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Buch - Der Zerrissene - Nestroy, Johann

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Originalwerk · Lesefassung

Der Zerrissene

Nestroy, Johann · 1844

Der Zerrissene von Nestroy, Johann. Volltext der angegebenen Ausgabe mit textbezogenen Leseaufgaben.

DramaKlasse 9–10 · 11–135 Abschnitte
Porträt von Nestroy, Johann; Kontextbild zur Autorin oder zum Autor, keine Szene aus dem Buch.
Porträt · Nestroy, Johann · Unknown photographer · Public domain Bildquelle ↗
Hinweise für den Unterricht
  • Historische Sprache und Wertvorstellungen im Unterricht einordnen.

Behutsam angepasste Schreibweise nach einer begrenzten Wortliste. Mehrdeutige Formen, erfasste Namen, Sprechernamen, Bühnenanweisungen, Überschriften und Anmerkungen bleiben unverändert. Keine vollständige redaktionelle Überarbeitung nach heutiger Rechtschreibung. Für wortgetreue Quellenzitate die Quellfassung wählen.

Abschnitt 3 von 5

1. Akt

1
Erster Auftritt
Vorlage S. 500
2
Anton, Christian, Joseph kommen durch die Glastür Mitte links aus dem Hintergrund vor.
Vorlage S. 500
3
ANTON
Vorlage S. 500
4
zu Christian und Joseph, welche jeder 3 Champagner-Bouteillen tragen.
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5
So, tragt sie nur hinein, 's werden nicht die letzten sein; wenn die einmal ins Trinken kommen –
Vorlage S. 500
6
JOSEPH.
Vorlage S. 500
7
Is doch ein guter Herr, was der für seine Gäst alles springen lasst.
Vorlage S. 500
8
CHRISTIAN.
Vorlage S. 500
9
Wer sagt denn, dass er nur für die Gäst g'hört? er trinkt schon selber auch sein honettes Quantum.
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10
JOSEPH.
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11
Und is doch immer so übel aufg'legt dabei; unbegreiflich bei den Wein!
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12
ANTON.
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13
Das versteht's ihr nicht: er hat ein zerrissenes Gemüt, da rinnt der Wein durch, und kann nicht in Kopf steigen. Jetzt kümmert's euch nicht um Sachen, die euch nix angehn, und schaut's zum Servieren.
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14
CHRISTIAN
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15
indem er mit Joseph abgeht.
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16
Ein zerrissenes Gemüt mit dem Geld.
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17
JOSEPH.
Vorlage S. 500
18
s' is stark. Beide in die Tür nach dem Speisesalon ab.
Vorlage S. 500
19
Zweiter Auftritt
Vorlage S. 501
20
Anton, dann Gluthammer, und ein Bursche, der den Teil eines eisernen Geländers trägt.
Vorlage S. 501
21
ANTON
Vorlage S. 501
22
nach dem Balkon, Mitte des Hintergrundes sehend.
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23
Wenn s' nacher herauskommen, die ganze G'sellschaft, und der Herr sieht, dass die Altan noch kein G'länder hat, da krieg' ich wieder d' Schuld.
Vorlage S. 501
24
GLUTHAMMER
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25
tritt durch die Mitteltür links herein, und trägt mit Anstrengung ein eisernes Balkongeländer; ein Bursche, der einen Teil des Geländers trägt, kommt mit, und geht, nachdem er es auf den Balkon gestellt hat, sogleich ab.
Vorlage S. 501
26
Meiner Seel', so ein eisernes G'länder wägt über sieben Lot.
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27
ANTON.
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28
Na endlich! ich hab' schon g'laubt, der Herr Gluthammer lasst uns sitzen.
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29
GLUTHAMMER.
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30
Von unsern Ort bis da herüber is über a halbe Stund, wenn man leer geht; jetzt wenn man so ein G'wicht tragt, und a paarmal einkehren muss, da is a halber Tag weg, man weiß nicht wo er hinkommen is.
Vorlage S. 501
31
ANTON.
Vorlage S. 501
32
Ja, das Einkehrn, das hat mich auch schon oft in der Arbeit geniert.
Vorlage S. 501
33
GLUTHAMMER.
Vorlage S. 501
34
Wir werden gleich fertig sein.
Vorlage S. 501
35
Öffnet die Balkontür, tritt hinaus und stellt das Geländer auf.
Vorlage S. 501
36
ANTON.
Vorlage S. 501
37
Nicht wahr, das is völlig schauerlich, wenn man über die Altan ins Wasser hinunterschaut?
Vorlage S. 501
38
GLUTHAMMER.
Vorlage S. 501
39
's Wasser is halt immer ein schauerlicher Anblick.
Vorlage S. 501
40
ANTON.
Vorlage S. 501
41
Und was 's da draußt für ein' Zug hat.
Vorlage S. 501
42
GLUTHAMMER.
Vorlage S. 501
43
Mir scheint, von dem Zug hat der Fluss so 's Reißen kriegt.
Vorlage S. 501
44
ANTON.
Vorlage S. 501
45
Ich hätt' eher das Fenster, was da war, zumauern lassen, unser Herr aber lasst's zu einer Tür ausbrechen, und eine Altan' bau'n, wegen der Aussicht; lauter so verruckte Gusto.
Vorlage S. 501
46
GLUTHAMMER.
Vorlage S. 501
47
So, jetzt werden wir gleich –
Vorlage S. 501
48
Fängt an, tüchtig daraufloszuhammern.
Vorlage S. 501
49
ANTON.
Vorlage S. 501
50
Aber Freund, was fallt ihm denn ein, so einen Lärm zu machen; da drin is Tafel.
Vorlage S. 501
51
GLUTHAMMER.
Vorlage S. 502
52
Ja, glaubt denn der Mussi Anton, ein eisernes Geländer pickt man mit Heftpflaster an?
Vorlage S. 502
53
ANTON.
Vorlage S. 502
54
Da darf jetzt durchaus nicht klopft werd'n!
Vorlage S. 502
55
GLUTHAMMER.
Vorlage S. 502
56
Na, so lassen wir's halt derweil stehen, bis später. Lässt das unbefestigte Geländer auf den Balkon stehen, und verlässt denselben.
Vorlage S. 502
57
Man hört im Speisesalon Mitte rechts den Toast
Vorlage S. 502
58
ausbringen: »Der Herr vom Hause lebe hoch!«.
Vorlage S. 502
59
GLUTHAMMER.
Vorlage S. 502
60
Da geht's zu! Ihr müsst einen recht fidelen Herrn haben.
Vorlage S. 502
61
ANTON.
Vorlage S. 502
62
Seine Gäst sein fidel, aber er – keine Spur. Ich muss jetzt nachschau'n, ob s' kein frischen Champagner brauchen. Geht in den Speisesalon Mitte rechts ab.
Vorlage S. 502
63
Dritter Auftritt
Vorlage S. 502
64
Gluthammer, dann Kathi.
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65
GLUTHAMMER
Vorlage S. 502
66
allein.
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67
Die reichen Leut' haben halt doch ein prächtig's Leben. Sie können trinken, schnabulieren, schlafen, sich unterhalten nach Gusto. – Schade, ich hätt' zum Reichtum viel Anlag g'habt, wenn sich so ein Millionär meiner ang'nommen hätt'; hätt' mich ausbild't, und hätt' mir mit der Zeit 's G'schäft übergeb'n, – aus mir hätt' was werden können.
Vorlage S. 502
68
KATHI
Vorlage S. 502
69
tritt zur Mitte links herein.
Vorlage S. 502
70
Da werd' ich den gnädigen Herrn finden, haben s' g'sagt. Gluthammer erblickend. Das is ja – is möglich – Meister Gluthammer!?
Vorlage S. 502
71
GLUTHAMMER
Vorlage S. 502
72
Kathi betrachtend, und seine Ideen sammelnd.
Vorlage S. 502
73
Geduld – ich hab' noch nicht den rechten Schlüssel zum Schloß der Erinnerung.
Vorlage S. 502
74
KATHI.
Vorlage S. 502
75
Ich bin's – die Krautkopfische Kathi!
Vorlage S. 502
76
GLUTHAMMER.
Vorlage S. 502
77
Richtig – die Kathi! Na, was macht denn mein alter Freund Krautkopf?
Vorlage S. 502
78
KATHI.
Vorlage S. 502
79
Was wird er machen? bös is er auf'n Meister Gluthammer, dass er sich seit anderthalb Jahren nicht bei ihm sehn lasst, und da hat er recht! Pichelsdorf is doch nur 4 Stund weit von der Stadt.
Vorlage S. 502
80
GLUTHAMMER.
Vorlage S. 503
81
Ich bin ja nicht mehr in der Stadt. Aber wie kommt denn die Jungfer Kathi daher? g'wiß das Pachtgeld vom Freund Krautkopf dem gnädigen Herrn überbringen?
Vorlage S. 503
82
KATHI.
Vorlage S. 503
83
Muss denn ich nur Gäng für'n Herrn Vettern machen, kann denn ich nicht meine eigenen Angelegenheiten haben?
Vorlage S. 503
84
GLUTHAMMER.
Vorlage S. 503
85
Freilich! ich kenn' der Jungfer Kathi ihre Angelegenheiten nicht.
Vorlage S. 503
86
KATHI.
Vorlage S. 503
87
Um eine Zahlung handelt sich's aber doch, das hat der Meister erraten. Der gute gnädige Herr von Lips war mein Taufpate.
Vorlage S. 503
88
GLUTHAMMER.
Vorlage S. 503
89
Also Herr Göd!?
Vorlage S. 503
90
KATHI.
Vorlage S. 503
91
Meine Mutter hat einmal gedient im Haus, wie noch der alte Lips, der Fabrikant, g'lebt hat, wie dann der junge Herr die vielen Häuser und Landgüter gekauft hat, das Pachtgut vom Vetter Krautkopf war auch dabei, – da haben ich und meine Mutter uns gar nicht mehr in seine Nähe getraut, als noblen Herrn, aber Traurig. vor 3 Jahren, wie's uns gar so schlecht gangen is, die Weißnähterei wird zu schlecht bezahlt –
Vorlage S. 503
92
GLUTHAMMER.
Vorlage S. 503
93
Wie überhaupt alle feinen Arbeiten; wann man selbst Marchand de Modes war, kann man das am besten beurteilen.
Vorlage S. 503
94
KATHI.
Vorlage S. 503
95
Das wohl, aber ein Schlossermeister wird da nicht viel davon verstehn.
Vorlage S. 503
96
GLUTHAMMER
Vorlage S. 503
97
seufzend.
Vorlage S. 503
98
Oh, ich war auch Mar chand de Modes!
Vorlage S. 503
99
KATHI.
Vorlage S. 503
100
Hörn S' auf mit die G'spaß!
Vorlage S. 503
101
GLUTHAMMER.
Vorlage S. 503
102
Nein! 's is furchtbarer Ernst – im Verlauf der Begebenheiten wird dir das alles klarwerden.
Vorlage S. 503
103
KATHI.
Vorlage S. 503
104
Da bin ich neugierig drauf.
Vorlage S. 503
105
GLUTHAMMER.
Vorlage S. 503
106
Erzähl nur erst deine G'schicht aus.
Vorlage S. 503
107
KATHI.
Vorlage S. 503
108
Die is schon so viel als aus. Wie's uns so schlecht gangen is, und d' Mutter war krank, da bin ich zu meinen gnädigen Herrn Göden, und hab' 100 fl. z' leihen g'nommen; er hat mir's an der Stell' geben, und hat g'lacht, wie ich vom Z'ruckzahlen g'redt hab'! Meiner Frau Mutter hab' ich aber noch auf'n Tot'nbett versprechen müssen, recht fleißig und sparsam zu sein, und auf die Schuld ja nicht zu vergessen; und das hab' ich halt g'halten. Ich bin nach der Frau Mutter ihr'n Tod zum Vetter Krautkopf kommen, da hab' ich gearbeitet und gearbeitet, und gespart und gespart, und nach dritthalb Jahren waren die 100 fl. erübrigt. Jetzt bin ich da, beim Herrn Göden Schulden zahl'n.
Vorlage S. 503
109
GLUTHAMMER.
Vorlage S. 504
110
Schulden zahl'n? an so was denk' ich gar nicht mehr.
Vorlage S. 504
111
KATHI.
Vorlage S. 504
112
Wie kann der Meister so reden, als ordentlicher Handwerksmann und Meister?
Vorlage S. 504
113
GLUTHAMMER.
Vorlage S. 504
114
Meister? Ich bin ja seit 5 Monaten wieder G'sell, und nur mit Krebsaugen blick' ich auf meine Meisterschaft zurück.
Vorlage S. 504
115
KATHI
Vorlage S. 504
116
erstaunt und mitleidsvoll.
Vorlage S. 504
117
Is's möglich!
Vorlage S. 504
118
GLUTHAMMER.
Vorlage S. 504
119
Im Verlauf der Begebenheiten wird alles klar. Ich hab' mich verliebt – jetzt wird's bald 2 Jahr, in eine Putzerin, in eine reine, schneeblüh-weißgewaschne Seele.
Vorlage S. 504
120
KATHI
Vorlage S. 504
121
mit gutmütiger Ironie.
Vorlage S. 504
122
Und aufs Waschen scheint der Herr große Stück zu halten.
Vorlage S. 504
123
GLUTHAMMER.
Vorlage S. 504
124
Hab' es noch keinen Samstag unterlassen, – dass ich also weiter sag', sie hat mich ang'redt, ich soll ihr d' Marchandmoderei lernen lassen; ich hab' sie also gleich in d' Lehr' geb'n, und in kurzer Zeit hat sie alles im kleinen Finger g'habt, und so war sie Mamsell. Da stirbt die alte Marchandmode, 's Heirat'n is uns von Anfang schon in Kopf g'steckt – so hat sie mir zug'redt, ich soll ihr das G'schäft von der toten Madam kaufen. 4000 fl. hat's kosten sollen; die Hälfte hab' ich gleich bar auszahlt, und so war die Meinige Marchandmod, der Ehrentag war festgesetzt. Da –
Vorlage S. 504
125
Seufzt.
Vorlage S. 504
126
KATHI.
Vorlage S. 504
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Sie wird doch nicht g'storben sein?
Vorlage S. 504
128
GLUTHAMMER.
Vorlage S. 504
129
Im Verlauf der Begebenheiten wird das alles klar. Die Hochzeit war bestimmt, 's Brautkleid war fertig, mein blauer Frack g'wendt, – Mit Schluchzen. die Anginene begelt, die Gäst eing'laden – Person a 2 fl. – Beinahe in Tränen ausbrechend. ohne Wein. –
Vorlage S. 504
130
KATHI
Vorlage S. 505
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tröstend.
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Na, g'scheit! Herr Gluthammer –
Vorlage S. 505
133
GLUTHAMMER.
Vorlage S. 505
134
Den Tag vor der Hochzeit geh' ich zu ihr, sie war aber nicht z' Haus.
Vorlage S. 505
135
KATHI.
Vorlage S. 505
136
War sie eine Freundin vom Spazierngehn?
Vorlage S. 505
137
GLUTHAMMER.
Vorlage S. 505
138
Im Verlauf der Begebenheiten wird das alles klar. Sie is von der Stund an nicht mehr nach Haus kommen. Ich hab' s' g'sucht, ich hab' s' g'meldt, ich hab' s' woll'n austrommeln lassen, aber 's darf nur a Feuerwerk austrommelt wer'n in der Stadt, – mit ein Wort, es war alles umsonst, ich war Strohwittiber, bin Strohwittiber geblieben, und das Stroh bring' ich auf der Welt nicht mehr aus'n Kopf.
Vorlage S. 505
139
KATHI.
Vorlage S. 505
140
Mein Gott, man muss sich gar viel aus den Kopf schlagen.
Vorlage S. 505
141
GLUTHAMMER.
Vorlage S. 505
142
Oh! so was bleibt! Und dann die Folgen: 's G'schäft war einmal kauft, 2000 fl. war ich drauf schuldig; denk' ich mir, zu was brauch' ich zwei G'werber, es is das G'scheideste, ich verkauf' eins. Da hab' ich mein Schlosserg'werb verkauft, und bin Marchandmode blieben.
Vorlage S. 505
143
KATHI.
Vorlage S. 505
144
Das war aber auch ein Gedanken –
Vorlage S. 505
145
GLUTHAMMER.
Vorlage S. 505
146
Wär' kein schlechter Gedanken g'wesen, aber man war ung'recht gegen mich. Die Kundschaften hab'n g'sagt, ich hätt' keinen Geschmack, weil ich alles in schwarz und hochrot hab' arbeiten lassen. Nach 4 Monaten war ich nix, als eine zugrund gegangene Marchandmode, und um meinen Gläubigern aus'n G'sicht zu kommen, hab' ich müssen aufs Land als Schlosserg'sell gehn. O meine Mathilde!
Vorlage S. 505
147
KATHI.
Vorlage S. 505
148
Die Person war eine Undankbare, is gar nicht wert, dass sich der Herr Gluthammer kränkt um sie.
Vorlage S. 505
149
GLUTHAMMER.
Vorlage S. 505
150
Was!? sie liebt mich! sie is offenbar mit G'walt fortg'schleppt worden, wird wo als Gefangene festg'halten, und hat keinen andern Gedanken, als nur in meine Arme zurückzukehren.
Vorlage S. 505
151
KATHI.
Vorlage S. 506
152
Da g'hört sich ein starker Glauben dazu.
Vorlage S. 506
153
GLUTHAMMER.
Vorlage S. 506
154
O Gott! wenn ich alles so g'wiß wüßt'! wenn ich den Räuber so g'wiß ausfindig z' machen wüßt' – Jungfer Kathi – Nimmt sie bei der Hand. dem ging's schlecht. – Ihre Hand heftig schüttelnd. Der wurd' auf schlosserisch in d' Arbeit g'nommen.
Vorlage S. 506
155
KATHI.
Vorlage S. 506
156
Na, na! denk' der Herr nur, dass ich kein Räuber bin.
Vorlage S. 506
157
GLUTHAMMER.
Vorlage S. 506
158
Nehmen Sie's nicht übel, aber wenn ein Schlosser in die Rage kommt –
Vorlage S. 506
159
Vierter Auftritt
Vorlage S. 506
160
Anton. Die Vorigen.
Vorlage S. 506
161
ANTON
Vorlage S. 506
162
kommt aus der Mitte rechts des Speisesalons, die Türe bleibt offen.
Vorlage S. 506
163
Leuteln, macht's, dass fortkommt's, der Herr kommt gleich mit die Gäst heraus.
Vorlage S. 506
164
KATHI.
Vorlage S. 506
165
Das is g'scheit, ich kann also sprechen mit'n gnädigen Herrn?
Vorlage S. 506
166
ANTON.
Vorlage S. 506
167
Beileibe nicht! das wär' höchst ungelegen.
Vorlage S. 506
168
KATHI.
Vorlage S. 506
169
So werd' ich halt draußen warten.
Vorlage S. 506
170
ANTON.
Vorlage S. 506
171
Geh' d' Jungfer im Garten spazieren.
Vorlage S. 506
172
GLUTHAMMER.
Vorlage S. 506
173
Meine Arbeit mach' ich halt später.
Vorlage S. 506
174
ANTON.
Vorlage S. 506
175
Freilich!
Vorlage S. 506
176
GLUTHAMMER.
Vorlage S. 506
177
Komm' die Kathi! die Mathilde is verloren – Nimmt sie beim Arm. aber ihn werd' ich finden, den Mathildenschnipfer – Grimmig. Und dann werden wir was erleben, von einer nagelneuen Zermalmungsmethode.
Vorlage S. 506
178
KATHI
Vorlage S. 506
179
aufschreiend.
Vorlage S. 506
180
Ah! probiert's die Methode wo ihr wollt, aber nicht an mein'n Arm.
Vorlage S. 506
181
GLUTHAMMER.
Vorlage S. 506
182
Nehmen Sie's nicht übel, aber es gibt Momente, wo der ganze Schlosser in mir erwacht, und da merkt man keine Spur, dass ich jemals Marchandmode g'wesen bin.
Vorlage S. 506
183
Geht mit Kathi durch die Mitte links ab.
Vorlage S. 506
184
ANTON
Vorlage S. 506
185
nach dem Speisesalon sehend, dessen Türe offen geblieben.
Vorlage S. 506
186
Da kommt der Herr – und das G'sicht was er macht – ich geh'! Geht auch durch die Mitte links ab.
Vorlage S. 506
187
Fünfter Auftritt
Vorlage S. 507
188
Lips allein, tritt zur Mitte rechts während dem Ritornell des folgenden Liedes aus der Türe des Speisesalons auf.
Vorlage S. 507
189
Lied.
Vorlage S. 507
190
1
Vorlage S. 507
191
Ich hab' vierzehn Anzüg, teils licht und teils dunkel,
Vorlage S. 507
192
Die Frack und die Pantalon, alles von Gunkel,
Vorlage S. 507
193
Wer mich anschaut, dem kommt das g'wiß nicht in Sinn,
Vorlage S. 507
194
Dass ich trotz der Garderob ein Zerrissener bin.
Vorlage S. 507
195
Mein Gemüt is zerrissen, da is alles zerstückt,
Vorlage S. 507
196
Und ein zerriss'nes Gemüt wird ein'm nirgends g'flickt,
Vorlage S. 507
197
Und doch – müsst' ich erklär'n wem den Grund von mein' Schmerz,
Vorlage S. 507
198
So stündet ich da, wie 's Mandl beim Sterz.
Vorlage S. 507
199
Meiner Seel, 's is a fürchterlich's G'fühl,
Vorlage S. 507
200
Wenn man selber nicht weiß, was man will.
Vorlage S. 507
201
2
Vorlage S. 507
202
Bald möcht' ich die Welt durchflieg'n ohne zu rasten,
Vorlage S. 507
203
Bald is mir der Weg z' weit vom Tisch bis zum Kasten;
Vorlage S. 507
204
Bald lad' ich mir Gäst a paar Dutzend ins Haus,
Vorlage S. 507
205
Und wie s' da sein, so werfet ich s' gern alle h'naus.
Vorlage S. 507
206
Bald ekelt mich 's Leben an, das Grab nur mir g'fallt,
Vorlage S. 507
207
Gleich drauf möcht' ich wern über 1000 Jahr alt,
Vorlage S. 507
208
Bald ärgre ich mich drüber, dass 's Frauenzimmer gibt,
Vorlage S. 507
209
Gleich drauf möcht' ich, dass alle in mich wär'n verliebt.
Vorlage S. 507
210
Meiner Seel, 's is a fürchterlich's G'fühl,
Vorlage S. 507
211
Wenn man selber nicht weiß, was man will.
Vorlage S. 507
212
Armut is ohne Zweifel das Schrecklichste. Mir dürft' einer 10 Millionen herlegen, und sagen, ich soll arm sein dafür, ich nehmet s' nicht. Und was schaut anderseits beim Reichtum heraus? Auch wieder ein ödes abgeschmacktes Leben. Wenn einem kleinen Buben nix fehlt, und er is grantig, so gibt man ihm a paar Praker, und 's is gut. Vielleicht helfet das bei mir auch, aber bei einem Bub'n in meinem Alter müssten die Schläg vom Schicksal ausgehn, und von da hab' ich nix zu reskier'n. Meine Gelder liegen sicher, meine Häuser sind assekuriert, meine Realitäten sind nicht zum stehlen – bin der einzige in meiner Familie, folglich kann mir kein teurer Angehöriger sterben, außer ich selber, und um mich werd' ich mir auch d' Haar nicht ausreißen, wenn ich einmal weg bin. – Für mich is also keine Hoffnung auf Aufrieglung, auf Impuls. – Jetzt hab' ich Tafel g'habt, wenn ich nur wüßt', wie ich bis zur nächsten Tafel d' Zeit verbring'! – Mit Abenteuer? mit Spiel? – Das Spielen is nix für ein Reichen, wem 's Verlieren nicht mehr weh tut, dem macht 's Gewinnen auch kein' Freud'! – Abenteuer? da muss ich lachen! für einen Reichen existieren keine Abenteuer. 's Geld räumt zu leicht d' Hindernisse auf die Seiten. Wo sollen da die Abenteuer herkommen? Man is und bleibt schon auf die faden Alletagsgenüsse reduziert, die man mit Hülfe der Freundschaft hinunterwürgt. Das is noch das Schönste, über Mangel an Freunden darf sich der Reiche nicht beklagen. Freunde hab' ich, und das was für Freunde! den warmen Anteil, den sie nehmen, wenn s' bei mir essen, das heiße Mitgefühl, wenn s' mit mir zugleich einen Punschdusel kriegen, und die treue Anhänglichkeit! ob einer zum Losbringen wär'! – keine Möglichkeit! Ich bin wirklich ein beneidenswerter Kerl, nur schad', dass ich mich selber nicht beneid'! –
Vorlage S. 507
213
Sechster Auftritt
Vorlage S. 508
214
Stifler, Sporner, Wixer kommen aus der Mitte rechts.
Vorlage S. 508
215
Der Vorige.
Vorlage S. 508
216
STIFLER
Vorlage S. 508
217
zu Lips.
Vorlage S. 508
218
Aber, Herr Bruder, sag doch, was ist's mit dir? die Gesellschaft wird immer lauter, du wirst immer stiller, alle Gesichter verklären sich, das deine verdüstert sich, endlich lasst du uns ganz im Stich. –
Vorlage S. 508
219
WIXER.
Vorlage S. 508
220
Sein auch richtig alle ang'stochen.
Vorlage S. 508
221
STIFLER
Vorlage S. 509
222
zu Lips.
Vorlage S. 509
223
Es herrscht eine allgemeine Bestürzung unter den Gästen, weil sie dich nicht sehn.
Vorlage S. 509
224
LIPS.
Vorlage S. 509
225
Sie sollen sich trösten, früher haben s' mich alle doppelt g'sehn, also gleicht sich das wieder aus.
Vorlage S. 509
226
WIXER.
Vorlage S. 509
227
Wenn s' sehn, du kommst nicht, so verlier'n sie sich halt schön stad, die Anhänglichkeit, die wir haben, die kann man nicht prätendieren von so gewöhnlichen Tischfreund.
Vorlage S. 509
228
LIPS.
Vorlage S. 509
229
Freilich!
Vorlage S. 509
230
WIXER.
Vorlage S. 509
231
Bist du lustig, ist's recht, bist du traurig, sind wir auch da, und essen stumm in uns hinein, das heißt Ausdauer im Unglück.
Vorlage S. 509
232
STIFLER, SPORNER. Auf uns kannst du zählen.
Vorlage S. 509
233
LIPS.
Vorlage S. 509
234
An euch drei hab' ich wirklich einen rechten Terno g'macht.
Vorlage S. 509
235
STIFLER.
Vorlage S. 509
236
Komm, trink noch ein Glas Champagner mit uns.
Vorlage S. 509
237
LIPS.
Vorlage S. 509
Porträt von Nestroy, Johann; Kontextbild zur Autorin oder zum Autor, keine Szene aus dem Buch.
Kontextbild zum Werk. Porträt · Nestroy, Johann · Unknown photographer · Public domain Bildquelle ↗
238
Ich hab' keine Freud' mehr dran. Wie ich noch zwanzig Jahr' alt war, damals ja – aber jetzt.
Vorlage S. 509
239
STIFLER.
Vorlage S. 509
240
Ich finde jetzt alles am schönsten.
Vorlage S. 509
241
LIPS.
Vorlage S. 509
242
Ja, wenn man so jung ist, als wie du.
Vorlage S. 509
243
STIFLER.
Vorlage S. 509
244
Nu, gar so jung – ich bin wohl erst im Vierundfünfzigsten.
Vorlage S. 509
245
LIPS.
Vorlage S. 509
246
Ich aber schon im letzten Viert'l.
Vorlage S. 509
247
STIFLER.
Vorlage S. 509
248
Das schmeckt noch nach dem Flügelkleide.
Vorlage S. 509
249
LIPS.
Vorlage S. 509
250
Und doch schon Matthäi am letzten.
Vorlage S. 509
251
STIFLER.
Vorlage S. 509
252
Lass dir nichts träumen.
Vorlage S. 509
253
LIPS.
Vorlage S. 509
254
Eben die Träume verraten mir's, dass es auf die Neige geht, ich mein' die wachen Träume, die jeder Mensch hat. Bestehen diese Träume in Hoffnungen, so is man jung, bestehen sie in Erinnerungen, so ist man alt. Ich hoffe nix mehr, und erinnre mich an vieles, ergo alt; uralt; Greis; Tatl.
Vorlage S. 509
255
WIXER.
Vorlage S. 509
256
Du musst dich zerstreuen.
Vorlage S. 509
257
LIPS.
Vorlage S. 509
258
Das is leicht g'sagt, aber mit was?
Vorlage S. 509
259
WIXER.
Vorlage S. 509
260
Wir begleiten dich, geh auf Reisen.
Vorlage S. 509
261
LIPS.
Vorlage S. 509
262
Um zu sehn, dass es überall gleich fad is.
Vorlage S. 509
263
STIFLER.
Vorlage S. 509
264
Nein, er meint Naturgenuß, Alpen, Vulkane, Katarakte –
Vorlage S. 509
265
LIPS.
Vorlage S. 510
266
Sag mir ein Land, wo ich was Neues sehe, wo der Wasserfall einen andern Brauser, der Waldbach einen andern Murmler, die Wiesenquelle einen an dern Schlängler hat, als ich schon hundertmal gesehen und gehört habe. Führ mich auf einen Gletscher mit schwarzem Schnee und glühende Eiszapfen. – Segeln wir in einen Weltteil, wo das Waldesgrün lilafarb, wo die Morgenröte paperlgrün is. – Lasst mich aus, die Natur kränkelt auch an einer unerträglichen Stereotypigkeit.
Vorlage S. 510
267
WIXER
Vorlage S. 510
268
zu Sporner.
Vorlage S. 510
269
Gib ihm doch auch einen Rat, du Engländer ex propriis.
Vorlage S. 510
270
SPORNER.
Vorlage S. 510
271
Ich sage Pferde, nichts als Pferde. Halte dir 10 bis 15 Vollblut, verschreibe dir Jockeis, besuche alle Wettrennen, und du wirst ganz umgewandelt.
Vorlage S. 510
272
LIPS.
Vorlage S. 510
273
Nein, Freund! ich reit' gern aus zur Bewegung, ich fahr' gern aus zur Bequemlichkeit, aber besondere Freud' hab' ich auch keine damit.
Vorlage S. 510
274
WIXER.
Vorlage S. 510
275
So mach sonst verruckte G'schichten, begeh Narrenstreiche, das is auch eine Unterhaltung.
Vorlage S. 510
276
SPORNER.
Vorlage S. 510
277
Und zeigt überdies vom Spleen.
Vorlage S. 510
278
LIPS
Vorlage S. 510
279
zu Sporner.
Vorlage S. 510
280
Freund, blamier dich nicht, du mühsamer Gentleman.
Vorlage S. 510
281
STIFLER.
Vorlage S. 510
282
Bruder, jetzt treff' ich das Rechte. Eins ist dir noch neu, – der Ehestand.
Vorlage S. 510
283
LIPS.
Vorlage S. 510
284
Darüber hab' ich mir schon zu viel gehört. Sagen der Vorzeit, und Memoiren der Gegenwart.
Vorlage S. 510
285
STIFLER.
Vorlage S. 510
286
Treffe nur eine originelle Wahl.
Vorlage S. 510
287
LIPS.
Vorlage S. 510
288
Eine originelle Wahl? Wie is das möglich? Wähl' ich vernünftig, so haben schon hundert so gewählt, und wähl' ich dumm, so haben schon Millionen Leut' so g'wählt. Aber wenn ich – ja freilich – Von einer Idee ergriffen. ich hab's!
Vorlage S. 510
289
STIFLER UND WIXER.
Vorlage S. 510
290
Was?
Vorlage S. 510
291
LIPS.
Vorlage S. 510
292
Die originelle Wahl! ich wähle ohne Wahl, ich treffe eine Wahl, ohne zu wählen.
Vorlage S. 510
293
STIFLER.
Vorlage S. 510
294
Erkläre uns, wie das zu verstehn.
Vorlage S. 510
295
LIPS
Vorlage S. 510
296
mit festem Entschluß.
Vorlage S. 510
297
Das erste fremde Frauenzimmer, was mir heut' begegnet, wird meine Frau.
Vorlage S. 510
298
STIFLER.
Vorlage S. 511
299
Bist du toll –?
Vorlage S. 511
300
WIXER
Vorlage S. 511
301
zugleich.
Vorlage S. 511
302
Lass nach –!
Vorlage S. 511
303
LIPS.
Vorlage S. 511
304
Schön oder wild, gut oder bös, jung oder alt, – alles eins – ich heirat' sie.
Vorlage S. 511
305
SPORNER.
Vorlage S. 511
306
Das ist fesch!
Vorlage S. 511
307
STIFLER.
Vorlage S. 511
308
Wenn aber, setzen wir den Fall, –
Vorlage S. 511
309
LIPS
Vorlage S. 511
310
in heiterer Stimmung.
Vorlage S. 511
311
Kein Aber – kein po situs! unbedingt die erste, die mir begegnet. Ich sag' euch, Freunde, ich g'spür' jetzt schon die heilsame Wirkung von diesem Entschluss; die Spannung, die Neugierd', wer wird die erste sein? –
Vorlage S. 511
312
Siebenter Auftritt
Vorlage S. 511
313
Anton. Die Vorigen.
Vorlage S. 511
314
ANTON
Vorlage S. 511
315
zur Mitte links eintretend, meldend zu Lips.
Vorlage S. 511
316
Die Frau von Schleier wünscht ihre Aufwartung zu machen.
Vorlage S. 511
317
LIPS.
Vorlage S. 511
318
Schicksal, du hast gut pausiert, du fallst a tempo ein.
Vorlage S. 511
319
ANTON.
Vorlage S. 511
320
Sie hat g'sagt, sie möcht' unbekannterweise die Ehre haben.
Vorlage S. 511
321
STIFLER.
Vorlage S. 511
322
Wer ist sie denn?
Vorlage S. 511
323
ANTON.
Vorlage S. 511
324
Sie hat heraust ihre Sommerwohnung in der Feldgasse.
Vorlage S. 511
325
LIPS.
Vorlage S. 511
326
Das ist egal, nur herein, sie is willkommen!
Vorlage S. 511
327
ANTON.
Vorlage S. 511
328
Sehr wohl.
Vorlage S. 511
329
Geht nach der Mitte links.
Vorlage S. 511
330
LIPS
Vorlage S. 511
331
Anton nachrufend.
Vorlage S. 511
332
Halt, du musst erst fragen, ob sie Witwe is.
Vorlage S. 511
333
ANTON.
Vorlage S. 511
334
Sehr wohl.
Vorlage S. 511
335
LIPS.
Vorlage S. 511
336
Wohlgemerkt, nur im Witwenfall wird sie vorgelassen.
Vorlage S. 511
337
ANTON.
Vorlage S. 511
338
Sehr wohl. Geht zur Mitte links ab.
Vorlage S. 511
339
Achter Auftritt
Vorlage S. 511
340
Die Vorigen, ohne Anton.
Vorlage S. 511
341
LIPS
Vorlage S. 511
342
in sehr aufgeregter Stimmung.
Vorlage S. 511
343
Brüderln, was sagt ihr dazu?
Vorlage S. 511
344
STIFLER.
Vorlage S. 511
345
Die Sache spielt ins Verhängsnisvolle hinüber.
Vorlage S. 511
346
LIPS
Vorlage S. 511
347
nach dem Garten sehend.
Vorlage S. 511
348
Wann sie kommt, so is s' Witwe, und wenn sie Witwe ist, so kommt sie.
Vorlage S. 511
349
STIFLER.
Vorlage S. 512
350
Meiner Seele –!
Vorlage S. 512
351
LIPS.
Vorlage S. 512
352
Geht's jetzt, meine Freunde, lasst mich mit meiner Zukünftigen allein.
Vorlage S. 512
353
STIFLER.
Vorlage S. 512
354
Du wirst doch nicht des Gukuks sein?
Vorlage S. 512
355
LIPS.
Vorlage S. 512
356
Der Ihrige werd' ich auf alle Fälle.
Vorlage S. 512
357
SPORNER.
Vorlage S. 512
358
Goddam!
Vorlage S. 512
359
WIXER
Vorlage S. 512
360
zu Sporner.
Vorlage S. 512
361
Das ist ein guter Rat.
Vorlage S. 512
362
STIFLER.
Vorlage S. 512
363
Promenieren wir ein wenig durch den Garten.
Vorlage S. 512
364
Geht mit Sporner und Wixer durch die kleine Glastüre Seite links nach dem Garten ab.
Vorlage S. 512
365
LIPS
Vorlage S. 512
366
allein.
Vorlage S. 512
367
Das is Aufregung, so ein Moment reißt ein'm die Schlafhaub'n vom Kopf.
Vorlage S. 512
368
Neunter Auftritt
Vorlage S. 512
369
Anton. Madame Schleier. Lips.
Vorlage S. 512
370
ANTON
Vorlage S. 512
371
tritt zur Mitte links meldend mit Madame Schleier ein.
Vorlage S. 512
372
Die verwitwete Frau von Schleier. Geht wieder zur Mitte ab.
Vorlage S. 512
373
LIPS.
Vorlage S. 512
374
Unendlich erfreut –
Vorlage S. 512
375
MADAME SCHLEIER
Vorlage S. 512
376
sehr elegant und auffallend gekleidet.
Vorlage S. 512
377
Herr von Lips – entschuldigen –
Vorlage S. 512
378
LIPS.
Vorlage S. 512
379
Was verschafft mir das Vergnügen?
Vorlage S. 512
380
MADAME SCHLEIER.
Vorlage S. 512
381
Ich komm' als Ballgeberin; es wird sehr glänzend werden.
Vorlage S. 512
382
LIPS.
Vorlage S. 512
383
Der Glanz alles Glänzenden wird durch schwarze Unterlag gehoben, drum sind immer die Bälle die glänzendsten, denen das Unglück den dunklen Grund abgibt, für welches dann der Glanz des Balles zum Strahl des Trostes wird. So wird auch ohne Zweifel Ihr Ball einen wohltätigen Zweck haben.
Vorlage S. 512
384
MADAME SCHLEIER.
Vorlage S. 512
385
Das heißt, mein Ball hat allerdings einen wohltätigen Zweck, insofern das Vergnügen wohltätig auf den Menschen wirkt –
Vorlage S. 512
386
LIPS.
Vorlage S. 512
387
Aha, und insofern der Ballertrag wohltätig auf die Finanzen der Ballgeberin wirkt.
Vorlage S. 512
388
MADAME SCHLEIER.
Vorlage S. 512
389
Insofern es ferner eine Wohltat für die Leut' ist, die einem kreditiert haben, wenn sie zu ihrem Geld kommen.
Vorlage S. 512
390
LIPS.
Vorlage S. 513
391
Mit einem Wort, zu Ihrem Besten, und zum Besten Ihrer Gläubiger wird der Ball gehalten; jetzt brauchen Sie nur noch die Gäste mit dem Ball zum besten zu halten, so ist ein allgemeines Bestes erzweckt.
Vorlage S. 513
392
MADAME SCHLEIER.
Vorlage S. 513
393
Der Herr von Lips machen Spaß mit einer Witwe, die im Drang der Verhältnisse –
Vorlage S. 513
394
LIPS.
Vorlage S. 513
395
Entschuldigung.
Vorlage S. 513
396
MADAME SCHLEIER.
Vorlage S. 513
397
Mir hätt' nie die Idee kommen sollen, den Schleier zu nehmen.
Vorlage S. 513
398
LIPS.
Vorlage S. 513
399
Was? Sie haben den Schleier nehmen wollen?
Vorlage S. 513
400
MADAME SCHLEIER.
Vorlage S. 513
401
Ich hab' ihn genommen, der Himmel hat ihn aber wiedergenommen.
Vorlage S. 513
402
LIPS.
Vorlage S. 513
403
Ja so. Der selige Herr Gemahl hat Schleier geheißen.
Vorlage S. 513
404
MADAME SCHLEIER.
Vorlage S. 513
405
Aufzuwarten.
Vorlage S. 513
406
LIPS.
Vorlage S. 513
407
Und hat Ihnen nichts hinterlassen?
Vorlage S. 513
408
MADAME SCHLEIER.
Vorlage S. 513
409
Nichts, als das kleine Haus da heraußen, von dem ich die Hälfte an eine Sommerpartei verlassen. Jetzt hab'n mir die Gläubiger auf das Haus greifen wollen.
Vorlage S. 513
410
LIPS.
Vorlage S. 513
411
Fatal, vorm Feuer kann man ein Haus assekurieren lassen, aber an eine Assekuranzanstalt vor Gläubigern hat man noch nicht gedacht, und doch werden offenbar den Gläubigern mehr Häuser, als den Flammen, zum Raube.
Vorlage S. 513
412
MADAME SCHLEIER.
Vorlage S. 513
413
In der Desperation hab' ich den Entschluss gefasst, einen Ball zu geben, denn das Haus, worin mein Mann g'storben is, lass ich mir nicht entreißen.
Vorlage S. 513
414
LIPS.
Vorlage S. 513
415
Natürlich, so was is als Tempel süßer Erinnerungen unschätzbar.
Vorlage S. 513
416
MADAME SCHLEIER.
Vorlage S. 513
417
Konträr, Herr von Lips, dass ich ihn in dem Haus losworden bin, das is die unschätzbare Erinnerung.
Vorlage S. 513
418
LIPS.
Vorlage S. 513
419
Also unglückliche Ehe, und wahrscheinlich ohne Delicatesse?
Vorlage S. 513
420
MADAME SCHLEIER.
Vorlage S. 513
421
Oh! der Schleier war sackgrob.
Vorlage S. 513
422
LIPS.
Vorlage S. 514
423
Wer war der Herr Gemahl?
Vorlage S. 514
424
MADAME SCHLEIER.
Vorlage S. 514
425
Ein alter Streich- und Projektenmacher. Sie glauben nicht, wie der mich hinters Licht g'führt hat. Herr von Lips müssen wissen, ich war in der Stadt bei der Handlung.
Vorlage S. 514
426
LIPS.
Vorlage S. 514
427
Bei was für einer Handlung?
Vorlage S. 514
428
MADAME SCHLEIER.
Vorlage S. 514
429
Putzhandlung.
Vorlage S. 514
430
LIPS.
Vorlage S. 514
431
Eine schöne Handlung, die durch Wechsel floriert, während so manche andre Handlung durch Wechsel falliert.
Vorlage S. 514
432
MADAME SCHLEIER.
Vorlage S. 514
433
Er is öfters in Equipage zu mir kommen; zu einer unerfahrnen Person gefahren kommen is das sicherste Verfahren, ihr Herz in Gefahr zu bringen.
Vorlage S. 514
434
LIPS.
Vorlage S. 514
435
Mit einem Wort, Sie wurden geblendet, ohne weder Fink noch Belisar zu sein.
Vorlage S. 514
436
MADAME SCHLEIER.
Vorlage S. 514
437
Die Equipage war ausgeliehen, – das Vermögen Schein –
Vorlage S. 514
438
LIPS.
Vorlage S. 514
439
Wir kommen aber gänzlich vom Ball ab.
Vorlage S. 514
440
MADAME SCHLEIER.
Vorlage S. 514
441
Hier hab' ich die Ehre ein Billet –
Vorlage S. 514
442
Übergibt ihm ein Billet.
Vorlage S. 514
443
LIPS
Vorlage S. 514
444
es besehend.
Vorlage S. 514
445
Der Preis ist 5 fl. –
Vorlage S. 514
446
MADAME SCHLEIER.
Vorlage S. 514
447
Der Drucker hat vergessen, daraufzusetzen: ohne Beschränkung der Großmut, was ich ihm doch so oft aufgeboten habe.
Vorlage S. 514
448
LIPS.
Vorlage S. 514
449
»Standespersonen zahlen nach Belieben« wäre besser gewesen. Ich hab' nicht gewechselt, Madame Schleier müssen schon gütigst diesen Hunderter nehmen.
Vorlage S. 514
450
MADAME SCHLEIER.
Vorlage S. 514
451
Herr von Lips – Ihre Großmut – Ihre – Eilfertig. ich verharre mit untertänigstem Dank, die tiefergebenste Dienerin. Verneigt sich und geht rasch durch die Mitte links ab.
Vorlage S. 514
452
LIPS
Vorlage S. 514
453
allein.
Vorlage S. 514
454
Mein Kompliment. Wie sich die tummelt, die muss einen Abscheu vor dem Herausgeben haben. Sich besinnend. Aber halt, ich vergeß ja ganz, dass sie meine Braut is, Eilt zur Tür und ruft ihr nach. ich bitt', Madame, – haben S' die Güte, – auf ein'n Augenblick – Für sich. sie kommt zurück.
Vorlage S. 514
455
MADAME SCHLEIER
Vorlage S. 515
456
Mitte links zurückkommend.
Vorlage S. 515
457
Herr von Lips haben gerufen? ich hätte vielleicht herausgeben sollen?
Vorlage S. 515
458
LIPS.
Vorlage S. 515
459
O nein, das war's nicht.
Vorlage S. 515
460
MADAME SCHLEIER.
Vorlage S. 515
461
Oder wünschen vielleicht noch ein Billet?
Vorlage S. 515
462
LIPS.
Vorlage S. 515
463
Nein, ich dank'. Für einen Ledigen is ein Billet genug, und selbst wenn ein Lediger die Ballgeberin heirat, braucht er nur ein Billet; denn die Ballgeberin hat ja freies Entree auf ihrem eigenen Ball.
Vorlage S. 515
464
MADAME SCHLEIER.
Vorlage S. 515
465
Ich versteh' Ihnen nicht –
Vorlage S. 515
466
LIPS.
Vorlage S. 515
467
Werd' mich gleich verständlich machen. Ich hab' Ihnen auf einen Augenblick zurückgerufen, weil ich mich auf ewig mit Ihnen verbinden will.
Vorlage S. 515
468
MADAME SCHLEIER.
Vorlage S. 515
469
5 fl. kommen aufs Ballbillet, 95 auf den Spaß, den Sie sich machen, das kann man sich schon gefallen lassen.
Vorlage S. 515
470
LIPS.
Vorlage S. 515
471
Ich mach' aber Ernst; und das is eigentlich der Hauptspaß.
Vorlage S. 515
472
MADAME SCHLEIER
Vorlage S. 515
473
äußerst erstaunt.
Vorlage S. 515
474
Ich trau' mein'n Ohren nicht –
Vorlage S. 515
Max Liebermann – Garten des Waisenhauses in Amsterdam. Vergleichsbild zu Garten, Alltag und Gemeinschaft; keine Buchillustration.
Kontextbild zum Werk. Garten eines Amsterdamer Waisenhauses · Max Liebermann · Public domain Bildquelle ↗
475
LIPS.
Vorlage S. 515
476
Is es denn so wunderbar; mir is der Schuss zum Heiraten kommen, und der Schuss trifft zufällig Sie. Besser als ein anderer Schuss, der bald mich selbst getroffen hätt'.
Vorlage S. 515
477
MADAME SCHLEIER.
Vorlage S. 515
478
Wie das!?
Vorlage S. 515
479
LIPS.
Vorlage S. 515
480
Sie müssen wissen, mein Innres is zerrissen, wie die Nachtwäsch' von einem Bettelmann – da hab' ich mich also unlängst erschießen wollen, und derweil ich so im Schuss ein Testament aufsetz', zugunsten meiner Freunde, is mir der Schuss zum Erschießen vergangen.
Vorlage S. 515
481
MADAME SCHLEIER.
Vorlage S. 515
482
So einen veränderlichen Herrn tät auch 's Heiraten bald reuen.
Vorlage S. 515
483
LIPS.
Vorlage S. 515
484
Dafür is ja eben 's Heirat'n. Also jetzt im vollen Ernst – Ihre Antwort –
Vorlage S. 515
485
MADAME SCHLEIER
Vorlage S. 515
486
für sich, in Freude und Ungewißheit.
Vorlage S. 515
487
Ich weiß nicht, träumt mir – oder –
Vorlage S. 515
488
LIPS.
Vorlage S. 515
489
Spielen Sie mir jetzt die Komödie vor, als ob nicht mein Reichtum, sondern meine liebenswürdige Persönlichkeit Ihren Entschluss bestimmt.
Vorlage S. 515
490
MADAME SCHLEIER.
Vorlage S. 516
491
Komödie würden Sie das nennen – wenn –?
Vorlage S. 516
492
LIPS.
Vorlage S. 516
493
Aha, Sie gehn schon drauf ein, das is recht, ich verdien's, dass man mit mir Komödie spielt, weil mich meine Eitelkeit schon manchmal undankbar gegen den Reichtum macht. Glauben Sie denn, wenn ich von einer G'sellschaft nach Haus kommen bin, ich hab' mich bedankt bei meine Obligationen, und g'sagt: »Euch nur verdank' ich's, dass diese Frau auf mich gelächelt, diese Tochter mit mir kokettiert hat. Euch nur, ihr herrlichen Papiere, dass diese Cousine mich heiraten will«; – kein Gedan ken! ich hab' mich hing'stellt voll Selbstgefühl vorn Spiegel, und g'funden: Ich bin ein höchst gefährlicher Mann. Diesen Undank muss die Nemesis rächen. Also heraus jetzt mit dem Entschluss, meine Holde!
Vorlage S. 516
494
MADAME SCHLEIER
Vorlage S. 516
495
sich zierend.
Vorlage S. 516
496
Aber Herr von Lips, ich muss ja doch erst –
Vorlage S. 516
497
LIPS.
Vorlage S. 516
498
Ich versteh', vom Neinsagen keine Rede, aber zum Jasagen finden Sie eine Bedenkzeit schicklich; gut, wie Sie wünschen.
Vorlage S. 516
499
Zehnter Auftritt
Vorlage S. 516
500
Kathi. Die Vorigen.
Vorlage S. 516
501
KATHI
Vorlage S. 516
502
zur Mitteltür links eintretend.
Vorlage S. 516
503
Ah! das ist ja der Herr Göd!
Vorlage S. 516
504
LIPS
Vorlage S. 516
505
zu Kathi.
Vorlage S. 516
506
Wen sucht Sie?
Vorlage S. 516
507
KATHI.
Vorlage S. 516
508
Kennen S' mich denn nicht mehr, ich bin die Kathi, die Euer Gnad'n aus der Tauf g'hoben haben.
Vorlage S. 516
509
LIPS
Vorlage S. 516
510
sie erkennend.
Vorlage S. 516
511
Richtig, aber du bist g'wachsen seit der Zeit, das heißt, seit die 3 Jahre –
Vorlage S. 516
512
KATHI.
Vorlage S. 516
513
Wo ich 's letztemal bei Euer Gnad'n war, wo Euer Gnad'n Herr Göd so hilfreich waren –
Vorlage S. 516
514
LIPS.
Vorlage S. 516
515
Na 's is schon gut, mein Kind, aber jetzt hab' ich hier –
Vorlage S. 516
516
Macht eine Bewegung, daß sie sich entfernen soll.
Vorlage S. 516
517
MADAME SCHLEIER.
Vorlage S. 516
518
Entfernen Sie sich doch, meine Gute, Sie sehen ja, dass der Herr von Lips über und über beschäftigt ist.
Vorlage S. 516
519
KATHI
Vorlage S. 517
520
zu Lips.
Vorlage S. 517
521
Ich bin wegen der gewissen Schuld gekommen, die 100 fl., die Euer Gnaden Herr Göd meiner verstorbenen Mutter so großmütig geliehen haben –
Vorlage S. 517
522
LIPS.
Vorlage S. 517
523
Später, später, – jetzt hab' ich durchaus keine Zeit; geh nur, Kind, geh! Zu Madame Schleier. Ich geb' Ihnen also Bedenkzeit, aber nicht mehr als eine Viertelstund!
Vorlage S. 517
524
MADAME SCHLEIER.
Vorlage S. 517
525
Was kann man in einer Viertelstund' bedenken? Im Grund is eigentlich gar nichts zu bedenken – und der Herr von Lips durchschauen ohnedies jede Ziererei – ich könnte also gleich –
Vorlage S. 517
526
LIPS.
Vorlage S. 517
527
Ich weiß, Sie könnten gleich ja sagen, aber mir g'fallt das jetzt mit der Bedenkzeit; ich bild' mir jetzt ein, ich bin in einer ängstlichen Erwartung, – das unterhalt' mich. Sehn S', so muss sich der Mensch selber für einen Narren halten. Glauben Sie mir, das ist eine schöne und nicht so leichte Kunst. Um andre für einen Narren zu halten, braucht man nix als Leut, die einem an Dummheit übertreffen; nun aber mit Vorsatz sich selbst für einen Narren halten, muss man sich selbst an G'scheitheit übertreffen. Also in einer Viertelstund, Angebetete – ich werde die Sekunden zählen – das Blut drängt sich zum Herzen, das Hirn pulsiert – der Atem stockt. – In einer Viertelstunde – Leben oder Tod! Eilt in den Speisesalon Mitte rechts ab.
Vorlage S. 517
528
Eilfter Auftritt
Vorlage S. 517
529
Madame Schleier. Kathi.
Vorlage S. 517
530
MADAME SCHLEIER
Vorlage S. 517
531
für sich.
Vorlage S. 517
532
Ich mach' da ein Glück!! – wenn er mir nur nicht mehr auskommt – ein verruckter Millionär is was G'fährliches, bis nach der Kopulation.
Vorlage S. 517
533
KATHI
Vorlage S. 517
534
für sich.
Vorlage S. 517
535
Ich wart' halt doch, bis er wiederkommt, das Geld will ich nicht wieder nach Haus tragen.
Vorlage S. 517
536
MADAME SCHLEIER
Vorlage S. 517
537
vornehm zu Kathi.
Vorlage S. 517
538
Der Herr von Lips is also Ihr Göd, oder eigentlich Pate, wie wir Noblen uns ausdrücken.
Vorlage S. 517
539
KATHI
Vorlage S. 517
540
schüchtern.
Vorlage S. 517
541
Ja, Euer Gnaden.
Vorlage S. 517
542
MADAME SCHLEIER.
Vorlage S. 518
543
Er hat das Geld nicht zurückverlangt, und du bringst es aus eignem Antrieb!?
Vorlage S. 518
544
KATHI.
Vorlage S. 518
545
Freilich, wenn man schuldig is, muss man zahlen.
Vorlage S. 518
546
MADAME SCHLEIER
Vorlage S. 518
547
für sich.
Vorlage S. 518
548
In dem Hause gehen lauter ungewöhnliche Sachen vor.
Vorlage S. 518
549
KATHI
Vorlage S. 518
550
nach und nach mehr Mut fassend, nähert sich Madame Schleier.
Vorlage S. 518
551
Euer Gnaden sind so herablassend, mit mir zu sprechen, werden mir also eine Frag' erlauben, 's is vielleicht eine dumme Frage. Etwas ängstlich. Hab' ich recht, mir is vor kommen, als wenn mein Herr Göd heiraten möcht'?
Vorlage S. 518
552
MADAME SCHLEIER.
Vorlage S. 518
553
Er projektiert so was dergleichen.
Vorlage S. 518
554
KATHI
Vorlage S. 518
555
etwas betroffen.
Vorlage S. 518
556
Er heirat? – und wen will er denn heirat'n?
Vorlage S. 518
557
MADAME SCHLEIER
Vorlage S. 518
558
stolz und kurz angebunden.
Vorlage S. 518
559
Mich! –
Vorlage S. 518
560
KATHI
Vorlage S. 518
561
ihre innere Bewegung verbergend.
Vorlage S. 518
562
Ihnen! – nicht wahr, Sie hab'n ihn recht gern? Er is so gut, – so ein herzensguter Herr – Er verdient's, und ihm fehlt ja nix zu seinem Glück, als ein treues Herz. – O Euer Gnaden werden ihn g'wiß recht glücklich machen.
Vorlage S. 518
563
MADAME SCHLEIER
Vorlage S. 518
564
schroff.
Vorlage S. 518
565
Ich glaub' gar, Sie will mir Lehren geben?
Vorlage S. 518
566
KATHI
Vorlage S. 518
567
eingeschüchtert.
Vorlage S. 518
568
O ich bitt', nur nicht bös werden, wenn ich was Dalket's g'sagt hab'.
Vorlage S. 518
569
Zwölfter Auftritt
Vorlage S. 518
570
Stifler. Die Vorigen.
Vorlage S. 518
571
STIFLER
Vorlage S. 518
572
zur Glastür Seite links eintretend.
Vorlage S. 518
573
Nun! schon alles in Ordnung? Lips suchend. er ist nicht da?
Vorlage S. 518
574
MADAME SCHLEIER
Vorlage S. 518
575
sich rasch umwendend.
Vorlage S. 518
576
Wen suchen Sie?
Vorlage S. 518
577
STIFLER
Vorlage S. 518
578
sie erblickend.
Vorlage S. 518
579
Was tausend! Sie sind's?
Vorlage S. 518
580
MADAME SCHLEIER
Vorlage S. 518
581
angenehm überrascht.
Vorlage S. 518
582
Ah! das is wirklich unverhofft! wie kommen Sie daher?
Vorlage S. 518
583
STIFLER.
Vorlage S. 518
584
Das muss ich Sie fragen, liebenswürdige, und so plötzlich verschwundene Mathilde.
Vorlage S. 518
585
KATHI
Vorlage S. 518
586
welcher der Name auffällt.
Vorlage S. 518
587
Mathilde?
Vorlage S. 518
588
MADAME SCHLEIER.
Vorlage S. 518
589
Mit mir haben sich wohl merkwürdige Schicksale zugetragen in die anderthalb Jahre; und das neueste Schicksal is das, dass ich seit 5 Minuten dem Herrn von Lips seine Braut bin.
Vorlage S. 518
590
STIFLER.
Vorlage S. 519
591
Das is allerdings merkwürdig.
Vorlage S. 519
592
MADAME SCHLEIER.
Vorlage S. 519
593
So einen Goldfisch zu fangen, bei der Zeit.
Vorlage S. 519
594
KATHI
Vorlage S. 519
595
für sich.
Vorlage S. 519
596
Aber das is eine garstige Frau! –
Vorlage S. 519
597
MADAME SCHLEIER.
Vorlage S. 519
598
Übrigens wird's gut sein, lieber Papa Stifler –
Vorlage S. 519
599
STIFLER.
Vorlage S. 519
600
Charmant – Papa Stifler, so hat mich die aimable Mathilde Flink immer genannt.
Vorlage S. 519
601
MADAME SCHLEIER.
Vorlage S. 519
602
Es wird aber gut sein, hier nichts von früheren Zeiten zu erwähnen.
Vorlage S. 519
603
STIFLER.
Vorlage S. 519
604
Natürlich! wir sehen uns zum erstenmal. Es sind aber noch ein paar Ihrer ehmaligen Anbeter hier; suchen wir sie im Garten auf, die werden staunen!
Vorlage S. 519
605
MADAME SCHLEIER.
Vorlage S. 519
606
Ich muss aber in zehn Minuten wieder da sein.
Vorlage S. 519
607
STIFLER.
Vorlage S. 519
608
Das versteht sich, lassen Sie uns eilen.
Vorlage S. 519
609
Bietet ihr den Arm.
Vorlage S. 519
610
MADAME SCHLEIER.
Vorlage S. 519
611
Einen Millionär, der die Sekunden zählt, darf man nicht eine Minute warten lassen. Beide Seite links durch die kleine Glastür ab.
Vorlage S. 519
612
Dreizehnter Auftritt
Vorlage S. 519
613
Kathi, dann Gluthammer.
Vorlage S. 519
614
Während dieser Szene wird es rückwärts, und in den Kulissen zugleich, sehr langsam Nacht.
Vorlage S. 519
615
KATHI
Vorlage S. 519
616
allein.
Vorlage S. 519
617
Weiß nicht – aber dass diese Frau einen Mann glücklich macht, das glaub' ich mein Lebtag nicht.
Vorlage S. 519
618
GLUTHAMMER
Vorlage S. 519
619
zur großen Mitte links hereineilend.
Vorlage S. 519
620
Kathi! – Kathi! – ich lass mir's nicht nehmen, ich hab' was gesehn.
Vorlage S. 519
621
KATHI.
Vorlage S. 519
622
Wer will Ihm was nehmen? und was hat Er g'sehn?
Vorlage S. 519
623
GLUTHAMMER.
Vorlage S. 519
624
Ich hab' von weitem was gesehn, was mich sehr nahe angeht, und das lass ich mir nicht nehmen.
Vorlage S. 519
625
KATHI.
Vorlage S. 519
626
Er is ja ganz außer sich.
Vorlage S. 519
627
GLUTHAMMER.
Vorlage S. 520
628
Nit wahr? O ich hab' wie ein Wütender mit allen vieren um mich geschlagen; der dumme Anton hat mir den Hammer weggenommen.
Vorlage S. 520
629
KATHI.
Vorlage S. 520
630
Das war recht g'scheit von ihm. Aber jetzt red' der Herr, über was is er denn wütend worden?
Vorlage S. 520
631
GLUTHAMMER.
Vorlage S. 520
632
War nicht früher ein Frauenzimmer da?
Vorlage S. 520
633
KATHI.
Vorlage S. 520
634
Grad in dem Augenblick is eine fortgegangen.
Vorlage S. 520
635
GLUTHAMMER.
Vorlage S. 520
636
Jetzt schlag' die Kathi d' Händ übern Kopf z'samm, diese eine war in der Entfernung deutlich die Meine.
Vorlage S. 520
637
KATHI.
Vorlage S. 520
638
Warum nit gar! es war ja die Braut vom gnädigen Herrn.
Vorlage S. 520
639
GLUTHAMMER.
Vorlage S. 520
640
Kann's nicht glauben, der Anton hat mir offenbar einen falschen Namen g'sagt.
Vorlage S. 520
641
KATHI.
Vorlage S. 520
642
Hier hat ein Herr mit ihr g'redt, und hat s' Mathilde Flink g'nennt.
Vorlage S. 520
643
GLUTHAMMER
Vorlage S. 520
644
laut aufschreiend.
Vorlage S. 520
645
Mathilde Flink! Flink! Mathilde! Sie is's, sie is's.
Vorlage S. 520
646
KATHI.
Vorlage S. 520
647
Wer?
Vorlage S. 520
648
GLUTHAMMER
Vorlage S. 520
649
außer sich.
Vorlage S. 520
650
Meine Geraubte! Hier halt't man sie gefangen, die treue Seele! O Himmel –
Vorlage S. 520
651
KATHI.
Vorlage S. 520
652
Die da war, hat sehr freundlich mit dem Herrn vom Haus diskriert.
Vorlage S. 520
653
GLUTHAMMER.
Vorlage S. 520
654
Aha! das war, um den Räuber zu beschwichtigen. Mathilde! Zur List nimmst du die Zuflucht!? Geduld, Engel, ich komm' dir mit Gewalt zu Hilf!
Vorlage S. 520
655
Rennt wütend zur Tür des Speisesalons Mitte rechts.
Vorlage S. 520
656
KATHI
Vorlage S. 520
657
erschrocken ihn zurückhaltend.
Vorlage S. 520
658
Was will denn der Herr Gluthammer –!?
Vorlage S. 520
659
GLUTHAMMER
Vorlage S. 520
660
grimmig.
Vorlage S. 520
661
Sein Leben will ich, nix als sein Räuberleben. Is denn nirgends was in der Näh'? Mein Hab und Gut für einen Taschenfeidl! Eine Million für a halbe Portion Gift.
Vorlage S. 520
662
KATHI.
Vorlage S. 520
663
Is Er rasend?
Vorlage S. 520
664
GLUTHAMMER.
Vorlage S. 520
665
Ja rasend dumm, dass ich mich um ein Instrument alterier'; diese Fäust sind Dietrich genug, um einem die Pforten der Ewigkeit aufzusperren.
Vorlage S. 520
666
KATHI.
Vorlage S. 521
667
Was? Ich sag' Ihm's, meinem Herrn Göden lass ich nix geschehn!
Vorlage S. 521
668
GLUTHAMMER
Vorlage S. 521
669
mit zunehmendem Ungestüm.
Vorlage S. 521
670
Wo is er?
Vorlage S. 521
671
KATHI
Vorlage S. 521
672
ängstlich.
Vorlage S. 521
673
Er is – er is in Garten gangen.
Vorlage S. 521
674
GLUTHAMMER
Vorlage S. 521
675
außer sich vor Grimm.
Vorlage S. 521
676
Gut, dort will ich ihm zur Hochzeit gratulieren. Indem er wütend, während den folgenden Worten, alle Hiebe, Stiche, Stöße und Tritte pantomimisch ausdrückt. Glück, – Freud', – Gesundheit – lang's Leb'n – und alles Erdenkliche, was er sich selbst wünschen kann. Wart Räuber!! Rennt wütend durch die Mitte links ab.
Vorlage S. 521
677
Es ist mittlerweile etwas dunkel geworden.
Vorlage S. 521
678
Vierzehnter Auftritt
Vorlage S. 521
679
Kathi, Madame Schleier, Stifler, Sporner, Wixer treten zur Seite links durch die Glastür ein.
Vorlage S. 521
680
KATHI.
Vorlage S. 521
681
Gott, was hab' ich getan? Ich hab' mein Herrn Göden verraten! ich bin eine unglückselige Person!
Vorlage S. 521
682
STIFLER
Vorlage S. 521
683
mit Mathilde, Sporner und Wixer zur kleinen Glastür Seite links aus dem Garten eintretend.
Vorlage S. 521
684
Kommen Sie, liebenswürdige Mathilde, die Abendluft ist kühl.
Vorlage S. 521
685
WIXER.
Vorlage S. 521
686
Auf unsern Freund seine Braut müssen wir ja achtgeben.
Vorlage S. 521
687
MADAME SCHLEIER.
Vorlage S. 521
688
Zu gütig, meine Herren.
Vorlage S. 521
689
KATHI
Vorlage S. 521
690
welche erst ängstlich nach der Mitteltüre links gelaufen, läuft jetzt Mitte rechts an die Tür, welche in den Speisesalon führt, und ruft an der zugemachten Tür.
Vorlage S. 521
691
Herr Göd! – lieber gnädiger Herr Göd!
Vorlage S. 521
692
STIFLER.
Vorlage S. 521
693
Was macht denn das Geschöpf für einen heillosen Rumor?
Vorlage S. 521
694
KATHI.
Vorlage S. 521
695
Ach, meine Herren, ich muss mit mein Herrn Göden sprechen, und das an der Stell'.
Vorlage S. 521
696
STIFLER.
Vorlage S. 521
697
Das geht jetzt nicht an.
Vorlage S. 521
698
MADAME SCHLEIER.
Vorlage S. 521
699
Geh, Kind, geh, und komm ein anders Mal.
Vorlage S. 521
700
KATHI.
Vorlage S. 521
701
O Madame, ich muss.
Vorlage S. 521
702
MADAME SCHLEIER
Vorlage S. 521
703
ungeduldig und gebieterisch.
Vorlage S. 521
704
Ein anders Mal, hab' ich gesagt! und jetzt bitt' ich mir's aus – Zeigt nach der Mitte links.
Vorlage S. 521
705
STIFLER
Vorlage S. 522
706
zu Madame Schleier.
Vorlage S. 522
707
Ärgern Sie sich nicht –
Vorlage S. 522
708
KATHI
Vorlage S. 522
709
eingeschüchtert, für sich, indem sie sich rückwärts nach der Tür zieht.
Vorlage S. 522
710
Der alte Bediente muss ihn warnen – den muss ich schau'n, dass ich find'. Eilt in die Mitte links ab.
Vorlage S. 522
Caspar David Friedrich – Wanderer über dem Nebelmeer, um 1818. Künstlerische Landschaft als Vergleichsmotiv, keine konkrete Buchszene.
Kontextbild zum Werk. Der Wanderer über dem Nebelmeer · Caspar David Friedrich · Public domain Bildquelle ↗
711
Fünfzehnter Auftritt
Vorlage S. 522
712
Die Vorigen, ohne Kathi.
Vorlage S. 522
713
STIFLER.
Vorlage S. 522
714
Wir bringen also heute noch der baldigen Gebieterin dieses Hauses ein Lebehoch.
Vorlage S. 522
715
MADAME SCHLEIER.
Vorlage S. 522
716
Meine Herren, Ihre Huldigung erfreut mich unendlich, und ich werde Ihnen stets eine freundliche Hauswirtin sein.
Vorlage S. 522
717
WIXER.
Vorlage S. 522
718
Wirtin, das is das echte Wort.
Vorlage S. 522
719
MADAME SCHLEIER.
Vorlage S. 522
720
Wir wollen einen kleinen, aber um so fröhlicheren Zirkel bilden.
Vorlage S. 522
721
WIXER.
Vorlage S. 522
722
Das is das Wahre.
Vorlage S. 522
723
STIFLER.
Vorlage S. 522
724
Jetzt lassen wir aber Freund Lips nicht länger schmachten.
Vorlage S. 522
725
MADAME SCHLEIER.
Vorlage S. 522
726
Nicht wahr, die Viertelstunde is schon vorbei?
Vorlage S. 522
727
Zwei Bediente treten jeder mit 2 angezündeten Armleuchtern zur Mitte links ein, und stellen jeder einen auf den Tisch rechts und links. In den Kulissen Tag, im Hintergrunde bleibt es Nacht.
Vorlage S. 522
728
STIFLER
Vorlage S. 522
729
zu Madame Schleier.
Vorlage S. 522
730
Erlauben Sie mir, dass ich ihm sein Glück verkünde. Er öffnet in der Mitte rechts die Tür nach dem Speisesalon, und man sieht Lips auf einem Diwan ausgestreckt liegen und schlafen. Er schläft.
Vorlage S. 522
731
Die zwei Bedienten, welche die beiden andern Armleuchter nach dem Speisesalon tragen wollten, haben sich in dem Moment der Tür genähert, als Stifler selbe öffnete, so daß sie unwillkürlich den schlafenden Lips beleuchten.
Vorlage S. 522
732
SPORNER UND WIXER
Vorlage S. 522
733
erstaunt.
Vorlage S. 522
734
Er schläft.
Vorlage S. 522
735
MADAME SCHLEIER
Vorlage S. 522
736
überrascht, und ihren Ärger kaum bezwingend.
Vorlage S. 522
737
Er schläft! – das ist etwas stark.
Vorlage S. 522
738
STIFLER.
Vorlage S. 523
739
Ohne Zweifel hat ihn infolge der Gemütsaufregung und der eingetretenen Dunkelheit ein leichter Schlummer überfallen.
Vorlage S. 523
740
Lips schnarcht.
Vorlage S. 523
741
MADAME SCHLEIER.
Vorlage S. 523
742
Das scheint schon mehr als ein Schlummer zu sein.
Vorlage S. 523
743
WIXER.
Vorlage S. 523
744
Was man sagt, ein kompletter Schlaf.
Vorlage S. 523
745
STIFLER
Vorlage S. 523
746
zu den Bedienten.
Vorlage S. 523
747
Stellt nur die Leuchter hinein.
Vorlage S. 523
748
Die Bedienten stellen die Lichter in den Speisesalon.
Vorlage S. 523
749
MADAME SCHLEIER.
Vorlage S. 523
750
Lassen S' mich allein, meine Herren, mit dem – Halbleise. Murmeltier.
Vorlage S. 523
751
STIFLER.
Vorlage S. 523
752
Gehn wir zu den übrigen ins Billardzimmer.
Vorlage S. 523
753
WIXER
Vorlage S. 523
754
indem er mit Stifler und Sporner durch die Mitte rechts in den Speisesalon nach rechts ab –, und an dem schlafenden Lips vorübergeht, den Bedienten, welche die Lichter in den Speisesalon gestellt, zurufend.
Vorlage S. 523
755
G'schwind, Bediente, aufzünden beim Billard, eine à la guerre geht los.
Vorlage S. 523
756
Die Bedienten folgen ihm.
Vorlage S. 523
757
Sechzehnter Auftritt
Vorlage S. 523
758
Madame Schleier. Lips.
Vorlage S. 523
759
MADAME SCHLEIER.
Vorlage S. 523
760
Die poltern an ihm vorbei, und er rührt sich nicht. Dem schlafenden Lips näher tretend. Herr von Lips – Lips schnarcht sehr stark.
Vorlage S. 523
761
MADAME SCHLEIER
Vorlage S. 523
762
erschrocken, einen Schritt zurückweichend.
Vorlage S. 523
763
Nein, wie der schnarcht – wie mein Seliger – liebenswürdige Eigenschaft! Tritt ihm näher, und ruft laut. Herr von Lips! Herr von Lips!
Vorlage S. 523
764
LIPS
Vorlage S. 523
765
erwachend und aufspringend.
Vorlage S. 523
766
Was gibt's? – Ah! Madame Sie sind's – entschuldigen.
Vorlage S. 523
767
MADAME SCHLEIER.
Vorlage S. 523
768
Sie schnarchen ja, dass einem die Haar' zu Berg stehn.
Vorlage S. 523
769
LIPS.
Vorlage S. 523
770
Da bitt' ich um Vergebung, das kommt vom Träumen, ich hab' grad so einen g'spaßigen Traum g'habt.
Vorlage S. 523
771
MADAME SCHLEIER.
Vorlage S. 523
772
Sonst is das nur bei beängstigenden Träumen der Fall, oder wenn die Trud –
Vorlage S. 523
773
LIPS.
Vorlage S. 524
774
Mir hat von Ihnen geträumt. Sie haben mich verschmäht, haben meine Hand ausgeschlagen.
Vorlage S. 524
775
MADAME SCHLEIER.
Vorlage S. 524
776
Und das ist Ihnen gar so spaßig vorgekommen?
Vorlage S. 524
777
LIPS.
Vorlage S. 524
778
Im Traume kommt einem ja alles anders vor, als in der Wirklichkeit.
Vorlage S. 524
779
MADAME SCHLEIER.
Vorlage S. 524
780
Träume bedeuten auch gewöhnlich das Konträre. Die Viertelstunde, die Sie mir gegeben, is vorüber, und –
Vorlage S. 524
781
LIPS
Vorlage S. 524
782
zerstreut.
Vorlage S. 524
783
Was für eine Viertelstund?
Vorlage S. 524
784
MADAME SCHLEIER
Vorlage S. 524
785
pikiert.
Vorlage S. 524
786
Na, die Bedenkzeit.
Vorlage S. 524
787
LIPS.
Vorlage S. 524
788
Ah ja so, richtig – das hätt' ich bald verschlafen. Sie verschmähen mich also nicht?
Vorlage S. 524
789
MADAME SCHLEIER.
Vorlage S. 524
790
Beinahe hätten Sie's verdient; demungeachtet will ich diesmal –
Vorlage S. 524
791
LIPS
Vorlage S. 524
792
im ruhigen gleichgültigen Tone.
Vorlage S. 524
793
Gnade für Recht ergehen lassen, gut. Wir wollen, weil mein Traum nicht ausgeht, weiter träumen, das heißt, von der Zukunft diskuriern; das is auch ein Traum, der selten ausgeht. Is Ihnen nicht gefällig Platz zu nehmen? Rückt einen Stuhl zurecht.
Vorlage S. 524
794
MADAME SCHLEIER
Vorlage S. 524
795
für sich.
Vorlage S. 524
796
Is das eine Hindeutung, dass er mich sitzenlassen will?
Vorlage S. 524
797
LIPS
Vorlage S. 524
798
sich setzend, ohne in der Zerstreuung zu bemerken, daß Madame Schleier sich nicht setzt.
Vorlage S. 524
799
Bis wann glauben Sie also, dass unsere Verlobung –
Vorlage S. 524
800
MADAME SCHLEIER.
Vorlage S. 524
801
Hm! Da eben Gäste, folglich auch Zeugen anwesend sind, so meinet ich – heut' abends.
Vorlage S. 524
802
Siebzehnter Auftritt
Vorlage S. 524
803
Gluthammer, die Vorigen.
Vorlage S. 524
804
GLUTHAMMER
Vorlage S. 524
805
tritt von beiden unbemerkt zur Mitteltür links ein, und bleibt im Hintergrunde lauschend in heftiger Aufregung stehn, für sich.
Vorlage S. 524
806
Sie is's!! – Die Taube steht vor dem Räuber.
Vorlage S. 524
807
LIPS.
Vorlage S. 524
808
Und bis wann meinen Sie die Hochzeit?
Vorlage S. 524
809
MADAME SCHLEIER.
Vorlage S. 524
810
Ich glaub', das wär' wohl an Ihnen, den Tag zu bestimmen.
Vorlage S. 524
811
GLUTHAMMER
Vorlage S. 525
812
betroffen, für sich.
Vorlage S. 525
813
Was?
Vorlage S. 525
814
LIPS.
Vorlage S. 525
815
So können wir also in 6 Wochen ein Paar sein.
Vorlage S. 525
816
MADAME SCHLEIER
Vorlage S. 525
817
beleidigt.
Vorlage S. 525
818
Sechs Wochen? – ich glaub', wenn die Braut in einer Viertelstunde den Entschluss fasst, so könnt' der Bräutigam doch längstens in 8 Tagen mit die Anstalten fertig sein.
Vorlage S. 525
819
GLUTHAMMER
Vorlage S. 525
820
furchtbar enttäuscht.
Vorlage S. 525
821
Wie geschieht mir denn?
Vorlage S. 525
822
LIPS
Vorlage S. 525
823
mit forcierter Laune.
Vorlage S. 525
824
Acht Tag sagen Sie, zu was? das wär' traurig, wenn man einen Geniestreich nicht in 24 Stund' zusammbrächt'. Morgen muss die Hochzeit sein.
Vorlage S. 525
825
GLUTHAMMER
Vorlage S. 525
826
vorstürzend.
Vorlage S. 525
827
Und heut' noch is die Leich.
Vorlage S. 525
828
LIPS
Vorlage S. 525
829
erstaunt.
Vorlage S. 525
830
Was will denn –?
Vorlage S. 525
831
MADAME SCHLEIER
Vorlage S. 525
832
aufschreiend.
Vorlage S. 525
833
Ah! der Gluthammer! Hält sich an einen Stuhl.
Vorlage S. 525
834
GLUTHAMMER.
Vorlage S. 525
835
Ja Elende, der Gluthammer in der furchtbarsten Hitz.
Vorlage S. 525
836
LIPS.
Vorlage S. 525
837
Und sie erstarret zu Eis.
Vorlage S. 525
838
GLUTHAMMER
Vorlage S. 525
839
wütend zu Lips.
Vorlage S. 525
840
Mach dein Testament! Glückzerstörer! Seligkeitvernichter!
Vorlage S. 525
841
MADAME SCHLEIER.
Vorlage S. 525
842
Ich bin verloren! –
Vorlage S. 525
843
LIPS.
Vorlage S. 525
844
Für mich keineswegs. Glauben Sie, das Auf Gluthammer deutend. schreckt mich ab? Ich will ja einen Narrenstreich begehn, und ich sehe immer mehr und mehr, ich habe eine ganz passende Wahl getroffen. Schließt sie in seine Arme.
Vorlage S. 525
845
GLUTHAMMER
Vorlage S. 525
846
grimmig.
Vorlage S. 525
847
Ha, dieser Anblick.
Vorlage S. 525
848
MADAME SCHLEIER
Vorlage S. 525
849
zu Lips.
Vorlage S. 525
850
Rufen S' Ihre Bedienten!
Vorlage S. 525
851
LIPS.
Vorlage S. 525
852
Zu was? ich krieg' selbst einen Gusto, eine alte Gymnastik regt sich in mir.
Vorlage S. 525
853
GLUTHAMMER
Vorlage S. 525
854
sein Schurzfell aufrollend zu Lips.
Vorlage S. 525
855
Heraus, wennst Courage hast.
Vorlage S. 525
856
LIPS
Vorlage S. 525
857
zu Gluthammer.
Vorlage S. 525
858
Zieh den Rock aus.
Vorlage S. 525
859
GLUTHAMMER
Vorlage S. 525
860
die Fäuste ballend.
Vorlage S. 525
861
A solche Lektion hast aber sicher noch keine kriegt. Beide stürzen aufeinander los und ringen.
Vorlage S. 525
862
MADAME SCHLEIER
Vorlage S. 525
863
während dem Ringen.
Vorlage S. 525
864
Aber Herr von Lips – geben Sie sich nicht ab – Ängstlich. zu Hilf, Bediente!
Vorlage S. 525
865
GLUTHAMMER
Vorlage S. 525
866
im Ringen zu Lips, den er gegen die Mitte links drängt.
Vorlage S. 525
867
Dir hilft kein Bedienter mehr!
Vorlage S. 525
868
LIPS
Vorlage S. 526
869
indem er seine Kraft zusammennimmt.
Vorlage S. 526
870
Ich will dir zeigen, dass ich keinen brauch'. Drängt Gluthammer in die Mitte links zur Tür hinaus.
Vorlage S. 526
871
MADAME SCHLEIER
Vorlage S. 526
872
ängstlich.
Vorlage S. 526
873
Is denn niemand da?
Vorlage S. 526
874
GLUTHAMMER
Vorlage S. 526
875
Mitte links zurückkommend.
Vorlage S. 526
876
Ich bin wieder da!
Vorlage S. 526
877
LIPS.
Vorlage S. 526
878
Noch keine Ruh? Na wart – Kerl g'freu dich!
Vorlage S. 526
879
Kommen, indem sie ringen, in die Nähe der Balkontür, die offensteht; unwillkürlich drängt einer den andern hinaus auf den Balkon. Beide stürzen während eines Schreckensausrufes, indem sie sich umklammert halten, samt dem noch nicht festgemachten Eisengitter, über den Balkon herab.
Vorlage S. 526
880
MADAME SCHLEIER
Vorlage S. 526
881
laut aufschreiend.
Vorlage S. 526
882
Ah!! Er is des Todes! Stürzt zum Balkon. Himmel! ins Wasser! – Rettung! Tod! Hilf!
Vorlage S. 526
883
Achtzehnter Auftritt
Vorlage S. 526
884
Madame Schleier, Stifler, Sporner, Wixer, mehrere Herren aus der Mitte rechts. Anton, Christian, Josef aus der Mitte links.
Vorlage S. 526
885
STIFLER
Vorlage S. 526
886
mit den übrigen eilig und in ängstlicher Verwirrung aus der Tür des Speisesalons kommend.
Vorlage S. 526
887
's ist nicht möglich!
Vorlage S. 526
888
WIXER.
Vorlage S. 526
889
Vom Billardzimmer hat man's deutlich gesehn.
Vorlage S. 526
890
MADAME SCHLEIER.
Vorlage S. 526
891
In Abgrund g'stürzt, alle zwei –
Vorlage S. 526
892
Sinkt auf einen Stuhl links.
Vorlage S. 526
893
STIFLER.
Vorlage S. 526
894
Der Mörder mit?
Vorlage S. 526
895
WIXER.
Vorlage S. 526
896
Nur g'schwind, Schinakeln, Schiffleut'.
Vorlage S. 526
897
Mitte links ab.
Vorlage S. 526
898
DIE HERREN.
Vorlage S. 526
899
Ja Schiffleute! Stricke! Stangen! Eilen mit den Bedienten zur Mitte links ab.
Vorlage S. 526
900
Neunzehnter Auftritt
Vorlage S. 526
901
Madame Schleier, Stifler, Sporner.
Vorlage S. 526
902
STIFLER.
Vorlage S. 526
903
Erholen Sie sich, schöne Frau!
Vorlage S. 526
904
MADAME SCHLEIER.
Vorlage S. 526
905
Das is zu viel! Vor zwei Minuten haben noch zwei Männer um mich gerauft, und jetzt macht mich ein zweifacher Tod zur dreifachen Wittib.
Vorlage S. 526
906
STIFLER.
Vorlage S. 526
907
Beruhigen Sie sich, Herr Lips muss gerettet werden. Zu Sporner. Sie könnten sich auch ein wenig tätiger annehmen.
Vorlage S. 526
908
SPORNER
Vorlage S. 527
909
ganz ruhig.
Vorlage S. 527
910
Is! Is!
Vorlage S. 527
911
STIFLER.
Vorlage S. 527
912
Damit ist ihm nicht geholfen.
Vorlage S. 527
913
Zwanzigster Auftritt
Vorlage S. 527
914
Wixer mit mehreren Herren durch die Mitte links eintretend. Die Vorigen.
Vorlage S. 527
915
WIXER.
Vorlage S. 527
916
Beim Mondschein hat man einen Kopf obern Wasser g'sehn, sie rudern schon nach.
Vorlage S. 527
917
STIFLER.
Vorlage S. 527
918
Treten wir auf den Balkon.
Vorlage S. 527
919
DIE HERREN.
Vorlage S. 527
920
Von hier kann man's sehen.
Vorlage S. 527
921
Alle, auch Madame Schleier, drängen sich auf den Balkon.
Vorlage S. 527
922
WIXER.
Vorlage S. 527
923
Dort – sehn S' –
Vorlage S. 527
924
ALLE.
Vorlage S. 527
925
Wo? Wo?
Vorlage S. 527
926
WIXER.
Vorlage S. 527
927
Dort! sieht man nix mehr?
Vorlage S. 527
928
DIE HERREN.
Vorlage S. 527
929
Da ist keine Rettung!
Vorlage S. 527
930
STIFLER.
Vorlage S. 527
931
Offenbarer Mord!
Vorlage S. 527
932
WIXER.
Vorlage S. 527
933
Ein Glück für'n Mörder, wann er auch ersoffen is.
Vorlage S. 527
934
Einundzwanzigster Auftritt
Vorlage S. 527
935
Lips, die Vorigen auf dem Balkon.
Vorlage S. 527
936
LIPS
Vorlage S. 527
937
ohne von den Anwesenden, welche um die Balkontür gedrängt, ihre Blicke nach außen und folglich Lips den Rücken kehren, bemerkt zu werden, ist ganz durchnäßt zur Mitteltür links eingetreten, und hat die letzten auf dem Balkon geführten Reden gehört.
Vorlage S. 527
938
Schauderhaft, er is nicht ersoffen, der Mörder lebt – lebt für die Justiz! Fasst sich verzweifelt mit beiden Händen an den Kopf.
Vorlage S. 527
939
DIE HERREN
Vorlage S. 527
940
auf dem Balkon.
Vorlage S. 527
941
Tot ist tot.
Vorlage S. 527
942
LIPS
Vorlage S. 527
943
in größter Angst.
Vorlage S. 527
944
Flucht! – Flucht! – schleunige Flucht! – Eilt zur Seite links ab.
Vorlage S. 527
945
Im Orchester fällt eine passende Musik ein. Der Vorhang fällt.
Vorlage S. 527
946
Ende des ersten Aufzuges.
Vorlage S. 527

Nach dem Lesen

Dein Blick auf das Kapitel

10er-QuizZitate verstehen · Zusammenhänge erkennen · Lernpunkte sammeln10 Fragen

Eine Antwort ist jeweils richtig. Lies den Textbeleg aufmerksam. Bei einer falschen Antwort kannst du es erneut versuchen.

Angemeldet zählen richtige Antworten für deinen Lernstand. Als Gast übst du ohne Kontopunkte.

Je Frage sind beim ersten Versuch 10 Punkte möglich, danach 5, 3 oder 1. Bereits gelöste Fragen bleiben zum Üben verfügbar.

1. Wie geht dieser Textausschnitt im Kapitel unmittelbar weiter? Ergänze den genauen Wortlaut. »Die reichen Leut' haben …«

Eine Antwort ist richtig.

Textstelle 1 ↗ Textstelle 2 ↗ Textstelle 3 ↗ Textstelle 4 ↗

3. Welchen Zusammenhang kennzeichnet das Wort »weil« in diesem Textausschnitt? »Aha, Sie gehn schon drauf ein, das is recht, ich verdien's, dass man mit mir Komödie spielt, weil mich meine Eitelkeit schon manchmal undankbar gegen den Reichtum macht.«

Eine Antwort ist richtig.

Textstelle nachlesen ↗

4. Welcher Ausschnitt verweist mit einer Zeitangabe ausdrücklich auf eine frühere Zeit? Achte auf ein ausdrücklich genanntes Signalwort.

Eine Antwort ist richtig.

Textstelle 1 ↗ Textstelle 2 ↗ Textstelle 3 ↗ Textstelle 4 ↗

5. Welche Sprecherangabe gehört im Kapitel zu diesen Worten? »Fatal, vorm Feuer kann man ein Haus assekurieren lassen, aber an eine Assekuranzanstalt vor Gläubigern hat man noch nicht gedacht, und doch werden offenbar den Gläubigern mehr Häuser, als den Flammen, zum Raube.«

Eine Antwort ist richtig.

Textstelle 1 ↗ Textstelle 2 ↗

6. In welcher Reihenfolge stehen diese drei Ausschnitte im Kapitel? Gemeint ist ihre Reihenfolge im Text, nicht die Zeit der erzählten Ereignisse. A: »Wer will Ihm was nehmen? und was hat Er g'sehn?« B: »Schön oder wild, gut oder bös, jung oder alt, – alles eins – ich heirat' sie.« C: »Geduld – ich hab' noch nicht den rechten Schlüssel zum Schloß der Erinnerung.«

Eine Antwort ist richtig.

Textstelle 1 ↗ Textstelle 2 ↗ Textstelle 3 ↗

7. Wie geht dieser Textausschnitt im Kapitel unmittelbar weiter? Ergänze den genauen Wortlaut. »Freilich, wenn man schuldig …«

Eine Antwort ist richtig.

Textstelle 1 ↗ Textstelle 2 ↗ Textstelle 3 ↗ Textstelle 4 ↗

8. Welches Wort steht an der markierten Stelle? Achte auf die Bedeutung im Zusammenhang und prüfe den genauen Wortlaut. »Einen […], der die Sekunden zählt, darf man nicht eine Minute warten lassen.«

Eine Antwort ist richtig.

Textstelle 1 ↗ Textstelle 2 ↗ Textstelle 3 ↗ Textstelle 4 ↗

9. Welche Sprecherangabe gehört im Kapitel zu diesen Worten? »Wir wollen einen kleinen, aber um so fröhlicheren Zirkel bilden.«

Eine Antwort ist richtig.

Textstelle 1 ↗ Textstelle 2 ↗

10. Wie geht dieser Textausschnitt im Kapitel unmittelbar weiter? Ergänze den genauen Wortlaut. »Sechs Wochen? – ich glaub', wenn die Braut in einer Viertelstunde den Entschluss …«

Eine Antwort ist richtig.

Textstelle 1 ↗ Textstelle 2 ↗ Textstelle 3 ↗ Textstelle 4 ↗
Aufgaben zum TextVerstehen, begründen und mit Textstellen arbeiten · ohne Punkte

1. Lies den Abschnittsbeginn: »Anton, Christian, Joseph kommen durch die Glastür Mitte links aus dem Hintergrund vor.« Welche Informationen sind hier bereits sicher, und welche Frage bleibt für dich offen?

Impulse zur Selbstprüfung

Vergleiche deine Antwort mit dem verlinkten Originalabsatz. Mehrere begründete Antworten sind möglich; die Aufgabe wird nicht automatisch als richtig oder falsch bewertet.

  • Nenne zwei Informationen, die sich tatsächlich aus dieser Passage ableiten lassen.
  • Trenne eine eigene Frage oder Vermutung klar vom Textbefund.
Textstelle nachlesen ↗

2. Prüfe, ob es in dieser Passage um Gerechtigkeit oder Verantwortung geht. Wenn ja, begründe dies am Text. Wenn nicht, erläutere stattdessen die konkrete Aussage oder Handlung. Unterscheide wörtliche und übertragene Bedeutungen. Ausgangspunkt: »Bruder, jetzt treff' ich das Rechte. Eins ist dir noch neu, – der Ehestand.«

Impulse zur Selbstprüfung

Vergleiche deine Antwort mit dem verlinkten Absatz der Lesefassung. Mehrere begründete Antworten sind möglich; die Aufgabe wird nicht automatisch als richtig oder falsch bewertet.

  • Beziehe dich auf die konkrete verlinkte Passage und ihren unmittelbaren Zusammenhang.
  • Belege deine Aussage mit einem passenden kurzen Zitat.
  • Kennzeichne eine weitergehende Interpretation als Deutung, nicht als ausdrücklich genannte Tatsache.
Textstelle nachlesen ↗

3. Prüfe, ob es in dieser Passage um Nähe oder Gefühle geht. Wenn ja, begründe dies am Text. Wenn nicht, erläutere stattdessen die konkrete Aussage oder Handlung. Unterscheide wörtliche und übertragene Bedeutungen. Ausgangspunkt: »Ihnen! – nicht wahr, Sie hab'n ihn recht gern? Er is so gut, – so ein herzensguter Herr – Er verdient's, und ihm fehlt ja nix zu seinem Glück, als ein treues Herz. – O Euer Gnaden werden ihn g'wiß recht glücklich machen.«

Impulse zur Selbstprüfung

Vergleiche deine Antwort mit dem verlinkten Absatz der Lesefassung. Mehrere begründete Antworten sind möglich; die Aufgabe wird nicht automatisch als richtig oder falsch bewertet.

  • Beziehe dich auf die konkrete verlinkte Passage und ihren unmittelbaren Zusammenhang.
  • Belege deine Aussage mit einem passenden kurzen Zitat.
  • Kennzeichne eine weitergehende Interpretation als Deutung, nicht als ausdrücklich genannte Tatsache.
Textstelle nachlesen ↗

4. Prüfe, ob es in dieser Passage um Geld oder Besitz geht. Wenn ja, begründe dies am Text. Wenn nicht, erläutere stattdessen die konkrete Aussage oder Handlung. Unterscheide wörtliche und übertragene Bedeutungen. Ausgangspunkt: »Spielen Sie mir jetzt die Komödie vor, als ob nicht mein Reichtum, sondern meine liebenswürdige Persönlichkeit Ihren Entschluss bestimmt.«

Impulse zur Selbstprüfung

Vergleiche deine Antwort mit dem verlinkten Absatz der Lesefassung. Mehrere begründete Antworten sind möglich; die Aufgabe wird nicht automatisch als richtig oder falsch bewertet.

  • Beziehe dich auf die konkrete verlinkte Passage und ihren unmittelbaren Zusammenhang.
  • Belege deine Aussage mit einem passenden kurzen Zitat.
  • Kennzeichne eine weitergehende Interpretation als Deutung, nicht als ausdrücklich genannte Tatsache.
Textstelle nachlesen ↗

5. Prüfe, ob es in dieser Passage um Macht oder Abhängigkeit geht. Wenn ja, begründe dies am Text. Wenn nicht, erläutere stattdessen die konkrete Aussage oder Handlung. Unterscheide wörtliche und übertragene Bedeutungen. Ausgangspunkt: »Macht eine Bewegung, daß sie sich entfernen soll.«

Impulse zur Selbstprüfung

Vergleiche deine Antwort mit dem verlinkten Originalabsatz. Mehrere begründete Antworten sind möglich; die Aufgabe wird nicht automatisch als richtig oder falsch bewertet.

  • Beziehe dich auf die konkrete verlinkte Passage und ihren unmittelbaren Zusammenhang.
  • Belege deine Aussage mit einem passenden kurzen Zitat.
  • Kennzeichne eine weitergehende Interpretation als Deutung, nicht als ausdrücklich genannte Tatsache.
Textstelle nachlesen ↗

6. Vergleiche diese beiden Stellen: »Nu, gar so jung – ich bin wohl erst im Vierundfünfzigsten.« und »Natürlich! wir sehen uns zum erstenmal. Es sind aber noch ein paar Ihrer ehmaligen Anbeter hier; suchen wir sie im Garten auf, […]«. Welche Gemeinsamkeit oder welchen Unterschied kannst du am Wortlaut zeigen?

Impulse zur Selbstprüfung

Vergleiche deine Antwort mit dem verlinkten Absatz der Lesefassung. Mehrere begründete Antworten sind möglich; die Aufgabe wird nicht automatisch als richtig oder falsch bewertet.

  • Nenne eine nachvollziehbare Gemeinsamkeit oder einen Unterschied.
  • Belege beide Seiten des Vergleichs; unterstelle keine Entwicklung, die der Text nicht zeigt.
Textstelle 1 ↗ Textstelle 2 ↗

7. Am Abschnittsende steht: »Im Orchester fällt eine passende Musik ein. Der Vorhang fällt.« Was ist hier geklärt, und was bleibt offen?

Impulse zur Selbstprüfung

Vergleiche deine Antwort mit dem verlinkten Originalabsatz. Mehrere begründete Antworten sind möglich; die Aufgabe wird nicht automatisch als richtig oder falsch bewertet.

  • Beziehe dich auf den Schluss dieses Abschnitts, nicht auf dein Vorwissen über das ganze Werk.
  • Falls die Stelle nichts eindeutig klärt, begründe auch das mit dem Text.
Textstelle nachlesen ↗

8. Prüfe deinen ersten Leseeindruck an Anfang und Ende: »Anton, Christian, Joseph kommen durch die Glastür Mitte links aus dem Hintergrund vor.« / »Im Orchester fällt eine passende Musik ein. Der Vorhang fällt.«. Würdest du deine erste Einschätzung jetzt verändern? Begründe.

Impulse zur Selbstprüfung

Vergleiche deine Antwort mit dem verlinkten Originalabsatz. Mehrere begründete Antworten sind möglich; die Aufgabe wird nicht automatisch als richtig oder falsch bewertet.

  • Nenne deine ursprüngliche Einschätzung oder Leseerwartung.
  • Verwende mindestens einen Textbeleg für deine jetzige Einschätzung.
  • Sowohl eine veränderte als auch eine bestätigte Einschätzung ist möglich.
Textstelle 1 ↗ Textstelle 2 ↗
Kreativ schreibenDrei Anregungen in drei Niveaustufen · ohne Punkte

Wähle die Anregung, die zu dir passt. Deine eigene Fassung bleibt klar vom Originaltext getrennt.

Niveau 1 · Einstieg

1. Schreibe zu diesem Textausschnitt 5–8 eigene Sätze: »So, tragt sie nur hinein, 's werden nicht die letzten sein; wenn die einmal ins Trinken kommen –«. Wähle eine Person, einen Gegenstand oder einen Gedanken daraus. Schreibe aus einer neuen Sicht. Satzanfänge helfen: „Ich bemerke …“, „Ich frage mich …“, „Als Nächstes …“.

Impulse zur Selbstprüfung

Mehrere Lösungen sind möglich. Prüfe deinen Text an den Kriterien oder besprich ihn mit anderen. Diese Aufgabe gibt keine automatisch bewerteten Punkte.

  • Übernimm mindestens zwei passende Einzelheiten aus dem Kapitel.
  • Trenne ein wörtliches Zitat deutlich von deinem eigenen Text.
  • Kennzeichne deine Ergänzungen als erfunden.
Textstelle nachlesen ↗

Niveau 2 · Vertiefung

2. Verwandle den folgenden Ausschnitt in einen Brief, Tagebucheintrag oder kurzen Dialog: »Mit einem Wort, zu Ihrem Besten, und zum Besten Ihrer Gläubiger wird der Ball gehalten; jetzt brauchen Sie nur noch die Gäste mit dem Ball zum besten zu halten, so ist ein allgemeines Bestes erzweckt.«. Entscheide, wer sich an wen richtet. Schreibe etwa 120–180 Wörter. Bei einem Sachtext kann ein lernender Mensch einem anderen die Idee erklären.

Impulse zur Selbstprüfung

Mehrere Lösungen sind möglich. Prüfe deinen Text an den Kriterien oder besprich ihn mit anderen. Diese Aufgabe gibt keine automatisch bewerteten Punkte.

  • Die neue Textform und die gewählte Stimme sind erkennbar.
  • Mindestens zwei Aussagen oder Ereignisse bleiben mit dem Kapitel vereinbar.
  • Ergänze einen kurzen Kommentar: Was hast du übernommen, was bewusst erfunden?
Textstelle nachlesen ↗

Niveau 3 · Gestaltung

3. Schreibe ausgehend vom Kapitelende eine alternative Fortsetzung oder eine Szene mit einer Gegenposition: »Flucht! – Flucht! – schleunige Flucht! – Eilt zur Seite links ab.«. Entwickle etwa 200–300 Wörter. Bei einem Sachtext kannst du ein Streitgespräch über eine These gestalten. Begründe anschließend in 3–5 Sätzen deine Entscheidungen mit zwei kurzen Zitaten aus dem Kapitel.

Impulse zur Selbstprüfung

Mehrere Lösungen sind möglich. Prüfe deinen Text an den Kriterien oder besprich ihn mit anderen. Diese Aufgabe gibt keine automatisch bewerteten Punkte.

  • Die Fortsetzung oder Gegenposition knüpft nachvollziehbar an konkrete Textstellen an.
  • Zwei genaue Zitate begründen die Gestaltung; Schlussfolgerungen werden als eigene Deutung markiert.
  • Der neue Text ist ausdrücklich eine eigene Bearbeitung und wird nicht dem Originalautor zugeschrieben.
Textstelle nachlesen ↗

Ausgabe, Herkunft und Rechte

Originalautor vor 1956 verstorben. TextGrid kennzeichnet die zugrunde liegenden reinen Texte als gemeinfrei; Struktur und Metadaten unter CC BY 3.0 DE mit Namensnennung TextGrid und www.editura.de. Das Werk Der Zerrissene von Nestroy, Johann ist eine Abwandlung des Datenbestandes der Digitalen Bibliothek von TextGrid, www.editura.de, und wird unter der Creative Commons Lizenz Namensnennung 3.0 Deutschland veröffentlicht. Der zugrunde liegende literarische Reintext ist gemeinfrei. TextGrid wurde vom BMBF gefördert (Förderkennzeichen 01UG1203A).

Die Extraktion erfasst alle Textpositionen der gelieferten Quelldatei; dies ersetzt keinen vollständigen Vergleich mit dem historischen Druck. Offene Kapitelaufgaben dienen der Selbstprüfung und sind keine automatisch bewertete Interpretation.

Der Zerrissene

Johann Nestroy: Werke. Ausgewählt und mit einem Nachwort versehen von Oskar Maurus Fontana, München: Winkler, 1962. Nestroy, Johann 500- München

Das Werk Der Zerrissene von Nestroy, Johann ist eine Abwandlung des Datenbestandes der Digitalen Bibliothek von TextGrid, www.editura.de und wird unter der Creative Commons Lizenz veröffentlicht.

Quelltext und Ausgabe ↗ · CC BY 3.0 DE; reine Originaltexte gemeinfrei Lizenz

Welche Änderungen enthält die Lesefassung?

Explizite Wortliste statt allgemeiner Such-und-Ersetz-Regeln. Jede Änderung ist mit Kapitel, Absatz, Quellposition und Regel dokumentiert. Erfasste Namen und bekannte mehrdeutige Formen bleiben ausgespart; dies ist keine automatische vollständige Namenserkennung. Grundlage für s/ss/ß: Amtliches Regelwerk 2024, §§ 2, 5 und 25. Die unveränderte Quellfassung bleibt verfügbar.