Polymerisation - Chemie


Polymerisation - Chemie
Einleitung
Bei einer Polymerisation werden viele kleine Moleküle zu langen Molekülketten verknüpft. Die kleinen Ausgangsmoleküle heißen Monomere, die entstehenden Makromoleküle heißen Polymere. Viele bekannte Kunststoffe wie Polyethen, Polypropen, Polyvinylchlorid und Polystyrol entstehen durch Kettenpolymerisation.
Du lernst in diesem aiMOOC, wie aus einem Alken ein Polymer entsteht, welche Schritte bei einer radikalischen Polymerisation ablaufen und warum sich Kunststoffe trotz ähnlicher Herstellung deutlich unterscheiden können.

Lernziele
Nach der Bearbeitung kannst Du die Begriffe Monomer, Polymer, Makromolekül und Wiederholeinheit erklären. Du kannst eine einfache Polymerisationsgleichung aufstellen, die Schritte der radikalischen Polymerisation beschreiben und Beispiele für wichtige Kunststoffe nennen. Außerdem kannst Du Zusammenhänge zwischen Molekülstruktur, Materialeigenschaften, Nutzung und Recycling erläutern.
Grundidee der Polymerisation
Ein Monomer ist ein kleines, reaktionsfähiges Molekül. Bei der für den Chemieunterricht besonders wichtigen Kettenpolymerisation besitzen die Monomere häufig eine Kohlenstoff-Kohlenstoff-Doppelbindung. Während der Reaktion wird der π-Anteil dieser Doppelbindung aufgelöst. Zwischen den Monomeren entstehen neue Einfachbindungen.
Das Polymer besteht aus sehr vielen miteinander verbundenen Atomen. Der regelmäßig wiederkehrende Abschnitt der Kette wird Wiederholeinheit genannt. Die Zahl der Wiederholeinheiten wird durch den Polymerisationsgrad beschrieben.

Die allgemeine Darstellung lautet vereinfacht:
Dabei steht für eine große Zahl von Monomermolekülen.
Beispiel: Ethen wird zu Polyethen
Das Monomer Ethen besitzt eine C=C-Doppelbindung. Viele Ethenmoleküle können zu Polyethen reagieren:
Links steht das Monomer Ethen. Rechts steht die Wiederholeinheit des Polymers Polyethen in eckigen Klammern. Die seitlich offenen Bindungen zeigen, dass sich die Kette in beide Richtungen fortsetzt.
Polyethen wird unter anderem für Folien, Flaschen, Rohre und Verpackungen verwendet. Seine Eigenschaften hängen beispielsweise von Kettenlänge, Verzweigung und räumlicher Anordnung der Molekülketten ab.
Weitere Monomere und Polymere
Propen bildet Polypropen. Chlorethen bildet Polyvinylchlorid, kurz PVC. Styrol bildet Polystyrol. Bei allen Beispielen wird die C=C-Doppelbindung des Monomers in eine Einfachbindung innerhalb der Polymerkette überführt.


Radikalische Polymerisation
Eine häufige Form der Kettenpolymerisation ist die radikalische Polymerisation. Sie läuft über sehr reaktionsfähige Teilchen mit ungepaartem Elektron. Diese Teilchen heißen Radikale.
Der Mechanismus wird in drei Hauptschritte gegliedert: Kettenstart, Kettenwachstum und Kettenabbruch.

Kettenstart
Zunächst zerfällt ein Initiator durch Wärme, Licht oder eine chemische Reaktion in Radikale. Vereinfacht gilt:
Ein Initiatorradikal greift die Doppelbindung eines Monomers an. Dabei entsteht eine neue Bindung. Am Ende des angegriffenen Monomers bleibt ein neues Radikalzentrum zurück. Damit hat die Polymerkette begonnen.
Kettenwachstum
Das Radikal am Kettenende reagiert mit einem weiteren Monomer. Danach befindet sich das ungepaarte Elektron wieder am neuen Kettenende. Dieser Vorgang wiederholt sich sehr oft:
Schon kurz nach dem Start können lange Polymerketten entstehen. Das Wachstum erfolgt immer am aktiven Kettenende.
Kettenabbruch
Treffen zwei Radikale aufeinander, können sie eine Bindung bilden. Die aktiven Kettenenden verschwinden und das Kettenwachstum endet. Auch andere Abbruch- oder Übertragungsreaktionen sind möglich.
Die Länge einer Polymerkette ist deshalb nicht bei allen Molekülen gleich. Eine Kunststoffprobe enthält meistens Polymermoleküle mit unterschiedlichen Kettenlängen.
Struktur und Eigenschaften
Die Eigenschaften eines Kunststoffs hängen nicht nur von der Art des Monomers ab. Wichtig sind auch Kettenlänge, Verzweigung, regelmäßige Anordnung, Kristallinität, Vernetzung und Zusatzstoffe.
Lineare oder wenig verzweigte Ketten können sich teilweise geordnet anlagern. Stark vernetzte Makromoleküle bilden dagegen ein räumliches Netzwerk.

Thermoplaste bestehen überwiegend aus unvernetzten oder wenig verzweigten Ketten. Sie können beim Erwärmen weich und formbar werden. Duroplaste besitzen ein enges Netzwerk und schmelzen nicht. Elastomere sind weitmaschig vernetzt und können sich elastisch verformen.
Polyethen ist häufig zäh und flexibel. Polypropen ist meist formstabiler und wärmebeständiger. Unverändertes PVC ist eher hart; Weichmacher können es flexibel machen. Polystyrol ist in kompakter Form oft hart und spröde und wird aufgeschäumt als leichter Dämmstoff genutzt.

Herstellung und Verarbeitung
Nach der Polymerisation wird ein Kunststoff häufig als Granulat weiterverarbeitet. Beim Spritzgießen, Extrudieren oder Blasformen wird das Material erwärmt und in die gewünschte Form gebracht.

Zusatzstoffe können Farbe, Härte, Elastizität, Lichtbeständigkeit oder Brennbarkeit verändern. Deshalb können Produkte aus demselben Grundpolymer unterschiedliche Eigenschaften besitzen.
Abgrenzung zu anderen Polyreaktionen
Im Schulunterricht wird der Begriff Polymerisation häufig für eine Kettenreaktion von Monomeren mit C=C-Doppelbindung verwendet. In der modernen Fachsprache kann Polymerisation auch als Oberbegriff für verschiedene Reaktionen zur Bildung von Polymeren dienen.
Bei einer Kettenpolymerisation wächst das Polymer an einem aktiven Kettenende. Bei einer Polyaddition reagieren Moleküle schrittweise miteinander, ohne dass ein kleines Nebenprodukt abgespalten wird. Bei einer Polykondensation entstehen neben dem Polymer kleine Moleküle wie Wasser oder Methanol.
Polyethylenterephthalat, kurz PET, ist beispielsweise ein Polyester und wird normalerweise durch eine Stufenwachstumsreaktion hergestellt. Es gehört daher nicht zu den klassischen Beispielen einer Polymerisation von Alkenen.
Umwelt und Recycling
Kunststoffe sind leicht, vielseitig und oft langlebig. Genau diese Beständigkeit kann zum Umweltproblem werden, wenn Kunststoffabfälle in Böden, Flüsse oder Meere gelangen. Größere Kunststoffteile können durch mechanische Belastung und Sonnenlicht in kleinere Fragmente zerfallen.
Kunststoffgranulat kann bereits vor der Herstellung fertiger Produkte in die Umwelt gelangen. Solche kleinen Pellets werden auch als Nurdles bezeichnet.

Für ein hochwertiges werkstoffliches Recycling sollten Kunststoffarten möglichst sauber getrennt werden. Recyclingcodes können bei der Zuordnung helfen. Der Code 04 steht beispielsweise für Polyethen niedriger Dichte, der Code 05 für Polypropen.


Recycling allein löst nicht alle Probleme. Wichtig sind auch langlebige Produkte, Reparatur, Wiederverwendung, materialsparende Gestaltung und die Vermeidung unnötiger Einwegartikel.
Sicherheit im Chemieunterricht
Viele Monomere, Initiatoren und organische Lösungsmittel können gesundheitsschädlich, leicht entzündlich oder stark reaktionsfähig sein. Polymerisationsexperimente dürfen deshalb nur nach geprüfter Versuchsvorschrift, mit geeigneter Schutzausrüstung und unter Aufsicht einer Fachkraft durchgeführt werden. Unbekannte Kunststoffe dürfen nicht verbrannt werden, weil gefährliche Gase entstehen können.
Interaktive Aufgaben
Quiz: Teste Dein Wissen
Wie heißt ein kleines Ausgangsmolekül einer Polymerisation? (Monomer) (!Katalysator) (!Elektrolyt) (!Lösungsmittel)
Welche Struktur besitzen viele Monomere einer klassischen Kettenpolymerisation? (Eine Kohlenstoff-Kohlenstoff-Doppelbindung) (!Eine Metallbindung) (!Eine Ionenbindung) (!Eine Edelgasstruktur)
Welches Monomer wird zur Herstellung von Polyethen verwendet? (Ethen) (!Ethan) (!Ethin) (!Ethanol)
Welche Aufgabe hat ein Initiator bei der radikalischen Polymerisation? (Er erzeugt reaktive Radikale) (!Er färbt das Polymer) (!Er löst das fertige Polymer) (!Er trennt die Polymerketten)
Was geschieht beim Kettenwachstum? (Weitere Monomere lagern sich am aktiven Kettenende an) (!Das Polymer zerfällt in Monomere) (!Alle Atome werden zu Ionen) (!Ein Metall wird oxidiert)
Was kennzeichnet einen Kettenabbruch? (Das aktive Kettenende wird deaktiviert) (!Eine neue Doppelbindung startet immer eine zweite Kette) (!Das Polymer verdampft vollständig) (!Das Monomer wird zu einem Salz)
Aus welchem Monomer entsteht Polyvinylchlorid? (Chlorethen) (!Methan) (!Propan) (!Ethansäure)
Welche Aussage beschreibt eine Polykondensation? (Bei der Polymerbildung entstehen kleine Nebenprodukte) (!Das Polymer entsteht nur durch Radikale) (!Es reagieren ausschließlich Metalle) (!Die Reaktion bildet immer Sauerstoff)
Wovon können die Eigenschaften eines Kunststoffs abhängen? (Von Kettenstruktur und Zusatzstoffen) (!Nur von seiner Farbe) (!Nur vom Namen des Herstellers) (!Nur von der Form des Produkts)
Welche Maßnahme unterstützt einen nachhaltigeren Umgang mit Kunststoffen? (Produkte wiederverwenden und Kunststoffe sortenrein sammeln) (!Alle Kunststoffe gemeinsam verbrennen) (!Granulat in Gewässer entsorgen) (!Einwegprodukte grundsätzlich bevorzugen)
Memory
| Monomer | Kleines Ausgangsmolekül |
| Polymer | Stoff aus Makromolekülen |
| Initiator | Erzeugt reaktive Teilchen |
| Kettenstart | Beginn einer aktiven Kette |
| Kettenwachstum | Wiederholte Anlagerung weiterer Bausteine |
| Kettenabbruch | Ende des aktiven Zentrums |
| Polyethen | Produkt aus Ethen |
| Polystyrol | Produkt aus Styrol |
Drag and Drop
| Ordne die richtigen Begriffe zu. | Vorgang oder Bedeutung |
|---|---|
| Kettenstart | Ein Radikal greift das erste Monomer an. |
| Kettenwachstum | Am aktiven Ende werden weitere Monomere angelagert. |
| Kettenabbruch | Das reaktive Kettenende verschwindet. |
| Wiederholeinheit | Dieser Abschnitt wiederholt sich im Makromolekül. |
| Polymerisationsgrad | Er beschreibt die Zahl der Grundbausteine einer Polymerkette. |
Kreuzworträtsel
| Monomer | Wie heißt ein kleines Ausgangsmolekül für eine Polymerbildung? |
| Polymer | Wie heißt ein Stoff, dessen Moleküle aus vielen Wiederholeinheiten bestehen? |
| Radikal | Wie heißt ein Teilchen mit ungepaartem Elektron? |
| Initiator | Welcher Stoff startet häufig eine radikalische Kettenreaktion? |
| Propen | Welches Monomer bildet Polypropen? |
| Styrol | Welches Monomer bildet Polystyrol? |
LearningApps
Lückentext
Offene Aufgaben
Leicht
- Begriffskarte: Gestalte eine Karte mit den Begriffen Monomer, Polymer, Wiederholeinheit und Polymerisationsgrad.
- Kunststoffsuche: Fotografiere fünf Kunststoffgegenstände und notiere Material, Verwendung und möglichen Recyclingcode.
- Kettenmodell: Baue aus Papier, Perlen oder Bausteinen ein Modell aus Monomeren und einer Polymerkette.
- Reaktionsgleichung: Zeichne die Polymerisation von Ethen zu Polyethen und markiere die Doppelbindung sowie die Wiederholeinheit.
Standard
- Erklärvideo: Produziere ein kurzes Video, das Kettenstart, Kettenwachstum und Kettenabbruch erklärt.
- Materialvergleich: Vergleiche PE, PP, PVC und PS hinsichtlich Monomer, Struktur, Eigenschaften und Verwendung.
- Recyclingcodes: Untersuche Verpackungen aus Deinem Alltag und bewerte, wie eindeutig die Kunststoffe gekennzeichnet sind.
- Struktur-Eigenschaft: Erkläre an zwei Beispielen, wie Seitenketten, Verzweigung oder Vernetzung die Stoffeigenschaften beeinflussen.
Schwer
- Mechanismusdarstellung: Entwickle eine fachlich korrekte Darstellung der radikalischen Polymerisation mit Elektronenpunkten und Reaktionspfeilen.
- Kreislaufkonzept: Entwirf für ein Kunststoffprodukt einen möglichst geschlossenen Stoffkreislauf von der Herstellung bis zur Wiederverwendung.
- Fachinterview: Befrage eine Person aus Abfallwirtschaft, Kunststofftechnik oder Umweltberatung und werte die Antworten aus.
- Produktbewertung: Beurteile ein Kunststoffprodukt nach Funktion, Rohstoffbedarf, Lebensdauer, Reparierbarkeit, Recyclingfähigkeit und Umweltwirkung.


Lernkontrolle
- Übertragung: Leite aus der Strukturformel von But-1-en eine mögliche Wiederholeinheit des entstehenden Polymers ab und begründe jeden Schritt.
- Fehleranalyse: Eine Darstellung zeigt im Polymer weiterhin C=C-Doppelbindungen zwischen allen Wiederholeinheiten. Erkläre den Fehler und verbessere die Formel.
- Mechanismus: Erkläre, warum bei einer radikalischen Polymerisation trotz kurzer Startphase sehr lange Ketten entstehen können.
- Eigenschaftsvorhersage: Vergleiche ein lineares Polymer mit einem eng vernetzten Polymer und leite Unterschiede beim Erwärmen ab.
- Vergleich: Ordne Kettenpolymerisation, Polyaddition und Polykondensation nach Reaktionsweise und möglichen Nebenprodukten.
- Bewertung: Entscheide begründet, ob für ein kurzlebiges Produkt ein besonders beständiger Kunststoff sinnvoll ist. Berücksichtige Nutzung und Entsorgung.
Lernnachweis
Für einen Lernnachweis zu diesem Thema solltest Du:
- die Begriffe Monomer, Polymer, Makromolekül, Wiederholeinheit und Polymerisationsgrad sicher verwenden,
- aus einem geeigneten Alken die Wiederholeinheit des Polymers ableiten,
- eine einfache Polymerisationsgleichung mit und eckigen Klammern darstellen,
- Kettenstart, Kettenwachstum und Kettenabbruch fachlich erklären,
- wichtige Beispiele wie PE, PP, PVC und PS ihren Monomeren zuordnen,
- Struktur-Eigenschafts-Beziehungen bei Kunststoffen erläutern,
- Polymerisation, Polyaddition und Polykondensation unterscheiden,
- Möglichkeiten und Grenzen von Recycling und Kunststoffvermeidung bewerten.
OERs zum Thema
Verknüpfte Lernbereiche
Die Polymerisation verbindet Kenntnisse über Organische Chemie, Alkene, chemische Bindungen, Reaktionsmechanismen, Werkstoffe und Nachhaltigkeit. Besonders wichtig ist die Verbindung zwischen molekularem Aufbau und beobachtbaren Materialeigenschaften.
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