D10 E - Komplexe Sachtexte kritisch bewerten

D10 E - Komplexe Sachtexte kritisch bewerten
D10 E - Komplexe Sachtexte kritisch bewerten
Mini-Beschreibung: Du beurteilst bei komplexen Sachtexten Argumentationslogik, Belege, implizite Annahmen, Perspektive und mögliche Widersprüche. Du arbeitest auf E-Niveau, Klasse 10, Baden-Württemberg: selbstständig, textnah, quellenkritisch und mit Transfer auf Texte, Bilder, Audio, Video und Visualisierungen.

Medienauftrag: Betrachte die Grafik nicht nur dekorativ. Formuliere aus zwei dargestellten Denkfähigkeiten je eine konkrete Prüffrage für einen Sachtext.
Einstieg
Ein Text kann überzeugend klingen und trotzdem schwach begründet sein. Prüfe deshalb zuerst die Struktur, dann die Belege und erst danach Dein Urteil.
Mini-Fall: Eine Schülerzeitung schreibt: „In unserer Online-Umfrage stimmten 18 von 24 Teilnehmenden für einen handyfreien Lernblock. Also lernen Jugendliche grundsätzlich besser ohne Smartphone.“ Was ist daran prüfenswert?
- Stichprobe: Wer hat teilgenommen und wer nicht?
- Schlussfolgerung: Folgt „lernt besser“ überhaupt aus „stimmt dafür“?
- Verallgemeinerung: Darf eine kleine Gruppe für „Jugendliche grundsätzlich“ stehen?
- Beleg: Gibt es eine Messung des Lernerfolgs oder nur eine Meinung?

Kurzauftrag: Übertrage den Mini-Fall in eine Argumentkarte: Hauptbehauptung, Stütze, Einwand, offene Frage.
Lernziele
Nach diesem aiMOOC kannst Du ...
- Argumentationsstruktur: komplexe Behauptungen, Begründungen, Schlussregeln, Belege und Gegenargumente auseinanderhalten.
- Belegprüfung: Relevanz, Qualität, Reichweite und Nachprüfbarkeit von Belegen einschätzen.
- Implizite Annahme: unausgesprochene Voraussetzungen erkennen und prüfen.
- Perspektive: Adressat, Intention, Medium und Kontext in die Bewertung einbeziehen.
- Kohärenz: Widersprüche, Sprünge, unklare Begriffe und Scheinkausalitäten erkennen.
- Textvergleich: mehrere lineare und nichtlineare Materialien vergleichend nutzen.
- Urteilsbildung: ein differenziertes, textnah belegtes Urteil formulieren.
- KI-Kompetenz: KI erst nach eigener Textarbeit gezielt befragen und jede KI-Hilfe unabhängig kontrollieren.
Vorwissen
Du solltest bereits These, Argument, Begründung, Beleg, Beispiel, Adressat, Intention und grundlegende Sachtextanalyse kennen.
Schnellcheck: Erkläre ohne Nachschlagen den Unterschied zwischen Behauptung und Beleg. Nenne außerdem ein Beispiel dafür, dass ein richtiger Einzelbeleg trotzdem eine zu weit reichende Schlussfolgerung stützen kann.
Bildungsplanbezug Baden-Württemberg
Der Bildungsplan Deutsch für den gemeinsamen Bildungsplan Sekundarstufe I, Klasse 10, führt für das E-Niveau unter anderem das kritische Bewerten komplexer Textinformationen, das Erkennen von Widersprüchen und Inkohärenzen, den Vergleich mehrerer Texte und die Analyse eines vereinfachten Toulmin-Schemas an.
Kurzes funktionales Zitat aus dem Bildungsplan: „inhaltliche Widersprüche und Inkohärenzen erkennen“.
Quelle und Stand: Bildungsplan Baden-Württemberg, Deutsch, Klasse 10, Sach- und Gebrauchstexte, Fassung vom 29.02.2024; Abruf für diesen aiMOOC: September 2026.
Wichtig: E-Niveau, Schulabschluss und konkrete Abschlussprüfung sind nicht dasselbe. Prüfungsanforderungen können vom angestrebten Abschluss und vom Prüfungsjahr abhängen. Verbindliche Vorgaben deshalb immer aktuell bei Deiner Schule und beim Kultusministerium Baden-Württemberg prüfen.
Kernmethode: Fünf Prüffelder
| Prüffeld | Leitfrage | Typischer Warnhinweis |
|---|---|---|
| Argumentationslogik | Folgt die Schlussfolgerung aus den Gründen? | Sprung, Zirkelschluss, falsche Alternative |
| Belege | Sind Belege relevant, nachprüfbar und ausreichend? | Quelle fehlt, Einzelfall wird verallgemeinert |
| Implizite Annahmen | Was muss gelten, damit das Argument trägt? | Voraussetzung bleibt ungesagt |
| Perspektive | Wer spricht wozu, für wen und in welchem Medium? | Interessen oder Adressatenbezug werden ausgeblendet |
| Widersprüche | Passen Aussagen, Begriffe und Schlussfolgerungen zusammen? | Aussage A schränkt Aussage B unbemerkt ein |
Merksatz: Kritisch bewerten heißt nicht, möglichst viel zu kritisieren. Es heißt, Stärken, Grenzen und Geltungsbedingungen eines Textes begründet zu bestimmen.
Argumentationslogik: Vom Grund zur Schlussfolgerung
Für E-Niveau reicht „These + Beispiel“ oft nicht. Prüfe die Verbindung zwischen Daten und Behauptung.

Ein vereinfachtes Toulmin-Schema hilft:
- Behauptung: Was soll gelten?
- Begründung: Warum soll es gelten?
- Schlussregel: Welche allgemeine Regel verbindet Begründung und Behauptung?
- Stützung: Wodurch wird diese Schlussregel abgesichert?
- Einschränkung/Gegenargument: Unter welchen Bedingungen gilt die Aussage nicht oder nur teilweise?
Beispiel: „Die Bibliothek sollte länger öffnen, weil viele Lernende am Nachmittag Gruppenarbeiten erledigen.“ Die versteckte Schlussregel lautet etwa: „Wenn ein schulischer Lernort nachweislich zu einer stark genutzten Lernzeit gebraucht wird, sollte seine Öffnungszeit daran angepasst werden.“ Genau diese Regel musst Du prüfen.
Belege: Nicht jeder Beleg trägt gleich weit
Ein Beleg kann korrekt und trotzdem ungeeignet sein. Prüfe vier Fragen:
- Passung: Belegt er genau die Behauptung?
- Nachprüfbarkeit: Sind Ursprung, Methode und Datum erkennbar?
- Reichweite: Reicht der Beleg für diese Verallgemeinerung?
- Gegenbefund: Werden relevante Gegenbelege berücksichtigt?
Wichtig: „Eine Studie zeigt ...“ ist noch kein belastbarer Beleg. Entscheidend ist, welche Studie, mit welcher Methode, an welcher Gruppe und für welche Aussage.

Bildauftrag: Erkläre, warum ein eingeblendeter Kontext-Hinweis eine Behauptung noch nicht automatisch beweist. Welche Primär- oder Fachquelle würdest Du zusätzlich prüfen?
Implizite Annahmen: Das Ungesagte sichtbar machen
Implizite Annahmen stehen selten ausdrücklich im Text. Du erkennst sie mit dem Satz:
„Damit dieses Argument funktioniert, muss zusätzlich gelten, dass ...“
Beispiel: „Digitale Lernplattformen sparen Papier, also sind sie nachhaltiger.“ Mögliche Annahmen: Energieverbrauch, Geräteherstellung, Nutzungsdauer und Infrastruktur verändern die Gesamtbilanz nicht entscheidend. Ob das stimmt, muss gesondert geprüft werden.

Visualisierungsauftrag: Die Grafik zeigt viele mögliche kognitive Verzerrungen. Wähle nur zwei Begriffe aus, recherchiere ihre Bedeutung und prüfe, ob einer davon bei Deiner eigenen Erstreaktion auf Material A eine Rolle gespielt haben könnte. Die Grafik ist ein Suchanlass, kein Beweis für eine Diagnose.
Perspektive und Kontext: Wer spricht in welcher Situation?
Perspektive bedeutet nicht automatisch „unzuverlässig“. Jeder Text ist perspektivisch. Entscheidend ist, ob die Perspektive transparent wird und ob sie die Auswahl oder Gewichtung von Informationen beeinflusst.
Prüfe: Autor/Institution – Adressat – Medium – Anlass – Ziel – Zeitpunkt – Interessen – ausgelassene Gegenperspektiven.

Medienauftrag: Die historische Zeitungsausschnitt-Datei ist gemeinfrei. Notiere drei Kontextinformationen, die Du bräuchtest, bevor Du sie als Quelle für eine historische Aussage verwendest. Trenne dabei Datei-Echtheit, zeitgenössische Aussage und heutige Bewertung.
Widersprüche und Inkohärenzen
Ein Text kann einzelne richtige Aussagen enthalten und trotzdem insgesamt unstimmig sein. Achte auf:
- wechselnde Bedeutung zentraler Begriffe
- Ursache-Wirkung-Sprünge
- unvereinbare Forderungen
- Ausnahmen, die die Hauptthese stark einschränken
- Zahlen oder Beispiele, die nicht zur Schlussfolgerung passen
Prüfformel: „A sagt ..., später setzt B jedoch voraus ...; beides passt nur zusammen, wenn ...“
Anspruchsvolle Materialien
Alle folgenden Modelltexte und Datensätze wurden für diesen aiMOOC erstellt. Sie dürfen als Lernmaterial verändert, gekürzt und neu kombiniert werden. Wo Zahlen synthetisch sind, wird das ausdrücklich gesagt.
Material A: Kommentar „KI-Hilfe braucht klare Grenzen“
Eigenes Modellmaterial
„Wer beim Schreiben sofort eine KI fragt, überspringt oft die wichtigste Lernphase: selbst ordnen, zweifeln und formulieren. Deshalb sollte KI bei Hausaufgaben erst erlaubt sein, wenn ein eigener Entwurf vorliegt. Das klingt streng, schützt aber die Selbstständigkeit. Schließlich verbessert man nur, was man vorher selbst versucht hat. Zugleich wäre es unvernünftig, leistungsfähige Werkzeuge aus dem Unterricht fernzuhalten; in Ausbildung und Studium werden solche Systeme ohnehin genutzt. Schulen sollten daher KI möglichst früh selbstverständlich einsetzen. Ein fester Nachweis der eigenen Vorarbeit könnte beide Ziele verbinden. Allerdings kostet diese Dokumentation Zeit, und nicht jede Aufgabe lässt sich sinnvoll in eine Vorher-nachher-Version zerlegen. Trotzdem zeigt schon die große Verbreitung von KI-Tools, dass ein Verzicht keine realistische Option ist.“
Arbeitsauftrag E: Bestimme Hauptthese und Teilthesen. Rekonstruiere mindestens zwei Schlussregeln. Markiere eine Spannung oder einen möglichen Widerspruch. Prüfe außerdem, ob „große Verbreitung“ als Beleg für „pädagogisch sinnvoll“ ausreicht.
Material B: Nichtlinearer Text mit absichtlicher Überdehnung
Synthetischer Übungsdatensatz – keine reale Studie
Eine Klasse testet zwei 25-minütige Lernphasen. Nach jeder Phase geben die Lernenden freiwillig an, ob sie sich „gut konzentriert“ fühlten.
| Bedingung | Teilnehmende Rückmeldungen | „gut konzentriert“ |
|---|---|---|
| Smartphone sichtbar auf dem Tisch | 22 | 11 |
| Smartphone im Schließfach | 20 | 15 |
Ein Kommentar dazu lautet: „Ohne sichtbares Smartphone steigt die Konzentration um 50 Prozent. Deshalb sollten Smartphones an allen Schulen während des gesamten Unterrichtstags weggeschlossen werden.“
Arbeitsauftrag E: Prüfe Rechenweg, Messmethode, Stichprobe, mögliche Störvariablen und Reichweite der Schlussfolgerung. Formuliere anschließend eine deutlich vorsichtigere Aussage, die der Tabelle tatsächlich entspricht.
Material C: Argumentkarte als Visualisierung

Arbeitsauftrag E: Erkläre, warum komplexe Argumente nicht immer linear sind. Übertrage Material A in eine eigene Argumentkarte mit mindestens einer Stütze und einem Einwand. Kennzeichne, wo Dir ein Beleg fehlt.
Material D: Audio als Quelle
Das englischsprachige Audio steht auf Wikimedia Commons unter einer offenen Lizenz. Höre einen von der Lehrkraft festgelegten kurzen Ausschnitt.
Hörauftrag E: Notiere eine Behauptung, die dazugehörige Begründung und – falls vorhanden – einen Beleg. Trenne was im Audio gesagt wird von was Du zusätzlich über Autor, Interviewrahmen und Quelle recherchierst. Formuliere danach eine quellenkritische Einschätzung in drei Sätzen.
Material E: Video – Sachtextanalyse überprüfen
Arbeitsauftrag E: Das Video „Wie schreibe ich eine Sachtextanalyse?“ von Die Merkhilfe bietet ein kompaktes Vorgehensmodell. Notiere drei nützliche Schritte. Prüfe dann kritisch, welche E-Niveau-Aspekte dieses aiMOOCs darüber hinausgehen: etwa Schlussregeln, implizite Annahmen, Gegenbelege, Kontext oder Inkohärenzen.
Material F: Video – gesprochene Argumentation
Arbeitsauftrag E: Vergleiche bei der Redeanalyse schriftliche Argumentationsstruktur mit medialer Wirkung. Welche zusätzlichen Informationen liefern Stimme, Betonung, Pausen, Mimik oder Gestik? Welche davon sind Belege für die Sachbehauptungen – und welche betreffen nur die Wirkung?
Material G: Kurzes offenes Fact-Checking-Video
Datei:Fact-Checking by Jananie Kulandaivelu for the Wikimedia Foundation.webm
Arbeitsauftrag E: Formuliere nach dem Ansehen eine 4-Schritt-Regel für Faktenprüfung. Ergänze zu jedem Schritt ein mögliches Fehlurteil, das trotz Prüfung bestehen bleiben könnte.
Kriterienraster für eine kritische Bewertung
Nutze das Raster nach einer ersten eigenen Analyse. Es ist kein Punktesammeln, sondern eine Denkstütze.
| Kriterium | belastbar | teilweise belastbar | offen/problematisch |
|---|---|---|---|
| These präzise erfasst | Haupt- und Teilthesen sauber getrennt | Kernthese erfasst, Teilthesen unscharf | Position nur grob oder falsch wiedergegeben |
| Logik | Schlussregeln nachvollziehbar und geprüft | einzelne Sprünge erkannt | Gründe und Schlussfolgerungen nur aufgezählt |
| Belege | Herkunft, Passung, Reichweite und Gegenbelege geprüft | Belege beschrieben, aber wenig gewichtet | Belege ungeprüft übernommen |
| Annahmen | mehrere implizite Voraussetzungen sichtbar gemacht | mindestens eine Annahme erkannt | nur explizite Aussagen betrachtet |
| Perspektive/Kontext | Medium, Adressat, Intention und Kontext funktional einbezogen | einzelne Kontextpunkte genannt | Kontext nur behauptet oder ignoriert |
| Widersprüche | Inkohärenzen erklärt und in ihrer Bedeutung gewichtet | Widerspruch benannt | Unstimmigkeiten nicht geprüft |
| Urteil | differenziert, textnah, belegt und begrenzt | nachvollziehbar, aber wenig abgewogen | pauschal, unbelegt oder nur Meinung |
Schreibgerüst für das E-Niveau
Ein starker Bewertungsabsatz kann so gebaut sein:
Befund → Beleg → Prüfung → Gewichtung → Urteil
Beispiel: „Der Kommentar stützt seine Forderung vor allem mit der Verbreitung von KI-Tools. Dieser Beleg zeigt zwar gesellschaftliche Relevanz, beweist aber nicht, dass früher Einsatz automatisch lernwirksam ist. Dafür wären zusätzliche Belege zur Lernwirkung nötig. Das Argument ist daher als Realitätsbezug brauchbar, als pädagogische Begründung allein jedoch zu schwach.“
Hilfestufen
Hilfestufe 1: Struktur markieren
Markiere nur fünf Dinge: These – Grund – Beleg – Schlussregel – Einwand. Noch nicht bewerten.
Hilfestufe 2: Prüffragen ergänzen
Schreibe an den Rand: „Woher?“, „Gilt das immer?“, „Was muss zusätzlich stimmen?“, „Wer spricht wozu?“, „Passt das zu Aussage X?“.
Hilfestufe 3: Urteil formulieren
Verwende Satzstarter: „Überzeugend ist ..., weil ...“ – „Begrenzt wird das Argument durch ...“ – „Die Schlussfolgerung reicht weiter als der Beleg, weil ...“ – „Unter der Bedingung ..., wäre die Aussage tragfähiger.“
Lösungen und Feedback zu den Materialien
Lösungshinweise zu Material A
Eine mögliche Hauptthese lautet: KI sollte erst nach einer eigenen Vorarbeit gezielt eingesetzt werden. Gleichzeitig fordert der Text einen frühen selbstverständlichen KI-Einsatz. Diese Aussagen sind nicht zwingend unvereinbar, erzeugen aber eine Spannung, die nur durch klare Nutzungsregeln aufgelöst wird. Die Verbreitung von KI-Tools belegt ihre praktische Relevanz, nicht automatisch ihre Lernwirksamkeit.
Feedback: Eine starke Lösung nennt nicht nur „Widerspruch“, sondern erklärt, ob er echt, scheinbar oder durch eine Zusatzbedingung auflösbar ist.
Lösungshinweise zu Material B
11 von 22 entsprechen 50 Prozent, 15 von 20 entsprechen 75 Prozent. Das ist ein Anstieg um 25 Prozentpunkte beziehungsweise relativ um 50 Prozent. Die Messung erfasst jedoch nur eine freiwillige Selbsteinschätzung in zwei kurzen Phasen. Daraus folgt weder ein gesicherter kausaler Effekt noch eine Regel für alle Schulen oder den gesamten Unterrichtstag.
Feedback: Eine starke Lösung trennt korrektes Rechnen von einer überzogenen Interpretation.
Lösungshinweise zu Material C bis G
Es gibt nicht nur eine Musterlösung. Erwartet wird jeweils eine saubere Trennung von Inhalt, Beleg, medialer Wirkung und zusätzlicher Quellenprüfung. Bei Audio und Video darf eine souveräne Präsentation niemals als Beweis für eine Sachbehauptung behandelt werden.
KI-Spirale
Grundsatz: KI ersetzt keine eigene Textarbeit. Nutze sie erst, wenn Du Material selbst erschlossen und einen eigenen Ansatz entwickelt hast.
| Schritt | Dein Handeln | mögliche KI-Nutzung |
|---|---|---|
| 1 Aufgabe verstehen | Operatoren, Material, Ziel und Kriterien klären | noch keine KI |
| 2 selbst erschließen | markieren, exzerpieren, Argumentstruktur bauen | noch keine KI |
| 3 eigenen Ansatz entwickeln | erstes Urteil und offene Fragen notieren | noch keine KI |
| 4 KI gezielt befragen | konkrete Unsicherheit formulieren | „Welche implizite Annahme könnte zwischen Aussage 2 und 3 liegen? Nenne nur Hypothesen.“ |
| 5 unabhängig prüfen | Texttreue, Fakten, Logik und Quellen kontrollieren | KI-Antwort nicht als Quelle behandeln |
| 6 eigene Lösung verbessern | nur geprüfte Hinweise übernehmen oder verwerfen | Formulierungsalternativen vergleichen |
| 7 Hilfe transparent machen | Art und Umfang dokumentieren | „KI genutzt für ..., geprüft an ..., verändert/verworfen wurde ...“ |
Datenschutz: Lade keine unnötigen personenbezogenen Daten, privaten Chats, Namen oder nicht freigegebenen Schülerarbeiten in KI-Systeme.
Interaktive Aufgaben
Quiz: Teste Dein Wissen
Was ist eine implizite Annahme? (Eine unausgesprochene Voraussetzung, die ein Argument benötigt) (!Eine wörtlich zitierte Quelle) (!Die Überschrift eines Sachtextes) (!Eine Gegenposition ohne Bezug zum Argument)
Welche Prüfung gehört zuerst zur Argumentationslogik? (Ob die Schlussfolgerung aus den genannten Gründen folgt) (!Ob die Schriftart modern wirkt) (!Ob der Text möglichst lang ist) (!Ob die eigene Meinung mit dem Text übereinstimmt)
Warum kann ein wahrer Einzelbeleg trotzdem schwach sein? (Weil seine Reichweite für eine allgemeine Schlussfolgerung zu klein sein kann) (!Weil wahre Belege nie verwendet werden dürfen) (!Weil Beispiele grundsätzlich keine Informationen enthalten) (!Weil nur Zitate als Belege gelten)
Welche Aussage beschreibt Perspektivprüfung am besten? (Adressat, Intention, Medium und Kontext werden in die Bewertung einbezogen) (!Der Autor wird allein nach Sympathie beurteilt) (!Nur die Textlänge wird verglichen) (!Jede Perspektive wird automatisch als falsch behandelt)
Welche Funktion hat eine Schlussregel im Toulmin-Schema? (Sie verbindet Begründung und Behauptung) (!Sie nennt nur den Titel des Textes) (!Sie ersetzt jeden Beleg) (!Sie fasst ausschließlich Gegenargumente zusammen)
Was ist bei widersprüchlichen Aussagen besonders wichtig? (Zu prüfen, ob der Widerspruch echt oder durch Bedingungen auflösbar ist) (!Sofort den gesamten Text als falsch zu erklären) (!Nur die spätere Aussage zu übernehmen) (!Den Widerspruch ohne Textbeleg zu behaupten)
Was zeigt die große Verbreitung eines Werkzeugs unmittelbar? (Dass das Werkzeug verbreitet ist) (!Dass das Werkzeug lernwirksam ist) (!Dass alle Nutzenden es richtig verwenden) (!Dass jede Schule es einsetzen muss)
Welche Aussage zu Audio und Video ist korrekt? (Souveräne Präsentation kann Wirkung erzeugen, beweist aber keine Sachbehauptung) (!Gute Bildqualität beweist die Richtigkeit des Inhalts) (!Ein ruhiger Sprecher ist automatisch glaubwürdiger) (!Ein häufig geteiltes Video ist automatisch belegt)
Wann soll die KI-Spirale erstmals eine KI-Abfrage enthalten? (Nach eigener Materialerschließung und einem eigenen Ansatz) (!Vor dem ersten Lesen des Materials) (!Statt einer eigenen Analyse) (!Erst nachdem die fertige Lösung abgegeben wurde)
Was kennzeichnet ein differenziertes Urteil? (Es benennt Stärken, Grenzen und Bedingungen mit Textbelegen) (!Es besteht nur aus Zustimmung oder Ablehnung) (!Es vermeidet jede Begründung) (!Es übernimmt die stärkste Formulierung des Ausgangstextes)
Memory
| Behauptung | Aussage, die begründet werden soll |
| Schlussregel | Verbindung zwischen Grund und These |
| Beleg | überprüfbare Stütze für eine Aussage |
| Prämisse | vorausgesetzter Ausgangspunkt |
| Kohärenz | innerer Zusammenhang eines Textes |
| Perspektive | standortgebundene Sichtweise |
| Intention | kommunikative Absicht |
| Gegenargument | begründeter Einwand gegen eine Position |
Drag and Drop
| Ordne die richtigen Begriffe zu. | Thema |
|---|---|
| Argumentationslogik | Folgerichtigkeit prüfen |
| Belegprüfung | Quelle und Reichweite prüfen |
| Annahmenanalyse | Ungesagte Voraussetzungen sichtbar machen |
| Perspektivanalyse | Adressat und Intention einbeziehen |
| Kohärenzprüfung | Widersprüche und Sprünge untersuchen |
| Quellenkritik | Herkunft und Nachprüfbarkeit kontrollieren |
Kreuzworträtsel
| Schlussregel | Welche Verbindung erklärt, warum ein Grund eine Behauptung stützen soll? |
| Kohärenz | Wie heißt der innere Zusammenhang eines Textes? |
| Beleg | Wie nennt man eine überprüfbare Stütze für eine Behauptung? |
| Prämisse | Wie heißt eine vorausgesetzte Ausgangsannahme? |
| Perspektive | Wie heißt die standortgebundene Sicht auf ein Thema? |
| Intention | Wie heißt die kommunikative Absicht eines Textes? |
LearningApps
Lückentext
Selbstkontrolle
Bewerte Dich nach einer Übungsanalyse ehrlich mit „sicher“, „teilweise“ oder „noch üben“.
| Ich kann ... | sicher | teilweise | noch üben |
|---|---|---|---|
| Haupt- und Teilthesen trennen | □ | □ | □ |
| Schlussregeln rekonstruieren | □ | □ | □ |
| Belege auf Passung und Reichweite prüfen | □ | □ | □ |
| implizite Annahmen formulieren | □ | □ | □ |
| Perspektive und Kontext funktional einbeziehen | □ | □ | □ |
| Widersprüche gewichten statt nur benennen | □ | □ | □ |
| ein textnahes Gesamturteil schreiben | □ | □ | □ |
| KI-Hilfe transparent und überprüft nutzen | □ | □ | □ |
Transfer
Übertrage die Methode auf ein neues Medium: Wähle einen aktuellen Sachbeitrag aus einer seriösen, nachvollziehbaren Quelle und zusätzlich eine zweite Darstellung desselben Themas. Nutze nur kurze funktionale Zitate. Vergleiche These, Belege, Perspektive, Auslassungen und Schlussfolgerungen. Dokumentiere, welche Aussage Du direkt aus welcher Quelle entnommen hast.
Transferfrage: Ändert sich Dein Urteil, wenn derselbe Inhalt als Kommentar, Infografik, Podcast oder Kurzvideo erscheint? Begründe mit mindestens zwei medienbezogenen Kriterien.
Kompetenzcheck
- Argument rekonstruieren: Zerlege Material A in Behauptung, Begründung, Schlussregel, Stützung und Einwand. Erkläre, wo die Argumentation stabil und wo sie ergänzungsbedürftig ist.
- Daten kritisch lesen: Formuliere zu Material B zwei Aussagen, die durch die Tabelle gedeckt sind, und zwei Aussagen, die zu weit gehen.
- Quellen vergleichen: Vergleiche einen Text und ein Video zum selben Thema. Trenne Sachbeleg, Kommentierung und mediale Wirkung.
- Implizite Annahmen prüfen: Nenne zu einer selbst gewählten These zwei notwendige Annahmen und beschreibe, wie Du sie überprüfen würdest.
- Widersprüche beurteilen: Konstruiere ein Beispiel, in dem zwei Aussagen nur scheinbar widersprüchlich sind, weil unterschiedliche Bedingungen gelten.
- Urteil schreiben: Verfasse einen Bewertungsabsatz nach dem Muster Befund – Beleg – Prüfung – Gewichtung – Urteil.
Reflexion
- Ersteindruck: Welche Formulierung oder Darstellung überzeugt Dich spontan besonders schnell – Statistik, Expertenzitat, persönliche Geschichte, Grafik oder Video? Warum kann das ein Risiko sein?
- Gegenlesen: Welche eigene Annahme hast Du bei einer Aufgabe revidiert?
- Quellenbewusstsein: Wann hast Du zuletzt eine Quelle nur deshalb akzeptiert, weil sie professionell aussah?
- KI-Reflexion: Welche KI-Hilfe war tatsächlich nützlich, welche musstest Du korrigieren und woran hast Du das erkannt?
Offene Aufgaben
Leicht
- Argumente markieren: Markiere in einem kurzen Sachtext Behauptung, Begründung, Beleg und Gegenargument mit vier selbst gewählten Zeichen.
- Beleg-Check: Sammle drei unterschiedliche Belegarten und formuliere jeweils eine Frage zur Reichweite.
- Mini-Audio: Sprich einen 45-Sekunden-Kommentar ein und höre ihn danach ohne Bild. Notiere, welche Wirkung nur durch Stimme entsteht.
- Argumentkarte: Verwandle einen Absatz aus Material A in eine kleine grafische Argumentkarte.
Standard
- Quellen-Doppelcheck: Suche zwei Darstellungen zum selben Sachthema und vergleiche Auswahl, Gewichtung und Quellenangaben.
- Infografik prüfen: Analysiere eine frei lizenzierte Infografik auf Datenbasis, Achsen, Beschriftungen, Auslassungen und Schlussfolgerung.
- Perspektivenwechsel: Schreibe zu derselben Datenlage zwei kurze, sachlich zulässige Deutungen aus unterschiedlichen Perspektiven und markiere, was jeweils ausgewählt wird.
- Videoanalyse: Produziere ein zweiminütiges Erklärvideo, in dem Du ein schwaches Argument verbesserst und jede Änderung begründest.
Schwer
- Toulmin-Analyse: Rekonstruiere bei einem anspruchsvollen Kommentar mindestens drei Schlussregeln und prüfe deren Stützung.
- Widerspruchsmatrix: Vergleiche drei Quellen und dokumentiere echte Widersprüche, scheinbare Widersprüche und bloße Schwerpunktunterschiede.
- KI-Audit: Erstelle zuerst eine eigene Analyse, lasse danach eine KI gezielt Gegenargumente suchen und überprüfe jeden KI-Hinweis unabhängig am Material und an Quellen.
- Multimodales Dossier: Gestalte ein Dossier aus eigenem Text, frei lizenziertem Bild, eigener Audioaufnahme und Datenvisualisierung; lege offen, welche Aussage durch welches Material gestützt wird.


Lernkontrolle
- Transferanalyse: Du erhältst einen unbekannten Kommentar plus Diagramm. Entwickle selbst fünf Prüfkriterien, wende sie an und begründe, welches Argument unter welchen Bedingungen trägt.
- Belegreichweite: Erkläre an einem neuen Beispiel, warum ein korrekter statistischer Wert eine unzulässige Verallgemeinerung nicht automatisch rechtfertigt.
- Perspektive und Kontext: Vergleiche zwei Darstellungen desselben Sachverhalts aus unterschiedlichen Medien und erkläre, wie Medium und Adressat die Auswahl verändern.
- Implizite Annahmen: Rekonstruiere die unausgesprochenen Voraussetzungen eines Arguments und entwirf eine Recherche, mit der Du mindestens eine davon überprüfen könntest.
- Widerspruchsanalyse: Entscheide bei drei scheinbar unvereinbaren Aussagen, ob ein echter Widerspruch, ein Begriffswechsel oder eine Bedingungsdifferenz vorliegt.
- Eigenes Urteil: Schreibe ein differenziertes Gesamturteil, das mindestens eine Stärke, eine Grenze, einen Gegenbefund und eine Geltungsbedingung enthält.
Lernnachweis
Für einen Lernnachweis ist wichtig:
- Du rekonstruierst komplexe Argumente texttreu.
- Du unterscheidest Behauptung, Begründung, Schlussregel, Stützung und Gegenargument.
- Du prüfst Belege auf Passung, Nachprüfbarkeit und Reichweite.
- Du erkennst implizite Annahmen und prüfst ihre Tragfähigkeit.
- Du beziehst Perspektive, Kommunikationszusammenhang und Kontext ein.
- Du erkennst Widersprüche und Inkohärenzen und gewichtest ihre Bedeutung.
- Du nutzt mehrere Materialien vergleichend.
- Du formulierst ein begründetes, differenziertes Urteil mit präzisen Textbelegen.
- Du dokumentierst KI-Hilfe transparent und überprüfst KI-Ausgaben unabhängig.
Folgekurs-Empfehlung
Wenn Du diesen Kurs sicher beherrschst, arbeite als Nächstes mit D10 E - Materialgestützt argumentieren und schreiben. Dort überführst Du Quellenkritik und Argumentationsanalyse in einen eigenständigen, materialgestützten Schreibprozess.
OERs zum Thema
Weitere offene beziehungsweise frei zugängliche Lernressourcen:
- Bildungsplan Baden-Württemberg – Deutsch, Sach- und Gebrauchstexte
- Wikimedia Commons – Critical Thinking Skills Diagram, CC BY-SA 4.0
- Wikimedia Commons – Argument Map, CC BY-SA 4.0
- Wikimedia Commons – Beispiel für Toulmin-Schema
- Wikimedia Commons – Fact-Checking, CC BY-SA 4.0
- so geht MEDIEN – Medienkompetenz-Angebot von ARD, ZDF und Deutschlandradio
Medien- und Quellenhinweise
Die Wikimedia-Commons-Medien dieses Kurses sind gemeinfrei oder offen lizenziert; die jeweilige Dateiseite nennt Urheber, Lizenz und Nachnutzungsbedingungen. YouTube-Videos werden nur eingebettet und nicht vervielfältigt. Bei fremden geschützten Texten werden keine Ganztexte übernommen; für Analysen genügen kurze funktionale Zitate mit Quellenangabe.
Eigenes Material: Die Modelltexte A und B sowie Aufgaben, Raster und Schreibgerüste wurden für diesen aiMOOC erstellt. Der Datensatz in Material B ist ausdrücklich synthetisch.
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