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Transferfall Wahrheit

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Transferfall Wahrheit



Transferfall Wahrheit


Einleitung

Was bedeutet es, wenn Du sagst: „Das ist wahr“? Im Alltag wirkt die Antwort oft einfach. Doch sobald Bilder bearbeitet, Aussagen verkürzt, Quellen verwechselt oder Informationen aus ihrem Zusammenhang gerissen werden, wird die Frage anspruchsvoller.

Der Titel Transferfall Wahrheit bezeichnet in diesem aiMOOC keine eigene philosophische Wahrheitstheorie. Er beschreibt eine didaktische Anwendungssituation: Du überträgst Grundbegriffe aus Erkenntnistheorie, Wahrheitstheorie und Medienkompetenz auf einen konkreten Fall.

Zielgruppe: Sekundarstufe II, besonders Philosophie, Ethik, Religion und Medienbildung.

Du lernst, Behauptungen präzise zu formulieren, Belege zu prüfen, verschiedene Wahrheitstheorien anzuwenden und zwischen Wahrheit, Überzeugung, Gewissheit, Irrtum und Lüge zu unterscheiden.


Der Transferfall

Stell Dir folgende Situation vor:

In einem schulweiten Messenger verbreitet sich das Foto eines angeblichen Aushangs. Darauf steht: „Morgen fällt der Unterricht aus, weil das Trinkwasser belastet ist.“ Das Schullogo ist zu sehen. Ein unbekannter Account behauptet, das Bild stamme aus dem Sekretariat. Viele Lernende teilen die Nachricht weiter. Auf der offiziellen Schulwebsite und im offiziellen Informationssystem findet sich zunächst keine entsprechende Mitteilung.

Später stellt die Schule klar: Der Aushang wurde manipuliert. Der Unterricht findet statt.

Dieser erfundene Fall ist einfach, enthält aber viele typische Fragen der Wahrheitssuche: Was genau wurde behauptet? Welche Belege gab es? Wie zuverlässig war die Quelle? Hätte man die Behauptung schon vorher prüfen können? War jede Person, die sie weiterleitete, automatisch eine Lügnerin oder ein Lügner?


Behauptung, Beleg und Wahrheit

Zuerst musst Du die eigentliche Behauptung von allem Begleitenden trennen. Im Fall lautet sie beispielsweise:

„Morgen fällt der Unterricht wegen belasteten Trinkwassers aus.“

Ein Foto, ein Screenshot oder eine häufig geteilte Nachricht ist noch kein Beweis dafür, dass diese Aussage wahr ist. Solche Materialien sind zunächst Belege, deren Aussagekraft geprüft werden muss.

Wichtig ist die Unterscheidung:

  1. Wahrheit: Eine Aussage ist wahr oder falsch; wie Wahrheit genau bestimmt wird, erklären verschiedene Wahrheitstheorien unterschiedlich.
  2. Beleg: Ein Beleg spricht für oder gegen eine Behauptung. Ein schwacher oder gefälschter Beleg kann täuschen.
  3. Gewissheit: Gewissheit beschreibt, wie sicher sich eine Person fühlt. Sehr große Gewissheit garantiert keine Wahrheit.
  4. Wahrhaftigkeit: Wahrhaftig handelt, wer aufrichtig sagt, was er oder sie für wahr hält.
  5. Irrtum: Eine Person kann eine falsche Aussage für wahr halten, ohne täuschen zu wollen.
  6. Lüge: Von einer Lüge spricht man gewöhnlich dann, wenn jemand bewusst etwas Unwahres als wahr darstellt.


Wahrnehmung ist nicht identisch mit Wirklichkeit

Menschen nehmen Wirklichkeit nicht wie eine Kamera auf. Wahrnehmung verarbeitet Reize, ergänzt Informationen und kann mehrdeutig sein. Optische Täuschungen zeigen, dass ein unmittelbarer Eindruck nicht immer zuverlässig ist.

Beim bekannten Kippbild können dieselben Linien als Ente oder als Hase gesehen werden. Das Bild selbst verändert sich dabei nicht. Was sich verändert, ist Deine Interpretation.

Bei der Müller-Lyer-Täuschung wirken gleich lange Strecken unterschiedlich lang. Solche Beispiele beweisen nicht, dass jede Wahrnehmung falsch ist. Sie zeigen aber, dass Wahrnehmung geprüft werden kann und manchmal geprüft werden muss.


Platon: Vom Schatten zur Erkenntnis

Platons Höhlengleichnis veranschaulicht ein grundlegendes erkenntnistheoretisches Problem. Gefesselte Menschen sehen nur Schatten und halten diese für die Wirklichkeit, weil ihnen andere Erfahrungen fehlen. Der Aufstieg aus der Höhle steht sinnbildlich für einen anspruchsvollen Erkenntnisprozess.

Für den Transferfall ist entscheidend: Eine Information kann glaubwürdig wirken, weil sie in das bisherige Bild der Situation passt. Erkenntnis verlangt jedoch mehr als den ersten Eindruck. Du musst Perspektive, Herkunft und Gründe prüfen.


Descartes: Zweifel als Methode

René Descartes machte den Zweifel zu einem methodischen Werkzeug. Er fragte, welche Überzeugungen auch dann Bestand haben, wenn Wahrnehmungen oder bisherige Annahmen angezweifelt werden.

Methodischer Zweifel bedeutet nicht, grundsätzlich alles abzulehnen. Er bedeutet, Gründe für eine Überzeugung zu untersuchen. Im Transferfall wäre die Frage also nicht: „Glaube ich dem Bild?“, sondern: „Welche unabhängigen Gründe sprechen dafür, dass der angebliche Aushang echt ist?“


Hume: Erfahrung und vorsichtige Schlüsse

David Hume betonte die Bedeutung der Erfahrung für unsere Erkenntnis. Gleichzeitig machte er darauf aufmerksam, dass wir aus bisherigen Erfahrungen häufig Erwartungen für die Zukunft ableiten, ohne dadurch absolute Gewissheit zu erhalten.

Für den Transferfall heißt das: Vielleicht wurden frühere schulische Mitteilungen tatsächlich über Aushänge verbreitet. Daraus folgt aber nicht, dass jeder Aushang mit Schullogo echt sein muss. Erfahrung kann eine Einschätzung stützen, ersetzt aber nicht die Prüfung des konkreten Falls.


Vier Zugänge zur Wahrheit

Wahrheitstheorien versuchen auf unterschiedliche Weise zu erklären, wann eine Aussage als wahr verstanden werden kann. Für einen Transferfall sind besonders vier Zugänge hilfreich.


Korrespondenztheorie

Die Korrespondenztheorie verbindet Wahrheit mit der Übereinstimmung zwischen einer Aussage und dem tatsächlichen Sachverhalt.

Auf den Transferfall angewandt lautet die Leitfrage:

Entspricht die Behauptung der Wirklichkeit?

Wenn der Unterricht stattfindet und keine entsprechende Schließung beschlossen wurde, ist die Aussage „Morgen fällt der Unterricht aus“ falsch.

Die Stärke dieses Zugangs liegt in seiner Klarheit. Schwieriger ist oft nicht die Idee selbst, sondern die Frage, wie wir zuverlässig feststellen, wie der Sachverhalt tatsächlich beschaffen ist.


Kohärenztheorie

Nach kohärenztheoretischen Ansätzen gewinnt eine Aussage ihre Plausibilität durch ihren widerspruchsfreien Zusammenhang mit anderen Aussagen eines Systems.

Im Transferfall könntest Du prüfen:

Passt der angebliche Unterrichtsausfall zu anderen verlässlichen Informationen? Gibt es eine offizielle Warnung? Stimmen Datum, Absender, Formulierungen und Veröffentlichungswege mit bekannten Mitteilungen überein?

Kohärenz ist hilfreich, aber nicht allein ausreichend. Auch eine erfundene Geschichte kann in sich widerspruchsfrei aufgebaut sein.


Konsens- und Diskurstheorie

Konsens- und diskurstheoretische Ansätze betonen die Bedeutung begründeter Verständigung. Entscheidend ist nicht bloß, wie viele Menschen etwas glauben. Eine Mehrheit kann sich irren.

Für den Transferfall ist deshalb wichtig, ob informierte Beteiligte unter nachvollziehbaren Bedingungen dieselben Belege prüfen und zu einem begründeten Urteil gelangen.

Viele Weiterleitungen sind kein Wahrheitskriterium. Ein belastbarer Konsens setzt bessere Gründe voraus als bloße Zustimmung.


Pragmatische Wahrheitstheorien

Pragmatische Wahrheitstheorien richten den Blick auf Bewährung in Erfahrung, Untersuchung und Praxis. Eine Behauptung muss sich in überprüfbaren Zusammenhängen bewähren.

Im Transferfall kann beispielsweise geprüft werden, ob offizielle Abläufe, Messwerte, Mitteilungen und tatsächliche Ereignisse die Behauptung bestätigen.

Dabei gilt: Eine nützliche Behauptung ist nicht automatisch wahr. Praktische Bewährung ist ein Prüfweg, keine Einladung, Wahrheit mit bloßer Nützlichkeit gleichzusetzen.


Überblick

Zugang Leitfrage im Transferfall Grenze
Korrespondenz Stimmt die Aussage mit dem Sachverhalt überein? Der Sachverhalt muss zuverlässig festgestellt werden.
Kohärenz Passt die Aussage widerspruchsfrei zu gesicherten Informationen? Auch eine Fiktion kann in sich kohärent sein.
Konsens und Diskurs Trägt die Aussage einer offenen, begründeten Prüfung stand? Mehrheit allein erzeugt keine Wahrheit.
Pragmatismus Bewährt sich die Annahme in systematischer Prüfung und Erfahrung? Nützlichkeit allein genügt nicht.


Wahrheit im digitalen Raum

Digitale Medien erleichtern den Zugang zu Informationen, aber auch das Kopieren, Bearbeiten und schnelle Verbreiten von Inhalten. Ein Bild kann echt und trotzdem irreführend sein, wenn es aus einem anderen Zusammenhang stammt. Ein Screenshot kann verändert worden sein. Ein Video kann gekürzt oder durch KI bearbeitet sein.

Deepfakes sind KI-erzeugte oder KI-manipulierte Bild-, Ton- oder Videoinhalte, die authentisch wirken können. Deshalb ist der Satz „Ich habe es doch gesehen“ als alleiniger Wahrheitsbeleg unzureichend.


Fehl-, Falsch- und Desinformation

Für eine präzise Analyse lohnt sich eine Unterscheidung:

  1. Fehlinformation: Eine falsche Information wird weitergegeben, ohne dass zwingend eine Täuschungsabsicht vorliegt.
  2. Desinformation: Falsche oder irreführende Information wird gezielt eingesetzt, um andere zu täuschen oder zu beeinflussen.
  3. Fake News: Der Ausdruck wird häufig für absichtlich falsche oder irreführende Inhalte im Nachrichtenstil verwendet, ist aber im öffentlichen Sprachgebrauch nicht immer eindeutig.
  4. Manipulation: Auch echte Bestandteile können durch Auswahl, Schnitt, Überschrift oder fehlenden Kontext irreführend wirken.


Ein Prüfverfahren für den Transferfall

Eine gute Wahrheitsprüfung beginnt nicht mit der Frage, ob Dir eine Aussage gefällt. Sie beginnt mit einer klaren Behauptung und überprüfbaren Schritten.

  1. Behauptung formulieren: Schreibe möglichst genau auf, was angeblich wahr sein soll.
  2. Originalquelle suchen: Finde heraus, wo die Information zuerst veröffentlicht wurde und wer verantwortlich ist.
  3. Datum und Kontext prüfen: Alte, verkürzte oder aus einem anderen Zusammenhang stammende Inhalte können täuschen.
  4. Belege untersuchen: Welche Dokumente, Messungen, Bilder, Zeugnisse oder Daten werden tatsächlich vorgelegt?
  5. Unabhängig gegenprüfen: Suche nach voneinander unabhängigen, geeigneten Quellen.
  6. Alternative Erklärungen prüfen: Könnte das Material echt, aber falsch eingeordnet sein? Könnte eine Datei bearbeitet worden sein?
  7. Urteil abstufen: Unterscheide zwischen bestätigt, widerlegt und derzeit nicht ausreichend überprüfbar.
  8. Korrekturen zulassen: Ein rationales Urteil darf sich ändern, wenn bessere Belege auftauchen.


Anwendung auf den Fall

Im Beispiel sprechen mehrere Punkte gegen vorschnelles Teilen: unbekannter Absender, keine Bestätigung auf offiziellen Kanälen und nur ein einzelnes Bild als Beleg.

Eine angemessene Reaktion wäre deshalb nicht sofort „wahr“ oder „gelogen“, sondern zunächst:

Die Behauptung ist noch nicht ausreichend bestätigt.

Danach werden Originalquelle und offizielle Informationen geprüft. Sobald die Schule nachweisbar erklärt, dass der Aushang manipuliert wurde und der Unterricht stattfindet, liegen starke Gründe vor, die ursprüngliche Behauptung als falsch einzustufen.

Dieser Ablauf zeigt einen wichtigen Unterschied: Nichtwissen ist nicht dasselbe wie Falschheit. Wenn Belege fehlen, kann das richtige Urteil vorläufig „ungeklärt“ lauten.


Typische Denkfehler

Beim Prüfen von Wahrheit können Denkgewohnheiten das Urteil verzerren.

  1. Bestätigungsfehler: Informationen, die zur eigenen Erwartung passen, werden leichter akzeptiert.
  2. Autoritätseffekt: Ein professionelles Aussehen oder ein bekannter Name kann stärker überzeugen, als die Beleglage rechtfertigt.
  3. Wiederholungseffekt: Häufig wiederholte Aussagen können vertrauter und dadurch glaubwürdiger wirken.
  4. Emotionalisierung: Empörung, Angst oder Begeisterung können zu vorschnellem Teilen führen.
  5. Scheinkonsens: Viele Likes oder Weiterleitungen wirken wie Zustimmung, zeigen aber nicht, ob die Aussage geprüft wurde.

Die Lösung besteht nicht darin, den eigenen Verstand grundsätzlich zu misstrauen. Sinnvoller ist es, besonders bei wichtigen oder überraschenden Behauptungen bewusst langsamer zu urteilen.


Wahrheit, Meinung und Werturteil

Nicht jede Aussage lässt sich auf dieselbe Weise prüfen.

„Die Schule beginnt um 8 Uhr“ ist eine überprüfbare Tatsachenbehauptung.

„Der Unterricht beginnt zu früh“ enthält eine Bewertung. Sie kann begründet und diskutiert werden, aber ihre Beurteilung hängt zusätzlich von Maßstäben und Interessen ab.

„Ich finde den Stundenplan anstrengend“ beschreibt eine persönliche Einschätzung.

Für eine saubere Diskussion musst Du daher zuerst klären, welche Art von Aussage vorliegt.


Kurzformel für den Transfer

Eine belastbare Wahrheitsprüfung lässt sich in fünf Fragen bündeln:

  1. Was genau wird behauptet?
  2. Woher stammt die Behauptung?
  3. Welche Belege gibt es?
  4. Welche unabhängigen Quellen bestätigen oder widerlegen sie?
  5. Welches Urteil ist angesichts der Belege gerechtfertigt?

Die wichtigste Haltung lautet: So sicher urteilen, wie es die Belege erlauben – aber nicht sicherer.


Interaktive Aufgaben


Quiz: Teste Dein Wissen

Was ist im Transferfall zuerst zu klären? (Die genaue Behauptung) (!Die Anzahl der Likes) (!Die persönliche Sympathie für den Absender) (!Die Länge des Beitrags)




Was beschreibt die Korrespondenztheorie? (Wahrheit als Übereinstimmung von Aussage und Sachverhalt) (!Wahrheit als meistgeteilte Meinung) (!Wahrheit als stärkstes Gefühl) (!Wahrheit als schönste Formulierung)




Was zeigt ein Kippbild wie Ente und Hase besonders deutlich? (Dieselben Reize können unterschiedlich interpretiert werden) (!Jede Wahrnehmung ist grundsätzlich falsch) (!Bilder können niemals Informationen vermitteln) (!Nur eine Mehrheit kann richtig sehen)




Was ist ein Irrtum? (Eine falsche Überzeugung ohne notwendige Täuschungsabsicht) (!Eine absichtlich erfundene Täuschung) (!Eine wahre Aussage mit vielen Belegen) (!Eine technische Bildbearbeitung)




Was reicht für einen belastbaren Konsens nicht aus? (Eine bloße Mehrheit) (!Begründete Argumente) (!Gemeinsam geprüfte Belege) (!Offene Kritik)




Was ist bei einem Screenshot besonders wichtig? (Originalquelle und Kontext zu prüfen) (!Nur die Schriftart zu betrachten) (!Die Zahl der Weiterleitungen zu zählen) (!Dem ersten Kommentar zu vertrauen)




Was ist ein Deepfake? (Ein durch KI erzeugter oder manipulierter Medieninhalt) (!Eine unveränderte Papierquelle) (!Eine philosophische Wahrheitstheorie) (!Ein mathematischer Beweis)




Welche Aussage über Kohärenz ist richtig? (Eine kohärente Geschichte kann trotzdem faktisch falsch sein) (!Kohärenz macht jede Aussage automatisch wahr) (!Kohärenz bedeutet Mehrheitsentscheidung) (!Kohärenz bedeutet persönliche Gewissheit)




Welches Urteil ist bei unzureichender Beleglage oft angemessen? (Die Behauptung ist derzeit ungeklärt) (!Die Behauptung ist sicher wahr) (!Die Behauptung ist sicher gelogen) (!Die Behauptung ist wahr, wenn sie oft geteilt wurde)




Welche Reaktion ist bei einer überraschenden ungeprüften Meldung sinnvoll? (Zuerst prüfen und erst danach weiterverbreiten) (!Sofort teilen und später nachfragen) (!Nur auf die Überschrift achten) (!Die eigene Erwartung als Beweis verwenden)





Memory

Korrespondenz Übereinstimmung mit einem Sachverhalt
Kohärenz Widerspruchsfreier Zusammenhang
Konsens Begründete Verständigung
Pragmatismus Bewährung in Untersuchung und Praxis
Irrtum Unbeabsichtigt falsche Überzeugung
Deepfake KI-manipulierter Medieninhalt
Quellenprüfung Kontrolle von Herkunft und Kontext





Drag and Drop

Ordne die richtigen Begriffe zu. Thema
Korrespondenz Aussage und Sachverhalt
Kohärenz Aussage und Aussagensystem
Quellenprüfung Information und Herkunft
Kontextprüfung Inhalt und ursprünglicher Zusammenhang
Wahrhaftigkeit Äußerung und aufrichtige Überzeugung





Kreuzworträtsel

Korrespondenz Welche Wahrheitstheorie fragt nach der Übereinstimmung von Aussage und Sachverhalt?
Kohärenz Welcher Begriff bezeichnet den widerspruchsfreien Zusammenhang von Aussagen?
Konsens Wie heißt die begründete Übereinstimmung nach gemeinsamer Prüfung?
Skepsis Wie heißt eine prüfende Haltung gegenüber unsicheren Behauptungen?
Quelle Was sollte bei einer Nachricht auf Herkunft und Zuverlässigkeit geprüft werden?
Deepfake Wie heißt ein realistisch wirkender KI-manipulierter Medieninhalt?





LearningApps


Lückentext

Vervollständige den Text.
Eine Aussage und der tatsächliche Sachverhalt stehen im Mittelpunkt der

. Ein widerspruchsfreier Zusammenhang von Aussagen wird als

bezeichnet. Das sichere Gefühl einer Person heißt

. Eine unbeabsichtigt falsche Überzeugung kann ein

sein. Bei digitalen Meldungen sollte zuerst die ursprüngliche

gesucht werden. Ein mit künstlicher Intelligenz manipulierter Medieninhalt kann ein

sein. Wenn die Belege noch nicht ausreichen, kann ein angemessenes Urteil zunächst

lauten.




Offene Aufgaben


Leicht

  1. Behauptungen erkennen: Sammle fünf Aussagen aus Deinem Alltag und ordne sie als Tatsachenbehauptung, Werturteil oder persönliche Einschätzung ein.
  2. Quellenvergleich: Suche zwei unterschiedliche Quellen zu demselben unpolitischen Sachthema und notiere, woran Du ihre Zuverlässigkeit prüfst.
  3. Kippbild erklären: Beschreibe mit eigenen Worten, was die Ente-Hase-Abbildung über Wahrnehmung zeigt und was sie nicht beweist.
  4. Wahrheitsbegriffe: Erstelle eine kleine Begriffskarte zu Wahrheit, Gewissheit, Wahrhaftigkeit, Irrtum und Lüge.


Standard

  1. Transferanalyse: Analysiere den Fall des angeblichen Schulaushangs mit der Korrespondenz-, Kohärenz- und Konsenstheorie.
  2. Faktencheck-Protokoll: Entwickle ein einseitiges Prüfschema für verdächtige Bilder, Screenshots und Kurzmeldungen.
  3. Medienvergleich: Untersuche an einem selbst gewählten Beispiel, wie ein echter Inhalt durch fehlenden Kontext irreführend wirken kann.
  4. Erklärvideo Wahrheit: Produziere ein zwei- bis dreiminütiges Lernvideo, in dem Du eine Wahrheitstheorie mit einem eigenen Beispiel erklärst.


Schwer

  1. Theorienvergleich: Prüfe, ob Korrespondenz, Kohärenz, Konsens und Pragmatismus im Transferfall zu denselben Ergebnissen führen müssen.
  2. Deepfake-Projekt: Entwickle einen Leitfaden, der erklärt, warum sichtbare Auffälligkeiten allein kein sicherer Deepfake-Nachweis sind und welche zusätzlichen Prüfungen nötig sind.
  3. Interview Medienkompetenz: Befrage eine Lehrkraft, Journalistin, Bibliotheksfachkraft oder andere geeignete Person dazu, wie Quellen professionell überprüft werden, und werte das Interview kritisch aus.
  4. Eigenen Transferfall entwickeln: Entwirf einen neuen, vollständig fiktiven Wahrheitsfall mit mindestens drei Belegen unterschiedlicher Qualität und einem begründeten Erwartungshorizont.




Text bearbeiten Bild einfügen Video einbetten Interaktive Aufgaben erstellen



Lernkontrolle

  1. Fallbewertung: Eine Nachricht stammt von einem unbekannten Account, enthält aber ein echtes Foto. Erkläre, warum das Foto allein die zugehörige Behauptung nicht beweist, und entwickle drei weitere Prüfschritte.
  2. Theorietransfer: Wende Korrespondenz- und Kohärenztheorie auf dieselbe Behauptung an und zeige, welche unterschiedlichen Fragen beide Ansätze stellen.
  3. Unsicherheit: Begründe, warum „noch nicht bestätigt“ weder dasselbe wie „wahr“ noch dasselbe wie „falsch“ ist.
  4. Wahrhaftigkeit und Wahrheit: Eine Person gibt ehrlich eine falsche Information weiter. Analysiere, welche Rolle Wahrheit, Irrtum und Wahrhaftigkeit in diesem Fall spielen.
  5. Digitale Belege: Entwickle Kriterien, mit denen Du die Aussagekraft eines Screenshots, Fotos oder Videos bewerten kannst, ohne Dich nur auf den sichtbaren Eindruck zu verlassen.
  6. Urteilsrevision: Beschreibe einen Fall, in dem eine zunächst vernünftige Einschätzung später geändert werden sollte, und erkläre, warum eine solche Korrektur ein Zeichen guter Erkenntnispraxis sein kann.




Lernnachweis

Für einen Lernnachweis zu diesem Thema solltest Du zeigen, dass Du nicht nur Begriffe wiedergeben, sondern sie auf neue Fälle übertragen kannst.

  1. Du formulierst die zu prüfende Behauptung präzise.
  2. Du unterscheidest Wahrheit, Beleg, Gewissheit, Wahrhaftigkeit, Irrtum und Lüge.
  3. Du kannst mindestens drei Wahrheitstheorien korrekt auf einen konkreten Fall anwenden.
  4. Du bewertest Quellen nach Herkunft, Kontext, Unabhängigkeit und Belegqualität.
  5. Du erkennst, dass Bilder, Screenshots und Videos echte Informationen enthalten und dennoch irreführend eingesetzt werden können.
  6. Du kennzeichnest Unsicherheit und vermeidest überstarke Schlussfolgerungen.
  7. Du kannst Dein Urteil nachvollziehbar begründen und bei neuen Belegen revidieren.




Quellen und Vertiefung

  1. Wikipedia: Wahrheit – Überblick über den Wahrheitsbegriff und philosophische Wahrheitstheorien.
  2. Wikipedia: Erkenntnistheorie – Überblick über Fragen nach Wissen, Begründung und Erkenntnis.
  3. Bundeszentrale für politische Bildung: Der Newstest – Übungen zur Informations- und Nachrichtenkompetenz.
  4. klicksafe: Desinformation und Meinung – Hinweise zum Prüfen von Quellen, Aktualität, Bildern und Videos.


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