Performancekunst - Kunst


Performancekunst - Kunst
Performancekunst - Kunst

Einleitung
Bei der Performancekunst wird eine Handlung zum Kunstwerk. Körper, Zeit, Raum, Material und Publikum wirken zusammen. Oft bleibt kein dauerhaftes Objekt zurück – Fotos, Videos, Texte oder Erinnerungen dokumentieren das Ereignis.
Dieser aiMOOC zeigt Dir, wie Du Performancekunst erkennst, untersuchst und sicher selbst gestaltest. Du brauchst keine Bühne und kein besonderes Talent. Entscheidend sind eine klare Idee, bewusste Entscheidungen und ein respektvoller Umgang miteinander.
Lernziele
Nach dem Kurs kannst Du Performancekunst erklären, wichtige Gestaltungsmittel benennen, Beispiele deuten, eine sichere eigene Performance planen und ihre Wirkung reflektieren.
Was ist Performancekunst?
In der Performancekunst ist häufig der Prozess wichtiger als ein fertiges Objekt. Eine Handlung kann geplant, wiederholt, improvisiert, sehr kurz oder sehr lang sein. Sie kann im Museum, im Schulhof, auf einer Straße oder digital stattfinden.
Typische Bausteine sind:
| Baustein | Leitfrage |
|---|---|
| Körper | Wie werden Haltung, Blick, Bewegung oder Stillstand eingesetzt? |
| Zeit | Wie wirken Dauer, Wiederholung, Rhythmus oder Pause? |
| Raum | Warum findet die Handlung genau dort statt? |
| Publikum | Beobachtet es nur oder wird es beteiligt? |
| Material | Welche Bedeutung erhalten Alltagsgegenstände, Kleidung, Klang oder Licht? |
| Idee | Welche Frage, Erfahrung oder Kritik steht im Mittelpunkt? |

Performance, Theater und Happening
| Form | Schwerpunkt | Verhältnis zum Publikum |
|---|---|---|
| Performance | Künstlerische Handlung, Präsenz und Prozess | Kann beobachtend oder beteiligt sein |
| Theater | Rollen, Inszenierung und häufig eine erzählte Handlung | Meist klarer Aufführungsrahmen |
| Happening | Offenes Ereignis mit Zufall und Beteiligung | Publikum wird oft Teil des Geschehens |
| Body-Art | Der Körper ist zentrales Material und Thema | Körperliche Präsenz steht besonders im Fokus |
Die Grenzen sind fließend. Eine Arbeit kann mehrere Formen verbinden.
Kurze Geschichte
Dada und die Avantgarde
Bereits Künstlerinnen und Künstler des Dadaismus machten Sprache, Geräusche, Kostüme und absurde Handlungen zu Kunst. Im Zürcher Cabaret Voltaire trug Hugo Ball 1916 Lautgedichte in einem auffälligen Kostüm vor. Solche Auftritte stellten vertraute Kunstregeln infrage.

Fluxus und Ereignispartituren
Seit den 1960er-Jahren verband Fluxus Kunst, Musik, Spiel und Alltag. Kurze Handlungsanweisungen, sogenannte Event Scores oder Ereignispartituren, konnten von verschiedenen Menschen umgesetzt werden. Ein gewöhnlicher Vorgang – etwa Tropfen, Gehen oder Öffnen – wurde aufmerksam beobachtet und neu gedeutet.



Körper, Dauer und Präsenz
In vielen Performances der 1960er- und 1970er-Jahre wurden Körper, Ausdauer, Regeln und Grenzen untersucht. Joseph Beuys, Yoko Ono, Marina Abramović und viele weitere Kunstschaffende prägten unterschiedliche Formen der Aktions- und Performancekunst.
Historische Werke können körperlich oder psychisch belastend gewesen sein. Solche riskanten Handlungen werden im Unterricht nicht nachgestellt. Stattdessen untersuchst Du Idee, Wirkung, Verantwortung und Kontext.


Begegnung mit dem Publikum
Bei The Artist Is Present saß Marina Abramović 2010 im Museum of Modern Art schweigend einzelnen Besucherinnen und Besuchern gegenüber. Die reduzierte Handlung lenkte die Aufmerksamkeit auf Blickkontakt, Zeit, Nähe und gegenseitige Wahrnehmung.

Gegenwart und gesellschaftliche Themen
Heute behandelt Performancekunst unter anderem Identität, Zusammenleben, Umwelt, Macht, digitale Medien und öffentlichen Raum. Auch gemeinschaftliche oder aktivistische Aktionen können künstlerische Mittel nutzen. Entscheidend ist, dass die Handlung bewusst gestaltet und als Kunst reflektiert wird.

Eine Performance untersuchen
Nutze vier Schritte:
- Beschreiben: Was geschieht sichtbar und hörbar, ohne sofort zu bewerten?
- Analysieren: Wie wirken Körper, Zeit, Raum, Material, Klang und Publikum zusammen?
- Deuten: Welche Themen, Fragen oder Gefühle könnten angesprochen werden?
- Urteilen: Ist die Gestaltung für die Idee überzeugend? Begründe mit Beobachtungen.
Fotos und Videos zeigen nur einen Ausschnitt. Auch Kamerawinkel, Schnitt und Ton beeinflussen, wie eine vergangene Performance wahrgenommen wird.
Dokumentation und Wiederaufführung
Eine Performance ist vergänglich, kann aber durch Fotografie, Video, Skizzen, Texte, Gegenstände oder Aussagen des Publikums dokumentiert werden. Eine spätere Wiederaufführung heißt Reperformance. Dabei entsteht die Frage, was gleich bleiben muss: die genaue Bewegung, die Regel, die Absicht oder die Wirkung.
Performancekunst in der Schule
Eine Schulperformance soll sicher, freiwillig und respektvoll sein. Gute Ideen brauchen keine Gefahr, Bloßstellung oder Grenzüberschreitung.
- Einverständnis: Beteiligte wissen vorher, was geschieht, und dürfen jederzeit aufhören.
- Körperliche Unversehrtheit: Kein Schmerz, keine gefährlichen Stoffe, keine riskanten Bewegungen.
- Persönlichkeitsrecht: Fotos und Videos nur mit Zustimmung aufnehmen und teilen.
- Respekt: Keine Berührung, Beleidigung, Diskriminierung oder Veröffentlichung privater Informationen.
- Schulordnung: Raum, Material, Lautstärke und Publikum werden vorher abgesprochen.
Ein einfacher Plan
| Schritt | Deine Entscheidung |
|---|---|
| Idee | Welche Frage oder Erfahrung möchtest Du sichtbar machen? |
| Regel | Welche klare Handlung wird ausgeführt? |
| Gestaltung | Wie setzt Du Raum, Zeit, Bewegung, Material und Klang ein? |
| Sicherheit | Welche Grenzen, Zustimmungen und Absprachen sind nötig? |
| Dokumentation | Reichen Skizze und Protokoll oder ist eine Aufnahme erlaubt? |
| Reflexion | Welche Wirkung war geplant und was geschah tatsächlich? |
Interaktive Aufgaben
Quiz: Teste Dein Wissen
Was steht bei Performancekunst häufig im Mittelpunkt? (Eine bewusst gestaltete Handlung) (!Ein dauerhaftes Gemälde) (!Eine möglichst wertvolle Skulptur) (!Eine naturgetreue Zeichnung)
Welche Eigenschaft beschreibt viele Performances besonders gut? (Sie entfalten sich in Zeit und Raum) (!Sie bestehen immer aus Marmor) (!Sie finden nur im Theater statt) (!Sie benötigen stets Musik)
Welche Bewegung gilt als wichtiger Vorläufer der Performancekunst? (Dadaismus) (!Impressionismus) (!Romanik) (!Biedermeier)
Was kennzeichnet Fluxus-Ereignispartituren? (Kurze Anweisungen für künstlerische Handlungen) (!Genaue Baupläne für Museen) (!Rezepte für Ölfarben) (!Noten für klassische Sinfonien)
Welche Rolle kann das Publikum in einer Performance haben? (Es kann beobachten oder beteiligt werden) (!Es muss immer schweigen und wegsehen) (!Es ersetzt grundsätzlich die Kunstschaffenden) (!Es darf nie auf die Handlung reagieren)
Wozu dient die Dokumentation einer Performance? (Sie hält Spuren und Informationen des vergänglichen Ereignisses fest) (!Sie macht jede Performance zu einem Gemälde) (!Sie verhindert jede spätere Deutung) (!Sie ersetzt automatisch das ursprüngliche Ereignis)
Was ist bei einer schulischen Performance besonders wichtig? (Sicherheit und freiwilliges Einverständnis) (!Möglichst große körperliche Belastung) (!Heimliche Videoaufnahmen) (!Unangekündigte Berührungen)
Was bedeutet Reperformance? (Eine spätere Wiederaufführung einer Performance) (!Die Restaurierung eines alten Gemäldes) (!Das Kopieren einer Fotografie) (!Das Auswendiglernen eines Gedichts)
Welcher Analyseschritt kommt vor der Deutung? (Genaues Beschreiben und Analysieren) (!Sofortiges Bewerten) (!Vermutungen über den Preis) (!Erraten der Biografie)
Welche Aussage trifft Performancekunst am besten? (Sie kann Kunst, Alltag, Körper und Publikum verbinden) (!Sie muss immer spontan und ungeplant sein) (!Sie darf nur in Museen stattfinden) (!Sie erzeugt grundsätzlich ein verkäufliches Objekt)
Memory
| Performance | Künstlerische Handlung |
| Körper | Ausdrucksmittel |
| Dauer | Zeitgestaltung |
| Publikum | Beobachtung oder Beteiligung |
| Ereignispartitur | Handlungsanweisung |
| Dokumentation | Foto oder Video |
| Reperformance | Wiederaufführung |
| Fluxus | Kunst und Alltag |
Drag and Drop
| Ordne die richtigen Begriffe zu. | Thema |
|---|---|
| Körper | Haltung, Blick und Bewegung |
| Zeit | Dauer, Rhythmus und Wiederholung |
| Raum | Ort, Wege und Abstände |
| Material | Gegenstände, Kleidung und Klang |
| Publikum | Beobachtung, Reaktion und Beteiligung |
...
Kreuzworträtsel
| Performance | Wie heißt eine künstlerisch gestaltete Handlung? |
| Fluxus | Welche Kunstbewegung verband Ereignis, Alltag und Spiel? |
| Publikum | Wer kann eine Aktion beobachten oder daran teilnehmen? |
| Koerper | Welches Ausdrucksmittel bewegt sich, verharrt oder handelt? |
| Dokumentation | Was bewahrt Spuren einer vergänglichen Aktion? |
| Praesenz | Wie heißt das bewusste anwesende Sein im Moment? |
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Lückentext
Offene Aufgaben
Leicht
- Standbild: Entwickle ein stilles Körperbild zum Begriff „Warten“ und halte es 30 Sekunden.
- Alltagsbewegung: Wähle eine harmlose Bewegung und wiederhole sie langsam in drei verschiedenen Rhythmen.
- Ereignispartitur: Schreibe eine sichere Handlungsanweisung mit höchstens zwei Sätzen.
- Fotodokumentation: Stelle mit Gegenständen drei Spuren einer erfundenen Performance dar und fotografiere nur die Gegenstände.
Standard
- Raumwahrnehmung: Plane einen Weg durch den Klassenraum, bei dem Abstände und Pausen eine Bedeutung erhalten.
- Klangperformance: Entwickle in einer Gruppe eine zweiminütige Aktion nur mit leisen Alltagsklängen.
- Publikumsrolle: Entwirf zwei Varianten derselben Performance – einmal zum Beobachten und einmal mit freiwilliger Beteiligung.
- Kunstvermittlung: Erstelle ein Plakat, das Performancekunst mit Bild, Definition und Sicherheitsregeln erklärt.
Schwer
- Gesellschaftskritik: Entwickle ein Konzept zu einem schulischen Thema wie Zeitdruck, Müll oder Ausgrenzung, ohne Personen bloßzustellen.
- Reperformance: Übertrage eine historische Ereignispartitur in einen heutigen Schulkontext und begründe jede Veränderung.
- Videokunst: Produziere mit Einverständnis ein kurzes Video, das zeigt, wie Kamerawinkel und Schnitt die Wirkung einer Handlung verändern.
- Kuration: Plane eine kleine Performance-Ausstellung mit Ablauf, Raumskizze, Schutzregeln, Dokumentation und Reflexionsfragen.


Lernkontrolle
- Vergleich: Vergleiche Performancekunst und Theater an einem selbst gewählten Beispiel. Erkläre mindestens zwei Gemeinsamkeiten und zwei Unterschiede.
- Analyse: Untersuche eine dokumentierte Performance mit den Kategorien Körper, Zeit, Raum, Material und Publikum. Belege jede Deutung durch eine Beobachtung.
- Transfer: Verwandle das Thema „Unsichtbare Arbeit“ in eine sichere Performance-Idee. Begründe Handlung, Ort und Dauer.
- Ethik: Beurteile einen Entwurf, bei dem das Publikum ohne Vorwarnung gefilmt werden soll. Entwickle eine verantwortbare Alternative.
- Dokumentation: Entscheide, ob Foto, Video, Textprotokoll oder Skizze eine bestimmte Performance am besten dokumentiert. Begründe auch, was verloren geht.
- Kunsturteil: Diskutiere, ob eine einfache Alltagshandlung Kunst sein kann. Formuliere Kriterien und wende sie auf ein Beispiel an.
Lernnachweis
Für einen Lernnachweis sind wichtig:
- eine verständliche Erklärung von Performancekunst
- die sichere Anwendung der Begriffe Körper, Zeit, Raum, Material, Publikum und Konzept
- eine begründete Analyse mit Beobachtung, Deutung und Urteil
- ein eigenes umsetzbares Performancekonzept mit Einverständnis und Schutzregeln
- eine passende Dokumentation
- eine ehrliche Reflexion über Absicht, Wirkung und Verbesserungsmöglichkeiten
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