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Arbeitsschutz- und Unfallverhütungsvorschriften - Schmied 1

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Arbeitsschutz- und Unfallverhütungsvorschriften - Schmied 1




Arbeitsschutz- und Unfallverhütungsvorschriften - Schmied


Einleitung

Beim Schmieden treffen hohe Temperaturen, schwere Werkzeuge, beschleunigte Maschinenteile, Funkenflug, Zunder, Lärm, Vibrationen und Verbrennungsprodukte zusammen. Sicheres Arbeiten ist deshalb kein Zusatz zur Facharbeit, sondern ein fester Bestandteil jeder fachgerechten Arbeitsplanung. Dieser aiMOOC richtet sich an Auszubildende und Lernende in der Metalltechnik, besonders im Metallbauer-Handwerk, in der Fachrichtung Metallgestaltung und in schmiedetechnischen Werkstätten.

Du lernst, Gefährdungen an Schmiedeesse, Amboss, Handhammer und kraftbetriebenem Schmiedehammer zu erkennen, geeignete Schutzmaßnahmen nach dem STOP-Prinzip auszuwählen und betriebliche Anweisungen richtig umzusetzen. Maßgeblich bleiben immer die konkrete Gefährdungsbeurteilung, die Betriebsanweisung, die Unterweisung, die Herstellerangaben und die Weisungen der verantwortlichen Fachkräfte.


Lernziele

Nach der Bearbeitung dieses Lernkurses kannst Du:

  1. Gefährdungen beurteilen: Typische Gefährdungen beim Schmieden systematisch erfassen und bewerten.
  2. Schutzmaßnahmen auswählen: Substitution, technische, organisatorische und persönliche Maßnahmen in der richtigen Rangfolge anwenden.
  3. PSA einsetzen: Augen-, Gesichts-, Gehör-, Hand-, Körper- und Fußschutz tätigkeitsbezogen auswählen und benutzen.
  4. Feuerstellen sicher betreiben: Rauchabzug, Brennstoff, Gasversorgung, Brandschutz und Lüftung kontrollieren.
  5. Maschinen sicher bedienen: Quetschstellen, Werkzeugeinbauraum, Gesenkwechsel, Not-Halt und Schutz gegen unbeabsichtigtes Anlaufen beachten.
  6. Im Notfall handeln: Maschine stillsetzen, Eigenschutz beachten, Rettungskette auslösen und Erste Hilfe veranlassen.


Rechtlicher und betrieblicher Rahmen

Arbeitsschutz in einer Schmiede beruht nicht auf einer einzigen „Schmiedevorschrift“. Mehrere staatliche Vorschriften und Regeln der gesetzlichen Unfallversicherung greifen ineinander. Das Arbeitsschutzgesetz verpflichtet den Arbeitgeber, Gefährdungen zu beurteilen und erforderliche Maßnahmen zu treffen. Die Betriebssicherheitsverordnung betrifft die sichere Bereitstellung und Verwendung von Arbeitsmitteln. Für Rauchgase, Stäube, Brenngase oder Hilfsstoffe ist die Gefahrstoffverordnung bedeutsam. Lärm und Vibrationen werden durch die Lärm- und Vibrations-Arbeitsschutzverordnung geregelt.[1][2][3][4]

Regelwerk Bedeutung für die Schmiedearbeit
Arbeitsschutzgesetz Gefährdungsbeurteilung, Arbeitsschutzorganisation, Unterweisung und Wirksamkeitskontrolle
Betriebssicherheitsverordnung Sichere Verwendung, Prüfung und Instandhaltung von Schmiedehämmern, Pressen, Schleifmaschinen, Gebläsen und weiteren Arbeitsmitteln
Gefahrstoffverordnung Beurteilung von Rauchgasen, Stäuben, Ölen, Reinigungsmitteln und beim Verfahren entstehenden Gefahrstoffen
Lärm- und Vibrations-Arbeitsschutzverordnung Ermittlung und Minderung von impulshaltigem Lärm sowie Hand-Arm-Vibrationen
Arbeitsstättenverordnung Verkehrswege, Fluchtwege, Lüftung, Beleuchtung, Erste Hilfe und Feuerlöscheinrichtungen
PSA-Benutzungsverordnung Bereitstellung, Passform, Benutzung, Pflege und Unterweisung zur persönlichen Schutzausrüstung
Verordnung zur arbeitsmedizinischen Vorsorge Angebots- oder Pflichtvorsorge abhängig von der ermittelten Exposition
Jugendarbeitsschutzgesetz Besondere Beschäftigungsbeschränkungen für minderjährige Auszubildende
DGUV Vorschrift 1 Grundpflichten der Prävention, Unterweisung, Verhalten der Versicherten, Erste Hilfe und PSA

Unfallverhütungsvorschriften wie die DGUV Vorschrift 1 sind verbindliche Vorschriften der Unfallversicherungsträger. DGUV Regeln, DGUV Informationen und BGHM-Praxishilfen erläutern geeignete Lösungen und unterstützen die betriebliche Umsetzung. Sie ersetzen jedoch weder die Gefährdungsbeurteilung noch die Betriebsanweisung.[5]

Beschäftigte und Auszubildende müssen Unterweisungen und sichere Weisungen befolgen, bereitgestellte PSA bestimmungsgemäß benutzen, Mängel unverzüglich melden und dürfen Schutzeinrichtungen weder umgehen noch unwirksam machen.


Minderjährige Auszubildende

Gefährliche Arbeiten sind für Jugendliche grundsätzlich beschränkt. Eine Tätigkeit kann im Rahmen der Ausbildung zulässig sein, wenn sie zum Erreichen des Ausbildungsziels erforderlich ist, der Schutz durch die Aufsicht einer fachkundigen Person gewährleistet wird und die einschlägigen Schutzvorschriften eingehalten werden. Daraus folgt kein allgemeiner Anspruch, einen kraftbetriebenen Schmiedehammer allein zu bedienen. Entscheidend sind Alter, Ausbildungsstand, Gefährdungsbeurteilung, betriebliche Freigabe und Aufsicht.[6]


Gefährdungsbeurteilung und STOP-Prinzip

Die Gefährdungsbeurteilung beginnt vor Aufnahme der Tätigkeit. Sie erfasst Arbeitsstätte, Arbeitsmittel, Werkstoff, Temperatur, Arbeitsverfahren, Zusammenarbeit, Qualifikation, Lärm, Vibrationen, Gefahrstoffe und mögliche Notfälle. Anschließend werden Schutzmaßnahmen festgelegt, umgesetzt und auf Wirksamkeit geprüft. Bei Änderungen, Störungen, Unfällen oder neuen Erkenntnissen muss die Beurteilung überprüft werden.

Das STOP-Prinzip beschreibt die Rangfolge der Schutzmaßnahmen:

Stufe Fachbegriff Beispiel aus der Schmiede
S Substitution Rauchärmeren Brennstoff oder ein emissionsärmeres Verfahren einsetzen, sofern dies technisch und fachlich möglich ist
T Technische Maßnahme Wirksamen Rauchabzug, Einhausung, trennende Schutzeinrichtung oder verriegelte Zugangstür verwenden
O Organisatorische Maßnahme Zutritt begrenzen, Arbeitsablauf festlegen, Prüfintervalle einhalten und eindeutige Kommandos vereinbaren
P Persönliche Maßnahme Geeigneten Augen-, Gehör-, Fuß-, Hand- und Körperschutz tragen

Persönliche Schutzausrüstung ist wichtig, steht aber am Ende der Maßnahmenhierarchie. Ein Gehörschutz ersetzt beispielsweise keine technisch mögliche Lärmminderung an Maschine oder Arbeitsplatz.


Typische Gefährdungen beim Schmieden

Gefährdungsgruppe Typische Ursache Mögliche Folgen
Thermische Gefährdung Glühende Werkstücke, heiße Zangen, Funken, Schlacke, Zunder, Esse und Abgase Verbrennungen, Augenverletzungen, Entstehungsbrände
Mechanische Gefährdung Hammer, Zuschläger, Gesenke, Quetsch- und Scherstellen, herausgeschleuderte Werkstücke Prellungen, Quetschungen, Knochenbrüche, Amputationsverletzungen
Lärm Hammerschläge, Amboss, Schmiedehammer, Gebläse und Absaugung Dauerhafte Gehörschädigung, Überhören von Warnsignalen, Stress
Vibration Handhammer, kraftbetriebener Hammer und ungünstig gehaltene Zangen Belastung von Händen, Armen, Gefäßen, Nerven und Gelenken
Gefahrstoffe Rauchgase, Kohlenstoffmonoxid, Staub, Metalloxide, Öle und Reinigungsmittel Reizung, Vergiftung, Atemwegserkrankung oder langfristige Gesundheitsschäden
Brand und Explosion Offenes Feuer, Brenngas, brennbare Stoffe, heiße Werkstücke und undichte Leitungen Brand, Verpuffung, Explosion, Rauchgasvergiftung
Elektrische Gefährdung Beschädigte Leitungen, fehlerhafte Schalter, Nässe oder unsachgemäße Reparatur Stromschlag, Brand, unkontrollierter Maschinenanlauf
Ergonomische Belastung Falsche Ambosshöhe, ungünstige Schlagtechnik, schweres Heben und Zwangshaltungen Muskel-Skelett-Beschwerden, Ermüdung und nachlassende Reaktionsfähigkeit
Stolpern und Anstoßen Zangen, Material, Schläuche, Kabel oder Zunder auf Verkehrswegen Sturz in der Nähe heißer Werkstücke oder bewegter Maschinen

Ein Werkstück kann auch ohne sichtbare Rotglut noch schwere Verbrennungen verursachen. Heiße Teile müssen deshalb eindeutig gekennzeichnet oder in festgelegten Bereichen abgelegt werden. Der Warnruf „Heiß!“ ist nur eine ergänzende organisatorische Maßnahme.


Sicheres Arbeiten an der Schmiedeesse

Eine Schmiedeesse erwärmt den Werkstoff auf die für das Umformen notwendige Temperatur. Kohleessen erzeugen Rauch, Staub und Verbrennungsprodukte. Gasessen erfordern zusätzlich eine sichere Gasversorgung und ausreichende Verbrennungsluft. Die BGHM nennt bei Schmiedeessen insbesondere Brandgefahr, Rauchgase, Lärm, Augenverletzungen, Verbrennungen und Stäube als Gefährdungen.[7]


Vor dem Anheizen

  1. Rauchabzug: Funktion von Absaugung, Haube, Schieber und Zuluft kontrollieren.
  2. Brandschutz: Brennbare Gegenstände entfernen, geeignete Feuerlöscheinrichtungen zugänglich halten und Fluchtwege freihalten.
  3. Feuerstelle: Feuerschüssel, Ausmauerung, Gebläse, Leitungen und Armaturen auf erkennbare Schäden prüfen.
  4. Gasinstallation: Gasgeruch, beschädigte Schläuche oder unsichere Verbindungen sofort melden; keine eigenmächtigen Reparaturen durchführen.
  5. Werkzeuge: Passende Schmiedezangen, Schürhaken und Ablageflächen bereitstellen.
  6. PSA: Augen- und Gehörschutz, geeigneten Fußschutz, Schmiedeschürze und tätigkeitsgerechten Handschutz kontrollieren.
  7. Löschtrog: Nur bestimmungsgemäß verwenden, Wasserstand und sicheren Standort prüfen und Verwechslungen mit Ölabschreckbädern verhindern.


Während des Betriebs

Der Rauchabzug muss wirksam sein. Frische Kohle wird bei einer Kohleesse kontrolliert seitlich an das Feuer herangeführt, um unnötige Rauchentwicklung zu verringern. Brennbare Stoffe, Gasflaschen und Aerosoldosen gehören nicht in den Funken- und Wärmestrahlungsbereich. Werkstücke werden mit einer passend dimensionierten Schmiedezange gehalten.

Bei Gasgeruch oder Verdacht auf unvollständige Verbrennung gilt: Brennstoffzufuhr gefahrlos schließen, Zündquellen vermeiden, keine elektrischen Schalter betätigen, Bereich lüften, Personen warnen und die verantwortliche Fachkraft informieren. Kohlenstoffmonoxid ist farb-, geruch- und geschmacklos; Geruch ist daher kein zuverlässiger Warnindikator.


Nach Arbeitsende

Feuer und Brennstoffzufuhr werden nach Betriebsanweisung beendet. Heiße Reststücke kommen auf eine festgelegte, nicht brennbare Ablage. Asche und Schlacke dürfen erst in geeignete Behälter gegeben werden, wenn keine Brandgefahr mehr besteht. Arbeitsbereich, Verkehrswege und Brandschutzmittel werden abschließend kontrolliert.


Sicheres Arbeiten an Amboss und Handhammer

Der Amboss muss standsicher befestigt und ergonomisch aufgestellt sein. Eine falsche Arbeitshöhe fördert Fehlhaltungen und unkontrollierte Schläge. Die Ambossbahn wird so ausgerichtet, dass der Hammer bei aufrechter Körperhaltung kontrolliert auf Werkstück oder Hilfshammer trifft. Die BGHM nennt unter anderem Rücken- und Gelenkbelastungen, Funken- und Zunderflug, Lärm, Verbrennungen und Brandgefahr als typische Risiken.[8]

Vor jedem Einsatz sind Hammerkopf, Hammerbahn, Finne, Stiel und Verkeilung zu prüfen. Ein lockerer Hammerkopf, ein gerissener Stiel oder ausgebrochene Schlagflächen führen zur sofortigen Aussonderung. Werkzeuge mit Gratbildung werden fachgerecht instand gesetzt.

Beim Arbeiten mit einem Zuschläger müssen Rollen, Schlagfolge und Kommandos vor Beginn eindeutig vereinbart sein. Die führende Person positioniert Werkzeug und Werkstück. Der Zuschläger schlägt nur nach freigegebenem Kommando. Unklare Situationen führen zum sofortigen Abbruch der Schlagfolge.


Kraftbetriebener Schmiedehammer

Kraftbetriebene Schmiedehämmer erzeugen hohe Energien. Besondere Risiken sind Quetschen im Werkzeugeinbauraum, Lärm, Zunderflug, Verbrennungen und Hand-Arm-Vibrationen. Bedienung, Einrichten, Gesenkwechsel und Störungsbeseitigung dürfen nur entsprechend Qualifikation, Unterweisung und betrieblicher Beauftragung erfolgen.[9]


Sicherheitsregeln am Schmiedehammer

  1. Betriebsanweisung: Vor der ersten Bedienung lesen, verstehen und in der Unterweisung praktisch anwenden.
  2. Schutzeinrichtung: Fußhebelschutz, Not-Halt, Hauptschalter, Verdeckungen und weitere Sicherheitseinrichtungen vor Arbeitsbeginn kontrollieren.
  3. Schmiedezange: Werkstück sicher halten; Hände aus dem Werkzeugeinbauraum fernhalten.
  4. Fußschalter: Stand so wählen, dass keine unbeabsichtigte Betätigung möglich ist.
  5. Gesenke: Zustand, Befestigung und Ausrichtung kontrollieren; beschädigte Gesenke nicht verwenden.
  6. Gesenkwechsel: Maschine ausschalten, Energiezufuhr trennen, gegen Wiedereinschalten sichern und gespeicherte Energie abbauen.
  7. Mehrpersonenbedienung: Nur zulassen, wenn Steuerung und Schutzkonzept dafür ausgelegt sind; bei einem einzelnen Fußhebel ist gleichzeitiges Arbeiten mehrerer Personen unzulässig.
  8. Störung: Nicht in die laufende oder nur scheinbar stillstehende Maschine greifen; sicheren Zustand herstellen und Fachpersonal verständigen.
  9. Arbeitsende: Maschine nach Betriebsanweisung stillsetzen und gegen unbefugte Benutzung sichern.

Bei automatisierten Schmiedepressen oder komplexen Anlagen können Schutzzäune, verriegelte Türen, Lichtgitter, Laserscanner oder weitere sicherheitsbezogene Steuerungsfunktionen erforderlich sein. Welche Lösung zulässig ist, ergibt sich aus Maschinenkonzept, Risikobeurteilung und Gefährdungsbeurteilung.[10]


Persönliche Schutzausrüstung

Die Persönliche Schutzausrüstung wird auf Grundlage der Gefährdungsbeurteilung ausgewählt. Sie muss passen, mit anderer PSA kombinierbar sein und bestimmungsgemäß benutzt werden.[11]


Augen- und Gesichtsschutz

Zunder, Funken und Splitter können schwere Augenverletzungen verursachen. Eine geeignete Schutzbrille mit Seitenschutz ist beim Schmieden regelmäßig erforderlich. Ein Gesichtsschutz kann bei erhöhter Gefährdung zusätzlich notwendig sein, ersetzt aber nicht automatisch den primären Augenschutz.


Gehörschutz

Hammerschläge erzeugen häufig impulshaltigen Lärm. Ab einem Tages-Lärmexpositionspegel von 80 dB(A) gilt der untere Auslösewert, ab 85 dB(A) der obere Auslösewert. Auswahl, Dämmwert und Tragezeit des Gehörschutzes richten sich nach der Gefährdungsbeurteilung. Übermäßige Dämmung kann Kommunikation und Warnsignalwahrnehmung erschweren.[12]


Fuß-, Körper- und Handschutz

Sicherheitsschuhe müssen gegen herabfallende Gegenstände und je nach Gefährdungsbeurteilung zusätzlich gegen heiße Metallteile, Funken und Wärmeeinwirkung schützen. Für besondere thermische Risiken kann Fußschutz nach einschlägigen Normen für Gießerei- und Schweißarbeiten erforderlich sein. Schnürung und Hosenbeine dürfen keine Taschen bilden, in denen sich Funken oder Zunder sammeln.

Eine Schmiedeschürze und geeignete, schwer entflammbare oder nicht schmelzende Arbeitskleidung vermindern das Risiko durch Funken und heiße Partikel. Synthetische Freizeitkleidung kann bei Hitzeeinwirkung schmelzen und darf nicht unkritisch unter der Schutzkleidung getragen werden.

Trockene Lederhandschuhe können beim manuellen Schmieden vor Funkenflug und kurzzeitigem Kontakt mit erhitzten Gegenständen schützen. Sie ersetzen die Schmiedezange nicht. An rotierenden Maschinen können Handschuhe eine Einzugsgefahr erzeugen und sind dort nur zulässig, wenn die Gefährdungsbeurteilung dies ausdrücklich vorsieht.

Schmuck, Uhren, lose Kleidung und offene lange Haare sind im Arbeitsbereich unzulässig. Lange Haare werden sicher gebunden und so abgedeckt, dass kein Einziehen oder Entzünden möglich ist.


Lärm, Vibration und Ergonomie

Bei der Lärmminderung gilt ebenfalls das STOP-Prinzip. Geeignete technische Maßnahmen sind lärmarme Arbeitsmittel, gedämpfte Aufstellung, schwingungsentkoppelte Fundamente, Einhausungen und die Instandhaltung von Hammer, Gesenk und Amboss. Organisatorisch können Aufenthaltsdauer, Arbeitsabstand und lärmintensive Tätigkeiten koordiniert werden.

Hand-Arm-Vibrationen werden durch geeignete Zangen, sicheren Griff, gewartete Werkzeuge, richtiges Arbeiten und begrenzte Expositionszeiten vermindert. Der Auslösewert für Hand-Arm-Vibrationen beträgt A(8) = 2,5 m/s², der Expositionsgrenzwert A(8) = 5 m/s².[13]

Ergonomisches Schmieden bedeutet nicht kraftloses Schmieden. Es bedeutet, Schlagenergie kontrolliert einzusetzen, unnötige Haltekräfte zu vermeiden, Materialfluss und Ablagen sinnvoll anzuordnen und geeignete Hebezeuge für schwere Werkstücke zu verwenden. Ermüdung erhöht die Fehlerwahrscheinlichkeit und ist deshalb ein Sicherheitsfaktor.


Brand-, Gas- und Gefahrstoffschutz

Offenes Feuer und glühendes Metall erfordern einen wirksamen betrieblichen Brandschutz. Feuerlöscher, Löschdecken oder andere Löschmittel werden entsprechend der Gefährdungsbeurteilung und den vorhandenen Brandklassen ausgewählt. Nicht jedes Löschmittel ist für jeden Brand geeignet. Brennende Metalle, Brenngase, Öle und elektrische Betriebsmittel erfordern unterschiedliche Vorgehensweisen.

Wichtige Regeln sind:

  1. Fluchtweg: Türen, Verkehrswege und Notausgänge freihalten.
  2. Feuerlöscher: Standort, Kennzeichnung und Zugänglichkeit kennen; nur bei ausreichender eigener Sicherheit einen Löschversuch beginnen.
  3. Gasflasche: Gegen Umfallen sichern, vor Hitze schützen und nur mit geeigneten Armaturen verwenden.
  4. Sauerstoff: Niemals zum Abblasen von Kleidung, zur Belüftung oder als Ersatz für Druckluft verwenden.
  5. Kohlenstoffmonoxid: Wirksame Lüftung und Rauchgasabführung sicherstellen; bei Verdacht Bereich räumen.
  6. Gefahrstoff: Sicherheitsdatenblatt und Betriebsanweisung beachten; Behälter eindeutig kennzeichnen.
  7. Heißarbeit: Außerhalb des regulären Schmiedeplatzes gegebenenfalls ein betriebliches Erlaubnisscheinverfahren anwenden.

Rauchgase müssen möglichst an der Entstehungsstelle erfasst werden. Reine Raumlüftung ist kein gleichwertiger Ersatz für einen wirksamen Rauchabzug direkt an der Esse.


Verhalten bei Störungen, Mängeln und Unfällen

Bei einem erkennbaren Mangel gilt: Arbeit unterbrechen, Gefahrenbereich sichern, Maschine oder Energiequelle gefahrlos stillsetzen und den Mangel melden. Schutzeinrichtungen dürfen nicht überbrückt werden, um die Arbeit „noch schnell“ zu beenden.

Die Rettungskette lautet sinngemäß:

  1. Eigenschutz: Nicht in Feuer, Rauch, Gasatmosphäre oder ungesicherte Maschinenbereiche gehen.
  2. Stillsetzen: Gefährliche Bewegung oder Energiezufuhr stoppen, sofern dies gefahrlos möglich ist.
  3. Notruf: Betriebliche Alarmierung auslösen und bei Bedarf 112 rufen.
  4. Erste Hilfe: Ersthelferin oder Ersthelfer verständigen und nach Ausbildungsstand helfen.
  5. Einweisen: Rettungskräfte zum Unfallort führen.
  6. Dokumentation: Erste-Hilfe-Leistung und Unfall betrieblich dokumentieren.

Bei kleinflächigen Verbrennungen kann eine kurzzeitige Kühlung mit Wasser der Schmerzlinderung dienen. Großflächige Verbrennungen werden wegen der Unterkühlungsgefahr nicht großflächig gekühlt. Wunden werden keimfrei bedeckt; Salben, Puder oder Hausmittel gehören nicht auf die Brandwunde. Festklebende Kleidung wird nicht abgerissen. Im Zweifel ist medizinische Hilfe erforderlich.[14]


Sicherheitscheck vor Arbeitsbeginn

Prüffrage Sicherer Zustand
Bin ich für die Tätigkeit unterwiesen und freigegeben? Betriebsanweisung verstanden, Aufgabe geklärt, Aufsicht geregelt
Ist die Arbeitsumgebung sicher? Verkehrs- und Fluchtwege frei, brennbare Stoffe entfernt, Beleuchtung und Lüftung funktionsfähig
Ist die Esse betriebsbereit? Rauchabzug wirksam, Feuerstelle und Brennstoffversorgung ohne erkennbare Mängel
Sind Amboss und Werkzeuge sicher? Amboss standsicher, Hammerstiel fest, Zangen passend, keine gefährlichen Grate oder Risse
Ist der Schmiedehammer sicher? Schutzeinrichtungen, Not-Halt, Fußhebelschutz, Gesenke und Hauptschalter geprüft
Ist die PSA vollständig? Augen-, Gehör-, Fuß-, Körper- und gegebenenfalls Hand- oder Gesichtsschutz geeignet und intakt
Ist der Notfall vorbereitet? Feuerlöscher, Erste-Hilfe-Material, Notrufweg und zuständige Personen bekannt


Interaktive Aufgaben


Quiz: Teste Dein Wissen

Wozu dient die Gefährdungsbeurteilung? (Zur systematischen Ermittlung von Gefährdungen und Festlegung wirksamer Maßnahmen) (!Zur nachträglichen Begründung bereits geschehener Unfälle) (!Zur alleinigen Auswahl der Arbeitskleidung) (!Zur Ersetzung der Betriebsanweisung)




Welche Reihenfolge beschreibt das STOP-Prinzip richtig? (Substitution vor technischen, organisatorischen und persönlichen Maßnahmen) (!Persönliche Maßnahmen vor technischen und organisatorischen Maßnahmen) (!Technische Maßnahmen erst nach der persönlichen Schutzausrüstung) (!Organisatorische Maßnahmen ohne Prüfung technischer Lösungen)




Welche Maßnahme erfasst Rauchgase an der Schmiedeesse am wirksamsten? (Ein funktionsfähiger Rauchabzug an der Entstehungsstelle) (!Ein geöffnetes Fenster am anderen Ende des Gebäudes) (!Das Tragen einer Baumwollmütze) (!Eine geringere Beleuchtungsstärke)




Womit wird ein heißes Werkstück am Amboss sicher gehalten? (Mit einer passend ausgewählten Schmiedezange) (!Mit der bloßen Hand und einem nassen Tuch) (!Mit einer beschädigten Kombizange) (!Mit einem lose aufgelegten Draht)




Welche Hauptgefahr besteht im Werkzeugeinbauraum eines Schmiedehammers? (Quetschen durch die Bewegung von Hammer und Gesenk) (!Erfrieren durch die kalte Maschinenoberfläche) (!Blendung durch Bildschirmlicht) (!Papierstaub aus der Betriebsanweisung)




Welcher Tages-Lärmexpositionspegel ist der untere Auslösewert? (80 dB A) (!50 dB A) (!65 dB A) (!110 dB A)




Wie ist mit Handschuhen an rotierenden Maschinen umzugehen? (Sie dürfen nur entsprechend der Gefährdungsbeurteilung benutzt werden) (!Sie müssen an jeder rotierenden Maschine getragen werden) (!Sie dürfen durch lose Stoffhandschuhe ersetzt werden) (!Sie machen Schutzeinrichtungen überflüssig)




Wann kann eine gefährliche Arbeit für minderjährige Auszubildende zulässig sein? (Wenn sie für das Ausbildungsziel erforderlich ist und fachkundige Aufsicht den Schutz gewährleistet) (!Wenn die minderjährige Person freiwillig auf Schutzmaßnahmen verzichtet) (!Wenn kein Ausbilder im Betrieb anwesend ist) (!Wenn die Maschine besonders schnell arbeitet)




Was ist bei Gasgeruch an einer Gasessse richtig? (Brennstoffzufuhr gefahrlos schließen, Zündquellen vermeiden und den Bereich lüften) (!Elektrische Schalter mehrfach betätigen) (!Mit offener Flamme nach der undichten Stelle suchen) (!Die Arbeit ohne Unterbrechung fortsetzen)




Was ist bei einem Defekt an einer Schutzeinrichtung zu tun? (Arbeit stoppen, Gefahrenbereich sichern und den Mangel melden) (!Schutzeinrichtung überbrücken und vorsichtig weiterarbeiten) (!Defekt bis zum Schichtende geheim halten) (!Maschine durch schnelleres Arbeiten entlasten)





Memory

Gefährdungsbeurteilung Gefahren systematisch ermitteln und Maßnahmen ableiten
Substitution Gefährliches Verfahren durch eine weniger gefährliche Lösung ersetzen
Rauchabzug Rauchgase möglichst an der Entstehungsstelle erfassen
Schmiedezange Heißes Werkstück mit Abstand zur Hand sicher halten
Not-Halt Gefährliche Bewegung im Notfall stoppen
Gehörschutz Einwirkung von Arbeitslärm auf das Gehör mindern
Zunder Oxidschicht, die sich auf heißem Metall bildet
Betriebsanweisung Arbeitsplatzbezogene Regeln für Gefahren und Schutzmaßnahmen





Drag and Drop

Ordne die richtigen Begriffe zu. Thema
Rauchabzug Technische Schutzmaßnahme
Zutrittsbegrenzung Organisatorische Schutzmaßnahme
Gehörschutz Persönliche Schutzmaßnahme
Kohlenstoffmonoxid Gefährliches Verbrennungsprodukt
Schmiedezange Hilfsmittel zum Halten heißen Metalls






Kreuzworträtsel

Rauchabzug Welche Einrichtung erfasst Rauchgase über der Esse?
Zunder Wie heißt die Oxidschicht, die beim Schmieden vom Werkstück abspringen kann?
Amboss Auf welchem massiven Werkzeug wird das Werkstück mit dem Handhammer umgeformt?
Unterweisung Wie heißt die arbeitsplatzbezogene Vermittlung von Gefahren und Schutzmaßnahmen?
Gehörschutz Welche PSA vermindert die Lärmeinwirkung auf das Ohr?
Schmiedezange Welches Werkzeug hält ein heißes Werkstück mit Abstand zur Hand?





LearningApps


Lückentext

Vervollständige den Text.

Vor Beginn einer Schmiedearbeit müssen die Gefährdungen in einer

ermittelt werden. Schutzmaßnahmen werden nach dem

ausgewählt. Rauchgase sollen durch einen wirksamen

an der Entstehungsstelle erfasst werden. Ein heißes Werkstück wird mit einer passenden

gehalten. Zunder und Funken erfordern einen geeigneten

. Impulshaltiger Arbeitslärm kann einen

erforderlich machen. Im Werkzeugeinbauraum eines Schmiedehammers besteht vor allem

. Vor einem Gesenkwechsel muss die Maschine gegen

gesichert werden. Bei einem Defekt an einer Schutzeinrichtung wird die Arbeit sofort

. Im Notfall beginnt richtiges Handeln mit dem

.




Offene Aufgaben


Leicht

  1. Gefahrenkennzeichnung: Fotografiere oder skizziere fünf Sicherheitszeichen aus einer Metallwerkstatt und erkläre ihre Bedeutung für eine Schmiede.
  2. PSA-Check: Erstelle eine bebilderte Checkliste für die persönliche Schutzausrüstung beim manuellen Schmieden.
  3. Werkzeugprüfung: Zeichne einen Schmiedehammer und markiere Stellen, an denen typische Mängel auftreten können.
  4. Sicherheitsdialog: Schreibe einen kurzen Dialog zwischen Ausbilder und Auszubildender vor dem ersten Anheizen einer Esse.


Standard

  1. Gefährdungsbeurteilung: Untersuche einen fiktiven Schmiedearbeitsplatz und ordne mindestens acht Gefährdungen den Gefährdungsgruppen zu.
  2. STOP-Prinzip: Entwickle für die Gefährdung durch Zunderflug je eine substituierende, technische, organisatorische und persönliche Maßnahme.
  3. Betriebsanweisung: Entwirf eine einseitige Betriebsanweisung für das sichere Arbeiten am Amboss.
  4. Lärmprotokoll: Beobachte eine Metallwerkstatt und dokumentiere, wann Lärm entsteht, wer betroffen ist und welche Minderungsmaßnahmen möglich sind.


Schwer

  1. Schmiedehammer: Entwickle ein Sicherheitskonzept für die Inbetriebnahme eines älteren kraftbetriebenen Schmiedehammers.
  2. Unterweisung: Plane eine zehnminütige praktische Unterweisung zum Thema Gasgeruch, Rauchabzug und Verhalten bei Störungen.
  3. Unfallanalyse: Analysiere einen erfundenen Unfall mit herausgeschleudertem Werkstück mithilfe einer Ereigniskette und leite Präventionsmaßnahmen ab.
  4. Werkstattplanung: Entwirf einen Grundriss für eine Ausbildungsschmiede mit sicheren Verkehrswegen, Materialfluss, Feuerstelle, Ambossplätzen, Maschinenbereich und Notfalleinrichtungen.




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Lernkontrolle

  1. Maßnahmenhierarchie: In einer Schmiede werden hohe Lärmwerte gemessen. Begründe, weshalb die alleinige Ausgabe von Gehörschutz keine vollständige Lösung ist, und entwickle ein Maßnahmenpaket.
  2. Störungsmanagement: Ein Werkstück verklemmt sich im Gesenk eines Schmiedehammers. Beschreibe einen sicheren Handlungsablauf und begründe jeden Schritt.
  3. Ausbildungssituation: Eine 17-jährige Auszubildende soll erstmals an einem kraftbetriebenen Schmiedehammer arbeiten. Prüfe, welche organisatorischen, rechtlichen und fachlichen Voraussetzungen geklärt werden müssen.
  4. Brandrisiko: Neben einer Esse werden Kartons und eine Gasflasche gelagert. Analysiere die Situation und ordne Deine Verbesserungen nach dem STOP-Prinzip.
  5. PSA-Auswahl: Vergleiche Schutzbrille, Gesichtsschutz, Gehörschutz, Handschuhe und Sicherheitsschuhe hinsichtlich Schutzwirkung, Grenzen und möglicher gegenseitiger Beeinflussung.
  6. Sicherheitskultur: Ein erfahrener Beschäftigter überbrückt einen defekten Fußhebelschutz, um den Auftrag zu beenden. Erkläre, wie Du fachlich richtig reagierst und wie der Betrieb Wiederholungen verhindern kann.




Lernnachweis

Für einen Lernnachweis zu diesem Thema ist wichtig, dass Du:

  1. typische thermische, mechanische, chemische, elektrische, ergonomische und physikalische Gefährdungen beim Schmieden erkennst,
  2. staatliche Arbeitsschutzvorschriften, Unfallverhütungsvorschriften und betriebliche Anweisungen voneinander unterscheiden kannst,
  3. Schutzmaßnahmen nachvollziehbar nach dem STOP-Prinzip priorisierst,
  4. sichere Arbeitsabläufe an Esse, Amboss und kraftbetriebenem Schmiedehammer beschreibst,
  5. die Grenzen persönlicher Schutzausrüstung erklärst,
  6. bei Mängeln, Gasgeruch, Brand und Unfall eine sichere Rettungs- und Meldekette darstellen kannst,
  7. Besonderheiten für minderjährige Auszubildende und beaufsichtigte Ausbildungsarbeiten berücksichtigst,
  8. eine einfache Gefährdungsbeurteilung oder Unterweisung praxisgerecht dokumentierst.




OERs zum Thema


Quellen und Regelwerk

  1. DGUV Themenfeld Manuelles Schmieden
  2. BGHM Arbeitsschutz Kompakt 118 Schmiedeessen
  3. BGHM Arbeitsschutz Kompakt 129 Schmiedehammer
  4. BGHM Arbeitsschutz Kompakt 140 Ambosse
  5. BGHM Musterbetrieb Hufbeschlagschmiede
  6. DGUV Fachbereich AKTUELL FBHM-089 Schmiedepressen und Schmiedehämmer
  7. Arbeitsschutzgesetz
  8. Betriebssicherheitsverordnung
  9. Gefahrstoffverordnung
  10. Lärm- und Vibrations-Arbeitsschutzverordnung
  11. PSA-Benutzungsverordnung
  12. Jugendarbeitsschutzgesetz


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