Paul Gauguin - Kunst


Paul Gauguin - Kunst
Paul Gauguin - Kunst
Einleitung
Paul Gauguin (1848–1903) war ein französischer Künstler des Postimpressionismus. Er begann mit impressionistischen Bildern, entwickelte später aber eine eigene Bildsprache aus großen Farbflächen, klaren Konturen und Symbolen. Seine Werke beeinflussten die moderne Kunst.
Dieser aiMOOC richtet sich an die Schule. Du lernst Gauguins Leben, Stil und wichtige Werke kennen. Zugleich prüfst Du kritisch, wie seine Bilder aus Französisch-Polynesien mit Kolonialismus, europäischen Vorstellungen und Machtverhältnissen verbunden sind.

Selbstbildnis mit Hut: Achte auf Blick, Körperhaltung, Farben und die Bilder im Hintergrund.
Lernziele
- Biografie: Du kannst wichtige Lebensstationen zeitlich und räumlich einordnen.
- Kunststil: Du erkennst typische Merkmale seiner Malerei.
- Werkanalyse: Du beschreibst Farbe, Form, Raum, Komposition und Wirkung.
- Deutung: Du unterscheidest Beobachtung, Symbol und künstlerische Erfindung.
- Kritik: Du beurteilst Gauguins Polynesienbilder aus mehreren Perspektiven.
Leben in Stationen
Paul Gauguin wurde 1848 in Paris geboren. Als Kind lebte er einige Jahre in Peru. Später fuhr er zur See und arbeitete in Paris als Börsenmakler. Nebenbei sammelte und malte er Kunst. Schließlich machte er die Kunst zu seinem Hauptberuf.
- Paris: Begegnung mit dem Impressionismus und Künstlern wie Camille Pissarro.
- Pont-Aven: Entwicklung einer vereinfachten, symbolischen Malweise.
- Arles: Kurze Zusammenarbeit mit Vincent van Gogh im Jahr 1888.
- Tahiti: Erste Reise 1891 in eine französische Kolonie.
- Hiva Oa: Letzte Lebensjahre auf den Marquesas-Inseln; Tod 1903.
Vom Impressionismus zum eigenen Stil
Frühe Bilder Gauguins zeigen Einflüsse des Impressionismus: Landschaft, Licht und sichtbare Pinselstriche. Später wollte er nicht nur das Sichtbare wiedergeben. Farbe und Form sollten auch Gefühle, Erinnerungen und Ideen ausdrücken.
Pont-Aven: Synthetismus und Cloisonnismus
In der Bretagne arbeitete Gauguin mit Künstlern der Schule von Pont-Aven. Der Synthetismus verbindet Natureindruck, Gefühl und dekorative Ordnung. Beim Cloisonnismus werden vereinfachte Farbflächen durch deutliche Konturen getrennt.

Vision nach der Predigt (1888): Die große rote Fläche ist nicht naturgetreu. Sie macht die vorgestellte biblische Szene sichtbar und steigert die Spannung.

Der gelbe Christus (1889): Religiöses Motiv, bretonische Landschaft und ungewöhnliche Farbe werden miteinander verbunden.
Arles: Begegnung mit Vincent van Gogh
1888 lebten Gauguin und Vincent van Gogh für einige Wochen im Gelben Haus in Arles. Beide nutzten starke Farben, verfolgten aber unterschiedliche Vorstellungen. Die Zusammenarbeit endete nach heftigen Spannungen.

Vincent van Gogh beim Malen von Sonnenblumen (1888): Das Porträt zeigt nicht nur eine Person, sondern auch Gauguins Sicht auf den Künstlerkollegen.
Polynesien: Bildwelt und Kolonialismus
Gauguin reiste 1891 erstmals nach Tahiti. Er suchte dort eine Welt, die er für ursprünglicher als Europa hielt. Tahiti stand jedoch bereits unter französischer Kolonialherrschaft. Seine Bilder verbinden Beobachtungen mit religiösen Motiven, Erinnerungen, europäischen Vorbildern und erfundenen Vorstellungen.

Tahitische Frau mit Blume (1891): Prüfe, wie Haltung, Kleidung, Hintergrund und Blick die dargestellte Person charakterisieren.

Frauen aus Tahiti am Strand (1891): Die Figuren wirken ruhig und flächig. Der Bildraum bleibt bewusst einfach.

Ia Orana Maria (1891): Gauguin verbindet ein christliches Thema mit einer polynesisch inszenierten Umgebung. Diese Mischung verlangt eine genaue und kritische Betrachtung.
Werke lesen
Arearea

In Arearea (1892) bestimmen warme Farbflächen, ruhige Figuren und ein rätselhaftes Geschehen die Wirkung. Der Titel wird oft mit „Freude“ oder „Vergnügen“ übersetzt. Das Bild zeigt keine neutrale Wirklichkeit, sondern eine komponierte Vorstellung.
Das weiße Pferd

In Das weiße Pferd (1898) wird ein helles Pferd von Grün-, Blau- und Orangetönen umgeben. Farbe schafft Stimmung und Tiefe, obwohl die Formen flächig bleiben.
Woher kommen wir? Wer sind wir? Wohin gehen wir?

Das großformatige Werk von 1897/98 zeigt Figuren verschiedener Lebensalter. Der Titel stellt Grundfragen nach Herkunft, Gegenwart und Zukunft. Eine eindeutige Leserichtung gibt es nicht. Du kannst Gesten, Tiere, Pflanzen und Farben als Symbole untersuchen.
Gestaltungsmittel
- Farbe: Häufig kräftig, großflächig und nicht naturgetreu.
- Kontur: Dunkle Linien grenzen Formen deutlich voneinander ab.
- Raumdarstellung: Perspektive und Körpermodellierung werden vereinfacht.
- Komposition: Figuren, Pflanzen und Farbzonen bilden eine dekorative Ordnung.
- Symbol: Gegenstände und Gesten können religiöse oder persönliche Bedeutungen tragen.
- Bildtitel: Französische und tahitische Titel lenken die Deutung, sind aber nicht immer sprachlich zuverlässig.
Weitere Kunstformen
Gauguin arbeitete nicht nur als Maler. Er schuf Holzschnitte, Lithografien, Monotypien, Keramiken und Holzskulpturen. In der Druckgrafik nutzte er raue Flächen und starke Hell-Dunkel-Kontraste.

Druckgrafik aus der Noa-Noa-Folge: Vergleiche Linien, Flächen und Wirkung mit einem Gemälde.
Kritische Perspektive
Gauguins Kunst ist bedeutend, seine Lebensgeschichte und sein Blick auf Polynesien sind jedoch umstritten. Der historische Begriff Primitivismus beschreibt die europäische Suche nach vermeintlich „ursprünglicher“ Kunst. Heute wird er kritisch verwendet, weil er sehr verschiedene Kulturen vereinfachen und exotisieren kann.
Gauguins Polynesienbilder entstanden für ein europäisches Publikum. Sie zeigen daher nicht einfach den Alltag vor Ort, sondern auch Fantasien des Künstlers. Seine Beziehungen zu sehr jungen Polynesierinnen werden heute ethisch kritisch beurteilt. Zugleich geriet Gauguin mit der Kolonialverwaltung in Konflikt. Eine faire Bewertung trennt deshalb nicht Werk, Biografie und historischen Kontext, sondern untersucht ihre Verbindung.
Leitfrage: Wer stellt wen dar, für welches Publikum und mit welcher Wirkung?
Interaktive Aufgaben
Quiz: Teste Dein Wissen
Wo wurde Paul Gauguin geboren? (Paris) (!Arles) (!Papeete) (!Kopenhagen)
Welcher Kunstrichtung wird Gauguin meist zugeordnet? (Postimpressionismus) (!Barock) (!Kubismus) (!Pop-Art)
In welcher französischen Region liegt Pont-Aven? (Bretagne) (!Provence) (!Normandie) (!Elsass)
Was ist ein Merkmal des Synthetismus? (Vereinfachte Formen und symbolische Farben) (!Fotografisch genaue Wiedergabe) (!Nur Schwarz und Weiß) (!Zentralperspektive als Hauptziel)
Was kennzeichnet den Cloisonnismus? (Deutliche Konturen zwischen Farbflächen) (!Unsichtbare Umrisslinien) (!Ausschließlich geometrische Körper) (!Malen nur mit Lichtpunkten)
Mit welchem Künstler arbeitete Gauguin 1888 in Arles? (Vincent van Gogh) (!Claude Monet) (!Pablo Picasso) (!Wassily Kandinsky)
Wann reiste Gauguin erstmals nach Tahiti? (1891) (!1789) (!1914) (!1945)
Welche Farbe prägt den Hintergrund von Vision nach der Predigt? (Rot) (!Grau) (!Violett) (!Türkis)
Welches druckgrafische Verfahren nutzte Gauguin? (Holzschnitt) (!Siebdruck) (!Digitaldruck) (!Offsetdruck)
Warum werden Gauguins Polynesienbilder heute auch kritisch betrachtet? (Sie verbinden Kunst mit kolonialen Vorstellungen und Machtverhältnissen) (!Sie enthalten grundsätzlich keine Symbole) (!Sie wurden ausschließlich für Kinder gemalt) (!Sie sind naturwissenschaftliche Dokumente)
Memory
| Synthetismus | Flächige Gestaltung mit Symbolgehalt |
| Cloisonnismus | Dunkle Konturen zwischen Farbflächen |
| Pont-Aven | Künstlerort in der Bretagne |
| Arles | Zusammenarbeit mit Vincent van Gogh |
| Tahiti | Erste Reise dorthin im Jahr 1891 |
| Holzschnitt | Druck von einem bearbeiteten Holzstock |
| Symbolismus | Sichtbare Formen tragen Ideen |
| Postimpressionismus | Weiterentwicklung impressionistischer Ansätze |
Drag and Drop
| Ordne die richtigen Begriffe zu. | Thema |
|---|---|
| Synthetismus | Vereinfachte Formen und symbolische Farben |
| Cloisonnismus | Deutliche Umrisslinien |
| Impressionismus | Flüchtige Licht- und Farbeindrücke |
| Symbolismus | Bedeutung durch Zeichen und Vorstellungen |
| Holzschnitt | Druck vom bearbeiteten Holzstock |
| Selbstbildnis | Inszenierung des eigenen Künstlerbildes |
Kreuzworträtsel
| Gauguin | Wie lautet der Nachname des Künstlers Paul? |
| Tahiti | Welche Insel besuchte der Künstler erstmals 1891? |
| Arles | In welcher Stadt arbeitete er mit Vincent van Gogh? |
| Bretagne | In welcher Region liegt Pont-Aven? |
| Symbolismus | Welche Kunstrichtung betont Ideen und Zeichen? |
| Holzschnitt | Welches Druckverfahren nutzt einen bearbeiteten Holzstock? |
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Lückentext
Offene Aufgaben
Leicht
- Farbflächenbild: Gestalte eine Landschaft mit fünf großen Farbflächen und klaren Konturen.
- Konturenstudie: Zeichne einen Alltagsgegenstand und verstärke alle Umrisse.
- Werkbeschreibung: Beschreibe ein Gauguin-Bild nur mit sichtbaren Beobachtungen, noch ohne Deutung.
- Neuer Titel: Erfinde für ein ausgewähltes Werk drei Titel und erkläre ihre unterschiedliche Wirkung.
Standard
- Bildanalyse: Untersuche Farbe, Form, Raum, Komposition und Wirkung in Vision nach der Predigt.
- Vergleich: Vergleiche ein frühes impressionistisches Werk Gauguins mit einem späteren Bild.
- Audioguide: Produziere einen zweiminütigen Audiobeitrag zu Arearea.
- Museumsschild: Verfasse einen kurzen Werktext, der Gestaltung und kolonialen Kontext verständlich verbindet.
Schwer
- Kritische Ausstellung: Plane eine Ausstellung mit fünf Werken unter dem Titel „Farbe, Reise, Macht“.
- Quellenvergleich: Vergleiche Gauguins Selbstdarstellung in Noa Noa mit einer heutigen Museumsdarstellung.
- Streitgespräch: Entwickle einen Podcast mit den Rollen Kunsthistorik, Museumspädagogik und polynesische Gegenwartskunst.
- Kuratorisches Projekt: Stelle Gauguins Werk einem Werk einer zeitgenössischen pazifischen Künstlerin oder eines zeitgenössischen pazifischen Künstlers gegenüber.


Lernkontrolle
- Stiltransfer: Analysiere ein Dir unbekanntes Gauguin-Werk und begründe an mindestens vier Merkmalen, ob es zu seiner reifen Bildsprache gehört.
- Farbentscheidung: Verändere gedanklich die Hauptfarbe in Vision nach der Predigt und erkläre, wie sich Aussage und Stimmung verschieben.
- Museumsrevision: Überarbeite einen einseitig bewundernden Museumstext so, dass auch Kolonialismus, Publikum und Machtverhältnisse sichtbar werden.
- Kunstvergleich: Vergleiche Gauguins Raumdarstellung mit einem Werk des Impressionismus und leite daraus unterschiedliche künstlerische Ziele ab.
- Urteil: Erörtere, wie biografisches Wissen die Bewertung eines Kunstwerks verändern kann, ohne die formale Analyse zu ersetzen.
- Praxisreflexion: Erstelle ein Bild mit flächiger Farbe und Symbolen und begründe jede gestalterische Entscheidung.
Lernnachweis
Für einen überzeugenden Lernnachweis sind wichtig:
- Fachwissen: sichere Einordnung von Leben, Zeit und Kunststil.
- Bildanalyse: genaue Beobachtung von Farbe, Form, Raum und Komposition.
- Deutung: nachvollziehbare Aussagen mit sichtbaren Bildbelegen.
- Kontext: reflektierter Umgang mit Kolonialismus und europäischem Exotismus.
- Gestaltung: ein eigenes praktisches Ergebnis mit dokumentiertem Arbeitsprozess.
- Präsentation: verständliche Sprache, passende Medien und korrekte Quellenangaben.
OERs zum Thema
- Wikimedia Commons: Paul Gauguin
- Metropolitan Museum of Art: Paul Gauguin
- National Gallery of Australia: Appropriation and Reclamation
Verknüpfte Lernbereiche
Gauguins Kunst verbindet Postimpressionismus, Synthetismus, Symbolismus, persönliche Bildideen und kolonial geprägte Vorstellungen. Deshalb gehört zu ihrer Untersuchung sowohl die formale Bildanalyse als auch die kritische Betrachtung ihres historischen Kontextes.
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