Der Postimpressionismus - Kunst


Der Postimpressionismus - Kunst
Der Postimpressionismus - Kunst

Vincent van Gogh: Sternennacht, 1889 – Farbe und Pinselstrich werden zu Ausdrucksmitteln.
Einleitung
Der Postimpressionismus ist eine Sammelbezeichnung für verschiedene Kunstrichtungen, die ungefähr zwischen 1880 und 1905 auf den Impressionismus folgten. Ihr Zentrum lag in Frankreich. Die Künstler bildeten keine einheitliche Gruppe: Sie suchten unterschiedliche Wege, Farbe, Form und persönliche Wahrnehmung stärker zu betonen.
Der Kunstkritiker Roger Fry verwendete die Bezeichnung 1910 für die Ausstellung Manet and the Post-Impressionists. Der Name entstand also rückblickend.
Du lernst, postimpressionistische Bilder zu erkennen, zu vergleichen und mit einfachen Fachbegriffen zu beschreiben. Dabei untersuchst Du Werke von Paul Cézanne, Vincent van Gogh, Paul Gauguin, Georges Seurat und Henri de Toulouse-Lautrec.
Lernziele
Nach diesem aiMOOC kannst Du:
- Postimpressionismus zeitlich einordnen und vom Impressionismus unterscheiden.
- Farbe, Form, Pinselduktus, Komposition und Raumdarstellung untersuchen.
- Wichtige Künstler und typische Bildideen zuordnen.
- Ein Kunstwerk begründet deuten und eine eigene praktische Arbeit gestalten.
Vom Impressionismus zum Postimpressionismus
Die Impressionisten hielten oft flüchtige Lichtstimmungen und Alltagsszenen fest. Postimpressionistische Künstler übernahmen die leuchtenden Farben, gingen aber weiter: Einige ordneten die Natur geometrisch, andere steigerten Gefühle, vereinfachten Flächen oder arbeiteten mit systematisch gesetzten Farbpunkten.
Merksatz: Nicht ein gemeinsamer Stil verbindet den Postimpressionismus, sondern die Suche nach neuen Bildsprachen.
| Aspekt | Impressionismus | Postimpressionismus |
|---|---|---|
| Ziel | flüchtigen Eindruck festhalten | Bild bewusst ordnen, steigern oder symbolisch deuten |
| Farbe | Licht und Atmosphäre | Ausdruck, Struktur oder optische Wirkung |
| Form | häufig locker und aufgelöst | oft vereinfacht, betont oder geometrisch geordnet |
| Wirkung | momenthaft | persönlich, konstruiert oder symbolisch |
Typische Merkmale
- Farbe: kräftig, kontrastreich und nicht immer naturgetreu.
- Form: vereinfacht, umrissen oder in Grundformen gegliedert.
- Pinselduktus: sichtbar, rhythmisch, pastos oder punktförmig.
- Komposition: bewusst geordnet; Fläche und Bildaufbau werden wichtig.
- Ausdruck: Gefühle, Erinnerungen, Ideen und Symbole prägen das Bild.
Bilddetektiv: erster Eindruck
Sieh das Bild oben zehn Sekunden lang an. Decke es dann gedanklich ab und notiere drei Farben, zwei Formen und eine Stimmung. Prüfe anschließend, welche Beobachtungen direkt im Bild erkennbar sind und welche bereits Deine Deutung sind.
Künstler und Bildsprachen
Paul Cézanne: Ordnung und Grundformen

Paul Cézanne: Mont Sainte-Victoire – Landschaft wird durch Farbflächen und Formen aufgebaut.
Paul Cézanne untersuchte, wie sich Natur im Bild ordnen lässt. Häuser, Berge und Früchte erscheinen fest und vereinfacht. Mehrere Blickwinkel können in einem Bild zusammenkommen. Seine Bildkonstruktion bereitete Entwicklungen des Kubismus vor.

Cézannes Stillleben: Tischkante, Flasche und Früchte passen räumlich nicht vollständig zusammen – das Bild folgt seiner eigenen Ordnung.
Vincent van Gogh: Farbe als Gefühl

Vincent van Gogh: Selbstbildnis – kurze, gerichtete Pinselstriche beleben Fläche und Gesicht.
Vincent van Gogh setzte Farbe und Pinselstrich ein, um innere Spannung und Bewegung sichtbar zu machen. Seine Linien wirbeln, schwingen oder bündeln sich. Naturgetreue Farbe war weniger wichtig als die Wirkung. Damit beeinflusste er den Expressionismus.

Vincent van Gogh: Sonnenblumen – Gelbtöne, Farbauftrag und Umrisse erzeugen starke Präsenz.
Georges Seurat: Punkte und optische Mischung

Georges Seurat: Ein Sonntagnachmittag auf der Insel La Grande Jatte, 1884–1886.
Georges Seurat entwickelte mit anderen Künstlern den Neoimpressionismus. Im Pointillismus werden kleine Punkte oder kurze Striche reiner Farben nebeneinandergesetzt. Aus Abstand mischt das Auge die Farben. Der Bildaufbau wirkt geplant und ruhig.

Georges Seurat: Der Zirkus – Bögen, Diagonalen und Farbpunkte erzeugen Bewegung.
Paul Gauguin: Fläche, Kontur und Symbol

Paul Gauguin: Arearea, 1892 – vereinfachte Formen und große Farbflächen.
Paul Gauguin verwendete flächige Farben, klare Umrisse und symbolische Motive. Diese Bildsprache wird mit Synthetismus und Cloisonnismus verbunden. Seine Bilder aus Tahiti entstanden im kolonialen Kontext. Sie zeigen keine neutrale Wirklichkeit, sondern Gauguins eigene, europäisch geprägte Vorstellungen und müssen deshalb kritisch betrachtet werden.

Paul Gauguin: Selbstbildnis mit Heiligenschein und Schlange – Symbole lenken die Deutung.
Henri de Toulouse-Lautrec: Linie und Plakat

Henri de Toulouse-Lautrec: Moulin Rouge – La Goulue, 1891.
Henri de Toulouse-Lautrec beobachtete das Nachtleben des Pariser Montmartre. Klare Silhouetten, ungewöhnliche Ausschnitte und große Farbflächen prägen seine Plakate. Der Einfluss japanischer Farbholzschnitte ist deutlich. Seine Arbeiten machten die Plakatkunst zu einer modernen Kunstform.
Bildanalyse in fünf Schritten
- Erster Eindruck: Welche Stimmung entsteht?
- Beschreibung: Was ist ohne Deutung sichtbar?
- Gestaltungsmittel: Wie wirken Farbe, Form, Linie, Raum und Pinselstrich?
- Deutung: Welche Aussage oder Wirkung lässt sich begründen?
- Einordnung: Welche Merkmale passen zum Postimpressionismus?
Beispiel: Sternennacht untersuchen
- Farbe: Blau und Gelb bilden einen starken Kontrast.
- Linie: Wirbel und Kurven lassen den Himmel bewegt erscheinen.
- Raum: Die große Zypresse verbindet Vordergrund und Himmel.
- Wirkung: Die Nacht wirkt zugleich lebendig, unruhig und feierlich.
- Deutung: Die Aussage entsteht aus sichtbaren Bildmitteln, nicht allein aus Vermutungen über den Künstler.
Wirkung auf die Moderne
Der Postimpressionismus bereitete wichtige Wege der Moderne vor. Cézannes Formordnung wurde für den Kubismus bedeutsam. Van Goghs Ausdrucksfarbe wirkte auf den Expressionismus. Gauguins Flächen und starke Farben beeinflussten unter anderem den Fauvismus. Seurat verband Malerei mit Farbtheorie und prägte den Neoimpressionismus.
Interaktive Aufgaben
Quiz: Teste Dein Wissen
Was bezeichnet der Postimpressionismus? (Eine Sammelbezeichnung für verschiedene Kunstrichtungen nach dem Impressionismus) (!Eine einheitliche Künstlergruppe mit festen Regeln) (!Eine Kunstform des Mittelalters) (!Eine ausschließlich deutsche Stilrichtung)
Welches Ziel verfolgte Paul Cézanne besonders? (Die sichtbare Welt durch Formen und Farbflächen zu ordnen) (!Flüchtige Lichtreflexe möglichst zufällig festzuhalten) (!Nur politische Plakate zu entwerfen) (!Ausschließlich mit schwarzen Linien zu zeichnen)
Wofür ist Vincent van Goghs Malweise besonders bekannt? (Für ausdrucksstarke Farben und sichtbare Pinselstriche) (!Für vollkommen glatte und farblose Flächen) (!Für streng fotografische Genauigkeit) (!Für Mosaike aus Stein)
Welche Technik ist eng mit Georges Seurat verbunden? (Pointillismus) (!Freskomalerei) (!Kupferstich) (!Action Painting)
Was geschieht bei der optischen Farbmischung? (Nebeneinandergesetzte Farben verbinden sich aus der Entfernung im Auge) (!Farben werden nur auf der Palette vollständig vermischt) (!Ein Bild wird ausschließlich in Grautönen gemalt) (!Farbe wird durch Wasser vom Bild entfernt)
Welche Gestaltung ist typisch für Paul Gauguin? (Große Farbflächen, klare Konturen und symbolische Motive) (!Nur mathematisch genaue Zentralperspektive) (!Ausschließlich ungegenständliche Metallskulpturen) (!Nur kleine Bleistiftpunkte auf weißem Papier)
Wofür wurde Henri de Toulouse-Lautrec besonders bekannt? (Für Plakate und Szenen des Pariser Nachtlebens) (!Für gotische Kirchenfenster) (!Für antike Marmorstatuen) (!Für abstrakte Computerkunst)
Welcher Unterschied zum Impressionismus ist häufig erkennbar? (Postimpressionistische Bilder betonen stärker Struktur, Ausdruck oder Symbolik) (!Postimpressionistische Bilder verzichten immer vollständig auf Farbe) (!Postimpressionistische Bilder zeigen nur historische Schlachten) (!Postimpressionistische Bilder entstehen ausschließlich im Freien)
Welche Kunstrichtung wurde besonders von van Goghs Ausdrucksfarbe beeinflusst? (Expressionismus) (!Romanik) (!Rokoko) (!Klassizismus)
Welche Aussage zu Gauguins Tahiti-Bildern ist angemessen? (Sie sollten auch im kolonialen Kontext kritisch betrachtet werden) (!Sie sind objektive fotografische Berichte) (!Sie entstanden im antiken Griechenland) (!Sie besitzen keine kulturellen Bezüge)
Memory
| Paul Cézanne | geometrische Bildordnung |
| Vincent van Gogh | ausdrucksstarker Pinselduktus |
| Georges Seurat | Pointillismus |
| Paul Gauguin | symbolische Farbflächen |
| Henri de Toulouse-Lautrec | moderne Plakatkunst |
| optische Mischung | Farbeindruck aus der Entfernung |
| Postimpressionismus | verschiedene Wege nach dem Impressionismus |
Drag and Drop
| Ordne die richtigen Begriffe zu. | Thema |
|---|---|
| Formordnung | Cézanne |
| Ausdrucksfarbe | van Gogh |
| Farbpunkte | Seurat |
| Symbolfläche | Gauguin |
| Plakatlinie | Toulouse-Lautrec |
| Lichteindruck | Impressionismus |
Kreuzworträtsel
| Cezanne | Welcher Künstler ordnete Landschaften und Stillleben durch feste Formen? |
| Seurat | Welcher Künstler ist eng mit dem Pointillismus verbunden? |
| Gauguin | Welcher Künstler arbeitete häufig mit großen Farbflächen und Symbolen? |
| Farbe | Welches Gestaltungsmittel kann Stimmung und Ausdruck besonders stark prägen? |
| Punkte | Woraus setzt sich ein pointillistisches Bild häufig zusammen? |
| Plakat | Welche Kunstform prägte Toulouse-Lautrec besonders? |
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Lückentext
Offene Aufgaben
Leicht
- Farbsuche: Finde in einem Werk drei Hauptfarben und beschreibe ihre Wirkung in je einem Satz.
- Pinselspur: Gestalte ein kleines Bild nur mit sichtbaren, gerichteten Pinselstrichen.
- Punktbild: Mische zwei Farben optisch, indem Du kleine Punkte nebeneinandersetzt.
- Bildtitel: Erfinde für ein unbekanntes postimpressionistisches Werk drei passende Titel und begründe Deine Wahl.
Standard
- Bildvergleich: Vergleiche ein impressionistisches und ein postimpressionistisches Bild anhand von Farbe, Form und Wirkung.
- Cézanne-Stillleben: Arrangiere drei Gegenstände und zeichne sie aus zwei leicht verschiedenen Blickwinkeln in einem Bild.
- Van-Gogh-Himmel: Male einen Himmel, dessen Linien eine selbst gewählte Stimmung ausdrücken.
- Ausstellungsplakat: Entwirf im Stil Toulouse-Lautrecs ein Plakat für eine schulische Kunstausstellung.
Schwer
- Werkanalyse: Verfasse eine vollständige Bildanalyse mit Beschreibung, Gestaltungsmitteln, Deutung und Einordnung.
- Kuratorisches Konzept: Plane eine kleine Ausstellung mit vier Werken und einem begründeten Rundgang.
- Kolonialkritische Bildlektüre: Untersuche ein Tahiti-Bild Gauguins und trenne sichtbare Darstellung, europäische Projektion und historischen Kontext.
- Stiltransfer: Übertrage ein heutiges Schulmotiv in zwei unterschiedliche postimpressionistische Bildsprachen und vergleiche die Wirkung.


Lernkontrolle
- Begründete Zuordnung: Ordne ein unbekanntes Werk einem postimpressionistischen Ansatz zu. Begründe mit mindestens drei sichtbaren Merkmalen.
- Wirkungsvergleich: Erkläre, wie dasselbe Motiv bei Cézanne und van Gogh unterschiedlich wirken könnte.
- Farbexperiment: Plane ein Experiment, mit dem Du optische und gemischte Farbe vergleichst. Formuliere Erwartung und Auswertung.
- Bildkritik: Prüfe eine Deutung darauf, ob sie durch Farbe, Form, Komposition und Motiv belegt ist.
- Stilentwicklung: Zeige an einem Beispiel, wie der Postimpressionismus eine spätere Kunstrichtung vorbereitet.
- Kontextwechsel: Erkläre, wie sich die Bewertung eines Bildes verändert, wenn sein kolonialer Entstehungskontext berücksichtigt wird.
Lernnachweis
Für einen Lernnachweis sind wichtig:
- eine sichere zeitliche Einordnung des Postimpressionismus,
- die begründete Unterscheidung vom Impressionismus,
- die Anwendung der Fachbegriffe Farbe, Form, Linie, Pinselduktus, Komposition und Raum,
- die Zuordnung zentraler Künstler und Bildsprachen,
- eine nachvollziehbare Bildanalyse mit Belegen,
- eine eigene praktische Gestaltung mit dokumentierter Idee und Reflexion.
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