Abschnitt 6 von 24
Erstes Capitel. Drosera rotundifolia oder der gemeine Sonnenthau.
oder Tentakeln. — Vorläufige Skizze der Functionen der verschiedenen Theile
und der Art, auf welche Insecten gefangen werden. — Dauer der Einbiegung
der Tentakeln. — Beschaffenheit der Absonderung. — Die Art, auf welche die
Insecten in die Mitte des Blattes geschafft werden. — Beweis, dasz die Drüsen
die Fähigkeit haben aufzusaugen. — Die geringe Grösze der Wurzeln.
eine grosze. Anzahl Insecten von den Blättern des gewöhnlichen Sonnen-
thaus (Drosera rotundifolia) auf einer Haide in Sussex gefangen wur-
den. Ich hatte wohl gehört, dasz Insecten so gefangen würden, wuszte
aber nichts weiteres über diesen Gegenstand Da Dr. Nitschke die Bibliographie von Drosera gegeben hat (Botan.
Zeitung, 1860, p. 229), so brauche ich hier nicht in Details einzugehen. Die
meisten der vor 1860 erschienenen Notizen sind kurz und unbedeutend. Der älteste
Aufsatz scheint einer der werthvollsten gewesen zu sein, nämlich der von Dr. Roth
von 1782. Es findet sich auch eine interessante, wenngleich kurze Schilderung
der Lebensweise der Drosera von Dr. Milde in der Botan. Zeitung, 1852, p. 540.
Im Jahre 1855 publicirten Groenland und Trécul in den Annal. des Sciences
natur. Botan. Tom. III, p. 297 und 304 Aufsätze über die Structur der Blätter
mit Abbildungen; Trécul gieng aber so weit, sogar zu bezweifeln, ob sie über-
haupt Bewegungsvermögen besäszen. Dr. Nitschke’s Aufsätze in der Botan.
Zeitung, 1860 und 1861 sind bei weitem die wichtigsten, welche erschienen sind,
sowohl über die Lebensweise als über den Bau dieser Pflanze; ich werde häufig
Veranlassung haben, sie zu citiren. Seine Erörterungen über mehrere Punkte,
z. B. über die Uebertragung eines Reizes von einem Theile eines Blattes auf einen
andern, sind ausgezeichnet. Am 11. December 1862 las Mr. J. Scott einen Auf-
satz vor der botanischen Gesellschaft in Edinburg, welcher in Gardener’s Chronicle,
1863, p. 30 gedruckt wurde. Mr. Scott weist nach, dasz leise Reizung der Haare,
ebenso wie Insecten, die auf die Blattscheibe gelegt werden, die Haare zum Ein-
wärtsbiegen veranlassen. Auch Mr. A. W. Bennett gab noch eine interessante
Schilderung der Bewegung der Blätter vor der British Association im Jahre 1873.
In diesem selben Jahre erschien eine Arbeit von Dr. Warming, in welcher er. Ich sammelte zufällig
Darwin, Insectenfressende Pdanzen. (VIII.) 1
Drosera rotundifolia. Cap. 1.
ein Dutzend Pflanzen, welche sechsundfünfzig ganz ausgebreitete Blät-
ter trugen, und auf einunddreiszig derselben klebten todte Insecten
oder die Ueberreste solcher; und ohne Zweifel würden später noch
viel mehr Insecten von denselben Blättern, und sicherlich noch mehr
von den noch nicht entfalteten gefangen worden sein. An einer Pflanze
hatten alle 6 Blätter ihre Beute gefangen; und an mehreren Pflanzen
hatten sehr viele Blätter mehr als ein Insect gefangen. Auf einem
groszen Blatte fand ich die Reste von dreizehn verschiedenen Insecten.
Fliegen (Diptera) werden viel öfters gefangen als andere Insecten. Die
gröszte Art, welche ich habe fangen sehen, war ein kleiner Schmetter-
ling (Caenonympha pamphilus); aber Mr. H. M. Wilkinson theilte mir
mit, dasz er einmal eine grosze noch lebende Libelle gefunden habe,
deren Körper von zwei Blättern festgehalten wurde. Da diese Pflanze
in einigen Gegenden äuszerst gemein ist, so musz die Anzahl von In-
secten, die alljährlich auf diese Weise getödtet werden, ungeheuer sein.
Viele Pflanzen, zum Beispiel die klebrigen Knospen der Roszkastanien,
verursachen den Tod von Insecten, ohne daraus, so weit wir bemerken
können, selbst irgend welchen Vortheil zu ziehen. Es zeigte sich aber
bald deutlich, dasz die Drosera für den besondern Zweck, Insecten zu
fangen, ausgezeichnet geschickt war, so dasz es wohl der Mühe werth
schien, den Gegenstand zu untersuchen.
bedeutungsvollsten derselben sind: — erstens, die auszerordentliche
Empfindlichkeit der Drüsen gegen leichten Druck und gegen sehr ge-
ringe Dosen gewisser stickstoffhaltiger Flüssigkeiten, wie sich durch die
Bewegung der sogenannten Haare oder Tentakeln zeigt; zweitens, die
den Blättern innewohnende Fähigkeit, stickstoffhaltige Substanzen lös-
die Structur der sogenannten Haare beschreibt, unter dem Titel: „Sur la Diffé-
rence entre les Trichomes‟ etc., ausgezogen aus den Verhandlungen der Naturhist.
Gesellschaft in Copenhagen. Ich werde auch später noch Veranlassung haben,
einen Aufsatz von Mrs. Treat, von New-Jersey, über einige americanische Arten
von Drosera zu citiren. Dr. Burdon Sanderson hielt vor der Royal Institu-
tion eine Vorlesung über Dionaea (erschienen in ‚Nature‛ 14. Juni 1874), in wel-
cher ein kurzer Bericht über meine Beobachtungen über das Vermögen echter Ver-
dauung, welches Drosera und Dionaea besitzen, zum erstenmale erschien. Prof.
Asa Gray hat sich dadurch verdient gemacht, dasz er die Aufmerksamkeit auf
Drosera und andere Pflanzen mit ähnlicher Lebensweise lenkte (The Nation, 1874,
p. 261 und 232 und in andern Schriften). Auch Dr. Hooker hat in seiner wich-
tigen Rede über fleischfressende Pflanzen (Brit. Assoc. Belfast, 1874) eine Geschichte
des Gegenstandes gegeben.
Cap. 1. Beschreibung der Pflanze.
lich zu machen oder zu verdauen und dieselben später aufzusaugen;
drittens, die Veränderungen, welche im Innern der Zellen der Tentakeln
stattfinden, wenn die Drüsen in verschiedener Weise gereizt werden.
hat mir mein Sohn George, die von Aldrocanda und von den verschiedenen
Arten von Utricularia mein Sohn Francis gezeichnet. Sie sind im Holzschnitt
von Mr. Cooper, 188, Strand, ausgezeichnet wiedergegeben worden..
Fig. 1. (Drosera rotundifolia) Blatt von oben gesehen; viormal vergröszert.
Sie trägt von zwei oder drei bis zu fünf oder sechs Blätter, die ge-
wöhnlich mehr oder weniger horizontal ausgestreckt sind, aber zuweilen
Fig. 2. (Drosera rotundifolia.) Altes Blatt, von der Seite geschen; ungefähr viermal vergröszert.
senkrecht aufrecht stehen. Die Form und allgemeine Erscheinung
eines Blattes ist von oben gesehen in Fig. 1 und von der Seite ge-
1*
Drosera rotundifolia. Cap. 1.
sehen in Fig. 2 dargestellt. Die Blätter sind gewöhnlich etwas breiter
als lang, aber dies war mit dem hier abgebildeten nicht der Fall. Die
ganze obere Fläche ist mit Drüsen-tragenden Filamenten oder Tentakeln,
wie ich sie der Art ihrer Tätigkeit wegen nennen werde, bedeckt.
Die Drüsen wurden an einunddreissig Blättern gezählt, aber viele der
letzteren waren von ungewöhnlicher Grösze und die durchschnittliche
Zahl betrug 192; die gröszte Zahl war 260 und die geringste 130.
Eine jede der Drüsen ist von groszen Tropfen einer äuszerst klebrigen
Absonderung umgeben, welche, in der Sonne glänzend, Veranlassung ge-
wesen sind, der Pflanze den poetischen Namen des Sonnenthau’s zu geben.
sind kurz und stehen aufrecht und ihre Stengel sind grün. Nach dem
Rande zu werden sie länger und länger und biegen sich mehr nach auszen;
ihre Stengel werden dabei nach und nach purpurn. Die am äuszersten
Rande springen in derselben Ebene mit dem Blatt vor, oder sind, noch
gewöhnlicher, beträchtlich zurückgebogen. Einige wenige Tentakeln ent-
springen von der Basis des Stengels oder Blattstieles, und diese sind die
längsten von allen; manchmal erreichen sie beinahe die Länge von ¼ Zoll.
Auf einem Blatte, welches im Ganzen 252 Tentakeln trug, verhielten sich
die kurzen Fühler auf der Scheibe mit grünen Stielen der Zahl nach zu
den längeren in der Nähe des Randes stehenden und den ganz randstän-
digen mit purpurnen Stielen wie neun zu sechszehn.
der an der Spitze eine Drüse trägt. Der Stiel ist etwas abgeplattet und
wird von mehreren Reihen verlängerter Zellen gebildet, die mit einer pur-
purnen Flüssigkeit oder körnigen Substanz gefüllt sind Der Angabe Nitschke’s zufolge ist die purpurne Flüssigkeit das Resultat
einer Metamorphose des Chlorophylls. Mr. Sorby hat die färbende Substanz mit
dem Spectroscop untersucht; er theilt mir mit, dasz sie aus der gewöhnlichsten
Art Erythrophyll besteht, welche häufig in Blättern mit niederer Lebensfähigkeit
und in solchen Theilen, wie Blattstielen, gefunden wird, die die Functionen eines
Blattes in einer sehr unvollständigen Art ausführen. Alles, was daher hierüber
gesagt werden kann. ist, dasz die Haare (oder Tentakeln) so gefärbt sind wie
Theile eines Blattes, welche ihre gehörigen Verrichtungen nicht vollziehen.. Jedoch findet
sich dicht unter den Drüsen der längeren Tentakeln eine schmale Zone
und nahe ihrer Basis eine breitere Zone von einer grünen Färbung.
Spiralgefäsze, von einfachem Gefäszgewebe begleitet, zweigen sich von den
Gefäszbündeln in der Scheibe des Blattes ab und laufen durch alle Ten-
takeln hinauf in die Drüsen.
Anhänge oder Tentakeln erörtert, das heiszt, ob sie als Haare (Trichome)
oder Verlängerungen des Blattes betrachtet werden sollten. Nitschke hat
bewiesen, dasz sie alle die Elemente, welche zu der Scheibe des Blattes
gehören, in sich schlieszen; und die Thatsache, dasz sie Gefäszgewebe
Cap. 1. Bau der Tentakeln und Drüsen.
enthalten, ward früher für ein Beweis gehalten, dasz sie Verlängerungen
des Blattes wären; jetzt aber ist es bekannt, dasz Gefäsze zuweilen in
wahre Haare eintretenDr. Nitschke hat diesen Gegenstand in der Botan. Zeitung, 1861, p. 241
u. folgende, erörtert, s. auch Dr. Warming (Sur la Différence entre les trichomes
etc. 1873), welcher Verweisungen auf mehrere Publicationen mittheilt; s. auch
Groenland und Trécul, Annal. Seiene. natur. Botan., 4. Sér. Tom. 3, 1855,
p. 297 und 303.. Die Fähigkeit sich zu bewegen, welche sie be-
sitzen, ist ein starkes Argument gegen die Ansicht, dasz sie Haare sind.
Die Folgerung, welche mir die wahrscheinlichste zu sein scheint, wird im
15. Kapitel gegeben werden, nämlich, dasz sie ursprünglich als drüsige
Haare oder blosze Epidermis-Bildungen existirten und dasz ihr oberer
Theil noch als eine solche zu betrachten ist; dasz aber ihr unterer Theil,
welcher allein der Bewegung fähig ist, aus einer Verlängerung des Blattes
besteht; von diesem Theil aus haben sich Spiralgefässe bis in den ober-
sten Theil hinein erstreckt. Wir werden nachher sehen, dasz die end-
ständigen Tentakeln der getheilten Blätter von Roridula sich noch in
einem intermediären Zustande befinden.

Tentakeln getragnen, sind oval und von nahezu gleicher Grösze, nämlich
Fig. 3. (Drosera rotundifolia). Längsschnitt einer Drüse; stark vergröszert. Nach Warming.
ungefähr \frac {4}{500} Zoll Länge. Ihr Bau ist merkwürdig und ihre Functionen
sind complicirt, denn sie sondern ab, sangen auf und werden von ver-
Drosera rotundifolia. Cap. 1.
schiedenen Reizmitteln beeinfluszt. Sie bestehen aus einer äuszeren Schicht
von kleinen polygonalen Zellen, welche eine purpurne körnige Substanz
oder Flüssigkeit enthalten und dickere Wände als die Stielzellen besitzen.
Innerhalb dieser Zellenschicht liegt eine innere, aus anders geformten
Zellen bestehend, welche gleichfalls mit purpurner Flüssigkeit, aber von
einer unbedeutend verschiedenen Färbung gefüllt sind und sich auch gegen
Gold-Chlorid verschieden verhalten. Diese beiden Schichten sind zuweilen
gut zu sehen, wenn eine Drüse zerdrückt oder in Ätzkali gekocht worden
ist. Der Angabe Dr. Warming’s zufolge ist noch eine andere Schicht von
viel verlängerteren Zellen vorhanden, wie in dem beistehenden, aus seinem
Werke copirten Durchschnitt (Fig. 3), dargestellt ist. Diese Zellen wur-
den weder von Dr. Nitschke noch von mir gesehen. In der Mitte ist
eine Gruppe verlängerter cylindrischer Zellen von ungleicher Länge, welche
stumpf zugespitzt an ihren oberen, und abgestutzt oder abgerundet an
ihren unteren Enden, dicht an einander gedrückt und dadurch merkwür-
dig sind, dasz sie von einer Spirallinie umgeben werden, welche als eine
besondere Faser abgetrennt werden kann.
welcher sich nach langem Eintauchen in Alkohol viel braune Substanz
niederschlägt. Ich vermuthe, dasz sie mit den Spiralgefässen, welche in
den Tentakeln hinauflaufen, factisch zusammenhängen; denn bei mehreren
Gelegenheiten wurde gesehen, wie die Letzteren sich in zwei oder drei
äuszerst dünne Zweige theilten, welche bis dicht an die spiralfadenhalten-
den Zellen verfolgt werden konnten. Ihre Entwickelung ist von Dr.
Warming beschrieben worden. Zellen derselben Art sind auch in andern
Pflanzen beobachtet worden, wie ich von Dr. Hooker höre, und wurden
von mir in den Rändern der Blätter der Pinguicula gesehen. Was auch
ihre Function sein mag, sie sind weder notwendig für die Absonderung
der verdauenden Flüssigkeit, noch für die Aufsaugung, noch für die Mit-
theilung eines Bewegungsreizes an andere Theile des Blattes, wie wir aus
der Bauart der Drüsen bei einigen andern Gattungen der Droseraceen
schlieszen können.
von den andern. Ihre Basen sind breiter und auszer ihren eignen Ge-
fäszen erhalten sie noch einen schönen Zweig von denen, welche auf jeder
Blatthälfte in die Tentakeln eintreten. Ihre Drüsen sind sehr verlängert
und liegen auf der oberen Fläche des Stengels eingebettet, anstatt an der
Spitze zu stehen. In andrer Hinsicht sind sie nicht wesentlich verschie-
den von den ovalen und in einem Exemplar fand ich jeden möglichen
Uebergang zwischen den beiden Formzuständen. In einem andern Exem-
plar waren keine langköpfigen Drüsen vorhanden. Diese randständigen
Tentakeln verlieren ihre Reizbarkeit eher als die andern, und wenn ein
Reiz auf die Mitte des Blattes gebracht wird, werden sie erst nach
den andern zur Tätigkeit erregt. Wenn abgeschnittene Blätter in Wasser
eingetaucht werden, werden sie oft allein gebogen.
der Drüsen erfüllt, ist bis zu einem gewissen Grade verschieden von der
in den Zellen der Stengel. Denn wenn ein Blatt in heiszes Wasser oder
gewisse Säuren getan wird, werden die Drüsen ganz weisz und undurch-
Cap. 1. Papillen der Blätter und Stiele.
sichtig, während die Zellen der Stengel hellroth werden, mit Ausnahme
derer dicht unter den Drüsen. Diese letzteren Zellen verlieren ihre blasze
rothe Färbung; und die grüne Substanz, welche sie ebensowohl wie die
basalen Zellen enthalten, wird heller grün. Die Stiele tragen viel viel-
zellige Haare, wovon, der Angabe Nitschke’s zufolge, einige der Scheibe
nahe von einigen wenigen runden Zellen überragt werden, welche rudi-
mentäre Drüsen zu sein scheinen. Beide Flächen des Blattes, die Stiele
der Tentakeln, besonders die untere Seite der äuszeren, und die Blattstiele
sind mit kleinen Papillen (Haare oder Trichome) besetzt, welche eine
conische Basis haben und an ihrer Spitze zwei und gelegentlich auch drei
oder selbst vier abgerundete Zellen tragen, die viel Protoplasma enthal-
ten. Diese Papillen sind gewöhnlich farblos, aber manchmal enthalten sie
ein wenig purpurne Flüssigkeit. Sie sind verschieden in ihrer Entwick-
lung und gehen wie NitschkeNitschke hat diese Papillen ausführlich beschrieben und abgebildet, in
Botan. Zeitung, 1861, p. 1234, 253, 254. angibt und ich zu wiederholten Malen
beobachtet habe, allmälich in die langen vielzelligen Haare über; die letz-
teren sowohl als die Papillen sind wahrscheinlich die Rudimente von frü-
her vorhanden gewesenen Tentakeln.
will ich hier hinzufügen, dasz sie nicht absondern, aber leicht von ver-
schiednen Flüssigkeiten durchdrungen werden; so dasz, wenn lebende oder
todte Blätter in eine Auflösung von einem Theil Gold-Chlorid oder salpeter-
saurem Silber auf 437 Theile Wasser eingetaucht werden, sie schnell
schwarz werden und die Entfärbung sich bald bis in das umgebende Ge-
webe ausbreitet. Die langen vielzelligen Haare werden nicht so schnell
angegriffen. Nachdem ein Blatt zehn Stunden lang in einem schwachen
Aufgusse von rohem Fleisch liegen gelassen war, hatten die Zellen der
Papillen augenscheinlich thierische Substanz aufgesaugt; denn anstatt der
klaren Flüssigkeit enthielten sie nun kleine zusammengehäufte Massen von
Protoplasma, welche langsam und unaufhörlich ihre Form änderten. Ein
ähnliches Resultat ergab sich, nachdem ein Blatt nur 15 Minuten lang
in eine Lösung von einem Theil kohlensaurem Ammoniak in 218 Theilen
Wasser getaucht wurde; die benachbarten Zellen der Tentakeln, auf wel-
chen die Papillen saszen, enthielten jetzt gleichfalls zusammengeballte
Massen von Protoplasma. Wir können daraus schlieszen, dasz, wenn ein
Blatt ein gefangenes Insect in der sofort zu beschreibenden Weise dicht
umfangen hält, die Papillen, welche von der oberen Fläche des Blattes
und der Tentakeln vorspringen, wahrscheinlich etwas von der thierischen
Substanz aufsaugen, welche in der Absonderung aufgelöst wird. Dies
kann aber mit den Papillen am Rücken der Blätter oder an den Blatt-
stielen nicht der Fall sein.
welche Insecten gefangen werden.
die Drüsen in der Mitte des Blattes gelegt wird, so übertragen diese
Drosera rotundifolia. Cap. 1.
einen motorischen Reiz auf die randständigen Tentakeln. Die nächst-
stehenden werden zuerst afficirt und neigen sich langsam nach der
Mitte hin, dann die entfernteren, bis sie zuletzt alle über dem Gegen-
stand dicht zusammen gebogen sind. Dies findet in einer Stunde bis
zu vier oder fünf oder noch mehr Stunden statt. Die Verschiedenheit
in der hierzu erforderlichen Zeit hängt von vielen Umständen ab,
nämlich von der Grösze des Gegenstandes und dessen Beschaffenheit,
das heiszt, ob er auflösliche Substanz der richtigen Art enthält, von
der Lebenskraft und dem Alter des Blattes, ob es kürzlich in Tätig-
keit gewesen ist, und der Angabe Nitschke’sBotan. Zeitung, 1860, p. 216. zufolge von der Tem-
peratur des Tages, was auch mir der Fall zu sein schien. Ein leben-
des Insect ist ein wirksamerer Gegenstand als ein todtes, da es beim
Sichsträuben die Drüsen vieler Fühler drückt. Ein Insect, wie z. B.
eine Fliege, mit dünner Haut, durch welche die thierische Substanz
in Auflösung leicht in die umgebende dicke Absonderung dringen kann,
ist viel wirksamer, eine verlängerte Einbiegung zu verursachen, als ein
Insect mit einer dicken Haut wie ein Käfer. Die Einbiegung der Ten-
takeln findet ohne Unterschied im Licht und in der Dunkelheit statt,
und die Pflanze bietet keine nächtliche Bewegung eines sogenannten
Pflanzenschlafes dar.

bestrichen werden, wenn auch kein Gegenstand auf ihnen liegen
gelassen wird, so biegen sich die randständigen Tentakeln doch
einwärts. Ferner, wenn Tropfen von verschiedenen Flüssigkeiten,
von Speichel oder einer Auflösung von irgend einem Ammoniaksalz
auf die mittelsten Drüsen gebracht werden, so tritt schnell dasselbe
Resultat ein, zuweilen in weniger als einer halben Stunde.
biegung; so bewegt sich ein randständiger Tentakel, welcher in einer
Ebene mit der Blattscheibe ausgestreckt war, durch einen Winkel von
180°; und ich habe die stark zurückgebognen Tentakeln eines Blattes,
welches aufrecht stand, sich durch einen Winkel von nicht weniger
als 270° bewegen sehen. Der sich biegende Theil ist beinahe gänz-
lich auf einen kurzen Raum in der Nähe der Basis beschränkt; aber
eine im Ganzen gröszere Partie der verlängerten äuszeren Tentakeln
wird unbedeutend gebogen; die der Spitze nähere Hälfte bleibt in allen
Fällen gerade. Die kurzen Tentakeln in der Mitte der Scheibe wer-
Cap. 1. Einbiegung der Tentakeln.
den, wenn sie direct gereizt werden, nicht eingebogen, sind aber einer
Einbiegung fähig, wenn sie durch einen motorischen Reiz erregt wer-
den, welchen sie von andern Drüsen in einer gewissen Entfernung er-
halten. Wenn z. B. ein Blatt in einen Aufgusz von rohem Fleisch
oder in eine schwache Auflösung von Ammoniak (wenn die Auflösung
nur ein wenig stark ist, wird das Blatt paralysirt) eingetaucht wird,
so biegen sich alle die äuszeren Tentakeln nach innen (siehe Fig. 4),
ausgenommen die nahe der Mitte, welche gerade aufrecht stehen blei-
ben; es biegen sich aber dieselben nach irgend einem reizenden Gegen-
stand hin, der auf die eine Seite der Blattscheibe gelegt wird, wie in
Fig. 5 dargestellt ist. Die Drüsen in Fig. 4 bilden, wie man sehen
kann, einen dunkeln Ring um die Mitte herum, und dies ist eine Folge
Fig. 4. (Drosera rotundifolia) Blatt (ver-
gröszert) mit allen Tentakeln dicht eingebogen
nach Eintauchung in eine Lösung von phosphor-
saurem Ammoniak (ein Theil auf 87500 Wasser).
Fig. 5. (Drosera rotundifolia) Blatt (ver-
gröszert) mit den Tentakeln der einen Selte
über ein Stückchen auf die Scheibe gebrach-
ten Fleisches eingebogen.
davon, dasz die äuszern Tentakeln in einem richtigen Verhältnis an
Länge zunehmen, je nachdem sie dem Blattrande näher stehen.
sich am Besten, wenn die Drüse eines der langen äuszeren Tentakeln
auf irgend eine Art gereizt wird; denn die umgebenden bleiben dabei
unberührt. In der beifolgenden Umriszzeichnung (Fig. 6) sehen wir
einen Tentakel, auf welchen ein Theilchen Fleisch getan worden war,
dadurch nach der Mitte des Blattes zu gebogen, mit zwei anderen,
welche ihre gewöhnliche Stellung beibehalten. Eine Drüse kann ein-
fach dadurch, dasz man sie drei- oder viermal berührt, gereizt werden,
Drosera rotundifolia. Cap. 1.
oder durch länger andauernde Berührung mit organischen oder un-
organischen Gegenständen und verschiedenen Flüssigkeiten. Ich habe
durch die Loupe ganz deutlich gesehen, wie ein Tentakel anfieng, in
zehn Secunden sich zu biegen, nachdem ein Gegenstand auf seine Drüse
gebracht worden war, und ich habe oft eine deutlich ausgesprochene
Einbiegung in kürzerer Zeit als einer Minute eintreten sehen. Es ist
überraschend, was für kleine Theilchen irgend einer Substanz, solche
wie ein Stückchen Faden oder Haar oder ein Splitter Glas, wenn sie
in thatsächliche Berührung mit der Oberfläche der Drüse gebracht
werden, genügen, den Tentakel zum Biegen zu veranlassen. Wenn
der Gegenstand, welcher durch diese Bewegungen in die Mitte geschafft
worden ist, nicht sehr klein ist, oder wenn er auflösliche stickstoff-
haltige Substanzen enthält, so wirkt er auf die mittleren Drüsen und
Fig. 6. (Drosera rotundifolia.) Schematische Zeichnung, welche einen der äuszeren Tentakeln
stark umgebogen darstellt. die zwei benachbarten in der gewöhnlichen Stellung.
diese theilen den äuszeren Tentakeln einen motorischen Impuls mit,
welcher sie veranlaszt, sich nach innen einzubiegen.
tes, aber durchaus nicht immer, wird stark eingebogen, wenn irgend
eine stark reizende Substanz oder Flüssigkeit auf die Scheibe gebracht
wird. Tropfen von Milch und von einer Auflösung von salpetersaurem
Ammoniak oder Natron sind besonders geneigt, diese Wirkung hervor-
zubringen. Die Scheibe wird so in eine kleine Schale verwandelt.
Die Art, auf welche sie sich biegt, variirt sehr. Manchmal wird blosz
die Spitze, manchmal die eine, manchmal beide Seiten eingebogen.
Ich that z. B. Stückchen eines hartgekochten Eies auf die Blätter;
eins hatte die Spitze nach der Basis zu gebogen, das zweite hatte beide
entgegengesetzte Ränder sehr eingebogen, so dasz es beinah dreieckig
im Umrisz wurde, und dieses ist vielleicht der gewöhnlichste Fall,
Cap. 1. Secret der Drüsen.
während die dritte Scheibe durchaus gar nicht afficirt wurde, obgleich
die Tentakeln genau so dicht eingebogen waren, wie in den beiden
vorhergehenden Fällen. Gewöhnlich erhebt sich auch oder biegt sich
die ganze Scheibe aufwärts und bildet so einen kleineren Winkel mit
dem Stiel als vorher. Dies erscheint auf den ersten Blick als eine
bestimmte Art von Bewegung, aber sie geht aus der Einbiegung des
Theils des Randes hervor, welcher an den Stiel befestigt ist, wodurch
die Scheibe als ein Ganzes sich zu krümmen oder nach oben zu be-
wegen veranlaszt wird.
die Scheibe über einen auf der letztern liegenden Gegenstand zusam-
men gebogen bleiben, hängt von verschiedenen Umständen ab; nämlich
von der Lebenskraft und dem Alter des Blattes, und der Angabe
Dr. Nitschke’s zufolge, von der Temperatur, denn während kaltem
Wetters, wenn die Blätter unthätig sind, strecken sie sich in einer
früheren Zeit wieder aus, als wenn das Wetter warm ist. Aber die
Beschaffenheit des fremden Körpers ist bei Weitem der wichtigste Um-
stand; ich habe wiederholt gefunden, dasz die Tentakeln eine durch-
schnittlich viel längere Zeit über Gegenständen zusammen geschlagen
bleiben, welche auflösliche, stickstoffhaltige Substanzen darbieten, als
über solchen, mögen es nun organische oder unorganische sein, welche
keine solche Substanz hergeben. Nach einer von einem bis zu sieben
Tagen variirenden Periode strecken sich die Tentakeln wieder aus und
sind dann bereit, von Neuem in Tätigkeit zu treten. Ich habe das-
selbe Blatt sich drei aufeinander folgende Male über Insecten biegen
sehen, welche auf die Scheibe gelegt waren; und wahrscheinlich würde
es noch öfter so gehandelt haben.
sie in lange Fäden aufgezogen werden kann. Sie erscheint farblos,
aber färbt kleine Kugeln von Papier blasz rosa. Ein Gegenstand irgend
welcher Art verursacht, wie ich glaube, wenn er auf die Drüse gelegt
wird, eine noch reichlichere Absonderung; aber schon die blosze An-
wesenheit des Körpers macht es schwierig, dies festzustellen. In eini-
gen Fällen jedoch war die Wirkung deutlich bemerkbar, so wenn Theil-
chen von Zucker dazu getan wurden; das Resultat ist aber in diesem
Falle wahrscheinlich eine Folge der Exosmose. Stückchen von kohlen-
saurem und phosphorsaurem Ammoniak und einigen andren Salzen,
z. B. schwefelsaurem Zink, vermehren gleichfalls die Absonderung.
Drosera rotundifolia. Cap. 1.
Das Eintauchen in eine Lösung von einem Theil Gold-Chlorid oder
einigen andren Salzen auf 437 Theile Wasser reizt die Drüse zu einer
bedeutend verstärkten Absonderung an; auf der andern Seite bringt
weinsteinsaures Antimon keine solche Wirkung hervor. Das Eintauchen
in viele Säuren (ein Theil auf 437 Theile Wasser, stark) verursacht
ebenfalls eine wunderbare Menge Absonderung, so dasz, wenn die Blät-
ter herausgenommen werden, lange Fäden von auszerordentlich zäher
Flüszigkeit von ihnen herabhängen. Andrerseits wirken einige Säuren
nicht auf diese Weise. Die verstärkte Absonderung hängt nicht noth-
wendigerweise von der Einbiegung der Tentakeln ab, denn Theilchen
von Zucker und schwefelsaurem Zink verursachen keine solche Be-
wegung.
stand, wie ein Stückchen Fleisch oder ein Insect auf die Scheibe des
Blattes gelegt wird, sobald die umgebenden Tentakeln beträchtlich
eingebogen werden, ihre Drüsen eine verstärkte Menge von Absonde-
rung ergieszen. Ich vergewisserte mich dieser Thatsache dadurch,
dasz ich Blätter mit gleich groszen Tropfen auf beiden Seiten aus-
wählte und Stückchen Fleisch auf die eine Seite der Scheibe that;
sobald als die Tentakeln auf dieser Seite sehr eingebogen wurden, aber
noch ehe die Drüsen das Fleisch berührten, wurden die abgesonderten
Tropfen gröszer. Dies wurde wiederholt beobachtet, aber nur dreizehn
Fälle wurden protocollirt; in neun derselben wurde verstärkte Abson-
derung deutlich bemerkt; dasz vier Versuche mislangen, daran war
Schuld, entweder, dasz die Blätter im Ganzen torpid, oder dasz die
Stückchen Fleisch zu klein waren, um eine starke Einbiegung zu ver-
ursachen. Wir müssen daher schlieszen, dasz die mittleren Drüsen,
wenn sie stark gereizt werden, einen gewissen Einflusz auf die Drüsen
der randständigen Tentakeln äuszern, welcher dieselben veranlaszt,
reichlicher abzusondern.

führlicher sehen werden, wenn wir die verdauende Kraft des Secrets
behandeln), dasz, wenn die Tentakeln eingebogen werden, in Folge da-
von, dasz die mittleren Drüsen mechanisch oder durch Berührung mit
thierischer Substanz gereizt worden sind, die Absonderung nicht nur
an Menge zunimmt, sondern auch ihre Beschaffenheit verändert und
sauer wird; und zwar findet dies statt, ehe die Drüsen den Gegen-
stand auf der Mitte des Blattes berührt haben. Diese Säure ist von
Cap. 1. Secret der Drüsen.
einer andern Art als die, welche in dem Gewebe der Blätter enthalten
ist. So lange die Tentakeln dicht zusammen gebogen bleiben, fahren
die Drüsen fort, abzusondern, und die Absonderung ist sauer, so dasz
sie, wenn sie durch kohlensaures Natron neutralisirt wird, nach weni-
gen Stunden wieder sauer wird. Ich habe beobachtet, dasz dasselbe
Blatt, mit den Tentakeln über ziemlich unverdauliche Substanzen, wie
chemisch präparirtes Casein, dicht eingebogen, acht aufeinander folgende
Tage lang saure Absonderung ergosz, und zehn aufeinander folgende
Tage lang über Stückchen Knochen.
antiseptische Kraft zu besitzen. Ich brachte während sehr warmen
Wetters zwei gleich grosze Stückchen rohen Fleisches dicht neben
einander, eins auf ein Blatt der Drosera, das andere in feuchtes Moos
eingewickelt. Sie wurden 48 Stunden so gelassen und dann unter-
sucht. In dem Stück im Moos schwärmten zahllose Infusorien; es
war so verwest, dasz die queren Streifen der Muskelfasern nicht mehr
deutlich unterschieden werden konnten; während das Stück auf dem
Blatt, welches in die Absonderung eingetaucht war, von Infusorien
frei war und seine Querstreifen in dem mittleren unverdautem Theil
völlig deutlich erkennen liesz. In gleicher Weise wurden kleine würfel-
förmige Stückchen Eiweisz und Käse in feuchtem Moos von Schimmel-
fäden überzogen, und ihre Oberfläche wurde leicht entfärbt und zer-
setzt, während die auf den Blättern der Drosera rein blieben, wobei
gleichzeitig das Eiweisz in durchsichtige Flüssigkeit verwandelt wurde.
dicht eingebogen gewesen sind, anfangen, sich wieder auszustrecken,
sondern ihre Drüsen weniger reichlich ab, oder hören ganz auf, abzu-
sondern und bleiben trocken: in diesem Stadium werden sie von einem
Häutchen von weiszlicher halbfasriger Substanz überzogen, welches
durch die Absonderung in Auflösung erhalten worden war. Das Trock-
nen der Drüsen während des Actes des Ausstreckens ist von einem
kleinen Nutzen für die Pflanze; denn ich habe oft beobachtet, dasz
Gegenstände, die an den Blättern klebten, dann mit einem Luftzug
fortgeblasen werden konnten; auf diese Weise bleiben die Blätter un-
belästigt und frei für künftige Functionirung. Demohngeachtet ge-
schieht es oft, dasz sämmtliche Drüsen nicht vollständig trocken wer-
den und in diesem Falle werden oft zarte Gegenstände, wie zerbrech-
liche Insecten, durch das Ausstrecken der Tentakeln in Stückchen zer-
Drosera rotundifolia. Cap. 1.
rissen, die dann über das ganze Blatt verstreut liegen bleiben. Nach
vollständigem Wiederausstrecken fangen die Drüsen schnell wieder an
abzusondern, und sobald Tropfen von gehöriger Grösze gebildet sind,
sind die Tentakeln fähig, einen neuen Gegenstand zu umfassen.
wird es augenblicklich von der klebrigen Absonderung verwickelt und
die umgebenden Tentakeln fangen nach einiger Zeit an, sich zu biegen
und umschlingen es endlich von allen Seiten. Gewöhnlich werden In-
secten, wie Dr. Nitschke angibt, in einer Viertelstunde getödtet und
zwar in Folge davon, dasz ihre Tracheen durch die Absonderung ver-
schlossen werden. Wenn ein Insect nur einigen Drüsen der äuszeren
Tentakeln anklebt, so werden diese bald eingebogen und bringen ihre
Beute zu den Tentakeln, die ihnen am Nächsten nach innen folgen;
diese biegen sich dann einwärts und so geht es fort, bis das Insect
endlich durch eine sonderbare Art von rollender Bewegung in die Mitte
des Blattes geschafft worden ist. Dann werden nach Verlauf einiger
Zeit die Tentakeln von allen Seiten eingebogen und tauchen die Beute
in ihre Absonderung ein, in derselben Art, als ob das Insect sich gleich
zuerst auf der mittleren Scheibe niedergelassen hätte. Es ist über-
raschend, ein wie kleines Insect schon genügend ist, diese Handlung
zu verursachen; z. B. habe ich eine der kleinsten Arten Mücken
(Culex) gesehen, die sich gerade mit ihren auszerordentlich zarten
Füszchen auf die Drüsen der äuszersten Tentakeln gesetzt hatte; diese
fiengen schon an, sich nach innen zu biegen, obgleich noch keine ein-
zige Drüse bis jetzt den Körper des Insects berührt hatte. Wäre ich
nicht dazwischen gekommen, so würde diese kleine Mücke ganz gewisz
in die Mitte des Blattes gebracht und von allen Seiten sicher um-
schlungen worden sein. Wir werden späterhin sehen, was für auszer-
ordentlich kleine Dosen von gewissen organischen Flüssigkeiten und
salzigen Lösungen eine stark ausgesprochene Einbiegung verursachen.
niederlassen, als auf einem Ruheplatz, oder ob sie durch den Geruch
der Absonderung angezogen werden, weisz ich nicht. Ich vermuthe
wegen der groszen Anzahl Insecten, die von den englischen Species
der Drosera gefangen werden, und nachdem, was ich an tropischen
Species, die in meinem Gewächshaus gehalten wurden, beobachtet habe,
dasz der Geruch anziehend ist. In diesem letzten Fall können die
Blätter mit einer Köder enthaltenden Falle verglichen werden, in dem
Cap. 1. Aufsaugung der Drüsen.
ersten Fall mit einer Falle, die auf einen, vom Wild häufig besuchten
Weg gelegt ist, aber ohne Köder.
bewiesen, dasz sie beinahe augenblicklich dunkelfarbig werden, wenn
man ihnen eine kleine Quantität kohlensaures Ammoniak gibt; die
Farbenveränderung ist hauptsächlich oder ausschlieszlich Folge der
rapiden Zusammenballung ihres Inhalts. Wenn gewisse andere Flüssig-
keiten dazu getan werden, so werden sie blasz gefärbt. Ihr Absorp-
tionsvermögen zeigt sich jedoch am Besten in den verschiedenen Resul-
taten, welche sich ergeben, wenn man Tropfen verschiedener stickstoff-
haltiger und nicht stickstoffhaltiger Flüssigkeiten, von derselben Dichte
auf die Drüsen der Scheibe, oder auf eine einzige Drüse bringt; eben-
so auch durch die sehr verschiedene Länge der Zeit, während welcher
die Tentakeln über den Gegenständen, welche lösliche stickstoff haltige
Substanzen darbieten, oder nicht enthalten, gebogen bleiben. Dieser
selbe Schlusz könnte in der That auch aus der Structur und den Be-
wegungen der Blätter, welche so bewunderungswürdig zum Fangen der
Insecten eingerichtet sind, gezogen werden.
erklärt es, wie die Drosera in auszerordentlich armem torfigen Boden
gedeihen kann, in einigen Fällen da, wo nichts als Sphagnum-Moos
wächst; und Moose hängen überhaupt in Bezug auf ihre Nahrung nur
von der Atmosphäre ab. Obgleich die Blätter auf einen flüchtigen
Blick nicht grün erscheinen, was eine Folge der purpurnen Färbung
der Tentakeln ist, so enthalten doch die obere und untere Fläche der
Scheibe, die Stiele der mittleren Tentakeln und die Blattstiele Chloro-
phyll, so dasz die Pflanze ohne Zweifel von der Luft Kohlensäure
aufnimmt und assimilirt. Demohngeachtet würde, wenn man die Art
des Bodens bedenkt, worauf sie wächst, die Zufuhr von Stickstoff
auszerordentlich beschränkt, oder ganz ungenügend sein, wenn die
Pflanze nicht die Fähigkeit hätte, dieses wichtige Element aus den
gefangnen Insecten zu entnehmen. Wir können hiernach verstehen,
wie es kommt, dass die Wurzeln so dürftig entwickelt sind. Diese
bestehen gewöhnlich aus nur zwei oder drei leicht getheilten Zweigen,
von einem halben bis einen Zoll Länge, welche mit aufsaugenden Haaren
ausgestattet sind. Danach scheint es, als ob die Wurzeln nur zum
Aufsaugen von Wasser dienten; obgleich, wenn solche sich im Boden
fände, sie ohne Zweifel auch nährbare Substanz aufsaugen würden;
Drosera rotundifolia. Cap. 1.
denn wie wir später sehen werden, absorbiren sie eine schwache Lösung
von kohlensaurem Ammoniak. Von einer Drosera-Pflanze, an welcher
die Ränder der Blätter nach innen gerollt sind, so dasz sie einen zeit-
weiligen Magen bilden, und an welcher die Drüsen der dicht einge-
bognen Tentakeln ihre sauere Absonderung ergieszen, welche animale,
später zum Aufsaugen bestimmte Substanz auflöst, kann man sagen,
dasz sie sich wie ein Thier ernährt. Aber verschieden von einem Thier
trinkt sie mit ihren Wurzeln; und sie musz viel trinken, um die vielen
Tropfen der zähen Flüssigkeit, die um die Drüsen herum liegen, manch-
mal bis zu 260, und welche während des ganzen Tages der brennen-
den Sonne ausgesetzt sind, erhalten zu können.
