Handwerkskammer und Innungen - Handwerk


Handwerkskammer und Innungen - Handwerk
Handwerkskammer und Innungen - Handwerk
Einleitung
In Deiner dualen Ausbildung begegnen Dir oft die Begriffe Handwerkskammer, Innung und Kreishandwerkerschaft. Diese Organisationen gehören zur Selbstverwaltung des Handwerks. Sie unterstützen Betriebe, organisieren Teile der Berufsbildung und vertreten Interessen. Die rechtliche Grundlage ist vor allem die Handwerksordnung (HwO).[1]

Merksatz: Die Handwerkskammer arbeitet fachübergreifend für einen ganzen Kammerbezirk. Die Innung ist fachbezogen und ein freiwilliger Zusammenschluss von Betriebsinhaberinnen und Betriebsinhabern eines gleichen oder verwandten Handwerks.[2]
Lernziele
Nach diesem aiMOOC kannst Du die Aufgaben von Handwerkskammer und Innung unterscheiden, passende Ansprechstellen finden und typische Situationen aus Deiner Ausbildung richtig zuordnen.
- Handwerkskammer und Handwerksinnung vergleichen
- Ausbildungsvertrag, Lehrlingsrolle und Gesellenprüfung einordnen
- Die Bedeutung von ÜLU erklären
- Bei Fragen oder Konflikten die richtige Stelle ansprechen
- Kreishandwerkerschaft und Selbstverwaltung beschreiben
Zwei Organisationen – zwei Blickrichtungen
| Merkmal | Handwerkskammer | Innung |
|---|---|---|
| Bereich | Viele Gewerke in einem Kammerbezirk | Ein gleiches oder fachlich verwandtes Gewerk in einem örtlichen Bezirk |
| Zugehörigkeit | Gesetzliche Kammerzugehörigkeit der erfassten Handwerksbetriebe | Freiwillige Mitgliedschaft der Betriebsinhaberinnen und Betriebsinhaber |
| Schwerpunkt | Öffentliche Aufgaben, Berufsbildung, Register, Beratung und Interessenvertretung | Fachliche Interessen, Austausch, Service, Nachwuchsarbeit und Prüfungen bei Ermächtigung |
| Bezug zu Dir | Ausbildungsvertrag, Ausbildungsberatung, Prüfungswesen und Weiterbildung | Fachliche Lehrgänge, Aktionen, Wettbewerbe und gegebenenfalls Gesellenprüfung |
| Verhältnis | Führt die Rechtsaufsicht über Innungen | Steht unter der Rechtsaufsicht der Handwerkskammer |
Die Handwerkskammer
Die Handwerkskammer ist eine Körperschaft des öffentlichen Rechts. Sie übernimmt staatlich übertragene Aufgaben und organisiert zugleich die Selbstverwaltung des Handwerks.[1]
Zu ihren wichtigen Aufgaben gehören:
- Führen der Handwerksrolle für selbstständige Handwerksbetriebe
- Führen des Verzeichnisses der Berufsausbildungsverhältnisse, oft Lehrlingsrolle genannt
- Prüfen und Registrieren von Ausbildungsverträgen
- Beraten von Auszubildenden und Betrieben
- Regeln und Überwachen der Berufsausbildung
- Organisieren oder Beaufsichtigen von Prüfungen
- Anbieten von Fortbildungen, Meistervorbereitung und Betriebsberatung

Bildungszentren der Kammern verbinden praktische Werkstattarbeit mit moderner Technik.
Die Innung
Eine Innung ist die fachliche Organisation eines Handwerks in einem bestimmten Bezirk. Mitglied werden können selbstständige Betriebe des gleichen oder eines fachlich beziehungsweise wirtschaftlich nahestehenden Handwerks. Die Mitgliedschaft ist freiwillig.[3]
Typische Aufgaben sind:
- Gemeinsame fachliche und wirtschaftliche Interessen fördern
- Austausch zwischen Mitgliedsbetrieben ermöglichen
- Nachwuchsgewinnung und Ausbildungsqualität unterstützen
- Lehrgänge, Fachveranstaltungen und Wettbewerbe anbieten
- Gesellenprüfungen durchführen, wenn die Handwerkskammer sie dazu ermächtigt
- In fachlichen Fragen informieren und beraten

Historisch knüpfen Innungen an die Tradition der Zünfte an. Heute richten sich Aufbau und Aufgaben nach der Handwerksordnung.
Die Kreishandwerkerschaft
Mehrere Innungen eines Kreises oder einer Stadt bilden eine Kreishandwerkerschaft. Sie kann gemeinsame Interessen vertreten und die Geschäftsführung angeschlossener Innungen übernehmen.[4]

Was bedeutet das für Dich als Azubi?
Ausbildungsvertrag und Lehrlingsrolle
Dein Betrieb und Du schließen einen Berufsausbildungsvertrag. Die Handwerkskammer prüft die wesentlichen Angaben und trägt das Ausbildungsverhältnis in ihr Verzeichnis ein. Dadurch wird die Ausbildung offiziell erfasst.
Ausbildungsberatung
Bei Fragen zu Ausbildungsinhalten, Probezeit, Berichtsheft, Verkürzung, Verlängerung oder Konflikten hilft die Ausbildungsberatung der Handwerkskammer. Sprich Probleme möglichst zuerst sachlich im Betrieb an. Bleibt das Problem bestehen, kannst Du Dich an die zuständige Beratungsstelle wenden.
Überbetriebliche Lehrlingsunterweisung
Die Überbetriebliche Lehrlingsunterweisung ergänzt die Ausbildung im Betrieb. In Bildungsstätten lernst Du Arbeitstechniken, die Dein Betrieb nicht vollständig vermitteln kann. Träger können je nach Region und Gewerk Handwerkskammern, Innungen oder andere handwerkliche Bildungseinrichtungen sein.

Gesellenprüfung
Am Ende Deiner Ausbildung steht in der Regel die Gesellenprüfung. Zuständig ist die Handwerkskammer. Sie kann eine Innung ermächtigen, einen Gesellenprüfungsausschuss einzurichten und die Prüfung durchzuführen. Entscheidend sind deshalb immer Deine Prüfungsunterlagen und die Angaben der zuständigen Stelle.[1]

Wer hilft in welchem Fall?
| Situation | Erste passende Stelle |
|---|---|
| Frage zum eingetragenen Ausbildungsvertrag | Ausbildungsberatung der Handwerkskammer |
| Konflikt über Ausbildungsinhalte | Ausbilderin oder Ausbilder, danach Ausbildungsberatung der Handwerkskammer |
| Frage zu einem Prüfungstermin | Stelle auf der Prüfungseinladung, also Handwerkskammer oder ermächtigte Innung |
| Fachlehrgang oder Wettbewerb im Gewerk | Zuständige Innung oder Fachverband |
| Frage zu Noten und Unterricht | Berufsschule |
| Meisterkurs oder Aufstiegsfortbildung | Bildungsberatung der Handwerkskammer |
Praxisregel: Schaue zuerst auf Deinen Ausbildungsvertrag, die Prüfungsunterlagen oder die Internetseite Deiner regionalen Handwerkskammer. Dort findest Du die zuständigen Kontakte.
Selbstverwaltung und Ehrenamt
Handwerksorganisationen verbinden Hauptamt und Ehrenamt. Beschäftigte der Geschäftsstellen erledigen die laufende Arbeit. Ehrenamtliche aus Betrieben und Arbeitnehmerschaft wirken in Vollversammlungen, Vorständen und Prüfungsausschüssen mit. So fließt Berufspraxis in Entscheidungen und Prüfungen ein.[5]

Weiterbildung und Karriere
Nach der Gesellenprüfung kannst Du Berufserfahrung sammeln, Dich fachlich spezialisieren oder eine Meisterprüfung anstreben. Handwerkskammern und handwerkliche Bildungszentren bieten dazu Beratung und Lehrgänge an.
Kompaktwissen
| Begriff | Kurz erklärt |
|---|---|
| Handwerkskammer | Fachübergreifende Selbstverwaltungsorganisation im Kammerbezirk |
| Innung | Freiwilliger fachbezogener Zusammenschluss von Handwerksbetrieben |
| Kreishandwerkerschaft | Zusammenschluss mehrerer Innungen einer Stadt oder eines Kreises |
| Handwerksrolle | Verzeichnis selbstständiger Handwerksbetriebe |
| Lehrlingsrolle | Gebräuchliche Bezeichnung für das Verzeichnis der Berufsausbildungsverhältnisse |
| ÜLU | Überbetriebliche Ergänzung der praktischen Ausbildung |
| Gesellenprüfung | Beruflicher Abschluss der handwerklichen Ausbildung |
Interaktive Aufgaben
Quiz: Teste Dein Wissen
Welche Aussage beschreibt die Handwerkskammer richtig? (Sie arbeitet fachübergreifend in einem Kammerbezirk) (!Sie besteht nur aus einem einzigen Gewerk) (!Ihre Mitgliedschaft ist für Betriebe immer freiwillig) (!Sie ist eine Abteilung der Berufsschule)
Welche Aussage gilt für die Mitgliedschaft in einer Innung? (Sie ist für selbstständige Betriebe freiwillig) (!Sie ist für alle Auszubildenden verpflichtend) (!Sie ersetzt den Ausbildungsvertrag) (!Sie wird von der Berufsschule vergeben)
Welche Rechtsform hat eine Handwerkskammer? (Körperschaft des öffentlichen Rechts) (!Privater Sportverein) (!Bundesministerium) (!Kommunales Schulamt)
Wo wird ein handwerkliches Ausbildungsverhältnis offiziell erfasst? (Im Verzeichnis der Berufsausbildungsverhältnisse) (!Im Grundbuch) (!Im Führerscheinregister) (!Im Klassenbuch der Berufsschule)
Wer kann eine Gesellenprüfung im Handwerk durchführen? (Die Handwerkskammer oder eine von ihr ermächtigte Innung) (!Der Ausbildungsbetrieb allein) (!Die Berufsschule allein) (!Das Einwohnermeldeamt)
Was ist eine Kreishandwerkerschaft? (Ein Zusammenschluss mehrerer Innungen) (!Eine Klasse der Berufsschule) (!Eine Gruppe von Auszubildenden eines Betriebs) (!Eine staatliche Universität)
An wen kannst Du Dich bei einem ungelösten Ausbildungskonflikt wenden? (An die Ausbildungsberatung der Handwerkskammer) (!An das Straßenverkehrsamt) (!An das Katasteramt) (!An die Stadtbibliothek)
Was enthält die Handwerksrolle? (Selbstständige Handwerksbetriebe) (!Alle Berufsschulnoten) (!Alle privaten Werkzeugkäufe) (!Alle Prüfungstermine Deutschlands)
Wie arbeitet die handwerkliche Selbstverwaltung? (Mit Hauptamt und Ehrenamt) (!Nur durch Lehrkräfte) (!Nur durch Gerichte) (!Ohne Beteiligung der Berufspraxis)
Welchen Zweck hat die überbetriebliche Lehrlingsunterweisung? (Sie ergänzt die praktische Ausbildung im Betrieb) (!Sie ersetzt die gesamte Berufsschule) (!Sie beendet automatisch den Ausbildungsvertrag) (!Sie dient nur der Urlaubsplanung)
Memory
| Handwerkskammer | Fachübergreifende Organisation im Kammerbezirk |
| Innung | Freiwilliger Zusammenschluss eines Gewerks |
| Handwerksrolle | Register selbstständiger Handwerksbetriebe |
| Lehrlingsrolle | Verzeichnis der Ausbildungsverhältnisse |
| Gesellenprüfung | Abschluss der handwerklichen Ausbildung |
| ÜLU | Überbetriebliche Ergänzung der Praxis |
| Kreishandwerkerschaft | Zusammenschluss mehrerer Fachorganisationen |
| Ausbildungsberatung | Hilfe bei Fragen und Konflikten |
Drag and Drop
| Ordne die richtigen Begriffe zu. | Thema |
|---|---|
| Handwerkskammer | fachübergreifend |
| Innung | fachbezogen |
| Kammerzugehörigkeit | gesetzlich |
| Innungsmitgliedschaft | freiwillig |
| Handwerksrolle | Betriebsverzeichnis |
| Lehrlingsrolle | Ausbildungsverzeichnis |
| Kreishandwerkerschaft | Innungsverbund |
Kreuzworträtsel
| Kammer | Welche Organisation arbeitet fachübergreifend in einem Bezirk? |
| Innung | Welche Organisation bündelt Betriebe eines gleichen Handwerks? |
| Lehrlingsrolle | Wie heißt das gebräuchliche Register für Ausbildungsverhältnisse? |
| Prüfung | Was beendet die Ausbildung mit einem beruflichen Leistungsnachweis? |
| Ehrenamt | Welche unbezahlte Mitwirkung prägt die Selbstverwaltung? |
| Satzung | Welches Regelwerk ordnet den Aufbau einer Innung? |
LearningApps
Lückentext
Offene Aufgaben
Leicht
- Erklärkarte: Gestalte eine Karte mit dem Merksatz „Kammer gleich Region und viele Gewerke – Innung gleich Fach und freiwilliger Betriebsverbund“.
- Ansprechstelle: Finde die zuständige Handwerkskammer für Deinen Ausbildungsbetrieb und notiere den Kontakt der Ausbildungsberatung.
- Innungssuche: Recherchiere, ob es in Deiner Region eine Innung für Dein Gewerk gibt, und nenne zwei Angebote.
- Kurzvortrag: Erkläre in höchstens 60 Sekunden den Unterschied zwischen Handwerksrolle und Lehrlingsrolle.
Standard
- Interview: Befrage eine Ausbilderin, einen Gesellen oder eine Meisterin dazu, wann der Betrieb Kontakt zur Kammer oder Innung hat.
- Prüfungsweg: Zeichne den Weg von der Anmeldung bis zum Ergebnis einer Gesellenprüfung in Deinem Gewerk.
- Konfliktplan: Entwickle für einen erfundenen Ausbildungskonflikt einen sachlichen Ablauf mit Gespräch im Betrieb und externer Beratung.
- Medienanalyse: Vergleiche zwei Videos dieses aiMOOCs und prüfe, welche Aufgaben der Organisationen klar und welche nur allgemein erklärt werden.
Schwer
- Fallstudie: Bearbeite einen Fall, in dem Ausbildungsinhalte fehlen, und begründe, welche Stellen in welcher Reihenfolge handeln sollten.
- Debatte: Diskutiere Vor- und Nachteile gesetzlicher Kammerzugehörigkeit und freiwilliger Innungsmitgliedschaft.
- Informationsaktion: Plane einen Azubi-Infostand zu Kammer, Innung, ÜLU und Prüfung für Deinen Betrieb oder Deine Berufsschulklasse.
- Erklärvideo: Produziere ein kurzes Video oder einen Podcast mit einem Praxisbeispiel aus Deinem Gewerk und korrekten Ansprechpartnern.


Lernkontrolle
- Zuordnungsfall: Ein Auszubildender erhält keine vorgesehenen Ausbildungsinhalte. Begründe, wen er zuerst und wen danach ansprechen sollte.
- Organisationsvergleich: Erkläre anhand eines Beispiels aus Deinem Gewerk, warum Handwerkskammer und Innung nicht dieselben Aufgaben haben.
- Prüfungssituation: Auf einer Einladung steht eine Innung als Prüfungsstelle. Erkläre, warum dies rechtlich möglich ist.
- Transfer ÜLU: Beschreibe eine Tätigkeit, die in einer überbetrieblichen Werkstatt sinnvoller vermittelt werden kann als in einem kleinen Spezialbetrieb.
- Selbstverwaltung: Beurteile, welchen Vorteil ehrenamtliche Prüferinnen und Prüfer aus der Berufspraxis für eine Gesellenprüfung haben.
- Beratungsweg: Entwickle einen übersichtlichen Kontaktplan für Vertragsfrage, Berufsschulproblem, Fachlehrgang und Prüfungstermin.
Lernnachweis
Für Deinen Lernnachweis ist wichtig:
- Du unterscheidest fachübergreifende und fachbezogene Organisationen.
- Du erklärst gesetzliche Kammerzugehörigkeit und freiwillige Innungsmitgliedschaft.
- Du ordnest Handwerksrolle, Lehrlingsrolle, ÜLU und Gesellenprüfung richtig ein.
- Du findest die zuständige Handwerkskammer und eine passende Innung für Dein Gewerk.
- Du wählst in einem Praxisfall eine geeignete Ansprechstelle und begründest Deine Entscheidung.
- Du stellst einen Zusammenhang zwischen Selbstverwaltung, Ehrenamt und Ausbildungsqualität her.
Quellen
- ↑ 1,0 1,1 1,2 Gesetz zur Ordnung des Handwerks – Handwerksordnung
- ↑ Zentralverband des Deutschen Handwerks: Handwerkskammern
- ↑ Handwerkskammer für Unterfranken: Handwerksinnungen
- ↑ Zentralverband des Deutschen Handwerks: Weitere Organisationen
- ↑ Zentralverband des Deutschen Handwerks: Handwerk und Ehrenamt
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