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Die Arbeiterbewegung - Geschichte

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Die Arbeiterbewegung - Geschichte



Die Arbeiterbewegung - Geschichte

Die Arbeiterbewegung umfasst die vielfältigen Versuche von Arbeiterinnen und Arbeitern, ihre Lebens- und Arbeitsbedingungen gemeinsam zu verbessern, politische Rechte zu erringen und Gesellschaft zu verändern. Sie entstand nicht in einem einzigen Moment. Ihre Geschichte reicht von frühen Protesten und Selbsthilfevereinen über Gewerkschaften, Genossenschaften und Arbeiterparteien bis zu heutigen Auseinandersetzungen um Tarifverträge, Mitbestimmung, Digitalisierung der Arbeit und Soziale Gerechtigkeit.

Dieser aiMOOC ist für das Studienfach Geschichte konzipiert. Er eignet sich besonders für einführende Lehrveranstaltungen im Bachelorstudium, für die gymnasiale Oberstufe und für die historisch-politische Bildung. Du untersuchst nicht nur Daten und Organisationen, sondern auch historische Quellen, Deutungen, Handlungsspielräume und Konflikte. Im Mittelpunkt steht die deutsche Entwicklung; europäische und globale Verflechtungen werden einbezogen.

Das Gemälde Das Eisenwalzwerk von Adolph von Menzel zeigt industrielle Arbeit als körperlich anstrengenden, technisch organisierten und sozial gegliederten Prozess. Als Quelle ist es zugleich Darstellung, künstlerische Deutung und Produkt seiner Zeit.


Lernziele und Leitfragen

Nach der Bearbeitung kannst Du:

  1. Begriffsanalyse: Arbeiterbewegung, Arbeiterklasse, Proletariat, Klasse, Gewerkschaft, Sozialdemokratie, Sozialismus und Kommunismus historisch unterscheiden.
  2. Chronologie: zentrale Phasen vom frühen 19. Jahrhundert bis zur Gegenwart einordnen.
  3. Quellenkritik: Programme, Plakate, Fotografien, Statistiken, Polizeiakten, Selbstzeugnisse und mündliche Erinnerungen kritisch untersuchen.
  4. Kausalität: Zusammenhänge zwischen Industrialisierung, Sozialer Frage, Organisation, staatlicher Repression und politischer Teilhabe erklären.
  5. Vergleich: unterschiedliche Strategien wie Reform, Streik, parlamentarische Arbeit, Revolution, Selbsthilfe und Genossenschaftswesen vergleichen.
  6. Historische Urteilsbildung: Reichweite, Grenzen und Ambivalenzen der Arbeiterbewegung beurteilen.
  7. Transfer: historische Konflikte auf heutige Veränderungen der Arbeitswelt beziehen.

Leitfragen sind: Wer galt jeweils als „Arbeiter“? Wer konnte sich organisieren und wer blieb ausgeschlossen? Welche Rolle spielten Geschlecht, Migration, Qualifikation, Religion und politische Kultur? Wann führte Solidarität zu Erfolgen, wann scheiterte sie an inneren Spaltungen oder äußerer Gewalt? Wie veränderte die Arbeiterbewegung Demokratie und Sozialstaat?


Historischer Zugriff und Begriffe


Arbeiterbewegung, Arbeitergeschichte und Labour History

Arbeiterbewegung bezeichnet meist organisierte Zusammenschlüsse und kollektive Handlungen abhängig Beschäftigter. Dazu zählen Gewerkschaften, Parteien, Arbeiterbildungsvereine, Genossenschaften, Freizeitverbände, Streiks und politische Kampagnen. Arbeitergeschichte untersucht darüber hinaus Alltag, Familie, Wohnen, Gesundheit, Konsum, Religion, Freizeit, Geschlechterverhältnisse und Erfahrungen am Arbeitsplatz.

Die ältere Forschung erzählte häufig eine Fortschrittsgeschichte großer Organisationen und männlicher Führungspersonen. Die neuere Sozialgeschichte, Alltagsgeschichte, Geschlechtergeschichte, Migrationsgeschichte, Globalgeschichte und Neue Kulturgeschichte erweitert den Blick. Sie fragt nach informellen Protestformen, nach weiblicher Erwerbsarbeit, nach migrantischen Belegschaften, nach Sprache und Symbolen sowie nach transnationalen Netzwerken.

Wichtig: „Die Arbeiterklasse“ war nie eine völlig einheitliche Gruppe. Facharbeiter, ungelernte Beschäftigte, Heimarbeiterinnen, Bergleute, Dienstbotinnen, Landarbeiter, Angestellte und später Beschäftigte des Dienstleistungssektors besaßen unterschiedliche Interessen und Handlungsmöglichkeiten. Klasse ist daher zugleich eine ökonomische Lage, eine soziale Beziehung und eine historisch wandelbare Selbstdeutung.


Quellen und Methoden im Geschichtsstudium

Für eine wissenschaftliche Untersuchung kombinierst Du unterschiedliche Quellengattungen:

Quellengattung Erkenntnismöglichkeiten Kritische Fragen
Parteiprogramme und Gewerkschaftsbeschlüsse Ziele, Begriffe, Strategien und Selbstbilder Wer formulierte den Text? Welche Kompromisse wurden verdeckt?
Fabrikordnungen, Lohnlisten und Statistiken Arbeitszeit, Entlohnung, Disziplin und soziale Struktur Wie wurden Daten erhoben? Welche Gruppen fehlen?
Polizeiakten und Gerichtsakten staatliche Beobachtung, Repression und Konfliktverläufe Welche Vorannahmen prägten die Behörden?
Briefe, Tagebücher und Autobiografien Erfahrungen, Emotionen und individuelle Deutungen Wie repräsentativ ist das Selbstzeugnis?
Plakate, Fotografien und Filme Symbole, Inszenierungen, Körperbilder und Öffentlichkeit Wer arrangierte das Bild? Was liegt außerhalb des Ausschnitts?
Zeitzeugeninterviews Erinnerung, Erfahrung und nachträgliche Sinnbildung Wie verändern spätere Ereignisse die Erinnerung?

Historische Erkenntnis entsteht durch Quellenkritik, Kontextualisierung und Vergleich. Prüfe Urheberschaft, Entstehungszeit, Adressaten, Zweck, Überlieferungsweg, Sprache und Auslassungen. Eine Quelle zeigt nicht einfach „wie es war“, sondern eröffnet einen perspektivischen Zugang zur Vergangenheit.


Voraussetzungen: Industrialisierung und Soziale Frage


Wandel von Arbeit und Gesellschaft

Die Industrialisierung veränderte Produktion, Raum und Zeit. Maschinen, Fabriken, Eisenbahn, Bergbau und neue Energiequellen steigerten die Produktionsmöglichkeiten. Gleichzeitig verloren viele Menschen traditionelle Sicherheiten. Landflucht, starkes Bevölkerungswachstum und neue Industriestädte führten zu verdichteten Wohnverhältnissen. Lohnarbeit wurde für immer mehr Menschen zur zentralen Lebensgrundlage.

Die Soziale Frage bezeichnete die öffentliche Debatte über Armut, unsichere Beschäftigung, lange Arbeitszeiten, Kinderarbeit, Krankheiten, Wohnungsnot und mangelnde politische Rechte. Antworten kamen aus unterschiedlichen Richtungen: von liberaler Selbsthilfe, christlicher Sozialreform, staatlicher Gesetzgebung, kommunaler Fürsorge, Unternehmerpaternalismus, Genossenschaftswesen, Sozialismus und gewerkschaftlicher Organisation.

Das Gemälde von Carl Wilhelm Hübner verarbeitet den schlesischen Weberaufstand von 1844. Es verweist auf die Not von Heimarbeitern, ist aber keine fotografische Dokumentation. Untersuche Kleidung, Gestik, Raumordnung und die Perspektive auf Unternehmer und Protestierende.


Frühe Protestformen

Vor der dauerhaften Organisation gab es lokale und spontane Proteste. Dazu gehörten Maschinenzerstörungen, Lebensmittelunruhen, Arbeitsniederlegungen, Gesellenvereinigungen und Wanderbewegungen politisierter Handwerker. Solche Aktionen waren nicht bloß „irrational“. Häufig richteten sie sich gegen konkrete Veränderungen von Preisen, Arbeitsregeln, Löhnen oder handwerklichen Rechten.

Der Weberaufstand von 1844 wurde zu einem wichtigen Erinnerungsort. Seine spätere Darstellung in Literatur, Kunst und Politik trug dazu bei, ihn als Symbol sozialer Ausbeutung zu deuten. Historisch solltest Du zwischen Ereignis, zeitgenössischer Wahrnehmung und späterer Erinnerung unterscheiden.


Organisationsbildung im 19. Jahrhundert


Revolution von 1848 und Arbeiterverbrüderung

Während der Revolution von 1848/49 entstanden politische Vereine, Arbeiterkomitees und Zeitungen. Die von Stephan Born mitgeprägte Allgemeine Deutsche Arbeiterverbrüderung verband Forderungen nach politischer Demokratie mit sozialer Reform, Bildung, Unterstützungskassen und Organisation. Nach dem Scheitern der Revolution schränkten die deutschen Staaten politische Vereine stark ein. Viele Netzwerke bestanden jedoch informell oder im Exil weiter.

Die Revolution zeigte ein dauerhaftes Spannungsfeld: Sollten Arbeiter gemeinsam mit dem liberalen Bürgertum für Verfassung und nationale Einheit kämpfen oder eigenständige soziale Interessen vertreten? Diese Frage prägte die Bewegung über Jahrzehnte.


ADAV, SDAP und Parteibildung

1863 wurde in Leipzig der Allgemeine Deutsche Arbeiterverein unter maßgeblichem Einfluss von Ferdinand Lassalle gegründet. Lassalle setzte auf allgemeines, gleiches Wahlrecht und staatlich geförderte Produktivgenossenschaften. Er erwartete politische Fortschritte durch eine eigenständige Arbeiterpartei und Verhandlungen mit dem Staat.

1869 gründeten August Bebel und Wilhelm Liebknecht in Eisenach die Sozialdemokratische Arbeiterpartei. Sie war stärker von Karl Marx und Friedrich Engels beeinflusst, betonte internationale Solidarität und stand der Politik Bismarcks kritisch gegenüber.

1875 vereinigten sich beide Richtungen in Gotha zur Sozialistischen Arbeiterpartei Deutschlands. Das Gothaer Programm war ein politischer Kompromiss. Marx kritisierte es, weil er einzelne Begriffe und Vorstellungen für theoretisch unklar hielt.


Marxismus, Klassenanalyse und politische Strategie

Karl Marx und Friedrich Engels analysierten den Kapitalismus als historisches System, in dem Eigentümer von Produktionsmitteln und Lohnabhängige in einem strukturellen Konflikt stehen. Zentral waren Begriffe wie Produktionsverhältnisse, Mehrwert, Klassenkampf und historischer Materialismus. Ihre Schriften wirkten stark auf Teile der Arbeiterbewegung, wurden aber unterschiedlich interpretiert.

Innerhalb der Bewegung bestanden mehrere Strömungen. Reformismus setzte auf schrittweise Verbesserungen durch Parlament, Tarifpolitik und Gesetzgebung. Revolutionäre Ansätze erwarteten einen grundlegenden Systembruch. Anarchismus kritisierte zentralisierte Staatlichkeit und Parteihierarchien. Christliche und liberale Arbeitervereine lehnten den Marxismus häufig ab, organisierten aber ebenfalls Interessen und Selbsthilfe.

Für die historische Analyse ist entscheidend, Programme nicht mit tatsächlichem Handeln gleichzusetzen. Lokale Vereine konnten pragmatisch handeln, obwohl ihre Programme grundsätzliche Gesellschaftskritik enthielten.


Kaiserreich: Wachstum, Repression und Milieubildung


Sozialistengesetz 1878 bis 1890

Nach zwei Attentaten auf Kaiser Wilhelm I., an denen Sozialdemokraten nicht beteiligt waren, setzte Bismarck 1878 das Sozialistengesetz durch. Es verbot sozialdemokratische Vereine, Versammlungen und Publikationen. Sozialdemokratische Kandidaturen und Reichstagsmandate blieben jedoch möglich. Die Repression führte zu Verhaftungen, Ausweisungen, Beschlagnahmungen und organisatorischer Illegalität, zerstörte die Bewegung aber nicht dauerhaft.

Nach dem Auslaufen des Gesetzes 1890 nahm die Partei den Namen Sozialdemokratische Partei Deutschlands an. Das Erfurter Programm von 1891 verband marxistische Gesellschaftsanalyse mit konkreten politischen und sozialen Forderungen. Bis 1912 entwickelte sich die SPD nach Stimmen zur stärksten Partei bei Reichstagswahlen, blieb aber im autoritär geprägten Kaiserreich von der Regierungsbildung ausgeschlossen.


Gewerkschaften und Arbeitskampf

Mit der Hochindustrialisierung wuchsen die freien Gewerkschaften. Daneben bestanden christliche, liberale und berufsständische Verbände. Gewerkschaften organisierten Unterstützungskassen, Rechtsschutz, Bildungsarbeit, Tarifverhandlungen und Streiks. Ihre Durchsetzungskraft hing von Mitgliederzahl, Finanzreserven, Qualifikation, Konjunktur und staatlichem Verhalten ab.

Robert Koehlers Gemälde Der Streik verdichtet den Konflikt zwischen Arbeiterschaft und Fabrikherrn. Analysiere die räumliche Trennung, die Blickrichtungen, die Anwesenheit von Frauen und Kindern sowie die Darstellung möglicher Gewalt.

Der Streik der Textilarbeiterinnen und Textilarbeiter in Crimmitschau 1903/04 wurde zu einem überregionalen Konflikt um Arbeitszeit und Koalitionsrecht. Er zeigt, wie lokale Arbeitskämpfe durch Spenden, Presse, Polizei und politische Debatten nationalisiert werden konnten.


Arbeiterkultur und sozialdemokratisches Milieu

Die Bewegung bestand nicht nur aus Partei und Gewerkschaft. Arbeitergesangvereine, Sportvereine, Bildungsorganisationen, Bibliotheken, Naturfreunde, Konsumgenossenschaften, Jugendverbände und Zeitungen bildeten ein dichtes sozialdemokratisches Milieu. Es vermittelte Wissen, Gemeinschaft und politische Identität.

Dieses Milieu bot Schutz vor Ausgrenzung, konnte aber auch Grenzen ziehen. Konfessionelle, regionale und geschlechtsspezifische Unterschiede blieben bestehen. Nicht alle Lohnabhängigen fühlten sich der sozialdemokratischen Bewegung zugehörig. Nationale Loyalitäten, Religion, Betriebsgemeinschaft und Aufstiegswünsche konkurrierten mit Klassenidentität.


Frauen in der Arbeiterbewegung

Frauen arbeiteten in Fabriken, Heimarbeit, Landwirtschaft, Handel, Haushalt und Dienstleistung. Ihre Tätigkeiten wurden häufig schlechter bezahlt und statistisch unterschätzt. Politische Vereinsverbote und bürgerliche Geschlechternormen erschwerten ihre Organisation. Trotzdem entstanden Arbeiterinnenvereine, Streikkomitees und sozialistische Frauennetzwerke.

Clara Zetkin, Emma Ihrer, Ottilie Baader und viele heute weniger bekannte Aktivistinnen verbanden Forderungen nach politischer Gleichberechtigung mit sozialer Emanzipation. Innerhalb der Arbeiterbewegung mussten sie zugleich gegen patriarchale Strukturen kämpfen. Die Geschichte zeigt deshalb, dass Klasse und Geschlecht nicht getrennt untersucht werden können.


Internationale Verflechtungen

Die Arbeiterbewegung war von Beginn an grenzüberschreitend. Wandernde Handwerker, politische Exilgruppen, internationale Kongresse, Übersetzungen und Arbeitsmigration verbreiteten Ideen und Organisationsformen. Die 1864 gegründete Internationale Arbeiterassoziation vernetzte unterschiedliche sozialistische, gewerkschaftliche und anarchistische Strömungen.

1889 beschlossen sozialistische Parteien auf einem internationalen Kongress, den Kampf für den Achtstundentag durch gemeinsame Aktionen zu stärken. Daraus entwickelte sich der 1. Mai als internationaler Demonstrations- und Erinnerungstag. Nationale Bewegungen unterschieden sich jedoch deutlich. Britischer Trade Unionismus, französischer Syndikalismus, sozialdemokratische Parteien im Deutschen Reich und Bewegungen in kolonialen Gesellschaften folgten eigenen politischen und rechtlichen Bedingungen.

Eine transnationale Perspektive verhindert, deutsche Geschichte als isolierten Sonderweg zu erzählen. Zugleich darf sie Machtunterschiede, Kolonialismus und ungleiche Mobilität nicht übersehen.


Erster Weltkrieg und Revolution


Burgfrieden und Spaltung

1914 bewilligte die SPD-Reichstagsfraktion Kriegskredite. Der sogenannte Burgfrieden sollte innenpolitische Konflikte während des Krieges zurückstellen. Für viele Mitglieder widersprach dies dem internationalistischen Selbstverständnis. Kriegsgegner formierten sich; 1917 entstand die Unabhängige Sozialdemokratische Partei Deutschlands. Der Spartakusbund um Rosa Luxemburg und Karl Liebknecht gehörte zu den radikalsten Antikriegsgruppen und wirkte später an der Gründung der KPD mit.

Die Spaltung lässt sich nicht allein als Streit von Führungspersonen erklären. Kriegserfahrung, Hunger, Zensur, politische Repression und unterschiedliche Vorstellungen von Revolution und Parlamentarismus verschärften die Konflikte.


Novemberrevolution und Rätebewegung

Im Herbst 1918 führten militärische Niederlage, Versorgungskrise und Kriegserschöpfung zur Novemberrevolution. Ausgehend vom Kieler Matrosenaufstand entstanden in vielen Orten Arbeiter- und Soldatenräte. Sie übernahmen lokale Macht, kontrollierten Verwaltungen und forderten Frieden, Demokratisierung und soziale Reformen.

Die Mehrheitssozialdemokratie unter Friedrich Ebert setzte auf parlamentarische Demokratie und eine rasche Nationalversammlung. Andere Kräfte wollten ein dauerhaftes Rätesystem oder weitergehende Sozialisierungen. Aus dieser Konkurrenz entstanden Grundkonflikte der Weimarer Republik.

Das Stinnes-Legien-Abkommen vom November 1918 brachte die Anerkennung der Gewerkschaften als Vertreter der Arbeiterschaft, Tarifautonomie und den Achtstundentag. Es war zugleich ein Kompromiss zwischen Unternehmerverbänden und Gewerkschaftsführung, der die Eigentumsordnung unangetastet ließ.


Arbeiterbewegung in der Weimarer Republik


Demokratie, Sozialpolitik und Mitbestimmung

Die Weimarer Verfassung garantierte politische Rechte und eröffnete neue Handlungsmöglichkeiten. Das Betriebsrätegesetz von 1920 schuf betriebliche Vertretungsrechte. Der Allgemeine Deutsche Gewerkschaftsbund wurde zur bedeutenden Dachorganisation der freien Gewerkschaften. Daneben bestanden christliche und liberale Gewerkschaften.

Das SPD-Plakat zur Nationalversammlung 1919 verbindet Demokratie und Gleichberechtigung. Es eignet sich zur Analyse politischer Bildsprache nach Einführung des Frauenwahlrechts.

Erfolge blieben von Inflation, Arbeitslosigkeit, politischer Gewalt und ökonomischen Krisen bedroht. Die Arbeiterbewegung war institutionell stärker als im Kaiserreich, aber politisch tief gespalten.


Generalstreik gegen den Kapp-Putsch

Als rechtsgerichtete Putschisten im März 1920 die Reichsregierung stürzen wollten, riefen Gewerkschaften und Parteien zum Generalstreik auf. Millionen Menschen legten die Arbeit nieder. Verwaltung, Verkehr und Versorgung kamen weitgehend zum Stillstand; der Kapp-Putsch brach nach wenigen Tagen zusammen. Das Ereignis zeigt die politische Macht organisierter Arbeit.

Der Erfolg führte jedoch nicht automatisch zu Einigkeit. Im Ruhrgebiet entwickelten sich bewaffnete Kämpfe, die Reichsregierung setzte Militär gegen Teile der Arbeiterschaft ein. Der Generalstreik war damit zugleich demokratische Verteidigung, soziale Mobilisierung und Ausgangspunkt weiterer Gewalt.


SPD, USPD und KPD

Die Beziehungen zwischen SPD, USPD und KPD waren durch Konkurrenz, Revolutionsdeutungen und Gewalterfahrungen belastet. Die KPD orientierte sich zunehmend an der Kommunistischen Internationale. Die SPD verteidigte die parlamentarische Republik, war aber an Entscheidungen beteiligt, die von Teilen der radikalen Linken als Verrat interpretiert wurden.

Am Ende der Weimarer Republik erschwerte die Feindschaft zwischen Sozialdemokratie und Kommunismus ein gemeinsames Vorgehen gegen den Nationalsozialismus. Eine monokausale Erklärung des Scheiterns wäre dennoch falsch. Weltwirtschaftskrise, konservative Eliten, Präsidialregierungen, politische Gewalt, antidemokratische Massenbewegungen und institutionelle Schwächen wirkten zusammen.


Nationalsozialismus: Zerschlagung und Widerstand

Am 1. Mai 1933 inszenierte das NS-Regime einen staatlichen „Tag der nationalen Arbeit“. Am 2. Mai besetzten SA und NSBO Gewerkschaftshäuser, beschlagnahmten Vermögen und verhafteten Funktionäre. Die freien Gewerkschaften wurden zerschlagen. An ihre Stelle trat die Deutsche Arbeitsfront, die keine unabhängige Interessenvertretung war.

Sozialdemokraten, Kommunisten und Gewerkschafter wurden verfolgt, inhaftiert, ins Exil gedrängt oder ermordet. Einige organisierten illegale Netzwerke, verbreiteten Schriften, unterstützten Verfolgte oder beteiligten sich am Widerstand. Zugleich passten sich manche frühere Mitglieder an. Eine differenzierte Geschichte muss Widerstand, Verfolgung, Anpassung und Handlungsspielräume getrennt untersuchen.

Zwangsarbeit und rassistische Arbeitspolitik waren zentrale Bestandteile der NS-Herrschaft. Millionen Menschen aus besetzten Ländern, Kriegsgefangene und KZ-Häftlinge wurden ausgebeutet. Eine Geschichte der Arbeit im Nationalsozialismus darf daher nicht auf die Verfolgung deutscher Organisationen begrenzt werden.


Neubeginn nach 1945


Westdeutschland und der DGB

Nach 1945 gründeten Gewerkschafter in den Besatzungszonen neue Organisationen. Eine zentrale Lehre aus der Spaltung vor 1933 war das Prinzip der Einheitsgewerkschaft: Beschäftigte sollten unabhängig von Partei, Religion und Weltanschauung gemeinsam organisiert werden. 1949 entstand in München der Deutsche Gewerkschaftsbund unter Hans Böckler.

Die westdeutschen Gewerkschaften verbanden Tarifpolitik mit gesellschaftspolitischen Forderungen. Wichtige Konfliktfelder waren Montanmitbestimmung, Betriebsverfassung, Arbeitszeit, Lohnfortzahlung, soziale Sicherung und Humanisierung der Arbeit. Das Montan-Mitbestimmungsgesetz von 1951 gewährte in großen Unternehmen von Kohle und Stahl eine weitreichende paritätische Mitbestimmung. Das Betriebsverfassungsgesetz von 1952 regelte betriebliche Interessenvertretung, blieb aber hinter weitergehenden gewerkschaftlichen Forderungen zurück.

Der Metallarbeiterstreik in Schleswig-Holstein 1956/57 trug zur Durchsetzung der Lohnfortzahlung im Krankheitsfall für Arbeiter bei. In den 1960er- und 1970er-Jahren kamen „wilde“ Streiks hinzu, die nicht immer von Gewerkschaften ausgerufen wurden. Arbeitsmigrantinnen und Arbeitsmigranten spielten bei Konflikten wie dem Streik bei Pierburg 1973 eine wichtige Rolle.


DDR, FDGB und der 17. Juni 1953

In der DDR war der Freie Deutsche Gewerkschaftsbund eine Massenorganisation im politischen System der SED. Er verwaltete soziale Leistungen und Ferienplätze, mobilisierte für Produktionsziele und sollte Beschäftigte politisch integrieren. Eine unabhängige Tarif- und Streikorganisation war er nicht.

Proteste von Bauarbeitern gegen erhöhte Arbeitsnormen in Ost-Berlin weiteten sich im Juni 1953 zu einem landesweiten Aufstand aus. Forderungen nach Rücknahme der Normen verbanden sich mit politischen Forderungen. Sowjetische Truppen und DDR-Sicherheitsorgane schlugen den Aufstand nieder.

Der 17. Juni zeigt, dass Arbeiterprotest auch in einem Staat entstand, der sich selbst als „Arbeiter-und-Bauern-Staat“ legitimierte. Für die Quellenkritik ist besonders wichtig, westliche und ostdeutsche Deutungen, Propagandasprache und spätere Erinnerungspolitik zu vergleichen.


Arbeitskämpfe, neue soziale Fragen und 35-Stunden-Woche

In der Bundesrepublik veränderten Wirtschaftswachstum, Rationalisierung, Bildungsreformen, Frauenbeschäftigung und Migration die Zusammensetzung der Arbeitnehmerschaft. Die Gewerkschaften wurden zu anerkannten Akteuren der Sozialpartnerschaft, blieben aber konfliktfähige Organisationen.

1984 kämpften IG Metall und IG Druck und Papier für die Verkürzung der Wochenarbeitszeit. Der Konflikt um die 35-Stunden-Woche verband Beschäftigungspolitik, Lebensqualität und Kontrolle über Rationalisierungsgewinne. Er endete mit schrittweisen Arbeitszeitverkürzungen und flexibleren Regelungen.


Seit 1990: Transformation der Arbeitswelt

Die deutsche Vereinigung übertrug westdeutsche Gewerkschaftsstrukturen auf Ostdeutschland. Gleichzeitig führten Privatisierung, Betriebsschließungen und Deindustrialisierung zu massiven Beschäftigungsverlusten. Viele Arbeitnehmer erlebten Gewerkschaften als Schutzorganisationen, andere verbanden mit ihnen enttäuschte Erwartungen. Die unterschiedliche Tarifbindung in Ost und West blieb ein langfristiges Thema.

Globalisierung, Dienstleistungswachstum, Leiharbeit, Werkverträge, Plattformarbeit und digitale Überwachung verändern gewerkschaftliche Handlungsmöglichkeiten. 2001 entstand ver.di durch den Zusammenschluss mehrerer Gewerkschaften. Neue Organisationsformen richten sich an Beschäftigte in Pflege, Logistik, Bildung, Handel, Kultur und digitalen Plattformen.

Heute verbinden sich klassische Forderungen nach Lohn, Arbeitszeit und Sicherheit mit Fragen von Künstlicher Intelligenz, Datenschutz, ökologischer Transformation, Qualifizierung, Sorgearbeit und internationaler Lieferkette. Die Geschichte liefert keine fertigen Lösungen, macht aber sichtbar, dass Arbeitsverhältnisse politisch gestaltet und kollektiv verändert werden können.


Historische Deutungen und Kontroversen


Reform oder Revolution?

Die Gegenüberstellung von Reform und Revolution strukturierte viele Debatten, darf aber nicht zu starren Lagern führen. Gewerkschaften konnten in einer Situation kompromissorientiert und in einer anderen konfrontativ handeln. Revolutionäre Parteien beteiligten sich an Wahlen; reformorientierte Organisationen mobilisierten zu Massenstreiks. Analysiere deshalb konkrete Entscheidungen, Machtverhältnisse und Zeithorizonte.


Integration oder Gegenmacht?

Eine klassische Kontroverse fragt, ob die Arbeiterbewegung in Staat und Kapitalismus integriert wurde oder als demokratische Gegenmacht wirkte. Sozialgesetzgebung und Mitbestimmung können als Erfolge kollektiven Drucks gelten. Gleichzeitig konnten institutionelle Beteiligung und Sozialpartnerschaft radikale Ziele begrenzen. Beide Deutungen schließen sich nicht vollständig aus.


Einheit und Ausschluss

Solidarität war ein Leitwert, aber nie automatisch gegeben. Frauen, Migranten, ungelernte Beschäftigte, Heimarbeiter, koloniale Subjekte und rassistisch Verfolgte wurden teilweise nur unzureichend vertreten. Historische Forschung fragt daher, wer im Namen „der Arbeiterschaft“ sprach und welche Erfahrungen unsichtbar blieben.


National oder transnational?

Parteien und Gewerkschaften handelten in nationalen Rechtsordnungen, waren aber durch Migration, Weltmärkte und internationale Ideentransfers verbunden. Der Erste Weltkrieg zeigte die Spannung zwischen internationaler Solidarität und nationaler Loyalität besonders deutlich. Gegenwärtige Lieferketten machen die transnationale Dimension erneut sichtbar.


Zeitleiste

Zeitraum Ereignis oder Entwicklung Historische Bedeutung
1844 Schlesischer Weberaufstand Symbol früher sozialer Proteste gegen Verelendung und Marktveränderungen
1848/49 Allgemeine Deutsche Arbeiterverbrüderung Verbindung von Demokratie, sozialer Reform und Arbeiterorganisation
1863 Gründung des ADAV Beginn einer dauerhaften eigenständigen Arbeiterparteibildung
1869 Gründung der SDAP Eisenacher Richtung mit internationalistischer und marxistischer Prägung
1875 Vereinigung in Gotha Entstehung der Sozialistischen Arbeiterpartei Deutschlands
1878–1890 Sozialistengesetz Repression bei fortbestehender parlamentarischer Mobilisierung
1891 Erfurter Programm Verbindung von Gesellschaftsanalyse und Reformforderungen
1903/04 Textilarbeiterstreik in Crimmitschau Überregionaler Konflikt um Arbeitszeit, Organisation und Geschlechterrollen
1914–1917 Burgfrieden und Spaltung der Sozialdemokratie Krise des Internationalismus und Entstehung der USPD
1918/19 Novemberrevolution und Rätebewegung Demokratisierung, Achtstundentag und Konflikt um die politische Ordnung
1920 Generalstreik gegen den Kapp-Putsch erfolgreiche Verteidigung der Republik durch kollektive Arbeitsniederlegung
1933 Zerschlagung der freien Gewerkschaften Ende unabhängiger Arbeiterorganisationen im NS-Staat
1949 Gründung des DGB Aufbau der westdeutschen Einheitsgewerkschaft
1953 Aufstand vom 17. Juni 1953 Arbeiterprotest gegen Normerhöhung und politische Herrschaft in der DDR
1956/57 Metallarbeiterstreik in Schleswig-Holstein wichtiger Schritt zur Gleichstellung bei der Lohnfortzahlung im Krankheitsfall
1973 migrantisch geprägte Arbeitskämpfe Sichtbarkeit von Geschlecht, Migration und betrieblicher Ungleichheit
1984 Arbeitskampf um die 35-Stunden-Woche Neuverhandlung von Arbeitszeit und Rationalisierung
seit 1990 Vereinigung, Deindustrialisierung und Dienstleistungsgesellschaft neue Organisationsprobleme und veränderte soziale Konflikte


Fallstudie: Ein Bild als historische Quelle

Betrachte das Foto der Arbeiter- und Soldatenräte von 1918 oder das SPD-Plakat von 1919. Arbeite in fünf Schritten:

  1. Beschreibung: Halte sichtbare Personen, Gegenstände, Texte, Raum und Bildaufbau fest, ohne sofort zu deuten.
  2. Provenienz: Ermittle Urheber, Auftraggeber, Entstehungszeit, Archiv und Überlieferung.
  3. Kontextualisierung: Ordne das Medium in Revolution, Wahlkampf oder Organisationsgeschichte ein.
  4. Deutung: Untersuche Symbole, Hierarchien, Emotionen, Geschlechterbilder und politische Botschaften.
  5. Quellenwert: Formuliere, welche Frage das Medium beantworten kann und welche nicht.

Diese Vorgehensweise schützt vor der Gleichsetzung von Sichtbarkeit und historischer Wirklichkeit. Fotografien und Plakate sind besonders wirksam, weil sie Authentizität oder Eindeutigkeit suggerieren können.


Fallstudie: Streik als Prozess

Ein Streik ist kein einzelner Moment, sondern ein Prozess. Rekonstruiere:

  1. Konfliktursache: Lohn, Arbeitszeit, Anerkennung, Sicherheit, politische Rechte oder betriebliche Kontrolle.
  2. Akteure: Beschäftigte, Streikkomitee, Gewerkschaft, Unternehmensleitung, Staat, Medien, Familien und Öffentlichkeit.
  3. Ressourcen: Mitgliederzahl, Streikkasse, Wissen, Netzwerke, Versorgung und öffentliche Zustimmung.
  4. Repertoire: Arbeitsniederlegung, Demonstration, Flugblatt, Boykott, Verhandlung und Solidaritätsspenden.
  5. Ergebnis: materieller Abschluss, organisatorische Folgen, Erinnerung und langfristige Wirkung.

Vergleiche anschließend den Crimmitschauer Streik 1903/04, den Generalstreik 1920, den Metallarbeiterstreik 1956/57 und den Arbeitskampf 1984. So erkennst Du, wie Rechtsordnung, Wirtschaft und politische Kultur die Wirkung ähnlicher Protestformen verändern.


Interaktive Aufgaben


Quiz: Teste Dein Wissen

Welche Entwicklung bildete eine zentrale Voraussetzung der modernen Arbeiterbewegung? (Die Industrialisierung und die Ausbreitung abhängiger Lohnarbeit) (!Die vollständige Abschaffung städtischer Märkte) (!Die Auflösung aller Nationalstaaten im frühen 19. Jahrhundert) (!Die Einführung des Fernsehens)




Welche Organisation wurde 1863 unter maßgeblichem Einfluss Ferdinand Lassalles gegründet? (Der Allgemeine Deutsche Arbeiterverein) (!Der Deutsche Gewerkschaftsbund) (!Die Kommunistische Partei Deutschlands) (!Die Deutsche Arbeitsfront)




Was bewirkte das Sozialistengesetz zwischen 1878 und 1890? (Es verbot sozialdemokratische Vereine, Versammlungen und Publikationen) (!Es führte das Frauenwahlrecht ein) (!Es gründete die Einheitsgewerkschaft) (!Es schaffte die Monarchie ab)




Welche Funktion hatten Gewerkschaften im Kaiserreich vor allem? (Sie organisierten Interessenvertretung, Unterstützung und Arbeitskämpfe) (!Sie ersetzten sämtliche staatlichen Behörden) (!Sie ernannten den Reichskanzler) (!Sie kontrollierten alle Gerichte)




Was war ein wesentliches Ergebnis des Stinnes-Legien-Abkommens von 1918? (Die Anerkennung der Gewerkschaften und des Achtstundentags) (!Die Auflösung aller Betriebsräte) (!Die Einführung der nationalsozialistischen Arbeitsfront) (!Das Verbot von Tarifverhandlungen)




Warum war der Generalstreik gegen den Kapp-Putsch 1920 bedeutsam? (Er trug entscheidend zum Scheitern des Putschversuchs bei) (!Er beendete den Ersten Weltkrieg) (!Er führte zur Gründung des Kaiserreichs) (!Er beseitigte alle Parteien der Weimarer Republik)




Was geschah am 2. Mai 1933? (Die Nationalsozialisten zerschlugen die freien Gewerkschaften) (!Der DGB wurde in München gegründet) (!Das Betriebsverfassungsgesetz trat in Kraft) (!Die DDR führte freie Tarifverhandlungen ein)




Welches Organisationsprinzip prägte den 1949 gegründeten DGB? (Die Einheitsgewerkschaft über Partei- und Konfessionsgrenzen hinweg) (!Die Pflichtmitgliedschaft nur für Parteifunktionäre) (!Die Aufteilung nach Religionszugehörigkeit) (!Der Verzicht auf betriebliche Interessenvertretung)




Woraus entwickelte sich der Aufstand vom 17. Juni 1953 in der DDR? (Aus Protesten gegen erhöhte Arbeitsnormen) (!Aus einer Wahl zum Europäischen Parlament) (!Aus der Einführung des Euro) (!Aus einer Auseinandersetzung um Kolonialbesitz)




Welche Forschungsfrage entspricht einer modernen Arbeitergeschichte? (Wie Klasse, Geschlecht und Migration die Erfahrungen von Arbeit prägten) (!Welche Herrscherkrone am schwersten war) (!Welche Schlachtordnung ohne Bezug zur Gesellschaft verwendet wurde) (!Welche Dynastie die meisten Jagdschlösser besaß)





Memory

ADAV Ferdinand Lassalle
SDAP Eisenach
Sozialistengesetz Repression
Generalstreik Kapp-Putsch
Stinnes-Legien-Abkommen Achtstundentag
DGB Einheitsgewerkschaft
FDGB DDR
Mitbestimmung Betriebsrat





Drag and Drop

Ordne die richtigen Begriffe zu. Thema
Selbsthilfeverein Gegenseitige Unterstützung bei Krankheit oder Not
Gewerkschaft Kollektive Vertretung wirtschaftlicher und sozialer Interessen
Arbeiterpartei Politische Organisation für Wahlen und Gesetzgebung
Streik Gemeinsame zeitweilige Niederlegung der Arbeit
Genossenschaft Gemeinschaftlich organisierter wirtschaftlicher Betrieb
Bildungsverein Vermittlung von Wissen und politischer Orientierung






Kreuzworträtsel

Lassalle Wer prägte die Gründung des Allgemeinen Deutschen Arbeitervereins?
Eisenach In welcher Stadt wurde 1869 die Sozialdemokratische Arbeiterpartei gegründet?
Solidarität Wie heißt das Leitprinzip gegenseitiger Unterstützung?
Gewerkschaft Welche Organisation vertritt Beschäftigte in Arbeits- und Tariffragen?
Mitbestimmung Wie heißt die Beteiligung von Beschäftigten an betrieblichen Entscheidungen?
Proletariat Welcher historische Begriff bezeichnete die besitzarme Lohnarbeiterschaft?





LearningApps


Lückentext

Vervollständige den Text.

Die moderne Arbeiterbewegung entstand im Zusammenhang mit der

. Die soziale Not des 19. Jahrhunderts wurde unter dem Begriff der

diskutiert. Ferdinand Lassalle prägte 1863 die Gründung des

. August Bebel und Wilhelm Liebknecht gehörten 1869 zu den Gründern der

. Das Gesetz von 1878 zur Unterdrückung sozialdemokratischer Organisationen hieß

. Im November 1918 bildeten sich Arbeiter- und

. Der Generalstreik von 1920 richtete sich gegen den

. Die freien Gewerkschaften wurden 1933 vom

zerschlagen. Der westdeutsche Gewerkschaftsdachverband wurde 1949 als

gegründet. In der DDR war der gewerkschaftliche Massenverband der

. Der Arbeitskampf von 1984 zielte auf die

. Moderne Forschung verbindet Klassenanalyse mit Geschlechter- und

.




Offene Aufgaben


Leicht

  1. Begriffskarte: Gestalte eine digitale oder handschriftliche Karte mit den Begriffen Arbeiterbewegung, Gewerkschaft, Partei, Streik, Genossenschaft und Sozialstaat. Verbinde die Begriffe durch beschriftete Pfeile.
  2. Bildanalyse: Wähle eines der eingebundenen Bilder. Beschreibe zunächst nur Sichtbares und formuliere anschließend drei mögliche historische Deutungen.
  3. Zeitleiste: Erstelle eine illustrierte Zeitleiste mit mindestens zehn Stationen von 1844 bis zur Gegenwart.
  4. Biografische Skizze: Verfasse ein Kurzporträt zu Ferdinand Lassalle, August Bebel, Clara Zetkin, Rosa Luxemburg, Hans Böckler oder einer lokalen Aktivistin.


Standard

  1. Quellenvergleich: Vergleiche ein Parteiprogramm mit einem Streikaufruf. Untersuche Adressaten, Sprache, Ziele und Vorstellungen von Solidarität.
  2. Lokale Spurensuche: Recherchiere nach einem Gewerkschaftshaus, Arbeiterviertel, Industriebetrieb, Denkmal oder Straßennamen in Deiner Region. Dokumentiere die Ergebnisse mit Karte und Fotos.
  3. Podcast: Produziere eine fünf- bis achtminütige Folge zur Frage, warum sich die Arbeiterbewegung vor 1914 zugleich national und international verstand.
  4. Streitgespräch: Simuliere eine Debatte im Jahr 1918 zwischen einer Anhängerin der parlamentarischen Demokratie, einem Vertreter des Rätesystems, einem Gewerkschafter und einer Fabrikarbeiterin.


Schwer

  1. Forschungsdesign: Entwickle eine historische Forschungsfrage zur Beteiligung von Frauen oder Migranten an einem Arbeitskampf. Begründe Quellenwahl, Methode und mögliche Grenzen.
  2. Historiografie: Vergleiche eine organisationsgeschichtliche Darstellung mit einer geschlechter- oder alltagsgeschichtlichen Studie. Arbeite unterschiedliche Erkenntnisinteressen heraus.
  3. Ausstellung: Konzipiere eine virtuelle Ausstellung mit mindestens acht Objekten zum Thema „Arbeit, Protest und Demokratie“. Schreibe Objekttexte und erläutere die Auswahl.
  4. Transferanalyse: Untersuche einen aktuellen Konflikt um Plattformarbeit, Pflege, Logistik oder Künstliche Intelligenz. Vergleiche Akteure, Ressourcen und Protestformen mit einem historischen Fall, ohne Gleichsetzungen vorzunehmen.




Text bearbeiten Bild einfügen Video einbetten Interaktive Aufgaben erstellen



Lernkontrolle

  1. Kausalitätsanalyse: Erkläre, wie Industrialisierung, Urbanisierung, politische Rechtlosigkeit und neue Kommunikationsnetze gemeinsam die Organisationsbildung förderten. Zeige auch, warum keine dieser Ursachen allein ausreicht.
  2. Vergleichende Analyse: Vergleiche den Generalstreik von 1920 mit dem Aufstand vom 17. Juni 1953. Untersuche Ziele, Organisationsgrad, staatliche Reaktion und politische Wirkung.
  3. Urteilsaufgabe: Beurteile die These: „Die Institutionalisierung der Gewerkschaften schwächte die Arbeiterbewegung.“ Entwickle Pro- und Contra-Argumente und formuliere ein begründetes Urteil.
  4. Quellenkritik: Analysiere ein Wahlplakat oder eine Fotografie aus dem Kurs. Unterscheide Bildinhalt, Inszenierung, Produktionskontext und späteren Gebrauch.
  5. Strukturanalyse: Erkläre, warum die Kategorie Klasse ohne Geschlecht, Migration und Qualifikation nur begrenzte Aussagekraft besitzt. Nutze mindestens zwei historische Beispiele.
  6. Gegenwartsbezug: Entwickle aus drei historischen Erfahrungen Kriterien für demokratische Interessenvertretung in digitalisierten Arbeitswelten. Benenne zugleich die Grenzen des historischen Transfers.




Lernnachweis

Für einen qualifizierten Lernnachweis solltest Du:

  1. eine belastbare Chronologie der wichtigsten Phasen erstellen und Zäsuren begründen,
  2. zentrale Fachbegriffe präzise, historisch und voneinander abgegrenzt verwenden,
  3. mindestens zwei unterschiedliche Primärquellen methodisch analysieren,
  4. eine eigenständige Forschungsfrage entwickeln,
  5. Forschungsperspektiven aus Sozialgeschichte, Geschlechtergeschichte und Migrationsgeschichte verbinden,
  6. einen Arbeitskampf oder Organisationskonflikt vergleichend untersuchen,
  7. eine argumentativ aufgebaute historische Beurteilung mit Gegenargumenten formulieren,
  8. Medien- und Quellenangaben nachvollziehbar dokumentieren,
  9. zwischen zeitgenössischer Wahrnehmung, späterer Erinnerung und wissenschaftlicher Deutung unterscheiden,
  10. einen reflektierten Transfer zur Gegenwart leisten, ohne historische Situationen gleichzusetzen.

Als Lernprodukt eignet sich eine wissenschaftliche Hausarbeit, ein Quellenportfolio, eine digitale Ausstellung, ein Podcast mit Quellenkommentar oder ein Forschungsplakat. Bewertet werden Fragestellung, Quellenkritik, Kontextualisierung, Argumentation, Begriffsgenauigkeit und Transparenz.




OERs zum Thema

Zur Vertiefung eignen sich außerdem freie Materialien zu Arbeiterbewegung, Geschichte der Sozialdemokratie, Geschichte der Gewerkschaften, Industrialisierung, Soziale Frage, Novemberrevolution, Weimarer Republik, Nationalsozialismus, Deutscher Gewerkschaftsbund, Freier Deutscher Gewerkschaftsbund und Aufstand vom 17. Juni 1953.


Verknüpfte Lernbereiche


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Schulfach+

Prüfungsliteratur 2026
Bundesland Bücher Kurzbeschreibung
Baden-Württemberg

Abitur

  1. Der zerbrochne Krug - Heinrich von Kleist
  2. Heimsuchung - Jenny Erpenbeck

Mittlere Reife

  1. Der Markisenmann - Jan Weiler oder Als die Welt uns gehörte - Liz Kessler
  2. Ein Schatten wie ein Leopard - Myron Levoy oder Pampa Blues - Rolf Lappert

Abitur Dorfrichter-Komödie über Wahrheit/Schuld; Roman über einen Ort und deutsche Geschichte. Mittlere Reife Wahllektüren (Roadtrip-Vater-Sohn / Jugendroman im NS-Kontext / Coming-of-age / Provinzroman).

Bayern

Abitur

  1. Der zerbrochne Krug - Heinrich von Kleist
  2. Heimsuchung - Jenny Erpenbeck

Abitur Lustspiel über Machtmissbrauch und Recht; Roman als Zeitschnitt deutscher Geschichte an einem Haus/Grundstück.

Berlin/Brandenburg

Abitur

  1. Der zerbrochne Krug - Heinrich von Kleist
  2. Woyzeck - Georg Büchner
  3. Der Biberpelz - Gerhart Hauptmann
  4. Heimsuchung - Jenny Erpenbeck

Abitur Gerichtskomödie; soziales Drama um Ausbeutung/Armut; Komödie/Satire um Diebstahl und Obrigkeit; Roman über Erinnerungsräume und Umbrüche.

Bremen

Abitur

  1. Nach Mitternacht - Irmgard Keun
  2. Mario und der Zauberer - Thomas Mann
  3. Emilia Galotti - Gotthold Ephraim Lessing oder Miss Sara Sampson - Gotthold Ephraim Lessing

Abitur Roman in der NS-Zeit (Alltag, Anpassung, Angst); Novelle über Verführung/Massenpsychologie; bürgerliche Trauerspiele (Moral, Macht, Stand).

Hamburg

Abitur

  1. Der zerbrochne Krug - Heinrich von Kleist
  2. Das kunstseidene Mädchen - Irmgard Keun

Abitur Justiz-/Machtkritik als Komödie; Großstadtroman der Weimarer Zeit (Rollenbilder, Aufstiegsträume, soziale Realität).

Hessen

Abitur

  1. Der zerbrochne Krug - Heinrich von Kleist
  2. Woyzeck - Georg Büchner
  3. Heimsuchung - Jenny Erpenbeck
  4. Der Prozess - Franz Kafka

Abitur Gerichtskomödie; Fragmentdrama über Gewalt/Entmenschlichung; Erinnerungsroman über deutsche Brüche; moderner Roman über Schuld, Macht und Bürokratie.

Niedersachsen

Abitur

  1. Der zerbrochene Krug - Heinrich von Kleist
  2. Das kunstseidene Mädchen - Irmgard Keun
  3. Die Marquise von O. - Heinrich von Kleist
  4. Über das Marionettentheater - Heinrich von Kleist

Abitur Schwerpunkt auf Drama/Roman sowie Kleist-Prosatext und Essay (Ehre, Gewalt, Unschuld; Ästhetik/„Anmut“).

Nordrhein-Westfalen

Abitur

  1. Der zerbrochne Krug - Heinrich von Kleist
  2. Heimsuchung - Jenny Erpenbeck

Abitur Komödie über Wahrheit und Autorität; Roman als literarische „Geschichtsschichtung“ an einem Ort.

Saarland

Abitur

  1. Heimsuchung - Jenny Erpenbeck
  2. Furor - Lutz Hübner und Sarah Nemitz
  3. Bahnwärter Thiel - Gerhart Hauptmann

Abitur Erinnerungsroman an einem Ort; zeitgenössisches Drama über Eskalation/Populismus; naturalistische Novelle (Pflicht/Überforderung/Abgrund).

Sachsen (berufliches Gymnasium)

Abitur

  1. Der zerbrochne Krug - Heinrich von Kleist
  2. Woyzeck - Georg Büchner
  3. Irrungen, Wirrungen - Theodor Fontane
  4. Der gute Mensch von Sezuan - Bertolt Brecht
  5. Heimsuchung - Jenny Erpenbeck
  6. Der Trafikant - Robert Seethaler

Abitur Mischung aus Klassiker-Drama, sozialem Drama, realistischem Roman, epischem Theater und Gegenwarts-/Erinnerungsroman; zusätzlich Coming-of-age im historischen Kontext.

Sachsen-Anhalt

Abitur

  1. (keine fest benannte landesweite Pflichtlektüre veröffentlicht; Themenfelder)

Abitur Schwerpunktsetzung über Themenfelder (u. a. Literatur um 1900; Sprache in politisch-gesellschaftlichen Kontexten), ohne feste Einzeltitel.

Schleswig-Holstein

Abitur

  1. Der zerbrochne Krug - Heinrich von Kleist
  2. Heimsuchung - Jenny Erpenbeck

Abitur Recht/Gerechtigkeit und historische Tiefenschichten eines Ortes – umgesetzt über Drama und Gegenwartsroman.

Thüringen

Abitur

  1. (keine fest benannte landesweite Pflichtlektüre veröffentlicht; Orientierung am gemeinsamen Aufgabenpool)

Abitur In der Praxis häufig Orientierung am gemeinsamen Aufgabenpool; landesweite Einzeltitel je nach Vorgabe/Handreichung nicht einheitlich ausgewiesen.

Mecklenburg-Vorpommern

Abitur

  1. (Quelle aktuell technisch nicht abrufbar; Beteiligung am gemeinsamen Aufgabenpool bekannt)

Abitur Land beteiligt sich am länderübergreifenden Aufgabenpool; konkrete, veröffentlichte Einzeltitel konnten hier nicht ausgelesen werden.

Rheinland-Pfalz

Abitur

  1. (keine landesweit einheitliche Pflichtlektüre; schulische Auswahl)

Abitur Keine landesweite Einheitsliste; Auswahl kann schul-/kursbezogen erfolgen.




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THE MONKEY DANCE




The Monkey DanceaiMOOCs

  1. Trust Me It's True: #Verschwörungstheorie #FakeNews
  2. Gregor Samsa Is You: #Kafka #Verwandlung
  3. Who Owns Who: #Musk #Geld
  4. Lump: #Trump #Manipulation
  5. Filth Like You: #Konsum #Heuchelei
  6. Your Poverty Pisses Me Off: #SozialeUngerechtigkeit #Musk
  7. Hello I'm Pump: #Trump #Kapitalismus
  8. Monkey Dance Party: #Lebensfreude
  9. God Hates You Too: #Religionsfanatiker
  10. You You You: #Klimawandel #Klimaleugner
  11. Monkey Free: #Konformität #Macht #Kontrolle
  12. Pure Blood: #Rassismus
  13. Monkey World: #Chaos #Illusion #Manipulation
  14. Uh Uh Uh Poor You: #Kafka #BerichtAkademie #Doppelmoral
  15. The Monkey Dance Song: #Gesellschaftskritik
  16. Will You Be Mine: #Love
  17. Arbeitsheft
  18. And Thanks for Your Meat: #AntiFactoryFarming #AnimalRights #MeatIndustry


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