Rate jetzt des Tartaros
Vorlage S. 240 276 Nachttiefer Abgrund ein des greisen Kronos Leib,
Vorlage S. 240 277 Mit ihm die Kampfgenossen. Und also von mir
Vorlage S. 240 278 Vielfach gefördert, hat des Götterreichs Tyrann
Vorlage S. 240 279 Mit diesem Undank bittrer Strafen mir gelohnt;
Vorlage S. 240 280 Denn anzuhaften pfleget aller Tyrannei
Vorlage S. 240 281 Auch dies Gebrechen, treusten Freunden nicht zu traun.
Vorlage S. 240 282 Doch was ihr fraget, welcher Ursach wegen er
Vorlage S. 240 283 Mich so hinausstieß, will ich euch erklären. Denn
Vorlage S. 240 284 Sobald er seines Vaters heilgen Thron bestieg,
Vorlage S. 240 285 Sofort verteilt' er Ehr und Amt den Ewigen,
Vorlage S. 240 286 Je andern andre, und verlehnt' des weiten Reichs
Vorlage S. 240 287 Gewalten; einzig für die armen Menschen trug
Vorlage S. 240 288 Er keine Rücksicht; ganz zu vertilgen ihr Geschlecht,
Vorlage S. 240 289 Ein andres, neues dann zu schaffen war sein Plan.
Vorlage S. 240 290 Da trat denn niemand ihm entgegen außer mir;
Vorlage S. 240 291 Ich aber wagt es, ich errang's den Sterblichen,
Vorlage S. 240 292 Dass nicht zerschmettert sie des Hades Nacht verschlang.
Vorlage S. 240 293 Darum belastet ward ich so mit dieser Qual,
Vorlage S. 240 294 Zu tragen schmerzvoll, anzuschaun erbarmenswert.
Vorlage S. 241 295 Und da ich Mitleid hegte den Menschen, ward ich selbst
Vorlage S. 241 296 Des nicht gewürdigt, sondern unbarmherzig hier
Vorlage S. 241 297 Felsangeschmiedet, schändlich Schaugepräng des Zeus!
Vorlage S. 241 299 Der trägt ein Steinherz, und die Brust ist starres Erz,
Vorlage S. 241 300 Der dir, Prometheus, nicht im tiefsten deine Qual
Vorlage S. 241 301 Mitfühlt; denn ich – nie hätten meine Augen dies
Vorlage S. 241 302 Sehn müssen –, da ich's nun gesehn, bricht mir das Herz.
Vorlage S. 241 303 PROMETHEUS.
Vorlage S. 241 304 Den Freunden freilich bin ich jammervoll zu schaun.
Vorlage S. 241 306 Du bist doch weiter nicht gegangen, als du sagst?
Vorlage S. 241 307 PROMETHEUS.
Vorlage S. 241 308 Ich nahm's den Menschen, ihr Geschick vorauszusehn.
Vorlage S. 241 310 Sag, welch ein Mittel fandest du für dieses Gift?
Vorlage S. 241 311 PROMETHEUS.
Vorlage S. 241 312 Der blinden Hoffnung gab ich Raum in ihrer Brust.
Vorlage S. 241 314 Ein großes Gut ist's, das du gabst den Sterblichen.
Vorlage S. 241 315 PROMETHEUS.
Vorlage S. 241 316 Und bot zum andern ihnen dar des Feuers Kunst.
Vorlage S. 241 318 Die Tageskinder kennen jetzt der Flamme Blick?
Vorlage S. 241 319 PROMETHEUS.
Vorlage S. 241 320 Der künftig tausendfache Kunst sie lehren wird.
Vorlage S. 241 322 Um diesen Frevel also ist's, dass Zeus dich so –
Vorlage S. 241 323 PROMETHEUS.
Vorlage S. 241 324 Mit Schmach und Qual straft und die Qual nie mildern wird.
Vorlage S. 241 326 Und auch ein Ziel nicht dieses Leides siehst du je?
Vorlage S. 241 Kontextbild zum Werk. Historische Illustration zu „Der gefesselte Proemetheus“ — Werkbezogene Bildquelle; keine belegte Zuordnung zu der hier angezeigten einzelnen Textstelle. · Frans Snyders / Peter Paul Rubens · Public domain Bildquelle ↗ 327 PROMETHEUS.
Vorlage S. 241 328 Kein andres jemals, als wenn es ihm gefallen wird.
Vorlage S. 241 330 Gefallen, wie? Ist Hoffnung? Siehst du nicht, du hast
Vorlage S. 241 331 Gefrevelt; wie gefrevelt, das zu sagen ist
Vorlage S. 241 332 Mir keine Freude, Kummer dir; so lass ich's gern;
Vorlage S. 241 333 Nur find Erlösung irgend dir von dieser Qual!
Vorlage S. 241 334 PROMETHEUS.
Vorlage S. 241 335 Leicht ist's, wenn fern dem Leide weilt der eigne Fuß,
Vorlage S. 241 336 Zu warnen, besten Rat zu weihn dem Leidenden;
Vorlage S. 241 337 Das alles aber sah ich selbst in meinem Sinn.
Vorlage S. 241 338 Gern, gern gefrevelt hab ich, gern – ich leugn es nicht –
Vorlage S. 241 339 Zum Heil der Menschheit dieses Leid mir selbst erzeugt.
Vorlage S. 241 340 Doch glaubt ich das nicht, unter solcher Strafe Last
Vorlage S. 241 341 Dahinzuschmachten hoch an luftger Felsenstirn,
Vorlage S. 241 342 Verbannt in dies einsame nachbarlose Land.
Vorlage S. 241 343 Darum beklagt mir meine jetzigen Schmerzen nicht;
Vorlage S. 241 344 Kommt, steigt hernieder, höret mein zukünftig Los,
Vorlage S. 241 345 Auf dass ihr einseht, wie es sich alles fügen muss.
Vorlage S. 241 346 Tut's mir zuliebe, tut es, teilt mein Leid mit mir,
Vorlage S. 241 347 Jetzt Mühbeladnem! Denn in gleicher Weise schweift
Vorlage S. 242 348 Und sucht die Trübsal andre heim zu andrer Zeit.
Vorlage S. 242 349 Während des folgenden steigen die Okeaniden hinab auf den felsigen Boden.
Vorlage S. 242 351 Nicht unfolgsam dem, was du gewünscht,
Vorlage S. 242 352 Sind wir, Prometheus;
Vorlage S. 242 353 Mit behendem Fuße verlaß ich den leicht
Vorlage S. 242 354 Hinschwebenden Sitz, der ätherischen Flur
Vorlage S. 242 355 Luftpfade der Vögel; das rauhe Gestein
Vorlage S. 242 356 Fühlt wohl mein Fuß – doch all dein Leid
Vorlage S. 242 357 Von dir zu vernehmen verlangt mich.
Vorlage S. 242 358 Okeanos erscheint auf einem Flügelroß reitend.
Vorlage S. 242 359 OKEANOS.
Vorlage S. 242 360 Von weither komm ich gefahren zu dir,
Vorlage S. 242 361 Prometheus, endlich am endlichen Ziel,
Vorlage S. 242 362 Das mein flugkundiger Vogel, gelenkt
Vorlage S. 242 363 Von dem eigenen Sinn, ohn Zügel sich fand.
Vorlage S. 242 364 Dein Schicksal, wiß es, bemitleid ich,
Vorlage S. 242 365 Denn Verwandtschaft wohl kann, denk ich, dazu
Vorlage S. 242 366 Mich nötigen schon; zum Geschlecht kommt noch,
Vorlage S. 242 367 Dass ich niemand weiß, auf welchen ich mehr
Vorlage S. 242 368 Hielte denn auf dich.
Vorlage S. 242 369 Sehn wirst du, wie wahr das gesprochen, wie fern
Vorlage S. 242 370 Leer freundlich Geschwätz mir sei. Auf denn,
Vorlage S. 242 371 Und bezeichne, wie mit dir wirken ich kann;
Vorlage S. 242 372 Denn du sollst mir gestehn, vor Okeanos sei
Vorlage S. 242 373 In der Welt kein Freund dir bewährter!
Vorlage S. 242 374 PROMETHEUS.
Vorlage S. 242 375 Ha, sieh! Was ist denn? Kamst denn du auch, meinen Schmerz
Vorlage S. 242 376 Dir anzuschauen? Wie gewannst du's über dich,
Vorlage S. 242 377 Von deinem gleichgenannten Strom, vom Felsenbau
Vorlage S. 242 378 Der stillen Grotte fern zum eisenzeugenden
Vorlage S. 242 379 Berghang zu fahren? Oder kamst du, eignen Augs
Vorlage S. 242 380 Mein Los zu sehen, mitzufühlen meine Qual?
Vorlage S. 242 381 Sieh dieses Schauspiel, ich, Kronions Freund und Rat,
Vorlage S. 242 382 Der seiner Herrschaft mächtgen Thron ich mitgebaut,
Vorlage S. 242 383 Mit welchem Elend ich von ihm belastet bin!
Vorlage S. 243 384 OKEANOS.
Vorlage S. 243 385 Ich seh's, Prometheus, und ich will den besten Rat
Vorlage S. 243 386 Ans Herz dir legen, bist du selbst schon vielgewandt.
Vorlage S. 243 387 Erkenn dich selbst; gestalte neu zu neuer Art
Vorlage S. 243 388 Dich um, denn neu ist auch der Götter Fürst und Herr.
Vorlage S. 243 389 Doch wenn du so wilde, zorngeschärfte Reden noch
Vorlage S. 243 390 Ausstößest, leicht vernähme Zeus dich, höher selbst
Vorlage S. 243 391 Noch thronend, so dass deines jetzgen Ungemachs
Vorlage S. 243 392 Gesamte Mühsal Kinderspiel noch möchte sein.
Vorlage S. 243 393 Nein, lass, du Armer, ab vom Trotze deines Zorns,
Vorlage S. 243 394 Und nur Errettung suche dir von dieser Not. –
Vorlage S. 243 395 Wie alte Weisheit scheinet dir mein Wort vielleicht;
Vorlage S. 243 396 Und doch, Prometheus, für des allzustolzen Sinns
Vorlage S. 243 397 Zu stolze Red ist aller Zeiten dies der Lohn.
Vorlage S. 243 398 Du, nimmer dich bescheidend, weichst selbst nicht dem Schmerz
Vorlage S. 243 399 Und wirst dem jetzigen neuen noch vereinigen.
Vorlage S. 243 400 Doch wenn du mir und meinem Rate folgen willst,
Vorlage S. 243 401 So löcke wider den Stachel nicht mehr; denn du siehst,
Vorlage S. 243 402 Dass jetzt ein strenger Herrscher unumschränkt gebeut.
Vorlage S. 243 403 So geh ich selbst denn zu ihm und versuche, dich,
Vorlage S. 243 404 Wenn ich's vermag, zu retten noch aus deiner Qual;
Vorlage S. 243 405 Du bleibe ruhig und enthalt des Trotzes dich
Vorlage S. 243 406 Ganz. Oder weißest du, vor allen Weiser, nicht,
Vorlage S. 243 407 Dass deines Trotzens eitler Lärm den Stab dir bricht?
Vorlage S. 243 408 PROMETHEUS.
Vorlage S. 243 409 Beneidenswerter, dass du frei bist aller Schuld,
Vorlage S. 243 410 Da du doch alles mit mir wagtest und begingst.
Vorlage S. 243 411 Jetzt aber lass nur, lass es unbekümmert gehn,
Vorlage S. 243 412 Du bewegst ihn doch nicht; unerbittlich kennst du ihn.
Vorlage S. 243 413 Hab acht, dass nicht schon dieser Weg dir Schaden bringt.
Vorlage S. 243 414 OKEANOS.
Vorlage S. 243 415 Viel beßre Lehre weißt du jedem andern denn
Vorlage S. 243 416 Dir selbst; die Tat, nicht Worte überzeugen mich.
Vorlage S. 243 417 Doch meinen Eifer hältst du nimmermehr zurück;
Vorlage S. 243 418 Ich hoffe, ja ich hoffe, mir zuliebe wird
Vorlage S. 243 419 Zeus leicht gewähren, dich zu befrein von deiner Not.
Vorlage S. 243 420 PROMETHEUS.
Vorlage S. 243 421 Das werd ich dir hochpreisen jetzt und alle Zeit,
Vorlage S. 243 422 Denn alles besten Willens hast du gnug; jedoch
Vorlage S. 243 423 Lass deine Müh, vergebens wirst du, ohne mir
Vorlage S. 243 424 Zu nützen, Müh dir machen, falls du dich bemühst.
Vorlage S. 244 425 Nein, bleibe ruhig, bleibe fern von alledem;
Vorlage S. 244 426 Denn wenn ich selbst muss leiden, wünsch ich darum nicht,
Vorlage S. 244 427 Dass mehr und mehren gleiches Los begegnen mag.
Vorlage S. 244 428 O nein! – denn schon auch meines teuren Bruders Los
Vorlage S. 244 429 Schmerzt mich, des Atlas, der in den Abendlanden fern,
Vorlage S. 244 430 Des Himmels und der Erden Säule, steht und stützt
Vorlage S. 244 431 Mit seinen Schultern eine schwergewaltge Last;
Vorlage S. 244 432 Und auch den Riesen, der in Kilikias Schlucht gehaust,
Vorlage S. 244 433 Des Erdgebornen, Hunderthäuptigen wilde Kraft,
Vorlage S. 244 434 Ich sah voll Schmerz gebrochen und bewältigt ihn,
Vorlage S. 244 435 Den mächtigen Typhon, der den Göttern allen stand,
Vorlage S. 244 436 Aus grausem Zahne zischend flammenspeinden Mord,
Vorlage S. 244 437 Aus jedem Auge schleudernd wutempörten Blitz,
Vorlage S. 244 438 Als wollt er Zeus' Gewalt vertilgen mit Gewalt;
Vorlage S. 244 439 Da aber traf ihn schmetternd Zeus' schlaflos Geschoß,
Vorlage S. 244 440 Der niederfahrende, flammensprühnde Donnerkeil,
Vorlage S. 244 441 Der alles Trotzes dräunden Übermut in ihm
Vorlage S. 244 442 Erschlug, indem durchs Herz getroffen seine Kraft,
Vorlage S. 244 443 In den Staub geschmettert, tote Kohl' und Asche ward.
Vorlage S. 244 444 Und nun ein kraftlos welkdahingestreckter Leib,
Vorlage S. 244 445 Liegt er des Meeres ufersteilem Sunde nah,
Vorlage S. 244 446 Gedrückt vom Fuß des Ätna; auf der wolkigen
Vorlage S. 244 447 Bergkuppe sitzt und schmiedet sein glutsprühend Erz
Vorlage S. 244 448 Hephaistos; dorther werden Feuerströme einst
Vorlage S. 244 449 Herniederbrechen, rings zerfleischen mit wildem Zahn
Vorlage S. 244 450 Die saatengrünen, selgen Aun Sizilias,
Vorlage S. 244 451 So wild hervor wird Typhon tosen seine Wut
Vorlage S. 244 452 In des heißen Auswurfs flammenschloßenden Glutorkan,
Vorlage S. 244 453 Ob auch von Zeus' Blitzstrahlen selbst schon längst verkohlt. –
Vorlage S. 244 454 Du aber bist vorsichtig und bedarfst von mir
Vorlage S. 244 455 Nicht Rat; errette du dich selbst, so gut du kannst.
Vorlage S. 244 456 Ich aber werde trinken meiner Leiden Kelch,
Vorlage S. 244 457 Bis einst in Zeus' Herz Haß und Zorn sich lösen mag!
Vorlage S. 244 458 OKEANOS.
Vorlage S. 244 459 Hast du, Prometheus, nie bemerkt, wie Worte doch
Vorlage S. 244 460 Ein rechter Arzt sind für ein zorngereiztes Herz?
Vorlage S. 244 461 PROMETHEUS.
Vorlage S. 245 462 Wenn man zur rechten Stunde sänftigt das Gemüt,
Vorlage S. 245 463 Das schwellende Herz nicht wider Willen niederdrückt.
Vorlage S. 245 464 OKEANOS.
Vorlage S. 245 465 Wenn aber so Teilnahme sich bemüht, ja wagt,
Vorlage S. 245 466 Siehst du darin Gefahr der Strafe? Sag es mir.
Vorlage S. 245 467 PROMETHEUS.
Vorlage S. 245 468 Verlorne Arbeit und ein leeres gutes Herz!
Vorlage S. 245 469 OKEANOS.
Vorlage S. 245 470 An dieser Krankheit lass mich kranken; gern erträgt's
Vorlage S. 245 471 Der Treugesonnene, dass er unbesonnen scheint.
Vorlage S. 245 472 PROMETHEUS.
Vorlage S. 245 473 Es würde mein auch diese Schuld geheißen sein.
Vorlage S. 245 474 OKEANOS.
Vorlage S. 245 475 Hinweg nach Hause weist mich deutlich dieses Wort.
Vorlage S. 245 476 PROMETHEUS.
Vorlage S. 245 477 Damit dir dein Mitleid für mich nicht Haß erzeugt.
Vorlage S. 245 478 OKEANOS.
Vorlage S. 245 479 Des neuen Königs auf dem allgewaltgen Thron?
Vorlage S. 245 480 PROMETHEUS.
Vorlage S. 245 481 Sehr hüte dich, niemals zu kränken seinen Sinn!
Vorlage S. 245 482 OKEANOS.
Vorlage S. 245 483 Dein Los, Prometheus, soll mir ewge Lehre sein!
Vorlage S. 245 484 PROMETHEUS.
Vorlage S. 245 485 Geh! Fahre wohl! Bewahre stets so weisen Sinn!
Vorlage S. 245 486 OKEANOS.
Vorlage S. 245 487 Bereits zur Abfahrt rüstend hör ich deinen Rat;
Vorlage S. 245 488 Denn des weiten Äthers Pfade schlägt mein Vogelroß
Vorlage S. 245 489 Schon wild mit seinen Flügeln; es verlangt ihn auch,
Vorlage S. 245 490 Daheim den müden Huf zu ruhn auf weicher Streu.
Vorlage S. 245 491 Okeanos durch die Luft ab.
Vorlage S. 245 492 Erste Strophe
Vorlage S. 245 494 Ich klag um dein traurig Geschick, Prometheus, vorperlen die Tränen, meines Auges feuchtem Gestad zitternd entströmt;
Vorlage S. 245 495 Der Wange Flur netz ich mit reichem Quell; denn das wehret mir keiner. Ach, in willkürlicher Satzung herrschet Zeus,
Vorlage S. 245 496 Übergewaltig zeigt er sein Zepter der Urzeit hehren Göttern!
Vorlage S. 245 497 Erste Gegenstrophe
Vorlage S. 245 498 Schon hallen Wehklagen in allem Land, der kraftriesigen, heilighehren Urzeiten und dein, deines Geschlechts
Vorlage S. 245 499 Gewaltges Reich laut zu betrauern; ja, soviel rings in der heiligen Asia weitem Gefild(e) wohnen, dein
Vorlage S. 245 500 Kummergesättigt bittres Los fühlen sie laut wehklagend mit dir!
Vorlage S. 245 501 Zweite Strophe
Vorlage S. 245 502 Kolchis' Volk, die kampfgeschürzten,
Vorlage S. 246 503 Schlachtenkühnen Waffenjungfraun,
Vorlage S. 246 504 Und die Skythen, deren Horden
Vorlage S. 246 505 Nah dem fernsten Geländ der Welt hausen am See Maiotis.
Vorlage S. 246 506 Zweite Gegenstrophe
Vorlage S. 246 507 Und Arabias Heldenblüte,
Vorlage S. 246 508 Und die rings die steile Felsburg
Vorlage S. 246 509 Nah dem Kaukasus umwohnen,
Vorlage S. 246 510 Wilde Scharen im Lärm der erzklirrenden Lanzen furchtbar.
Vorlage S. 246 511 Dritte Strophe
Vorlage S. 246 512 Nur einmal sah ich so noch einen Gott
Vorlage S. 246 513 Im Fluch diamantener Banden dulden,
Vorlage S. 246 514 Atlas so, den Titanen, nur,
Vorlage S. 246 515 Der ewig auf ihn gewälzter Weltenlasten Unmaß,
Vorlage S. 246 516 Ewig des himmlischen Pols Last trägt mit seinen Schultern.
Vorlage S. 246 517 Dritte Gegenstrophe
Vorlage S. 246 518 Und klagend rauscht der weiten See Wogenschlag, die Tiefe seufzt,
Vorlage S. 246 519 Fern nachhallt Hades' düsterer Abgrund,
Vorlage S. 246 520 Der heilgen Ströme rieselnde Quelln beweinen deine Trübsal.
Vorlage S. 246 521 PROMETHEUS.
Vorlage S. 246 522 Glaubt nicht, Behagen oder Hochmut lasse mich
Vorlage S. 246 523 So schweigen; tief nachsinnend nag ich wund mein Herz,
Vorlage S. 246 524 Dass ich mich selbst muss also tief erniedrigt sehn.
Vorlage S. 246 525 Und diese neuen Götter mit all ihrer Macht –
Vorlage S. 246 526 Wer sonst denn ich hat ihnen alles ausgeteilt?
Vorlage S. 246 527 Doch schweig ich davon, da ich, was ihr selber wisst,
Vorlage S. 246 528 Euch sagen würde; aber hört, was meine Schuld
Vorlage S. 246 529 An den Menschen ist, die, Träumer sonst und stumpfen Sinns,
Vorlage S. 246 530 Des Geistes mächtig und bewusst ich werden ließ!
Vorlage S. 246 531 Nicht einer Schuld zu zeihn die Menschen, sag ich das,
Vorlage S. 246 532 Nur um die Wohltat meiner Gabe darzutun.
Vorlage S. 246 533 Denn sonst mit offnen Augen sehend sahn sie nicht,
Vorlage S. 246 534 Es hörte nichts ihr Hören, ähnlich eines Traums
Vorlage S. 246 535 Gestalten mischten und verwirrten fort und fort
Vorlage S. 247 536 Sie alles blindlings, kannten nicht das sonnige
Vorlage S. 247 537 Dachüberdeckte Haus und nicht des Zimmrers Kunst;
Vorlage S. 247 538 Sie wohnten tief vergraben gleich den winzigen
Vorlage S. 247 539 Ameisen in der Höhlen sonnenlosem Raum;
Vorlage S. 247 540 Von keinem Merkmal wussten sie für Winters Nahn
Vorlage S. 247 541 Noch für den blumenduftgen Frühling, für den Herbst,
Vorlage S. 247 542 Den erntereichen; sonder Einsicht griffen sie
Vorlage S. 247 543 Alljedes Ding an, bis ich ihnen deutete
Vorlage S. 247 544 Der Sterne Aufgang und verhülltren Niedergang;
Vorlage S. 247 545 Die Zahlen, aller Wissenschaften trefflichste,
Vorlage S. 247 546 Der Schrift Gebrauch erfand ich und die Erinnerung,
Vorlage S. 247 547 Die sagenkundige Amme aller Musenkunst.
Vorlage S. 247 548 Dann spannt ins Zugjoch ich zum erstenmal den Ur,
Vorlage S. 247 549 Des Pfluges Sklaven; und damit dem Menschenleib
Vorlage S. 247 550 Die allzugroße Bürde abgenommen sei,
Vorlage S. 247 551 Schirrt ich das zügelstolze Roß dem Wagen vor,
Vorlage S. 247 552 Des mehr denn reichen Prunkes Kleinod und Gepräng.
Vorlage S. 247 553 Und auch das meerdurchfliegend lein'geflügelte
Vorlage S. 247 554 Fahrzeug des Schiffers ward von niemand ehr erbaut.
Vorlage S. 247 555 So mir zum Elend vieles Rates vielgewandt
Vorlage S. 247 556 Den Menschen, bin ich alles Rates bar und bloß,
Vorlage S. 247 557 Mir jetzt zu lösen dieser Qual schmachvolles Los.
Vorlage S. 247 559 Du trägst ein schmachvoll Leid, entraten alles Rats;
Vorlage S. 247 560 Du schwankst; dem schlechten Arzte gleich jetzt selbst erkrankt,
Vorlage S. 247 561 Verzagst du mutlos und vermagst dir selbst den Trank
Vorlage S. 247 562 Nicht mehr zu finden, welcher dich gesunden lässt.
Vorlage S. 247 563 PROMETHEUS.
Vorlage S. 247 564 Lass dir das weitre sagen und erstaune mehr,
Vorlage S. 247 565 Wie große Mittel, welche Künste ich erfand.
Vorlage S. 247 566 Das größte war's, dass, wenn sie Krankheit niederwarf,
Vorlage S. 247 567 Kein Mittel da war, keine Salbe, kein Gebräu,
Vorlage S. 247 568 Kein Brot der Heilung, sondern, aller Arzenei
Vorlage S. 247 569 Entraten, sie verkamen – bis sie dann von mir
Vorlage S. 247 570 Gelernt die Mischung segensreicher Arzenei,
Vorlage S. 247 571 Die aller Krankheit wilde Kraft zu stillen weiß.
Vorlage S. 247 572 Dann gab ich viele Weisen an der Seherkunst
Vorlage S. 247 573 Und schied zuerst aus, was in den Träumen als Gesicht
Vorlage S. 247 574 Zu nehmen, tat dann alles Tons geheimen Sinn
Vorlage S. 248 575 Und aller Fahrt Vorzeichen sorgsam ihnen kund,
Vorlage S. 248 576 Bestimmte deutlich jedes krummgeklaueten
Vorlage S. 248 577 Raubvogels Aufflug, welcher traurig, welcher froh
Vorlage S. 248 578 Nach seiner Art sei, welches Fanges jegliche
Vorlage S. 248 579 Sich nähren, welcher Weise gegenseitig sie
Vorlage S. 248 580 Freundschaft und Feindschaft halten und Geselligkeit;
Vorlage S. 248 581 Wie des Eingeweides Ebenheit den Ewigen,
Vorlage S. 248 582 Wie der Milz und Leber adernbunte Zierlichkeit
Vorlage S. 248 583 Und welche Farbe recht und wohlgefällig sei.
Vorlage S. 248 584 Indem zuletzt ich dann ein Hüftbein opferte,
Vorlage S. 248 585 Dazu ein Rückteil fettumwickelt, ward ich selbst
Vorlage S. 248 586 Der schweren Kunst Lehrmeister, nahm vom Seherblick
Vorlage S. 248 587 Der Flamme fort die Blindheit, die sie zuvor verbarg.
Vorlage S. 248 588 Soweit von diesem, aber die im Erdenschoß
Vorlage S. 248 589 Verborgenen Schätze, welche sein jetzt nennt der Mensch,
Vorlage S. 248 590 So Eisen, Erz, Gold, Silber, wer mag sagen, dass
Vorlage S. 248 591 Er diese vor mir aufgefunden und benutzt?
Vorlage S. 248 592 Niemand, ich weiß es, wenn er sich lügend nicht berühmt.
Vorlage S. 248 593 So ist, mit einem Worte, dass ihr kurz es hört,
Vorlage S. 248 594 Den Menschen von Prometheus alle Kunst gelehrt.
Vorlage S. 248 596 Nicht hilf den Menschen fürder über alles Maß,
Vorlage S. 248 597 Des eignen Unheils unbekümmert; denn ich bin
Vorlage S. 248 598 Der festen Hoffnung, dass du einst noch, dieser Qual
Vorlage S. 248 599 Entfesselt, nicht von mindrer Macht wirst sein denn Zeus.
Vorlage S. 248 600 PROMETHEUS.
Vorlage S. 248 601 Nicht so hat Moira mir, die Allvollenderin,
Vorlage S. 248 602 Mein Los gesponnen. Nein, in tausendfachem Schmerz
Vorlage S. 248 603 Und Gram gebeugt, so geh ich einst aus dieser Haft –
Vorlage S. 248 604 Dem Werk der Ohnmacht vor des Schicksals ewger Kraft!
Vorlage S. 248 606 Wer lenkt des Schicksals Ruder denn in seiner Hand?
Vorlage S. 248 607 PROMETHEUS.
Vorlage S. 248 608 Die Moiren und die allgedenken Erinnyen.
Vorlage S. 248 610 Und Zeus ist selbst ohnmächtig gegen ihre Macht?
Vorlage S. 248 611 PROMETHEUS.
Vorlage S. 248 612 Dem verhängten Lose kann er nimmermehr entfliehn.
Vorlage S. 248 614 Was sonst ist Zeus' Los, als zu herrschen fort und fort?
Vorlage S. 248 615 PROMETHEUS.
Vorlage S. 248 616 Das wolle nicht mich fragen, dringe nicht in mich.
Vorlage S. 248 618 's ist wohl ein Heilges, was du so bei dir verschließt?
Vorlage S. 248 619 PROMETHEUS.
Vorlage S. 249 620 Sprecht andre Dinge; das zu sagen ist die Zeit
Vorlage S. 249 621 Noch nicht gekommen; sondern bergen muss ich es
Vorlage S. 249 622 So tief wie möglich. Denn bewahr ich dies getreu,
Vorlage S. 249 623 So werd ich einst noch meiner Qual und Banden frei! –
Vorlage S. 249 624 Erste Strophe
Vorlage S. 249 626 Nimmer erküre sich Zeus'
Vorlage S. 249 627 Allgewalt mein Herz zu empörendem Trotze,
Vorlage S. 249 628 Noch ich selbst sei lässig, mit heiligen Feststieropfern den Göttern zumal
Vorlage S. 249 629 Fromm zu nahn bei Vater Okeanos' allrastlosem Strom;
Vorlage S. 249 630 Nimmer auch frevle mein Mund,
Vorlage S. 249 631 Sondern dies sei fest in mir und schwinde nun und nimmer!
Vorlage S. 249 632 Erste Gegenstrophe
Vorlage S. 249 633 Seliges Los, wenn ich still
Vorlage S. 249 634 Dürfte fernhin leben der freudigen Hoffnung,
Vorlage S. 249 635 Mein Gemüt zu weiden in sonniger Lust; doch fasst mich ein Graun, wie ich dich
Vorlage S. 249 636 So in unaussprechlichen Qualen erdrückt muss dulden sehn,
Vorlage S. 249 637 Weil du nach eignem Rat
Vorlage S. 249 638 Sonder Furcht vor Zeus zu hoch die Menschen ehrst, Prometheus!
Vorlage S. 249 639 Zweite Strophe
Vorlage S. 249 640 Wie verlassen die Liebe der Liebe, du Teurer! Wo ist Heil, sprich?
Vorlage S. 249 641 Von den Kindern des Tages, welches Heil? Du sahst nicht
Vorlage S. 249 642 Die verkümmerte, blöde Ohnmacht,
Vorlage S. 249 643 Die, wie Traumgestalten hinschwankend, das blinde Geschlecht
Vorlage S. 249 644 Übernetzet der Sterblichen! Niemals wird von der menschlichen Kraft
Vorlage S. 249 645 Zeus' ewger Fügung vorgegriffen!
Vorlage S. 249 646 Zweite Gegenstrophe
Vorlage S. 249 647 Ich erkenn es in deiner unendlichen Schmerzenslast, Prometheus!
Vorlage S. 249 648 Wie so anders erschallt jetzt dieses Lied denn jenes,
Vorlage S. 249 649 Das herüber von eurem Brautbad,
Vorlage S. 249 650 Eurem Brautbett klang in hochzeitlicher lachender Lust,
Vorlage S. 249 651 Da du unsere Schwester im Brautschmuck, freudig die freudige dir
Vorlage S. 249 Kontextbild zum Werk. Historische Illustration zu „Der gefesselte Proemetheus“ — Werkbezogene Bildquelle; keine belegte Zuordnung zu der hier angezeigten einzelnen Textstelle. · Thomas Cole · Public domain Bildquelle ↗ 652 Heimführtest, Hesionen!
Vorlage S. 250 653 Io, des Inachos Tochter, kommt gestürmt; Hörner bezeichnen ihre Verwandlung zur Kuh.
Vorlage S. 250 655 Welch Land? Welch Volk? Wen seh ich da hoch
Vorlage S. 250 656 In die Fesseln gebannt an dem hohen Geklüft,
Vorlage S. 250 657 Wie den Wettern zum Spiel? Um welch Unrecht
Vorlage S. 250 658 Sollst so du vergehn? Tu kund mir, wohin
Vorlage S. 250 659 Ich Heimatlose geirrt bin!
Vorlage S. 250 660 Weh mir! weh mir!
Vorlage S. 250 661 Es sticht mich Arme, mich die Bremse wieder!
Vorlage S. 250 662 Gespenst, des Argos Riesenbild,
Vorlage S. 250 663 Wehrt ihm! Huh! Entsetzen!
Vorlage S. 250 664 Den Tausendäugigen, meinen Hüter seh ich!
Vorlage S. 250 665 Und er umschleicht mich schon, tückischen Haß im Blick,
Vorlage S. 250 666 Den auch erschlagen nicht der Erde Gruft birgt!
Vorlage S. 250 667 Nein, von den Tiefen aufwärts wider mich Arme steigt er
Vorlage S. 250 668 Und scheucht mich, jagt mich Lechzende fort über den sandigen Strand einsam;
Vorlage S. 250 669 Zu mir herüber trägt der wachsgefügten Rohrflöte Schall
Vorlage S. 250 670 Sein Schlaflied so süß!
Vorlage S. 250 671 Weh, weh! wohin, wohin schweif ich, irr ich fern in die Ferne fort?
Vorlage S. 250 672 Was denn an mir, o Kronos' Sohn, was denn an mir
Vorlage S. 250 673 Hast du Ursach erkannt, dass du so schwerer Qual Joch mir auflegst? Oh!
Vorlage S. 250 674 Mit dieser wahnsinngeißelnden Angst mich Angstzerrüttete also marterst?
Vorlage S. 250 675 Gib mir der Flammen Tod, birg in ein Grab mich tief, tief ins Meer
Vorlage S. 250 676 Wirf mich dem Hai zum Raub!
Vorlage S. 250 677 Nein, versag nicht, Herr, mir diesen einen Wunsch!
Vorlage S. 250 678 Mein Schweifen fern in die Ferne hat
Vorlage S. 250 679 Mich gnug gequält, nicht weiß ich mehr, auf welchem Pfad
Vorlage S. 250 680 Dieser Qual ich fliehn soll!
Vorlage S. 250 682 Du hörst der stierhörngen Jungfrau Gesang?
Vorlage S. 250 683 PROMETHEUS.
Vorlage S. 251 684 Wohl schallt der wahnsinnschweifenden Jungfrau Ruf herauf,
Vorlage S. 251 685 Des Inachoskindes, welche Zeus' Herz einst getränkt
Vorlage S. 251 686 Mit süßer Liebe, jetzt in endlos irrem Lauf
Vorlage S. 251 687 Von Heras bittrem Haß verfolget und gequält!
Vorlage S. 251 689 Wie denn erfuhrst du meines Vaters Namen schon, sag es mir,
Vorlage S. 251 690 Mir, der Gequälten? Wer,
Vorlage S. 251 691 Dulder, wer bist du selbst,
Vorlage S. 251 692 Dass du so gar zu wahr mich Dulderin schon begrüßest
Vorlage S. 251 693 Und mir den gotträchenden Jammer benennst,
Vorlage S. 251 694 Der mich aufzehrt in Glut, der mich aufpeitscht in schmerzglühndem Wahnsinn! Oh! –
Vorlage S. 251 695 Rastlosen Schweifens stürmt ich daher ohn Trank und Speise, gescheucht von Hera,
Vorlage S. 251 696 In der Verfolgung Hast so überwältigt! Wer ist gottverstoßen wie ich? Wehe! wehe!
Vorlage S. 251 697 Wer wie ich gemartert? Offenbar' du mir,
Vorlage S. 251 698 Was fürder mir zu erdulden bleibt,
Vorlage S. 251 699 Was fürder nicht mehr, wo ein Balsam meinem Schmerz?
Vorlage S. 251 700 Sag mir's, wenn du's weißest.
Vorlage S. 251 702 O sag's, tu's der irrselgen Jungfrau zulieb!
Vorlage S. 251 703 PROMETHEUS.
Vorlage S. 251 704 Ich will dir alles sagen, was du hören willst,
Vorlage S. 251 705 Nicht rätseleingeschleiert, nein, mit schlichtem Wort,
Vorlage S. 251 706 Wie recht den Freunden sich des Freundes Mund erschließt:
Vorlage S. 251 707 Der den Menschen Licht gab, 's ist Prometheus, den du siehst.
Vorlage S. 251 709 O du, den Menschen allgemeinsam teurer Hort,
Vorlage S. 251 710 Sag an, Prometheus, wessenwegen duldest du?
Vorlage S. 251 711 PROMETHEUS.
Vorlage S. 251 712 Kaum hört ich auf zu klagen meinen ganzen Gram.
Vorlage S. 251 714 Und du, gewährtest diese kleine Gunst mir nicht?
Vorlage S. 251 715 PROMETHEUS.
Vorlage S. 251 716 So sprich, was meinst du? Sagen will ich alles dir.
Vorlage S. 251 718 So sag mir, wer dich an den Fels geschlagen hat?
Vorlage S. 251 719 PROMETHEUS.
Vorlage S. 251 720 Des Zeus Gebot war's, durch Hephaistos' Hand geschah's.
Vorlage S. 251 722 Doch welches Frevels Strafen sollst du leiden hier?
Vorlage S. 251 723 PROMETHEUS.
Vorlage S. 251 724 O lass genug sein, dass ich dies dir nur gesagt.
Vorlage S. 251 726 Dann aber weiter: meiner Irrfahrt Ende, sprich,
Vorlage S. 252 727 Wann wird es jemals nahn mir Unglückseligen?
Vorlage S. 252 728 PROMETHEUS.
Vorlage S. 252 729 Dass du es nicht weißt, frommt dir mehr, als dass du weißt.
Vorlage S. 252 731 Verbirg mir nicht mehr, was ich doch ertragen muss.
Vorlage S. 252 732 PROMETHEUS.
Vorlage S. 252 733 Ich, glaub es mir, mißgönne dir nicht diese Gunst.
Vorlage S. 252 735 Was säumst du dennoch, alles das mir kundzutun?
Vorlage S. 252 736 PROMETHEUS.
Vorlage S. 252 737 Mißdeut es nicht; dein Herz zu betrüben säum ich gern.
Vorlage S. 252 739 Nicht sorge du mein weiter, als mir selbst erwünscht.
Vorlage S. 252 740 PROMETHEUS.
Vorlage S. 252 741 Weil du es wünschest, muss ich sprechen; höre denn.
Vorlage S. 252 743 Noch nicht! Des Wunsches gönnet mir auch einen Teil;
Vorlage S. 252 744 Zuvor erfahren lass mich dieses Mädchens Leid,
Vorlage S. 252 745 So dass sie selbst nennt ihr verderbenreich Geschick
Vorlage S. 252 746 Und dann von dir hört ihrer Mühsal andren Teil.
Vorlage S. 252 747 PROMETHEUS.
Vorlage S. 252 748 Recht wär es, Io, dass du ihnen schon zulieb
Vorlage S. 252 749 Dies tust, die dann auch deines Vaters Schwestern sind.
Vorlage S. 252 750 Und da zu klagen, auszuweinen seinen Gram,
Vorlage S. 252 751 Wo man des Mitleids Träne von den Hörenden
Vorlage S. 252 752 Sich darf erwarten, das ist wohl des Weilens wert.
Vorlage S. 252 754 Auch weiß ich nicht, warum ich euch es weigern soll;
Vorlage S. 252 755 In klaren Worten sollt ihr alles, was ihr wünscht,
Vorlage S. 252 756 Vernehmen. Freilich auch zu sagen schäm ich mich,
Vorlage S. 252 757 Von wannen dieses gottverhängte Wetter mir,
Vorlage S. 252 758 Der einstgen Schönheit grauser Tausch mir Armen kam.
Vorlage S. 252 759 Denn immer schwebten nächtige Traumgestalten still
Vorlage S. 252 760 Herein in meine Kammer und liebkosten mich
Vorlage S. 252 761 Mit leisen Worten: »O du vielglückselge Maid,
Vorlage S. 252 762 Was bleibst du jetzt noch Mädchen, da dir werden kann
Vorlage S. 252 763 Die höchste Brautschaft? Zeus erglüht in Liebe dir
Vorlage S. 252 764 Vom Pfeil der Sehnsucht; nach der Kypris süßem Kampf
Vorlage S. 252 765 Verlangt's ihn; du, Kind, weise von dir nicht den Kuß
Vorlage S. 252 766 Kronions; geh nun nach der tiefen Wiesenau,
Vorlage S. 252 767 Gen Lerna, nach des Vaters Herden und Gehöft,
Vorlage S. 252 768 Dass seiner Sehnsucht ruhn des Gottes Auge mag.«
Vorlage S. 252 769 Und solche Träume kamen mir Vieltraurigen
Vorlage S. 252 770 In allen Nächten, bis dem Vater ich zuletzt
Vorlage S. 252 771 Zu sagen wagte meine Träume, meinen Gram.
Vorlage S. 252 772 Der sandte nun gen Pytho, gen Dodonas Wald
Vorlage S. 252 773 Vielfache Frage, zu erkunden, was er tun,
Vorlage S. 252 774 Was sagen müsste, das die Götter gerne sähn.
Vorlage S. 253 775 Bald kamen seine Boten mit vieldeutigen,
Vorlage S. 253 776 Mit unerklärlich rätselhaften Sprüchen heim;
Vorlage S. 253 777 Dann aber endlich kam an Inachos ein Spruch,
Vorlage S. 253 778 Der unverkennbar uns gebot und anbefahl,
Vorlage S. 253 779 Mich auszustoßen aus dem Haus, dem Vaterland,
Vorlage S. 253 780 Verstoßen fern zu schweifen bis zum Saum der Welt;
Vorlage S. 253 781 Und wollt er nicht, glutzückend fahre dann des Zeus
Vorlage S. 253 782 Blitzstrahl herab, all sein Geschlecht hinwegzutun.
Vorlage S. 253 783 Von diesen Sprüchen so belehrt des Loxias,
Vorlage S. 253 784 Stieß er mich von sich, schloss des Vaterhauses Tor
Vorlage S. 253 785 Mir Zögernden zögernd; doch es zwang allmächtig ja
Vorlage S. 253 786 Ihn wider Willen Zeus' Gebot zu solchem Tun.
Vorlage S. 253 787 Und alsobald war Leib und Seele mir verkehrt;
Vorlage S. 253 788 Die Stirn, ihr seht es, stiergehörnt, endlos gequält
Vorlage S. 253 789 Vom Stich der Bremse, irren Sprungs, wahnsinnverwirrt,
Vorlage S. 253 790 So floh ich rastlos gen Kechreias klarem Quell,
Vorlage S. 253 791 Zum Hügel Lerna. Und ein Riesenhirte kam,
Vorlage S. 253 792 Der erdgeborne, wilde Argos hinter mir,
Vorlage S. 253 793 Zahllosen Auges spähend, hütend meine Spur;
Vorlage S. 253 794 Doch unerwartet, eines schnellen Todes Raub
Vorlage S. 253 795 Sank hin der Leib des Riesen. Wahnsinnaufgepeitscht
Vorlage S. 253 796 Jagt nun der Göttin Geißel mich von Land zu Land. –
Vorlage S. 253 797 Du hast vernommen, wie's geschehn; doch so du weißt,
Vorlage S. 253 798 Was mein noch wartet, sag es mir, versüße nicht
Vorlage S. 253 799 Mitleidig mir mit falschem Wort, was doch mich trifft.
Vorlage S. 253 800 Denn kluggewandte Worte sind das schlimmste Gift.
Vorlage S. 253 802 O lass! o lass! halt ein! wehe!
Vorlage S. 253 803 Nimmer, nimmer drang, so ins Ohr mir drang
Vorlage S. 253 804 Noch nie fremdes Klagewort,
Vorlage S. 253 805 Nie mir so unerträgliche, so unsägliche
Vorlage S. 253 806 Marter und Qualen und Angst mit zweischneidger Wunde
Vorlage S. 253 807 Eiskalt ins tiefste Herz!
Vorlage S. 253 808 Weh, Moira, Moira!
Vorlage S. 253 809 Ein Graun fasst mich, Ios Qual zu schauen!
Vorlage S. 253 810 PROMETHEUS.
Vorlage S. 254 811 Du klagst im voraus, dich erfüllt Bekümmernis;
Vorlage S. 254 812 Halt ein, bis du vernommen, was noch übrig ist.
Vorlage S. 254 814 Sprich, sag ihr alles; allen Kranken ist es Trost,
Vorlage S. 254 815 Was übrig noch des Leides, klar vorauszusehn.
Vorlage S. 254 816 PROMETHEUS.
Vorlage S. 254 817 Was ihr vorher euch wünschtet, habt ihr leicht von mir
Vorlage S. 254 818 Erreicht; denn hören wolltet ihr zunächst sie selbst
Vorlage S. 254 819 Von ihrer Trübsal sprechen, ihrer Seele Gram.
Vorlage S. 254 820 Nun aber höret, welche Leiden weiter noch
Vorlage S. 254 821 Das arme Mägdlein dulden muss von Heras Zorn;
Vorlage S. 254 822 Du aber, Kind des Inachos, schließ treu ins Herz
Vorlage S. 254 823 Mein Wort, damit du wissest deines Weges Ziel.
Vorlage S. 254 824 Zuerst von hier aus musst du wenden deinen Fuß
Vorlage S. 254 825 Gen Sonnenaufgang, über ungepflügt Gefild.
Vorlage S. 254 826 Du kommst zu Skythenhorden, die in geflochtenen
Vorlage S. 254 827 Korbhütten wohnen hoch auf Rädern, wagengleich,
Vorlage S. 254 828 Ferntreffende Bogen ihren Schultern umgehängt;
Vorlage S. 254 829 Nicht nah dich ihnen, sondern scheu den Fuß gewandt
Vorlage S. 254 830 Zum meerumrauschten Klippenstrand, durcheil ihr Land.
Vorlage S. 254 831 Landein zur Linken wohnen dann die Chalyber,
Vorlage S. 254 832 Die Eisenschmiede; hüte dich vor ihnen, sie
Vorlage S. 254 833 Sind wild und roh; kein Fremdling kehrt zu ihnen ein.
Vorlage S. 254 834 Und weiter kommst du an des Hybristes wilde Flut;
Vorlage S. 254 835 Geh nicht hinüber, denn er bietet keine Furt,
Vorlage S. 254 836 Bevor du Kaukasus' höchsten Gipfel siehst und dort
Vorlage S. 254 837 Ankommst, wo brausend aus des Felsens dunkler Schlucht
Vorlage S. 254 838 Der Strom hervorstürzt. Diese sterngenahten Höhn
Vorlage S. 254 839 Dann überschreitend, musst du mittagswärts den Weg
Vorlage S. 254 840 Hinuntersteigen, wo du der Amazonen Volk,
Vorlage S. 254 841 Die männerfeindlichen, triffst, die Themiskyra einst
Vorlage S. 254 842 Bewohnen werden beim Thermodon, wo im Meer
Vorlage S. 254 843 Die salmydessische Klippenbai die Schiffenden
Vorlage S. 254 844 Ungastlich aufnimmt, allem Schiff stiefmütterlich;
Vorlage S. 254 845 Sie werden selbst dir freundlich zeigen deinen Weg;
Vorlage S. 254 846 Zum kimmrischen Isthmos dicht am engen Tor des Sees
Vorlage S. 254 847 Gelangst du so; getrosten Mutes mögest du
Vorlage S. 254 848 Den Ort verlassen, durch Maiotis' Sund zu gehn;
Vorlage S. 254 849 Dort soll den Menschen großes Zeugnis immerdar
Vorlage S. 254 850 Von deiner Wandrung bleiben, Bosporos der Sund
Vorlage S. 254 851 Nach dir genannt sein. Scheidend aus Europas Flur,
Vorlage S. 255 852 Kommst du zum Festland Asia. – Wahrlich, scheinet euch
Vorlage S. 255 853 Nicht aller Orten dieser Fürst der Götter gleich
Vorlage S. 255 854 Grausam? Denn weil, ein Gott, er diese Sterbliche
Vorlage S. 255 855 Umarmen wollte, gab er solcher Qual sie preis.
Vorlage S. 255 856 Dir, armes Mädchen, ward ein arger Bräutigam;
Vorlage S. 255 857 Denn sieh, die Kunde, welche du bis jetzt gehört,
Vorlage S. 255 858 Mag kaum ein Vorspiel dir erscheinen deines Grams.
Vorlage S. 255 860 Weh mir! weh mir!
Vorlage S. 255 861 PROMETHEUS.
Vorlage S. 255 862 Du jammerst laut und weinest! Was gar wirst du tun,
Vorlage S. 255 863 Wenn du die andern Leiden alle noch erfährst!
Vorlage S. 255 865 So willst du mehr noch kund ihr tun von ihrem Leid?
Vorlage S. 255 866 PROMETHEUS.
Vorlage S. 255 867 Ein sturmgepeitschtes, ödes Meer graunhafter Qual!
Vorlage S. 255 869 Was soll das Dasein mir noch? Warum stürz ich nicht
Vorlage S. 255 870 Mich schnell von diesem jähen Felsgeländ hinab,
Vorlage S. 255 871 Dass ich zerschmettert drunten los sei aller Qual?
Vorlage S. 255 872 Denn besser wäre so mit einemmal der Tod,
Vorlage S. 255 873 Als aller Tage dulden meine Qual und Not!
Vorlage S. 255 874 PROMETHEUS.
Vorlage S. 255 875 Dir müsste trostlos mein Geschick zu tragen sein,
Vorlage S. 255 876 Dem auch der Tod nicht vom Verhängnis ward gegönnt;
Vorlage S. 255 877 Es wäre das doch noch Erlösung meiner Qual;
Vorlage S. 255 878 Nun aber tagt kein Ende mir zu keiner Zeit,
Vorlage S. 255 879 Es stürze Zeus denn selbst hinab von seinem Thron.
Vorlage S. 255 881 Geschieht es je? Sprich, stürzet Zeus von seinen Höhn?
Vorlage S. 255 882 PROMETHEUS.
Vorlage S. 255 883 Froh, glaub ich, wärst du, sähst du selbst einst seinen Sturz!
Vorlage S. 255 885 Wie könnt ich anders, ich, die von Zeus Verstoßene?
Vorlage S. 255 886 PROMETHEUS.
Vorlage S. 255 887 Dass dies in Wahrheit so geschehen wird, glaub es mir.
Vorlage S. 255 889 Wer wird der Herrschaft Zepter ihm entreißen, sprich?
Vorlage S. 255 890 PROMETHEUS.
Vorlage S. 255 891 Er selbst sich selbst durch seines Rats Leichtsinnigkeit.
Vorlage S. 255 893 Auf welche Weise? Sag es mir, wenn du es kannst!
Vorlage S. 255 894 PROMETHEUS.
Vorlage S. 255 895 Ein Ehebündnis schließt er, das ihn wird gereun.
Vorlage S. 255 897 Mit einer Göttin, einem Weib? Sprich, so du kannst!
Vorlage S. 255 898 PROMETHEUS.
Vorlage S. 255 899 Was fragst du? Noch darf's nicht geoffenbaret sein!
Vorlage S. 255 901 Und ist's die Gattin, die ihn vom Throne stürzen wird?
Vorlage S. 255 902 PROMETHEUS.
Vorlage S. 255 903 Sie zeugt ein Knäblein, mächtiger als der Vater selbst.
Vorlage S. 255 905 Wird keine Rettung ihm vor diesem Lose sein?
Vorlage S. 255 906 PROMETHEUS.
Vorlage S. 256 907 Nein, keine, ich sei meiner Banden denn erlöst!
Vorlage S. 256 909 Wer aber wird dich lösen wider Zeus' Gebot?
Vorlage S. 256 910 PROMETHEUS.
Vorlage S. 256 911 Von deinem Schoß wird stammen, der es enden muss.
Vorlage S. 256 913 Wie sagst du, mein Kind wird dich deiner Qual befrein?
Vorlage S. 256 914 PROMETHEUS.
Vorlage S. 256 915 Dein Enkel nach zehn Gliedern selbst das dritte Glied.
Vorlage S. 256 917 Noch wird mir nicht verständlich, was du prophezeist.
Vorlage S. 256 918 PROMETHEUS.
Vorlage S. 256 919 Auch forsche nun nicht weiter deinem Leide nach.
Vorlage S. 256 921 Was du dem Wunsche botest, nimm es nicht zurück!
Vorlage S. 256 922 PROMETHEUS.
Vorlage S. 256 923 Zwiefacher Kunde sei denn eine dir gewährt.
Vorlage S. 256 925 Sag an die beiden und vergönne mir die Wahl.
Vorlage S. 256 926 PROMETHEUS.
Vorlage S. 256 927 So sei es; wähle, ob ich dir dein ferneres Leid
Vorlage S. 256 928 Soll offenbaren oder, wer mich lösen wird.
Vorlage S. 256 930 Das eine wolle diesen, mir das andere
Vorlage S. 256 931 Gewähren, nicht mißgönne deines Wortes uns!
Vorlage S. 256 933 So sage dieser ihrer Irrsal weitren Weg,
Vorlage S. 256 934 Mir aber, wer dich rette; danach sehn ich mich.
Vorlage S. 256 935 PROMETHEUS.
Vorlage S. 256 936 Da ihr es wünschet, will ich nicht entgegen sein,
Vorlage S. 256 937 Zu offenbaren alles, was ihr gern vernehmt.
Vorlage S. 256 938 Erst dir denn, Io, deinen vielverwirrten Weg,
Vorlage S. 256 939 Und zeichne treu ihn auf im Täflein deines Sinns.
Vorlage S. 256 940 Sobald der zwei Festlande Grenzstrom hinter dir,
Vorlage S. 256 941 Zum morgenflammenden, sonnenbahnumkreisten Ost
Vorlage S. 256 942 (Geh deines Weges weiter durch der Phryger Land,
Vorlage S. 256 943 Durchs Tal von Teutras, über Lydiens Wiesenaun,
Vorlage S. 256 944 Zur waldumkränzten Bergeshöh Kilikias.
Vorlage S. 256 945 Zwei Ströme gießen ihre Wasser dort hinab
Vorlage S. 256 946 In Aphrodites weizenreiche Niederung;
Vorlage S. 256 947 An ihren Ufern geh entlang. Dann hüte dich,
Vorlage S. 256 948 Dass dich der Hundeköpfigen, der Einaugigen,
Vorlage S. 256 949 Der Brustbeaugten grinsend Volk nicht schrecken mag.)
Vorlage S. 256 950 Dann fern und ferner unermüdet deines Wegs,
Vorlage S. 256 951 Durchschreit des kühlen Meeres Brandung, bis du kommst
Vorlage S. 256 952 Zu den gorgoneischen Feldern von Kisthene, wo
Vorlage S. 256 953 Die drei Phorkiden wohnen, schwangestaltige
Vorlage S. 256 954 Vergreiste Jungfraun, angetan mit einem Aug
Vorlage S. 256 955 Und einem Zahne, die des Helios Strahlenblick
Vorlage S. 256 956 Niemals erreicht hat noch des Mondes nächtig Aug;
Vorlage S. 256 957 Drauf ihre Schwestern, jene drei geflügelten
Vorlage S. 256 958 Gorgonen, schlangenhaarig, menschenhaßgetränkt,
Vorlage S. 257 959 Vor deren Anblick jedem stirbt des Lebens Hauch.
Vorlage S. 257 960 Dies hab ich so dir ausgeführt zum eignen Heil;
Vorlage S. 257 961 Doch höre weiter deine traurige Pilgerschaft.
Vorlage S. 257 962 Sei wohl vor Zeus' scharfzahnigen, stummen Hunden dann,
Vorlage S. 257 963 Den Greifen, achtsam und dem roßgewandten Volk
Vorlage S. 257 964 Einäugiger Arimaspen, welche weithinaus
Vorlage S. 257 965 Am stillen Goldstrom hausen bei Plutons Gestad;
Vorlage S. 257 966 Vermeide sie. Drauf wirst du fern im fernsten Land
Vorlage S. 257 967 Zu einem schwarzen Volke kommen, das am Quell
Vorlage S. 257 968 Der Sonne wohnet, längs dem Aithiopenstrom;
Vorlage S. 257 969 An seinen Ufern schreite fort, bis dass du nahst
Vorlage S. 257 970 Dem Felsendurchbruch, wo von Byblos' Bergen her
Vorlage S. 257 971 Der Nil hinabgießt seines Stromes fruchtbare Flut;
Vorlage S. 257 972 Der wird den Weg dir weisen ins dreieckte Land
Vorlage S. 257 973 Neilotis, wo ein neues Heimatland du fern,
Vorlage S. 257 974 Io, für dich und deine Kinder finden wirst. –
Vorlage S. 257 975 Scheint schwankend dir, schwer aufzufinden irgend was,
Vorlage S. 257 976 So wiederhol mir's und vernimm es deutlicher;
Vorlage S. 257 Kontextbild zum Werk. Historische Darstellung von Aischylos — Spätere künstlerische Darstellung; kein gesichertes Bildnis aus dem Leben. · UnknownUnknown · Public domain Bildquelle ↗ 977 Denn reichre Muße hab ich, als ich wünschen mag!
Vorlage S. 257 979 Wenn du ihr weitres, oder was du noch verschwiegst,
Vorlage S. 257 980 Von ihrer mühsalreichen Fahrt zu sagen hast,
Vorlage S. 257 981 So sag's; doch hast du alles angeführt, so tu
Vorlage S. 257 982 Auch uns nach unsrer Bitte und vergiss es nicht!
Vorlage S. 257 983 PROMETHEUS.
Vorlage S. 257 984 All ihrer Irrsal Ende hat sie nun gehört;
Vorlage S. 257 985 Doch dass sie sehn mag, wie sie mich nicht nutzlos gehört,
Vorlage S. 257 986 So will ich sagen, was sie, eh sie hergelangt,
Vorlage S. 257 987 Ertrug, um Zeugnis so zu stellen meinem Wort;
Vorlage S. 257 988 Doch lass ich jener Kunde größren Teil hinweg
Vorlage S. 257 989 Und wende mich zum Ziele deines Schweifens selbst.
Vorlage S. 257 990 Denn als du ankamst auf Molossas Ebene
Vorlage S. 257 991 Und bei Dodonas rückensteilem Bergeshang,
Vorlage S. 257 992 Wo Zeus Thesprotos' Tempel und Orakelort
Vorlage S. 257 993 Und der redenden Eichen vielbestauntes Wunder ist,
Vorlage S. 257 994 Von denen deutlich, alles Rätsels unverhüllt,
Vorlage S. 257 995 Du selbst begrüßet wurdest, Zeus' vielselge Braut
Vorlage S. 257 996 Dereinst zu werden – lächelst du? du freuest dich? –,
Vorlage S. 257 997 Damals, von Wahnsinn aufgestachelt, flohst du wild
Vorlage S. 258 998 Den Weg am Strand hin bis zu Rheas weiter Bucht,
Vorlage S. 258 999 Von der hinweg du stürmtest rückgewandten Laufs.
Vorlage S. 258 1000 In aller Zukunft wird der Busen dieses Meers
Vorlage S. 258 1001 Geheißen sein der Ionische – merkt es euch genau –
Vorlage S. 258 1002 Zu deiner Fahrt Gedächtnis bei den Sterblichen.
Vorlage S. 258 1003 Das sei ein Zeichen meines Sehergeistes dir,
Vorlage S. 258 1004 Dass ich zu sehn mehr als das Offenbare weiß. –
Vorlage S. 258 1005 Vom weitern hört jetzt beide, du und ihr, Bescheid,
Vorlage S. 258 1006 Einbiegend so zu meines Wortes ernstem Gleis,
Vorlage S. 258 1007 's ist eine Stadt Kanobos fern am Uferland,
Vorlage S. 258 1008 Dicht bei des Niles Mündung und erhöhtem Deich,
Vorlage S. 258 1009 Dort gibt dir Zeus des Geistes ganze Kraft zurück,
Vorlage S. 258 1010 Berührend dich, liebkosend dich mit linder Hand;
Vorlage S. 258 1011 Dort wirst du den schwarzen Epaphos gebären, der,
Vorlage S. 258 1012 Nach Zeus' geheimer Kraft genannt, die ihn gezeugt,
Vorlage S. 258 1013 Soweit der flurentränkende Nil fließt, ernten wird.
Vorlage S. 258 1014 Nach ihm das fünfte, fünfzigkinderblühende
Vorlage S. 258 1015 Geschlecht, es wird ungern gen Argos fliehn zu See,
Vorlage S. 258 1016 Die fünfzig Jungfraun, vor der Blutverwandten Eh
Vorlage S. 258 1017 Der Vettern flüchtig, die, von Liebesglut entflammt,
Vorlage S. 258 1018 Gleich Falken wild nachsetzen der Tauben scheuem Flug
Vorlage S. 258 1019 Und dieser Hochzeit böse Jagd sich selbst zum Gram
Vorlage S. 258 1020 Erjagen; ihres Leibes hütet sie ein Gott.
Vorlage S. 258 1021 Aufnimmt sie Pelasgia, wenn die nachtverstohlne List
Vorlage S. 258 1022 Des mädchenkühnen Kampfes überwunden hat;
Vorlage S. 258 1023 Denn jede bringt ums Leben ihren Bräutigam,
Vorlage S. 258 1024 Im heißen Blute kühlend ihr zweischneidig Schwert.
Vorlage S. 258 1025 So möge Kypris meinen Feinden blutig nahn!
Vorlage S. 258 1026 Indes der Jungfraun eine rührt der Liebe Pfeil,
Vorlage S. 258 1027 Den Schlaf des Lieblings nicht zu morden; gramerweicht
Vorlage S. 258 1028 Lässt sie's und wählt von zweien Wegen dies Vergehn,
Vorlage S. 258 1029 Ehr schwach genannt zu werden als blutschuldbefleckt.
Vorlage S. 258 1030 Sie ist's, die Argos' Königsstamm gebären wird;
Vorlage S. 258 1031 Viel Worte würd es brauchen, klar dies darzutun;
Vorlage S. 258 1032 Doch diesem Stamm entsprießen wird ein kühner Held,
Vorlage S. 258 1033 Der Held des Bogens, der mich selbst aus dieser Qual
Vorlage S. 258 1034 Wird retten; meine urgeborne Mutter hat,
Vorlage S. 259 1035 Titanis Themis, dies Orakel mir gesagt;
Vorlage S. 259 1036 Doch wie und wo zu sagen brauchte lange Zeit
Vorlage S. 259 1037 Und wäre doch nicht, wenn du's wüsstest, dir zunutz.
Vorlage S. 259 1039 Eleleu! Eleleu!
Vorlage S. 259 1040 Wie mich wieder der Krampf, des zerrütteten Sinns
Vorlage S. 259 1041 Wahnwitz mich durchzuckt! Wie die Bremse mich sticht
Vorlage S. 259 1042 Mit dem Stachel der Glut!
Vorlage S. 259 1043 Es zersprengt mein Herz in Entsetzen die Brust,
Vorlage S. 259 1044 Und im Kreis schweift wild der verwilderte Blick!
Vorlage S. 259 1045 Von der Bahn mich hinweg reißt taumelgepeitscht,
Vorlage S. 259 1046 Ohnmächtig des Worts, mich des Wahnsinns Sturm!
Vorlage S. 259 1047 Mein wildes Geschrei, es verhallt mir umsonst
Vorlage S. 259 1048 In des Unheils tosender Brandung! –
Vorlage S. 259 1050 Erste Strophe
Vorlage S. 259 1052 Weise, ja weise genannt
Vorlage S. 259 1053 Sei, wer zuerst sich dies in Gedanken ersann und lehrenden Worten es aussprach,
Vorlage S. 259 1054 Dass die Brautwahl passend dem eigenen Stamm den Preis verdient.
Vorlage S. 259 1055 Nie mag des Reichtums üppig verweichlichender,
Vorlage S. 259 1056 Nie des Adels ahnenverherrlichender
Vorlage S. 259 1057 Ehe nachgehn, wer um Lohn arbeiten muss!
Vorlage S. 259 1058 Erste Gegenstrophe
Vorlage S. 259 1059 Nimmer, ja nimmer gescheh's,
Vorlage S. 259 1060 Dass ihr, o Moiren, mich in dem Lager des Zeus je säht zur Genossin erkoren;
Vorlage S. 259 1061 Nahe niemals einer der Himmlischen mir als Bräutigam!
Vorlage S. 259 1062 Mich graust's, der scheuen, bräutigamflüchtigen Braut,
Vorlage S. 259 1063 Ios hochzeitwelkende Jugend zu schaun,
Vorlage S. 259 1064 Ihrer Irrsal arge Qual durch Heras Haß!
Vorlage S. 259 1066 Doch ich, wenn ich in ruhiger, glücklicher Ehe bin, fürchte mich nicht;
Vorlage S. 260 1067 Nimmer mög in Liebe mich der hohen Götter unentfliehbar Auge sehn;
Vorlage S. 260 1068 Denn das ist ein Kampf, zu bekämpfen, zu leiden, zu meiden nie!
Vorlage S. 260 1069 Weiß ich dann, was mir geschähe?
Vorlage S. 260 1070 Wie ich Zeus' Gericht entfliehn könnte, nimmer weiß ich's! –
Vorlage S. 260 1071 PROMETHEUS.
Vorlage S. 260 1072 Zeus selbst erscheint noch trotz des stolzen Eigensinns
Vorlage S. 260 1073 Einst tief erniedrigt; also knüpft er selbst zum Netz
Vorlage S. 260 1074 Sein Ehebündnis, welches ihn aus seiner Macht,
Vorlage S. 260 1075 Von seinem Thron ihn tief hinabstürzt. Dann erfüllt
Vorlage S. 260 1076 Alloffenbar sich seines Vaters Kronos Fluch,
Vorlage S. 260 1077 Den, seines ewgen Throns entstürzend, der geflucht.
Vorlage S. 260 1078 Wie dieses Unheil abzuwenden, das vermag
Vorlage S. 260 1079 Der Götter niemand ihm zu sagen außer mir.
Vorlage S. 260 1080 Ich aber weiß es, weiß den Spruch; drum mag er jetzt
Vorlage S. 260 1081 Krafttrotzend thronen, seines luftgen Donners stolz,
Vorlage S. 260 1082 Vom Flammenpfeil des Blitzes hell die Hand umsprüht;
Vorlage S. 260 1083 Denn alles das wird nichts ihm helfen, nicht hinab-
Vorlage S. 260 1084 Zustürzen schmachvoll unerträglich bittren Fall!
Vorlage S. 260 1085 Und solchen Gegner rüstet er und wappnet er
Vorlage S. 260 1086 Sich selbst, ein allunüberwindbar Wunder einst,
Vorlage S. 260 1087 Der heißre Flammen als den Blitzstrahl finden wird
Vorlage S. 260 1088 Und lautre Stimme, dass des Donners Macht verstummt,
Vorlage S. 260 1089 Der aller Meer und Lande allerschütternden
Vorlage S. 260 1090 Trident, Poseidons Zepter, gar zerschmettern wird!
Vorlage S. 260 1091 Kommt dies Verhängnis über ihn, dann sieht er ein,
Vorlage S. 260 1092 Wie gar verschieden Herrschen und Erliegen sei'n.
Vorlage S. 260 1094 Schon lange dräust du, was du gern sähst, gegen Zeus!
Vorlage S. 260 1095 PROMETHEUS.
Vorlage S. 260 1096 Was einst erfüllt wird, was ich sehr ihm wünsche, war's!
Vorlage S. 260 1098 Und darf sich jemand träumen, Zeus zu bewältigen?
Vorlage S. 260 1099 PROMETHEUS.
Vorlage S. 260 1100 Furchtbarer Unheil muss er leiden noch denn dies!
Vorlage S. 260 1102 Und bist du bang nicht, auszusprechen dieses Wort?
Vorlage S. 260 1103 PROMETHEUS.
Vorlage S. 260 1104 Was sollt ich fürchten, dem zu sterben nicht verhängt?
Vorlage S. 260 1106 Den er vielleicht qualvollre Qual noch dulden heißt.
Vorlage S. 260 1107 PROMETHEUS.
Vorlage S. 261 1108 So mag er; alles seh ich und erwart ich dreist.
Vorlage S. 261 1110 Vor Adrasteia beugt sich stumm des Weisen Geist!
Vorlage S. 261 1111 PROMETHEUS.
Vorlage S. 261 1112 Bet an, verstumme, beuge dich den Herrschenden,
Vorlage S. 261 1113 Mich aber kümmert minder dieser Zeus denn nichts!
Vorlage S. 261 1114 Er schalt' und walte diese kleine Spanne Zeit,
Vorlage S. 261 1115 Wie's ihm gefällt; lang bleibt er nicht der Götter Herr! –
Vorlage S. 261 1116 Doch seh ich dorther seinen raschen Läufer schon,
Vorlage S. 261 1117 Des neuen Königs neuen Boten eilig nahn;
Vorlage S. 261 1118 Gar neue Dinge kommt er wohl uns kundzutun! –
Vorlage S. 261 1119 Durch die Luft kommt Hermes daher mit dem Heroldstab und Flügelschuhen.
Vorlage S. 261 1120 HERMES.
Vorlage S. 261 1121 Dir, Ränkespinner, allen allunleidlichster,
Vorlage S. 261 1122 Der du an den Göttern für der Tagesmenschen Heil
Vorlage S. 261 1123 Gefrevelt, frecher Feuerdieb, dir sag ich dies:
Vorlage S. 261 1124 Der Vater heißt dich, was du prahlst von einstger Eh,
Vorlage S. 261 1125 Und wer vom Thron ihn stürzen würde, kundzutun;
Vorlage S. 261 1126 Das alles sollst du sonder Rätsel und Betrug
Vorlage S. 261 1127 Bestimmt und einfach sagen. Nicht zwiefachen Weg
Vorlage S. 261 1128 Lass mich, Prometheus, machen; denn das siehst du wohl,
Vorlage S. 261 1129 Zeus wirst du damit nimmermehr besänftigen!
Vorlage S. 261 1130 PROMETHEUS.
Vorlage S. 261 1131 Vornehm und prunkvoll, stolzen Mutes strotzend, lärmt
Vorlage S. 261 1132 Dein Wort, wie freilich dir, dem Götterbuben, ziemt!
Vorlage S. 261 1133 Neu herrschet ihr Neulinge und gedenket schon
Vorlage S. 261 1134 Gramlos in goldner Burg zu schwelgen! Hab denn ich
Vorlage S. 261 1135 Nicht dort hinab schon zween Herrscher stürzen sehn?
Vorlage S. 261 1136 An diesem dritten, deinem Herrn, seh ich es bald
Vorlage S. 261 1137 Geschehn, am schnellsten, schmählichsten – oder wähnest du,
Vorlage S. 261 1138 Den neuen Göttern zittert ich und beugt ich mich?
Vorlage S. 261 1139 Dran fehlet viel und alles! Du nun aber magst
Vorlage S. 261 1140 Desselben Weges, den du kamst, heimeilen; denn
Vorlage S. 261 1141 Von jenem allen, was du fragst, erfährst du nichts!
Vorlage S. 261 1142 HERMES.
Vorlage S. 261 1143 Du weißt, mit diesem Eigensinn hast du dich einst
Vorlage S. 261 1144 In diesen Port gelotset deiner bittren Qual!
Vorlage S. 261 1145 PROMETHEUS.
Vorlage S. 261 1146 Mit deinem Frondienst möcht ich dies mein Jammerlos,
Vorlage S. 261 1147 Dass du es weißest, nimmermehr vertauschen; nein,
Vorlage S. 261 1148 Mir ist es süßer, diesem Fels fronbar zu sein
Vorlage S. 261 1149 Denn so dem Vater Zeus ein Bote treu und fein!
Vorlage S. 261 1150 So muss getrotzt sein gegen euch Alltrotzende!
Vorlage S. 261 1151 HERMES.
Vorlage S. 262 1152 Behaglich scheint es dir in deinem Los zu sein!
Vorlage S. 262 1153 PROMETHEUS.
Vorlage S. 262 1154 Behaglich? So behaglich möcht ich allzumal
Vorlage S. 262 1155 All meine Feinde sehn! Du selbst gehörst dazu!
Vorlage S. 262 1156 HERMES.
Vorlage S. 262 1157 So wirfst du mir auch Schuld an deinem Leide vor?
Vorlage S. 262 1158 PROMETHEUS.
Vorlage S. 262 1159 Mit einem Wort, ganz hass ich all und jeden Gott,
Vorlage S. 262 1160 So viele froh selbst wider Recht so bös mir tun!
Vorlage S. 262 1161 HERMES.
Vorlage S. 262 1162 Wohl seh ich, wie du an schwerer Geistzerrüttung krankst.
Vorlage S. 262 1163 PROMETHEUS.
Vorlage S. 262 1164 Ja, krank, wenn Krankheit seine Feinde hassen heißt!
Vorlage S. 262 1165 HERMES.
Vorlage S. 262 1166 Du wärest nicht zu ertragen, wenn's dir wohl erging'!
Vorlage S. 262 1167 PROMETHEUS.
Vorlage S. 262 1169 HERMES.
Vorlage S. 262 1170 Diesen Laut hat Zeus von dir sonst nicht gekannt!
Vorlage S. 262 1171 PROMETHEUS.
Vorlage S. 262 1172 Die Zeit, sie lernt und lehret alternd alles Ding!
Vorlage S. 262 1173 HERMES.
Vorlage S. 262 1174 Du aber hast noch nicht verständig sein gelernt!
Vorlage S. 262 1175 PROMETHEUS.
Vorlage S. 262 1176 Sonst hätt ich dir, dem Götterknecht, kein Wort gegönnt!
Vorlage S. 262 1177 HERMES.
Vorlage S. 262 1178 Es scheint, du willst nicht sagen, was dir Zeus gebeut?
Vorlage S. 262 1179 PROMETHEUS.
Vorlage S. 262 1180 Wohl gar ein Schuldner soll ich vergelten seine Lieb?
Vorlage S. 262 1181 HERMES.
Vorlage S. 262 1182 Als wär ich ein Kind, so höhnst du mein mit deinem Spott!
Vorlage S. 262 1183 PROMETHEUS.
Vorlage S. 262 1184 Und bist du ein Kind nicht, und beschränkter als ein Kind,
Vorlage S. 262 1185 Dir einzubilden, dass von mir du's hören wirst?
Vorlage S. 262 1186 's ist keine Marter, keine List, mit der mich Zeus
Vorlage S. 262 1187 Bewegen könnte, das zu offenbaren ihm,
Vorlage S. 262 1188 Es sei zuvor denn dieser Fesseln Schmach gelöst!
Vorlage S. 262 1189 Darum so fahre nieder sein blitzzuckender Strahl,
Vorlage S. 262 1190 Im weißgeflügelten Schneegestöber, im donnernden
Vorlage S. 262 1191 Erdbeben schwindle, stürze das All rings wild gemischt,
Vorlage S. 262 1192 Er soll mich doch nicht beugen, je ihm kundzutun,
Vorlage S. 262 1193 Wer ihn hinab einst stürzt von seinem Königtum!
Vorlage S. 262 1194 HERMES.
Vorlage S. 262 1195 Bedenk, ob dies dir je zum Heil gereichen kann!
Vorlage S. 262 1196 PROMETHEUS.
Vorlage S. 262 1197 Längst schon bedacht und festbeschlossen hab ich so!
Vorlage S. 262 1198 HERMES.
Vorlage S. 262 1199 So wag es, Unglückselger, wag es endlich doch,
Vorlage S. 262 1200 Des eignen Elends Fülle ganz zu überschaun!
Vorlage S. 262 1201 PROMETHEUS.
Vorlage S. 262 1202 Du machst mir Ekel mit der Worte leerem Schwall!
Vorlage S. 262 1203 Das komme niemals dir in den Sinn, dass ich in Angst
Vorlage S. 262 1204 Um Zeus' Belieben weibisch feig gebärden mich,
Vorlage S. 262 1205 Anflehen könnte jenen Allhaßwürdigen
Vorlage S. 262 1206 Mit weiberhaftem, armemporgehobnem Flehn,
Vorlage S. 262 1207 Zu befrein mich dieser Banden! Nun und nimmermehr!
Vorlage S. 262 1208 HERMES.
Vorlage S. 263 1209 Zu sprechen schein ich viel vergeblich und umsonst;
Vorlage S. 263 1210 Denn dich besänftigt, denn dich rühret nimmermehr
Vorlage S. 263 1211 Mein Flehn; den Zügel gleich dem junggezäumten Roß
Vorlage S. 263 1212 Zerknirschend, reißend bäumst du wild dich noch im Joch.
Vorlage S. 263 1213 Und doch – mit der Ohnmacht Stolz berühmst, betäubst du dich!
Vorlage S. 263 1214 Denn Eigensinn kann ohn Verständigkeit und Maß
Vorlage S. 263 1215 Für sich allein niemandes Meister sein im Streit.
Vorlage S. 263 1216 Bedenke, wenn du meinen Worten nicht gehorchst,
Vorlage S. 263 1217 Welch ein Orkan dich, welcher Qualen Brandung dich
Vorlage S. 263 1218 Fluchtlos zerschmettert. Denn es wird dies Felsgeklüft
Vorlage S. 263 1219 Mit seinen Donnern, mit des Wetterstrahles Keil
Vorlage S. 263 1220 Des Vaters Zorn zerreißen, deinen eignen Leib
Vorlage S. 263 1221 Versenken, rings umschlossen von des Gesteines Arm.
Vorlage S. 263 1222 Wenn dann der Zeiten weites Maß vollendet ist,
Vorlage S. 263 1223 So kommst du aufwärts an das Licht; es wird dir dann
Vorlage S. 263 1224 Zeus' flügelwilder, mächtger Aar in heißer Gier
Vorlage S. 263 1225 Zerfleischen deines Leibes großes Trümmerfeld,
Vorlage S. 263 1226 Wird Gast dir ungeladen, Gast den langen Tag,
Vorlage S. 263 1227 Ausweiden deiner schwarzbenagten Leber Rest.
Vorlage S. 263 1228 Und dieser Mühsal Heil erwart dir nimmermehr,
Vorlage S. 263 1229 Es erscheine dir als deiner Qual Vertreter denn
Vorlage S. 263 1230 Ein Gott, bereit, hinabzusteigen in die Nacht
Vorlage S. 263 1231 Des Hades, ins grabdunkle Reich des Tartaros!
Vorlage S. 263 1232 Demnach bedenk dich; denn erdichtet keineswegs
Vorlage S. 263 1233 Ist diese Drohung, sondern nur zu ernst gemeint.
Vorlage S. 263 1234 Denn Lügen reden, das versteht Zeus' heilger Mund
Vorlage S. 263 1235 Nicht, sondern all sein Wort erfüllt er; aber du
Vorlage S. 263 1236 Betracht es, überleg es dir und halte nicht
Vorlage S. 263 1237 Den Eigensinn mehr besser als Besonnenheit! –
Vorlage S. 263 1239 Uns scheinet Hermes wahrlich kein unzeitig Wort
Vorlage S. 263 1240 Zu sagen; denn er riet dir an, den Eigensinn
Vorlage S. 263 1241 Zu lassen, dich zu wenden zur Besonnenheit;
Vorlage S. 263 1242 Folg ihm, denn unrecht handeln ist den Weisen Schmach.
Vorlage S. 263 1243 PROMETHEUS.
Vorlage S. 263 1244 Was zuvor ich bereits längst wusste, das tatst
Vorlage S. 263 1245 Du als Bote mir kund! Von dem Feinde der Feind
Vorlage S. 263 1246 Solch Leid zu empfahn, das entehrt niemals!
Vorlage S. 263 1247 So fahr auf mich zweischneidig des Zorns
Vorlage S. 263 1248 Haarsträubender Blitz denn herab, und die Luft,
Vorlage S. 264 1249 Sie zerreiße vom Krachen des Donners, vom Krampf
Vorlage S. 264 1250 Des empörten Orkans, und die Erde zerwühl
Vorlage S. 264 1251 In den Tiefen, empor von den Wurzeln, der Sturm;
Vorlage S. 264 1252 Es vermische gepeitscht in verwilderter Wut
Vorlage S. 264 1253 Sich die heulende See mit der schweigenden Bahn
Vorlage S. 264 1254 Der Gestirne; hinab in die ewige Nacht,
Vorlage S. 264 1255 In den Tartaros stürze zerschmettert der Leib
Vorlage S. 264 1256 Mit des Schicksals reißendem Strudel hinab –
Vorlage S. 264 1257 Doch töten kann er mich nimmer!
Vorlage S. 264 1258 HERMES.
Vorlage S. 264 1259 Wie der Geist, wie das Wort sich verkehrt, wenn ein Wahn
Vorlage S. 264 1260 Die Gedanken verstört, das zeiget sich hier.
Vorlage S. 264 1261 Was bleibet ihm fremd denn des Wahnsinns noch?
Vorlage S. 264 1262 Und trifft es ihn jetzt, wie vergäß er der Wut?
Vorlage S. 264 1263 Doch ihr, die ihr tief sein qualvoll Los
Vorlage S. 264 1264 Mitfühlt und beweint, geht, Mädchen, hinweg
Vorlage S. 264 1265 Aus diesem Bereich, flieht ferne, damit
Vorlage S. 264 1266 Das Bewusstsein euch nicht schwinde, betäubt
Vorlage S. 264 1267 Vom unendlichen Krachen des Donners!
Vorlage S. 264 1268 CHORFÜHRERIN.
Vorlage S. 264 1269 Find besseren Rat und ermahne mich so,
Vorlage S. 264 1270 Wie ich folgen dir kann; denn es ist in der Tat
Vorlage S. 264 1271 Unerträglich der Rat, der verführen mich soll!
Vorlage S. 264 1272 Wie gebietest du mir, mich der Schande zu weihn?
Vorlage S. 264 1273 Nein, dulden mit ihm will ich sein Los;
Vorlage S. 264 1274 Denn ich habe Verräter zu hassen gelernt,
Vorlage S. 264 1275 Und ich weiß kein Gift,
Vorlage S. 264 1276 Mir mehr denn dieses verächtlich!
Vorlage S. 264 1277 HERMES.
Vorlage S. 264 1278 Wohl denn; was ich jetzt euch sage, bedenkt!
Vorlage S. 264 1279 Wenn der lärmenden Jagd ihr des Jammers erliegt,
Vorlage S. 264 1280 Klagt euer Geschick nicht an, sagt nie,
Vorlage S. 264 1281 Euch habe so Zeus unerwartet hinab
Vorlage S. 264 1282 Ins Verderben gestürzt; denn wissentlich seid,
Vorlage S. 264 1283 Nicht eilig verlockt, nicht heimlich umgarnt,
Vorlage S. 264 1284 Ins unendliche Netz des Verhängnisses jetzt
Vorlage S. 264 1285 Ihr verstrickt durch eure Verblendung! –
Vorlage S. 264 1286 Hermes ab; mächtiges Tosen in der Luft; Erdbeben.
Vorlage S. 264 1287 PROMETHEUS.
Vorlage S. 265 1288 Schon wird es zur Tat, kein nichtiges Wort!
Vorlage S. 265 1289 Es erbebet die Erd,
Vorlage S. 265 1290 Und es zuckt und es zischt wild, Blitz auf Blitz,
Vorlage S. 265 1291 Sein Flammengeschoß, aufwirbeln den Staub
Vorlage S. 265 1292 Windstöße; daher rast allseits Sturm,
Vorlage S. 265 1293 Wie im Taumel gejagt; ineinander gestürzt
Vorlage S. 265 1294 Mit des Aufruhrs Wut, mit Orkanes Geheul,
Vorlage S. 265 1295 Ineinander gepeitscht, stürzt Himmel und Meer! –
Vorlage S. 265 1296 Und solch ein Gericht, es umtost, es umschlingt
Vorlage S. 265 1297 Mich, von Zeus mir gesandt, mich zu schrecken mit Graun! –
Vorlage S. 265 1298 O heilige Mutter, o Äther, des all-
Vorlage S. 265 1299 Heilspendenden Lichts allheilige Bahn,
Vorlage S. 265 1300 Seht, welch Unrecht ich erdulde! –
Vorlage S. 265 1301 Prometheus' Felsen verschlingt ein Abgrund.
Vorlage S. 265