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Sprache und Sprachgebrauch

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Sprache und Sprachgebrauch




Einleitung

Sprache und Sprachgebrauch beschäftigen sich damit, wie Menschen mit sprachlichen Zeichen Bedeutung erzeugen, Informationen austauschen und Beziehungen gestalten. Dieser aiMOOC richtet sich vor allem an Lernende der Klassen 7 bis 9 und verbindet Grundlagen aus Deutsch, Sprachwissenschaft und Kommunikation.

Du lernst, wie Sprache aufgebaut ist, warum Menschen je nach Situation unterschiedlich sprechen oder schreiben und wie Dialekt, Jugendsprache, Fachsprache und Standardsprache zusammenhängen. Außerdem untersuchst Du, wie Missverständnisse entstehen und warum Sprache sich ständig verändert.


Sprache als System

Sprache ist ein System von Zeichen und Regeln. Mit Sprache können Menschen Gegenstände benennen, Gedanken ausdrücken, Fragen stellen, Gefühle mitteilen, Wissen weitergeben und Handlungen auslösen.

Ein sprachliches Zeichen verbindet eine Form mit einer Bedeutung. Das Wort „Baum“ besteht zum Beispiel aus Lauten oder Buchstaben und verweist auf eine bestimmte Vorstellung. Welche Bedeutung eine Äußerung genau hat, hängt oft auch vom Zusammenhang ab.


Sprachebenen

Sprache kann auf verschiedenen Ebenen untersucht werden:

  1. Phonologie: untersucht Laute und Lautsysteme.
  2. Morphologie: untersucht den Aufbau von Wörtern.
  3. Syntax: untersucht den Aufbau von Sätzen.
  4. Semantik: untersucht sprachliche Bedeutungen.
  5. Pragmatik: untersucht, wie Äußerungen in konkreten Situationen verwendet und verstanden werden.

Ein Satz kann grammatisch korrekt sein und trotzdem je nach Situation etwas Unterschiedliches bedeuten. „Hier ist es kalt“ kann eine Feststellung sein, aber auch indirekt die Bitte bedeuten, ein Fenster zu schließen.


Gesprochene, geschriebene und gebärdete Sprache

Sprache begegnet Dir in verschiedenen Formen. Lautsprachen werden gesprochen und gehört. Schrift stellt Sprache grafisch dar. Gebärdensprachen nutzen vor allem Handformen, Bewegungen, Körperhaltung und Gesichtsausdruck und besitzen eigene grammatische Strukturen.


Sprachgebrauch

Sprachgebrauch bedeutet die konkrete Verwendung von Sprache. Menschen wählen Wörter, Satzbau, Tonfall und Ausdruck passend zur jeweiligen Situation.

Wichtige Bedingungen sind zum Beispiel Gesprächspartner, Ort, Thema, Ziel und Medium. Mit einer Lehrkraft sprichst Du möglicherweise anders als mit Freunden. Eine Bewerbung wird meist anders formuliert als eine private Chatnachricht.

Sprachliche Angemessenheit bedeutet deshalb nicht, dass es nur eine einzige richtige Ausdrucksweise gibt. Entscheidend ist, ob eine Formulierung zur Situation und zum Kommunikationsziel passt.


Sprachregister

Ein Sprachregister ist eine Ausdrucksweise, die zu einer bestimmten Situation passt. Ein formelles Register verwendet meist vollständige, sachliche und eher standardsprachliche Formulierungen. Ein informelles Register kann lockerer, persönlicher und stärker verkürzt sein.

Beispiel:

Formell: „Könnten Sie mir bitte mitteilen, wann die Veranstaltung beginnt?“

Informell: „Weißt du, wann es losgeht?“

Beide Äußerungen können passend sein. Ihre Angemessenheit hängt von der Situation ab.


Sprachvarietäten

Eine Sprache besteht nicht aus nur einer einzigen unveränderlichen Form. Unterschiedliche Ausprägungen einer Sprache werden als Sprachvarietäten bezeichnet.

  1. Standardsprache: überregional geregelte Varietät, die besonders in Schule, Verwaltung und vielen öffentlichen Texten verwendet wird.
  2. Dialekt: regional geprägte Varietät mit Besonderheiten in Aussprache, Wortschatz und teilweise Grammatik.
  3. Regiolekt: regionale Alltagssprache, die häufig näher an der Standardsprache liegt als ein ausgeprägter Dialekt.
  4. Soziolekt: sprachliche Merkmale, die mit bestimmten sozialen Gruppen verbunden sein können.
  5. Jugendsprache: wechselnde Ausdrucksweisen, die besonders in Gruppen Jugendlicher auftreten können; sie ist nicht überall gleich.
  6. Fachsprache: sprachliche Mittel eines bestimmten Fach- oder Berufsbereichs.


Standard und Variation

Die Standardsprache erleichtert überregionale Verständigung. Andere Varietäten sind deshalb nicht automatisch schlechter oder fehlerhaft. Dialekte und regionale Formen können zum Beispiel Zugehörigkeit ausdrücken und kulturelle Traditionen bewahren.

Menschen können zwischen verschiedenen Varietäten und Registern wechseln. Dieses situationsbezogene Wechseln wird häufig als Code-Switching oder Registerwechsel beschrieben, wobei die Begriffe je nach sprachwissenschaftlichem Zusammenhang unterschiedlich verwendet werden.


Kommunikation

Sprache ist ein wichtiges Mittel der Kommunikation, aber Kommunikation besteht nicht nur aus Wörtern. Auch Stimme, Sprechtempo, Pausen, Blickkontakt, Mimik, Gestik und Körperhaltung beeinflussen das Verstehen.

Ein einfaches Sender-Empfänger-Modell beschreibt Kommunikation so: Eine Person formuliert eine Nachricht, übermittelt sie über einen Kanal und eine andere Person deutet sie. In wirklichen Gesprächen wechseln diese Rollen ständig, weil Menschen zugleich reagieren und Rückmeldungen geben.


Warum Missverständnisse entstehen

Missverständnisse können entstehen, wenn Wörter mehrdeutig sind, Vorwissen fehlt, Ironie nicht erkannt wird oder nonverbale Signale anders gedeutet werden.

Auch das Vier-Seiten-Modell von Friedemann Schulz von Thun kann helfen, Äußerungen zu untersuchen. Es unterscheidet bei einer Nachricht vier mögliche Seiten: Sachinhalt, Selbstoffenbarung, Beziehung und Appell. Das Modell ist ein Analysewerkzeug für Kommunikation und keine Behauptung, dass jede Äußerung immer eindeutig in vier getrennte Teile zerfällt.


Sprache in digitalen Medien

In Chats, sozialen Netzwerken und Messengern entstehen eigene Schreibgewohnheiten. Dazu gehören Abkürzungen, Emojis, Sprachnachrichten, Hashtags und bewusst verkürzte Sätze.

Digitale Kommunikation kann Merkmale von gesprochener und geschriebener Sprache verbinden. Eine Chatnachricht ist zwar geschrieben, kann aber spontan, dialogisch und informell wirken.

Bei digitalen Texten ist besonders wichtig, den Kontext zu beachten. Ironie oder scherzhafte Aussagen können ohne Stimme und Gesichtsausdruck leichter missverstanden werden. Emojis können zusätzliche Hinweise geben, sind aber ebenfalls nicht immer eindeutig.


Sprachwandel

Sprachwandel bedeutet, dass sich Sprache im Laufe der Zeit verändert. Neue Wörter entstehen, alte Wörter verschwinden oder verändern ihre Bedeutung. Auch Aussprache und grammatische Formen können sich langfristig wandeln.

Ursachen sind unter anderem gesellschaftliche Veränderungen, neue Technologien, Kontakte zwischen Sprachen und neue Kommunikationsformen. Entlehnungen wie „Team“, „Computer“ oder „Download“ zeigen, dass Sprachen Wörter aus anderen Sprachen übernehmen können.

Sprachwandel ist ein normaler Bestandteil lebender Sprachen. Sprachliche Normen können sich ebenfalls verändern, allerdings nicht jede kurzfristige Mode wird dauerhaft Teil der Standardsprache.


Sprache beobachten und untersuchen

Wenn Du Sprachgebrauch analysierst, kannst Du systematisch vorgehen:

  1. Kommunikationssituation: Wer spricht oder schreibt mit wem?
  2. Kommunikationsziel: Was soll erreicht werden?
  3. Wortwahl: Sind Wörter sachlich, emotional, fachsprachlich, regional oder umgangssprachlich?
  4. Satzbau: Sind die Sätze kurz, lang, vollständig oder verkürzt?
  5. Register: Ist die Sprache eher formell oder informell?
  6. Wirkung: Wie kann die Äußerung auf andere wirken?

So lässt sich erklären, warum dieselbe Person in verschiedenen Situationen unterschiedlich spricht und schreibt.


Interaktive Aufgaben


Quiz: Teste Dein Wissen

Was beschreibt der Begriff Sprachgebrauch am besten? (Die konkrete Verwendung von Sprache in einer bestimmten Situation) (!Nur die Rechtschreibung einzelner Wörter) (!Nur die Geschichte einer Sprache) (!Nur die Aussprache von Lauten)




Welche sprachwissenschaftliche Ebene untersucht den Aufbau von Sätzen? (Syntax) (!Semantik) (!Phonologie) (!Pragmatik)




Was ist ein Dialekt? (Eine regional geprägte Sprachvarietät) (!Eine weltweit einheitliche Fachsprache) (!Eine absichtlich falsche Standardsprache) (!Eine ausschließlich schriftliche Sprache)




Was kennzeichnet Fachsprache besonders? (Sie enthält sprachliche Mittel eines bestimmten Fachgebiets) (!Sie wird nur von Jugendlichen verwendet) (!Sie besteht ausschließlich aus Fremdwörtern) (!Sie darf keine vollständigen Sätze enthalten)




Was ist ein Sprachregister? (Eine an eine bestimmte Situation angepasste Ausdrucksweise) (!Eine Liste aller Wörter einer Sprache) (!Ein Verzeichnis von Dialektgebieten) (!Eine Sammlung von Rechtschreibfehlern)




Welche Aussage über Kommunikation ist richtig? (Auch Mimik und Gestik können Bedeutung vermitteln) (!Kommunikation besteht ausschließlich aus Wörtern) (!Tonfall spielt beim Verstehen keine Rolle) (!Schweigen kann niemals etwas mitteilen)




Was untersucht die Pragmatik? (Die Verwendung und Bedeutung von Äußerungen im Kontext) (!Nur die Anzahl der Buchstaben) (!Nur die Herkunft des Alphabets) (!Nur die Bildung einzelner Laute)




Welche Aussage zu Jugendsprache trifft zu? (Sie kann sich schnell verändern und ist nicht überall gleich) (!Sie ist eine einheitliche Sprache aller Jugendlichen) (!Sie darf nur mündlich verwendet werden) (!Sie verändert sich grundsätzlich nie)




Was bedeutet Sprachwandel? (Sprache verändert sich im Laufe der Zeit) (!Eine Sprache verliert automatisch alle Regeln) (!Jedes neue Wort ersetzt sofort ein altes) (!Standardsprache bleibt immer vollständig unverändert)




Warum kann eine Chatnachricht leichter missverstanden werden? (Weil Tonfall und Mimik häufig fehlen) (!Weil geschriebene Sprache keine Bedeutung hat) (!Weil Chats keine Wörter enthalten) (!Weil digitale Texte immer Fachsprache sind)





Memory

Dialekt regionale Sprachvarietät
Syntax Satzbau
Semantik Bedeutung
Pragmatik Sprachgebrauch im Kontext
Fachsprache Sprache eines Fachgebiets
Sprachwandel Veränderung von Sprache über Zeit





Drag and Drop

Ordne die richtigen Begriffe zu. Thema
Standardsprache überregional geregelte Sprachform
Dialekt regional geprägte Sprachform
Fachsprache Ausdrucksweise eines Fachgebiets
Jugendsprache gruppenbezogene und wandelbare Ausdrucksweisen Jugendlicher
Register situationsabhängige Ausdrucksweise





Kreuzworträtsel

Syntax Welche sprachwissenschaftliche Ebene untersucht den Satzbau?
Dialekt Wie heißt eine regional geprägte Sprachvarietät?
Semantik Welche Disziplin untersucht sprachliche Bedeutung?
Register Wie nennt man eine situationsabhängige Ausdrucksweise?
Pragmatik Welche Disziplin untersucht Sprachgebrauch im Kontext?
Soziolekt Wie heißt eine Sprachvarietät, die mit sozialen Gruppen verbunden sein kann?





LearningApps


Lückentext

Vervollständige den Text.
Sprache ist ein System aus Zeichen und

. Die Lehre vom Satzbau heißt

. Die Untersuchung sprachlicher Bedeutung nennt man

. Wie Äußerungen in konkreten Situationen verwendet werden, untersucht die

. Eine regional geprägte Sprachvarietät nennt man

. Eine situationsabhängige Ausdrucksweise heißt

. Sprache eines bestimmten Fachgebiets wird als

bezeichnet. Veränderungen einer Sprache über längere Zeit nennt man

. Bei Kommunikation können neben Wörtern auch

und Mimik Bedeutung vermitteln. In digitalen Nachrichten kann fehlender

Missverständnisse begünstigen.




Offene Aufgaben


Leicht

  1. Sprachbeobachtung: Sammle fünf verschiedene Formulierungen für eine Begrüßung und ordne sie von eher formell bis eher informell.
  2. Dialekt: Suche drei Wörter oder Ausdrücke aus Deiner Region und notiere ihre standardsprachlichen Entsprechungen.
  3. Chat-Sprache: Untersuche einen erfundenen kurzen Chat auf Abkürzungen, Emojis und verkürzte Sätze.
  4. Kommunikation: Fotografiere oder zeichne drei unterschiedliche Gesten und beschreibe, was sie in einem passenden Kontext bedeuten können.


Standard

  1. Sprachregister: Formuliere dieselbe Bitte einmal an eine Lehrkraft, einmal an einen Freund und einmal als formelle E-Mail. Vergleiche Deine Wortwahl.
  2. Sprachvarietät: Erstelle ein Lernplakat, das Standardsprache, Dialekt, Regiolekt, Soziolekt und Fachsprache mit eigenen Beispielen unterscheidet.
  3. Missverständnis: Schreibe einen kurzen Dialog, in dem eine mehrdeutige Aussage zu einem Missverständnis führt. Erkläre anschließend die Ursache.
  4. Gebärdensprache: Recherchiere grundlegende Informationen zur Deutschen Gebärdensprache und gestalte eine kurze Infokarte über ihre sprachlichen Besonderheiten.


Schwer

  1. Sprachwandel: Vergleiche einen älteren deutschen Text mit einem heutigen Text und untersuche Unterschiede in Wortschatz, Rechtschreibung und Satzbau.
  2. Kommunikationsanalyse: Nimm mit Zustimmung aller Beteiligten ein kurzes Rollenspiel auf und analysiere sprachliche, paraverbale und nonverbale Signale.
  3. Jugendsprache: Führe eine kleine anonyme Befragung zu aktuellen Ausdrücken durch und untersuche, welche Wörter nur in bestimmten Gruppen bekannt sind.
  4. Medienanalyse: Vergleiche die Sprache einer Nachrichtenseite, eines Chats und eines Werbeposts. Erkläre, wie Zielgruppe und Zweck den Sprachgebrauch verändern.




Text bearbeiten Bild einfügen Video einbetten Interaktive Aufgaben erstellen



Lernkontrolle

  1. Situationsvergleich: Erkläre, warum dieselbe Person in einem Bewerbungsgespräch anders sprechen kann als in einer privaten Unterhaltung. Nutze mindestens drei Fachbegriffe.
  2. Kommunikationsproblem: Analysiere eine erfundene Nachricht, die unterschiedlich verstanden werden kann, und zeige zwei mögliche Deutungen.
  3. Varietätenvergleich: Vergleiche Dialekt und Standardsprache hinsichtlich Reichweite, Funktion und möglicher Wirkung, ohne eine Form als grundsätzlich besser zu bewerten.
  4. Digitaler Sprachgebrauch: Erkläre anhand eines selbst gewählten Beispiels, wie Emojis oder Satzzeichen die Wirkung einer Nachricht verändern können.
  5. Sprachwandel erklären: Zeige an einem Beispiel, wie technische oder gesellschaftliche Veränderungen neue Wörter hervorbringen können.
  6. Transferaufgabe: Überarbeite eine sehr informelle Chatnachricht so, dass sie als höfliche E-Mail an eine Schule geeignet wäre. Begründe mindestens vier Änderungen.




Lernnachweis

Für einen Lernnachweis zu Sprache und Sprachgebrauch solltest Du zeigen können, dass Du:

  1. zentrale Sprachebenen wie Syntax, Semantik und Pragmatik unterscheiden kannst.
  2. erklären kannst, was Sprachgebrauch und Sprachregister bedeuten.
  3. wichtige Sprachvarietäten an Beispielen erkennst und beschreibst.
  4. sprachliche Entscheidungen mit Situation, Zielgruppe und Kommunikationsziel verbindest.
  5. sprachliche, paraverbale und nonverbale Mittel unterscheiden kannst.
  6. Ursachen für Missverständnisse analysieren kannst.
  7. Sprachwandel als normalen Prozess erklären und an Beispielen untersuchen kannst.
  8. eigene Texte adressaten- und situationsgerecht überarbeiten kannst.




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