Matthias Reim - Verdammt, ich lieb' dich

Matthias Reim - Verdammt, ich lieb' dich
Einleitung
„Verdammt, ich lieb’ dich“ ist die 1990 veröffentlichte Durchbruchssingle von Matthias Reim. Das Lied verbindet Schlager mit einer deutlich pop- und rockorientierten Klangsprache und wurde zu einem der prägenden deutschsprachigen Hits des Jahres 1990. Die Single erschien bei Polydor und erreichte in Deutschland Platz 1. In der Woche vom 3. bis 9. September 1990 stand sie nach 21 Chartwochen weiterhin an der Spitze; insgesamt blieb der Titel 16 Wochen auf Rang 1.[1]
Dieser aiMOOC untersucht die 1990er Originalaufnahme mit Blick auf Musikgeschichte, Songwriting, Arrangement, Harmonik, Rhythmus, Gesang, Instrumentierung, Produktion, Songform, Textanalyse und Rezeption. Dabei wird zwischen belegten Produktionsdaten, Aussagen des Künstlers und eigener didaktischer Höranalyse unterschieden.
Urheberrechtshinweis: Der vollständige Songtext wird hier bewusst nicht wiedergegeben. Als kurzes zulässiges Zitat erscheint nur die Titelformulierung „Verdammt, ich lieb’ dich“. Alle weiteren Aussagen zum Text sind Paraphrasen und Inhaltserschließungen. Auch die Notenbeispiele sind keine Abschrift der geschützten Melodie, sondern kurze selbst erstellte Analyseminiaturen.

Das Foto zeigt Matthias Reim 2006 bei einem Konzert in Eberswalde. Die Datei stammt von Wikimedia Commons und steht unter CC BY-SA 3.0 beziehungsweise GFDL.[2]
Das oben eingebettete Video ist das als Official Video veröffentlichte Musikvideo zur 1990er Aufnahme. Die YouTube-Einbettung dient hier als Hör- und Analysequelle; die Rechte an Ton und Bild verbleiben bei den jeweiligen Rechteinhabern.[3]
Entstehungsgeschichte
Matthias Reim arbeitete vor seinem Durchbruch vor allem als Komponist, Produzent und Arrangeur für andere Interpreten. In mehreren späteren Interviews beschrieb er die Entstehung von Verdammt, ich lieb’ dich als Folge einer beruflichen und persönlichen Krisensituation. Nach der Ablehnung einer von ihm betreuten Produktion für Bernhard Brink habe ihn besonders die Bemerkung eines Plattenfirmenmitarbeiters über ständig wiederkehrende Liebes- und Nichtliebes-Themen provoziert. Reim schilderte später, dass sich aus dieser Formulierung innerhalb kurzer Zeit die Songidee entwickelte.[4]
Der NDR berichtet ergänzend, Reim habe in seinem kleinen Studio in Göttingen an dem Titel gearbeitet und sich damals zugleich in einer Phase starken Liebeskummers befunden.[5] Beide Erzählstränge lassen sich zusammenlesen: Die berufliche Zurückweisung lieferte einen konkreten sprachlichen Impuls, während die persönliche Situation dem Thema emotionale Glaubwürdigkeit gab.
Reim erinnerte sich 2015 sehr konkret an den kompositorischen Ausgangspunkt: Er habe an einem Prophet-5 gesessen und zunächst mit den Akkorden C-Dur, G-Dur und d-Moll experimentiert.[6] Das ist eine besonders wertvolle Primärquellen-Aussage, weil sie nicht nur eine Anekdote, sondern auch einen Teil des musikalischen Entstehungsprozesses beschreibt.

Der Prophet-5 war ein programmierbarer polyphoner Analogsynthesizer. Das hier gezeigte Commons-Bild ist gemeinfrei.[7]
Zeitgeschichtlicher Kontext 1989–1990
Die Entstehung fällt in eine Zeit massiver gesellschaftlicher und medialer Veränderungen. Der Song wurde noch vor der deutschen Wiedervereinigung veröffentlicht. Im Sommer 1990 existierten bereits zahlreiche gemeinsame deutsch-deutsche Kultur- und Medienprojekte. Besonders aufschlussreich ist die vom SDR und dem DDR-Jugendradio DT64 veranstaltete Top 2000 D, die als erste gemeinsame deutsch-deutsche Hitparade bezeichnet wurde. Verdammt, ich lieb’ dich erreichte dort Platz 12; beim Finale auf dem Stuttgarter Wasen trat Matthias Reim mit dem Titel live auf.[8]
Der Blick in die deutschen Single-Charts im Juni und Juli 1990 zeigt zugleich, wie heterogen die populäre Musiklandschaft war: Reims Titel stand neben internationalem Dance-Pop, Rock, Synth-Pop und elektronischer Clubmusik von Acts wie Snap!, Depeche Mode, Madonna oder Adamski an der Spitze.[9] Der Erfolg lässt sich daher nicht einfach als Erfolg innerhalb einer abgeschlossenen Schlagerszene verstehen, sondern als massenmediales Popphänomen in einem stark gemischten Chartumfeld.

Göttingen war das regionale Zentrum, in dessen Umfeld Reim arbeitete und aufnahm. Das Bild zeigt die Göttinger Innenstadt; es ist unter CC BY-SA 2.5 lizenziert.[10]
Mindestens drei belegte Besonderheiten der 1990er Originalaufnahme
Besonderheit 1 – Produktion außerhalb eines anonymen Großstudios: Die Aufnahme entstand bei R&R Audio im Raum Göttingen. Nach der überlieferten Darstellung war die Produktionsfirma mit Reim und seinem Manager Alfred Reimann verbunden. Damit steht hinter dem späteren Millionenhit eine vergleichsweise persönliche Produktionsstruktur.[11]
Besonderheit 2 – klar belegte weibliche Begleitstimmen: Für die Originalaufnahme werden Reims damalige Ehefrau Mago und Heike Neumeyer als weibliche Begleitung genannt. Das ist für die Klangwahrnehmung wichtig, weil die Leadstimme dadurch nicht völlig isoliert bleibt, sondern punktuell durch eine hellere vokale Ebene ergänzt wird.[12]
Besonderheit 3 – dokumentierte Gitarren- und Produktionscredits: Für das Album Reim, auf dem die Aufnahme erschien, nennt AllMusic Thomas Maser an der Gitarre, Heike Neumeyer bei den Background Vocals sowie Bernd Dietrich und Matthias Reim als Produzenten beziehungsweise Autoren.[13] Damit ist die hörbare Mischung aus Synthesizerflächen, Gitarrenanteilen, Rhythmusgruppe und geschichteter Vokalproduktion auch personell zumindest teilweise belegbar.
Besonderheit 4 – ungewöhnlich gut dokumentierter kompositorischer Keim: Reim nannte später ausdrücklich den Prophet-5 und die Akkorde C-Dur, G-Dur und d-Moll als Ausgangspunkt seiner Idee. Diese Aussage belegt nicht jede Note der fertigen Aufnahme, zeigt aber, wie eng Klangfarbe und Harmoniefindung bereits beim Schreiben miteinander verbunden waren.[14]
Besonderheit 5 – Single als klar definierter Tonträger: Die 7-Zoll-Single erschien 1990 bei Polydor; als B-Seite wurde Maskenball veröffentlicht. Für die A-Seite wird eine Laufzeit von 3:40 angegeben.[15]
Stil und Genre
Offizielle und enzyklopädische Quellen ordnen den Titel dem Schlager zu.[16] In der konkreten Klanggestaltung geht die Aufnahme jedoch über ein traditionelles Schlagerbild hinaus. In der Höranalyse fallen eine markante männliche Leadstimme, Synthesizerflächen, ein deutlich konturiertes Schlagzeug, Gitarrenklänge sowie ein sehr direkt gebauter Refrain auf. Dadurch entsteht eine Schnittmenge aus Schlager, Pop und Rockästhetik.
Gerade diese Mischung war für Reims späteres Künstlerprofil wichtig: Die Texte bleiben unmittelbar, alltagssprachlich und leicht mitsingbar, während die Produktion stärker nach international orientiertem Pop-Rock klingt als nach klassischer orchestraler Schlagermusik.
Melodie und Harmonik
Die Strophen wirken in der Höranalyse stärker auf den Bereich von a-Moll bezogen, während der Refrain den relativen Durraum um C-Dur deutlich öffnet. Reims eigene Erinnerung an die Akkorde C-Dur, G-Dur und d-Moll stützt diese Lesart zumindest für den kompositorischen Ausgangspunkt.[17]
Dadurch entsteht ein musikalisch passender Gegensatz: Mollnahe Abschnitte können Unsicherheit, Grübeln und innere Spannung verstärken; der in Richtung C-Dur geöffnete Refrain wirkt breiter, eindeutiger und hymnischer. Wichtig ist: Das ist eine funktionsharmonische Hörinterpretation, keine vollständige Partitur des Originals.
Score-Beispiel 1: Dur-Moll-Kontrast
Das folgende Beispiel ist neu komponiert und bildet nicht die Melodie des Songs ab. Es demonstriert nur, wie der Wechsel zwischen einem Durzentrum und einem Mollklang unterschiedliche Ausdrucksfarben erzeugen kann.

Höre darauf, wie ein heller C-Dur-Klang durch die Einbeziehung von d-Moll eine nachdenklichere Färbung erhält.
Score-Beispiel 2: Spannung durch Dominantbewegung
Auch dieses Beispiel ist frei erfunden. Es zeigt nur das Prinzip von Spannung und Rückkehr.

Die Bewegung zu einem G-Dur-Klang kann in C-Dur eine deutliche Erwartung auf Rückkehr erzeugen. Solche einfachen, gut hörbaren Spannungsmodelle sind typisch für eingängige Pop- und Schlagermusik.
Rhythmus und Tempo
Die Aufnahme basiert auf einem geraden, klar gegliederten Vier-Viertel-Takt. Der Puls wirkt mittig bis zügig, aber nicht hektisch. Verschiedene automatische oder nachgespielte Analyseangebote zählen den Puls unterschiedlich, teils ungefähr im Bereich um 100 Schläge pro Minute, teils in einer doppelt gezählten Ebene um 200. Diese Abweichung zeigt ein wichtiges Analyseproblem: BPM-Angaben sind ohne Angabe der Zählebene nicht immer eindeutig.[18]
Für die schulische Analyse ist deshalb wichtiger, die Wirkung zu beschreiben: Die Strophen lassen genügend Raum für erzählenden Text, während der Refrain rhythmisch kompakter und stärker auf kollektives Mitsingen ausgerichtet ist.
Score-Beispiel 3: Gerade Pop-Pulsation
Das folgende Rhythmusmotiv ist frei erfunden und dient nur zur Veranschaulichung eines regelmäßigen Vierertakts.

Du kannst das Beispiel zunächst gleichmäßig klatschen und anschließend einzelne Zählzeiten stärker betonen. So hörst Du, wie sich Groove verändert, obwohl Taktart und Grundpuls gleich bleiben.
Gesang
Matthias Reims Gesang verbindet erzählerische Direktheit mit starkem emotionalem Druck. In den Strophen wirkt die Stimme häufig sprechnah und beobachtend. Im Refrain wird die Linie breiter, wiederholungsreicher und stärker zugespitzt. Die zentrale Wirkung entsteht nicht durch virtuose Verzierung, sondern durch deutliche Artikulation, Wiederholung und glaubwürdig wirkende emotionale Ambivalenz.
Die belegten weiblichen Begleitstimmen erweitern das Klangbild, ohne die männliche Ich-Perspektive des Leadgesangs aufzulösen. Dadurch bleibt die Geschichte subjektiv, erhält aber im Arrangement zusätzliche Farbe.
Instrumentierung und Arrangement
Für die Originalproduktion beziehungsweise das Album sind Gitarre, Backgroundgesang und die Produzenten Dietrich und Reim dokumentiert.[19] Hinzu kommt Reims eigene Aussage über den Prophet-5 als wichtiges Instrument beim Schreiben.[20]
In der Höranalyse lassen sich folgende Ebenen unterscheiden: ein stabiler Schlagzeug- und Bassunterbau, Synthesizerflächen, Gitarrenakzente, Reims Leadstimme und ergänzende Backgroundstimmen. Das Arrangement arbeitet mit einem deutlichen Energieanstieg vom erzählenden Vers zum Refrain. Dadurch wird die emotionale Zuspitzung nicht nur textlich, sondern auch klanglich hörbar.
Produktion
Die Produktion gehört ästhetisch klar in die Übergangsphase von den späten 1980er- zu den frühen 1990er-Jahren. Elektronische Klangfarben und eine präzise Rhythmusproduktion stehen neben Gitarrenelementen und einem sehr präsenten Gesang. Entscheidend ist die Klarheit der Ebenen: Der Text bleibt verständlich, der Refrain wird nicht durch übermäßig komplexe Begleitung verdeckt, und die Instrumente unterstützen die dramaturgische Steigerung.
Das erklärt einen Teil der Langlebigkeit: Die Aufnahme ist zeittypisch genug, um ihren Entstehungsmoment hörbar zu machen, aber formal und harmonisch so übersichtlich, dass der Kern des Songs auch in späteren Neuaufnahmen und Livefassungen funktioniert.
Songform
Eine didaktische Hörgliederung der 1990er Aufnahme ergibt grob folgende Form:
- Intro: instrumentale Vorbereitung des Klangraums.
- Strophe 1: erzählende Einführung der Situation.
- Übergang / Pre-Chorus: emotionale Verdichtung vor dem Refrain.
- Refrain: zentrale Gegensatzformel und stärkste Mitsingwirkung.
- Strophe 2: Fortführung und Zuspitzung der inneren Konflikte.
- Übergang und Refrain: Wiederaufnahme des Hauptgedankens.
- Instrumentaler Abschnitt: Entlastung der Stimme und klangliche Erweiterung.
- Schlussrefrains: Wiederholung als Steigerungs- und Erinnerungsstrategie.
Diese Form ist für Popmusik typisch: Wiederholung erzeugt Wiedererkennbarkeit, während Strophen neue erzählerische Informationen liefern.
Textthemen und Bildsprache
Der Text beschreibt keine ruhige Liebeserklärung, sondern einen Zustand von Widerspruch und Selbsttäuschung. Das lyrische Ich versucht sich einzureden, unabhängig zu sein, wird aber fortwährend mit der eigenen Bindung konfrontiert. Die zentrale Titelformulierung „Verdammt, ich lieb’ dich“ verdichtet diesen Konflikt in wenigen Worten.
Wichtige Bildfelder sind nächtliche Straßen, eine Kneipensituation, Alkohol, ein Telefon und die Vorstellung eines möglichen neuen Partners. Diese Motive stammen aus einem alltäglichen urbanen Umfeld. Gerade dadurch entsteht Nähe: Der Konflikt wird nicht in abstrakten Metaphern erzählt, sondern in konkreten, leicht vorstellbaren Situationen.
Auffällig ist außerdem die wiederholte Negation. Gefühle werden behauptet und sofort wieder zurückgenommen. Dieses sprachliche Hin und Her entspricht der musikalischen Spannung zwischen mollnaher Nachdenklichkeit und dem breiter geöffneten Refrain.
Inhaltserschließung
Die Handlung lässt sich ohne Wiedergabe des vollständigen Textes so zusammenfassen: Eine Person ist nach einer Trennung allein unterwegs und versucht, frühere Gewohnheiten als Zeichen neuer Freiheit zu deuten. Begegnungen und Erinnerungen lösen jedoch Eifersucht, Einsamkeit und Sehnsucht aus. Das Ich erkennt schrittweise, dass die behauptete Unabhängigkeit nicht mit der eigenen Gefühlslage übereinstimmt. Der Refrain formuliert deshalb keinen stabilen Standpunkt, sondern ein emotionales Pendeln zwischen Nähe und Abwehr.
Das Lied eignet sich besonders für Unterricht über Ambivalenz, Erzählperspektive, Alltagssprache, Poplyrik und die Wechselwirkung von Musik und Text.
Rezeption und Bedeutung im Werk von Matthias Reim
Die Single stieg 1990 in die deutschen Charts ein und entwickelte sich innerhalb weniger Wochen zum Nummer-eins-Hit. Anfang September 1990 stand sie noch immer auf Platz 1.[21] Der Titel wurde damit zum entscheidenden Karrieredurchbruch.
Auch das Debütalbum Reim profitierte stark vom Erfolg der Single und erreichte in Deutschland die Albumspitze.[22] In späteren Interviews bezeichnete Reim das Lied ausdrücklich als ein zentrales Geschenk seiner Karriere und beschrieb seine Aufführung im Konzert als festes Ritual.[23]
Bemerkenswert ist die generationsübergreifende Rezeption. Reim schilderte, dass bei Konzerten jüngere und ältere Zuhörer denselben Refrain gemeinsam singen. Damit ist der Titel von einem zeitgebundenen Chart-Hit zu einem dauerhaften Repertoirestück geworden.

Das Foto zeigt Matthias Reim 2015 in der Berliner Waldbühne. Es steht unter CC BY-SA 4.0.[24]
Vergleich: Original, Neuaufnahme und Livefassung
Für einen sinnvollen Hörvergleich eignen sich drei offiziell bereitgestellte Fassungen.
Originalaufnahme / offizielles Video
Die 1990er Studiofassung wirkt kompakt und stark auf eine klar definierte Songdramaturgie zugeschnitten. Synthesizer, Rhythmusgruppe, Gitarre und Leadstimme bilden ein dichtes, aber übersichtliches Klangbild.
Neuaufnahme von 2014
Die 2014er Version ist eine spätere Neuaufnahme.[25] Im Hörvergleich wirkt sie moderner verdichtet: Schlagzeug, Gitarren und Gesamtlautheit treten kräftiger hervor, während Reims Stimme altersbedingt eine andere Färbung besitzt. Die Songstruktur bleibt jedoch so stabil, dass der Wiedererkennungseffekt sofort erhalten bleibt.
Livefassung 2023
Die 2023 veröffentlichte Livefassung stammt aus den Arena-Konzerten; als Produzent und Mixing Engineer wird Martin Ziaja, als Recording Engineer B&R Medientechnik und als Mastering-/Mixing-Engineer Andreas Herr genannt.[26] Gegenüber der Studiofassung sind Raumwirkung, Bühnendynamik und Livegesang stärker wahrnehmbar. Genau daran kannst Du untersuchen, wie ein für das Studio optimierter Popsong als gemeinschaftliches Konzertstück funktioniert.
Hörvergleich als Arbeitsmethode
Vergleiche die drei Fassungen nicht nur nach Geschmack. Nutze stattdessen feste Kriterien: Klangdichte, Schlagzeug, Gitarrenanteil, Synthesizer, Stimmfarbe, Dynamik, Tempoempfinden, Raumanteil, Publikumsgeräusche und Länge einzelner Formteile. Formuliere anschließend, welche Unterschiede auf Produktion, welche auf Interpretation und welche auf die Live-Situation zurückgehen.
Medienkompetenz und Recht
Für Musikunterricht ist die Unterscheidung zwischen freier Lizenz, offiziell eingebettetem Streaming und urheberrechtlich geschütztem Werk zentral. Die eingebundenen Wikimedia-Commons-Dateien verfügen über freie Lizenzen beziehungsweise Public-Domain-Status, die jeweils auf der Dateiseite dokumentiert sind. YouTube-Videos sind dagegen nicht automatisch frei lizenziert; hier werden offizielle beziehungsweise rechteinhabernahe Streams lediglich eingebettet.
Auch bei Noten gilt: Eine vollständige Melodie- oder Partiturwiedergabe des geschützten Songs wäre für einen offenen Lernkurs problematisch. Deshalb verwendet dieser aiMOOC nur kurze, selbst komponierte Beispiele zu allgemeinen musikalischen Prinzipien.
Interaktive Aufgaben
Quiz: Teste Dein Wissen
In welchem Jahr wurde die Originalsingle veröffentlicht? (1990) (!1984) (!1997) (!2005)
Wer schrieb den Song gemeinsam mit Matthias Reim? (Bernd Dietrich) (!Dieter Bohlen) (!Ralph Siegel) (!Udo Jürgens)
Bei welchem Label erschien die Single? (Polydor) (!Motown) (!Blue Note) (!ECM)
Wie lange stand der Titel 1990 auf Platz 1 der deutschen Charts? (16 Wochen) (!4 Wochen) (!8 Wochen) (!30 Wochen)
Welchen Synthesizer nannte Reim als Instrument bei der Entstehung der Songidee? (Prophet-5) (!Minimoog) (!DX7) (!Mellotron)
Welchem Genre wird der Titel in den Quellen hauptsächlich zugeordnet? (Schlager) (!Reggae) (!Free Jazz) (!Barockmusik)
In welchem Raum wurde die Originalaufnahme produziert? (Göttingen) (!Hamburg) (!München) (!Wien)
Wer wird als Backgroundsängerin der Albumproduktion genannt? (Heike Neumeyer) (!Nena) (!Sandra) (!Vicky Leandros)
Welches zentrale Thema prägt den Text? (Emotionale Ambivalenz) (!Weltraumforschung) (!Sportlicher Wettbewerb) (!Historische Seefahrt)
Was unterscheidet eine Livefassung besonders von der Studioaufnahme? (Raum und Publikumsreaktion) (!Eine andere Sprache) (!Fehlender Gesang) (!Ein grundsätzlich anderer Liedtitel)
Memory
| R&R Audio | Aufnahmestudio |
| Prophet-5 | Synthesizer |
| Bernd Dietrich | Koautor |
| Polydor | Plattenlabel |
| Heike Neumeyer | Backgroundgesang |
| Stuttgart Wasen | Livefinale |
Drag and Drop
| Ordne die richtigen Begriffe zu. | Thema |
|---|---|
| Ablehnung der Brink-Produktion | Auslöser |
| Songidee am Keyboard | Komposition |
| Aufnahme bei R&R Audio | Produktion |
| Single bei Polydor | Veröffentlichung |
| Langfristiges Konzertrepertoire | Rezeption |
Kreuzworträtsel
| Polydor | Bei welchem Label erschien die Single? |
| Dietrich | Wie lautet der Nachname des Koautors Bernd? |
| Schlager | Welchem Genre wird der Titel hauptsächlich zugeordnet? |
| Prophet | Welcher Synthesizername gehört zum Prophet-5? |
| Refrain | Welcher Formteil trägt die zentrale Hook? |
| Goettingen | Welche Stadt liegt im Umfeld der beschriebenen Produktion? |
LearningApps
Lückentext
Offene Aufgaben
Leicht
- Hörprotokoll: Höre die Originalaufnahme und notiere fünf Instrumente oder Klangschichten, die Du unterscheiden kannst. Begründe jede Zuordnung mit einer hörbaren Beobachtung.
- Songform: Erstelle eine grafische Formkarte mit Intro, Strophe, Übergang, Refrain und instrumentalem Abschnitt. Verwende keine Noten oder Songtextzeilen.
- Textanalyse: Sammle die wichtigsten Situationen des Liedes in eigenen Worten und ordne ihnen Gefühle wie Unsicherheit, Eifersucht, Sehnsucht oder Trotz zu.
- Medienrecht: Vergleiche die Lizenzangaben eines verwendeten Commons-Bildes mit einem eingebetteten YouTube-Video und erkläre den rechtlichen Unterschied.
Standard
- Harmonik: Komponiere vier eigene Takte, in denen Dur und Moll kontrastieren. Notiere sie mit Extension:Score und erkläre ihre Wirkung.
- Arrangement: Vergleiche Originalaufnahme und 2014er Version nach Schlagzeug, Gitarren, Synthesizern, Stimmfarbe und Dynamik.
- Zeitgeschichte: Recherchiere fünf weitere Titel aus den deutschen Charts des Sommers 1990 und untersuche, wie unterschiedlich die damaligen Popstile waren.
- Produktion: Entwirf einen Studio-Plan für eine moderne Neuaufnahme. Entscheide, welche Elemente Du beibehalten und welche Du verändern würdest.
Schwer
- Musikanalyse: Untersuche, wie Textambivalenz und Dur-Moll-Wirkung miteinander korrespondieren. Formuliere eine These und belege sie mit Hörbeobachtungen.
- Rezeptionsgeschichte: Analysiere die Rolle des Songs in Reims Karriere vom Chartdurchbruch bis zum heutigen Konzertrepertoire. Nutze mindestens drei überprüfbare Quellen.
- Live-Arrangement: Erstelle ein Konzept für eine Livefassung mit Band. Lege Instrumente, Dynamikverlauf und Publikumsinteraktion fest, ohne die geschützte Melodie auszuschreiben.
- Quellenkritik: Vergleiche die unterschiedlichen Entstehungserzählungen bei NDR, Wikipedia und Reim-Interviews. Trenne belegbare Daten, Künstlererinnerung und spätere Interpretation.


Lernkontrolle
- Musik und Text: Erkläre, wie ein Wechsel zwischen mollnaher und durbezogener Klangwirkung einen emotional widersprüchlichen Text unterstützen kann. Nutze ein selbst erfundenes musikalisches Beispiel.
- Produktion und Epoche: Begründe anhand der Aufnahme, welche Klangeigenschaften typisch für den Übergang von den späten 1980er- zu den frühen 1990er-Jahren wirken.
- Original und Live: Analysiere, welche Funktionen sich verändern, wenn ein Studiohit zu einem Konzert-Ritual wird.
- Rezeption: Diskutiere, warum ein Schlager in einem Chartumfeld mit Dance, Rock und Synth-Pop erfolgreich sein konnte, ohne seine Genreidentität vollständig zu verlieren.
- Quellenkritik: Entwickle Kriterien, mit denen Du Künstlerinterviews, Chartdatenbanken, Wikipedia und kommerzielle Musikdatenbanken unterschiedlich gewichten würdest.
- Urheberrecht: Erkläre, warum ein kurzer selbst komponierter Score zur Harmonielehre rechtlich und didaktisch etwas anderes ist als die vollständige Transkription der Originalmelodie.
Lernnachweis
Für einen Lernnachweis zu diesem Thema solltest Du zeigen, dass Du:
- Entstehung, Veröffentlichung und historischen Kontext der Aufnahme sachlich darstellen kannst.
- mindestens drei belegte Besonderheiten der 1990er Originalaufnahme mit Quellen nachweisen kannst.
- Stil, Harmonik, Rhythmus, Gesang, Instrumentierung, Arrangement, Produktion und Songform mit Fachbegriffen beschreiben kannst.
- zentrale Textthemen ohne unzulässige Übernahme des vollständigen Songtexts erschließen kannst.
- Original-, Neuaufnahme- und Livefassung anhand fester Hörkriterien vergleichen kannst.
- zwischen freier Lizenz, Streaming-Einbettung und urheberrechtlich geschützter Musik unterscheiden kannst.
- Quellen nach Zuverlässigkeit, Nähe zum Ereignis und Aussageart kritisch bewerten kannst.
OERs zum Thema
Zusätzliche freie Medien findest Du in der Wikimedia-Commons-Kategorie zu Matthias Reim sowie in Kategorien zu Synthesizern und Konzertfotografie:
Quellen und Nachweise
- ↑ Offizielle Deutsche Charts: Single-Charts 03.09.–09.09.1990
- ↑ Wikimedia Commons: Matthias Reim.jpg
- ↑ YouTube: MATTHIAS REIM – Verdammt Ich Lieb Dich – Official Video
- ↑ Smago: Interview mit Matthias Reim zum 25-jährigen Jubiläum
- ↑ NDR: Matthias Reim – Verdammt, ich lieb dich
- ↑ Smago: Reims Erinnerung an den Prophet-5 und die Akkordidee
- ↑ Wikimedia Commons: SCI Prophet 5.jpg
- ↑ SWR1: Die erste gemeinsame deutsch-deutsche Hitparade
- ↑ Offizielle Deutsche Charts: Woche 18.–24.06.1990
- ↑ Wikimedia Commons: Goettingen StMichael Oct06.jpg
- ↑ Wikipedia: Verdammt, ich lieb’ Dich – Hintergrund
- ↑ Wikipedia: Aufnahmeangaben
- ↑ AllMusic: Reim 1990 – Credits
- ↑ Smago: Matthias Reim über die Entstehung
- ↑ Musik-Sammler: 7-Zoll-Single Verdammt, ich lieb’ dich
- ↑ Wikipedia: Verdammt, ich lieb’ Dich
- ↑ Smago: Akkord-Erinnerung Reims
- ↑ GEERDES: Tempoanalyse einer am Original orientierten MIDI-Produktion
- ↑ AllMusic: Credits des Albums Reim
- ↑ Smago: Prophet-5
- ↑ Offizielle Deutsche Charts
- ↑ Wikipedia: Reim – Album
- ↑ Planet Interview: Matthias Reim über die anhaltende Wirkung des Songs
- ↑ Wikimedia Commons: Denis Apel, CC BY-SA 4.0
- ↑ YouTube: Verdammt ich lieb dich – Version 2014, Matthias Reim Official Artist Channel
- ↑ YouTube: Verdammt Ich lieb' dich – Live, Matthias Reim Official Artist Channel
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