Galvanische Zellen - Chemie


Galvanische Zellen - Chemie
Einleitung
Eine galvanische Zelle wandelt die Energie einer freiwillig ablaufenden Redoxreaktion in elektrische Energie um. Die Elektronen werden dabei nicht direkt zwischen den Reaktionspartnern übertragen, sondern über einen äußeren Leiter geführt. So entsteht nutzbarer elektrischer Strom.
Galvanische Zellen bilden die Grundlage vieler Batterien, Akkumulatoren, Brennstoffzellen und elektrochemischer Sensoren. Das klassische Schulbeispiel ist das Daniell-Element aus Zink und Kupfer.

Lernziele
Nach diesem aiMOOC kannst Du den Aufbau einer galvanischen Zelle beschreiben, Oxidation und Reduktion den Elektroden zuordnen, den Elektronen- und Ionenfluss erklären und die Zellspannung eines Daniell-Elements berechnen. Außerdem kannst Du galvanische Zellen mit Elektrolysezellen vergleichen und ihre Bedeutung für Alltag und Umwelt beurteilen.
Grundidee der galvanischen Zelle
Eine galvanische Zelle besteht aus zwei gekoppelten Halbzellen. Jede Halbzelle enthält eine Elektrode und einen Elektrolyten. Zwischen Elektrode und Elektrolyt stellt sich ein Elektrodenpotenzial ein.
Die beiden Halbzellen sind auf zwei Wegen verbunden:
- Elektronenleiter: Ein Draht oder ein Messgerät verbindet die Elektroden. Hier fließen Elektronen.
- Ionenleiter: Eine Salzbrücke, ein Diaphragma oder eine Membran verbindet die Elektrolyte. Hier wandern Ionen.
Erst wenn beide Verbindungen vorhanden sind, kann der Stromkreis dauerhaft geschlossen bleiben.
Merksatz: Außen fließen Elektronen, innen sorgen Ionen für den Ladungsausgleich.

Anode und Kathode
An der Anode findet die Oxidation statt. Teilchen geben Elektronen ab. In einer galvanischen Zelle ist die Anode der Minuspol.
An der Kathode findet die Reduktion statt. Teilchen nehmen Elektronen auf. In einer galvanischen Zelle ist die Kathode der Pluspol.
Eine hilfreiche Eselsbrücke lautet: AnOx – RedKat. Anode bedeutet Oxidation, Kathode bedeutet Reduktion.
Die Bezeichnungen Anode und Kathode richten sich immer nach der Reaktion. Die Vorzeichen der Pole hängen dagegen davon ab, ob eine galvanische Zelle oder eine Elektrolysezelle betrachtet wird.
Das Daniell-Element
Das Daniell-Element verbindet eine Zinkhalbzelle mit einer Kupferhalbzelle. In der Zinkhalbzelle taucht eine Zinkelektrode in eine Lösung mit Zink-Ionen. In der Kupferhalbzelle taucht eine Kupferelektrode in eine Lösung mit Kupfer-Ionen.

Reaktionen an den Elektroden
Zink ist unedler als Kupfer und gibt leichter Elektronen ab. Deshalb wird Zink oxidiert:
Die Zinkelektrode ist die Anode und der Minuspol. Ihre Masse nimmt während des Betriebs ab.
Kupfer-Ionen nehmen an der Kupferelektrode Elektronen auf:
Die Kupferelektrode ist die Kathode und der Pluspol. Auf ihr wird Kupfer abgeschieden, sodass ihre Masse zunimmt.
Die Gesamtreaktion lautet:
Elektronen- und Ionenfluss
Die Elektronen fließen im äußeren Stromkreis von der Zinkelektrode zur Kupferelektrode. Die technische Stromrichtung verläuft entgegengesetzt.
In der Zinkhalbzelle entstehen immer mehr positiv geladene Zink-Ionen. In der Kupferhalbzelle werden positiv geladene Kupfer-Ionen verbraucht. Ohne Ladungsausgleich würde der Elektronenfluss schnell enden.
Eine Salzbrücke mit einem weitgehend reaktionsträgen Salz gleicht die Ladungen aus. Anionen wandern überwiegend zur Anodenseite, Kationen überwiegend zur Kathodenseite. Die Salzbrücke transportiert also Ionen, aber keine Elektronen.

Zellschreibweise
Das Daniell-Element kann kurz geschrieben werden:
Ein einfacher Strich kennzeichnet eine Phasengrenze. Der Doppelstrich steht für die Verbindung zwischen den Halbzellen. Üblicherweise wird die Anode links und die Kathode rechts notiert.
Zellspannung und Spannungsreihe
Die Zellspannung entsteht aus der Differenz der Elektrodenpotenziale. Unter Standardbedingungen werden die Standardelektrodenpotenziale verwendet.
Für das Daniell-Element gelten näherungsweise:
Die Standard-Zellspannung berechnet sich mit:
Für das Daniell-Element ergibt sich:
Eine positive Zellspannung zeigt, dass die betrachtete Gesamtreaktion unter Standardbedingungen freiwillig in der angegebenen Richtung ablaufen kann.
Bezugselektrode
Ein einzelnes Elektrodenpotenzial kann nicht direkt allein gemessen werden. Es wird immer mit einer Bezugselektrode verglichen. Als Bezug dient die Standard-Wasserstoffelektrode, deren Standardpotenzial definitionsgemäß beträgt.

Einfluss der Konzentration
Die tatsächliche Zellspannung hängt unter anderem von den Konzentrationen beziehungsweise Aktivitäten der beteiligten Teilchen und von der Temperatur ab. Dies beschreibt die Nernst-Gleichung:
Dabei ist das Elektrodenpotenzial, das Standardpotenzial, die Gaskonstante, die absolute Temperatur, die Zahl der übertragenen Elektronen, die Faraday-Konstante und der Reaktionsquotient.
Für den Einstieg genügt: Ändern sich die Ionenkonzentrationen, kann sich auch die messbare Spannung ändern.
Galvanische Zelle und Elektrolysezelle
Bei einer galvanischen Zelle läuft eine freiwillige Redoxreaktion ab und liefert elektrische Energie. Bei einer Elektrolysezelle erzwingt eine äußere Spannungsquelle eine nicht freiwillig ablaufende Reaktion.
Die Reaktionsorte bleiben eindeutig: Oxidation findet immer an der Anode statt, Reduktion immer an der Kathode. Die Polung unterscheidet sich jedoch.

Geschichte und Anwendungen
Der Name erinnert an Luigi Galvani. Alessandro Volta entwickelte mit der Voltaschen Säule eine frühe kontinuierliche Spannungsquelle. Das Daniell-Element wurde im 19. Jahrhundert von John Frederic Daniell entwickelt und lieferte eine vergleichsweise gleichmäßige Spannung.


Heute begegnet Dir das Prinzip galvanischer Zellen in Primärbatterien, Akkumulatoren, Brennstoffzellen, Messsonden und bei der Betrachtung von Korrosion. Verschiedene Zelltypen nutzen unterschiedliche Redoxpaare, Elektrolyte und Bauformen.
Umwelt und Sicherheit
Batterien enthalten wertvolle Rohstoffe und können Stoffe enthalten, die nicht in die Umwelt gelangen dürfen. Sie gehören deshalb in vorgesehene Sammelsysteme und nicht in den Hausmüll.
Versuche mit Metallsalzlösungen werden nur nach schulischer Gefährdungsbeurteilung durchgeführt. Trage eine Schutzbrille, vermeide Hautkontakt und entsorge kupfer- oder zinkhaltige Lösungen nach den Vorgaben der Schule. Chemikalienreste gehören nicht in den Ausguss.
Beobachtungen im Schulversuch
Bei einem Daniell-Element kannst Du typischerweise eine Spannung messen. Unter geeigneten Bedingungen nimmt die Zinkelektrode an Masse ab, während sich Kupfer an der Kupferelektrode abscheidet. Abweichungen vom theoretischen Wert können durch Konzentrationen, Temperatur, Innenwiderstand, verschmutzte Elektroden oder Messbedingungen entstehen.

Interaktive Aufgaben
Quiz: Teste Dein Wissen
Welche Energieumwandlung findet in einer galvanischen Zelle statt? (Chemische Energie wird in elektrische Energie umgewandelt) (!Elektrische Energie wird nur in Wärme umgewandelt) (!Lichtenergie wird in Kernenergie umgewandelt) (!Mechanische Energie wird in chemische Energie umgewandelt)
An welcher Elektrode findet die Oxidation statt? (An der Anode) (!An der Kathode) (!An der Salzbrücke) (!Am Voltmeter)
Welche Elektrode ist im Daniell-Element der Minuspol? (Die Zinkelektrode) (!Die Kupferelektrode) (!Die Salzbrücke) (!Die Bezugselektrode)
In welche Richtung fließen die Elektronen im äußeren Stromkreis des Daniell-Elements? (Von Zink zu Kupfer) (!Von Kupfer zu Zink) (!Von der Salzbrücke zum Zink) (!Vom Elektrolyten zum Voltmeter)
Welche Teilchen werden an der Kupferelektrode reduziert? (Kupfer-Ionen) (!Zinkatome) (!Sulfat-Ionen) (!Elektronen)
Welche Aufgabe hat die Salzbrücke? (Sie ermöglicht den ionischen Ladungsausgleich) (!Sie erzeugt die Elektronen) (!Sie misst die Spannung) (!Sie verhindert jede Ionenbewegung)
Wie verändert sich die Masse der Zinkelektrode beim Betrieb des Daniell-Elements? (Sie nimmt ab) (!Sie nimmt immer zu) (!Sie bleibt grundsätzlich unverändert) (!Sie verdoppelt sich sofort)
Wie groß ist die Standard-Zellspannung des Daniell-Elements näherungsweise? (1,10 Volt) (!0 Volt) (!0,34 Volt) (!2,76 Volt)
Welche Aussage zur Kathode einer galvanischen Zelle ist richtig? (Dort findet die Reduktion statt) (!Dort findet die Oxidation statt) (!Sie ist immer der Minuspol) (!Dort fließen keine Elektronen an)
Was beschreibt die Nernst-Gleichung? (Die Abhängigkeit eines Elektrodenpotenzials von Bedingungen wie Konzentration und Temperatur) (!Nur die Masse einer Elektrode) (!Nur die Farbe eines Elektrolyten) (!Die Geschwindigkeit des technischen Stroms)
Memory
| Anode | Ort der Oxidation |
| Kathode | Ort der Reduktion |
| Salzbrücke | Ionischer Ladungsausgleich |
| Zinkelektrode | Elektronenquelle im Daniell-Element |
| Kupferelektrode | Ort der Kupferabscheidung |
| Elektronenleiter | Äußerer Stromkreis |
| Elektrolyt | Ionenleitende Lösung |
| Zellspannung | Potentialdifferenz der Elektroden |
Drag and Drop
| Ordne die richtigen Begriffe zu. | Thema |
|---|---|
| Oxidation | Anode |
| Reduktion | Kathode |
| Elektronenfluss | Zink zu Kupfer |
| Anionenwanderung | Richtung Zinkhalbzelle |
| Kationenwanderung | Richtung Kupferhalbzelle |
Kreuzworträtsel
| Anode | An welcher Elektrode findet die Oxidation statt? |
| Kathode | An welcher Elektrode findet die Reduktion statt? |
| Elektrolyt | Wie heißt eine ionenleitende Flüssigkeit? |
| Salzbrücke | Welches Bauteil ermöglicht den Ladungsausgleich zwischen Halbzellen? |
| Daniell | Welcher Nachname bezeichnet die bekannte Zink-Kupfer-Zelle? |
| Spannung | Welche elektrische Größe wird zwischen den Elektroden gemessen? |
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Lückentext
Offene Aufgaben
Leicht
- Begriffskarte: Gestalte eine Karte mit den Begriffen Anode, Kathode, Oxidation und Reduktion und ergänze zu jedem Begriff eine kurze Erklärung.
- Stromweg: Zeichne ein Daniell-Element und markiere den Elektronenfluss sowie die Wanderung von Kationen und Anionen mit unterschiedlichen Pfeilarten.
- Alltagsbatterien: Fotografiere oder skizziere drei Batterietypen aus Deinem Alltag und notiere, wo sie eingesetzt werden.
- Erklärbild: Erstelle ein Bild, das den Merksatz AnOx – RedKat verständlich darstellt.
Standard
- Versuchsprotokoll: Werte ein schulisches Experiment zum Daniell-Element mit Fragestellung, Beobachtung, Deutung und Reaktionsgleichungen aus.
- Fehleranalyse: Entwickle vier mögliche Erklärungen dafür, dass eine gemessene Zellspannung kleiner als der theoretische Wert ist.
- Lernvideo: Produziere ein höchstens dreiminütiges Erklärvideo zum Elektronen- und Ionenfluss in einer galvanischen Zelle.
- Batterierecycling: Recherchiere den Weg gebrauchter Batterien vom Sammelbehälter bis zur Rückgewinnung von Rohstoffen und stelle ihn als Flussdiagramm dar.
Schwer
- Zellvergleich: Vergleiche zwei verschiedene galvanische Zellen hinsichtlich Redoxpaaren, Spannung, Einsatzgebiet und Umweltaspekten.
- Experimentplanung: Plane eine Untersuchung zum Einfluss der Ionenkonzentration auf die Zellspannung und formuliere kontrollierbare Variablen.
- Elektrochemische Spannungsreihe: Wähle zwei Redoxpaare aus einer Tabelle aus, prognostiziere die freiwillige Reaktionsrichtung und berechne die Standard-Zellspannung.
- Wissenschaftskommunikation: Entwickle eine Ausstellungstafel, die von der Voltaschen Säule über das Daniell-Element zu modernen Batterien führt und Chancen sowie Grenzen erklärt.


Lernkontrolle
- Modellkritik: Erkläre, welche Vorgänge ein einfaches Schaltbild der galvanischen Zelle zeigt und welche Teilchenvorgänge darin oft nicht sichtbar werden.
- Transfer auf unbekannte Zellen: Du erhältst zwei unbekannte Halbzellen mit ihren Standardpotenzialen. Bestimme Anode, Kathode, Elektronenfluss und erwartete Standard-Zellspannung und begründe jeden Schritt.
- Störung der Salzbrücke: Beschreibe und begründe, was mit Stromfluss und Ladungsverteilung geschieht, wenn die Salzbrücke entfernt wird.
- Messwertbeurteilung: Ein Daniell-Element liefert nur 0,82 Volt. Entwickle eine begründete Prüfstrategie, mit der Du mögliche Ursachen systematisch untersuchst.
- Galvanische Zelle und Elektrolyse: Vergleiche beide Zelltypen anhand von Energieumwandlung, Freiwilligkeit der Reaktion, Polung und Elektrodenreaktionen.
- Nachhaltigkeitsurteil: Beurteile, welche Informationen nötig sind, um die Umweltwirkung zweier Batterietypen fair miteinander zu vergleichen.
Lernnachweis
Für einen Lernnachweis zu galvanischen Zellen sind folgende Kompetenzen wichtig:
- Du beschriftest den Aufbau einer galvanischen Zelle fachsprachlich korrekt.
- Du ordnest Oxidation und Reduktion den Elektroden zu.
- Du formulierst passende Teilgleichungen und eine Gesamtgleichung.
- Du erklärst Elektronenfluss, Ionenwanderung und die Funktion der Salzbrücke.
- Du berechnest aus Standardpotenzialen eine Zellspannung.
- Du deutest Messwerte und begründest mögliche Abweichungen.
- Du vergleichst galvanische Zellen mit Elektrolysezellen.
- Du beurteilst Anwendungen und Umweltaspekte mit nachvollziehbaren Kriterien.
OERs zum Thema
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