Literarisches Lernen

Literarisches Lernen
Einleitung
Literarisches Lernen bezeichnet in der Deutschdidaktik zentrale Lernprozesse, die beim verstehenden und ästhetischen Umgang mit Literatur entstehen. Es geht dabei nicht nur darum, den Inhalt eines Textes wiederzugeben. Du lernst vielmehr, Vorstellungen zu entwickeln, sprachliche Gestaltung wahrzunehmen, Figurenperspektiven nachzuvollziehen, mit Fiktionalität und Mehrdeutigkeit umzugehen und eigene Deutungen im Gespräch am Text zu prüfen.
Zielgruppe: Dieser aiMOOC richtet sich vor allem an Studierende des Lehramts Deutsch und an Referendarinnen und Referendare. Als Vertiefung eignet er sich auch für die gymnasiale Oberstufe.

Ein besonders einflussreiches Modell stammt von dem Deutschdidaktiker Kaspar H. Spinner. Er formulierte 2006 elf Aspekte literarischen Lernens. Diese Aspekte bilden keine starre Reihenfolge und kein vollständiges Testsystem. Sie beschreiben vielmehr wichtige Fähigkeiten und Erfahrungen, die im Literaturunterricht angebahnt und miteinander verbunden werden können.
Was bedeutet literarisches Lernen?
Literarisches Lernen richtet den Blick auf die besondere Art, wie literarische Texte verstanden werden. Ein Gedicht, eine Kurzgeschichte, ein Roman oder ein Drama verlangt häufig mehr als das Entnehmen eindeutiger Informationen. Literarische Texte arbeiten mit Leerstellen, Perspektiven, sprachlichen Bildern, erfundenen Welten und mehrdeutigen Zusammenhängen.
Beim literarischen Lernen verbindest Du deshalb persönliche Beteiligung mit genauer Textwahrnehmung. Deine Gefühle, Erfahrungen und Vorstellungen dürfen eine Rolle spielen, müssen aber immer wieder mit dem Text abgeglichen werden. So entsteht ein Wechselspiel zwischen subjektiver Reaktion und genauer Analyse.

Abgrenzung zur Lesekompetenz
Lesekompetenz und literarisches Lernen gehören zusammen, sind aber nicht identisch. Sicheres Lesen bildet eine wichtige Grundlage. Literarisches Lernen richtet sich darüber hinaus auf ästhetische und deutende Prozesse.
| Bereich | Schwerpunkt | Beispiel |
|---|---|---|
| Lesekompetenz | Informationen erfassen, Zusammenhänge herstellen, Texte flüssig und verstehend lesen | Du entnimmst einer Erzählung, wann und wo eine Handlung stattfindet. |
| Literarisches Lernen | Vorstellungen, Sprache, Perspektiven, Fiktionalität, Mehrdeutigkeit und literarische Formen verstehen | Du untersuchst, wie eine Erzählperspektive Deine Wahrnehmung einer Figur beeinflusst. |
Literarisches Lernen verlangt deshalb nicht nur die Frage Was steht im Text?, sondern auch Fragen wie: Wie wirkt der Text? Warum wirkt er so? Welche Deutungen sind möglich? Wodurch lassen sie sich am Text begründen?
Die elf Aspekte nach Kaspar H. Spinner
Spinner beschreibt elf Aspekte, die unterschiedliche Seiten literarischer Erfahrung und literarischen Verstehens sichtbar machen.
| Aspekt | Worum geht es? | Didaktischer Fokus |
|---|---|---|
| Vorstellungen entwickeln | Beim Lesen und Hören entstehen innere Bilder, Klänge, Räume und Situationen. | Szenen zeichnen, beschreiben oder inszenieren |
| Subjektive Involviertheit und genaue Wahrnehmung verbinden | Persönliche Reaktionen werden mit genauer Textbeobachtung verknüpft. | Eindrücke äußern und mit Textstellen begründen |
| Sprachliche Gestaltung wahrnehmen | Wortwahl, Satzbau, Klang, Rhythmus und Stil werden als bedeutungstragend erkannt. | auffällige Formulierungen untersuchen |
| Figurenperspektiven nachvollziehen | Gedanken, Gefühle und begrenzte Sichtweisen literarischer Figuren werden erschlossen. | Perspektivwechsel, innerer Monolog, Figurenvergleich |
| Narrative und dramaturgische Handlungslogik verstehen | Handlungsverläufe, Spannungen, Konflikte und Verknüpfungen werden erkannt. | Wendepunkte und Ursache-Wirkungs-Beziehungen untersuchen |
| Mit Fiktionalität bewusst umgehen | Literarische Welten werden als gestaltet und erfunden erkannt, ohne ihren Bezug zur Wirklichkeit zu verlieren. | fiktionale und nichtfiktionale Darstellungen vergleichen |
| Metaphorische und symbolische Ausdrucksweise verstehen | Übertragene Bedeutungen, Symbole und sprachliche Bilder werden erschlossen. | Metaphern und Symbole kontextbezogen deuten |
| Unabschließbarkeit von Sinnbildung akzeptieren | Nicht jeder literarische Text besitzt nur eine einzige endgültige Bedeutung. | mehrere textnahe Deutungen prüfen |
| Mit dem literarischen Gespräch vertraut werden | Deutungen werden gemeinsam entwickelt, verglichen und am Text begründet. | offene, textbezogene Gesprächsführung |
| Prototypische Vorstellungen von Gattungen und Genres gewinnen | Wiederkehrende Merkmale literarischer Formen werden erkannt, ohne Gattungen auf starre Merkmalslisten zu reduzieren. | Beispiele aus Lyrik, Epik und Dramatik vergleichen |
| Literaturhistorisches Bewusstsein entwickeln | Texte werden in historische, kulturelle und literarische Zusammenhänge eingeordnet. | Sprache, Formen und Themen verschiedener Epochen vergleichen |
Fiktion, Perspektive und Vorstellungsbildung
Literarische Texte fordern Dich dazu auf, eine Textwelt gedanklich mitzugestalten. Dabei darf Vorstellungsbildung nicht mit beliebigem Fantasieren verwechselt werden. Gute Vorstellungen entstehen aus Hinweisen des Textes und können beim Weiterlesen verändert werden.

Gerade fantastische Literatur macht sichtbar, dass Fiktionalität nicht einfach das Gegenteil von Wahrheit ist. Ein erfundener Text kann Erfahrungen, Konflikte oder gesellschaftliche Fragen auf eine Weise gestalten, die für Leserinnen und Leser bedeutsam wird.
Gattungen und dramatische Formen
Gattungswissen entsteht nicht nur durch Definitionen. Durch wiederholte Begegnungen mit Gedichten, Erzählungen, Romanen und Dramen entwickelst Du prototypische Erwartungen. Diese helfen beim Verstehen, dürfen aber nicht zu starren Schablonen werden.

Literaturhistorisches Bewusstsein
Literatur entsteht in historischen Situationen. Sprache, Buchkultur, Themen, Erzählformen und Erwartungen verändern sich. Literaturhistorisches Lernen bedeutet deshalb, Unterschiede zwischen früheren und heutigen Textwelten wahrzunehmen und nach ihren Ursachen zu fragen.
Wie die Aspekte zusammenspielen
Die elf Aspekte sind im Unterricht meist gleichzeitig wirksam. Wenn Du zum Beispiel eine Kurzgeschichte liest, kannst Du Dir zunächst eine Szene vorstellen. Danach bemerkst Du eine auffällige Wortwahl, untersuchst die Perspektive einer Figur und stellst fest, dass mehrere Deutungen möglich sind. Im anschließenden Gespräch vergleichst Du Deine Lesart mit anderen und prüfst, welche Textstellen sie stützen.
Gerade dieses Zusammenspiel ist wichtig: Literarisches Lernen reduziert Literatur nicht auf eine Checkliste einzelner Techniken. Die Aspekte helfen vielmehr dabei, komplexe Lese- und Deutungsprozesse genauer zu beobachten und gezielt zu fördern.
Didaktische Umsetzung
Für literarisches Lernen eignen sich Aufgaben, die Wahrnehmung, Deutung und Gestaltung miteinander verbinden.
| Verfahren | Geförderter Schwerpunkt | Beispiel |
|---|---|---|
| Lesetagebuch | subjektive Involviertheit und genaue Wahrnehmung | Eindrücke notieren und mit Textstellen verbinden |
| Perspektivwechsel | Figurenverstehen | eine Szene aus Sicht einer anderen Figur schreiben |
| Standbild | Vorstellungsbildung und Konfliktwahrnehmung | Beziehungen zwischen Figuren körperlich darstellen |
| Textvergleich | Sprachbewusstsein und Gattungswissen | zwei unterschiedliche Darstellungen desselben Motivs vergleichen |
| Literarisches Gespräch | Mehrdeutigkeit und gemeinsame Sinnbildung | verschiedene Deutungen begründet diskutieren |
| Produktive Weitergestaltung | Fiktionalität, Formbewusstsein und Textverständnis | eine Leerstelle ergänzen oder eine Szene umgestalten |
Literarisches Gespräch
Im literarischen Gespräch geht es nicht darum, möglichst schnell die eine richtige Interpretation zu finden. Unterschiedliche Lesarten können nebeneinanderstehen, wenn sie nachvollziehbar und am Text begründet sind. Gleichzeitig bedeutet Offenheit nicht Beliebigkeit: Aussagen müssen sich an Formulierungen, Strukturen und Zusammenhängen des Textes prüfen lassen.

Eine lernförderliche Gesprächskultur ermöglicht Nachfragen, Widerspruch, Unsicherheit und Revision. Du darfst eine erste Deutung verändern, wenn andere Beobachtungen oder neue Textstellen überzeugender sind.
Handlungs- und produktionsorientierte Verfahren
Handlungs- und produktionsorientierter Literaturunterricht kann literarisches Lernen unterstützen, wenn kreative Tätigkeiten eng an den Text gebunden bleiben. Ein innerer Monolog, eine szenische Darstellung oder eine Umgestaltung ist besonders lernwirksam, wenn anschließend reflektiert wird, welche Textsignale die Gestaltung begründen und welche Deutung dadurch sichtbar wird.
Kritische Einordnung und Erweiterungen
Spinners Modell ist in der Literaturdidaktik sehr einflussreich, wurde aber auch weiterdiskutiert. Die elf Aspekte sind als offene Orientierung zu verstehen. In der Forschung wurden unter anderem soziale Lernprozesse, kulturelle Kontexte und die Bedeutung verschiedener Medien stärker hervorgehoben.
Eine weitere Diskussion betrifft die Gefahr, literarische Erfahrung in einzelne Teilfähigkeiten zu zerlegen. Literaturunterricht sollte die Aspekte deshalb nicht isoliert abarbeiten. Entscheidend bleibt die Begegnung mit einem literarischen Werk als ästhetischem Ganzen.
Auch digitale und audiovisuelle Formen können literarisches Lernen anregen. Film, Hörspiel, Graphic Novel, digitale Erzählformen oder Computerspiele mit narrativen Strukturen eröffnen neue Möglichkeiten für Perspektivübernahme, Fiktionalitätsbewusstsein und Medienvergleich. Dabei muss jeweils geprüft werden, welche literarischen und medialen Mittel Bedeutung erzeugen.
Merksätze
| Merksatz | Bedeutung |
|---|---|
| Literarisches Lernen ist mehr als Inhaltswiedergabe. | Es verbindet Wahrnehmung, Vorstellung, Deutung und Reflexion. |
| Subjektivität braucht Textbezug. | Persönliche Reaktionen werden mit genauer Beobachtung verbunden. |
| Mehrdeutigkeit ist nicht Beliebigkeit. | Unterschiedliche Deutungen benötigen nachvollziehbare Textbelege. |
| Die elf Aspekte bilden keine starre Reihenfolge. | Sie greifen in konkreten Leseprozessen ineinander. |
| Literaturlernen ist dialogisch. | Deutungen entwickeln sich auch im Austausch mit anderen. |
Fachliche Quellen und Vertiefung
- Kaspar H. Spinner: Literarisches Lernen. In: Praxis Deutsch 33, Heft 200, 2006, S. 6–16.
- Kaspar H. Spinner: Elf Aspekte auf dem Prüfstand. Verbirgt sich in den elf Aspekten literarischen Lernens eine Systematik? In: Leseräume 2, 2015, S. 188–194.
- Leseräume 2/2015: Elf Aspekte des literarischen Lernens auf dem Prüfstand.
- Matthis Kepser und Ulf Abraham: Literaturdidaktik Deutsch. Eine Einführung. 4. Auflage, Berlin 2016.
Interaktive Aufgaben
Quiz: Teste Dein Wissen
Was bezeichnet literarisches Lernen in der Deutschdidaktik? (Eine zentrale Zielstellung des Literaturunterrichts) (!Ein reines Training der Lesegeschwindigkeit) (!Eine Methode zum Auswendiglernen von Autorenbiografien) (!Eine ausschließlich grammatische Textanalyse)
Wer veröffentlichte 2006 die elf Aspekte literarischen Lernens? (Kaspar H. Spinner) (!Johann Wolfgang von Goethe) (!Wolfgang Iser) (!Bertolt Brecht)
Was verbindet der Aspekt subjektive Involviertheit und genaue Wahrnehmung? (Persönliche Reaktionen mit genauer Textbeobachtung) (!Freies Fantasieren ohne Textbezug) (!Ausschließlich historische Hintergrundinformationen) (!Nur das Bestimmen von Reimschemata)
Was bedeutet ein bewusster Umgang mit Fiktionalität? (Erfundene Textwelten als gestaltet wahrnehmen und ihren Wirklichkeitsbezug reflektieren) (!Jede literarische Aussage als historische Tatsache behandeln) (!Nur fantastische Texte lesen) (!Fiktion grundsätzlich für bedeutungslos halten)
Worauf richtet sich die aufmerksame Wahrnehmung sprachlicher Gestaltung? (Auf Wortwahl Satzbau Klang Rhythmus und Stil) (!Nur auf die Seitenzahl eines Textes) (!Nur auf die Biografie der Autorin oder des Autors) (!Nur auf die Länge der Kapitel)
Was wird beim Nachvollziehen einer Figurenperspektive besonders untersucht? (Die begrenzte Wahrnehmung und Sichtweise einer Figur) (!Die Drucktechnik des Buches) (!Die Anzahl der Absätze) (!Die Verkaufszahlen des Werkes)
Was bedeutet die Unabschließbarkeit literarischer Sinnbildung? (Mehrere textlich begründbare Deutungen können möglich bleiben) (!Jede beliebige Deutung ist automatisch richtig) (!Ein literarischer Text hat grundsätzlich keine Bedeutung) (!Eine Interpretation darf niemals verändert werden)
Was kennzeichnet ein literarisches Gespräch? (Deutungen werden ausgetauscht und am Text begründet) (!Nur die Lehrkraft darf eine Deutung nennen) (!Alle müssen dieselbe erste Meinung behalten) (!Der literarische Text wird nicht berücksichtigt)
Wie entsteht prototypisches Gattungswissen? (Durch wiederholte Begegnung mit typischen und variierenden Beispielen) (!Durch das Auswendiglernen einer einzigen Merkmalsliste) (!Nur durch das Lesen von Wörterbüchern) (!Nur durch biografische Daten)
Was gehört zum literaturhistorischen Bewusstsein? (Texte in historische und kulturelle Zusammenhänge einordnen) (!Literarische Texte nur nach ihrer Länge sortieren) (!Historische Unterschiede grundsätzlich ignorieren) (!Nur moderne Texte als Literatur anerkennen)
Memory
| Vorstellungsbildung | innere Szenen beim Lesen entwickeln |
| Involviertheit | persönliches Angesprochensein |
| Fiktionalität | bewusster Umgang mit erfundenen Welten |
| Figurenperspektive | Wahrnehmung aus Sicht einer Figur |
| Mehrdeutigkeit | mehrere textlich plausible Lesarten |
| Gattungswissen | prototypische Formen wiedererkennen |
| Literaturgeschichte | Texte historisch einordnen |
| Literaturgespräch | Deutungen gemeinsam prüfen |
Drag and Drop
| Ordne die richtigen Begriffe zu. | Thema |
|---|---|
| Vorstellungen entwickeln | innere Bilder Klänge und Räume erzeugen |
| Sprachliche Gestaltung wahrnehmen | Wortwahl Satzbau Rhythmus und Stil untersuchen |
| Figurenperspektiven nachvollziehen | Sichtweisen und Gefühle literarischer Figuren erschließen |
| Fiktionalität reflektieren | zwischen gestalteter Textwelt und Wirklichkeitsaussage unterscheiden |
| Literarisches Gespräch führen | Deutungen austauschen und textbezogen begründen |
Kreuzworträtsel
| Spinner | Wer formulierte die elf Aspekte literarischen Lernens? |
| Fiktionalität | Wie heißt der bewusste Umgang mit erfundenen literarischen Welten? |
| Perspektive | Welcher Begriff bezeichnet die Sichtweise einer Figur? |
| Metapher | Wie heißt ein sprachlicher Ausdruck mit übertragener Bedeutung? |
| Gattung | Wie nennt man eine grundlegende literarische Form oder Gruppe? |
| Mehrdeutigkeit | Wie heißt die Eigenschaft eines Textes mehrere begründbare Lesarten zu ermöglichen? |
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Lückentext
Offene Aufgaben
Leicht
- Lesetagebuch: Wähle einen kurzen literarischen Text und notiere drei Stellen, an denen besonders deutliche Vorstellungen oder Gefühle entstehen. Ergänze jeweils eine Textstelle als Begründung.
- Erzählperspektive: Schreibe eine kurze Szene aus der Sicht einer anderen Figur um und markiere anschließend, welche Informationen Du aus dem Ausgangstext übernommen hast.
- Metapher: Suche in einem Gedicht drei sprachliche Bilder und erkläre, welche Wirkung sie im jeweiligen Zusammenhang entfalten.
- Gattung: Vergleiche zwei kurze Texte unterschiedlicher Gattungen und notiere Gemeinsamkeiten sowie Unterschiede ihrer Gestaltung.
Standard
- Literarisches Gespräch: Führe in einer Kleingruppe ein zehnminütiges Gespräch über eine mehrdeutige Textstelle. Protokolliert, welche Deutungen durch konkrete Textbeobachtungen gestützt werden.
- Standbild: Setzt einen Konflikt zwischen zwei Figuren als Standbild um. Erläutert anschließend, welche Körperhaltungen und Abstände auf welche Textsignale zurückgehen.
- Fiktionalität: Formuliere eine literarische Szene als nüchternen Sachbericht um und untersuche anschließend, welche Wirkungen durch den Wechsel der Darstellungsweise verloren gehen.
- Medienvergleich: Vergleiche eine literarische Szene mit ihrer Umsetzung in Film, Hörspiel oder Graphic Novel. Untersuche, wie Perspektive und Atmosphäre jeweils erzeugt werden.
Schwer
- Unterrichtsplanung: Entwirf eine Unterrichtsstunde, in der mindestens drei Aspekte literarischen Lernens sinnvoll miteinander verbunden werden. Begründe die Auswahl der Aufgaben.
- Aufgabenanalyse: Untersuche eine bestehende Schulbuchaufgabe daraufhin, welche Aspekte literarischen Lernens sie tatsächlich anregt und welche kaum berücksichtigt werden. Überarbeite die Aufgabe.
- Mehrdeutigkeit: Entwickle zu einem geeigneten literarischen Text zwei unterschiedliche Interpretationshypothesen und belege beide mit Textstellen. Zeige anschließend, wo ihre Grenzen liegen.
- Unterrichtsforschung: Analysiere ein anonymisiertes oder veröffentlichtes Transkript eines Literaturgesprächs. Untersuche, wann subjektive Beiträge zu genauerer Textwahrnehmung führen und wann sie ohne Textbezug bleiben.


Lernkontrolle
- Fallanalyse: Eine Lerngruppe kann den Inhalt einer Kurzgeschichte korrekt wiedergeben, diskutiert aber weder sprachliche Auffälligkeiten noch unterschiedliche Deutungen. Erkläre, welche Bereiche literarischen Lernens noch gezielt gefördert werden sollten.
- Aufgabenkritik: Beurteile eine Aufgabe mit dem Arbeitsauftrag „Nenne drei Stilmittel“. Formuliere eine Variante, die stärker auf literarisches Lernen zielt, und begründe Deine Veränderung.
- Interpretationsvergleich: Vergleiche zwei unterschiedliche Deutungen desselben Textes. Prüfe für beide, welche Textbelege sie stützen und an welchen Stellen sie spekulativ werden.
- Transfer: Übertrage drei Aspekte literarischen Lernens auf einen Film oder eine Graphic Novel und erläutere, welche medienspezifischen Veränderungen dabei notwendig sind.
- Gesprächsdiagnose: Analysiere ein fiktives Unterrichtsgespräch, in dem nur nach vorgegebenen Lösungen gefragt wird. Entwickle Gesprächsimpulse, die Mehrdeutigkeit und eigenständige Deutungen besser ermöglichen.
- Modellkritik: Erkläre, warum die elf Aspekte hilfreich sind, aber problematisch werden können, wenn sie nur als isolierte Checkliste verwendet werden. Entwickle ein alternatives Vorgehen für eine konkrete Unterrichtssituation.
Lernnachweis
Für einen Lernnachweis zu Literarisches Lernen ist wichtig, dass Du Zusammenhänge erklären und auf konkrete Texte oder Unterrichtssituationen übertragen kannst.
- Du kannst literarisches Lernen von allgemeiner Lesekompetenz unterscheiden.
- Du kannst die elf Aspekte nach Spinner fachlich korrekt erläutern.
- Du kannst an Textbeispielen zeigen, wie mehrere Aspekte zusammenwirken.
- Du kannst Aufgaben danach beurteilen, welches literarische Lernen sie ermöglichen.
- Du kannst Mehrdeutigkeit von beliebiger Interpretation unterscheiden.
- Du kannst literarische Gespräche und produktive Verfahren fachlich begründen.
- Du kannst das Modell kritisch als offene Orientierung und nicht als starre Stufenfolge einordnen.
OERs zum Thema
Verknüpfte Lernbereiche
Literarisches Lernen verbindet Textverstehen, ästhetische Erfahrung, sprachliche Wahrnehmung, Interpretation und Gespräch. Besonders eng ist das Thema mit Literaturdidaktik, Lesekompetenz, Rezeptionsästhetik, Erzählperspektive, Fiktionalität, Metapher, Symbol, Gattung, Literaturgeschichte und Handlungs- und produktionsorientierter Literaturunterricht verknüpft.
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